Guggul-Extrakt

Zuletzt geprüft am

Pflanzenextrakte

Commiphora mukul · Guggul · Commiphora Mukul · Guggulipid · Mukul-Myrrhe · Gummi-Guggul

H.P.N · Datenstand 2026-09-08 · 7 Zuschreibungen im Überblick

Auf einen Blick

Was es ist
Extrakt aus dem gummiharzigen Exsudat des indischen Myrrhenbaums Commiphora mukul (auch Commiphora wightii genannt), meist auf seinen Gehalt an den beiden Steroidverbindungen E- und Z-Guggulsteron standardisiert, in gereinigter Form auch als Guggulipid bezeichnet
Herkunft
Das getrocknete Gummiharz eines in Trockengebieten Indiens und Pakistans wachsenden Baumes, seit Jahrtausenden Bestandteil der ayurvedischen Medizin und traditionell für Fettstoffwechsel, Gelenke und Haut verwendet
Wirkform in Studien
Uneinheitlich benannt und unterschiedlich standardisiert. Je nach Arbeit auf 2,5 Prozent Guggulsterone standardisiertes Guggulipid, ein nicht näher standardisiertes Guggul-Präparat, oder Bestandteil eines Mehrstoffgemischs zusammen mit rotem Reismehlextrakt, Curcuma longa oder weiteren Pflanzenstoffen, siehe Abgrenzung
Übliche Studiendosis
100 bis 2000 mg Guggulipid oder Guggul-Extrakt täglich über 8 bis 24 Wochen in den drei plazebokontrollierten Studien zum Cholesterinspiegel, 1500 mg täglich über drei Monate in der einzigen Humanstudie zur Kniefunktion, dort ohne Placebogruppe
Bekannt geworden durch
Die traditionelle ayurvedische Verwendung des Harzes bei Fettstoffwechselstörungen, Gelenkbeschwerden und Hautleiden, seit den 1990er Jahren zusätzlich als pflanzliche Alternative zu Cholesterinsenkern vermarktet
Verträglichkeit
In den vorliegenden Humanstudien überwiegend milde Magen-Darm-Beschwerden, in zwei Studien zusätzlich ein Hautausschlag durch Überempfindlichkeit, in einem Fall mit Studienabbruch, siehe Sicherheit

Was diesem Stoff zugesprochen wird

Was die Studien hergeben.

Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.

  1. 01

    LDL-Cholesterin bei Erwachsenen mit erhöhtem Cholesterin, gegenläufige Befunde, in der größten und am strengsten kontrollierten Studie ein Anstieg gegenüber Placebo, in einer Meta-Analyse aus fünf überwiegend älteren Studien ein Rückgang

    Widersprüchlich
    Einordnung und Einschränkungen

    Die Befunde stehen gegeneinander. Die größte und am strengsten kontrollierte Studie fand einen gegenüber Placebo signifikant erhöhten LDL-Wert, eine kleinere fand keinen Unterschied, eine Meta-Analyse aus fünf überwiegend älteren und schwach berichteten Studien fand dagegen einen gesicherten Rückgang.

    Ausführlicher Nachweis

    In der größten und methodisch strengsten Studie zu Guggul und Cholesterin erhielten 103 randomisierte, ambulante Erwachsene mit erhöhtem Cholesterin in den USA acht Wochen lang täglich entweder 1000 mg oder 2000 mg eines auf 2,5 Prozent Guggulsterone standardisierten Guggulipid-Extrakts oder ein Placebo, aufgeteilt auf drei Einzelgaben [1]. Das LDL-Cholesterin stieg signifikant gegenüber der Placebogruppe (n gleich 36), in der es um 5 Prozent sank, unter der Standarddosis (n gleich 33) um 4 Prozent (p gleich 0,01 gegenüber Placebo) und unter der Hochdosis (n gleich 34) um 5 Prozent (p gleich 0,006 gegenüber Placebo), macht einen Nettounterschied von 9 bis 10 Prozentpunkten zugunsten von Placebo [1]. Ein Konfidenzintervall für diesen Unterschied nennt das Abstract nicht. Die Autoren schließen ausdrücklich, Guggulipid habe die Cholesterinwerte in dieser westlichen Population trotz eines plausiblen Wirkmechanismus nicht verbessert und könne das LDL-Cholesterin sogar anheben [1]. Der Volltext dieser Arbeit lag uns nicht vor, die Bewertung stützt sich auf das PubMed-Abstract. Der Förderhinweis ist abrufbar, Europe PMC führt zu dieser Arbeit zwei öffentliche Fördernummern der National Institutes of Health (NCRR M01-RR00040 und NCCIH K-23 AT-00058), eine Firmenförderung ist in diesen Feldern nicht verzeichnet, die Autorenanschrift liegt an der University of Pennsylvania. In der kleineren norwegischen Studie an 43 randomisierten Personen mit mäßig erhöhtem Cholesterin (2160 mg Guggul-Präparat täglich oder Placebo, 12 Wochen, 34 mit vollständigen Laborwerten ausgewertet) veränderte sich das LDL-Cholesterin dagegen nicht signifikant gegenüber Placebo [2]. In der älteren indischen Studie an 61 Personen (31 Guggulipid, 30 Placebo, 100 mg täglich über 24 Wochen zusätzlich zu einer obst- und gemüsereichen Diät) sank das LDL-Cholesterin gegenüber dem Wert nach der Diät-Einlaufphase um 12,5 Prozent, mit dem Zusatz im Abstract, die Werte seien in der Placebogruppe unverändert geblieben [3]. Für diesen Wert nennt das verfügbare Abstract keinen eigenen p-Wert für einen direkten Gruppenvergleich, der Volltext lag uns nicht vor, weshalb offenbleibt, ob eine formale Prüfung des Gruppenunterschieds hinter dieser Aussage steht oder ob es sich vorwiegend um eine Vorher-Nachher-Angabe innerhalb der Guggulipid-Gruppe handelt, die nur qualitativ dem Placeboverlauf gegenübergestellt wird [3]. Die drei Arbeiten prüfen unterschiedliche Zubereitungen und Dosen von 100 bis 2160 mg täglich in drei verschiedenen Bevölkerungen (USA, Norwegen, Indien mit begleitender Diät). Am Endpunkt LDL-Cholesterin selbst stehen sich damit ein durch Placebovergleich mit p-Wert gesicherter Anstieg in der größten Studie, ein gesicherter Nullbefund in der mittleren Studie und ein methodisch unsicherer Rückgang in der ältesten, am wenigsten transparent berichteten Studie gegenüber. Hinzu kommt eine 2021 veröffentlichte systematische Übersicht mit Meta-Analyse zu ayurvedischen Pflanzenzubereitungen bei erhöhtem Cholesterin, deren freier Volltext (PMC8229657) gelesen wurde [13]. Für den Teilbestand Guggulu fasst sie fünf randomisierte Studien mit zusammen 266 Personen zusammen und findet ein um 18,78 mg/dl niedrigeres LDL-Cholesterin als im Vergleichsarm (95-Prozent-Intervall 34,07 bis 3,48 mg/dl niedriger, p gleich 0,02) [13]. Die größte hier zitierte Einzelstudie [1] steckt in diesem Pool mit drin, das gepoolte Ergebnis wird also von den älteren, überwiegend indischen Arbeiten getragen, deren Zufallszuteilung und Verdeckung die Autoren der Übersicht selbst in der Mehrzahl als unzureichend berichtet bewerten [13]. Die Übersicht ist von einem Stipendium der Cochrane Complementary Medicine getragen und erklärt keinen Interessenkonflikt. Damit steht ein gesicherter Anstieg in der größten und am besten kontrollierten Einzelstudie gegen einen gesicherten Rückgang in einer Zusammenfassung schwächer berichteter Studien, deshalb die Stufe Widersprüchlich statt Hinweise.

    Quellen: 1, 2, 3, 13

  2. 02

    Gesamtcholesterin bei Erwachsenen mit erhöhtem Cholesterin, uneinheitlich zwischen drei plazebokontrollierten Studien

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Die größte Studie fand keinen Unterschied zu Placebo, eine kleinere einen Rückgang bei gleichzeitig gesunkenem HDL-Cholesterin, eine ältere ohne gesicherten Gruppenvergleich einen weiteren Rückgang.

    Ausführlicher Nachweis

    In der größten der drei Studien (103 randomisierte Personen, 1000 oder 2000 mg Guggulipid oder Placebo täglich, 8 Wochen) veränderte sich das Gesamtcholesterin in der Intention-to-treat-Auswertung nicht signifikant gegenüber Placebo, ebenso wenig HDL-Cholesterin, Triglyzeride und VLDL-Cholesterin [1]. In der kleineren norwegischen Studie (43 randomisierte Personen, 2160 mg täglich oder Placebo, 12 Wochen, 34 ausgewertet) waren Gesamtcholesterin und HDL-Cholesterin nach 12 Wochen gegenüber der Placebogruppe signifikant gesunken, das Verhältnis von Gesamtcholesterin zu HDL-Cholesterin veränderte sich dagegen nicht signifikant [2]. Die Autoren bewerten den klinischen Nutzen dieses gesunkenen Gesamtcholesterins selbst als unklar, auch weil das als günstig geltende HDL-Cholesterin gleichzeitig mitsank [2]. In der älteren indischen Studie (61 Personen, 31 Guggulipid, 30 Placebo, 100 mg täglich über 24 Wochen zusätzlich zu einer obst- und gemüsereichen Diät) sank das Gesamtcholesterin gegenüber dem Wert nach der Diät-Einlaufphase um 11,7 Prozent und das Verhältnis von Gesamtcholesterin zu HDL-Cholesterin um 11,1 Prozent, mit dem Zusatz im Abstract, die Werte seien in der Placebogruppe unverändert geblieben, aber ohne eigenen p-Wert für den direkten Gruppenvergleich im Abstract und ohne uns vorliegenden Volltext [3]. Am Endpunkt Gesamtcholesterin fand die größte und am strengsten kontrollierte Studie keinen Unterschied zu Placebo, eine kleinere fand einen gesicherten, aber wegen des gleichzeitig gesunkenen HDL-Cholesterins in seinem Nutzen unklaren Rückgang, und die älteste, methodisch am wenigsten transparent berichtete Studie einen weiteren, nicht sicher als Gruppenunterschied ausgewiesenen Rückgang. Die drei Ergebnisse lassen sich nicht zu einem einheitlichen Bild zusammenführen. Der Bestand ist zudem größer als diese drei Arbeiten. Eine 2021 veröffentlichte systematische Übersicht mit Meta-Analyse (freier Volltext PMC8229657 gelesen) poolt für Guggulu acht randomisierte Studien mit zusammen 380 Personen und findet ein um 16,78 mg/dl niedrigeres Gesamtcholesterin als im Vergleichsarm (95-Prozent-Intervall 30,96 bis 2,61 mg/dl niedriger, p gleich 0,02), sowie in fünf Studien mit 267 Personen ein um 2,19 mg/dl höheres HDL-Cholesterin (95-Prozent-Intervall 0,27 bis 4,12) [13]. In diesem Pool stecken neben den hier zitierten Arbeiten mehrere ältere, überwiegend indische Studien aus den Jahren 1978 bis 1989, die wir selbst nicht einsehen konnten und deren Zufallszuteilung und Verdeckung die Übersicht in der Mehrzahl als unzureichend berichtet bewertet [13]. Weil damit ein gepoolter, mit Intervall abgesicherter Rückgang vorliegt, dieser aber von schwach berichteten Altstudien getragen wird und die größte moderne Einzelstudie keinen Unterschied fand, bleibt die Stufe Hinweise.

    Quellen: 1, 2, 3, 13

  3. 03

    Kniebeschwerden und Gelenkfunktion (WOMAC-Score) bei radiologisch nachgewiesener Knieveränderung ab Kellgren-Lawrence-Grad 2, in der einzigen Humanstudie ohne unabhängige Placebogruppe

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Die einzige Humanstudie zu Guggul bei dieser Knieveränderung verglich nur den Verlauf vor und nach der Einnahme, ohne Placebo- oder Kontrollgruppe. Eine Verbesserung gegenüber Placebo ist damit nicht gezeigt.

    Ausführlicher Nachweis

    In einer offenen Verlaufsstudie ohne Kontrollgruppe, die die Autoren selbst als "outcome, quasi-experimental model" bezeichnen, nahmen 30 Frauen und Männer mit radiologisch gesicherter Knieveränderung ab Kellgren-Lawrence-Grad 2 drei Monate lang täglich 1500 mg Commiphora-mukul-Extrakt (500 mg dreimal täglich zu den Mahlzeiten) ein [4]. Der WOMAC-Gesamtscore als primäres Zielmaß verbesserte sich gegenüber dem Ausgangswert bereits nach einem Monat (p kleiner 0,0001) und weiter bis zur Nachbeobachtung nach zwei Monaten [4]. Die Schmerzskala VAS und der Sechs-Minuten-Gehtest verbesserten sich ebenfalls, Stimmungslage und aktueller Schmerz erst ab der Zwei-Monats-Marke [4]. Da die Studie keine Placebo- oder unbehandelte Vergleichsgruppe führte, lässt sich aus den berichteten Verbesserungen nicht ableiten, welcher Anteil auf Commiphora mukul entfällt und welcher auf den natürlichen Verlauf, auf die regelmäßige Betreuung im Studienrahmen oder auf einen Placeboeffekt zurückgeht. Keine Nebenwirkungen berichtet, kein erklärter Interessenkonflikt oder Förderhinweis im Abstract, der Volltext lag uns nicht vor.

    Quellen: 4

  4. 04

    Schilddrüsenfunktion (TSH, freies T3, freies T4) beim Menschen

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    Nur eine sehr alte Tierstudie zur schilddrüsenstimulierenden Wirkung von Guggulsteron liegt vor, ohne verfügbaren Abstract. Am Menschen liegt uns für Guggul allein keine Studie vor.

    Ausführlicher Nachweis

    Zur schilddrüsenstimulierenden Wirkung von Guggul findet sich in PubMed ein 1984 in Planta Medica veröffentlichter Titel zur schilddrüsenstimulierenden Wirkung von aus Commiphora mukul gewonnenem Z-Guggulsteron [5]. Für diese Arbeit ist in PubMed kein Abstract hinterlegt und kein freier Volltext auffindbar, sodass weder Tierart noch Dosis noch Ergebniswerte prüfbar sind, der Titel selbst weist aber eindeutig auf eine Tier- oder Laboruntersuchung und nicht auf eine Studie am Menschen hin [5]. Eine gezielte Suche nach Humanstudien zu Guggul oder Commiphora mukul allein und Schilddrüsenfunktion (TSH, freies T3, freies T4) ergab keinen Treffer. Gefunden wurde stattdessen eine 2025 veröffentlichte randomisierte, einfachblinde Studie an 100 Personen (50 vs 50) zu Majoone Sarkhas, einem unani-medizinischen Kombinationspräparat aus vier Pflanzen (Commiphora mukul, Operculina turpethum, Embelia tsjeriam-cottam und Dryopteris filix-mas), als täglicher Zusatz von 20 g zu Levothyroxin über 60 Tage [6]. Dort sank der TSH-Wert in der Zusatzgruppe stärker als in der reinen Levothyroxin-Gruppe (p kleiner 0,001) [6]. Diese Studie prüfte Guggul jedoch nicht allein, sondern als einen von vier Bestandteilen eines Kombinationspräparats zusätzlich zur Standardtherapie, weshalb sie hier nicht als Beleg für Guggul allein gezählt wird, sondern nur der Vollständigkeit halber genannt ist [6].

    Quellen: 5, 6

  5. 05

    Entzündungshemmende Wirkung auf Zellebene (NF-kappaB-Signalweg, Botenstoffe wie Stickstoffmonoxid und Prostaglandin E2)

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    In Ratten-Zellversuchen hemmte isoliertes Guggulsteron den Entzündungs-Signalweg NF-kappaB und schützte insulinproduzierende Zellen vor durch Botenstoffe ausgelösten Schäden. Keine Untersuchung am Menschen oder am lebenden Tier.

    Ausführlicher Nachweis

    In Ratten-Insulinom-Zellen (RIN) und in isolierten Ratteninseln verhinderte isoliertes Guggulsteron die durch die Botenstoffe Interleukin-1beta und Interferon-gamma ausgelöste Zellschädigung sowie die Produktion von Stickstoffmonoxid und Prostaglandin E2, begleitet von einer verringerten Expression der Enzyme iNOS und COX-2 [7]. Als Mechanismus nennen die Autoren die Hemmung der Aktivierung des Transkriptionsfaktors NF-kappaB sowie eine Unterdrückung des JAK/STAT-Signalwegs, mit einer erhaltenen Insulinausschüttung der Ratteninseln unter Guggulsteron-Vorbehandlung [7]. Alle Versuche fanden an isolierten Ratten-Zellen und Ratten-Gewebe statt, keiner an einem lebenden Tier im Ganzen oder am Menschen, eine Übertragbarkeit auf eine entzündungshemmende Wirkung beim Menschen ist daraus nicht abzuleiten.

    Quellen: 7

  6. 06

    Entzündliche Hautknoten bei einer schweren Form der Akne, in der einzigen Humanstudie ohne Placebogruppe und nur gegen ein Antibiotikum geprüft

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine kleine randomisierte Studie an 20 Personen verglich Gugulipid drei Monate lang mit einem Antibiotikum und fand einen ähnlichen Rückgang der entzündlichen Hautknoten. Ohne Placebogruppe bleibt offen, wie viel davon auf den Stoff entfällt.

    Ausführlicher Nachweis

    In einer 1994 in J Dermatol veröffentlichten randomisierten Vergleichsstudie erhielten 20 Personen mit knotig-zystischer Akne drei Monate lang zweimal täglich entweder 500 mg Tetracyclin oder eine Gugulipid-Tablette entsprechend 25 mg Guggulsteron [14]. Die entzündlichen Hautveränderungen gingen unter Tetracyclin um 65,2 Prozent und unter Gugulipid um 68 Prozent zurück, der Unterschied zwischen den beiden Armen war nicht gesichert (p größer 0,05) [14]. In der Nachbeobachtung nach drei Monaten trat unter Tetracyclin in vier, unter Gugulipid in zwei Fällen ein Rückfall auf, und die Autoren berichten als Beobachtung am Rande, dass Personen mit fettiger Gesichtshaut auf Gugulipid deutlich besser ansprachen [14]. Die Studie hat keine Placebogruppe, sondern nur einen aktiven Vergleichsarm, umfasst nur 20 Personen und stammt aus einer Zeit mit deutlich geringeren Berichtsanforderungen, ein Konfidenzintervall nennt das Abstract nicht und ein freier Volltext ist nicht auffindbar. Aus der Gleichwertigkeit zu Tetracyclin in einer so kleinen Gruppe folgt kein gesicherter eigener Effekt, weil beide Arme sich auch gemeinsam im natürlichen Verlauf gebessert haben können. Ein eigener Wert zur Talgproduktion wurde nicht gemessen, die Angabe zur fettigen Gesichtshaut ist eine nachträgliche Beobachtung ohne eigene Auswertung.

    Quellen: 14

  7. 07

    Körpergewicht, Taillenumfang und Stoffwechselwerte unter Guggul-Extrakt allein

    Keine Studien gefunden
    Einordnung und Einschränkungen

    Wir haben gezielt gesucht und nur ein Kombinationspräparat mit vier weiteren Pflanzenstoffen gefunden, keine Studie zu Guggul allein und Körpergewicht.

    Ausführlicher Nachweis

    Eine gezielte Suche zu Guggul, Commiphora mukul oder Guggulipid zusammen mit Gewichtsabnahme, Body-Mass-Index oder Taillenumfang ergab am Menschen keine Interventionsstudie zu Guggul als alleinigem Wirkstoff. Gefunden wurde eine einarmige Interventionsstudie ohne Placebogruppe an 78 Personen mit metabolischem Syndrom (nicht genannt) zu einem täglichen Zusatzpräparat aus Curcuma longa, Silymarin, Guggul, Chlorogensäure und Inulin (Patti und Kollegen, Angiology 2015), unter dem sich Körpergewicht (81,1 auf 79,4 kg, p kleiner 0,0001), Body-Mass-Index (p gleich 0,001), Taillenumfang (105 auf 102 cm, p gleich 0,0004), Nüchternblutzucker (p gleich 0,014) und Gesamtcholesterin (p gleich 0,03) nach vier Monaten gegenüber dem eigenen Ausgangswert besserten. Weil das Präparat fünf verschiedene Wirkstoffe kombiniert, als Zusatz zur laufenden Behandlung ohne Placebogruppe gegeben wurde und alle Werte nur gegenüber dem eigenen Ausgangswert berichtet sind, lässt sich daraus kein eigener Beitrag von Guggul ableiten. Die Studie zählt hier deshalb nicht als Beleg für den Stoff allein, sondern wird nur der Vollständigkeit halber genannt. Zu als "natürlicher Fettverbrenner" beworbenen Produkten mit Guggul-Anteil siehe zusätzlich Sicherheit.

Studien im Detail

Cholesterinspiegel bei Erwachsenen mit erhöhtem Cholesterin

Drei randomisierte, plazebokontrollierte Studien haben Guggul oder Guggulipid bei Erwachsenen mit erhöhtem Cholesterin gegen Placebo geprüft, mit gegenläufigem Ergebnis. Die größte und methodisch strengste Arbeit von Szapary und Kollegen, durchgeführt in den USA an 103 Personen, fand nach acht Wochen unter Guggulipid einen Anstieg des LDL-Cholesterins gegenüber Placebo, kein anderer Lipidwert veränderte sich signifikant, und Guggulipid verursachte bei sechs Personen einen Hautausschlag [1]. Die Autoren schließen ausdrücklich, der Stoff habe die Cholesterinwerte in dieser Population nicht verbessert [1].

Eine kleinere norwegische Studie von Nohr und Kollegen an 43 randomisierten Personen fand nach zwölf Wochen ein gegenüber Placebo gesunkenes Gesamt- und HDL-Cholesterin, aber kein verändertes LDL-Cholesterin [2]. Weil dabei auch das als günstig geltende HDL-Cholesterin sank, bewerten die Autorinnen und Autoren den klinischen Nutzen selbst als unklar [2]. Eine ältere indische Studie von Singh und Kollegen an 61 Personen, kombiniert mit einer obst- und gemüsereichen Diät, berichtet einen durchgehenden Rückgang aller Blutfettwerte unter Guggulipid, allerdings ohne im Abstract erkennbaren eigenen statistischen Gruppenvergleich [3].

Die drei Studien prüfen unterschiedliche Zubereitungen, Dosen zwischen 100 und 2160 mg täglich und drei verschiedene Bevölkerungen, decken aber denselben Endpunkt und dieselbe Vergleichsanlage ab. Weder der Anstieg des LDL-Cholesterins in der größten Studie noch die Rückgänge in den beiden kleineren Studien sind mit einem Konfidenzintervall belegt, und die älteste Studie weist den Gruppenvergleich nicht eindeutig aus. Dieser Eintrag stuft den Cholesterin-Effekt deshalb als Hinweise ein, mit dem Anstieg des LDL-Cholesterins in der größten und am strengsten kontrollierten Studie als wichtigstem Einzelbefund, und nicht als belegten Nutzen.

Gelenkfunktion am Knie

Die einzige aufgefundene Humanstudie zu Guggul und Kniefunktion, von Singh und Kollegen, ist eine offene Verlaufsstudie ohne Placebo- oder Kontrollgruppe an 30 Personen mit radiologisch gesicherter Knieveränderung ab Kellgren-Lawrence-Grad 2 [4]. Der WOMAC-Gesamtscore, die Schmerzskala und der Sechs-Minuten-Gehtest verbesserten sich unter drei Monaten täglich 1500 mg Commiphora-mukul-Extrakt [4]. Weil keine Vergleichsgruppe mitgeführt wurde, ist unklar, welcher Anteil der Verbesserung auf den Stoff entfällt und welcher auf den natürlichen Verlauf oder einen Placeboeffekt.

Schilddrüsenfunktion

Zur Schilddrüsenfunktion liegt für Guggul allein am Menschen keine Studie vor. Ein 1984 veröffentlichter Titel zu einer schilddrüsenstimulierenden Wirkung von Guggulsteron bei Tieren ist ohne Abstract oder Volltext nicht näher prüfbar. Eine 2025 veröffentlichte Studie zu einem unani-medizinischen Kombinationspräparat mit Guggul als einem von vier Pflanzenbestandteilen fand einen zusätzlichen TSH-Rückgang unter Levothyroxin, sie erlaubt aber keine Aussage zu Guggul allein.

Entzündungshemmung in Zellversuchen

In Ratten-Insulinom-Zellen und isolierten Ratteninseln verhinderte isoliertes Guggulsteron eine durch Entzündungsbotenstoffe ausgelöste Zellschädigung und senkte die Produktion von Stickstoffmonoxid und Prostaglandin E2, über eine Hemmung des Transkriptionsfaktors NF-kappaB. Diese Befunde stammen ausschließlich aus Zell- und Gewebeversuchen an Ratten, keiner am lebenden Tier im Ganzen oder am Menschen.

Abgrenzung, Zubereitungen und Kombinationspräparate

Die in diesem Eintrag zitierten Humanstudien prüfen unterschiedliche Zubereitungen von Guggul, ein auf 2,5 Prozent Guggulsterone standardisiertes Guggulipid, ein nicht näher standardisiertes Guggul-Präparat und niedriger dosiertes Guggulipid als Zusatz zu einer Diät, in Tagesdosen von 100 bis 2160 mg. Ein direkter Vergleich zwischen diesen Zubereitungen ist deshalb nur eingeschränkt möglich, und die widersprüchliche Cholesterin-Befundlage lässt sich nicht allein auf die Dosis zurückführen.

Mehrere weitere in der Recherche gefundene Studien prüfen Guggul nicht allein, sondern als einen von mehreren Bestandteilen eines Kombinationspräparats, etwa zusammen mit Curcuma longa, Silymarin, Chlorogensäure und Inulin bei einem metabolischen Syndrom (nicht genannt) [8], oder als eine von vier Pflanzen in einem unani-medizinischen Präparat zusätzlich zu Levothyroxin bei einer Schilddrüsenunterfunktion [6]. Zusätzlich fanden sich in der Recherche mehrere Studien zu cholesterinsenkenden Kombinationspräparaten aus rotem Reismehlextrakt, Guggulipid und Chrompicolinat. Aus keinem dieser Kombinationspräparate lässt sich ein eigener Beitrag von Guggul ableiten, sie werden in diesem Eintrag deshalb nicht als Beleg für den Stoff allein gezählt, sondern nur dort erwähnt, wo sie für die Einordnung wichtig sind.

Sicherheit und Wechselwirkungen

In den hier zitierten plazebokontrollierten Studien zu Guggulipid oder Guggul-Präparaten allein wurden am häufigsten leichte Magen-Darm-Beschwerden berichtet. In zwei der drei Cholesterin-Studien traten zusätzlich Hautausschläge durch Überempfindlichkeit auf, sechs von 33 beziehungsweise 34 mit Guggulipid behandelten Personen in der größten Studie gegenüber keiner Person unter Placebo, in der norwegischen Studie bei einer von 18 mit Studienabbruch [1][2]. In der norwegischen Studie berichteten zudem zwei von 18 mit Guggul behandelten Personen mögliche Schilddrüsenprobleme, ohne dass die Studie diese näher spezifiziert oder mit Laborwerten belegt [2].

Guggulsteron ist in Laborversuchen ein Ligand des Kernrezeptors PXR (Pregnane-X-Rezeptor) und beeinflusst darüber die Aktivität mehrerer Cytochrom-P450-Enzyme, unter anderem CYP3A4 und CYP2C9, sowie Transportproteine wie MDR1, die am Abbau und Transport zahlreicher Arzneimittel beteiligt sind [9][10]. Eine Übersichtsarbeit zu Wechselwirkungen von Beta-Blockern zählt Guggul unter den pflanzlichen Stoffen auf, die mit Beta-Blockern wechselwirken können [11]. Alle diese Angaben stammen aus Zell- und Rezeptor-Laborversuchen oder aus Übersichtsarbeiten ohne eigene neue Humandaten zu Guggul, eine konkrete klinische Studie zur veränderten Wirkstärke eines bestimmten Medikaments unter gleichzeitiger Guggul-Einnahme liegt uns nicht vor. Wegen dieser Laborbefunde ist bei gleichzeitiger Einnahme von Medikamenten mit geringem Sicherheitsabstand zwischen wirksamer und schädlicher Dosis, die über diese Enzyme abgebaut werden, ärztliche oder pharmazeutische Rücksprache sinnvoll.

Ein Fallbericht beschreibt akutes Leberversagen mit notfallmäßiger Lebertransplantation bei einer jungen, zuvor gesunden Frau nach Einnahme eines als "Fatburner" vermarkteten Nahrungsergänzungsmittels, das Usninsäure, Grüntee-Extrakt und Guggul-Baum-Extrakt kombinierte [12]. Die histopathologische Untersuchung fand keine andere Ursache für die Leberschädigung. Weil das Produkt drei verschiedene Pflanzenstoffe kombinierte und Usninsäure in der Fachliteratur unabhängig davon als lebertoxisch beschrieben ist, lässt der Fallbericht keine eindeutige Zuordnung der Leberschädigung allein zu Guggul zu. Er zeigt aber, dass als "natürlich" beworbene Kombinationspräparate mit Guggul-Anteil im Einzelfall schwere Leberschäden verursacht haben, und begründet Vorsicht gegenüber solchen Mehrstoffprodukten.

Zu Schwangerschaft und Stillzeit liegt uns keine eigene geprüfte Quelle vor, traditionell wird von einer Einnahme in der Schwangerschaft abgeraten, eine ärztliche Rücksprache vor der Einnahme ist deshalb sinnvoll.

Quellen zum Nachlesen

  1. 01

    RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, drei Arme (Standarddosis, Hochdosis, Placebo), n gleich 103 randomisiert (36 Placebo, 33 Standarddosis, 34 Hochdosis), 8 Wochen · 2003

    Guggulipid for the treatment of hypercholesterolemia, a randomized controlled trial.

    Szapary PO, Wolfe ML, Bloedon LT, Cucchiara AJ, DerMarderosian AH, Cirigliano MD, Rader DJ. JAMA

    Zur Zuschreibung: 01, 02

  2. 02

    RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, n gleich 43 randomisiert, 34 mit vollständigen Laborwerten ausgewertet, 12 Wochen · 2009

    Resin from the mukul myrrh tree, guggul, can it be used for treating hypercholesterolemia? A randomized, controlled study.

    Nohr LA, Rasmussen LB, Straand J. Complement Ther Med

    Zur Zuschreibung: 01, 02

  3. 03

    RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, Zusatz zu einer obst- und gemüsereichen Diät, n gleich 61 (31 vs 30), 24 Wochen · 1994

    Hypolipidemic and antioxidant effects of Commiphora mukul as an adjunct to dietary therapy in patients with hypercholesterolemia.

    Singh RB, Niaz MA, Ghosh S. Cardiovasc Drugs Ther

    Zur Zuschreibung: 01, 02

  4. 04

    Offene Verlaufsstudie ohne Placebo- oder Kontrollgruppe (outcome, quasi-experimental model), n gleich 30, 3 Monate mit Nachbeobachtung · 2003

    The effectiveness of Commiphora mukul for osteoarthritis of the knee, an outcomes study.

    Singh BB, Mishra LC, Vinjamury SP, Aquilina N, Singh VJ, Shepard N. Altern Ther Health Med

    Zur Zuschreibung: 03

  5. 05

    Tierstudie, kein Abstract in PubMed hinterlegt · 1984

    Thyroid stimulating action of Z-guggulsterone obtained from Commiphora mukul.

    Tripathi YB, Malhotra OP, Tripathi SN. Planta Med

    Zur Zuschreibung: 04

  6. 06

    RCT, einfachblind, Zusatz zu Levothyroxin, Kombinationspräparat aus vier Pflanzen, n gleich 100 (50 vs 50), 60 Tage · 2025

    Evaluation of the add on effect of Majoone Sarkhas with levothyroxine in primary hypothyroidism, a randomized standard control adjuvant clinical study.

    Alam MA, Quamri MA, Sofi G, Haider N. Drug Metab Pers Ther

    Zur Zuschreibung: 04

  7. 07

    Laborstudie, Ratten-Insulinom-Zellen und isolierte Ratteninseln · 2008

    Guggulsterone, a plant sterol, inhibits NF-kappaB activation and protects pancreatic beta cells from cytokine toxicity.

    Lv N, Song MY, Kim EK, Park JW, Kwon KB, Park BH. Mol Cell Endocrinol

    Zur Zuschreibung: 05

  8. 08

    Einarmige Interventionsstudie ohne Placebo, Kombinationspräparat aus fünf Wirkstoffen, n gleich 78, 4 Monate · 2015

    Effect of a Natural Supplement Containing Curcuma Longa, Guggul, and Chlorogenic Acid in Patients With Metabolic Syndrome.

    Patti AM, Al-Rasadi K, Katsiki N, Banerjee Y, Nikolic D, Vanella L, Giglio RV, Giannone VA, Montalto G, Rizzo M. Angiology

  9. 09

    Laborstudie, Mechanismus, Hepatozyten und Kernrezeptor-Testsysteme · 2005

    The ratio of constitutive androstane receptor to pregnane X receptor determines the activity of guggulsterone against the Cyp2b10 promoter.

    Ding X, Staudinger JL. J Pharmacol Exp Ther

  10. 10

    Narrative Übersichtsarbeit, Mechanismus · 2026

    Guggulsterone mediated selective modulation of nuclear receptors, implications for FXR-PXR signaling and hepatic metabolic homeostasis.

    Ganamurali N, Devarajan M, Sabarathinam S. Prostaglandins Other Lipid Mediat

  11. 11

    Narrative Übersichtsarbeit zu Arzneimittelwechselwirkungen · 2021

    A Review on Pharmacokinetic and Pharmacodynamic Drug Interactions of Adrenergic beta-blockers with Clinically Relevant Drugs, An Overview.

    Maideen NMP, Rajkapoor B, Muthusamy S, Ramanathan S, Thangadurai SA, Sughir AA. Curr Drug Metab

  12. 12

    Fallbericht mit Literaturübersicht · 2011

    Acute liver failure caused by 'fat burners' and dietary supplements, a case report and literature review.

    Yellapu RK, Mittal V, Grewal P, Fiel M, Schiano T. Can J Gastroenterol

  13. 13

    Systematische Übersicht mit Meta-Analyse, 32 randomisierte Studien, Teilbestand Guggulu acht Studien mit 380 Personen für Gesamtcholesterin und fünf Studien mit 266 Personen für LDL-Cholesterin · 2021

    A Systematic Review and Meta-Analysis of Ayurvedic Herbal Preparations for Hypercholesterolemia.

    Gupta D, Ogbonna-Jerry D, Rathi S, Vasudevan R, Sharma RH. Medicina (Kaunas)

    Zur Zuschreibung: 01, 02

  14. 14

    Randomisierte Vergleichsstudie ohne Placebogruppe, Gugulipid gegen Tetracyclin, n gleich 20, 3 Monate mit Nachbeobachtung · 1994

    Nodulocystic acne, oral gugulipid versus tetracycline.

    Thappa DM, Dogra J. J Dermatol

    Zur Zuschreibung: 06

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