L-Tyrosin

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Aminosäuren

Tyrosin · 2-Amino-3-(4-hydroxyphenyl)propansäure

H.P.N · Datenstand 2026-08-20 · 8 Zuschreibungen im Überblick

Auf einen Blick

Was es ist
Eine nicht essentielle Aminosäure. Der Körper stellt sie aus Phenylalanin her, sie ist außerdem Baustein von Dopamin, Noradrenalin, Adrenalin und den Schilddrüsenhormonen
Herkunft
In eiweißreichen Lebensmitteln wie Fleisch, Fisch, Eiern und Milchprodukten enthalten. In Supplementen als freie, kristalline Aminosäure
Wirkform in Studien
Freies, kristallines L-Tyrosin, meist als Einzeldosis vor oder während einer akuten Belastung eingenommen. Alle für diesen Eintrag geprüften Interventionsstudien setzen dieselbe freie Form ein, ein Formvorbehalt ist deshalb nicht nötig
Übliche Studiendosis
2 g als Fixdosis bis rund 22 g bei gewichtsbasierter Splitdosis (rund 100 bis 300 mg pro kg Körpergewicht, teils zweimal verabreicht), meist ein bis zwei Stunden vor der Belastung
Besonderheit
Die am besten belegte Wirkung von Tyrosin zeigt sich unter akuter Belastung, etwa Schlafmangel, Kälte oder gleichzeitiger kognitiver und körperlicher Anforderung. Für den Ruhezustand ohne Belastung ist die Datenlage klein und je nach Testmaß uneinheitlich, für allgemeine Reaktionszeit und Merkfähigkeit zeigt sich kein Effekt, für einzelne Maße der kognitiven Flexibilität (Umkehrlernen, Aufgabenwechsel) finden zwei kleine Studien dagegen einen Vorteil auch ohne Belastung
Verträglichkeit
In einer vierwöchigen Studie bis 4 g pro Tag gut verträglich. Diese Sicherheitsstudie wurde vom Tyrosin-Hersteller Ajinomoto finanziert, zwei der vier Autoren sind dort angestellt, siehe Abschnitt Sicherheit. Die Wirksamkeitsstudien arbeiten teils mit deutlich höheren Einzeldosen, dafür liegt uns keine mehrwöchige Sicherheitsprüfung im oberen Dosisbereich vor

Was diesem Stoff zugesprochen wird

Was die Studien hergeben.

Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.

  1. 01

    Arbeitsgedächtnis und Aufmerksamkeit unter akuter Belastung (Schlafmangel, Kälte, Mehrfachbelastung)

    Belegt
    Einordnung und Einschränkungen

    Zwei Übersichtsarbeiten (Jongkees und Kollegen 2015; Hase und Kollegen 2015, systematischer Review aus 15 Studien) kommen zu dem Schluss, dass Tyrosin Leistungseinbußen unter akuter Belastung mindert. Die Literaturverzeichnisse beider Arbeiten sind über Crossref abrufbar und ausgezählt, die Überschneidung ist fast vollständig. Jede von Hase eingeschlossene Studie zur Tyrosin-Gabe außer Strüder 1998 und Ryan 2008 wird auch von Jongkees geführt (Chinevere 2002, Colzato 2013 und 2014, Kishore 2013, Mahoney 2007, O'Brien 2007, Palinkas 2007, Shurtleff 1994, Sutton 2005, Thomas 1999, Tumilty 2011 und 2014, Watson 2012). Beide Übersichten sind damit ein Bestand und keine zwei unabhängigen Bestätigungen. Von den drei einzeln geprüften RCTs steht Mahoney und Kollegen 2007 (n gleich 19, Crossover gegen Placebo in der Kälte, p kleiner 0,05) in beiden Verzeichnissen und Banderet und Lieberman 1989 (Effekt nur in der Teilgruppe mit durchschnittlicher oder stärkerer Stressreaktion) im Verzeichnis von Jongkees, beide zählen also nicht als Zusatzbeleg. Neri und Kollegen 1995 zu Schlafentzug steht in keinem der beiden Verzeichnisse und ist damit der einzige unabhängige Zusatzbeleg der Zeile. Banderet 1989 und Mahoney 2007 teilen zudem den Autor Lieberman und dieselbe Einrichtung in Natick, sie sind untereinander nicht unabhängig. Eine neuere systematische Übersicht zu diesem Feld haben wir gezielt gesucht und nicht gefunden, die Übersichtslage ist damit weiter der Stand von 2015, gestützt wird die Zeile aber inzwischen von zwei statt einer widersprechenden Hitze-Einzelstudie. Eine RCT unter Hitzebelastung (Coull und Kollegen 2016, n gleich 8) fand keinen kognitiven Nutzen (P größer 0,05 für alle geprüften Maße), eine zweite, neuere RCT an Fußballspielern unter Hitzebelastung (Donnan und Kollegen 2025, n gleich 8) fand ebenfalls keinen Unterschied bei taktischer Entscheidungsfindung, Spitzenleistung, kognitiver Bewertung oder Stimmung (p zwischen 0,486 und 0,918, mit Mittelwerten und Standardabweichungen je Bedingung berichtet, ohne Konfidenzintervall). Beide Hitzestudien haben je 8 Teilnehmende, bei Donnan und Kollegen 2025 wurde die Erhebung laut Volltext wegen der Pandemie vorzeitig beendet, geplant waren 9 Personen. Ein Nullbefund dieser Größe zeigt kein Fehlen des Effekts. Gegen einen generellen Ausfall unter Hitze spricht außerdem Kishore und Kollegen 2013, eine in beiden Übersichten geführte Arbeit, die unter Hitze einen Vorteil fand. Die beiden hier einzeln geprüften Hitzestudien zeigten also keinen Vorteil, während der Vorteil unter Kälte und Schlafentzug wiederholt gefunden wurde. Keine der zitierten Arbeiten berichtet ein Konfidenzintervall, nur p-Werte oder Mittelwerte mit Standardabweichung, das gilt für die positiven wie für die negativen Arbeiten gleichermaßen und ist eine Einschränkung des gesamten Feldes, keine Auswahl unsererseits. Donnan und Kollegen 2025 erklären im Volltext keine Interessenkonflikte und keine Förderung. Die Studiendosen sind zudem gewichtsbezogen und liegen bei rund 100 bis 300 mg pro Kilogramm Körpergewicht, bei einer Person von 75 kg also 7,5 bis 22 g, ein Vielfaches dessen, was eine feste Kapselmenge liefert

    Quellen: 1, 2, 3, 4, 5, 9, 14

  2. 02

    Kognitive Flexibilität (Umkehrlernen und Aufgabenwechsel) ohne akute Belastung

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Drei randomisierte, plazebokontrollierte Studien prüfen Facetten kognitiver Flexibilität ohne zusätzliche Stress- oder Lastmanipulation, mit uneinheitlichem Bild je nach Testmaß. Steenbergen und Kollegen (2015, n gleich 22) fanden nach Tyrosin reduzierte Umschaltkosten in einem Aufgabenwechsel-Paradigma gegenüber Placebo, Zahlenwerte oder eine Dosisangabe nennt das Abstract dafür nicht. Dennison und Kollegen (2019, n gleich 24, Crossover-Design, 2,0 g Tyrosin) prüften an denselben Personen sowohl Aufgabenwechsel im Wisconsin Card Sorting Test als auch Umkehrlernen, bei Umkehrlernen sank die Fehlerquote unter Tyrosin gegenüber Placebo (F(1,23) gleich 5,98, p gleich 0,023, partielles Eta-Quadrat gleich 0,20), beim Wisconsin Card Sorting Test zeigte sich dagegen kein Unterschied (F(1,23) gleich 0,90, p gleich 0,352, partielles Eta-Quadrat gleich 0,03). Robson und Kollegen (2020, siehe auch die eigene Zeile zu hoher kognitiver Last) fanden im selben Testverfahren unter der Bedingung mit geringer kognitiver Last ebenfalls keinen Unterschied (F(1,66) gleich 0,58, p gleich 0,446). Damit zeigt sich ein Vorteil bei zwei von drei Studien und am ehesten beim Umkehrlernen, nicht beim Wisconsin Card Sorting Test, wo zwei von zwei Studien ohne zusätzliche Last keinen Unterschied fanden. Dennison und Robson stammen aus derselben Arbeitsgruppe (gemeinsame Autoren Aquili und Lim), ihr übereinstimmender WCST-Nullbefund ist deshalb kein zweiter, unabhängiger Beleg. Steenbergen teilt zwei Autoren (Hommel, Colzato) mit der Übersichtsarbeit Jongkees 2015, auch diese Studie ist also nicht sicher unabhängig von der oben zitierten Übersicht

    Quellen: 6, 12, 13

  3. 03

    Allgemeine kognitive Leistung bei geringer kognitiver Last (einfache Reaktionszeit), kein signifikanter Unterschied zu Placebo

    Nicht bestätigt
    Einordnung und Einschränkungen

    Jongkees und Kollegen (2015) stellen ausdrücklich fest, dass der Nutzen an einen vorher abgesenkten Botenstoffspiegel gebunden ist. Die ausgezählten Literaturverzeichnisse beider Übersichten zeigen eine fast vollständige Überschneidung der eingeschlossenen Tyrosin-Studien, siehe die Zeile zur akuten Belastung, beide sind also ein Bestand und keine zwei unabhängigen Auswertungen. Hase und Kollegen (2015) äußern sich in ihrem Abstract nicht ausdrücklich zum Ruhezustand, sie beschreiben den gefundenen Nutzen durchgehend als an belastende Bedingungen wie extremes Klima oder kognitive Last geknüpft. Direkte Zahlen liefert der frei zugängliche Volltext von Robson und Kollegen (2020), in der Bedingung mit geringer kognitiver Last fand sich kein Unterschied zwischen Tyrosin und Placebo bei der einfachen Reaktionszeitaufgabe (t(32) gleich 1,92, p gleich 0,065, tendenziell schneller unter Tyrosin, aber nicht signifikant); auch bei der Zahlenspannenaufgabe unter hoher kognitiver Last war der Unterschied nicht signifikant (t(32) gleich -0,28, p gleich 0,781). Diese beiden Vergleiche stehen nicht im Abstract, nur im Volltext. Die Zellbesetzung ist mit rund 17 Personen je Arm klein

    Quellen: 1, 2, 6

  4. 04

    Kognitive Flexibilität (Wisconsin Card Sorting Test) unter hoher kognitiver Last, ohne Vorteil und mit Hinweis auf eine Verschlechterung

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Robson und Kollegen (2020, n gleich 70, Dosis 2,0 g) prüften mit dem Wisconsin Card Sorting Test unter hoher kognitiver Last (Zahlenspannenaufgabe) im Vergleich zu geringer Last (einfache Reaktionszeitaufgabe). Es zeigte sich eine signifikante Wechselwirkung zwischen Substanz und Last (F(1,66) gleich 5,22, p gleich 0,026, partielles Eta-Quadrat gleich 0,07), unter hoher Last verringerte Tyrosin die Verbesserung der Reaktionszeit gegenüber Placebo (F(1,66) gleich 6,71, p gleich 0,016, partielles Eta-Quadrat gleich 0,08), unter geringer Last zeigte sich kein Unterschied, siehe die Zeile zum Ruhezustand. Beim zweiten Flexibilitätsmaß, den perseverativen Fehlern, fand sich weder ein Haupteffekt der Substanz noch eine Wechselwirkung (F(1,66) gleich 0,78, p gleich 0,433, beziehungsweise F(1,66) gleich 0,01, p gleich 0,919). Ein direkter Vergleich der zugrundeliegenden Gedächtnisaufgabe selbst zeigte ebenfalls keinen Unterschied (t(32) gleich -0,28, p gleich 0,781), der Effekt beschränkt sich laut den Autoren auf das abgeleitete Flexibilitätsmaß. Ein physiologischer Stressmarker wurde nicht erhoben, die Autoren können deshalb nicht bestätigen, dass die hohe Last tatsächlich eine physiologische Stressreaktion auslöste. Die Stichprobe bestand mehrheitlich aus Frauen (59 von 70), von den Autoren selbst als Einschränkung der Übertragbarkeit benannt. Es handelt sich um eine einzelne, nicht replizierte Studie ohne Interessenkonflikt und ohne externe Finanzierung laut eigener Erklärung

    Quellen: 6

  5. 05

    Physiologische Stressreaktion und Angst (Speichelmarker, Herzfrequenz, Angst-Inventar), ohne Unterschied zu Placebo laut einer Einzelstudie

    Nicht bestätigt
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine randomisierte Studie mit realitätsnahem Stresstest (McAllister und Kollegen 2024, Tyrosin-Arm n gleich 28 von 80) prüfte Speichel-Stressmarker, Herzfrequenz und ein Angst-Inventar gezielt gegen Placebo. Das Abstract berichtet für diesen Vergleich nur qualitativ, dass die Einnahme die Stressmarker nicht beeinflusste, ohne Effektmaß, p-Wert oder Konfidenzintervall für diesen konkreten Vergleich. Auch ohne eine solche Zahl beschreibt das Abstract einen geprüften und berichteten Nullbefund, die Zeile steht deshalb auf nicht bestätigt. Nur bei der Zahl der ausgelassenen Antworten in einer Stroop-Aufgabe schnitt die Tyrosin-Gruppe besser ab als Placebo, ebenfalls ohne Zahlenangabe im Abstract

    Quellen: 7

  6. 06

    Stimmung unter Umweltbelastung (Kälte, Sauerstoffmangel)

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Banderet und Lieberman (1989) berichten eine Verringerung von Symptomen und ungünstiger Stimmung durch Tyrosin, allerdings nur in der Teilgruppe mit durchschnittlicher oder stärkerer Stressreaktion auf Kälte und Sauerstoffmangel, nicht in der Gesamtgruppe. Eine Teilnehmerzahl für diese Untergruppe nennt das Abstract nicht

    Quellen: 5

  7. 07

    Sportliche Ausdauerleistung (Zeit bis zur Erschöpfung, Zeitfahren), ohne Unterschied zu Placebo laut Meta-Analyse, Konfidenzintervall fehlt

    Nicht bestätigt
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine GRADE-bewertete Meta-Analyse aus 8 Studien und 10 Interventionsarmen fand keinen Unterschied zu Placebo, weder bei der Zeit bis zur Erschöpfung (SMD 0,02, p gleich 0,94) noch beim Zeitfahren (SMD minus 0,04, p gleich 0,85), Konfidenzintervalle nennt das Abstract nicht und der Volltext war beim Abruf durch eine Bot-Sperre blockiert, obwohl er als frei gemeldet ist. Ohne Intervall lässt sich die Größe des ausgeschlossenen Effekts nicht genau bestimmen, der geprüfte und berichtete Nullbefund selbst bleibt davon unberührt, die Einordnung steht deshalb auf nicht bestätigt. Eine weitere RCT unter Hitzebelastung (Coull und Kollegen 2016) fand ebenfalls keinen Unterschied bei der Zeitfahrleistung (19,78 plus minus 3,44 Minuten unter Tyrosin gegenüber 20,29 plus minus 3,55 Minuten unter Placebo, p gleich 0,74), allerdings an nur 8 Personen und mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits Teil der 8 Studien der Meta-Analyse, zählt hier also nicht als unabhängiger Zusatzbeleg

    Quellen: 8, 9

  8. 08

    Schilddruesenwerte TSH und freies T3 unter sehr hoher Tyrosin-Zufuhr, in einer einzelnen Studie in einer Extremumgebung veraendert

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Tyrosin ist mechanistisch Baustein der Schilddrüsenhormone, die Aminosäurereste liegen im Protein Thyreoglobulin und werden dort jodiert, wie Citterio und Kollegen 2019 in einer molekularphysiologischen Übersicht beschreiben, siehe Fließtext. Diese Übersicht prüft selbst keine Tyrosin-Gabe und nennt kein Ergebnis zu einer Supplementierung, sie kann deshalb keine Wirkungsstufe tragen. Eine einschlägige Humanstudie gibt es entgegen der bisherigen Fassung. Palinkas und Kollegen 2007 (PMID 18274206, randomisiert und plazebokontrolliert, 12 g Tyrosin täglich, rund 92 Tage im antarktischen Sommer und rund 138 Tage im Winter; insgesamt 43 Sommer- und 42 Winterteilnehmende, jeweils verteilt auf Tyrosin, Schilddrüsenhormon-Kombination und Placebo) haben Schilddrüsenwerte erhoben. Im Winter sank das TSH unter Tyrosin um 28 Prozent, unter Placebo stieg es um 18 Prozent, und das freie T3 stieg um 6 Prozent (p kleiner 0,05). Im Sommer sank das TSH unter Tyrosin um 30 Prozent und unter Placebo um 28 Prozent, dort also ohne Unterschied. Die Arbeit steht in den Literaturverzeichnissen beider oben geführten Übersichten. Es ist eine einzelne Studie in einer Extremumgebung bei einer Dosis weit über den üblichen Kapselmengen, und sie misst Regelgrößen der Achse, nicht die Hormonproduktion selbst. Die Sicherheitsstudie Matsumoto und Kollegen 2026 hat TSH, T3 und T4 laut Volltext ausdrücklich nicht erhoben und hält selbst fest, dass Wirkungen auf die Schilddrüsenfunktion damit nicht ausgeschlossen sind. Die Einstufung als Hinweise stützt sich auf diese einzelne Studie in einer Extremumgebung; daraus folgt keine allgemeine Aussage zur Schilddrüsenfunktion unter zusätzlichem Tyrosin

    Quellen: 15

Die entscheidende Einschränkung bei L-Tyrosin: Der stärkste Beleg bezieht sich auf Situationen mit akuter Belastung, also Schlafmangel, Kälte, Lärm oder gleichzeitige körperliche und geistige Anforderung. Unter diesen Bedingungen sinkt der Spiegel der Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin messbar ab, und Tyrosin kann diesen Abfall offenbar abfedern. Im Ruhezustand, ohne eine solche Belastung, ist das Bild uneinheitlicher als frühere Fassungen dieses Eintrags nahelegten: Für einfache Reaktionszeit bei geringer kognitiver Last zeigt sich kein signifikanter Unterschied zu Placebo, für einzelne Maße der kognitiven Flexibilität, insbesondere Umkehrlernen, finden zwei kleine, methodisch begrenzte Studien dagegen einen Vorteil auch ohne Belastung, siehe die eigene Zeile dazu. Hinzu kommt: Die Studien zur Belastungswirkung arbeiten mit gewichtsbezogenen Dosen von rund 100 bis 300 mg pro Kilogramm Körpergewicht, bei einer Person von 75 kg also 7,5 bis 22 g, ein Vielfaches dessen, was eine feste Kapselmenge liefert, dazu mehr im Abschnitt Sicherheit.

Studien im Detail

Kognitive Leistung unter akuter Belastung

Jongkees und Kollegen fassten 2015 die verfügbaren Verhaltens- und Kognitionsstudien zu Tyrosin zusammen. Ihr Fazit: Tyrosin verbessert die kognitive Leistung zuverlässig dann, wenn die Funktion von Dopamin und Noradrenalin durch kurzfristigen Stress oder eine hohe kognitive Anforderung bereits beansprucht ist. Außerhalb dieser Situation ließ sich kein Effekt zeigen. Der Nutzen für körperliche Belastung wurde als minimal eingestuft.

Der systematische Review von Hase und Kollegen aus demselben Jahr kommt zum gleichen Bild: In 15 ausgewerteten Studien zeigte Tyrosin vor allem bei Arbeitsgedächtnis und Informationsverarbeitung unter widrigen Bedingungen wie extremer Kälte oder hoher kognitiver Last einen Effekt, während sich bei körperlicher Leistungsfähigkeit meist kein Unterschied fand.

Drei Einzelstudien, die zeitlich vor beiden Übersichtsarbeiten liegen und darin mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits enthalten sind, stützen das Bild im Detail, zählen hier also nicht als unabhängige Zusatzbelege: Bei einer Nacht ohne Schlaf verbesserte eine Splitdosis von insgesamt 150 mg pro kg Körpergewicht die Reaktionsleistung bei einer Wachsamkeitsaufgabe für rund drei Stunden (Neri und Kollegen 1995). Bei zwei jeweils 90-minütigen Wasserimmersionen in Kälte verbesserte eine vergleichbare Einzeldosis von 150 mg pro kg Körpergewicht, zweimal verabreicht und damit in Summe 300 mg pro kg, das Arbeitsgedächtnis bei 19 Teilnehmenden gegenüber Placebo (p kleiner 0,05), das ist die doppelte Tagesmenge gegenüber Neri (Mahoney und Kollegen 2007). Bei kombinierter Kälte- und Sauerstoffmangel-Belastung reduzierte eine Einzeldosis von 100 mg pro kg Körpergewicht Symptome und ungünstige Stimmung, allerdings nur in der Teilgruppe der Teilnehmenden mit durchschnittlicher oder stärkerer Stressreaktion, nicht in der Gesamtgruppe (Banderet und Lieberman 1989).

Nicht jede Belastungsart zeigt den Effekt: Bei einem militärnahen Marschprotokoll unter Hitze mit 25-kg-Gepäck fand sich trotz deutlich erhöhtem Tyrosin-Blutspiegel weder bei der Zeitfahrleistung noch bei mehreren kognitiven Maßen ein Unterschied zu Placebo (P größer 0,05 in allen gemessenen Größen, Coull und Kollegen 2016, Leistungsstudie mit 8 Teilnehmenden). Eine neuere, frei zugängliche RCT bestätigt dieses Bild für Hitzebelastung: Donnan und Kollegen (2025) ließen 8 Fußballspieler ein 92-minütiges hochintensives Intervallprotokoll bei 32 Grad Celsius absolvieren, mit derselben gewichtsbezogenen Einzeldosis von 150 mg pro kg Körpergewicht wie Coull. Weder bei der Spitzenleistung (p gleich 0,486, 715 plus minus 98 gegenüber 724 plus minus 98 Watt) noch bei einer fußballspezifischen Entscheidungsaufgabe (p gleich 0,627), der kognitiven Bewertung der Anstrengung (p gleich 0,693) oder der Stimmungslage (p gleich 0,918) zeigte sich ein Unterschied zu Placebo. Interessenkonflikt laut eigener Erklärung: keiner, keine gesonderte Finanzierung. Für Hitzebelastung liegen damit zwei unabhängige Nullbefunde vor, für Kälte- und Schlafentzugsbelastung dagegen wiederholt positive Befunde, siehe oben. Eine neuere systematische Übersicht, die diese neueren Einzelstudien einordnen würde, haben wir gezielt gesucht und nicht gefunden.

Einschränkung: Die Effekte sind zeitlich eng begrenzt (in der Regel wenige Stunden), die Primärstudien sind klein, keine von ihnen berichtet ein Konfidenzintervall, nur p-Werte oder Mittelwerte mit Standardabweichung, und es fehlt eine gepoolte Meta-Analyse mit einer einzelnen Effektgröße für diesen Endpunkt.

Kognitive Flexibilität ohne akute Belastung

Drei Arbeitsgruppen haben geprüft, ob Tyrosin auch ohne zusätzliche Stress- oder Lastmanipulation Maße der kognitiven Flexibilität verändert, mit unterschiedlichem Ergebnis je nach Testverfahren.

Steenbergen und Kollegen (2015, n gleich 22, doppelblind, plazebokontrolliert) prüften ein Aufgabenwechsel-Paradigma, das proaktive gegen reaktive Kontrolle unterscheidet. Unter Tyrosin sanken die Umschaltkosten gegenüber Placebo, Zahlenwerte für diesen Effekt oder die verabreichte Dosis nennt das Abstract nicht, die Auswertung stützt sich hier auf das Abstract.

Dennison und Kollegen (2019, n gleich 24, Crossover-Design mit vier Sitzungen, 2,0 g Tyrosin gegenüber mikrokristalliner Zellulose) kombinierten Tyrosin mit kathodaler transkranieller Gleichstromstimulation des dorsolateralen präfrontalen Kortex und prüften zwei Flexibilitätsmaße. Beim Umkehrlernen (probabilistisches Lernen mit wechselnder Belohnungsregel) sank die Fehlerquote unter Tyrosin gegenüber Placebo signifikant (F(1,23) gleich 5,98, p gleich 0,023, partielles Eta-Quadrat gleich 0,20), ohne Wechselwirkung mit der Stimulation (F(1,23) gleich 0,12, p gleich 0,729). Beim Aufgabenwechsel, gemessen mit einer adaptierten Version des Wisconsin Card Sorting Tests (Gesamtfehler), zeigte sich dagegen weder ein Haupteffekt der Stimulation (F(1,23) gleich 0,01, p gleich 0,900) noch der Substanz (F(1,23) gleich 0,90, p gleich 0,352) noch eine Wechselwirkung (F(1,23) gleich 0,47, p gleich 0,498). Interessenkonflikt laut eigener Erklärung: keiner. Die Studie wurde durch die Fachabteilung der Sheffield Hallam University finanziert, nicht durch einen Hersteller.

Robson und Kollegen (2020, siehe die ausführliche Beschreibung weiter unten) prüften denselben Wisconsin Card Sorting Test unter geringer kognitiver Last als Annäherung an einen unbelasteten Zustand und fanden dort ebenfalls keinen Unterschied zwischen Tyrosin und Placebo bei der Reaktionszeit (F(1,66) gleich 0,58, p gleich 0,446).

Zwei von drei Arbeiten zum Aufgabenwechsel mit dem Wisconsin Card Sorting Test (Dennison, Robson) finden also übereinstimmend keinen Effekt, während eine Arbeit mit einem anderen Aufgabenwechsel-Paradigma (Steenbergen) einen Vorteil berichtet und Dennison zusätzlich einen Vorteil beim Umkehrlernen findet, einem dritten, wiederum anderen Flexibilitätsmaß. Ein sauberer Widerspruch innerhalb desselben Endpunkts liegt damit nicht vor. Zur Unabhängigkeit: Dennison und Robson teilen zwei Autoren (Aquili, Lim), ihr übereinstimmender Nullbefund beim Wisconsin Card Sorting Test ist deshalb eine Rechnung, keine zwei. Steenbergen teilt zwei Autoren (Hommel, Colzato) mit der oben zitierten Übersichtsarbeit Jongkees 2015, die im selben Jahr erschien, eine Abhängigkeit lässt sich von hier aus nicht ausschließen.

Allgemeine kognitive Leistung im Ruhezustand

Robson und Kollegen prüften 2020 zusätzlich zum Flexibilitätsmaß, ob sich Tyrosin auf die beiden zugrundeliegenden Aufgaben selbst auswirkt, um auszuschließen, dass ein gefundener Effekt allein durch veränderte Basisleistung entsteht. In der Bedingung mit geringer kognitiver Last (eine einfache Reaktionszeitaufgabe) unterschieden sich Tyrosin- und Placebo-Gruppe nicht signifikant (t(32) gleich 1,92, p gleich 0,065), die Reaktionszeit war unter Tyrosin im Mittel schneller, aber nicht statistisch gesichert. Bei der Zahlenspannenaufgabe (Bedingung mit hoher kognitiver Last) fand sich ebenfalls kein Unterschied (t(32) gleich -0,28, p gleich 0,781). Beide Vergleiche stehen nur im frei zugänglichen Volltext, nicht im Abstract. Die Zellbesetzung von rund 17 Personen je Arm ist klein.

Das deckt sich mit der allgemeinen Einschätzung von Jongkees und Kollegen, wonach der Nutzen an einen vorher abgesenkten Botenstoffspiegel gebunden ist. Hase und Kollegen äußern sich in ihrem Abstract nicht ausdrücklich zum Ruhezustand, sie beschreiben den gefundenen Nutzen aber durchgehend als an belastende Bedingungen geknüpft, ohne den Ruhezustand als eigenen, unterforschten Bereich zu benennen.

Kognitive Flexibilität unter hoher kognitiver Last

Robson und Kollegen prüften 2020 an 70 gesunden Teilnehmenden (59 Frauen, 11 Männer), die eine Dosis von 2,0 g Tyrosin oder Placebo erhielten, ob Tyrosin die kognitive Flexibilität unter hoher kognitiver Last verbessert, gemessen im Wisconsin Card Sorting Test. Die Änderung der Reaktionszeit gegenüber der Ausgangsmessung zeigte eine signifikante Wechselwirkung zwischen Substanz und Last (F(1,66) gleich 5,22, p gleich 0,026, partielles Eta-Quadrat gleich 0,07). In der Zerlegung dieser Wechselwirkung zeigte sich unter geringer Last kein Unterschied zwischen Tyrosin und Placebo (F(1,66) gleich 0,58, p gleich 0,446), unter hoher Last verringerte Tyrosin dagegen die Verbesserung der Reaktionszeit gegenüber Placebo (F(1,66) gleich 6,71, p gleich 0,016, partielles Eta-Quadrat gleich 0,08). Innerhalb der Placebo-Gruppe unterschied sich die Leistung zwischen geringer und hoher Last nicht (F(1,66) gleich 0,00, p gleich 0,924), innerhalb der Tyrosin-Gruppe dagegen deutlich, mit langsameren Reaktionszeiten unter hoher Last (F(1,66) gleich 10,48, p gleich 0,002, partielles Eta-Quadrat gleich 0,13). Beim zweiten Flexibilitätsmaß, den perseverativen Fehlern, fand sich weder ein Haupteffekt der Substanz (F(1,66) gleich 0,78, p gleich 0,433) noch der Last (F(1,66) gleich 1,83, p gleich 0,180) noch eine Wechselwirkung (F(1,66) gleich 0,01, p gleich 0,919). Um auszuschließen, dass der Effekt allein durch veränderte Leistung in den zugrundeliegenden Aufgaben entsteht, verglichen die Autoren zusätzlich Tyrosin gegen Placebo direkt auf der einfachen Reaktionszeitaufgabe (t(32) gleich 1,92, p gleich 0,065) und der Zahlenspannenaufgabe (t(32) gleich -0,28, p gleich 0,781), beide ohne signifikanten Unterschied. Ein physiologischer Stressmarker (etwa Cortisol) wurde nicht erhoben, die Autoren können deshalb selbst nicht bestätigen, dass die hohe kognitive Last tatsächlich eine physiologische Stressreaktion auslöste, anders als bei den Kälte- und Sauerstoffmangel-Studien weiter oben. Interessenkonflikt laut eigener Erklärung: keiner, keine externe Finanzierung durch Förderer aus Industrie, öffentlicher Hand oder gemeinnützigem Sektor.

Einschränkung: Einzelstudie, nicht repliziert, mehrheitlich weibliche Stichprobe (von den Autoren selbst als Grenze der Übertragbarkeit benannt).

Physiologische Stressreaktion und Angst

McAllister und Kollegen ließen 2024 achtzig Teilnehmende (Tyrosin-Arm mit 28 Personen) ein realitätsnahes Stressszenario (virtuelle Einsatzübung plus Stroop-Aufgabe und Kopfrechnen) durchlaufen. Speichelmarker für Stress (Alpha-Amylase, Immunglobulin A), Herzfrequenz und ein Angst-Inventar stiegen durch das Szenario deutlich an, unabhängig davon, ob die Teilnehmenden zuvor 2000 mg Tyrosin, 200 mg L-Theanin oder Placebo erhalten hatten. Für diesen konkreten Gruppenvergleich nennt das Abstract keinen Effektwert, p-Wert oder ein Konfidenzintervall, nur die qualitative Aussage, dass sich die Stressmarker nicht unterschieden. Einzig bei der Zahl der ausgelassenen Antworten in der Stroop-Aufgabe schnitt die Tyrosin-Gruppe besser ab als Placebo, ebenfalls ohne Zahlenangabe. Ein eigenes Stimmungsinstrument über das Angst-Inventar hinaus wurde in dieser Studie nicht erhoben.

Stimmung unter Umweltbelastung

Banderet und Lieberman fanden 1989 bei einer 4,5-stündigen Kälte- und Sauerstoffmangel-Belastung, dass Tyrosin (100 mg pro kg Körpergewicht) Symptome, ungünstige Stimmung und Leistungseinbußen verringerte, und zwar laut Abstract in den Teilnehmenden, die eine durchschnittliche oder stärkere Stressreaktion auf die Belastung zeigten. Der Effekt betrifft also eine Teilgruppe, nicht alle Teilnehmenden, und das Abstract nennt für diese Teilgruppe keine genaue Teilnehmerzahl.

Körperliche Leistungsfähigkeit

Die GRADE-bewertete Meta-Analyse von Solon-Júnior und Kollegen wertete 2023 acht Studien mit insgesamt 10 Interventionsarmen zur Ausdauerleistung aus. Weder bei der Zeit bis zur Erschöpfung (SMD 0,02, p gleich 0,94) noch bei Zeitfahr-Leistungen (SMD minus 0,04, p gleich 0,85) zeigte sich ein Unterschied zu Placebo, Konfidenzintervalle nennt das Abstract nicht. Der als frei gemeldete Volltext ließ sich beim Abruf nicht öffnen, eine Bot-Sperre des Repositoriums verhinderte den Zugriff. Die Autoren stufen die Evidenz als moderat ein und schließen, dass Tyrosin für Ausdauerleistung bei körperlich aktiven Menschen unwirksam ist. Ohne ein Konfidenzintervall lässt sich die Größe des ausgeschlossenen Effekts von unserer Seite aus nicht genau bestimmen, der geprüfte und berichtete Nullbefund aus SMD und p-Wert bleibt davon unberührt, die Einordnung steht deshalb auf nicht bestätigt.

Coull und Kollegen prüften 2016 zusätzlich körperliche und kognitive Leistung unter Hitzebelastung während eines militärnahen Marschprotokolls mit 25-kg-Gepäck, an 8 Teilnehmenden in dieser Leistungsstudie. Die Zeitfahrzeit unterschied sich nicht (19,78 plus minus 3,44 Minuten unter Tyrosin gegenüber 20,29 plus minus 3,55 Minuten unter Placebo, p gleich 0,74), trotz deutlich erhöhtem Tyrosin-Blutspiegel zeigte sich auch bei mehreren kognitiven Maßen kein Unterschied. Die Studie erschien vor dem Suchstichtag der Meta-Analyse (3. August 2023) und prüft denselben Endpunkttyp, sie dürfte also bereits zu deren 8 eingeschlossenen Studien zählen und ist an nur 8 Personen ohnehin zu klein, um als unabhängiger Zusatzbeleg zu gelten.

Schilddrüsenhormone

Tyrosin ist chemisch Bestandteil der Schilddrüsenhormone T3 und T4. Die Biosynthese läuft über das Protein Thyreoglobulin: Tyrosin-Reste, die bereits im Protein eingebaut sind, werden dort mit Jod versehen, wie Citterio und Kollegen 2019 [10] in ihrer Übersicht zur Thyreoglobulin-Funktion beschreiben. Diese Übersicht prüft selbst keine Tyrosin-Gabe und trifft keine Aussage darüber, ob eine zusätzliche Zufuhr die Hormonproduktion verändert, sie liefert nur den mechanistischen Hintergrund und trägt deshalb keine eigene Wirkungsstufe. Der Baustein Tyrosin ist bei üblicher Eiweißzufuhr reichlich vorhanden, während Jodversorgung und die Steuerung durch das Hypophysenhormon TSH als die begrenzenden Schritte gelten. Eine gezielte Suche nach Labor- oder Tierstudien zur Frage, ob eine zusätzliche Tyrosin-Verfügbarkeit die Hormonproduktion tatsächlich verändert, blieb ohne einschlägigen Treffer. Eine Humanstudie hat die Regelgrößen der Achse allerdings gemessen. Palinkas und Kollegen 2007 [15] prüften in einer randomisierten, plazebokontrollierten Studie 12 Gramm Tyrosin täglich über rund 92 Tage im antarktischen Sommer und rund 138 Tage im Winter. Die insgesamt 43 Sommer- und 42 Winterteilnehmenden wurden jeweils auf Tyrosin, eine Schilddrüsenhormon-Kombination oder Placebo verteilt. Im Winter sank das TSH unter Tyrosin um 28 Prozent, während es unter Placebo um 18 Prozent stieg, und das freie T3 stieg um 6 Prozent (p kleiner 0,05). Im Sommer sank das TSH in beiden Gruppen ähnlich stark, dort also ohne Unterschied. Es ist eine einzelne Studie in einer Extremumgebung bei einer Dosis weit über den üblichen Kapselmengen, und sie misst Regelgrößen der Achse, nicht die Hormonproduktion selbst. Deshalb steht die Zeile auf Hinweise und nicht höher.

Tier- und Laborstudien

Zur Katecholamin-Pufferwirkung von Tyrosin unter Stress existieren Tiermodelle (unter anderem an Ratten), aus denen die Hypothese für die Humanstudien ursprünglich stammt, unter anderem zitiert in der Einleitung von Mahoney und Kollegen (2007). Diese Tierdaten sind hier nicht einzeln aufgeführt und wurden nicht geprüft. Unabhängig davon gilt: Aus Tierdaten folgt keine Aussage über die Wirkung beim Menschen.

Sicherheit und Wechselwirkungen

Eine randomisierte Sicherheitsstudie an 30 gesunden Männern (Matsumoto und Kollegen 2026) [11] prüfte im Crossover-Design Tagesdosen von 1 bis 4 g Tyrosin über je vier Wochen, mit gereinigtem L-Tyrosin über 99 Prozent Reinheit. Bis 4 g pro Tag zeigten sich keine klinisch relevanten Veränderungen bei Blutwerten, Elektrolyten oder anderen untersuchten Parametern, die Häufigkeit leichter bis mittlerer Nebenwirkungen (die Hälfte der Fälle leicht, die Hälfte mittelschwer, häufigste Formen Atemwegsinfekte, Müdigkeit, Kopfschmerz beziehungsweise Magen-Darm-Beschwerden) entsprach der von Placebo, schwere Nebenwirkungen traten nicht auf. Diese Studie definiert 4 g pro Tag als höchste über vier Wochen geprüfte, noch folgenlose Dosis.

Diese Studie wurde vom Tyrosin-Hersteller Ajinomoto finanziert, der laut Finanzierungserklärung im Volltext auch das eingesetzte Tyrosin stellte. Zwei der vier Autoren sind Angestellte des Unternehmens, waren laut eigener Erklärung aber nicht an der Analyse der Rohdaten oder der Bewertung der Nebenwirkungen beteiligt, diese Aufgaben übernahm laut Studie verblindetes, vom Unternehmen unabhängiges Personal. Im Studienprotokoll wurden Personen mit Schilddrüsenerkrankungen (einschließlich Überfunktion und Morbus Basedow) sowie Personen unter Behandlung mit MAO-Hemmern von vornherein ausgeschlossen, ein Hinweis darauf, dass die Studienplanenden diese beiden Wechselwirkungen als möglich erachteten, auch wenn die Studie selbst dazu keine Daten liefert.

Diese Sicherheitsdosis liegt deutlich unter den Dosen, mit denen die oben beschriebenen Wirksamkeitsstudien arbeiten, von 2 g als Fixdosis bis rund 22 g bei einer gewichtsbasierten Splitdosis (bei einer Beispielperson von 75 kg gerechnet). Für diesen oberen Bereich liegt uns keine mehrwöchige Sicherheitsprüfung vor, nur die Einzeldosen der jeweiligen Akutstudien.

Für Wechselwirkungen mit Schilddrüsenmedikamenten oder MAO-Hemmern liegt uns außer dem oben genannten Ausschlusskriterium der Sicherheitsstudie keine eigene, per PMID geprüfte Interaktionsstudie vor. Wer solche Medikamente einnimmt, sollte das vor einer hochdosierten Einnahme berücksichtigen. Menschen mit Phenylketonurie müssen ihre Phenylalanin- und Tyrosin-Zufuhr grundsätzlich ärztlich begleiten lassen.

Zu möglichen Interessenkonflikten liegt uns nur für zwei der 13 Quellen eine ausdrückliche Angabe vor: Matsumoto 2026, siehe oben, und Dennison 2019 (keiner, universitäre Finanzierung). Für die übrigen Quellen wurde das nicht recherchiert, das Abstract allein liefert diese Angabe in der Regel nicht.

Quellen zum Nachlesen

  1. 01

    Übersichtsarbeit · 2015

    Effect of tyrosine supplementation on clinical and healthy populations under stress or cognitive demands, a review

    Jongkees BJ, Hommel B, Kühn S, Colzato LS. J Psychiatr Res

    Zur Zuschreibung: 01, 03

  2. 02

    Systematischer Review aus 15 Studien · 2015

    Behavioral and cognitive effects of tyrosine intake in healthy human adults

    Hase A, Jung SE, aan het Rot M. Pharmacol Biochem Behav

    Zur Zuschreibung: 01, 03

  3. 03

    Randomisierte kontrollierte Studie · 1995

    The effects of tyrosine on cognitive performance during extended wakefulness

    Neri DF, Wiegmann D, Stanny RR, Shappell SA, McCardie A, McKay DL. Aviat Space Environ Med

    Zur Zuschreibung: 01

  4. 04

    Kontrollierte klinische Studie · 2007

    Tyrosine supplementation mitigates working memory decrements during cold exposure

    Mahoney CR, Castellani J, Kramer FM, Young A, Lieberman HR. Physiol Behav

    Zur Zuschreibung: 01

  5. 05

    Kontrollierte klinische Studie · 1989

    Treatment with tyrosine, a neurotransmitter precursor, reduces environmental stress in humans

    Banderet LE, Lieberman HR. Brain Res Bull

    Zur Zuschreibung: 01, 06

  6. 06

    Randomisierte kontrollierte Studie, Volltext frei über das Sheffield-Hallam-Repositorium · 2020

    Tyrosine negatively affects flexible-like behaviour under cognitively demanding conditions

    Robson A, Lim LW, Aquili L. J Affect Disord

    Zur Zuschreibung: 02, 03, 04

  7. 07

    Randomisierte kontrollierte Studie, n gleich 80 · 2024

    Impact of L-theanine and L-tyrosine on markers of stress and cognitive performance in response to a virtual reality based active shooter training drill

    McAllister MJ, et al. Stress

    Zur Zuschreibung: 05

  8. 08

    Meta-Analyse aus 8 Studien, GRADE-bewertet · 2023

    The effect of tyrosine supplementation on whole-body endurance performance in physically active population, a systematic review and meta-analysis including GRADE qualification

    Solon-Júnior LJF, et al. J Sports Sci

    Zur Zuschreibung: 07

  9. 09

    Randomisierte kontrollierte Studie · 2016

    Tyrosine ingestion and its effects on cognitive and physical performance in the heat

    Coull N, Chrismas B, Watson P, Horsfall R, Taylor L. Med Sci Sports Exerc

    Zur Zuschreibung: 01, 07

  10. 10

    Übersichtsarbeit · 2019

    The role of thyroglobulin in thyroid hormonogenesis

    Citterio CE, Targovnik HM, Arvan P. Nat Rev Endocrinol

  11. 11

    Randomisierte kontrollierte Crossover-Studie, n gleich 30, Volltext frei über PMC · 2026

    Evaluation of the Safety and Tolerability of L-Tyrosine Supplementation in Healthy Adult Men, a Randomized Crossover Trial

    Matsumoto H, Miura N, Naito M, Elango R. Nutrients

  12. 12

    Randomisierte kontrollierte Studie, n gleich 22 · 2015

    Tyrosine promotes cognitive flexibility, evidence from proactive vs. reactive control during task switching performance

    Steenbergen L, Sellaro R, Hommel B, Colzato LS. Neuropsychologia

    Zur Zuschreibung: 02

  13. 13

    Randomisierte kontrollierte Crossover-Studie, n gleich 24, Volltext frei über PMC · 2019

    Catecholaminergic modulation of indices of cognitive flexibility, a pharmaco-tDCS study

    Dennison O, Gao J, Lim LW, Stagg CJ, Aquili L. Brain Stimul

    Zur Zuschreibung: 02

  14. 14

    Randomisierte kontrollierte Studie, n gleich 8, Volltext frei über PMC · 2025

    Tyrosine supplementation is ineffective in facilitating soccer players' physical and cognitive performance during high-intensity intermittent exercise in hot conditions

    Donnan KJ, Williams EL, Stanger N. PLoS One

    Zur Zuschreibung: 01

  15. 15

    Randomisierte kontrollierte Studie · 2007

    Psychoneuroendocrine effects of combined thyroxine and triiodothyronine versus tyrosine during prolonged Antarctic residence.

    Palinkas LA, et al. Int J Circumpolar Health

    Zur Zuschreibung: 08

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