Kakao-Extrakt mit hohem Alkaloid-Gehalt

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Pflanzenextrakte

Theobroma cacao · Alkaloid-standardisierter Kakao-Extrakt · Theobromin-Extrakt

H.P.N · Datenstand 2026-08-20 · 8 Zuschreibungen im Überblick

Auf einen Blick

Was es ist
Ein Extrakt aus der Kakaobohne (Samen von Theobroma cacao), der nicht auf Polyphenole beziehungsweise Flavanole standardisiert ist, sondern auf seinen Alkaloidgehalt, vor allem Theobromin, daneben Koffein. Das ist eine andere Standardisierung als der in der Forschung weit besser untersuchte, auf Flavanole standardisierte Kakao-Extrakt. Ein auf Alkaloide standardisierter Extrakt deklariert dadurch nicht automatisch seinen Flavanolgehalt, dieser bleibt ohne gesonderte Analyse unbekannt, er ist weder belegt hoch noch belegt niedrig. Ebenso wenig ist der Koffeinanteil gesondert ausgewiesen, bei einem der beiden Produkte ist nur der Alkaloidgehalt insgesamt deklariert, die Koffeinmenge je Tagesportion bleibt damit offen, obwohl gerade sie nach den direkten Studien den Wachheitsanteil trägt
Herkunft
Ursprünglich Mittelamerika, heute überwiegend in Westafrika, Südostasien und Südamerika angebaut. Die Bohnen werden fermentiert, getrocknet, geröstet und zu Extrakt weiterverarbeitet, wobei Fermentation und Verarbeitung Alkaloid- und Polyphenolgehalt unterschiedlich stark verändern können
Wirkform in Studien
Uneinheitlich und zu einem großen Teil nicht deckungsgleich mit diesem Extrakt. Die weitaus meisten Humanstudien zu Kakao prüfen auf Flavanole standardisierte Extrakte, Kakaogetränke oder dunkle Schokolade (meist 30 bis 1200 mg Flavanole pro Tag), nicht die Alkaloidfraktion. Nur eine kleine Zahl von Arbeiten prüft isoliertes Theobromin oder eine Koffein-Theobromin-Kombination direkt, wie sie diesem Extrakt entspricht
Übliche Studiendosis
Für die Flavanolstudien 200 bis 1200 mg Flavanole pro Tag. Für die wenigen direkten Alkaloidstudien 250 mg Theobromin plus 19 mg Koffein als Akutdosis beziehungsweise 450 bis 979 mg Theobromin pro Tag über 3 bis 12 Wochen
Verträglichkeit
Siehe Abschnitt Sicherheit und Wechselwirkungen. Für Kakaoextrakt mit einem hohen Anteil an Flavanolen besteht eine nach EU-Verordnung 1924/2006 zugelassene gesundheitsbezogene Angabe, die für Kapseln oder Tabletten an eine tägliche Mindestaufnahme von 200 mg Kakaoflavanolen mit einem Polymerisationsgrad von 1 bis 10 gebunden ist. Für den hier beschriebenen, auf Alkaloide standardisierten Extrakt gilt diese Angabe nicht. Mehrere kontrollierte Studien zu reinem, isoliertem Theobromin (450 bis 500 mg pro Tag) fanden dabei selbst in dieser Dosierung keine schwerwiegenden Nebenwirkungen. Getrennt davon, und nicht an isoliertem Theobromin, sondern an mit Theobromin angereichertem, weiterhin flavanolreichem Kakao geprüft, fand eine Studie mit sehr hoher Dosis (979 mg Theobromin pro Tag) einen Anstieg des 24-Stunden-ambulanten systolischen Blutdrucks um 3,2 mmHg gegenüber Placebo (p kleiner 0,01), siehe die Wirkungszeile Blutdruck

Was diesem Stoff zugesprochen wird

Was die Studien hergeben.

Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.

  1. 01

    Wachheit und gefühlte Energie (energetic arousal), für die Kombination aus Koffein und Theobromin gezeigt, in zwei unabhängigen Studien aber an den Koffeinanteil gebunden und für Theobromin allein nicht gefunden

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine britische Doppelblindstudie prüfte in zwei Teilen gezielt, ob die psychoaktive Wirkung von Kakao an die Methylxanthine gebunden ist. In Teilstudie 1 (n gleich 20) verglich sie Kakaopulver (11,6 g) und eine isolierte Koffein-Theobromin-Kombination (19 mg Koffein plus 250 mg Theobromin) gegen Placebo, in Teilstudie 2 (n gleich 22) Milch- und Zartbitterschokolade unterschiedlichen Methylxanthingehalts gegen weiße Schokolade. Kakaopulver und die isolierte Koffein-Theobromin-Kombination verbesserten identisch das Stimmungsmaß energetische Wachheit sowie die kognitive Testleistung gegenüber Placebo, weiße Schokolade (praktisch ohne Methylxanthine) unterschied sich nicht von Wasser. Die Autoren folgern, die psychoaktive Wirkung von Kakao sei an die Methylxanthin-Fraktion gebunden, nicht an andere Bestandteile [1]. Das ist die einzige bei dieser Recherche gefundene Humanstudie, die eine isolierte Koffein-Theobromin-Kombination direkt gegen Kakaopulver und Placebo testet, und prüft damit tatsächlich die Alkaloidfraktion, wie sie diesem Extrakt entspricht, statt eines auf Flavanole standardisierten Präparats. Mit zwei kleinen Teilstichproben aus einer einzigen Arbeitsgruppe ist die Befundlage dünn, und die Nachschau zu dieser Prüfung fand zwei unabhängige Humanstudien, die den Befund nicht bestätigen, sondern die Wirkung dem Koffein zuordnen. Mitchell und Kollegen 2011 (Physiol Behav, [27], n gleich 24, Erstautorin laut PubMed-Affiliation bei Unilever angestellt) gaben Theobromin (700 mg), Koffein (120 mg), beides zusammen oder Placebo. Koffein steigerte die selbstberichtete Wachheit über 3 Stunden gegenüber Placebo, Theobromin allein tat das nicht, sondern senkte die selbstberichtete Ruhe, und die Kombination wirkte auf die Stimmung wie Koffein allein. Baggott und Kollegen 2013 (Psychopharmacology, [28], n gleich 80, Universität Chicago, öffentlich gefördert) prüften Theobromin in 250, 500 und 1000 mg gegen Placebo mit Koffein (200 mg) als aktiver Kontrolle. Koffein zeigte die erwarteten Wirkungen auf Wachheit und Kreislauf, Theobromin bei 250 mg nur begrenzte subjektive Wirkungen und bei den höheren Dosen negative Stimmungswirkungen. Die Alkaloidfraktion als Ganzes wirkt danach auf die Wachheit, der Beitrag stammt nach beiden Arbeiten aber aus dem Koffein und nicht aus dem Theobromin. Für diesen Eintrag ist das doppelt bedeutsam, weil der Koffeinanteil des Extrakts nicht gesondert ausgewiesen ist, sondern bei einem der beiden Produkte nur der Alkaloidgehalt insgesamt, so dass sich die Koffeinmenge je Tagesportion und damit der zu erwartende Anteil an dieser Wirkung nicht beziffern lässt. Die in [1] getestete Akutdosis (250 mg Theobromin plus 19 mg Koffein) entspricht, anhand der oben im Steckbrief genannten Spanne gerechnet, rund 31 bis 50 Gramm dunkler Schokolade (bei 500 bis 800 mg Theobromin je 100 Gramm, je nach Kakaoanteil). Ob eine deutlich kleinere Alkaloidmenge denselben Effekt zeigt, wurde in keiner gefundenen Studie geprüft.

    Quellen: 1

  2. 02

    Kognitive Funktion und Konzentration

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Für die kognitive Leistungsfähigkeit bestehen zwei Studienstränge, die häufig vermischt werden. Der größere Strang prüft auf Flavanole standardisierte Kakaoprodukte, nicht diesen Extrakt: In der CoCoA-Studienreihe derselben italienischen Arbeitsgruppe verbesserte eine 8-wöchige Einnahme eines Kakaogetränks mit 993 mg Flavanolen gegenüber 48 mg bei kognitiv unauffälligen älteren Teilnehmenden (n gleich 90) signifikant die Bearbeitungszeit im Trail Making Test A und B (minus 8,6 beziehungsweise minus 16,5 Sekunden gegenüber minus 0,8 beziehungsweise minus 1,1 Sekunden, p kleiner 0,0001) sowie den Wortflüssigkeitstest [3], ein Vorläuferversuch am selben Institut mit vergleichbarem Design bei älteren Teilnehmenden mit leichter kognitiver Beeinträchtigung (990 gegenüber 45 mg Flavanole, n gleich 90) fand dieselbe Richtung [4]. Beide Studien stammen aus derselben Arbeitsgruppe mit vergleichbarem Aufbau und teilen sich damit keine unabhängige zweite Quelle, Mitautorin Kwik-Uribe C ist in beiden Arbeiten laut Affiliation bei Mars, Inc. angestellt, dem Hersteller des dort geprüften Kakaogetränks. Der kleinere Strang prüft die Alkaloidfraktion direkt: In der oben beschriebenen britischen Studie verbesserte eine isolierte Koffein-Theobromin-Kombination (19 mg plus 250 mg) die kognitive Testleistung ebenso wie Kakaopulver gegenüber Placebo (n gleich 20 und 22) [1]. Eine systematische Übersicht über Schokolade, Kognition und Stimmung fand insgesamt 8 Studien zur Kognition, von denen 3 eine klare Verbesserung zeigten, laut Abstract 'following cocoa flavanols and methylxanthine', ohne im Abstract nach Wirkstoffgruppe zu trennen [2]. Für den hier beschriebenen, auf Alkaloide standardisierten Extrakt liegt damit eine einzelne kleine direkte Studie vor [1], während der größere und robustere Studienkörper eine andere Standardisierung (Flavanole) prüft und nicht ohne Weiteres übertragbar ist. Eine bei dieser Prüfung nachgeschlagene unabhängige Arbeit prüfte die Alkaloide einzeln an einem kognitiven Test und fand nichts, bei Mitchell und Kollegen 2011 (Physiol Behav, [27], n gleich 24) veränderten Theobromin (700 mg), Koffein (120 mg) und die Kombination die Leistung im Digit Symbol Substitution Test gegenüber Placebo nicht.

    Quellen: 1, 2, 3, 4

  3. 03

    Stimmung und Stressempfinden, unter anderem über das Alkaloid Phenylethylamin (PEA)

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Die verbreitete Zuschreibung, Kakao hebe die Stimmung über das Alkaloid Phenylethylamin (PEA), ließ sich bei dieser Recherche nicht durch eine Humanstudie stützen, die PEA aus Kakao isoliert und dessen Wirkung auf Stimmung misst, eine solche Arbeit wurde nicht gefunden. Pharmakologisch ist das plausibel: Laut einer Übersichtsarbeit zur Monoaminoxidase (MAO) wird PEA fast ausschließlich über das Enzym MAO-B abgebaut, dessen bevorzugtes Substrat PEA neben Dopamin und weiteren Spurenaminen ist, oral aufgenommenes PEA unterliegt damit einem raschen First-Pass-Abbau, bevor es das Gehirn in relevanter Menge erreichen könnte [6]. Für Kakao und Schokolade insgesamt, nicht für PEA isoliert, bestehen dagegen Humanstudien zur Stimmung: Eine systematische Übersicht fand bei 8 Studien zur Stimmung in 5 eine Verbesserung oder Abschwächung negativer Stimmung, konnte aber laut Abstract nicht klären, ob dies an pharmakologisch wirksamen Bestandteilen oder am sensorischen Erlebnis des Essens liegt [2]. Eine randomisierte Studie an gesunden Erwachsenen (n gleich 48) fand nach 3 Wochen täglichem Verzehr von 30 g Schokolade mit 85 Prozent Kakaoanteil eine statistisch gesicherte Verringerung negativer Gefühlszustände gegenüber einer kakaofreien Kontrollgruppe, nicht jedoch bei 70-prozentiger Schokolade, die Autoren führen den Unterschied auf Veränderungen der Darmflora zurück, nicht auf einen bestimmten Kakao-Wirkstoff [5]. Und die oben beschriebene britische Studie fand für die isolierte Koffein-Theobromin-Kombination eine mit Kakaopulver identische Verbesserung des Stimmungsmaßes energetische Wachheit [1]. Keine dieser drei Arbeiten prüft einen auf Alkaloide standardisierten Extrakt oder isoliertes PEA, und keine trennt im Abstract, welcher Bestandteil für den beobachteten Effekt verantwortlich ist. Zwei bei dieser Prüfung nachgeschlagene Humanstudien prüfen die Alkaloide dagegen einzeln, und beide sprechen gegen eine stimmungshebende Wirkung des Theobromins. Bei Mitchell und Kollegen 2011 (Physiol Behav, [27], n gleich 24) senkte Theobromin allein (700 mg) die selbstberichtete Ruhe gegenüber Placebo, während die günstigen Stimmungswirkungen vom Koffein ausgingen. Bei Baggott und Kollegen 2013 (Psychopharmacology, [28], n gleich 80) zeigte Theobromin bei 250 mg nur begrenzte subjektive Wirkungen, bei 500 und 1000 mg dagegen negative Stimmungswirkungen sowie einen dosisabhängigen Anstieg der Herzfrequenz. Für die Alkaloidfraktion selbst ist die Stimmungswirkung damit geprüft und in der beworbenen Richtung nicht bestätigt, bei höherer Theobromin-Dosis sogar gegenläufig.

    Quellen: 1, 2, 5, 6

  4. 04

    Gefäßfunktion (Endothelfunktion, flussvermittelte Dilatation), für Theobromin allein in einer gezielt darauf gepowerten Studie ohne Effekt

    Nicht bestätigt
    Einordnung und Einschränkungen

    Kakaoflavanole tragen nach der konsolidierten Fassung der Verordnung (EU) Nr. 432/2012 die einzige dort geführte gesundheitsbezogene Angabe zu einem Kakaoinhaltsstoff, Kakaoflavanole fördern die Elastizität der Blutgefäße, was zum normalen Blutfluss beiträgt [24]. Die Angabe gilt laut Verordnungstext ausdrücklich nur für Kakaogetränke oder dunkle Schokolade beziehungsweise für Kapseln oder Tabletten mit Kakaoextrakt mit einem hohen Anteil an Flavanolen, die mindestens eine tägliche Aufnahme von 200 mg Kakaoflavanolen mit einem Polymerisationsgrad von 1 bis 10 liefern, die ursprüngliche Zulassung war laut Artikel 1 Absatz 2 fünf Jahre auf einen einzelnen Hersteller beschränkt, diese Frist ist inzwischen abgelaufen, seither darf die Angabe von jedem Lebensmittelunternehmer verwendet werden, der die Bedingungen erfüllt [18]. Der hier beschriebene, auf Alkaloide standardisierte Extrakt ist ausdrücklich nicht der in der Angabe gemeinte, auf einen hohen Anteil an Flavanolen standardisierte Extrakt, und sein tatsächlicher Flavanolgehalt ist nicht deklariert. Die Studienlage zur flussvermittelten Dilatation unter Flavanolen ist breit: Die größte identifizierte Meta-Analyse wertete 145 randomisierte Studien mit 5205 Teilnehmenden zu Flavan-3-olen aus Kakao, Tee, Traubenextrakt und Äpfeln aus und fand eine Zunahme der flussvermittelten Dilatation um 1,7 bis 2,0 Prozentpunkte [8]. Eine Dosis-Wirkungs-Meta-Analyse speziell zu Kakaoflavanolen und flussvermittelter Dilatation (15 Studien, 18 Studienarme, Flavanoldosen 80 bis 1248 mg, Mitautorin und Affiliation Nestlé Research Centre) fand eine Verbesserung um 1,17 Prozentpunkte (95-Prozent-KI 0,76 bis 1,57) mit einem Wirkoptimum bei rund 710 mg Flavanolen pro Tag [9]. Die 15 Kakaostudien aus [9] sind mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Teilmenge der 145 Studien in [8], das breitere Ergebnis in [8] bestätigt die engere Kakao-Auswertung in [9] also nicht unabhängig, sondern schließt sie vermutlich ein. Eine weitere kontrollierte Studie prüfte Kakaoflavanole und Methylxanthine einzeln und gemeinsam in vier Teilstudien (n gleich 47) und fand laut Abstract, dass Methylxanthine allein (0 bis 220 mg) keine statistisch gesicherte Änderung der flussvermittelten Dilatation bewirkten, wohl aber, zusammen mit Flavanolen gegeben, die Plasmakonzentration der Epicatechin-Metaboliten erhöhten und so den Flavanol-Effekt auf die Gefäßfunktion verstärkten, ein Wechselwirkungsbefund, kein eigenständiger Alkaloid-Effekt [20]. Zwei Mitautorinnen und -autoren dieser Studie, Rodriguez-Mateos A und Heiss C, sind zugleich Mitautorin beziehungsweise Mitautor der oben genannten großen Flavan-3-ol-Meta-Analyse [8], die beiden Arbeiten sind damit nicht vollständig unabhängig voneinander. Für eine der in [20] geprüften Teildosen (111 mg Theobromin plus 11 mg Koffein) berichtet auch die unten beschriebene, im Volltext gelesene Theobromin-Studie unter Bezug auf diesen Befund dieselbe Nullwirkung auf die FMD [10, 20]. Entscheidend für diesen Eintrag: Eine randomisierte Doppelblindstudie prüfte gezielt, ob Theobromin allein für die Gefäßwirkung von Kakao verantwortlich ist. Vor Studienbeginn wurde die Stichprobe (43 auswertbare Teilnehmende) so berechnet, dass sie einen wahren Unterschied von mindestens 1,20 Prozentpunkten in der flussvermittelten Dilatation mit über 80 Prozent Power erkennen konnte, eine Effektgröße in der Nähe dessen, was für Flavanole berichtet wird (siehe oben, 1,17 Prozentpunkte). Bei 44 übergewichtigen und adipösen Teilnehmenden mit niedrigem HDL-Cholesterin verbesserte eine 4-wöchige Einnahme von 500 mg reinem Theobromin pro Tag weder die nüchterne noch die postprandiale flussvermittelte Dilatation oder periphere arterielle Tonometrie. Der Durchmesser der Oberarmarterie blieb nüchtern unverändert, nahm nach der Testmahlzeit aber stärker zu als unter Placebo. Die Menge von 500 mg Theobromin entspricht laut den Autoren rund 67 bis 100 Gramm dunkler Schokolade, für die andernorts ein FMD-Anstieg von 1,5 Prozentpunkten berichtet wurde, die Autoren schreiben ausdrücklich, ihre Studie sei ausreichend gepowert gewesen, um einen Effekt dieser Größenordnung zu erkennen, und fanden trotzdem keinen. Bei einzelnen sekundären Steifigkeitsmarkern zeigten sich abweichende Befunde in beide Richtungen: der zentrale Augmentationsindex sank nüchtern leicht (minus 1,7 Prozentpunkte, 95-Prozent-KI minus 6,1 bis minus 0,2, p gleich 0,037), postprandial sank der auf eine Herzfrequenz von 75 korrigierte zentrale Augmentationsindex (minus 5,0 Prozentpunkte, p gleich 0,004) ebenso wie der periphere Augmentationsindex (minus 6,3 Prozentpunkte, p gleich 0,017) und der periphere Arteriendurchmesser stieg leicht (plus 0,03 cm, p gleich 0,015), was die Autoren als Hinweis auf eine periphere Gefäßerweiterung ohne Beteiligung des Stickstoffmonoxid-Wegs der Endothelfunktion selbst deuten. Am primären, gezielt gepowerten Endpunkt Endothelfunktion blieb der Befund negativ, die Autoren schreiben ausdrücklich, ihre Ergebnisse sprächen nicht dafür, dass Theobromin allein zu den vermuteten gefäßschützenden Effekten von Kakao beiträgt [10]. Für isoliertes Theobromin ist ein Vorteil bei der Endothelfunktion damit in einer dafür gepowerten Studie geprüft und nicht bestätigt worden, während die große, positive Studienlage eine andere Standardisierung betrifft und der tatsächliche Flavanolgehalt dieses Extrakts unbekannt bleibt.

    Quellen: 8, 9, 10, 18, 20, 24

  5. 05

    Blutdruck, bei sehr hoher Theobromin-Dosis im 24-Stunden-Mittel erhöht statt gesenkt

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Von der oben beschriebenen Gefäßangabe zu Flavanolen getrennt zu betrachten ist die direkte Studienlage zu Theobromin und Blutdruck. Den aussagekräftigsten Befund liefert eine placebokontrollierte 3-Perioden-Crossover-Studie an 42 Erwachsenen mit einem Praxis-Blutdruck von 130 bis 159 zu 85 bis 99 mmHg, die als primären, vorab festgelegten Endpunkt den Unterschied im 24-Stunden-ambulanten systolischen Blutdruck zwischen Placebo und aktiver Behandlung nach 3 Wochen definierte und dafür zwei Dosen gegen Placebo testete: flavanolreicher Kakao mit natürlichem Theobromingehalt (106 mg pro Tag) und derselbe flavanolreiche Kakao mit auf 979 mg pro Tag angereichertem Theobromin. Bei der natürlichen Dosis veränderte sich der 24-Stunden-Wert gegenüber Placebo nicht signifikant, bei der hohen Dosis stieg er signifikant um 3,2 mmHg (Standardfehler 1,1, p kleiner 0,01). Beide Dosisstufen stammen aus derselben Studie, denselben Teilnehmenden und demselben Messverfahren, das ist eine Dosis-Wirkungs-Beobachtung innerhalb einer Arbeit, kein Widerspruch zwischen zwei unabhängigen Arbeiten. Wichtig für die Einordnung: Geprüft wurde kein isoliertes Theobromin, sondern mit Theobromin angereicherter, weiterhin flavanolreicher Kakao, die Studie selbst nennt sowohl die höhere Dosis als auch die veränderte Getränkezusammensetzung als mögliche Erklärungen für den Effekt. Zum selben hohen Dosisarm, aber zu einem anderen Zeitpunkt und mit einem anderen Messverfahren erhoben, fand sich 2 Stunden nach der Einnahme im Labor kein Unterschied im peripheren systolischen Blutdruck gegenüber Placebo, während der zentrale systolische Blutdruck zu diesem Zeitpunkt niedriger lag (minus 4,3 mmHg, Standardfehler 1,4, p gleich 0,001); das ist ein anderer Messzeitpunkt (2 Stunden nach Einnahme statt 24-Stunden-Mittel) und ein anderer Messort (zentral statt peripher-ambulant) als der oben genannte Hauptbefund, keine gleichzeitige Gegenbewegung desselben Signals [21]. Zwei weitere randomisierte, plazebokontrollierte Studien zu reinem, isoliertem Theobromin ohne Kakao fanden bei niedrigerer Dosis keine signifikante Veränderung des Blutdrucks, prüften dabei aber jeweils einen anderen, nicht auf Blutdruck gepowerten Endpunkt: Eine 4-wöchige Crossover-Studie (500 mg pro Tag, n gleich 44) maß den nüchternen und postprandialen Laborblutdruck als Nebenendpunkt einer Studie, die auf die Gefäßfunktion (siehe oben) gepowert war [10]; eine 12-wöchige Parallelgruppenstudie (450 mg pro Tag, n gleich 72 ausgewertet) maß den Blutdruck als einen von vielen untersuchten Stoffwechselparametern, ohne dass die Studie auf diesen Endpunkt hin gepowert war [13]. Beide Nullbefunde stammen aus unpowerten Nebenendpunkten und widerlegen den oben beschriebenen, am gepowerten Hauptendpunkt erhobenen Befund nicht, sie zeigen nur, dass bei diesen Dosen und diesen Messverfahren kein Effekt sichtbar wurde. Ein weiterer Datenpunkt bei ähnlich hoher Dosis spricht gegen eine rein dosisbasierte Erklärung: Die 500-mg-Studie berichtet in ihrer Diskussion, eine andere Arbeit habe für 850 mg reines Theobromin über 4 Wochen ebenfalls keine Veränderung des nüchternen Blutdrucks gefunden [10], eine Dosis nahe an den 979 mg der oben beschriebenen Studie. Diese Arbeit ist in diesem Eintrag als Quelle 22 gelistet, ihr eigenes, bei PubMed geführtes Abstract macht zum Blutdruck jedoch keine Angabe, die Aussage lässt sich damit nur über die zitierende Arbeit, nicht direkt an der Primärquelle nachvollziehen [22]. Bei annähernd gleich hoher Dosis also kein Effekt auf einen Labor- beziehungsweise Nüchternwert, aber ein Effekt auf den 24-Stunden-ambulanten Wert einer anderen Studie spricht eher für eine Rolle des Messverfahrens (Einzelmessung gegen 24-Stunden-Mittel) als für die Dosis allein, bei der vorliegenden Studienzahl lässt sich das nicht abschließend klären. Weil dieser Befund ein mögliches Risiko statt eines Nutzens beschreibt, wird er hier vorsichtig als Hinweis auf einen möglichen, dosis- und messverfahrensabhängigen Anstieg des Blutdrucks eingestuft, nicht als gesicherter Effekt; er steht zusätzlich unten im Abschnitt Sicherheit und Wechselwirkungen sowie oben im Steckbrief. Getrennt davon fand die aktuelle Cochrane-Übersicht zu flavanolreichen Kakaoprodukten, einer anderen Standardisierung als diesem Extrakt, über alle 40 Behandlungsvergleiche eine kleine, aber statistisch gesicherte Blutdrucksenkung, mit einem Effekt vor allem bei (prä-)hypertensiven Teilnehmenden und keinem gesicherten Unterschied bei 23 Vergleichen mit 1063 normotensiven Teilnehmenden, sowie einer in der Sensitivitätsanalyse selbst berichteten kleineren Effektgröße nach Ausschluss industriefinanzierter Studien, was auf einen gewissen Publikationsbias hindeutet [7]. Ein weiterer direkter Datenpunkt zur Alkaloidfraktion stammt aus einer Akutmessung, bei Mitchell und Kollegen 2011 (Physiol Behav, [27], n gleich 24, Erstautorin laut PubMed-Affiliation bei Unilever angestellt) senkte Theobromin (700 mg) den Blutdruck 1 Stunde nach der Einnahme gegenüber Placebo, Koffein (120 mg) erhöhte ihn, und die Kombination unterschied sich nicht von Placebo. Das ist eine Messung über 3 Stunden und keine Aussage über den 24-Stunden-Wert nach 3 Wochen, sie zeigt aber, dass die beiden Alkaloide dieses Extrakts am Blutdruck gegenläufig wirken können.

    Quellen: 7, 10, 13, 21, 22

  6. 06

    Antioxidative und entzündungshemmende Wirkung

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Diese Zuschreibung betrifft in der Literatur nahezu ausnahmslos die Polyphenole und Flavonoide des Kakaos, nicht die Alkaloide, und keine der gefundenen Arbeiten prüft den hier beschriebenen, auf Alkaloide standardisierten Extrakt direkt. Eine Dosis-Wirkungs-Meta-Analyse von 33 kontrollierten Studien (n gleich 1379) fand für dunkle Schokolade beziehungsweise Kakao eine statistisch gesicherte Senkung von Malondialdehyd (standardisierte Mittelwertdifferenz minus 0,69, 95-Prozent-KI minus 1,17 bis minus 0,2) und einen Anstieg von Stickstoffmonoxid (2,43, 95-Prozent-KI 1,11 bis 3,75), jedoch keinen gesicherten Effekt auf CRP, Interleukin-6, TNF-alpha oder weitere Entzündungsmarker, die Autoren ordnen die Wirkung ausdrücklich dem Flavonoidgehalt und höheren Dosen (mehr als 450 mg Flavonoide pro Tag) zu [11]. Eine ältere Meta-Analyse (48 eingeschlossene Studien, 16 davon gepoolt) fand ebenfalls eine statistisch gesicherte Senkung von Malondialdehyd (standardisierte Mittelwertdifferenz minus 0,71, 95-Prozent-KI minus 1,41 bis minus 0,01, p gleich 0,048, ein Intervall, das nahe an die Null heranreicht) und von 8-iso-Prostaglandin F2-alpha (gewichtete Mittelwertdifferenz minus 43,76, 95-Prozent-KI minus 76,25 bis minus 11,28), mit demselben Bezug auf den Polyphenolgehalt [12]. Beide Meta-Analysen [11, 12] werten zu einem großen Teil dieselben Primärstudien zu Kakao und dunkler Schokolade aus, sie sind eine neuere und eine ältere Auswertung desselben Feldes, keine zwei unabhängigen Bestätigungen. Für die Alkaloidfraktion selbst liegt ein direkter Befund vor, an derselben Kohorte wie die weiter unten beschriebene Gefäßfunktions-Studie: Bei denselben 44 Teilnehmenden erhöhte eine 4-wöchige Einnahme von 500 mg reinem Theobromin pro Tag den Entzündungsmarker hochsensitives CRP um 1,2 mg pro Liter gegenüber Placebo (p gleich 0,017), also in die dem hier verbreitet angenommenen Nutzen entgegengesetzte Richtung [26]. Das ist die einzige bei dieser Recherche gefundene Humanstudie, die einen Entzündungsmarker gezielt für isoliertes Theobromin prüft, mit einem einzelnen Marker in einer einzelnen Studie ist die Befundlage dünn, sie stützt aber nicht die im Marketing verbreitete Übertragung der Flavanol-Befunde auf die Alkaloidfraktion. Für Koffein oder einen auf Alkaloide standardisierten Kakaoextrakt insgesamt wurde bei dieser Recherche weiterhin keine Humanstudie zu dieser Wirkung gefunden, auch keine Tier- oder Zellstudie speziell zur Alkaloidfraktion. Die vorliegende Flavanol-Befundlage [11, 12] ist im Punktschätzer konsistent, aber am unteren Ende nahe der Null, und betrifft eine andere Standardisierung als die dieses Extrakts.

    Quellen: 11, 12, 26

  7. 07

    Stoffwechsel, Thermogenese und Fettverbrennung (Gewichtsreduktion), im Marketing verbreitet, in der einzigen direkten Studie kein Effekt auf Gewicht oder BMI

    Nicht bestätigt
    Einordnung und Einschränkungen

    Kakao und seinen Alkaloiden wird verbreitet eine stoffwechselanregende, die Fettverbrennung fördernde Wirkung zugeschrieben. Diese Zuschreibung wurde direkt an der Alkaloidfraktion geprüft: Eine randomisierte, doppelblinde, plazebokontrollierte Studie gab 80 übergewichtigen und adipösen Erwachsenen mit metabolischem Syndrom 12 Wochen lang entweder 450 mg reines Theobromin pro Tag oder Placebo, beide Gruppen zusätzlich unter kalorienreduzierter Diät (72 Teilnehmende beendeten die Studie). Laut Abstract unterschieden sich am Ende Körpergewicht, Body-Mass-Index, Taille-Hüft-Verhältnis, systolischer und diastolischer Blutdruck sowie Nüchternglukose, Insulin und HOMA-IR zwischen den Gruppen nicht statistisch gesichert (jeweils p größer 0,05, ohne im Abstract genannte Zahlenwerte oder Konfidenzintervalle für diese Größen). Zu dieser Arbeit erschien 2024 ein Erratum, dessen Volltext eingesehen wurde: Die Korrektur betrifft ausschließlich die falsch geschriebene Institution einer Mitautorin (Urmia University of Medical Science statt Medical Sciences), keine Daten, Zahlen oder Ergebnisse der Studie [23]. Ein Unterschied zugunsten von Theobromin zeigte sich nur bei einzelnen Blutfettwerten: Taillenumfang (minus 0,86 cm, p gleich 0,045), Verhältnis LDL- zu HDL-Cholesterin (minus 0,26, p gleich 0,008), Triglyceride zu HDL (minus 0,41, p gleich 0,001), Gesamtcholesterin zu HDL (minus 0,38, p gleich 0,006) und HDL-Cholesterin selbst (plus 1,72 mg pro dl, p gleich 0,036), auch für diese Werte nennt das Abstract keine Konfidenzintervalle [13]. Der HDL-Befund findet eine unabhängige, deutlich größere Stütze: Eine zweizentrische, randomisierte, plazebokontrollierte Vollfaktor-Studie an 152 gesunden Erwachsenen prüfte über 4 Wochen vier Studienarme (Placebo, Kakao mit natürlich enthaltenen 150 mg Theobromin plus 325 mg Flavonoiden, 850 mg reines Theobromin, Kakao plus zugesetztes Theobromin mit zusammen 1000 mg Theobromin plus 325 mg Flavonoiden). In der Zweifaktor-Auswertung zeigte sich ein statistisch gesicherter Haupteffekt von Theobromin auf HDL-Cholesterin (p kleiner 0,0001), kein gesicherter Haupteffekt von Kakao (p gleich 0,1288) und keine Wechselwirkung (p gleich 0,3735); der Theobromin-Effekt entsprach einem Anstieg des HDL-Cholesterins um 0,16 mmol pro Liter sowie einem Anstieg von Apolipoprotein A-I und einer Senkung von Apolipoprotein B und LDL-Cholesterin (beides p kleiner 0,02). Die Autoren schließen daraus, Theobromin sei vermutlich der für den HDL-Effekt von Kakao verantwortliche Bestandteil, zu Körpergewicht oder BMI macht diese Arbeit keine Angabe. Laut PubMed-Affiliation ist die Erstautorin bei Unilever Research and Development angestellt, für die übrigen Autorinnen und Autoren führt PubMed keine Affiliation, eine gesonderte Finanzierungsangabe nennt das Abstract nicht [22]. Zur selben Kohorte wie die weiter unten beschriebene Gefäßfunktions-Studie liegt eine gesonderte Publikation vor, die Stoffwechselparameter bei denselben 44 Teilnehmenden unter 500 mg reinem Theobromin pro Tag auswertete: Nüchtern sanken LDL-Cholesterin (minus 0,21 mmol pro Liter, p gleich 0,006) und Apolipoprotein B100 (minus 0,04 g pro Liter, p gleich 0,022), HDL-Cholesterin stieg tendenziell, aber nicht signifikant (plus 0,03 mmol pro Liter, p gleich 0,088), nüchterne Glukose- und Insulinwerte veränderten sich nicht signifikant. Nach einer fettreichen Testmahlzeit stiegen dagegen Glukose (p gleich 0,026) und Insulin (p gleich 0,011) unter Theobromin gegenüber Placebo an, eine Richtung, die der im Marketing angenommenen stoffwechselfördernden Wirkung entgegensteht [26]. Diese postprandiale Verschlechterung ist bislang nur in dieser einen Arbeit berichtet, eine unabhängige Bestätigung wurde bei der Recherche nicht gefunden. Für die im Marketing zentrale Behauptung, Kakao-Alkaloide würden Körpergewicht oder Körperfett reduzieren, spricht die einzige gefundene direkte Studie gegen einen Effekt: Body-Mass-Index und Körpergewicht änderten sich unter 450 mg Theobromin über 12 Wochen gegenüber Placebo nicht. Der Nullbefund zu Körpergewicht und Body-Mass-Index ist geprüft und berichtet, dafür steht hier die Stufe 'Nicht bestätigt', auch ohne im Abstract genanntes Konfidenzintervall. Über diese Studien hinaus wurde bei der Recherche keine weitere direkte Humanstudie zu Theobromin und Ruheenergieumsatz oder Fettoxidation gefunden.

    Quellen: 13, 22, 23, 26

  8. 08

    Sportliche Leistungsfähigkeit und Erholung

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Die direkte Studienlage zur Alkaloidfraktion ist bei dieser Wirkung besonders dünn. Eine systematische Übersicht zu Theophyllin und Theobromin bei sportlicher Leistung fand insgesamt neun Studien zu beiden Substanzen mit Teilnehmerzahlen von 7 bis 15 pro Studie, davon betraf nach Angabe der Übersicht genau eine einzige Studie Theobromin, in der Theobromin einem 3-Kilometer-Laufband-Zeitfahren gegenüber Placebo überlegen und Koffein gleichwertig war. Diese eine Primärstudie wird im Abstract der Übersicht nicht mit eigener Kennung genannt und ließ sich bei der PubMed-Recherche zu dieser Nachbesserung nicht auflösen, sie bleibt daher ungeprüft und ist hier nicht als eigene Quelle gelistet. Die Übersicht selbst bewertet die Befundlage als widersprüchlich beziehungsweise unzureichend für eine gesicherte Aussage und hält beide Substanzen wegen ihres Leistungspotenzials für möglicherweise dopingrelevant [14]. Eine aktuelle Crossover-Studie an 14 Radsportlern gab den Teilnehmenden ausschließlich 6 mg Koffein pro Kilogramm Körpergewicht oder Placebo vor einem simulierten 16-Kilometer-Zeitfahren, Theobromin und Theophyllin wurden nicht verabreicht, sondern nur als körpereigene Abbauprodukte des Koffeins im Blut gemessen. Das Verhältnis von Theobromin beziehungsweise Theophyllin zu Koffein im Blut korrelierte danach mit Atemminutenvolumen und Zeitfahrdauer, der leistungssteigernde Effekt selbst wurde von den Autoren aber allein dem verabreichten Koffein zugeschrieben, nicht seinen Metaboliten. Diese Studie prüft damit keine Gabe der Alkaloidfraktion selbst, sondern beobachtet lediglich deren körpereigene Entstehung aus Koffein [16]. Der größere Studienkörper zur sportlichen Leistung betrifft wieder die Flavanolfraktion: Eine systematische Übersicht über 13 kontrollierte Studien zu Kakaoflavanolen und Sport fand akut und kurzfristig keine leistungssteigernde Wirkung bei Sportlern, wohl aber verringerten oxidativen Stress und eine veränderte Fett- und Kohlenhydratverwertung während der Belastung [15]. Für den hier beschriebenen Alkaloid-Extrakt liegt damit keine selbst geprüfte, belastbare direkte Studie vor, während die größere, ebenfalls nicht eindeutig positive Studienlage eine andere Standardisierung betrifft.

    Quellen: 14, 15, 16

Studien im Detail

Wachheit, Kognition und Stimmung

Die einzige bei dieser Recherche gefundene Humanstudie, die eine isolierte Koffein-Theobromin-Kombination direkt gegen Kakaopulver und Placebo testet, fand für beide dieselbe Verbesserung von energetischer Wachheit und kognitiver Testleistung, während methylxanthinfreie weiße Schokolade sich nicht von Wasser unterschied. Das ist die Studie, die inhaltlich am nächsten an diesem, auf Alkaloide standardisierten Extrakt liegt, mit zwei kleinen Teilstichproben (n gleich 20 und 22) aus einer einzigen Arbeitsgruppe [1]. Die getestete Menge (250 mg Theobromin als Akutdosis) entspricht, anhand der Steckbrief-Spanne gerechnet, rund 31 bis 50 Gramm dunkler Schokolade, ob eine deutlich kleinere Menge denselben Effekt zeigt, ist durch diese Studie nicht geklärt. Die deutlich größere Studienreihe zur Kognition bei älteren Menschen (CoCoA-Studien, je n gleich 90) prüft dagegen Kakaogetränke mit 990 beziehungsweise 993 mg Flavanolen pro Tag, eine andere Standardisierung als dieser Extrakt, mit einer Mitautorin beider Arbeiten, die laut Affiliation beim Hersteller des geprüften Getränks angestellt ist [3, 4]. Zur Stimmung, insbesondere zur verbreiteten PEA-Zuschreibung, wurde keine Humanstudie gefunden, die PEA aus Kakao isoliert; die pharmakologische Literatur zum Abbau von PEA über MAO-B macht einen relevanten oralen Effekt unwahrscheinlich [6]. Die vorhandenen Stimmungsstudien zu Kakao und Schokolade insgesamt sind uneinheitlich und lassen offen, ob ein bestimmter Inhaltsstoff oder das Essen selbst wirkt [2, 5].

Gefäßfunktion und Blutdruck

Diese beiden Endpunkte werden im Marketing oft zusammen genannt, gehören aber getrennt betrachtet, weil sie unterschiedlich belastbar geprüft sind. Kakaoflavanole tragen die einzige nach der konsolidierten Fassung der Verordnung (EU) Nr. 432/2012 geführte gesundheitsbezogene Angabe zu einem Kakaoinhaltsstoff, bei Kapseln oder Tabletten gebunden an einen hohen Anteil an Flavanolen im Kakaoextrakt und mindestens 200 mg Kakaoflavanole pro Tag mit einem Polymerisationsgrad von 1 bis 10, ursprünglich fünf Jahre auf einen Hersteller beschränkt, diese Frist ist inzwischen abgelaufen [18, 24]. Die Meta-Analysen zur Gefäßfunktion sind groß, betreffen aber Flavanole, nicht Alkaloide [8, 9]. Entscheidend für diesen Eintrag ist eine Studie, die genau die hier relevante Frage direkt und mit vorab berechneter statistischer Power geprüft hat: ob Theobromin allein für die Endothelfunktion ausreicht. Das Ergebnis war negativ, 500 mg reines Theobromin über 4 Wochen veränderten weder die nüchterne noch die postprandiale flussvermittelte Dilatation, bei einer Studie, die eigens für den Nachweis einer Effektgröße nahe der für Flavanole berichteten ausgelegt war [10]. Einzelne sekundäre Gefäßsteifigkeitsmarker (Augmentationsindex, peripherer Arteriendurchmesser) veränderten sich dagegen leicht, ein Befund, den die Autoren von der Endothelfunktion selbst trennen. Beim Blutdruck ist die direkte Studienlage differenzierter zu lesen, als eine einfache Gegenüberstellung nahelegt: Am primären, vorab gepowerten 24-Stunden-Endpunkt einer eigenen Studie stieg der ambulante systolische Blutdruck bei sehr hoher Dosis (979 mg mit Theobromin angereicherter, weiterhin flavanolreicher Kakao) signifikant an, während dieselbe Studie bei natürlicher Dosis (106 mg) im selben Kakaogetränk keine Veränderung fand, eine Dosis-Wirkungs-Beobachtung innerhalb einer Arbeit, kein Widerspruch zwischen zwei unabhängigen Arbeiten [21]. Zwei Studien zu reinem, isoliertem Theobromin bei niedrigerer Dosis (450 bis 500 mg pro Tag) fanden an nicht auf Blutdruck gepowerten Laborblutdruck-Nebenendpunkten keine Veränderung [10, 13], das widerlegt den gepowerten Hauptbefund nicht, weil beide etwas anderes messen. Für isoliertes Theobromin ist ein Vorteil bei der Endothelfunktion damit direkt geprüft und nicht bestätigt, während der Blutdruck-Befund auf einen möglichen, dosis- und messverfahrensabhängigen Anstieg bei sehr hoher Dosis hindeutet statt auf ein eindeutig negatives Bild. In keinem Fall überträgt sich die für Flavanole gezeigte, deutlich breitere Evidenz auf diesen Extrakt, dessen Flavanolgehalt zudem unbekannt ist.

Stoffwechsel und sportliche Leistung

Auch hier existiert für die Alkaloidfraktion direkte, wenn auch dünne Evidenz, mit einem gemischten Bild. Eine 12-wöchige RCT mit 450 mg reinem Theobromin pro Tag fand keine Veränderung von Körpergewicht oder Body-Mass-Index, nur kleine Verschiebungen bei einzelnen Blutfett-Verhältniswerten, darunter ein Anstieg des HDL-Cholesterins [13], den eine unabhängige, größere Vierarm-Studie mit 850 mg reinem Theobromin über 4 Wochen bestätigt [22]. Eine dritte, an derselben Kohorte wie die oben beschriebene Gefäßfunktions-Studie erhobene Arbeit fand für 500 mg reines Theobromin über 4 Wochen nüchtern eine Senkung von LDL-Cholesterin und Apolipoprotein B100, postprandial nach einer fettreichen Testmahlzeit aber einen Anstieg von Glukose und Insulin gegenüber Placebo, ein Befund in die dem Marketing entgegengesetzte Richtung, bislang nur in dieser einen Arbeit berichtet [26]. Zur sportlichen Leistung liegt für Theobromin laut einer systematischen Übersicht genau eine einzige, kleine Humanstudie vor, die sich über PubMed nicht auflösen ließ, mit nach Einschätzung der Übersicht selbst unzureichender Aussagekraft [14]. Eine neuere Studie zu Koffein und dessen Metaboliten bei Radsportlern verabreichte kein Theobromin, sondern maß es nur als körpereigenes Abbauprodukt des Koffeins [16].

Tier- und Laborstudien

Getrennter Block, aus dem keine Aussage für Menschen folgt.

Eine chinesische Arbeit prüfte reines Theobromin in einem Mausmodell der nichtalkoholischen Fettlebererkrankung sowie in Leberzellkultur. Theobromin senkte Körpergewicht und Fettmasse der Mäuse, verbesserte die Blutfettwerte und milderte den Leberschaden, vermittelt laut den Autoren über den mTOR-Signalweg im hepatischen Fettstoffwechsel, das Abstract nennt dabei keine konkrete Dosisangabe [17]. Diese Dosis ist damit nicht eingeordnet, eine unmittelbare Übertragbarkeit auf den Menschen ist ohnehin nicht gegeben, sie erlaubt keine Aussage darüber, ob sich ein vergleichbarer Effekt beim Menschen einstellt. Sie steht zudem in einem gewissen Spannungsverhältnis zur oben beschriebenen Humanstudie [13], die für 450 mg Theobromin pro Tag über 12 Wochen beim Menschen keine Veränderung von Körpergewicht oder Körperfett fand. Tiermodell und Humanstudie kommen für dasselbe Alkaloid bei Gewicht und Fettmasse zu unterschiedlichen Ergebnissen, das ist typisch für den Sprung von Tier- zu Humandaten und kein Fehler einer der beiden Arbeiten.

Sicherheit und Wechselwirkungen

Pharmakologie der Alkaloide. Theobromin und Koffein sind beide Methylxanthine und Adenosin-Rezeptor-Antagonisten. Koffein wirkt deutlich stärker zentral stimulierend, Theobromin schwächer zentral, aber stärker gefäßerweiternd und harntreibend, die Halbwertszeit von Theobromin liegt mit rund 7 bis 12 Stunden über der von Koffein. Als Stoffklasse können Methylxanthine Herzfrequenz und Wachheit steigern und, besonders bei später Einnahme, den Schlaf stören. Eine US-Ernährungserhebung (NHANES 2007/2008, n gleich 4552) fand für eine Verdopplung der Theobromin-Zufuhr über die Nahrung eine Assoziation mit vermehrter Tagesschläfrigkeit, die im Modell mit weiteren Ernährungsvariablen statistisch nicht gesichert war (Odds Ratio 1,04, 95-Prozent-KI 1,00 bis 1,08, p gleich 0,08, das Intervall schließt den Wert 1 ein), sowie keine Assoziation mit Einschlafproblemen oder Schwierigkeiten beim Durchschlafen. Koffein war im selben Modell enthalten und blieb ebenfalls ohne statistisch gesicherten Befund, die Studie kontrolliert für Koffein also, findet dafür aber keinen Effekt, sie ist eine Querschnittsauswertung und erlaubt ohnehin keine Aussage zur Ursache. Die Autoren selbst deuten den Theobromin-Befund eher umgekehrt: Menschen mit Tagesschläfrigkeit könnten vermehrt theobrominhaltige, als stimulierend wahrgenommene Lebensmittel konsumieren, nicht umgekehrt, und weisen darauf hin, dass eine frühere Auswertung derselben Stichprobe Theobromin mit einer geringeren statt höheren Wahrscheinlichkeit langer Schlafdauer in Verbindung brachte, ein Befund, den sie selbst als im Widerspruch zum neuen Ergebnis beschreiben [19].

Zugelassene gesundheitsbezogene Angabe. Die einzige nach der konsolidierten Fassung der Verordnung (EU) Nr. 432/2012 geführte Angabe zu einem Kakaoinhaltsstoff betrifft ausdrücklich Kakaoflavanole, nicht Alkaloide, und ist für Kapseln oder Tabletten an einen hohen Anteil an Flavanolen im Kakaoextrakt sowie eine tägliche Mindestaufnahme von 200 mg Kakaoflavanolen mit einem Polymerisationsgrad von 1 bis 10 gebunden [18, 24]. Für Theobromin oder Koffein aus Kakao-Extrakt selbst besteht keine eigene gesundheitsbezogene Angabe nach dieser Verordnung.

Blutdruck bei sehr hoher Theobromin-Dosis. Eine kontrollierte Studie mit flavanolreichem Kakao, angereichert auf 979 mg Theobromin pro Tag (kein isoliertes Theobromin), fand am primären, dafür vorab gepowerten Endpunkt einen Anstieg des 24-Stunden-ambulanten systolischen Blutdrucks um 3,2 mmHg gegenüber Placebo (Standardfehler 1,1, p kleiner 0,01), bei natürlicher, niedrigerer Theobromin-Dosis (106 mg) im selben Kakaogetränk zeigte sich dieser Anstieg nicht [21]. Zwei Studien zu reinem, isoliertem Theobromin bei niedrigerer Dosis (450 bis 500 mg pro Tag) fanden an einem anderen, nicht auf Blutdruck gepowerten Messverfahren (Labor- statt 24-Stunden-Wert) keine Veränderung [10, 13]. Ob eine niedrige, alltägliche Alkaloidmenge, wie sie ein Kakao-Extrakt liefert, einen vergleichbaren Effekt hätte, ist durch keine der Studien geklärt, weder im Nutzen noch beim Risiko.

Entzündungsmarker bei isoliertem Theobromin. Dieselbe 4-wöchige Studie mit 500 mg reinem Theobromin pro Tag, die oben unter Gefäßfunktion und Stoffwechsel beschrieben ist, fand für den Entzündungsmarker hochsensitives CRP einen Anstieg um 1,2 mg pro Liter gegenüber Placebo (p gleich 0,017), eine unerwünschte Richtung. Es ist die einzige bei dieser Recherche gefundene Humanstudie zu einem Entzündungsmarker unter isoliertem Theobromin, eine unabhängige Bestätigung liegt nicht vor [26].

Kombination mit weiteren Stimulanzien. Theobromin und Koffein aus Kakao-Extrakt wirken über verwandte Mechanismen additiv mit anderen Methylxanthinen (Koffein aus anderen Quellen, Theacrin, Guarana) und mit Protoalkaloiden wie Synephrin auf das sympathische Nervensystem. In Kombinationspräparaten mit mehreren Stimulanzien addiert sich die Gesamtwirkung auf Herzfrequenz und Wachheit, ohne dass sich der Beitrag jedes einzelnen Stoffs sauber trennen lässt, siehe dazu auch den Eintrag zu Bitterorangen-Extrakt. Der Verzicht auf zusätzliche stimulanzienhaltige Getränke oder Präparate am selben Tag sowie auf eine Einnahme am Abend ist bei mehreren gleichzeitig eingenommenen Stimulanzien-Quellen eine übliche Vorsichtsmaßnahme.

Verträglichkeit in den zitierten Studien. In den oben beschriebenen kontrollierten Studien zu isoliertem Theobromin (450 bis 500 mg pro Tag über 4 bis 12 Wochen) werden im Abstract keine schwerwiegenden unerwünschten Wirkungen berichtet [10, 13]. Eine Akutstudie mit höheren Einzeldosen berichtet dagegen unerwünschte subjektive Wirkungen, bei Baggott und Kollegen 2013 (Psychopharmacology, [28], n gleich 80) zeigten 500 und 1000 mg Theobromin negative Stimmungswirkungen und eine dosisabhängig steigende Herzfrequenz. Die Cochrane-Übersicht zu Flavanol-reichen Kakaoprodukten, einer anderen Standardisierung als diesem Extrakt, nennt milde Magen-Darm-Beschwerden und Abneigung gegen das Studienprodukt als häufigste Nebenwirkungen, bei 1 Prozent der Verum- gegenüber 0,4 Prozent der Kontrollgruppe, sowie keinen statistisch gesicherten Blutdruckeffekt bei den 1063 normotensiven Teilnehmenden der eingeschlossenen Studien, der Effekt beschränkt sich weitgehend auf (prä-)hypertensive Teilnehmende, zudem sei laut eigener Sensitivitätsanalyse nach Ausschluss industriefinanzierter Studien eine kleinere Effektgröße messbar, was auf Berichtsverzerrung hindeute [7].

Eine weitere pharmakologische Eigenschaft, nicht als eigene Wirkung bewertet. Bei der Recherche zu Theobromin wurde eine randomisierte, doppelblinde, plazebokontrollierte Humanstudie gefunden, die eine dämpfende Wirkung von Theobromin auf den durch Capsaicin ausgelösten Hustenreflex zeigt, begleitet von einer hemmenden Wirkung auf die Aktivierung sensorischer Nervenfasern in Meerschweinchen- und menschlichem Vagusnervgewebe [25]. Für die Humanstudie nennt das Abstract keine Theobromin-Dosis. Dieser Befund betrifft einen Reflex in einem experimentellen Testreiz, keine Erkrankung, und wird hier nur der Vollständigkeit halber genannt, ohne dass daraus eine Wirkungszeile oder ein Wirkversprechen für dieses Präparat abgeleitet wird.

Theobromin und Haustiere. Unabhängig von der menschlichen Anwendung ist Theobromin für Hunde und andere Haustiere in vergleichsweise geringen Mengen toxisch, weil sie es deutlich langsamer verstoffwechseln als Menschen. Bei einem Präparat mit deklariertem Theobromin ist die sichere Aufbewahrung außerhalb der Reichweite von Haustieren eine sinnvolle Vorsichtsmaßnahme.

Quellen zum Nachlesen

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