Austernseitling-Extrakt
Zuletzt geprüft am
Pilze
Pleurotus ostreatus · Austernpilz · Austernseitling · Oyster Mushroom
Auf einen Blick
- Was es ist
- Extrakt aus dem Fruchtkörper des Austernseitlings (Pleurotus ostreatus), einem weltweit kultivierten Speisepilz, reich an Polysacchariden, darunter Beta-Glucane. Kein einzelner isolierter Wirkstoff. Ein aus demselben Pilz isoliertes, standardisiertes Beta-Glucan (Handelsname Pleuran) wird als eigenständiges Präparat vermarktet und getrennt untersucht, siehe Abgrenzung weiter unten
- Herkunft
- Weltweit kultivierter Speisepilz, wächst natürlicherweise auf totem Laubholz
- Wirkform in Studien
- Uneinheitlich. Je nach Arbeit frischer oder getrockneter, ganzer Pilz als Nahrungsmittel, ein Pulver oder eine Suspension aus dem Fruchtkörper, oder ein isoliertes, standardisiertes Beta-Glucan (Pleuran) als eigenständiges Nahrungsergänzungspräparat
- Übliche Studiendosis
- 20 g Pilzpulver mit 8,1 g Beta-Glucanen als Einzelmahlzeit, 1 kg pro Woche über 3 Monate, oder 50 mg Trockenpilzpulver pro Kilogramm Körpergewicht als Einzeldosis. Für das isolierte Beta-Glucan Pleuran 10 mg pro 5 kg Körpergewicht täglich bei Kindern beziehungsweise 100 mg täglich bei Erwachsenen. Diese Mengen sind untereinander nicht vergleichbar, weil sie unterschiedliche Zubereitungsformen (ganzer Pilz, Pulver, isoliertes Beta-Glucan) und Wirkstoffkonzentrationen betreffen
- Bekannt geworden durch
- Den natürlichen Gehalt an Lovastatin, einem auch pharmazeutisch als Cholesterinsenker eingesetzten Statin. Der Gehalt schwankt in Analysen stark und war in mindestens einer Untersuchung nicht nachweisbar, eine Humanstudie zu einer gezielt geprüften Lovastatin-Dosis aus Austernseitling liegt nicht vor, Einzelheiten weiter unten
- Verträglichkeit
- Als Speisepilz in den vorliegenden Studien gut verträglich. Ballaststoff- und beta-glucanreiche Pilzkost kann bei empfindlichen Personen zu Blähungen führen
Was diesem Stoff zugesprochen wird
Was die Studien hergeben.
Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.
-
01
Postprandial geringeres Hungergefühl, niedrigere freie Fettsäuren und höheres GLP-1, primäre Glukose-AUC ohne Unterschied
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Crossover-Studie erhielten 22 Erwachsene mit gestörter Glukosetoleranz einmalig entweder eine mit 20 g Austernpilzpulver (8,1 g Beta-Glucane) angereicherte Testmahlzeit oder dieselbe Mahlzeit ohne Anreicherung [1]. Gegenüber der unangereicherten Kontrollmahlzeit war die Fläche unter der Kurve (AUC) der freien Fettsäuren nach dem Essen 14 Prozent niedriger (p gleich 0,026), die AUC des Sättigungshormons GLP-1 17 Prozent höher (p gleich 0,001) und das Hungergefühl 22 Prozent geringer (p gleich 0,031) [1]. Der primäre Endpunkt, die Blutzucker-AUC, unterschied sich zwischen den beiden Mahlzeiten ebenso wenig wie Insulin, Triglyceride und zwei weitere Darmhormone [1]. Geprüft wurde eine einzelne Testmahlzeit mit 20 g Pulver, keine tägliche Einnahme über längere Zeit.
Quellen: 1
-
02
Blutzucker und einzelne Blutfettwerte bei regelmäßigem Verzehr, günstige Signale aus überwiegend schwachen Studien
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Der freie Volltext einer Pleurotus-spezifischen systematischen Übersicht schloss 8 Studien aus 7 Publikationen mit Einnahmen über 7 bis 365 Tage ein [3]. Alle meldeten mindestens einen günstigen Glukose- oder Lipidbefund, aber nur 5 waren kontrolliert, nur eine war randomisiert, und fast alle Bereiche des Verzerrungsrisikos wurden als hoch oder unklar bewertet. Quelle 6 ist bereits in dieser Übersicht enthalten und kein unabhängiger Zusatzbeleg. In einer randomisierten Studie mit 20 ausgewerteten Personen senkten 30 g gefriergetrockneter Austernseitling täglich über 3 Wochen Triglyceride gegenüber Kontrolle, während Gesamtcholesterin und LDL weder innerhalb noch zwischen den Gruppen signifikant verändert waren [3]. Der freie Volltext einer neueren Vollkost-RCT berichtet 73 Randomisierte und 60 ausgewertete übergewichtige, sonst kardiometabolisch gesunde Erwachsene [4]. Die Intervention kombinierte an wechselnden Tagen Champignon und Austernseitling und ist deshalb nicht Pleurotus-spezifisch. Nüchternglukose verbesserte sich gegenüber Kontrolle (Interaktion p gleich 0,034), für Gesamtcholesterin, LDL, HDL und Triglyceride gab es keinen zusätzlichen Effekt. Der freie Volltext einer breiteren Übersicht über mehrere Speisepilzarten schloss 22 Arbeiten ein, konnte keine artbezogene Unteranalyse vornehmen und überschneidet sich mit Quelle 3 [5]. Die Daten liefern günstige Hinweise, aber keine direkte Widerspruchsgruppe und keinen belastbaren Nachweis für einen unspezifizierten Extrakt.
-
03
Körpergewicht bei regelmässigem Verzehr, in der vorliegenden Übersichtsarbeit ohne Veränderung
Nicht bestätigtEinordnung und Einschränkungen
Dieselbe systematische Übersichtsarbeit von 2020 berichtet, dass sich das Körpergewicht in den eingeschlossenen Studien zum Austernseitling nicht veränderte, das Sättigungsempfinden wurde in diesen Studien nicht erfasst [3]. Eine eigene Zahl oder ein Konfidenzintervall dafür nennt das Abstract nicht.
Quellen: 3
-
04
Häufigkeit von Atemwegsinfekten bei Kindern mit wiederkehrenden Atemwegsinfekten oder chronischem Atemwegsleiden, mit dem isolierten Beta-Glucan Pleuran
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Drei randomisierte, doppelblinde, plazebokontrollierte, multizentrische Studien derselben Kerngruppe prüften das isolierte Beta-Glucan Pleuran bei Kindern [7, 8, 9]. Sie meldeten weniger oder kürzere Atemwegsinfekte beziehungsweise günstigere Teilendpunkte. Die Präparate enthielten jedoch zusätzlich Vitamin C oder Vitamin D und Zink, die Auswertungen waren teilweise altersbezogen oder sekundär, und keine Studie prüfte einen unspezifizierten Austernseitling-Extrakt. Mehrere Autoren legten Beziehungen zum Pleuran-Hersteller offen. Wegen der Formulierungsgrenze, der Zusatzstoffe, der nicht unabhängigen Arbeitsgruppen und der Industrienähe bleibt die Stufe bei Hinweise.
-
05
Zelluläre Immunmarker und Atemwegsinfekt-Symptome bei Sportlern nach intensiver Belastung, mit dem isolierten Beta-Glucan Pleuran, uneinheitlich bei den Zellzahlen
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In einer doppelblinden, plazebokontrollierten Studie an 50 Sportlern reduzierte eine dreimonatige Einnahme eines Präparats mit 200 mg Pleuran und 200 mg Vitamin C die selbst berichtete Häufigkeit von Symptomen oberer Atemwegsinfekte und erhöhte die Zahl natürlicher Killerzellen [10]. Eine Pilotstudie an 20 Elite-Sportlern prüfte 100 mg Pleuran über 2 Monate und fand nach akuter Belastung einen Rückgang der NK-Aktivität nur unter Placebo, aber keinen signifikanten Gruppenunterschied der Zellzahlen [11]. Beide kleinen Studien stammen aus demselben Autorenumfeld und betreffen Pleuran, nicht den unspezifizierten Extrakt. Beziehungen zum Hersteller begrenzen die Unabhängigkeit.
-
06
Antioxidative Enzyme und Lipidperoxidation im diabetischen Rattenmodell
Nur Labor und TierEinordnung und Einschränkungen
An Ratten mit chemisch ausgelöstem Diabetes erhöhte ein aus Austernseitling gewonnenes Polysaccharid (100 bis 400 mg pro Kilogramm Körpergewicht täglich über 4 Wochen) die Aktivität der antioxidativen Enzyme Superoxiddismutase, Katalase und Glutathionperoxidase im Blut und senkte Malondialdehyd [13]. Die Untersuchung fand ausschließlich an Ratten statt und belegt keine antioxidative Wirkung beim Menschen.
Quellen: 13
-
07
Direkte antimikrobielle und antivirale Wirkung des Extrakts, nur Laborbefunde; Pleuran-Kombinationspräparat bei HSV-1 mit klinischem Signal
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In Agar-Diffusionstests hemmten Austernseitling-Extrakte Candida albicans sowie teilweise Escherichia coli und Bacillus subtilis [14]. In Vero-Zellen zeigte keiner der geprüften Austernseitling-Extrakte eine relevante Wirkung gegen Herpes-simplex-Virus 1 [15]. Eine randomisierte Humanstudie an 90 HSV-1-positiven Personen fand unter einem Pleuran-basierten Kombinationspräparat kürzere Herpes-Symptome als unter Placebo [20]. Das ist ein klinischer Hinweis für die Kombination, aber kein Nachweis einer direkten antiviralen Wirkung des unspezifizierten Extrakts.
-
08
Lebergesundheit und Entgiftung
Nur Labor und TierEinordnung und Einschränkungen
An Ratten mit durch Tetrachlorkohlenstoff ausgelöster akuter Leberschädigung senkte ein aus Austernseitling gewonnenes Polysaccharid die Leberenzyme ALT und AST im Blut gegenüber unbehandelten Kontrolltieren, erhöhte mehrere antioxidative Enzyme und verringerte Marker für den programmierten Zelltod in der Leber [16]. Dosis und Behandlungsdauer nennt das Abstract nicht. Die Untersuchung fand ausschliesslich an Ratten mit toxisch ausgelöster Leberschädigung statt. Eine gezielte Suche nach randomisierten oder kontrollierten Humanstudien zur Lebergesundheit oder Entgiftung durch Austernseitling (Suchbegriffe liver und hepatoprotective) ergab keinen Treffer.
Quellen: 16
-
09
Knochenstoffwechsel und der oft genannte Vitamin-D- und Calciumgehalt
Nur Labor und TierEinordnung und Einschränkungen
In einem Laborversuch wurden gefriergetrocknetes Austernseitling-Pulver (2 Prozent Gewicht pro Volumen) und ein daraus hergestellter Heisswasserextrakt (1 Prozent Gewicht pro Volumen) mit Stuhlproben von jeweils 3 gesunden und 3 osteopenischen Frauen fermentiert, die entstehenden Fermentationsprodukte wurden anschliessend auf Kulturen menschlicher Osteoblasten gegeben [17]. Sowohl das Pilzpulver als auch der Extrakt senkten den Knochenabbau-Marker RANKL gegenüber unbehandelten Kontrollen, der Extrakt steigerte zusätzlich tendenziell die Osteoblasten-Aktivität [17]. Es handelt sich um einen In-vitro-Versuch mit menschlichen Stuhlproben und Zellkulturen, keine Einnahme durch lebende Personen und keine Messung an echtem Knochengewebe. Eine gezielte Suche nach randomisierten oder kontrollierten Humanstudien zu Austernseitling und Vitamin-D-Status oder Knochengesundheit (Suchbegriffe vitamin D status und bone health) ergab keinen Treffer. Bereits die verbreitete Grundannahme ist unsicher, wie viel Vitamin D ein unbehandelter, nicht mit UV-Licht bestrahlter Austernseitling überhaupt enthält, wird in den vorliegenden Arbeiten nicht beziffert.
Quellen: 17
Studien im Detail
Postprandialer Stoffwechsel bei gestörter Glukosetoleranz
Dicks und Kollegen prüften 2022 in einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Crossover-Studie an 22 Erwachsenen mit gestörter Glukosetoleranz eine mit 20 g Austernpilzpulver (8,1 g Beta-Glucane) angereicherte Testmahlzeit gegen dieselbe Mahlzeit ohne Anreicherung. Nach der angereicherten Mahlzeit waren freie Fettsäuren im Blut niedriger und das Sättigungshormon GLP-1 höher und das Hungergefühl geringer als nach der Kontrollmahlzeit. Für das getrennt erfasste Sättigungsgefühl fand sich kein signifikanter Unterschied. Der primäre Endpunkt, die Blutzucker-AUC, veränderte sich dagegen nicht, ebenso wenig Insulin und Triglyceride.
Einschränkung: Es handelt sich um eine einzelne Testmahlzeit, keine Einnahme über mehrere Wochen. Die verzehrte Menge von 20 g Pulver mit 8,1 g Beta-Glucanen lässt sich wegen der unterschiedlichen Darreichungsform nicht ohne Weiteres auf einen kapselbasierten Extrakt mit unbekanntem Beta-Glucan-Gehalt übertragen.
Blutzucker, Blutfette und Körpergewicht bei regelmässigem Verzehr
Zum regelmässigen Verzehr des ganzen Pilzes liegen mehrere kleine Humanstudien mit uneinheitlichem Ergebnis vor. González-Bonilla und Kollegen fanden 2022 in einer dreimonatigen Ernährungsintervention ohne Placebo-Arm an 30 Personen aus einer ländlichen Gemeinde in Mexiko, dass in der Gruppe mit zusätzlich 1 kg Austernseitling pro Woche viszerales Fett, Glukose, Triglyceride und Cholesterin bei Frauen sowie Glukose und Triglyceride bei Männern gegenüber dem Ausgangswert sanken. Das Abstract berichtet diese Werte als Veränderung innerhalb der jeweiligen Gruppe, einen direkten Vergleich zur Gruppe ohne Pilzverzehr nennt es nicht.
Dicks und Ellinger fassten 2020 in einer systematischen Übersichtsarbeit die klinischen Studien zum Austernseitling zusammen. Acht der eingeschlossenen Studien zeigten günstige Effekte auf Glukosestoffwechsel und Blutfette, das Körpergewicht veränderte sich dagegen in keiner Studie. Die Autorinnen bewerten das Verzerrungsrisiko der meisten Studien als hoch oder unklar und die Evidenz insgesamt als gering.
Dem gegenüber steht eine 2024 veröffentlichte, randomisierte, achtwöchige Studie an 60 übergewichtigen, kardiometabolisch unauffälligen Erwachsenen, die eine mediterrane Ernährung mit oder ohne täglich rund 84 g eines Mischpräparats aus Champignon und Austernseitling erhielten. Der Nüchternblutzucker verbesserte sich in der Pilzgruppe stärker als in der Kontrollgruppe, das Gesamtcholesterin sank dagegen in beiden Gruppen durch die mediterrane Ernährung selbst gleichermassen, ohne zusätzlichen Effekt der Pilze. Eine breiter angelegte Übersichtsarbeit über mehrere Speisepilzarten kam 2023 zu einem ähnlichen Bild: In experimentellen Studien sanken vor allem Triglyceride und der Entzündungswert hs-CRP, andere Werte blieben uneinheitlich oder unzureichend untersucht.
Jayasuriya und Kollegen fanden 2015 in einer als RCT deklarierten Studie an gesunden Erwachsenen und Personen mit Typ 2 Diabetes unter Diätkontrolle, dass eine Einzeldosis von 50 mg Trockenpilzpulver je Kilogramm Körpergewicht den Blutzucker vor und nach einer Glukosebelastung gegenüber dem Ausgangswert senkte. Einen Placebo-Vergleich für diesen Teil der Studie nennt das Abstract nicht.
Einordnung: Mehrere Studien zum selben Wertebereich (Nüchtern- und postprandialer Blutzucker, Blutfette) zeigen sowohl günstige als auch neutrale Ergebnisse. Ausgerechnet die methodisch kontrollierteste Arbeit, mit definierter Diät und echter Kontrollgruppe, findet für Cholesterin keinen zusätzlichen Effekt durch den Pilzverzehr. Für keine dieser Studien ist der Beta-Glucan- oder Polysaccharid-Gehalt mit dem eines unspezifizierten oralen Extrakts vergleichbar.
Häufigkeit von Atemwegsinfekten bei Kindern, mit dem isolierten Beta-Glucan Pleuran
Jesenak und Kollegen prüften in drei randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten, multizentrischen Studien (2013, 2025, 2025) ein aus Austernseitling isoliertes, standardisiertes Beta-Glucan unter dem Handelsnamen Pleuran, verarbeitet zu einem Präparat namens Imunoglukan, bei Kindern mit wiederkehrenden Atemwegsinfekten beziehungsweise einem chronisch entzündlichen, teilweise kontrollierten Atemwegsleiden.
In der ersten Studie an 175 Kindern blieben nach 12 Monaten 36 Prozent der Pleuran-Gruppe gegenüber 21 Prozent der Placebo-Gruppe (Vitamin C allein) frei von jeglicher Atemwegsinfektion, zusätzlich sanken grippeähnliche Erkrankungen und untere Atemwegsinfekte. In der zweiten Studie an 230 Kindern mit einem chronisch entzündlichen Atemwegsleiden senkte Pleuran plus Vitamin C bei Kindern ab 12 Jahren die Zahl der Atemwegsinfekte gegenüber Placebo, bei jüngeren Kindern verbesserte sich ein zusammengesetzter Kontroll-Score aus Symptomen, Bedarfsmedikation und Lungenfunktion. In der dritten Studie an 249 Kindern senkte ein neues, kaubares Pleuran-Präparat mit Vitamin D und Zink über 3 Monate die Gesamtzahl der Atemwegsinfekte gegenüber Placebo, am deutlichsten bei Erkältungen.
Einschränkung: Alle drei Studien prüfen ein isoliertes, standardisiertes Beta-Glucan-Präparat mit weiteren Zusatzstoffen, keine davon den unspezifizierten Austernseitling-Extrakt in Kapselform. Bei der zweiten Studie legen mehrere Autoren offen, Berater- oder Vortragshonorare vom Hersteller des Präparats erhalten zu haben. Alle drei Studien stammen von weitgehend derselben Kerngruppe von Autoren und sind damit keine vollständig unabhängigen Wiederholungen.
Zelluläre Immunmarker bei Sportlern nach intensiver Belastung, mit dem isolierten Beta-Glucan Pleuran
Bergendiova und Kollegen zeigten 2011 in einer doppelblinden, plazebokontrollierten Studie an 50 Sportlern, dass eine dreimonatige tägliche Einnahme von Pleuran die Häufigkeit von Symptomen einer oberen Atemwegsinfektion gegenüber Placebo reduzierte und die Zahl zirkulierender natürlicher Killerzellen erhöhte. Bobovčák und Kollegen fanden 2010 in einer kleineren, doppelblinden Pilotstudie an 20 Elite-Sportlern, dass die Aktivität natürlicher Killerzellen nach einer akuten Belastung unter Placebo deutlich sank, unter täglich 100 mg Pleuran dagegen nicht signifikant.
Einschränkung: Auch hier handelt es sich um das isolierte Beta-Glucan-Präparat, nicht um den unspezifizierten Austernseitling-Extrakt, und um kleine Studien aus dem Umfeld desselben Autors (Majtan).
Abgrenzung: Pleuran gegenüber dem unspezifizierten Extrakt
Ein grosser Teil der Humanevidenz zum Austernseitling betrifft nicht den unspezifizierten Fruchtkörper-Extrakt, sondern Pleuran, ein aus dem Pilz isoliertes, unlösliches Beta-1,3/1,6-Glucan, das unter dem Handelsnamen Pleuran vertrieben und zu Präparaten wie Imunoglukan verarbeitet wird. Eine Übersichtsarbeit von Majtan ordnet die Wirkung dieses isolierten Beta-Glucans in den Unterschied zwischen unlöslichen und löslichen Beta-Glucanen ein: Lösliches Hafer-Beta-Glucan zeigte in vergleichbaren Sportlerstudien keine Wirkung auf die Häufigkeit von Atemwegsinfekten, das unlösliche Pleuran dagegen schon. Struktur, Löslichkeit und Verzweigungsgrad eines Beta-Glucans beeinflussen demnach seine immunmodulierende Wirkung, nicht allein seine Herkunft aus dem Austernseitling.
Ein unspezifizierter, oral eingenommener Austernseitling-Extrakt ist weder als Pleuran noch mit einem bestimmten Beta-Glucan-Gehalt deklariert. Ob und in welchem Umfang sich die für Pleuran gezeigten Effekte auf diesen unspezifizierten Extrakt übertragen lassen, ist auf dieser Datengrundlage nicht zu beurteilen. Diese Abgrenzung gilt auch für die athletenbezogenen Studien im vorigen Abschnitt.
Der natürliche Lovastatin-Gehalt: ein Wirkstoff ohne geprüfte Dosis
Der Austernseitling ist einer von mehreren Speisepilzen, die Lovastatin (auch Mevinolin genannt) natürlich bilden, denselben Wirkstoff, der als verschreibungspflichtiger Arzneistoff zur Cholesterinsenkung eingesetzt wird. Dieser Umstand ist die vermutlich populärste Erklärung für die dem Austernseitling zugeschriebene cholesterinsenkende Wirkung.
Der tatsächliche Gehalt ist aber alles andere als verlässlich. Lam und Okello konnten 2015 in einer Analyse von rohem und verarbeitetem Austernseitling überhaupt kein Lovastatin nachweisen [18]. Tsiantas und Kollegen verglichen 2021 den Lovastatin-Gehalt von Austernseitling mit dem von Champignon (Agaricus bisporus) auf verschiedenen Anbausubstraten und fanden bei Champignon die höchsten Werte, maximal 1,39 mg pro Kilogramm Trockengewicht auf Substrat aus Traubentrester [19]; das liegt um Grössenordnungen unter einer pharmazeutischen Lovastatin-Tagesdosis von 10 bis 80 mg. Der Gehalt schwankt demnach stark mit Pilzart, Sorte, Anbausubstrat und Wachstumsbedingungen und war in mindestens einer Untersuchung analytisch nicht nachweisbar.
Eine Humanstudie, die gezielt eine definierte Lovastatin-Dosis aus Austernseitling auf Blutfette prüft, wurde nicht gefunden (Suche unter anderem mit den Begriffen lovastatin cholesterol und monacolin). Die oben beschriebenen, uneinheitlichen Ergebnisse zu Blutfetten stammen aus Studien mit dem ganzen Pilz oder Pilzpulver, in denen der jeweilige Lovastatin-Gehalt nicht bestimmt wurde; ein ursächlicher Zusammenhang zwischen dem Statin-Gehalt und den beobachteten Effekten ist damit nicht belegt, sondern eine bislang unbestätigte Annahme.
Tier- und Laborstudien
Zur antioxidativen Wirkung liegen ausschliesslich Tierdaten vor: An Ratten mit chemisch ausgelöstem Diabetes erhöhte ein aus Austernseitling gewonnenes Polysaccharid mehrere antioxidative Blutenzyme und senkte einen Marker für Lipidschäden, zusätzlich zu einer Senkung von Blutzucker- und Blutfettwerten.
Zu einer antimikrobiellen und antiviralen Wirkung liegen ausschliesslich Zellkulturdaten vor: Wässrige Extrakte aus Fruchtkörper und Myzel hemmten in Agar-Diffusionstests das Wachstum von Candida albicans, Escherichia coli und Bacillus subtilis. Gegen das Herpes-simplex-Virus 1 zeigte keiner der geprüften Austernseitling-Extrakte in einem gesonderten Zellkultur-Test eine relevante Wirkung, anders als Extrakte dreier anderer, nicht verwandter Pilzarten in derselben Untersuchung.
Zur Lebergesundheit liegt eine Tierstudie vor: An Ratten mit toxisch ausgelöster akuter Leberschädigung senkte ein aus Austernseitling gewonnenes Polysaccharid Leberenzyme im Blut und Marker für den programmierten Zelltod in der Leber. Dosis und Behandlungsdauer nennt das Abstract nicht.
Zum Knochenstoffwechsel liegt ein In-vitro-Versuch vor, kein Tierversuch: Austernseitling-Pulver und ein daraus hergestellter Extrakt, fermentiert mit menschlichen Stuhlproben, senkten in Kulturen menschlicher Osteoblasten den Knochenabbau-Marker RANKL.
Aus all diesen Untersuchungen folgt keine Aussage darüber, ob und in welchem Ausmass sich ein vergleichbarer Effekt bei oraler Einnahme durch Menschen einstellt.
Sicherheit und Wechselwirkungen
In den vorliegenden Humanstudien war der Verzehr von Austernseitling als Pilzpulver, Speisepilz oder isoliertes Beta-Glucan gut verträglich. Ballaststoff- und beta-glucanreiche Pilzkost kann bei empfindlichen Personen zu Blähungen oder Völlegefühl führen.
Da Austernseitling-Polysaccharide und insbesondere das isolierte Beta-Glucan Pleuran das Immunsystem in mehreren der oben beschriebenen Studien messbar veränderten, ist bei einer bestehenden Einnahme von das Immunsystem unterdrückenden Medikamenten oder bei einer Autoimmunerkrankung ärztliche Rücksprache sinnvoll.
Der analytisch nachweisbare Lovastatin-Gehalt im Austernseitling ist gering, schwankend und in mindestens einer Analyse gar nicht nachweisbar (siehe oben). Eine relevante Wechselwirkung mit verschriebenen Statin-Medikamenten ist auf dieser Datenlage nicht zu erwarten, weil der pflanzliche Gehalt um Grössenordnungen unter der pharmazeutischen Tagesdosis liegt oder analytisch gar nicht nachweisbar ist.
Quellen zum Nachlesen
-
01
RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, Crossover, n gleich 22, Einzelmahlzeit-Test · 2022
Fortifying a meal with oyster mushroom powder beneficially affects postprandial glucagon-like peptide-1, non-esterified free fatty acids and hunger sensation in adults with impaired glucose tolerance, a double-blind randomized controlled crossover trial
Dicks L, et al. Eur J Nutr
Zur Zuschreibung: 01
-
02
Randomisierte Ernährungsintervention ohne Placebo-Arm, n gleich 30, 3 Monate · 2022
Dietary Supplementation with Oyster Culinary-Medicinal Mushroom, Pleurotus ostreatus (Agaricomycetes), Reduces Visceral Fat and Hyperlipidemia in Inhabitants of a Rural Community in Mexico
González-Bonilla A, et al. Int J Med Mushrooms
Zur Zuschreibung: 02
-
03
Systematische Übersichtsarbeit, 8 klinische Studien mit berichtetem Nutzen, Gesamtzahl der eingeschlossenen Studien im Abstract nicht genannt · 2020
Effect of the Intake of Oyster Mushrooms (Pleurotus ostreatus) on Cardiometabolic Parameters, A Systematic Review of Clinical Trials
Dicks L, Ellinger S. Nutrients
-
04
RCT, randomisiert, parallel, n gleich 60, 8 Wochen, Mischpräparat aus Agaricus bisporus und Pleurotus ostreatus · 2024
Consuming Mushrooms When Adopting a Healthy Mediterranean-Style Dietary Pattern Does Not Influence Short-Term Changes of Most Cardiometabolic Disease Risk Factors in Healthy Middle-Aged and Older Adults
Uffelman CN, et al. J Nutr
Zur Zuschreibung: 02
- 05
-
06
RCT, zwei Pilzarten, gesunde Probanden und Personen mit Typ 2 Diabetes unter Diätkontrolle, Einzeldosis 50 mg pro Kilogramm Körpergewicht · 2015
Hypoglycaemic activity of culinary Pleurotus ostreatus and P. cystidiosus mushrooms in healthy volunteers and type 2 diabetic patients on diet control and the possible mechanisms of action
Jayasuriya WJ, et al. Phytother Res
Zur Zuschreibung: 02
- 07
-
08
RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, multizentrisch, n gleich 230 randomisiert, 206 ausgewertet, 24 Wochen Behandlung plus 24 Wochen Nachbeobachtung · 2025
Beneficial effects of pleuran on asthma control and respiratory tract-infection frequency in children with perennial asthma
Jesenak M, et al. Sci Rep
Zur Zuschreibung: 04
- 09
- 10
- 11
- 12
- 13
- 14
- 15
- 16
-
17
Laborstudie, In-vitro-Fermentation mit menschlichen Stuhlproben und Osteoblasten-Zellkulturen · 2021
Fermentation of Pleurotus ostreatus and Ganoderma lucidum mushrooms and their extracts by the gut microbiota of healthy and osteopenic women, potential prebiotic effect and impact of mushroom fermentation products on human osteoblasts
Kerezoudi EN, et al. Food Funct
Zur Zuschreibung: 09
-
18
Analytische Laborstudie (Gehaltsbestimmung), kein Interventionsversuch · 2015
Determination of Lovastatin, β-glucan, Total Polyphenols, and Antioxidant Activity in Raw and Processed Oyster Culinary-Medicinal Mushroom, Pleurotus ostreatus (Higher Basidiomycetes)
Lam YS, Okello EJ. Int J Med Mushrooms
-
19
Analytische Laborstudie (Gehaltsbestimmung, Methodenvergleich), mehrere Pilzarten und Anbausubstrate · 2021
On the Identification and Quantification of Ergothioneine and Lovastatin in Various Mushroom Species, Assets and Challenges of Different Analytical Approaches
Tsiantas K, et al. Molecules
- 20
Bei H.P.N
Diesen Inhaltsstoff findest Du in: