Ingwer-Extrakt
Zuletzt geprüft am
Pflanzenextrakte
Zingiber officinale · Ingwerwurzel-Extrakt · Zingiber officinale Extrakt · Echter Ingwer
Auf einen Blick
- Was es ist
- Extrakt aus dem Wurzelstock (Rhizom) der Ingwerpflanze Zingiber officinale
- Herkunft
- Ursprünglich Südostasien, heute weltweit in tropischen und subtropischen Regionen kultiviert, unter anderem Indien, China und Nigeria
- Wirkform in Studien
- In den gefundenen Humanstudien ganz überwiegend Ganzwurzel-Pulver in Kapseln, seltener Trockenextrakte unterschiedlicher Konzentration, vereinzelt Ingweröl oder ein CO2-extrahierter, fermentierter Extrakt. Leitsubstanzen sind Gingerole in der frischen und getrockneten Wurzel sowie Shogaole, die beim Erhitzen oder längeren Lagern aus Gingerolen entstehen
- Übliche Studiendosis
- Je nach Anwendungsgebiet 0,5 bis 3 g Ingwerpulver oder Extrakt pro Tag, bei Blutdruck- und Diabetesstudien meist 2 bis 3 g pro Tag, bei Regelschmerzen 750 bis 2000 mg an den ersten Zyklustagen. Einzelne Studien mit deutlich niedrigeren, standardisierten Extraktdosen ab 125 mg pro Tag
- Verträglichkeit
- In den meisten Studien gut vertragen, am häufigsten milde Magen-Darm-Beschwerden wie Sodbrennen, Aufstoßen, Bauchschmerzen oder Durchfall. In einer Kniearthrose-Übersicht mit Ganzwurzelpulver brachen unter Ingwer etwa doppelt so viele Teilnehmende die Behandlung deswegen ab wie unter Placebo, für einen auf Gingerole standardisierten Extrakt liegt dazu keine eigene Zahl vor. Übersichtsarbeiten zu Wechselwirkungen mit oralen Antikoagulanzien wie Warfarin führen Ingwer unter den Pflanzen mit berichtetem Interaktionspotenzial, das beruht überwiegend auf Einzelfallberichten und pharmakologischer Plausibilität, nicht auf kontrollierten Humanstudien zu tatsächlichen Blutungsereignissen unter definierten Dosen
Was diesem Stoff zugesprochen wird
Was die Studien hergeben.
Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.
-
01
Übelkeit in der Schwangerschaft
BelegtEinordnung und Einschränkungen
Eine Umbrella-Übersicht ordnet das Feld ein (Tiani et al. 2024). Sieben Übersichtsarbeiten zu Ingwer bei Schwangerschaftsübelkeit beruhen zusammen auf 22 unabhängigen Einzelstudien mit 49 Prozent Studienüberlappung, die methodische Qualität der Übersichten selbst reicht laut AMSTAR-2 von kritisch niedrig bis niedrig. Tan et al. 2023, Hu et al. 2022 und Sridharan und Sivaramakrishnan 2018 sind drei dieser sieben Übersichten, Tianis eigene Tabelle führt Sridharans Netzwerk-Metaanalyse (19 Studien, 1854 Teilnehmerinnen) ausdrücklich als eine der sieben, AMSTAR-2 niedrig, gegenüber kritisch niedrig bei Tan und bei Hu. Tan et al. werteten für Ingwer allein 14 randomisierte Studien aus (500 bis 2500 mg pro Tag, nicht 33, das ist die Gesamtzahl über alle geprüften komplementärmedizinischen Verfahren in dieser Arbeit) und fanden gegenüber Placebo eine höhere Ansprechrate (Risk Ratio 1,68, 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,09 bis 2,57, 3 Studien, 196 Teilnehmerinnen) sowie eine geringere Übelkeit auf der visuellen Analogskala (Mittelwertdifferenz minus 1,21, Konfidenzintervall minus 2,34 bis minus 0,08, 3 Studien, 181 Teilnehmerinnen), jedoch keinen Unterschied bei der Erbrechenshäufigkeit (Mittelwertdifferenz 0,05, Konfidenzintervall minus 0,23 bis 0,32, 2 Studien, 114 Teilnehmerinnen). Gegenüber Vitamin B6 oder Metoclopramid war Ingwer wirksamer (Mittelwertdifferenz minus 0,52, Konfidenzintervall minus 0,79 bis minus 0,24, GRADE moderat, 2 Studien, 122 Teilnehmerinnen). Hu et al. fanden über 13 Studien mit 1174 Teilnehmerinnen ein besseres Gesamtsymptombild (Odds Ratio 7,48, Konfidenzintervall 4,13 bis 13,52, 5 Studien) und eine geringere Übelkeitsschwere (standardisierte Mittelwertdifferenz 0,82, Konfidenzintervall 0,59 bis 1,06, 5 Studien), aber keinen Unterschied beim Erbrechen selbst (standardisierte Mittelwertdifferenz 0,55, Konfidenzintervall im eigenen Abstract minus 0,27 bis 1,37, 5 Studien laut Tianis Auswertung, I² 91 Prozent, Tianis eigene Tabelle druckt dieses Intervall an dieser Stelle fehlerhaft ab, das Abstract von Hu et al. selbst ist eindeutig). Übelkeit und Erbrechen sind unterschiedliche Endpunkte, das ist kein Widerspruch, sondern zwei getrennte Ergebnisse, bei Erbrechen selbst zeigte sich seltener ein Unterschied zu Placebo als bei Übelkeit. Sridharan und Sivaramakrishnan werteten 50 Studien im systematischen Review aus, 42 davon in der Netzwerk-Metaanalyse über alle geprüften Mittel gegen Schwangerschaftsübelkeit, und fanden für Ingwer gegenüber Placebo im direkten Vergleich eine Verringerung der Übelkeits-Scores (gewichtete Mittelwertdifferenz minus 4,2, Konfidenzintervall minus 6,5 bis minus 1,9) sowie, im gemischten Behandlungsvergleich, eine bessere Kontrolle des Erbrechens (Odds Ratio 34,9, Konfidenzintervall 3,9 bis 316,2, 8 Studien, 669 Teilnehmerinnen, ein sehr weites Intervall). Sie kommen zu dem Schluss, ausreichende Evidenz für eine Wirksamkeit bestehe unter allen geprüften Mitteln nur für Ingwer, mit mittlerer Evidenzqualität, während die Evidenzstärke für alle anderen geprüften Mittel sehr niedrig sei. Das ist keine vierte, von Tan und Hu unabhängige Bestätigung. Sridharan ist eine der sieben Übersichten desselben Feldes, für das Tiani et al. insgesamt 49 Prozent Studienüberlappung ausweisen. Für Sridharan selbst ließ sich der Anteil nicht berechnen, weil die Arbeit ihre Einzelstudien nicht benennt, Tiani et al. nehmen sie aus der Überlappungsrechnung deshalb ausdrücklich heraus. Ihr eigenständiger Beitrag ist die vergleichende Bewertung gegenüber allen anderen geprüften Mitteln, nicht ein weiterer unabhängiger Datenpunkt. Sridharan und Sivaramakrishnan geben in ihrem Abstract keine Finanzierungsquelle an, ihre Affiliationen sind die Arabian Gulf University (Bahrain) und die Fiji National University, kein Hinweis auf Industriefinanzierung. Tiani et al. ziehen im eigenen Fazit den Schluss, Ingwer bessere die Übelkeit gegenüber Placebo, das Erbrechen nicht, und nennen als Grenze dieses Urteils die Qualität der Primärstudien, vor allem die bei einer Kräuterzubereitung schwer zu haltende Verblindung und die selbst berichteten Endpunkte. Überwiegend wurde getrocknete Ingwerwurzel verwendet; vier Studien prüften einen Ingwerextrakt, bei dreien davon fehlte die Angabe zur Entsprechung in getrockneter Wurzel. Die verschiedenen Präparate lassen sich deshalb nicht ohne Weiteres gleichsetzen
-
02
Übelkeit und Erbrechen unter Chemotherapie
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Choi et al. 2022 werteten 23 randomisierte Studien aus, Lin et al. 2025 werteten mit 35 randomisierten Studien (davon 22 zu Ingwerkapseln) die größere und neuere Übersicht aus; beide schöpfen aus einem wachsenden, sich überschneidenden Bestand an Primärstudien mit Chang und Peng 2019 und Crichton et al. 2019, eine genaue Überlappungszahl nennt keine der vier Arbeiten. Am Endpunkt akutes Erbrechen fanden Choi et al. über 6 Studien gepoolt keinen signifikanten Unterschied zu Placebo (Odds Ratio 0,59, 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,33 bis 1,09, p gleich 0,09, I² 52 Prozent), aber eine signifikante Verringerung in der Untergruppe mit einer Dosis von höchstens 1 g pro Tag über mindestens vier Tage (Odds Ratio 0,30, Konfidenzintervall 0,12 bis 0,79). Chang und Peng 2019 werteten 10 randomisierte Studien aus und fanden am Endpunkt Kontrolle von Übelkeit und Erbrechen insgesamt eine signifikante Verringerung (Odds Ratio 0,71, Konfidenzintervall 0,54 bis 0,94), in der Untergruppe akutes Erbrechen lag der Wert bei Odds Ratio 0,58 (Konfidenzintervall 0,37 bis 0,94). Diese beiden Punktschätzer zum selben Endpunkt, akutes Erbrechen, liegen mit 0,59 und 0,58 praktisch deckungsgleich, Choi verfehlte nur knapp die Signifikanzschwelle. Choi et al. schreiben in ihrer Diskussion an einer Stelle, das eigene Ergebnis zu akutem Erbrechen habe die Verringerung bestätigt, obwohl der eigene Punktschätzer im Ergebnisteil (0,59) die Signifikanzschwelle verfehlt; an anderer Stelle derselben Diskussion beschreiben sie zutreffend, ihr Ergebnis stimme mit früheren Arbeiten in der fehlenden Signifikanz bei Übelkeit und bei verzögertem Erbrechen überein. Der Zustimmungssatz trägt damit gesichert nur für Übelkeit und verzögertes Erbrechen, nicht in der Klarheit, in der ihn die Autorinnen und Autoren für akutes Erbrechen selbst formulieren. Eine ältere, GRADE-bewertete Übersicht (Crichton et al. 2019, 18 ausgewertete Arbeiten) fand für eine ähnlich eng gefasste Untergruppe, Dosis höchstens 1 g pro Tag über mehr als drei Tage, eine signifikante Verringerung des akuten Erbrechens (Odds Ratio 0,4, Konfidenzintervall 0,17 bis 0,81, 3 Studien, 301 Teilnehmende, GRADE moderat), die einzige Bewertung im ganzen Feld mit mittlerer statt niedriger oder sehr niedriger Evidenzsicherheit; die Arbeit ist als "Research Support, Non-U.S. Gov't" registriert, eine Industriefinanzierung ist darin nicht angegeben. Lin et al. 2025 (35 randomisierte Studien, davon 22 zu Ingwerkapseln und 13 zu Ingwer-Moxibustion, einer anderen, hier nicht bewerteten Anwendungsform) fanden für Ingwerkapseln zusätzlich zu Standard-Antiemetika eine geringere Häufigkeit von schwerer akuter Übelkeit (Risk Ratio 0,19, p kleiner 0,001) und von hochgradigem Erbrechen insgesamt (Risk Ratio 0,47, p gleich 0,01), beide Werte ohne im Abstract genanntes Konfidenzintervall, allerdings nur als Zusatz zur Standardbehandlung geprüft, nicht als Ersatz dafür. Alle vier Übersichten zeigen an diesem Endpunkt dieselbe Richtung, am deutlichsten und mit der höchsten Evidenzsicherheit (GRADE moderat) bei niedriger Dosis über mehrere Tage, während die ungefilterte Gesamtanalyse der größeren Einzelübersichten bei hoher Heterogenität knapp die Signifikanz verfehlte. Übelkeit selbst, getrennt vom Erbrechen, wurde in keiner der Übersichten konsistent signifikant reduziert. Die eingeschlossenen Studien nutzten überwiegend Ganzwurzelpulver in Dosen von 0,5 bis 2 g pro Tag, nicht ein auf Gingerole standardisierter Trockenextrakt
-
03
Übelkeit und Erbrechen nach Operationen
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Eine Bayes'sche Netzwerk-Meta-Analyse (Zhao et al. 2023, 18 Studien, 2199 Teilnehmende) fand für Ingweröl gegenüber Placebo eine signifikante Verringerung von postoperativem Erbrechen (Risk Ratio 0,39, 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,16 bis 0,96, hohe bis moderate Evidenzsicherheit nach GRADE), jedoch keinen signifikanten Effekt auf postoperative Übelkeit selbst. Ein Cochrane-Review zu Übelkeit und Erbrechen bei Kaiserschnitt unter Regionalanästhesie (Griffiths et al. 2021, 2 Studien mit Ingwer, 365 Frauen) stufte die Datenlage zu Ingwer als sehr unsicher ein, weder bei intraoperativer noch bei postoperativer Übelkeit oder Erbrechen zeigte sich ein statistisch gesicherter Unterschied zu Placebo, die Evidenzsicherheit war durchgehend sehr niedrig. Die in der Netzwerk-Analyse wirksamste Form war Ingweröl, eine andere Zubereitung als Wurzelpulver oder -extrakt
-
04
Reisekrankheit (Bewegungsübelkeit)
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Die Datenlage ist auf wenige, kleine Einzelstudien beschränkt, eine belastbare Meta-Analyse dazu wurde nicht gefunden. In einer randomisierten, placebokontrollierten Crossover-Studie an 13 Personen mit bekannter Reisekrankheit (Lien et al. 2003) reduzierte Ingwer (1 oder 2 g) die durch einen Rotationsreiz ausgelöste Übelkeit, die Magendysrhythmie und den Anstieg des Vasopressinspiegels gegenüber Placebo. In einer methodisch anders angelegten Rotationsstuhl-Studie zu Placeboeffekten (Weimer et al. 2014, kleine Stichprobe) zeigte Ingwer dagegen keinen signifikanten Haupt- oder Wechselwirkungseffekt gegenüber Placebo auf die untersuchten Übelkeitsmaße. Beide Studien nutzten Ganzwurzelpulver oder -extrakt in Dosen von 1 bis 2 g
-
05
Magenentleerung bei funktioneller Dyspepsie, ohne Besserung der Symptome
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In einer kleinen randomisierten, doppelblinden Studie an 11 Personen mit funktioneller Dyspepsie (Hu et al. 2011) beschleunigte 1,2 g Ingwerpulver die Magenentleerung (Halbentleerungszeit 12,3 gegenüber 16,1 Minuten unter Placebo) und erhöhte tendenziell die Kontraktionsfrequenz des Magenantrums. Die subjektiven Verdauungsbeschwerden und die gemessenen Darmhormone (GLP-1, Motilin, Ghrelin) unterschieden sich dabei nicht von Placebo. Einzelstudie mit sehr kleiner Stichprobe, Wirkung auf ein Messinstrument (Magenentleerungszeit), nicht auf das subjektive Symptom. Eine feste Kombination aus Ingwer- und Artischocken-Extrakt wurde in mehreren eigenen Studien auf Verdauungssymptome hin geprüft, siehe dazu den Abschnitt zu den Einzelstudien, das ist eine andere Zubereitung als reiner Ingwer-Extrakt und wird hier nicht als Beleg für den Einzelstoff gewertet
Quellen: 11
-
06
Schmerzen bei primärer Dysmenorrhoe (Regelschmerzen)
BelegtEinordnung und Einschränkungen
Drei Übersichten aus den Jahren 2015, 2020 und 2024 kommen übereinstimmend zu einer signifikanten Schmerzreduktion gegenüber Placebo, ihre Primärstudien überschneiden sich nachweislich. Daily et al. 2015 poolten 4 randomisierte Studien und fanden eine signifikante Schmerzreduktion auf der visuellen Analogskala (Punktschätzer minus 1,85, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 2,87 bis minus 0,84) unter 750 bis 2000 mg Ingwerpulver an den ersten drei bis vier Zyklustagen; ihr eigenes Fazit nennt das nur "suggestive evidence". Der Erstautor dieser Arbeit ist nach der von PubMed geführten Affiliation in der Forschungsabteilung von Daily Manufacturing Inc. in Rockwell, North Carolina beschäftigt, einem Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln; das PubMed-Feld zum Interessenkonflikt ist leer und der Volltext wurde nicht ausgewertet. Xu et al. 2020 werteten für Ingwer, getrennt von den in derselben Arbeit ebenfalls untersuchten Mitteln Zimt und Fenchel, 4 randomisierte Studien aus (nicht 9, das ist die Gesamtzahl der Arbeit über alle drei Mittel zusammen) und fanden gegenüber Placebo eine signifikante Schmerzreduktion (gewichtete Mittelwertdifferenz 2,90, Konfidenzintervall 2,04 bis 3,77, I² 89 Prozent), auf die Schmerzdauer dagegen keinen Effekt (0,826, Konfidenzintervall minus 2,822 bis 4,475); sie erklären für ihre Arbeit weder eine Förderung noch einen Interessenkonflikt. Die Autorinnen und Autoren nennen als Einschränkung, dass alle eingeschlossenen Ingwer-Studien im Iran durchgeführt wurden, was die Übertragbarkeit der Ergebnisse einschränken könne. Moshfeghinia et al. 2024 werteten 12 randomisierte Studien quantitativ aus (Suche bis Mai 2023) und fanden die Schmerzintensität gegenüber Placebo signifikant reduziert (standardisierte Mittelwertdifferenz minus 1,13, Konfidenzintervall minus 1,59 bis minus 0,68, I² 81 Prozent) und die Schmerzdauer signifikant verkürzt (minus 0,29, Konfidenzintervall minus 0,46 bis minus 0,12), jedoch keinen Unterschied zu nichtsteroidalen Schmerzmitteln (0,01, Konfidenzintervall minus 0,24 bis 0,25) oder zu Sport (0,06, Konfidenzintervall minus 0,66 bis 0,78). Der gemeinsame Bestand ist nachgeschlagen, nicht geschätzt. Xu et al. nennen ihre vier Ingwer-Studien in der eigenen Tabelle 2, es sind Rahnama et al. 2012, Jenabi 2013, Kashefi et al. 2014 und Pakniat et al. 2019, und alle vier stehen auch im Literaturverzeichnis von Moshfeghinia et al. Dailys Literaturverzeichnis führt für Dysmenorrhoe dieselben Arbeiten von Ozgoli et al. 2009, Rahnama et al. 2012, Jenabi 2013 und Kashefi et al. 2014, die bei Moshfeghinia ebenfalls stehen. Die beiden älteren Auswertungen stecken damit im Bestand der neuesten, es sind nicht drei unabhängige Bestätigungen, sondern ein wachsender Bestand. Moshfeghinia et al. nennen selbst als Einschränkung das Verzerrungsrisiko der eingeschlossenen Studien und ein unklares Nutzen-Risiko-Verhältnis. Die Studien nutzten Ganzwurzelpulver, nur während weniger Tage im Zyklus eingenommen, nicht als Dauereinnahme. Die oft zitierte Spanne von 750 bis 2000 mg pro Tag stammt von Daily et al. und gilt nicht für alle Arbeiten, Xus Tabelle führt für Pakniat et al. 2019 500 mg pro Tag, und diese Studie war nach ihrem eigenen Titel nur einfach verblindet
-
07
Schmerzen und Funktion bei Kniearthrose
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Bartels et al. 2015 poolten 5 randomisierte Studien mit 593 Teilnehmenden und fanden eine statistisch signifikante, aber kleine Schmerzreduktion (standardisierte Mittelwertdifferenz minus 0,30, Konfidenzintervall minus 0,50 bis minus 0,09) und Funktionsverbesserung (minus 0,22, Konfidenzintervall minus 0,39 bis minus 0,04) gegenüber Placebo, jeweils mit Ganzwurzelpulver, nicht mit einem standardisierten Extrakt. Unter Ingwer brachen dabei mehr als doppelt so viele Teilnehmende die Behandlung ab wie unter Placebo (Risk Ratio 2,33, Konfidenzintervall 1,04 bis 5,22), meist wegen Magen-Darm-Beschwerden. Mathieu et al. 2022 (3 Studien, 166 gegenüber 164 Teilnehmenden, Dosis nur in einer Studie mit 250 mg pro Tag angegeben) fanden eine signifikante Schmerzreduktion (standardisierte Mittelwertdifferenz minus 3,76, Konfidenzintervall minus 6,88 bis minus 0,65), die in einer Sensitivitätsanalyse nach Ausschluss der Studie von Bolognesi et al. auf minus 0,20 (Konfidenzintervall minus 0,44 bis 0,04) zusammenbrach, bei einem nicht signifikanten Egger-Test (p gleich 0,13). Sie fanden außerdem keine signifikante Verbesserung der WOMAC-Funktion, aber einen signifikanten Rückgang der Entzündungsmarker ESR und CRP. Dieser Entzündungsmarker-Befund ist entgegen dem ersten Anschein nicht robuster als der Schmerzbefund, sondern weniger robust, denn er beruht ausschließlich auf derselben einen Studie von Bolognesi et al., "keine Sensitivitätsanalyse war möglich, weil es die einzige eingeschlossene Studie war" (Mathieu et al., eigene Übersetzung), und der Egger-Test auf Publikationsverzerrung war für genau diesen Entzündungsmarker-Befund signifikant (p gleich 0,01), anders als beim Schmerzbefund. Die Studie von Bolognesi et al. selbst hatte in Mathieus eigener Qualitätsbewertung den niedrigstmöglichen Jadad-Score von 0 unter allen 52 in die Übersicht eingeschlossenen Arbeiten, und sie prüfte laut ihrem eigenen Titel keinen Ingwer-Reinstoff, sondern "Movardol", ein festes Kombinationspräparat aus N-Acetylglucosamin, Weihrauch (Boswellia serrata) und Ingwer; Mathieu et al. führen sie in ihrer eigenen Tabelle dennoch unter der Kategorie Ingwer. Sowohl der zunächst große Schmerzeffekt als auch der gesamte Entzündungsmarker-Befund dieser Übersicht hängen also an einer einzelnen, methodisch schwachen Studie zu einer Dreifachkombination, nicht an Ingwer als Reinstoff. Eine dritte Übersicht (Araya-Quintanilla et al. 2020, 4 quantitativ ausgewertete Studien) kam trotz eines im Abstract genannten signifikanten p-Werts in ihrem eigenen Fazit zu dem Schluss, die Evidenz für orales Ingwer bei Kniearthrose-Schmerz sei unzureichend, wegen heterogener und methodisch schwacher Primärstudien. Die drei Übersichten stützen sich weitgehend auf dieselben fünf bis sieben zugrunde liegenden randomisierten Studien, keine ist eine wirklich unabhängige Bestätigung der anderen. Eine neuere Einzelstudie an einer im Mittel 56 Jahre alten Gruppe mit einer Vorgeschichte von Gelenk- und Muskelschmerzen, teils mit ärztlich festgestellter Knie- oder Hüftarthrose (Broeckel et al. 2025, n gleich 30, 125 mg pro Tag eines CO2-extrahierten, fermentierten Extrakts mit 12,5 mg Gingerolen), fand nach zwei Tagen Erholung von einer standardisierten Kniebeugen-Belastung eine geringere Schmerzwahrnehmung im Oberschenkelmuskel sowie günstigere Werte bei einzelnen Entzündungsmarkern wie Interleukin-6 und C-reaktivem Protein gegenüber Placebo, gemessen an einer anderen Zielgröße (Muskelschmerz nach einer standardisierten Belastung) als die drei vorgenannten Übersichten (Alltagsschmerz bei Kniearthrose). Dieselbe Studie fand außerdem einen im Zeitverlauf signifikant erhöhten Eosinophilenwert unter Ingwer gegenüber Placebo, ein Laborsignal, das die Autorinnen und Autoren selbst berichten, ohne es einzuordnen; es wird hier neben den günstigen Werten genannt, nicht anstelle von ihnen. Laut dem Funding-Statement des freien Volltexts wurde die Studie durch eine Zuwendung an die Texas A&M University von Specnova LLC (Tysons Corner, Virginia) finanziert, ein Name, der in der von PubMed geführten Interessenerklärung selbst nicht auftaucht, nur im separaten Funding-Statement des Volltexts. Increnovo LLC ist dort als unabhängiger externer Berater zur Planung und Durchführung der Studie genannt, zu unterscheiden vom Geldgeber Specnova LLC; zwei der Autoren sind bei Increnovo LLC angestellt, die Erklärung nennt formal keinen Interessenkonflikt der Autorenschaft. Die Wirkform variiert zwischen den Primärstudien zwischen Pulver und Extrakt und wird in den drei älteren Übersichten meist nicht einzeln ausgewiesen
-
08
Muskelkater nach dem Training (Delayed Onset Muscle Soreness)
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Eine Meta-Analyse zu vier verschiedenen Wurzelpflanzen gemeinsam (Curcumin, Ginseng, Ingwer und Knoblauch, Doma et al. 2022, 25 Studien) fand insgesamt niedrigere Muskelschaden- und Muskelkatermarker nach 24 und 48 Stunden gegenüber Placebo, weist den Beitrag von Ingwer allein darin aber nicht gesondert aus. Eine einzelne randomisierte Studie an Langstreckenläufern (Wilson 2020, n gleich 32, 1,425 g pro Tag) fand nur einen möglichen, statistisch nicht eindeutigen Effekt auf den Muskelkater und keinen relevanten Effekt auf die Leistungsfähigkeit. Eine weitere Einzelstudie zu einem niedrig dosierten, standardisierten Extrakt ist unter Kniearthrose aufgeführt, weil sie eine ältere Gruppe mit vorbestehenden Gelenk- und Muskelbeschwerden und einen anderen Belastungstyp betraf als die klassische Muskelkater-Forschung an jungen, gesunden Sporttreibenden. Für Ingwer als Reinstoff bei akutem, trainingsbedingtem Muskelkater an gesunden, trainierenden Menschen liegt damit im Kern nur die kleine, uneindeutige Einzelstudie von Wilson vor
-
09
Nüchternblutzucker und Langzeitblutzucker (HbA1c) bei Typ-2-Diabetes
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Ebrahimzadeh et al. 2022 poolten bei Menschen mit Typ-2-Diabetes 8 Effektstärken zum Nüchternblutzucker aus insgesamt 10 eingeschlossenen randomisierten Studien und fanden eine signifikante Senkung (gewichtete Mittelwertdifferenz minus 18,81 mg/dl, Konfidenzintervall minus 28,70 bis minus 8,92, I² 77 Prozent) sowie, über 7 Effektstärken, eine signifikante Senkung von HbA1c (minus 0,57 Prozentpunkte, Konfidenzintervall minus 0,93 bis minus 0,20, I² 89 Prozent). Eine zweite, ausschließlich auf Menschen mit Typ-2-Diabetes beschränkte Übersicht (Garza et al. 2024, für Ingwer 10 der insgesamt 45 eingeschlossenen Studien zu 12 Gewürzen der mediterranen Ernährung, davon 9 mit auswertbaren HbA1c-Daten) fand ähnliche Werte, eine Senkung des Nüchternblutzuckers um 17,12 mg/dl (Konfidenzintervall minus 29,60 bis minus 4,64) und von HbA1c um 0,56 Prozentpunkte (Konfidenzintervall minus 0,90 bis minus 0,22). Von den 10 in Garza et al. für Ingwer ausgewerteten Studien tragen namentlich mindestens 8 (Khandouzi, Mozaffari-Khosravi, Shidfar, Azimi, Arablou, Makhdoomi Arzati, Carvalho, Mahluji) dieselben, in der Ginger-Diabetes-Literatur immer wieder zitierten Arbeiten, die auch bei Ebrahimzadeh et al. auftauchen dürften; eine vollständige Studie-für-Studie-Prüfung war mangels frei zugänglichem Volltext von Ebrahimzadeh et al. nicht möglich, aber Garza und Ebrahimzadeh sind eher ein sich stark überschneidender als zwei unabhängige Studienbestände. Garza et al. schreiben zum Nüchternblutzucker selbst ausdrücklich, die Reduktion sei "not significantly different, including the predictive value" (Vorhersageintervall minus 56,61 bis 22,36 mg/dl schließt die Null ein), das relativiert die eigene signifikante Punktschätzung der Autorinnen und Autoren selbst. Eine dritte, kleinere Übersicht (Schumacher et al. 2024, 5 randomisierte Studien, Suche bis Januar 2022) fand für dieselben beiden Endpunkte keinen signifikanten Effekt, nennt für die gepoolte Analyse aber weder Punktschätzer noch Konfidenzintervall, zwei der fünf eingeschlossenen Einzelstudien zeigten für sich genommen eine signifikante Senkung. Insgesamt handelt es sich eher um einen wachsenden, stark überlappenden Studienbestand mit uneinheitlicher eigener Einordnung der Autorinnen und Autoren (Garza relativiert ihren eigenen signifikanten Punktschätzer, Schumacher findet ohne eigenes Effektmaß keinen Effekt) als um zwei unabhängige, übereinstimmende Bestätigungen. Die eingesetzte Form war in den zugrunde liegenden Studien überwiegend Ganzwurzelpulver in Dosen von 1,2 bis 3 g pro Tag, nicht ein auf Gingerole standardisierter Extrakt
-
10
Blutfette (Gesamtcholesterin, Triglyceride, HDL- und LDL-Cholesterin)
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Maharlouei et al. 2019 werteten 14 randomisierte Studien mit 473 übergewichtigen oder adipösen Teilnehmenden aus und fanden am Endpunkt Gesamtcholesterin keinen signifikanten Unterschied zu Placebo (standardisierte Mittelwertdifferenz minus 0,20, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 0,58 bis 0,18), eine signifikante Erhöhung von HDL-Cholesterin (0,40, Konfidenzintervall 0,10 bis 0,70) und keinen signifikanten Effekt auf Triglyceride (minus 0,27, Konfidenzintervall minus 0,71 bis 0,18) oder LDL-Cholesterin (minus 0,13, Konfidenzintervall minus 0,51 bis 0,24). Salih et al. 2023 werteten eine breitere, auch Menschen mit Diabetes einschließende Population aus (Anzahl eingeschlossener Studien im Abstract nicht genannt, einzige Übersicht in diesem Eintrag mit dieser Lücke) und fanden am selben Endpunkt Gesamtcholesterin eine signifikante Senkung (minus 0,44, Konfidenzintervall minus 0,86 bis minus 0,02) sowie eine signifikante Senkung der Triglyceride (minus 0,61, Konfidenzintervall minus 1,14 bis minus 0,08), aber keinen signifikanten Effekt auf HDL-Cholesterin (0,40, Konfidenzintervall minus 0,01 bis 0,80, derselbe Punktschätzer wie bei Maharlouei, nur mit einem knapp die Null einschließenden Intervall) oder LDL-Cholesterin (minus 0,34, Konfidenzintervall minus 0,81 bis 0,13). Beide Übersichten zeigen an allen vier Endpunkten dieselbe Richtung, nur mit unterschiedlicher Präzision und Signifikanz je nach eingeschlossener Population, das ist eine uneinheitlich präzise Befundlage, kein Widerspruch in entgegengesetzte Richtungen. Bei Menschen speziell mit Typ-2-Diabetes fand eine dritte, auf diese Gruppe beschränkte Übersicht (Ebrahimzadeh et al. 2022) dagegen keinen signifikanten Einfluss auf Triglyceride, Gesamtcholesterin, LDL- oder HDL-Cholesterin. Dosen und Form der Primärstudien reichen von Pulver bis Extrakt in Mengen von 1 bis 3 g pro Tag
-
11
Körpergewicht und Taillenumfang bei Übergewicht
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Dieselbe Übersicht wie bei den Blutfetten (Maharlouei et al. 2019, 14 randomisierte Studien mit 473 übergewichtigen oder adipösen Teilnehmenden) fand daneben eine signifikante Senkung des Körpergewichts (standardisierte Mittelwertdifferenz minus 0,66, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 1,31 bis minus 0,01), des Taille-Hüft-Verhältnisses (minus 0,49, Konfidenzintervall minus 0,82 bis minus 0,17) und des Hüftumfangs (minus 0,42, Konfidenzintervall minus 0,77 bis minus 0,08), außerdem eine signifikante Senkung von HOMA-IR, einem Marker der Insulinresistenz (minus 1,67, Konfidenzintervall minus 2,86 bis minus 0,48). Auf den Körpermasseindex (BMI) selbst fanden sie dagegen keinen signifikanten Effekt (minus 0,65, Konfidenzintervall minus 1,36 bis 0,06). Eine zweite, unabhängige Übersicht speziell zu diesem Endpunkt wurde bei der Recherche nicht gefunden, die Einordnung stützt sich auf eine einzelne Übersichtsarbeit mit 14 eingeschlossenen Studien. Dosen und Form der Primärstudien reichen von Pulver bis Extrakt in Mengen von 1 bis 3 g pro Tag
Quellen: 24
-
12
Entzündungsmarker im Blut (CRP, IL-6, TNF-alpha)
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Morvaridzadeh et al. 2020 poolten 16 randomisierte Studien mit 1010 Teilnehmenden und fanden eine signifikante Senkung von CRP (standardisierte Mittelwertdifferenz minus 5,11, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 7,91 bis minus 2,30, I² 98,1 Prozent), von hochsensitivem CRP (minus 0,88, Konfidenzintervall minus 1,63 bis minus 0,12, I² 90,8 Prozent) und von TNF-alpha (minus 0,85, Konfidenzintervall minus 1,48 bis minus 0,21, I² 89,4 Prozent), jedoch keinen signifikanten Effekt auf Interleukin-6 (minus 0,45, Konfidenzintervall minus 1,29 bis 0,38, I² 89,2 Prozent) oder auf löslichem interzellulärem Adhäsionsmolekül sICAM (minus 0,05, Konfidenzintervall minus 0,36 bis 0,26, I² 0,0 Prozent). Die sehr hohe Heterogenität bei CRP und die uneinheitliche Wirkung über die verschiedenen Entzündungsmarker hinweg (signifikant bei CRP, hs-CRP und TNF-alpha, nicht bei IL-6 und sICAM) sprechen für ein uneinheitliches, nicht für ein durchgehend belegtes Bild. Eine zweite, unabhängige Übersicht speziell zu diesem Endpunkt wurde bei der Recherche nicht gefunden. Diese gepoolten Entzündungsmarker-Werte sind von den einzelstudienbasierten Entzündungsmarker-Befunden bei Kniearthrose [16, 18] zu unterscheiden, sie stammen aus einer eigenen, nicht auf Gelenkbeschwerden beschränkten Übersicht. Form und Dosis der 16 eingeschlossenen Studien werden im Abstract nicht einzeln aufgeschlüsselt
Quellen: 36
-
13
Blutdruck, systolisch
BelegtEinordnung und Einschränkungen
Karimi et al. 2026 werteten mit einer Suche bis Mai 2026 12 randomisierte Studien (13 Effektstärken für 6 unterschiedliche Dosen von 230 mg bis 3000 mg pro Tag beziehungsweise 75 mg/kg) GRADE-bewertet aus und fanden eine signifikante Senkung des systolischen Blutdrucks (minus 5,03 mmHg, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 8,49 bis minus 1,57, I² 97 Prozent). In der eigenen Sensitivitätsanalyse (sequenzielles Entfernen einzelner Studien) blieb dieser Befund stabil, kein einzelner Studienausschluss veränderte Größenordnung oder Signifikanz wesentlich. In Untergruppenauswertungen war die Senkung deutlicher bei einem Ausgangswert über 120 mmHg (minus 6,88 mmHg, Konfidenzintervall minus 13,25 bis minus 0,51, 8 Effektstärken) als darunter (minus 2,03 mmHg, Konfidenzintervall minus 3,97 bis minus 0,09, 5 Effektstärken); nach Dosis war die Senkung nur bei mindestens 2000 mg pro Tag statistisch signifikant (minus 3,76 mmHg, Konfidenzintervall minus 6,18 bis minus 1,35, 8 Effektstärken), während der Punktschätzer bei niedrigeren Dosen zwar größer ausfiel (minus 7,39 mmHg), aber bei nur 5 Effektstärken statistisch nicht gesichert war (Konfidenzintervall minus 19,10 bis 4,30). Die Autorinnen und Autoren stufen die Evidenzsicherheit nach GRADE dennoch insgesamt als niedrig ein, herabgestuft wegen sehr ernster Inkonsistenz zwischen den Studien (I² 96,6 Prozent). Hasani et al. 2019 (6 randomisierte Studien, 345 Teilnehmende, Suche bis September 2018) fanden zuvor eine ähnliche Größenordnung (minus 6,36 mmHg, Konfidenzintervall minus 11,27 bis minus 1,46, I² 90 Prozent), signifikant jedoch nur in der einen Untergruppe von Studien, die zugleich ein mittleres Teilnehmeralter bis 50 Jahre, eine Studiendauer bis 8 Wochen und eine Dosis ab 3 g pro Tag aufwiesen. Ebrahimzadeh et al. 2022 fanden bei Menschen mit Typ-2-Diabetes ebenfalls eine signifikante Senkung (minus 4,20 mmHg, Konfidenzintervall minus 7,64 bis minus 0,77, I² 97 Prozent). Die Überschneidung mit Hasani et al. ist belegt und nicht nur vermutet. Hasanis eigenes Literaturverzeichnis führt die Blutdruckstudie von Talaei, Mozaffari-Khosravi und Bahreini titelgleich mit derjenigen, die Karimi als eine seiner zwölf Studien auswertet, und außerdem die Arbeit von Azimi und Kollegen zu Zimt, Kardamom, Safran und Ingwer bei Typ-2-Diabetes, die 2016 in Blood Pressure die Blutdruckdaten derselben Vier-Gewürz-Studie berichtet, deren Stoffwechseldaten Karimi als Azimi et al. 2014 aus den Review of Diabetic Studies führt (gleiche Erstautorin, gleiche Arbeitsgruppe, gleiche Intervention). Mindestens zwei von Hasanis sechs Studien stecken damit auch in Karimis zwölf, die drei Übersichten sind ein gemeinsam wachsender Bestand und keine unabhängigen Bestätigungen. Nur Karimi wendet eine formale GRADE-Bewertung an. Karimi et al. geben im Volltext keine Förderung an und erklären keinen Interessenkonflikt. Die Primärstudien nutzten Dosen von 230 mg bis 3000 mg pro Tag beziehungsweise 75 mg/kg, überwiegend als Ganzwurzelpulver; eine Studie (Braga Tibaes et al. 2022, in Karimis Tabelle als "dried ginger extract" 600 mg pro Tag geführt) prüfte einen Trockenextrakt in einer Dosis unterhalb der 2000-mg-Schwelle, der Formvorbehalt "nur Ganzwurzelpulver in hoher Dosis geprüft" trifft auf diese eine Studie also nicht zu
-
14
Blutdruck, diastolisch
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Karimi et al. 2026 fanden über 12 Effektstärken eine formal signifikante, aber knappe Senkung des diastolischen Blutdrucks (minus 2,03 mmHg, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 3,90 bis minus 0,15, I² 94 Prozent). Die Autorinnen und Autoren selbst schreiben, die begrenzte Robustheit dieses Befunds mindere das Vertrauen in die Schätzung. Ihre eigene Sensitivitätsanalyse bestätigt das, denn beim sequenziellen Entfernen einzelner Studien (Azimi et al. 2014, Talaei et al. 2017, Rahimlou et al. 2019, Beyranvand et al. 2022, Ghoreishi et al. 2024, Al Dhaheri et al. 2024) lag der gepoolte Wert danach jeweils zwischen minus 1,34 und minus 2,02 mmHg, wobei laut den Autorinnen und Autoren "alle Konfidenzintervalle die Nulllinie einschließen" (Table 4). Der Befund hält also keiner einzigen Auslassung einer Einzelstudie in einem weiterhin signifikanten Intervall stand, obwohl die Autorinnen und Autoren dieses Muster im Fließtext selbst als Beleg für Konsistenz und Robustheit deuten. In der Dosis-Untergruppe ab 2000 mg pro Tag blieb die Senkung signifikant (minus 2,24 mmHg, Konfidenzintervall minus 3,65 bis minus 0,82, 8 Effektstärken), unter 2000 mg pro Tag nicht (minus 1,92 mmHg, Konfidenzintervall minus 9,94 bis 6,09, 4 Effektstärken). Hasani et al. 2019 fanden zuvor eine ähnliche Größenordnung (minus 2,12 mmHg, Konfidenzintervall minus 3,92 bis minus 0,31, I² 73 Prozent), ebenfalls nur in der oben genannten Untergruppe signifikant. Ebrahimzadeh et al. 2022 fanden bei Menschen mit Typ-2-Diabetes eine signifikante Senkung (minus 1,61 mmHg, Konfidenzintervall minus 3,04 bis minus 0,18, I² 93 Prozent). Eine mögliche Studienüberschneidung zwischen den drei Übersichten ließ sich mangels frei zugänglichem Volltext von Hasani et al. nicht abschließend klären. Die Primärstudien nutzten Dosen von 230 mg bis 3000 mg pro Tag beziehungsweise 75 mg/kg, überwiegend als Ganzwurzelpulver; eine Studie (Braga Tibaes et al. 2022) prüfte einen Trockenextrakt mit 600 mg pro Tag
Studien im Detail
Übelkeit in der Schwangerschaft
Die Studienlage zu Ingwer bei Schwangerschaftsübelkeit ist die umfangreichste unter allen hier untersuchten Wirkungen, und eine Umbrella-Übersicht ordnet sie ein. Tiani und Kollegen [3] fanden, dass sieben Übersichtsarbeiten zu Ingwer bei Schwangerschaftsübelkeit zusammen auf 22 unabhängigen Einzelstudien beruhen, mit 49 Prozent Überlappung zwischen den Übersichten. Dieser Wert beschreibt die korrigierte Überlappung der Studien zwischen den Übersichten. Er bedeutet nicht, dass genau die Hälfte der Einzelstudien identisch ist. Tan und Kollegen [2], Hu und Kollegen [1] und Sridharan und Sivaramakrishnan [35] sind drei dieser sieben Übersichten, keine von ihnen eine von den anderen unabhängige Bestätigung; Tiani und Kollegen führen Sridharans Netzwerk-Metaanalyse mit eigener Zeile in derselben Tabelle wie Tan und Hu (19 Studien, 1854 Teilnehmerinnen), Tan und Hu werden dabei als methodisch kritisch niedrig nach AMSTAR-2 eingestuft, Sridharan als niedrig. Für Ingwer allein werteten Tan und Kollegen 14 randomisierte Studien aus und fanden eine höhere Ansprechrate sowie eine geringere Übelkeit auf der Analogskala gegenüber Placebo, jedoch keinen Unterschied bei der Erbrechenshäufigkeit; gegenüber Vitamin B6 oder Metoclopramid war Ingwer in ihrer Auswertung wirksamer. Hu und Kollegen fanden über 13 Studien mit 1174 Teilnehmerinnen ein deutlich besseres Gesamtsymptombild und eine geringere Übelkeitsschwere, aber ebenfalls keinen signifikanten Effekt auf das Erbrechen selbst (eigenes Abstract: SMD 0,549, Konfidenzintervall minus 0,268 bis 1,365; Tianis Tabelle druckt an dieser Stelle ein fehlerhaftes Intervall ab). Sridharan und Sivaramakrishnan [35] werteten 50 Studien im systematischen Review aus, 42 davon in der Netzwerk-Metaanalyse über alle geprüften Mittel gegen Schwangerschaftsübelkeit, und fanden für Ingwer gegenüber Placebo eine Verringerung der Übelkeits-Scores sowie eine bessere Kontrolle des Erbrechens (Odds Ratio 34,9, sehr weites Konfidenzintervall 3,9 bis 316,2, 8 Studien). Ihr eigenständiger Beitrag gegenüber Tan und Hu ist die vergleichende Bewertung: unter allen geprüften Mitteln bestehe ausreichende Evidenz für eine Wirksamkeit nur bei Ingwer, mit mittlerer Evidenzqualität, während sie für alle anderen geprüften Mittel als sehr niedrig eingestuft wird. Das ist ein eigenständiges Urteil über weitgehend denselben Studienbestand, keine vierte, unabhängige Bestätigung. Die methodische Qualität der Übelkeits-Übersichten selbst wird durchgehend als niedrig bis sehr niedrig eingestuft.
Übelkeit und Erbrechen unter Chemotherapie
Am Endpunkt akutes Erbrechen liegen die Punktschätzer mehrerer Übersichten nah beieinander, auch wenn nicht jede für sich signifikant ist. Choi und Kollegen [4], mit 23 eingeschlossenen Studien, fanden für akutes Erbrechen einen Punktschätzer von 0,59, der die Signifikanzschwelle knapp verfehlte (p gleich 0,09), während dieselbe Untergruppenanalyse mit niedriger Dosis über mindestens vier Tage signifikant war. In ihrer eigenen Diskussion behaupten sie an einer Stelle eine Signifikanz für genau diesen Gesamtwert, die im eigenen Ergebnisteil nicht steht; an anderer Stelle stimmen sie zutreffend mit früheren Arbeiten in der fehlenden Signifikanz bei Übelkeit und bei verzögertem Erbrechen überein. Chang und Peng [5] fanden in einer kleineren, älteren Übersicht aus 10 Studien für dieselbe Untergruppe, akutes Erbrechen, einen fast identischen Punktschätzer von 0,58, diesmal signifikant. Lin und Kollegen [6], mit 35 randomisierten Studien die größere und neuere der beiden umfangreichen Übersichten, untersuchten Ingwer ausdrücklich als Zusatz zu Standard-Antiemetika, nicht als Alternative dazu, und fanden darin eine Verringerung schwerer Verlaufsformen, allerdings nur bei den 22 von 35 eingeschlossenen Studien, die Ingwerkapseln statt Ingwer-Moxibustion prüften. Eine ältere, GRADE-bewertete Übersicht (Crichton und Kollegen [34]) fand für eine ähnlich eng gefasste Dosis-Untergruppe die bislang höchste Evidenzsicherheit im gesamten Feld, GRADE moderat. Alle vier Übersichten schöpfen aus einem wachsenden, sich überschneidenden Bestand an Primärstudien, ohne dass eine von ihnen eine genaue Überlappungszahl nennt. In der Summe zeigt das Feld eine konsistente Richtung bei wachsender Zahl ausgewerteter Studien, am klarsten belegt bei niedriger Dosis über mehrere Tage.
Übelkeit und Erbrechen nach Operationen
Die Netzwerk-Analyse von Zhao und Kollegen [7] rangiert unter allen geprüften Ingwer-Zubereitungen Ingweröl als wirksamste Form gegen postoperatives Erbrechen, während postoperative Übelkeit selbst durch keine Zubereitung signifikant gebessert wurde. Der Cochrane-Review zu Kaiserschnitt unter Regionalanästhesie [8] stuft die Datenlage zu Ingwer als durchgehend sehr unsicher ein, gestützt auf nur zwei Studien mit 365 Frauen.
Reisekrankheit
Magenentleerung bei funktioneller Dyspepsie
Solo-Ingwer beschleunigt in einer kleinen Studie [11] messbar die Magenentleerung, ohne dass sich das auf die subjektiven Beschwerden auswirkt. Getrennt davon wurde eine feste, standardisierte Kombination aus Ingwer- und Artischocken-Extrakt (Handelsname Prodigest) in mehreren eigenständigen Studien auf Verdauungssymptome geprüft: eine randomisierte, placebokontrollierte Studie an 126 Personen mit funktioneller Dyspepsie [28] fand eine signifikante Besserung von Übelkeit, Völlegefühl, Oberbauchschmerz und Blähung; ein kleiner Crossover-Pilot an 11 gesunden Personen [29] und eine Pilotstudie an 50 Ausdauersportlern zusammen mit Simeticon [30] fanden ebenfalls günstige Effekte auf Magenmotilität beziehungsweise Magen-Darm-Beschwerden. Der Cochrane-Review zu pflanzlichen Mitteln bei funktioneller Dyspepsie [31] listet diese Kombination als wirksam, stützt sich dabei aber im Wesentlichen auf die eine oben genannte Studie [28] und bewertet die Evidenzsicherheit als niedrig. Diese Kombinationsstudien belegen die feste Zweierkombination, nicht Ingwer als Einzelstoff, und werden deshalb nicht als Beleg für eine eigene Ingwer-Wirkungszeile geführt.
Regelschmerzen (primäre Dysmenorrhoe)
Zusammen mit dem Effekt auf den Blutdruck ist dies die Wirkung mit der konsistentesten Studienlage. Drei Übersichten [12, 13, 14] aus den Jahren 2015, 2020 und 2024 finden übereinstimmend eine signifikante Schmerzreduktion gegenüber Placebo, wobei die vier Ingwer-Studien der Auswertung von 2020 [13] und die Dysmenorrhoe-Studien im Literaturverzeichnis der Auswertung von 2015 [12] namentlich auch bei der neuesten und größten [14] wiederkehren, kein dritter unabhängiger Beleg, sondern ein gemeinsam wachsender Bestand. Der Erstautor der ältesten der drei Arbeiten [12] ist nach eigener Affiliation in der Forschungsabteilung eines Herstellers von Nahrungsergänzungsmitteln beschäftigt. In derselben, größten Auswertung zeigte sich kein Unterschied zu nichtsteroidalen Schmerzmitteln oder zu Sport. Alle zugrunde liegenden Studien prüften Ganzwurzelpulver, eingenommen nur während weniger Tage im Zyklus, nicht als Dauereinnahme; die Studien zu [13] wurden ausschließlich im Iran durchgeführt, was die Übertragbarkeit einschränken kann.
Kniearthrose
Drei ältere Meta-Analysen [15, 16, 17] kommen zu unterschiedlich vorsichtigen Schlussfolgerungen, obwohl sie sich weitgehend auf denselben, kleinen Pool von fünf bis sieben Studien stützen. Auffällig ist die in [15] berichtete erhöhte Abbruchrate wegen Magen-Darm-Beschwerden unter Ingwer, mit einem mehr als doppelt so hohen Risiko wie unter Placebo, in Studien mit Ganzwurzelpulver, nicht mit einem standardisierten Extrakt. In [16] brach der zunächst sehr große Schmerzeffekt in einer Sensitivitätsanalyse nach Entfernen der Studie von Bolognesi et al. fast vollständig zusammen. Der gleichzeitig berichtete Rückgang der Entzündungsmarker ESR und CRP wirkt auf den ersten Blick robuster, ist es aber nicht: Er beruht ausschließlich auf derselben Bolognesi-Studie, für die keine Sensitivitätsanalyse möglich war, weil es die einzige eingeschlossene Arbeit für diesen Endpunkt war, und für die Mathieu und Kollegen selbst einen signifikanten Egger-Test auf Publikationsverzerrung berichten. Diese eine Studie hatte zudem den niedrigsten möglichen Jadad-Score (0) unter allen eingeschlossenen Arbeiten und prüfte kein Ingwer-Präparat allein, sondern eine feste Dreifachkombination aus N-Acetylglucosamin, Weihrauch und Ingwer (Handelsname Movardol), die Mathieu und Kollegen dennoch unter "Ingwer" führen. Sowohl der ursprünglich große Schmerzeffekt als auch der gesamte Entzündungsmarker-Befund dieser Übersicht stehen und fallen damit mit einer einzelnen, methodisch schwachen Studie zu einem anderen Präparat als Ingwer-Reinstoff. Eine neuere Einzelstudie [18] an einer älteren Gruppe mit vorbestehenden Gelenk- und Muskelbeschwerden fand nach einer standardisierten Belastung günstige Effekte auf Schmerzwahrnehmung und einzelne Entzündungsmarker unter einer niedrig dosierten, standardisierten Extraktform, daneben aber auch einen im Zeitverlauf signifikant erhöhten Eosinophilenwert unter Ingwer. Laut dem Funding-Statement des freien Volltexts finanziert von Specnova LLC, einem Namen, der in der von PubMed geführten Interessenerklärung selbst nicht auftaucht; Increnovo LLC ist dort als unabhängiger externer Berater genannt, zu unterscheiden vom Geldgeber, zwei Autoren der Studie sind bei Increnovo LLC angestellt.
Muskelkater nach dem Training
Für Ingwer als Reinstoff bei akutem Muskelkater nach dem Training an gesunden, trainierenden Menschen bleibt die Datenlage dünn. Die einzige Meta-Analyse [19] fasst Ingwer mit drei anderen Wurzelpflanzen zusammen, ohne den Ingwer-Eigenbeitrag gesondert auszuweisen, und eine Einzelstudie an Läufern [20] fand nur einen unklaren Effekt. Eine weitere Einzelstudie zu einem niedrig dosierten Extrakt betraf eine andere Zielgruppe (ältere Menschen mit vorbestehenden Gelenkbeschwerden) und wird deshalb unter Kniearthrose geführt, nicht hier.
Nüchternblutzucker und Langzeitblutzucker
Zwei Übersichten [21, 23] finden am selben Endpunkt bei derselben Zielgruppe, Menschen mit Typ-2-Diabetes, ähnliche Punktschätzer für die Senkung von Nüchternblutzucker und HbA1c, sind dabei aber kein unabhängiges Zweierpaar: Von den 10 für Ingwer ausgewerteten Studien bei Garza et al. [23] tragen mindestens 8 dieselben, in diesem schmalen Forschungsfeld immer wieder zitierten Studiennamen, die auch bei Ebrahimzadeh et al. [21] auftauchen dürften, eine vollständige Prüfung war mangels freiem Volltext von [21] nicht möglich. Garza et al. relativieren ihren eigenen signifikanten Punktschätzer zum Nüchternblutzucker zudem selbst: Das zugehörige Vorhersageintervall schließt die Null ein, und die Autorinnen und Autoren schreiben wörtlich, die Reduktion sei nicht signifikant unterschiedlich, wenn man den Vorhersagewert einbezieht. Eine dritte, kleinere Übersicht [22] fand keinen signifikanten Effekt, liefert dafür aber kein eigenes Effektmaß mit Intervall.
Blutfette
Zwei Übersichten [24, 25] an unterschiedlichen, sich teilweise überschneidenden Populationen zeigen an allen vier Blutfett-Endpunkten dieselbe Richtung, aber mit wechselnder statistischer Signifikanz. Bei Menschen speziell mit Typ-2-Diabetes fand eine dritte Übersicht [21] keinen signifikanten Effekt auf das Lipidprofil.
Körpergewicht und Taillenumfang
Dieselbe Übersicht wie bei den Blutfetten [24] fand bei übergewichtigen und adipösen Teilnehmenden auch eine signifikante Senkung von Körpergewicht, Taille-Hüft-Verhältnis, Hüftumfang und HOMA-IR, nicht aber des Körpermasse- index selbst. Eine zweite, unabhängige Übersicht zu diesem Endpunkt wurde nicht gefunden.
Entzündungsmarker im Blut
Eine eigene, nicht auf ein bestimmtes Beschwerdebild beschränkte Übersicht [36] fand über 16 Studien eine signifikante Senkung von CRP, hochsensitivem CRP und TNF-alpha, aber keinen signifikanten Effekt auf Interleukin-6 oder sICAM, bei durchweg sehr hoher Heterogenität. Das Bild ist uneinheitlich über die einzelnen Marker hinweg, nicht durchgehend belegt. Diese gepoolten Werte sind von den einzelstudienbasierten Entzündungsmarker- Befunden bei Kniearthrose [16, 18] zu unterscheiden.
Blutdruck
Karimi und Kollegen [27] legen mit der neuesten, größten und einzigen GRADE-bewerteten Übersicht die Grundlage für die Einordnung dieser Wirkung, getrennt nach systolischem und diastolischem Wert, weil beide sich in der eigenen Sensitivitätsanalyse der Autorinnen und Autoren unterschiedlich verhalten. Der systolische Befund ist stabil: Die sequenzielle Entfernung einzelner Studien veränderte Größenordnung oder Signifikanz nicht wesentlich. Der diastolische Befund ist es nicht: Beim Entfernen jeweils einer von sechs Einzelstudien lag der gepoolte Wert zwischen minus 1,34 und minus 2,02 mmHg, mit einem Konfidenzintervall, das laut den Autorinnen und Autoren "in jedem Fall die Nulllinie einschließt" (Table 4), der Befund hält also keiner einzigen Auslassung in einem weiterhin signifikanten Ergebnis stand, obwohl dieselben Autorinnen und Autoren das Muster im Fließtext als Beleg für Konsistenz und Robustheit lesen. Bei der Dosis gilt für beide Werte: Nur ab 2000 mg pro Tag ist die Senkung statistisch gesichert, bei niedrigeren Dosen ist der systolische Punktschätzer sogar größer, aber wegen weniger Effektstärken und größerer Streuung nicht signifikant, "am deutlichsten bei höherer Dosis" trifft also nicht zu, nur "nur bei höherer Dosis gesichert". Die beiden älteren Übersichten [21, 26] finden eine ähnliche Größenordnung an Effekten. Mindestens zwei ihrer Studien stecken auch in Karimis zwölf, die Blutdruckstudie von Talaei und Kollegen titelgleich und die Vier-Gewürz-Studie von Azimi und Kollegen als zweite Veröffentlichung derselben Untersuchung; die drei Übersichten sind also ein gemeinsam wachsender Bestand und keine drei unabhängigen Bestätigungen. Nur Karimi wendet eine formale GRADE-Bewertung an. Die Primärstudien reichen von 230 mg bis 3000 mg pro Tag, überwiegend als Ganzwurzelpulver; eine Studie prüfte einen Trockenextrakt in niedrigerer Dosis (Braga Tibaes et al. 2022, 600 mg pro Tag), sodass der Formvorbehalt nicht für die gesamte Studienlage gilt.
Sicherheit und Wechselwirkungen
In den meisten zitierten Studien war Ingwer gut verträglich, mit gelegentlichen leichten Magen-Darm-Beschwerden als häufigster gemeldeter Nebenwirkung. In der Kniearthrose-Meta-Analyse [15] brachen unter Ingwer mehr als doppelt so viele Teilnehmende die Behandlung ab wie unter Placebo (Risk Ratio 2,33, 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,04 bis 5,22), überwiegend wegen Magenbeschwerden, in Studien mit Ganzwurzelpulver, nicht mit einem standardisierten Extrakt.
Zwei unabhängige Übersichtsarbeiten zu Wechselwirkungen mit dem Gerinnungshemmer Warfarin befassen sich mit berichteten Interaktionen. Leite und Kollegen [33] zählen Ingwer neben Knoblauch, Ginkgo, Johanniskraut und Ginseng zu den Pflanzen mit dem größten berichteten Interaktionspotenzial gegenüber Warfarin. Tan und Lee [32] werteten 149 Berichte zu 78 Kräutern, Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln aus und nennen Ingwer unter mehreren Substanzen mit erhöhtem Blutungsrisiko bei gleichzeitiger Einnahme, ohne es dabei als das Mittel mit dem größten Potenzial einzustufen. Beide Übersichtsarbeiten stützen sich überwiegend auf Einzelfallberichte und auf die pharmakologische Plausibilität einer Beeinflussung der Blutplättchenfunktion, nicht auf kontrollierte Humanstudien zu tatsächlichen Blutungsereignissen unter einer definierten Ingwer-Dosis. Beide nennen für die Ingwer-bezogenen Berichte weder Dosis noch Zubereitungsform des verwendeten Ingwers, das ist unbekannt, nicht belegt als besonders hoch oder niedrig. Wer gerinnungshemmende Medikamente einnimmt, sollte die gleichzeitige Einnahme von Ingwer-Präparaten vorsorglich ärztlich abklären. Für die Schwangerschaft berichtet die Umbrella-Übersicht von Tiani und Kollegen [3] über die randomisierten Studien hinweg keine schweren mütterlichen Nebenwirkungen und keine dem Ingwer zurechenbaren Fehlbildungen, und eine große norwegische Kohorte mit 68522 Frauen, davon 1020 mit Ingwer-Einnahme, fand kein erhöhtes Risiko für die erfassten Schwangerschaftsausgänge. Zwei kleinere Beobachtungsstudien stehen daneben. Eine koreanische Fall-Kontroll-Studie fand ein grenzwertig erhöhtes Risiko für Totgeburten (Odds Ratio 7,8, 95-Prozent- Konfidenzintervall 0,9 bis 70,3, p gleich 0,05) bei sehr weit gestreuten Tagesmengen von 0,3 bis 7200 mg und ohne Prüfung einer Dosisabhängigkeit, eine italienische Kohorte eine kürzere Schwangerschaftsdauer und einen kleineren Kopfumfang des Neugeborenen, dort allerdings bei nur 9 Ingwer-Anwenderinnen unter 630 befragten Frauen. Eine Höchstmenge für Ingwer ist nicht festgelegt. Tiani und Kollegen empfehlen deshalb ausdrücklich, Anwendung und Gegenanzeigen in der Schwangerschaft ärztlich zu besprechen.
Quellen zum Nachlesen
-
01
Meta-Analyse aus 13 RCTs, n gleich 1174 · 2022
Effect of ginger in the treatment of nausea and vomiting compared with vitamin B6 and placebo during pregnancy. A meta-analysis
Hu Y, Amoah AN, Zhang H, Fu R, Qiu Y, Cao Y, Sun Y, Chen H, Liu Y, Lyu Q. J Matern Fetal Neonatal Med
Zur Zuschreibung: 01
-
02
Systematische Übersicht mit Meta-Analyse aus 33 RCTs über alle geprüften Verfahren, davon 14 zu Ingwer · 2023
The efficacy and safety of complementary and alternative medicine in the treatment of nausea and vomiting during pregnancy. A systematic review and meta-analysis
Tan MY, Shu SH, Liu RL, Zhao Q. Front Public Health
Zur Zuschreibung: 01
-
03
Umbrella-Übersicht über 7 Meta-Analysen mit 22 unabhängigen Einzelstudien · 2024
The Use of Ginger Bioactive Compounds in Pregnancy. An Evidence Scan and Umbrella Review of Existing Meta-Analyses
Tiani KA, Arenaz CM, Spill MK, Foster MJ, Davis JS, Bailey RL, Field MS, Stover PJ, MacFarlane AJ. Adv Nutr
Zur Zuschreibung: 01
- 04
- 05
-
06
Systematische Übersicht mit Meta-Analyse aus 35 RCTs, davon 22 zu Ingwerkapseln und 13 zu Ingwer-Moxibustion · 2025
Efficacy and Safety of Ginger on Chemotherapy-Induced Nausea and Vomiting. A Systematic Review and Meta-analysis of Randomized Controlled Trials
Lin CY, Huang SH, Tam KW, Huang TW, Gautama MSN. Cancer Nurs
Zur Zuschreibung: 02
-
07
Bayes'sche Netzwerk-Meta-Analyse aus 18 Studien, n gleich 2199 · 2023
Ginger (Zingiber officinale Roscoe) preparations for prophylaxis of postoperative nausea and vomiting. A Bayesian network meta-analysis
Zhao C, Chen W, Wang D, Cong X, Zhu M, Zhu C, Xu J, Cai J. J Ethnopharmacol
Zur Zuschreibung: 03
-
08
Cochrane-Review, 84 eingeschlossene Studien insgesamt, davon 2 zu Ingwer gegen Placebo (365 Frauen) · 2021
Interventions for preventing nausea and vomiting in women undergoing regional anaesthesia for caesarean section
Griffiths JD, Gyte GM, Popham PA, Williams K, Paranjothy S, Broughton HK, Brown HC, Thomas J. Cochrane Database Syst Rev
Zur Zuschreibung: 03
-
09
Randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Crossover-Studie, n gleich 13 · 2003
Effects of ginger on motion sickness and gastric slow-wave dysrhythmias induced by circular vection
Lien HC, Sun WM, Chen YH, Kim H, Hasler W, Owyang C. Am J Physiol Gastrointest Liver Physiol
Zur Zuschreibung: 04
- 10
- 11
- 12
-
13
Systematische Übersicht mit Meta-Analyse aus 9 Studien zu drei Mitteln, davon 4 zu Ingwer · 2020
Efficacy of herbal medicine (cinnamon/fennel/ginger) for primary dysmenorrhea. A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials
Xu Y, Yang Q, Wang X. J Int Med Res
Zur Zuschreibung: 06
-
14
Systematische Übersicht mit Meta-Analyse aus 12 quantitativ ausgewerteten RCTs · 2024
Ginger for Pain Management in Primary Dysmenorrhea. A Systematic Review and Meta-Analysis
Moshfeghinia R, Salmanpour N, Ghoshouni H, Gharedaghi H, Zare R, Cramer H, Heydarirad G, Pasalar M. J Integr Complement Med
Zur Zuschreibung: 06
-
15
Meta-Analyse aus 5 RCTs, n gleich 593 · 2015
Efficacy and safety of ginger in osteoarthritis patients. A meta-analysis of randomized placebo-controlled trials
Bartels EM, Folmer VN, Bliddal H, Altman RD, Juhl C, Tarp S, Zhang W, Christensen R. Osteoarthritis Cartilage
Zur Zuschreibung: 07
- 16
-
17
Systematische Übersicht mit Meta-Analyse aus 4 quantitativ ausgewerteten Studien · 2020
Effectiveness of Ginger on Pain and Function in Knee Osteoarthritis. A PRISMA Systematic Review and Meta-Analysis
Araya-Quintanilla F, Gutierrez-Espinoza H, Munoz-Yanez MJ, Sanchez-Montoya U, Lopez-Jeldes J. Pain Physician
Zur Zuschreibung: 07
-
18
Randomisierte, placebokontrollierte Studie, n gleich 30, industriefinanziert · 2025
Effects of Ginger Supplementation on Markers of Inflammation and Functional Capacity in Individuals with Mild to Moderate Joint Pain
Broeckel J, Estes L, Leonard M, Dickerson BL, Gonzalez DE, Purpura M, Jäger R, Sowinski RJ, Rasmussen CJ, Kreider RB. Nutrients
Zur Zuschreibung: 07
-
19
Meta-Analyse aus 25 Studien zu vier verschiedenen Wurzelpflanzen gemeinsam · 2022
Selected root plant supplementation reduces indices of exercise-induced muscle damage. A systematic review and meta-analysis
Doma K, Devantier-Thomas B, Gahreman D, Connor J. Int J Vitam Nutr Res
Zur Zuschreibung: 08
- 20
-
21
Systematische Übersicht mit Meta-Analyse aus 10 RCTs · 2022
The effect of ginger supplementation on metabolic profiles in patients with type 2 diabetes mellitus. A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials
Ebrahimzadeh A, Ebrahimzadeh A, Mirghazanfari SM, Hazrati E, Hadi S, Milajerdi A. Complement Ther Med
-
22
Systematische Übersicht mit Meta-Analyse aus 5 RCTs · 2024
The effect of oral supplementation of ginger on glycemic control of patients with type 2 diabetes mellitus. A systematic review and meta-analysis
Schumacher JC, Mueller V, Sousa C, Peres KK, da Mata IR, Menezes RCR, Dal Bosco SM. Clin Nutr ESPEN
Zur Zuschreibung: 09
-
23
Systematische Übersicht mit Meta-Analyse aus 45 Studien zu 12 Gewürzen bei Menschen mit Typ-2-Diabetes, davon 10 zu Ingwer · 2024
Effect of Aromatic Herbs and Spices Present in the Mediterranean Diet on the Glycemic Profile in Type 2 Diabetes Subjects. A Systematic Review and Meta-Analysis
Garza MC, Pérez-Calahorra S, Rodrigo-Carbó C, Sánchez-Calavera MA, Jarauta E, Mateo-Gallego R, Gracia-Rubio I, Lamiquiz-Moneo I. Nutrients
Zur Zuschreibung: 09
-
24
Systematische Übersicht mit Meta-Analyse aus 14 RCTs, n gleich 473 · 2019
The effects of ginger intake on weight loss and metabolic profiles among overweight and obese subjects. A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials
Maharlouei N, Tabrizi R, Lankarani KB, Rezaianzadeh A, Akbari M, Kolahdooz F, Rahimi M, Keneshlou F, Asemi Z. Crit Rev Food Sci Nutr
- 25
- 26
-
27
Systematische Übersicht mit GRADE-bewerteter Dosis-Wirkungs-Meta-Analyse aus 12 RCTs · 2026
Ginger Supplementation and Blood Pressure in Adults. A GRADE-Based Systematic Review and Dose-Response Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials
Karimi M, Asbaghi O, Rafiei H, Kazemi K, Yazdizadeh S, Radman G, Hosseini R, Hosseini MH, Sabet M, Goudarzi MA. J Hum Nutr Diet
-
28
Randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie mit fester Kombination, n gleich 126 · 2015
The Effect of Ginger (Zingiber officinalis) and Artichoke (Cynara cardunculus) Extract Supplementation on Functional Dyspepsia. A Randomised, Double-Blind, and Placebo-Controlled Clinical Trial
Giacosa A, Guido D, Grassi M, Riva A, Morazzoni P, Bombardelli E, Perna S, Faliva MA, Rondanelli M. Evid Based Complement Alternat Med
-
29
Pilot-Crossover-Studie mit fester Kombination, n gleich 11 · 2016
The effect of ginger (Zingiber officinalis) and artichoke (Cynara cardunculus) extract supplementation on gastric motility. A pilot randomized study in healthy volunteers
Lazzini S, Polinelli W, Riva A, Morazzoni P, Bombardelli E. Eur Rev Med Pharmacol Sci
-
30
Pilotstudie mit fester Kombination plus Simeticon, n gleich 50 · 2022
Efficacy of artichoke and ginger extracts with simethicone to treat gastrointestinal symptoms in endurance athletes. A pilot study
Drobnic F, Fonts S, García-Alday I, Petrangolini G, Riva A, Frattini E, Allegrini P, Togni S, Vitale J. Minerva Gastroenterol (Torino)
- 31
- 32
- 33
-
34
Systematische Übersicht mit Meta-Analyse aus 18 Arbeiten, GRADE-bewertet · 2019
Efficacy of Ginger (Zingiber officinale) in Ameliorating Chemotherapy-Induced Nausea and Vomiting and Chemotherapy-Related Outcomes. A Systematic Review Update and Meta-Analysis
Crichton M, Marshall S, Marx W, McCarthy AL, Isenring E. J Acad Nutr Diet
Zur Zuschreibung: 02
-
35
Netzwerk-Meta-Analyse über alle geprüften Mittel gegen Schwangerschaftsübelkeit, 50 Studien im systematischen Review, 42 in der Meta-Analyse · 2018
Interventions for treating nausea and vomiting in pregnancy. A network meta-analysis and trial sequential analysis of randomized clinical trials
Sridharan K, Sivaramakrishnan G. Expert Rev Clin Pharmacol
Zur Zuschreibung: 01
-
36
Systematische Übersicht mit Meta-Analyse aus 16 RCTs, n gleich 1010 · 2020
Effect of ginger (Zingiber officinale) on inflammatory markers. A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials
Morvaridzadeh M, Fazelian S, Agah S, Khazdouz M, Rahimlou M, Agh F, Potter E, Heshmati S, Heshmati J. Cytokine
Zur Zuschreibung: 12
Bei H.P.N
Diesen Inhaltsstoff findest Du in: