Betainanhydrat
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Weitere Stoffe
Trimethylglycin · TMG · Glycinbetain
Auf einen Blick
- Was es ist
- Betainanhydrat, auch Trimethylglycin oder TMG genannt, ist ein Methyldonor im Homocystein-Stoffwechsel und wird in Studien meist als Reinsubstanz eingenommen
- Herkunft
- Kommt natürlich vor allem in Zuckerrübe, Spinat, Weizenkleie und Quinoa vor. Der Körper bildet es ausserdem selbst aus Cholin
- Wirkform in Studien
- In den ausgewerteten placebokontrollierten Studien als oral eingenommenes Betainanhydrat, also die wasserfreie Reinsubstanz, nicht als Salz und nicht als Bestandteil eines Mehrfachpräparats
- Übliche Studiendosis
- 4 bis 6 g täglich über 6 bis 24 Wochen für den Homocystein-Effekt, um 2,5 g täglich über mindestens 7 Tage für die Kraftstudien, 20 g täglich über 12 Monate in der einzigen Studie an einer Lebererkrankung
- Verträglichkeit
- In den ausgewerteten Studien insgesamt gut vertragen. Ab einer Tagesdosis von 4 g ist ein Anstieg des Gesamtcholesterins beschrieben, siehe Sicherheit
Was diesem Stoff zugesprochen wird
Was die Studien hergeben.
Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.
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01
Homocysteinspiegel bei gesunden Erwachsenen, gesenkt gegenüber Placebo bei Tagesdosen von 4 bis 6 g
BelegtEinordnung und Einschränkungen
Eine grosse Meta-Analyse fand eine Senkung um 1,30 Mikromol pro Liter gegenüber Placebo. Die eingeschlossenen Studien gaben 4 bis 6 g täglich. Dieselbe Arbeit rät zu höchstens 4 g, weil ab dieser Menge Gesamtcholesterin und LDL-Cholesterin ansteigen.
Ausführlicher Nachweis
Eine 2022 veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse durchsuchte PubMed, die Cochrane Library, Web of Science, Embase und Scopus nach Studien zu Betain und kardiovaskulären Markern, veröffentlicht bis Februar 2021 [1]. Gegenüber Placebo sank das Homocystein um 1,30 Mikromol pro Liter, 95-Prozent-Intervall minus 1,61 bis minus 0,98 [1]. Die Untergruppenanalyse ergab, dass eine Höchstdosis von 4 g pro Tag homocysteinsenkend wirken kann, ohne die bei mindestens 4 g pro Tag berichtete nachteilige Wirkung auf die Blutfette, siehe die eigene Zeile zum Gesamtcholesterin unter Sicherheit [1]. Die Arbeit macht im Abstract keine Angabe zu Interessenkonflikt oder Förderung, der Volltext ist nicht frei zugänglich und konnte deshalb nicht auf diese Angaben geprüft werden. Eine frühere, kleinere Meta-Analyse aus dem Jahr 2013 wertete fünf randomisierte, placebokontrollierte Studien zwischen 2002 und 2010 aus, mit zusammen 206 randomisierten und 206 ausgewerteten gesunden Erwachsenen, 124 unter Betain und 119 unter Placebo, bei Tagesdosen von mindestens 4 g über 6 bis 24 Wochen [2]. Der Homocystein-Effekt betrug dort minus 1,23 Mikromol pro Liter, 95-Prozent-Intervall minus 1,61 bis minus 0,85 [2]. Die Suche dieser Arbeit reichte bis August 2012 und schloss ausdrücklich nur planmäßig randomisierte, placebokontrollierte Studien an gesunden Erwachsenen mit mindestens vierwöchiger Dauer ein, ohne Angabe zu Interessenkonflikt oder Förderung im frei zugänglichen Volltext. Die Überschneidung wurde nachgeschlagen und nicht vermutet. Das Literaturverzeichnis der Arbeit von 2022 führt alle fünf Primärstudien von McRae einzeln auf, Schwab 2002, Steenge 2003, Olthof 2003, Olthof 2006 und Schwab 2011, dazu McRae 2013 selbst [1][2]. Die beiden Analysen sind damit ein Bestand und nicht zwei unabhängige Bestätigungen. Welche dieser fünf Arbeiten auch in die Rechnung von 2022 eingegangen ist, wäre nur am Volltext zu klären, der uns nicht vorlag. Beide Arbeiten prüfen ausschließlich gesunde Erwachsene und einen Surrogatmarker im Blut, keinen klinischen Endpunkt wie ein Herz-Kreislauf-Ereignis.
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02
Maximalkraft, stärker im Unterkörper als im Oberkörper, nach mindestens einwöchiger täglicher Einnahme
BelegtEinordnung und Einschränkungen
Eine Meta-Analyse aus 17 Studien mit 317 Teilnehmenden fand eine höhere Maximalkraft als unter Placebo, stärker im Unterkörper, bei einem Intervall nahe der Nullwirkung.
Ausführlicher Nachweis
Eine 2024 veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse durchsuchte PubMed, Web of Science, Scopus und Google Scholar nach Studien an gesunden Menschen zwischen 15 und 60 Jahren, die eine mindestens siebentägige tägliche Betain-Einnahme gegen Placebo auf sportliche Leistung prüften, akute Einzelgaben, Studien ohne Kontrollgruppe und Tierstudien waren ausgeschlossen [3]. Die Verzerrungsbewertung erfolgte nach dem Cochrane Risk of Bias Tool, die Auswertung mit einem Random-Effects-Modell über 17 Studien mit zusammen 317 Teilnehmenden, davon 21 Prozent Frauen [3]. Für die Maximalkraft, gemessen als Einer-Wiederholungsmaximum, Dreier-Wiederholungsmaximum oder maximale isokinetische oder isometrische Kraft, ergab sich eine Effektstärke von 0,47, 95-Prozent-Intervall 0,04 bis 0,89, stärker im Unterkörper mit einer standardisierten mittleren Differenz von 0,49, 95-Prozent-Intervall 0,01 bis 0,98 [3]. Beide Intervalle reichen nahe an die Nullwirkung heran. Das frei zugängliche Abstract nennt weder die Einzeldosen noch die randomisierten und ausgewerteten Teilnehmerzahlen der 17 eingeschlossenen Einzelstudien und auch keine Angabe zu Interessenkonflikt oder Förderung der Übersichtsarbeit selbst, der Volltext ist nicht frei zugänglich. Eine Aussage zur üblichen Einzeldosis der eingeschlossenen Studien ist deshalb hier nicht möglich.
Quellen: 3
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03
Vertikalsprungleistung nach chronischer Einnahme, signifikant erst nach Ausschluss einer methodisch schwächeren Studie
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In derselben Übersichtsarbeit ergab sich ein Unterschied zu Placebo erst, nachdem eine methodisch schwächere Studie aus der Analyse entfernt wurde.
Ausführlicher Nachweis
In derselben Meta-Analyse verbesserte sich die Vertikalsprungleistung gegenüber Placebo mit einer standardisierten mittleren Differenz von 0,36, 95-Prozent-Intervall 0,03 bis 0,69, und zwar erst nach Ausschluss einer als qualitativ geringer bewerteten Einzelstudie [3]. Ohne diesen Ausschluss berichtet das Abstract kein eigenes Ergebnis für diesen Endpunkt. Der Befund hängt damit von einer nachträglichen Sensitivitätsentscheidung ab, und das Intervall reicht nahe an die Nullwirkung heran.
Quellen: 3
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04
Körpergewicht, Body-Mass-Index und Körperfettanteil bei Erwachsenen, ohne Unterschied zu Kontrolle in jeder geprüften Dosisstufe
Nicht bestätigtEinordnung und Einschränkungen
Eine Meta-Analyse fand für Körpergewicht, Body-Mass-Index und Körperfettanteil keinen Unterschied zu Kontrolle, auch nicht bei einer Tagesdosis ab 4 g. Bei Fettmasse und fettfreier Masse sind die Intervalle für dieses Urteil zu weit.
Ausführlicher Nachweis
Eine 2022 veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse durchsuchte PubMed, die Cochrane Library, Web of Science, Embase, Scopus und Ovid nach Studien zu Betain und Körperzusammensetzung, veröffentlicht bis August 2021 [4]. Gegenüber Kontrolle ergab sich kein Unterschied beim Körpergewicht, gewichtete mittlere Differenz minus 0,40 Kilogramm, 95-Prozent-Intervall minus 1,46 bis 0,64, p gleich 0,447, beim Body-Mass-Index, gewichtete mittlere Differenz minus 0,05, 95-Prozent-Intervall minus 0,36 bis 0,25, p gleich 0,719, beim Körperfettanteil, gewichtete mittlere Differenz 0,26 Prozent, 95-Prozent-Intervall minus 0,82 bis 1,36, p gleich 0,663, bei der Fettmasse, gewichtete mittlere Differenz minus 0,57 Kilogramm, 95-Prozent-Intervall minus 2,14 bis 0,99, p gleich 0,473, und bei der fettfreien Masse, gewichtete mittlere Differenz 0,61 Kilogramm, 95-Prozent-Intervall minus 1,27 bis 2,49, p gleich 0,527 [4]. Untergruppenanalysen nach Alter, Geschlecht, Body-Mass-Index, Studiendauer unter und ab 8 Wochen sowie Tagesdosis unter und ab 4 g ergaben durchgehend ähnliche Nullbefunde, der Effekt hängt also nicht von der Höhe der Dosis ab [4]. Warum die Stufe nur drei der fünf Messgrößen trägt, bei Körpergewicht, Body-Mass-Index und Körperfettanteil sind die Intervalle eng genug, um alles jenseits einer sehr kleinen Änderung auszuschliessen. Bei der Fettmasse reicht das Intervall bis minus 2,14 Kilogramm und bei der fettfreien Masse bis plus 2,49 Kilogramm, beides wäre eine bedeutsame Änderung, und gerade die fettfreie Masse ist die Messgröße, mit der für Betain geworben wird. Für diese beiden Messgrößen ist das Ausbleiben deshalb nur nicht gefunden und nicht gezeigt [4]. Einzig die Proteinzufuhr stieg unter Betain minimal, gewichtete mittlere Differenz 3,56 Gramm, 95-Prozent-Intervall 0,24 bis 6,88, p gleich 0,035, ohne dass daraus eine Aussage zur Körperzusammensetzung folgt [4]. Das frei zugängliche Abstract macht keine Angabe zu Interessenkonflikt oder Förderung, der Volltext ist nicht frei zugänglich.
Quellen: 4
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05
Muskelausdauer, Sprintleistung im Radsport und Oberkörperkraft nach chronischer Einnahme, ohne Unterschied zu Placebo
Nicht bestätigtEinordnung und Einschränkungen
In derselben Übersichtsarbeit ohne Unterschied zu Placebo bei Muskelausdauer, Sprintleistung im Radsport, Bankdruck-Leistung und Oberkörperkraft. Ein Effektmass mit Intervall nennt das Abstract für diese vier Endpunkte nicht, das Ausbleiben ist deshalb nicht beziffert.
Ausführlicher Nachweis
In derselben Meta-Analyse aus 17 Studien mit 317 Teilnehmenden fanden sich keine signifikanten Effekte für Oberkörperkraft, Sprint-Leistung im Radsport, Bankdruck-Wurfleistung oder Muskelausdauer [3]. Es handelt sich um dieselbe Auswertung, die für Maximalkraft und Vertikalsprung einen Unterschied fand, diese vier Endpunkte wurden dort also mitgeprüft und blieben ohne Unterschied zu Placebo. Das frei zugängliche Abstract nennt für sie weder eine Effektstärke noch ein Vertrauensintervall, sondern nur die qualitative Aussage ohne Unterschied, und der Volltext ist nicht frei zugänglich. Wie eng das Ausbleiben eingegrenzt ist, lässt sich deshalb nicht beziffern, das bleibt ein Restvorbehalt zu dieser Zeile.
Quellen: 3
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06
Leberverfettung bei durch Leberbiopsie gesichertem Steatosegrad mit Entzündungszeichen, unter 20 g täglich über 12 Monate, ohne Unterschied zu Placebo
Nicht bestätigtEinordnung und Einschränkungen
In der bislang einzigen placebokontrollierten Studie an Menschen mit durch Leberbiopsie gesichertem Steatosegrad und Entzündungszeichen besserte sich die Leberverfettung gegenüber Placebo nicht, weder beim Aktivitätsscore noch beim Fibrosestadium. Die Veränderung innerhalb der Verumgruppe ist kein Gruppenvergleich.
Ausführlicher Nachweis
In einer 2009 veröffentlichten, randomisierten, placebokontrollierten Multicenterstudie erhielten 55 randomisierte Erwachsene mit durch Leberbiopsie gesicherter nichtalkoholischer Steatohepatitis täglich 20 g orales Betainanhydrat oder Placebo über 12 Monate [5]. 35 Personen schlossen die Studie ab, 17 unter Betain und 18 unter Placebo, 34 davon mit einer Biopsie nach der Behandlung, 16 unter Betain und 18 unter Placebo [5]. Innerhalb der Verumgruppe sank der Steatosegrad, doch das Abstract stellt danach ausdrücklich klar, dass gegenüber Placebo weder beim Gesamt-Aktivitätsscore der nichtalkoholischen Fettlebererkrankung noch beim Fibrosestadium ein Unterschied bestand und dass Betain die Leberverfettung im Vergleich zu Placebo nicht besserte, möglicherweise aber einer weiteren Verschlechterung vorbeugte [5]. Erhöhte Werte für Insulin, Glukose und entzündungsfördernde Botenstoffe sowie ein verringerter antioxidativer Status besserten sich unter Betain nicht, das entzündungshemmende Adiponektin sank in beiden Gruppen gleichermassen, und S-Adenosylhomocystein blieb etwa doppelt so hoch wie normal und sank unter Betain nicht [5]. Das Abstract nennt für den Vergleich zu Placebo kein Effektmass mit Intervall, sondern nur die beschreibende Aussage ohne Unterschied. Wie genau das Ausbleiben eingegrenzt ist, lässt sich damit nicht beziffern, und 35 auswertbare Personen sind eine kleine Zahl. Beides bleibt ein Restvorbehalt zu dieser Zeile, geprüft und gegenüber Placebo nicht gefunden wurde der Unterschied trotzdem. Wichtig für die Lesart, die zuerst gedruckte Fassung dieser Arbeit schloss noch, Betain habe die Leberverfettung gegenüber Placebo gebessert. Eine 2010 in derselben Zeitschrift erschienene Berichtigung dreht diesen Satz um (Hepatology 2010, Band 51, Seite 1868), und PubMed führt seither die berichtigte Fassung mit dem Vermerk corrected. Auf der Verlagsseite steht bis heute der unberichtigte Schlusssatz. Dieser Eintrag folgt der Berichtigung. Das Abstract weist die Vorher-Nachher-Auswertung zudem ausdrücklich als gepaarten t-Test oder Wilcoxon-Test aus, der gesunkene Steatosegrad ist damit eine Veränderung innerhalb der Verumgruppe und kein Gruppenvergleich. Zu Interessenkonflikt und Förderung macht das Abstract keine Angabe, die Erstautorin ist an der Duke University tätig. Der Volltext lag uns nicht vor, gelesen wurde deshalb nur das Abstract. Die geprüfte Population sind ausschließlich Erwachsene mit einer durch Biopsie gesicherten Lebererkrankung, keine gesunden Menschen, und die Tagesdosis von 20 g liegt weit über den 4 bis 6 g der Homocystein-Studien und den rund 2,5 g der Kraftstudien.
Quellen: 5
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07
Fettoxidation und Fettsynthese, bislang nur in Tierstudien gezeigt
Nur Labor und TierEinordnung und Einschränkungen
Eine Übersichtsarbeit nennt eine gesteigerte Fettoxidation und eine verringerte Fettsynthese ausschließlich aus Tierstudien. Beim Menschen zeigte die Körperzusammensetzung in der eigenen Zeile keinen Effekt.
Ausführlicher Nachweis
Eine 2025 veröffentlichte narrative Übersichtsarbeit zu Betain und Alterungsprozessen nennt unter den vorgeschlagenen Wirkmechanismen eine in Tierstudien gezeigte gesteigerte Fettoxidation und verringerte Fettsynthese im Fettgewebe [6]. Eine eigene gezielte Suche nach Betain und Fettoxidation beim Menschen ergab neben dieser Übersichtsarbeit selbst keinen weiteren Treffer. Die Übersichtsarbeit ist damit keine Humanstudie, sondern verweist auf tierexperimentelle Befunde. Beim Menschen zeigte sich in der oben stehenden Zeile zur Körperzusammensetzung über alle geprüften Dosen hinweg kein Effekt auf die Fettmasse, was gegen eine unmittelbare Übertragbarkeit dieses Tiermechanismus spricht [4].
Quellen: 6
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08
Magensäureproduktion und Verdauung durch Betainanhydrat als Reinsubstanz
Keine Studien gefundenEinordnung und Einschränkungen
Wir haben gezielt nach Betainanhydrat, auch als Trimethylglycin, und Magensäure oder Verdauung gesucht und keine eigene Humanstudie gefunden.
Ausführlicher Nachweis
Wir haben gesucht mit den PubMed-Suchbegriffen "betaine anhydrous" und "gastric acid", mit "betaine anhydrous" und "hypochlorhydria" sowie mit "trimethylglycine" und "digestion", jeweils ohne Beschränkung auf Publikationstyp und ohne Treffer. Diese Wirkung wird in der öffentlichen Diskussion vor allem für die Salzform Betain-Hydrochlorid genannt, die einen eigenen Kompendium-Eintrag hat und chemisch eine andere Zubereitung ist, weil sie zusätzlich Salzsäure enthält. Betainanhydrat selbst ist keine Säure. Zu einer eigenen säuresteigernden Wirkung von Betainanhydrat als Reinstoff liegt uns nach dieser gezielten Suche keine Humanstudie vor.
Studien im Detail
Homocysteinspiegel
Ashtary-Larky und Kollegen werteten 2022 in einer systematischen Übersichtsarbeit und Meta-Analyse Studien zu Betain und kardiovaskulären Markern aus, veröffentlicht bis Februar 2021. Gegenüber Placebo sank das Homocystein um 1,30 Mikromol pro Liter. Die Untergruppenanalyse zeigte, dass eine Tagesdosis bis 4 g homocysteinsenkend wirken kann, ohne den ab dieser Dosis beschriebenen Anstieg der Blutfette. McRae wertete bereits 2013 fünf randomisierte, placebokontrollierte Studien mit 206 gesunden Erwachsenen aus 2002 bis 2010 aus und fand einen sehr ähnlichen Effekt von minus 1,23 Mikromol pro Liter. Das Literaturverzeichnis der Arbeit von 2022 führt alle fünf Studien von McRae einzeln auf, ein unabhängiger zweiter Beleg ist das also nicht.
Kraftleistung
Zawieja und Kollegen werteten 2024 in einer Meta-Analyse 17 Studien mit 317 gesunden Teilnehmenden aus, die eine mindestens einwöchige tägliche Betain-Einnahme gegen Placebo prüften. Die Maximalkraft war insgesamt höher als unter Placebo, stärker im Unterkörper. Die Vertikalsprungleistung verbesserte sich nur nach Ausschluss einer methodisch schwächeren Einzelstudie. Für Oberkörperkraft, Sprintleistung im Radsport, Bankdrück-Leistung und Muskelausdauer fand sich kein Unterschied zu Placebo, ohne dass das Abstract dafür ein Effektmaß mit Intervall nennt.
Körperzusammensetzung
Dieselbe Forschungsgruppe um Ashtary-Larky wertete 2022 in einer eigenen Meta-Analyse aus, ob Betain die Körperzusammensetzung verändert. Weder Körpergewicht noch Body-Mass-Index, Körperfettanteil, Fettmasse oder fettfreie Masse unterschieden sich von der Kontrollgruppe, und das änderte sich auch in der Untergruppe mit einer Tagesdosis ab 4 g nicht.
Leberverfettung bei bestehender Lebererkrankung
Abdelmalek und Kollegen prüften 2009 in einer randomisierten, placebokontrollierten Studie an 55 Erwachsenen mit durch Biopsie gesicherter nichtalkoholischer Steatohepatitis eine sehr hohe Tagesdosis von 20 g Betain über 12 Monate. Innerhalb der Verumgruppe sank der Steatosegrad, im Vergleich zu Placebo besserte sich die Leberverfettung aber nicht. Das ist der berichtigte Befund. Die zuerst gedruckte Fassung behauptete das Gegenteil, eine Berichtigung der Zeitschrift aus dem Jahr 2010 hat den Schlusssatz umgedreht, und auf der Verlagsseite steht bis heute die alte Formulierung. Auch der Gesamt-Aktivitätsscore der Erkrankung und das Fibrosestadium unterschieden sich nicht zwischen den Gruppen. Diese Studie prüft eine erkrankte Population und eine Dosis, die weit über den in den anderen Studien geprüften Mengen liegt, eine Übertragung auf gesunde Menschen bei niedrigerer Dosis ist daraus nicht möglich.
Tier- und Laborstudien
Eine narrative Übersichtsarbeit von Zawieja und Chmurzynska aus dem Jahr 2025 zu Betain und Alterungsprozessen nennt unter den vorgeschlagenen Wirkmechanismen eine in Tierstudien gezeigte gesteigerte Fettoxidation und eine verringerte Fettsynthese im Fettgewebe. Eine eigene Humanstudie dazu liegt nicht vor, und in der oben beschriebenen Meta-Analyse zur Körperzusammensetzung zeigte sich beim Menschen kein Effekt auf die Fettmasse.
Sicherheit und Wechselwirkungen
In den ausgewerteten Studien war die orale Einnahme von Betainanhydrat überwiegend gut verträglich.
Ab einer Tagesdosis von mindestens 4 g pro Tag über 6 bis 24 Wochen ist ein moderater Anstieg des Gesamtcholesterins beschrieben. Eine 2021 veröffentlichte Meta-Analyse von sechs randomisierten, placebokontrollierten Studien fand einen Anstieg um 0,34 Millimol pro Liter, 95-Prozent-Intervall 0,02 bis 0,65, ohne einen belegten Effekt auf LDL-, HDL- Cholesterin oder Triglyzeride [7]. Die grössere Meta-Analyse zu kardiovaskulären Markern fällt deutlicher aus. Sie fand gegenüber Placebo ein um 14,12 mg je Deziliter höheres Gesamtcholesterin, 95-Prozent-Intervall 9,23 bis 19,02, und ein um 10,26 mg je Deziliter höheres LDL-Cholesterin, 95-Prozent-Intervall 6,14 bis 14,38, während Triglyzeride, HDL-Cholesterin, Nüchternblutzucker, C-reaktives Protein, Leberwerte und Blutdruck unverändert blieben [1]. Beim LDL-Cholesterin widersprechen sich die beiden Arbeiten, und die mit dem breiteren Studienbestand ist die mit dem Schadenssignal. Diese Arbeit macht im frei zugänglichen Abstract keine Angabe zu Interessenkonflikt oder Förderung, der Volltext ist nicht frei zugänglich. Wer bereits erhöhte Blutfettwerte hat, sollte diesen möglichen Effekt bei einer Tagesdosis ab 4 g im Blick behalten.
In der oben beschriebenen Studie an Menschen mit Steatohepatitis wurde eine Tagesdosis von 20 g über 12 Monate eingesetzt, ohne dass gegenüber Placebo vermehrte Nebenwirkungen berichtet wurden, allerdings ohne dass sich die Lebererkrankung selbst besserte.
Zu Wechselwirkungen mit Medikamenten liegt uns keine eigene geprüfte Humanstudie vor. Zu Schwangerschaft und Stillzeit liegt uns ebenfalls keine eigene geprüfte Quelle vor, eine ärztliche Rücksprache vor der Einnahme ist in diesem Fall grundsätzlich sinnvoll.
Quellen zum Nachlesen
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01
Systematische Übersicht und Meta-Analyse, kardiovaskuläre Marker · 2022
Effects of betaine supplementation on cardiovascular markers, A systematic review and Meta-analysis
Ashtary-Larky D, Bagheri R, Ghanavati M, Asbaghi O, Tinsley GM, Mombaini D, Kooti W, Kashkooli S, Wong A. Crit Rev Food Sci Nutr
Zur Zuschreibung: 01
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- 03
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04
Systematische Übersicht und Meta-Analyse, Körperzusammensetzung · 2022
Betaine supplementation fails to improve body composition, A systematic review and meta-analysis
Ashtary-Larky D, Bagheri R, Tinsley GM, Asbaghi O, Salehpour S, Kashkooli S, Kooti W, Wong A. Br J Nutr
Zur Zuschreibung: 04
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05
RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, Multicenter, n gleich 55 randomisiert, 35 ausgewertet, 12 Monate, 20 g pro Tag · 2009
Betaine for nonalcoholic fatty liver disease, Results of a randomized placebo-controlled trial
Abdelmalek MF, Sanderson SO, Angulo P, Soldevila-Pico C, Liu C, Peter J, Keach J, Cave M, Chen T, McClain CJ, Lindor KD. Hepatology
Zur Zuschreibung: 06
- 06
- 07
Bei H.P.N
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