Löwenzahn-Extrakt

Zuletzt geprüft am

Pflanzenextrakte

Taraxacum officinale (Löwenzahn), je nach Studie Blatt, Wurzel oder ganze Pflanze · Dandelion Extract · Taraxacum-Extrakt · Kuhblume · Pusteblume

H.P.N · Datenstand 2026-09-08 · 7 Zuschreibungen im Überblick

Auf einen Blick

Was es ist
Ein Extrakt aus dem Löwenzahn, je nach Zubereitung aus dem Blatt, der Wurzel oder der ganzen Pflanze gewonnen. Blatt und Wurzel unterscheiden sich in ihrem Gehalt an Bitterstoffen, Kalium und weiteren Inhaltsstoffen deutlich, die Studienlage zu beiden Pflanzenteilen wird deshalb in diesem Eintrag getrennt behandelt, siehe Abgrenzung
Herkunft
Der Löwenzahn ist eine in den gemäßigten Zonen der Nordhalbkugel heimische Wildpflanze aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Blatt und Wurzel werden traditionell getrennt genutzt und getrennt extrahiert
Wirkform in Studien
Uneinheitlich und meist nicht auf einen Leitstoff standardisiert. Die einzige gefundene Humanstudie prüfte einen frischen Blatt-Extrakt (Folium). Die weitaus meisten übrigen Arbeiten sind Tier- oder Zellversuche, die je nach Frage Blatt-Extrakt, Wurzel-Polysaccharide oder einen nicht näher nach Pflanzenteil aufgeschlüsselten Extrakt prüfen
Übliche Studiendosis
In der Humanstudie 8 mL eines frischen Blatt-Extrakts dreimal täglich über einen einzigen Tag. In den Tiermodellen je nach Studie 200 mg bis 5 g Blatt-Extrakt pro kg Körpergewicht täglich, in einer Studie über 4 Wochen, oder 1 Prozent Blatt- beziehungsweise Wurzel-Anteil im Futter
Bekannt geworden durch
Traditionelle Verwendung in der Volksmedizin Europas, Asiens und Amerikas als harntreibendes Mittel (vor allem das Blatt) und zur Anregung von Verdauung und Galleproduktion (vor allem die Wurzel)
Verträglichkeit
In der vorliegenden Humanstudie gut vertragen. Menschen mit einer Allergie gegen Korbblütler (etwa Beifuß, Ambrosia oder Chrysantheme) können auch auf Löwenzahn allergisch reagieren, siehe Sicherheit

Was diesem Stoff zugesprochen wird

Was die Studien hergeben.

Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.

  1. 01

    Urinausscheidung nach einmaliger Einnahme von Blatt-Extrakt bei gesunden Erwachsenen, in der einzigen gefundenen Humanstudie ohne Kontrollgruppe

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    In der einzigen gefundenen Humanstudie stieg bei 17 gesunden Erwachsenen die Häufigkeit des Wasserlassens nach der ersten und das Verhältnis von Urinmenge zu Trinkmenge nach der zweiten Dosis eines Blatt-Extrakts. Die Studie hatte keine Placebogruppe, sondern verglich nur mit dem eigenen Ausgangswert

    Ausführlicher Nachweis

    In einer 2009 veröffentlichten Pilotstudie nahmen 17 gesunde Erwachsene an drei aufeinanderfolgenden Zeitpunkten je 8 mL eines frischen, hydroethanolischen Blatt-Extrakts (Taraxacum officinale folium) über einen einzigen Tag ein [1]. Ausgangswerte für Wasserlassen-Häufigkeit und das Verhältnis von Urin- zu Trinkmenge wurden zwei Tage vor der Einnahme erhoben, es gab keine Placebo- oder Kontrollgruppe, sondern ausschließlich einen Vergleich mit dem eigenen Ausgangswert derselben Personen [1]. In den fünf Stunden nach der ersten Dosis stieg die Häufigkeit des Wasserlassens signifikant (p kleiner 0,05), in den fünf Stunden nach der zweiten Dosis stieg das Verhältnis von Urin- zu Trinkmenge signifikant (p kleiner 0,001) [1]. Die dritte Dosis veränderte keinen der gemessenen Werte mehr [1]. Die Autoren selbst bezeichnen die Arbeit als ersten Beleg beim Menschen und fordern ausdrücklich weitere Studien, um den Wert der Pflanze für die Diurese beim Menschen zu sichern [1]. Ohne Placebogruppe ist nicht auszuschließen, dass allein die zusätzliche Flüssigkeitsmenge des Extrakts selbst oder die engmaschige Beobachtung den Effekt erklärt, und die Stufe bleibt deshalb bei Hinweise. Der Volltext (PMC3155102) wurde für diesen Eintrag gelesen. Er zeigt zweierlei, das im Abstract fehlt. Erstens die Interessenlage, die Erklärung der Autoren nennt wörtlich, dass der geprüfte Taraxacum-Extrakt vom Hersteller Oregon's Wild Harvest kostenlos gestellt wurde und dass das Tai Sophia Institute, an dem zwei der drei Autoren arbeiten, Produkte dieser Firma in seiner Klinik führt und eine langjährige Lieferbeziehung zu ihr unterhält, während die Autoren eine eigene finanzielle Beteiligung verneinen. Das PubMed-Feld zum Interessenkonflikt ist leer, die Angabe steht nur im Volltext. Zweitens den Schwund, eingeschlossen und einverstanden waren 28 Personen, 11 davon brachen ab, weil ihnen das Messen von Trink- und Urinmenge zu mühsam war, ausgewertet wurden die verbleibenden 17. Bei einem Endpunkt, den die Teilnehmenden selbst messen und aufschreiben, ist ein Schwund von 39 Prozent eine erhebliche Einschränkung. Die Autoren führen im Diskussionsteil selbst als Grenzen auf, dass nicht verblindet wurde, dass die Zahl der Personen klein ist, dass Trink- und Urinmenge selbst erfasst wurden, dass der Wassergehalt der Nahrung nicht verrechnet wurde und dass nur wenige Ausgangswerte vorlagen.

    Quellen: 1

  2. 02

    Leberfettgehalt und Insulinresistenz im Mausmodell einer fettreichen Ernährung, unter Blatt-Extrakt niedriger als ohne Extrakt

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    Bei Mäusen auf fettreicher Ernährung senkte ein zugesetzter Blatt-Extrakt Leberfett, Blutfette, Insulinresistenz und Körpergewicht gegenüber Tieren ohne Extrakt. Nur ein Tiermodell, keine Humanstudie zu diesem Endpunkt gefunden

    Ausführlicher Nachweis

    In einer 2013 veröffentlichten Arbeit erhielten C57BL/6-Mäuse randomisiert vier Fütterungsgruppen: normale Ernährung, fettreiche Ernährung, fettreiche Ernährung mit 2 g pro kg Körpergewicht Löwenzahn-Blattextrakt, und fettreiche Ernährung mit 5 g pro kg Blattextrakt [2]. Gegenüber der reinen fettreichen Ernährung senkte der Blattextrakt in beiden Dosen Leberfetteinlagerung, Körper- und Lebergewicht, Triglyzeride, Gesamtcholesterin, Insulin und Nüchternblutzucker sowie den Insulinresistenz-Index HOMA-IR deutlich [2]. Der Extrakt aktivierte zudem die AMP-aktivierte Proteinkinase (AMPK) in Leber- und Muskelgewebe [2]. Die Arbeit ist eine reine Tierstudie an einem Krankheitsmodell für ernährungsbedingte Leberverfettung, keine Übertragung auf den Menschen ist damit gezeigt. Das Interessenkonflikt-Feld bei PubMed ist leer.

    Quellen: 2

  3. 03

    Leberschädigung im Mausmodell einer nährstoffdefizienten Ernährung, unter Blatt-Extrakt geringer als ohne Extrakt

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    Bei Mäusen mit einer gezielt leberschädigenden Mangel-Ernährung senkte ein zugesetzter Blatt-Extrakt Leberenzyme, Fetteinlagerung und Entzündungswerte gegenüber Tieren ohne Extrakt. Nur ein Tiermodell

    Ausführlicher Nachweis

    In einer weiteren, ebenfalls 2013 veröffentlichten Arbeit derselben Arbeitsgruppe erhielten C57BL/6-Mäuse vier Wochen lang entweder eine Kontroll-Ernährung, eine gezielt leberschädigende methionin- und cholinarme Ernährung (ein etabliertes Tiermodell für eine nicht-alkoholische Steatohepatitis), oder dieselbe Mangel-Ernährung zusätzlich mit 200 oder 500 mg pro kg Körpergewicht Löwenzahn-Blattextrakt täglich [3]. Der Blattextrakt senkte in beiden Dosen den Leberenzymwert ALT, den Lebertriglyzeridgehalt und den oxidativen Stressmarker Malondialdehyd im Blut, ebenso die Entzündungsbotenstoffe TNF-alpha und Interleukin-6, während der antioxidative Stoff Glutathion anstieg [3]. Auf Proteinebene senkte der Extrakt die Aktivierung von Caspase-3 und die Phosphorylierung von JNK, zwei Signalwege des Zelltods [3]. Die Autoren führen die beobachteten Effekte auf antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften des Extrakts zurück [3]. Auch diese Arbeit ist eine reine Tierstudie, keine Übertragung auf den Menschen ist gezeigt. Das Interessenkonflikt-Feld bei PubMed ist leer.

    Quellen: 3

  4. 04

    Leberschutz nach einer Paracetamol-Überdosierung im Mausmodell, unter Wurzel-Polysacchariden geringer als ohne

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    In einem Mausmodell einer Paracetamol-Vergiftung schützten zwei aus der Wurzel gereinigte Polysaccharide die Leber stärker als ohne diese Stoffe. Nur ein Tiermodell mit einem isolierten Wurzel-Bestandteil, kein ganzer Extrakt und keine Humanstudie

    Ausführlicher Nachweis

    In einer 2017 veröffentlichten Arbeit isolierten und charakterisierten die Autoren zwei wasserlösliche Polysaccharide aus der Löwenzahn-Wurzel (DRP1 und DRP2) und prüften ihre leberschützende Wirkung in einem Mausmodell einer akuten Leberschädigung durch eine Paracetamol-Überdosierung, einem anerkannten Modell für die Wirkstoffvergiftung beim Menschen [4]. Beide Polysaccharide schützten die Leber vor der durch Paracetamol ausgelösten Schädigung, vermittelt über eine Aktivierung des Nrf2-Keap1-Signalwegs, eines zellulären antioxidativen Schutzmechanismus [4]. Der Volltext (PMC6151742) erklärt ausdrücklich keinen Interessenkonflikt und hält zusätzlich fest, dass die Arbeit keine gezielte Förderung aus öffentlicher, kommerzieller oder gemeinnütziger Quelle erhalten hat, die Wurzel wurde auf einem lokalen Markt in Jilin gekauft [4]. Geprüft wurden isolierte Polysaccharid-Fraktionen aus der Wurzel, kein Wurzelextrakt als Ganzes und keine Anwendung am Menschen.

    Quellen: 4

  5. 05

    Glukoseaufnahme in der Zellkultur unter einem Chloroform-Extrakt, höher als ohne Extrakt

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    In Muskelzellen aus der Kulturschale erhöhte ein Chloroform-Extrakt die Zuckeraufnahme über einen bekannten Transportweg. Reiner Zellversuch, keine Angabe zum verwendeten Pflanzenteil und keine Humanstudie

    Ausführlicher Nachweis

    In einer 2018 veröffentlichten Arbeit untersuchten die Autoren die Wirkung eines Löwenzahn-Chloroformextrakts auf die Glukoseaufnahme in L6-Muskelzellen aus der Ratte [5]. Der Extrakt erhöhte die Expression und den Transport des Glukosetransporters GLUT4 an die Zellmembran und steigerte dadurch die Glukoseaufnahme, vermittelt über eine Aktivierung der AMP-aktivierten Proteinkinase (AMPK) [5]. Ein Hemmstoff der AMPK blockierte diesen Effekt, während Hemmstoffe zweier anderer Signalwege (PI3K und PKC) ihn nicht beeinflussten [5]. Den Pflanzenteil nennt der Abstract nicht, der Volltext (PMC6247471) beantwortet die Frage jedoch. Verwendet wurden ganze, in der Provinz Shanxi gesammelte und botanisch bestimmte Löwenzahnpflanzen, aus denen nach Ethanolextraktion und Entfettung mit Petrolether die Chloroformfraktion gewonnen wurde. Es handelt sich also weder um einen reinen Blatt- noch um einen reinen Wurzelextrakt, sondern um eine Lösungsmittelfraktion aus der ganzen Pflanze, die mit keiner handelsüblichen Zubereitung gleichzusetzen ist. Der Volltext nennt als Geldgeber die National Natural Science Foundation of China und zwei weitere öffentliche chinesische Programme und verneint einen Interessenkonflikt, das PubMed-Feld zum Interessenkonflikt ist leer. Es handelt sich um einen reinen Zellversuch ohne Tier- oder Humandaten, eine Übertragung auf den Blutzucker lebender Organismen ist damit nicht gezeigt. Das Interessenkonflikt-Feld bei PubMed ist leer.

    Quellen: 5

  6. 06

    Blutfette und antioxidative Enzyme im Kaninchenmodell einer cholesterinreichen Ernährung, unter Wurzel- und Blatt-Extrakt im direkten Vergleich jeweils günstiger als ohne Extrakt

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    Bei Kaninchen auf cholesterinreicher Ernährung verbesserten sowohl ein Wurzel- als auch ein Blatt-Extrakt Blutfette und antioxidative Enzyme gegenüber Tieren ohne Extrakt, in ähnlichem Ausmaß für beide Pflanzenteile. Nur ein Tiermodell

    Ausführlicher Nachweis

    In einer 2010 veröffentlichten Arbeit erhielten 28 männliche Kaninchen randomisiert eine von vier Ernährungen: normale Ernährung, cholesterinreiche Ernährung, cholesterinreiche Ernährung mit 1 Prozent Löwenzahn-Blattextrakt, oder cholesterinreiche Ernährung mit 1 Prozent Löwenzahn-Wurzelextrakt [6]. Gegenüber der reinen cholesterinreichen Ernährung verbesserten sowohl der Blatt- als auch der Wurzelextrakt die Aktivität antioxidativer Plasma-Enzyme und das Blutfettprofil, beide Pflanzenteile in vergleichbarem Ausmaß [6]. Die Autoren schließen auf ein mögliches hypolipidämisches und antioxidatives Potenzial beider Pflanzenteile gegen eine mit Cholesterin verbundene Gefäßverkalkung [6]. Diese Arbeit ist eine der wenigen, die Blatt und Wurzel direkt im selben Versuch vergleicht, und findet für diesen Endpunkt keinen deutlichen Unterschied zwischen beiden Pflanzenteilen. Es bleibt eine reine Tierstudie ohne Humandaten. Der Volltext (PMC2820990) enthält weder einen Förder- noch einen Interessenkonfliktabschnitt, das PubMed-Feld ist ebenfalls leer. Blatt und Wurzel stammten nach Angabe im Methodenteil von der Löwenzahn-Lebensmittelfirma Mindule Food Inc., zu deren Rolle über die Lieferung des Pflanzenmaterials hinaus die Arbeit nichts sagt.

    Quellen: 6

  7. 07

    Verdauungsbeschwerden (Blähungen, Appetitlosigkeit, Völlegefühl) beim Menschen

    Keine Studien gefunden
    Einordnung und Einschränkungen

    Wir haben gezielt gesucht und keine klinische Studie am Menschen gefunden. Eine 2022 veröffentlichte Übersichtsarbeit zu Löwenzahn und dem Verdauungstrakt bestätigt selbst, dass klinische Studien für diesen traditionellen Anwendungsbereich weiterhin fehlen

    Ausführlicher Nachweis

    Eine gezielte Suche nach klinischen Studien zu Löwenzahn und Verdauungsbeschwerden (unter anderem mit den Suchbegriffen dandelion und digestion, dandelion root und dyspepsia) ergab keine einzige kontrollierte Studie am Menschen. Eine 2022 veröffentlichte Übersichtsarbeit zu Löwenzahn und dem Magen-Darm-Trakt trägt zusammen, dass Löwenzahn traditionell bei Verdauungsstörungen wie Blähungen, Appetitlosigkeit, Magen- und Darmentzündung eingesetzt wird und dass Blatt, Wurzel und ganze Pflanze verschiedene Wirkstoffe mit im Labor und Tiermodell gezeigten entzündungshemmenden und schützenden Eigenschaften für den Verdauungstrakt liefern [7]. Die Übersichtsarbeit selbst hält jedoch ausdrücklich fest, dass die Forschung zu diesen Anwendungen weiterhin begrenzt ist und weitere klinische Studien zu Stoffwechsel, Bioverfügbarkeit und Sicherheit nötig sind, um eine Anwendung beim Menschen zu stützen [7]. Wo die vorliegende Fachliteratur selbst auf eine fehlende klinische Absicherung hinweist, schließt sich dieser Eintrag dem an, statt aus den zahlreichen Tier- und Laborbefunden eine Wirkung beim Menschen abzuleiten.

    Quellen: 7

Studien im Detail

Wasserausscheidung beim Menschen

Die einzige gefundene Humanstudie zu Löwenzahn ist eine kleine Pilotstudie zu einem frischen Blatt-Extrakt ohne Placebogruppe. Sie fand eine erhöhte Häufigkeit des Wasserlassens und ein erhöhtes Verhältnis von Urin- zu Trinkmenge nach den ersten beiden von drei Dosen an einem einzigen Tag. Ohne eine Vergleichsgruppe, die denselben Ablauf ohne Wirkstoff durchläuft, lässt sich ein Placebo- oder Beobachtungseffekt nicht ausschließen. Die Autoren selbst verstehen ihre Arbeit als ersten Schritt und fordern größere, kontrollierte Studien.

Leber im Tiermodell

Zwei Arbeiten derselben Arbeitsgruppe fanden an Mäusen, dass ein Löwenzahn-Blattextrakt vor Leberschäden schützt, sowohl im Modell einer fettreichen Überernährung als auch im Modell einer gezielt leberschädigenden Mangelernährung. Eine dritte Arbeit fand einen ähnlichen Schutzeffekt für zwei aus der Wurzel isolierte Polysaccharide in einem Modell der Wirkstoffvergiftung durch eine Paracetamol-Überdosierung. Alle drei Arbeiten sind reine Tierstudien, keine davon prüft eine Anwendung beim Menschen.

Blutzucker und Blutfette im Zell- und Tiermodell

Ein Chloroformextrakt steigerte in einem Zellversuch mit Muskelzellen die Glukoseaufnahme über einen bekannten Signalweg, ohne Angabe des verwendeten Pflanzenteils. Bei Kaninchen auf cholesterinreicher Ernährung verbesserten sowohl ein Blatt- als auch ein Wurzelextrakt Blutfette und antioxidative Enzyme in vergleichbarem Ausmaß, dies ist die einzige gefundene Arbeit, die beide Pflanzenteile direkt im selben Versuch gegenüberstellt.

Verdauung

Trotz der traditionell engen Verbindung von Löwenzahn mit der Verdauung fand die Recherche keine klinische Studie am Menschen zu diesem Anwendungsbereich. Die einschlägige Übersichtsarbeit selbst benennt diese Lücke ausdrücklich.

Abgrenzung, Blatt gegenüber Wurzel

Löwenzahnblatt und Löwenzahnwurzel werden traditionell für unterschiedliche Zwecke verwendet, das Blatt vor allem als harntreibendes Mittel wegen seines hohen Kaliumgehalts, die Wurzel vor allem zur Anregung von Verdauung und Galleproduktion wegen ihrer Bitterstoffe. Diese unterschiedliche Verwendung spiegelt sich auch in der Studienlage wider, in der die meisten Arbeiten nur einen der beiden Pflanzenteile prüfen. Nur eine der hier zitierten Arbeiten vergleicht Blatt- und Wurzelextrakt direkt im selben Tiermodell und findet dort für Blutfette und antioxidative Enzyme keinen deutlichen Unterschied zwischen beiden. Ob sich diese Ähnlichkeit auch auf andere Wirkungen wie die Diurese oder die Verdauung übertragen lässt, ist aus der vorliegenden Literatur nicht ersichtlich. Wer sich auf eine Zuschreibung für "Löwenzahn" allgemein verlässt, sollte deshalb prüfen, welcher Pflanzenteil der jeweiligen Zuschreibung tatsächlich zugrunde liegt.

Sicherheit und Wechselwirkungen

In der vorliegenden Humanstudie war die Einnahme von Löwenzahn-Blattextrakt gut verträglich.

Löwenzahn gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae). Eine Untersuchung an über 6000 Menschen mit Atemwegsallergien fand eine deutliche Kreuzreaktivität der Pollen von Löwenzahn, Chrysantheme und Beifuß, mit einzelnen Personen, die spezifisch auf Löwenzahn reagierten [8]. Diese Daten betreffen die Reaktion auf eingeatmete Pollen und nicht die Einnahme als Nahrungsergänzung, legen aber nahe, dass Menschen mit einer bekannten Allergie gegen Beifuß, Ambrosia, Chrysantheme oder andere Korbblütler auch bei Löwenzahn zur Vorsicht neigen sollten.

Da dem Blatt traditionell eine harntreibende Wirkung zugeschrieben wird und die einzige vorliegende Humanstudie in diese Richtung weist, auch wenn ohne Placebogruppe, ist bei einer bestehenden Einnahme von entwässernden oder blutdrucksenkenden Medikamenten ärztliche Rücksprache sinnvoll. Zu Wechselwirkungen mit Medikamenten liegt uns keine eigene geprüfte Humanstudie vor.

Zu Schwangerschaft und Stillzeit liegt uns keine eigene geprüfte Quelle vor, eine ärztliche Rücksprache vor der Einnahme ist in diesem Fall grundsätzlich sinnvoll.

Quellen zum Nachlesen

  1. 01

    Pilotstudie ohne Kontrollgruppe, Vorher-Nachher-Vergleich, n gleich 17, 1 Tag · 2009

    The diuretic effect in human subjects of an extract of Taraxacum officinale folium over a single day

    Clare BA, Conroy RS, Spelman K. J Altern Complement Med

    Zur Zuschreibung: 01

  2. 02

    Tierstudie, C57BL/6-Mäuse, 4 Gruppen, Blattextrakt · 2013

    Taraxacum official (dandelion) leaf extract alleviates high-fat diet-induced nonalcoholic fatty liver

    Davaatseren M, et al. Food Chem Toxicol

    Zur Zuschreibung: 02

  3. 03

    Tierstudie, C57BL/6-Mäuse, 4 Gruppen, Blattextrakt, 4 Wochen · 2013

    Dandelion leaf extract protects against liver injury induced by methionine- and choline-deficient diet in mice

    Davaatseren M, et al. J Med Food

    Zur Zuschreibung: 03

  4. 04

    Laborstudie und Tierstudie, isolierte Wurzel-Polysaccharide, Mäuse-Modell einer Paracetamol-Überdosierung · 2017

    Purification, Preliminary Characterization and Hepatoprotective Effects of Polysaccharides from Dandelion Root

    Cai L, Wan D, Yi F, Luan L. Molecules

    Zur Zuschreibung: 04

  5. 05

    Laborstudie, Zellkultur (L6-Muskelzellen der Ratte) · 2018

    Dandelion Chloroform Extract Promotes Glucose Uptake via the AMPK/GLUT4 Pathway in L6 Cells

    Zhao P, et al. Evid Based Complement Alternat Med

    Zur Zuschreibung: 05

  6. 06

    Tierstudie, männliche Kaninchen, n gleich 28, 4 Gruppen, Wurzel- und Blattextrakt im Vergleich · 2010

    Hypolipidemic and antioxidant effects of dandelion (Taraxacum officinale) root and leaf on cholesterol-fed rabbits

    Choi UK, et al. Int J Mol Sci

    Zur Zuschreibung: 06

  7. 07

    Narrativer Review zu Tier- und Laborbefunden, Literatur bis August 2021 · 2022

    The potential of dandelion in the fight against gastrointestinal diseases, A review

    Li Y, Chen Y, Sun-Waterhouse D. J Ethnopharmacol

    Zur Zuschreibung: 07

  8. 08

    Beobachtungsstudie, 6497 Personen mit Atemwegsallergien, Hauttests und Serumanalyse · 2007

    Cross-allergenicity of pollens from the Compositae family, Artemisia vulgaris, Dendranthema grandiflorum, and Taraxacum officinale

    Lee YW, et al. Ann Allergy Asthma Immunol

Bei H.P.N

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