Omega 3

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Fettsäuren

Omega-3 · n-3-Fettsäuren · ALA · Alpha-Linolensäure · EPA · Eicosapentaensäure · DHA · Docosahexaensäure

H.P.N · Datenstand 2026-08-20 · 7 Zuschreibungen im Überblick

Dieser Übersichtseintrag ordnet die drei Fettsäuren ALA, EPA und DHA zueinander ein. Im Mittelpunkt steht eine Frage, die im gesonderten Fischöl-Eintrag keinen Platz hat: Wie viel der pflanzlichen Vorstufe ALA wandelt der Körper tatsächlich in EPA und DHA um, und kann eine pflanzliche Quelle eine Fischquelle damit ersetzen?

Auf einen Blick

Was es ist
Sammelbegriff für eine Gruppe mehrfach ungesättigter Fettsäuren, kein einzelner Wirkstoff. Dazu zählen die pflanzliche Alpha-Linolensäure (ALA) sowie die beiden langkettigen marinen Fettsäuren Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA)
Die drei Fettsäuren im Unterschied
ALA (18 Kohlenstoffatome, 3 Doppelbindungen) kommt aus pflanzlichen Quellen wie Leinöl, Rapsöl, Walnüssen und Chiasamen. EPA (20 Kohlenstoffatome, 5 Doppelbindungen) und DHA (22 Kohlenstoffatome, 6 Doppelbindungen) stammen aus fettreichem Meeresfisch oder Mikroalgen. Der Körper kann ALA über mehrere Zwischenschritte selbst zu EPA und DHA umbauen, siehe die erste Wirkungszeile, aber nur in begrenztem Umfang
Bindungsform im Präparat
Omega-3-Fettsäuren werden je nach Präparat als Triglycerid, rückverestertes Triglycerid (rTG), Ethylester, freie Fettsäure oder, bei Krillöl, an Phospholipide gebunden angeboten. Diese Bindungsformen unterscheiden sich in ihrer Bioverfügbarkeit, siehe die entsprechende Wirkungszeile
Übliche Studiendosis
Für ALA typischerweise 2 bis 10 g pro Tag, die EFSA-Angabe zum Cholesterinspiegel setzt 2 g pro Tag voraus. Für EPA und DHA aus Fischöl oder Algenöl reicht die Spanne von 100 bis 250 mg pro Tag (Grundfunktionen, Säuglingsnahrung) bis zu mehreren Gramm pro Tag, siehe fischoel für die dortige Studienlage im Einzelnen
Verweis auf verwandte Einträge
Für die Studienlage zu EPA und DHA aus Fischöl (Herzfunktion, Blutfette, kardiovaskuläre Ereignisse, Gelenke, Stimmung, Kognition, Augen und mehr) siehe den fertigen Eintrag fischoel. Für Algenöl als vegane EPA- und DHA-Quelle und die dazu eigenständig recherchierte Studienlage siehe den Eintrag algenoel

Was diesem Stoff zugesprochen wird

Was die Studien hergeben.

Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.

  1. 01

    Umwandlung von ALA in EPA und DHA im Körper (die zentrale Kennzahl dieses Eintrags)

    Belegt
    Einordnung und Einschränkungen

    Mehrere Studien mit stabilen Isotopen-Tracern haben gemessen, wie viel Prozent einer oral aufgenommenen ALA-Dosis der menschliche Körper tatsächlich zu EPA und DHA umbaut. Bei 6 jungen Frauen (28 Jahre, BMI 22,4 kg/m2) nach einer Einzeldosis von 700 mg [U-13C]ALA betrug die geschätzte fraktionelle Umwandlung über 21 Tage EPA 21,1 Prozent (Standardfehler 2,1), die Zwischenstufe Docosapentaensäure (DPA) 5,9 Prozent (1,4) und DHA 9,2 Prozent (2,9) [5]. Bei 6 jungen Männern nach derselben Dosis und Methode fand dieselbe Arbeitsgruppe deutlich weniger: EPA 7,9 Prozent, DPA 8,1 Prozent, DHA zu keinem der Messzeitpunkte über 21 Tage nachweisbar [6]. Bei 14 älteren Männern (Mittel 52 Jahre, Standardabweichung 12) lag die Ausgangs-Umwandlung noch niedriger: EPA 2,80 Prozent, DPA 1,20 Prozent, DHA 0,04 Prozent. Nach 8 Wochen mit zusätzlich 1,5 g EPA plus DHA pro Tag sank die Umwandlung zu EPA um das Zweifache und zu DPA um das Vierfache weiter, während die bereits sehr niedrige Umwandlung zu DHA unverändert blieb. Nach 8 Wochen mit zusätzlich 10 g ALA pro Tag blieb die Umwandlung dagegen gegenüber dem Ausgangswert unverändert, eine höhere ALA-Zufuhr allein steigert die Umwandlungsrate also nicht [7]. Quelle 8 fasst 10 Tracer-Studien zusammen, darunter mehrere der zuvor genannten Primärstudien, und ist deshalb kein unabhängiger Studienkörper. Ihre Tabelle zeigt eine erhebliche methodenbedingte Bandbreite: Mit dem oben beschriebenen Flächen-unter-der-Kurve-Ansatz liegen die Werte für Männer zwischen 7,9 und 8 Prozent für EPA und zwischen 0 und 4 Prozent für DHA (Emken et al. 1994: EPA 8 Prozent, DPA 4 Prozent, DHA 4 Prozent). Mit einem alternativen kinetischen Modellierungsansatz (Pawlosky et al. 2001, Erwachsene beiderlei Geschlechts) fällt die Umwandlungseffizienz pro Einzelschritt deutlich niedriger aus: ALA zu EPA 0,2 Prozent, EPA zu DPA 0,13 Prozent, DPA zu DHA 0,05 Prozent, das sind allerdings Effizienzen je Reaktionsschritt, kein direktes Gegenstück zur oben berichteten kumulierten Dosisfraktion. Die Tabellenzeile zu Goyens et al. 2005 in Quelle 8 nennt 7 Prozent Einbau in Plasma-Phospholipide und daneben 99,8 Prozent EPA sowie je 1 Prozent DPA und DHA. Die drei Teilwerte summieren sich auf 101,8 Prozent und können daher nicht als Anteile der 7 Prozent gelesen werden. Aus dieser Tabellenzeile wird hier kein eigener Umwandlungswert berechnet. Die DHA-Umwandlung wird nach Geschlecht getrennt eingeordnet: Bei jungen Frauen schätzte Quelle 5 9,2 Prozent, allerdings nur an 6 Personen. Bei jungen Männern war DHA in Quelle 6 nicht nachweisbar; bei älteren Männern lag die Schätzung in Quelle 7 bei 0,04 Prozent, und die von Quelle 8 zusammengefassten Männerstudien reichen von 0 bis 4 Prozent. Die gemischtgeschlechtlichen Werte aus kinetischen Einzelschritten sind damit methodisch nicht direkt vergleichbar. Eine gemeinsame DHA-Umwandlungsrate für Frauen und Männer lässt sich aus diesen Studien nicht ableiten. Eine Auswertung fand die Umwandlung von DPA zu DHA bei Frauen unter gewohnter Ernährung etwa 2fach höher als bei Männern, dieser Unterschied verschwand jedoch, sobald die Frauen auf eine fischreiche Ernährung mit ausreichend vorhandenem EPA und DHA wechselten [8]. Eine größere Kohortenstudie mit über 3000 Teilnehmenden aus 15 europäischen Regionen fand zwar niedrigere DHA-Werte bei Männern, doch erklärte das Geschlecht dort insgesamt nur rund 2 Prozent der Streuung der Plasma-Phospholipid-DHA-Werte, die individuelle Variation ist damit deutlich größer als der mittlere Geschlechtsunterschied [9]. Eine systematische Übersichtsarbeit ergänzt, dass Frauen über 50 Jahre DHA-Werte zeigen, die mit denen von Männern vergleichbar sind, was auf einen östrogenvermittelten Mechanismus hindeutet, der mit den Wechseljahren nachlässt; dieselbe Arbeit beziffert, dass jedes zusätzliche Gramm ALA in der Nahrung im Mittel mit einem etwa 10-prozentigen relativen Anstieg des EPA-Gehalts in Plasma-Phospholipiden einhergeht, ohne messbare Veränderung des DHA-Gehalts, und zitiert die Stellungnahme Nummer 5 der International Society for the Study of Fatty Acids and Lipids (ISSFAL), wonach sich der DHA-Status im Blut ohne weitere Ernährungsumstellung durch Supplemente mit vorgeformtem DHA verbessern lässt, nicht aber durch Supplemente mit ALA, EPA oder anderen Vorstufen [10]. Eine hohe Zufuhr von Linolsäure (Omega-6) kann die Umwandlung von ALA zu EPA zusätzlich verringern, weil beide Fettsäuren um dasselbe Enzym (Delta-6-Desaturase) konkurrieren [10]. Einschränkend: Die Kernstudien zur Umwandlungsrate sind klein (6 bis 14 Teilnehmende je Gruppe). Die Studie an jungen Frauen nennt im Volltext keine Förderquelle. Die Studie an jungen Männern wurde ausschließlich öffentlich gefördert (Ministry of Agriculture, Fisheries and Food). Quelle 7 nennt als Förderer die Food Standards Agency, Roche Vitamins Limited und das Unilever Health Institute. Aus dieser Finanzierung wird keine Aussage über Richtung oder Verlässlichkeit des Ergebnisses abgeleitet

    Quellen: 5, 6, 7, 8, 9, 10

  2. 02

    Bioverfügbarkeit je nach chemischer Bindungsform, uneinheitlich zwischen den Übersichtsarbeiten bei freier Fettsäure und Triglycerid, Phospholipid gegenüber Triglycerid nicht belegt überlegen

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine systematische Übersichtsarbeit aus 70 eingeschlossenen Arbeiten fasst zusammen, dass die Triglycerid-Form (TAG) von Omega-3-Fettsäuren gegenüber der Ethylester-Form (EE) besser bioverfügbar ist; für die Phospholipid-Form, wie sie in Krillöl vorkommt, fand sich dagegen keine ausreichende Evidenz für eine höhere Bioverfügbarkeit gegenüber der Triglycerid-Form aus Fischöl. 14 identifizierte Vergleichsarbeiten zeigten uneinheitliche Ergebnisse, teils eingeschränkt durch geringe Fallzahlen, unterschiedliche EPA- und DHA-Dosen und eine mit 4 Wochen zu kurze Supplementierungsdauer gegenüber der mittleren Lebensdauer roter Blutkörperchen von 115 Tagen. Dieselbe Übersicht berichtet zusätzlich einen ausgeprägten Matrix-Effekt: Die gleichzeitige Aufnahme ausreichender Fettmengen mit der Mahlzeit kann die Bioverfügbarkeit um bis zum Dreifachen steigern, bestimmte galenische Zubereitungen (Emulgierung, Mikroverkapselung) um bis zum Vierfachen gegenüber einfachem Öl, wobei andere Arbeiten dazu keinen Effekt fanden [10]. Eine neuere Übersichtsarbeit (2025) zur Verarbeitung von Fischöl ordnet dem eine dritte Form zu, die freie Fettsäure: Nach Einschätzung der Autoren ist Omega-3 in freier Fettsäureform am besten bioverfügbar, gefolgt von der Triglycerid- und zuletzt der Ethylester-Form. Wegen der hohen Oxidationsanfälligkeit freier Fettsäuren und vorläufiger Befunde halten die Autoren die Triglycerid-Form dennoch für am besten geeignet, um die Bioverfügbarkeit in der Praxis zu maximieren [12]. Beide hier zitierten Arbeiten sind Übersichtsarbeiten ohne eigenen gepoolten Effektschätzer über alle Formen hinweg; die zugrunde liegenden Einzelstudien wurden für diesen Eintrag nicht selbst neu bewertet. Die ausführliche Studienlage zu Fischöl steht im Eintrag fischoel

    Quellen: 10, 12

  3. 03

    Normaler Cholesterinspiegel im Blut (ALA)

    Behördlich gesichert
    Einordnung und Einschränkungen

    Zugelassene EFSA-Angabe ausschließlich für den Nährstoff ALA (Alpha-Linolensäure, Verordnung (EU) Nr. 432/2012), Wortlaut "ALA trägt zur Aufrechterhaltung eines normalen Cholesterinspiegels im Blut bei" [3]. Bedingung ist, dass das Lebensmittel die Mindestanforderungen an eine ALA-Quelle gemäß der nährwertbezogenen Angabe "Quelle von Omega-3-Fettsäuren" erfüllt, das heißt mindestens 0,3 g ALA pro 100 g und pro 100 kcal, festgelegt in der Verordnung (EU) Nr. 116/2010 zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 [2]. Die positive Wirkung stellt sich laut Zulassungstext bei einer täglichen Aufnahme von 2 g ALA ein. Diese Angabe gilt ausschließlich für ALA und ist unabhängig von der im Eintrag fischoel behandelten, teils gegensätzlichen Studienlage zum Cholesterinprofil unter EPA und DHA

    Quellen: 2, 3

  4. 04

    Normale Entwicklung der Sehkraft bei Säuglingen bis 12 Monate (DHA, Folgenahrung)

    Behördlich gesichert
    Einordnung und Einschränkungen

    Zugelassene EFSA-Angabe ausschließlich für den Nährstoff DHA (Verordnung (EU) Nr. 440/2011), Wortlaut "Die Aufnahme von Docosahexaensäure (DHA) trägt zur normalen Entwicklung der Sehkraft bei Säuglingen bis zum Alter von 12 Monaten bei". Die Angabe darf nur für Folgenahrung verwendet werden, deren DHA-Gehalt bezogen auf die Fettsäuren insgesamt mindestens 0,3 Prozent beträgt, die positive Wirkung stellt sich laut Zulassungstext bei einer täglichen Aufnahme von 100 mg DHA ein [4]. Diese Angabe betrifft ausschließlich mit DHA angereicherte Säuglingsnahrung, nicht die allgemeine, im Eintrag fischoel behandelte EFSA-Angabe zur normalen Sehkraft bei Erwachsenen (Verordnung (EU) Nr. 432/2012, 250 mg DHA täglich)

    Quellen: 4

  5. 05

    Normale Entwicklung der Augen beim Fötus und beim gestillten Säugling (DHA-Aufnahme der Mutter)

    Behördlich gesichert
    Einordnung und Einschränkungen

    Zugelassene EFSA-Angabe (Verordnung (EU) Nr. 440/2011), Wortlaut "Die Aufnahme von Docosahexaensäure (DHA) durch die Mutter trägt zur normalen Entwicklung der Augen beim Fötus und beim gestillten Säugling bei". Die Angabe darf nur für Lebensmittel verwendet werden, deren Verzehr eine tägliche Aufnahme von mindestens 200 mg DHA gewährleistet, mit dem Hinweis für Schwangere und Stillende, dass sich die positive Wirkung einstellt, wenn zusätzlich zu der für Erwachsene empfohlenen Tagesdosis an Omega-3-Fettsäuren (250 mg DHA und EPA kombiniert) täglich 200 mg DHA aufgenommen werden, insgesamt also mindestens 450 mg [4]. Für den ursprünglichen, enger gefassten Antrag zur Wirkung zusätzlicher mütterlicher DHA-Einnahme auf die Sehkraftentwicklung des ungeborenen Kindes und des gestillten Säuglings, EFSA-Q-2008-675, reichten die vorgelegten Daten nicht aus, um einen kausalen Zusammenhang herzustellen. Es handelte sich um einen Antrag mit einem gemeinsamen Endpunkt für beide Gruppen, nicht um zwei getrennte abgelehnte Augenangaben. Die Behörde vertrat anschließend die Auffassung, dass DHA als strukturelle und funktionelle langkettige mehrfach ungesättigte Fettsäure zur normalen Entwicklung der Augen beim Fötus und beim gestillten Säugling beitragen kann, worauf die hier zugelassene, allgemeiner gefasste Angabe beruht. Diese Angabe betrifft eine andere Zielgruppe als die übrigen Wirkungszeilen dieses Eintrags und des Eintrags fischoel

    Quellen: 4

  6. 06

    Normale Entwicklung des Gehirns beim Fötus und beim gestillten Säugling (DHA-Aufnahme der Mutter)

    Behördlich gesichert
    Einordnung und Einschränkungen

    Zugelassene EFSA-Angabe (Verordnung (EU) Nr. 440/2011), Wortlaut "Die Aufnahme von Docosahexaensäure (DHA) durch die Mutter trägt zur normalen Entwicklung des Gehirns beim Fötus und beim gestillten Säugling bei". Gleiche Bedingung wie bei der vorstehenden Angabe zur Augenentwicklung: mindestens 200 mg DHA täglich zusätzlich zur für Erwachsene empfohlenen Tagesdosis [4]. Für eine enger gefasste, ebenfalls beantragte Angabe zur kognitiven Entwicklung durch zusätzliche mütterliche DHA-Aufnahme reichten die vorgelegten Daten laut EFSA nicht für einen kausalen Zusammenhang aus, diese engere Angabe wurde nicht zugelassen

    Quellen: 4

  7. 07

    Blutfette, Blutdruck und Entzündungsmarker bei Übergewicht oder Adipositas (ALA allein, ohne EPA und DHA)

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine Meta-Analyse aus 19 randomisierten kontrollierten Studien mit 1183 Teilnehmenden mit Übergewicht oder Adipositas bündelte keine einheitliche Intervention mit isolierter ALA. Drei Studien verwendeten Leinsamen, sieben Leinöl, drei Rapsöl, vier Walnüsse, eine Studie ein Lignanpräparat und eine Studie Chiasamen; die zusätzliche ALA-Menge reichte von 0,28 bis 16,02 Gramm pro Tag und die Dauer von 8 bis 26 Wochen. Auch die Kontrollen waren uneinheitlich: unter anderem gemahlener Reis, Olivenöl, Sonnenblumenöl, Weizen, Maniok, Paraffinöl, Weißbrot, Weizenkleie, Mohnsamen, Kontrollkost und in zwei Studien ein nicht näher bezeichnetes Placebo. Die Effekte können deshalb Unterschiede der Lebensmittelmatrix und der jeweiligen Kontrolle mit abbilden und sind nicht durchgehend als Wirkung isolierter ALA zu lesen. Gegenüber der jeweiligen Kontrolle sanken das C-reaktive Protein, SMD minus 0,38, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 0,72 bis minus 0,04, I2 gleich 64 Prozent, Tumornekrosefaktor alpha, SMD minus 0,45, Intervall minus 0,73 bis minus 0,17, Triglyceride, SMD minus 4,41, Intervall minus 5,99 bis minus 2,82, I2 gleich 83 Prozent, und der systolische Blutdruck, SMD minus 0,37, Intervall minus 0,66 bis minus 0,08. Gleichzeitig stieg das LDL-Cholesterin, SMD plus 1,32, 95-Prozent-Konfidenzintervall laut PubMed-Abstract 0,05 bis 2,59. Standardisierte Mittelwertdifferenzen sind einheitenlos; die im Artikel daneben gedruckten Einheiten werden deshalb nicht übernommen. Bei Gesamtcholesterin, HDL-Cholesterin, Interleukin-6 und diastolischem Blutdruck fand sich im Gesamteffekt kein Unterschied, für HDL-Cholesterin bei I2 gleich 95 Prozent und SMD minus 0,50, Intervall minus 1,46 bis 0,45. Untergruppen zeigten eine Senkung des HDL-Cholesterins bei ursprünglich normalen Blutfettwerten, bei Ausgangs-BMI mindestens 30 oder bei Leinsamen und Leinöl als ALA-Quelle. Die günstigen Befunde bei CRP, Triglyceriden und Blutdruck blieben überwiegend nur bei mindestens 12 Wochen, mindestens 3 Gramm ALA pro Tag und Leinsamen-Quellen bestehen. Die Heterogenität war für viele Endpunkte hoch bis sehr hoch. Beim Triglycerid-Endpunkt wies der Egger-Test auf Publikationsbias hin, p gleich 0,005. Beim LDL-Endpunkt waren der Egger-Test, p gleich 0,004, und der Begg-Test, p gleich 0,003, auffällig. Die Autoren verlangen deshalb eine vorsichtige Interpretation dieser Ergebnisse. Sie nennen außerdem kleine Stichproben, teils mangelhafte Verblindung, uneinheitliche Messmethoden und überwiegend selbstberichtete Diät-Adhärenz als Limitationen. Die Arbeit wurde öffentlich gefördert und weist keinen Interessenkonflikt mit der Rohstoffindustrie aus. Die Befunde betreffen diese Lebensmittelinterventionen bei Übergewicht oder Adipositas, nicht die Allgemeinbevölkerung und nicht die im Eintrag fischoel behandelten EPA- und DHA-Interventionen

    Quellen: 11

Studien im Detail

Umwandlung von ALA in EPA und DHA

Die Zahlen in der ersten Wirkungszeile stammen vor allem aus einer Serie von Tracer-Studien der Arbeitsgruppe um Graham Burdge und Stephen Wootton an der University of Southampton, ergänzt um Arbeitsgruppen mit abweichender Methodik. Die Studien geben eine mit einem stabilen Kohlenstoffisotop markierte ALA-Dosis oral und verfolgen anschließend, wie viel der Markierung als EPA, DPA oder DHA in Plasma-Lipidklassen wieder auftaucht.

Die DHA-Ergebnisse müssen nach Geschlecht getrennt bleiben. Bei 6 jungen Frauen wurden 9,2 Prozent geschätzt [5]. Bei 6 jungen Männern war DHA über 21 Tage nicht nachweisbar [6]. Bei 14 älteren Männern betrug die Schätzung 0,04 Prozent [7]. Quelle 8 fasst weitere Männerstudien mit 0 bis 4 Prozent zusammen. Diese kleinen Studien und die anders gerechneten gemischtgeschlechtlichen Modelle liefern keine gemeinsame DHA-Umwandlungsrate für Frauen und Männer.

Die Tabelle von Quelle 8 enthält außerdem einen nicht belastbar interpretierbaren Wert aus Goyens 2005. Sie nennt 7 Prozent Einbau in Plasma-Phospholipide und daneben Teilwerte von 99,8 Prozent EPA sowie je 1 Prozent DPA und DHA. Diese Teilwerte summieren sich auf 101,8 Prozent. Sie werden deshalb nicht auf die ursprüngliche ALA-Dosis umgerechnet und nicht als eigener quantitativer Befund verwendet.

Für EPA zeigen die Tracer-Studien eine begrenzte Umwandlung [5, 6, 7]. Für DHA ist die Schätzung bei jungen Frauen höher als in den Männerstudien, beruht aber ebenfalls nur auf 6 Personen [5]. Eine einheitliche praktische Zahl für beide Geschlechter wäre aus diesem Bestand nicht gerechtfertigt.

Der rechtliche Rahmen der EFSA-Angaben zu ALA und DHA

Die Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 [1] ist die Basisverordnung für gesundheitsbezogene Angaben in der EU. Ihr Anhang enthielt bei ihrem Erlass 2006 noch keine Angaben speziell zu Omega-3-Fettsäuren; diese wurden erst 2010 durch die Verordnung (EU) Nr. 116/2010 [2] ergänzt, mit den nährwertbezogenen Angaben "Quelle von Omega-3-Fettsäuren" (mindestens 0,3 g ALA oder 40 mg EPA plus DHA kombiniert je 100 g und je 100 kcal) und "mit einem hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren" (mindestens 0,6 g ALA oder 80 mg EPA plus DHA je 100 g und je 100 kcal). Diese beiden Angaben beschreiben nur den Nährstoffgehalt eines Lebensmittels, keine gesundheitliche Wirkung. Auf dieser Nährwert-Schwelle für ALA baut die gesundheitsbezogene Angabe zum Cholesterinspiegel auf: Ein Lebensmittel muss erst die ALA-Quelle-Schwelle aus Verordnung (EU) Nr. 116/2010 erfüllen, bevor die Angabe aus Verordnung (EU) Nr. 432/2012 [3] überhaupt zulässig ist. Für EPA und DHA gelten eigene, im Eintrag fischoel beschriebene Angaben aus denselben und weiteren Verordnungen, mit niedrigeren Mindestmengen für die Grundfunktionen (250 mg) und höheren für Triglyceridspiegel und Blutdruck (2 beziehungsweise 3 g). Die drei Angaben zur mütterlichen und kindlichen DHA-Aufnahme aus Verordnung (EU) Nr. 440/2011 [4] stehen ausserhalb dieser Systematik, weil sie nicht Erwachsene, sondern Schwangere, Stillende und Säuglinge betreffen.

Bioverfügbarkeit je nach chemischer Bindungsform

Die beiden hierzu zitierten Arbeiten [10, 12] sind Übersichtsarbeiten, keine eigenen Vergleichsstudien. Der wiederkehrende Befund über beide hinweg ist, dass die Ethylester-Form gegenüber der Triglycerid-Form schlechter bioverfügbar ist, während die Reihenfolge zwischen Triglycerid- und freier Fettsäureform je nach Arbeit unterschiedlich beurteilt wird und für die Phospholipid-Form aus Krillöl keine belastbare Überlegenheit gegenüber Triglycerid belegt ist. Ergänzend wirkt ein Matrix-Effekt: Fett in derselben Mahlzeit sowie bestimmte galenische Zubereitungen können die Aufnahme unabhängig von der reinen chemischen Form deutlich verändern.

ALA-Lebensmittelinterventionen bei Übergewicht oder Adipositas

Die Meta-Analyse von Yin und Kollegen [11] ist keine einheitliche Prüfung von isolierter ALA gegen dasselbe Placebo. Die 19 Studien verwendeten Leinsamen, Leinöl, Rapsöl, Walnüsse, ein Lignanpräparat oder Chiasamen. Die Kontrollen reichten von anderen Ölen und Lebensmitteln bis zu einer Kontrollkost; zwei Studien beschrieben das Placebo nicht näher [11].

Damit ändern sich neben der ALA-Menge teilweise auch Lebensmittelmatrix und Vergleichsfett. Die gepoolten Effekte können diese Unterschiede mittragen. Die Publikation bezeichnet die Effektmaße als standardisierte Mittelwertdifferenzen. Diese werden einheitenlos wiedergegeben, auch wenn der Artikel daneben Einheiten der ursprünglichen Messgrößen druckt.

Sicherheit und Wechselwirkungen

Sicherheitsfragen zu EPA und DHA aus Fischöl (Blutungsneigung, Vorhofflimmern-Risikosignal, kombinierte Tagesdosis, Oxidation) sind im Eintrag fischoel ausgearbeitet und werden hier nicht wiederholt. Für ALA speziell wurde in dieser Recherche keine gesonderte Sicherheitsstudie gesucht.

Quellen zum Nachlesen

  1. 01

    Rechtsakt, Basisverordnung für gesundheitsbezogene Angaben · 2006

    Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben über Lebensmittel

    Europäisches Parlament und Rat der Europäischen Union Amtsblatt der Europäischen Union

  2. 02

    Rechtsakt, führt die nährwertbezogenen Angaben "Quelle von Omega-3-Fettsäuren" (mindestens 0,3 g ALA oder 40 mg EPA plus DHA je 100 g und 100 kcal) und "mit einem hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren" (mindestens 0,6 g ALA oder 80 mg EPA plus DHA je 100 g und 100 kcal) ein · 2010

    Verordnung (EU) Nr. 116/2010 zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 in Bezug auf die Liste nährwertbezogener Angaben

    Europäische Kommission Amtsblatt der Europäischen Union

    Zur Zuschreibung: 03

  3. 03

    Rechtsakt auf Grundlage abgeschlossener EFSA-Bewertungen, enthält unter anderem die hier zitierte ALA-Angabe zum Cholesterinspiegel · 2012

    Verordnung (EU) Nr. 432/2012 zur Festlegung einer Liste zulässiger gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel

    Europäische Kommission Amtsblatt der Europäischen Union

    Zur Zuschreibung: 03

  4. 04

    Rechtsakt auf Grundlage abgeschlossener EFSA-Bewertungen, enthält drei zugelassene DHA-Angaben (mütterliche DHA-Aufnahme für die Augenentwicklung, mütterliche DHA-Aufnahme für die Gehirnentwicklung, DHA in Folgenahrung für die Sehkraftentwicklung von Säuglingen) · 2011

    Verordnung (EU) Nr. 440/2011 über die Zulassung bzw. Nichtzulassung bestimmter gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel betreffend die Entwicklung und die Gesundheit von Kindern

    Europäische Kommission Amtsblatt der Europäischen Union

    Zur Zuschreibung: 04, 05, 06

  5. 05

    Kontrollierte Interventionsstudie mit stabilem Isotopen-Tracer, n gleich 6, junge Frauen · 2002

    Conversion of alpha-linolenic acid to eicosapentaenoic, docosapentaenoic and docosahexaenoic acids in young women

    Burdge GC, Wootton SA. Br J Nutr

    Zur Zuschreibung: 01

  6. 06

    Kontrollierte Interventionsstudie mit stabilem Isotopen-Tracer, n gleich 6, junge Männer · 2002

    Eicosapentaenoic and docosapentaenoic acids are the principal products of alpha-linolenic acid metabolism in young men

    Burdge GC, Jones AE, Wootton SA. Br J Nutr

    Zur Zuschreibung: 01

  7. 07

    Randomisierte kontrollierte Interventionsstudie mit stabilem Isotopen-Tracer, n gleich 14, ältere Männer · 2003

    Effect of altered dietary n-3 fatty acid intake upon plasma lipid fatty acid composition, conversion of [13C]alpha-linolenic acid to longer-chain fatty acids and partitioning towards beta-oxidation in older men

    Burdge GC, Finnegan YE, Minihane AM, Williams CM, Wootton SA. Br J Nutr

    Zur Zuschreibung: 01

  8. 08

    Übersichtsarbeit, fasst 10 Tracer-Studien zur ALA-Umwandlung tabellarisch zusammen · 2006

    Long-chain n-3 PUFA. Plant v. marine sources

    Williams CM, Burdge G. Proc Nutr Soc

    Zur Zuschreibung: 01

  9. 09

    Übersichtsarbeit zu geschlechtsspezifischen Unterschieden im Fettsäurestoffwechsel · 2011

    Sex-specific differences in essential fatty acid metabolism

    Decsi T, Kennedy K. Am J Clin Nutr

    Zur Zuschreibung: 01

  10. 10

    Systematische Übersichtsarbeit aus 70 eingeschlossenen Arbeiten · 2019

    Non-dietary factors associated with n-3 long-chain PUFA levels in humans. A systematic literature review

    de Groot RHM, Emmett R, Meyer BJ. Br J Nutr

    Zur Zuschreibung: 01, 02

  11. 11

    Meta-Analyse aus 19 RCTs, 1183 Teilnehmende mit Übergewicht oder Adipositas · 2023

    Effect of Alpha-Linolenic Acid Supplementation on Cardiovascular Disease Risk Profile in Individuals with Obesity or Overweight. A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials

    Yin S, et al. Adv Nutr

    Zur Zuschreibung: 07

  12. 12

    Übersichtsarbeit zur Verarbeitung von Fischöl und Bioverfügbarkeit · 2025

    Impact of technological processing on the bioavailability of omega-3 fatty acids in fish oil. A review

    Martín-Olmedo JJ, Jurado-Fasoli L. Crit Rev Food Sci Nutr

    Zur Zuschreibung: 02

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