Japanischer Schnurbaum-Extrakt

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Pflanzenextrakte

Styphnolobium japonicum (Synonym Sophora japonica) · Sophora japonica · Sophora-japonica-Extrakt · Huai Hua · Huaihua · Flos Sophorae · Flos Sophorae Immaturus · Fructus Sophorae · Pagodenbaum · Japanischer Pagodenbaum · Chinesischer Schnurbaum · Rutin-Extrakt

H.P.N · Datenstand 2026-09-08 · 14 Zuschreibungen im Überblick

Auf einen Blick

Was es ist
Ein Extrakt aus den getrockneten Blütenknospen, Blüten oder Hülsenfrüchten des Japanischen Schnurbaums, botanisch heute meist Styphnolobium japonicum genannt (älterer, weiterhin gebräuchlicher Name Sophora japonica). Reich an den Flavonoiden Rutin und Quercetin, daneben an weiteren Flavonoiden, Isoflavonoiden und Polysacchariden. Die Blütenknospen enthalten laut einer pharmakopöischen Reinheitsvorgabe zwischen 13 und 25 Prozent Rutin, ein Flavonoid-Glykosid, das als Leitstoff des Extrakts gilt. Der weitaus größte Teil der veröffentlichten Literatur prüft nicht den Ganzextrakt, sondern isoliertes Rutin oder Quercetin daraus, siehe Abgrenzung unten
Herkunft
Ein in Ostasien beheimateter, sommergrüner Laubbaum aus der Familie der Hülsenfrüchtler. Seine getrockneten Blütenknospen (Huai Hua), Blüten und Hülsenfrüchte werden seit Jahrhunderten in der traditionellen chinesischen, japanischen und koreanischen Medizin verwendet, meist zusammen mit weiteren Kräutern in Mischrezepturen und nicht als Einzelextrakt. Heute ist die Pflanze vor allem eine industrielle Rohstoffquelle zur Gewinnung von Rutin und Quercetin für den Nahrungsergänzungsmittel- und Pharmamarkt
Wirkform in Studien
Uneinheitlich und für die Einordnung jeder einzelnen Zeile entscheidend. Die einzige uns vorliegende kontrollierte Humanstudie prüft eine Vierkräuter-Mischformel, in der Schnurbaumblüte nur einer von vier gleich gewichteten Bestandteilen ist. Die übrige Humanforschung betrifft nicht den Extrakt, sondern das isolierte Flavonoid Rutin oder chemisch veränderte Rutin-Abkömmlinge (Hydroxyethylrutoside, Oxerutine), die als eigenständiges Arzneimittel gelten und mit dem natürlichen Extrakt nicht gleichzusetzen sind. Die Labor- und Tierarbeiten prüfen je nach Arbeit einen wässrig-ethanolischen Blüten-, Blatt- oder Fruchtextrakt, eine isolierte Polysaccharidfraktion aus den Blütenknospen oder eine enzymatisch an Kaempferol angereicherte Extraktfraktion
Übliche Studiendosis
Für den Extrakt selbst liegt uns keine eigene Dosis-Wirkungs-Studie vor. Die Vierkräuter-Mischformel wurde mit 2 g dreimal täglich über 2 Wochen geprüft, davon rechnerisch ein Viertel Schnurbaumblüte, rund 1,5 g pro Tag. Für isoliertes Rutin wurden in den zitierten Humanstudien 500 mg täglich über 6 bis 12 Wochen geprüft. In den Zell- und Tierversuchen Konzentrationen zwischen 0,25 und 2,0 mg/ml beziehungsweise mikromolare Mengen einzelner Extraktfraktionen
Bekannt geworden durch
Die traditionelle Verwendung der getrockneten Blütenknospen und Blüten in China, Japan und Korea zur Blutstillung, unter anderem bei anal vergrößerten Blutgefäßknoten, sowie die hohe Rutin-Konzentration, die den Extrakt zu einem wichtigen industriellen Rohstoff für die Rutin- und Quercetin-Gewinnung macht
Verträglichkeit
In den vorliegenden Studien zu isoliertem Rutin und zur Mischformel gut vertragen, keine schwerwiegenden Nebenwirkungen berichtet. Eine 2022 veröffentlichte Sicherheitsübersicht der US-Pharmakopöe fand in den darin ausgewerteten klinischen und tierexperimentellen Studien ebenfalls keine schweren Nebenwirkungen und keine Toxizität. Eine In-vitro-Studie an isolierten männlichen Keimzellen der Maus fand dagegen Hinweise auf oxidativen Zellstress und Erbgutveränderungen unter dem Extrakt, siehe Sicherheit

Was diesem Stoff zugesprochen wird

Was die Studien hergeben.

Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.

  1. 01

    Rektale Blutung, Schmerz und Schwellungsgefühl bei anal vergrößerten Blutgefäßknoten, in einer Vierkräuter-Mischformel ohne Unterschied zu Placebo

    Nicht bestätigt
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine randomisierte, doppelblinde, plazebokontrollierte Studie hat genau diese Frage geprüft und an keinem der vier Zeitpunkte einen Unterschied zu Placebo gefunden. Die Studie erreichte die von ihr selbst berechnete Gruppengröße. Geprüft wurde eine Vierkräuter-Formel, in der Schnurbaumblüte nur ein Bestandteil von vieren ist.

    Ausführlicher Nachweis

    In einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Studie erhielten 45 ausgewertete von 48 randomisierten Personen (23 gegenüber 22) mit symptomatischen, anal vergrößerten Blutgefäßknoten über 2 Wochen dreimal täglich 2 g einer traditionellen chinesischen Vierkräuter-Formel oder ein optisch identisches Placebo [1]. Die vier Kräuter waren zu gleichen Teilen im Verhältnis 1 zu 1 zu 1 zu 1 enthalten, Schnurbaumblüte (Sophorae flos) stellte damit rechnerisch ein Viertel der Tagesdosis, rund 1,5 g pro Tag [1]. Der Methodenteil des Volltextes nennt die vier Kräuter abschließend, Sophorae flos, Cacumen platycladi, Schizonepeta tenuifolia Briq. und Citrus aurantium L., im Verhältnis 1 zu 1 zu 1 zu 1 [1]. Für die Bewertung dieser Zeile bleibt entscheidend, dass drei Viertel der geprüften Zubereitung aus anderen Pflanzen bestehen. Beide Gruppen erhielten begleitend Sitzbäder und eine Beratung zu Ernährung und Stuhlgewohnheiten [1]. Nach 7 Tagen waren die Hauptsymptome bei 87,0 Prozent der Verum-Gruppe und bei 81,8 Prozent der Placebo-Gruppe verschwunden oder gebessert (p gleich 0,872) [1]. Nach 14 Tagen waren 78,2 gegenüber 59,1 Prozent vollständig beschwerdefrei, zählt man die gebesserten hinzu, 95,6 gegenüber 81,8 Prozent (p gleich 0,408) [1]. Die Zahlen 87,0 und 78,2 Prozent stammen aus verschiedenen Kategorien derselben Tabelle und sind deshalb hier getrennt ausgewiesen [1]. Auch nach 28 und 56 Tagen bestand kein statistisch bedeutsamer Unterschied zwischen den Gruppen (p gleich 0,518 beziehungsweise 0,409) [1]. Ein Effektmaß mit Konfidenzintervall für den Gruppenunterschied nennt die Arbeit an keiner Stelle, die Vergleiche beruhen auf p-Werten für kategoriale Symptom-Scores [1]. Die Teilnehmerzahlen (48 randomisiert, 45 ausgewertet, 23 gegenüber 22) und die späten Beobachtungszeitpunkte nach 28 und 56 Tagen stehen nicht im Abstract, sondern im frei zugänglichen Volltext PMC3746583, Methodenteil und Tabelle 2 [1]. Die Autoren beschreiben lediglich eine "Tendenz" zu selteneren Rückfällen und stärkerer Besserung der Blutung in der Verum-Gruppe, ausdrücklich ohne statistische Signifikanz, führen die Besserung in beiden Gruppen selbst auf die begleitenden Sitzbäder und die normalisierten Stuhlgewohnheiten zurück und schreiben, die Rezeptur habe keinen eigenständigen Effekt auf Schmerz, Juckreiz und Schwellungsgefühl gezeigt [1]. Finanziert wurde die Arbeit vom China Medical University Hospital, dem taiwanischen National Science Council und dem taiwanischen Gesundheitsministerium, die Kapseln stellte Sun Ten Pharmaceutical bereit, einen Interessenkonflikt der Autoren berichtet die Arbeit nicht [1]. Die Arbeit hatte ihre Gruppengröße selbst auf 22 Personen je Gruppe berechnet, um einen Unterschied von 20 Prozentpunkten mit 80 Prozent Wahrscheinlichkeit zu finden, und erreichte diese Größe mit 23 gegenüber 22 [1]. Die Autoren nennen ihre Arbeit dennoch vorläufig und fordern größere Studien, ein Nullbefund dieser Größe schließt einen kleineren Effekt nicht aus [1]. Geprüft wurde eine Vierkräuter-Mischformel, kein Schnurbaum-Extrakt allein.

    Quellen: 1

  2. 02

    Plasma-Antioxidanskapazität und oxidative DNA-Schädigung nach sechswöchiger Einnahme von isoliertem Rutin, ohne Unterschied zu Placebo

    Nicht bestätigt
    Einordnung und Einschränkungen

    Bei 18 gesunden Frauen nach sechs Wochen 500 mg täglich kein Unterschied zu Placebo bei Plasma-Antioxidanskapazität, oxidativer DNA-Schädigung im Urin und Lipidperoxidation im Urin, obwohl die Flavonoidspiegel im Blut belegt anstiegen. Geprüft wurde isoliertes Rutin, kein Extrakt.

    Ausführlicher Nachweis

    In einer randomisierten, einfachblinden, plazebokontrollierten Studie nahmen 18 gesunde, normalgewichtige Frauen zwischen 18 und 48 Jahren über 6 Wochen täglich 500 mg isoliertes Rutin oder eine Traubenzucker-Placebo-Menge ein [3]. Die Plasmaspiegel der Flavonoide Quercetin, Kaempferol und Isorhamnetin stiegen unter Rutin signifikant an, was die Aufnahme des Präparats bestätigt [3]. Die Gesamt-Antioxidanskapazität des Plasmas veränderte sich dagegen nicht signifikant, ebenso wenig die oxidative DNA-Schädigung, gemessen als 8-Hydroxy-2-Desoxyguanosin im Urin, oder die Lipidperoxidation, gemessen als Malondialdehyd im Urin [3]. Es traten keine nachteiligen Veränderungen bei Blutbild, Leberwerten oder sonstiger Blutchemie auf [3]. Geprüft wurde isoliertes Rutin (Quercetin-3-O-beta-Rutinosid) als Reinstoff, kein Schnurbaum-Extrakt.

    Quellen: 3

  3. 03

    Insulinausschüttung im oralen Glukosetoleranztest und Darmmikrobiom nach zwölfwöchiger Einnahme von isoliertem Rutin bei Übergewicht, ohne Unterschied zu Placebo

    Nicht bestätigt
    Einordnung und Einschränkungen

    Bei 87 Erwachsenen mit Übergewicht nach zwölf Wochen 500 mg täglich kein Unterschied zu Placebo bei der insulinausschüttenden Funktion der Bauchspeicheldrüse oder der Darmbakterien-Zusammensetzung. Geprüft wurde isoliertes Rutin, kein Extrakt.

    Ausführlicher Nachweis

    In einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Studie mit drei Studienarmen nahmen 87 Erwachsene mit Übergewicht (BMI 23 bis 35 kg/m2) und normalem oder leicht erhöhtem Nüchternblutzucker über 12 Wochen täglich entweder Placebo, 500 mg verkapseltes Rutin oder 500 mg Rutin in einem Joghurt ein [4]. Die insulinausschüttende Funktion der Bauchspeicheldrüse, gemessen als Verhältnis von C-Peptid zu Glukose im oralen Glukosetoleranztest, veränderte sich unter Rutin in keinem der beiden Darreichungsformen gegenüber Placebo [4]. Auch die Zusammensetzung der Darmbakterien (16S-rRNA-Analyse) veränderte sich nicht bedeutsam, die Firmicutes blieben in allen Gruppen dominant [4]. Der nüchterne Blutzucker korrelierte negativ mit der Häufigkeit des Buttersäure-bildenden Bakteriums Roseburia inulinivorans, unabhängig von der Gruppenzuteilung [4]. Geprüft wurde isoliertes Rutin, kein Schnurbaum-Extrakt, bei Menschen mit Übergewicht ohne Diabetes-Diagnose.

    Quellen: 4

  4. 04

    Hautelastizität und Faltenbild nach vierwöchiger äußerlicher Anwendung einer rutinhaltigen Creme, nicht mit oraler Einnahme geprüft

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    In einer Studie an 40 Personen nach äußerlicher Anwendung über vier Wochen mehr Hautelastizität und weniger Faltenbild als in der Kontrollgruppe. Getestet wurde eine Creme, keine orale Einnahme.

    Ausführlicher Nachweis

    In einer doppelblinden Studie an 40 Personen zwischen 30 und 50 Jahren wurde über 4 Wochen entweder eine rutinhaltige Creme oder eine Kontrollcreme äußerlich aufgetragen [5]. Nach 2 und 4 Wochen waren Hautdichte und Hautelastizität in der Rutin-Gruppe höher und Länge, Fläche und Anzahl der Krähenfüße sowie Fältchen unter den Augen geringer als in der Kontrollgruppe [5]. Ein Effektmaß mit Konfidenzintervall nennt das frei zugängliche Abstract nicht. Mehrere Autoren sind nach den Anschriftenangaben bei GeneCellPharm Incorporated tätig, die Arbeit stammt damit aus dem Umfeld eines Herstellers, und sie ist die einzige Humanarbeit dieses Eintrags mit einem positiven Befund [5]. Begleitende Zellversuche an menschlichen Hautfibroblasten zeigten unter Rutin eine höhere mRNA-Expression von Kollagen Typ I und eine geringere Expression des kollagenabbauenden Enzyms MMP1 sowie eine dosisabhängige Aufnahme freier Radikale [5]. Geprüft wurde eine äußerlich aufgetragene, rutinhaltige Creme, keine orale Einnahme, und nicht der Schnurbaum-Extrakt selbst, sondern das isolierte Flavonoid.

    Quellen: 5

  5. 05

    Antioxidative und entzündungshemmende Aktivität in Zell- und Hefemodellen

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    In Laborversuchen zeigte der Extrakt eine hohe antioxidative und entzündungshemmende Aktivität. Am Menschen nicht geprüft.

    Ausführlicher Nachweis

    In einer vergleichenden Laborstudie an Extrakten aus 14 chinesischen Heilpflanzen zeigte der Ethanolextrakt aus Sophora japonica von allen geprüften Pflanzen den höchsten Gehalt an Phenolen (91,33 mg Gallussäure-Äquivalent pro Gramm) und Flavonoiden (151,86 mg Quercetin-Äquivalent pro Gramm) sowie eine signifikante antioxidative Aktivität, sowohl im Hefemodell mit Saccharomyces cerevisiae als auch im DPPH-Radikalfängertest [7]. Im selben Versuchsaufbau hemmte der Extrakt zusammen mit vier weiteren Pflanzenextrakten, darunter Sophora flavescens als eigenständig geprüfte, andere Pflanzenart, die Produktion von Stickstoffmonoxid und TNF-alpha in mit Lipopolysaccharid und Interferon-gamma aktivierten RAW-264.7-Makrophagen, mit niedrigen IC50-Werten für die Gruppe dieser fünf wirksamen Extrakte insgesamt, ein Einzelwert für Sophora japonica wird nicht gesondert berichtet [7]. Eine 2024 veröffentlichte Arbeit an einem entfetteten, flavonoidreichen Blattextrakt von Styphnolobium japonicum aus Ägypten bestätigte unabhängig davon eine signifikante antioxidative und radikalfangende Aktivität sowie eine konzentrationsabhängige Zytotoxizität gegenüber einer Leberkrebs-Zelllinie (IC50 337,9 Mikrogramm pro Milliliter) und einer Lungenkrebs-Zelllinie (IC50 55,0 Mikrogramm pro Milliliter) [8]. Rutin und Quercetin waren dabei die am reichlichsten enthaltenen Flavonoide des geprüften Blattextrakts [8]. Beide Arbeiten fanden ausschließlich in Zellkultur- beziehungsweise Hefemodellen statt, keine am lebenden Tier oder am Menschen.

    Quellen: 7, 8

  6. 06

    Darmentzündung und Darmschleimhaut-Durchlässigkeit in einem chemisch ausgelösten Kolitis-Modell an Mäusen

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    In einem Kolitis-Modell an Mäusen besserte ein Blütenextrakt Entzündungswerte und Darmdurchlässigkeit, ähnlich wie isoliertes Rutin. Am Menschen nicht geprüft.

    Ausführlicher Nachweis

    In einer Tierstudie an Mäusen mit chemisch ausgelöster Darmentzündung besserten sowohl ein Sophora-japonica-Blütenextrakt als auch isoliertes Rutin die Entzündungswerte und den oxidativen Stress im Darm [9]. Die Darmpermeabilität verbesserte sich unter beiden Behandlungen, erkennbar an höheren Spiegeln der Tight-Junction-Proteine und niedrigeren Serumwerten von FITC-Dextran und Endotoxinen [9]. Beide Behandlungen inaktivierten den NF-kB-Signalweg und stellten die durch die Darmentzündung gestörte Darmflora teilweise wieder her, mit einer Zunahme potenziell probiotischer und einer Abnahme potenziell krankheitsassoziierter Bakteriengruppen [9]. Da Extrakt und isoliertes Rutin in dieser Arbeit ähnliche Effekte zeigten, lässt sich der Befund nicht dem Extrakt als Ganzem gegenüber seinem Leitstoff Rutin zuordnen. Ausschließlich ein Tiermodell, keine Humandaten.

    Quellen: 9

  7. 07

    Schutz von Hautzellen vor UVB-Schäden durch eine isolierte Polysaccharidfraktion aus den Blütenknospen, in einer Keratinozyten-Zelllinie

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine isolierte Polysaccharidfraktion schützte Hautzellen im Labor vor UVB-Schäden. Am Menschen nicht geprüft.

    Ausführlicher Nachweis

    In einer Zellkulturstudie wurde eine aus den Blütenknospen von Sophora japonica isolierte Polysaccharidfraktion (PS) an der menschlichen Keratinozyten-Zelllinie HaCaT geprüft [11]. Eine UVB-Bestrahlung mit 30 bis 120 Millijoule pro Quadratzentimeter senkte die Zellviabilität dosisabhängig, eine zweistündige Vorbehandlung mit der Polysaccharidfraktion (0,25 bis 2,0 mg/ml) dämpfte diesen Rückgang dosisabhängig, außer bei der niedrigsten Bestrahlungsdosis [11]. Die Fraktion senkte die Bildung reaktiver Sauerstoffspezies, die Aktivierung der Stresskinasen JNK und p38 sowie die Apoptoserate der bestrahlten Zellen [11]. Die Autoren fordern selbst ausdrücklich weitere Untersuchungen an einem lebenden System, um die Wirkung zu bestätigen [11]. Geprüft wurde eine isolierte Polysaccharidfraktion und keine flavonoidreiche Zubereitung, wie sie im Handel als Schnurbaum-Extrakt üblich ist, und ausschließlich in Zellkultur, keine Tier- oder Humandaten.

    Quellen: 11

  8. 08

    Zellwachstum und Apoptose in Gliom-Zelllinien nach enzymatischer Anreicherung des Extrakts mit Kaempferol

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine speziell mit Kaempferol angereicherte Extraktfraktion bremste im Labor das Wachstum von Gliom-Zelllinien. Am Menschen nicht geprüft.

    Ausführlicher Nachweis

    Dos Santos und Kollegen behandelten einen Sophora-japonica-Extrakt enzymatisch mit zwei Glykosidhydrolasen, um eine an Kaempferol angereicherte Fraktion zu gewinnen, und prüften sowohl die Ausgangs- als auch die angereicherte Fraktion (KPF-BBR und KPF-ABR) an zwei hochgradigen Gliom-Zelllinien (NG-97, U-251) [12]. Beide Fraktionen senkten die Überlebensrate der Zellen zeit- und dosisabhängig, mit einer 50-prozentigen Reduktion bei 800 beziehungsweise 600 Mikromol nach 72 Stunden in NG-97-Zellen und einem IC50 von 1800 Mikromol in U-251-Zellen, ohne relevante Zytotoxizität an nicht-tumorösen Hautfibroblasten [12]. Beide Fraktionen hemmten zusätzlich Migration, Proliferation und die Bildung von Tumorsphären und senkten die Expression mehrerer am NF-kB-Signalweg beteiligter Gene [12]. Geprüft wurde eine eigens durch Enzymbehandlung an Kaempferol angereicherte Extraktfraktion und nicht der unveränderte, im Handel übliche flavonoidreiche Extrakt, ausschließlich in Zellkultur, keine Tier- oder Humandaten.

    Quellen: 12

  9. 09

    Oxidativer Zellstress und neuronale Schutzwirkung im Fadenwurm-Modell

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    Im Fadenwurm-Modell verlängerte ein Fruchtextrakt das Überleben unter oxidativem Stress und schützte Nervenzellen. Am Menschen nicht geprüft.

    Ausführlicher Nachweis

    Thabit und Kollegen prüften einen hydroalkoholischen Fruchtextrakt von Styphnolobium japonicum am Fadenwurm Caenorhabditis elegans [13]. Unter dem Prooxidans Juglon erhöhte der Extrakt die Überlebensrate von daf-16-Mutanten, nicht jedoch von skn-1-Mutanten, und aktivierte den Transkriptionsfaktor SKN-1, das Fadenwurm-Gegenstück zum menschlichen Nrf2, während DAF-16 unbeeinflusst blieb [13]. Der Extrakt senkte die GST-4-Spiegel, die Bildung von Polyglutamin-Clustern, den Verlust sensorischer ASH-Neuronen und die durch Amyloid-beta-Ablagerungen ausgelöste Lähmung, allesamt Marker, die in diesem Organismus zur Modellierung neurodegenerativer Prozesse dienen [13]. Alle Befunde stammen aus einem wirbellosen Modellorganismus, keine Tier- oder Humandaten, und die Autoren fordern selbst eine Prüfung in weiteren lebenden Systemen [13].

    Quellen: 13

  10. 10

    Genotoxizität und oxidativer Zellstress an isolierten männlichen Keimzellen der Maus in vitro

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine In-vitro-Studie fand Hinweise auf Zellstress und Erbgutveränderungen an Keimzellen der Maus. Sicherheitsrelevanter Befund, kein Wirkungsnachweis.

    Ausführlicher Nachweis

    In einer In-vitro-Studie an zwei männlichen Keimzelllinien der Maus (GC-1 spg, GC-2 spd) untersuchten Solek und Kollegen die Wirkung eines mittels HPLC charakterisierten Sophora-japonica-Extrakts auf mitochondriale Aktivität, Zellzyklus, oxidativen Stress und Mikrokernbildung [10]. Der Extrakt löste oxidativen und nitrosativen Stress aus, der die zelleigene Abwehr gegen freie Radikale beeinträchtigte, und provozierte dadurch genotoxische Ereignisse in Form von Zellzyklusarrest und Mikrokernbildung [10]. Konkrete Konzentrationen oder eine Dosis-Wirkungs-Beziehung nennt der Abstract nicht, der Volltext lag uns nicht vor. Die Autoren fordern selbst weitere Untersuchungen zu den beteiligten Mechanismen [10]. Es handelt sich um einen In-vitro-Befund an isolierten Zellen der Maus, keine Aussage zu einer Wirkung im lebenden Organismus oder beim Menschen. Wegen dieses Laborbefunds ist bei Kinderwunsch Zurückhaltung sinnvoll, siehe Sicherheit.

    Quellen: 10

  11. 11

    Ödemumfang und Beschwerden bei venöser Stauung in den Beinen, überwiegend mit chemisch veränderten Rutin-Abkömmlingen geprüft, nicht mit dem natürlichen Rutin oder Extrakt

    Keine Studien gefunden
    Einordnung und Einschränkungen

    Die umfangreiche kontrollierte Studienlage zu Beinödemen betrifft fast ausschließlich Hydroxyethylrutoside, ein chemisch verändertes, als Arzneimittel zugelassenes Abkömmling von Rutin. Für das natürliche Rutin oder den Schnurbaum-Extrakt selbst haben wir dazu keine kontrollierte Humanstudie gefunden.

    Ausführlicher Nachweis

    Eine aktuelle Cochrane-Übersichtsarbeit zu oral oder äußerlich angewendeten Venenmitteln bei venöser Stauung in den Beinen wertet 56 randomisierte Studien mit 7690 Teilnehmenden aus, davon allein 28 Studien zu sogenannten Rutosiden, daneben unter anderem Studien zu Hidrosmin, Diosmin, Calciumdobesilat und Extrakten aus Centella asiatica sowie Traubenkernen [2]. Über alle geprüften Venenmittel gemeinsam gepoolt sank der Beinumfang am Knöchel gegenüber Placebo (mittlere Differenz minus 4,27 mm, 95-Prozent-Intervall minus 5,61 bis minus 2,93 mm, mittlere Verlässlichkeit der Evidenz nach GRADE), ohne bedeutsamen Effekt auf die Lebensqualität und mit mehr berichteten Nebenwirkungen als unter Placebo [2]. Der frei zugängliche Volltext führt in Tabelle 8 eine eigene Auswertung der Rutosid-Gruppe [2]. Dort sinkt das Ödem als Ja-Nein-Größe gegenüber Placebo, relatives Risiko 0,72 mit einem 95-Prozent-Intervall von 0,64 bis 0,81, der Knöchelumfang in Millimetern ändert sich nicht bedeutsam, und Nebenwirkungen treten häufiger auf als unter Placebo, relatives Risiko 1,22 mit einem 95-Prozent-Intervall von 1,04 bis 1,43 [2]. Wichtiger noch, der Begriff "Rutoside" bezeichnet in dieser und den meisten anderen zitierten klinischen Arbeiten überwiegend Hydroxyethylrutoside (Oxerutine), ein durch Anhängen von Hydroxyethyl-Gruppen chemisch verändertes Abkömmling des natürlichen Rutins, das als eigenständiges, verschreibungspflichtiges Arzneimittel (etwa unter dem Namen Venoruton) gilt. Der Volltext bestätigt das, die eingeschlossenen Rutosid-Studien nennen als geprüfte Substanz Troxerutin, Oxerutine, O-beta-Hydroxyethyl-Rutoside und Venoruton, unverändertes natürliches Rutin taucht in dieser Aufstellung nicht auf [2]. Eine gezielte Suche nach kontrollierten Humanstudien zum unveränderten, natürlichen Rutin oder zum Schnurbaum-Extrakt selbst bei Beinödemen oder venöser Stauung ergab keinen Treffer.

    Quellen: 2

  12. 12

    Herz-Kreislauf-Schutz, Blutdruck und Blutfette beim Menschen

    Keine Studien gefunden
    Einordnung und Einschränkungen

    Wir haben gezielt gesucht und keine Studie gefunden, die den Ganzextrakt bei Blutdruck, Blutfetten oder Gefäßfunktion am Menschen geprüft hat.

    Ausführlicher Nachweis

    Der traditionelle Rückgriff auf Sophora japonica bei Gefäßverkalkung, hohem Blutdruck und Schwindel ist in einer 2016 veröffentlichten Übersichtsarbeit zu den lokalen und traditionellen Anwendungen der Pflanze belegt, die getrocknete Blütenknospen und Früchte unter anderem dafür als traditionell verwendet nennt [14]. Eine kontrollierte Humanstudie zu Blutdruck, Blutfetten oder Gefäßfunktion mit dem Ganzextrakt selbst haben wir dazu nicht gefunden. Eine gezielte Suche mit den PubMed-Suchbegriffen "sophora japonica" "blood pressure" ergab 0 Treffer, mit "sophora japonica" "cardiovascular" 2 Treffer, und mit "sophora japonica" "lipid cholesterol" 0 Treffer. Die beiden Treffer der zweiten Suche sind Übersichtsarbeiten zu den isolierten Stoffen Quercetin und Kaempferol, keiner davon prüft den Ganzextrakt oder ist ihm zurechenbar. Die eigenständige Studienlage von Quercetin steht in einem gesonderten Kompendium-Eintrag zu Quercetin und wird hier nicht wiederholt, weil sie den Ganzextrakt nicht betrifft.

    Quellen: 14

  13. 13

    Histaminfreisetzung aus Immunzellen, Reaktion auf Pollen und andere Auslöser sowie Immunfunktion beim Menschen

    Keine Studien gefunden
    Einordnung und Einschränkungen

    Wir haben gezielt gesucht und weder zu Rutin noch zum Ganzextrakt eine placebokontrollierte Humanstudie zu Histaminfreisetzung, Pollenreaktion oder Immunfunktion gefunden.

    Ausführlicher Nachweis

    Eine gezielte Suche nach kontrollierten Humanstudien zu Rutin, Sophora japonica oder Styphnolobium japonicum in Verbindung mit der Reaktion des Immunsystems auf Pollen oder anderen Auslösern sowie mit Histaminfreisetzung ergab keinen einzigen Treffer. Für den Ganzextrakt wurde zusätzlich mit den PubMed-Suchbegriffen "sophora japonica" "allergy histamine" gesucht, 0 Treffer, und mit "sophora japonica" "immune function", ebenfalls 0 Treffer. Die verbreitete Zuschreibung einer antihistaminischen Wirkung stützt sich, soweit für uns nachvollziehbar, auf Labor- und Tierversuche zum verwandten Flavonoid Quercetin, nicht auf Humanstudien zu Rutin oder zum Schnurbaum-Extrakt. Eine tierexperimentelle Arbeit zu einer überschießenden Reaktion der Atemwege bei Mäusen liegt vor, sie prüft jedoch das isolierte Sophoricosid und nicht den Ganzextrakt und ist damit für diese Zeile nicht zurechenbar. Jenseits der oben beschriebenen entzündungshemmenden Zellversuche liegt uns zur Immunfunktion des Ganzextrakts selbst keine eigene Untersuchung vor.

  14. 14

    Leberschutz beim Menschen

    Keine Studien gefunden
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine 2025 veröffentlichte Übersichtsarbeit fasst Wirkmechanismen von Rutin auf die Leber zusammen, nennt aber im frei zugänglichen Abstract keine placebokontrollierte Humanstudie. Eine eigene Sicherheitsmessung fand keine nachteilige Veränderung der Leberwerte.

    Ausführlicher Nachweis

    Eine 2025 veröffentlichte Übersichtsarbeit zu Rutin und Leberschutz beschreibt anhand von Labor- und Mechanismenstudien mögliche entzündungshemmende und leberzellschützende Wirkwege, ohne im frei zugänglichen Abstract eine placebokontrollierte Humanstudie zu einem klinischen Leber-Endpunkt zu nennen [6]. In der oben zitierten sechswöchigen Rutin-Studie an 18 gesunden Frauen zeigten sich unter 500 mg Rutin täglich keine nachteiligen Veränderungen der Leberfunktionswerte gegenüber Placebo, das ist jedoch eine Sicherheitsmessung ohne krankhaft erhöhte Ausgangswerte, keine Wirksamkeitsstudie zum Leberschutz [3]. Eine gezielte Suche nach einer placebokontrollierten Humanstudie zu Rutin oder Schnurbaum-Extrakt bei erhöhten Leberwerten ergab keinen Treffer.

    Quellen: 6, 3

Studien im Detail

Die einzige kontrollierte Humanstudie zum Extrakt selbst

Man und Kollegen prüften 2013 in einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Studie an 45 ausgewerteten von 48 randomisierten Personen mit anal vergrößerten Blutgefäßknoten eine traditionelle chinesische Vierkräuter-Formel, in der Schnurbaumblüte (Sophorae flos) einer von vier zu gleichen Teilen enthaltenen Bestandteilen ist, neben Zypressenzweigen (Cacumen platycladi), Citrus aurantium und Schizonepeta tenuifolia. Über 2 Wochen nahmen die Teilnehmenden dreimal täglich 2 g der Rezeptur oder ein Placebo ein, begleitet von Sitzbädern und einer Beratung zu Ernährung und Stuhlgewohnheiten in beiden Gruppen.

Zu keinem der vier Beobachtungszeitpunkte bestand ein statistisch bedeutsamer Unterschied zur Placebogruppe, weder bei der Symptombesserung nach 7 und 14 Tagen noch beim Rückfall nach 28 und 56 Tagen. Die Autoren führen die deutliche Besserung in beiden Gruppen selbst auf die Sitzbäder und die normalisierten Stuhlgewohnheiten zurück und schreiben ausdrücklich, die Rezeptur habe keinen eigenständigen Effekt auf Schmerz, Juckreiz und Schwellungsgefühl gezeigt. Sie bezeichnen ihre Ergebnisse als vorläufig und fordern größere Studien mit unterschiedlichen Dosierungen.

Einordnung. Das ist die einzige uns vorliegende placebokontrollierte Humanstudie, die den Extrakt überhaupt einschließt, und sie prüft ihn nicht als Einzelstoff. Für die geprüfte Mischformel ist die erwartete Wirkung damit sauber untersucht und nicht gefunden, deshalb trägt die Zeile die Stufe nicht bestätigt. Ein Beleg für den Ganzextrakt allein lässt sich daraus weder für noch gegen eine Wirkung ableiten.

Die Verwechslungsfalle bei Venenmitteln

Ein großer Teil der zu "Rutosiden" veröffentlichten klinischen Literatur, etwa 28 von 56 Studien in einer aktuellen Cochrane-Übersicht zu Venenmitteln, betrifft nicht das natürliche Rutin, sondern Hydroxyethylrutoside (Oxerutine). Das sind halbsynthetische, chemisch durch Anhängen von Hydroxyethyl-Gruppen veränderte Abkömmlinge des Rutin-Moleküls, die unter Namen wie Venoruton als eigenständiges Arzneimittel zugelassen sind. Diese Befunde eins zu eins auf das natürliche Rutin im Schnurbaum-Extrakt zu übertragen, würde eine andere Zubereitung mit dem Extrakt gleichsetzen. Für das natürliche, unveränderte Rutin oder den Schnurbaum-Extrakt selbst fanden wir zu Beinödemen keine kontrollierte Humanstudie.

Isoliertes Rutin in sauberen, aber negativen Studien

Zwei methodisch saubere, plazebokontrollierte Humanstudien zu isoliertem Rutin (500 mg täglich) fanden bei ihren primären Zielgrößen keinen Unterschied zu Placebo. Bei 18 gesunden Frauen veränderte sich in der Studie von Boyle und Kollegen nach sechs Wochen weder die Plasma-Antioxidanskapazität noch ein Marker oxidativer DNA-Schädigung. Bei 87 Erwachsenen mit Übergewicht veränderte sich in der Studie von Mathrani und Kollegen nach zwölf Wochen weder die insulinausschüttende Funktion der Bauchspeicheldrüse noch die Zusammensetzung der Darmbakterien. Beide Studien prüften den isolierten Reinstoff, keinen Extrakt.

Haut, äußerlich angewendet

Eine doppelblinde Anwendungsstudie von Choi und Kollegen an 40 Personen fand nach vierwöchiger äußerlicher Anwendung einer rutinhaltigen Creme mehr Hautelastizität und weniger sichtbare Fältchen als unter einer Kontrollcreme, begleitet von Zellbefunden zu einer höheren Kollagen-Genexpression. Geprüft wurde eine Creme, keine orale Einnahme.

Abgrenzung, natürliches Rutin, chemisch veränderte Abkömmlinge und verwandte Pflanzen

Der Name "Rutosid" wird in der Literatur uneinheitlich verwendet. Häufig bezeichnet er nicht das natürliche Flavonoid-Glykosid Rutin, wie es im Japanischen Schnurbaum vorkommt, sondern halbsynthetische Hydroxyethylrutoside (Oxerutine), die durch eine chemische Veränderung des Rutin-Moleküls entstehen und als eigenständiges Arzneimittel zugelassen sind. Die umfangreiche kontrollierte Studienlage zu Venenmitteln beruht überwiegend auf dieser veränderten Form.

Auch jenseits der Venenmittel prüft der weitaus größte Teil der veröffentlichten Literatur zu dieser Pflanze nicht den Ganzextrakt, sondern die daraus gewonnenen Reinstoffe Rutin und Quercetin. Der Japanische Schnurbaum ist in der Praxis vor allem eine industrielle Gewinnungsquelle für diese beiden Flavonoide. Eine Studie zu isoliertem Rutin oder Quercetin trägt keine Aussage für den Ganzextrakt, weil sich Aufnahme ins Blut, geprüfte Dosis und Zusammensetzung zwischen einem komplexen Vielstoffgemisch und einem gereinigten Einzelstoff grundlegend unterscheiden. Die eigenständige Studienlage von Quercetin steht im gesonderten Kompendium-Eintrag zu Quercetin und wird hier nicht wiederholt. Für Rutin allein führt dieses Kompendium derzeit keinen eigenen Eintrag.

Eine zweite, in der Literatur wiederkehrende Verwechslung betrifft die Pflanzenart. Sophora flavescens (chinesisch Kushen) ist eine eigenständige, vom Japanischen Schnurbaum verschiedene Pflanzenart, deren Wurzel die Alkaloide Matrin und Oxymatrin enthält. Arbeiten zu Oxymatrin, etwa zu Herzmuskel- oder Lungengewebe bei Ratten, betreffen Sophora flavescens und sind für Sophora japonica nicht zurechenbar. Eine der oben zitierten Laborstudien führte Sophora japonica und Sophora flavescens ausdrücklich als zwei getrennt geprüfte Pflanzenextrakte [7], ein Beleg dafür, dass beide Arten auch in der Forschung eigenständig behandelt werden.

Styphnolobium japonicum ist dagegen keine andere Pflanze, sondern der heute botanisch gültige Name derselben Art, nachdem die Gattung Sophora taxonomisch neu geordnet wurde. Ältere Arbeiten unter dem Namen Sophora japonica und neuere unter Styphnolobium japonicum betreffen dieselbe Pflanze und werden in diesem Eintrag gemeinsam ausgewertet.

Tier- und Laborstudien

Zur antioxidativen und entzündungshemmenden Aktivität liegen zwei Laborarbeiten vor. Zhang und Kollegen verglichen 2011 Wasser- und Ethanolextrakte aus 14 chinesischen Heilpflanzen. Der Ethanolextrakt aus Sophora japonica trug von allen 14 Pflanzen den höchsten Gehalt an Phenolen und Flavonoiden und zeigte eine signifikante antioxidative Aktivität sowohl im Hefemodell als auch im chemischen Radikalfängertest. Im selben Versuch hemmte er, zusammen mit vier weiteren Pflanzenextrakten, die Freisetzung entzündungsfördernder Botenstoffe aus aktivierten Makrophagen. El-Feky und Mohammed bestätigten 2024 an einem entfetteten, flavonoidreichen Blattextrakt aus Ägypten unabhängig davon eine deutliche antioxidative Aktivität sowie eine konzentrationsabhängige Zytotoxizität gegenüber zwei Zelllinien. Rutin und Quercetin waren die am reichlichsten enthaltenen Flavonoide dieses Extrakts, ein Hinweis darauf, wie eng auch ein Extrakt-Befund an die beiden Leitstoffe gebunden bleibt. Beide Arbeiten fanden ausschließlich im Labor statt.

Zur Darmgesundheit liegt eine Tierstudie an Mäusen mit chemisch ausgelöster Darmentzündung vor. Ein Blütenextrakt besserte darin Entzündungswerte, oxidativen Stress und die Durchlässigkeit der Darmschleimhaut, in einem Ausmaß, das sich von dem des isolierten Rutins nicht unterschied. Auch die teilweise Wiederherstellung einer durch die Entzündung gestörten Darmflora war unter Extrakt und Rutin vergleichbar. Weil beide Behandlungen ähnliche Effekte zeigten, lässt sich der Befund seinem Leitstoff Rutin und nicht dem Extrakt als eigenständiger Zubereitung zuschreiben.

Zur Hautgesundheit liegt neben der oben genannten Creme-Studie am Menschen eine Zellkulturstudie an einer isolierten Polysaccharidfraktion aus den Blütenknospen vor. Die Fraktion schützte menschliche Keratinozyten in Kultur dosisabhängig vor den Folgen einer UVB-Bestrahlung, erkennbar an weniger Zelltod, weniger oxidativem Stress und einer geringeren Aktivierung von Stresssignalwegen. Die Autoren selbst betonen, dass eine Bestätigung an einem lebenden System noch aussteht.

Zum Zellwachstum in Hirntumor-Modellen liegt eine Laborstudie vor, in der ein Extrakt eigens enzymatisch mit Kaempferol angereichert wurde. Die angereicherte wie auch die unbehandelte Ausgangsfraktion bremsten das Wachstum zweier Gliom-Zelllinien und förderten deren Absterben, ohne gesunde Hautzellen in Kultur relevant zu schädigen. Geprüft wurde eine eigens veränderte, kaempferolreiche Fraktion und nicht der im Handel übliche Extrakt.

Zum oxidativen Zellschutz liegt eine Studie am Fadenwurm Caenorhabditis elegans vor. Ein Fruchtextrakt verlängerte darin das Überleben unter chemisch ausgelöstem oxidativem Stress und dämpfte mehrere zelluläre Alterungs- und Aggregationsprozesse, über die Aktivierung eines Stressschutzweges. Alle Befunde stammen aus einem wirbellosen Modellorganismus.

Zu den in der Werbung verbreiteten Zuschreibungen einer antihistaminischen und leberschützenden Wirkung liegen uns überwiegend Labor- und Mechanismenarbeiten vor, keine placebokontrollierten Humanstudien zum natürlichen Rutin oder zum Schnurbaum-Extrakt, siehe die jeweiligen Zeilen oben.

Sicherheit und Wechselwirkungen

In den vorliegenden Humanstudien zu isoliertem Rutin (500 mg täglich über 6 bis 12 Wochen) war die Einnahme gut verträglich, es traten keine schwerwiegenden Nebenwirkungen und keine nachteiligen Veränderungen von Blutbild oder Leberwerten auf. In der Vierkräuter-Mischformel über 2 Wochen traten keine auffälligen Veränderungen bei Blutbild-, Nieren- oder Gerinnungswerten auf, ein Studienteilnehmer je Gruppe berichtete Müdigkeit beziehungsweise Schwindel nach der Einnahme, beides klang rasch wieder ab [1]. Wegen der geprüften Kombination ist dieser Verträglichkeitsbefund nicht eindeutig dem Schnurbaum-Anteil zuzuordnen.

Eine 2022 veröffentlichte, umfassende Sicherheitsübersicht der US-Pharmakopöe wertete die verfügbaren klinischen und tierexperimentellen Studien zu Blüte und Blütenknospe von Styphnolobium japonicum aus und fand darin keine schwerwiegenden Nebenwirkungen und keine Toxizität [15]. Für Rutin und Quercetin nennt dieselbe Übersicht ein mögliches Wechselwirkungspotenzial mit Medikamenten, für die Blüte oder Blütenknospe selbst wurde keine belegte Wechselwirkung identifiziert [15]. Bei sachgemäßer Verwendung als Nahrungsergänzung sei die Pflanze nicht mit ernsthaften Gesundheitsrisiken verbunden, so ihre Einschätzung [15]. Zu Schwangerschaft und Stillzeit lagen der Übersicht keine Daten vor, sie empfiehlt dafür ausdrücklich ärztlichen Rat vor der Einnahme [15].

Dem gegenüber steht eine In-vitro-Studie an isolierten männlichen Keimzellen der Maus, die Hinweise auf oxidativen Zellstress und genotoxische Ereignisse unter dem Extrakt fand, Zellzyklusarrest und Mikrokernbildung, siehe die entsprechende Wirkungszeile oben [10]. Dieser Befund stammt ausschließlich aus der Zellkultur, eine Übertragbarkeit auf den lebenden Organismus oder den Menschen ist damit nicht gezeigt. Bei bestehendem Kinderwunsch ist wegen dieses Laborbefunds dennoch Zurückhaltung sinnvoll.

Da der Japanische Schnurbaum traditionell zur Blutstillung eingesetzt wird, ist bei gleichzeitiger Einnahme gerinnungshemmender oder blutverdünnender Medikamente ärztliche Rücksprache sinnvoll. Zu einer solchen Wechselwirkung liegt uns für den Ganzextrakt selbst keine eigene geprüfte Humanstudie vor.

Zu Schwangerschaft und Stillzeit liegt uns keine eigene geprüfte Quelle vor, eine ärztliche Rücksprache vor der Einnahme ist in diesem Fall grundsätzlich sinnvoll.

Quellen zum Nachlesen

  1. 01

    RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, Vierkräuter-Mischformel, n gleich 45 ausgewertet (23 vs 22) von 48 randomisiert, 2 Wochen · 2013

    A randomized, double-blind, placebo-controlled trial of a Chinese herbal Sophora flower formula in patients with symptomatic haemorrhoids, a preliminary study.

    Man KM, Chen WC, Wang HM, Chen HY, Shen JL, Chen LD, Tsai FJ, Chen YH, Yu DX, Chiang FF. Afr J Tradit Complement Altern Med

    Zur Zuschreibung: 01

  2. 02

    Cochrane-Übersichtsarbeit und Meta-Analyse, 56 auswertbare RCT, n gleich 7690, mehrere Substanzklassen gemeinsam gepoolt · 2020

    Phlebotonics for venous insufficiency.

    Martinez-Zapata MJ, Vernooij RW, Simancas-Racines D, Uriona Tuma SM, Stein AT, Moreno Carriles RMM, Vargas E, Bonfill Cosp X. Cochrane Database Syst Rev

    Zur Zuschreibung: 11

  3. 03

    RCT, einfachblind, plazebokontrolliert, n gleich 18, 6 Wochen, 500 mg täglich · 2000

    Bioavailability and efficiency of rutin as an antioxidant, a human supplementation study.

    Boyle SP, Dobson VL, Duthie SJ, Hinselwood DC, Kyle JA, Collins AR. Eur J Clin Nutr

    Zur Zuschreibung: 02, 14

  4. 04

    RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, 3 Arme, n gleich 87, 12 Wochen, 500 mg täglich · 2023

    Effect of a 12-Week Polyphenol Rutin Intervention on Markers of Pancreatic beta-Cell Function and Gut Microbiota in Adults with Overweight without Diabetes.

    Mathrani A, Yip W, Sequeira-Bisson IR, Barnett D, Stevenson O, Taylor MW, Poppitt SD. Nutrients

    Zur Zuschreibung: 03

  5. 05

    Zellversuch an Hautfibroblasten und doppelblinde Anwendungsstudie, äußerliche Creme, n gleich 40, 4 Wochen · 2016

    Biological effects of rutin on skin aging.

    Choi SJ, Lee SN, Kim K, Joo da H, Shin S, Lee J, Lee HK, Kim J, Kwon SB, Kim MJ, Ahn KJ, An IS, An S, Cha HJ. Int J Mol Med

    Zur Zuschreibung: 04

  6. 06

    Narrative Übersichtsarbeit zu Wirkmechanismen · 2025

    Rutin-Associated Hepatoprotection, A Review of Mechanisms and Therapeutic Prospects.

    Feng Y, Peng L, Liu X, Zheng Q, Qian M, Deng M, Peng J, Li Y, Lin L, Peng Q. Basic Clin Pharmacol Toxicol

    Zur Zuschreibung: 14

  7. 07

    Laborstudie, vergleichende Prüfung von Extrakten aus 14 chinesischen Heilpflanzen, Zell- und Hefemodelle · 2011

    Antioxidant and anti-inflammatory activities of selected medicinal plants containing phenolic and flavonoid compounds

    Zhang L, Ravipati AS, Koyyalamudi SR, Jeong SC, Reddy N, Smith PT, Bartlett J, Shanmugam K, Münch G, Wu MJ. J Agric Food Chem

    Zur Zuschreibung: 05

  8. 08

    Laborstudie, entfetteter Blattextrakt, Antioxidations- und Zytotoxizitätstests · 2024

    Potential antioxidant and cytotoxic impacts of defatted extract rich in flavonoids from Styphnolobium japonicum leaves growing in Egypt

    El-Feky AM, Mohammed NA. Sci Rep

    Zur Zuschreibung: 05

  9. 09

    Tierstudie, chemisch ausgelöste Kolitis an Mäusen, Vergleich Blütenextrakt gegenüber isoliertem Rutin · 2022

    Sophora japonica flowers and their main phytochemical, rutin, regulate chemically induced murine colitis in association with targeting the NF-κB signaling pathway and gut microbiota

    Liu Y, Huang W, Ji S, Wang J, Luo J, Lu B. Food Chem

    Zur Zuschreibung: 06

  10. 10

    Laborstudie, männliche Keimzelllinien der Maus (GC-1 spg, GC-2 spd), in vitro · 2018

    Male reprotoxicity associated with Sophora japonica treatment, Evaluation of cellular and molecular events in vitro

    Solek P, Shemedyuk N, Gorka A, Bilska-Kos A, Shemedyuk A, Koziorowski M. J Physiol Pharmacol

    Zur Zuschreibung: 10

  11. 11

    Laborstudie, isolierte Polysaccharidfraktion, humane Keratinozyten-Zelllinie HaCaT · 2019

    Protective effect of polysaccharide from Sophora japonica L. flower buds against UVB radiation in a human keratinocyte cell line (HaCaT cells)

    Li L, Huang T, Lan C, Ding H, Yan C, Dou Y. J Photochem Photobiol B

    Zur Zuschreibung: 07

  12. 12

    Laborstudie, enzymatisch an Kaempferol angereicherte Extraktfraktion, Gliom-Zelllinien NG-97 und U-251 · 2023

    Kaempferol and Biomodified Kaempferol from Sophora japonica Extract as Potential Sources of Anti-Cancer Polyphenolics against High Grade Glioma Cell Lines

    Dos Santos JS, Suzan AJ, Bonafé GA, Fernandes AMAP, Longato GB, Antônio MA, Carvalho PO, Ortega MM. Int J Mol Sci

    Zur Zuschreibung: 08

  13. 13

    Laborstudie, Fruchtextrakt, Fadenwurm-Modell Caenorhabditis elegans · 2023

    A fruit extract of Styphnolobium japonicum (L.) counteracts oxidative stress and mediates neuroprotection in Caenorhabditis elegans

    Thabit S, Handoussa H, ElSayed NS, Breitinger HG, Breitinger U, Wink M. BMC Complement Med Ther

    Zur Zuschreibung: 09

  14. 14

    Übersichtsarbeit, traditionelle Anwendungen, Phytochemie und Pharmakologie · 2016

    Local and traditional uses, phytochemistry, and pharmacology of Sophora japonica L., A review

    He X, Bai Y, Zhao Z, Wang X, Fang J, Huang L, Zeng M, Zhang Q, Zhang Y, Zheng X. J Ethnopharmacol

    Zur Zuschreibung: 12

  15. 15

    Übersichtsarbeit, Sicherheitsbewertung klinischer und tierexperimenteller Studien · 2022

    United States Pharmacopeia comprehensive safety review of Styphnolobium japonicum flower and flower bud

    Madden E, McLachlan C, Oketch-Rabah H, Calderón AI. Phytother Res

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