Citicolin

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Citicoline · CDP-Cholin · Cytidin-5-Diphosphocholin · Cognizin

H.P.N · Datenstand 2026-09-08 · 7 Zuschreibungen im Überblick

Auf einen Blick

Was es ist
Citicolin, auch CDP-Cholin oder Cytidin-5-Diphosphocholin genannt, ist eine körpereigene Zwischenstufe der Cholin- und Phospholipid-Synthese
Herkunft
Citicolin selbst kommt in nennenswerter Menge nicht in Lebensmitteln vor. Der Körper bildet es aus Cholin und Cytidin, das im Handel erhältliche Citicolin wird industriell hergestellt
Wirkform in Studien
In den hier ausgewerteten Studien an gesunden Menschen orales Citicolin oder CDP-Cholin als Reinsubstanz, teils unter dem Markennamen Cognizin. Der überwiegende Teil der weltweiten Citicolin-Literatur betrifft dagegen Erkrankungen des Gehirns und prüft den Stoff als Arzneimittel, häufig als Injektion statt oral, siehe Abgrenzung unten
Übliche Studiendosis
500 bis 1000 mg als einmalige Gabe, 250 oder 500 mg täglich über 28 Tage bei Jugendlichen, 500 mg täglich über 12 Wochen bei älteren Erwachsenen
Bekannt geworden durch
Die ursprüngliche Entwicklung als Arzneimittel bei akuten Erkrankungen des Gehirns, oft als Injektion. Diese arzneiliche Verwendung ist nicht Gegenstand dieses Eintrags, siehe Abgrenzung unten
Verträglichkeit
In den vorliegenden Studien an Gesunden insgesamt gut vertragen, siehe Sicherheit

Was diesem Stoff zugesprochen wird

Was die Studien hergeben.

Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.

  1. 01

    Episodisches Gedächtnis (Paired-Associate-Test) bei gesunden älteren Erwachsenen mit schwacher Merkfähigkeit im Eingangstest, gebessert gegenüber Placebo als sekundärer Endpunkt

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    In der einzigen placebokontrollierten Studie an gesunden älteren Erwachsenen mit schwacher Merkfähigkeit im Eingangstest verbesserte sich das episodische Gedächtnis nach zwölf Wochen gegenüber Placebo. Das war ein sekundärer Endpunkt einer vom Hersteller finanzierten und mitgestalteten Studie, der vorab festgelegte primäre Endpunkt blieb ohne Unterschied.

    Ausführlicher Nachweis

    In einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Studie nahmen 100 gesunde Erwachsene im Alter von 50 bis 85 Jahren, deren Spatial-Span-Leistung im Eingangstest mindestens eine Standardabweichung unter dem Mittelwert junger Erwachsener lag 12 Wochen lang täglich 500 mg Citicolin (Cognizin) oder Placebo ein, randomisiert 49 zu Citicolin und 51 zu Placebo, ausgewertet nach Intention-to-treat mit 99 von 100 Teilnehmenden nach 12 Wochen [1]. Im Paired-Associate-Test, einem von sieben sekundären Endpunkten, verbesserte sich der Wert unter Citicolin stärker als unter Placebo, im Mittel plus 0,15 gegenüber plus 0,06 Punkten, p gleich 0,0025 nach Bonferroni-Korrektur [1]. Ein aus vier Tests zusammengesetzter Gedächtnis-Score verbesserte sich ebenfalls stärker unter Citicolin, im Mittel plus 3,78 gegenüber plus 0,72 Punkten, p gleich 0,0052 [1]. Der vorab festgelegte primäre Endpunkt, die Veränderung im Spatial-Span-Test, zeigte dagegen bei der korrigierten Schwelle von p kleiner 0,00625 keinen ausgewiesenen Gruppenunterschied, siehe eigene Zeile [1]. Ein Effektmass mit Konfidenzintervall für den Gruppenunterschied bei Paired Associate oder beim zusammengesetzten Score nennt der freie Volltext nicht, nur die Mittelwerte und den p-Wert [1]. Zwei der fünf Autorinnen und Autoren sind nach eigener Angabe aktuelle Angestellte des Sponsors Kyowa Hakko Bio Co., Ltd, ein weiterer Angestellter von dessen US-Tochter Kyowa Hakko USA, zwei weitere von der beauftragten Studienorganisation Biofortis Innovation Services [1]. Kyowa Hakko Bio Co., Ltd hat die Studie finanziert und war am Studiendesign beteiligt, nach eigener Angabe aber nicht an Durchführung, Datenerhebung und Auswertung [1]. Das Einschlusskriterium misst die Merkfähigkeit laut Volltext am Mittelwert junger Erwachsener aus einer Normstichprobe von über 74000 Personen und nicht am Altersdurchschnitt, obwohl der Spatial-Span-Wert nach denselben Normdaten mit dem Alter sinkt, aufgenommen wurden Personen mit einem Score von 2, 3 oder 4 [1]. Die Teilnehmenden sind damit eine Untergruppe älterer Menschen mit altersüblich schwächerer Ausgangsleistung, das Ergebnis ist nicht auf alle gesunden älteren Erwachsenen übertragbar [1].

    Quellen: 1

  2. 02

    Kurzzeitiges räumliches Arbeitsgedächtnis (Spatial-Span-Test) bei denselben älteren Erwachsenen, als vorab festgelegter primärer Endpunkt ohne Unterschied zu Placebo

    Nicht bestätigt
    Einordnung und Einschränkungen

    Beim vorab festgelegten primären Endpunkt derselben Studie bestand nach zwölf Wochen kein ausgewiesener Unterschied zu Placebo.

    Ausführlicher Nachweis

    In derselben Studie [1] war die Veränderung im Spatial-Span-Test von Woche 0 bis Woche 12 der vorab festgelegte primäre Endpunkt. Innerhalb der Citicolin-Gruppe stieg der Wert von 4,65 auf 4,90 Punkte, ein bei der korrigierten Schwelle von p kleiner 0,00625 als bedeutsam ausgewiesener Anstieg gegenüber dem eigenen Ausgangswert, innerhalb der Placebogruppe sank er von 4,75 auf 4,67 Punkte, ohne dass dieser Verlauf als bedeutsam ausgewiesen wird [1]. Für den Gruppenunterschied selbst nennt der Text keinen eigenen p-Wert, Spatial Span zählt zu den Endpunkten ohne berichteten Gruppenunterschied, während nur Paired Associate und der zusammengesetzte Score als zwischen den Gruppen bedeutsam berichtet werden [1]. Ein Effektmass mit Konfidenzintervall für den Gruppenunterschied bei Spatial Span nennt der freie Volltext nicht, die Stufe stützt sich deshalb allein auf den ausbleibenden Gruppenunterschied und nicht auf ein beziffertes Nullergebnis [1]. Die Stufe steht auf nicht bestätigt, weil dieser Endpunkt vorab als primärer Endpunkt festgelegt und placebokontrolliert geprüft wurde und sich der erwartete Vorteil nicht zeigte. Für den als primär geplanten Endpunkt der Studie liegt damit kein Beleg für einen Vorteil gegenüber Placebo vor, während zwei sekundäre Endpunkte derselben Studie positiv ausfielen, siehe vorherige Zeile [1].

    Quellen: 1

  3. 03

    Aufmerksamkeit und psychomotorische Geschwindigkeit bei gesunden männlichen Jugendlichen nach 28 Tagen täglicher Einnahme, gebessert gegenüber Placebo

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Bei gesunden männlichen Jugendlichen war die Aufmerksamkeitsleistung und die Reaktionsgeschwindigkeit nach 28 Tagen besser als unter Placebo. Die Studie wurde vom Hersteller des Markenrohstoffs finanziert und prüfte zwei Dosen gemeinsam als eine Gruppe.

    Ausführlicher Nachweis

    In einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Studie an 75 gesunden männlichen Jugendlichen erhielten 51 Teilnehmende 28 Tage lang täglich 250 oder 500 mg Citicolin (Cognizin), gepoolt zu einer gemeinsamen Verumgruppe, und 24 Placebo [2]. Im Ruff-2-und-7-Aufmerksamkeitstest war die Genauigkeit unter Citicolin gegenüber Placebo verbessert, p gleich 0,02, und im Finger-Tap-Test war die psychomotorische Geschwindigkeit höher, p gleich 0,03 [2]. Eine zusätzliche, auf das Körpergewicht bezogene Dosis-Wirkungs-Auswertung innerhalb der Citicolin-Gruppe fand mit steigender gewichtsbezogener Dosis eine bessere Genauigkeit (p gleich 0,01), eine bessere Signalerkennung in einem computerisierten Aufmerksamkeitstest (p gleich 0,03) und eine geringere Impulsivität (p gleich 0,01), das ist aber kein Placebo-Vergleich, sondern eine Auswertung innerhalb der Verumgruppe [2]. Exakte Effektmasse mit Konfidenzintervall nennt das frei zugängliche Abstract nicht, ein freier Volltext liegt nicht vor [2]. Drei der sieben Autorinnen und Autoren sind laut Affiliation Angestellte des Sponsors Kyowa Hakko Bio Co., Ltd oder seiner US-Gesellschaft Kyowa Hakko USA, Inc, eine ausdrückliche Interessenerklärung liegt aus dem Abstract nicht vor [2]. Geprüft wurden ausschließlich männliche Jugendliche, keine erwachsenen oder weiblichen Teilnehmenden, und zwei Dosierungen wurden zu einer Gruppe zusammengefasst, ein eigener Beleg für eine bestimmte Einzeldosis liegt daraus nicht vor [2].

    Quellen: 2

  4. 04

    Auditive sensorische Filterung (P50-Unterdrückung) bei gesunden Erwachsenen nach einer Einzeldosis, gebessert gegenüber Placebo nur in der Untergruppe mit schwacher Ausgangsfilterung

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Bei 24 gesunden Erwachsenen war die Filterung eines zweiten Testtons nach einer Einzeldosis stärker als unter Placebo, aber nur bei jenen mit von vornherein schwacher Filterleistung.

    Ausführlicher Nachweis

    In einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Studie mit akuter Einzeldosis erhielten 24 gesunde Freiwillige, vorab nach ihrer Ausgangs-Filterleistung im P50-Test in eine niedrige, mittlere und hohe Gruppe eingeteilt, einmalig 500 mg oder 1000 mg CDP-Cholin (Citicolin) oder Placebo [3]. Die Unterdrückung der P50-Komponente des ereigniskorrelierten Potenzials, ein Mass für die auditive Reizfilterung, verbesserte sich unter 1000 mg gegenüber Placebo, und die Unterdrückung des zweiten Testtons selbst verbesserte sich unter 500 mg wie unter 1000 mg. Die Autoren beschreiben diese Effekte ausdrücklich als selektiv für die Teilnehmenden mit von vornherein niedriger Filterleistung [3]. Exakte p-Werte, Effektmasse oder Konfidenzintervalle für diese Vergleiche nennt das frei zugängliche Abstract nicht, ein freier Volltext liegt nicht vor [3]. Affiliation und Studienort im Abstract nennen ausschließlich die University of Ottawa und keine Herstellerbindung, das PubMed-Feld zur Interessenerklärung ist leer, ohne Volltext ist eine vollständige Prüfung von Förderung und Interessenkonflikt nicht möglich [3]. Eine Einzelgabe an 24 in drei Untergruppen geteilten Teilnehmenden, keine Aussage zu einer täglichen Einnahme über längere Zeit oder zu Personen mit von vornherein normaler Filterleistung [3]. Die Autoren beschreiben die Untergruppe mit niedriger Filterleistung im Abstract selbst als schizophrenieähnliche Ersatzstichprobe und ordnen den Befund einem Mechanismus am Alpha-7-Rezeptor zu, die Fragestellung zielt also nicht auf eine allgemeine kognitive Wirkung bei Gesunden [3].

    Quellen: 3

  5. 05

    Exekutive Funktion in einem Labyrinth-Lerntest bei gesunden Erwachsenen nach einer Einzeldosis, nur vorläufig gebessert in derselben Untergruppe

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    In derselben Studie und Untergruppe zeigte sich eine vorläufige Verbesserung in einem Labyrinth-Lerntest, die Autoren selbst nennen den Befund vorläufig.

    Ausführlicher Nachweis

    In derselben Studie [3] prüfte der Groton-Maze-Learning-Task aus der CogState-Testbatterie die exekutive Funktion. Die Autoren berichten eine im Original als tentative bezeichnete, also vorläufige Unterstützung für eine bessere Leistung unter 500 mg CDP-Cholin in der Untergruppe mit niedriger Ausgangsfilterleistung [3]. Weder ein p-Wert noch ein Effektmass mit Konfidenzintervall wird im frei zugänglichen Abstract genannt, und die Autoren wählen selbst die einschränkende Formulierung vorläufig, kein eindeutig positiver Befund [3]. Dieselben Einschränkungen zu Einzelgabe, Untergruppenbildung, fehlendem Volltext und ungeklärter Förderlage wie in der vorherigen Zeile gelten hier gleichermassen [3].

    Quellen: 3

  6. 06

    Stimmung und emotionale Belastbarkeit bei gesunden Erwachsenen ohne diagnostizierte psychische Störung

    Keine Studien gefunden
    Einordnung und Einschränkungen

    Wir haben gezielt gesucht und dazu nur Studien an Menschen mit diagnostizierten Störungen gefunden, keine an Gesunden.

    Ausführlicher Nachweis

    Eine gezielte Suche nach Citicolin und Stimmung, Stressresistenz oder emotionaler Belastbarkeit bei gesunden Menschen, gesucht mit den PubMed Suchbegriffen citicoline mood healthy und citicoline stress resilience, letzteres ohne Beschränkung auf Publikationstyp, fand keine placebokontrollierte Studie an einer gesunden Population. Gefunden wurde stattdessen unter anderem eine russischsprachige Arbeit an Menschen mit einer nach ICD-10 diagnostizierten Neurasthenie, die das Arzneimittel Recognan (Citicolin) gegen kognitive, emotionale und vegetative Beschwerden dieser Diagnose prüfte, eine Erkrankungspopulation und ein Arzneimittelkontext, aus denen sich keine Aussage für gesunde Menschen und eine Nahrungsergänzung ableiten lässt.

  7. 07

    Kognitive Leistung bei gesunden jüngeren Erwachsenen unter täglicher Mehrwochen-Einnahme, ausserhalb der Altersgruppen der beiden vorliegenden Mehrwochenstudien

    Keine Studien gefunden
    Einordnung und Einschränkungen

    Wir haben gezielt gesucht und für diese Altersgruppe keine placebokontrollierte Mehrwochenstudie gefunden.

    Ausführlicher Nachweis

    Eine gezielte Suche nach Citicolin und kognitiver Leistung bei jungen gesunden Erwachsenen, gesucht mit dem PubMed Suchbegriff citicoline young adults cognitive, ergab keinen Treffer. Die beiden vorliegenden placebokontrollierten Mehrwochenstudien an Gesunden prüfen entweder männliche Jugendliche über 28 Tage oder ältere Erwachsene mit testbasiert schwacher Merkfähigkeit über 12 Wochen, siehe oben [1][2]. Für gesunde jüngere oder mittelalte Erwachsene ohne diese Einschlusskriterien liegt uns keine eigene placebokontrollierte Mehrwochenstudie vor.

    Quellen: 1, 2

Studien im Detail

Gedächtnisleistung bei älteren gesunden Erwachsenen

Nakazaki und Kollegen prüfen 2021 in einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Studie 500 mg Citicolin (Markenrohstoff Cognizin) täglich über 12 Wochen an 100 gesunden Erwachsenen zwischen 50 und 85 Jahren. Eingeschlossen wurden ausschließlich Personen, deren räumliche Merkfähigkeit im Eingangstest mindestens eine Standardabweichung unter dem Mittelwert junger Erwachsener lag, nicht unter dem Altersdurchschnitt. Der vorab festgelegte primäre Endpunkt, die Veränderung im Spatial-Span-Test, zeigte keinen ausgewiesenen Unterschied zwischen den Gruppen. Zwei von sieben sekundären Endpunkten fielen positiv aus, das episodische Gedächtnis im Paired-Associate-Test und ein aus vier Tests zusammengesetzter Gedächtnis-Score, beide mit einem nach Bonferroni korrigierten p-Wert unter 0,01. Für keinen der beiden positiven Endpunkte nennt der freie Volltext ein Effektmass mit Konfidenzintervall, nur Mittelwerte und p-Werte.

Zwei der fünf Autorinnen und Autoren sind aktuelle Angestellte von Kyowa Hakko Bio Co., Ltd, dem Sponsor der Studie, ein weiterer der US-Tochter, zwei weitere der beauftragten Studienorganisation. Kyowa Hakko Bio Co., Ltd hat die Studie finanziert und war am Design beteiligt. Die Einordnung als sekundärer, nicht primärer Endpunkt und die enge Einschlussgruppe (nur Personen mit testbasiert schwacher Ausgangsleistung) begrenzen die Übertragbarkeit zusätzlich.

Aufmerksamkeit bei gesunden Jugendlichen

McGlade und Kollegen prüfen 2019 in einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Studie an 75 gesunden männlichen Jugendlichen 250 oder 500 mg Citicolin (Cognizin) täglich über 28 Tage, beide Dosen zu einer Gruppe zusammengefasst. Gegenüber Placebo verbesserten sich die Genauigkeit in einem Aufmerksamkeitstest und die Geschwindigkeit in einem Fingertipp-Test. Eine zusätzliche Auswertung innerhalb der Citicolin-Gruppe fand mit steigender körpergewichtsbezogener Dosis weitere Vorteile, das ist aber kein Placebo-Vergleich. Drei der sieben Autorinnen und Autoren sind laut Affiliation Angestellte des Sponsors. Ein freier Volltext liegt nicht vor, exakte Effektmasse fehlen deshalb.

Sensorische Filterung und exekutive Funktion nach einer Einzeldosis

Knott und Kollegen prüfen 2014 in einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Studie mit akuter Einzeldosis (500 oder 1000 mg CDP-Cholin) an 24 gesunden Freiwilligen, vorab in drei Gruppen nach ihrer Ausgangs-Filterleistung im P50-Test eingeteilt. Die auditive Filterung verbesserte sich gegenüber Placebo, selektiv bei den Teilnehmenden mit von vornherein schwacher Filterleistung. Für die exekutive Funktion in einem Labyrinth-Lerntest berichten die Autoren selbst nur eine vorläufige Unterstützung in derselben Untergruppe. Weder p-Werte noch Konfidenzintervalle stehen im frei zugänglichen Abstract, ein Volltext liegt nicht vor, und zur Herstellerbindung wurden alle drei Felder nachgeschlagen, die Affiliation nennt allein die University of Ottawa, das PubMed-Feld zur Interessenerklärung ist leer, und Europe PMC führt für diese Arbeit keinen Förderhinweis.

Abgrenzung, Citicolin als Nahrungsergänzung gegenüber Citicolin als Arzneimittel

Citicolin wird weltweit in zwei sehr unterschiedlichen Zusammenhängen untersucht. Der weitaus größere Teil der Literatur prüft Citicolin als Arzneimittel bei akuten und chronischen Erkrankungen des Gehirns, in vielen Fällen als Injektion und in Dosen von mehreren hundert bis über tausend Milligramm, verabreicht an erkrankte Personen unter ärztlicher Aufsicht. Diese Arbeiten beantworten eine andere Frage als die orale Einnahme einer Nahrungsergänzung durch gesunde Menschen und sind in diesem Eintrag bewusst nicht als Beleg herangezogen.

Die drei hier ausgewerteten Studien prüfen dagegen ausschließlich gesunde Teilnehmende ohne eine solche Diagnose, mit oraler Einnahme und in deutlich niedrigerer Dosis. Zwei von ihnen verwenden den Markenrohstoff Cognizin des japanischen Herstellers Kyowa Hakko Bio Co., Ltd, der auch Sponsor dieser Studien war. Citicolin ist zugleich der internationale Freiname (INN) des Wirkstoffs in verschreibungspflichtigen Citicolin-Arzneimitteln, Cognizin ist ausschließlich der Markenname für die Nahrungsergänzungsmittel-Qualität desselben Moleküls.

Zwei weitere kleine Studien an gesunden Erwachsenen (Bruce 2012 und Bruce 2014) prüfen ein koffeinhaltiges Citicolin-Getränk mit weiteren Zutaten. Weil sich der Beitrag von Citicolin darin nicht von Koffein und den übrigen Bestandteilen trennen lässt, sind sie hier nicht als Citicolin-Beleg geführt.

Sicherheit und Wechselwirkungen

In den drei ausgewerteten Studien an Gesunden war die orale Einnahme von Citicolin insgesamt gut verträglich. In der 12-wöchigen Studie an älteren Erwachsenen traten unter Citicolin sechs milde und vorübergehende Ereignisse auf gegenüber zwei unter Placebo, darunter vermehrter Appetit, Gewichtszunahme, vermehrte Blähungen und Kopfschmerzen. Ein Teilnehmer beendete die Studie wegen eines möglicherweise mit der Einnahme zusammenhängenden Kopfschmerzes vorzeitig. Kein Ereignis wurde als schwerwiegend eingestuft. Zu den beiden kleineren Studien mit akuter Einzeldosis oder 28 Tagen Einnahme liegen im frei zugänglichen Abstract keine gesonderten Angaben zu unerwünschten Wirkungen vor.

Zu Wechselwirkungen mit Medikamenten liegt uns aus diesen drei Studien keine eigene geprüfte Angabe vor. Zu Schwangerschaft und Stillzeit liegt uns ebenfalls keine eigene geprüfte Quelle vor, eine ärztliche Rücksprache vor der Einnahme ist in diesem Fall grundsätzlich sinnvoll.

Quellen zum Nachlesen

  1. 01

    RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, n gleich 100 (49 Citicolin, 51 Placebo), 12 Wochen, Cognizin-Markenrohstoff, vom Hersteller finanziert · 2021

    Citicoline and Memory Function in Healthy Older Adults, A Randomized, Double-Blind, Placebo-Controlled Clinical Trial.

    Nakazaki E, Mah E, Sanoshy K, Citrolo D, Watanabe F. J Nutr

    Zur Zuschreibung: 01, 02, 07

  2. 02

    RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, n gleich 75 (51 Citicolin gepoolt aus 250 und 500 mg, 24 Placebo), 28 Tage, Cognizin-Markenrohstoff · 2019

    The Effect of Citicoline Supplementation on Motor Speed and Attention in Adolescent Males.

    McGlade E, Agoston AM, DiMuzio J, Kizaki M, Nakazaki E, Kamiya T, Yurgelun-Todd D. J Atten Disord

    Zur Zuschreibung: 03, 07

  3. 03

    RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, akute Einzeldosis 500 oder 1000 mg, n gleich 24, in drei Untergruppen nach Ausgangs-Filterleistung · 2014

    CDP-choline, effects of the procholine supplement on sensory gating and executive function in healthy volunteers stratified for low, medium and high P50 suppression.

    Knott V, Smith D, de la Salle S, Impey D, Choueiry J, Beaudry E, Smith M, Saghir S, Ilivitsky V, Labelle A. J Psychopharmacol

    Zur Zuschreibung: 04, 05

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