Vitamin B6 (Pyridoxal-5-Phosphat / P5P)
Zuletzt geprüft am
Vitamine
Pyridoxal-5-Phosphat · Pyridoxin · Pyridoxin-Hydrochlorid · P5P · Pyridoxalphosphat
Auf einen Blick
- Was es ist
- Ein wasserlösliches B-Vitamin. Essenziell, der Körper kann es nur begrenzt speichern. Pyridoxal-5-Phosphat (P5P) ist die aktive Coenzymform, unter anderem Cofaktor bei der Bildung von Neurotransmittern
- Formen
- Pyridoxin-Hydrochlorid (übliche Form in der Studienliteratur, wird im Körper zu Pyridoxal-5-Phosphat umgewandelt) und Pyridoxal-5-Phosphat, P5P (bereits aktivierte Coenzymform)
- Referenzmenge (NRV)
- 1,4 mg pro Tag
- Übliche Studiendosis
- In Humanstudien meist 25 bis 200 mg pro Tag als Pyridoxin-Hydrochlorid, teils als Einzelstoff, teils in Kombination mit Folsäure und/oder Vitamin B12
- Zusammenspiel
- Wirkt im Homocystein-Stoffwechsel mit Folsäure und Vitamin B12 zusammen, siehe die eigene Zeile dazu. Die kombinierte Einnahme mit Magnesium wurde in einer kleinen Studie bei prämenstruellen Angstsymptomen untersucht, siehe die Zeile zu prämenstruellen Symptomen
- Verträglichkeit
- Wasserlöslich. Bei hoher Zufuhr über längere Zeit ist eine sensorische Neuropathie möglich, ausführlich im Abschnitt Sicherheit und Wechselwirkungen. Die EFSA setzt die Obergrenze für Erwachsene seit 2023 bei 12 mg pro Tag an, deutlich niedriger als zuvor
Was diesem Stoff zugesprochen wird
Was die Studien hergeben.
Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.
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01
Normale Funktion des Nervensystems
Behördlich gesichertEinordnung und Einschränkungen
Zugelassene Angabe nach abgeschlossener EFSA-Bewertung
Quellen: 1
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02
Normale psychische Funktion
Behördlich gesichertEinordnung und Einschränkungen
Zugelassene Angabe nach abgeschlossener EFSA-Bewertung
Quellen: 1
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03
Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung
Behördlich gesichertEinordnung und Einschränkungen
Zugelassene Angabe nach abgeschlossener EFSA-Bewertung
Quellen: 1
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04
Regulierung der Hormontätigkeit
Behördlich gesichertEinordnung und Einschränkungen
Zugelassene Angabe nach abgeschlossener EFSA-Bewertung
Quellen: 1
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05
Normaler Homocystein-Stoffwechsel
Behördlich gesichertEinordnung und Einschränkungen
Zugelassene Angabe nach abgeschlossener EFSA-Bewertung. Zur Frage, ob eine zusätzliche Gabe von Vitamin B6 oben auf Folsäure und B12 den Homocystein-Spiegel weiter senkt, siehe die eigene Zeile weiter unten
Quellen: 1
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06
Normale Funktion des Immunsystems
Behördlich gesichertEinordnung und Einschränkungen
Zugelassene Angabe nach abgeschlossener EFSA-Bewertung
Quellen: 1
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07
Normaler Energiestoffwechsel
Behördlich gesichertEinordnung und Einschränkungen
Zugelassene Angabe nach abgeschlossener EFSA-Bewertung
Quellen: 1
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08
Normaler Eiweiß- und Glykogenstoffwechsel
Behördlich gesichertEinordnung und Einschränkungen
Zugelassene Angabe nach abgeschlossener EFSA-Bewertung
Quellen: 1
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09
Normale Cystein-Synthese
Behördlich gesichertEinordnung und Einschränkungen
Zugelassene Angabe nach abgeschlossener EFSA-Bewertung
Quellen: 1
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10
Normale Bildung roter Blutkörperchen
Behördlich gesichertEinordnung und Einschränkungen
Zugelassene Angabe nach abgeschlossener EFSA-Bewertung
Quellen: 1
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11
Zusätzlicher Nutzen einer Einnahme über den Bedarf hinaus, allgemein
Studienlage offenEinordnung und Einschränkungen
Eigenes Thema mit eigener Studienlage. Für mehrere konkrete Zuschreibungen haben wir gezielt nachgesehen, das steht in den folgenden Zeilen. Darüber hinaus haben wir nicht systematisch geprüft
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12
Psychische prämenstruelle Symptome bei Einnahme von Vitamin B6 allein, uneinheitlich zwischen Studien
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In einer randomisierten Crossover-Studie an 63 Frauen (32 vollendeten alle 7 Studienmonate) besserten sich unter 50 mg Pyridoxin pro Tag depressive, reizbare und erschöpfte Symptome signifikant gegenüber Placebo (p kleiner 0,05), andere Symptomgruppen nicht [2]. In einer randomisierten Studie an 55 Frauen unter 150 mg Vitamin B6 pro Tag über 2 Monate besserten sich nach Einschätzung der Autoren möglicherweise autonome und verhaltensbezogene Symptome, ein erheblicher Teil der körperlichen und affektiven Symptomatik blieb bestehen, die Autoren mahnen zugleich zur Vorsicht wegen möglicher Toxizität bei niedrigeren Dosen als bisher angenommen [3]. Eine ältere Übersicht aus 12 kontrollierten Studien bewertet die Evidenzlage insgesamt als schwach und durch kleine Stichproben begrenzt [4]. Eine neuere systematische Übersicht aus 31 randomisierten Studien mit 3254 Frauen zwischen 15 und 50 Jahren, davon nur eine mit niedrigem Verzerrungsrisiko, nennt Vitamin B6 neben Calcium und Zink konsistent wirksam auf die psychischen Symptome, wertet aber narrativ statt per Meta-Analyse aus. Laut Volltext beruht ihr Vitamin-B6-Urteil auf nur 3 Studien mit zusammen 171 Frauen. Zwei davon sind genau die hier einzeln zitierten Arbeiten, die dritte, eine Crossover-Studie an 34 norwegischen Frauen mit 100 mg pro Tag, fand keinen Effekt. Die Übersicht ist damit kein zusätzlicher Beleg und ihr Wort konsistent trägt einen Nullbefund mit [5]. In einer randomisierten Crossover-Studie an 44 Frauen zeigte sich ein signifikanter Effekt auf angstbezogene Symptome nur für die Kombination aus 200 mg Magnesium und 50 mg Vitamin B6 (p=0,040), für Vitamin B6 allein ergab die Gesamtauswertung keinen Unterschied zu Placebo [6]
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13
Übelkeit in der frühen Schwangerschaft, Erbrechen in der größten Einzelstudie unverändert
BelegtEinordnung und Einschränkungen
Für Pyridoxin allein poolte eine Meta-Analyse drei placebokontrollierte Studien mit 441 Teilnehmerinnen (Sahakian 1991, Vutyavanich 1995, Sharifzadeh 2017) und fand im Vergleich zwischen den Gruppen eine Verbesserung des Rhode-Scores um 0,78 Punkte (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,26 bis 1,31, p=0,003, Heterogenität I2 gleich 57 Prozent, Modell mit festem Effekt). Von den 18 eingeschlossenen Studien gingen nur 7 in die rechnerische Auswertung ein, die im Abstract genannten 8 Studien mit günstigem Ergebnis sind eine Auszählung und keine gepoolte Analyse. Die beiden gewichtigsten dieser drei Studien erreichten für sich genommen keine Signifikanz, das gepoolte Ergebnis betrifft die Übelkeit, für das Erbrechen fand die größte von ihnen keinen Unterschied zu Placebo. Eine einheitliche Dosis über alle Studien nennt das Abstract nicht. Für die Kombination von Pyridoxin mit Doxylamin poolte dieselbe Arbeit zwei Studien mit 459 Teilnehmerinnen und fand eine Verbesserung des PUQE-Scores um 0,75 Punkte (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,28 bis 1,22, p=0,002, I2 gleich 0 Prozent) [7]. Eine breiter angelegte systematische Übersicht aus 78 Studien mit 8930 Teilnehmerinnen kommt narrativ zum gleichen Ergebnis, stützt sich für Pyridoxin allein laut Volltext auf zwei placebokontrollierte Studien, Vutyavanich 1995 und Sahakian 1991, die beide auch in der Meta-Analyse enthalten sind. Beide Übersichten sind damit ein Bestand und keine zwei unabhängigen Belege [8]. Bei Frauen mit stationärer Aufnahme wegen besonders ausgeprägter Übelkeit und Erbrechen fand ein einzelner, in einem Cochrane-Review eingeschlossener Vergleich mit 92 Teilnehmerinnen unter Vitamin B6 eine etwas längere Verweildauer als unter Placebo (Mitteldifferenz 0,80 Tage, 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,08 bis 1,52, moderate Evidenzqualität nach GRADE), bei den übrigen dort geprüften Endpunkten kein belegter Unterschied [9]
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14
Bioverfügbarkeit von Pyridoxal-5-Phosphat gegenüber Pyridoxin-Hydrochlorid im direkten Humanvergleich
Keine Studien gefundenEinordnung und Einschränkungen
Gezielt nach einem direkten Vergleich von oral eingenommenem Pyridoxal-5-Phosphat gegen Pyridoxin-Hydrochlorid am Menschen gesucht, auch ohne Studientypfilter, ohne Humanfilter und im Tier- und Labormodus. Gefunden wurden zahlreiche Humanstudien zur Pharmakokinetik von oral verabreichtem Pyridoxin-Hydrochlorid, das im Körper zu Pyridoxal-5-Phosphat umgewandelt wird, sowie Tierstudien zu anderen B6-Formen wie Pyridoxin-Glucosid, aber keine Studie, die eine oral aufgenommene Pyridoxal-5-Phosphat-Dosis direkt gegen eine Pyridoxin-Hydrochlorid-Dosis am Menschen vergleicht. Die verbreitete Zuschreibung, P5P werde als bereits aktivierte Form besser aufgenommen, lässt sich damit derzeit weder bestätigen noch widerlegen
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15
Zusätzliche Senkung des Homocystein-Spiegels durch Vitamin B6 über eine Kombination aus Folsäure und Vitamin B12 hinaus, ohne belegten Zusatzeffekt
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Eine Meta-Analyse aus 12 randomisierten Studien mit 1114 Teilnehmenden fand, dass Folsäure den Homocystein-Spiegel um 25 Prozent senkte (95-Prozent-Konfidenzintervall 23 bis 28 Prozent) und eine zusätzliche Gabe von Vitamin B12, im Mittel 0,5 mg pro Tag, eine weitere Senkung um 7 Prozent bewirkte (3 bis 10 Prozent). Für eine zusätzliche Gabe von Vitamin B6, im Mittel 16,5 mg pro Tag, oben auf eine Folsäure-Basis fand die Regressionsanalyse dagegen keinen signifikanten Zusatzeffekt, ohne dass das Abstract dafür eine eigene Effektgröße mit Konfidenzintervall nennt [10]. Nahezu alle uns bekannten placebokontrollierten Humanstudien zur Homocystein-Senkung setzen Vitamin B6 ausschließlich in Kombination mit Folsäure und/oder Vitamin B12 ein. Eine Studie, die Vitamin B6 allein gegen Placebo auf den Homocystein-Spiegel prüft, wurde bei der Recherche nicht gefunden
Quellen: 10
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16
Kribbeln und Taubheitsgefühl der Hand bei nächtlicher Nervenkompression, kein Unterschied zu Placebo bei den Kernbeschwerden
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Ein Cochrane-Review aus 21 Studien mit 884 Teilnehmenden zu nicht operativen Behandlungen einer Nervenkompression im Handgelenksbereich schloss für Vitamin B6 zwei placebokontrollierte Studien mit zusammen 50 Teilnehmenden ein, Spooner 1993 mit niedrigem und Stransky 1989 mit hohem Verzerrungsrisiko, wegen unterschiedlicher Endpunkte nicht poolbar. Für die Gesamtsymptomatik, nächtliche Beschwerden, Handkoordination sowie Phalen- und Tinel-Zeichen fand er nach 10 bis 12 Wochen keinen Unterschied zu Placebo. Für Fingerschwellung (Mitteldifferenz minus 1,00, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 1,90 bis minus 0,10) und Bewegungsbeschwerden (minus 1,00, minus 1,94 bis minus 0,06) auf einer 5-stufigen Skala fand er dagegen einen begrenzt belegten Vorteil, dessen klinische Bedeutung die Autoren selbst offenlassen. Der Review nennt die Datenlage zu Vitamin B6 deshalb unklar und nicht wirkungslos [11]. Ein weiterer systematischer Review aus 33 randomisierten Studien zu konservativen Behandlungen stuft die Evidenz gegen eine Wirksamkeit von Vitamin B6 als moderat ein, sein Suchzeitraum von 1985 bis 2006 deckt dieselben beiden Studien ab, eine unabhängige Bestätigung ist er damit nicht [12]. Für Kribbeln und Taubheitsgefühl der Hand als Kernbeschwerde lässt sich die verbreitete Zuschreibung in den kontrollierten Studien nicht bestätigen
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Stimmung bei Frauen unter oraler hormoneller Verhütung, gebessert in einer sehr kleinen Studie
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In einer randomisierten, doppelblinden Crossover-Studie an 8 gesunden Frauen unter oraler hormoneller Verhütung senkte eine 4-wöchige Einnahme von 100 mg Vitamin B6 pro Tag den Beck Depression Inventory-II-Score um 20 Prozent gegenüber einem Anstieg um 11 Prozent unter Placebo (p=0,046). Ein weiteres Stimmungsmaß, das Profile of Mood States, veränderte sich nicht signifikant [13]. Die Stichprobe von 8 Teilnehmerinnen ist sehr klein und beschränkt sich auf Frauen unter oraler Verhütung, eine Übertragbarkeit auf andere Gruppen lässt sich daraus nicht ableiten
Quellen: 13
Wichtig zur Einordnung: Die behördlich gesicherten Funktionen beschreiben, wozu der Körper Vitamin B6 braucht. Sie sagen nicht, dass eine zusätzliche Einnahme über den Bedarf hinaus einen weiteren Nutzen bringt. Das sind zwei verschiedene Fragen. Für mehrere verbreitete Zuschreibungen, die genau diese zweite Frage stellen, haben wir gezielt nachgesehen, siehe die Zeilen zu prämenstruellen Symptomen, zu Übelkeit in der Schwangerschaft, zur Homocystein-Senkung, zur Bioverfügbarkeit der beiden Formen, zu Nervenkompressionssymptomen der Hand und zur Stimmung. Keine der dort zitierten Humanstudien nennt Pyridoxal-5-Phosphat als eingesetzte Form, soweit die Form überhaupt angegeben ist, handelt es sich um Pyridoxin- Hydrochlorid. Ob die Ergebnisse auf P5P übertragbar sind, ist mangels direktem Vergleich offen.
Studien im Detail
Prämenstruelle Symptome
Die vorliegenden Studien zu Vitamin B6 allein sind klein, älter und uneinheitlich. Zwei randomisierte Studien aus den 1980er Jahren mit 50 beziehungsweise 150 mg Pyridoxin pro Tag fanden jeweils eine Besserung bei einem Teil der Symptome, meist den emotionalen und verhaltensbezogenen, nicht bei allen [2, 3]. Eine ältere Übersicht aus 12 kontrollierten Studien bewertete die Gesamtevidenz als schwach [4]. Die neueste und größte systematische Übersicht aus 31 randomisierten Studien mit 3254 Frauen kommt zu einer positiveren Einschätzung, wertet aber narrativ aus. Ihr Volltext beziffert die Vitamin-B6-Basis auf 3 Studien mit 171 Frauen, von denen zwei die eben genannten sind und die dritte, mit 100 mg pro Tag über 2 Zyklen, keinen Effekt fand [5]. Bemerkenswert ist eine Studie, die Vitamin B6 und Magnesium sowohl einzeln als auch kombiniert gegen Placebo prüfte, in derselben Studie also: Nur die Kombination erreichte statistische Signifikanz, Vitamin B6 allein nicht [6]. Das ist ein Hinweis darauf, dass ein Teil der verbreiteten Zuschreibung eigentlich auf Kombinationspräparate zurückgeht.
Übelkeit und Erbrechen in der frühen Schwangerschaft
Hier ist die Datenlage deutlich klarer als bei den anderen Zuschreibungen. Eine Meta-Analyse poolte für Pyridoxin allein 3 placebokontrollierte Studien mit 441 Teilnehmerinnen und fand zwischen den Gruppen einen signifikanten Vorteil im Rhode-Score, von den 18 eingeschlossenen Studien gingen überhaupt nur 7 in die Rechnung ein [7]. Eine größere, ältere systematische Übersicht mit narrativer Auswertung kommt zum selben Ergebnis, stützt sich für Pyridoxin allein auf zwei placebokontrollierte Studien, die beide auch in der Meta-Analyse enthalten sind [8]. Die beiden Arbeiten sind deshalb eine Evidenzlinie und nicht zwei. Wichtig ist die Abgrenzung zur schwersten Verlaufsform: Bei Frauen mit stationärer Aufnahme wegen besonders ausgeprägter Symptomatik zeigte sich in einer einzelnen kleinen Studie kein Vorteil, sondern sogar eine etwas längere Verweildauer unter Vitamin B6 [9]. Der positive Befund gilt also für die häufigere, mildere bis moderate Form, nicht durchgehend für die schwersten Fälle.
Bioverfügbarkeit von Pyridoxal-5-Phosphat gegenüber Pyridoxin-Hydrochlorid
Zu dieser Frage, die für einen Eintrag über die P5P-Form zentral ist, haben wir intensiv gesucht und nichts Zurechenbares gefunden. Die verfügbare Humanliteratur misst durchgehend, wie sich oral gegebenes Pyridoxin-Hydrochlorid auf den Pyridoxal-5-Phosphat-Spiegel im Blut auswirkt, nicht, wie sich eine oral gegebene P5P-Dosis im direkten Vergleich zu einer Pyridoxin-Dosis verhält. Die Behauptung, P5P werde als bereits aktivierte Form besser aufgenommen, bleibt damit unbelegt, und zwar in beide Richtungen.
Homocystein-Stoffwechsel
Die EFSA-Angabe zum normalen Homocystein-Stoffwechsel ist eine Grundfunktion und keine Aussage über eine zusätzliche Senkungswirkung. Fast alle Humanstudien, die eine tatsächliche Senkung des Homocystein-Spiegels zeigen, arbeiten mit einer Kombination aus Folsäure und Vitamin B12, meist zusätzlich mit Vitamin B6. In der einzigen uns bekannten Meta-Analyse, die den B6-Zusatzeffekt oben auf eine Folsäure-Basis gesondert prüfte, fand sich kein signifikanter zusätzlicher Beitrag von Vitamin B6 [10]. Die verbreitete Vorstellung, Vitamin B6 senke den Homocystein-Spiegel, trifft demnach vor allem auf die Kombination mit Folsäure und B12 zu, nicht klar auf Vitamin B6 als Einzelstoff.
Nervenkompressionssymptome der Hand
Vitamin B6 wird verbreitet gegen Kribbeln und Taubheitsgefühl der Hand empfohlen, die durch eine Nervenkompression im Handgelenksbereich entstehen. Beide Übersichtsarbeiten folgen denselben zwei Einzelstudien, Spooner 1993 und Stransky 1989. Für die Kernbeschwerden besserten sich die Symptome unter Vitamin B6 nicht stärker als unter Placebo. Ein klarer Nullbefund ist das trotzdem nicht, denn zwei Nebenendpunkte, Fingerschwellung und Bewegungsbeschwerden, zeigten einen kleinen Vorteil, weshalb der Cochrane- Review die Lage selbst als unklar bezeichnet [11, 12].
Tier- und Laborstudien
Zur Frage der Bioverfügbarkeit unterschiedlicher B6-Formen liegen Tierstudien vor, die allerdings andere Formen betreffen als den hier interessierenden Vergleich P5P gegen Pyridoxin-Hydrochlorid, etwa Pyridoxin-Glucosid oder freies Pyridoxal im Vergleich zu Pyridoxin. Diese Arbeiten übertragen wir nicht auf den Menschen und nicht auf P5P.
Sicherheit und Wechselwirkungen
Der wichtigste Sicherheitspunkt bei Vitamin B6 betrifft nicht einen Mangel, sondern einen Überschuss: Eine über längere Zeit hohe Zufuhr kann eine sensorische Neuropathie auslösen, die sich durch Kribbeln, Taubheitsgefühl und Gangunsicherheit äußert und sich nach dem Absetzen nicht immer vollständig zurückbildet. Eine Fallserie beschreibt 3 ältere Patienten, 80 bis 83 Jahre alt, die über 3 bis 10 Jahre 600 mg Pyridoxin pro Tag als Teil eines B1-B6-B12-Kombinationspräparats einnahmen und eine sensorisch-ataktische Neuropathie mit Blutspiegeln vom 67- bis 105-Fachen des oberen Normwerts entwickelten, die sich 2 Jahre nach dem Absetzen nicht wesentlich besserte [16].
Die zuständigen Behörden setzen die Obergrenze für die tägliche Zufuhr unterschiedlich an, und der Wert hat sich zuletzt deutlich verschoben. Eine irische Ernährungserhebung aus dem Jahr 2001 rechnete noch mit einer EU-Obergrenze von 25 mg pro Tag [17]. Die EFSA hat ihre Bewertung 2023 überarbeitet und die tolerierbare Gesamtzufuhrmenge (UL) für Erwachsene, einschließlich Schwangere und Stillende, auf 12 mg pro Tag gesenkt [14]. Grundlage der neuen EFSA-Bewertung ist eine Fall-Kontroll-Studie, aus der ein Referenzpunkt von 50 mg pro Tag abgeleitet und mit einem Unsicherheitsfaktor von 4 versehen wurde, was für sich genommen eine Obergrenze von 12,5 mg pro Tag ergibt. Eine unabhängig berechnete Tierstudie an Beagles ergab eine Obergrenze von 11,7 mg pro Tag, aus dem Mittelwert beider Werte leitete die EFSA die abschließende Obergrenze von 12 mg pro Tag ab [14]. In einem anderen regulatorischen Zusammenhang, dem für zugelassene Arzneimittel mit Vitamin B6, gilt in mehreren Ländern dagegen eine Obergrenze von 100 mg pro Tag [15]. Ein aktueller Expertenkonsens im Delphi-Verfahren empfiehlt, bei einer Anwendung über mehr als 6 Monate und bei mehr als 50 mg Vitamin B6 pro Tag eine regelmäßige ärztliche Kontrolle vorzunehmen, weil ein Neuropathie-Risiko bereits im Bereich von 50 bis 100 mg pro Tag bei empfindlichen Personen beschrieben ist. Die durchschnittliche, alters- und geschlechtsabhängige Referenzzufuhr (RDA) liegt demgegenüber bei nur 1,3 bis 1,7 mg pro Tag [15].
Vitamin B6 kann mit Arzneimitteln wechselwirken. Eine Übersichtsarbeit beschreibt, dass Levodopa, das bei Bewegungsstörungen eingesetzt wird, durch gleichzeitige Einnahme von Vitamin B6 in seiner Wirksamkeit abgeschwächt werden kann, wenn kein Decarboxylase-Hemmer mitgegeben wird, während Isoniazid, ein Tuberkulose-Wirkstoff, den Vitamin-B6-Bedarf erhöhen kann und eine durch Isoniazid ausgelöste Nervenschädigung durch die gleichzeitige Gabe von Pyridoxin verhindert werden kann [18].
Quellen zum Nachlesen
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- 04
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Systematische Übersicht aus 31 RCTs, n=3254, narrativ ausgewertet · 2025
Effect of nutritional interventions on the psychological symptoms of premenstrual syndrome in women of reproductive age: a systematic review of randomized controlled trials.
Robinson J, Ferreira A, Iacovou M, Kellow NJ. Nutr Rev
Zur Zuschreibung: 12
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Randomisierte 4-armige Crossover-Studie, n=44 · 2000
A synergistic effect of a daily supplement for 1 month of 200 mg magnesium plus 50 mg vitamin B6 for the relief of anxiety-related premenstrual symptoms: a randomized, double-blind, crossover study.
De Souza MC, Walker AF, Robinson PA, Bolland K. J Womens Health Gend Based Med
Zur Zuschreibung: 12
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Bei H.P.N
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