Nattokinase

Zuletzt geprüft am

Enzyme

Subtilisin NAT

H.P.N · Datenstand 2026-08-19 · 10 Zuschreibungen im Überblick

Auf einen Blick

Was es ist
Eine fibrinolytisch wirksame Serinprotease (Subtilisin NAT), gewonnen durch Fermentation von Sojabohnen mit dem Bakterium Bacillus subtilis var. natto
Herkunft
Natto, ein traditionelles japanisches Lebensmittel aus fermentierten Sojabohnen. Für Nahrungsergänzungsmittel wird das Enzym isoliert, gereinigt und aktivitätsstandardisiert angeboten, unabhängig vom Lebensmittel Natto selbst
Wirkform in Studien
Überwiegend orale Kapseln mit gereinigter Nattokinase, aktivitätsstandardisiert in Fibrinolytic Units (FU). Einzelne Arbeiten prüfen Nattokinase kombiniert mit anderen Wirkstoffen wie Rotschimmelreis-Extrakt, was sich klar von Nattokinase als Reinstoff unterscheidet
Übliche Studiendosis
2000 bis 8000 FU pro Tag in echten plazebokontrollierten Studien mit Nattokinase als Reinstoff, am häufigsten 2000 FU pro Tag über 8 Wochen bis 3 Jahre. Eine einzelne, deutlich schwächer kontrollierte Arbeit (retrospektiv, ohne beschriebene Randomisierung und ohne Placebo-Gruppe) prüfte zusätzlich 10.800 FU pro Tag über 12 Monate [19]. Die FU-Aktivität wird herstellerabhängig kalibriert, ein direkter Vergleich zwischen Präparaten unterschiedlicher Hersteller ist ohne Angabe der Prüfmethode nicht sauber möglich
Vitamin K2
Natto als fermentiertes Sojalebensmittel zählt zu den nahrungsreichsten bekannten Quellen für Vitamin K2 (Menachinon-7), isoliertes Nattokinase-Enzym ist damit aber nicht gleichzusetzen. Für ein in mehreren der hier verwendeten Studien eingesetztes Präparat (NSK-SD) ist ausdrücklich dokumentiert, dass es sich um einen fermentierten Soja-Extrakt handelt, aus dem Vitamin K2 entfernt wurde [17]. Vitamin K2 wirkt Vitamin-K-Antagonisten wie Phenprocoumon oder Warfarin pharmakologisch entgegen, in die Gegenrichtung der fibrinolytischen Wirkung von Nattokinase selbst; beide Effekte sind unabhängig voneinander und dürfen nicht vermischt werden. Eine 2022 veröffentlichte, methodisch schwache Arbeit mit engen Herstellerverbindungen prüfte die zusätzliche Gabe von separat zugeführtem Vitamin K2 (180 Mikrogramm pro Tag) neben Nattokinase und berichtete dafür einen positiven Effekt auf Blutfette, nicht auf Gerinnung [19]
Zeit bis zur Wirkung
Veränderungen von Gerinnungs- und Fibrinolyse-Biomarkern zeigten sich in einer Einzeldosis-Studie bereits innerhalb weniger Stunden, der in Studien geprüfte Effekt auf den Blutdruck wurde dagegen erst nach mehreren Wochen gemessen
Rechtlicher Status
In der EU als Nahrungsergänzungsmittel im Handel, keine EFSA-bewertete gesundheitsbezogene Angabe zugelassen. Eine 2017 veröffentlichte Übersichtsarbeit dokumentierte eine damals laufende, titelgleiche klinische Studie in den USA zur Atherothrombose [11]; deren Ergebnis liegt nach unserer Einschätzung mit hoher Wahrscheinlichkeit in der 2021 veröffentlichten Studie vor, die unten als Quelle [6] für Blutdruck und Halsschlagader-Wanddicke geführt wird
Verträglichkeit
In den ausgewerteten plazebokontrollierten Studien keine vermehrten schwerwiegenden Nebenwirkungen gegenüber Placebo. Da Nattokinase in die Blutgerinnung eingreift, ist bei gleichzeitiger Einnahme gerinnungshemmender oder thrombozytenfunktionshemmender Arzneimittel und vor Operationen besondere Vorsicht angebracht, siehe Abschnitt Sicherheit und Wechselwirkungen. Menschen unter Vitamin-K-Antagonisten sollten zusätzlich bedenken, dass ein Vitamin-K2-Gehalt des jeweiligen Präparats, sofern vorhanden, der gerinnungshemmenden Wirkung des Medikaments unabhängig von Nattokinase selbst entgegenwirken kann, siehe Steckbrief-Zeile Vitamin K2

Was diesem Stoff zugesprochen wird

Was die Studien hergeben.

Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.

  1. 01

    Systolischer und diastolischer Blutdruck bei Erwachsenen mit erhöhtem Blutdruck oder weiteren Herz-Kreislauf-Risikofaktoren

    Belegt
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine Meta-Analyse zu Nattokinase und Herz-Kreislauf-Risikofaktoren liegt vor [1]. Ihre eigene Einschlusstabelle führt 7 randomisierte Studien für die qualitative Übersicht, aber nur 6 davon mit insgesamt 546 Teilnehmenden gingen tatsächlich in die quantitative Auswertung ein; die siebte, ausgeschlossene Arbeit prüfte ein mehrstoffhaltiges Präparat (Nattospes) als Zusatz zur Standardversorgung gegen Standardversorgung allein, kein Placebo, obwohl die Einschlusstabelle der Meta-Analyse sie fälschlich als plazebokontrolliert führt [26]. Von den 6 tatsächlich ausgewerteten Studien prüfen alle gereinigtes Nattokinase als Reinstoff gegen ein passendes Placebo, ohne Kombinationspartner. Für den Blutdruck flossen davon nur 3 der 6 Studien mit zusammen 223 Teilnehmenden ein (115 unter Nattokinase, 108 unter Placebo). Der systolische Blutdruck sank im Mittel um 3,45 Punkte stärker (95-Prozent-Konfidenzintervall minus 4,37 bis minus 2,18, p kleiner 0,00001), der diastolische um 2,32 Punkte stärker (Konfidenzintervall minus 2,72 bis minus 1,92, p kleiner 0,00001) als unter Placebo [1]. Eine der drei zugrunde liegenden Studien prüfte an 86 randomisierten, 73 abgeschlossen betreuten Teilnehmenden mit leicht bis mäßig erhöhtem Ausgangsblutdruck über 8 Wochen exakt 2000 FU Nattokinase täglich als Kapsel gegen Placebo [2]; diese Studie ist Teil der Meta-Analyse, keine zusätzliche unabhängige Bestätigung. Der Effekt lag dort in ähnlicher Größenordnung (systolisch minus 5,55 mmHg, Konfidenzintervall minus 10,5 bis minus 0,57, diastolisch minus 2,84 mmHg, Konfidenzintervall minus 5,33 bis minus 0,33), war bei dieser Stichprobengröße aber nur knapp statistisch von null verschieden, das jeweils obere Ende beider Intervalle liegt nahe null [2]. Die im Volltext der Meta-Analyse referierten Rohbefunde zur Renin-Aktivität sind nur eingeschränkt aussagekräftig. In dieser Studie [2] sank die Renin-Aktivität in der Nattokinase-Gruppe und stieg in der Placebo-Gruppe, dieser Gruppenunterschied selbst war nicht statistisch signifikant, signifikant war laut Volltext nur die errechnete Netto-Veränderung (p gleich 0,026) [1]. Von den beiden anderen Studien im Blutdruck-Pool ist eine eine multizentrische, doppelblind plazebokontrollierte Studie an 74 abgeschlossen betreuten nordamerikanischen Teilnehmenden mit erhöhtem Blutdruck über 8 Wochen bei 2000 FU pro Tag [17], nach eigener Angabe von einer unabhängigen Auftragsforschungsorganisation durchgeführt, die dabei ausdrücklich das Nattokinase-Präparat eines einzelnen Herstellers prüfte; laut Danksagung im Volltext wurde diese Studie von JBSL-USA finanziert, dem Vertrieb genau des geprüften Nattokinase-Präparats, womit 2 der 3 Studien im Blutdruck-Pool eine direkte Firmenbindung tragen (die zweite ist Quelle [4] über ihre Berichtigung [20]), und die Bias-Bewertung der Meta-Analyse stuft diese Studie bei 3 der 7 bewerteten Bereiche als unklares Risiko ein, mehr als jede andere Studie im Blutdruck-Pool [1]. In dieser Studie lag der diastolische Blutdruck nach 8 Wochen im Gruppenvergleich gegen Placebo statistisch signifikant niedriger (84 gegenüber 87 mmHg, p kleiner 0,04), der systolische Blutdruck unterschied sich dagegen nicht signifikant von Placebo, dort erreichte nur die Veränderung innerhalb der Nattokinase-Gruppe einen Trend [17]. In einer Untergruppe mit niedriger Ausgangs-Renin-Aktivität normalisierte sich die Renin-Aktivität laut Volltext bei 66 Prozent der Nattokinase-Gruppe gegenüber 8 Prozent in der Placebo-Gruppe; für diesen Anteilsunterschied rechnet die Arbeit selbst keinen Signifikanztest, das dort berichtete p kleiner 0,1 gehört zu einem anderen Vergleich, dem Renin-Anstieg der Männer gegenüber Placebo [17]. Die dritte Studie im Pool ist dieselbe Arbeit, die weiter unten für Gerinnungs-Biomarker als Quelle [4] geführt wird; ihre eigene Publikation nennt als Endpunkte ausschließlich Gerinnungswerte, keinen Blutdruck, taucht in der Meta-Analyse aber dennoch im Blutdruck-Pool auf, ein Widerspruch, der im Offen-Block dieses Eintrags steht. Eine vierte, ebenfalls mit 2000 FU pro Tag, aber deutlich länger laufende plazebokontrollierte Studie an 265 gesunden älteren Menschen ohne bekannte Herz-Kreislauf-Erkrankung fand über median 3 Jahre dagegen keinen signifikanten Unterschied beim Blutdruck [6]. Die günstige Wirkung zeigt sich damit bislang bei Menschen mit bereits erhöhtem Blutdruck oder vergleichbaren Risikofaktoren, mit einer bei den beiden namentlich genannten Einzelstudien mit 2000 FU pro Tag nur knapp beziehungsweise schwach gesicherten Effektgröße, nicht in der bislang einzigen Studie an gesunden Menschen mit niedrigem Ausgangsrisiko.

    Quellen: 1, 2, 6, 4, 17, 26

  2. 02

    Gerinnungs- und Fibrinolyse-Biomarker (D-Dimer, Fibrin- und Fibrinogen-Spaltprodukte, Gerinnungs- und Blutungszeiten, von-Willebrand-Faktor, Gewebe-Plasminogenaktivator) nach oraler Einnahme, akut verändert nach einer Einzeldosis und bei 6000 FU pro Tag über 8 Wochen, im Talspiegel nach Wochen bis Monaten bei 2000 FU pro Tag nicht mehr nachweisbar

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    In einer randomisierten, plazebokontrollierten Cross-over-Studie an 12 gesunden jungen Männern stiegen D-Dimer (6 und 8 Stunden nach Einnahme) sowie Fibrin- und Fibrinogen-Spaltprodukte (4 Stunden) nach einer Einzeldosis von 2000 FU Nattokinase gegenüber Placebo signifikant an (je p kleiner 0,05), die Faktor-VIII-Aktivität sank, Antithrombin und die aktivierte partielle Thromboplastinzeit stiegen; alle Messwerte blieben dabei innerhalb des Normbereichs [3]. Das geprüfte Nattokinase-Präparat (NSK-SD) stammte laut Originalarbeit vom selben Hersteller (Japan Bio Science Laboratory Co., Ltd), der auch die weiter unten beschriebene Akutstudie zu peripherer Durchblutung [24] mit Präparat und Placebo belieferte und finanzierte; beide Arbeiten teilen zudem 2 Autoren (Kurosawa Y, Hamaoka T), sie sind deshalb nicht als zwei vollständig unabhängige Bestätigungen des akuten Effekts zu lesen. Diese Einzeldosis von 2000 FU entspricht genau der Tagesdosis der unten genannten Langzeitstudie, der eigentliche Gegensatz liegt also nicht in der Dosishöhe, sondern im Messzeitpunkt: hier wenige Stunden nach akuter Einnahme, dort im Talspiegel nach Wochen bis Monaten regelmäßiger Einnahme. Eine randomisierte, doppelblinde Studie an 100 randomisierten, 76 abgeschlossen betreuten Teilnehmenden mit erhöhtem Cholesterinspiegel prüfte 6000 FU pro Tag und fand nach 8 Wochen eine stärkere Verlängerung der Kollagen-Epinephrin-Verschlusszeit (p gleich 0,001) und der aktivierten partiellen Thromboplastinzeit (p gleich 0,016) gegenüber Placebo [4]; nach einer inzwischen erschienenen Berichtigung dieser Publikation, deren Text uns nicht zugänglich war, ergänzt sie einen Autor und mehrere Zugehörigkeiten, darunter eine Tätigkeit bei dem Hersteller des in mehreren hier zitierten Studien verwendeten Nattokinase-Präparats; laut den uns vorliegenden Metadaten der Berichtigung sind die zitierten Zahlen davon nicht betroffen, wir konnten das aber nicht am Berichtigungstext selbst nachprüfen [20]. Dem steht die bislang einzige echte Langzeitstudie entgegen: Bei 2000 FU täglich, bei einer insgesamt median 3 Jahre laufenden Studie, zeigte sich für diesen Biomarker-Endpunkt zu den Messzeitpunkten 1 Woche sowie 1, 3 und 6 Monate gegenüber Placebo kein nachweisbarer Unterschied bei Prothrombinzeit, aktivierter partieller Thromboplastinzeit, von-Willebrand-Faktor-Antigen oder Gewebe-Plasminogenaktivator-Antigen [6]. Eine ältere, offene Studie ohne Kontrollgruppe liegt dosis- und dauermäßig genau zwischen den beiden anderen Humanarbeiten: Bei 4000 FU pro Tag über 2 Monate an 45 Teilnehmenden (gesund, mit Herz-Kreislauf-Risikofaktoren oder unter Dialyse) sanken Fibrinogen, Faktor VII und Faktor VIII im Zeitverlauf statistisch deutlich, ohne Unterschied zwischen den Teilgruppen; mangels Kontrollgruppe und Verblindung zählt dieser Befund hier nicht als Beleg, zeigt aber, dass eine weitere Arbeit in genau diesem Dosis- und Zeitfenster existiert [21]. Die belegten akuten Biomarker-Effekte stammen damit aus einer Einzeldosis-Studie und aus einer Studie mit 6000 FU pro Tag über 8 Wochen, während im Talspiegel bei derselben Tagesdosis von 2000 FU über Wochen bis Monate auf überlappenden Markern kein Unterschied mehr nachweisbar war; keine der Arbeiten prüfte einen klinischen Endpunkt wie ein tatsächliches Gerinnsel-Ereignis.

    Quellen: 3, 4, 6, 20, 21, 24

  3. 03

    Blutfettwerte (Gesamt-, LDL- und HDL-Cholesterin, Triglyceride) und Nüchtern-Blutzucker bei alleiniger Einnahme von Nattokinase, in den plazebokontrollierten Studien bis 8000 FU pro Tag kein günstiger Effekt bestätigt, bei Gesamtcholesterin und Nüchtern-Blutzucker gegenüber Placebo sogar ungünstig verschoben

    Nicht bestätigt
    Einordnung und Einschränkungen

    Aus derselben Meta-Analyse wurden für Gesamt-, LDL- und HDL-Cholesterin 4 der 6 eingeschlossenen Studien mit zusammen 399 Teilnehmenden ausgewertet, unterteilt nach der insgesamt verabreichten Menge, also Tagesdosis mal Dauer, nicht die Tagesdosis allein [1]. Die Untergruppe mit niedrigerer Gesamtdosis besteht aus 2 kurzen Studien über je 8 Wochen bei hoher Tagesdosis (8000 beziehungsweise 6000 FU pro Tag): Hier stieg das Gesamtcholesterin unter Nattokinase stärker als unter Placebo (Mittelwertdifferenz plus 5,27 Punkte, Konfidenzintervall 3,74 bis 6,81, p kleiner 0,00001), das HDL-Cholesterin sank stärker (minus 2,76 Punkte, Konfidenzintervall minus 3,88 bis minus 1,64, p kleiner 0,00001) und das LDL-Cholesterin stieg stärker (plus 6,49 Punkte, Konfidenzintervall 0,83 bis 12,15, p gleich 0,02), die Richtung ist damit ungünstig statt neutral [1]. Diese Untergruppe besteht laut Studiencharakteristik der Meta-Analyse aus genau 2 Arbeiten, der bereits als Quelle [4] geführten Studie bei 6000 FU pro Tag sowie einer weiteren, nicht in PubMed indexierten Arbeit (Wu et al. 2009, Acta Cardiologica Sinica, 8000 FU pro Tag über 8 Wochen); diese zweite Arbeit konnten wir nicht eigenständig auffinden oder prüfen, der ungünstige Lipidbefund dieser Untergruppe stützt sich damit zur Hälfte auf eine für uns nicht überprüfbare Quelle. Die Untergruppe mit höherer Gesamtdosis besteht aus 2 länger laufenden Studien (7000 FU pro Tag über 6 Monate sowie 2000 FU pro Tag über 3 Jahre): Hier stieg das Gesamtcholesterin ebenfalls stärker als unter Placebo (plus 3,18 Punkte, Konfidenzintervall 2,29 bis 4,06, p kleiner 0,00001), für LDL- und HDL-Cholesterin zeigte sich ein günstig gerichteter, aber statistisch nicht signifikanter Unterschied (HDL plus 5,14 Punkte, Konfidenzintervall minus 2,51 bis 12,79, p gleich 0,19; LDL p gleich 0,93) [1]. Die Autoren verweisen in der Diskussion zusätzlich auf 2 externe Arbeiten mit berichteter Wirkung auf Blutfette und lassen ausdrücklich offen, ob eine lipidbezogene Wirkung von Nattokinase dosisabhängig ist [1]; wir haben beide Arbeiten eigenständig geprüft und nennen sie hier mit Quellennummer. Die erste ist eine randomisierte Studie an 82 Menschen mit erhöhten Blutfetten und Karotis-Ablagerungen, die 39 abgeschlossen betreute Teilnehmende unter 6000 FU Nattokinase pro Tag (nicht 6500 FU, wie die Meta-Analyse in der Diskussion schreibt) gegen 37 Teilnehmende unter 20 mg Simvastatin über 26 Wochen verglich, ohne Placebo-Gruppe [18]. Beide Arme senkten Gesamtcholesterin, LDL-Cholesterin und Triglyceride statistisch deutlich gegenüber dem Ausgangswert, unter Simvastatin stärker als unter Nattokinase (p kleiner 0,05); nur unter Nattokinase stieg zusätzlich das HDL-Cholesterin statistisch deutlich, unter Simvastatin veränderte es sich nicht [18]. Die zweite ist eine deutlich schwächer kontrollierte, retrospektive Auswertung von Behandlungsdaten an 1062 Menschen mit erhöhten Blutfetten, ohne beschriebene Randomisierung und ohne Placebo-Gruppe, bei der alle Teilnehmenden 10.800 FU Nattokinase pro Tag über 12 Monate erhielten [19]; laut Volltext wurden die Teilnehmenden aus der ambulanten Sprechstunde für Traditionelle Chinesische Medizin am Dritten Zugehörigen Krankenhaus der Sun-Yat-sen-Universität in Guangzhou, aus dem Shenyang Red Cross Hospital sowie aus 9 weiteren Gesundheitszentren in den Provinzen Guangdong und Yunnan rekrutiert, insgesamt also 2 Kliniken und 9 weitere Zentren, nicht 12 Zentren; die Rekrutierung lief von Januar 2016 bis Juni 2020. Das verwendete Präparat stammte von einem einzelnen Hersteller, mehrere Studienautoren waren bei diesem Hersteller oder einem verbundenen Pharmaunternehmen beschäftigt. Diese Arbeit und die zuvor genannte Studie gegen Simvastatin [18] stammen zudem beide aus derselben ambulanten TCM-Sprechstunde desselben Krankenhauses, dem Dritten Zugehörigen Krankenhaus der Sun-Yat-sen-Universität, mit teils denselben Autorinnen und Autoren (unter anderem Chen und Li beziehungsweise Lin erscheinen in beiden Autorenlisten); die beiden Gegenbefunde sind damit nicht ohne Weiteres als zwei unabhängige Bestätigungen zu lesen, siehe auch den Offen-Block. Gegenüber dem Ausgangswert sanken Gesamtcholesterin, Triglyceride und LDL-Cholesterin statistisch deutlich (jeweils p kleiner 0,01), das HDL-Cholesterin stieg um 15,8 Prozent; eine parallel ausgewertete Untergruppe mit 3600 FU pro Tag zeigte dagegen keine Veränderung der Blutfette, was die Autoren als Beleg werten, dass die bislang übliche Dosisempfehlung von 2000 FU pro Tag zu niedrig angesetzt sei [19]. Bei einem Teil der Teilnehmenden wurde zusätzlich separat zugeführtes Vitamin K2 (180 Mikrogramm pro Tag) oder niedrig dosiertes Aspirin mitgegeben, beides ging in der Auswertung mit einem verstärkten Lipideffekt einher [19]. Beide Arbeiten sind methodisch schwächer als die längste plazebokontrollierte Studie zu diesem Thema [6], die eine mit Statin als Aktivkomparator statt Placebo, die andere ganz ohne Kontrollgruppe und ohne beschriebene Randomisierung; das ist ein Grund, die Einstufung dieser Zeile zu halten, aber kein Grund, beide Arbeiten weder zu nennen noch gegen die Nullbefunde abzuwägen. Bei den Triglyceriden aus der Meta-Analyse (3 Studien, 134 Teilnehmende) zeigte sich kein Unterschied zu Placebo (minus 0,7 Punkte, Konfidenzintervall minus 4,45 bis 3,03, p gleich 0,71) [1], beim Nüchtern-Blutzucker (2 Studien, 341 Teilnehmende) ein geringer, aber statistisch signifikanter Anstieg unter Nattokinase (plus 0,40 Punkte, Konfidenzintervall 0,20 bis 0,60, p kleiner 0,0001) [1]. Eine ältere, dreiarmige Studie an 47 Menschen mit erhöhten Blutfetten stellt reine Nattokinase (200 mg pro Tag, laut Studiencharakteristik der Meta-Analyse rund 7000 FU) direkt gegen dieselbe Dosis kombiniert mit einem Rotschimmelreis-Extrakt: Über 6 Monate veränderte die reine Nattokinase keinen der gemessenen Blutfettwerte, während die Kombination gegenüber Placebo Gesamtcholesterin, LDL-Cholesterin und das Verhältnis von Gesamt- zu HDL-Cholesterin statistisch deutlich senkte (p kleiner 0,0001); für die in der Kombinationsgruppe zusätzlich berichtete Reduktion der Triglyceride um 15 Prozent nennt die Studie keinen separaten Placebo-Vergleich [5]. Die placebokontrollierten Arbeiten fanden damit im geprüften Dosisbereich bis 8000 FU pro Tag keinen lipidsenkenden Effekt von Nattokinase allein, das trägt diese Einstufung. Die beiden Gegenbefunde bei deutlich höherer Dosis (6000 beziehungsweise 10.800 FU pro Tag) unterscheiden sich von den placebokontrollierten Arbeiten in mehr als nur der Dosis: Der eine ersetzt Placebo durch einen wirksamen Vergleichsarzneistoff, der andere hat weder Placebo noch beschriebene Randomisierung, und beide stammen aus derselben ambulanten TCM-Sprechstunde mit teils denselben Autorinnen und Autoren, siehe oben. Gleicher Endpunkt, aber weder derselbe Vergleichsarm noch dieselbe Kontrollqualität, das macht die beiden Gegenbefunde nicht zu einem Widerspruch gegen die placebokontrollierte Evidenz, sondern zu einer offenen Frage bei deutlich höherer Dosis, die diese Einstufung nicht kippt, aber auch nicht verschwiegen werden soll.

    Quellen: 1, 5, 18, 19

  4. 04

    Fortschritt der Halsschlagader-Wanddicke (Karotis-Intima-Media-Dicke) und der Gefäßsteifigkeit bei gesunden älteren Menschen ohne bekannte Herz-Kreislauf-Erkrankung, in der randomisierten plazebokontrollierten Studie über 3 Jahre nicht bestätigt

    Nicht bestätigt
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine randomisierte, doppelblinde, plazebokontrollierte Studie an 265 Menschen mit einem mittleren Alter von 65,3 Jahren ohne klinisch bekannte Herz-Kreislauf-Erkrankung verglich täglich 2000 FU Nattokinase mit Placebo über median 3 Jahre [6]. Die per Ultraschall gemessene jährliche Zunahme der Halsschlagader-Intima-Media-Dicke unterschied sich zwischen den Gruppen nicht (0,013 mm pro Jahr unter Nattokinase, Konfidenzintervall 0,010 bis 0,015, gegenüber 0,011 mm pro Jahr unter Placebo, Konfidenzintervall 0,009 bis 0,013, p gleich 0,31); die beiden Intervalle überschneiden sich fast vollständig, was den Nullbefund zusätzlich stützt. Ebenso wenig unterschied sich die gemessene Gefäßsteifigkeit der Halsschlagader [6]. Auch bei Blutdruck und den erhobenen Laborwerten (Stoffwechsel-, Blutrheologie-, Gerinnungs-, Fibrinolyse- und Entzündungsmarker) fand sich in dieser Studie kein signifikanter Unterschied zu Placebo [6]; es ist die randomisierte, plazebokontrollierte Studie mit der bislang längsten Laufzeit zu Nattokinase, nicht mehr die mit den meisten Teilnehmenden, seit eine deutlich größere, aber unkontrollierte Arbeit bekannt wurde [19]. Zwei andere, methodisch schwächere Arbeiten kommen für dieselben Gefäßmaße zum gegenteiligen Befund. Eine randomisierte Studie ohne Placebo-Gruppe verglich 39 abgeschlossen betreute Teilnehmende unter 6000 FU Nattokinase pro Tag mit 37 unter 20 mg Simvastatin über 26 Wochen [18]. In beiden Armen sanken die Karotis-Intima-Media-Dicke und die Plaquefläche gegenüber dem Ausgangswert statistisch deutlich, unter Nattokinase deutlich stärker als unter Simvastatin (Plaquefläche minus 36,6 Prozent gegenüber minus 11,5 Prozent, p kleiner 0,01; Intima-Media-Dicke von 1,13 auf 1,01 Millimeter unter Nattokinase); die Autoren fanden dabei keinen statistischen Zusammenhang zwischen dem Ausmaß der Lipidsenkung und der Verbesserung der Gefäßmaße [18]. Eine retrospektive Auswertung ohne beschriebene Randomisierung und ohne Placebo-Gruppe an 1062 Menschen, davon 683 mit dokumentierten Karotis-Ablagerungen, fand unter 10.800 FU Nattokinase pro Tag über 12 Monate ebenfalls eine statistisch deutliche Abnahme von Intima-Media-Dicke (minus 21,7 Prozent) und Plaquefläche (minus 36,0 Prozent), während eine parallel ausgewertete Untergruppe mit 3600 FU pro Tag keine Veränderung zeigte [19]. Beide Arbeiten sind deutlich schwächer kontrolliert als die randomisierte, plazebokontrollierte Nullbefund-Studie [6], die eine ersetzt Placebo durch einen wirksamen Vergleichsarzneistoff, die andere hat weder Placebo noch beschriebene Randomisierung und wurde am Material und mit Autoren eines einzelnen Herstellers durchgeführt; das rechtfertigt, an der Einstufung dieser Zeile festzuhalten, nicht aber, die gegenteiligen Befunde zu verschweigen. Beide Arbeiten stammen zudem aus derselben ambulanten TCM-Sprechstunde am Dritten Zugehörigen Krankenhaus der Sun-Yat-sen-Universität in Guangzhou, mit teils denselben Autorinnen und Autoren, siehe die Blutfett-Zeile; sie zählen deshalb eher als ein einzelner, zweimal publizierter Befund aus demselben Umfeld als zwei unabhängige Gegenstudien.

    Quellen: 6, 18, 19

  5. 05

    Globale kognitive Leistung (MoCA-Score) bei klinisch vorausgewählten Teilnehmenden mit bildgebend festgestellter, beschwerdefreier Verengung einer Hals- oder Hirnarterie, gegenüber Placebo kein Unterschied

    Nicht bestätigt
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine randomisierte, doppelblinde, plazebokontrollierte Studie an 120 Teilnehmenden (Durchschnittsalter 58,3 Jahre) mit einer im MRT festgestellten, beschwerdefreien Verengung einer Hals- oder Hirnarterie prüfte 8000 FU Nattokinase täglich gegen Placebo über 6 Monate [7]. Beim vorab festgelegten primären Endpunkt, der Veränderung des globalen kognitiven Scores MoCA, zeigte sich zwischen den Gruppen kein Unterschied (mittlere Differenz 0,038 Punkte, Konfidenzintervall minus 1,109 bis 1,163, p gleich 0,948) [7]. In einer explorativen Auswertung mehrerer kognitiver Teilbereiche verbesserte sich ausschließlich der Bereich räumliches Sehen stärker unter Nattokinase (Gruppenunterschied 0,35 Punkte, Konfidenzintervall 0,056 bis 0,649, p gleich 0,024) [7]; bei einer Auswertung mehrerer Teilbereiche ohne berichtete Korrektur für Mehrfachtestung ist ein einzelner positiver Teilbefund mit Vorsicht zu lesen.

    Quellen: 7

  6. 06

    Periphere Durchblutung und Kälteempfinden an Händen und Füßen, akut mit Hinweisen auf einen Effekt, bei täglicher Einnahme über Wochen bislang ohne Beleg

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine gezielte Nachsuche fand zwei kontrollierte Humanstudien, mit unterschiedlichem Befund je nach Einnahmedauer. In einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Cross-over-Studie an 9 gesunden Männern tauchten die Teilnehmenden beide Hände 2 Stunden nach einer Einzeldosis von entweder 2000 FU Nattokinase oder Placebo für eine Minute in 10 Grad kaltes Wasser; die Hauttemperatur an Mittelfinger, Handfläche und Handrücken der rechten Hand erholte sich danach unter Nattokinase statistisch deutlich schneller als unter Placebo (signifikante Behandlung-mal-Zeit-Interaktion, p kleiner 0,05), für die linke Hand wird kein eigenes Signifikanzergebnis berichtet; Herzfrequenz, Herzzeitvolumen und die gemessene Aktivität des sympathischen Nervensystems veränderten sich dabei nicht [24]. Diese zwei Stunden liegen innerhalb desselben 2- bis 8-Stunden-Fensters, in dem auch die weiter oben beschriebene Akutstudie zu Gerinnungs-Biomarkern [3] ihre Effekte maß, der akute Befund stützt sich damit auf zwei zeitlich zueinander passende Studien. Die Studie wurde vom Hersteller des geprüften Nattokinase-Präparats finanziert und mit dessen Präparat und Placebo beliefert, der laut Erklärung der Autoren keinen Einfluss auf Design, Auswertung oder Publikation hatte; sie teilt zudem 2 Autoren (Kurosawa Y, Hamaoka T) mit der oben genannten Akutstudie zu Gerinnungs-Biomarkern [3], die ihr Nattokinase-Präparat vom selben Hersteller bezog. Die beiden Akutstudien zu Nattokinase sind damit nicht als zwei vollständig unabhängige Bestätigungen zu lesen, ebenso wenig wie die beiden weiter unten genannten Gegenbefunde bei Blutfetten und Karotis-Wanddicke. Dem steht eine ältere, doppelblinde Cross-over-Studie an 17 Frauen mit sogenannten Lifestyle-Erkrankungen gegenüber, die über je 4 Wochen ein anderes natto-basiertes Präparat (NKCP, Hauptwirkstoff Bacillopeptidase F, 250 mg pro Tag) gegen einen fermentierten Soja-Extrakt mit Subtilisin NAT als Nattokinase-Vergleichsarm prüfte, in der eigenen Terminologie der Studie als aktives Placebo bezeichnet und mit 100 mg pro Tag dosiert; ein echtes inertes Placebo hatte diese Studie nicht [25]. Die Studie rechnet für keinen der erhobenen Werte einen statistischen Vergleich zwischen den beiden Studienarmen, sondern ausschließlich einen Vergleich von vorher gegen nachher innerhalb jedes Arms. Unter NKCP sanken die Symptom-Skalen für Schulterverspannung, Kreuzschmerzen und Kälteempfinden der Extremitäten gegenüber dem Ausgangswert statistisch deutlich, beim Nattokinase-Vergleichsarm zeigte sich nach 4 Wochen bei keinem der erhobenen Werte, darunter derselbe Kälteempfinden-Score und der Blutdruck, eine signifikante Veränderung gegenüber dem eigenen Ausgangswert [25]. Der scheinbare Gegensatz liegt vor allem an Messzeitpunkt und Messgröße, nicht allein an der Dosis: Die positive Studie misst eine objektive Hauttemperatur 2 Stunden nach einer einzelnen Dosis, die Null-Studie einen subjektiven Symptom-Score nach 4 Wochen täglicher Einnahme, bei einer Auswertung, die durchweg nur vorher gegen nachher rechnet, nicht Nattokinase-Arm gegen aktives Placebo direkt. Ergänzend liegt Labor- und Tierevidenz zum Wirkmechanismus vor: In einer Laborarbeit an menschlichem Blut sanken die Aggregation roter Blutkörperchen und die Blutviskosität bei niedriger Scherrate nach Zugabe von Nattokinase konzentrationsabhängig, ausdrücklich als vorläufige In-vitro-Untersuchung außerhalb des Körpers beschrieben [22]. In einer Ratten- und Kaninchen-Arbeit hemmte Nattokinase die Thrombozytenaggregation in vitro und verzögerte dosisabhängig den durch Eisen(III)-chlorid ausgelösten Verschluss der Halsschlagader lebender Ratten, in einer hohen Dosis ebenso wirksam wie Aspirin [23].

    Quellen: 3, 22, 23, 24, 25

  7. 07

    Venenbeschwerden wie Krampfadern

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine gezielte Suche nach einer plazebokontrollierten Humanstudie zu Nattokinase als Reinstoff speziell bei Venenbeschwerden wie Krampfadern blieb ohne Treffer. Eine unkontrollierte klinische Beobachtung an 153 Menschen mit Venenerkrankungen liefert keinen auswertbaren Wirksamkeitsbeleg: Zwei von drei Gruppen erhielten zusätzlich zu Nattokinase ein verschreibungspflichtiges Gerinnungshemmer-Präparat, die dritte Gruppe wurde erst nach einer Operation und ohne Placebo-Vergleich beobachtet, im Mittelpunkt der Arbeit stand ausdrücklich die Verträglichkeit, nicht die Wirksamkeit [14]. Der fibrinolytische und durchblutungsfördernde Wirkmechanismus, der in einer Laborarbeit an menschlichem Blut [22] sowie in einer Ratten- und Kaninchen-Arbeit [23] beschrieben ist, siehe die vorstehende Zeile zu peripherer Durchblutung, ist auf Venenbeschwerden wie Krampfadern denkbar übertragbar, gesenkte Erythrozyten-Aggregation und ein Rattenmodell zur Gefäßwandverdickung sind aber nicht ohne Weiteres auf ein Klappen- und Strukturproblem der Venen übertragbar, für diesen Endpunkt am Menschen ist nichts geprüft.

    Quellen: 14, 22, 23

  8. 08

    Auflösung von Blutgerinnseln (Thrombolyse) und Hemmung der Gefäßwandverdickung im Tiermodell (Ratte)

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    In einem chemisch ausgelösten Thrombose-Modell an der Halsschlagader der Ratte stellte intravenös verabreichte Nattokinase den Blutfluss innerhalb von 60 Minuten wieder her und löste das Gerinnsel auf molarer Basis stärker auf als die Vergleichsenzyme Plasmin und Elastase (Wiederherstellung des Blutflusses 62,0 Prozent gegenüber 15,8 beziehungsweise 0 Prozent) [8]. In einer weiteren Ratten-Studie senkte eine natto-extrakthaltige, nattokinasehaltige Nahrungsergänzung, 3 Wochen vor und 3 Wochen nach einer chemisch gesetzten Gefäßverletzung verabreicht, die anschließende Verdickung der Gefäßwand deutlich (Intima-Media-Verhältnis 0,09 unter Verum gegenüber 0,16 in der Kontrollgruppe, p kleiner 0,01) und förderte die Auflösung wandständiger Gerinnsel [9]. Beide Untersuchungen fanden ausschließlich an Ratten statt, mit injizierter beziehungsweise diätetischer Verabreichung, nicht an Menschen.

    Quellen: 8, 9

  9. 09

    Schutz der Blut-Hirn-Schranke und neuroprotektive Effekte im Tiermodell

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine Übersichtsarbeit fasst tierexperimentelle Arbeiten zusammen, wonach Nattokinase in Modellen neurodegenerativer Veränderungen die Funktion der Blut-Hirn-Schranke stützt, Entzündungswerte im Gehirn senkt und die kognitive Leistung der Tiere verbessert; als angenommene Wirkwege werden die fibrinolytische, entzündungshemmende und antioxidative Wirkung sowie ein Einfluss auf die Gefäßfunktion genannt [10]. Die referenzierten Einzelstudien fanden ausschließlich an Versuchstieren statt, die Übersichtsarbeit selbst hält eine Übertragung auf die Anwendung beim Menschen für noch nicht untersucht.

    Quellen: 10

  10. 10

    Auflösung sogenannter Mikrogerinnsel im Zusammenhang mit Long-COVID-Symptomen, im Laborversuch an isoliertem menschlichem Blutplasma

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine 2026 veröffentlichte Laborarbeit prüfte an aus menschlichem Blutplasma gewonnenen sogenannten Amyloid-Mikrogerinnseln, wie sie im Zusammenhang mit Long-COVID-Symptomen beschrieben werden, ob eine Kombination aus Nattokinase, Lumbrokinase und dem Gerinnsel-Medikament rtPA zusammen mit Ultraschall deren Auflösung fördert [15]. Bei niedrigeren Ultraschall-Frequenzen (150 bis 300 kHz) zeigte die Zugabe der drei fibrinolytischen Enzyme keinen statistisch nachweisbaren zusätzlichen Effekt gegenüber Ultraschall allein, das die Gerinnsel-Größe bereits deutlich reduzierte (Durchmesser um mehr als 60 Prozent bei 150 kHz); bei 500 kHz, wo Ultraschall allein weniger wirksam war, verstärkte die Enzymzugabe den Abbau moderat [15]. Die Untersuchung fand ausschließlich im Laborversuch an außerhalb des Körpers isoliertem Plasma statt, prüfte Nattokinase nicht getrennt von den beiden anderen Enzymen und ist keine Untersuchung der oralen Einnahme von Nattokinase durch Menschen.

    Quellen: 15

Nattokinase ist ein Enzym, keine Pflanze und kein Nährstoff mit bekannter Grundfunktion, entsprechend gibt es dafür keine EFSA-Stufe. Fast die gesamte Studienlage bewegt sich im Umfeld der Blutgerinnung und des Herz-Kreislauf-Systems, gemessen wurde durchweg mit konkreten Messgrößen wie Blutdruckwerten, Cholesterinwerten, Gerinnungszeiten oder der Wanddicke der Halsschlagader, nicht mit Diagnosen. Die Tabelle zeigt ein gemischtes Bild: Der Effekt auf den Blutdruck ist die am besten belegte Wirkung, während zwei verbreitete Zuschreibungen, eine lipidsenkende Wirkung und ein genereller Gefäßschutz, in den vorliegenden plazebokontrollierten Studien nicht bestätigt wurden, wobei 2 methodisch schwächere, nicht placebokontrollierte Arbeiten mit deutlich höherer Dosis das Gegenteil finden, teils mit einer Bewegung in die ungünstige Richtung, wobei diese beiden Gegenbefunde aus derselben ambulanten Klinik mit teils denselben Autorinnen und Autoren stammen. Für die häufig beworbene Wirkung auf periphere Durchblutung und Kälteempfinden liegen inzwischen 2 kleine kontrollierte Humanstudien mit uneinheitlichem Befund vor, dazu Labor- und Tierevidenz zum Wirkmechanismus. Für Venenbeschwerden wie Krampfadern speziell liegt weiterhin nur Labor- und Tierevidenz vor. Wer Vitamin-K-Antagonisten einnimmt, sollte zusätzlich die Steckbrief-Zeile zu Vitamin K2 lesen, die fibrinolytische Wirkung des Enzyms und ein möglicher Vitamin-K2-Gehalt des jeweiligen Präparats wirken in unterschiedliche Richtungen.

Studien im Detail

Blutdruck

Die tragende Quelle ist eine 2023 veröffentlichte Meta-Analyse zu Herz-Kreislauf-Risikofaktoren unter Nattokinase gegen Placebo [1]. Ihre eigene Einschlusstabelle führt 7 randomisierte Studien für die qualitative Übersicht, aber nur 6 davon mit insgesamt 546 Teilnehmenden gingen tatsächlich in die quantitative Auswertung ein. Die siebte, ausgeschlossene Arbeit prüfte ein mehrstoffhaltiges Präparat (Nattospes) als Zusatz zur Standardversorgung gegen Standardversorgung allein, kein Placebo, obwohl die Einschlusstabelle der Meta-Analyse sie fälschlich als plazebokontrolliert führt [26]. Von den 6 tatsächlich ausgewerteten Studien prüfen alle gereinigtes Nattokinase als Reinstoff gegen ein passendes Placebo, ohne Kombinationspartner, das ist eine Stärke dieser Evidenzbasis. Für den Blutdruck flossen davon nur 3 Studien mit 223 Teilnehmenden ein: Der systolische Blutdruck sank im Mittel um 3,45 Punkte stärker, der diastolische um 2,32 Punkte stärker als unter Placebo, beide Unterschiede statistisch deutlich abgesichert (p jeweils kleiner 0,00001) [1].

Die erste der drei zugrunde liegenden Einzelstudien, an 86 randomisierten Teilnehmenden mit leicht bis mäßig erhöhtem Ausgangsblutdruck (73 abgeschlossen betreut), prüfte über 8 Wochen exakt 2000 FU Nattokinase täglich als Kapsel gegen Placebo [2]. Diese Studie ist Teil der Meta-Analyse, ihr Ergebnis ist also bereits in der gepoolten Zahl enthalten, keine unabhängige zweite Bestätigung. Der Blutdruck sank in ähnlicher Größenordnung wie im gepoolten Ergebnis (systolisch minus 5,55 mmHg, Konfidenzintervall minus 10,5 bis minus 0,57, diastolisch minus 2,84 mmHg, Konfidenzintervall minus 5,33 bis minus 0,33), bei dieser Stichprobengröße war der Blutdruck-Effekt aber nur knapp statistisch von null verschieden, das jeweils obere Ende beider Intervalle liegt nahe null. Zur Renin-Aktivität in dieser Studie geben wir jetzt die abgeschwächte Lesart wieder, die der Volltext der Meta-Analyse an zwei Stellen nennt: Die Renin-Aktivität sank in der Nattokinase-Gruppe und stieg in der Placebo-Gruppe, dieser Gruppenunterschied selbst erreichte keine statistische Signifikanz, signifikant war nur die errechnete Netto-Veränderung zwischen beiden Gruppen (p gleich 0,026) [1].

Die zweite Studie im Blutdruck-Pool ist eine multizentrische, doppelblinde, plazebokontrollierte Studie an 79 randomisierten, 74 abgeschlossen betreuten Teilnehmenden in Nordamerika mit erhöhtem Blutdruck, ebenfalls über 8 Wochen bei 2000 FU pro Tag [17]. Sie wurde nach eigener Angabe von einer unabhängigen Auftragsforschungsorganisation durchgeführt, die dabei ausdrücklich das Präparat eines einzelnen Herstellers prüfte (NSK-SD); dasselbe Präparat wird in der Originalarbeit als fermentierter Soja-Extrakt beschrieben, aus dem Vitamin K2 entfernt wurde, siehe Steckbrief. Laut Danksagung im Volltext wurde die Studie von JBSL-USA finanziert, dem Vertrieb genau des geprüften Nattokinase-Präparats. Die Bias-Bewertung der Meta-Analyse stuft diese Studie bei 3 der 7 bewerteten Bereiche (Verblindung der Endpunkterhebung, selektive Berichterstattung, sonstige Bias-Quellen) als unklares Risiko ein, mehr als jede andere Studie im Blutdruck-Pool [1]. Der diastolische Blutdruck lag nach 8 Wochen im Gruppenvergleich gegen Placebo statistisch signifikant niedriger (84 gegenüber 87 mmHg, p kleiner 0,04), der systolische Blutdruck unterschied sich dagegen nicht signifikant von Placebo, dort erreichte nur die Veränderung innerhalb der Nattokinase-Gruppe einen Trend. In einer Untergruppe mit niedriger Ausgangs-Renin-Aktivität normalisierte sich die Renin-Aktivität laut Volltext bei 66 Prozent der Teilnehmenden unter Nattokinase gegenüber 8 Prozent unter Placebo. Für diesen Anteilsunterschied rechnet die Arbeit selbst keinen Signifikanztest, das dort berichtete p kleiner 0,1 gehört zu einem anderen Vergleich, dem Renin-Anstieg der Männer gegenüber Placebo. Die Originalarbeit spricht von einer Normalisierung auf Normalwerte. Die dritte Studie im Blutdruck-Pool der Meta-Analyse ist dieselbe Arbeit, die weiter unten für Gerinnungs-Biomarker als Quelle [4] beschrieben wird; ihre eigene Publikation nennt ausschließlich Gerinnungswerte als Endpunkt, keinen Blutdruck. Warum sie dennoch im Blutdruck-Pool der Meta-Analyse auftaucht, können wir ohne Einsicht in den Volltext dieser Einzelstudie nicht auflösen, der Widerspruch steht im Offen-Block.

Eine vierte Studie, ebenfalls mit 2000 FU pro Tag, aber deutlich umfangreicher und länger laufend, relativiert das Bild. An 265 gesunden Menschen mit einem mittleren Alter von 65 Jahren ohne bekannte Herz-Kreislauf-Erkrankung fand sich über median 3 Jahre kein signifikanter Unterschied beim Blutdruck zwischen Nattokinase und Placebo [6]. Die bislang positive Evidenz stammt also aus kürzeren Studien an Menschen mit bereits erhöhtem Blutdruck oder vergleichbaren Risikofaktoren, mit einer bei den beiden dosisgleichen Studien nur knapp beziehungsweise schwach gesicherten Effektgröße, nicht aus der einzigen längeren Studie an Herzgesunden mit niedrigem Ausgangsrisiko.

Gerinnungs- und Fibrinolyse-Biomarker

Drei kontrollierte Humanstudien haben direkt gemessen, was mit Gerinnungswerten nach der Einnahme von Nattokinase passiert, dazu eine ältere, offene Arbeit ohne Kontrollgruppe. In einer Cross-over-Studie an 12 gesunden jungen Männern führte eine Einzeldosis von 2000 FU zu einem Anstieg von D-Dimer und Fibrin-/Fibrinogen-Spaltprodukten innerhalb weniger Stunden sowie zu einer verlängerten aktivierten partiellen Thromboplastinzeit, alle Werte blieben aber innerhalb des Normbereichs [3]. Das geprüfte Präparat (NSK-SD) stammte vom selben Hersteller (Japan Bio Science Laboratory Co., Ltd), der auch die weiter unten beschriebene Akutstudie zu peripherer Durchblutung und Kälteempfinden mit Präparat und Placebo belieferte und finanzierte [24]; beide Arbeiten teilen zudem 2 Autoren (Kurosawa Y, Hamaoka T) und sind deshalb nicht als zwei vollständig unabhängige Bestätigungen des akuten Effekts zu lesen. In einer 8-wöchigen Studie an 100 randomisierten, 76 abgeschlossen betreuten Menschen mit erhöhtem Cholesterinspiegel verlängerte Nattokinase, bei 6000 FU pro Tag, gegenüber Placebo sowohl die Kollagen-Epinephrin-Verschlusszeit als auch die aktivierte partielle Thromboplastinzeit statistisch deutlich [4]. Zu dieser Studie liegt inzwischen eine Berichtigung vor, die einen weiteren Autor und vier zusätzliche Zugehörigkeiten gegenüber der Originalpublikation nennt, darunter eine Tätigkeit bei dem Hersteller des in mehreren hier zitierten Studien verwendeten Nattokinase-Präparats [20]. Den eigentlichen Berichtigungstext konnten wir nicht einsehen, der Verlag blockiert den Zugriff; nach den uns vorliegenden PubMed-Metadaten sind die zitierten Zahlen davon nicht betroffen, das ist aber eine Einschätzung anhand der Metadaten, keine eigene Prüfung des Berichtigungstextes.

Der wichtigste Punkt bei diesen beiden positiven Befunden ist nicht die Dosis, sondern der Messzeitpunkt: Die Einzeldosis-Studie hat mit 2000 FU exakt dieselbe Tagesdosis geprüft wie die unten genannte Langzeitstudie, gemessen aber Stunden nach einer einzelnen Einnahme, nicht im Talspiegel nach Wochen oder Monaten regelmäßiger Einnahme. Dem steht die bislang einzige echte Langzeitstudie entgegen: In derselben Studie, die weiter unten für die Halsschlagader-Wanddicke beschrieben ist und insgesamt median 3 Jahre lief, zeigte sich für diesen Biomarker-Endpunkt bei 2000 FU täglich zu den Messzeitpunkten 1 Woche sowie 1, 3 und 6 Monate gegenüber Placebo kein nachweisbarer Unterschied bei Prothrombinzeit, aktivierter partieller Thromboplastinzeit, von-Willebrand-Faktor-Antigen oder Gewebe-Plasminogenaktivator-Antigen [6]. Diese Messungen enden also nach 6 Monaten, nicht erst nach 3 Jahren.

Zwischen diesen beiden Polen, akut und im Talspiegel, liegt eine ältere, offene Studie ohne Kontrollgruppe und ohne Verblindung, die wir zur Vollständigkeit nennen, aber nicht als Beleg werten: An 45 Teilnehmenden (gesunde Menschen, Menschen mit Herz-Kreislauf-Risikofaktoren und Menschen unter Dialyse) sanken Fibrinogen, Faktor VII und Faktor VIII über 2 Monate bei 4000 FU pro Tag im Zeitverlauf statistisch deutlich, ohne erkennbaren Unterschied zwischen den drei Teilgruppen [21]. Ohne Placebo-Vergleich lässt sich daraus kein eigenständiger Effekt von Nattokinase ableiten, die Arbeit liegt aber dosis- und dauermäßig genau zwischen der Einzeldosis-Studie und der 8-Wochen-Studie mit 6000 FU. Keine der vier Arbeiten hat einen klinischen Endpunkt wie ein tatsächliches Gerinnsel-Ereignis geprüft.

Blutfette und Blutzucker

Hier zeigt sich der deutlichste Unterschied zwischen verbreiteter Erwartung und Studienlage, und die genaue Zusammensetzung der Studiengruppen nach Tagesdosis ist entscheidend. Aus der Meta-Analyse [1] wurden für Gesamt-, LDL- und HDL-Cholesterin 4 der 6 eingeschlossenen Studien mit zusammen 399 Teilnehmenden gepoolt, mit hoher statistischer Heterogenität zwischen den Studien. Eine Untergruppenanalyse nach der insgesamt verabreichten Menge, also Tagesdosis mal Dauer und nicht die Tagesdosis allein, erklärt einen Teil dieser Heterogenität. Die Untergruppe mit niedrigerer Gesamtdosis besteht aus 2 kurzen Studien über je 8 Wochen bei hoher Tagesdosis, 8000 beziehungsweise 6000 FU pro Tag: Hier stieg das Gesamtcholesterin unter Nattokinase stärker als unter Placebo, das HDL-Cholesterin sank stärker und das LDL-Cholesterin stieg stärker, jeweils statistisch deutlich [1]. Die beiden Studien dieser Untergruppe sind die bereits als Quelle [4] geführte Arbeit bei 6000 FU pro Tag sowie eine weitere Arbeit bei 8000 FU pro Tag (Wu et al. 2009, Acta Cardiologica Sinica), die nicht in PubMed indexiert ist; wir konnten diese zweite Arbeit nicht eigenständig auffinden oder prüfen, der ungünstige Lipidbefund dieser Untergruppe stützt sich also zur Hälfte auf eine für uns nicht überprüfbare Quelle. Die Untergruppe mit höherer Gesamtdosis besteht aus 2 länger laufenden Studien, 7000 FU pro Tag über 6 Monate sowie 2000 FU pro Tag über 3 Jahre: Hier stieg das Gesamtcholesterin ebenfalls stärker als unter Placebo, für LDL- und HDL-Cholesterin zeigte sich ein günstig gerichteter, aber statistisch nicht signifikanter Unterschied. Die Autoren der Meta-Analyse verweisen in der Diskussion zusätzlich auf 2 externe Arbeiten mit berichteter Wirkung auf Blutfette und lassen ausdrücklich offen, ob eine lipidbezogene Wirkung von Nattokinase dosisabhängig ist [1]. Beide Arbeiten wurden im Volltext geprüft.

Die erste ist eine randomisierte Studie an 82 Menschen mit erhöhten Blutfetten und dokumentierten Ablagerungen an der Halsschlagader, davon 76 abgeschlossen betreut (39 unter Nattokinase, 37 unter Simvastatin). Sie verglich über 26 Wochen 6000 FU Nattokinase pro Tag mit 20 mg Simvastatin täglich, ohne Placebo-Gruppe [18]. Die Meta-Analyse nennt in ihrer Diskussion für diese Arbeit 6500 FU, das ist nach unserer Prüfung der Primärquelle falsch übernommen, die Originalpublikation nennt durchgehend 6000 FU. Beide Arme senkten Gesamtcholesterin, LDL-Cholesterin und Triglyceride gegenüber dem Ausgangswert statistisch deutlich, unter Simvastatin stärker als unter Nattokinase; nur unter Nattokinase stieg zusätzlich das HDL-Cholesterin statistisch deutlich, unter Simvastatin blieb es unverändert [18]. Die zweite Arbeit ist eine deutlich schwächer kontrollierte, retrospektive Auswertung von Behandlungsdaten an 1062 Menschen mit erhöhten Blutfetten, ohne beschriebene Randomisierung und ohne Placebo-Gruppe [19]. Die Teilnehmenden wurden laut Volltext von Januar 2016 bis Juni 2020 aus der ambulanten Sprechstunde für Traditionelle Chinesische Medizin am Dritten Zugehörigen Krankenhaus der Sun-Yat-sen-Universität in Guangzhou, aus dem Shenyang Red Cross Hospital sowie aus 9 weiteren Gesundheitszentren in den Provinzen Guangdong und Yunnan rekrutiert, insgesamt also 2 Kliniken und 9 weitere Zentren, nicht 12 Zentren. Alle Teilnehmenden erhielten 10.800 FU Nattokinase pro Tag über 12 Monate, hergestellt und vertrieben von einem einzelnen Unternehmen, bei dem mehrere Studienautoren beschäftigt waren. Diese Arbeit und die zuvor beschriebene Studie gegen Simvastatin [18] stammen zudem beide aus derselben ambulanten TCM-Sprechstunde desselben Krankenhauses, mit teils denselben Autorinnen und Autoren (unter anderem Chen und Li beziehungsweise Lin erscheinen in beiden Autorenlisten); wir zählen die beiden deshalb nicht als zwei unabhängige Gegenbefunde, sondern eher als einen Befund aus demselben klinischen Umfeld, der zweimal publiziert wurde. Gegenüber dem Ausgangswert sanken Gesamtcholesterin, Triglyceride und LDL-Cholesterin statistisch deutlich, das HDL-Cholesterin stieg um 15,8 Prozent; eine parallel ausgewertete Untergruppe mit 3600 FU pro Tag zeigte dagegen keine Veränderung der Blutfette. Die Autoren werten das als Beleg, dass die verbreitete Dosisempfehlung von 2000 FU pro Tag zu niedrig angesetzt sei, und berichten zusätzlich, dass eine begleitende Gabe von separat zugeführtem Vitamin K2 (180 Mikrogramm pro Tag) oder niedrig dosiertem Aspirin bei einem Teil der Teilnehmenden mit einem verstärkten Lipideffekt einherging [19].

Beide Arbeiten unterscheiden sich von der unten beschriebenen, echt plazebokontrollierten Langzeitstudie [6] nicht nur in der Dosis, sondern im Vergleichsarm: Die eine ersetzt Placebo durch einen wirksamen Vergleichsarzneistoff, die andere hat weder Placebo noch beschriebene Randomisierung und wurde am Material und mit Autoren eines einzelnen Herstellers durchgeführt. Gleicher Endpunkt, aber weder derselbe Vergleichsarm noch dieselbe Kontrollqualität, das macht die beiden Gegenbefunde nicht zu einem Widerspruch gegen die placebokontrollierte Evidenz, sondern zu einer offenen Frage bei deutlich höherer Dosis: Das ist ein Grund, an der Einstufung dieser Zeile als nicht bestätigt festzuhalten, aber kein Grund, die beiden Arbeiten zu verschweigen. Beide zeigen bei deutlich höherer Dosis über mehrere Monate einen lipidsenkenden Effekt, den die placebokontrollierten Arbeiten im Dosisbereich bis 8000 FU pro Tag nicht finden. Bei den Triglyceriden aus der Meta-Analyse (3 Studien, 134 Teilnehmende) und beim Nüchtern-Blutzucker (2 Studien, 341 Teilnehmende, geringer, aber statistisch signifikanter Anstieg unter Nattokinase) ergab sich ebenfalls keine günstige Wirkung [1].

Eine ältere, dreiarmige Studie an 47 Menschen mit erhöhten Blutfetten liefert dazu die direkteste Erklärung. Reine Nattokinase, 200 mg pro Tag und damit laut der Studiencharakteristik in der Meta-Analyse rund 7000 FU, veränderte über 6 Monate keinen der gemessenen Blutfettwerte, während dieselbe Dosis kombiniert mit einem Rotschimmelreis-Extrakt gegenüber Placebo Gesamtcholesterin, LDL-Cholesterin und das Verhältnis von Gesamt- zu HDL-Cholesterin statistisch deutlich senkte [5]. Für die in der Kombinationsgruppe zusätzlich berichtete Reduktion der Triglyceride um 15 Prozent nennt die Studie keinen separaten Placebo-Vergleich, nur eine Veränderung gegenüber dem Ausgangswert. An dieser Stelle wurde also kein lipidsenkender Effekt von Nattokinase allein gefunden, die einzige direkte Gegenüberstellung von Reinstoff und Kombination fand einen Effekt nur in der Kombination. Ob eine ausreichend hohe Gesamtdosis reinen Nattokinases über längere Zeit einen eigenständigen Lipideffekt hat, bleibt nach der vorliegenden Meta-Analyse offen.

Halsschlagader-Wanddicke und Gefäßsteifigkeit

Die randomisierte, plazebokontrollierte Studie mit der bislang längsten Laufzeit zu Nattokinase prüfte 265 gesunde ältere Menschen ohne bekannte Herz-Kreislauf-Erkrankung über median 3 Jahre auf den Fortschritt einer beginnenden Gefäßveränderung, gemessen als jährliche Zunahme der per Ultraschall bestimmten Halsschlagader-Intima-Media-Dicke sowie als Gefäßsteifigkeit der Halsschlagader [6]. Bei der Wanddicke lag die jährliche Zunahme bei 0,013 mm unter Nattokinase (Konfidenzintervall 0,010 bis 0,015) gegenüber 0,011 mm unter Placebo (Konfidenzintervall 0,009 bis 0,013, p gleich 0,31); die beiden Intervalle überschneiden sich fast vollständig, was den Nullbefund zusätzlich stützt. Auch bei der Gefäßsteifigkeit zeigte sich kein Unterschied zwischen den Gruppen, ebenso wenig bei keinem der zusätzlich erhobenen Laborwerte, darunter Blutrheologie-, Gerinnungs-, Fibrinolyse- und Entzündungsmarker. Diese Studie ist nicht mehr die mit den meisten Teilnehmenden, seit uns die im vorigen Abschnitt beschriebene retrospektive Arbeit an 1062 Menschen bekannt wurde, sie bleibt aber die methodisch stärkste plazebokontrollierte Arbeit zu diesem Endpunkt.

Dieselben beiden methodisch schwächeren Arbeiten, die für die Blutfette bereits beschrieben sind, kommen für die Karotis-Wanddicke und die Plaquefläche zum gegenteiligen Befund. In der randomisierten Studie ohne Placebo-Gruppe gegen Simvastatin sank die Plaquefläche unter Nattokinase über 26 Wochen um 36,6 Prozent, unter Simvastatin um 11,5 Prozent, ein statistisch deutlicher Unterschied zugunsten von Nattokinase (p kleiner 0,01); die Intima-Media-Dicke sank unter Nattokinase von 1,13 auf 1,01 Millimeter [18]. Die Studienautoren fanden dabei keinen statistischen Zusammenhang zwischen dem Ausmaß der Lipidsenkung und der Verbesserung dieser Gefäßmaße, was gegen einen rein lipidvermittelten Wirkweg spricht. In der retrospektiven Arbeit an 1062 Menschen hatten 683 dokumentierte Karotis-Ablagerungen; unter 10.800 FU Nattokinase pro Tag über 12 Monate sank die Intima-Media-Dicke im Mittel um 21,7 Prozent und die Plaquefläche um 36,0 Prozent gegenüber dem Ausgangswert, eine parallel ausgewertete Untergruppe mit 3600 FU pro Tag zeigte dagegen keine Veränderung [19]. Beide Arbeiten sind deutlich schwächer kontrolliert als die oben beschriebene Nullbefund-Studie, die eine ersetzt Placebo durch einen wirksamen Vergleichsarzneistoff, die andere hat weder Placebo noch beschriebene Randomisierung und wurde am Material und mit Autoren eines einzelnen Herstellers durchgeführt. Das rechtfertigt, an der Einstufung dieser Zeile als nicht bestätigt festzuhalten, es rechtfertigt aber nicht, diese Gegenbefunde zu verschweigen. Beide Arbeiten stammen zudem aus derselben ambulanten TCM-Sprechstunde am Dritten Zugehörigen Krankenhaus der Sun-Yat-sen-Universität in Guangzhou, mit teils denselben Autorinnen und Autoren, siehe den vorigen Abschnitt; sie zählen deshalb eher als ein einzelner, zweimal publizierter Befund als zwei unabhängige Gegenstudien. Zur retrospektiven Arbeit liegt inzwischen eine Berichtigung vor (PMID 36545015), die Tabelle 1 mit den Basischarakteristika der Teilnehmenden korrigiert; die dort korrigierte Zahl von 683 Teilnehmenden mit dokumentierter Atherosklerose stimmt mit der hier zitierten Zahl überein, die Berichtigung ändert an den in diesem Abschnitt genannten Werten nichts.

Kognitive Leistung bei Gefäßverengung

Eine 2026 veröffentlichte Studie prüfte 120 Teilnehmende mit einer im MRT festgestellten, beschwerdefreien Verengung einer Hals- oder Hirnarterie, 8000 FU Nattokinase täglich gegen Placebo über 6 Monate [7]. Der vorab festgelegte primäre Endpunkt, die Veränderung des globalen kognitiven Scores MoCA, zeigte keinen Unterschied zwischen den Gruppen. In einer explorativen Auswertung mehrerer kognitiver Teilbereiche verbesserte sich ausschließlich der Bereich räumliches Sehen stärker unter Nattokinase; ohne berichtete Korrektur für Mehrfachtestung ist dieser einzelne positive Teilbefund mit Vorsicht zu lesen und begründet für sich keine eigene Wirkungsaussage.

Periphere Durchblutung und Kälteempfinden

Eine gezielte Nachsuche fand 2 kontrollierte Humanstudien zu diesem Thema, mit unterschiedlichem Befund je nach Einnahmedauer. In einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Cross-over-Studie an 9 gesunden Männern tauchten die Teilnehmenden beide Hände für eine Minute in 10 Grad kaltes Wasser, 2 Stunden nach einer Einzeldosis von entweder 2000 FU Nattokinase oder Placebo [24]. Die Hauttemperatur an Mittelfinger, Handfläche und Handrücken der rechten Hand erholte sich danach unter Nattokinase statistisch deutlich schneller als unter Placebo (signifikante Behandlung-mal-Zeit-Interaktion, p kleiner 0,05), für die linke Hand ist im Abstract kein eigenes Signifikanzergebnis genannt; Herzfrequenz, Herzzeitvolumen und die gemessene Aktivität des sympathischen Nervensystems unterschieden sich dagegen nicht. Diese 2 Stunden liegen im selben 2- bis 8-Stunden-Fenster, in dem auch die oben beschriebene Akutstudie zu Gerinnungs-Biomarkern [3] ihre Effekte maß. Die Studie wurde vom Hersteller des geprüften Nattokinase-Präparats finanziert und mit dessen Präparaten und Placebo beliefert, die Autoren erklären, der Geldgeber habe keinen Einfluss auf Design, Auswertung oder Publikation gehabt; sie teilt zudem 2 Autoren (Kurosawa Y, Hamaoka T) mit der Akutstudie zu Gerinnungs-Biomarkern [3], deren Nattokinase-Präparat vom selben Hersteller stammte. Die beiden Akutbefunde zu Nattokinase sind damit nicht als zwei vollständig unabhängige Bestätigungen zu lesen, ebenso wenig wie die beiden weiter oben beschriebenen Gegenbefunde bei Blutfetten und Karotis-Wanddicke, die aus derselben ambulanten Klinik stammen.

Eine ältere, doppelblinde Cross-over-Studie an 17 Frauen mit sogenannten Lifestyle-Erkrankungen kommt für denselben Endpunkt zu einem Nullbefund, allerdings bei anderem Design [25]. Geprüft wurde dort über je 4 Wochen ein anderes natto-basiertes Präparat (NKCP, Hauptwirkstoff Bacillopeptidase F, 250 mg pro Tag) gegen einen fermentierten Soja-Extrakt mit Subtilisin NAT als Nattokinase-Vergleichsarm (100 mg pro Tag), den die Studie selbst als aktives Placebo bezeichnet; ein echtes inertes Placebo hatte diese Studie nicht. Die Studie rechnet für keinen der erhobenen Werte einen statistischen Vergleich zwischen den beiden Armen, sondern durchweg nur vorher gegen nachher innerhalb jedes Arms. Unter NKCP sanken die Symptom-Skalen für Schulterverspannung, Kreuzschmerzen und Kälteempfinden der Extremitäten gegenüber dem eigenen Ausgangswert statistisch deutlich, beim Nattokinase-Vergleichsarm zeigte sich nach 4 Wochen bei keinem der erhobenen Werte, darunter derselbe Kälteempfinden-Score und der Blutdruck, eine signifikante Veränderung gegenüber dem eigenen Ausgangswert.

Der scheinbare Gegensatz zwischen beiden Arbeiten liegt vor allem an Messzeitpunkt und Messgröße, nicht allein an der Dosis: Die positive Studie misst eine objektive Hauttemperatur 2 Stunden nach einer einzelnen Dosis an gesunden Männern, die Null-Studie einen subjektiven Symptom-Score nach 4 Wochen täglicher Einnahme an Frauen mit Vorerkrankungen, bei einer Auswertung, die durchweg nur vorher gegen nachher rechnet, nicht Nattokinase-Arm gegen aktives Placebo direkt. Beide Arbeiten sind klein, das rechtfertigt die vorsichtige Einstufung als Hinweise, nicht als belegt. Ergänzend liegt Labor- und Tierevidenz zum Wirkmechanismus vor, siehe den folgenden Abschnitt.

Tier- und Laborstudien

Der Wirkmechanismus, mit dem Nattokinase Fibrin abbaut, ist tierexperimentell gut beschrieben, aber nicht am Menschen in klinischen Endpunkten bestätigt. In einem chemisch ausgelösten Thrombose-Modell an der Ratte stellte intravenös verabreichte Nattokinase den Blutfluss der verschlossenen Halsschlagader innerhalb von 60 Minuten wieder her und löste das Gerinnsel auf molarer Basis stärker auf als die Vergleichsenzyme Plasmin und Elastase [8]. In einer weiteren Ratten-Studie senkte eine nattokinasehaltige Nahrungsergänzung, vor und nach einer gesetzten Gefäßverletzung verabreicht, die anschließende Verdickung der Gefäßwand deutlich und förderte die Auflösung wandständiger Gerinnsel [9]. Beide Untersuchungen fanden ausschließlich an Ratten statt.

Zum Wirkmechanismus hinter der oben beschriebenen Zeile zu peripherer Durchblutung liegen 2 weitere Arbeiten vor. In einer Laborarbeit an außerhalb des Körpers isoliertem menschlichem Blut sanken die Aggregation roter Blutkörperchen und die Blutviskosität bei niedriger Scherrate nach Zugabe von Nattokinase konzentrationsabhängig, ausdrücklich als vorläufige In-vitro-Untersuchung beschrieben, keine Untersuchung an lebenden Menschen [22]. In einer Ratten- und Kaninchen-Arbeit hemmte Nattokinase die Thrombozytenaggregation in vitro und verzögerte dosisabhängig den durch Eisen(III)-chlorid ausgelösten Verschluss der Halsschlagader lebender Ratten, in einer hohen Dosis ebenso wirksam wie Aspirin [23].

Eine neuere Übersichtsarbeit trägt zusätzlich tierexperimentelle Befunde zu einer möglichen schützenden Wirkung auf die Blut-Hirn-Schranke und zu entzündungshemmenden Effekten im Gehirn zusammen [10]. Auch hier stammen alle referenzierten Einzelbefunde aus Tiermodellen, eine Übertragung auf Menschen ist nach Einschätzung der Übersichtsarbeit selbst noch nicht untersucht.

Zur derzeit häufig gestellten Frage, ob Nattokinase sogenannte Mikrogerinnsel auflöst, wie sie im Zusammenhang mit Long-COVID-Symptomen beschrieben werden, liegt eine 2026 veröffentlichte Laborarbeit an aus menschlichem Blutplasma gewonnenen Amyloid-Mikrogerinnseln vor [15]. Geprüft wurde eine Kombination aus Nattokinase, Lumbrokinase und dem Gerinnsel-Medikament rtPA zusammen mit Ultraschall, nicht Nattokinase allein. Bei niedrigeren Ultraschall-Frequenzen (150 bis 300 kHz) zeigte die Zugabe der drei Enzyme keinen statistisch nachweisbaren zusätzlichen Effekt gegenüber Ultraschall allein, das die Gerinnsel-Größe bereits deutlich reduzierte; erst bei 500 kHz, wo Ultraschall allein weniger wirksam war, verstärkte die Enzymzugabe den Abbau moderat. Die Untersuchung fand ausschließlich im Laborversuch an außerhalb des Körpers isoliertem Plasma statt und ist keine Untersuchung der oralen Einnahme von Nattokinase durch lebende Menschen.

Sicherheit und Wechselwirkungen

Weil Nattokinase gezielt in die Blutgerinnung eingreift, ist der Sicherheitsaspekt hier kein Nebenpunkt. Eine 2025 veröffentlichte Übersichtsarbeit zu Nahrungsergänzungsmitteln mit gefäßschützenden Eigenschaften ordnet Nattokinase zusammen mit Omega-3-Fettsäuren, Berberin und Knoblauch als Stoff mit möglichem Blutungsrisiko und möglichen Wechselwirkungen ein, insbesondere bei gleichzeitiger Einnahme gerinnungshemmender Arzneimittel [12]. Ein Fallbericht dokumentiert ein konkretes Ereignis: Bei einer Person, die zur Sekundärprävention nach einem früheren Schlaganfall bereits Aspirin einnahm, trat nach 7 Tagen täglicher Einnahme von 400 mg Nattokinase eine akute Kleinhirnblutung auf; im Rahmen der Bildgebung nach diesem Ereignis wurden zusätzlich mehrere kleine, klinisch stumme Mikroblutungen im Gehirn festgestellt [13]. Die Dosis dieses Fallberichts ist in Milligramm angegeben, nicht in Fibrinolytic Units; wie im Steckbrief erläutert, sind Milligramm- und FU-Angaben zwischen Präparaten nicht ohne Weiteres vergleichbar, ein direkter Bezug dieser 400 Milligramm zu den in Studien verwendeten FU-Dosierungen lässt sich aus dem Fallbericht nicht herstellen. Die Autoren schließen daraus, dass Nattokinase bei Menschen mit einer Neigung zu Gefäßveränderungen des Gehirns und bei gleichzeitiger Einnahme weiterer gerinnungshemmender Mittel das Blutungsrisiko erhöhen kann. Ein einzelner Fallbericht belegt keine allgemeine Kausalität, er zeigt aber, dass ein solches Ereignis unter dieser Kombination aufgetreten und von den behandelnden Ärzten auf sie zurückgeführt worden ist.

Eine unkontrollierte klinische Beobachtung an 153 Menschen mit Venenerkrankungen, bei denen Nattokinase (100 mg pro Tag) teils zusätzlich zu einem verschreibungspflichtigen Gerinnungshemmer und unter ärztlicher Überwachung der Gerinnungswerte (INR) gegeben wurde, berichtet keine Medikamenten- oder Nebenwirkungsereignisse [14]. Diese Studie ohne Placebo-Kontrolle taugt nicht als Wirksamkeitsbeleg, sie zeigt aber, dass eine begleitete gemeinsame Gabe mit ärztlicher Kontrolle in dieser Fallserie ohne beobachtete Komplikationen blieb.

Ein eigenes Thema ist Vitamin K2, siehe auch die Steckbrief-Zeile dazu. Fermentiertes Natto als Lebensmittel gehört zu den nahrungsreichsten bekannten Quellen für Vitamin K2, isoliertes Nattokinase-Enzym in Kapselpräparaten ist damit nicht gleichzusetzen. Für ein in mehreren der hier zitierten Studien verwendetes Präparat (NSK-SD) ist in der Originalarbeit ausdrücklich beschrieben, dass es sich um einen fermentierten Soja-Extrakt handelt, aus dem Vitamin K2 entfernt wurde [17]. Das ist sicherheitsrelevant, weil Vitamin K2 der Wirkung von Vitamin-K-Antagonisten wie Phenprocoumon (Marcumar) oder Warfarin pharmakologisch entgegenwirkt, in die Gegenrichtung der fibrinolytischen Wirkung von Nattokinase selbst. Wer unter einem Vitamin-K-Antagonisten steht, braucht deshalb neben der Blutungswarnung zu Nattokinase auch die Information, ob und wie viel Vitamin K2 im jeweiligen Präparat steckt, nicht nur die Information zum Enzym. Eine methodisch schwache, retrospektive Studie mit engen Herstellerverbindungen hat umgekehrt bei einem Teil ihrer Teilnehmenden Nattokinase zusammen mit separat zugeführtem Vitamin K2 (180 Mikrogramm pro Tag) verabreicht und berichtet dafür einen verstärkten Effekt auf Blutfette, keine Auswertung von Gerinnungswerten für diese Untergruppe [19]; das ist eine bewusste, zusätzliche Vitamin-K2-Gabe neben der Nattokinase, kein Beleg zum Vitamin-K2-Gehalt des Nattokinase-Präparats selbst. Siehe dazu auch die Steckbrief-Zeile zu enthaltenen Produkten, zum Vitamin-K2-Gehalt des jeweils verwendeten Nattokinase-Rohstoffs.

Nattokinase wird in Nahrungsergänzungsmitteln teils zusätzlich mit Rosskastanien-Extrakt (Aescin) oder Coenzym Q10 kombiniert. Die Übersichtsarbeit zu gefäßschützenden Nahrungsergänzungsmitteln, die oben für das allgemeine Blutungsrisiko von Nattokinase zitiert ist, nennt Coenzym Q in einem Sammelsatz mit mehreren weiteren Antioxidantien (Vitamin C, Vitamin E, Resveratrol, Astaxanthin) als möglichen Einfluss auf die Blutgerinnung, ohne eine Kombination mit Nattokinase selbst zu untersuchen [12]. Für Rosskastanien-Extrakt beziehungsweise sein Hauptsaponin Aescin beschreibt eine eigenständige Übersichtsarbeit zu Wechselwirkungen pflanzlicher Nahrungsergänzungsmittel ein erhöhtes Blutungsrisiko, besonders in Kombination mit Warfarin [16]; diese Übersichtsarbeit befasst sich ausschließlich mit Rosskastanie und weiteren dermatologisch verwendeten Mitteln, nicht mit Nattokinase, ihre Aussage lässt sich also nicht als geprüfte Kombinationssicherheit von Nattokinase und Rosskastanie lesen, sondern nur als Einzelrisiko von Rosskastanie für sich. Für Menschen, die gerinnungshemmende oder thrombozytenfunktionshemmende Arzneimittel einnehmen, eine Blutungsneigung haben oder vor einer Operation stehen, ist deshalb besondere Vorsicht und eine ärztliche Abklärung angeraten, unabhängig davon, ob Nattokinase allein oder als Teil einer solchen Kombination eingenommen wird.

Quellen zum Nachlesen

  1. 01

    Systematische Übersicht und Meta-Analyse aus 6 RCTs, n gleich 546 gesamt, davon 3 RCTs mit Blutdruck als Endpunkt (n gleich 223) · 2023

    Nattokinase Supplementation and Cardiovascular Risk Factors: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials

    Li X, et al. Rev Cardiovasc Med

    Zur Zuschreibung: 01, 03

  2. 02

    RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, n gleich 86 randomisiert, 73 abgeschlossen, in der Meta-Analyse [1] enthalten · 2008

    Effects of nattokinase on blood pressure: a randomized, controlled trial

    Kim JY, et al. Hypertens Res

    Zur Zuschreibung: 01

  3. 03

    RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, Cross-over, Einzeldosis, n gleich 12 · 2015

    A single-dose of oral nattokinase potentiates thrombolysis and anti-coagulation profiles

    Kurosawa Y, et al. Sci Rep

    Zur Zuschreibung: 02, 06

  4. 04

    RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, n gleich 100, in der Meta-Analyse [1] enthalten · 2019

    The effects of nattokinase supplementation on collagen-epinephrine closure time, prothrombin time and activated partial thromboplastin time in nondiabetic and hypercholesterolemic subjects

    Yoo HJ, et al. Food Funct

    Zur Zuschreibung: 01, 02

  5. 05

    RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, dreiarmig (Nattokinase-Mono, Nattokinase plus Rotschimmelreis, Placebo), n gleich 47, Mono-Arm in der Meta-Analyse [1] enthalten · 2009

    Combined nattokinase with red yeast rice but not nattokinase alone has potent effects on blood lipids in human subjects with hyperlipidemia

    Yang NC, et al. Asia Pac J Clin Nutr

    Zur Zuschreibung: 03

  6. 06

    RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, n gleich 265, mediane Dauer 3 Jahre, in der Meta-Analyse [1] enthalten · 2021

    Nattokinase atherothrombotic prevention study: A randomized controlled trial

    Hodis HN, et al. Clin Hemorheol Microcirc

    Zur Zuschreibung: 01, 02, 04

  7. 07

    RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, n gleich 120 · 2026

    Nattokinase supplementation for cognitive enhancement in asymptomatic intracranial/carotid stenosis: A randomized controlled trial

    Zhang K, et al. J Stroke Cerebrovasc Dis

    Zur Zuschreibung: 05

  8. 08

    Tierstudie, Ratte, chemisch ausgelöstes Thrombose-Modell an der Halsschlagader · 1995

    Thrombolytic effect of nattokinase on a chemically induced thrombosis model in rat

    Fujita M, et al. Biol Pharm Bull

    Zur Zuschreibung: 08

  9. 09

    Tierstudie, Ratte, Gefäßverletzungsmodell an der Oberschenkelarterie · 2003

    Dietary supplementation of fermented soybean, natto, suppresses intimal thickening and modulates the lysis of mural thrombi after endothelial injury in rat femoral artery

    Suzuki Y, et al. Life Sci

    Zur Zuschreibung: 08

  10. 10

    Übersichtsarbeit zu präklinischen Tier- und Zellstudien · 2025

    Nattokinase as a potential therapeutic agent for preventing blood-brain barrier dysfunction in neurodegenerative disorders

    Mahakalakar N, et al. Brain Res

    Zur Zuschreibung: 09

  11. 11

    Übersichtsarbeit · 2017

    Nattokinase: An Oral Antithrombotic Agent for the Prevention of Cardiovascular Disease

    Weng Y, et al. Int J Mol Sci

  12. 12

    Übersichtsarbeit zu Blutungsrisiko bei kardiovaskulär wirksamen Nahrungsergänzungsmitteln · 2025

    Navigating the Effects of Anti-Atherosclerotic Supplements and Acknowledging Associated Bleeding Risks

    Dobre MZ, et al. Int J Mol Sci

  13. 13

    Fallbericht · 2008

    Cerebellar hemorrhage provoked by combined use of nattokinase and aspirin in a patient with cerebral microbleeds

    Chang YY, et al. Intern Med

  14. 14

    Klinische Beobachtungsstudie, unkontrolliert, n gleich 153, teils gemeinsam mit verschreibungspflichtigen Gerinnungshemmern · 2021

    Data Recorded in Real Life Support the Safety of Nattokinase in Patients with Vascular Diseases

    Gallelli G, et al. Nutrients

    Zur Zuschreibung: 07

  15. 15

    Laborstudie an isoliertem menschlichem Blutplasma, kein Humanversuch · 2026

    Investigation of the synergistic effect of enzymatic and Ultrasound-Induced amyloid microclot degradation

    Rasouli R, et al. J Thromb Thrombolysis

    Zur Zuschreibung: 10

  16. 16

    Übersichtsarbeit zu Wechselwirkungen pflanzlicher Nahrungsergänzungsmittel · 2021

    Drug interactions of natural supplements in dermatology: a review

    Hadeler EK, Maderal AD. Int J Dermatol

  17. 17

    RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, multizentrisch, n gleich 79 randomisiert, 74 abgeschlossen, in der Meta-Analyse [1] als Blutdruck-Poolmitglied enthalten, nach eigener Angabe von einer unabhängigen Auftragsforschungsorganisation am Präparat eines einzelnen Herstellers durchgeführt, laut Danksagung im Volltext finanziert von JBSL-USA, dem Vertrieb des geprüften Nattokinase-Präparats, laut Bias-Bewertung der Meta-Analyse [1] bei 3 von 7 Bereichen unklares Risiko · 2016

    Consumption of nattokinase is associated with reduced blood pressure and von Willebrand factor, a cardiovascular risk marker: results from a randomized, double-blind, placebo-controlled, multicenter North American clinical trial

    Jensen GS, et al. Integr Blood Press Control

    Zur Zuschreibung: 01

  18. 18

    RCT, randomisiert, ohne Placebo-Gruppe, Aktivkomparator Simvastatin, n gleich 82 randomisiert, 76 abgeschlossen · 2017

    [A clinical study on the effect of nattokinase on carotid artery atherosclerosis and hyperlipidaemia]

    Ren NN, et al. Zhonghua Yi Xue Za Zhi

    Zur Zuschreibung: 03, 04

  19. 19

    Retrospektive Auswertung von Behandlungsdaten, ohne beschriebene Randomisierung, ohne Placebo-Gruppe, n gleich 1062, rekrutiert von Januar 2016 bis Juni 2020 aus 2 Kliniken (TCM-Sprechstunde am Dritten Zugehörigen Krankenhaus der Sun-Yat-sen-Universität, Guangzhou, sowie Shenyang Red Cross Hospital) und 9 weiteren Gesundheitszentren in Guangdong und Yunnan, mehrere Studienautoren beim Hersteller des verwendeten Nattokinase- und Vitamin-K2-Präparats beschäftigt. Die Berichtigung PMID 36545015 korrigiert Tabelle 1 (Basischarakteristika der Teilnehmenden); die dort korrigierten Werte, darunter 683 Teilnehmende mit dokumentierter Atherosklerose, stimmen mit den in diesem Eintrag zitierten Zahlen überein · 2022

    Effective management of atherosclerosis progress and hyperlipidemia with nattokinase: A clinical study with 1,062 participants

    Chen H, et al. Front Cardiovasc Med

    Zur Zuschreibung: 03, 04

  20. 20

    Berichtigung zu Quelle [4], ergänzt einen Autor und 4 Zugehörigkeiten gegenüber der Originalpublikation, darunter eine Tätigkeit beim Hersteller des verwendeten Nattokinase-Präparats. Der Berichtigungstext selbst war für uns nicht zugänglich, die Angabe zu unveränderten Zahlen stützt sich auf die PubMed-Metadaten · 2019

    Correction: The effects of nattokinase supplementation on collagen-epinephrine closure time, prothrombin time and activated partial thromboplastin time in nondiabetic and hypercholesterolemic subjects

    Yoo HJ, et al. Food Funct

    Zur Zuschreibung: 02

  21. 21

    Offene, selbstkontrollierte klinische Studie ohne Placebo-Gruppe, n gleich 45 · 2009

    Nattokinase decreases plasma levels of fibrinogen, factor VII, and factor VIII in human subjects

    Hsia CH, et al. Nutr Res

    Zur Zuschreibung: 02

  22. 22

    Laborstudie an isoliertem menschlichem Blut, kein Humanversuch · 2006

    Effects of nattokinase, a pro-fibrinolytic enzyme, on red blood cell aggregation and whole blood viscosity

    Pais E, et al. Clin Hemorheol Microcirc

    Zur Zuschreibung: 06, 07

  23. 23

    Laborstudie an Kaninchen-Thrombozyten und Tierstudie an der Ratte · 2013

    Nattokinase improves blood flow by inhibiting platelet aggregation and thrombus formation

    Jang JY, et al. Lab Anim Res

    Zur Zuschreibung: 06, 07

  24. 24

    RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, Cross-over, Einzeldosis, verabreicht 2 Stunden vor Kälteexposition, n gleich 9 (gesunde Männer, im Abstract nicht als jung bezeichnet), finanziert vom Hersteller des geprüften Nattokinase-Präparats und von diesem mit Präparat und Placebo beliefert, der laut Erklärung der Autoren keinen Einfluss auf Design, Auswertung oder Publikation hatte, teilt 2 Autoren (Kurosawa Y, Hamaoka T) mit Quelle [3], deren Nattokinase-Präparat vom selben Hersteller stammte · 2023

    A single dose of oral nattokinase accelerates skin temperature recovery after cold water immersion: A double-blind, placebo-controlled crossover study

    Nara N, et al. Heliyon

    Zur Zuschreibung: 02, 06

  25. 25

    RCT, doppelblind, Cross-over, je 4 Wochen NKCP (250 mg pro Tag) gegen Nattokinase als Vergleichsarm (100 mg pro Tag, in der Studie selbst als aktives Placebo bezeichnet, kein inertes Placebo), n gleich 17 (alle Frauen). Laut Volltext rechnet die Studie keinen statistischen Vergleich zwischen den beiden Armen, sondern ausschließlich vorher gegen nachher innerhalb jedes Arms; im Nattokinase-Arm veränderte sich dabei auch der Blutdruck nicht signifikant · 2015

    Effects of Bacillus subtilis var. natto products on symptoms caused by blood flow disturbance in female patients with lifestyle diseases

    Hitosugi M, et al. Int J Gen Med

    Zur Zuschreibung: 06

  26. 26

    RCT, einfach verblindet, kein Placebo, Nattospes (Mehrstoffpräparat) als Zusatz zur Standardversorgung gegen Standardversorgung allein, n gleich 61, in der Einschlusstabelle der Meta-Analyse [1] fälschlich als plazebokontrolliert geführt und qualitativ eingeschlossen, ohne dass die Meta-Analyse einen Grund nennt, aber aus deren quantitativer Auswertung ausgeschlossen · 2020

    Nattospes as Effective and Safe Functional Supplements in Management of Stroke

    Pham PT, et al. J Med Food

    Zur Zuschreibung: 01

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