Brennnessel-Extrakt
Zuletzt geprüft am
Pflanzenextrakte
Urtica dioica · Große Brennnessel · Stinging Nettle · Urtica · Brennnesselwurzel-Extrakt
Auf einen Blick
- Was es ist
- Extrakt aus der Großen Brennnessel, je nach Studie aus der Wurzel oder aus dem Blatt gewonnen. Wurzelextrakte werden vor allem bei Beschwerden der unteren Harnwege geprüft, Blattextrakte vor allem bei Blutzucker, Gelenkbeschwerden und Pollenbeschwerden. Die konkrete Pflanzenteil-Herkunft des vorliegenden Extrakts ist der Rohstoffangabe nicht zu entnehmen
- Herkunft
- Wild wachsende und kultivierte Staude aus gemäßigten Klimazonen Europas, Asiens und Nordamerikas, seit Jahrhunderten als Nutz- und Heilpflanze verwendet
- Wirkform in Studien
- Uneinheitlich. Oral eingenommener Wurzel- oder Blatttrockenextrakt in Kapselform, häufig als fixe Kombination mit Sägepalme oder Pygeum-Rindenextrakt oder als Bestandteil von Mehrkräuterrezepturen mit bis zu sieben weiteren Pflanzen, daneben eine Studie mit äußerlich aufgetragenem frischem Blatt. Für einen alleinigen, standardisierten Brennnesselextrakt ohne weitere Pflanzen liegt uns nur eine placebokontrollierte Studie zur Prostatafrage und eine zum Blutzucker vor
- Übliche Studiendosis
- 450 bis 500 mg Trockenextrakt täglich in den Studien zu Prostata und Blutzucker, 120 bis 300 mg Wurzelextrakt in den Kombinationspräparaten, über 8 bis 24 Wochen, in einer Verlängerungsphase bis 96 Wochen
- Verträglichkeit
- In den vorliegenden Studien nach Angabe der Autorinnen und Autoren gut vertragen, keine schweren Nebenwirkungen berichtet. Die äußerliche Anwendung des frischen Blatts verursacht durch die namensgebenden Brennhaare ein vorübergehendes Brennen und Nesselausschlag auf der Haut
Was diesem Stoff zugesprochen wird
Was die Studien hergeben.
Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.
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01
IPSS-Symptomscore und mehrere Blutwerte bei Männern mit Beschwerden der unteren Harnwege unter Brennnesselwurzel-Extrakt allein, Effektstärken ohne ausdrücklichen Gruppenvergleich für den Symptomscore
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In einer kleinen Studie über zwölf Wochen eine als mittel bezeichnete Effektstärke beim Symptomscore, ohne Zahlenwert im Abstract und ohne dass der Vergleich zur Kontrollgruppe dort ausdrücklich für diesen Wert gezogen wird.
Ausführlicher Nachweis
In einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Studie erhielten 60 Männer mit Beschwerden der unteren Harnwege 12 Wochen lang täglich entweder 450 mg Brennnesselwurzel-Extrakt oder Placebo, 30 Personen je Gruppe [1]. Primärer Endpunkt war die Veränderung des IPSS-Fragebogens gegenüber dem Ausgangswert [1]. Das Abstract beschreibt für den Extrakt einen mittleren Effekt auf den IPSS, einen kleinen Effekt auf das Entzündungseiweiß hs-CRP sowie einen mittleren bis großen Effekt auf den Oxidationsmarker Malondialdehyd und einen mittleren Effekt auf die Aktivität der Superoxiddismutase, jeweils als Effektgröße gegenüber der Placebogruppe, was das Abstract für diese vier Werte allerdings nicht in eigenen Worten sagt, sondern erst im darauf folgenden Satz und dort nur noch für die übrigen Werte ausdrücklich macht [1]. Für alle übrigen erhobenen Werte wird der Unterschied zur Placebogruppe als insgesamt gering und nicht signifikant beschrieben [1]. Exakte Zahlenwerte, p-Werte oder Konfidenzintervalle für die einzelnen Endpunkte nennt das Abstract zu keinem dieser Werte, es benennt die Effekte allein als klein, mittel oder mittel bis groß, und ein freier Volltext liegt uns nicht vor. Keine schweren Nebenwirkungen berichtet. Zu Förderung und Interessenlage der Autorinnen und Autoren liegt uns keine Angabe vor.
Quellen: 1
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02
IPSS-Symptomscore beim Wasserlassen bei Männern mit Beschwerden der unteren Harnwege unter einem Kombinationspräparat aus Sägepalme und Brennnesselwurzel, gegenüber Placebo über 24 Wochen
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In einer Studie an 257 Männern über 24 Wochen dem Placebo überlegen bei Beschwerden und Lebensqualität, ohne genaue Zahlenwerte im Abstract. Geprüft wurde eine Kombination, kein Beleg für Brennnessel allein.
Ausführlicher Nachweis
In einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten multizentrischen Studie erhielten 257 ältere Männer mit Beschwerden der unteren Harnwege 24 Wochen lang täglich ein Kombinationspräparat aus 160 mg Sägepalmen-Fruchtextrakt und 120 mg Brennnesselwurzel-Extrakt, Präparatname Prostagutt forte, oder Placebo, 129 gegenüber 128 Teilnehmer [2]. Das Kombinationspräparat war dem Placebo bei der Linderung der im IPSS erfassten Beschwerden überlegen, mit Verbesserung sowohl der obstruktiven als auch der reizbedingten Symptome, auch bei Teilnehmern mit mittelschweren und schweren Ausgangsbeschwerden [2]. Eine eigene Auswertung derselben doppelblinden Studie fand für die reizbedingten Symptome Miktionshäufigkeit und Harndrang sowie für die Lebensqualität einen statistisch gesicherten Unterschied gegenüber Placebo bereits nach wenigen Wochen [3]. Exakte Punktzahlen, Prozentwerte oder Konfidenzintervalle für den Gruppenunterschied nennen uns beide Abstracts nicht, beide liegen uns nur als Abstract vor. Welchen Beitrag der Brennnesselanteil gegenüber dem Sägepalmenanteil an diesem Ergebnis hat, lässt sich aus einer fixen Kombination nicht heraustrennen. Eine Erklärung zu Förderung und Interessenlage steht in keinem der beiden Abstracts, die Herstellernähe dieser Studienreihe ist aber belegbar. Das geprüfte Präparat heißt PRO 160/120 und besteht nach dem Abstract der Verlängerungsphase aus dem Sägepalmen-Fruchtextrakt WS 1473 und dem Brennnesselwurzel-Extrakt WS 1031 [4]. Das Kürzel WS ist die Extraktkennung von Dr. Willmar Schwabe Arzneimittel, dem Hersteller von Prostagutt forte. Zwei Mitautoren dieser Reihe, Schläfke S und Funk P, zeichnen auch weitere Arbeiten zu demselben Präparat, und für Funk P ist die Anstellung bei Dr. Willmar Schwabe in der Interessenerklärung von PMID 33995094 ausdrücklich vermerkt. Die placebokontrollierten Prostatabefunde stammen damit aus einer herstellernahen Studienreihe ohne eigene Interessenerklärung.
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03
Harnfluss und Restharnmenge unter demselben Kombinationspräparat aus Sägepalme und Brennnesselwurzel, Werte aus einer Vorher-Nachher-Auswertung über 96 Wochen größtenteils ohne Placebogruppe
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Die verbreitet zitierten Prozentwerte über 96 Wochen sind Veränderungen gegenüber dem eigenen Ausgangswert in einer offenen Verlängerungsphase ohne Placebogruppe, kein Unterschied zu einer gleichzeitig behandelten Kontrollgruppe.
Ausführlicher Nachweis
Dieselben 257 Teilnehmer der oben beschriebenen doppelblinden Studie wurden anschließend in eine offene Verlängerungsphase übernommen, in der zunächst 24 Wochen lang beide vormaligen Gruppen und danach weitere 48 Wochen lang alle verbliebenen 219 Teilnehmer ohne Placebogruppe das Kombinationspräparat erhielten [4]. Zwischen dem ursprünglichen Studienbeginn und Woche 96 sank der IPSS-Gesamtscore um 53 Prozent, p kleiner 0,001, der maximale und der durchschnittliche Harnfluss stiegen um 19 Prozent, p kleiner 0,001, und die Restharnmenge sank um 44 Prozent, p gleich 0,03 [4]. Diese drei Werte sind Vorher-Nachher-Veränderungen über einen Zeitraum, der zu großen Teilen ohne Placebogruppe verlief, sie sind kein Unterschied zu einer gleichzeitig behandelten Kontrollgruppe und dürfen nicht mit den oben unter den Quellen [2] und [3] berichteten placebokontrollierten Befunden gleichgesetzt werden. Nebenwirkungen traten in diesem Zeitraum an einem von 1181 Behandlungstagen auf [4]. Die Quellen [2], [3] und [4] beschreiben denselben Teilnehmerkreis derselben Studienreihe zu verschiedenen Zeitpunkten und sind kein Bestand von drei unabhängigen Studien.
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04
Harnfluss, Restharnmenge und nächtliches Wasserlassen bei Männern mit Beschwerden der unteren Harnwege unter einem Kombinationspräparat aus Brennnesselwurzel und Pygeum-Rindenextrakt, ohne Unterschied zwischen zwei Dosisstärken und ohne Placebogruppe
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In beiden Dosisgruppen Besserung gegenüber dem eigenen Ausgangswert, ohne Unterschied zwischen halber und voller Dosis. Diese Studie prüfte keine Placebogruppe.
Ausführlicher Nachweis
In einer randomisierten, doppelblinden Vergleichsstudie ohne Placebogruppe erhielten 134 Männer mit Beschwerden der unteren Harnwege im Alter von 53 bis 84 Jahren acht Wochen lang entweder die volle Dosis eines Kombinationspräparats aus 300 mg Brennnesselwurzel-Extrakt und 25 mg Pygeum-Rindenextrakt oder die halbe Dosis derselben Kombination, jeweils zweimal täglich [5]. Nach 28 Tagen waren Harnfluss, Restharnmenge und nächtliches Wasserlassen in beiden Dosisgruppen gegenüber dem eigenen Ausgangswert gesunken, nach 56 Tagen zeigte sich in der Gruppe mit der halben Dosis eine weitere Abnahme der Restharnmenge und in beiden Gruppen eine weitere Abnahme des nächtlichen Wasserlassens [5]. Zwischen den beiden Dosisgruppen bestand zu keinem Zeitpunkt ein Unterschied [5]. Diese Studie prüfte keine Placebogruppe, alle berichteten Verbesserungen sind Vorher-Nachher-Werte innerhalb behandelter Gruppen, ein Placebo- oder Zeiteffekt lässt sich davon nicht trennen. Fünf Teilnehmer berichteten Nebenwirkungen, bei keinem wurde die Behandlung deswegen abgebrochen. Geprüft wurde eine Kombination mit Pygeum-Rindenextrakt und keine alleinige Brennnesselgabe.
Quellen: 5
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05
Nüchtern- und postprandialer Blutzucker sowie Langzeitzucker HbA1c bei Menschen mit hohem, medikamentös behandeltem Blutzucker und zusätzlichem Insulinbedarf unter Brennnesselblatt-Extrakt als Zusatz zur bestehenden Medikation, gegenüber Placebo
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Als Zusatz zur bestehenden Medikation senkte der Extrakt bei 92 Personen über drei Monate Nüchternblutzucker und Langzeitzucker signifikant gegenüber Placebo, ohne genaue Zahlenwerte im Abstract.
Ausführlicher Nachweis
In einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Studie erhielten 92 Menschen mit medikamentös behandeltem, fortgeschrittenem Typ-2-Diabetes zusätzlich zu ihrer bestehenden Medikation drei Monate lang alle acht Stunden eine 500-mg-Kapsel Brennnesselblatt-Extrakt oder Placebo, 46 Personen je Gruppe [6]. Gegenüber Placebo senkte der Extrakt am Studienende den Nüchternblutzucker, den Blutzucker zwei Stunden nach einer Mahlzeit und das langfristige Blutzuckermaß HbA1c signifikant, p kleiner 0,001, p gleich 0,009 und p gleich 0,006 [6]. Kreatinin, die Leberwerte SGOT und SGPT sowie der Blutdruck unterschieden sich nicht signifikant von Placebo, p größer 0,05 [6]. Exakte Punktschätzer mit Konfidenzintervall nennt uns das Abstract nicht, ein freier Volltext liegt uns nicht vor. Geprüft wurde Brennnesselblatt-Extrakt als Zusatz zu einer bestehenden blutzuckersenkenden Medikation und keine alleinige Einnahme ohne Medikation.
Quellen: 6
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06
Schmerz und Handfunktion am Daumensattel- oder Zeigefingergrundgelenk bei Verschleiß des Gelenkknorpels, unter äußerlich aufgetragenem frischem Brennnesselblatt gegenüber einer nicht brennenden Blattart
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Bei 27 Personen nach einer Woche größerer Rückgang von Schmerz und Behinderung als mit dem Placebo-Blatt. Geprüft wurde das äußerlich aufgetragene frische Blatt, keine Kapsel.
Ausführlicher Nachweis
In einer randomisierten, doppelblinden Cross-over-Studie trugen 27 Personen mit Verschleiß des Gelenkknorpels am Daumensattel- oder Zeigefingergrundgelenk eine Woche lang täglich ein frisches Blatt der Brennnessel Urtica dioica äußerlich auf die schmerzende Stelle auf [7]. Nach einer fünfwöchigen Auswaschphase wiederholten dieselben Personen das Vorgehen eine weitere Woche lang mit dem Blatt der nicht brennenden Purpurroten Taubnessel, Lamium album, als Placebo [7]. Nach der Brennnesselwoche war die Verringerung sowohl des Schmerz-Scores auf der visuellen Analogskala als auch des Behinderungs-Scores im Gesundheitsfragebogen signifikant größer als nach der Placebowoche, p gleich 0,026 und p gleich 0,0027 [7]. Ein Effektmaß mit Konfidenzintervall nennt uns das Abstract nicht. Geprüft wurde das äußerlich aufgetragene frische Brennnesselblatt mit seiner brennenden, hautreizenden Wirkung, keine oral eingenommene Zubereitung wie ein Trockenextrakt in Kapselform.
Quellen: 7
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07
Niesreiz und Fließschnupfen bei saisonalen Pollenbeschwerden unter gefriergetrocknetem Brennnesselblatt, im Symptomtagebuch nur schwach höher bewertet als Placebo
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Bei 98 Personen in der Gesamtbeurteilung höher bewertet als Placebo, im täglichen Symptomtagebuch nach eigener Angabe der Autoren nur gering. Genaue Zahlenwerte fehlen im Abstract.
Ausführlicher Nachweis
In einer randomisierten, doppelblinden Studie verglichen 98 Personen mit saisonalen Pollenbeschwerden ein gefriergetrocknetes Brennnesselblatt-Präparat mit Placebo, 69 Personen schlossen die Studie ab [8]. In der abschließenden Gesamtbeurteilung wurde die Brennnessel höher bewertet als Placebo, beim Vergleich der täglich geführten Symptomtagebücher fiel der Vorteil der Brennnessel nach Angabe der Autoren nur gering aus [8]. Exakte Zahlenwerte, p-Werte oder ein Konfidenzintervall nennt uns das Abstract nicht, weder für die Gesamtbeurteilung noch für die Tagebuchdaten. Angesichts dieser vagen Angaben ist der Befund als schwach einzustufen und nicht mit einer starken Wirkung zu verwechseln.
Quellen: 8
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08
Nüchternblutzucker, Langzeitzucker HbA1c und Blutfette bei Menschen mit hohem, medikamentös behandeltem Blutzucker unter Mehrkräuterrezepturen mit Brennnessel als einem von mehreren Bestandteilen
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In zwei Studien mit sieben beziehungsweise drei Pflanzen sanken Blutzucker- und teils Blutfettwerte gegenüber Placebo. Brennnessel war jeweils nur eine von mehreren Zutaten, ihr eigener Beitrag lässt sich nicht heraustrennen.
Ausführlicher Nachweis
In einer randomisierten, plazebokontrollierten Studie erhielten 150 Menschen mit Typ-2-Diabetes unter bestehender medikamentöser Behandlung drei Monate lang täglich entweder eine Kombination aus sieben Pflanzen, darunter Brennnessel, oder Placebo oder Metformin [9]. Gegenüber Placebo sanken Nüchternblutzucker und HbA1c in der Kräutergruppe signifikant, um 20 beziehungsweise 12 Prozent gegenüber Placebo und um 25 beziehungsweise 15 Prozent gegenüber dem eigenen Ausgangswert, p gleich 0,001 für den Vergleich mit Placebo bei beiden Werten [9]. In einer zweiten randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Studie erhielten 60 Menschen mit Typ-2-Diabetes 90 Tage lang täglich eine Kombination aus drei Pflanzen, darunter Brennnesselblatt, oder Placebo, mit signifikant niedrigerem Nüchternblutzucker, HbA1c und Triglyzeriden gegenüber Placebo, jedoch ohne Unterschied bei Cholesterin oder Blutdruck [10]. Beide Präparate enthalten Brennnessel als eines von mehreren Bestandteilen, ein eigener Beitrag der Brennnessel an diesen Befunden lässt sich aus dem Studiendesign nicht heraustrennen. Exakte Konfidenzintervalle nennen uns beide Abstracts nicht.
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09
Bindung an das Sexualhormon-bindende Globulin und dessen Rezeptor auf Prostatagewebe in Laborversuchen mit menschlichem Eiweiß und Gewebe
Nur Labor und TierEinordnung und Einschränkungen
Nur Laborversuche mit isoliertem menschlichem Eiweiß und Prostatagewebe außerhalb des Körpers, keine Untersuchung an lebenden Menschen.
Ausführlicher Nachweis
In Laborversuchen mit gereinigtem menschlichem Sexualhormon-bindendem Globulin, SHBG, banden aus der Wurzel von Urtica dioica isolierte Lignane, darunter Secoisolariciresinol, an dieses Bindungsprotein [11]. In einem weiteren Laborversuch beeinflussten Extrakte aus der Brennnesselwurzel die Bindung von SHBG an seinen Rezeptor auf menschlichem Prostatagewebe, das im Rahmen von Operationen gewonnen worden war [12]. Beide Versuche fanden ausschließlich im Reagenzglas mit isoliertem menschlichem Eiweiß beziehungsweise Gewebe statt, keine Untersuchung an lebenden Menschen. Ob diese Laborbefunde eine Wirkung auf den Testosteron- oder SHBG-Spiegel lebender Menschen erklären, ist damit nicht gezeigt.
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10
Haarwachstum bei erblich bedingtem Haarausfall
Keine Studien gefundenEinordnung und Einschränkungen
Wir haben gezielt gesucht und keine Humanstudie zu Brennnesselextrakt und Haarwachstum gefunden, nur eine Übersichtsarbeit, eine Computersimulation und einen Zellversuch.
Ausführlicher Nachweis
Eine gezielte Suche zu Urtica dioica und Haarwachstum ergab drei Treffer, eine Übersichtsarbeit zu pflanzlichen Wirkstoffen gegen Haarausfall, eine rein computergestützte Modellrechnung zu möglichen Hemmstoffen des Enzyms 5-alpha-Reduktase sowie einen Zellversuch, der einen Kombinationsextrakt mit mehreren Pflanzen und thrombozytenreichem Plasma an Haarwurzelzellen in der Kulturschale prüfte. Eine placebokontrollierte Studie zur tatsächlichen Einnahme oder Anwendung von Brennnesselextrakt bei Menschen mit Haarausfall haben wir nicht gefunden, obwohl dies eine verbreitete Zuschreibung ist. Gesucht mit den PubMed-Suchbegriffen Urtica dioica und hair growth, drei Treffer, keiner davon eine Humanstudie zur Einnahme oder Anwendung.
Studien im Detail
Beschwerden der unteren Harnwege bei Männern
Karami und Kollegen prüften 2020 in einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Studie an 60 Männern Brennnesselwurzel-Extrakt allein, ohne weitere Pflanze. Nach 12 Wochen zeigte sich gegenüber Placebo ein mittlerer Effekt auf den IPSS-Symptomscore sowie auf mehrere Entzündungs- und Oxidationsmarker im Blut. Genaue Zahlenwerte, p-Werte oder Konfidenzintervalle nennt das Abstract nicht, ein freier Volltext liegt nicht vor.
Die meisten übrigen placebokontrollierten Daten zur Brennnesselwurzel betreffen eine einzige, mehrfach veröffentlichte Studienreihe von Lopatkin und Kollegen [2, 4] sowie Popa und Kollegen [3] an 257 Männern mit einer fixen Kombination aus Sägepalme und Brennnesselwurzel. In der ursprünglichen 24-wöchigen doppelblinden Phase war die Kombination dem Placebo bei den IPSS-Beschwerden sowie bei den reizbedingten Symptomen Miktionshäufigkeit und Harndrang überlegen. In einer anschließenden offenen Verlängerungsphase ohne durchgängige Placebogruppe wird häufig ein Rückgang des IPSS um 53 Prozent sowie ein Anstieg des Harnflusses um 19 Prozent über 96 Wochen zitiert. Diese Werte sind Vorher-Nachher-Veränderungen aus der offenen Phase und kein Beleg für einen Unterschied zu einer gleichzeitig behandelten Kontrollgruppe.
Eine ältere Studie von Krzeski und Kollegen aus dem Jahr 1993 prüfte eine Kombination aus Brennnesselwurzel und Pygeum-Rindenextrakt in zwei Dosisstärken, jedoch ohne Placebogruppe. Beide Dosen zeigten eine Besserung gegenüber dem eigenen Ausgangswert, ohne Unterschied zwischen den Dosen. Ein Placebo- oder Zeiteffekt lässt sich von diesem Design nicht abgrenzen.
Einordnung, für Brennnesselwurzel allein liegt eine kleine, placebokontrollierte Studie ohne Zahlenangaben im Abstract vor. Die belastbareren placebokontrollierten Befunde stammen aus einer Kombination mit Sägepalme, ein eigener Beitrag der Brennnessel lässt sich aus einer fixen Kombination nicht heraustrennen.
Blutzucker bei medikamentös behandeltem, erhöhtem Blutzucker
Kianbakht und Kollegen zeigten 2013 in einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Studie an 92 Menschen mit fortgeschrittenem Typ-2-Diabetes, dass Brennnesselblatt-Extrakt als Zusatz zur bestehenden Medikation den Nüchternblutzucker, den Blutzucker nach einer Mahlzeit und den Langzeitwert HbA1c gegenüber Placebo signifikant senkte. Blutdruck, Kreatinin und Leberwerte veränderten sich nicht.
Zwei weitere Studien prüften Brennnessel als einen von mehreren Bestandteilen einer Mehrkräuterrezeptur, einmal mit sieben und einmal mit drei Pflanzen. Beide fanden gegenüber Placebo günstigere Blutzuckerwerte, ein eigener Beitrag der Brennnessel lässt sich aus diesen Kombinationen nicht herauslesen.
Gelenkbeschwerden und Pollenbeschwerden
Randall und Kollegen zeigten im Jahr 2000 in einer kleinen Cross-over-Studie an 27 Personen mit Verschleiß des Gelenkknorpels am Daumensattelgelenk, dass das äußerliche Auftragen eines frischen, brennenden Brennnesselblatts Schmerz und Handfunktion stärker verbesserte als das Auftragen eines nicht brennenden Vergleichsblatts. Diese Anwendungsform unterscheidet sich grundlegend von einem oral eingenommenen Trockenextrakt.
Mittman prüfte 1990 ein gefriergetrocknetes Brennnesselblatt-Präparat bei Pollenbeschwerden. Die Gesamtbeurteilung fiel zugunsten der Brennnessel aus, in den Symptomtagebüchern beschreibt der Autor den Unterschied selbst als gering, ohne Zahlenangaben im Abstract.
Tier- und Laborstudien
Zur Bindung an das Sexualhormon-bindende Globulin, SHBG, liegen ausschließlich Laborversuche mit isoliertem menschlichem Eiweiß und Gewebe vor. Aus der Brennnesselwurzel isolierte Lignane binden in solchen Versuchen an gereinigtes SHBG, und Wurzelextrakte beeinflussen im Reagenzglas die Bindung von SHBG an seinen Rezeptor auf menschlichem Prostatagewebe. Diese Befunde erklären einen möglichen Wirkmechanismus, sie zeigen aber keine Wirkung an lebenden Menschen.
Mehrkräuterrezepturen und die Frage nach dem eigenen Beitrag der Brennnessel
Mit Ausnahme der Studien zu Brennnesselwurzel allein bei Beschwerden der unteren Harnwege und zu Brennnesselblatt allein beim Blutzucker ist Brennnessel in der hier zusammengetragenen Studienlage praktisch immer Teil einer Kombination, mit Sägepalme, mit Pygeum-Rindenextrakt oder mit bis zu sechs weiteren Pflanzen in traditionellen Vielkräuterrezepturen. In keiner dieser Kombinationsstudien lässt sich der Beitrag der Brennnessel von dem der anderen Bestandteile trennen. Wer Brennnessel wegen einer in einer Kombinationsstudie berichteten Wirkung einnimmt, nimmt eine Wirkung des Gesamtpräparats zur Kenntnis, nicht der Brennnessel allein.
Sicherheit und Wechselwirkungen
In den vorliegenden Studien wurde die orale Einnahme von Brennnesselwurzel- und Brennnesselblatt-Extrakt nach Angabe der Autorinnen und Autoren gut vertragen, schwere Nebenwirkungen wurden nicht berichtet.
Da Brennnesselblatt-Extrakt in einer Studie den Blutzucker gegenüber Placebo signifikant senkte, ist bei gleichzeitiger Einnahme blutzuckersenkender Medikamente eine ärztliche Rücksprache und eine engmaschigere Blutzuckerkontrolle sinnvoll, wegen des Risikos einer Unterzuckerung.
Die äußerliche Anwendung des frischen Blatts verursacht durch die Brennhaare ein absichtlich herbeigeführtes, vorübergehendes Brennen und Nesselausschlag auf der Haut, dies ist bei einem oral eingenommenen Trockenextrakt in Kapselform nicht zu erwarten.
Zu Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten liegt uns keine eigene geprüfte Humanstudie vor. Zu Schwangerschaft und Stillzeit liegt uns keine eigene geprüfte Quelle vor, traditionell wird von einer Einnahme der Wurzel in dieser Zeit abgeraten, eine ärztliche Rücksprache vor der Einnahme ist in diesem Fall grundsätzlich sinnvoll.
Quellen zum Nachlesen
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01
RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, n gleich 60, 12 Wochen, Brennnesselwurzel-Extrakt allein · 2020
Urtica Dioica Root Extract on Clinical and Biochemical Parameters in Patients with Benign Prostatic Hyperplasia, Randomized Controlled Trial.
Akbar Karami A, Sheikhsoleimani M, Reza Memarzadeh M, Haddadi E, Bakhshpour M, Mohammadi N, Mehdi Mirhashemi S. Pak J Biol Sci
Zur Zuschreibung: 01
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02
RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, n gleich 257 (129 vs 128), 24 Wochen, Kombination mit Sägepalme · 2006
Combined extract of Sabal palm and nettle in the treatment of patients with lower urinary tract symptoms in double blind, placebo-controlled trial.
Lopatkin NA, Sivkov AV, Medvedev AA, Walter K, Schlefke S, Avdeĭchuk IuI, Golubev GV, Mel'nik KP, Elenberger NA, Engelman U. Urologiia
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03
Nachauswertung derselben doppelblinden, plazebokontrollierten Studie wie Quelle 2, Fokus auf reizbedingte Symptome · 2005
Efficacy of a combined Sabal-urtica preparation in the symptomatic treatment of benign prostatic hyperplasia, Results of a placebo-controlled double-blind study.
Popa G, Hägele-Kaddour H, Walther C. MMW Fortschr Med
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04
Offene Verlängerungsphase derselben Studienreihe wie Quelle 2 und 3, n gleich 257 zu Beginn, 219 im Follow-up, bis 96 Wochen, größtenteils ohne Placebogruppe · 2007
Efficacy and safety of a combination of Sabal and Urtica extract in lower urinary tract symptoms, long-term follow-up of a placebo-controlled, double-blind, multicenter trial.
Lopatkin N, Sivkov A, Schläfke S, Funk P, Medvedev A, Engelmann U. Int Urol Nephrol
Zur Zuschreibung: 03
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05
RCT, doppelblind, Dosisvergleich ohne Placebogruppe, n gleich 134, 8 Wochen, Kombination mit Pygeum-Rindenextrakt · 1993
Combined extracts of Urtica dioica and Pygeum africanum in the treatment of benign prostatic hyperplasia, double-blind comparison of two doses.
Krzeski T, Kazón M, Borkowski A, Witeska A, Kuczera J. Clin Ther
Zur Zuschreibung: 04
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06
RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, n gleich 92 (46 vs 46), 3 Monate, Zusatz zu bestehender Medikation · 2013
Improved glycemic control in patients with advanced type 2 diabetes mellitus taking Urtica dioica leaf extract, a randomized double-blind placebo-controlled clinical trial.
Kianbakht S, Khalighi-Sigaroodi F, Dabaghian FH. Clin Lab
Zur Zuschreibung: 05
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- 08
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09
RCT, plazebokontrolliert und aktiv kontrolliert, n gleich 150, 3 Monate, Kombination aus sieben Pflanzen · 2021
Efficacy and Safety of a Traditional Herbal Combination in Patients with Type II Diabetes Mellitus, A Randomized Controlled Trial.
Mehrzadi S, Mirzaei R, Heydari M, Sasani M, Yaqoobvand B, Huseini HF. J Diet Suppl
Zur Zuschreibung: 08
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10
RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, n gleich 60, 90 Tage, Kombination aus drei Pflanzen · 2017
Silymarin, Olibanum, and Nettle, A Mixed Herbal Formulation in the Treatment of Type II Diabetes, A Randomized, Double-Blind, Placebo-Controlled, Clinical Trial.
Khalili N, Fereydoonzadeh R, Mohtashami R, Mehrzadi S, Heydari M, Huseini HF. J Evid Based Complementary Altern Med
Zur Zuschreibung: 08
- 11
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12
Laborstudie, In-vitro-Versuch mit menschlichem Prostatagewebe aus Operationen · 1995
The effect of extracts of the roots of the stinging nettle (Urtica dioica) on the interaction of SHBG with its receptor on human prostatic membranes.
Hryb DJ, Khan MS, Romas NA, Rosner W. Planta Med
Zur Zuschreibung: 09
Bei H.P.N
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