Magnesium Bisglycinat

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Mineralstoffe

Magnesiumglycinat · Magnesium-Diglycinat · Chelatiertes Magnesium · Magnesiumbisglycinat

H.P.N · Datenstand 2026-08-20 · 26 Zuschreibungen im Überblick

Auf einen Blick

Was es ist
Ein essenzieller Mineralstoff. Bisglycinat ist eine chelatierte Form, bei der ein Magnesium-Ion an zwei Moleküle der Aminosäure Glycin gebunden ist, rechnerisch liegt der Elementaranteil an Magnesium bei rund 14 Prozent der Verbindungsmasse
Wirkform in Studien
In der Magnesium-Forschung wird ganz überwiegend Oxid, Citrat oder Chlorid eingesetzt. Direkte Humanstudien zu Bisglycinat sind selten. Zwei sind Bioverfügbarkeits-Vergleichsstudien von Herstellern konkurrierender Formen, siehe die entsprechende Wirkungszeile. An klinischen Endpunkten liegen eine unabhängige Studie zu Wadenkrämpfen in der Schwangerschaft und eine 2025 veröffentlichte Studie zu selbstberichteten Insomniebeschwerden vor. Die Schlafstudie nutzte ein von Biogena hergestelltes Prüfpräparat, wurde laut Volltext aber vom Institut für Lebensmittelwissenschaft und Humanernährung der Leibniz Universität Hannover finanziert, siehe die getrennten Wirkungszeilen
Übliche Studiendosis
82 mg bis über 600 mg elementares Magnesium pro Tag in den zitierten Studien, je nach geprüftem Endpunkt. Die Referenzmenge (NRV) von 375 mg pro Tag ist ein Kennzeichnungswert für die Nährwertdeklaration, keine Sicherheitsgrenze, zur tatsächlichen Tageshöchstmenge siehe Sicherheit
Zusammenspiel
Angenommener Cofaktor bei der Aktivierung von Vitamin D in Leber und Niere, physiologisch plausibel, aber nicht an einem gemessenen Endpunkt geprüft. Die Kombination aus Coenzym Q10, Riboflavin und Magnesium wurde als eigenständige Dreier-Kombination zu Kopfschmerzattacken untersucht. Zusammen mit Vitamin B6 wurde in einer Untergruppe mit starker Stressbelastung ein zusätzlicher Effekt berichtet
Verträglichkeit
Anorganische Magnesiumsalze wie Oxid wirken bei hoher Dosis osmotisch abführend, chelatierte Formen wie Bisglycinat werden dafür oft als milder beworben. Ein für Bisglycinat auswertbarer direkter Humanvergleich der Verträglichkeit gegenüber Citrat oder Oxid liegt uns nicht vor, siehe die eigene Wirkungszeile dazu. Eine Cochrane-Übersicht zu Magnesium in jeder Form fand insgesamt mehr leichte Nebenwirkungen unter Magnesium als unter Placebo, siehe Sicherheit

Was diesem Stoff zugesprochen wird

Was die Studien hergeben.

Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.

  1. 01

    Normaler Energiestoffwechsel

    Behördlich gesichert
    Einordnung und Einschränkungen

    Zugelassene Angabe nach abgeschlossener EFSA-Bewertung

    Quellen: 1

  2. 02

    Elektrolytgleichgewicht

    Behördlich gesichert
    Einordnung und Einschränkungen

    Zugelassene Angabe nach abgeschlossener EFSA-Bewertung

    Quellen: 1

  3. 03

    Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung

    Behördlich gesichert
    Einordnung und Einschränkungen

    Zugelassene Angabe nach abgeschlossener EFSA-Bewertung

    Quellen: 1

  4. 04

    Normale Funktion des Nervensystems

    Behördlich gesichert
    Einordnung und Einschränkungen

    Zugelassene Angabe nach abgeschlossener EFSA-Bewertung

    Quellen: 1

  5. 05

    Normale Muskelfunktion

    Behördlich gesichert
    Einordnung und Einschränkungen

    Zugelassene Angabe nach abgeschlossener EFSA-Bewertung

    Quellen: 1

  6. 06

    Normale psychische Funktion

    Behördlich gesichert
    Einordnung und Einschränkungen

    Zugelassene Angabe nach abgeschlossener EFSA-Bewertung

    Quellen: 1

  7. 07

    Normale Eiweißsynthese

    Behördlich gesichert
    Einordnung und Einschränkungen

    Zugelassene Angabe nach abgeschlossener EFSA-Bewertung

    Quellen: 1

  8. 08

    Erhaltung normaler Knochen

    Behördlich gesichert
    Einordnung und Einschränkungen

    Zugelassene Angabe nach abgeschlossener EFSA-Bewertung

    Quellen: 1

  9. 09

    Erhaltung normaler Zähne

    Behördlich gesichert
    Einordnung und Einschränkungen

    Zugelassene Angabe nach abgeschlossener EFSA-Bewertung

    Quellen: 1

  10. 10

    Rolle bei der Zellteilung

    Behördlich gesichert
    Einordnung und Einschränkungen

    Zugelassene Angabe nach abgeschlossener EFSA-Bewertung

    Quellen: 1

  11. 11

    Bioverfügbarkeit im direkten Vergleich zu anderen Magnesiumformen, keine unabhängige Direktvergleichsstudie mit eindeutigem Ergebnis für Bisglycinat

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Nur zwei randomisierte Crossover-Studien testen Bisglycinat überhaupt im direkten Vergleich zu anderen Formen, und beide sind Herstellerstudien mit dem jeweiligen Konkurrenzprodukt als Sieger. In der ersten stieg der Plasma-Magnesiumspiegel bei 40 gesunden Erwachsenen nach 7 Tagen magnesiumarmer Diät nach einer Einzeldosis Magnesiumoxid und Magnesiumcitrat zu einzelnen Messzeitpunkten (1 beziehungsweise 4 Stunden) gegenüber dem eigenen Ausgangswert signifikant an, nach Bisglycinat zu keinem Zeitpunkt über 6 Stunden; das sind Vorher-Nachher-Tests innerhalb der einzelnen Arme, kein statistischer Vergleich zwischen den Formen. Der einzige berichtete Zwischenarm-Vergleich betrifft die neue mikroverkapselte Form gegenüber Magnesiumoxid, nicht Bisglycinat, und selbst dieser Vorteil ist nicht robust: Bei einer zweiten, nur im Volltext berichteten Auswertung, der Fläche unter der Kurve über die vollen 6 Stunden, fand sich zwischen keiner der vier getesteten Formen ein signifikanter Unterschied, unabhängig vom betrachteten Zeitintervall. Der Endpunkt, Plasma-Magnesium über 6 Stunden nach einer Einzeldosis, ist zudem ein schwacher Marker, weil der Plasmaspiegel eng homöostatisch reguliert wird. Die Studie wurde vom Hersteller der mikroverkapselten Form finanziert; der Volltext zeigt, dass entgegen einer ersten Lesart nicht nur zwei, sondern alle fünf Autoren kommerziell mit der Studie verbunden sind, zwei direkt beim Hersteller angestellt, die übrigen drei bei einem von ihm beauftragten Auftragsforschungsinstitut. In der zweiten Studie erhielten gesunde Probanden je 350 mg Magnesium als Einzeldosis aus Citrat, Oxid, Bisglycinat oder einer Sucrosomial-Form; alle sechs Autoren sind bei dem Unternehmen angestellt, das die Sucrosomial-Form herstellt. Diese hatte gegenüber Bisglycinat einen statistisch signifikanten Vorteil beim Magnesiumgehalt der roten Blutkörperchen, bei den ebenfalls gemessenen Werten in Blut und Urin berichtet das Abstract nur einen Vorteil gegenüber Oxid, keinen direkten Vergleich zu Bisglycinat [3]. Ein systematischer Review aus 14 berücksichtigten Studien kommt zum allgemeinen Schluss, organische Magnesiumverbindungen seien besser bioverfügbar als anorganische, macht dazu aber keine bisglycinat-spezifische Aussage [4]. Für eine unabhängige, ausreichend aussagekräftige Direktvergleichsstudie zwischen Bisglycinat und Citrat oder Oxid speziell fehlt damit weiterhin die Grundlage, weder für eine Überlegenheit noch für eine Unterlegenheit von Bisglycinat. Kein Widerspruch zwischen unabhängigen Studien, sondern zwei methodisch schwache, vollständig sponsorennahe Vergleiche ohne belastbares Ergebnis für Bisglycinat

    Quellen: 2, 3, 4

  12. 12

    Magenverträglichkeit im direkten Vergleich zu anderen Magnesiumformen, laut der einzigen verfügbaren, unquantifizierten Angabe kein erkennbarer Vorteil für Bisglycinat gegenüber Oxid

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Gezielt nach einem direkten Vergleich der Magen-Darm-Verträglichkeit von Bisglycinat gegenüber Citrat oder Oxid am Menschen gesucht. Die einzige Studie mit allen vier Formen im direkten Vergleich (siehe Bioverfügbarkeits-Zeile, Quelle 2) erhob dazu auch einen täglichen Selbstauskunfts-Fragebogen zu Nebenwirkungen, und der Volltext weist Bisglycinat darin einzeln aus, anders als aus dem Abstract allein ersichtlich: Gegenüber der herstellereigenen mikroverkapselten Form berichteten die Teilnehmenden unter Bisglycinat und unter Magnesiumoxid vermehrt Magendruck, unter Magnesiumoxid und Magnesiumcitrat dagegen vermehrt verstärkte Darmtätigkeit. Das ist ein gemischtes Bild: Bei der verstärkten Darmtätigkeit, dem in der Werbung meist gemeinten Symptom, wird für Bisglycinat kein vermehrtes Auftreten berichtet, anders als für Oxid und Citrat; beim Magendruck dagegen wird für Bisglycinat kein Vorteil gegenüber Oxid berichtet. Diese Angaben sind aber weder mit Prozentzahlen noch mit einem statistischen Test hinterlegt, sie stammen aus einem sekundären Fragebogen einer einzigen, vollständig sponsorennahen Studie und sind kein belastbarer Beleg für oder gegen eine bessere Magenverträglichkeit von Bisglycinat gegenüber anderen Formen

    Quellen: 2

  13. 13

    Schlafqualität bei älteren Erwachsenen mit Ein- und Durchschlafproblemen

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Meta-Analyse aus 3 randomisierten Studien mit zusammen 151 älteren Erwachsenen in drei Ländern gegen Placebo. Der Volltext zeigt, dass alle 3 Studien Magnesiumoxid oder Magnesiumcitrat einsetzten, keine davon Bisglycinat: 500 mg elementares Magnesium täglich als Oxid bei 46 Personen mit diagnostizierter Insomnie (Iran), 729 mg elementares Magnesium täglich als Oxid bei nur 12 gesunden älteren Freiwilligen ohne diagnostizierte Schlafstörung in einer Crossover-Studie (Deutschland), und 320 mg elementares Magnesium täglich als Citrat bei 100 älteren Erwachsenen mit schlechter Schlafqualität nach dem PSQI-Fragebogen (USA). Der im Abstract berichtete Effekt auf die Einschlaflatenz (minus 17,36 Minuten, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 27,27 bis minus 7,44, p=0,0006) stammt laut Ergebnistabelle aus den beiden Magnesiumoxid-Studien mit zusammen 55 für diesen Endpunkt ausgewerteten Personen; 12 davon waren gesunde Freiwillige ohne Schlafstörungsdiagnose. Die Gesamtschlafzeit stieg um 16,06 Minuten ohne statistische Signifikanz (95-Prozent-Konfidenzintervall minus 5,99 bis 38,12, p=0,15). Die größte der drei Studien nahm 100 ältere Erwachsene mit schlechter Schlafqualität anhand eines PSQI-Werts größer 5 auf, nicht Personen mit diagnostizierter Insomnie. Sie fand laut Volltext eine gleich große Verbesserung des Schlafqualitäts-Fragebogens PSQI in der Magnesium- wie in der Placebogruppe, also keinen zusätzlichen Nutzen. Alle 3 Studien mit moderatem bis hohem Verzerrungsrisiko, Evidenzqualität nach GRADE niedrig bis sehr niedrig. Ein Beleg speziell für Bisglycinat lässt sich aus keiner der 3 Studien ableiten, weil keine davon diese Form verwendete

    Quellen: 5

  14. 14

    Nur in einem Fragebogen kleine, grenzwertige Verringerung selbstberichteter Insomniebeschwerden nach 4 Wochen mit 250 mg elementarem Magnesium als Bisglycinat

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie randomisierte 155 Erwachsene mit selbstberichteter schlechter Schlafqualität; in der als Intention-to-treat bezeichneten Auswertung gingen 153 Personen ein, 77 unter Magnesium und 76 unter Placebo. Nach 4 Wochen mit täglich 250 mg elementarem Magnesium als Bisglycinat sank der Insomnia Severity Index um 3,9 Punkte gegenüber 2,3 Punkten unter Placebo. Die adjustierte Differenz zwischen den Gruppen betrug 1,6 Punkte, 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,0 bis 3,3, p gleich 0,049, bei einer kleinen Effektstärke von d gleich 0,20 [19]. Das ist ein kleiner, grenzwertig signifikanter Unterschied in einem Fragebogen. Objektive Schlafmessungen fehlten. Die weiteren Fragebogen-Endpunkte zu Schlafqualität, Insomniesymptomen, Tagesmüdigkeit, Erschöpfung, Stress, Stimmung, Angst und Depression unterschieden sich nicht signifikant zwischen den Gruppen; das freiwillige Schlaftagebuch war wegen weniger als 10 Prozent vollständiger Einträge nicht sinnvoll auswertbar. Laut Volltext finanzierte das Institut für Lebensmittelwissenschaft und Humanernährung der Leibniz Universität Hannover die Studie. Das Prüfpräparat wurde von Biogena hergestellt. Adrian Lopresti ist Geschäftsführer eines Auftragsforschungsinstituts, das Forschungsgelder von Nahrungsergänzungsmittel-Unternehmen erhält, und erhielt Vortragshonorare von solchen Unternehmen. Die übrigen Autoren erklärten keine Interessenkonflikte. Eine einzelne Studie mit kleinem, nur knapp signifikantem Fragebogeneffekt trägt Hinweise, aber keine höhere Stufe

    Quellen: 19

  15. 15

    Nächtliche Wadenkrämpfe bei Erwachsenen außerhalb der Schwangerschaft, in der bisher größten Auswertung ohne Effekt

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Der Cochrane-Review fand bei idiopathischen, meist nächtlichen Wadenkrämpfen keinen signifikanten Unterschied zu Placebo. Für die prozentuale Veränderung der Krampfhäufigkeit lag die Mitteldifferenz bei minus 9,59 Prozentpunkten, CI95% minus 23,14 bis 3,97, 3 Studien mit 177 Personen. Für die absolute Krampfhäufigkeit lag sie bei minus 0,18 Krämpfen pro Woche, CI95% minus 0,84 bis 0,49, 5 Studien mit 307 Personen. Für mindestens 25 Prozent weniger Krämpfe betrug das Risikoverhältnis 1,04, CI95% 0,84 bis 1,29, 3 Studien mit 177 Personen [6]. Eine neuere Meta-Analyse fand minus 0,42 Krämpfe pro Woche, CI95% minus 1,15 bis 0,31, 4 Studien mit rund 396 Personen [8]. Diese vier Studien sind kein unabhängiger neuer Bestand: Frusso, Roffe und Roguin Maor, also 3 der 4 Patil-Studien, waren bereits im Cochrane-Review enthalten; nur Barna kam hinzu. Alle Intervalle schließen die Null ein, lassen aber zugleich eine spürbare Verringerung offen. Sie zeigen Unsicherheit und nicht das gesicherte Ausbleiben eines Effekts. Deshalb wird die frühere Stufe nicht bestätigt auf Hinweise zurückgenommen. Die Studien verwendeten Citrat oder Oxid, nicht Bisglycinat

    Quellen: 6, 8

  16. 16

    Wadenkrämpfe im Zusammenhang mit sportlicher Belastung, keine randomisierten Studien vorhanden

    Keine Studien gefunden
    Einordnung und Einschränkungen

    Der Cochrane-Review zu Magnesium bei Skelettmuskelkrämpfen [6] durchsuchte gezielt nach randomisierten kontrollierten Studien zu belastungsassoziierten Muskelkrämpfen und fand ausdrücklich keine einzige. Die einzige inhaltlich nahestehende eingeschlossene Arbeit war eine kleine, nicht schlüssige Studie an Menschen mit Leberzirrhose, von denen nur ein Teil überhaupt Krämpfe hatte, ohne Bezug zu sportlicher Belastung. Eine neuere Übersicht zu Muskelschmerzsyndromen [8], die gezielt nach Elektrolyt-Interventionen bei belastungsassoziierten Krämpfen suchte, kommt zum selben Ergebnis, keine eigene randomisierte Studie zu Magnesium; die dort berichteten positiven Belastungsdaten betreffen ausschließlich natriumhaltige Lösungen, nicht Magnesium. Aus den beiden besten verfügbaren Übersichtsarbeiten im Feld folgt damit, dass zu dieser Frage keine auswertbare Humanstudie zu Magnesium vorliegt, keine eigene Aussage lässt sich daraus ableiten

    Quellen: 6, 8

  17. 17

    Mittlere Krampfhäufigkeit nach der Einnahme bei Wadenkrämpfen in der Schwangerschaft

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine Meta-Analyse aus 4 Studien mit 332 schwangeren Frauen fand für die mittlere Krampfhäufigkeit nach der Behandlung eine gewichtete Mitteldifferenz von minus 0,47, CI95% minus 1,14 bis 0,20, p gleich 0,167 [7]. Das Intervall schließt die Null ein, lässt aber auch eine Verringerung um mehr als einen Krampf offen. Der Befund ist unpräzise und trägt weder nicht bestätigt noch einen Widerspruch. Die Referenzliste zeigt, dass diese Auswertung dieselben vier Primärarbeiten nennt wie Quelle [8]: Dahle, Nygaard, Araújo sowie Supakatisant und Phupong. Araújo ist eine kontrollierte Beobachtungsstudie, obwohl beide Übersichten den Bestand als vier RCTs bezeichnen

    Quellen: 7, 8

  18. 18

    Vollständige Erholung von Wadenkrämpfen in der Schwangerschaft

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Dieselbe Meta-Analyse und derselbe Studienbestand wie in der Zeile zur mittleren Krampfhäufigkeit fanden für vollständige Erholung eine Odds Ratio von 0,47, CI95% 0,14 bis 1,52, p gleich 0,207 [7]. Das breite Intervall umfasst stark unterschiedliche mögliche Effekte und erlaubt keine belastbare Richtung. Dieser Endpunkt ist nicht dasselbe wie eine mindestens 50-prozentige Verringerung der Häufigkeit und wird deshalb getrennt bewertet

    Quellen: 7

  19. 19

    Mindestens 50 Prozent weniger Wadenkrämpfe in der Schwangerschaft

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine neuere Meta-Analyse berechnete aus vier Studien mit rund 364 Frauen ein Risikoverhältnis von 1,35, CI95% 1,05 bis 1,74, p gleich 0,02, für mindestens 50 Prozent weniger Krämpfe [8]. Ihre Referenzliste enthält dieselben vier Primärarbeiten wie Quelle [7], nicht einen unabhängigen zweiten Studienbestand. Eine davon ist die kontrollierte Beobachtungsstudie von Araújo. Die direkt geprüfte Bisglycinat-Studie von Supakatisant und Phupong ist ebenfalls Teil dieses Pools und daher keine zusätzliche unabhängige Bestätigung. In ihr erreichten 86,0 Prozent unter Bisglycinat und 60,5 Prozent unter Placebo diesen Endpunkt, p gleich 0,007, ohne berichtetes Intervall für den Gruppenvergleich [16]. Der Cochrane-Review bewertet alle fünf Schwangerschaftsstudien als hoch verzerrungsgefährdet [6]. Das trägt Hinweise, aber keinen gesicherten oder mehrfach unabhängig bestätigten Effekt

    Quellen: 6, 8, 16

  20. 20

    Mindestens 50 Prozent geringere Intensität von Wadenkrämpfen in der Schwangerschaft unter Bisglycinat

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Die einzelne randomisierte Bisglycinat-Studie mit 80 ausgewerteten Frauen fand bei 69,8 Prozent unter Bisglycinat und 48,8 Prozent unter Placebo mindestens 50 Prozent weniger Krampfintensität, p gleich 0,048. Ein Konfidenzintervall für den Gruppenvergleich wird nicht berichtet [16]. Die Studie stammt aus einem Zentrum, wurde erst nach Abschluss der Datenerhebung registriert und wird im Cochrane-Review als hoch verzerrungsgefährdet bewertet [6]. Sie liefert einen direkten Hinweis zu Bisglycinat, aber keine unabhängige Bestätigung

    Quellen: 6, 16

  21. 21

    Schweregrad wiederkehrender Kopfschmerzattacken bei Erwachsenen mit episodischen migräneartigen Attacken

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine Meta-Analyse aus 3 Studien mit 226 für diesen Endpunkt ausgewerteten Teilnehmenden fand für Magnesium keinen signifikanten Effekt auf den Schweregrad der Attacken (Verhältnis der Mittelwerte minus 0,17, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 0,36 bis 0,02, niedrige Evidenzstärke) [9]. Die 226 sind die endpunktspezifische Poolgröße. Die Gesamtgrößen der drei Publikationen dürfen nicht addiert oder als Poolgröße dargestellt werden, weil nur die jeweils auswertbaren Personen in diese Analyse eingingen. Eine neuere Dosis-Wirkungs-Meta-Analyse zu mehreren Nahrungsergänzungsmitteln berichtet für denselben Endpunkt einen Punktschätzer für einen geringeren Schweregrad (Mitteldifferenz minus 0,88), nennt dazu im Abstract aber weder Konfidenzintervall noch p-Wert [10]. Auch Quelle 17 ist keine unabhängige Bestätigung durch einen neuen Studienbestand: Ihre orale Auswertung enthält unter anderem Peikert 1996 und Tarighat Esfanjani 2012, die bereits in Quelle 9 stehen. Ohne vollständig vergleichbare Intervalle und bei überlappenden Primärstudien wird der Vergleich nicht als Widerspruch gewertet. Welche chemische Form in den drei Studien von Quelle 9 verwendet wurde, geht aus deren Volltext nicht hervor. Quelle 18 tabelliert 8 orale randomisierte Studien mit unterschiedlichen Magnesiumsalzen, darunter Magnesium-Pyrrolidon-Carbonsäure und Magnesium-L-Aspartat. Keine dieser 8 Studien verwendete Bisglycinat

    Quellen: 9, 10, 17, 18

  22. 22

    Häufigkeit wiederkehrender Kopfschmerzattacken (Anzahl Attacken und Tage mit Kopfschmerz pro Monat) bei Erwachsenen mit episodischen migräneartigen Attacken

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Der Volltext derselben Übersichtsarbeit wie bei der Schweregrad-Zeile [9] zeigt für die Häufigkeit ein komplexeres Bild als deren Abstract: Bei 4 Studien mit 266 Teilnehmenden fand sich eine statistisch signifikante Verringerung der Attackenhäufigkeit. Die Autoren veröffentlichten den gepoolten Zahlenwert ausdrücklich nicht, weil die Heterogenität zwischen den Studien sehr hoch war (I-Quadrat 88 Prozent) und weder eine Sensitivitätsanalyse noch die Prüfung der Studienmerkmale die Ursache auflösen konnte; die einzelnen Studieneffekte reichten von minus 2,57 bis minus 0,93. Für die monatlichen Kopfschmerztage fand sich ebenfalls eine statistisch signifikante Verringerung, wieder mit sehr hoher, unerklärter Heterogenität (I-Quadrat 87 Prozent), auch hier ohne im Haupttext zugänglichen Zahlenwert [9]. Eine neuere Dosis-Wirkungs-Meta-Analyse berichtet Punktschätzer in Richtung Verringerung (Attackenhäufigkeit minus 2,51, Kopfschmerztage minus 1,66), aber im Abstract keine Konfidenzintervalle [10]. Die ältere Chiu-Meta-Analyse [17] ist keine unabhängige dritte Bestätigung. Ihr gesamter oraler Studienbestand umfasst 10 Studien mit 11 Effektgrößen. Der Häufigkeitseffekt stammt enger aus 8 Vergleichen aus 7 Publikationen, weil Tarighat Esfanjani zwei Vergleiche liefert. Für diesen Endpunkt berichtete Chiu eine Odds Ratio von 0,204, 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,047 bis 0,892, p gleich 0,035, bei sehr hoher Heterogenität von 92,87 Prozent. Der Häufigkeitspool überschneidet sich mit Quelle 9 und enthält Kombinationseingriffe sowie aktive Kontrollen, darunter Flunarizin und L-Carnitin. Venlafaxin und Nimodipin gehören dagegen nur zur Intensitätsauswertung und nicht in die Beschreibung des Häufigkeitspools. Dieser gemischte und überlappende Pool kann einen Magnesium-Alleineffekt gegen Placebo nicht unabhängig bestätigen. Insgesamt tragen die Richtung der Befunde und der Chiu-Punktschätzer Hinweise, aber keinen belastbaren, gegeneinander geprüften Gesamteffekt. Quelle 18 tabelliert 8 orale randomisierte Studien mit unterschiedlichen Magnesiumsalzen, darunter Magnesium-Pyrrolidon-Carbonsäure und Magnesium-L-Aspartat. Keine dieser 8 Studien verwendete Bisglycinat

    Quellen: 9, 10, 17, 18

  23. 23

    Blutdruck bei erhöhten Ausgangswerten oder unter blutdrucksenkender Medikation, kein Effekt bei normalem Ausgangsblutdruck

    Gut belegt
    Einordnung und Einschränkungen

    Meta-Analyse aus 38 randomisierten Studien mit 2709 Teilnehmenden, 82 bis 637 mg elementares Magnesium über median 12 Wochen. Insgesamt sank der systolische Blutdruck gegenüber Placebo um 2,81 mmHg, CI95% minus 4,32 bis minus 1,29, und der diastolische um 2,05 mmHg, CI95% minus 3,23 bis minus 0,88. Bei niedrigem Magnesiumspiegel war der Effekt größer: systolisch minus 5,97 mmHg, CI95% minus 8,52 bis minus 3,41, diastolisch minus 4,75 mmHg, CI95% minus 6,59 bis minus 2,92. Bei unzureichend eingestelltem Blutdruck unter Medikation lagen die Werte bei systolisch minus 7,68 mmHg, CI95% minus 12,67 bis minus 2,69, und diastolisch minus 2,96 mmHg, CI95% minus 5,87 bis minus 0,05. Bei normalem Ausgangsblutdruck wurde keine statistische Signifikanz erreicht. Die Heterogenität war hoch, ein Dosis-Wirkungs-Zusammenhang fehlte. Bei sitzender Messung sank der systolische Blutdruck um 4,12 mmHg, CI95% minus 6,37 bis minus 1,86, und der diastolische um 2,50 mmHg, CI95% minus 4,27 bis minus 0,73. Bei der 24-Stunden-Messung sank nur der diastolische Blutdruck signifikant, um 1,86 mmHg, CI95% minus 3,71 bis minus 0,01, p gleich 0,05. Für den systolischen 24-Stunden-Wert sowie für Messungen im Stehen und Liegen berichtet der Haupttext keinen signifikanten Effekt. Mindestens 10 Magnesiumsalze wurden verwendet, darunter nur eine als Magnesium-Diglycin bezeichnete Form. Die Übertragbarkeit auf Bisglycinat ist deshalb begrenzt. Die Letztautorin A.E. Schutte, nicht die Erstautorin, erhielt Vortragshonorare und hatte Beiratstätigkeiten bei mehreren Herstellern von Blutdruckmedikamenten und Messgeräten, darunter Servier, AstraZeneca, Medtronic und Omron

    Quellen: 11

  24. 24

    Blutzuckerwerte bei Erwachsenen mit HbA1c ab der diagnostischen Schwelle von 6,5 Prozent

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Dosis-Wirkungs-Meta-Analyse aus 18 randomisierten kontrollierten Studien. Bei einer Dosis von 500 mg pro Tag sank der HbA1c-Wert um 0,73 Prozentpunkte (95-Prozent-Konfidenzintervall minus 1,25 bis minus 0,22, p=0,004). Bei 360 mg pro Tag sank der Nüchternblutzucker um 7,11 mg/dl, von den Autoren selbst als schwache Evidenz eingestuft (p=0,092). Die Autoren schreiben ausdrücklich, die bisherigen klinischen Studien reichten nicht aus, um daraus Leitlinien für die klinische Praxis abzuleiten

    Quellen: 12

  25. 25

    Angst- und Stresssymptome, subjektiv erlebt, gemischtes Bild je nach Personengruppe, kein Effekt bei Angst nach der Geburt

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Systematischer Review aus 18 Studien an Menschen mit leichter Angstneigung, mit prämenstruellem Syndrom, in der Zeit nach der Geburt oder mit erhöhtem Blutdruck. Positive Effekte auf die subjektive Angst zeigten 4 von 8 Studien an Menschen mit Angstneigung, 4 von 7 Studien beim prämenstruellen Syndrom und 1 von 2 Studien bei erhöhtem Blutdruck, auf Angst nach der Geburt zeigte sich kein Effekt. Keine der 18 Studien erfasste subjektiven Stress mit einem validierten Messinstrument. Die Autoren selbst bewerten die Qualität der vorhandenen Evidenz als gering und fordern gut konzipierte randomisierte Studien. Der Volltext offenbart eine im Abstract nicht genannte Finanzierung, getrennt von den Autorinnen-Affiliationen: Zwei der drei Autorinnen erhielten von Sanofi Mittel für die systematische Literatursuche, und Sanofi stellte zusätzlich Daten aus drei unveröffentlichten eigenen Interventionsstudien zur Verfügung; eine der drei Autorinnen sitzt im Sanofi Consumer Healthcare Advisory Board. Das ist relevant, weil Magnesiumlactat kombiniert mit Vitamin B6, laut Volltext die am häufigsten eingesetzte Form (5 der 18 Studien), der Wirkstoffkombination von Sanofis eigenem Magnesium-B6-Präparat entspricht; Magnesiumoxid folgt mit 4 Studien. Nur eine Studie prüfte eine Aminosäure-Chelatform, die Bisglycinat am nächsten kommt (600 mg Magnesiumchelat, kombiniert mit Weißdorn-Extrakt), und fand dabei keinen Effekt auf das subjektive Wohlbefinden

    Quellen: 13

  26. 26

    Knochendichte im höheren Lebensalter

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Systematischer Review und Meta-Analyse aus Beobachtungsstudien, Kohorten-, Fall-Kontroll- und Querschnittsstudien, keine Interventionsstudie. 4 gepoolte Studien zeigen einen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen der Magnesiumzufuhr und der Knochendichte an der Hüfte (gepoolter Beta-Koeffizient 0,03, 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,01 bis 0,06). Erfasst wurde die gesamte Magnesiumzufuhr über Ernährung, nicht eine kontrollierte Supplement-Gabe, und ein Zusammenhang, kein geprüfter Effekt einer Einnahme. Die Autoren fordern selbst große, langfristige randomisierte Studien zur Wirkung einer Magnesium-Supplementierung auf die Knochengesundheit im höheren Lebensalter

    Quellen: 14

Wichtig zur Einordnung: Die behördlich gesicherten Funktionen beschreiben, wozu der Körper Magnesium braucht. Sie sagen nicht, dass eine zusätzliche Einnahme über den Bedarf hinaus einen weiteren Nutzen bringt. Das ist die Frage, die alle folgenden Zeilen stellen, und keine davon betrifft die EFSA-Funktionen selbst.

Der zweite Schwerpunkt dieses Eintrags ist die Salzform. Magnesium Bisglycinat wird beworben, weil es besonders bioverfügbar und magenfreundlich sein soll. Fast die gesamte Magnesium-Forschung, auch die hier zitierte, prüft aber andere Formen, überwiegend Oxid und Citrat. Die wenigen Studien, die Bisglycinat direkt gegen andere Formen antreten lassen, sind Herstellerstudien mit dem jeweiligen Konkurrenzprodukt als Sieger und methodisch schwach, sie stützen die Vermarktungsaussage nicht, widerlegen sie aber auch nicht.

Studien im Detail

Bioverfügbarkeit gegenüber anderen Formen

Die zentrale Zuschreibung an Bisglycinat ist die hohe Bioverfügbarkeit. Nur zwei randomisierte Crossover-Studien testen Bisglycinat überhaupt im direkten Vergleich zu anderen Formen, und beide sind Herstellerstudien mit dem jeweiligen Konkurrenzprodukt als Sieger. Pajuelo und Kollegen [2] gaben 40 gesunden Erwachsenen nach einer magnesiumarmen Diätphase eine Einzeldosis Magnesiumoxid, -citrat, -bisglycinat oder eine neue mikroverkapselte Form und maßen den Plasmaspiegel über 6 Stunden; die Studie wurde vom Hersteller dieser mikroverkapselten Form finanziert, zwei der fünf Autoren sind dort angestellt. Oxid und Citrat zeigten zu einzelnen Zeitpunkten einen signifikanten Anstieg gegenüber dem eigenen Ausgangswert, Bisglycinat zu keinem, das ist aber ein Vergleich innerhalb der Arme, kein Vergleich zwischen ihnen. Der einzige im Abstract berichtete Zwischenarm-Vergleich betrifft die mikroverkapselte Form gegenüber Oxid, nicht Bisglycinat. Brilli und Kollegen [3] verglichen je 350 mg Magnesium aus Citrat, Oxid, Bisglycinat und einer Sucrosomial-Form; alle sechs Autoren sind beim Hersteller der Sucrosomial-Form angestellt. Die Sucrosomial-Form hatte gegenüber Bisglycinat einen signifikanten Vorteil beim Magnesiumgehalt der roten Blutkörperchen, bei den ebenfalls gemessenen Werten in Blut und Urin berichtet das Abstract nur einen Vorteil gegenüber Oxid, keinen direkten Vergleich zu Bisglycinat. Ein systematischer Review über 14 Studien [4] stützt allgemein die These, organische Formen seien besser bioverfügbar als anorganische, differenziert aber nicht nach einzelnen organischen Formen.

Der Volltext von Pajuelo [2] liefert zwei Werte, die im Abstract fehlen und die Skepsis gegenüber dem einzigen positiven Zwischenarm-Befund verstärken. Erstens: Bei der Fläche unter der Kurve über die vollen 6 Stunden, einem zweiten, ebenfalls vorab geplanten Auswertungsmaß, fand sich zwischen keiner der vier getesteten Formen ein signifikanter Unterschied, auch nicht zwischen der mikroverkapselten Form und Magnesiumoxid. Der im Abstract hervorgehobene Vorteil hält sich also nur bei einem von zwei Auswertungsmaßen. Zweitens betrifft der Interessenkonflikt entgegen einer ersten Lesart nicht zwei, sondern alle fünf Autoren: Zwei sind direkt beim Hersteller der mikroverkapselten Form angestellt, die übrigen drei bei einem von diesem Hersteller beauftragten Auftragsforschungsinstitut. Ein unabhängiger Autor ist an der Studie nicht beteiligt.

Einschränkung: Beide Vergleichsstudien, die Bisglycinat überhaupt einschließen, sind Herstellerstudien mit dem jeweiligen Konkurrenzprodukt als Sieger, der Endpunkt Plasma-Magnesium nach einer Einzeldosis ist wegen der engen homöostatischen Regulation ein schwacher Marker, und die für Bisglycinat ungünstigen Ergebnisse tragen jeweils einen methodischen Vorbehalt (ein Vorher-Nachher-Vergleich ohne Zwischenarm-Test beziehungsweise ein einzelner von drei erhobenen Messwerten). Für eine unabhängige, ausreichend aussagekräftige Direktvergleichsstudie zwischen Bisglycinat und Citrat oder Oxid speziell fehlt damit weiterhin die Grundlage, weder für eine Überlegenheit noch für eine Unterlegenheit von Bisglycinat. Derselbe Fragebogen liefert allerdings die einzige uns vorliegende, wenn auch nicht quantifizierte, Angabe zur Magenverträglichkeit speziell für Bisglycinat, siehe die eigene Wirkungszeile dazu.

Schlaf, Wadenkrämpfe, Kopfschmerzattacken

Die Meta-Analyse zur Schlafqualität bei älteren Erwachsenen [5] beruht laut Volltext auf drei sehr unterschiedlichen Studien: zwei kleinen mit Magnesiumoxid (für die Einschlaflatenz zusammen 55 ausgewertete Teilnehmende, darunter 12 ohne diagnostizierte Schlafstörung) und einer großen mit Magnesiumcitrat (100 Teilnehmende mit schlechter Schlafqualität anhand eines PSQI-Werts größer 5, nicht mit diagnostizierter Insomnie), die als einzige keinen Zusatznutzen gegenüber Placebo fand. Der im Abstract genannte, statistisch signifikante Effekt auf die Einschlaflatenz stammt ausschließlich aus den beiden kleinen Oxid-Studien; keine der drei Studien nutzte Bisglycinat.

In der Studie von Schuster et al. [19] wurden 155 Erwachsene randomisiert, 153 gingen in die als Intention-to-treat bezeichnete Auswertung ein. Nach 4 Wochen mit 250 mg elementarem Magnesium als Bisglycinat war die Verringerung im Insomnia Severity Index um adjustiert 1,6 Punkte größer als unter Placebo. Das Intervall von 0,0 bis 3,3 und p gleich 0,049 markieren einen grenzwertigen Befund, die Effektstärke war mit d gleich 0,20 klein. Alle Schlafdaten waren selbstberichtet, andere Fragebogen-Endpunkte blieben ohne signifikanten Gruppenunterschied. Das Schlaftagebuch war wegen weniger als 10 Prozent vollständiger Einträge nicht auswertbar. Die Universität finanzierte die Studie, Biogena stellte das verwendete Präparat her. Adrian Lopresti leitet ein Auftragsforschungsinstitut mit Finanzierung aus der Nahrungsergänzungsmittel-Branche und erhielt dort Vortragshonorare.

Bei nächtlichen Wadenkrämpfen außerhalb der Schwangerschaft zeigen ein Cochrane-Review [6], mit Evidenzqualität moderat bis hoch nach GRADE für die einzelnen Endpunkte, und eine neuere Meta-Analyse [8] übereinstimmend keinen signifikanten Unterschied. Die Konfidenzintervalle lassen jedoch bei allen berichteten Endpunkten noch eine spürbare Verringerung der Krämpfe offen. Deshalb steht die Zeile auf Hinweise und nicht mehr auf nicht bestätigt. Die neuere Auswertung ist dabei keine unabhängige Wiederholung: Frusso, Roffe und Roguin Maor, also 3 ihrer 4 Studien, standen bereits im Cochrane-Review. Nur Barna kam hinzu. Alle vier nutzten laut Volltext Citrat oder Oxid. Zu belastungsassoziierten Muskelkrämpfen fanden sowohl der Cochrane-Review [6] als auch die neuere Übersicht [8] keine einzige randomisierte Studie zu Magnesium.

Bei Wadenkrämpfen in der Schwangerschaft liegt kein geprüfter Widerspruch zwischen unabhängigen Auswertungen vor. Die Referenzlisten von Quelle 7 und Quelle 8 enthalten dieselben vier Primärarbeiten: Dahle, Nygaard, Araújo sowie Supakatisant und Phupong. Araújo ist eine kontrollierte Beobachtungsstudie, obwohl beide Übersichten den Bestand als vier RCTs bezeichnen. Quelle 7 wertet die mittlere Krampfhäufigkeit nach der Behandlung und die vollständige Erholung aus. Quelle 8 berechnet dagegen den Anteil mit mindestens 50 Prozent weniger Krämpfen. Diese Endpunkte sind nicht austauschbar und werden deshalb getrennt geführt.

Die Bisglycinat-Studie von Supakatisant und Phupong [16] ist bereits in beiden Übersichten enthalten. Sie ist keine zusätzliche unabhängige Bestätigung. Als einzelne Studie fand sie positive Ergebnisse für mindestens 50 Prozent weniger Krampfhäufigkeit und mindestens 50 Prozent weniger Krampfintensität. Für den Gruppenvergleich der Intensität fehlt ein Konfidenzintervall. Der Cochrane-Review bewertet alle fünf Schwangerschaftsstudien als hoch verzerrungsgefährdet [6]. Deshalb stehen die getrennten Schwangerschaftsendpunkte auf Hinweise.

Bei wiederkehrenden Kopfschmerzattacken zeigt der Volltext von Quelle 9, dass Schweregrad und Häufigkeit getrennt betrachtet werden müssen. Für den Schweregrad fand der endpunktspezifische Pool aus 3 Studien und 226 ausgewerteten Teilnehmenden keinen signifikanten Effekt. Die größeren Gesamtstichproben der Publikationen sind keine addierbare Poolgröße. Für die Attackenhäufigkeit fand Quelle 9 eine Verringerung, veröffentlichte den gepoolten Zahlenwert wegen 88 Prozent Heterogenität aber bewusst nicht.

Quelle 17 ist keine unabhängige Bestätigung. Ihr gesamter oraler Bestand umfasst 10 Studien mit 11 Effektgrößen. Der Häufigkeitseffekt stammt aus 8 Vergleichen aus 7 Publikationen, weil Tarighat Esfanjani zwei Vergleiche liefert. Die Odds Ratio beträgt 0,204, das 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,047 bis 0,892, p gleich 0,035, bei einem I-Quadrat von 92,87 Prozent. Dieser Pool überschneidet sich mit Quelle 9 und enthält Kombinationseingriffe sowie aktive Kontrollen, darunter Flunarizin und L-Carnitin. Venlafaxin und Nimodipin gehören nur zur Intensitätsauswertung. Der Häufigkeitspool kann deshalb keinen Magnesium-Alleineffekt gegen Placebo unabhängig bestätigen. Die neuere Quelle 10 nennt im Abstract Punktschätzer, aber keine Konfidenzintervalle. Deshalb stehen Schweregrad und Häufigkeit getrennt auf Hinweise. Quelle 18 tabelliert 8 orale randomisierte Studien mit unterschiedlichen Magnesiumsalzen, darunter Magnesium-Pyrrolidon-Carbonsäure und Magnesium-L-Aspartat. Keine dieser 8 Studien verwendete Bisglycinat.

Blutdruck, Blutzucker, Angst, Knochendichte

Die größte und methodisch stärkste Zeile ist der Blutdruck [11]: 38 RCTs mit 2709 Teilnehmenden, ein Effekt vor allem bei Menschen mit niedrigem Magnesiumspiegel oder unzureichend eingestelltem Blutdruck unter Medikation, kein Effekt bei normalem Ausgangsblutdruck. Der Volltext zeigt zusätzlich, dass der Effekt bei sitzend gemessenem Blutdruck signifikant war. Bei der 24-Stunden-Messung sank außerdem der diastolische, aber nicht der systolische Blutdruck signifikant. Im Stehen und Liegen wurde kein signifikanter Effekt gefunden. Unter den mindestens 10 verwendeten Magnesiumsalzen nutzte höchstens eine einzige der 38 Studien eine Bisglycinat-nahe Form. Die Honorare und Beiratstätigkeiten betreffen die Letztautorin A.E. Schutte, nicht die Erstautorin. Für Blutzuckerwerte [12] ist die Datenlage uneinheitlich, die Autoren selbst sagen, die Evidenz reiche noch nicht für eine klare Empfehlung. Für Angst und Stress [13] zeigt der Volltext eine im Abstract nicht genannte Sanofi-Finanzierung der Literatursuche und Datenzugang zu drei unveröffentlichten Sanofi-Studien; die am häufigsten geprüfte Form, Magnesium- laktat mit Vitamin B6, entspricht Sanofis eigenem Kombinationspräparat. Für Knochendichte [14] handelt es sich um Beobachtungsdaten zur Ernährung, keine kontrollierte Supplement-Gabe.

Tier- und Laborstudien

Keine eigene Recherche zu Tier- oder Zellmodellen für diesen Eintrag durchgeführt. Die zitierten Quellen sind ausschließlich Humanstudien und Übersichtsarbeiten über Humanstudien.

Sicherheit und Wechselwirkungen

Magnesium ist in den zitierten Studien überwiegend gut verträglich. Eine Cochrane-Übersicht zu Muskelkrämpfen fand jedoch, über alle darin geprüften Magnesiumformen zusammengefasst und ohne Aufschlüsselung nach Bisglycinat, insgesamt mehr leichte, überwiegend gastrointestinale Nebenwirkungen unter Magnesium als unter Placebo (Risikoverhältnis 1,51, 95-Prozent- Konfidenzintervall 0,98 bis 2,33, 4 Studien, 254 Teilnehmende, niedrige Evidenzqualität nach GRADE; 11 bis 37 Prozent der Teilnehmenden unter Magnesium gegenüber 10 bis 14 Prozent unter Placebo, überwiegend Durchfall) [6]. Hohe Einzeldosen freien, schnell löslichen Magnesiums, etwa aus Oxid oder Citrat, wirken zusätzlich osmotisch abführend; ob chelatierte Formen wie Bisglycinat davon weniger betroffen sind, lässt sich nur aus einer einzigen, nicht quantifizierten und sponsorennahen Selbstauskunft ableiten, die für Bisglycinat keinen Vorteil beim Magendruck gegenüber Oxid zeigt, siehe die eigene Wirkungszeile zur Magenverträglichkeit.

Der Wissenschaftliche Lebensmittelausschuss der EU (SCF, Vorläufergremium der EFSA) hat für die zusätzliche Zufuhr von Magnesium über Nahrungsergänzung, also oben auf die Zufuhr über die normale Ernährung, eine Tageshöchstmenge von 250 mg abgeleitet, ab der in Humanstudien Durchfälle auftraten. Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat diesen Wert 2017 auf Basis neuerer Humanstudien bestätigt [15]. Das ist eine andere Größe als die im Steckbrief genannte Referenzmenge (NRV) von 375 mg, die ein Kennzeichnungswert für die Nährwertdeklaration ist, keine Sicherheitsgrenze, siehe dazu die Steckbrief-Zeile zu den Produkten. Eine eigene, geprüfte Quelle zu Wechselwirkungen mit Medikamenten, etwa bestimmten Antibiotika oder Osteoporose-Mitteln, liegt uns nicht vor.

Quellen zum Nachlesen

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    Rechtsakt auf Grundlage abgeschlossener EFSA-Bewertungen · 2012

    Verordnung (EU) Nr. 432/2012 zur Festlegung einer Liste zulässiger gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel

    Europäische Kommission Amtsblatt der Europäischen Union

    Zur Zuschreibung: 01, 02, 03, 04, 05, 06, 07, 08, 09, 10

  2. 02

    Randomisierte Crossover-Vergleichsstudie, n=40 · 2024

    Comparative Clinical Study on Magnesium Absorption and Side Effects After Oral Intake of Microencapsulated Magnesium (MAGSHAPETM Microcapsules) Versus Other Magnesium Sources.

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    Zur Zuschreibung: 11, 12

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    Randomisierte, doppelblinde Crossover-Vergleichsstudie · 2018

    Magnesium bioavailability after administration of sucrosomial® magnesium: results of an ex-vivo study and a comparative, double-blinded, cross-over study in healthy subjects.

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    Systematischer Review aus 14 Studien · 2021

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    Meta-Analyse aus 3 RCTs, n=151, dazu 2024 eine rein redaktionelle Berichtigung (PMID 39702257), die zitierten Zahlen sind nicht betroffen · 2021

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    Meta-Analyse aus 13 Studien, davon 10 zu Magnesium · 2026

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    Dosis-Wirkungs-Meta-Analyse, mehrere Nahrungsergänzungsmittel, 22 Studien insgesamt · 2025

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    Systematischer Review aus 18 Studien · 2017

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    Systematischer Review und Meta-Analyse aus Beobachtungsstudien · 2022

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  15. 15

    Behördliche Stellungnahme, bestätigt die vom Wissenschaftlichen Lebensmittelausschuss der EU (SCF, Vorläufergremium der EFSA) abgeleitete Tageshöchstmenge auf Basis neuerer Humanstudien · 2017

    BfR bewertet Tageshöchstmenge für Magnesium in Nahrungsergänzungsmitteln.

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  16. 16

    Randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie, n=80, Magnesiumbisglycinat-Chelat, nicht industriefinanziert · 2015

    Oral magnesium for relief in pregnancy-induced leg cramps: a randomised controlled trial.

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  17. 17

    Meta-Analyse aus 21 Studien, davon 10 zu oralem Magnesium (n=789) · 2016

    Effects of Intravenous and Oral Magnesium on Reducing Migraine: A Meta-analysis of Randomized Controlled Trials.

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  18. 18

    Narrativer Review, keine eigene Meta-Analyse, verwendet nur zur Einordnung der in Migränestudien genutzten Magnesiumformen · 2025

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    Zur Zuschreibung: 21, 22

  19. 19

    Randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie, 155 randomisiert, 153 in der als Intention-to-treat bezeichneten Auswertung · 2025

    Magnesium Bisglycinate Supplementation in Healthy Adults Reporting Poor Sleep: A Randomized, Placebo-Controlled Trial.

    Schuster J, et al. Nat Sci Sleep

    Zur Zuschreibung: 14

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