Sulforaphan

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Pflanzenstoffe

Isothiocyanat aus Glucoraphanin, vor allem in Brassica oleracea var. italica (Brokkoli) · SFN · Sulphoraphane · 1-Isothiocyanato-4-methylsulfinylbutan

H.P.N · Datenstand 2026-08-20 · 9 Zuschreibungen im Überblick

Auf einen Blick

Was es ist
Ein Isothiocyanat, das Abbauprodukt des Glucosinolats Glucoraphanin aus Kreuzblütlern, bekannt vor allem als Nrf2-Aktivator
Herkunft
Entsteht enzymatisch aus Glucoraphanin, dem Vorläufer-Glucosinolat, vor allem in Brokkoli und Brokkolisprossen. Kein eigener Pflanzenteil, sondern ein Abbauprodukt, das erst beim Verzehr oder bei der Verarbeitung freigesetzt wird
Wirkform in Studien
Je nach Studie chemisch stabilisiertes freies Sulforaphan in fester mg-Menge, ein Glucoraphanin-Präparat mit zugesetzter Myrosinase (dosiert nach Glucoraphanin-Gehalt), oder ein Sprossenextrakt beziehungsweise -Homogenat. Die drei Formen sind pharmakokinetisch nicht gleichzusetzen, und mehrere hier ausgewertete Volltexte zeigen, dass die Zubereitung erst im Methodenteil erkennbar wird, nicht im Abstract. Bei einer der vier Verhaltensstudien (Zimmerman 2021) stellte sich beim Lesen des Volltextes heraus, dass entgegen dem ersten Eindruck kein isoliertes Sulforaphan, sondern ein Glucoraphanin-Präparat mit zugesetzter Myrosinase verabreicht wurde, siehe die betroffene Wirkungszeile
Übliche Studiendosis
0,4 bis 60 mg Sulforaphan beziehungsweise Sulforaphan-Äquivalent pro Tag, je nach Zubereitung. Studiendauer meist 4 Wochen bis 6 Monate
Verträglichkeit
In den hier ausgewerteten Humanstudien überwiegend gut vertragen. Vereinzelt berichtet wurden Schlafstörung, Reizbarkeit sowie Geschmacks- und Geruchsunverträglichkeit unter hoher Dosis über mehrere Monate. In der größten und am längsten laufenden Verhaltensstudie (Singh 2014, 18 Wochen) traten bei zwei von 29 mit Sulforaphan behandelten Teilnehmenden je ein unprovozierter Krampfanfall auf, einer 3 Wochen nach Beginn, einer 3 Wochen nach Absetzen; einer der beiden hatte eine nicht offengelegte frühere Anfallsvorgeschichte, der andere eine länger als ein Jahr zurückliegende, medikamentös eingestellte. Menschen mit Autismus haben ein erhöhtes Anfallsrisiko unabhängig von der Behandlung, ein ursächlicher Zusammenhang mit Sulforaphan ist aus dieser einzelnen Studie nicht sicher zu beurteilen und wurde von den Autoren selbst nicht ausgeschlossen

Was diesem Stoff zugesprochen wird

Was die Studien hergeben.

Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.

  1. 01

    Nrf2-Zielgenexpression, direkt am Menschen gemessen, in allen fünf Studien kein Unterschied zu Placebo

    Nicht bestätigt
    Einordnung und Einschränkungen

    Fünf randomisierte, placebokontrollierte Humanstudien maßen die Nrf2-Zielgenexpression oder unmittelbar vergleichbare Entgiftungsenzym-Marker direkt. Sie sind untereinander nicht sauber vergleichbar, sie unterscheiden sich in Population, untersuchtem Gewebe, Zubereitung und Dauer, es handelt sich um eine Reihe überwiegend negativer Einzelsonden und nicht um eine Wiederholung derselben Frage. Bei Erwachsenen mit chronisch eingeschränkter Lungenfunktion (Einsekundenkapazität unter dem Schwellenwert, bronchoskopiefähig, n gleich 89) veränderte orales Sulforaphan mit 25 beziehungsweise 150 Mikromol pro Tag, umgerechnet rund 4,4 beziehungsweise 26,6 mg, über 4 Wochen die Nrf2-Zielgenexpression in Atemwegszellen gegenüber dem jeweiligen Ausgangswert nicht; laut Volltext schlossen alle 95-Prozent-Konfidenzintervalle für das Verhältnis von Nach- zu Vorbehandlungswert die 1,0 ein, und ein direkter Dreigruppenvergleich (Placebo gegen beide Dosen) war für jedes einzelne Zielgen berichtet, mit einer Ausnahme überwiegend ohne Unterschied (P-Werte 0,06 bis 0,88). Die eine Ausnahme, AKR1C1 in Bronchialepithelzellen (P kleiner 0,01), zeigte den höchsten Wert ausgerechnet unter Placebo (1,45) und die niedrigsten unter der höchsten Sulforaphan-Dosis (0,79), also die dem Wirkmechanismus entgegengesetzte Richtung, finanziert vom NIH ohne Einfluss des Geldgebers auf Auswertung oder Bericht; zwei Studienautoren halten mehrere Patente auf Brokkolisprossen-Zubereitungen und Sulforaphan, haben laut eigener Erklärung aber ihre Eigentumsanteile an der lizenznehmenden Firma abgegeben, eine 2017 veröffentlichte Korrektur betraf ausschließlich eine zunächst fehlende Angabe zu einer zusätzlichen Förderquelle eines Koautors und keine der berichteten Zahlen, Wise und Kollegen 2016. Bei Hämodialyse-Patienten (30 randomisiert, 25 abgeschlossen) veränderte sich unter 150 Mikromol Sulforaphan pro Tag, umgerechnet rund 26,6 mg, aus einem Extrakt mit 1 Prozent Sulforaphan-Gehalt und zugesetzter Myrosinase, weder die Nrf2- noch die NF-kB-Genexpression gegenüber Placebo, Ribeiro und Kollegen 2024. Erwachsene mit Asthma und einer nachgewiesenen Sensibilisierung gegenüber einem Innenraumallergen, die 3 Tage lang 100 g frische Brokkolisprossen aßen, also ein Lebensmittel und kein Präparat (n gleich 40, primärer Endpunkt exhaliertes Stickoxid FENO), zeigten trotz deutlich gestiegener Sulforaphan-Blutspiegel keine induzierten Entgiftungsgene in Blutzellen oder Nasenschleimhaut; laut Volltext lag FENO am dritten Tag bei 22 gegenüber 19,5 ppb (Sprossen gegen Placebo, P gleich 0,48), ein Teilnehmer der Sprossen-Gruppe brach wegen Magen-Darm-Beschwerden ab, Sudini und Kollegen 2016. Bei 16 randomisierten, gesunden Erwachsenen (15 abgeschlossen, Crossover-Design) veränderte ein Sprossen-Homogenat von 200 Gramm täglich über 3 Tage, entsprechend rund 102 Mikromol beziehungsweise 18 mg Sulforaphan-Äquivalent pro Dosis, die Entgiftungsgenexpression in Nasenschleimhaut und Blut nach Ozon-Provokation nicht, obwohl der Sulforaphan-Blutspiegel signifikant anstieg (P gleich 0,001); laut Volltext lagen alle P-Werte der Genexpressionsvergleiche zwischen 0,64 und über 0,99, keine schwerwiegenden Nebenwirkungen, Duran und Kollegen 2016. Die einzige Studie mit einem Positivbefund prüfte Erwachsene mit chronischer, nicht dialysepflichtiger Nierenerkrankung unter 400 Mikrogramm Sulforaphan pro Tag über einen Monat, der niedrigsten Dosis aller fünf Studien, rund 65-mal niedriger als die höchste hier getestete Dosis. Das Abstract berichtet dort einen signifikanten Anstieg der NRF2- und NQO1-Genexpression ausdrücklich nur innerhalb der Sulforaphan-Gruppe, in derselben Formulierung, in der es auch die Veränderungen der Placebo-Gruppe beschreibt, ein Gruppenunterschied wird nicht berichtet; die Auswertung stützt sich hier auf das Abstract, und die Teilnehmerzahl nennt das Abstract nicht, Ribeiro und Kollegen 2024. Damit zeigte keine der fünf Studien einen Unterschied gegenüber Placebo. Die Stufe nicht bestätigt trägt, weil die Frage sauber geprüft wurde und die erwartete Wirkung ausblieb; Wise und Kollegen 2016 berichten für jedes Zielgen 95-Prozent-Konfidenzintervalle, die die 1,0 einschließen, sowie einen für jedes Zielgen ausgewiesenen Dreigruppenvergleich. Ein gemeinsames Effektmaß über alle fünf Studien lässt sich nicht bilden, weil sie weder Population noch Gewebe noch Zubereitung noch Dauer teilen. Der Eintrag Brokkoli-Extrakt stuft die Ausscheidung von Luftschadstoff-Abbauprodukten im Urin als gut belegt ein, das ist ein anderer Endpunkt, die Ausscheidung von Umwandlungsprodukten aus einem Glucoraphanin-Sulforaphan-Getränk, nicht die direkte Nrf2-Zielgentranskription. Beide Befunde können nebeneinander zutreffen

    Quellen: 1, 2, 3, 4, 5

  2. 02

    Fremdbeurteilte Verhaltens- und Kommunikationsmaße (unterschiedliche Skalen je Studie) bei Kindern, Jugendlichen und jungen Männern mit klinisch festgestellten, ausgeprägten Einschränkungen in sozialer Kommunikation und mit repetitivem Verhalten, uneinheitlich zwischen den Studien und teils gegenläufig je nach Beurteilungsquelle innerhalb derselben Studie

    Widersprüchlich
    Einordnung und Einschränkungen

    Vier randomisierte, placebokontrollierte Studien prüften Sulforaphan beziehungsweise einen Sulforaphan-reichen Sprossenextrakt bei dieser Gruppe. Drei der vier Studien teilen ihr Instrumentarium, Singh 2014, Zimmerman 2021 und Magner 2023 setzten alle die Aberrant Behavior Checklist (ABC) und die Social Responsiveness Scale beziehungsweise deren zweite Fassung (SRS, SRS-2) ein, und genau auf diesen gemeinsamen Skalen gehen die Ergebnisse auseinander. Auf der ABC fanden Singh 2014 und Zimmerman 2021 eine signifikante Besserung gegenüber Placebo, Magner 2023 keine; auf der SRS fand nur Singh 2014 einen Unterschied, Zimmerman 2021 und Magner 2023 nicht. Sämtliche Endpunkte aller vier Studien sind Fremdbeurteilungen durch Eltern, Betreuungspersonen oder Ärzte, und die Verblindung ist bei diesem Stoff schwer zu halten, Zimmerman 2021 führt Unverträglichkeit von Geschmack und Geruch ausdrücklich als Nebenwirkung auf, ein Kind brach deswegen ab. Keine der vier Studien berichtet eine Prüfung, ob die Verblindung gehalten hat, ein Entblindungseffekt auf die Beurteilenden ist deshalb in keiner auszuschließen. Die Zubereitungen unterscheiden sich zudem mehr, als der erste Blick zeigt. Bei jungen Männern von 13 bis 27 Jahren mit mittelschwerer bis schwerer Ausprägung (n gleich 44, 29 unter Sulforaphan, 15 unter Placebo) besserten sich unter isoliertem Sulforaphan, 50 bis 150 Mikromol pro Tag nach Körpergewicht gestaffelt, umgerechnet rund 8,9 bis 26,6 mg, über 18 Wochen drei Fremdbeurteilungsskalen deutlich gegenüber Placebo: zwei von Eltern beziehungsweise Betreuungspersonen ausgefüllte Skalen, minus 34 Prozent gegenüber minus 3,3 Prozent auf der einen und minus 17 Prozent auf der anderen, und zusätzlich eine von Ärzten ausgefüllte Gesamteinschätzung (CGI-I), p zwischen 0,015 und 0,007, Singh und Kollegen 2014. Laut Volltext wurde diese Studie unter anderem von der Brassica Foundation for Chemoprotection Research finanziert, und zwei der Studienautoren halten ein von der Johns Hopkins University angemeldetes Patent auf sulforaphanhaltige Zubereitungen; der Sohn eines der beiden ist Geschäftsführer der Firma, die die lizenzierten Brokkolisprossen-Produkte vertreibt. Zudem traten in dieser Studie bei zwei Teilnehmenden unprovozierte Krampfanfälle auf, siehe Steckbrief. Bei Kindern von 3 bis 12 Jahren (n gleich 45 ausgewertet von 57 randomisiert) veränderte sich der primäre Endpunkt, eine klinische Gesamtskala, nach 15 Wochen nicht signifikant, Cohen s d 0,10, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 0,52 bis 0,72; eine sekundäre, von Bezugspersonen ausgefüllte Verhaltensskala besserte sich dagegen signifikant, Cohen s d minus 0,96, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 1,73 bis minus 0,15, eine zweite sekundäre Skala nicht, Zimmerman und Kollegen 2021. Laut Volltext war das Präparat dieser Studie kein isoliertes Sulforaphan, sondern ein Glucoraphanin-Präparat mit zugesetzter Myrosinase (handelsübliche Tablette, gewichtsgestaffelt von 45 bis 120 Mikromol Sulforaphan-Äquivalent pro Tag, laut einer 2021 veröffentlichten Korrektur zu dieser Studie bereitgestellt von Nutramax Laboratories), finanziert vom US-Verteidigungsministerium; einer der Studienautoren ist zugleich wissenschaftlicher Berater der Firma, die ein glucoraphaninreiches Brokkolisamen-Extrakt vertreibt, ein anderer hält ein an die Johns Hopkins University vergebenes Patent auf die Anwendung von Sulforaphan bei Autismus. Die 2021 veröffentlichte Korrektur betraf nur die genaue Zusammensetzung und Herkunft der Tablette, keine der berichteten Wirksamkeitszahlen. Bei Kindern von 3 bis 7 Jahren, Einschluss über die Diagnosebeobachtungsskala ADOS-2 (n gleich 28 abgeschlossen von 40 randomisiert), zeigte sich nach 36 Wochen auf keiner von drei Skalen, darunter ADOS-2 selbst, ein signifikanter Unterschied zu Placebo, Magner und Kollegen 2023. Laut Volltext war das Präparat dieser tschechischen, von der Johns-Hopkins-Gruppe unabhängigen Studie ein aus Brokkoli- und Rettichsprossen bereits zu Sulforaphan umgewandeltes Pulver, fest dosiert mit 50 Mikromol (rund 8,9 mg) pro Tag. In einer chinesischen Mehrzentrenstudie (n gleich 108, Dosis im Abstract nicht genannt) unterschied sich nach 12 Wochen die von Bezugspersonen ausgefüllte Skala nicht von Placebo, während die von Klinikern ausgefüllte Skala eine signifikante Besserung zeigte, Ou und Kollegen 2024, nur als Abstract zugänglich. Unter den Autoren dieser Studie steht laut PubMed erneut derselbe Sulforaphan-Patentinhaber der Johns Hopkins University sowie ein Mitarbeiter der Firma Nutramax Laboratories, die kommerzielle Sulforaphan-Präparate herstellt, ohne dass eine gesonderte Interessenerklärung hinterlegt ist. Die vier Studien kommen zu unterschiedlichen, teils innerhalb derselben Studie gegenläufigen Ergebnissen, je nachdem welche Skala und wer sie ausgefüllt hat, welche Beurteilungsquelle positiver ausfällt, ist zwischen den Studien nicht einheitlich. Die am klarsten positive Studie hat zugleich die älteste Stichprobe, die stärkste kommerzielle Nähe und wurde bislang nicht unabhängig wiederholt; die einzige Studie ohne jede erkennbare Nähe zur selben Forschergruppe (Magner 2023) fand keinen Effekt auf irgendeine der drei Skalen

    Quellen: 6, 7, 8, 9

  3. 03

    Negativsymptome und allgemeine Psychopathologie (PANSS) als Zusatzgabe zu laufender antipsychotischer Medikation, uneinheitlich je nach Endpunkt, ohne Effekt auf Gesamtwert und Kognition

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Meta-Analyse aus 4 randomisierten, placebokontrollierten Studien mit zusammen 369 Teilnehmenden, Sulforaphan jeweils als Zusatzgabe zu einer weiterlaufenden antipsychotischen Medikation, nicht als Monotherapie, Tagesdosis über die Studien hinweg 66 bis 136 Mikromol, umgerechnet rund 11,7 bis 24,1 mg. Der PANSS-Gesamtwert und die Positivsymptom-Werte besserten sich weder beim letzten Nachbeobachtungszeitpunkt (18 bis 24 Wochen je nach Studie) noch einheitlich nach 12 Wochen. Die Negativsymptomatik besserte sich nach 12 Wochen leicht, mittlere Differenz minus 1,06 Punkte, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 1,95 bis minus 0,16, dieser Unterschied blieb bis zum letzten Nachbeobachtungszeitpunkt nicht erhalten. Laut Volltext trug diese Studien-Zusammenfassung deutliche Heterogenität (I-Quadrat 73 Prozent beim letzten Nachbeobachtungszeitpunkt), die sich in einer Sensitivitätsanalyse durch Ausschluss einer einzelnen Studie (Huang und Kollegen 2025, die Studie mit der höchsten Dosis und der jüngsten Stichprobe) auflösen ließ. Ohne diese eine Studie blieb der Effekt auf die Negativsymptomatik nicht signifikant, mittlere Differenz minus 0,38 Punkte, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 2,07 bis 1,31. Auch die dosisgestufte Nebenanalyse der Autoren stützt diese Abhängigkeit von einer einzelnen Studie, ein Effekt zeigte sich vor allem bei der höchsten Dosis von 136 Mikromol pro Tag, an der Studiengrenze zur Signifikanz beim primären Endpunkt (P gleich 0,05) und signifikant in der 12-Wochen-Analyse (mittlere Differenz minus 1,22 Punkte, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 2,18 bis minus 0,25), während die niedrigeren Dosen keinen Effekt zeigten. Die allgemeine Psychopathologie besserte sich durchgehend, mittlere Differenz minus 1,5 Punkte, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 2,78 bis minus 0,23, ohne die für die Negativsymptomatik berichtete Heterogenität. Auf kognitive Testwerte zeigte sich kein Effekt. Als Nebenbefund sanken LDL-Cholesterin, Triglyceride und Gesamtcholesterin unter Sulforaphan stärker als unter Placebo, die Abbruchrate war niedriger, relatives Risiko 0,68, 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,49 bis 0,95, Kassar und Kollegen 2025. Laut Volltext erhielt keiner der Autoren dieser Meta-Analyse Zahlungen von Dritten, und es wird kein Interessenkonflikt angegeben. Die eingeschlossenen Studien nutzten unterschiedliche Zubereitungen, darunter mindestens eine glucoraphaninhaltige Fertigware, dosiert nach Glucoraphanin- statt nach Sulforaphan-Gehalt, weshalb sich über die vier Studien keine einheitliche Sulforaphan-Tagesdosis angeben lässt, die oben genannte Spanne von 66 bis 136 Mikromol ist die von den Autoren berichtete Bandbreite, keine einheitliche Umrechnung

    Quellen: 10

  4. 04

    PSA-Anstiegsgeschwindigkeit (PSA-Slope, PSA-Verdopplungszeit) bei Männern mit erneut ansteigendem PSA-Wert nach radikaler Prostatektomie, Hauptendpunkt verfehlt

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Mehrzentrenstudie an 78 Männern, Altersdurchschnitt 69 Jahre, 60 mg täglich stabilisiertes, freies Sulforaphan über 6 Monate, danach 2 Monate ohne Behandlung. Der primäre Endpunkt, eine vorab festgelegte Verlangsamung der log-PSA-Anstiegsrate, wurde nicht erreicht. Bei mehreren sekundären Endpunkten schnitt die Sulforaphan-Gruppe besser ab: Der PSA-Anstieg zwischen Monat 0 und 6 war geringer, plus 0,099 gegenüber plus 0,620 ng/ml, p gleich 0,0433, die PSA-Verdopplungszeit war 86 Prozent länger, 28,9 gegenüber 15,5 Monate, und der Anteil mit einem PSA-Anstieg über 20 Prozent war kleiner, 44,4 gegenüber 71,8 Prozent, p gleich 0,0163. Nach Absetzen der Behandlung glichen sich die PSA-Verläufe wieder an, Cipolla und Kollegen 2015

    Quellen: 11

  5. 05

    Nüchternblutzucker und HbA1c bei Erwachsenen mit Adipositas und unzureichend eingestelltem Blutzucker, Humanteil einer Tier-Mensch-Arbeit

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine kombinierte Tier- und Humanarbeit identifizierte Sulforaphan computergestützt als Wirkstoff, der ein Genexpressionsmuster der Leber bei Typ-2-Diabetes umkehren könnte, und zeigte im Zellmodell sowie bei diabetischen Tieren eine Hemmung der hepatischen Glukoseproduktion über den angenommenen Nrf2-Weg, in einer Größenordnung ähnlich wie Metformin im Tiermodell. Im Humanteil senkte ein als konzentrierter Brokkolisprossen-Extrakt verabreichtes Sulforaphan bei adipösen Erwachsenen mit unzureichend eingestelltem Blutzucker den Nüchternblutzucker und das glykierte Hämoglobin HbA1c. Teilnehmerzahl, genaue Dosis, Studiendauer und Konfidenzintervalle nennt das verfügbare Abstract nicht, Axelsson und Kollegen 2017. Weil ein Extrakt und nicht isoliertes Sulforaphan verabreicht wurde und zentrale Studienangaben fehlen, ist diese Zeile nur als Hinweis zu werten, nicht als bestätigter Humanbefund

    Quellen: 12

  6. 06

    Helicobacter-pylori-Besiedlung des Magens (Atemtest, Stuhlantigen, Eradikationsrate) bei Menschen mit nachgewiesener Besiedlung, uneinheitlich je nach Studiendesign und Vergleich

    Widersprüchlich
    Einordnung und Einschränkungen

    Vier auswertbare Humanstudien prüften Sulforaphan beziehungsweise Sulforaphan-reiche Sprossen bei Menschen mit nachgewiesener Helicobacter-pylori-Besiedlung des Magens, mit unterschiedlichem Vergleich und Design. Eine fünfte gefundene, japanischsprachige Arbeit hat kein zugängliches Abstract und wurde deshalb nicht ausgewertet. Als Zusatz zu einer Clarithromycin-basierten Antibiotika-Dreifachtherapie veränderte ein Brokkolisprossen-Extrakt mit Sulforaphan, laut Volltext 3 Kapseln täglich zu je 1000 Mikrogramm Sulforaphan aus 250 mg standardisiertem Extrakt, umgerechnet 3 mg pro Tag über 4 Wochen, die Eradikationsrate gegenüber der Therapie allein nicht, Intention-to-treat 86,8 gegenüber 85,2 Prozent (P gleich 1,000) und Per-Protocol 96,3 gegenüber 89,6 Prozent (P gleich 0,273), je 61 Teilnehmende von 183 randomisierten Patienten. Die Sulforaphan-Gruppe lag damit numerisch leicht über der Kontrollgruppe, nicht darunter; das Abstract dieser Arbeit druckt die Gruppenwerte vertauscht ab, maßgeblich ist die Ergebnistabelle des Volltextes. Die Studie schloss Träger einer Clarithromycin-resistenten Infektion von vornherein aus, wodurch die berichteten Eradikationsraten aller drei Gruppen höher liegen als unter Alltagsbedingungen zu erwarten wäre, kein Interessenkonflikt angegeben, Chang und Kollegen 2020. Als alleinige Gabe ohne Antibiotika senkte ein Extrakt mit Sulforaphan-Gehalt, laut Volltext 2 Kapseln täglich zu je 1000 Mikrogramm Sulforaphan, umgerechnet 2 mg pro Tag über 4 Wochen (33 gegenüber 28 unter Placebo), weder den Atemtest- noch den Ammoniakwert als Maß der Besiedlungsdichte, im Gruppenvergleich gegen Placebo p gleich 0,601 für den Atemtestwert und p gleich 0,270 für den Ammoniakwert, im Vorher-Nachher-Vergleich der Sulforaphan-Gruppe p gleich 0,634 im Abstract beziehungsweise 0,531 in der Ergebnistabelle desselben Volltextes für denselben Vergleich (Diskrepanz der Quelle selbst) sowie p gleich 0,505 für den Ammoniakwert. Ein oxidativer Stressmarker der Magenschleimhaut sank in der Sulforaphan-Gruppe gegenüber ihrem eigenen Ausgangswert signifikant (p gleich 0,006) und in der Placebo-Gruppe nicht (p gleich 0,289), einen Gruppenvergleich für diesen Marker berichtet der Volltext jedoch nicht, und der Wert p kleiner 0,001 gilt für beide Sulforaphan-Arme zusammengefasst, also ebenfalls ohne Placebo-Kontrast, kein Interessenkonflikt angegeben, Chang und Kollegen 2015. Ebenfalls als alleinige Gabe ohne Antibiotika senkten 70 Gramm Brokkolisprossen täglich, entsprechend 420 Mikromol der Vorstufe Glucoraphanin, über 8 Wochen den Atemtest-Ureasewert, den Stuhlantigen-Nachweis und zwei Entzündungsmarker im Serum, während sich unter Alfalfa-Sprossen als Placebo nichts änderte, bei 48 randomisierten Patienten, die Werte kehrten 2 Monate nach Behandlungsende zum Ausgangsniveau zurück. Das Abstract stellt die Veränderungen beider Gruppen nebeneinander, ohne einen Gruppenunterschied zu beziffern, und die Auswertung stützt sich hier auf das Abstract, Yanaka und Kollegen 2009. Eine kleine, im Abstract ohne erkennbaren Placebo-Arm beschriebene Vorabarbeit berichtete bei 9 Personen unter 14 bis 56 Gramm Brokkolisprossen zweimal täglich über 7 Tage bei 7 von 9 eine negative Stuhlantigen-Testung direkt nach Therapieende und bei 6 von 9 noch nach 35 Tagen, Galan und Kollegen 2004. Die beiden Arbeiten mit einem berichteten Gruppenvergleich fanden keinen Unterschied zu ihrer Kontrolle, eine als Zusatz zu Antibiotika, eine als Monotherapie gegen Placebo, beide mit niedrig dosierten Kapseln von 2 bis 3 mg Sulforaphan pro Tag. Die ältere Arbeit von Yanaka mit einem anderen, deutlich höher dosierten Präparat fand einen Effekt auf denselben Markertyp, berichtet ihn aber nur als Vorher-Nachher-Vergleich je Gruppe. Mindestens zwei der vier Arbeiten prüften ein Glucoraphanin-Vorstufen-Präparat oder ganze Sprossen, kein isoliertes Sulforaphan

    Quellen: 16, 17, 18, 19

  7. 07

    Gedächtnisleistung und Lernfähigkeit im Tiermodell, isoliertes Sulforaphan

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    Ein Rattenmodell mit gereinigtem, isoliertem Sulforaphan, nicht dem Extrakt, zeigte nach einer pharmakologischen Blockade der Acetylcholin-Rezeptoren eine verbesserte Langzeitpotenzierung im Hippocampus und eine bessere Leistung in drei Gedächtnistests gegenüber unbehandelten Kontrolltieren, Park und Kollegen 2021. Ausschließlich am Tier geprüft, keine Aussage für Menschen ableitbar

    Quellen: 13

  8. 08

    Zellwachstum und Genexpression in Brustkrebs-Zelllinien

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    Systematische Übersicht mit Meta-Analyse aus 7 In-vitro-Studien an der Brustkrebs-Zelllinie MDA-MB-231, davon 4 Studien zu 10 Mikromol Sulforaphan. In der gepoolten Auswertung erhöhte Sulforaphan den Anteil apoptotischer Zellen gegenüber unbehandelten Kontrollen deutlich, Effektmaß 4,59, 95-Prozent-Konfidenzintervall 4,05 bis 5,20, vermittelt über eine Wiederherstellung der Östrogenrezeptor-Expression durch epigenetische Veränderungen, Gianfredi und Kollegen 2017. Ausschließlich Zellkultur, keine Tier- oder Humandaten in dieser Übersicht. Eine Zellkultur-Konzentration lässt sich nicht in eine orale Tagesdosis umrechnen

    Quellen: 14

  9. 09

    Gefäß- und Herzschutz im Zell- und Tiermodell des Diabetes

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine Übersichtsarbeit fasst Zellkultur- und Tiermodell-Daten zusammen, wonach Sulforaphan über eine angenommene antioxidative Wirkung die Bildung von Advanced Glycation End Products hemmt, deren Gewebeansammlung bei diabetischen Tieren senkt und entzündliche Reaktionen in der Rattenaorta dämpft, Yamagishi und Matsui 2016. Die Übersicht erwähnt daneben eine einzelne Beobachtung gesunkener AGE-Serumwerte bei Menschen, ohne Studiendesign, Teilnehmerzahl oder Dosis zu berichten, weshalb diese Beobachtung hier nicht als eigener Humanbeleg gezählt wird. Ausschließlich Zell- und Tierdaten mit einer nicht näher belegten menschlichen Randbeobachtung, keine kontrollierte Humanstudie

    Quellen: 15

Der als Nrf2-Aktivierung beschriebene Signalweg (Nrf2/KEAP1/ARE) ist der angenommene Mechanismus hinter praktisch jeder hier genannten Wirkung, vom Zellschutz über die Leberentgiftung bis zur Krebszell-Hemmung. Er ist im Labor gut charakterisiert, aber am Menschen ist er kein durchgehend bestätigter Befund: Keine der fünf Studien, die die Nrf2-Zielgenexpression direkt am Menschen gemessen haben, zeigte einen Unterschied gegenüber Placebo, wobei sich die fünf Studien in Population, Gewebe, Zubereitung und Dauer deutlich unterscheiden und deshalb nicht als eine einzige, sauber wiederholte Messreihe zu lesen sind. Die verbreiteten Zuschreibungen Entgiftung, Krebsprävention, Herzgesundheit und Gehirnschutz gehen deutlich über das hinaus, was am Menschen geprüft wurde. Auch zur oft beworbenen Wirkung gegen Helicobacter pylori ist die Studienlage uneinheitlich: Die beiden Arbeiten mit einem berichteten Gruppenvergleich fanden keinen Unterschied zu ihrer Kontrolle bei der Besiedlungsdichte, eine kleinere, ältere Arbeit fand einen Effekt, berichtet ihn aber nur als Vorher-Nachher- Vergleich je Gruppe. Am ehesten belastbar, wenn auch klein und uneinheitlich, sind Daten zu fremdbeurteilten Verhaltensmaßen bei Menschen mit ausgeprägten Einschränkungen in sozialer Kommunikation, zu Negativsymptomen als Zusatzgabe bei bestehender antipsychotischer Behandlung und zur PSA-Kinetik nach einer Prostataoperation. Für Krebszell-Hemmung, Gedächtnisleistung und Gefäßschutz liegen ausschließlich Zell- und Tierdaten vor.

Studien im Detail

Warum dieser Eintrag den isolierten Wirkstoff behandelt

Sulforaphan ist kein Pflanzenteil, sondern ein Abbauprodukt: Erst wenn das Enzym Myrosinase auf das Glucosinolat Glucoraphanin trifft, entsteht Sulforaphan. Der Eintrag Brokkoli-Extrakt beschreibt diesen Schritt und die schwankende Bioverfügbarkeit ausführlich. Dieser Eintrag setzt dort an, wo eine Studie eine Sulforaphan-Menge oder eine stabilisierte, freie Sulforaphan-Zubereitung angibt, und markiert es ausdrücklich, wenn stattdessen ein Glucoraphanin-Präparat mit zugesetzter Myrosinase oder ein Sprossenextrakt untersucht wurde. Die drei Formen sind pharmakokinetisch nicht gleichzusetzen, und mehrere hier zitierte Studien machen im Abstract keine genaue Angabe dazu.

Nrf2-Zielgenexpression, direkt am Menschen gemessen

Fünf Studien maßen diesen Mechanismus direkt, sie unterscheiden sich aber so stark in Population, Gewebe, Zubereitung und Dauer, dass sie eher fünf unterschiedliche Sonden an derselben Frage sind als eine wiederholte Messung. Die bislang größte und methodisch schärfste Arbeit ist ein dreiarmiger Phase-2-RCT an 89 Erwachsenen mit chronisch eingeschränkter Lungenfunktion: Weder 25 noch 150 Mikromol Sulforaphan pro Tag (umgerechnet rund 4,4 beziehungsweise 26,6 mg) veränderten über 4 Wochen die Expression der Nrf2-Zielgene in Bronchialepithel oder Alveolarmakrophagen gegenüber dem jeweiligen Ausgangswert; im frei zugänglichen Volltext schlossen alle 95-Prozent-Konfidenzintervalle für das Verhältnis von Nach- zu Vorbehandlungswert die 1,0 ein, und für jedes Zielgen lag zusätzlich ein formaler Dreigruppenvergleich (Placebo gegen beide Dosen) vor, überwiegend ohne Unterschied (P-Werte 0,06 bis 0,88). Die einzige Ausnahme, AKR1C1 in Bronchialepithelzellen (P kleiner 0,01), zeigte den höchsten Wert ausgerechnet unter Placebo (1,45-fach) und die niedrigsten unter der höchsten Sulforaphan-Dosis (0,79-fach), also die dem angenommenen Wirkmechanismus entgegengesetzte Richtung [1]. Die Studie war NIH-finanziert ohne Einfluss des Geldgebers auf Auswertung oder Bericht; zwei Autoren halten mehrere Patente auf Brokkolisprossen-Zubereitungen und Sulforaphan, haben aber laut eigener Erklärung ihre Eigentumsanteile an der lizenznehmenden Firma abgegeben. Eine 2017 veröffentlichte Korrektur zu dieser Arbeit betraf ausschließlich eine zunächst fehlende Angabe zu einer zusätzlichen Förderquelle eines Koautors, keine der berichteten Zahlen [1]. Bei Hämodialyse-Patienten (30 randomisiert, 25 abgeschlossen) veränderte 150 Mikromol Sulforaphan pro Tag, umgerechnet rund 26,6 mg, aus einem Extrakt mit 1 Prozent Sulforaphan-Gehalt und zugesetzter Myrosinase, weder die Nrf2- noch die NF-kB-Genexpression gegenüber Placebo [3]. 40 Erwachsene mit Asthma und einer nachgewiesenen Sensibilisierung gegenüber einem Innenraumallergen, primärer Endpunkt exhaliertes Stickoxid, die 3 Tage lang 100 g frische Brokkolisprossen aßen, zeigten trotz deutlich gestiegener Sulforaphan-Blutspiegel keine induzierten Entgiftungsgene in Blutzellen oder Nasenschleimhaut; im Volltext lag der FENO-Wert am dritten Tag bei 22 gegenüber 19,5 ppb (Sprossen gegen Placebo, P gleich 0,48), ein Teilnehmer der Sprossen-Gruppe brach wegen Magen-Darm-Beschwerden ab [4]. Eine weitere, kleinere Crossover-Arbeit an 16 randomisierten, gesunden Erwachsenen (15 abgeschlossen) prüfte 200 g Sprossen-Homogenat täglich über 3 Tage, entsprechend rund 102 Mikromol beziehungsweise 18 mg Sulforaphan-Äquivalent pro Dosis, und fand nach Ozon-Provokation keine Induktion in Nasenschleimhaut oder Blut, obwohl der Sulforaphan-Blutspiegel signifikant anstieg (P gleich 0,001); alle P-Werte der Genexpressionsvergleiche lagen laut Volltext zwischen 0,64 und über 0,99, keine schwerwiegenden Nebenwirkungen [5]. Bei Menschen mit chronischer, nicht dialysepflichtiger Nierenerkrankung stieg unter der mit Abstand niedrigsten geprüften Dosis, 400 Mikrogramm Sulforaphan pro Tag über einen Monat, rund 65-mal niedriger als die höchste hier getestete Dosis, die NRF2- und NQO1-Genexpression an. Das Abstract beschreibt diesen Anstieg ausdrücklich nur innerhalb der Sulforaphan-Gruppe und berichtet keinen Vergleich gegen Placebo, die Auswertung stützt sich hier auf das Abstract [2].

Einschränkung: Keine der fünf Studien, die den zentralen Wirkmechanismus direkt gemessen haben, zeigte einen Unterschied gegenüber Placebo, und beim einzigen formal signifikanten Einzelbefund (AKR1C1 bei Wise 2016) lag der höchste Wert unter Placebo statt unter der aktiven Substanz. Der einzige positive Befund, Ribeiro 2024 bei nicht dialysepflichtiger Nierenerkrankung, ist laut Abstract ein Anstieg innerhalb der Sulforaphan-Gruppe ohne Placebo-Vergleich. Die Zeile steht deshalb auf nicht bestätigt und nicht mehr auf widersprüchlich, denn Wise 2016 berichtet sehr wohl Konfidenzintervalle und einen Gruppenvergleich für jedes Zielgen. Der Eintrag Brokkoli-Extrakt stuft die Ausscheidung von Luftschadstoff-Abbauprodukten im Urin als gut belegt ein, das ist ein anderer Endpunkt, die Ausscheidung von Umwandlungsprodukten aus einem Glucoraphanin-Sulforaphan-Getränk, nicht die direkte Nrf2-Zielgentranskription. Beide Befunde können nebeneinander zutreffen.

Fremdbeurteilte Verhaltensmaße bei ausgeprägten Einschränkungen in sozialer Kommunikation

Vier Studien, die sich in ihren Instrumenten überschneiden und trotzdem auseinandergehen. Drei von ihnen, Singh 2014, Zimmerman 2021 und Magner 2023, setzten dieselben zwei Fremdbeurteilungsskalen ein, die Aberrant Behavior Checklist (ABC) und die Social Responsiveness Scale beziehungsweise deren zweite Fassung (SRS, SRS-2), und kamen auf genau diesen Skalen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Beim Lesen der Volltexte zeigt sich zudem, dass die Zubereitungen weiter auseinanderliegen als aus den Abstracts ersichtlich. Die erste und am klarsten positive Studie prüfte 44 junge Männer im Alter von 13 bis 27 Jahren mit mittelschwerer bis schwerer, klinisch festgestellter Ausprägung von Einschränkungen in sozialer Kommunikation und mit stereotypem Verhalten. Unter isoliertem Sulforaphan, 50 bis 150 Mikromol pro Tag nach Körpergewicht gestaffelt (umgerechnet rund 8,9 bis 26,6 mg), besserten sich über 18 Wochen drei Fremdbeurteilungsskalen deutlich gegenüber Placebo: zwei von Eltern beziehungsweise Betreuungspersonen ausgefüllte Skalen, minus 34 Prozent gegenüber minus 3,3 Prozent auf der einen und minus 17 Prozent auf der anderen, und eine von Ärzten ausgefüllte Gesamteinschätzung (CGI-I, p zwischen 0,015 und 0,007); nach Absetzen näherten sich die Werte wieder dem Ausgangsniveau an [6]. Der Volltext nennt als Förderer unter anderem die Brassica Foundation for Chemoprotection Research; zwei Studienautoren halten ein an die Johns Hopkins University vergebenes Patent auf sulforaphanhaltige Zubereitungen, und der Sohn eines von beiden führt die Firma, die die lizenzierten Brokkolisprossen-Produkte vertreibt. In derselben Studie traten bei zwei Teilnehmenden unprovozierte Krampfanfälle auf, siehe Sicherheit und Steckbrief [6]. Eine spätere, methodisch aufwendigere Studie an 45 ausgewerteten Kindern im Alter von 3 bis 12 Jahren fand für den vorab festgelegten primären Endpunkt, eine ärztliche Gesamteinschätzung, keinen signifikanten Unterschied (Cohen s d 0,10, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 0,52 bis 0,72), während eine sekundäre, von Bezugspersonen ausgefüllte Verhaltensskala sich signifikant besserte (Cohen s d minus 0,96, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 1,73 bis minus 0,15) und eine zweite sekundäre Skala nicht [7]. Der Volltext zeigt, dass diese Studie kein isoliertes Sulforaphan prüfte, sondern eine handelsübliche, gewichtsgestaffelt dosierte Tablette aus Glucoraphanin mit zugesetzter Myrosinase (45 bis 120 Mikromol Sulforaphan-Äquivalent pro Tag), laut einer 2021 veröffentlichten Korrektur zu dieser Studie bereitgestellt von Nutramax Laboratories, finanziert vom US-Verteidigungsministerium. Ein Studienautor ist zugleich wissenschaftlicher Berater der Firma, die ein glucoraphaninreiches Brokkolisamen-Extrakt vertreibt, ein anderer hält ein an die Johns Hopkins University vergebenes Patent auf die Anwendung von Sulforaphan bei Autismus [7]. Die Korrektur betraf nur die genaue Zusammensetzung und Herkunft der Tablette, keine der berichteten Wirksamkeitszahlen. Eine dritte Studie an 28 abgeschlossenen von 40 randomisierten Kindern im Alter von 3 bis 7 Jahren, deren Einschluss auf der Diagnosebeobachtungsskala ADOS-2 beruhte, fand nach 36 Wochen auf keiner von drei Skalen, darunter ADOS-2 selbst, einen Unterschied zu Placebo [8]. Diese tschechische, von der Johns-Hopkins-Gruppe unabhängige Studie prüfte laut Volltext ein aus Brokkoli- und Rettichsprossen bereits zu Sulforaphan umgewandeltes Pulver, fest dosiert mit 50 Mikromol (rund 8,9 mg) pro Tag [8]. Eine chinesische Mehrzentrenstudie an 108 Kindern fand nach 12 Wochen keinen Unterschied auf der von Bezugspersonen ausgefüllten Skala, wohl aber eine signifikante Besserung auf der von Klinikern ausgefüllten Skala; diese Studie war nur als Abstract zugänglich, unter den Autoren steht laut PubMed erneut derselbe Sulforaphan-Patentinhaber der Johns Hopkins University sowie ein Mitarbeiter der Firma Nutramax Laboratories, die kommerzielle Sulforaphan-Präparate herstellt, ohne dass eine gesonderte Interessenerklärung hinterlegt ist [9].

Einschränkung: Vier Studien, vier unterschiedliche Bilder, teils widersprüchlich innerhalb derselben Studie je nach Beurteilungsquelle; welche Beurteilungsquelle positiver ausfällt, ist zwischen den Studien nicht einheitlich. Sämtliche Endpunkte aller vier Studien sind Fremdbeurteilungen durch Eltern, Betreuungspersonen oder Ärzte, und die Verblindung ist bei diesem Stoff schwer zu halten. Zimmerman 2021 führt Unverträglichkeit von Geschmack und Geruch ausdrücklich als Nebenwirkung auf, ein Kind brach deswegen ab. Keine der vier Studien berichtet eine Prüfung, ob die Verblindung gehalten hat, ein Entblindungseffekt auf die Beurteilenden ist deshalb in keiner auszuschließen. Die am klarsten positive Studie ist zugleich die älteste, mit der am wenigsten repräsentativen Stichprobe (ausschließlich junge Männer mit mittelschwerer bis schwerer Ausprägung), der stärksten kommerziellen Nähe zur Sulforaphan-Vermarktung und ohne unabhängige Wiederholung an einer vergleichbaren Population. Drei der vier Studien teilen über Autoren oder Affiliationen eine Nähe zu derselben Forschungsgruppe beziehungsweise zu Firmen, die Sulforaphan-Präparate vertreiben; die einzige Studie ohne erkennbare Nähe dazu (Magner 2023) fand auf keiner Skala einen Effekt. Diese Nähe erklärt für sich genommen keine Richtung des Ergebnisses, da die am stärksten industrienahe Studie zugleich die positivste (Singh 2014) und eine andere industrienahe Studie überwiegend negativ ist (Zimmerman 2021), sie gehört aber zur vollständigen Einordnung.

Negativsymptome als Zusatzgabe bei bestehender antipsychotischer Behandlung

Eine Meta-Analyse aus 4 randomisierten, placebokontrollierten Studien mit zusammen 369 Teilnehmenden wertete Sulforaphan ausschließlich als Zusatzgabe zu einer weiterlaufenden antipsychotischen Medikation aus, nicht als Monotherapie, bei Menschen mit ausgeprägter Negativsymptomatik, Tagesdosis über die Studien hinweg 66 bis 136 Mikromol, umgerechnet rund 11,7 bis 24,1 mg [10]. Der PANSS-Gesamtwert und die Positivsymptom-Werte unterschieden sich weder beim letzten Nachbeobachtungszeitpunkt (18 bis 24 Wochen je nach Studie) noch einheitlich nach 12 Wochen von Placebo [10]. Die Negativsymptomatik besserte sich nach 12 Wochen leicht (mittlere Differenz minus 1,06 Punkte, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 1,95 bis minus 0,16), dieser Unterschied blieb bis zum letzten Nachbeobachtungszeitpunkt nicht erhalten [10]. Der Volltext zeigt, dass dieser Befund deutlich heterogen war (I-Quadrat 73 Prozent beim letzten Nachbeobachtungszeitpunkt) und sich diese Heterogenität in einer Sensitivitätsanalyse durch Ausschluss einer einzigen Studie auflösen ließ, der Arbeit mit der höchsten Dosis und der jüngsten Stichprobe (Huang und Kollegen 2025). Ohne diese eine Studie blieb der Effekt auf die Negativsymptomatik nicht signifikant (mittlere Differenz minus 0,38 Punkte, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 2,07 bis 1,31). Eine ergänzende Dosis-Subgruppenanalyse der Autoren zeigt denselben Punkt aus anderer Richtung: Ein Effekt fand sich vor allem bei der höchsten Dosis von 136 Mikromol pro Tag, an der Signifikanzgrenze beim primären Endpunkt (P gleich 0,05) und signifikant in der 12-Wochen-Analyse (mittlere Differenz minus 1,22 Punkte, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 2,18 bis minus 0,25), während die niedrigeren Dosen keinen Effekt zeigten. Die allgemeine Psychopathologie besserte sich dagegen durchgehend und ohne diese Heterogenität (mittlere Differenz minus 1,5 Punkte, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 2,78 bis minus 0,23) [10]. Auf kognitive Testwerte zeigte sich kein Effekt [10]. Als Nebenbefund sanken LDL-Cholesterin, Triglyceride und Gesamtcholesterin unter Sulforaphan stärker als unter Placebo, und die Abbruchrate war niedriger (relatives Risiko 0,68, 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,49 bis 0,95) [10]. Laut Volltext erhielt keiner der Autoren der Meta-Analyse Zahlungen von Dritten, und es wird kein Interessenkonflikt angegeben.

Einschränkung: Alle vier eingeschlossenen Studien prüften die Zusatzgabe, keine die alleinige Gabe. Die eingeschlossenen Zubereitungen unterscheiden sich, mindestens eine ist eine glucoraphaninhaltige Fertigware, dosiert nach Glucoraphanin- statt nach Sulforaphan-Gehalt, weshalb sich über die vier Studien keine einheitliche Sulforaphan-Tagesdosis angeben lässt; die oben genannte Spanne von 66 bis 136 Mikromol ist die von den Autoren berichtete Bandbreite, keine einheitliche Umrechnung. Der einzige über 12 Wochen hinaus haltbare positive Befund (Negativsymptomatik) trägt eine erhebliche Heterogenität und hängt an einer einzelnen, dosisstärksten Studie; ohne sie ist der Effekt statistisch nicht mehr von null zu unterscheiden. Der Cholesterin-Nebenbefund stammt aus einer Population unter Antipsychotika, die selbst häufig Stoffwechselveränderungen auslösen, und lässt sich nicht auf eine allgemeine cholesterinsenkende Wirkung übertragen.

PSA-Kinetik nach radikaler Prostatektomie

78 Männer mit erneut ansteigendem PSA-Wert nach radikaler Prostatektomie (Altersdurchschnitt 69 Jahre) erhielten in einer randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Mehrzentrenstudie 6 Monate lang täglich 60 mg stabilisiertes, freies Sulforaphan, danach 2 Monate ohne Behandlung [11]. Der vorab festgelegte primäre Endpunkt, eine bestimmte Verlangsamung der log-PSA-Anstiegsrate, wurde nicht erreicht [11]. Bei mehreren sekundären Endpunkten schnitt die Sulforaphan-Gruppe besser ab: Der PSA-Anstieg zwischen Monat 0 und 6 war geringer (plus 0,099 gegenüber plus 0,620 ng/ml, p gleich 0,0433), die PSA-Verdopplungszeit war 86 Prozent länger (28,9 gegenüber 15,5 Monate), und der Anteil mit einem PSA-Anstieg über 20 Prozent war kleiner (44,4 gegenüber 71,8 Prozent, p gleich 0,0163) [11]. Nach Absetzen der Behandlung glichen sich die PSA-Verläufe zwischen den Gruppen wieder an [11].

Einschränkung: Der Hauptendpunkt wurde verfehlt, die positiven Befunde sind sekundäre Endpunkte.

Blutzucker, Humanteil einer Tier-Mensch-Arbeit

Eine Arbeit, die vor allem im Zell- und Tiermodell die hepatische Glukoseproduktion bei Typ-2-Diabetes untersuchte, berichtet zusätzlich einen Humanteil: Bei adipösen Erwachsenen mit unzureichend eingestelltem Blutzucker senkte ein als konzentrierter Brokkolisprossen-Extrakt verabreichtes Sulforaphan Nüchternblutzucker und HbA1c [12]. Teilnehmerzahl, genaue Dosis, Studiendauer und Konfidenzintervalle nennt das verfügbare Abstract nicht [12].

Einschränkung: Verabreicht wurde ein Extrakt, kein isoliertes Sulforaphan, und zentrale methodische Angaben fehlen im Abstract. Diese Zeile bleibt deshalb auf der Stufe Hinweise, nicht höher.

Helicobacter-pylori-Besiedlung des Magens

Vier auswertbare Studien prüften Sulforaphan beziehungsweise Sulforaphan-reiche Sprossen bei Menschen mit nachgewiesener Helicobacter-pylori-Besiedlung des Magens, eine fünfte gefundene, japanischsprachige Arbeit hat kein zugängliches Abstract und wurde nicht ausgewertet. Als Zusatz zu einer Clarithromycin-basierten Antibiotika-Dreifachtherapie veränderte ein Brokkolisprossen-Extrakt mit Sulforaphan, laut Volltext 3 Kapseln täglich zu je 1000 Mikrogramm Sulforaphan aus 250 mg standardisiertem Extrakt (umgerechnet 3 mg pro Tag) über 4 Wochen, die Eradikationsrate gegenüber der Therapie allein nicht (Intention-to-treat 86,8 gegenüber 85,2 Prozent, P gleich 1,000; Per-Protocol 96,3 gegenüber 89,6 Prozent, P gleich 0,273), je 61 Teilnehmende von 183 randomisierten Patienten [16]. Die Sulforaphan-Gruppe lag damit numerisch leicht über der Kontrollgruppe, nicht darunter; das Abstract dieser Arbeit druckt die Gruppenwerte vertauscht ab, maßgeblich ist die Ergebnistabelle des Volltextes. Die Studie schloss Trägerinnen und Träger einer Clarithromycin-resistenten Infektion von vornherein aus, wodurch die berichteten Eradikationsraten aller drei Gruppen höher liegen als unter Alltagsbedingungen zu erwarten wäre; kein Interessenkonflikt angegeben [16]. Als alleinige Gabe ohne Antibiotika senkte ein Extrakt mit Sulforaphan-Gehalt, laut Volltext 2 Kapseln täglich zu je 1000 Mikrogramm Sulforaphan (umgerechnet 2 mg pro Tag) über 4 Wochen (33 gegenüber 28 unter Placebo), weder den Atemtest- noch den Ammoniakwert als Maß der Besiedlungsdichte, im Gruppenvergleich gegen Placebo p gleich 0,601 für den Atemtestwert und p gleich 0,270 für den Ammoniakwert, im Vorher-Nachher-Vergleich der Sulforaphan-Gruppe p gleich 0,634 laut Abstract und 0,531 laut Ergebnistabelle desselben Volltextes für denselben Vergleich, eine Diskrepanz der Quelle selbst, sowie p gleich 0,505 für Ammoniak. Ein oxidativer Stressmarker der Magenschleimhaut sank in der Sulforaphan-Gruppe gegenüber ihrem eigenen Ausgangswert signifikant (p gleich 0,006) und in der Placebo-Gruppe nicht (p gleich 0,289), einen Gruppenvergleich für diesen Marker berichtet der Volltext nicht; der Wert p kleiner 0,001 gilt für beide Sulforaphan-Arme zusammengefasst, also ebenfalls ohne Placebo-Kontrast. Kein Interessenkonflikt angegeben [17]. Ebenfalls als alleinige Gabe ohne Antibiotika senkten 70 Gramm Brokkolisprossen täglich, entsprechend 420 Mikromol der Vorstufe Glucoraphanin, über 8 Wochen den Atemtest-Ureasewert, den Stuhlantigen- Nachweis und zwei Entzündungsmarker im Serum, während sich unter Alfalfa- Sprossen als Placebo nichts änderte, bei 48 randomisierten Patienten; die Werte kehrten 2 Monate nach Behandlungsende zum Ausgangsniveau zurück. Das Abstract stellt die Veränderungen beider Gruppen nebeneinander, ohne einen Gruppenunterschied zu beziffern, und die Auswertung stützt sich hier auf das Abstract [18]. Eine kleine, im Abstract ohne erkennbaren Placebo-Arm beschriebene Vorabarbeit berichtete bei 9 Personen unter 14 bis 56 Gramm Brokkolisprossen zweimal täglich über 7 Tage bei 7 von 9 eine negative Stuhlantigen-Testung direkt nach Therapieende und bei 6 von 9 noch nach 35 Tagen [19].

Einschränkung: Die beiden Arbeiten, die einen Gruppenvergleich berichten, eine als Zusatz zu Antibiotika und eine als Monotherapie gegen Placebo, fanden keinen Unterschied zu ihrer Kontrolle bei der eigentlichen Besiedlungsdichte, beide mit einer im Milligrammbereich niedrig dosierten Kapselzubereitung (2 bis 3 mg Sulforaphan pro Tag). Die ältere, kleinere Arbeit von Yanaka fand mit einem anderen, deutlich höher dosierten Präparat (rund 420 Mikromol Glucoraphanin als Vorstufe, entsprechend einem Vielfachen der Kapseldosis) einen Effekt auf denselben Markertyp, berichtet ihn aber nur als Vorher-Nachher-Vergleich je Gruppe. Mindestens zwei der vier Arbeiten prüften ein Glucoraphanin-Vorstufen-Präparat oder ganze Sprossen, kein isoliertes Sulforaphan.

Tier- und Laborstudien

Ein Rattenmodell mit gereinigtem, isoliertem Sulforaphan zeigte nach einer pharmakologischen Blockade der Acetylcholin-Rezeptoren eine verbesserte Langzeitpotenzierung im Hippocampus und eine bessere Leistung in drei Gedächtnistests gegenüber unbehandelten Kontrolltieren [13]. Eine systematische Übersicht mit Meta-Analyse aus 7 In-vitro-Studien an der Brustkrebs-Zelllinie MDA-MB-231 fand eine deutlich erhöhte Apoptoserate unter Sulforaphan gegenüber unbehandelten Kontrollen (Effektmaß 4,59, 95-Prozent-Konfidenzintervall 4,05 bis 5,20), vermittelt über eine Wiederherstellung der Östrogenrezeptor-Expression durch epigenetische Veränderungen [14]. Eine weitere Übersichtsarbeit fasst Zellkultur- und Tiermodell-Daten zusammen, wonach Sulforaphan die Bildung von Advanced Glycation End Products hemmt, deren Gewebeansammlung bei diabetischen Tieren senkt und entzündliche Reaktionen in der Rattenaorta dämpft [15]; dieselbe Übersicht erwähnt eine einzelne, nicht näher beschriebene menschliche Beobachtung gesunkener AGE-Serumwerte, ohne Studiendesign, Teilnehmerzahl oder Dosis zu nennen, weshalb sie hier nicht als Humanbeleg gezählt wird.

Aus keiner dieser Tier- und Laborstudien folgt eine Aussage für Menschen.

Sicherheit und Wechselwirkungen

In den hier ausgewerteten Humanstudien war Sulforaphan überwiegend gut verträglich. In der größten Verhaltensstudie an Kindern wurden vereinzelt Schlafstörung, Reizbarkeit sowie Geschmacks- und Geruchsunverträglichkeit berichtet, keine davon schwerwiegend [7]. In der isolierten Sulforaphan verwendeten Verhaltensstudie an jungen Männern (50 bis 150 Mikromol pro Tag über 18 Wochen) traten laut Volltext 36 unerwünschte Ereignisse auf, Erbrechen, verstärkte Aggression, Bauchschmerzen, Blähungen, Reizbarkeit, Verstopfung, Durchfall, Fieber, Kopfschmerzen und verstärkte Allergiebeschwerden bei 12 bis 19 Prozent der Behandelten, mit ähnlicher Häufigkeit unter Placebo (P größer 0,10); die Sulforaphan-Gruppe nahm im Mittel mehr Gewicht zu als die Placebo-Gruppe (4,31 gegenüber 0,31 Pfund, P gleich 0,056, an der Signifikanzgrenze). In derselben Studie erlitten zwei von 29 mit Sulforaphan behandelten Teilnehmenden je einen unprovozierten Krampfanfall, siehe Steckbrief; ein ursächlicher Zusammenhang ist aus einer einzelnen, unkontrollierten Beobachtung dieser Art nicht zu belegen, aber auch nicht auszuschließen [6]. In der Nrf2-Studie an COPD-Patienten mit isoliertem Sulforaphan (25 und 150 Mikromol pro Tag über 4 Wochen) berichteten die Sulforaphan-Gruppen häufiger einen schlechten Geschmack als die Placebo-Gruppe (24 und 31 Prozent gegenüber 7 Prozent, P gleich 0,05) sowie tendenziell häufiger Sodbrennen, Übelkeit und Bauchbeschwerden (P jeweils unter 0,10, nicht signifikant); zwei schwerwiegende Ereignisse (Krankenhausaufnahmen wegen Gallenblasenentzündung und wegen einer COPD-Verschlechterung) traten beide in der niedrig dosierten Gruppe auf und wurden von den Studienautoren nicht auf die Behandlung zurückgeführt [1]. In der Asthma-Studie mit frischen Brokkolisprossen, einer vom isolierten Sulforaphan abweichenden Zubereitung, brach eine teilnehmende Person wegen Magen-Darm-Beschwerden ab, und bei einer Person trat vorübergehend ein auffälliger Schilddrüsenwert auf, der sich bei Nachkontrolle normalisierte [4]. Die Prostata-Studie mit isoliertem Sulforaphan beschreibt Verträglichkeit und Einnahmetreue über 6 Monate als sehr gut [11]. Die Meta-Analyse zu Negativsymptomen fand unter Sulforaphan sogar eine niedrigere Abbruchrate als unter Placebo, allerdings über Zubereitungen hinweg, die nicht alle isoliertes Sulforaphan waren [10]. Belastbare Daten zu Wechselwirkungen mit Medikamenten liegen für isoliertes Sulforaphan nicht vor.

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