Inulin
Zuletzt geprüft am
Ballaststoffe
Cichorium intybus · Chicorée-Inulin · Native Inulin · Fructan · Inulin-Typ-Fructane
Auf einen Blick
- Was es ist
- Ein wasserlösliches Ballaststoff-Polysaccharid aus der Gruppe der Fructane, aufgebaut aus Fruchtzucker-Einheiten mit meist einer abschließenden Traubenzucker-Einheit. Der menschliche Dünndarm besitzt kein Enzym, das diese Bindung spaltet, deshalb erreicht Inulin nahezu unverdaut den Dickdarm
- Herkunft
- Meist aus der Wurzel der Chicorée-Pflanze (Cichorium intybus) gewonnen, kommt aber auch in Topinambur, Zwiebeln, Knoblauch und Artischocken natürlich vor. Der in Studien meistgenannte, native Rohstoff stammt überwiegend von den Herstellern BENEO-Orafti und Cosucra
- Wirkform in Studien
- Uneinheitlich in der Kettenlänge. Die zitierten Arbeiten unterscheiden zwischen langkettigem Inulin (Polymerisationsgrad meist über 9, teils bis 60), kurzkettiger Oligofructose und Mischungen aus beiden. Der Unterschied ist bedeutsam, weil sich die Wirkung auf Darmbakterien zwischen diesen Kettenlängen in kontrollierten Vergleichen unterscheidet
- Übliche Studiendosis
- 5 bis 20 g täglich in den meisten zitierten Humanstudien, die von der EFSA anerkannte Angabe zur Stuhlfrequenz setzt mindestens 12 g täglich natives Chicorée-Inulin mit einem Polymerisationsgrad von mindestens 9 voraus
- Bekannt geworden durch
- Die Verwendung als Ballaststoffzusatz in Lebensmitteln und als eines der am besten erforschten Präbiotika überhaupt
- Verträglichkeit
- In höheren Dosen häufig Blähungen und ein Völlegefühl, dosisabhängig, siehe Sicherheit
Was diesem Stoff zugesprochen wird
Was die Studien hergeben.
Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.
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01
Stuhlfrequenz bei Erwachsenen mit Verstopfungsneigung unter täglich mindestens 12 g nativem Chicorée-Inulin
Behördlich gesichertEinordnung und Einschränkungen
Die EFSA hat die Angabe amtlich anerkannt, dass natives Chicorée-Inulin bei einer Tagesmenge von 12 g die Stuhlfrequenz erhöht. Eine plazebokontrollierte Studie an Erwachsenen mit Verstopfungsneigung bestätigt das.
Ausführlicher Nachweis
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat 2015 auf Antrag von BENEO-Orafti die gesundheitsbezogene Angabe zugelassen, native Chicorée-Inulin trage bei einer täglichen Aufnahme von mindestens 12 g zur Aufrechterhaltung einer normalen Verdauung durch eine erhöhte Stuhlfrequenz bei [5]. Die Zulassung verlangt native Chicorée-Inulin mit einem mittleren Polymerisationsgrad von mindestens 9 und war ab dem 1. Januar 2016 für fünf Jahre auf den Antragsteller beschränkt [5]. In der von der EFSA zur Substantiierung herangezogenen plazebokontrollierten, doppelblinden Cross-over-Studie erhielten 44 gesunde Erwachsene mit Verstopfungsneigung über 4 Wochen täglich 3 mal 4 g (zusammen 12 g) natives Chicorée-Inulin oder Maltodextrin als Placebo [1]. Die Stuhlfrequenz war unter Inulin signifikant höher als unter Placebo, Median 4,0 (Interquartilsbereich 2,5 bis 4,5) gegenüber 3,0 (2,5 bis 4,0) Stühle pro Woche (p gleich 0,038), begleitet von weicheren Stühlen [1]. Eine 2025 veröffentlichte, ebenfalls plazebokontrollierte Cross-over-Studie an 39 Personen mit anhaltender Verstopfungsneigung nach Rom-III-Kriterien fand nach 4 Wochen mit täglich 12 g Inulin größere Verbesserungen bei Stuhlfrequenz, Bauchbeschwerden und Lebensqualität als unter Placebo, mit einem Übertragungseffekt zwischen den Cross-over-Phasen, den die Autoren zusätzlich als reine Parallelgruppen-Analyse der ersten Phase auswerteten und der Befund dort bestätigt blieb [6]. Beide Studien wurden von Chicorée-Inulin-Herstellern (BENEO beziehungsweise Sensus, deren Angestellte an der zweiten Studie mitwirkten) finanziert beziehungsweise durchgeführt [1][6]. Eine ältere Cross-over-Studie ohne geprüften Förderhinweis an 12 gesunden Männern ohne Verstopfungsneigung fand dagegen unter 20 g Inulin täglich über 3 Wochen keine Veränderung von Stuhlfrequenz, -konsistenz oder -gewicht gegenüber der inulinfreien Kontrollphase, siehe eigene Zeile [4].
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02
Blutzuckeranstieg nach der Mahlzeit, wenn Zucker in einem Lebensmittel oder Getränk durch Inulin oder andere nicht verdauliche Kohlenhydrate ersetzt wird
Behördlich gesichertEinordnung und Einschränkungen
Die EFSA hat die Angabe amtlich anerkannt, dass ein Lebensmittel oder Getränk, in dem Zucker durch nicht verdauliche Kohlenhydrate wie Inulin ersetzt wird, den Blutzucker nach dem Essen weniger ansteigen lässt als die zuckerhaltige Variante. Das ist ein Ersatz-Vergleich, keine Aussage zur Einnahme von Inulin zusätzlich zur gewohnten Ernährung.
Ausführlicher Nachweis
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat 2014 auf einen gemeinsamen Antrag von BENEO-Orafti, Sensus und Cosucra-Groupe Warcoing eine Angabe zu nicht verdaulichen Kohlenhydraten (darunter Fructo-Oligosaccharide aus Inulin) zugelassen [7]. Die Begründung ist im Kern mechanistisch, nicht verdauliche Kohlenhydrate werden im Dünndarm nicht gespalten und tragen deshalb nicht zum Blutzuckeranstieg nach dem Essen bei, wenn sie Gramm für Gramm anstelle von Zucker in einem Lebensmittel oder Getränk eingesetzt werden [7]. Die Angabe gilt ausdrücklich nur für diesen Ersatz-Vergleich zwischen einer zuckerhaltigen und einer stattdessen mit nicht verdaulichen Kohlenhydraten hergestellten Rezeptur, nicht für eine zusätzliche Einnahme von Inulin zur gewohnten Ernährung [7]. Eine spezifisch auf Inulin bezogene Humanstudie mit Zahlenwerten nennt die Stellungnahme im frei zugänglichen Text nicht, sie stützt sich auf die allgemeine Nichtverdaulichkeit der Stoffklasse [7].
Quellen: 7
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03
Körpergewicht, Body-Mass-Index und Taillenumfang unter mehrwöchiger Einnahme von Inulin-Typ-Fructanen
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Zwei Meta-Analysen über mehrere Dutzend Studien finden einen kleinen Gruppenunterschied gegenüber Placebo bei Körpergewicht und Taillenumfang. Beide stufen die Verlässlichkeit der Evidenz selbst als niedrig oder sehr niedrig ein, eine der beiden ist vom größten Chicorée-Inulin-Hersteller finanziert.
Ausführlicher Nachweis
Eine 2024 veröffentlichte Meta-Analyse von 32 randomisierten Studien mit 1184 Teilnehmenden fand unter Chicorée-Inulin-Typ-Fructanen gegenüber Placebo eine mittlere Gewichtsdifferenz von minus 0,97 kg (95-Prozent-Intervall minus 1,34 bis minus 0,59), bei erheblicher Heterogenität zwischen den Studien (I-Quadrat 73 Prozent) [2]. BMI sank um 0,39 kg/m2 (minus 0,57 bis minus 0,20) und der Taillenumfang um 1,03 cm (minus 1,69 bis minus 0,37) [2]. Diese Arbeit wurde vollständig vom BENEO Institute finanziert, zwei der drei Autoren sind bei BENEO angestellt, die dritte Autorin gibt in derselben Erklärung Beratungshonorare und Vortragshonorare im Zusammenhang mit Präbiotika an [2]. Eine zweite, 2024 veröffentlichte Meta-Analyse von 55 randomisierten Studien mit 2518 Teilnehmenden aus mehreren kanadischen Universitäten fand für Inulin-Typ-Fructane ebenfalls eine Reduktion des Körpergewichts gegenüber Placebo, mittlere Differenz minus 0,97 kg (95-Prozent-Intervall minus 1,28 bis minus 0,66) [3]. Dieser Gewichtswert stammt nicht aus allen 55 Studien, sondern aus 36 randomisierten Studien mit 1672 Teilnehmenden [3]. Dieselbe Arbeit fand zusätzlich eine kleine Senkung von LDL-Cholesterin und Triglyceriden, siehe eigene Zeile [3]. Ihr Förderhinweis und ihre Interessenerklärung stehen nur im Volltext, der uns nicht vorlag, die Abwesenheit einer Herstellerbindung ist also nicht geprüft, sondern aus Abstract und Affiliationen geschlossen [3]. Diese Arbeit stuft die Verlässlichkeit der Evidenz für den Gewichtseffekt selbst nach GRADE als niedrig ein, für die übrigen Herz-Kreislauf-Risikofaktoren fand sie laut Abstract keinen bedeutsamen Effekt, ohne dass dafür Einzelwerte im Abstract genannt werden [3]. Beide Meta-Analysen nennen für das Körpergewicht denselben Punktschätzer von minus 0,97 kg, das ist keine zweite, unabhängige Bestätigung. Beide werteten randomisierte Studien mit Inulin-Typ-Fructanen gegen Placebo bei Erwachsenen aus, die kleinere beschränkte sich zusätzlich auf Chicorée als Rohstoff und suchte bis Februar 2023, die größere bis Mai 2022 [2][3]. Ihre Primärstudien überschneiden sich damit weitgehend, im Kern ist das ein Bestand und nicht zwei. Beide Arbeiten stufen die zugrunde liegende Evidenz selbst als wenig verlässlich ein.
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04
LDL-Cholesterin und Triglyceride im Blut unter mehrwöchiger Einnahme von Inulin-Typ-Fructanen
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In einer unabhängigen Meta-Analyse über 55 Studien ein kleiner Gruppenunterschied gegenüber Placebo bei LDL-Cholesterin und Triglyceriden. Die Autoren selbst stufen die Verlässlichkeit dieser Evidenz als sehr niedrig beziehungsweise niedrig ein.
Ausführlicher Nachweis
Dieselbe 2024 veröffentlichte Meta-Analyse von 55 randomisierten Studien mit 2518 Teilnehmenden fand unter Inulin-Typ-Fructanen gegenüber Placebo eine mittlere LDL-Cholesterin-Senkung von 0,14 mmol/l (95-Prozent-Intervall minus 0,24 bis minus 0,05, 38 Studien, 1879 Teilnehmende, nach GRADE sehr niedrige Verlässlichkeit der Evidenz) und eine Triglycerid-Senkung von 0,06 mmol/l (minus 0,12 bis minus 0,01, 40 Studien, 1732 Teilnehmende, niedrige Verlässlichkeit) [3]. Für die übrigen geprüften Herz-Kreislauf-Risikofaktoren, darunter Blutdruck und Nüchternblutzucker, fand sich laut Abstract kein bedeutsamer Effekt, ohne dass dort Einzelwerte genannt werden [3]. Die Effekte fielen bei einer Studiendauer ab 6 Wochen und bei Teilnehmenden mit Übergewicht oder Adipositas größer aus [3]. Die Autorenschaft gehört mehreren kanadischen Universitäten an und das Abstract nennt keine Herstellerfinanzierung, Förderhinweis und Interessenerklärung stehen jedoch nur im Volltext, der uns nicht vorlag, und sind ungeprüft.
Quellen: 3
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05
Bifidobakterien-Anteil im Stuhl nach täglicher Einnahme, uneinheitlich zwischen kurz- und langkettigen Fructanen
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Eine Übersichtsarbeit fasst einen bifidogenen Effekt vieler Studien zusammen. Eine einzelne, direkt vergleichende plazebokontrollierte Studie fand dagegen für langkettiges Inulin keinen Effekt, während kurzkettige Fructane wirkten.
Ausführlicher Nachweis
Eine 2022 veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit über Humanstudien zu Inulin-Typ-Fructanen fasst zusammen, dass diese Stoffgruppe insgesamt die Häufigkeit von Bifidobacterium, Lactobacillus und Faecalibacterium prausnitzii im Stuhl erhöht, mit unterschiedlichen Effekten je nach Kettenlänge, deren direkter Vergleich laut der Übersichtsarbeit durch fehlende einheitliche Angaben zu den physikalisch-chemischen Eigenschaften der geprüften Präparate erschwert wird [9]. Eine ältere, direkt vergleichende, plazebokontrollierte Dosis-Wirkungs-Studie an 200 gesunden Freiwilligen prüfte sieben verschiedene nicht verdauliche Kohlenhydrate parallel bei 10 g täglich über 7 Tage. Kurzkettige Fructo-Oligosaccharide, Sojaoligosaccharide, Galacto-Oligosaccharide und resistente Stärke vom Typ 3 waren bifidogen, langkettiges Inulin dagegen nicht, ebenso wenig wie Lactulose und Isomalto-Oligosaccharide [10]. In der anschließenden Dosis-Wirkungs-Phase mit 2,5 bis 10 g täglich der als bifidogen erkannten Kohlenhydrate unterschieden sich die Effekte zwischen den 4 geprüften Stoffen signifikant, jedoch fand sich keine signifikante Dosisabhängigkeit innerhalb eines Stoffs [10]. Eine unkontrollierte Studie ohne Placebo-Vergleichsgruppe an 12 gesunden Freiwilligen fand nach 16-tägiger Einnahme von 10 g Inulin täglich gegenüber der eigenen Kontrollperiode ohne Nahrungsergänzung eine Zunahme von Bifidobacterium adolescentis und Faecalibacterium prausnitzii im Stuhl [8]. Weil hier kein Placebo-Arm mitlief, ist unklar, wie viel von diesem Anstieg auf die Einnahme zurückgeht. Insgesamt ist die Studienlage zum bifidogenen Effekt von langkettigem Inulin im Speziellen uneinheitlicher, als die zusammenfassende Übersichtsarbeit nahelegt.
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06
Calciumaufnahme bei Mädchen um die Pubertät, mit einer Mischung aus Inulin und Oligofructose, nicht mit Inulin allein geprüft
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Bei 59 Mädchen mit einer Mischung aus Inulin und Oligofructose höher als unter Placebo. Reine Oligofructose allein zeigte in derselben Studie keinen Unterschied, Inulin allein wurde nicht getestet.
Ausführlicher Nachweis
In einer randomisierten, kontrollierten Cross-over-Studie an 59 Mädchen um die Pubertät mit einer für ihr Alter ausreichenden Calciumzufuhr (rund 1500 mg täglich über calciumangereicherten Orangensaft) erhielten die Teilnehmerinnen in randomisierter Reihenfolge je 3 Wochen lang täglich 8 g Placebo (Saccharose), Oligofructose oder eine Mischung aus Inulin und Oligofructose [11]. Die Calciumaufnahme, gemessen per Doppel-Isotopentechnik, war unter der Inulin-Oligofructose-Mischung signifikant höher als unter Placebo (p gleich 0,01), unter reiner Oligofructose bestand dagegen kein signifikanter Unterschied zu Placebo [11]. Ein Effektmaß mit Konfidenzintervall nennt das frei zugängliche Abstract nicht. Geprüft wurde eine Mischung aus Inulin und Oligofructose, kein Inulin als Reinstoff, ein eigenständiger Beitrag von Inulin lässt sich aus dieser Studie nicht herauslösen.
Quellen: 11
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07
Stuhlgewicht und Darmtransitzeit bei gesunden Männern ohne Verstopfungsneigung, ohne Unterschied zu einer inulinfreien Kontrollphase unter 20 g täglich
Nicht bestätigtEinordnung und Einschränkungen
Bei 12 gesunden Männern ohne Verstopfungsneigung unter 20 g täglich über 3 Wochen kein Unterschied zur inulinfreien Phase bei Stuhlgewicht, Transitzeit, -häufigkeit oder -konsistenz.
Ausführlicher Nachweis
In einer randomisierten, doppelblinden Cross-over-Studie erhielten 12 gesunde Männer unter kontrollierter Ernährung über je 3 Wochen entweder 20 g Chicorée-Inulin täglich (Polymerisationsgrad 2 bis 60) in einem Speiseeis oder dasselbe Speiseeis ohne Inulin [4]. Stuhlgewicht, Darmtransitzeit, Stuhlhäufigkeit und -konsistenz unterschieden sich zwischen den beiden Phasen nicht signifikant, ein Effektmaß mit Konfidenzintervall für diese Nullbefunde nennt die Arbeit nicht [4]. Die Blähungsneigung nahm unter Inulin dagegen signifikant zu, siehe Sicherheit [4]. Anaerobier und Lactobacillus-Arten im Stuhl stiegen, Ammoniak und Beta-Glucuronidase-Aktivität sanken [4]. Die Studie prüfte gesunde Männer ohne Verstopfungsneigung und keine Placebo-, sondern eine inulinfreie Kontrollphase, ihr Nullbefund lässt sich nicht ohne Weiteres auf Menschen mit Verstopfungsneigung übertragen, für die andere Studien einen Effekt auf die Stuhlfrequenz fanden, siehe eigene Zeile.
Quellen: 4
Studien im Detail
Stuhlfrequenz und die von der EFSA anerkannte Angabe
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat 2015 die Angabe zugelassen, dass native Chicorée-Inulin bei einer täglichen Aufnahme von mindestens 12 g zu einer erhöhten Stuhlfrequenz beiträgt. Die Zulassung setzt einen mittleren Polymerisationsgrad von mindestens 9 voraus und beruht unter anderem auf einer Studie von Micka und Kollegen, die bei 44 Erwachsenen mit Verstopfungsneigung unter 12 g Inulin täglich über 4 Wochen eine höhere Stuhlfrequenz als unter Placebo fand. Eine 2025 veröffentlichte Studie an Menschen mit anhaltender Verstopfungsneigung bestätigte diesen Befund, trotz eines methodischen Übertragungseffekts zwischen den Studienphasen, den die Autoren durch eine zusätzliche Parallelgruppen-Analyse auffingen. Beide Studien wurden von Chicorée-Inulin-Herstellern finanziert oder durchgeführt.
Eine ältere Studie von Slavin und Feirtag an 12 gesunden Männern ohne Verstopfungsneigung fand dagegen unter 20 g Inulin täglich über 3 Wochen keinen Unterschied bei Stuhlgewicht, -häufigkeit, -konsistenz oder Darmtransitzeit gegenüber einer inulinfreien Kontrollphase [4]. Von dieser Arbeit liegt uns nur das Abstract vor, ihr Förderhinweis ist ungeprüft. Die beiden Befundlinien widersprechen sich nicht zwangsläufig, sie betreffen unterschiedliche Populationen: Menschen mit Verstopfungsneigung gegenüber gesunden Männern ohne ein solches Problem.
Ersatz von Zucker und der Blutzuckeranstieg nach dem Essen
Eine zweite, 2014 zugelassene EFSA-Angabe betrifft nicht die Einnahme von Inulin zusätzlich zur gewohnten Ernährung, sondern den Ersatz von Zucker durch nicht verdauliche Kohlenhydrate wie Inulin in einem Lebensmittel oder Getränk. Die Begründung ist im Kern mechanistisch: Nicht verdauliche Kohlenhydrate werden im Dünndarm nicht gespalten und tragen deshalb, Gramm für Gramm anstelle von Zucker eingesetzt, weniger zum Blutzuckeranstieg nach dem Essen bei.
Körpergewicht und Blutfette
Zwei 2024 veröffentlichte Meta-Analysen, eine vom größten Chicorée-Inulin- Hersteller finanziert und eine zweite mit kanadischer Autorenschaft, nennen für das Körpergewicht denselben Wert von minus 0,97 kg gegenüber Placebo. Sie schöpfen aus demselben Bestand randomisierter Studien, ihre Übereinstimmung ist deshalb keine zweite, unabhängige Bestätigung. Die zweite Arbeit fand zusätzlich kleine Senkungen von LDL-Cholesterin und Triglyceriden. Beide Arbeiten stufen die Verlässlichkeit dieser Evidenz selbst als niedrig bis sehr niedrig ein, bei erheblicher Unterschiedlichkeit zwischen den eingeschlossenen Studien.
Bifidobakterien im Stuhl
Der als gesichert geltende bifidogene Effekt von Inulin ist bei genauerem Hinsehen kettenlängenabhängig. Eine methodisch besonders kontrollierte Dosis-Wirkungs-Studie von Bouhnik und Kollegen an 200 gesunden Freiwilligen fand ihn für kurzkettige Fructo-Oligosaccharide, nicht aber für langkettiges Inulin. Eine unkontrollierte Studie von Ramirez-Farias und Kollegen ohne Placebo-Arm fand dagegen einen Anstieg bestimmter Bakteriengruppen unter Inulin, ließ aber offen, wie viel davon der Einnahme zuzuschreiben ist.
Sicherheit und Wechselwirkungen
Inulin gilt in den üblichen Studiendosen als gut verträglich, kann aber dosisabhängig Blähungen, ein Völlegefühl und bei empfindlichen Personen Bauchschmerzen auslösen. In einer kontrollierten Studie nahm die Blähungsneigung unter 20 g Inulin täglich gegenüber einer inulinfreien Kontrollphase signifikant zu, bei ansonsten unverändertem Befinden. Menschen mit einer Fruktose-Intoleranz oder einem empfindlichen Verdauungstrakt sollten die Einnahme vorsichtig steigern. Zu Wechselwirkungen mit Medikamenten liegt uns keine eigene geprüfte Humanstudie vor.
Zu Schwangerschaft und Stillzeit liegt uns keine eigene geprüfte Quelle vor, eine ärztliche Rücksprache vor der Einnahme ist in diesem Fall grundsätzlich sinnvoll.
Quellen zum Nachlesen
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01
RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, Cross-over, n gleich 44, 4 Wochen, 12 g täglich · 2017
Effect of consumption of chicory inulin on bowel function in healthy subjects with constipation, a randomized, double-blind, placebo-controlled trial.
Micka A, Siepelmeyer A, Holz A, Theis S, Schön C. Int J Food Sci Nutr
Zur Zuschreibung: 01
- 02
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03
Meta-Analyse, 55 RCT, n gleich 2518 · 2024
The effects of inulin-type fructans on cardiovascular disease risk factors, systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials.
Talukdar JR, Cooper M, Lyutvyn L, Zeraatkar D, Ali R, Berbrier R, Janes S, Ha V, Darling PB, Xue M, Chu A, Chowdhury F, Harnack HE, Huang L, Malik M, Powless J, Lavergne FV, Zhang X, Ehrlich S, Jenkins DJ, Sievenpiper JL, Banfield L, Mbuagbaw L, de Souza RJ. Am J Clin Nutr
- 04
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05
Rechtsakt und zugrunde liegende EFSA-Stellungnahme (EFSA Journal 2015, 13(1), 3951) ·
Health claim related to native chicory inulin and maintenance of normal defecation by increasing stool frequency, Anhang zu Verordnung (EU) Nr. 432/2012.
Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA NDA Panel), umgesetzt in Kommissions-Durchführungsverordnung (EU) 2015/2314.
Zur Zuschreibung: 01
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06
RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, Cross-over, n gleich 39, 4 Wochen, 12 g täglich · 2025
Inulin-induced improvements on bowel habit and gut microbiota in adults with functional constipation, findings of a randomized, double-blind, placebo-controlled study.
Puhlmann ML, Wegh CAM, van der Zalm SCC, Dam V, Doolan A, Meyer D, Belzer C, Vaughan EE, Benninga MA, Smidt H. BMC Gastroenterol
Zur Zuschreibung: 01
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07
Behördliche wissenschaftliche Stellungnahme, Grundlage einer amtlich anerkannten Angabe · 2014
Scientific Opinion on the substantiation of a health claim related to non digestible carbohydrates and a reduction of post prandial glycaemic responses pursuant to Article 13(5) of Regulation (EC) No 1924/2006.
EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies (NDA). EFSA Journal
Zur Zuschreibung: 02
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08
Unkontrollierte Interventionsstudie ohne Placebo-Arm, n gleich 12, 16 Tage, 10 g täglich · 2009
Effect of inulin on the human gut microbiota, stimulation of Bifidobacterium adolescentis and Faecalibacterium prausnitzii.
Ramirez-Farias C, Slezak K, Fuller Z, Duncan A, Holtrop G, Louis P. Br J Nutr
Zur Zuschreibung: 05
- 09
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10
RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, Dosis-Wirkungs-Design, n gleich 200 · 2004
The capacity of nondigestible carbohydrates to stimulate fecal bifidobacteria in healthy humans, a double-blind, randomized, placebo-controlled, parallel-group, dose-response relation study.
Bouhnik Y, Raskine L, Simoneau G, Vicaut E, Neut C, Flourié B, Brouns F, Bornet FR. Am J Clin Nutr
Zur Zuschreibung: 05
- 11
Bei H.P.N
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