Olivenblatt-Extrakt
Zuletzt geprüft am
Pflanzenextrakte
Olea europaea · Olive Leaf Extract · OLE
Auf einen Blick
- Was es ist
- Ein Extrakt aus den Blättern des Olivenbaums, Leitsubstanz ist das Polyphenol Oleuropein
- Herkunft
- Blätter von Olea europaea, meist aus mediterranen Anbaugebieten
- Wirkform in Studien
- Ganz überwiegend oraler Trockenextrakt in Kapsel- oder Tablettenform, standardisiert auf einen bestimmten Oleuropein-Gehalt. Mindestens eine tragende Studie zum Blutdruck arbeitete stattdessen mit einem konzentrierten Flüssigextrakt, eine weitere Studie prüfte Kapsel- und Flüssigextrakt in getrennten Studienarmen
- Übliche Studiendosis
- In den ausgewerteten Humanstudien reichte die Oleuropein-Menge, wo im Abstract beziffert, von 51 bis 136 mg pro Tag beziehungsweise 250 bis 1000 mg Extrakt pro Tag, mehrere Studien nennen die Dosis nicht in mg Oleuropein. Studiendauer meist 6 bis 24 Wochen, eine Studie prüfte eine einzelne akute Dosis
- Wichtige Abgrenzung
- Olivenblatt-Extrakt ist nicht Olivenöl. Für Olivenöl gibt es eine EU-weit zugelassene Angabe zu Olivenöl-Polyphenolen, sie gilt aber laut Verordnung ausdrücklich nur für Olivenöl und ist an eine tägliche Verzehrmenge von 20 Gramm Olivenöl gebunden, die eine Kapsel Olivenblatt-Extrakt nicht liefert. Details im Fließtext
- Verträglichkeit
- In den ausgewerteten Studien überwiegend gut verträglich. Mehrere Studien berichten ausdrücklich keine signifikanten oder schwerwiegenden Nebenwirkungen, etwa über 12 Wochen bei 621 und über 24 Wochen bei 31 Teilnehmenden, siehe Sicherheit und Wechselwirkungen
Was diesem Stoff zugesprochen wird
Was die Studien hergeben.
Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.
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01
Systolischer Blutdruck, gesenkt vor allem bei erhöhtem Ausgangswert, alle vier Einzelstudien mit Herstellerbezug
BelegtEinordnung und Einschränkungen
In die Blutdruckrechnung der Meta-Analyse gehen nicht alle 12 Studien ein. Der systolische Wert stammt aus sechs Studien mit zusammen 372 Teilnehmenden, eine siebte wurde ausgeschlossen, weil ihre Kontrollgruppe ein Blutdruckmedikament erhielt. Gepoolt ergab sich eine Senkung um 3,86 mmHg gegenüber Kontrolle (95 Prozent KI minus 6,44 bis minus 1,28), in der Untergruppe mit Bluthochdruck aus vier Studien um 4,81 mmHg (95 Prozent KI minus 7,27 bis minus 2,35), die Evidenzqualität für den Blutdruck stufen die Autoren nach GRADE als moderat ein [1]. Eine placebokontrollierte Cross-over-Studie an 60 vorab erhöhten (prähypertensiven) Männern (136 mg Oleuropein pro Tag, 6 Wochen) fand eine Senkung um 3,3 bis 3,95 mmHg gegenüber der polyphenolfreien Kontrolle, geprüft wurde ein konzentriertes Flüssigextrakt-Produkt des Herstellers Comvita Limited, der die Studie zur Hälfte finanzierte [2]. Eine große, placebokontrollierte Studie an 621 bereits medikamentös behandelten Personen mit Bluthochdruck (12 Wochen, Tagesdosis im Abstract nicht beziffert) fand eine zusätzliche Senkung des 24-Stunden-Werts um 6,4 gegenüber 1,5 mmHg unter Placebo, unter den Autorenadressen stehen zwei Industrieadressen, darunter das Pharmaunternehmen Belpharma Laboratories [3]. Eine aktiv kontrollierte Studie ohne Placebo (1000 mg Extrakt pro Tag gegen Captopril, 8 Wochen, Stufe-1-Hypertonie) fand eine ähnliche Senkung wie unter dem Medikament, geprüft wurde der Markenextrakt EFLA943, ein Koautor ist in mehreren anderen Arbeiten der Herstellerfirma Frutarom Switzerland Ltd zugeordnet, im Datensatz dieser Studie selbst nennt PubMed dazu keine Angabe [4]. Dagegen fand eine placebokontrollierte Studie an 77 übergewichtigen Erwachsenen mit leicht erhöhtem Cholesterin, aber ohne ausgewiesenen Bluthochdruck (500 mg Extrakt pro Tag, 8 Wochen), keinen Unterschied zu Placebo, die Erstautorin war zum Studienzeitpunkt bei einem Nahrungsergänzungsmittel-Hersteller angestellt [5]. Eine zweite Übersichtsarbeit, selbst PROSPERO-registriert, ohne deklarierten Interessenkonflikt und ohne angegebene Förderung, wertete fünf randomisierte Studien mit 325 Teilnehmenden mit erhöhtem Blutdruck nach Dosis getrennt aus [21]. Ihr positiver Wert für 500 mg Extrakt pro Tag, eine Senkung des systolischen Blutdrucks um 5,78 mmHg (95 Prozent KI minus 10,27 bis minus 1,30), stammt laut Ergebnistabelle aus zwei Studien mit zusammen 80 Teilnehmenden, und die Vergleichsgruppe ist dort Placebo oder gar keine Behandlung, denn eine der beiden Arbeiten ist eine offene Zwillingsstudie gegen bloße Lebensstiländerung. Beide Studien liegen zugleich im Blutdruckbestand von [1], die zweite Übersicht ist damit keine unabhängige zweite Datengrundlage, sondern eine Teilmenge der ersten. Für 1000 mg Extrakt pro Tag fand [21] keinen Unterschied, doch der Vergleichsarm war einmal Captopril und nicht Placebo, nämlich [4], und einmal ein Kombinationspräparat aus Olivenblatt-Extrakt, Grüner-Kaffee-Extrakt und Rote-Bete-Pulver. Zwei der fünf eingeschlossenen Studien sind auch Einzelquellen dieses Eintrags, [4] und [9]. Der Effekt scheint an einen erhöhten Ausgangswert gebunden zu sein. Von den vier Einzelstudien zum Blutdruck trägt jede einen Herstellerbezug, drei mit positivem Befund [2], [3], [4] und eine mit Nullbefund [5], deren Erstautorin ebenfalls bei einem Hersteller angestellt war. Unabhängig sind allein die beiden Übersichtsarbeiten selbst, ihr Studienmaterial ist es nicht, [21] führt drei ihrer fünf Studien, darunter [4], ausdrücklich als von Olivenblatt-Extrakt-Herstellern gefördert
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02
Gesamtcholesterin, LDL und Triglyceride, in einer großen Parallelgruppen-Studie gesenkt, in einer kleineren ohne Effekt
WidersprüchlichEinordnung und Einschränkungen
Die Meta-Analyse aus 12 Studien mit 819 Teilnehmenden fand im Gesamtkollektiv eine Senkung der Triglyceride um 9,51 mg/dl gegenüber Kontrolle, Gesamtcholesterin und LDL sanken signifikant nur in der Subgruppe mit Bluthochdruck, in ihr Datenmaterial gehen unter anderem die Werte aus [2] und [5] ein [1]. Die placebokontrollierte Cross-over-Studie an prähypertensiven Männern (136 mg Oleuropein pro Tag als Flüssigextrakt von Comvita Limited, 6 Wochen) fand zusätzlich eine Senkung von Gesamtcholesterin (minus 0,32 mmol/l), LDL (minus 0,19 mmol/l) und Triglyceriden (minus 0,18 mmol/l) gegenüber Kontrolle [2]. Die große, placebokontrollierte Parallelgruppen-Studie an 621 bereits medikamentös behandelten Personen mit Bluthochdruck (12 Wochen) berichtet neben der Blutdrucksenkung auch eine Verbesserung des Lipidprofils gegenüber Placebo, im Abstract ohne bezifferte Werte [3]. Dem steht eine ebenfalls placebokontrollierte Parallelgruppen-Studie an 77 übergewichtigen Erwachsenen mit leicht erhöhtem Cholesterin gegenüber, die bei 500 mg Extrakt pro Tag über 8 Wochen keinen Unterschied zu Placebo bei den Blutfetten fand, exakt dieselbe Dosis, unter der dieselbe Studie auch bei Blutdruck, Glukose und Insulin ohne Effekt blieb [5]. [3] und [5] sind beide placebokontrollierte Parallelgruppen-Studien und keine geht in die Berechnung der anderen ein, ihre Populationen sind aber verschieden, [3] prüfte medikamentös behandelte Personen mit Bluthochdruck, [5] übergewichtige Erwachsene ohne ausgewiesenen Bluthochdruck. Genau diese Trennlinie zieht auch [1], dort sanken Gesamtcholesterin und LDL allein in der Untergruppe mit Bluthochdruck. Der Gegensatz zwischen [3] und [5] ist damit zu einem guten Teil ein Populationsunterschied. Tragend für die Einstufung bleibt, dass die beiden Übersichtsarbeiten [1] und [6] für dieselben Blutfette zu verschiedenen Ergebnissen kommen. Eine neuere, umfassendere Auswertung aus 11 randomisierten Studien mit Suche bis Januar 2026 rechnet die Blutfett-Werte laut Abstract zusätzlich getrennt für vier kurzfristige Cross-over-Studien und sieben Studien mit durchgehender Einnahme im Parallelgruppen-Design, für die Cross-over-Studien war wegen uneinheitlicher Ergebnisse keine zusammenfassende Berechnung möglich, für die sieben Parallelgruppen-Studien zeigte sich kein statistisch oder klinisch bedeutsamer Effekt auf die Blutfette, nach GRADE bewertet [6]. Diese Einschlussregel erklärt einen Teil des insgesamt uneinheitlichen Bilds zusätzlich, genau die Cross-over-Studien mit dem größten Effekt, darunter [2], gehen in diese neuere Berechnung nicht ein, sie ist aber nicht selbst der Grund für den Widerspruch zwischen [3] und [5]
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03
Blutzucker- und Insulinstoffwechsel, mehrere positive Einzelstudien, in den größeren Auswertungen ohne Effekt
WidersprüchlichEinordnung und Einschränkungen
Eine randomisierte, plazebokontrollierte Studie an 79 Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes (500 mg Extrakt pro Tag als Tablette, 14 Wochen) fand ein signifikant niedrigeres HbA1c und ein niedrigeres Nüchterninsulin gegenüber Placebo, der postprandiale Insulinwert unterschied sich nicht [18]. Eine placebokontrollierte Cross-over-Studie an 46 übergewichtigen Männern (51 mg Oleuropein plus 10 mg Hydroxytyrosol pro Tag, 12 Wochen) fand eine um 15 Prozent verbesserte Insulinsensitivität (p gleich 0,024) und eine um 28 Prozent verbesserte Beta-Zell-Antwort (p gleich 0,013) gegenüber Placebo, der Blutzucker selbst veränderte sich nicht, auch diese Studie wurde laut Volltext zur Hälfte vom Hersteller Comvita finanziert, der Extrakt und Placebo stellte [7]. Die große Studie an 621 bereits medikamentös behandelten Personen mit Bluthochdruck berichtet eine signifikante Senkung des Blutzuckers gegenüber Placebo, im Abstract ohne bezifferten Wert [3]. Dem stehen mehrere Nullbefunde gegenüber. Eine Studie an 77 übergewichtigen Erwachsenen fand keinen Unterschied bei Glukose oder Insulin [5]. Eine Studie an 60 Personen mit Bluthochdruck fand keinen signifikanten Effekt auf Parameter des Glukosestoffwechsels [9]. Eine placebokontrollierte Pilotstudie an 31 Personen mit seit mindestens 12 Monaten bestehendem Typ-2-Diabetes (24 Wochen, Dosis im Abstract nicht beziffert) fand keinen signifikanten Unterschied beim Langzeitblutzuckerwert HbA1c gegenüber Placebo, die Autoren berichten dabei eine größere Verbesserung der Insulinsensitivität im Verum-Arm, ohne dass dieser Gruppenunterschied über die Zeit signifikant wurde, und fällen selbst kein Urteil zur Wirksamkeit [8]. Eine Auswertung aus 11 randomisierten Studien fand für die Studien mit durchgehender Einnahme keinen bedeutsamen Effekt auf glykämische Marker [6]. Eine ältere systematische Übersicht aus 12 Studien mit teilweise demselben Autorenteam (Koautorin Garavaglia J in beiden Arbeiten) berichtet für die Untergruppe niedrig dosierter Präparate ein gegenüber der Kontrollgruppe signifikant schlechteres Ergebnis der Nüchternglukose [10]. Das ist kein ausgebliebener Nutzen, sondern ein Befund in die unerwünschte Richtung, und er steht deshalb neben und nicht in der Reihe der Nullbefunde. Die neuere, umfassendere Auswertung derselben Arbeitsgruppe mit demselben Koautor bestätigt diesen Einzelbefund in ihrer Gesamtauswertung nicht [6]
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04
Entzündungsmarker im Blut (Interleukin-6, Interleukin-8, TNF-alpha, CRP), je nach Marker und Studie uneinheitlich, teils gegenläufig
WidersprüchlichEinordnung und Einschränkungen
Eine placebokontrollierte Studie an 60 Personen mit Bluthochdruck (12 Wochen, Dosis im Abstract nicht beziffert) fand eine signifikant stärkere Senkung von Interleukin-6, Interleukin-8 und Tumornekrosefaktor-alpha gegenüber Placebo [9]. Die placebokontrollierte Cross-over-Studie an prähypertensiven Männern (136 mg Oleuropein pro Tag als Flüssigextrakt, 6 Wochen) fand eine signifikante Senkung von Interleukin-8 gegenüber Kontrolle, andere Entzündungsmarker veränderten sich nicht [2]. Die große Studie an 621 Personen mit Bluthochdruck berichtet eine signifikante Senkung von CRP gegenüber Placebo, im Abstract ohne bezifferten Wert [3]. Eine akute Einzeldosis-Studie an 18 gesunden Erwachsenen (51 mg Oleuropein plus 10 mg Hydroxytyrosol, placebokontrolliert, Cross-over) entnahm Blut zu Studienbeginn sowie 1, 3 und 6 Stunden nach der Einnahme und kultivierte es anschließend 24 Stunden im Labor mit einem Entzündungsreiz, in dieser Ex-vivo-Kultur war die Interleukin-8-Produktion nach dem Extrakt signifikant niedriger als nach Kontrolle, die 24 Stunden sind die Kulturdauer der Probe im Labor, nicht der Zeitraum nach der Einnahme, gemessen wurde bis 6 Stunden nach der Einnahme [19]. Dagegen fand eine placebokontrollierte Cross-over-Studie an 46 übergewichtigen Männern (51 mg Oleuropein plus 10 mg Hydroxytyrosol pro Tag, 12 Wochen) einen signifikanten Anstieg von Interleukin-6 gegenüber Placebo sowie keinen Effekt auf Interleukin-8, TNF-alpha oder hochsensitives CRP [7]. Die Meta-Analyse aus 12 Studien mit 819 Teilnehmenden, in deren Datenmaterial unter anderem die Werte aus [2], [7] und [9] aufgehen, fand über alle eingerechneten Arbeiten hinweg keinen statistisch bedeutsamen Gesamteffekt auf Entzündungsmarker, bei niedriger bis sehr niedriger Evidenzqualität nach GRADE [1]. Die zweite Übersichtsarbeit wird häufig als Gegenbefund gelesen, sie trägt hier aber keinen eigenen Bestand bei. Ihre Werte für Interleukin-6 (mittlere Differenz minus 6,83 ng/l, 95 Prozent KI minus 13,15 bis minus 0,51), Interleukin-8 (minus 8,24 ng/l, 95 Prozent KI minus 16,00 bis minus 0,48) und TNF-alpha (minus 7,40 ng/l, 95 Prozent KI minus 13,23 bis minus 1,57) stammen laut Ergebnistabelle jeweils aus einer einzigen Studie mit 60 Teilnehmenden, und das ist Javadi und Kollegen [9], die in dieser Zeile bereits als Einzelquelle steht. Es ist also keine gemeinsame Auswertung von fünf Studien, sondern dieselbe Studie ein zweites Mal, die Evidenzqualität dieser Werte stufen die Autoren nach GRADE als niedrig ein [21]
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05
Gefäßfunktion (Pulswellen-Steifigkeitsindex) nach einer Einzeldosis
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Cross-over-Studie an 18 gesunden Erwachsenen prüfte eine einzelne Dosis von 51 mg Oleuropein plus 10 mg Hydroxytyrosol gegen eine abgestimmte Kontrolle und maß die Gefäßsteifigkeit per digitaler Volumenpuls-Analyse. Der Volltext ist über den Verlag frei abrufbar und nennt die Taktung, der Steifigkeitsindex wurde 30, 60, 90, 120, 180, 240, 360 und 480 Minuten nach der Einnahme gemessen, die Blutentnahmen zu Studienbeginn sowie nach 1, 3 und 6 Stunden gehören zum Entzündungsteil derselben Studie. Über den gesamten Messtag hinweg lag der Steifigkeitsindex nach dem Extrakt signifikant niedriger als nach der Kontrolle (Behandlungseffekt p gleich 0,0085 in der Varianzanalyse mit Messwiederholung), gegeben wurden vier Kapseln mit zusammen 1600 mg Extrakt [19]. Einzelne kleine Studie mit akuter Einzeldosis, keine Aussage zu wiederholter oder längerer Einnahme, und auch sie wurde zur Hälfte von Comvita Limited finanziert, dem Hersteller des geprüften Extrakts, der Prüf- und Kontrollkapseln stellte
Quellen: 19
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06
Oxidativer Stress, ein Blutmarker in einer Studie an Frauen mit Adipositas gesenkt, in einer separaten Studie an gesunden Erwachsenen kein Effekt auf Urin-Marker
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Eine placebokontrollierte Doppelblindstudie an 70 Frauen mit Adipositas unter kalorienreduzierter Diät in beiden Gruppen (250 mg Extrakt pro Tag, 8 Wochen) fand eine stärkere Senkung des Blutmarkers Malondialdehyd gegenüber Placebo (minus 0,61 versus minus 0,48, p gleich 0,02), die Gesamtantioxidanskapazität im Blut unterschied sich dagegen nicht von Placebo [11]. Eine kleinere, einfachblinde Pilotstudie mit Kontrollgruppe ohne Placebo an 45 gesunden jungen Erwachsenen (drei Arme, Kontrolle, Kapsel, Flüssigextrakt, Dosis im Abstract nicht beziffert) fand keinen Unterschied zur Kontrolle bei drei Urin-Biomarkern für oxidativen Stress [12]. Die beiden Studien prüfen unterschiedliche Marker (Blut gegen Urin), unterschiedliche Populationen und ein unterschiedliches Studiendesign, ein direkter Vergleich zwischen ihnen ist damit nicht möglich
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07
Häufigkeit von Atemwegsepisoden unverändert, weniger Krankheitstage bei jugendlichen Leistungssportlern
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Eine placebokontrollierte Studie an 32 jugendlichen Leistungssportlern (Dosis entsprechend 100 mg Oleuropein pro Tag, 9 Wochen Wettkampfsaison) fand keinen signifikanten Unterschied in der Häufigkeit von Atemwegsepisoden gegenüber Placebo (Odds Ratio 1,02), aber eine um 28 Prozent geringere Zahl an Krankheitstagen gegenüber Placebo (Odds Ratio 0,72, p gleich 0,02). Einzelne, kleine Studie, der primäre Endpunkt Häufigkeit blieb ohne Effekt
Quellen: 13
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08
Abheilungsdauer wiederkehrender Lippenbläschen bei äußerlicher Anwendung auf der Haut, nicht bei Einnahme, uneinheitlich
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Zwei kleine Studien mit topischer Creme, jeweils ohne Placeboarm und im Vergleich mit einer Aciclovir-Creme. Eine Studie an 66 Personen (2 Prozent OLE-Creme, 6 Tage) fand gegenüber Aciclovir weniger Blutung, Juckreiz und Schmerz am dritten sowie weniger Reizung, Juckreiz und Farbveränderung am sechsten Tag sowie eine kürzere Behandlungsdauer. Eine Studie an 40 Personen (OLE-Emulgel, 5 Tage) fand dagegen keinen Unterschied zu Aciclovir bei Schmerzintensität oder Tag der vollständigen Schmerzfreiheit, nur die Kruste fiel unter OLE signifikant früher ab. Beide Studien betreffen die topische, nicht die orale Anwendung, und ohne Placeboarm lässt sich eine Wirkung gegenüber einer unbehandelten Läsion nicht beurteilen
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09
Kognitive Funktion, bislang nur im Tiermodell
Nur Labor und TierEinordnung und Einschränkungen
In einer Mäusestudie mit fettreicher Ernährung und Bewegungsmangel verhinderte Olivenblatt-Extrakt eine Zunahme von Körperfett und Körpergewicht sowie eine Verschlechterung von Arbeitsgedächtnis und depressivem Verhalten, zudem verbesserte er die Ausdauerleistung. Als möglicher Mechanismus werden die Wirkstoffe Oleanolsäure (TGR5-Rezeptor) und Oleuropein (antioxidative Kapazität) diskutiert [16]. Eine systematische Übersicht aus 25 präklinischen und klinischen Arbeiten zu Olivenpolyphenolen (Oleuropein, Hydroxytyrosol, Oleocanthal) und neurodegenerativen Krankheitsmodellen kommt zu einem ähnlichen Bild, überwiegend Tiermodelle (57,7 Prozent der Arbeiten) und nach eigener Einschätzung der Autoren unzureichende Humanevidenz, sieben der 25 Arbeiten betreffen gezielt Oleuropein [20]. Gezielt gesucht mit den Suchbegriffen olive leaf extract und cognitive function, auch ohne Studientyp- und Humanfilter, kein Treffer zu einer Humanstudie mit Olivenblatt-Extrakt und kognitiver Funktion
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10
Hautalterung und Kollagenbildung bei oraler Einnahme
Keine Studien gefundenEinordnung und Einschränkungen
Gesucht wurde nach Humanstudien zu Olivenblatt-Extrakt und Haut, auch ohne Studientyp- und Humanfilter. Gefunden wurden ausschließlich Arbeiten zur topischen Anwendung (Creme, Hydrogel) sowie Laborarbeiten an isolierten menschlichen Hautzellen, etwa zu UV-bestrahlten Fibroblasten oder zur Kollagen-Synthese in Hautmodellen. Keine der gefundenen Arbeiten prüfte einen Hautendpunkt nach oraler Einnahme am Menschen
Olivenblatt-Extrakt wird häufig in einem Atemzug mit Olivenöl und der mediterranen Ernährung genannt, und ein großer Teil der bekannten Herz-Kreislauf-Forschung zu Olivenpolyphenolen betrifft tatsächlich das Öl, nicht den Extrakt aus den Blättern. Für Olivenöl besteht eine nach abgeschlossener EFSA-Bewertung zugelassene Angabe, wonach Olivenöl-Polyphenole zum Schutz der Blutfette vor oxidativem Stress beitragen. Die Verordnung bindet diese Angabe rechtlich ausdrücklich an Olivenöl: Verwendet werden darf sie nur für Olivenöl, das mindestens 5 mg Hydroxytyrosol und seine Derivate je 20 Gramm Öl enthält, wobei der Verordnungstext den Oleuropein-Komplex ausdrücklich zu diesen Derivaten zählt. Verpflichtend ist außerdem die Angabe an den Verbraucher, dass sich die beschriebene Wirkung bei einer täglichen Aufnahme von 20 Gramm Olivenöl einstellt [17]. Diese Menge Öl liefert eine Kapsel mit Olivenblatt-Extrakt nicht, unabhängig von deren Oleuropein-Gehalt, denn die Angabe hängt an einer Verzehrmenge des Lebensmittels Olivenöl, nicht an einer bestimmten Polyphenolmenge, die auch ein anderes Lebensmittel erreichen könnte. Was für den Blattextrakt selbst an Humanstudien vorliegt, zeigt die Tabelle oben.
Studien im Detail
Blutdruck
Die Studienlage zum Blutdruck ist die dichteste des Extrakts, und sie ist zugleich die mit dem stärksten Herstellerbezug. Die Blutdruckrechnung der Meta-Analyse stützt sich nicht auf alle 12 Studien, der systolische Wert stammt aus sechs Studien mit zusammen 372 Teilnehmenden, eine siebte blieb draußen, weil ihre Kontrollgruppe ein Blutdruckmedikament erhielt. Gepoolt ergab sich eine Senkung um 3,86 mmHg gegenüber Kontrolle (95 Prozent KI minus 6,44 bis minus 1,28) bei mäßiger Heterogenität, in der Untergruppe mit Bluthochdruck aus vier Studien um 4,81 mmHg (95 Prozent KI minus 7,27 bis minus 2,35), nach GRADE moderate Evidenzqualität [1]. Lockyer und Kollegen fanden in einer placebokontrollierten Cross-over-Studie an 60 Männern mit vorab erhöhtem Blutdruck eine Senkung von rund 3,3 bis knapp 4 mmHg gegenüber Kontrolle, bei einer Tagesdosis von 136 mg Oleuropein. Geprüft wurde ein konzentriertes Flüssigprodukt namens „Olive leaf extract, extra strength“ des Herstellers Comvita Limited (Neuseeland), der die Studie zur Hälfte finanzierte [2]. Die bislang größte Studie, an 621 Personen, die bereits medikamentös wegen erhöhtem Blutdruck behandelt wurden, fand eine zusätzliche Senkung des 24-Stunden-Werts um 6,4 gegenüber 1,5 mmHg unter Placebo. Unter den Autorenadressen stehen zwei Industrieadressen, eine davon das Beratungs- und Auftragsforschungsunternehmen DACIMA Consulting, eine das Pharmaunternehmen Belpharma Laboratories [3]. Eine ältere Studie ohne Placeboarm verglich den Extrakt direkt mit dem Blutdruckmedikament Captopril und fand eine ähnliche Senkung. Geprüft wurde der Markenextrakt EFLA943, ein Koautor (Perrinjaquet-Moccetti T) ist in mehreren anderen PubMed-Einträgen der Frutarom Switzerland Ltd zugeordnet, dem Hersteller der EFLA-Markenlinie, im Datensatz dieser Studie selbst nennt PubMed dazu keine Angabe [4].
Dem steht eine placebokontrollierte Studie an 77 übergewichtigen Erwachsenen mit lediglich leicht erhöhtem Cholesterin gegenüber, die keinen Blutdruckunterschied zu Placebo fand. Diese Teilnehmenden waren nicht ausdrücklich als Personen mit erhöhtem Blutdruck ausgewählt, was zum Bild passt, dass der Effekt vor allem bei einem bereits erhöhten Ausgangswert sichtbar wird. Die Erstautorin war zum Studienzeitpunkt bei einem Nahrungsergänzungsmittel-Hersteller (BioActor BV) angestellt [5].
Eine zweite Übersichtsarbeit, selbst ohne deklarierten Interessenkonflikt und ohne angegebene Förderung und PROSPERO-registriert, wertete fünf randomisierte Studien mit zusammen 325 Teilnehmenden mit erhöhtem Blutdruck nach Dosis getrennt aus. Ihr Volltext ist frei zugänglich und zeigt, worauf die einzelnen Werte beruhen. Der positive Wert für 500 mg Extrakt pro Tag, eine Senkung des systolischen Blutdrucks um 5,78 mmHg (95 Prozent KI minus 10,27 bis minus 1,30), stammt aus zwei Studien mit zusammen 80 Teilnehmenden, und der Vergleichsarm ist dort Placebo oder gar keine Behandlung, denn eine der beiden Arbeiten ist eine offene Zwillingsstudie gegen bloße Lebensstiländerung. Beide Arbeiten liegen zugleich im Blutdruckbestand der ersten Meta-Analyse, die zweite Übersicht ist also keine unabhängige zweite Datengrundlage, sondern eine Teilmenge der ersten. Für 1000 mg Extrakt pro Tag fand sie keinen Unterschied, doch der Vergleichsarm war einmal Captopril und nicht Placebo, nämlich die Studie [4], und einmal ein Kombinationspräparat aus Olivenblatt- Extrakt, Grüner-Kaffee-Extrakt und Rote-Bete-Pulver. Zwei der fünf eingeschlossenen Studien sind auch Einzelquellen dieses Eintrags, die Captopril-Vergleichsstudie [4] und die Entzündungsstudie [9] [21].
Von den vier Einzelstudien zum Blutdruck trägt damit jede einen Herstellerbezug, drei mit positivem Befund [2], [3], [4] und die vierte, die Nullstudie [5], deren Erstautorin ebenfalls bei einem Hersteller angestellt war. Unabhängig von der Industrie sind allein die beiden Übersichtsarbeiten selbst. Ihr Studienmaterial ist es nicht, [21] führt drei ihrer fünf Studien ausdrücklich als von Olivenblatt-Extrakt-Herstellern gefördert, darunter [4], und beide Arbeiten, auf denen ihr positiver Blutdruckwert beruht, stecken schon in [1].
Blutfette
Hier ist das Bild uneinheitlicher als beim Blutdruck. Die ältere Meta-Analyse fand eine Senkung der Triglyceride im Gesamtkollektiv, Gesamtcholesterin und LDL sanken signifikant nur in der Subgruppe mit Bluthochdruck; in ihr Datenmaterial gehen unter anderem die Werte aus [2] und [5] selbst ein [1]. Lockyer und Kollegen fanden zusätzlich zur Blutdrucksenkung eine Senkung von Gesamtcholesterin, LDL und Triglyceriden gegenüber Kontrolle, mit demselben Comvita-Flüssigprodukt wie oben [2]. Die große, placebokontrollierte Parallelgruppen-Studie an 621 Personen berichtet neben der Blutdrucksenkung auch eine Verbesserung des Lipidprofils gegenüber Placebo, im Abstract ohne bezifferte Werte [3]. Dem steht die ebenfalls placebokontrollierte Parallelgruppen-Studie an übergewichtigen Erwachsenen mit leicht erhöhtem Cholesterin gegenüber, die keinen Effekt auf die Blutfette fand, bei 500 mg Extrakt pro Tag über 8 Wochen. Das ist exakt die Dosis, unter der dieselbe Studie auch bei Blutdruck, Glukose und Insulin ohne Effekt blieb [5].
[3] und [5] sind beide placebokontrollierte Parallelgruppen-Studien und keine ist im Datenmaterial der anderen enthalten, ihre Populationen sind aber verschieden, [3] prüfte medikamentös behandelte Personen mit Bluthochdruck und [5] übergewichtige Erwachsene ohne ausgewiesenen Bluthochdruck. Genau diese Trennlinie zieht auch [1], dort sanken Gesamtcholesterin und LDL allein in der Untergruppe mit Bluthochdruck. Der Gegensatz zwischen den beiden Studien folgt damit zu einem guten Teil der Population. Tragend für die Einstufung als widersprüchlich bleibt, dass die beiden Übersichtsarbeiten [1] und [6] für dieselben Blutfette zu verschiedenen Ergebnissen kommen.
Eine neuere, im Januar 2026 aktualisierte Auswertung aus 11 randomisierten Studien rechnet die Blutfett-Ergebnisse laut Abstract zusätzlich getrennt für vier kurzfristige Cross-over-Studien und sieben Studien mit durchgehender Einnahme im Parallelgruppen-Design. Für die Cross-over-Studien war wegen uneinheitlicher Ergebnisse keine zusammenfassende Berechnung möglich, für die sieben Parallelgruppen-Studien zeigte sich kein statistisch oder klinisch bedeutsamer Effekt auf die Blutfette, nach GRADE bewertet. Die Autoren schreiben ausdrücklich, die aktuelle Evidenz stütze keine klinische Empfehlung für eine Supplementierung [6]. Ein Teil des insgesamt uneinheitlichen Bilds erklärt sich zusätzlich durch diese Einschlussregel: Genau die Cross-over-Studien mit dem größten Effekt, darunter die von Lockyer und Kollegen [2], gehen in die neuere Berechnung nicht ein. Das ist eine methodische Grenze, kein gegenläufiges Ergebnis am selben Datenmaterial, und sie erklärt nicht den oben beschriebenen direkten Gegensatz zwischen [3] und [5].
Blutzucker- und Insulinstoffwechsel
Auch hier stehen mehrere positive Einzelbefunde mehreren Nullbefunden gegenüber. Wainstein und Kollegen fanden in einer randomisierten, plazebokontrollierten Studie an 79 Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes (500 mg Extrakt pro Tag als Tablette, 14 Wochen) ein signifikant niedrigeres HbA1c und ein niedrigeres Nüchterninsulin gegenüber Placebo, der postprandiale Insulinwert unterschied sich nicht [18]. De Bock und Kollegen fanden in einer placebokontrollierten Cross-over-Studie an 46 übergewichtigen Männern eine um 15 Prozent verbesserte Insulinsensitivität und eine um 28 Prozent verbesserte Beta-Zell-Antwort gegenüber Placebo, bei einer vergleichsweise niedrigen Dosis von 51 mg Oleuropein und 10 mg Hydroxytyrosol pro Tag. Der Blutzucker selbst veränderte sich in dieser Studie nicht, und auch sie wurde laut Volltext zur Hälfte von Comvita finanziert, dem Hersteller, der Extrakt und Placebo stellte [7]. Die große Studie an 621 Personen mit Bluthochdruck berichtet zusätzlich eine signifikante Senkung des Blutzuckers gegenüber Placebo, im Abstract ohne bezifferten Wert [3].
Mehrere andere placebokontrollierte Studien fanden dagegen keinen Effekt: bei übergewichtigen Erwachsenen weder auf Glukose noch Insulin [5], bei Personen mit Bluthochdruck keinen Effekt auf den Glukosestoffwechsel [9], und bei Personen mit seit mindestens einem Jahr bestehendem Typ-2-Diabetes keinen Unterschied beim Langzeitblutzuckerwert HbA1c nach 24 Wochen, bei allerdings nur 31 Teilnehmenden und entsprechend geringer statistischer Power. Die Autoren dieser Pilotstudie berichten dabei eine größere Verbesserung der Insulinsensitivität im Verum-Arm, ohne dass dieser Gruppenunterschied über die Zeit signifikant wurde, und fällen ausdrücklich kein eigenes Urteil zur Wirksamkeit [8]. Die Auswertung aus 11 Studien fand für die Studien mit durchgehender Einnahme ebenfalls keinen bedeutsamen glykämischen Effekt [6].
Eine ältere systematische Übersicht aus 12 Studien berichtet für die Subgruppe niedrig dosierter Präparate ein gegenüber der Kontrollgruppe signifikant schlechteres Ergebnis bei der Nüchternglukose, also eine Wirkung in die unerwünschte Richtung [10]. Diese Übersicht teilt eine Koautorin (Garavaglia J) mit der neueren, umfassenderen Auswertung [6], und deren Gesamtauswertung bestätigt diesen einzelnen Subgruppenbefund nicht mehr. Beide Arbeiten stammen aus demselben Institut in Porto Alegre, Brasilien.
Entzündungsmarker
Fünf der Quellen zu diesem Eintrag messen Entzündungsmarker im Blut, mit uneinheitlichem, teils gegenläufigem Ergebnis. Javadi und Kollegen fanden bei 60 Personen mit Bluthochdruck eine signifikant stärkere Senkung von Interleukin-6, Interleukin-8 und Tumornekrosefaktor-alpha gegenüber Placebo [9]. Lockyer und Kollegen fanden in ihrer Cross-over-Studie an prähypertensiven Männern eine signifikante Senkung von Interleukin-8 gegenüber Kontrolle, andere Marker veränderten sich nicht [2]. Die große Studie an 621 Personen berichtet eine signifikante Senkung von CRP gegenüber Placebo, im Abstract ohne bezifferten Wert [3]. In einer akuten Einzeldosis-Studie an 18 gesunden Erwachsenen wurde Blut zu Studienbeginn sowie 1, 3 und 6 Stunden nach der Einnahme entnommen und anschließend 24 Stunden im Labor mit einem Entzündungsreiz kultiviert. In dieser Ex-vivo-Kultur war die Interleukin-8-Produktion nach dem Extrakt signifikant niedriger als nach Kontrolle. Die 24 Stunden sind die Kulturdauer der Probe im Labor, nicht der beobachtete Zeitraum nach der Einnahme, gemessen wurde bis 6 Stunden nach der Einnahme [19].
Dem steht ein gegenläufiger Befund gegenüber: De Bock und Kollegen fanden bei 46 übergewichtigen Männern einen signifikanten Anstieg von Interleukin-6 gegenüber Placebo, bei gleichzeitig keinem Effekt auf Interleukin-8, TNF-alpha oder hochsensitives CRP [7]. Die Meta-Analyse aus 12 Studien mit 819 Teilnehmenden, in deren Datenmaterial unter anderem die Werte aus [2], [7] und [9] aufgehen, fand über alle eingerechneten Arbeiten hinweg keinen statistisch bedeutsamen Gesamteffekt auf Entzündungsmarker, bei niedriger bis sehr niedriger Evidenzqualität nach GRADE [1]. Einzelne Marker bewegen sich in Einzelstudien also durchaus, im Aggregat verschwindet der Effekt.
Die zweite Übersichtsarbeit wird oft als Gegenbefund gelesen, ihr Volltext trägt das nicht. Ihre Werte für Interleukin-6 (mittlere Differenz minus 6,83 ng/l, 95 Prozent KI minus 13,15 bis minus 0,51), Interleukin-8 (minus 8,24 ng/l, 95 Prozent KI minus 16,00 bis minus 0,48) und TNF-alpha (minus 7,40 ng/l, 95 Prozent KI minus 13,23 bis minus 1,57) stammen laut Ergebnistabelle jeweils aus einer einzigen Studie mit 60 Teilnehmenden, und das ist Javadi und Kollegen [9], die schon als Einzelquelle in diesen Eintrag eingeht. Es ist also keine gemeinsame Auswertung von fünf Studien, sondern dieselbe Studie ein zweites Mal, nach GRADE mit niedriger Evidenzqualität [21].
Akute Gefäßfunktion
Dieselbe Einzeldosis-Studie mit 18 gesunden Erwachsenen maß auch die Gefäßsteifigkeit per digitaler Volumenpuls-Analyse nach einer einzelnen Dosis von 51 mg Oleuropein plus 10 mg Hydroxytyrosol. Der Volltext ist über den Verlag frei abrufbar und nennt die Taktung, der Steifigkeitsindex wurde 30, 60, 90, 120, 180, 240, 360 und 480 Minuten nach der Einnahme gemessen, die Blutentnahmen zu Studienbeginn sowie nach 1, 3 und 6 Stunden gehören zum Entzündungsteil derselben Studie. Über den gesamten Messtag hinweg lag der Steifigkeitsindex nach dem Extrakt signifikant niedriger als nach einer abgestimmten Kontrolle, der Behandlungseffekt in der Varianzanalyse mit Messwiederholung lag bei p gleich 0,0085, gegeben wurden vier Kapseln mit zusammen 1600 mg Extrakt [19]. Das ist eine einzelne, kleine Studie zu einer akuten Einzeldosis, sie sagt nichts über wiederholte oder längere Einnahme, und auch sie wurde zur Hälfte von Comvita Limited finanziert, dem Hersteller des geprüften Extrakts, der Prüf- und Kontrollkapseln stellte.
Oxidativer Stress
Zwei Studien mit sehr unterschiedlichem Design kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen, was eher an der unterschiedlichen Fragestellung liegt als an einem echten Widerspruch. Haidari und Kollegen fanden in einer placebokontrollierten Doppelblindstudie bei Frauen mit Adipositas unter einer kalorienreduzierten Diät (in beiden Studienarmen) eine stärkere Senkung des Blutmarkers Malondialdehyd unter 250 mg Extrakt pro Tag gegenüber Placebo, die Gesamtantioxidanskapazität im Blut unterschied sich dagegen nicht [11]. Kendall und Kollegen fanden in einer kleineren, einfachblinden Pilotstudie mit Kontrollgruppe, aber ohne Placebo, an gesunden jungen Erwachsenen keinen Unterschied zur Kontrolle bei drei Urin-Biomarkern für oxidativen Stress [12]. Unterschiedlicher Marker (Blut gegen Urin), unterschiedliche Population und unterschiedliches Studiendesign machen die beiden Arbeiten nicht direkt vergleichbar.
Atemwegsepisoden bei Sportlern und topische Hautanwendung
Eine einzelne kleine, placebokontrollierte Studie an jugendlichen Leistungssportlern fand keinen Unterschied in der Häufigkeit von Atemwegsepisoden während einer Wettkampfsaison, aber weniger Krankheitstage gegenüber Placebo [13]. Da der primäre Endpunkt ohne Effekt blieb und nur eine einzelne, kleine Studie vorliegt, reicht das nicht für mehr als Hinweise.
Zur topischen Anwendung auf wiederkehrenden Lippenbläschen liegen zwei kleine Studien vor, beide ohne Placeboarm und im Vergleich zu einer Aciclovir-Creme. Eine fand mehrere Vorteile bei Nebensymptomen und eine kürzere Behandlungsdauer [14], die andere keinen Unterschied bei der Schmerzintensität, nur einen früheren Abfall der Kruste [15]. Beide Studien betreffen eine Creme, nicht die orale Einnahme, und ohne Placebogruppe lässt sich nicht sagen, ob der Effekt über eine unbehandelte Läsion hinausgeht.
Tier- und Laborstudien
Diese Daten stehen für sich und werden nicht auf den Menschen übertragen.
In einem Mäusemodell mit fettreicher Ernährung und Bewegungsmangel verhinderte Olivenblatt-Extrakt eine Zunahme von Körperfett und Körpergewicht sowie eine Verschlechterung von Arbeitsgedächtnis und depressivem Verhalten und verbesserte die Ausdauerleistung unter normalen wie unter sauerstoffarmen Bedingungen. Als möglicher Mechanismus werden die Aktivierung eines Rezeptors namens TGR5 durch Oleanolsäure und die antioxidative Wirkung von Oleuropein diskutiert [16]. Eine breiter angelegte systematische Übersicht zu Olivenpolyphenolen und neurodegenerativen Krankheitsmodellen (25 Arbeiten, davon 7 zu Oleuropein) findet dasselbe Bild: überwiegend Tiermodelle und nach eigener Einschätzung der Autoren unzureichende Humanevidenz für einen Effekt auf die kognitive Funktion [20]. Eine Übertragung auf den Menschen ist damit nicht belegt, eine gezielte Suche nach entsprechenden Humanstudien zur kognitiven Funktion blieb ohne Treffer.
Zur Haut liegen ausschließlich Laborarbeiten an isolierten menschlichen Hautzellen sowie topische Anwendungen vor, keine Studie zur oralen Einnahme mit einem Hautendpunkt am Menschen.
Sicherheit und Wechselwirkungen
In den ausgewerteten Studien überwiegend gut verträglich, schwerwiegende Nebenwirkungen wurden in keiner der zitierten Studien berichtet. Da mehrere Studien mit Herstellerbezug übereinstimmend sowie zwei davon unabhängige Übersichtsarbeiten eine eigenständige blutdrucksenkende Wirkung zeigen, ist eine zusätzliche Blutdrucksenkung bei gleichzeitiger Einnahme blutdrucksenkender Medikamente denkbar, eine Studie verglich den Extrakt sogar direkt mit einem solchen Medikament [4]. Menschen mit ohnehin niedrigem Blutdruck oder unter blutdrucksenkender Medikation sollten das mitdenken. Belastbare Interaktionsdaten liegen uns nicht vor.
Quellen zum Nachlesen
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- 06
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07
Randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Cross-over-Studie, n gleich 46 · 2013
Olive (Olea europaea L.) leaf polyphenols improve insulin sensitivity in middle-aged overweight men, a randomized, placebo-controlled, crossover trial
de Bock M, et al. PLoS One
-
08
Randomisierte, placebokontrollierte Pilotstudie, n gleich 31 · 2025
Efficacy and safety of olive leaf extract (Olea europaea L.) for glycaemic control in adults with type 2 diabetes mellitus (ESOLED), a pilot randomised controlled trial
Leach MJ, Breakspear I. Complement Ther Clin Pract
Zur Zuschreibung: 03
- 09
- 10
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11
Randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie, n gleich 70 · 2025
Phenolic-rich extract of olive leaf with a hypocaloric diet alleviates oxidative stress in obese females, a randomized double-blind placebo controlled trial
Haidari F, et al. Nutr Metab Cardiovasc Dis
Zur Zuschreibung: 06
- 12
- 13
- 14
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15
Randomisierte, dreifachblinde, aktiv kontrollierte Studie, topisch, n gleich 40 · 2024
Evaluating the effectiveness of topical olive leaf extract emulgel in managing recurrent herpes labialis, a randomized controlled clinical study
Gaizeh Al-Hallak MA, Hsaian JA, Aljoujou AA. Sci Rep
Zur Zuschreibung: 08
- 16
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Rechtsakt auf Grundlage abgeschlossener EFSA-Bewertungen · 2012
Verordnung (EU) Nr. 432/2012 zur Festlegung einer Liste zulässiger gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel
Europäische Kommission Amtsblatt der Europäischen Union
- 18
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19
Randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Cross-over-Studie, akute Einzeldosis, n gleich 18 · 2015
Secoiridoids delivered as olive leaf extract induce acute improvements in human vascular function and reduction of an inflammatory cytokine, a randomised, double-blind, placebo-controlled, cross-over trial
Lockyer S, et al. Br J Nutr
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20
Systematische Übersicht aus 25 präklinischen und klinischen Arbeiten zu Olivenpolyphenolen · 2026
Olive Components (Biophenols or Polyphenols) in Neurodegenerative Disease Models and Clinical Studies, A Systematic Review of Evidence and Translational Barriers
Omar SH, Ghani MA. Biomedicines
Zur Zuschreibung: 09
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21
Systematische Übersicht und Meta-Analyse aus 5 RCTs, n gleich 325, PROSPERO CDR42020181212 · 2021
Olive leaf extract effect on cardiometabolic profile among adults with prehypertension and hypertension, a systematic review and meta-analysis
Ismail MA, Norhayati MN, Mohamad N. PeerJ
Bei H.P.N
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