Creatinol-O-Phosphat
Zuletzt geprüft am
Weitere Stoffe
COP · Creatinolfosfat · Aplodan · N-Methyl-N-(beta-Hydroxyethyl)guanidin-O-Phosphat
Auf einen Blick
- Was es ist
- Eine synthetische, guanidinhaltige Phosphatverbindung, im englischen Sprachraum meist COP abgekürzt. Trotz des ähnlichen Namens eine andere chemische Verbindung als Kreatin, siehe Abgrenzung unten
- Herkunft
- In den 1960er-Jahren in Italien synthetisiert und unter dem Handelsnamen Aplodan als injizierbares Arzneimittel gegen Durchblutungsstörungen und Rhythmusstörungen des Herzens entwickelt. Wird heute daneben als orales Pulver oder in Kapseln in der Sporternährung angeboten
- Wirkform in Studien
- Nahezu alle vorliegenden Studien prüfen Creatinol-O-Phosphat als intravenös oder intramuskulär injiziertes Arzneimittel bei Menschen mit Herz-Kreislauf-Beschwerden, überwiegend aus den 1970er-Jahren. Eine Humanstudie zur oralen Einnahme bei gesunden, sporttreibenden Menschen haben wir trotz gezielter Suche nicht gefunden
- Übliche Studiendosis
- 1020 bis 3060 mg täglich, intravenös oder intramuskulär verabreicht, in den vorliegenden Akut- und Kurzzeitstudien bei Erwachsenen. Im Tierversuch 100 bis 1000 mg pro Kilogramm Körpergewicht. Zur oral eingenommenen Menge, wie sie im Handel angeboten wird, liegt uns keine eigene Studie vor
- Bekannt geworden durch
- Die Vermarktung als Sportnahrung unter einem an Kreatin erinnernden Namen. Die vorliegende Studienlage stammt jedoch nahezu vollständig aus der italienischen Herzmedizin der 1960er- bis 1980er-Jahre und nicht aus der Sporternährungsforschung
- Verträglichkeit
- In einer Akutstudie mit injizierten Einzeldosen bei gesunden Freiwilligen ohne Herz- oder Nierenerkrankung gut vertragen, mit Ausnahme einer dosisabhängigen Erhöhung von Phosphat in Blut und Urin. Zur Verträglichkeit bei oraler Daueranwendung liegt uns keine eigene Studie vor
Was diesem Stoff zugesprochen wird
Was die Studien hergeben.
Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.
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01
Serumenzyme als Marker für Herzmuskelschädigung bei Menschen mit akut erhöhten Herzmuskel-Enzymwerten unter Basistherapie mit Glukose, Insulin und Kalium
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Zwei Gruppen von je 23 Menschen mit akut erhöhten Herzmuskel-Enzymwerten, sechs Enzyme fielen unter zusätzlicher Creatinol-O-Phosphat-Infusion um 33 bis 49 Prozent stärker als unter der Basistherapie allein. Verabreicht wurde eine Dauerinfusion, keine orale Einnahme.
Ausführlicher Nachweis
In einer kontrollierten Studie erhielten zwei Gruppen von je 23 Menschen mit akut erhöhten Herzmuskel-Enzymwerten eine dreitägige Basistherapie aus Glukose, Insulin und Kalium, eine Gruppe zusätzlich täglich 3,06 g Creatinol-O-Phosphat als intravenöse Dauergabe über denselben Zeitraum [1]. Sechs untersuchte Enzyme, GOT, GPT, LDH, HBDH, CK und MBCK, fielen in der Creatinol-O-Phosphat-Gruppe um 33 bis 49 Prozent stärker als in der Kontrollgruppe, bei einem Signifikanzniveau von p kleiner 0,01 [1]. Die Autoren führen den stärkeren Rückgang auf eine Wirkung von Creatinol-O-Phosphat auf die Durchlässigkeit der Zellmembran zurück [1]. Das Abstract nennt weder ein Effektmaß mit Konfidenzintervall noch Angaben zu Interessenkonflikt oder Förderung, ein freier Volltext ist nicht auffindbar. Verabreicht wurde eine tägliche Dauerinfusion, keine orale Einnahme, und die untersuchte Personengruppe bestand aus Menschen mit akut erhöhten Herzenzymwerten, nicht aus gesunden Sporttreibenden.
Quellen: 1
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02
Häufigkeit ventrikulärer Extrasystolen im Ausgangs-EKG bei Menschen mit häufigen oder anhaltenden ventrikulären Extrasystolen, in zwei kleinen Vergleichsstudien
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In zwei kleinen Studien an Menschen mit auffälligem Herzrhythmus weniger ventrikuläre Extrasystolen unter Creatinol-O-Phosphat als unter einer Vergleichssubstanz, injiziert über drei Tage. Eine der beiden Arbeiten belegt die Verbesserung nur für die Verumphase, ohne ausgewiesene Vergleichszahl.
Ausführlicher Nachweis
In einer randomisierten Cross-over-Studie an 10 Menschen mit häufigen ventrikulären Extrasystolen im Ausgangs-Holter-EKG erhielt jede Person in zufälliger Reihenfolge zweimal täglich Creatinol-O-Phosphat (1020 mg pro Tag) oder eine Vergleichssubstanz, jeweils über drei Tage intramuskulär injiziert, mit einem 24-Stunden-Holter-EKG am Ende jeder Phase [2]. Herzfrequenz, PQ-Zeit und korrigierte QT-Zeit veränderten sich nicht, die Zahl der ventrikulären Extrasystolen war unter Creatinol-O-Phosphat dagegen niedriger als unter der Vergleichssubstanz, p kleiner 0,01, mit stärkerem Effekt tagsüber [2]. In einer zweiten, doppelblinden Studie an Menschen mit anhaltenden ventrikulären Extrasystolen im Ausgangs-EKG wurde Creatinol-O-Phosphat ebenfalls gegen eine Vergleichssubstanz geprüft, das Abstract nennt dazu keine Teilnehmerzahl [3]. Bei 85 Prozent der mit Creatinol-O-Phosphat behandelten Personen sanken die ventrikulären Extrasystolen um 50 bis 100 Prozent, das Abstract stellt diesen Wert aber nur für die Verumphase dar und nennt keine vergleichbare Zahl für die Phase mit der Vergleichssubstanz, ein ausgewiesener Gruppenunterschied fehlt damit für diese zweite Studie [3]. Nebenwirkungen werden in beiden Arbeiten als praktisch nicht vorhanden beschrieben. Beide Studien injizierten die Substanz, keine prüfte eine orale Einnahme, und in beiden bestand die untersuchte Personengruppe aus Menschen mit auffälligem Herzrhythmus, nicht aus gesunden Sporttreibenden. Zu Interessenkonflikt und Förderung machen beide Abstracts keine Angabe, ein freier Volltext ist zu keiner der beiden Arbeiten auffindbar.
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03
Herzrhythmus, Brustschmerzen bei Belastung und Zeichen unzureichender Pumpfunktion bei Menschen mit vermindert durchbluteten Herzkranzgefäßen, ein Teil davon nach einem kürzlichen akuten Ereignis
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In einer doppelblinden Studie an 25 Menschen mit vermindert durchbluteten Herzkranzgefäßen eine als statistisch bedeutsam beschriebene Verbesserung von Herzrhythmus, Brustschmerzen und Zeichen unzureichender Pumpfunktion gegenüber einer Vergleichssubstanz, ohne Effektmaß oder p-Wert im Abstract.
Ausführlicher Nachweis
In einer doppelblinden Studie an 25 Menschen mit vermindert durchbluteten Herzkranzgefäßen, davon 12 nach einem kürzlichen akuten Ereignis und 13 mit belastungsabhängigen Brustschmerzen, wurde Creatinol-O-Phosphat gegen eine Vergleichssubstanz, das Lösungsmittel von Creatinol-O-Phosphat, geführt [4]. Das Abstract nennt eine statistisch bedeutsame Verbesserung von Herzrhythmusstörungen, Brustschmerzen und Zeichen einer unzureichenden Pumpfunktion, gibt dazu aber weder ein Effektmaß noch einen p-Wert an [4]. Ohne diese Angaben lässt sich die Größe des berichteten Unterschieds nicht einschätzen, und ob ein Gruppenunterschied oder eine Veränderung innerhalb der Verumgruppe gemeint ist, geht aus dem Abstract nicht eindeutig hervor. Verabreicht wurde die Substanz injiziert, nicht oral, und die untersuchte Personengruppe bestand aus Menschen mit Herz-Kreislauf-Beschwerden, nicht aus gesunden Sporttreibenden. Zu Interessenkonflikt und Förderung macht das Abstract keine Angabe, ein freier Volltext ist nicht auffindbar.
Quellen: 4
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04
Herzfrequenz, Blutdruck, EKG und Blutbild nach akuter intravenöser Einzelgabe bei gesunden Freiwilligen ohne Herz- oder Nierenerkrankung, ohne Unterschied zu Placebo
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In einer placebokontrollierten Akutstudie bei gesunden Freiwilligen ohne Herz- oder Nierenerkrankung veränderten sich Blutdruck, Herzfrequenz und EKG nach einer einzelnen injizierten Dosis nicht, nur das Blutphosphat stieg dosisabhängig an. Geprüft wurde eine einmalige Injektion, keine orale Daueranwendung.
Ausführlicher Nachweis
In einer placebokontrollierten Studie erhielten gesunde Freiwillige ohne Herz- oder Nierenerkrankung einmalig intravenös entweder 1020 mg, 2040 mg oder 3060 mg Creatinol-O-Phosphat in drei getrennten Dosisgruppen oder Placebo, das Abstract nennt keine Teilnehmerzahl je Gruppe [5]. Arterieller Blutdruck, Herzfrequenz, EKG-Bild und ein vollständiges Blutbild veränderten sich bei keiner der vier Gruppen, mit Ausnahme des Blutphosphats, das in den beiden höheren Dosisgruppen anstieg [5]. Die kumulative Ausscheidung von Phosphat und Kreatinin im Urin sowie die Urinmenge stiegen an, während sich andere Urinwerte nicht veränderten, alle Veränderungen waren nach Angabe der Autoren statistisch signifikant und dosisabhängig [5]. Die Autoren führen den Phosphat- und Kreatininanstieg auf das Creatinol-O-Phosphat-Molekül selbst zurück und die erhöhte Urinmenge auf einen osmotischen Verdünnungseffekt, insgesamt sei die Substanz gut verträglich gewesen, ohne erkennbare Nebenwirkung [5]. Das Abstract nennt keine Konfidenzintervalle zu Blutdruck, Herzfrequenz oder EKG, ein Ausbleiben eines Effekts ist damit nicht im engeren Sinn gezeigt, sondern nur nicht gefunden. Geprüft wurde eine einmalige intravenöse Injektion bei gesunden Menschen, keine orale Daueranwendung, wie sie im Handel angeboten wird.
Quellen: 5
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05
Muskelkontraktion an isolierten Vorhof- und Zwerchfellnerv-Zwerchfell-Präparaten in kalziumarmer Nährlösung
Nur Labor und TierEinordnung und Einschränkungen
An isolierten Vorhof- und Zwerchfellmuskel-Präparaten von Kaninchen und Ratten in kalziumarmer Nährlösung verstärkte Creatinol-O-Phosphat die Kontraktion, ähnlich wie Kreatinphosphat. Isoliertes Gewebe, kein lebendiges Tier und kein Mensch.
Ausführlicher Nachweis
An isolierten Vorhöfen von Kaninchen und an Zwerchfellnerv-Zwerchfell-Präparaten von Ratten, beide in einer kalziumarmen Ringer- oder Krebs-Lösung gehalten, verstärkte Creatinol-O-Phosphat die semiisometrische Kontraktion des Gewebes [6]. Kreatinphosphat zeigte in derselben Untersuchung einen ähnlichen Effekt [6]. Das Abstract nennt weder Konzentrationen noch Gruppengrößen. Es handelt sich um isoliertes Gewebe außerhalb des Körpers, keine Aussage zu einem lebenden Tier oder Menschen und keine Aussage zu Muskelermüdung unter körperlicher Belastung. Die parallele Wirkung von Creatinphosphat zeigt eine mechanistische Nähe der beiden Substanzen in diesem Modell, ist aber kein Beleg dafür, dass Creatinol-O-Phosphat im Körper wie Kreatin oder Kreatinphosphat wirkt, siehe Abgrenzung.
Quellen: 6
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06
Anzeichen einer Herzmuskelschädigung, Nekrosegröße, Ionengehalt und Kreatinkinase, nach hochdosierter Isoprenalin-Gabe bei Ratten
Nur Labor und TierEinordnung und Einschränkungen
In mehreren Rattenstudien mit chemisch ausgelöster Herzmuskelschädigung durch hochdosiertes Isoprenalin verringerte eine vorherige Gabe von Creatinol-O-Phosphat dosisabhängig Nekrosegröße, Ionenverschiebungen und den Anstieg der Kreatinkinase im Blut. Zwei der vier Arbeiten stammen vermutlich aus derselben Versuchsreihe.
Ausführlicher Nachweis
In mehreren Arbeiten derselben Arbeitsgruppen wurde bei Ratten eine durch hochdosiertes Isoprenalin ausgelöste Herzmuskelschädigung untersucht. Nach subkutaner Gabe von 30 mg pro Kilogramm Isoprenalin verringerte eine vorherige Gabe von Creatinol-O-Phosphat, 200 mg pro Kilogramm intraperitoneal, 4 Stunden vorher, sowohl die Herzmuskelnekrose als auch die begleitenden Veränderungen des Ionenhaushalts im Herzen [8]. Eine umfangreichere Untersuchung derselben Arbeitsgruppe mit mehreren Creatinol-O-Phosphat-Dosen fand eine dosisabhängige Verringerung von Anzahl und Größe der Nekroseherde, wobei eine viertägige Vorbehandlung stärker wirkte als die anfangs verwendete vierstündige Vorbehandlung [7]. Diese zweite Arbeit deckt sich in Erscheinungsjahr, Autorenschaft und Versuchsaufbau weitgehend mit der erstgenannten und ist vermutlich eine umfassendere Auswertung derselben Versuchsreihe und kein zweiter, unabhängiger Befund [7][8]. Der Kalzium- und Magnesiumgehalt im Herzen, sowohl am lebenden Tier nach 30 mg pro Kilogramm Isoprenalin als auch am isolierten Herzgewebe nach 10 Mikromol pro Liter Isoprenalin, wurde durch Creatinol-O-Phosphat dosisabhängig verringert, mit einer mittleren wirksamen Dosis von 0,3 Mikromol pro Liter [9]. In einer weiteren Arbeit mit einer deutlich höheren Isoprenalin-Dosis von 500 mg pro Kilogramm subkutan bei Ratten stieg die Serum-Kreatinkinase von 135 U/l in der Kontrollgruppe auf rund 600 U/l im Verlauf von 5 Stunden, eine vorherige Gabe von Creatinol-O-Phosphat, 250, 500 oder 1000 mg pro Kilogramm intraperitoneal, verringerte diesen Anstieg dosisabhängig, von etwa 16 Prozent Schutz bei der niedrigsten bis 50 Prozent bei der höchsten Dosis, mit einem Dosis-Wirkungs-Zusammenhang von p kleiner 0,01 [10]. Keine der vier Arbeiten nennt die Zahl der eingesetzten Tiere je Gruppe. Alle vier Arbeiten sind Rattenexperimente mit einem chemisch ausgelösten Modell einer Herzmuskelschädigung, keine Untersuchung an Menschen und keine Untersuchung unter körperlicher Belastung.
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07
Erholung der Kontraktionskraft nach Sauerstoffmangel oder unterbrochener Durchblutung am isolierten Rattenherz
Nur Labor und TierEinordnung und Einschränkungen
Am isolierten Rattenherz verbesserte Creatinol-O-Phosphat dosisabhängig die Erholung der Kontraktionskraft nach Sauerstoffmangel oder unterbrochener Durchblutung. Isoliertes Herzgewebe außerhalb des Körpers, kein lebendiges Tier.
Ausführlicher Nachweis
In isolierten Rattenherzen verbesserte eine vorherige Gabe von Creatinol-O-Phosphat, 100 Mikromol pro Liter, die Erholung der Kontraktionskraft nach Sauerstoffmangel dosisabhängig, ebenso die Erholung nach einer unterbrochenen Durchblutung, auch wenn das Herz zusätzlich mit einer kardioplegischen Lösung teilweise ruhiggestellt worden war [11]. Ein positiv inotroper Effekt unter normaler Sauerstoffversorgung zeigte sich nur bei gleichzeitiger Anwesenheit von Glukose in der Nährlösung, ein leicht negativ chronotroper Effekt bestand unabhängig von Glukose [11]. Die Autoren vermuten als Wirkmechanismus einen Einfluss auf die anaerobe Glykolyse [11]. Das Abstract nennt keine Zahl der untersuchten Herzen. Isoliertes Rattenherz außerhalb des Körpers, keine Aussage zu lebenden Tieren oder Menschen und keine Aussage zu Muskelgewebe außerhalb des Herzens.
Quellen: 11
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08
Herzrhythmusstörungen in chemisch ausgelösten Tiermodellen, Kalziumchlorid bei Mäusen sowie Aconitin und Chloroform
Nur Labor und TierEinordnung und Einschränkungen
In zwei Mausstudien verzögerte oder verhinderte Creatinol-O-Phosphat durch Kalziumchlorid, Aconitin oder Chloroform ausgelöste Rhythmusstörungen. Ausschließlich chemisch ausgelöste Modelle bei Tieren und isoliertem Gewebe.
Ausführlicher Nachweis
Bei wachen Mäusen verzögerte eine intravenöse Gabe von Creatinol-O-Phosphat dosisabhängig das durch Kalziumchlorid ausgelöste tödliche Kammerflimmern, in ähnlicher Weise wie die zum Vergleich mitgeführten Substanzen Prenylamin und Cinnarizin [12]. In einer weiteren Arbeit derselben Autoren verzögerte Creatinol-O-Phosphat den Beginn von durch Aconitin ausgelösten Rhythmusstörungen an Vorhofgewebe von Meerschweinchen und wirkte einem durch Chloroform ausgelösten Kammerflimmern bei Mäusen entgegen [13]. Beide Abstracts nennen keine Tierzahl je Gruppe. Beide Arbeiten prüfen ausschließlich chemisch ausgelöste Rhythmusstörungen an Mäusen und an isoliertem Vorhofgewebe von Meerschweinchen, keine Untersuchung an Menschen.
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09
Kraftausdauer und Muskelermüdung bei gesunden Sporttreibenden
Keine Studien gefundenEinordnung und Einschränkungen
Wir haben gezielt nach Creatinol-O-Phosphat und körperlicher Leistung, Muskelermüdung sowie Milchsäuretoleranz gesucht und außer einem 1975 betitelten, aber weder mit Abstract noch mit Volltext hinterlegten Titel keine Humanstudie gefunden. Ob eine Wirkung eintritt, ist damit offen, nicht widerlegt.
Ausführlicher Nachweis
Eine gezielte Suche nach humaner Evidenz zu Creatinol-O-Phosphat und körperlicher Leistungsfähigkeit ergab neben dem an anderer Stelle in diesem Eintrag beschriebenen Herz-Kreislauf-Bestand nur einen einzigen thematisch passenden Titel. Gesucht mit den PubMed-Suchbegriffen "creatinol-o-phosphate" und "exercise", alle Publikationstypen, sowie eigenen Suchen mit den Begriffen muscle fatigue, athletic performance, lactic acid, exercise tolerance, sports, athletes und ergogenic. Alle Suchen, jeweils mit und ohne Beschränkung auf Humanstudien, ergaben null Treffer außerhalb des insgesamt 45 Titel umfassenden Bestands zu Creatinol-O-Phosphat selbst. In diesem Bestand findet sich mit PMID 808375 ein 1975 in Curr Ther Res Clin Exp veröffentlichter, laut Titel kontrollierter klinischer Versuch mit dem Titel "Creatinol O-phosphate (COP) and muscular performance, a controlled clinical trial" [14]. Weder führt PubMed zu dieser Arbeit einen Abstract, noch war ein freier Volltext auffindbar, sodass sich weder die untersuchte Personengruppe noch Dosis, Verabreichungsweg oder Ergebnis überprüfen lassen [14]. Die verbreitete Zuschreibung, Creatinol-O-Phosphat verzögere Muskelermüdung oder erhöhe die Milchsäuretoleranz bei körperlicher Belastung, bleibt damit ohne jede überprüfbare Humanstudie.
Quellen: 14
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Allgemeine Erschöpfung bei Erwachsenen ohne Herzerkrankung
Keine Studien gefundenEinordnung und Einschränkungen
Wir haben gezielt nach Humanstudien zu Creatinol-O-Phosphat und allgemeiner Erschöpfung ohne Herzerkrankung gesucht und außer einem 1976 auf Spanisch veröffentlichten, weder mit Abstract noch mit Volltext hinterlegten Titel keine gefunden. Ob eine Wirkung eintritt, ist damit offen, nicht widerlegt.
Ausführlicher Nachweis
Im selben, vollständig gesichteten Bestand von 45 Titeln zu Creatinol-O-Phosphat findet sich mit PMID 792963 eine 1976 in Rev Clin Esp veröffentlichte spanischsprachige Arbeit, deren Titel sinngemäß von der Gabe von Creatinol-O-Phosphat bei Erschöpfungssyndromen spricht [15]. Auch hier führt PubMed weder einen Abstract noch einen englischsprachigen Zusatztext, und ein freier Volltext war nicht auffindbar, sodass sich weder die untersuchte Personengruppe noch Dosis, Dauer oder Ergebnis überprüfen lassen [15]. Eine eigene Suche nach humaner Evidenz zu Creatinol-O-Phosphat und allgemeiner Erschöpfung oder Müdigkeit außerhalb einer Herzerkrankung ergab über diesen einen Titel hinaus keinen weiteren Treffer.
Quellen: 15
Studien im Detail
Die gesamte auffindbare Studienlage zu Creatinol-O-Phosphat stammt, mit einer Ausnahme aus dem Jahr 1984, aus den 1970er-Jahren und betrifft Menschen mit Herz-Kreislauf-Beschwerden oder gesunde Freiwillige in einer einmaligen Verträglichkeitsprüfung. Eine vollständige, nicht auf einen Endpunkt eingeschränkte Suche zu Creatinol-O-Phosphat ergab 45 Titel, davon ein einzelner fachfremder Treffer zu einer photovoltaischen Anwendung derselben chemischen Verbindung in der Materialforschung, der hier nicht weiter berücksichtigt wird.
In vier Studien wurde Creatinol-O-Phosphat gegen eine Vergleichssubstanz oder Placebo geführt und an Endpunkten des Herzens gemessen, an Herzmuskel-Enzymwerten nach einem akuten Ereignis, an der Häufigkeit ventrikulärer Extrasystolen in zwei getrennten Arbeiten und an einer zusammenfassenden Bewertung von Herzrhythmus, Brustschmerzen und Pumpfunktion. Alle vier fanden einen Vorteil zugunsten von Creatinol-O-Phosphat, doch keine der Arbeiten nennt ein Effektmaß mit Konfidenzintervall, zwei nennen keine Teilnehmerzahl, und in einer der beiden Extrasystolen-Studien lässt sich anhand des Abstracts nicht ausschließen, dass der berichtete Rückgang nur die Verumphase und keinen ausgewiesenen Gruppenunterschied beschreibt. Eine fünfte Studie prüfte ausschließlich die Verträglichkeit einer einmaligen, injizierten Dosis bei gesunden Freiwilligen ohne Herz- oder Nierenerkrankung und fand außer einem erwartbaren Anstieg von Phosphat im Blut und im Urin keine Veränderung von Blutdruck, Herzfrequenz oder EKG.
Sämtliche dieser fünf Studien verabreichten Creatinol-O-Phosphat als Injektion, intravenös oder intramuskulär, über wenige Tage oder als Einzelgabe. Keine prüfte eine über Wochen fortgesetzte orale Einnahme, und keine schloss gesunde, sporttreibende Menschen ein. Zu Interessenkonflikt oder Förderung äußert sich keines der fünf Abstracts, ein freier Volltext ist zu keiner der Arbeiten auffindbar, sodass sich diese Angaben nicht nachträglich prüfen lassen [1][2][3][4][5]. In dreien dieser Studien war die Vergleichssubstanz ausdrücklich das Lösungsmittel von Creatinol-O-Phosphat selbst, das Prüfmaterial kam dort also vom Hersteller der Zubereitung [2][3][4].
Ergänzend beschreibt eine 1979 veröffentlichte Übersichtsarbeit derselben italienischen Arbeitsgruppe die Pharmakologie und Toxikologie von Creatinol-O-Phosphat. Danach ist die Aufnahme nach intramuskulärer Gabe vollständig, die Substanz verteilt sich in alle Organe, insbesondere Niere, Leber und Herzmuskel, wird dort dephosphoryliert und über den Urin ausgeschieden [16]. Eine Aussage zur Aufnahme nach oraler Einnahme trifft diese Übersichtsarbeit nicht, und eine gezielte Suche nach einer eigenen Studie zur oralen Bioverfügbarkeit oder Aufnahme von Creatinol-O-Phosphat beim Menschen ergab keinen Treffer.
Abgrenzung, Creatinol-O-Phosphat ist kein Kreatin
Trotz des ähnlichen Namens ist Creatinol-O-Phosphat eine andere chemische Verbindung als Kreatin. Kreatin ist ein Guanidinderivat der Aminosäuren, aus dem der Körper über die Kreatinkinase-Reaktion Kreatinphosphat bildet, einen kurzfristigen Energiespeicher der Muskelzelle. Creatinol-O-Phosphat ist der Phosphorsäureester eines eigenen, im Körper nicht natürlich vorkommenden Guanidin-Alkohols, in den 1960er-Jahren in Italien synthetisiert [16]. Beide Moleküle sind demnach strukturell verwandte, aber unterschiedliche Guanidinderivate, keine Vorstufe der jeweils anderen und keine austauschbaren Substanzen.
In einer isolierten Gewebeuntersuchung zeigte Kreatinphosphat einen ähnlichen, eigenständig gemessenen Effekt auf die Kontraktion in kalziumarmer Nährlösung wie Creatinol-O-Phosphat, was auf eine gewisse mechanistische Nähe der beiden Substanzen in diesem speziellen Modell hindeutet [6]. Ein Beleg dafür, dass Creatinol-O-Phosphat im Körper wie Kreatin oder Kreatinphosphat wirkt oder dass es zu einer der beiden Substanzen umgewandelt wird, ist das nicht. Die umfangreiche Studienlage zu Kreatin und Kreatin-Monohydrat, unter anderem zu Kraftleistung, Schnellkraft und Muskelaufbau, betrifft ausschließlich Kreatin selbst und ist auf Creatinol-O-Phosphat nicht übertragbar. Wer eine Zuschreibung zu Creatinol-O-Phosphat mit einer Quelle zu Kreatin belegt, verwechselt zwei verschiedene Stoffe.
Tier- und Laborstudien
Der überwiegende Teil der auffindbaren Studienlage zu Creatinol-O-Phosphat besteht aus Tier- und Laborversuchen an isoliertem Herz- und Muskelgewebe, größtenteils an Ratten, Mäusen, Kaninchen und Meerschweinchen. Ein wiederkehrendes Modell ist die durch eine hohe Dosis des Katecholamins Isoprenalin ausgelöste Herzmuskelschädigung bei Ratten, an der Creatinol-O-Phosphat in mehreren Arbeiten derselben Arbeitsgruppen die Größe der Nekroseherde, Verschiebungen im Kalzium- und Magnesiumhaushalt sowie den Anstieg der Serum-Kreatinkinase dosisabhängig verringerte. Zwei dieser Arbeiten, aus demselben Jahr und mit demselben Versuchsaufbau, sind vermutlich eine engere und eine umfassendere Auswertung derselben Versuchsreihe und werden hier als ein Befund und keine zwei unabhängigen gewertet.
In einem zweiten Modell verzögerte oder verhinderte Creatinol-O-Phosphat chemisch ausgelöste Herzrhythmusstörungen, durch Kalziumchlorid bei wachen Mäusen sowie durch Aconitin und Chloroform an Vorhofgewebe von Meerschweinchen und an Mäusen. Am isolierten Rattenherz verbesserte die Substanz die Erholung der Kontraktionskraft nach Sauerstoffmangel oder unterbrochener Durchblutung, mit einem vermuteten Wirkmechanismus über die anaerobe Glykolyse. An isolierten Vorhof- und Zwerchfellnerv-Zwerchfell-Präparaten von Kaninchen und Ratten verstärkte Creatinol-O-Phosphat in kalziumarmer Nährlösung die Muskelkontraktion, in ähnlicher Weise wie das körpereigene Kreatinphosphat, siehe Abgrenzung.
Keines der Abstracts zu diesen acht Tier- und Laborarbeiten nennt die Zahl der eingesetzten Tiere je Gruppe, und keine der Arbeiten prüft eine körperliche Belastung im eigentlichen Sinn, etwa Laufen oder Schwimmen bis zur Erschöpfung. Alle Befunde stammen aus chemisch ausgelösten Modellen einer Herzschädigung oder Rhythmusstörung, keiner aus einem sportphysiologischen Belastungsmodell, und keiner ist auf gesunde Menschen oder auf eine orale Einnahme übertragbar.
Sicherheit und Wechselwirkungen
In der einzigen vorliegenden Studie, die speziell die Verträglichkeit prüfte, wurden gesunden Freiwilligen ohne Herz- oder Nierenerkrankung einmalig zwischen 1020 und 3060 mg Creatinol-O-Phosphat intravenös verabreicht. Blutdruck, Herzfrequenz, EKG-Bild und Blutbild veränderten sich dabei nicht, mit Ausnahme eines dosisabhängigen Anstiegs von Phosphat im Blut und im Urin sowie einer erhöhten Ausscheidung von Phosphat und Kreatinin, die die Autoren auf die chemische Struktur der Substanz selbst zurückführen. Erkennbare Nebenwirkungen wurden in dieser Studie nicht beobachtet.
Zur Verträglichkeit bei einer über Wochen fortgesetzten oralen Einnahme, wie sie im Handel angeboten wird, liegt uns keine eigene Studie vor. Da eine dosisabhängige Erhöhung von Phosphat im Blut in der vorliegenden Akutstudie ein wiederkehrender Befund war, ist bei einer bestehenden Nierenerkrankung oder bei bereits erhöhten Phosphatwerten im Blut ärztliche Rücksprache vor einer Einnahme sinnvoll, auch wenn diese Studie ausdrücklich Menschen ohne Nierenerkrankung einschloss.
Da mehrere Tierstudien eine Wirkung von Creatinol-O-Phosphat auf den Ionenhaushalt und die elektrische Erregbarkeit des Herzens zeigen, ist bei einer bestehenden Herzrhythmusstörung oder bei gleichzeitiger Einnahme von Arzneimitteln gegen Herzrhythmusstörungen ärztliche Rücksprache vor einer Einnahme sinnvoll. Zu Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln, zu Schwangerschaft und zu Stillzeit liegt uns keine eigene geprüfte Quelle vor.
Quellen zum Nachlesen
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- 02
- 03
- 04
- 05
- 06
- 07
- 08
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09
Tierstudie und Laborstudie, Ratten, isoprenalininduzierte Ionenverschiebung, in vivo und in vitro · 1979
Ionic changes evoked by isoprenaline in rat hearts in vivo and in vitro and their reduction by creatinol O-phosphate
Godfraind T, Ghysel-Burton J, Sturbois X. Arzneimittelforschung
Zur Zuschreibung: 06
- 10
- 11
- 12
- 13
- 14
- 15
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16
Übersichtsarbeit zu Pharmakologie und Toxikologie · 1979
Pharmacological and toxicological properties of creatinol O-phosphate. A review
Marzo A, Ghirardi P. Arzneimittelforschung