Vitamin E
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Vitamine
Alpha-Tocopherol (Sammelname für acht Verbindungen) · Tocopherol · Alpha-Tocopherol · Tocopherylacetat · Tocotrienol
Auf einen Blick
- Was es ist
- Vitamin E ist ein Sammelname für acht fettlösliche Verbindungen, vier Tocopherole und vier Tocotrienole, jeweils in einer Alpha-, Beta-, Gamma- und Delta-Form. Für Referenzwerte, den Tolerable Upper Intake Level und die zugelassene EFSA-Angabe zählt ausschließlich Alpha-Tocopherol, weil nur diese Form vom Körper aktiv im Blut gehalten wird
- Herkunft
- Pflanzenöle wie Weizenkeim-, Sonnenblumen- und Distelkeimöl, dazu Nüsse, Samen und grünes Blattgemüse. Die Nahrung liefert dabei überwiegend Gamma-Tocopherol, während Nahrungsergänzung fast immer isoliertes Alpha-Tocopherol ist
- Wirkform in Studien
- Zwei chemisch unterschiedliche Formen mit unterschiedlicher Wirksamkeit. RRR-Alpha-Tocopherol (auch als d-Alpha-Tocopherol bezeichnet) ist ein einzelnes Stereoisomer aus natürlicher Gewinnung. All-rac-Alpha-Tocopherol (auch als dl-Alpha-Tocopherol bezeichnet) ist ein synthetisches Gemisch aus acht Stereoisomeren zu gleichen Teilen, von denen nur die Hälfte der biologischen Aktivität des natürlichen Stereoisomers entspricht. Beide Formen liegen in Präparaten meist als Acetat-Ester vor und werden in Studien in Milligramm oder in Internationalen Einheiten (IE) angegeben
- Übliche Studiendosis
- 50 mg bis 800 IE täglich in den großen mehrjährigen Interventionsstudien, dazu einzelne kürzere Studien mit 700 bis 1000 mg täglich über wenige Monate
- Bekannt geworden durch
- Die Entdeckung in den 1920er Jahren als fettlöslicher Stoff, der bei Ratten für eine erfolgreiche Trächtigkeit nötig ist, und die spätere Vermarktung als Antioxidans gegen Zellalterung sowie Herz-Kreislauf-Risiken
- Sicherheitshinweis
- Der Tolerable Upper Intake Level der EFSA liegt bei 300 mg täglich für Erwachsene. Kritischer Effekt für diesen Grenzwert ist eine beeinträchtigte Blutgerinnung mit erhöhtem Blutungsrisiko. Der Grenzwert gilt ausdrücklich nicht für Personen unter Gerinnungshemmern oder Thrombozytenaggregationshemmern, siehe Sicherheit und Wechselwirkungen
- Verträglichkeit
- In den üblichen Studiendosen meist gut vertragen, gelegentlich Übelkeit, Durchfall oder Bauchbeschwerden berichtet
Was diesem Stoff zugesprochen wird
Was die Studien hergeben.
Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.
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01
Grundfunktion Zellschutz vor oxidativem Stress, zugelassene EFSA-Angabe
Behördlich gesichertEinordnung und Einschränkungen
Zugelassene EFSA-Angabe für den Nährstoff Vitamin E. Beschreibt die Grundfunktion, nicht einen zusätzlichen Nutzen einer Einnahme über den Bedarf hinaus.
Ausführlicher Nachweis
Nach Verordnung (EU) Nr. 432/2012, Anhang, ist für Vitamin E die Angabe zugelassen, es trage dazu bei, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen [1]. Die Angabe darf nur für Lebensmittel verwendet werden, die mindestens die in der Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 festgelegte Quellenmenge an Vitamin E enthalten [1]. Diese Angabe beschreibt ausdrücklich eine Grundfunktion, die der Nährstoff bei bedarfsgerechter Zufuhr erfüllt. Sie belegt nicht, dass eine Einnahme über den Bedarf hinaus einen zusätzlichen Nutzen hat, und die EFSA hat einen solchen Zusatznutzen an keiner Stelle bewertet oder zugelassen. Die zugelassene Angabe gilt für Alpha-Tocopherol, die einzige Form, die die EFSA in ihrer eigenen Bewertung als für den Menschen bedarfsrelevant führt [2]
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02
Bioverfügbarkeit von natürlichem gegenüber synthetischem Alpha-Tocopherol, höher bei der natürlichen Form, in der einzigen Studie mit Rauchenden dort aber ohne Vorteil
BelegtEinordnung und Einschränkungen
Zwei kontrollierte Studien mit markierten Formen aus derselben Arbeitsgruppe zeigen eine höhere Bioverfügbarkeit der natürlichen Form, in der Untergruppe der Rauchenden fand sich dieser Vorteil jedoch nicht, und die Größe des Unterschieds schwankt je nach Messmethode.
Ausführlicher Nachweis
Eine Übersichtsarbeit fasst zusammen, dass frühere Studien mit einem kompetitiven Aufnahmeansatz (beide Formen gleichzeitig verabreicht) ein Bioverfügbarkeits-Verhältnis von natürlichem zu synthetischem Vitamin E von etwa 2 zu 1 fanden, während die amtlich anerkannte Biopotenz-Relation bei 1,36 zu 1 liegt [3]. Dieselbe Arbeitsgruppe verglich in einer eigenen randomisierten Crossover-Studie an Rauchenden und Nichtrauchenden mit deuteriummarkiertem natürlichem (RRR) und synthetischem (all-rac) Alpha-Tocopherylacetat in einem nicht-kompetitiven Ansatz (die Formen wurden nacheinander gegeben, mit 4 Wochen Einnahme von je 400 mg pro Form und 12 Wochen Auswaschphase dazwischen, danach je 150 mg markiertes Tocopherylacetat als Testdosis) [3]. Das Verhältnis aus Fläche unter der Konzentrationskurve lag bei 1,3 zu 1 bei Nichtrauchenden und 0,9 zu 1 bei Rauchenden, bei Rauchenden war die Aufnahme der natürlichen Form geringer als bei Nichtrauchenden, für die synthetische Form fand sich dieser Unterschied nicht, und nach vorheriger vierwöchiger Einnahme war die Aufnahme in beiden Gruppen vermindert [3]. In einer zweiten randomisierten Crossover-Studie an 10 gesunden Männern mit dem ApoE4-Genotyp aus derselben Arbeitsgruppe (dieselbe Hochschule, der Autor der ersten Arbeit ist Letztautor der zweiten), mit demselben Studiendesign (je 4 Wochen 400 mg pro Form, 12 Wochen Auswaschphase, Testdosis 150 mg markiertes Tocopherylacetat), lag das Verhältnis aus maximaler Konzentration bei 1,35 zu 1 und aus der Fläche unter der Kurve bei 1,33 zu 1, nahe an der amtlichen Biopotenz-Relation von 1,36 zu 1 [4]. Beide Studien prüfen ausdrücklich Acetat-Ester in Kapselform, keine freien Tocopherole. Die EFSA fasst in ihrer eigenen Bewertung zusammen, dass nur die 2R-Stereoisomere biologisch aktiv sind, all-rac-Alpha-Tocopherol als Gemisch aus acht Stereoisomeren also nur zur Hälfte aus wirksamen Formen besteht, während RRR-Alpha-Tocopherol ausschließlich aus wirksamen Formen besteht, und dass RRR-Alpha-Tocopherol deshalb eine höhere Bioverfügbarkeit hat als die synthetische Form [2]. Die genaue Größe des Unterschieds variiert damit zwischen den Studien ungefähr zwischen dem Faktor 1,3 und dem Faktor 2, je nachdem ob die Formen gleichzeitig oder nacheinander verabreicht wurden, die Richtung ist aber in allen genannten Arbeiten gleich. Die EFSA-Bewertung ist eine behördliche Zusammenfassung der vorliegenden Bioverfügbarkeitsliteratur und keine von den beiden zitierten Studien unabhängige eigene Messung, sie zählt hier deshalb als Einordnung neben den beiden Primärstudien und nicht als dritter unabhängiger Beleg
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03
Blutspiegel von Gamma- und Delta-Tocopherol, gesenkt gegenüber Placebo unter hochdosierter Alpha-Tocopherol-Einnahme
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In einer randomisierten Studie an 184 gesunden Nichtrauchenden senkte natürliches Alpha-Tocopherol (400 IE täglich, 2 Monate) den Gamma-Tocopherol-Spiegel im Blut gegenüber Placebo um die Hälfte. Es ist die bisher einzige uns vorliegende Studie zu diesem Befund.
Ausführlicher Nachweis
In einer randomisierten, plazebokontrollierten Studie an 184 gesunden erwachsenen Nichtrauchenden senkte die tägliche Einnahme von 400 IE natürlichem RRR-Alpha-Tocopherylacetat über 2 Monate den Gamma-Tocopherol-Spiegel im Serum gegenüber Placebo um im Median 58 Prozent (95-Prozent-Konfidenzintervall 51 bis 66 Prozent, p kleiner 0,0001), und senkte zudem den Anteil der Personen mit nachweisbarem Delta-Tocopherol-Spiegel deutlich (p kleiner 0,0001) [5]. Eine begleitende Querschnittsauswertung derselben Arbeit fand bei Personen, die schon vor der Studie Vitamin-E-Präparate genommen hatten, ebenfalls niedrigere Gamma-Tocopherol-Werte als bei Nichtnutzenden, was zur Interventionsauswertung passt [5]. Die Autoren folgern selbst, dass ein möglicher Nutzen von isoliertem Alpha-Tocopherol durch den gleichzeitigen Rückgang von Gamma- und Delta-Tocopherol im Körper teilweise aufgehoben werden könnte, und nennen das als eine mögliche Erklärung dafür, dass große Präventionsstudien mit isoliertem Alpha-Tocopherol keinen klaren Nutzen zeigen [5]. Eine Förderung durch die Herstellerindustrie oder ein Interessenkonflikt sind im Abstract nicht genannt, der Volltext lag uns nicht vor, die Bewertung stützt sich auf das Abstract. Einzelne Studie an gesunden Nichtrauchenden, keine Aussage zu Rauchenden oder zu einer längeren Einnahme als 2 Monate. Es ist die einzige uns vorliegende Interventionsstudie zu diesem Befund, keine Meta-Analyse oder zweite unabhängige Studie liegt uns vor, und die Arbeit ist mit Stand 2003 über 20 Jahre alt, eine gezielte Suche nach einer neueren Wiederholung ergab keinen Treffer
Quellen: 5
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04
LDL-Oxidationswiderstand ex vivo unter hochdosierter Einnahme bei leicht erhöhtem Cholesterin und gleichzeitiger Statin-Einnahme
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In einer kleinen Studie an 40 Personen mit leicht erhöhtem Cholesterin stieg der Oxidationswiderstand von LDL unter natürlichem Alpha-Tocopherol (700 mg täglich, 3 Monate) an, zusätzliches Coenzym Q10 verstärkte das nicht.
Ausführlicher Nachweis
In einer randomisierten, plazebokontrollierten Studie mit vier parallelen Gruppen (Coenzym Q10 allein, natürliches d-Alpha-Tocopherol allein mit 700 mg täglich, beides zusammen, oder Placebo) an 40 Personen mit leicht erhöhtem Cholesterin unter gleichzeitiger Statin-Behandlung über 3 Monate stieg allein unter Alpha-Tocopherol der Oxidationswiderstand von isoliertem LDL bei hohem Radikalfluss signifikant an [6]. Das Abstract nennt diesen Anstieg nicht ausdrücklich als Unterschied zur Placebogruppe oder nur als Veränderung gegenüber dem eigenen Ausgangswert, bei einem Parallelgruppendesign mit eigener Placebogruppe ist ein Gruppenvergleich wahrscheinlich, aus dem Abstract allein aber nicht sicher zu bestätigen, ein Effektmaß mit Konfidenzintervall wird nicht genannt [6]. Die gleichzeitige Einnahme von Coenzym Q10 verstärkte diesen Effekt von Alpha-Tocopherol nicht zusätzlich [6]. Coenzym Q10 erhöhte dagegen den Anteil von Ubichinol am gesamten Coenzym Q10 im Blut, während Alpha-Tocopherol diesen Anteil senkte, was die Autoren als Hinweis auf eine Regeneration des Tocopherylradikals durch Coenzym Q10 werten [6]. Kleine Studie mit 40 Teilnehmenden unter Statin-Begleittherapie, keine Angabe zu Förderung oder Interessenkonflikt im Abstract, kein Effektmaß mit Intervall für den zentralen Befund genannt
Quellen: 6
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05
Kardiovaskuläre Ereignisse und Gesamtsterblichkeit unter vorbeugender Einnahme, ohne Unterschied zu Placebo in den größten Sammelauswertungen
Nicht bestätigtEinordnung und Einschränkungen
Die größten und jüngsten Sammelauswertungen randomisierter Studien finden für Herz-Kreislauf-Ereignisse und Gesamtsterblichkeit keinen Unterschied zu Placebo. Eine kleinere und ältere Auswertung hatte bei Tagesdosen ab 400 IE einen Anstieg der Sterblichkeit errechnet, was die größeren Auswertungen mit mehr und längeren Studien nicht bestätigen.
Ausführlicher Nachweis
Eine systematische Übersicht identifizierte 84 plazebokontrollierte Studien, poolte davon je Endpunkt aber nur die klinisch vergleichbaren, für die Sterblichkeit fünf Studien, und fand für Vitamin E allein weder einen günstigen noch einen ungünstigen Effekt auf Gesamtsterblichkeit (gepooltes relatives Risiko 0,96, 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,84 bis 1,10), Herz-Kreislauf-Sterblichkeit (0,97, 0,80 bis 1,19, das Abstract nennt hier verdruckt 0,80 bis 1,90, der Ergebnisteil des Volltexts nennt 1,19) oder nicht tödliche Herzmuskelschäden (0,72, 0,51 bis 1,02) [7]. Eine Sammelauswertung von 19 randomisierten Studien mit 135967 Teilnehmenden fand dagegen eine dosisabhängige Beziehung zwischen Vitamin-E-Menge und Gesamtsterblichkeit, mit einem erhöhten Risiko ab Tagesdosen von 400 IE oder mehr und bei einer Schwelle von ungefähr 150 IE pro Tag (gepoolte Risikodifferenz bei hoher Dosis plus 39 pro 10000 Personen, 95-Prozent-Konfidenzintervall 3 bis 74, p gleich 0,035), erfasst bis August 2004 [8]. Eine spätere und deutlich größere Sammelauswertung von 57 randomisierten Studien mit einer Einnahmedauer von mindestens einem Jahr, insgesamt 246371 Teilnehmenden und 29295 Todesfällen, erfasst bis April 2010, fand dagegen über Dosen bis 5500 IE pro Tag kein erhöhtes Sterberisiko (relatives Risiko 1,00, 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,98 bis 1,02), und auch keine Beziehung zwischen Dosis und Risiko [9]. Diese 57 Studien schließen den Erhebungszeitraum der älteren, kleineren Auswertung mit ein, es handelt sich also um denselben wachsenden Studienbestand und nicht um zwei unabhängige Bestätigungen. Eine dritte Sammelauswertung von 18 randomisierten Studien an insgesamt 142219 gesunden Erwachsenen ohne bekannte Vorerkrankung, erfasst bis Juni 2012, fand ebenfalls keinen Unterschied zur Placebogruppe (relatives Risiko 1,01, 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,97 bis 1,05) bei Dosen von 23 bis 800 IE täglich, auch nicht in einer eigens durchgeführten Untergruppenauswertung nach natürlicher oder synthetischer Form [10]. Eine vierte Auswertung von 33 Studien fand für Vitamin E allein ebenfalls keinen Unterschied (relatives Risiko 1,01, 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,97 bis 1,04), in Kombination mit anderen Vitaminen oder Mineralstoffen ebenfalls keinen Unterschied (0,97, 0,89 bis 1,06, p gleich 0,55), am deutlichsten bei niedrig dosierter Einnahme unter 400 IE täglich zusammen mit weiteren Nährstoffen (0,92, 0,86 bis 0,98) und bei Personen ohne bestehende Erkrankung (0,92, 0,86 bis 0,99) [11]. Alle vier Auswertungen ziehen aus einem großen, sich stark überschneidenden Bestand an Studien wie den großen Präventionsstudien HOPE, GISSI-Prevenzione, der Physicians Health Study II und der Womens Health Study, sie sind deshalb kein Nachweis von vier unabhängigen Bestätigungen, sondern derselbe wachsende Studienbestand aus verschiedenen Blickwinkeln ausgewertet. In der Summe zeigt der größere und spätere Teil dieses Bestands keinen Unterschied zu Placebo, mit einem eng um die Null liegenden Konfidenzintervall, während die kleinere und ältere Teilauswertung einen Dosis-Effekt errechnet hatte, der sich in den späteren, größeren Daten nicht wiederfindet. Die Auswertung von 2011 nennt in ihrer eigenen Diskussion neben dieser Arbeit noch eine zweite Sammelauswertung von 51 Studien aus dem Jahr 2007, die ebenfalls ein leicht erhöhtes Sterberisiko gefunden hatte, das Sterblichkeitssignal stammt also nicht aus einer einzigen älteren Auswertung [9]. Eine gezielte Suche nach einer noch neueren, umfassenden Sammelauswertung zur Gesamtsterblichkeit in der Allgemeinbevölkerung ergab keinen Treffer, der über die hier genannte Auswertung von 2014 hinausgeht, die Studienlage zu diesem Gesamtbild ist seither unseres Wissens nicht neu zusammengefasst worden
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06
Neu aufgetretene Erkrankungsfälle der Prostata bei Männern ab 50 Jahren, uneinheitlich zwischen der Studie von 1998 und der von 2011
WidersprüchlichEinordnung und Einschränkungen
Eine erste große Studie an finnischen Rauchern fand 1998 unter niedrig dosiertem synthetischem Alpha-Tocopherol weniger neue Erkrankungsfälle der Prostata als unter Placebo. Eine zweite, extra zur Bestätigung angelegte und noch größere Studie fand 2011 unter höher dosiertem synthetischem Alpha-Tocopherol dagegen mehr Fälle als unter Placebo.
Ausführlicher Nachweis
In der Alpha-Tocopherol Beta-Carotene Cancer Prevention Studie erhielten 29133 männliche finnische Raucher im Alter von 50 bis 69 Jahren randomisiert 50 mg synthetisches all-rac-Alpha-Tocopherylacetat täglich, Beta-Carotin, beides oder Placebo über 5 bis 8 Jahre (im Mittel 6,1 Jahre) [12]. Unter Alpha-Tocopherol traten 32 Prozent weniger neue Erkrankungsfälle der Prostata auf als ohne (95-Prozent-Konfidenzintervall minus 47 bis minus 12 Prozent) und die Sterblichkeit an dieser Erkrankung war 41 Prozent niedriger (95-Prozent-Konfidenzintervall minus 65 bis minus 1 Prozent) [12]. Unter Beta-Carotin war die Häufigkeit dagegen 23 Prozent höher, ohne dass dieser Unterschied statistisch abgesichert war (95-Prozent-Konfidenzintervall minus 4 bis plus 59 Prozent) [12]. Förderung und Interessenkonflikte sind im Abstract nicht genannt, der Volltext lag uns nicht vor, die Bewertung stützt sich auf das Abstract. PubMed führt die Arbeit als vom amerikanischen öffentlichen Gesundheitsdienst gefördert, wer die Studienkapseln gestellt hat, ist aus den uns vorliegenden Angaben nicht zu belegen. Genau dieser günstige Befund war der Anlass für eine zweite, gezielt zur Bestätigung angelegte Studie, die Selenium and Vitamin E Cancer Prevention Trial (SELECT), an 34887 im Mittel gesunden Männern aus den USA, Kanada und Puerto Rico mit einem PSA-Wert von höchstens 4 ng pro ml und unauffälliger Tastuntersuchung, randomisiert zu 400 IE synthetischem all-rac-Alpha-Tocopherylacetat täglich (das entspricht ungefähr 268 mg), Selen, beidem oder Placebo, mit geplanter Einnahmedauer von 7 bis 12 Jahren [13]. Die Studienpräparate wurden von mehreren Herstellern gestellt (Perrigo, Sabinsa, Tishcon, DSM Nutritional Products), die Studie selbst wurde öffentlich vom amerikanischen Krebsforschungsinstitut finanziert [13]. Die Einnahme wurde 2008 wegen Erfolglosigkeit vorzeitig beendet, weil eine Zwischenauswertung keine Aussicht auf einen Nutzen mehr zeigte [13]. Die 2011 veröffentlichte Langzeitauswertung mit zusätzlicher Nachbeobachtungszeit fand unter Alpha-Tocopherol dagegen mehr neue Erkrankungsfälle als unter Placebo (620 gegenüber 529 Fällen, Hazard Ratio 1,17, 99-Prozent-Konfidenzintervall 1,004 bis 1,36, p gleich 0,008), während Selen allein (1,09, 0,93 bis 1,27) und die Kombination (1,05, 0,89 bis 1,22) keinen abgesicherten Unterschied zeigten [13]. Die beiden Studien prüfen dieselbe Wirkform (synthetisches all-rac-Alpha-Tocopherylacetat), aber unterschiedliche Tagesdosen (50 mg gegenüber ungefähr 268 mg), unterschiedliche Populationen (finnische Raucher gegenüber überwiegend nicht nach Rauchstatus ausgewählten Männern mit unauffälligem PSA-Wert) und unterschiedliche Dauer. Diese Unterschiede können zur gegenläufigen Richtung beitragen, sie heben den Widerspruch in der Kernaussage aber nicht auf, weil SELECT ausdrücklich als große, unabhängige Bestätigungsstudie für den 1998 gefundenen Nutzen angelegt war und das Gegenteil davon fand
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07
Akute Durchblutungsereignisse im Gehirn unter Einnahme, abhängig vom Ereignistyp uneinheitlich in einer gepoolten Auswertung von neun randomisierten Studien
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In einer gepoolten Auswertung von neun Studien mit über 118000 Teilnehmenden waren Hirnblutungen unter Vitamin E häufiger als unter Placebo, akute Gefäßverschlüsse im Gehirn dagegen seltener als unter Placebo.
Ausführlicher Nachweis
Eine systematische Übersicht und Meta-Analyse plazebokontrollierter randomisierter Studien mit mindestens einem Jahr Nachbeobachtung wertete neun Studien mit zusammen 118765 Teilnehmenden aus (59357 unter Vitamin E, 59408 unter Placebo), darunter die Alpha-Tocopherol Beta-Carotene Cancer Prevention Studie mit 50 mg synthetischem Alpha-Tocopherol täglich, zwei Studien mit 300 mg synthetischem Alpha-Tocopherol täglich, eine Studie mit 400 IE natürlichem Alpha-Tocopherol täglich, zwei Studien mit 600 IE natürlichem Alpha-Tocopherol jeden zweiten Tag, eine Studie mit 400 IE synthetischem Alpha-Tocopherol jeden zweiten Tag und zwei Studien mit 800 IE natürlichem Alpha-Tocopherol täglich, diese Aufschlüsselung nach Dosis und Form steht in einer Tabelle des Volltexts und nicht im Abstract [14]. Für die Gesamtzahl aller akuten Durchblutungsereignisse im Gehirn zusammengenommen ergab sich kein Unterschied zu Placebo (gepooltes relatives Risiko 0,98, 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,91 bis 1,05, p gleich 0,53) [14]. Getrennt nach Art zeigte sich für Hirnblutungen ein höheres Risiko unter Vitamin E (relatives Risiko 1,22, 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,00 bis 1,48, p gleich 0,045, umgerechnet ein zusätzliches Ereignis auf 1250 mit Vitamin E behandelte Personen), für akute Gefäßverschlüsse im Gehirn dagegen ein niedrigeres Risiko (relatives Risiko 0,90, 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,82 bis 0,99, p gleich 0,02, umgerechnet ein verhindertes Ereignis auf 476 behandelte Personen) [14]. Eine Meta-Regression fand weder die Verblindung noch die Tagesdosis noch den Krankheitsstatus der Teilnehmenden als Quelle für Unterschiede zwischen den Studien, das Ergebnis war also über unterschiedliche Dosen und über natürliche wie synthetische Formen hinweg ähnlich gerichtet [14]. Die Autoren nennen für diese Arbeit selbst keine Förderung und keinen Interessenkonflikt [14]. Die Konfidenzintervalle beider Einzelbefunde berühren die Grenze der statistischen Signifikanz nur knapp (1,00 als untere Grenze bei den Hirnblutungen, 0,99 als obere Grenze bei den Gefäßverschlüssen), eine unabhängige Bestätigung in einer zweiten, unabhängigen Sammelauswertung liegt uns nicht vor
Quellen: 14
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08
Fortschreiten von Netzhautveränderungen und Sehschärfeverlust im Alter unter einer Kombination mit Vitamin C, Beta-Carotin und Zink
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Eine Kombination aus Vitamin C, Vitamin E, Beta-Carotin und Zink senkte bei Risikopersonen mit ausgedehnten Netzhautablagerungen das Fortschreiten einer fortgeschrittenen Netzhautveränderung gegenüber Placebo. Der Beitrag von Vitamin E allein lässt sich aus der Kombination nicht heraustrennen.
Ausführlicher Nachweis
In einer randomisierten, plazebokontrollierten Studie an 3640 Teilnehmenden im Alter von 55 bis 80 Jahren mit ausgedehnten mittelgroßen Netzhautablagerungen, mindestens einer großen Ablagerung oder bereits fortgeschrittener Veränderung am jeweils anderen Auge senkte eine tägliche Kombination aus 500 mg Vitamin C, 400 IE Vitamin E, 15 mg Beta-Carotin und 80 mg Zink über im Mittel 6,3 Jahre die Odds für ein Fortschreiten zu einer fortgeschrittenen Netzhautveränderung gegenüber Placebo signifikant (Odds Ratio 0,72, 99-Prozent-Konfidenzintervall 0,52 bis 0,98) [15]. Die Kombination ohne Zink, also nur Vitamin C, Vitamin E und Beta-Carotin, verfehlte die vorab festgelegte Signifikanzschwelle knapp (Odds Ratio 0,80, 99-Prozent-Konfidenzintervall 0,59 bis 1,09) [15]. Der Beitrag von Vitamin E allein lässt sich aus dieser Vierfachkombination nicht heraustrennen. Eine zweite, größere Folgestudie an 4203 Teilnehmenden mit demselben Vitamin-E-Anteil prüfte zusätzlich Lutein und Zeaxanthin sowie Omega-3-Fettsäuren als Ergänzung der Kombination und eine testweise Entfernung von Beta-Carotin, fand dabei aber keine zusätzliche Senkung des Fortschreitens gegenüber der unveränderten Kombination (Hazard Ratio für Lutein und Zeaxanthin 0,90, 98,7-Prozent-Konfidenzintervall 0,76 bis 1,07, p gleich 0,12) [16]. Beide Studien prüfen laut öffentlich zugänglichen Angaben zur Zusammensetzung dieser Kombinationspräparate synthetisches dl-Alpha-Tocopherylacetat mit 400 IE, eine ausdrückliche Angabe der Stereochemie im Studientext selbst liegt uns nicht vor. Förderung durch den amerikanischen Gesundheitsforschungsträger NIH, kein Hinweis auf eine Förderung durch einen Hersteller in den Abstracts. In keiner der beiden Studien lässt sich der Beitrag von Vitamin E von den übrigen Bestandteilen der Kombination trennen, eine Studie mit Vitamin E allein liegt für diesen Endpunkt nicht vor
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09
Akute Sonnenbrandreaktion und UV-bedingte DNA-Schäden der Haut, gemindert unter mehrwöchiger Einnahme in Kombination mit weiteren Antioxidantien
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Zwei kleine Studien mit Kombinationspräparaten aus Vitamin E und weiteren Antioxidantien fanden nach mehrwöchiger Einnahme eine geringere Sonnenbrandreaktion und weniger UV-bedingte DNA-Schäden der Haut. Ob dabei eine Placebogruppe mitlief, ist aus den Zusammenfassungen nicht sicher zu entnehmen.
Ausführlicher Nachweis
In einer Studie an 25 gesunden Personen senkte die tägliche orale Einnahme eines Antioxidans-Komplexes aus Lycopin, Beta-Carotin, Alpha-Tocopherol (Menge im Abstract nicht genannt) und Selen über 7 Wochen die UV-bedingte Rötung der Haut, erhöhte die minimale Dosis für eine sichtbare Sonnenbrandrötung um 20 Prozent (p gleich 0,01) und senkte sowohl den Nachweis von durch UV geschädigten Hautzellen als auch von Lipidperoxiden in Hautbiopsien [17]. Das Abstract beschreibt den Vergleich als vorher und nachher an denselben 25 Personen, eine eigene Placebogruppe wird nicht genannt, es handelt sich damit möglicherweise um einen Vorher-Nachher-Vergleich ohne Placebokontrolle und nicht um einen Gruppenvergleich [17]. In einer zweiten Studie senkte eine mehrmonatige tägliche Einnahme von Vitamin C und natürlichem D-Alpha-Tocopherol (Mengen im Abstract nicht genannt) bei Freiwilligen die Sonnenbrandreaktion auf eine UVB-Bestrahlung und die Zahl der dabei entstehenden Thymindimere in der Haut, ebenfalls beschrieben als Vergleich vor und nach der Einnahme [18]. Beide Arbeiten prüfen Vitamin E ausschließlich in Kombination mit weiteren Antioxidantien, der Beitrag von Vitamin E allein lässt sich aus keiner der beiden Studien heraustrennen. Für keine der beiden Studien liegt uns ein Effektmaß mit Konfidenzintervall oder eine Angabe zu Förderung und Interessenkonflikt vor, die Volltexte lagen uns nicht vor, die Bewertung stützt sich auf die Abstracts. Kleine Personenzahlen, unklarer Kontrollgruppen-Status, keine Aussage zu sichtbarer Hautalterung wie Falten oder Elastizität
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10
Sichtbare Hautalterung (Falten, Hautelastizität) unter alleiniger oraler Einnahme
Keine Studien gefundenEinordnung und Einschränkungen
Wir haben gezielt gesucht und keine Interventionsstudie am Menschen gefunden, die Falten oder Hautelastizität unter alleiniger oraler Vitamin-E-Einnahme als Endpunkt geprüft hätte.
Ausführlicher Nachweis
Gezielte Suchen mit den PubMed-Suchbegriffen "vitamin E supplementation skin aging photoaging", "vitamin E skin elasticity oral supplementation" (ohne Beschränkung auf den Publikationstyp) und "oral vitamin E supplementation skin wrinkle elasticity" ergaben keinen einzigen Treffer unter randomisierten Studien oder Übersichtsarbeiten am Menschen. Gefunden wurden ausschließlich Arbeiten zu UV-bedingter Sonnenbrandreaktion und DNA-Schäden in Kombinationspräparaten, siehe die eigene Zeile dazu, sowie eine Zellkultur-Arbeit zu einem Vitamin-E-Abkömmling (Alpha-Tocopherylferulat) und seiner hautaufhellenden Wirkung auf Melanomzellen außerhalb des Körpers, ohne Anwendung am Menschen. Zur häufig beworbenen Wirkung auf Falten oder Hautelastizität durch orale Einnahme von Vitamin E allein liegt uns damit weder eine Human- noch eine Tier- oder Laborstudie vor
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11
Häufigkeit von Atemwegsinfekten bei älteren Pflegeheimbewohnern unter einjähriger Einnahme
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In einer Studie an 617 Pflegeheimbewohnenden senkte tägliches Vitamin E (200 IE, ein Jahr) die Häufigkeit oberer Atemwegsinfekte einschließlich Erkältungen knapp signifikant gegenüber Placebo, ohne Effekt auf tiefere Atemwegsinfekte.
Ausführlicher Nachweis
In einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Studie an 617 mindestens 65 Jahre alten Bewohnenden von 33 Pflegeheimen (451 haben die Studie abgeschlossen) senkte die tägliche Einnahme von 200 IE synthetischem dl-Alpha-Tocopherol über ein Jahr die Zahl der Personen mit mindestens einem Atemwegsinfekt gegenüber Placebo (60 gegenüber 68 Prozent bei allen randomisierten Personen, relatives Risiko 0,88, 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,76 bis 1,00, p gleich 0,048) und die Zahl der Personen mit oberem Atemwegsinfekt (44 gegenüber 52 Prozent, relatives Risiko 0,84, 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,69 bis 1,00, p gleich 0,05) [19]. Eine erst nachträglich festgelegte Untergruppenauswertung zur Erkältung allein zeigte bei allen randomisierten Personen keinen abgesicherten Unterschied (relatives Risiko 0,83, 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,68 bis 1,01, p gleich 0,06), bei den Personen, die die Studie abgeschlossen hatten, dagegen einen abgesicherten Unterschied (relatives Risiko 0,80, 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,64 bis 0,98, p gleich 0,04) [19]. Für tiefere Atemwegsinfekte und für die Zahl der verordneten Antibiotika fand sich kein Effekt [19]. Die Studienkapseln wurden mit einem Zuschuss von Hoffmann-LaRoche, einem Hersteller von Vitaminrohstoffen, hergestellt, finanziert wurde die Studie im Übrigen öffentlich durch das amerikanische Institut für Altersforschung und das amerikanische Landwirtschaftsministerium, die Autoren betonen, die Geldgeber hätten keinen Einfluss auf Design, Auswertung oder Veröffentlichung gehabt [19]. Die Konfidenzintervalle der Hauptbefunde berühren mit ihrer oberen Grenze von 1,00 knapp die Grenze zur fehlenden Signifikanz, die Erkältungs-Auswertung war nicht vorab festgelegt und in der vollständigen Gruppe nicht abgesichert, eine unabhängige Bestätigung dieser Befunde liegt uns nicht vor
Quellen: 19
Studien im Detail
Form und Bioverfügbarkeit, warum das bei Vitamin E alles ist
Vitamin E ist kein einzelner Stoff, sondern ein Sammelname für acht Verbindungen, vier Tocopherole und vier Tocotrienole, jeweils in einer Alpha-, Beta-, Gamma- und Delta-Form. Referenzwerte, der Tolerable Upper Intake Level und die zugelassene EFSA-Angabe beziehen sich ausschließlich auf Alpha-Tocopherol, weil der Körper nur diese Form über ein eigenes Transportprotein in der Leber aktiv im Blut hält.
Innerhalb von Alpha-Tocopherol gibt es wiederum zwei chemisch unterschiedliche Herstellungswege mit unterschiedlicher Wirksamkeit. RRR-Alpha-Tocopherol, auch als natürliches oder d-Alpha-Tocopherol bezeichnet, ist ein einzelnes Stereoisomer. All-rac-Alpha-Tocopherol, auch als synthetisches oder dl-Alpha-Tocopherol bezeichnet, ist ein technisches Gemisch aus acht Stereoisomeren zu gleichen Teilen, von denen nur die Hälfte der biologischen Aktivität des natürlichen Stereoisomers entspricht. Mehrere kontrollierte Studien mit deuteriummarkierten Formen bestätigen eine höhere Bioverfügbarkeit der natürlichen Form, mit Werten zwischen dem Faktor 1,3 und dem Faktor 2 je nach Messmethode, siehe die eigene Wirkungszeile dazu.
Diese Unterscheidung ist deshalb keine Randnotiz, weil praktisch alle großen Sicherheits- und Präventionsstudien mit synthetischem all-rac-Alpha-Tocopherol arbeiten, während ein Teil der kleineren mechanistischen Studien natürliches RRR-Alpha-Tocopherol einsetzt. Ein Vergleich zwischen Studien ist nur dann aussagekräftig, wenn Form und Menge beider Arbeiten bekannt sind, deshalb tragen alle Zeilen dieses Eintrags Form und Dosis der jeweils zitierten Studie.
Hinzu kommt ein weiterer, oft übersehener Effekt. Weil isoliertes Alpha-Tocopherol im Körper mit den anderen sieben Vitamin-E-Verbindungen um Aufnahme und Transport konkurriert, senkt eine hochdosierte Alpha-Tocopherol-Einnahme die Blutspiegel von Gamma- und Delta-Tocopherol deutlich, siehe die eigene Wirkungszeile dazu. Die großen Präventionsstudien, die praktisch alle isoliertes Alpha-Tocopherol prüfen, prüfen damit streng genommen nicht Vitamin E in seiner natürlichen Formenvielfalt, sondern eine einzelne Form davon, bei gleichzeitiger Verdrängung der übrigen Formen.
Herz-Kreislauf-Vorbeugung und Gesamtsterblichkeit
Über mehrere große, mehrjährige Präventionsstudien hinweg zeigt Vitamin E im Mittel weder einen Nutzen noch einen Schaden für Herz-Kreislauf-Ereignisse oder die Gesamtsterblichkeit in der Gesamtbevölkerung. Eine ältere, kleinere Sammelauswertung aus dem Jahr 2005 hatte bei Tagesdosen ab 400 IE einen Anstieg der Sterblichkeit errechnet. Diese Auswertung bezog sich auf einen frühen Ausschnitt desselben Studienbestands, den spätere, deutlich größere Sammelauswertungen mit mehr und länger laufenden Studien nicht bestätigen. Einzelheiten mit den genauen Zahlen stehen bei der Wirkungszeile "Kardiovaskuläre Ereignisse und Gesamtsterblichkeit".
Prostatabezogene Erkrankungsfälle, eine Bestätigungsstudie mit umgekehrtem Ergebnis
Die Alpha-Tocopherol Beta-Carotene Cancer Prevention Studie fand 1998 bei finnischen Rauchern unter niedrig dosiertem Alpha-Tocopherol deutlich weniger neue Erkrankungsfälle der Prostata als unter Placebo. Dieser Befund war ungeplant, die Studie war ursprünglich für einen anderen Endpunkt angelegt, und er war der Anlass für die SELECT-Studie, die genau diese Frage an einer noch größeren, gezielt zusammengestellten Personengruppe prüfen sollte. SELECT fand 2011 das Gegenteil, bei höher dosiertem Alpha-Tocopherol mehr neue Erkrankungsfälle als unter Placebo. Einzelheiten mit den genauen Zahlen und den Unterschieden zwischen beiden Studien stehen bei der eigenen Wirkungszeile.
Akute Durchblutungsereignisse im Gehirn
Eine gepoolte Auswertung neun großer Studien fand für Hirnblutungen und für akute Gefäßverschlüsse im Gehirn gegenläufige Effekte, mit mehr Blutungen und weniger Gefäßverschlüssen unter Vitamin E. In der Summe aller Ereignisse verschwindet dieser Unterschied, was zeigt, dass eine Betrachtung nur der Gesamtzahl die tatsächliche Risikoverschiebung verdecken kann. Einzelheiten stehen bei der eigenen Wirkungszeile.
Augengesundheit im Alter
In einer großen Kombinationsstudie mit Vitamin C, Vitamin E, Beta-Carotin und Zink war das Fortschreiten einer fortgeschrittenen Netzhautveränderung bei Risikopersonen seltener als unter Placebo. Weil alle vier Bestandteile gemeinsam geprüft wurden, lässt sich der eigene Beitrag von Vitamin E aus diesem Befund nicht herauslösen.
Sicherheit und Wechselwirkungen
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat 2024 ihre Bewertung des Tolerable Upper Intake Level für Vitamin E bestätigt und dabei gezielt drei mögliche Risiken einer hohen Zufuhr geprüft, eine beeinträchtigte Blutgerinnung mit erhöhtem Blutungsrisiko, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und die Häufigkeit von Erkrankungsfällen der Prostata. Als kritischen Effekt für die Festlegung des Grenzwerts hat sie die Wirkung auf die Blutgerinnung und das erhöhte Blutungsrisiko benannt, abgeleitet aus einer Studie mit einer höchsten unbedenklichen Dosis von 800 IE täglich und einem zusätzlichen Sicherheitsabschlag um den Faktor 2. Der daraus abgeleitete Grenzwert liegt bei 300 mg täglich für Erwachsene einschließlich Schwangerer und Stillender, gestaffelt niedriger für Kinder und Säuglinge. Dieser Grenzwert gilt ausdrücklich für alle Stereoisomere von Alpha-Tocopherol, natürliche wie synthetische, weil sich die Blutungsneigung nach dem bisherigen Kenntnisstand nicht eindeutig nach der Form unterscheidet.
Ausdrücklich ausgenommen von diesem allgemeinen Grenzwert sind Personen unter Gerinnungshemmern oder Thrombozytenaggregationshemmern wie Acetylsalicylsäure, Personen in einer medikamentösen Sekundärvorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Personen mit einer Vitamin-K-Aufnahmestörung. Für sie gilt der allgemeine Grenzwert nicht, weil ihr Risiko für eine verstärkte Blutungsneigung schon durch die Grunderkrankung oder die Medikation erhöht ist und eine gesonderte ärztliche Einschätzung nötig ist.
Eine gepoolte Auswertung von neun randomisierten Studien mit über 118000 Teilnehmenden fand für Vitamin E ein erhöhtes Risiko für Hirnblutungen gegenüber Placebo (relatives Risiko 1,22, 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,00 bis 1,48), bei gleichzeitig niedrigerem Risiko für akute Gefäßverschlüsse im Gehirn (relatives Risiko 0,90, 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,82 bis 0,99). Einzelheiten stehen bei der eigenen Wirkungszeile weiter oben. Zur Gesamtsterblichkeit fanden die größeren und späteren Sammelauswertungen randomisierter Studien im Mittel keinen Unterschied zu Placebo, eine ältere und kleinere Auswertung hatte dagegen bei Tagesdosen ab 400 IE einen Anstieg errechnet, der sich in den späteren Daten nicht bestätigt. Auch diese Einzelheiten stehen bei der eigenen Wirkungszeile.
Wegen der möglichen Wirkung auf die Blutgerinnung ist bei gleichzeitiger Einnahme von Gerinnungshemmern, Thrombozytenaggregationshemmern oder im zeitlichen Umfeld von Operationen ärztliche Rücksprache vor einer Vitamin-E-Einnahme oberhalb der Zufuhr aus der Nahrung sinnvoll. Zu Schwangerschaft und Stillzeit gilt derselbe Grenzwert von 300 mg täglich wie für andere Erwachsene, eine gezielte eigene Prüfung zu Wechselwirkungen in dieser Lebensphase liegt uns nicht vor.
Quellen zum Nachlesen
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Rechtsakt auf Grundlage abgeschlossener EFSA-Bewertungen · 2012
Verordnung (EU) Nr. 432/2012 zur Festlegung einer Liste zulässiger gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel, die sich nicht auf die Verringerung eines Krankheitsrisikos sowie auf die Entwicklung und die Gesundheit von Kindern beziehen
Europäische Kommission Amtsblatt der Europäischen Union
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RCT, plazebokontrolliert, 4 Parallelgruppen, n gleich 40, 3 Monate · 2000
Antioxidative efficacy of parallel and combined supplementation with coenzyme Q10 and d-alpha-tocopherol in mildly hypercholesterolemic subjects, a randomized placebo-controlled clinical study.
Kaikkonen J, et al. Free Radic Res
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RCT, multizentrisch, n gleich 3640 · 2001
A randomized, placebo-controlled, clinical trial of high-dose supplementation with vitamins C and E, beta carotene, and zinc for age-related macular degeneration and vision loss, AREDS report no. 8.
Age-Related Eye Disease Study Research Group. Arch Ophthalmol
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RCT, multizentrisch, faktorielles Design, n gleich 4203 · 2013
Lutein + zeaxanthin and omega-3 fatty acids for age-related macular degeneration, the Age-Related Eye Disease Study 2 (AREDS2) randomized clinical trial.
Age-Related Eye Disease Study 2 Research Group. JAMA
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Bei H.P.N
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