Cayennepfeffer-Extrakt

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Pflanzenextrakte

Capsicum annuum · Cayenne-Pfeffer-Extrakt · Capsicum-annuum-Extrakt · Chiliextrakt · Capsaicin-Extrakt

H.P.N · Datenstand 2026-09-08 · 11 Zuschreibungen im Überblick

Auf einen Blick

Was es ist
Extrakt aus den Früchten der Cayennepfeffer-Pflanze, in aller Regel auf seinen Gehalt an Capsaicin und den verwandten Capsaicinoiden eingestellt, dem Stoff, der für die Schärfe verantwortlich ist und dem die meisten Wirkungen zugeschrieben werden
Herkunft
Botanisch meist der Art Capsicum annuum zugeordnet, in Teilen der älteren Literatur auch Capsicum frutescens genannt, eine scharfe Chilisorte aus der Familie der Nachtschattengewächse. Die getrockneten und gemahlenen Früchte dienen als Gewürz, als Extrakt für Nahrungsergänzung oder als Rohstoff für Cremes und Pflaster
Wirkform in Studien
Uneinheitlich und in vielen Arbeiten nicht durchgängig auf den Milligramm Capsaicin genau angegeben. Untersucht wurden gereinigtes Capsaicin in Kapseln, standardisierte Chili- oder Cayenne-Extrakte, rohes Chilipulver zum Einnehmen sowie, als völlig eigene Anwendung, Cremes und ein Hochkonzentrat-Pflaster zur äußerlichen Anwendung auf der Haut
Übliche Studiendosis
Zum Einnehmen von unter 1 mg bis über 30 mg Capsaicin pro Tag in Einzeldosis- oder mehrwöchigen Studien, teils als Chilipulver mit mehreren Gramm Gewicht statt als reines Capsaicin angegeben. Äußerlich als niedrig dosierte Creme mit schätzungsweise 0,025 bis 0,075 Prozent Capsaicin oder als einmalig angewendetes Hochkonzentrat-Pflaster mit 8 Prozent Capsaicin, einer etwa 100-fach höheren Konzentration als in gängigen Cremes
Bekannt geworden durch
Die traditionelle Verwendung scharfer Chilis in der Küche Mittel- und Südamerikas. Reines Capsaicin wird daneben seit Jahrzehnten als pharmakologisches Werkzeug zur gezielten Reizung von Schmerzfasern in der Forschung eingesetzt, woraus auch die äußerlichen Schmerzpräparate entstanden sind
Verträglichkeit
Zum Einnehmen bei den meisten Menschen in den untersuchten Mengen verträglich, mit Sodbrennen und Verdauungsbeschwerden als häufigster Nebenwirkung, besonders bei Menschen mit einer empfindlichen Verdauung. Äußerlich verursacht bereits die niedrig dosierte Creme bei einem großen Teil der Anwender ein vorübergehendes Hautbrennen, siehe Sicherheit

Was diesem Stoff zugesprochen wird

Was die Studien hergeben.

Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.

  1. 01

    Energieverbrauch in Ruhe nach akuter Einnahme, in der Meta-Analyse ein Unterschied zu Placebo nur in den am höchsten dosierten Studien, in einer späteren Einzelstudie an jungen Menschen mit starkem Übergewicht auch bei 2 Milligramm

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    In einer Meta-Analyse zahlreicher Kurzzeitstudien stieg der Energieverbrauch nur bei den am höchsten dosierten Studien gegenüber Placebo, insgesamt und bei niedriger oder mittlerer Menge nicht.

    Ausführlicher Nachweis

    Eine 2012 veröffentlichte kritische Übersichts- und Meta-Analyse wertete die vorliegenden Kurzzeitstudien zu Capsaicin und dem verwandten, nicht scharfen Capsiat bei Menschen aus [1]. Über alle eingeschlossenen Studien zu reinem Capsaicin ergab sich für den Energieverbrauch kein Gesamteffekt gegenüber Placebo (standardisierte Mittelwertdifferenz SMD gleich 0,11, 95-Prozent-Intervall minus 0,06 bis 0,29) [1]. Nach Dosis getrennt zeigte sich bei niedriger Menge kein Effekt (SMD gleich 0,10, Intervall minus 0,17 bis 0,37) und bei mittlerer Menge ebenfalls nicht (SMD gleich 0,02, Intervall minus 0,23 bis 0,27), während bei der höchsten geprüften Dosisstufe ein Anstieg bestand (SMD gleich 0,56, Intervall 0,06 bis 1,05) [1]. Die in die höchste Dosisstufe eingehenden Einzelstudien nutzten unter anderem eine mehrwöchige tägliche Chili-Menge mit rund 33 mg Capsaicin pro Tag sowie eine akute Einzelgabe von 150 mg Capsaicin vor Belastung [1]. Am unteren Ende reichten die geprüften akuten Einzeldosen bis unter 1 mg Capsaicin pro Mahlzeit, etwa 0,375 mg in einer der eingeschlossenen Arbeiten [1]. Die Heterogenität zwischen den Studien war für keine der Dosisstufen statistisch auffällig, die Autoren werten das als zulässig für eine gemeinsame Auswertung je Dosisstufe [1]. Die Übersichtsarbeit selbst zieht den zurückhaltenden Schluss, die Größenordnung der Wirkung sei klein. Eine gesonderte akute Studie an 15 Personen in einer 25-Prozent-negativen Energiebilanz fand bei 2,56 mg Capsaicin pro Mahlzeit ebenfalls keinen eigenständigen Anstieg des Energieverbrauchs gegenüber der unbehandelten Kontrollbedingung bei voller Kalorienzufuhr, sondern lediglich ein Ausbleiben des sonst in der Kontrollgruppe beobachteten Abfalls unter Kalorienrestriktion [5]. Eine spätere, nicht in dieser Meta-Analyse enthaltene Studie an 10 jungen Erwachsenen mit einem Body-Mass-Index von im Mittel 41,5 kg/m2 fand dagegen bereits bei 2 mg Capsaicin einen Unterschied zu Placebo, der Anstieg des Ruheenergieumsatzes von vor auf nach der Mahlzeit betrug unter Capsaicin 385,1 Kilokalorien pro Tag gegenüber 235,9 unter Placebo (p kleiner 0,05) [6]. Diese Studie ist klein, prüft eine einzelne Gabe und eine eigene Personengruppe, sie steht dem Dosisbild der Meta-Analyse aber entgegen. Keine der eingeschlossenen Studien prüfte eine tägliche Einnahme über mehr als wenige Wochen.

    Quellen: 1, 5, 6

  2. 02

    Fettoxidation nach akuter Einnahme, ab mittlerer Dosis höher als unter Placebo

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    In derselben Meta-Analyse stieg die Fettverbrennung ab mittlerer Dosis gegenüber Placebo, bei niedriger Dosis nicht.

    Ausführlicher Nachweis

    In derselben Meta-Analyse von 2012 stieg die Fettoxidation über alle Dosisstufen von Capsaicin zusammengenommen gegenüber Placebo (SMD gleich minus 0,35, 95-Prozent-Intervall minus 0,54 bis minus 0,15) [1]. Nach Dosis getrennt bestand der Effekt bei mittlerer Menge (SMD gleich minus 0,53, Intervall minus 0,88 bis minus 0,17) und bei hoher Menge (SMD gleich minus 0,58, Intervall minus 1,02 bis minus 0,15), nicht dagegen bei niedriger Menge (SMD gleich minus 0,13, Intervall minus 0,42 bis 0,15) [1]. Eine negative SMD steht in dieser Auswertung für einen niedrigeren respiratorischen Quotienten und damit für einen höheren Anteil an Fett an der Energiegewinnung [1]. Eine gesonderte akute Cross-over-Studie an 15 Personen fand bei 2,56 mg Capsaicin pro Mahlzeit unter einer 25-Prozent-Kalorienrestriktion eine höhere Fettoxidation als in der entsprechenden Kontrollbedingung ohne Capsaicin [5]. Eine weitere kleine Cross-over-Studie an 11 Männern fand nach einer akuten Einzelgabe von 500 mg Cayennepfeffer (laut Arbeit selbst 1,25 mg Capsaicin) weder in Ruhe noch nach mäßig intensiver Belastung einen Unterschied zu Placebo bei Energieverbrauch oder Fettoxidation, bei einer im Vergleich zu den wirksamen Dosisstufen der Meta-Analyse niedrigen Capsaicin-Menge [15]. Alle Angaben betreffen einzelne akute Gaben, keine der Arbeiten prüfte eine mehrwöchige tägliche Einnahme auf diesen Endpunkt.

    Quellen: 1, 5, 15

  3. 03

    Nahrungsaufnahme bei der unmittelbar folgenden Mahlzeit, im Mittel etwas geringer, ohne Effekt bei jungen Menschen mit starkem Übergewicht

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine Meta-Analyse fand im Schnitt eine um rund 74 Kilokalorien geringere Aufnahme bei der nächsten Mahlzeit, bei hoher Streuung zwischen den Studien. In einer eigenen Studie an jungen stark übergewichtigen Menschen blieb Hunger, Sättigung und Nahrungsaufnahme unverändert.

    Ausführlicher Nachweis

    Eine 2014 veröffentlichte Meta-Analyse von acht auswertbaren, insgesamt 191 Teilnehmende umfassenden Studien fand, dass eine vor einer Mahlzeit verzehrte Menge an Capsaicinoiden die anschließende Aufnahme bei freier Auswahl im Mittel um 309,9 kJ beziehungsweise 74,0 kcal senkte (p kleiner 0,001) [2]. Die Heterogenität zwischen den Studien war hoch (I-Quadrat gleich 75,7 Prozent), die Autoren selbst mahnen deshalb zur Vorsicht bei der Interpretation [2]. Als Mindestmenge für einen Effekt nennen sie rund 2 mg Capsaicinoide, mit einem vermuteten Mechanismus über eine veränderte Vorliebe für kohlenhydratreiche gegenüber fettreichen Speisen [2]. In einer eigenen, in die Meta-Analyse nicht eingegangenen Studie an 10 jungen Erwachsenen mit einem Body-Mass-Index von im Mittel 41,5 kg/m2 veränderte eine akute Einzeldosis von 2 mg Capsaicin gegenüber Placebo weder die anschließende Nahrungsaufnahme bei einem frei verzehrbaren Abendessen noch Hunger- oder Sättigungsgefühl, und auch die Blutspiegel der appetitregulierenden Botenstoffe Ghrelin, GLP-1 und PYY blieben unverändert [6]. Die Autoren dieser Studie stellen ausdrücklich fest, dass sich der bei Normal- und leicht Übergewichtigen berichtete appetitdämpfende Effekt bei jungen Menschen mit starkem Übergewicht in ihrer Untersuchung nicht zeigte [6]. Die beiden Arbeiten sprechen damit möglicherweise unterschiedliche Populationen an, ein direkter Widerspruch zwischen gleichem Endpunkt und gleicher Population liegt nicht vor.

    Quellen: 2, 6

  4. 04

    Körpergewicht, Body-Mass-Index und Taillenumfang unter mehrwöchiger Einnahme bei Übergewicht

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine Meta-Analyse von 15 Studien fand gegenüber Placebo einen geringeren Body-Mass-Index, ein geringeres Körpergewicht und einen geringeren Taillenumfang, die Autoren selbst nennen die Größenordnung bescheiden.

    Ausführlicher Nachweis

    Eine 2023 veröffentlichte Meta-Analyse von 15 randomisierten, plazebokontrollierten Studien mit zusammen 762 Teilnehmenden fand unter Capsaicin-Einnahme gegenüber Placebo eine gewichtete mittlere Differenz beim Body-Mass-Index von minus 0,25 kg/m2 (95-Prozent-Intervall minus 0,35 bis minus 0,15), beim Körpergewicht von minus 0,51 kg (Intervall minus 0,86 bis minus 0,15) und beim Taillenumfang von minus 1,12 cm (Intervall minus 2,00 bis minus 0,24) [3], was jeweils einem statistisch signifikanten Unterschied zugunsten von Capsaicin entspricht. Beim Verhältnis von Taille zu Hüfte ergab sich kein Unterschied (minus 0,05, Intervall minus 0,17 bis 0,06) [3]. Die Autoren bezeichnen die gefundenen Effekte selbst ausdrücklich als bescheiden. Eine der in solchen Übersichten häufig zitierten Einzelstudien nutzte ein Markenpräparat namens Capsifen mit 4 mg Capsaicinoiden pro Tag über 28 Tage und fand gegenüber Placebo eine Abnahme von Körpergewicht um 2,1 Prozent, des Taille-Hüft-Verhältnisses um 4 Prozent und des Body-Mass-Index um 2,2 Prozent [7]. Die Erstautorin dieser Studie ist laut ihrer im PubMed-Datensatz genannten Affiliation bei Akay Natural Ingredients angestellt, dem Hersteller von Capsifen, eine weitere Affiliation der Arbeit gehört einem von einer Herstellerfirma beauftragten Auftragsforschungsinstitut, ohne dass das PubMed-Feld zur Interessenerklärung einen Konflikt nennt [7]. Diese Einzelstudie wird hier nicht als unabhängiger zusätzlicher Beleg gezählt, sondern als Beispiel für die Studienlage, aus der sich die Meta-Analyse zusammensetzt.

    Quellen: 3, 7

  5. 05

    Blutfette (Triglyceride und Gesamtcholesterin) unter mehrwöchiger Einnahme bei Übergewicht, ohne Unterschied bei LDL- und HDL-Cholesterin

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine Meta-Analyse von 12 Studien fand niedrigere Triglyceride und niedrigeres Gesamtcholesterin gegenüber Placebo, bei LDL und HDL keinen Unterschied.

    Ausführlicher Nachweis

    Eine 2025 veröffentlichte Meta-Analyse von 12 randomisierten, plazebokontrollierten Studien an übergewichtigen oder adipösen Erwachsenen fand unter Capsaicin, verwandten Capsinoiden oder paprikabasierten Zubereitungen gegenüber Placebo eine gewichtete mittlere Differenz bei den Triglyceriden von minus 14,29 mg/dl (95-Prozent-Intervall minus 27,01 bis minus 1,58, p gleich 0,028) und beim Gesamtcholesterin von minus 9,97 mg/dl (Intervall minus 17,41 bis minus 2,52, p gleich 0,009) [4]. Bei LDL- und HDL-Cholesterin ergab sich kein statistisch auffälliger Unterschied [4]. In einer vorab festgelegten Untergruppenanalyse fielen die Effekte bei einer Tagesdosis ab 10 mg, bei einer Einnahmedauer ab 12 Wochen und bei Teilnehmenden mit erhöhten Ausgangswerten stärker aus [4]. Die Autoren erklären, keinen Interessenkonflikt zu haben [4]. Da mehrere der eingeschlossenen Studien auch in der oben genannten Meta-Analyse zu Körpergewicht auftauchen dürften, ist von einem teilweise überlappenden Studienbestand auszugehen und nicht von zwei vollständig unabhängigen Belegreihen.

    Quellen: 4

  6. 06

    Blutdruck nach einer akuten Einzelgabe, in zwei kleinen Studien ohne Unterschied zu Placebo

    Nicht bestätigt
    Einordnung und Einschränkungen

    In zwei kleinen Studien mit 15 und 11 Teilnehmenden veränderte sich der Blutdruck gegenüber Placebo oder Kontrollbedingung nicht messbar. Ein Effektmaß mit Intervall nennt keine der beiden Arbeiten, das Ausbleiben ist deshalb nicht beziffert.

    Ausführlicher Nachweis

    In der oben beschriebenen akuten Cross-over-Studie an 15 Personen in negativer Energiebilanz wurden systolischer und diastolischer Blutdruck vor jeder der vier Bedingungen gemessen und verglichen. Der Fließtext berichtet, der Blutdruck habe sich zwischen den vier Bedingungen nicht unterschieden, ohne im Fließtext selbst Zahlenwerte oder ein Konfidenzintervall zu diesem Vergleich zu nennen, die Einzelwerte stehen ausschließlich in einer Tabelle [5]. In der Studie an 11 Männern mit einer akuten Einzelgabe von 500 mg Cayennepfeffer (1,25 mg Capsaicin) fand sich ebenfalls kein Unterschied zu Placebo oder Evodiamin bei Blutdruck, Herzfrequenz oder Körperkerntemperatur, weder in Ruhe noch nach Belastung, bei einem berichteten Haupteffekt der Testbedingung selbst (also von Ruhe zu Belastung), aber keiner Wechselwirkung mit der Supplementierung [15]. In beiden Arbeiten wurde der Blutdruck ausdrücklich gegen Placebo oder Kontrollbedingung geprüft und ein Unterschied nicht gefunden. Ein Effektmaß mit Konfidenzintervall berichtet keine von beiden, und mit 15 beziehungsweise 11 Teilnehmenden sind beide klein, wie eng das Ausbleiben eingegrenzt ist, lässt sich deshalb nicht beziffern. Das bleibt ein Restvorbehalt zu dieser Zeile. Beide Studien prüften einzelne akute Gaben, eine mehrwöchige tägliche Einnahme lag außerhalb ihres Versuchsaufbaus und wird von dieser Zeile nicht abgedeckt.

    Quellen: 5, 15

  7. 07

    Verdauungsbeschwerden bei Menschen mit wiederkehrenden Oberbauchbeschwerden ohne organischen Befund, unter mehrwöchiger Einnahme gebessert, nach einer akuten Einzeldosis eher verstärkt

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine kleine fünfwöchige Studie fand eine stärkere Besserung des Beschwerde-Scores als unter Placebo. Eine andere Arbeit zeigte, dass eine einzelne kleine Dosis bei genau dieser Personengruppe akut mehr Beschwerden auslöst als bei Beschwerdefreien.

    Ausführlicher Nachweis

    In einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Studie erhielten 30 Menschen mit wiederkehrenden Oberbauchbeschwerden ohne Nachweis eines Rückflussleidens oder eines Reizdarms, je 15 pro Gruppe, fünf Wochen lang vor den Mahlzeiten 2,5 g Chilipulver pro Tag oder Placebo [8]. Der Gesamt-Beschwerde-Score sowie die Einzelscores für Oberbauchschmerz, Völlegefühl und Übelkeit waren in der Chiligruppe ab der dritten Woche niedriger als in der Placebogruppe, mit einem am Ende der Behandlung um rund 60 Prozent gegenüber rund 30 Prozent unter Placebo gesunkenen Gesamtscore [8]. Der genaue Capsaicin-Gehalt der 2,5 g Chilipulver wird im Abstract nicht beziffert. Dem steht eine andere, deutlich größere Untersuchung gegenüber, die eine akute Einzeldosis von 0,75 mg Capsaicin als diagnostischen Reiztest einsetzte, nicht als Behandlung, und dabei bei 116 Personen mit oberen Verdauungsbeschwerden fand, dass Menschen mit denselben wiederkehrenden Oberbauchbeschwerden (73 von 116) einen deutlich höheren Beschwerde-Score nach der Kapsel entwickelten als Personen mit anderen Ursachen ihrer Beschwerden, mit einem positiven Test bei 54 Prozent der Betroffenen gegenüber 11 Prozent der übrigen Teilnehmenden [9]. Nach Placebo blieben die Scores in allen Gruppen niedrig und unterschieden sich nicht [9]. Diese zweite Arbeit prüft eine akute Einzelgabe zur Diagnose einer erhöhten Reizempfindlichkeit und keine wiederholte Einnahme zur Besserung, sie widerspricht der ersten Studie deshalb nicht in Endpunkt oder Vergleich, sondern zeigt einen zur mehrwöchigen Einnahme gegenteiligen akuten Effekt bei derselben Personengruppe. Eine schlüssige Erklärung wäre eine erst nach wiederholter Anwendung eintretende Desensibilisierung der reizempfindlichen Nervenfasern der Magenschleimhaut, wie sie auch der äußerlichen Anwendung von Capsaicin zugeschrieben wird, siehe die Wirkungszeilen zur äußerlichen Anwendung und Sicherheit.

    Quellen: 8, 9

  8. 08

    Schmerzlinderung bei chronischen Nervenschmerzen unterschiedlicher Ursache, nach einer einzelnen hochdosierten äußerlichen Pflaster-Anwendung

    Gut belegt
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine Cochrane-Übersicht von acht Studien mit rund 2500 Teilnehmenden fand nach einer einzelnen Anwendung eines 8-Prozent-Capsaicin-Pflasters bei drei von vier geprüften Nervenschmerz-Ursachen rund 10 Prozent mehr deutlich gebesserte Personen als unter einem niedrig dosierten Vergleichspräparat. Mäßige Ergebnisqualität besteht nur bei Nervenschmerzen nach Gürtelrose, bei den übrigen Ursachen ist sie sehr niedrig, und bei Schmerzen nach einer Leistenbruch-Operation zeigte sich kein Unterschied.

    Ausführlicher Nachweis

    Eine 2017 aktualisierte Cochrane-Übersicht wertete acht randomisierte, doppelblinde, plazebokontrollierte Studien mit zusammen 2488 Teilnehmenden zur einmaligen Anwendung eines Hochkonzentrat-Pflasters mit 8 Prozent Capsaicin bei chronischen Nervenschmerzen unterschiedlicher Ursache aus [10]. Wichtig für die Einordnung ist, dass zwei Studien ein echtes Placebo nutzten, sechs dagegen ein mit 0,04 Prozent Capsaicin niedrig dosiertes "aktives" Vergleichspräparat, damit Teilnehmende die Zuordnung nicht am Brennen erkennen konnten. Der Vergleich läuft in diesen sechs Studien also gegen ein selbst leicht wirksames Präparat und nicht gegen einen wirkstofffreien Vergleich [10]. Bei Nervenschmerzen nach Gürtelrose besserten sich nach 8 und 12 Wochen jeweils rund 10 Prozent mehr Teilnehmende deutlich oder sehr deutlich unter dem Hochkonzentrat-Pflaster als unter dem Vergleichspräparat, mit einer Anzahl notwendiger Behandlungen (NNT) von 8,8 (95-Prozent-Intervall 5,3 bis 26) bei mäßiger Ergebnisqualität (2 Studien, 571 Teilnehmende) [10], was die Übersicht als einen statistisch signifikanten Vorteil gegenüber dem Vergleichspräparat wertet. Bei Nervenschmerzen im Zusammenhang mit einer HIV-Infektion und bei schmerzhafter Nervenschädigung durch Diabetes fanden sich vergleichbare, aber nach GRADE als sehr niedrig eingestufte Effekte, mit NNT-Werten um 11 [10]. Eine kleine Studie zu chronischen Schmerzen nach einer Leistenbruch-Operation fand keinen Unterschied zu Placebo [10]. Örtliche Nebenwirkungen waren häufig, schwere Nebenwirkungen traten unter der Behandlung nicht häufiger auf als unter Kontrolle (3,5 gegenüber 3,2 Prozent) [10]. Eine 2017 veröffentlichte Cochrane-Übersichtsarbeit über mehrere Cochrane-Reviews zu äußerlichen Schmerzmitteln bestätigt für dieselbe Anwendung eine NNT von 11 (Intervall 6,1 bis 62) bei mäßiger Ergebnisqualität, mit der ausdrücklichen Einordnung als begrenzte, aber real vorhandene Wirksamkeit bei einem kleinen Teil der Behandelten [11]. Die zweite, hier ergänzend zitierte Cochrane-Übersichtsarbeit wertet ausdrücklich auch die erstgenannte Übersicht als eine von 13 einbezogenen Cochrane-Reviews mit aus, es handelt sich damit nicht um zwei unabhängige Studienbestände, sondern um dieselbe Übersicht und eine sie einbettende, umfassendere Auswertung. Diese Befunde betreffen ausschließlich die einmalige äußerliche Anwendung eines Spezialpflasters mit einer rund 100-fach höheren Capsaicin-Konzentration als in gewöhnlichen Cremes und lassen sich nicht auf eine orale Einnahme übertragen.

    Quellen: 10, 11

  9. 09

    Schmerzlinderung bei chronischen Muskel- und Weichteilbeschwerden nach wiederholter äußerlicher Anwendung als niedrig dosierte Creme

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine einzelne, vom Hersteller nahestehende Studie fand eine deutliche Besserung, während eine Cochrane-Übersicht die Ergebnisqualität für niedrig dosierte Capsaicin-Creme insgesamt als sehr niedrig einstuft und häufige Hautreizungen berichtet.

    Ausführlicher Nachweis

    Die oben genannte Cochrane-Übersicht über mehrere Cochrane-Reviews zu äußerlichen Schmerzmitteln stuft die Ergebnisqualität für niedrig dosierte Capsaicin-Creme bei chronischen Schmerzen durchgehend als sehr niedrig ein, anders als bei der oben beschriebenen hochdosierten Einmal-Anwendung [11]. Örtliche Nebenwirkungen traten unter niedrig dosierter Creme bei 63 Prozent der Anwendenden auf gegenüber Placebo (5 Studien, 557 Teilnehmende, Anzahl notwendiger Behandlungen für einen Schaden 2,6), und der Abbruch wegen Nebenwirkungen war unter Creme mit 15 gegenüber 3 Prozent unter Placebo deutlich häufiger (4 Studien, 477 Teilnehmende) [11]. Eine einzelne randomisierte, doppelblinde, multizentrische Studie an ursprünglich 281 Personen mit chronischen Weichteilschmerzen prüfte eine Creme mit 0,05 Prozent Capsaicin (Handelsname Finalgon CPD Wärmecreme) gegenüber Placebo über 3 Wochen [12]. Von den 281 randomisierten Personen wurden 151 wegen zusätzlicher Schmerzen anderer Herkunft von der Hauptauswertung ausgeschlossen, sodass die berichtete Intention-to-treat-Auswertung nur einen Teil der ursprünglich Randomisierten umfasst [12]. In dieser Teilgruppe sank der mediane Beschwerde-Score unter Creme um 49 Prozent gegenüber 23 Prozent unter Placebo (p gleich 0,0006), mit einer Odds Ratio von 4,3 zugunsten der Creme [12]. Unter der Creme traten mehr Nebenwirkungen auf als unter Placebo (13 gegenüber 6 von den jeweils behandelten Personen) [12]. Die Studie wurde in einer Fachzeitschrift für Phytotherapie veröffentlicht, ohne im PubMed-Datensatz eine Förderquelle oder Interessenerklärung zu nennen, bei einem Markenprodukt und einem für die Auswertung ungewöhnlich hohen Ausschlussanteil von über der Hälfte der ursprünglich randomisierten Personen. Beide Arbeiten betreffen ausschließlich die äußerliche Anwendung, keine orale Einnahme.

    Quellen: 11, 12

  10. 10

    Schutz der Magenschleimhaut vor experimentell ausgelöster Schädigung im Tiermodell

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    In Ratten-Studien schützte vorab verabreichtes Capsaicin die Magenschleimhaut vor durch Alkohol ausgelösten Schäden. Am Menschen nicht in dieser Form untersucht.

    Ausführlicher Nachweis

    In einer Arbeit an Ratten verringerte in den Magen eingebrachtes Capsaicin in Dosen von 2 und 5 mg die durch Alkohol ausgelöste Schädigung der Magenschleimhaut, gemessen anhand äußerlich sichtbarer, feingeweblicher, rasterelektronenmikroskopischer und biochemischer Kennwerte [13]. Eine Ausschaltung der capsaicinempfindlichen sensorischen Nervenfasern durch eine vorherige hochdosierte Capsaicin-Gabe unter die Haut hob diesen Schutz auf, was auf eine Vermittlung über genau diese Nervenfasern hindeutet [13]. Eine zweite Arbeit an Ratten zeigte, dass der schützende Effekt von Capsaicin auf die durch Alkohol geschädigte Magenschleimhaut über den von diesen Nervenfasern freigesetzten Botenstoff CGRP sowie über Stickstoffmonoxid vermittelt wird [14]. Beide Untersuchungen fanden ausschließlich an Ratten statt, keine am Menschen, und betreffen eine unmittelbar in den Magen gegebene Einzeldosis vor einer akuten Schädigung, keine wiederholte Einnahme im Alltag. Der Befund erklärt möglicherweise, warum eine wiederholte Einnahme in der oben beschriebenen Humanstudie zu weniger statt zu mehr Verdauungsbeschwerden führte, ein direkter Beleg für den Menschen ist er nicht.

    Quellen: 13, 14

  11. 11

    Infektanfälligkeit und allgemeine Abwehrfunktion des Immunsystems durch Capsaicin selbst

    Keine Studien gefunden
    Einordnung und Einschränkungen

    Wir haben gezielt nach einer Studie zu Capsaicin-Einnahme und Infekthäufigkeit oder Immunfunktion beim Menschen gesucht und keine gefunden.

    Ausführlicher Nachweis

    Eine gezielte Suche nach randomisierten oder kontrollierten Humanstudien zu einer Capsaicin-Supplementierung und Infektanfälligkeit oder Immunfunktion mit den PubMed-Suchbegriffen "capsaicin supplementation" "infection immune", alle Publikationstypen, ergab null Treffer. Eine breitere, nicht auf Supplementierung eingeschränkte Suche zu Capsaicin und Immunfunktion beim Menschen lieferte über hundert Treffer, die sich bei Sichtung überwiegend auf die Verwendung von Capsaicin als pharmakologisches Werkzeug zur Reizung von TRPV1-Rezeptoren an Immunzellen im Labor oder auf hautbezogene Anwendungen richten, nicht auf eine orale Einnahme mit dem Endpunkt Infekthäufigkeit oder Abwehrfunktion. Die im Ausgangstext verbreitete Zuschreibung einer Stärkung des Immunsystems durch Cayennepfeffer stützt sich zudem inhaltlich meist auf den Vitamin-C-Gehalt der ganzen Frucht und nicht auf Capsaicin, den Leitstoff dieses Extrakts, für den eine eigene Studienlage zu diesem Endpunkt hier nicht vorliegt.

Studien im Detail

Energieverbrauch, Fettoxidation und Nahrungsaufnahme

Ludy und Kollegen werteten 2012 in einer kritischen Übersichts- und Meta-Analyse die vorliegenden Kurzzeitstudien zu Capsaicin und dem verwandten, nicht scharfen Capsiat bei Menschen aus. Über alle Dosisstufen zusammen ergab sich für Capsaicin kein Gesamteffekt auf den Energieverbrauch, ein Anstieg zeigte sich ausschließlich bei der höchsten geprüften Dosisstufe. Die Fettoxidation stieg dagegen bereits ab mittlerer Dosis. Die in den einzelnen Studien geprüften Mengen reichten von unter 1 mg Capsaicin bei einer akuten Mahlzeit bis zu rund 33 mg pro Tag bei mehrwöchiger Einnahme und 150 mg bei einer akuten Einzeldosis vor Belastung. Die Autoren selbst bewerten die Größenordnung der gefundenen Effekte als klein.

Eine 2014 veröffentlichte Meta-Analyse von acht Studien mit 191 Teilnehmenden fand, dass eine vor einer Mahlzeit verzehrte Menge an Capsaicinoiden die anschließend bei freier Auswahl aufgenommene Energiemenge im Mittel um rund 74 Kilokalorien senkte, bei hoher Streuung zwischen den Studien und einer von den Autoren genannten Mindestmenge von rund 2 mg für einen Effekt. In einer eigenen, jüngeren Studie an jungen Erwachsenen mit starkem Übergewicht veränderte dieselbe Menge von 2 mg weder Hunger, Sättigung, Nahrungsaufnahme noch die Blutspiegel appetitregulierender Botenstoffe. Die Autoren dieser Studie halten ausdrücklich fest, dass sich der bei Normal- und leicht Übergewichtigen beschriebene appetitdämpfende Effekt bei dieser Personengruppe in ihrer Untersuchung nicht zeigte.

Einordnung: Diese Befunde betreffen ausnahmslos einzelne, akute Gaben oder einen einzelnen Beobachtungszeitraum von wenigen Stunden nach der Einnahme. Keine der genannten Arbeiten prüft eine tägliche Einnahme über mehr als wenige Wochen auf diese Endpunkte, für Körpergewicht und Blutfette siehe die eigenen Abschnitte unten.

Körpergewicht, Body-Mass-Index, Taillenumfang und Blutfette bei mehrwöchiger Einnahme

Eine 2023 veröffentlichte Meta-Analyse von 15 randomisierten, plazebokontrollierten Studien mit 762 Teilnehmenden fand unter Capsaicin gegenüber Placebo einen im Mittel um 0,25 kg/m2 niedrigeren Body-Mass-Index, ein um 0,51 kg niedrigeres Körpergewicht und einen um 1,12 cm geringeren Taillenumfang. Die Autoren bezeichnen diese Effekte selbst als bescheiden. Eine der zugrunde liegenden Einzelstudien prüfte mit 4 mg Capsaicinoiden pro Tag über 28 Tage einen Markenrohstoff, dessen Hersteller laut Affiliationsangabe die Erstautorin beschäftigt, ohne dass das PubMed-Feld zur Interessenerklärung einen Konflikt nennt.

Eine 2025 veröffentlichte Meta-Analyse von 12 Studien fand bei übergewichtigen und adipösen Erwachsenen unter Capsaicin, verwandten Capsinoiden oder paprikabasierten Zubereitungen niedrigere Triglyceride und ein niedrigeres Gesamtcholesterin gegenüber Placebo, mit stärkeren Effekten bei einer Tagesdosis ab 10 mg, bei mindestens 12-wöchiger Einnahme und bei bereits erhöhten Ausgangswerten. Bei LDL- und HDL-Cholesterin fand sich kein Unterschied.

Einordnung: Beide Meta-Analysen dürften teilweise dieselben Einzelstudien auswerten, es handelt sich nicht um zwei unabhängige Belegreihen, sondern um zwei Auswertungen eines überlappenden, insgesamt noch kleinen Studienbestands mit durchgehend geringen absoluten Effektgrößen.

Verdauungsbeschwerden, akut und über mehrere Wochen

Bortolotti und Kollegen prüften 2002 in einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Studie an 30 Menschen mit wiederkehrenden Oberbauchbeschwerden ohne Rückflussleiden oder Reizdarm, ob 2,5 g Chilipulver pro Tag über 5 Wochen die Beschwerden lindern. Ab der dritten Woche war der Gesamt-Beschwerde-Score in der Chiligruppe niedriger als unter Placebo, mit einer Abnahme um rund 60 gegenüber rund 30 Prozent am Ende der Behandlung.

Führer, Vogelsang und Hammer zeigten 2011 in einer größeren Untersuchung an 116 Personen, davon 73 mit denselben wiederkehrenden Oberbauchbeschwerden, dass eine einzelne, deutlich kleinere Dosis von 0,75 mg Capsaicin als diagnostischer Reiztest bei genau dieser Personengruppe akut einen deutlich höheren Beschwerde-Score auslöst als bei Menschen mit anderen Ursachen ihrer Beschwerden. Nach Placebo blieben die Werte in allen Gruppen niedrig.

Einordnung: Diese beiden Arbeiten widersprechen sich nicht, sie prüfen unterschiedliche Fragen mit unterschiedlichem Zeitverlauf, eine wiederholte, symptomlindernd gedachte Einnahme über Wochen gegenüber einer einzelnen, absichtlich reizend eingesetzten Testdosis. Eine schlüssige Erklärung für beide Befunde zusammen ist eine erst bei wiederholter Anwendung eintretende Desensibilisierung der reizempfindlichen Nervenfasern der Magenschleimhaut, ein Mechanismus, der auch für die äußerliche Anwendung von Capsaicin auf der Haut beschrieben ist, siehe unten.

Äußerliche Anwendung bei chronischen Schmerzen

Für die äußerliche Anwendung liegt eine deutlich andere und in Teilen bessere Studienlage vor als für die orale Einnahme, weil hier ein pharmazeutisches Hochkonzentrat-Pflaster mit 8 Prozent Capsaicin systematisch in mehreren großen Studien geprüft wurde. Eine 2017 aktualisierte Cochrane-Übersicht wertete acht Studien mit 2488 Teilnehmenden aus. Bei Nervenschmerzen nach Gürtelrose, bei Nervenschmerzen im Zusammenhang mit einer HIV-Infektion und bei schmerzhafter Nervenschädigung durch Diabetes fanden sich nach einer einzelnen Anwendung durchgehend rund 10 Prozent mehr deutlich gebesserte Personen als unter einem niedrig dosierten, ebenfalls Capsaicin enthaltenden Vergleichspräparat. Die Ergebnisqualität stuften die Autoren nach dem GRADE-System als mäßig bis sehr niedrig ein, schwere Nebenwirkungen waren nicht häufiger als unter Kontrolle.

Für niedrig dosierte Cremes, wie sie im Unterschied zum Spezialpflaster frei verkäuflich sind, fällt das Bild schwächer aus. Eine Cochrane-Übersicht über mehrere Cochrane-Reviews stuft die Ergebnisqualität hier durchgehend als sehr niedrig ein und berichtet bei sehr vielen Anwendenden ein vorübergehendes Hautbrennen, mit einer im Vergleich zu Placebo deutlich höheren Abbruchrate wegen Nebenwirkungen. Eine einzelne Studie zu einer 0,05-prozentigen Capsaicin-Creme fand zwar eine deutliche Besserung gegenüber Placebo, schloss dafür aber mehr als die Hälfte der ursprünglich randomisierten Personen von der Auswertung aus und macht weder zur Förderung noch zu Interessenkonflikten Angaben.

Einordnung: Beide Anwendungsformen sind äußerlich und mit einer oralen Einnahme, wie sie ein Nahrungsergänzungsmittel mit Cayennepfeffer-Extrakt darstellt, nicht vergleichbar. Innerhalb der äußerlichen Anwendung selbst liegen zudem zwei völlig unterschiedliche Konzentrationen und Studienlagen vor, das Spezialpflaster mit rund 100-fach höherer Konzentration ist deutlich besser untersucht als die niedrig dosierte Creme.

Tier- und Laborstudien

Zwei ältere Arbeiten an Ratten untersuchten, warum in den Magen gegebenes Capsaicin die Magenschleimhaut vor einer akuten Schädigung durch Alkohol schützen kann. Kang und Kollegen zeigten 1995, dass Dosen von 2 und 5 mg Capsaicin die Schleimhautschädigung nach Alkoholgabe messbar verringerten, und dass eine vorherige Ausschaltung der capsaicinempfindlichen sensorischen Nervenfasern diesen Schutz aufhob. Lambrecht und Kollegen zeigten 1993, dass dieser Schutz über den von denselben Nervenfasern freigesetzten Botenstoff CGRP sowie über Stickstoffmonoxid vermittelt wird. Beide Arbeiten fanden ausschließlich an Ratten statt, keine am Menschen, und betreffen eine unmittelbare Schutzwirkung bei akuter Schädigung, keine wiederholte Einnahme im Alltag.

Sicherheit und Wechselwirkungen

Zum Einnehmen ist Capsaicin beziehungsweise Cayennepfeffer-Extrakt in den in Studien geprüften Mengen von unter 1 mg bis über 30 mg pro Tag überwiegend verträglich. Sodbrennen und andere Verdauungsbeschwerden sind die am häufigsten berichtete Nebenwirkung, besonders bei einer akuten Einzeldosis und bei Menschen mit einer ohnehin empfindlichen Verdauung oder wiederkehrenden Oberbauchbeschwerden, siehe die eigene Wirkungszeile dazu. Bei einer bestehenden Refluxneigung, Magenschleimhautentzündung oder anderen Verdauungsbeschwerden ist deshalb Vorsicht bei einer erstmaligen oder hoch dosierten Einnahme angebracht, am besten mit einer niedrigen Menge beginnend.

Zur äußerlichen Anwendung als Creme oder Pflaster gehört ein anfängliches, teils starkes Brennen auf der Haut praktisch immer dazu, das pharmakologisch erwünscht ist und mit der Zeit nachlässt. Das hochdosierte 8-Prozent-Pflaster wird in Studien unter kontrollierten Bedingungen angewendet, häufig nach einer örtlichen Betäubung, wegen des zunächst intensiven Brenngefühls. Eine äußerliche Anwendung ist mit einer oralen Einnahme in Bezug auf Wirkung und Verträglichkeit nicht gleichzusetzen, siehe oben.

Zu Wechselwirkungen mit Medikamenten bei oraler Einnahme liegt uns keine eigene geprüfte Humanstudie vor. Zu Schwangerschaft und Stillzeit liegt uns ebenfalls keine eigene geprüfte Quelle vor, eine ärztliche Rücksprache vor der Einnahme ist in diesem Fall grundsätzlich sinnvoll.

Quellen zum Nachlesen

  1. 01

    Kritische Übersicht und Meta-Analyse, Kurzzeitstudien zu Capsaicin und Capsiat bei Menschen · 2012

    The effects of capsaicin and capsiate on energy balance, critical review and meta-analyses of studies in humans

    Ludy MJ, Moore GE, Mattes RD. Chem Senses

    Zur Zuschreibung: 01, 02

  2. 02

    Systematische Übersicht und Meta-Analyse, 8 auswertbare Studien, n gleich 191 · 2014

    Could capsaicinoids help to support weight management? A systematic review and meta-analysis of energy intake data

    Whiting S, Derbyshire EJ, Tiwari B. Appetite

    Zur Zuschreibung: 03

  3. 03

    Systematische Übersicht und Meta-Analyse, 15 RCT, n gleich 762 · 2023

    The effects of capsaicin intake on weight loss among overweight and obese subjects, a systematic review and meta-analysis of randomised controlled trials

    Zhang W, Zhang Q, Wang L, Zhou Q, Wang P, Qing Y, Sun C. Br J Nutr

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    Systematische Übersicht und Meta-Analyse, 12 RCT · 2025

    The effect of capsaicin, capsinoids, and pepper-based interventions on lipid profiles in overweight or obese individuals, a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials

    Yang Q, La C, Prabahar K, Safargar M, Kord-Varkaneh H, Temuqile, Wu Y. Diabetes Res Clin Pract

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  5. 05

    RCT, Cross-over, n gleich 15, akute Einzeldosis 2,56 mg Capsaicin je Mahlzeit · 2013

    Acute effects of capsaicin on energy expenditure and fat oxidation in negative energy balance

    Janssens PL, Hursel R, Martens EA, Westerterp-Plantenga MS. PLoS One

    Zur Zuschreibung: 01, 02, 06

  6. 06

    RCT, n gleich 10, akute Einzeldosis 2 mg Capsaicin, junge Erwachsene mit starkem Übergewicht · 2018

    Acute administration of capsaicin increases resting energy expenditure in young obese subjects without affecting energy intake, appetite, and circulating levels of orexigenic/anorexigenic peptides

    Rigamonti AE, Casnici C, Marelli O, De Col A, Tamini S, Lucchetti E, Tringali G, De Micheli R, Abbruzzese L, Bortolotti M, Cella SG, Sartorio A. Nutr Res

    Zur Zuschreibung: 01, 03

  7. 07

    RCT, n gleich 24, 4 mg Capsaicinoide pro Tag über 28 Tage, Markenrohstoff Capsifen · 2021

    Influence of a novel food-grade formulation of red chili extract (Capsicum annum) on overweight subjects, randomized, double-blinded, placebo-controlled study

    Joseph MSc A, John PhD F, Thomas MSc JV, Sivadasan SDP. J Diet Suppl

    Zur Zuschreibung: 04

  8. 08

    RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, n gleich 30 (15 vs 15), 5 Wochen, 2,5 g Chilipulver pro Tag · 2002

    The treatment of functional dyspepsia with red pepper

    Bortolotti M, Coccia G, Grossi G, Miglioli M. Aliment Pharmacol Ther

    Zur Zuschreibung: 07

  9. 09

    Plazebokontrollierter diagnostischer Reiztest, n gleich 116, davon 73 mit wiederkehrenden Oberbauchbeschwerden, akute Einzeldosis 0,75 mg Capsaicin · 2011

    A placebo-controlled trial of an oral capsaicin load in patients with functional dyspepsia

    Führer M, Vogelsang H, Hammer J. Neurogastroenterol Motil

    Zur Zuschreibung: 07

  10. 10

    Cochrane-Übersicht, 8 RCT, n gleich 2488, einmalige äußerliche Anwendung eines 8-Prozent-Capsaicin-Pflasters · 2017

    Topical capsaicin (high concentration) for chronic neuropathic pain in adults

    Derry S, Rice AS, Cole P, Tan T, Moore RA. Cochrane Database Syst Rev

    Zur Zuschreibung: 08

  11. 11

    Cochrane-Übersicht über 13 Cochrane-Reviews, rund 30700 Teilnehmende, äußerliche Schmerzmittel im Vergleich zu Placebo · 2017

    Topical analgesics for acute and chronic pain in adults, an overview of Cochrane Reviews

    Derry S, Wiffen PJ, Kalso EA, Bell RF, Aldington D, Phillips T, Gaskell H, Moore RA. Cochrane Database Syst Rev

    Zur Zuschreibung: 08, 09

  12. 12

    RCT, doppelblind, multizentrisch, n gleich 281 randomisiert, 130 in der Hauptauswertung, 3 Wochen, Creme mit 0,05 Prozent Capsaicin · 2010

    Effectiveness and safety of topical capsaicin cream in the treatment of chronic soft tissue pain

    Chrubasik S, Weiser T, Beime B. Phytother Res

    Zur Zuschreibung: 09

  13. 13

    Tierstudie, Ratten, intragastrische Capsaicin-Gabe 2 und 5 mg vor Alkohol-Provokation · 1995

    Effect of capsaicin and chilli on ethanol induced gastric mucosal injury in the rat

    Kang JY, Teng CH, Wee A, Chen FC. Gut

    Zur Zuschreibung: 10

  14. 14

    Tierstudie, Ratten, Mechanismusstudie zur Magenschutzwirkung von Capsaicin · 1993

    Role of calcitonin gene-related peptide and nitric oxide in the gastroprotective effect of capsaicin in the rat

    Lambrecht N, Burchert M, Respondek M, Müller KM, Peskar BM. Gastroenterology

    Zur Zuschreibung: 10

  15. 15

    RCT, Cross-over, n gleich 11 Männer, akute Einzelgabe von 500 mg Cayennepfeffer (1,25 mg Capsaicin), 500 mg Evodiamin oder Placebo · 2013

    Capsaicin and evodiamine ingestion dös not augment energy expenditure and fat oxidation at rest or after moderately-intense exercise

    Schwarz NA, Spillane M, La Bounty P, Grandjean PW, Leutholtz B, Willoughby DS. Nutr Res

    Zur Zuschreibung: 02, 06

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