Ochsengalle
Zuletzt geprüft am
Weitere Stoffe
Rindergalle · Getrocknete Rindergalle · Boviner Gallensaft · Ox Bile
Auf einen Blick
- Was es ist
- Getrocknetes Konzentrat aus der Gallenblasenflüssigkeit von Rindern, im Handel meist als Kapsel oder Pulver angeboten und reich an den natürlichen konjugierten Gallensäuren Cholsäure und Chenodesoxycholsäure. Ein Gemisch mehrerer natürlicher Gallensäuren und weiterer Gallenbestandteile, zu unterscheiden von einzelnen gereinigten oder halbsynthetischen Gallensäuren wie Ursodesoxycholsäure oder Cholylsarkosin, die in der Medizin als eigene Wirkstoffe geprüft werden, siehe Abgrenzung unten
- Herkunft
- Die Galle wird bei der Schlachtung von Rindern aus der Gallenblase entnommen und getrocknet. Traditionell in der Naturheilkunde zur Anregung der Verdauung verwendet, dieselbe Zubereitung dient in der Labormedizin auch als Reagenz, etwa zur Prüfung der Gallensäuretoleranz von Bakterienstämmen
- Wirkform in Studien
- Uneinheitlich und mit der verkauften Nahrungsergänzung nur teilweise vergleichbar. Die wenigen Humandaten stammen aus oraler Gabe von Ochsengalle-Extrakt bei einzelnen Menschen mit operativ stark vermindertem Gallensäurehaushalt, daneben dient Ochsengalle in Laborversuchen zur Auflösung entnommener Gallensteine und als Prüfmedium für die Gallensäuretoleranz von Bakterienstämmen, beides ohne orale Einnahme durch einen Organismus
- Übliche Studiendosis
- In den vorliegenden Fallberichten, wo angegeben, 2 Gramm natürlicher konjugierter Gallensäuren aus Ochsengalle je Mahlzeit, die Tagesmenge ist in den kurzen älteren Abstracts nicht in jedem Fall genannt
- Bekannt geworden durch
- Die traditionelle Verwendung getrockneter Rindergalle in der Naturheilkunde zur Unterstützung von Verdauung und Fettstoffwechsel, aufgegriffen in der modernen Nahrungsergänzung
- Verträglichkeit
- Bei zwei der drei beschriebenen Personen mit erhaltenem Dickdarm oder Dickdarmrest verschlechterte sich der Durchfall deutlich, bei der dritten stieg das Stuhlgewicht nicht an. Die einzige Person ohne Dickdarmanschluss vertrug die Einnahme ohne berichtete Nebenwirkungen, siehe Sicherheit
Was diesem Stoff zugesprochen wird
Was die Studien hergeben.
Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.
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01
Fettausscheidung im Stuhl und Körpergewicht bei Menschen mit operativ stark vermindertem Gallensäurehaushalt nach ausgedehnter Dünndarmoperation, in drei kleinen Fallberichten ohne Placebogruppe
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In drei Fallberichten ohne Kontrollgruppe besserte sich die Fettausscheidung im Stuhl bei Menschen mit einem operativ bedingten Gallensäuremangel deutlich, in einem Fall nahm auch das Körpergewicht zu. Alle Fälle betreffen ausschließlich Menschen mit einem solchen Mangel.
Ausführlicher Nachweis
In drei unabhängig veröffentlichten Fallberichten aus zwei Behandlungszentren erhielten Menschen mit stark verminderter körpereigener Gallensäuremenge nach ausgedehnter operativer Entfernung von Dünndarmabschnitten oral Ochsengalle-Extrakt, jeweils ohne Placebogruppe und ohne Randomisierung. Little und Kollegen beschrieben 1992 einen einzelnen Menschen nach Entfernung des Ileums mit erhaltenem Dickdarmrest, bei dem die tägliche Fettausscheidung im Stuhl unter fortgesetzter Einnahme von Ochsengalle-Extrakt von 134 auf 9 Gramm je 24 Stunden zurückging, die genaue Tagesmenge des Extrakts nennt das Abstract nicht [1]. Gruy-Kapral und Kollegen prüften 1999 an einer einzelnen, stark abgemagerten Person mit sehr kurzem Restdünndarm und einem künstlichen Dünndarmausgang ohne Dickdarmanschluss die Einnahme von 2 Gramm natürlicher konjugierter Gallensäuren aus Ochsengalle je Mahlzeit [2]. In Stoffwechselbilanzstudien stieg die Fettaufnahme aus der Nahrung unter Ochsengalle wie unter dem synthetischen Vergleichspräparat Cholylsarkosin um rund 40 Gramm pro Tag, während einer viermonatigen ambulanten Beobachtung mit freier Ernährung nahm das Körpergewicht von 36,3 auf 44,5 Kilogramm zu, ohne berichtete Nebenwirkungen [2]. Kapral und Kollegen prüften 2004 an vier Menschen mit kurzem Restdünndarm und erhaltenem Dickdarm zunächst bei allen vieren Cholylsarkosin mit 2 Gramm je Mahlzeit, bei zweien der vier zusätzlich Ochsengalle-Extrakt in einer im Abstract nicht genannten Menge [3]. Unter Cholylsarkosin stieg die Fettaufnahme von 65,5 auf 94,5 Gramm pro Tag, ein Anstieg um 44 Prozent, bei einem Energiegewinn von 261 Kilokalorien pro Tag [3]. Bei den beiden mit Ochsengalle behandelten Personen besserte sich die Fettausscheidung ebenfalls, in geringerem Ausmaß als unter Cholylsarkosin, während sich der Durchfall bei ihnen deutlich verschlechterte, siehe eigene Zeile [3]. Die Autoren benennen ihre eigene Arbeit ausdrücklich als nicht kontrollierte Untersuchung, begründet mit der Seltenheit des untersuchten Zustands [3]. Keine der drei Arbeiten nennt ein Interessenkonflikt-Feld, in zweien von ihnen (Quelle 2 und 3) ist Hofmann AF Koautor, ein Erfinder des dort mitgeprüften synthetischen Vergleichspräparats Cholylsarkosin, was eher gegen als für eine Bevorzugung von Ochsengalle in diesen Arbeiten spricht. Alle drei Arbeiten betreffen ausschließlich Menschen mit einer durch Operation stark verminderten körpereigenen Gallensäuremenge, eine Übertragung auf Menschen mit normaler Verdauung ist daraus nicht möglich. Insgesamt vier verschiedene Personen in drei Publikationen aus zwei Zentren, ohne erkennbare Überschneidung der Fälle.
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02
Verschlechterung des Durchfalls nach Einnahme von Ochsengalle bei Menschen mit erhaltenem Dickdarm oder Dickdarmrest, bei zwei von drei beschriebenen Personen aufgetreten, bei der dritten nicht
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Bei zwei von drei beschriebenen Personen mit erhaltenem Dickdarm oder Dickdarmrest verschlechterte sich der Durchfall unter Ochsengalle deutlich, bei der dritten stieg das Stuhlgewicht nicht an. Kein einheitliches Bild, keine Kontrollgruppe.
Ausführlicher Nachweis
In der Fallserie von Kapral und Kollegen 2004 erhielten zwei der vier Menschen mit kurzem Restdünndarm und erhaltenem Dickdarm zusätzlich zu Cholylsarkosin Ochsengalle-Extrakt [3]. Unter Ochsengalle besserte sich die Fettausscheidung geringer als unter Cholylsarkosin, gleichzeitig verschlechterte sich der Durchfall deutlich, so die Autoren wörtlich [3]. Bei Little und Kollegen 1992, deren einzige beschriebene Person ebenfalls einen Dickdarmrest besaß, stieg das Stuhlgewicht unter Ochsengalle dagegen nicht an, es lag mit 507 gegenüber 669 Gramm je 24 Stunden vor der Behandlung sogar niedriger [1]. Bei Gruy-Kapral und Kollegen 1999, deren einzige Person einen künstlichen Dünndarmausgang ohne Dickdarmanschluss hatte, erhöhte weder Ochsengalle noch Cholylsarkosin die ausgeschiedene Wassermenge in einem als bedeutsam beschriebenen Ausmaß [2]. Über alle vier beschriebenen Personen hinweg ergibt sich kein einheitliches Bild, bei zwei der drei Personen mit erhaltenem Dickdarm oder Dickdarmrest verschlechterte sich der Durchfall unter Ochsengalle deutlich, bei der dritten nicht. Keine der Arbeiten hat eine Kontrollgruppe oder ein Effektmaß mit Konfidenzintervall für diesen Unterschied, die drei Fälle unterscheiden sich zudem im Ausmaß der Dünndarmentfernung und im Vorhandensein eines Dickdarmanschlusses, ein direkter Vergleich zwischen ihnen ist deshalb nur eingeschränkt möglich.
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03
Fettverdauung und Aufnahme fettlöslicher Vitamine bei gesunden Menschen ohne verminderte körpereigene Gallensäureproduktion
Keine Studien gefundenEinordnung und Einschränkungen
Gezielt gesucht, keine einzige Studie gefunden, die Fettverdauung oder die Aufnahme fettlöslicher Vitamine bei gesunden Menschen unter Ochsengalle beantwortet.
Ausführlicher Nachweis
Gezielt gesucht mit den PubMed-Suchbegriffen "ox bile" "fat digestion" (0 Treffer, auch ohne Beschränkung auf den Publikationstyp), "ox bile" "fat absorption" (0 Treffer), "bovine bile" "digestion" (0 Treffer), "ox bile" "lipid absorption" (0 Treffer, auch unter Einschluss von Labor- und Tierstudien), "ox bile" "nutrient absorption" (0 Treffer), "ox bile" "vitamin absorption" (0 Treffer), "bile salts" "vitamin A absorption" (0 Treffer), "ox bile" "vitamin K absorption" (0 Treffer), "ox bile" "vitamin D absorption" (0 Treffer) und "ox bile" "dietary supplement" (0 Treffer). Keine dieser Suchen ergab eine einzige Arbeit zur Fettverdauung oder zur Aufnahme fettlöslicher Vitamine bei gesunden Menschen ohne verminderte körpereigene Gallensäureproduktion. Die einzigen vorliegenden Humandaten zu Ochsengalle und Fettverdauung betreffen Menschen mit operativ stark vermindertem Gallensäurehaushalt, siehe eigene Zeile oben.
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04
Anregung von Gallenproduktion und Gallenfluss bei gesunden Menschen
Keine Studien gefundenEinordnung und Einschränkungen
Gezielt gesucht, keine einzige Studie gefunden, die eine Anregung von Gallenproduktion oder Gallenfluss beim Menschen beantwortet. Der einzige Treffer ist eine im Reagenzglas durchgeführte, fachfremde Arbeit ohne Bezug zur Fragestellung.
Ausführlicher Nachweis
Gezielt gesucht mit den PubMed-Suchbegriffen "ox bile" "choleretic" (0 Treffer), "bovine bile" "choleretic" (0 Treffer), "ox bile" "liver function" (0 Treffer), "ox bile" "cholagogue" (0 Treffer), "ox bile" "hepatoprotective" (0 Treffer), "bovine bile" "liver" (0 Treffer), "ox bile" "bile secretion" (0 Treffer) und "ox bile" "bile production" ohne Beschränkung auf den Publikationstyp (1 Treffer, PMID 27943050, eine In-vitro-Arbeit zur Gallensäuretoleranz von Milchsäurebakterien ohne jeden Bezug zur Gallenproduktion beim Menschen, damit nicht zurechenbar). Zur Anregung von Gallenproduktion oder Gallenfluss durch die orale Einnahme von Ochsengalle beim Menschen liegt uns keine einzige zurechenbare Arbeit vor.
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05
Auflösegeschwindigkeit von Cholesterin aus entnommenen Gallensteinen in Laborversuchen mit Ochsen- oder Rindergalle
Nur Labor und TierEinordnung und Einschränkungen
Zwei ältere Laborversuche lösten entnommene menschliche Gallensteine in Ochsen- oder Rindergalle-Lösungen auf. Am lebenden Menschen ist eine solche Wirkung durch orale Einnahme nicht untersucht.
Ausführlicher Nachweis
In einem Laborversuch von Niu und Smith 1990 wurden paarweise entnommene menschliche Cholesterin-Gallensteine in reinen Lösungen von Taurocholat oder Ursodesoxycholat sowie in mit denselben Gallensäuren auf dieselbe Konzentration angereicherter Rindergalle aufgelöst [4]. Die Gallensteine lösten sich in der mit Gallensäure angereicherten Rindergalle schneller auf als in den reinen Gallensäurelösungen (n gleich 30, p kleiner 0,001) [4]. Das schleimlösende Mittel N-Acetylcystein beschleunigte die Auflösung zusätzlich in beiden Systemen und erhöhte die Häufigkeit einer vollständigen Auflösung [4]. In einem älteren Laborversuch von King und Kollegen 1985 wurde die Auflösung von Cholesterin in Natriumcholat-Lösungen und in Ochsengalle mit einer rotierenden Scheibenapparatur gemessen, mehrere häufig verschriebene Arzneistoffe wie Loperamid, Amitriptylin, Diphenhydramin, Dicyclomin und Propantheliniodid beschleunigten die Cholesterin-Auflösung in beiden Systemen zusätzlich [5]. Beide Arbeiten fanden ausschließlich im Reagenzglas an entnommenem Material statt, keine an lebenden Menschen oder Tieren, und keine prüfte die orale Einnahme von Ochsengalle als Nahrungsergänzung. Eine Übertragung auf eine Wirkung im Körper nach oraler Einnahme ist aus diesen Versuchen nicht möglich.
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06
Häufigkeit von Blähungen und Völlegefühl bei gesunden Erwachsenen ohne verminderte körpereigene Gallensäureproduktion
Keine Studien gefundenEinordnung und Einschränkungen
Gezielt gesucht, keine einzige Studie gefunden, die Blähungen oder Völlegefühl unter Ochsengalle bei gesunden Menschen beantwortet.
Ausführlicher Nachweis
Gezielt gesucht mit den PubMed-Suchbegriffen "ox bile" "bloating" (0 Treffer), "ox bile" "irritable bowel" (0 Treffer), "ox bile" "indigestion" (0 Treffer), "ox bile" "dyspepsia" (0 Treffer), "ox bile" "flatulence" (0 Treffer), "ox bile" "constipation" (0 Treffer), "ox bile" "digestive enzyme supplement" (0 Treffer) und "bile salts" "enzyme supplement fat digestion" ohne Beschränkung auf den Publikationstyp (4 Treffer, PMID 38429963, 38429959, 23256508 und 29037249, eine allgemeine Übersicht zur Fettverdauung, eine Übersicht zur Mukoviszidose, ein In-vitro-Verdauungsversuch mit Walnussöl und eine Studie zur Omega-3-Aufnahme, keine davon prüft Ochsengalle als Nahrungsergänzung bei gesunden Menschen, damit keine zurechenbar). Zu Blähungen oder Völlegefühl nach Einnahme von Ochsengalle bei Menschen ohne verminderte körpereigene Gallensäureproduktion liegt uns keine einzige zurechenbare Arbeit vor.
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07
Entgiftungsfunktion der Leber und Stoffwechselrate nach Einnahme von Ochsengalle beim Menschen
Keine Studien gefundenEinordnung und Einschränkungen
Gezielt gesucht, keine einzige Studie gefunden, die eine Entgiftungs- oder Stoffwechselwirkung von Ochsengalle beim Menschen beantwortet.
Ausführlicher Nachweis
Gezielt gesucht mit den PubMed-Suchbegriffen "ox bile" "detox" (0 Treffer), "bovine bile" "metabolic rate" (0 Treffer) und "ox bile" "metabolism" ohne Beschränkung auf den Publikationstyp (24 Treffer, stichprobenartig gegen den Abstract geprüft, durchweg Mikrobiologie an Bakterienstämmen, Gallensäure-Grundlagenchemie oder fachfremde Zufallstreffer, keiner prüft eine Entgiftungs- oder Stoffwechselwirkung von oral eingenommener Ochsengalle beim Menschen). Eine weitere Suche mit den Suchbegriffen "bile acids" "detoxification" ohne Beschränkung auf den Publikationstyp ergab 217 Treffer zur körpereigenen Rolle von Gallensäuren in der Leber, das ist Grundlagenphysiologie zu Gallensäuren im Allgemeinen und keine Untersuchung der Nahrungsergänzung Ochsengalle, damit keiner der Treffer zurechenbar. Zu einer Entgiftungs- oder Stoffwechselwirkung durch die Einnahme von Ochsengalle beim Menschen liegt uns keine einzige zurechenbare Arbeit vor.
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08
Zusammensetzung der Darmflora nach Einnahme von Ochsengalle beim Menschen
Keine Studien gefundenEinordnung und Einschränkungen
Gezielt gesucht, keine einzige Studie gefunden, die eine Wirkung von Ochsengalle auf die Darmflora beim Menschen beantwortet. Gefundene Arbeiten sind reine Laborversuche mit einzelnen Bakterienstämmen ohne Bezug zum Menschen.
Ausführlicher Nachweis
Gezielt gesucht mit den PubMed-Suchbegriffen "ox bile" "microbiome" (0 Treffer), "ox bile" "gut bacteria" (0 Treffer), "ox bile" "gut health" (0 Treffer) und "ox bile" "probiotic" ohne Beschränkung auf den Publikationstyp (11 Treffer, stichprobenartig geprüft, es sind ausnahmslos Laborarbeiten, die einzelne Bakterienstämme in einer Ochsengalle-Lösung auf ihre Überlebensfähigkeit testen, etwa als Vorstufe für Probiotika-Produkte, keine davon prüft die Wirkung einer oralen Ochsengalle-Einnahme auf die Darmflora eines Menschen oder Tieres, damit keine zurechenbar). Zur Zusammensetzung der Darmflora nach Einnahme von Ochsengalle liegt uns keine einzige zurechenbare Arbeit vor.
Studien im Detail
Fettausscheidung und Körpergewicht bei operativ bedingtem Gallensäuremangel
Die einzigen vorliegenden Humandaten zu Ochsengalle stammen aus drei Fallberichten bei insgesamt vier Menschen, deren Dünndarm operativ so weit verkürzt worden war, dass die körpereigene Gallensäuremenge stark vermindert war. Little und Kollegen beschrieben 1992 einen Menschen nach Entfernung des Ileums mit erhaltenem Dickdarmrest. Unter fortgesetzter Einnahme von Ochsengalle-Extrakt sank die tägliche Fettausscheidung im Stuhl von 134 auf 9 Gramm je 24 Stunden, ohne dass das Stuhlgewicht insgesamt anstieg.
Gruy-Kapral und Kollegen prüften 1999 an einer einzelnen, stark abgemagerten Person mit sehr kurzem Restdünndarm und einem künstlichen Dünndarmausgang ohne Dickdarmanschluss 2 Gramm natürlicher konjugierter Gallensäuren aus Ochsengalle je Mahlzeit. In Stoffwechselbilanzstudien stieg die Fettaufnahme unter Ochsengalle wie unter dem synthetischen Vergleichspräparat Cholylsarkosin um rund 40 Gramm pro Tag. Während einer viermonatigen ambulanten Beobachtung mit freier Ernährung und Einnahme von Ochsengalle nahm das Körpergewicht von 36,3 auf 44,5 Kilogramm zu, ohne berichtete Nebenwirkungen.
Kapral und Kollegen prüften 2004 an vier Menschen mit kurzem Restdünndarm und erhaltenem Dickdarm zunächst bei allen vieren Cholylsarkosin, bei zweien der vier zusätzlich Ochsengalle-Extrakt. Unter Cholylsarkosin stieg die Fettaufnahme um 44 Prozent. Bei den beiden mit Ochsengalle behandelten Personen besserte sich die Fettausscheidung ebenfalls, in geringerem Ausmaß als unter Cholylsarkosin, während sich der Durchfall bei ihnen deutlich verschlechterte. Die Autoren benennen ihre eigene Arbeit ausdrücklich als nicht kontrolliert, begründet mit der Seltenheit des untersuchten Zustands.
Einordnung: Alle drei Arbeiten sind Fallberichte oder kleine Fallserien ohne Placebogruppe und ohne Randomisierung, an insgesamt vier Menschen mit einer sehr speziellen, operativ bedingten Ausgangslage. Eine Übertragung auf Menschen mit normaler Verdauung ist aus ihnen nicht möglich. In zwei der drei Arbeiten ist Hofmann AF Koautor, ein Erfinder des dort mitgeprüften synthetischen Vergleichspräparats Cholylsarkosin.
Stuhlwassermenge und Durchfall bei erhaltenem Dickdarm
Ob Ochsengalle den Durchfall verschlechtert, hängt in den vorliegenden Fällen davon ab, ob ein Dickdarm vorhanden ist, in dem Bakterien die Gallensäuren umbauen können, und zeigt selbst dann kein einheitliches Bild. Bei den beiden Menschen mit erhaltenem Dickdarm in der Fallserie von Kapral und Kollegen 2004 verschlechterte sich der Durchfall unter Ochsengalle deutlich, stärker als unter Cholylsarkosin. Beim einzelnen Menschen mit Dickdarmrest bei Little und Kollegen 1992 stieg das Stuhlgewicht dagegen nicht an. Bei der einzigen Person ohne Dickdarmanschluss bei Gruy-Kapral und Kollegen 1999 erhöhte weder Ochsengalle noch Cholylsarkosin die ausgeschiedene Wassermenge in einem als bedeutsam beschriebenen Ausmaß.
Einordnung: Drei Einzelfälle mit unterschiedlichem Ausmaß der Dünndarmentfernung und unterschiedlichem Dickdarmbefund lassen keinen einheitlichen Schluss zu. Ein Effektmaß mit Konfidenzintervall für einen Gruppenunterschied liegt in keiner der Arbeiten vor.
Tier- und Laborstudien
Zur Auflösung von Gallensteinen liegen ausschließlich Laborversuche mit entnommenem menschlichem Material vor, keine Untersuchung an einem lebenden Menschen oder Tier. Niu und Smith lösten 1990 paarweise entnommene menschliche Cholesterin-Gallensteine in reinen Gallensäurelösungen und in mit denselben Gallensäuren angereicherter Rindergalle auf, die Gallensteine lösten sich in der angereicherten Rindergalle schneller auf, das schleimlösende Mittel N-Acetylcystein beschleunigte die Auflösung zusätzlich. King und Kollegen maßen 1985 mit einer rotierenden Scheibenapparatur die Auflösung von Cholesterin in Natriumcholat-Lösungen und in Ochsengalle, mehrere häufig verschriebene Arzneistoffe beschleunigten die Auflösung in beiden Systemen zusätzlich.
Beide Arbeiten fanden ausschließlich im Reagenzglas statt, keine prüfte die orale Einnahme von Ochsengalle. Eine Übertragung auf eine Wirkung im Körper nach oraler Einnahme ist aus diesen Versuchen nicht möglich.
Abgrenzung, Ochsengalle gegenüber einzelnen Gallensäuren und gegenüber Ochsengalle als Laborreagenz
Der weitaus größte Teil der PubMed-Literatur zu Gallensäuren betrifft nicht Ochsengalle als Gemisch, sondern einzelne, gereinigte oder halbsynthetische Gallensäuren, die als eigene Arzneimittel geprüft werden, allen voran Ursodesoxycholsäure sowie in den hier zitierten Arbeiten Cholylsarkosin. Eine Studie zu einer einzelnen Gallensäure trägt keine Aussage für das Vielstoffgemisch Ochsengalle, und umgekehrt lässt sich aus den wenigen Ochsengalle-Fallberichten nichts über einzelne gereinigte Gallensäuren ableiten.
Ein zweiter, ebenso großer Teil der Literatur zu Ochsengalle betrifft ihre Verwendung als Laborreagenz in der Mikrobiologie, etwa um die Gallensäuretoleranz von Bakterienstämmen für die Entwicklung von Probiotika zu prüfen, oder um im Reagenzglas nachgebildete Gallenblasen- und Gallenwegsumgebungen für Krankheitserreger herzustellen. Diese Verwendung sagt nichts über eine Wirkung nach oraler Einnahme durch einen Menschen aus und ist von der Nahrungsergänzung Ochsengalle streng zu trennen.
Getrocknete Rindergalle als Nahrungsergänzung ist damit ein Randthema der Gallensäure-Literatur. Die wenigen Arbeiten, die tatsächlich orales Ochsengalle-Extrakt bei Menschen prüfen, betreffen ausschließlich die sehr spezielle Gruppe von Menschen mit operativ bedingtem Gallensäuremangel, siehe oben.
Sicherheit und Wechselwirkungen
In der Fallserie von Kapral und Kollegen 2004 verschlechterte sich der Durchfall bei den beiden Personen mit erhaltenem Dickdarm unter Ochsengalle deutlich, stärker als unter dem synthetischen Vergleichspräparat. Bei den beiden anderen beschriebenen Personen, mit Dickdarmrest beziehungsweise ohne Dickdarmanschluss, trat diese Verschlechterung nicht auf. Menschen mit erhaltenem Dickdarm sollten dieses uneinheitliche Bild bei einer Einnahme im Blick behalten.
Menschen mit bekannten Gallensteinen oder einer Erkrankung der Gallenwege sollten die Einnahme vorher ärztlich abklären, weil Gallensäuren die Gallenblase zur Kontraktion anregen können.
Zu Wechselwirkungen mit Medikamenten liegt uns keine eigene geprüfte Humanstudie vor. Zu Schwangerschaft und Stillzeit liegt uns keine eigene geprüfte Quelle vor, eine ärztliche Rücksprache vor der Einnahme ist in diesem Fall grundsätzlich sinnvoll.
Quellen zum Nachlesen
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02
Einzelfallbericht mit Stoffwechselbilanzstudie und ambulanter Verlaufsbeobachtung, n gleich 1, ohne Kontrollgruppe · 1999
Conjugated bile acid replacement therapy for short-bowel syndrome
Gruy-Kapral C, Little KH, Fordtran JS, Meziere TL, Hagey LR, Hofmann AF. Gastroenterology
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03
Unkontrollierte Fallserie, n gleich 4, davon 2 zusätzlich mit Ochsengalle-Extrakt behandelt, von den Autoren selbst als nicht kontrolliert bezeichnet · 2004
Conjugated bile acid replacement therapy in short bowel syndrome patients with a residual colon
Kapral C, Wewalka F, Praxmarer V, Lenz K, Hofmann AF. Z Gastroenterol
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