Beta-Carotin (Vitamin A)
Zuletzt geprüft am
Pflanzenstoffe
all-trans-Beta-Carotin (Provitamin A) · Provitamin A · Betacarotin · E160a
Wichtiger Hinweis vorab: Zwei große randomisierte Präventionsstudien fanden mehr Lungenkrebs und eine höhere Gesamtsterblichkeit: ATBC bei männlichen Rauchern unter hochdosiertem Beta-Carotin gegenüber den Studienarmen ohne Beta-Carotin, CARET bei Rauchenden, ehemaligen Rauchenden und beruflich gegenüber Asbest exponierten Personen unter Beta-Carotin zusammen mit Vitamin A gegenüber Placebo. CARET wurde deswegen 21 Monate vor dem geplanten Ende abgebrochen, ATBC lief bis zur geplanten Auswertung. Mehrere Meta-Analysen haben diesen Befund seither bestätigt, sie stützen sich dabei allerdings weitgehend auf dieselben Studien. Einzelheiten mit den genauen Zahlen stehen bei der Wirkung "Gesamtkrebsrisiko" und im Abschnitt Sicherheit und Wechselwirkungen.
Auf einen Blick
- Was es ist
- Ein oranges Carotinoid-Pigment aus Pflanzen. Im Körper eine Vorstufe (Provitamin) von Vitamin A, kein Vitamin A selbst
- Herkunft
- Karotten, Süßkartoffeln, Kürbis, Grünkohl, Spinat und anderes orange bis grün gefärbtes Gemüse.
- Verhältnis zu Vitamin A
- Der Körper wandelt Beta-Carotin in der Darmschleimhaut und der Leber bedarfsabhängig und nur in begrenztem, zwischen Menschen schwankendem Umfang in Retinol (Vitamin A) um. Die Umwandlungsrate ist keine feste Größe
- Übliche Studiendosis
- 15 bis 30 mg pro Tag in den meisten Interventionsstudien zur Haut, einzelne Studien bis 90 mg pro Tag. Die großen Sicherheitsstudien nutzten 20 bis 30 mg pro Tag über mehrere Jahre
- Sicherheitshinweis
- Bei Rauchenden, ehemaligen Rauchenden und beruflich gegenüber Asbest exponierten Personen erhöhte hochdosiertes Beta-Carotin (20 bis 30 mg pro Tag) allein oder zusammen mit Vitamin A in mehreren großen Studien die Lungenkrebshäufigkeit, siehe die Wirkungszeile zu Lungenkrebs und den Abschnitt Sicherheit
- Verträglichkeit
- Bei den in Studien üblichen Dosen gut vertragen. Bei hoher Zufuhr über längere Zeit ist eine harmlose gelb-orange Hautverfärbung (Karotinodermie) beschrieben, die sich nach Reduktion der Zufuhr zurückbildet
Was diesem Stoff zugesprochen wird
Was die Studien hergeben.
Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.
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01
Normale Sehkraft (einschließlich Dunkeladaptation)
Behördlich gesichertEinordnung und Einschränkungen
Zugelassene EFSA-Angabe für den Nährstoff Vitamin A. Beschreibt die Grundfunktion, nicht einen zusätzlichen Nutzen einer Einnahme über den Bedarf hinaus. Beta-Carotin liefert diese Funktion nur über die körpereigene, begrenzte Umwandlung zu Vitamin A
Quellen: 1
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02
Normale Funktion des Immunsystems (Vitamin-A-Grundfunktion)
Behördlich gesichertEinordnung und Einschränkungen
Zugelassene EFSA-Angabe für Vitamin A als Nährstoff
Quellen: 1
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03
Erhaltung normaler Haut und Schleimhäute
Behördlich gesichertEinordnung und Einschränkungen
Zugelassene EFSA-Angabe für Vitamin A als Nährstoff
Quellen: 1
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04
Funktion bei der Zellspezialisierung
Behördlich gesichertEinordnung und Einschränkungen
Zugelassene EFSA-Angabe für Vitamin A als Nährstoff
Quellen: 1
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05
Normaler Eisenstoffwechsel
Behördlich gesichertEinordnung und Einschränkungen
Zugelassene EFSA-Angabe für Vitamin A als Nährstoff
Quellen: 1
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06
UV-Erythem-Basisschutz der Haut bei hochdosierter Einnahme
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Übersichtsarbeit referenziert mehrere kontrollierte Studien, wonach 15 bis 30 mg Beta-Carotin pro Tag über 10 bis 12 Wochen die minimale Erythemdosis anheben, ohne Primärstudien und Teilnehmerzahlen einzeln zu beziffern. Der zweite Übersichtsartikel ist kein unabhängiger zweiter Beleg, er zitiert die erste Übersichtsarbeit und stützt sich auf dieselben Primärstudien, für einen Schutz vor Hautkrebs sieht er die Daten ausdrücklich als nicht zweifelsfrei an. In der einzigen Einzelstudie mit Beta-Carotin allein, 30 gesunde Frauen über 50 Jahre ohne Placebogruppe, sank die minimale Erythemdosis unter 90 mg pro Tag signifikant, die Haut wurde dort also empfindlicher, unter 30 mg änderte sie sich nicht signifikant
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07
Hautfalten und Hautelastizität, Vorher-Nachher-Vergleich ohne Placebogruppe
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In derselben Studie an 30 Frauen über 50 Jahren gab es keine Placebogruppe, als Kontrolle diente der eigene Ausgangswert jeder Dosisgruppe. Falten, Elastizität und die Prokollagen-Typ-I-Genexpression besserten sich gegenüber dem Ausgangswert signifikant nur unter 30 mg pro Tag, nicht unter 90 mg. Ein Unterschied gegenüber Placebo ist damit nicht gezeigt. Unter 90 mg sank zusätzlich die minimale Erythemdosis. In der Recherche wurde keine weitere Interventionsstudie zu diesem Endpunkt mit Beta-Carotin allein gefunden, die Autoren verweisen selbst auf mögliche pro-oxidative Effekte bei hoher Dosierung
Quellen: 4
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08
Fortschreiten einer fortgeschrittenen, sehkraftbedrohenden Netzhautveränderung bei Risikopersonen
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Randomisierte Studie an 3640 Teilnehmenden (55 bis 80 Jahre) mit ausgedehnten mittelgroßen Drusen, mindestens einer großen Drusenablagerung oder bereits fortgeschrittener Veränderung am jeweils anderen Auge. Die Kombination aus Vitamin C, Vitamin E, 15 mg Beta-Carotin und Zink senkte die Odds für ein Fortschreiten signifikant (Odds Ratio 0,72; 99-Prozent-Konfidenzintervall 0,52 bis 0,98), die Kombination ohne Zink (nur Vitamin C, E und Beta-Carotin) verfehlte die Signifikanz (Odds Ratio 0,80; 99-Prozent-Konfidenzintervall 0,59 bis 1,09). Der Beitrag von Beta-Carotin allein lässt sich aus der Kombinationsformel nicht heraustrennen. Eine Folgestudie an 4203 Teilnehmenden entfernte versuchsweise Beta-Carotin aus derselben Formel und fand dafür keinen zusätzlichen Effekt auf das Fortschreiten, ohne dazu eine eigene Kennzahl zu nennen. In der Gruppe mit Beta-Carotin traten mehr Lungenkrebsfälle auf als ohne (2,0 gegenüber 0,9 Prozent, überwiegend bei früheren Rauchenden)
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09
Zelluläre Immunmarker, uneinheitlich (natürliche Killerzellen und Monozyten-Marker höher, T-Zell-Proliferation ohne Effekt)
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Bei älteren Männern war die Aktivität natürlicher Killerzellen unter langfristiger Einnahme (50 mg jeden zweiten Tag über 10 bis 12 Jahre) höher als unter Placebo. Dieselbe Arbeitsgruppe fand für die T-Zell-vermittelte Immunität, gemessen an Hautreaktion vom verzögerten Typ, Lymphozytenproliferation und Interleukin-2-Produktion, weder kurzfristig (90 mg über 3 Wochen) noch langfristig einen Unterschied zu Placebo. Eine randomisierte Crossover-Studie an 25 gesunden Nichtrauchern (15 mg über 26 Tage) fand einen Anstieg von Aktivierungsmarkern auf Monozyten und der TNF-alpha-Freisetzung. Eine randomisierte Studie an stillenden und nicht stillenden Frauen (30 mg über 28 Tage) fand keinen Effekt auf die T-Lymphozyten-Proliferation. Unterschiedliche Immunmarker mit unterschiedlichem Ausgang, kein einheitliches Bild und keiner der Befunde an einer klassischen Infektanfälligkeit gemessen
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10
Oxidativer Stress und LDL-Oxidierbarkeit, in der bisher einzigen Reinstoff-Studie ohne Effekt
Nicht bestätigtEinordnung und Einschränkungen
Randomisierte, plazebokontrollierte Studie an 175 gesunden Männern, 15 mg Beta-Carotin pro Tag über 3 Monate, im Vergleich zu Lutein, Lycopin und Placebo. Trotz deutlich erhöhter Beta-Carotin-Spiegel in Plasma und LDL veränderten sich Glutathion, Protein-Thiolgruppen, die Aktivität antioxidativer Enzyme und die Widerstandsfähigkeit von LDL gegen kupferinduzierte Oxidation nicht. Effektmaße mit Konfidenzintervall nennt das Abstract nicht, die Studie fand aber bei allen erhobenen Biomarkern keinen Unterschied zu Placebo
Quellen: 11
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11
Krebshäufigkeit insgesamt, kein Unterschied zu Placebo
Nicht bestätigtEinordnung und Einschränkungen
Zwei Meta-Analysen randomisierter Studien haben die Krebshäufigkeit insgesamt gezielt geprüft und keinen Unterschied zu Placebo gefunden. Die neuere Auswertung aus 8 Studien mit 18 Veröffentlichungen und Stichprobengrößen von 391 bis 39876 nennt ein Risk Ratio von 1,02 (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,99 bis 1,05), die ältere aus 9 Studien ein Risk Ratio von 1,01 (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,98 bis 1,04). Beide stammen von verschiedenen Arbeitsgruppen, werten aber weitgehend dieselben Primärstudien aus und sind deshalb ein Bestand und nicht zwei voneinander unabhängige Belege
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12
Lungenkrebs bei Rauchenden, ehemaligen Rauchenden und Asbest-Exponierten häufiger als unter Placebo
Gut belegtEinordnung und Einschränkungen
Dies ist ein eigener Schadensbefund und kein ausgebliebener Nutzen. Die neuere Meta-Analyse nennt für Lungenkrebs ein Risk Ratio von 1,19 (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,08 bis 1,32), die ältere bei 20 bis 30 mg pro Tag 1,16 (1,06 bis 1,27), bei Rauchenden 1,20 (1,07 bis 1,34) und bei Asbest-Exponierten 1,54 (1,08 bis 2,19), dazu ein höheres Magenkrebsrisiko von 1,34 (1,06 bis 1,70). Die beiden großen Einzelstudien sind in diesen Auswertungen bereits enthalten und zählen nicht doppelt. Die finnische ATBC-Studie an 29133 männlichen Rauchern (20 mg pro Tag über 5 bis 8 Jahre) fand 18 Prozent mehr Lungenkrebs (3 bis 36 Prozent) und 8 Prozent mehr Todesfälle insgesamt (1 bis 16 Prozent). Die US-amerikanische CARET-Studie an 18314 Rauchenden, ehemaligen Rauchenden und Asbest-Exponierten (30 mg Beta-Carotin plus 25000 IE Vitamin A pro Tag, im Mittel 4 Jahre) fand ein 1,28-fach höheres Lungenkrebsrisiko (1,04 bis 1,57) und eine 1,17-fach höhere Gesamtsterblichkeit (1,03 bis 1,33) und wurde deswegen 21 Monate vor dem geplanten Ende abgebrochen. Alle Befunde weisen in dieselbe Richtung
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Männliche Fruchtbarkeit und Spermienqualität
Keine Studien gefundenEinordnung und Einschränkungen
Gezielt nach Interventionsstudien mit Beta-Carotin allein an Menschen gesucht. Gefunden wurde nur eine systematische Übersicht zu Ernährungsmustern (Quelle 16 im Verzeichnis), die eine höhere Zufuhr mehrerer Antioxidantien einschließlich Beta-Carotin in Beobachtungsstudien mit besseren Spermaparametern in Verbindung bringt, ohne Beta-Carotin isoliert zu prüfen oder eine Einnahme zu testen. Keine randomisierte Interventionsstudie zu Beta-Carotin allein gefunden, daher keine Quellennummer als Beleg für diese Zeile
Zur Einordnung: Beta-Carotin ist nicht Vitamin A, sondern seine Vorstufe. Die fünf behördlich gesicherten Angaben oben gelten für Vitamin A als Nährstoff und beschreiben, wozu der Körper ihn braucht, nicht ob eine zusätzliche Einnahme über den Bedarf hinaus einen weiteren Nutzen bringt. Ob und wie viel Vitamin A aus einer bestimmten Menge Beta-Carotin entsteht, hängt von der individuellen Umwandlungsrate ab, die zwischen Menschen schwankt. Alle übrigen Zeilen der Tabelle betreffen Beta-Carotin selbst, in Dosen, die in Interventionsstudien geprüft wurden.
Studien im Detail
Vitamin-A-Grundfunktionen
Die fünf oben genannten Funktionen sind abgeschlossene EFSA-Bewertungen nach Verordnung (EU) Nr. 432/2012 [1] und keine Einzelstudien. Sie gelten für Vitamin A als Nährstoff. Da Beta-Carotin diese Funktion nur über die körpereigene Umwandlung erfüllt, ist die tatsächlich wirksame Menge an Vitamin A aus einer gegebenen Beta-Carotin-Zufuhr nicht ohne Weiteres in eine feste Vitamin-A-Menge zu übersetzen.
UV-Erythem-Basisschutz und Hautalterung
Eine deutschsprachige Übersichtsarbeit mit englischem Abstract fasst mehrere kontrollierte Studien so zusammen, dass 15 bis 30 mg Beta-Carotin pro Tag über etwa 10 bis 12 Wochen die minimale Erythemdosis anheben, ohne die zugrunde liegenden Studien einzeln mit Teilnehmerzahl zu benennen [2]. Eine zweite, breiter angelegte Übersichtsarbeit zu mehreren Carotinoiden zeichnet dasselbe Bild, ist aber kein unabhängiger zweiter Beleg, denn sie zitiert die erste Übersichtsarbeit und stützt sich auf dieselben Primärstudien. Sie hält fest, dass die vorliegenden Studien eine schützende Rolle der Carotinoide bei der durch UV-Strahlung ausgelösten Hautkrebsentstehung nicht zweifelsfrei belegen, den lichtschützenden Effekt selbst stellt sie nicht infrage [3].
In der einzigen Einzelstudie mit Beta-Carotin allein erhielten 30 gesunde Frauen über 50 Jahre randomisiert 90 Tage lang entweder 30 mg oder 90 mg Beta- Carotin pro Tag. Eine Placebogruppe gab es nicht, als Kontrolle diente der eigene Ausgangswert jeder Gruppe. Die minimale Erythemdosis sank signifikant nur in der 90-mg-Gruppe, die Haut wurde dort also empfindlicher gegenüber UV- Strahlung und nicht unempfindlicher. Falten, Hautelastizität und die Genexpression von Typ-I-Prokollagen besserten sich gegenüber dem Ausgangswert signifikant nur in der 30-mg-Gruppe, in der 90-mg-Gruppe nicht [4]. Die Autoren verweisen selbst auf mögliche pro-oxidative Effekte von Beta-Carotin bei hoher Dosierung.
Einschränkung: Die einzige Reinstoff-Studie stützt einen Erythemschutz nicht, unter 90 mg pro Tag sank die Erythemschwelle sogar. Ihre Hautbefunde beruhen zudem auf einem Vorher-Nachher-Vergleich ohne Placebogruppe und tragen deshalb keinen Wirksamkeitsnachweis.
Netzhautveränderungen bei Risikopersonen
In der AREDS-Studie erhielten 3640 Teilnehmende zwischen 55 und 80 Jahren mit ausgedehnten mittelgroßen Drusen, mindestens einer großen Drusenablagerung oder bereits fortgeschrittener Veränderung am jeweils anderen Auge über durchschnittlich 6,3 Jahre entweder eine Kombination aus Vitamin C (500 mg), Vitamin E (400 IE) und 15 mg Beta-Carotin, Zink allein, beide zusammen oder Placebo. Nur die Kombination aus Antioxidantien und Zink senkte die Odds für ein Fortschreiten der Netzhautveränderung signifikant (Odds Ratio 0,72; 99-Prozent-Konfidenzintervall 0,52 bis 0,98). Die Antioxidans-Kombination ohne Zink, also einschließlich Beta-Carotin, blieb ohne signifikanten Effekt (Odds Ratio 0,80; 99-Prozent-Konfidenzintervall 0,59 bis 1,09) [5]. Der eigene Beitrag von Beta-Carotin lässt sich aus dieser Formel nicht herauslösen.
Die Folgestudie AREDS2 prüfte an 4203 Teilnehmenden unter anderem, ob die Herausnahme von Beta-Carotin aus derselben Formel etwas verändert, und fand dafür im Abstract keinen genannten Effekt auf das Fortschreiten. Gleichzeitig registrierte die Studie mehr Lungenkrebsfälle in der Gruppe mit Beta-Carotin als ohne, 2,0 gegenüber 0,9 Prozent der Teilnehmenden, überwiegend bei früheren Rauchenden [6].
Einschränkung: Beide Studien testen eine mehrteilige Kombinationsformel, keine isolierte Beta-Carotin-Gabe. Das ist genau der Grund, warum die Herausnahme-Analyse in AREDS2 informativ ist, sie liefert aber keine eigene Kennzahl im verfügbaren Abstract.
Zelluläre Immunmarker
Bei älteren Männern, die über 10 bis 12 Jahre 50 mg Beta-Carotin jeden zweiten Tag einnahmen, war die Aktivität natürlicher Killerzellen höher als unter Placebo [7]. Dieselbe Arbeitsgruppe fand in einer weiteren Arbeit für die T-Zell-vermittelte Immunität, gemessen an einer Hautreaktion vom verzögerten Typ, an Lymphozytenproliferation und an Interleukin-2-Produktion, weder bei kurzfristiger Gabe (90 mg über 3 Wochen) noch bei langfristiger Gabe einen Unterschied zu Placebo [8].
Eine randomisierte Crossover-Studie an 25 gesunden Nichtrauchern (15 mg über 26 Tage) fand einen signifikanten Anstieg von Aktivierungsmarkern auf Blutmonozyten und der Freisetzung von TNF-alpha [9]. Eine randomisierte Studie an stillenden und nicht stillenden Frauen (30 mg über 28 Tage) fand dagegen keinen Effekt auf die T-Lymphozyten-Proliferation [10].
Einschränkung: Vier kleine Studien, vier unterschiedliche Immunmarker, kein einheitliches Bild. Keine der Arbeiten hat eine tatsächliche Infektanfälligkeit oder Infektzahl gemessen.
Oxidativer Stress und LDL-Oxidierbarkeit
In einer randomisierten, plazebokontrollierten Studie an 175 gesunden Männern erhöhte eine dreimonatige Einnahme von 15 mg Beta-Carotin pro Tag die Beta-Carotin-Konzentration in Plasma und LDL deutlich. Glutathion, Protein-Thiolgruppen, die Aktivität antioxidativer Enzyme und die Widerstandsfähigkeit von LDL gegen kupferinduzierte Oxidation veränderten sich dabei nicht [11]. Das Abstract nennt keine Effektmaße mit Konfidenzintervall, die Autoren selbst sprechen von keinem beobachtbaren Effekt auf diese Biomarker.
Gesamtkrebsrisiko und die Sicherheitsfrage bei Rauchenden
Dies ist der wichtigste Abschnitt dieses Eintrags. Eine Meta-Analyse aus 8 randomisierten Studien mit insgesamt 18 ausgewerteten Vergleichen (Stichprobengrößen der einzelnen Studien 391 bis 39876 Teilnehmende) fand für die Gesamtkrebsrate keinen Unterschied zu Placebo (Risk Ratio 1,02; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,99 bis 1,05). Für Lungenkrebs speziell war das Risiko dagegen höher (Risk Ratio 1,19; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,08 bis 1,32). Davon getrennt fand dieselbe Auswertung für Rauchende und für die Untergruppe mit niedrig dosierter Einnahme ein höheres Risiko für Krebs insgesamt (Risk Ratio 1,16; 95-Prozent- Konfidenzintervall 1,05 bis 1,29). Diese Zahl gehört also nicht zum Lungenkrebs und ist auch nicht der deutlichste Wert [12].
Eine ältere Meta-Analyse aus 9 randomisierten Studien kommt zum selben Gesamtbild: kein Effekt auf die Gesamtkrebsrate, aber ein höheres Lungenkrebsrisiko bei Dosen von 20 bis 30 mg pro Tag (Risk Ratio 1,16; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,06 bis 1,27) sowie ein höheres Risiko bei Rauchenden (Risk Ratio 1,20; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,07 bis 1,34) und bei Asbest-Exponierten (Risk Ratio 1,54; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,08 bis 2,19). Dieselbe Arbeit fand außerdem ein höheres Magenkrebsrisiko bei dieser Dosierung [13].
Zwei der in beiden Meta-Analysen bereits enthaltenen Einzelstudien sind namentlich bekannt geworden. Die finnische ATBC-Studie gab 29133 männlichen Rauchern im Alter von 50 bis 69 Jahren randomisiert 20 mg Beta-Carotin pro Tag, Vitamin E, beides oder Placebo. Nach 5 bis 8 Jahren lag die Lungenkrebshäufigkeit in der Beta-Carotin-Gruppe 18 Prozent höher (95-Prozent-Konfidenzintervall 3 bis 36 Prozent) und die Gesamtsterblichkeit 8 Prozent höher (95-Prozent-Konfidenzintervall 1 bis 16 Prozent) als ohne Beta-Carotin, vor allem wegen mehr Todesfällen durch Lungenkrebs und ischämische Herzkrankheit [14]. Die US-amerikanische CARET-Studie gab 18314 Rauchenden, ehemaligen Rauchenden und beruflich gegenüber Asbest exponierten Personen randomisiert 30 mg Beta-Carotin plus 25000 IE Vitamin A pro Tag oder Placebo. Nach im Mittel 4 Jahren war das Lungenkrebsrisiko in der Wirkstoffgruppe 1,28-fach höher (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,04 bis 1,57), das Sterberisiko durch Lungenkrebs 1,46-fach höher und die Gesamtsterblichkeit 1,17-fach höher als unter Placebo [15]. CARET wurde deswegen 21 Monate vor dem geplanten Ende abgebrochen. ATBC lief bis zur geplanten Auswertung und wurde nicht vorzeitig gestoppt.
Auch in der AREDS2-Studie traten unter der Beta-Carotin-haltigen Variante der Kombinationsformel mehr Lungenkarzinome auf als unter der Beta-Carotin-freien Variante (23 gegenüber 11 Fällen, 2,0 gegenüber 0,9 Prozent, nominal p gleich 0,04), überwiegend bei früheren Rauchenden. Die Studienautoren folgern daraus selbst, dass Lutein und Zeaxanthin ein möglicher sicherer Carotinoid-Ersatz für Beta-Carotin in einer solchen Kombinationsformel sein könnten [6].
Einschränkung: Die hier zitierten Arbeiten zum Krebsrisiko betreffen Dosen von 15 bis 30 mg Beta-Carotin pro Tag über mehrere Jahre. Die neuere Meta-Analyse berichtet zusätzlich eine Untergruppe mit niedriger dosierter Einnahme, in der das Krebsrisiko ebenfalls erhöht war, nennt im Abstract aber keine Dosisgrenze für diese Untergruppe. Ab welcher täglichen Menge das Risiko beginnt und ob eine kürzere Einnahmedauer daran etwas ändert, bleibt damit offen.
Männliche Fruchtbarkeit
Eine systematische Übersicht zu Beobachtungsstudien findet eine höhere Zufuhr mehrerer Antioxidantien, darunter auch Beta-Carotin, gemeinsam mit besseren Spermaparametern in Beobachtungsdaten, ohne Beta-Carotin isoliert zu betrachten oder eine tatsächliche Einnahme zu testen [16]. Eine Interventionsstudie zu Beta-Carotin allein an Menschen wurde nicht gefunden.
Sicherheit und Wechselwirkungen
Der zentrale Sicherheitspunkt bei Beta-Carotin betrifft Rauchende, ehemalige Rauchende und beruflich gegenüber Asbest exponierte Personen: ATBC fand unter 20 mg Beta-Carotin täglich mehr Lungenkrebsfälle und eine höhere Gesamtsterblichkeit als in den Studienarmen ohne Beta-Carotin. CARET fand beides unter 30 mg Beta-Carotin plus 25000 IE Vitamin A täglich gegenüber Placebo. In AREDS2 traten unter der Beta-Carotin-haltigen Kombinationsformel mehr Lungenkrebsfälle auf als unter der Formel ohne Beta-Carotin [14] [15] [6]. Zwei Meta-Analysen randomisierter Studien bestätigen ein erhöhtes Lungenkrebsrisiko bei Rauchenden und Asbest-Exponierten, ohne einen Effekt auf die Krebshäufigkeit insgesamt zu finden [12] [13]. Sie stammen von verschiedenen Arbeitsgruppen, werten aber weitgehend dieselben Primärstudien aus und sind deshalb ein Bestand und nicht zwei voneinander unabhängige Belege. Handelsübliche Beta-Carotin-Präparate liegen teils deutlich unter den hier geprüften 15 bis 30 mg pro Tag. Dass eine niedrigere tägliche Zufuhr für dieselbe Personengruppe risikofrei wäre, ist damit nicht belegt, weil keine der zitierten Studien eine niedrigere Menge geprüft hat.
Getrennt davon: Vorgeformtes Vitamin A (Retinol, Retinylpalmitat) ist bei sehr hoher Zufuhr in der Schwangerschaft mit Fehlbildungen in Verbindung gebracht worden, ein Sicherheitsthema, das ausdrücklich Vitamin A selbst betrifft, nicht Beta-Carotin. Die Umwandlung von Beta-Carotin zu Vitamin A ist im Körper reguliert und selbstbegrenzend, weshalb Beta-Carotin nicht dieselbe Hypervitaminose-A-Problematik auslöst wie hochdosiertes, vorgeformtes Vitamin A. Es handelt sich um zwei chemisch unterschiedliche Stoffe mit jeweils eigener Sicherheitslogik: Beta-Carotin als Provitamin-A-Vorstufe mit dem oben beschriebenen Lungenkrebsrisiko bei Rauchenden und Asbest-Exponierten, vorgeformtes Vitamin A mit einer eigenen Obergrenze und dem Teratogenitätsrisiko bei hoher Zufuhr in der Schwangerschaft.
Bei hoher Beta-Carotin-Zufuhr über längere Zeit ist eine harmlose gelb-orange Hautverfärbung (Karotinodermie) beschrieben, die sich nach Reduktion der Zufuhr zurückbildet und in den hier zitierten Studien nicht als ernsthafte Nebenwirkung gewertet wurde.
Quellen zum Nachlesen
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RCT, n gleich 30, Frauen über 50 Jahre, zwei Dosisgruppen ohne Placebo (Baseline als Kontrolle) · 2010
Differential effects of low-dose and high-dose beta-carotene supplementation on the signs of photoaging and type I procollagen gene expression in human skin in vivo
Cho S, et al. Dermatology
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05
RCT, multizentrisch, n gleich 3640 · 2001
A randomized, placebo-controlled, clinical trial of high-dose supplementation with vitamins C and E, beta carotene, and zinc for age-related macular degeneration and vision loss. AREDS report no. 8
Age-Related Eye Disease Study Research Group. Arch Ophthalmol
Zur Zuschreibung: 08
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06
RCT, multizentrisch, faktorielles Design, n gleich 4203 · 2013
Lutein + zeaxanthin and omega-3 fatty acids for age-related macular degeneration. The Age-Related Eye Disease Study 2 (AREDS2) randomized clinical trial
Age-Related Eye Disease Study 2 Research Group. JAMA
Zur Zuschreibung: 08
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- 12
- 13
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14
RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, n gleich 29133, männliche Raucher (ATBC-Studie) · 1994
The effect of vitamin E and beta carotene on the incidence of lung cancer and other cancers in male smokers
Alpha-Tocopherol, Beta Carotene Cancer Prevention Study Group. N Engl J Med
Zur Zuschreibung: 12
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15
RCT, multizentrisch, doppelblind, plazebokontrolliert, n gleich 18314, Raucher, ehemalige Raucher und Asbest-Exponierte (CARET-Studie) · 1996
Effects of a combination of beta carotene and vitamin A on lung cancer and cardiovascular disease
Omenn GS, et al. N Engl J Med
Zur Zuschreibung: 12
- 16
Bei H.P.N
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