Hyaluronsäure
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Weitere Stoffe
Hyaluronan · Natriumhyaluronat · HA
Auf einen Blick
- Was es ist
- Ein körpereigenes Glykosaminoglykan (eine Zuckerkette), das Wasser bindet und in Haut, Knorpel, Gelenkflüssigkeit und Augen vorkommt. In Nahrungsergänzungsmitteln wird es meist als Natriumhyaluronat eingesetzt
- Herkunft
- Wird im Körper laufend selbst gebildet und wieder abgebaut. Der in Supplements verwendete Rohstoff stammt heute überwiegend aus bakterieller Fermentation, ältere Studien nutzten teils tierische Extrakte, etwa aus Hühnerkämmen
- Wirkform in Studien
- Drei grundverschiedene Anwendungswege mit jeweils eigener, unabhängiger Studienlage, Injektion direkt ins Gelenk (Viskosupplementation), Auftragen auf die Haut, und orale Einnahme als Kapsel, Pulver oder Lösung. Die mit Abstand umfangreichste Evidenz betrifft die Injektion ins Kniegelenk, eine andere Anwendung als die orale Einnahme. Dieser Eintrag beschreibt ausschließlich die orale Studienlage, injizierte oder topisch aufgetragene Hyaluronsäure wird nur zur Einordnung des Anwendungswegs erwähnt, nie als Beleg für die Kapseleinnahme
- Übliche Studiendosis
- In der Gelenkstudie von Tashiro 200 mg Hyaluronsäure pro Tag; bei Kalman 80 mg Hühnerkamm-Extrakt mit 60 bis 70 Prozent Hyaluronsäure, in Kombinationspräparaten mit Boswellia, Chondroitinsulfat oder Keratin auch bis 300 mg, 100 bis 200 mg pro Tag bei Hautstudien. Das Molekulargewicht nennen die meisten hier ausgewerteten Studien, rund 900 Kilodalton bei Tashiro und Kollegen, 300 Kilodalton bei Gao und Kollegen, ein Gemisch über einen breiten Bereich bei Michelotti und Kollegen. Offen bleibt es beim Hühnerkamm-Extrakt von Kalman und Kollegen und bei den beiden Kombinationspräparaten
- Verträglichkeit
- In den hier ausgewerteten oralen Humanstudien wurden keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse berichtet. In der 12-Monats-Studie von Tashiro und Kollegen brachen 4 der 30 Personen unter Hyaluronsäure wegen möglicher Nebenwirkungen ab (zweimal Magenbeschwerden, einmal Refluxösophagitis, einmal Appetitverlust) gegenüber 2 der 30 Personen unter Placebo (Hautreizungen), der Unterschied war statistisch nicht auffällig. Zu Wechselwirkungen mit Medikamenten liegen uns keine belastbaren Daten vor
Was diesem Stoff zugesprochen wird
Was die Studien hergeben.
Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.
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01
Gelenkbeschwerden bei früher Kniearthrose, orale Hyaluronsäure beziehungsweise hyaluronsäurereicher Extrakt mit uneinheitlichem Ergebnis in zwei plazebokontrollierten Studien, beide aus dem Umfeld des jeweiligen Rohstoffherstellers, ein Nullbefund und eine Studie mit Effekt auf den Gesamtscore nur in einer Altersuntergruppe, zusätzliche Verbesserungen in Studien mit Kombinationspräparaten ohne Placebogruppe und ohne berichteten Gruppenvergleich nicht eindeutig der Hyaluronsäure zuzurechnen
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Eine gezielte Suche nach plazebokontrollierten Studien zu oraler Hyaluronsäure bei Kniearthrose (Suchbegriffe, hyaluronic acid, oral knee osteoarthritis, placebo controlled, mit dem Filter für Meta-Analysen, systematische Übersichten und randomisierte Studien) fand zwei solche Studien, eine mit Hyaluronsäure und eine mit einem hyaluronsäurereichen Extrakt. In einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Pilotstudie an 20 Erwachsenen mit Kniearthrose senkte ein hyaluronsäurereicher Extrakt aus Hühnerkämmen (80 mg Extrakt pro Tag mit 60 bis 70 Prozent Hyaluronsäure, 8 Wochen) den primären Endpunkt WOMAC-Schmerz nicht stärker als Placebo (6,6 gegenüber 6,4 Punkte, p gleich 0,943), bei mehreren sekundären Lebensqualitätswerten fielen die Veränderungen zahlenmäßig größer aus als unter Placebo, ohne statistisch abgesichert zu sein (physische Funktion p gleich 0,575, Gesamtsymptomscore p gleich 0,694) [1]. In einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Studie an 60 Erwachsenen mit Kniearthrose (Hyaluronsäure 200 mg pro Tag, 12 Monate, beide Gruppen zusätzlich mit täglichem Quadrizeps-Krafttraining) besserte sich der JKOM-Symptomscore in beiden Gruppen über die Zeit, die Verbesserung fiel unter Hyaluronsäure tendenziell größer aus, signifikant wurde der Gesamtscore aber nur in der Untergruppe der höchstens 70-Jährigen und nur zu den Zeitpunkten Monat 2 und Monat 4, im Gesamtkollektiv war dagegen die Unterskala Gesundheitszustand zu allen vier Messzeitpunkten signifikant besser als unter Placebo [2]. In einer randomisierten Vergleichsstudie an 60 Erwachsenen mit früher Kniearthrose (40 bis 70 Jahre) besserten sich Kniefunktionsscore und Schmerz-VAS über 3 Monate sowohl unter drei wöchentlichen intraartikulären HA-Injektionen als auch unter oraler Einnahme eines Kombinationspräparats (Hyaluronsäure 300 mg plus Boswellia serrata 100 mg für 20 Tage, danach Hyaluronsäure 150 mg für weitere 20 Tage), es gab keine Placebogruppe, verglichen wurden zwei aktive Behandlungsarme gegeneinander [3]. In einer weiteren randomisierten Studie an 30 Erwachsenen mit Kniearthrose und Gelenkerguss besserten sich WOMAC, Lequesne-Index und Schmerz-VAS unter einem oral eingenommenen Kombinationspräparat (Hyaluronsäure 120 mg, Chondroitinsulfat 240 mg, hydrolysiertes Keratin 300 mg, 4 Wochen) gegenüber dem eigenen Ausgangswert der behandelten Gruppe, ein Vergleich gegen die unbehandelte Kontrollgruppe wird nicht berichtet, begleitend sanken mehrere Entzündungsbotenstoffe in der Gelenkflüssigkeit [4]. Von diesen vier Studien prüften die beiden ersten (Quellen 1 und 2) die orale Einnahme gegen ein echtes Placebo; Quelle 1 verwendete einen Hühnerkamm-Extrakt mit weiteren Bestandteilen, Quelle 2 Hyaluronsäure, mit einem uneinheitlichen Ergebnis, ein Nullbefund beim primären Endpunkt und ein nur in einer Untergruppe signifikanter Effekt. Die beiden anderen Studien prüfen Kombinationspräparate ohne echte Placebogruppe, ihre positiven Ergebnisse lassen sich nicht auf die Hyaluronsäure allein zurückführen
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02
Hautfeuchtigkeit und Hautelastizität, orale Hyaluronsäure, getragen allein von einer Meta-Analyse aus 7 kleinen Studien, die beiden daneben zitierten Einzelstudien sind zwei davon und kein zweiter Bestand
BelegtEinordnung und Einschränkungen
Eine Meta-Analyse aus 7 randomisierten, plazebokontrollierten Humanstudien zu oralem HA-Supplement fand statistisch signifikante Verbesserungen bei Hautfeuchtigkeit und Elastizität, das Abstract nennt weder die Gesamtteilnehmerzahl noch Effektmaß oder Konfidenzintervall [5]. In einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Studie an 60 Frauen mit leichten bis moderaten Hautalterungszeichen stieg die Hautfeuchtigkeit nach 28 Tagen mit 200 mg pro Tag eines Hyaluronsäure-Gemischs unterschiedlicher Molekulargewichte um 10,6 Prozent als Veränderung im Verumarm, Elastizität und Straffheit gemeinsam um 5,1 Prozent [6]. In einer randomisierten, doppelblinden Studie an 129 Frauen (junge und ältere Gruppe, verschiedene Hauttypen, 100 und 200 Milligramm pro Tag) förderte die orale Einnahme von Hyaluronsäure die Hautfeuchtigkeit nach 2 bis 8 Wochen, den Hautton nach 4 bis 8 Wochen und die epidermale Dicke nach 12 Wochen, alle Signifikanztests laufen gegen den eigenen Ausgangswert der Gruppe, ein Vergleich gegen den Placeboarm wird nicht berichtet, die Nummern 6 und 7 stehen beide im Literaturverzeichnis der Meta-Analyse unter Quelle 5 [7]. Beide Einzelstudien nutzen Dosen von 200 mg beziehungsweise unbekannter Höhe
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03
Faltentiefe, orale Hyaluronsäure, getragen allein von einer gepoolten Auswertung aus 7 kleinen Studien, die daneben zitierte Einzelstudie ist eine ihrer sieben, beim verwandten Endpunkt Faltenvolumen bleibt dieselbe Auswertung ohne Unterschied zu Placebo
BelegtEinordnung und Einschränkungen
Dieselbe Meta-Analyse aus 7 randomisierten Studien fand eine statistisch signifikante Verringerung der Faltentiefe unter oraler Hyaluronsäure, ohne im Abstract ein Effektmaß oder Konfidenzintervall zu nennen [5]. Die oben genannte plazebokontrollierte Einzelstudie an 60 Frauen (200 mg pro Tag, 28 Tage) fand eine Abnahme von Faltentiefe um 18,8 Prozent und Faltenvolumen um 17,6 Prozent als Veränderung im Verumarm [6], letzteres steht im Spannungsverhältnis zur unten beschriebenen, in der Meta-Analyse insgesamt nicht signifikanten Wirkung auf das Faltenvolumen, ein Hinweis darauf, dass sich einzelne Studien und gepoolte Auswertung bei diesem Teilendpunkt unterscheiden
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04
Hautfestigkeit, Faltenvolumen und transepidermaler Wasserverlust, orale Hyaluronsäure, in der gepoolten Auswertung ohne abgesicherten Effekt, die abweichende Einzelstudie ist Teil eben dieser Auswertung
Nicht bestätigtEinordnung und Einschränkungen
Dieselbe Meta-Analyse aus 7 randomisierten Studien beschreibt für Hautfestigkeit, Faltenvolumen und transepidermalen Wasserverlust lediglich einen allgemeinen Trend zur Verbesserung, ohne statistische Signifikanz, das Abstract nennt dafür kein Effektmaß oder Konfidenzintervall, geprüft und ohne Unterschied zu Placebo ist die Wirkung hier nicht bestätigt [5]. Die oben genannte Einzelstudie an 60 Frauen fand für das Faltenvolumen dagegen einen signifikanten Rückgang um 17,6 Prozent als Veränderung im Verumarm [6], ein Beispiel dafür, dass die gepoolte Nullaussage nicht in jeder Einzelstudie zu demselben Teilendpunkt wiederzufinden ist
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05
Augenfeuchtigkeit und trockene Augen, orale Einnahme
Studienlage offenEinordnung und Einschränkungen
Gezielt nach oralen Humanstudien gesucht, mit den Suchbegriffen Hyaluronsäure und orale Einnahme bei trockenem Auge, Hyaluronsäure und Tränenfilm sowie Hyaluronsäure-Supplementation und trockenes Auge. Gefunden wurden ausschließlich Arbeiten zu Hyaluronsäure als Wirkstoff in Augentropfen, also einer topischen Anwendung direkt am Auge, keine einzige orale Interventionsstudie. Die verbreitete Zuschreibung, Hyaluronsäure-Kapseln würden die Augenfeuchtigkeit unterstützen, ist damit nicht geprüft, weder bestätigt noch widerlegt
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06
Wundheilung und Gewebereparatur, orale Einnahme
Studienlage offenEinordnung und Einschränkungen
Gezielt nach oralen Humanstudien zu Hyaluronsäure und Wundheilung gesucht. Gefunden wurden nur allgemeine Übersichtsartikel zur Ernährung bei Wundheilung, die Hyaluronsäure lediglich am Rand erwähnen, meist über den Umweg, dass Glucosamin als Baustein für die körpereigene Hyaluronsäure-Bildung dient, sowie eine reine Tierstudie zu Darmentzündung ohne Bezug zu Hautwunden. Keine dieser Arbeiten prüft eingenommene Hyaluronsäure allein an Menschen mit einer Wunde
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07
Blasengesundheit, orale Einnahme
Studienlage offenEinordnung und Einschränkungen
Gezielt nach oralen Humanstudien gesucht. Die vorhandene Literatur zu Hyaluronsäure und Blase betrifft ausnahmslos die intravesikale Instillation, also das direkte Einbringen von Hyaluronsäure-Lösung in die Blase über einen Katheter, nicht die orale Einnahme. Eine Studie zur oralen oder systemischen Wirkung von eingenommener Hyaluronsäure auf die Blase wurde nicht gefunden
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08
Antioxidative Eigenschaften und Schutz vor freien Radikalen, orale Einnahme
Studienlage offenEinordnung und Einschränkungen
Gezielt nach oralen Human- und Tierstudien zu Hyaluronsäure und oxidativem Stress oder Radikalfangkapazität gesucht, auch mit dem Labor-und-Tier-Filter. Gefunden wurden ausschließlich Arbeiten aus der Materialforschung, in denen Hyaluronsäure als Bestandteil von Wundgelen oder Hydrogelen für andere Wirkstoffe dient, sowie Zellkulturarbeiten zu Hautalterung, in denen andere Stoffe (etwa Krillöl) die körpereigene Hyaluronsäure-Bildung anregen. Keine dieser Arbeiten prüft die antioxidative Wirkung von eingenommener Hyaluronsäure selbst, weder am Menschen noch am Tier
Der wichtigste Punkt zuerst: Hyaluronsäure hat drei völlig verschiedene Studienlagen, je nachdem, wie sie in den Körper gelangt. Injiziert direkt ins Kniegelenk ist sie eine der am besten untersuchten Behandlungen der Kniearthrose überhaupt, mit Netzwerk-Meta-Analysen über zehntausende Teilnehmende [8]. Aufgetragen auf die Haut oder als Augentropfen ist sie ein etablierter Feuchtigkeitsspender beziehungsweise Tränenersatzstoff. Beide Anwendungswege tragen keine Aussage über die orale Einnahme als Kapsel, Pulver oder Lösung, und werden in diesem Eintrag ausschließlich zur Einordnung erwähnt, nie als Beleg. Die orale Studienlage ist deutlich schmaler: Für Gelenkbeschwerden stützt sie sich zur Hälfte auf kleine Studien mit Kombinationspräparaten ohne echte Placebogruppe, die beiden plazebokontrollierten Studien zu Hyaluronsäure beziehungsweise einem hyaluronsäurereichen Extrakt zeigen ein uneinheitliches Bild, eine ohne Effekt auf den primären Endpunkt, eine nur in einer Altersuntergruppe signifikant. Für die Haut ist die Lage günstiger, eine Meta-Analyse aus 7 randomisierten Studien findet für Feuchtigkeit, Elastizität und Faltentiefe einen gegenüber Placebo signifikanten Effekt. Die beiden Einzelstudien, die dieser Eintrag daneben beschreibt, gehören zu diesen sieben, sie sind kein zusätzlicher Beleg, sondern ein Teil desselben Bestands. Für die verbreiteten Zuschreibungen an Augen, Wundheilung und Blase liegt keine orale Humanstudie vor, hier ist die Recherche ausdrücklich offen, nicht negativ beschieden.
Studien im Detail
Gelenkbeschwerden bei Kniearthrose, orale Einnahme
Eine gezielte Suche nach plazebokontrollierten Studien zu oraler Hyaluronsäure bei Kniearthrose (Suchbegriffe "hyaluronic acid", "oral knee osteoarthritis", "placebo controlled", verengt auf Metaanalysen, systematische Übersichten und randomisierte Studien) fand zwei Arbeiten mit echtem Placebo, eine zu Hyaluronsäure und eine zu einem hyaluronsäurereichen Extrakt.
Kalman und Kollegen prüften 2008 an 20 Erwachsenen mit Kniearthrose in einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Pilotstudie einen hyaluronsäurereichen Extrakt aus Hühnerkämmen (80 mg Extrakt pro Tag mit 60 bis 70 Prozent Hyaluronsäure, 8 Wochen) gegen Placebo. Der primäre Endpunkt, der WOMAC-Schmerzwert, unterschied sich am Ende nicht signifikant zwischen den Gruppen (6,3 gegenüber 6,4 Punkten laut Ergebnistabelle des Volltextes, das Abstract nennt abweichend 6,6, p gleich 0,943). Bei mehreren sekundären Werten fielen die Verbesserungen unter Hyaluronsäure zahlenmäßig größer aus, ohne dass dies statistisch abgesichert war, signifikant wurden allein Veränderungen gegenüber dem eigenen Ausgangswert, und die traten in beiden Gruppen auf, ausgewertet wurden 16 der 20 eingeschlossenen Personen [1]. Ihr Ergebnis auf dem primären Endpunkt ist ein Nullbefund bei kleiner Stichprobe. Finanziert wurde sie von Bioibérica, dem Hersteller des geprüften Hühnerkamm-Extrakts, dieser Hinweis steht allein in der Danksagung des Volltextes, die Interessenerklärung nennt keinen Konflikt.
Tashiro und Kollegen prüften 2012 an 60 Erwachsenen mit Kniearthrose (Kellgren-Lawrence Grad 2 oder 3) in einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Studie 200 mg Hyaluronsäure pro Tag gegen Placebo über 12 Monate, beide Gruppen absolvierten zusätzlich täglich ein Quadrizeps-Krafttraining. Der JKOM-Symptomscore besserte sich in beiden Gruppen über die Zeit, die Verbesserung fiel unter Hyaluronsäure tendenziell größer aus. Für den JKOM-Gesamtscore wurde der Unterschied nur in der Untergruppe der höchstens 70-Jährigen signifikant und dort nur zu den Zeitpunkten Monat 2 und Monat 4, nicht im Gesamtkollektiv und nicht über die volle Laufzeit. Im Gesamtkollektiv war allerdings eine der vier Unterskalen, der Gesundheitszustand, zu allen vier Messzeitpunkten signifikant besser als unter Placebo, ohne Korrektur für die Vielzahl der Vergleiche. Ausgewertet wurden am Ende 38 der 60 eingeschlossenen Personen. Zwei der sechs Autoren arbeiten bei der Kewpie Corporation, die die eingesetzte Hyaluronsäure mit rund 900 Kilodalton herstellt, eine Interessenerklärung enthält die Arbeit nicht [2].
Ricci und Kollegen verglichen 2017 an 60 Erwachsenen mit früher Kniearthrose (40 bis 70 Jahre) zwei aktive Behandlungen direkt miteinander, ohne Placebogruppe: drei wöchentliche intraartikuläre Hyaluronsäure-Injektionen gegenüber einer oralen Kombination aus Hyaluronsäure (300 mg, später 150 mg) und Boswellia serrata (100 mg). Kniefunktionsscore und Schmerz-VAS besserten sich in beiden Gruppen über 3 Monate signifikant, bei jüngeren Teilnehmenden schnitt die Injektion, bei älteren die orale Kombination numerisch besser ab [3]. Da keine Placebogruppe mitlief, lässt sich aus dieser Studie nicht ableiten, ob die orale Kombination einer Nichtbehandlung überlegen gewesen wäre.
Oliviero und Kollegen prüften 2020 an 30 Erwachsenen mit Kniearthrose und Gelenkerguss ein oral eingenommenes Kombinationspräparat aus Hyaluronsäure (120 mg), Chondroitinsulfat (240 mg) und hydrolysiertem Keratin (300 mg) über 4 Wochen gegen eine unbehandelte Kontrollgruppe ohne Placebo-Tablette. WOMAC, Lequesne-Index und Schmerz-VAS besserten sich in der Behandlungsgruppe signifikant, in der Kontrollgruppe nicht, begleitend sanken mehrere Entzündungsbotenstoffe in der Gelenkflüssigkeit [4].
Einschränkung: Von diesen vier Studien sind nur die Quellen 1 und 2 placebokontrolliert. Quelle 1 prüfte einen Hühnerkamm-Extrakt mit weiteren Bestandteilen, Quelle 2 Hyaluronsäure. Ihr Ergebnis ist uneinheitlich, ein Nullbefund beim primären Endpunkt bei nur 20 Teilnehmenden auf der einen Seite, ein nur in einer Altersuntergruppe signifikanter Effekt auf den Gesamtscore bei 60 eingeschlossenen und 38 ausgewerteten Teilnehmenden über 12 Monate auf der anderen, im Gesamtkollektiv blieb allein eine von vier Unterskalen signifikant. Die beiden übrigen Studien prüfen Kombinationspräparate ohne echte Placebogruppe, ihre positiven Ergebnisse lassen sich nicht auf die Hyaluronsäure allein zurückführen.
Haut, Feuchtigkeit, Elastizität und Faltentiefe, orale Einnahme
Amin und Kollegen werteten 2025 sieben randomisierte, plazebokontrollierte Studien zu oralen Hyaluronsäure-Supplementen aus. Für Hautfeuchtigkeit, Elastizität und Faltentiefe fanden sie statistisch signifikante Verbesserungen gegenüber Placebo, für Hautfestigkeit, Faltenvolumen und transepidermalen Wasserverlust dagegen nur einen allgemeinen Trend ohne statistische Signifikanz. Das verfügbare Abstract nennt weder die Gesamtteilnehmerzahl noch Effektmaße oder Konfidenzintervalle für die einzelnen Endpunkte [5].
Michelotti und Kollegen prüften 2021 an 60 Frauen mit leichten bis moderaten Hautalterungszeichen in einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Studie ein Gemisch aus Hyaluronsäuren unterschiedlicher Molekulargewichte (200 mg pro Tag, 28 Tage). Im Verumarm stieg die Hautfeuchtigkeit um 10,6 Prozent, Elastizität und Straffheit gemeinsam um 5,1 Prozent, die Faltentiefe sank um 18,8 Prozent und das Faltenvolumen um 17,6 Prozent [6]. Das Abstract weist diese Zahlen als Veränderung innerhalb der Verumgruppe aus und nennt für die Placebogruppe keine Werte, die Auswertung stützt sich hier auf das Abstract, ein Vergleich zwischen den Gruppen ließ sich deshalb nicht nachprüfen. Alle sechs Autoren arbeiten bei dem Auftragsinstitut, das die Studie durchgeführt hat.
Gao und Kollegen prüften 2023 an 129 weiblichen Teilnehmenden unterschiedlichen Alters und Hauttyps in einer randomisierten, doppelblinden Studie orale Hyaluronsäure von 300 Kilodalton in drei Armen, 0 mg als Placebo, 100 mg und 200 mg pro Tag. Die Hautfeuchtigkeit stieg nach 2 bis 8 Wochen, der Hautton nach 4 bis 8 Wochen, die epidermale Dicke nach 12 Wochen und nur unter 100 mg pro Tag [7]. Diese Angaben sind ausnahmslos Vergleiche jeder Gruppe mit ihrem eigenen Ausgangswert, die Arbeit rechnet an keiner Stelle Verum gegen Placebo, im Placeboarm blieben die Werte unverändert. Das Prüfmaterial stellte ein Hyaluronsäure-Hersteller, eine Förderung und Interessenkonflikte verneinen die Autoren.
Einschränkung, der Bestand überschneidet sich. Das Literaturverzeichnis der Meta-Analyse von Amin und Kollegen führt genau sieben orale Hyaluronsäure- Studien am Menschen, und beide hier zusätzlich beschriebenen Einzelstudien stehen darin, die Arbeit von Michelotti und Kollegen ebenso wie die von Gao und Kollegen. Die drei Nummern 5, 6 und 7 sind damit ein Studienbestand und keine drei unabhängigen Belege, die Stufe für Feuchtigkeit, Elastizität und Faltentiefe trägt die gepoolte Auswertung allein. Deren Volltext lag für diese Recherche nicht vor, Effektmaße, Konfidenzintervalle und Teilnehmerzahlen ließen sich deshalb nicht nachprüfen. Dass die Einzelstudie von Michelotti beim Faltenvolumen einen Rückgang berichtet, während die gepoolte Auswertung für denselben Endpunkt keine Signifikanz zeigt, ist damit kein Widerspruch zwischen zwei Beständen, sondern eine Streuung innerhalb desselben.
Was oral nicht geprüft ist: Augen, Wundheilung, Blase, Antioxidative Wirkung
Zu vier verbreiteten Zuschreibungen an Hyaluronsäure liegt nach gezielter Suche keine orale Humanstudie vor. Bei den Augen betrifft die gesamte gefundene Literatur Augentropfen, also eine topische Anwendung direkt am Auge. Bei der Wundheilung erwähnen nur allgemeine Übersichtsartikel zur Ernährung Hyaluronsäure am Rand, meist über Glucosamin als Baustein der körpereigenen Bildung, eine eigenständige orale Interventionsstudie fehlt. Bei der Blase betrifft die vorhandene Literatur ausnahmslos die intravesikale Instillation über einen Katheter, nicht die Einnahme. Bei den antioxidativen Eigenschaften fanden sich nur Arbeiten aus der Materialforschung, in denen Hyaluronsäure als Trägerstoff für andere Wirkstoffe in Wundgelen dient, keine Prüfung der eingenommenen Substanz selbst. In allen vier Fällen gilt: nicht geprüft ist etwas anderes als geprüft und nicht bestätigt.
Tier- und Laborstudien
In einer Studie an Ratten wurde radioaktiv markierte Hyaluronsäure oral verabreicht. Etwa 90 Prozent der Substanz wurde aus dem Verdauungstrakt aufgenommen und größtenteils als Energiequelle verstoffwechselt oder in Gewebe eingebaut, ein kleinerer Anteil war 24 und 96 Stunden nach der Gabe in der Haut nachweisbar, mehr messbar als im Blut zum selben Zeitpunkt [9]. Dies ist eine Tierstudie und belegt keine Aufnahme oder Wirkung beim Menschen, sie liefert aber eine mögliche Erklärung dafür, warum orale Hyaluronsäure in den oben beschriebenen Humanstudien überhaupt einen messbaren Effekt auf die Haut haben könnte.
Ein In-vitro-Modell der menschlichen Darmbarriere prüfte eine neue, pflanzlich fermentierte, hochmolekulare Hyaluronsäure und fand, dass diese die Barriere ohne erkennbare Schädigung durchquert und in einem Zellkulturmodell der Kniearthrose mehrere knorpelschützende Mechanismen anstößt [10]. Auch dies ist keine Untersuchung am lebenden Menschen, sondern ein Labormodell, das zur Diskussion um das Molekulargewicht als entscheidenden Parameter der oralen Aufnahme beiträgt, ohne sie zu klären.
Sicherheit und Wechselwirkungen
In den hier ausgewerteten oralen Humanstudien wurden keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse berichtet [1] [3] [4] [6] [7]. In der 12-Monats- Studie von Tashiro und Kollegen brachen 4 der 30 Personen in der Hyaluronsäure-Gruppe wegen möglicher Nebenwirkungen ab, zweimal Magenbeschwerden, einmal Refluxösophagitis, einmal Appetitverlust, gegenüber 2 der 30 Personen unter Placebo wegen Hautreizungen, der Unterschied war statistisch nicht auffällig und ein ursächlicher Zusammenhang wurde nicht nachgewiesen [2]. Belastbare Daten zu Wechselwirkungen mit Medikamenten liegen uns nicht vor.
Zur Kombination mit anderen Stoffen: Die oben beschriebene Studie von Ricci und Kollegen [3] untersuchte orale Hyaluronsäure zusammen mit Boswellia. Das Design ist schwach, weil keine Placebogruppe mitlief. Für die Kombination aus oraler Hyaluronsäure und Ceramiden liegt kein isolierter Humanbeleg vor.
Quellen zum Nachlesen
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01
RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, Pilotstudie, n gleich 20 randomisiert und 16 ausgewertet, Kniearthrose, 80 mg pro Tag, 8 Wochen, kein einziger signifikanter Gruppenunterschied, finanziert von Bioibérica, dem Hersteller des geprüften Extrakts, dieser Hinweis steht allein in der Danksagung des Volltextes, die Interessenerklärung nennt keinen Konflikt · 2008
Effect of a natural extract of chicken combs with a high content of hyaluronic acid (Hyal-Joint) on pain relief and quality of life in subjects with knee osteoarthritis, a pilot randomized double-blind placebo-controlled trial.
Kalman DS, et al. Nutr J
Zur Zuschreibung: 01
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02
RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, n gleich 60 randomisiert und 38 ausgewertet, Kniearthrose Kellgren-Lawrence Grad 2 oder 3, 200 mg pro Tag mit rund 900 Kilodalton, 12 Monate, beide Gruppen zusätzlich mit täglichem Quadrizeps-Krafttraining, Gesamtscore nur in einer Altersuntergruppe signifikant, im Gesamtkollektiv war allein die Unterskala Gesundheitszustand signifikant besser als unter Placebo, zwei der sechs Autoren arbeiten bei der Kewpie Corporation, dem Hersteller der eingesetzten Hyaluronsäure, eine Interessenerklärung fehlt · 2012
Oral administration of polymer hyaluronic acid alleviates symptoms of knee osteoarthritis, a double-blind, placebo-controlled study over a 12-month period.
Tashiro T, et al. ScientificWorldJournal
Zur Zuschreibung: 01
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03
RCT, Vergleich orale Kombination gegen intraartikuläre Injektion, kein Placebo, n gleich 60, frühe Kniearthrose, 3 Monate · 2017
Clinical comparison of oral administration and viscosupplementation of hyaluronic acid (HA) in early knee osteoarthritis.
Ricci M, et al. Musculoskelet Surg
Zur Zuschreibung: 01
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04
RCT, n gleich 30 (15 Behandlung, 15 unbehandelte Kontrolle ohne Placebo), Kniearthrose mit Gelenkerguss, 4 Wochen · 2020
Effect of an oral preparation containing hyaluronic acid, chondroitin sulfate, hydrolyzed collagen type II and hydrolyzed keratin on synovial fluid features and clinical indices in knee osteoarthritis. A pilot study.
Oliviero F, et al. Reumatismo
Zur Zuschreibung: 01
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05
Meta-Analyse aus 7 RCTs zu oralem HA-Supplement, Vergleich Verum gegen Placebo als standardisierte Mittelwertdifferenz, Teilnehmerzahl im Abstract nicht genannt, Volltext wurde nicht ausgewertet, das Literaturverzeichnis führt genau sieben orale HA-Studien am Menschen und enthält die Studien 6 und 7 dieses Eintrags · 2025
Oral Hyaluronic Acid Supplement: Efficacy in Skin Hydration, Elasticity, and Wrinkle Depth Reduction.
Amin P, et al. J Drugs Dermatol
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06
RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, n gleich 60, Teilnehmerinnen mit leichten bis moderaten Hautalterungszeichen, Gemisch unterschiedlicher Molekulargewichte, 200 mg pro Tag, 28 Tage, Volltext wurde nicht ausgewertet, das Abstract weist die Prozentwerte als Veränderung im Verumarm aus und nennt für den Placeboarm keine Zahlen, alle sechs Autoren arbeiten bei dem durchführenden Auftragsinstitut, eine der sieben gepoolten Studien unter Nummer 5 · 2021
Oral intake of a new full-spectrum hyaluronan improves skin profilometry and ageing: a randomized, double-blind, placebo-controlled clinical trial.
Michelotti A, et al. Eur J Dermatol
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07
RCT, doppelblind, drei Arme mit 0, 100 und 200 mg pro Tag Hyaluronsäure von 300 Kilodalton, n gleich 129, weibliche Teilnehmende, junge und ältere Gruppe, Beobachtung über 2 bis 12 Wochen, alle Signifikanztests vergleichen mit dem eigenen Ausgangswert, ein Vergleich gegen den Placeboarm wird nicht berichtet, eine der sieben gepoolten Studien unter Nummer 5 · 2023
Oral administration of hyaluronic acid to improve skin conditions via a randomized double-blind clinical test.
Gao YR, et al. Skin Res Technol
Zur Zuschreibung: 02
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08
Systematische Übersicht und Netzwerk-Meta-Analyse aus 137 Studien mit 33243 Teilnehmenden zu Behandlungen der Kniearthrose, unter anderem intraartikuläre HA-Injektion, keine orale Hyaluronsäure geprüft · 2015
Comparative effectiveness of pharmacologic interventions for knee osteoarthritis, a systematic review and network meta-analysis.
Bannuru RR, et al. Ann Intern Med
- 09
- 10
Bei H.P.N
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