Kleinblütiger Königskerzen-Extrakt

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Pflanzenextrakte

Verbascum thapsus · Wollkraut · Wollblume · Königskerze · Himmelbrand · Kerzenkraut · Mullein · Verbasci flos

H.P.N · Datenstand 2026-09-08 · 9 Zuschreibungen im Überblick

Auf einen Blick

Was es ist
Extrakt aus den Blüten der Kleinblütigen Königskerze (Verbascum thapsus), reich an Schleimstoffen, Saponinen, Flavonoiden, Iridoiden und dem Phenylethanoid Verbascosid. Wird in Handel und Literatur häufig mit den nah verwandten Arten Verbascum densiflorum und Verbascum phlomoides vermischt, die von der Arzneimittelbehörde als gleichwertige Drogenquelle geführt werden, siehe Abgrenzung unten
Herkunft
Zweijährige Pflanze aus der Familie der Braunwurzgewächse, in Europa, Nordafrika und weiten Teilen Asiens heimisch und in Nordamerika sowie Australien eingebürgert. Verwendet werden die getrockneten Blüten (Verbasci flos), traditionell als Aufguss
Wirkform in Studien
Uneinheitlich. Wässriger, ethanolischer oder methanolischer Blüten- beziehungsweise Blattextrakt in unterschiedlicher Konzentration, meist im Zellversuch oder Tiermodell geprüft. Am Menschen liegt uns nur eine Creme mit einem Blütenextrakt zum Auftragen auf die Haut vor sowie zwei Ohrentropfen, die die Königskerze als eine von mehreren Zutaten enthalten, keine der Humanstudien prüft eine orale Einnahme wie in der traditionellen Teezubereitung
Übliche Studiendosis
Die europäische Arzneimittelbehörde nennt für die traditionelle Teezubereitung 1,5 bis 2 g der Blüten je Tasse als Aufguss, drei bis vier Tassen täglich, insgesamt 4,5 bis 8 g pro Tag. Die einzige randomisierte Wirksamkeitsstudie am Menschen nutzte dagegen eine Creme mit 7,5 Prozent Blütenextrakt zum Auftragen auf die Haut, zweimal täglich für 10 Tage, keine orale Einnahme
Bekannt geworden durch
Die traditionelle Verwendung als Hustentee. Die Europäische Arzneimittelagentur (Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel, HMPC) hat 2018 eine Unions-Monographie für die Blüten von Verbascum thapsus, Verbascum densiflorum und Verbascum phlomoides veröffentlicht, als traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur Anwendung bei Halsschmerzen mit trockenem Husten und Erkältung. Diese Einstufung beruht nach eigener Aussage der Behörde ausdrücklich auf langjährigem Gebrauch und nicht auf Studien, sie trägt deshalb nicht die Stufe behördlich gesichert, siehe Abgrenzung unten
Verträglichkeit
In den wenigen vorliegenden Humandaten gut vertragen, keine schwerwiegenden Nebenwirkungen berichtet. Bei Hautkontakt mit der frischen Pflanze sind vereinzelt allergische Kontaktekzeme beschrieben, siehe Sicherheit

Was diesem Stoff zugesprochen wird

Was die Studien hergeben.

Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.

  1. 01

    Halsschmerzen bei trockenem Husten und Erkältung, die traditionelle Kernanwendung der Königskerzenblüte

    Keine Studien gefunden
    Einordnung und Einschränkungen

    Wir haben gezielt nach Human- und Laborstudien zu allen drei Königskerzen-Arten und Husten, Auswurf, Rachenreizung sowie Erkältung gesucht und keine zurechenbare Studie gefunden. Die traditionelle Einstufung der Arzneimittelbehörde beruht ausdrücklich auf langjährigem Gebrauch, nicht auf Studien.

    Ausführlicher Nachweis

    Gesucht wurde in PubMed mit den Suchbegriffen "Verbascum thapsus" "cough", ohne Beschränkung auf Humanstudien und Publikationstyp, sowie mit den weiteren Suchbegriffen expectorant, mucus, sore throat, pharyngitis und antitussive, jeweils für alle drei Arten Verbascum thapsus, Verbascum densiflorum und Verbascum phlomoides und ohne Beschränkung auf Humanstudien, um auch reine Labor- oder Tierdaten zu erfassen. Von 18 Treffern insgesamt war keiner zurechenbar. Der einzige Treffer zu Husten, Rachenreizung und Auswurf war eine ethnobotanische Übersichtsarbeit zu 14 Heilpflanzen aus Eastern Kentucky, die die Königskerze unter mehreren traditionellen Nutzungen listet, darunter als Hustenmittel der Bevölkerung, ohne selbst einen Husten- oder Rachen-Endpunkt zu prüfen. Ein zweiter Treffer betraf eine elektrogesponnene Wundauflage mit Königskerzen-Extrakt, deren Einleitung die traditionelle Verwendung bei Husten und Rachenreizung nur erwähnt, deren eigene Prüfung aber ausschließlich die Wundheilung an Haut betrifft, siehe eigene Zeile unten. Die Unions-Monographie der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA/HMPC/611537/2016, final 27. März 2018, Erstfassung 3. Juli 2008) stuft Zubereitungen aus den Blüten von Verbascum thapsus, Verbascum densiflorum und Verbascum phlomoides ausdrücklich als traditionelles pflanzliches Arzneimittel ein, "exclusively based upon long standing use", posologisch als Aufguss aus 1,5 bis 2 g Blüten drei bis vier Mal täglich, insgesamt 4,5 bis 8 g pro Tag, nicht für Kinder unter 12 Jahren empfohlen. Diese Einstufung ersetzt keine Studie, die eigene PubMed-Suche fand dazu nichts Zurechenbares, deshalb bleibt die Zeile bei keine studien gefunden [16].

  2. 02

    Wundheilung nach einem Dammschnitt, gemessen mit dem REEDA-Score unter einer aufgetragenen Creme

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    In der einzigen randomisierten Studie war der REEDA-Score am zehnten Tag unter einer Creme mit Königskerzen-Extrakt niedriger als unter Placebo, an den Tagen 1 und 3 bestand noch kein Unterschied. Eine einzelne kleine Studie zu einer topischen Zubereitung, keine Aussage zur oralen Einnahme.

    Ausführlicher Nachweis

    In einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Studie an der Fatemeh-Zahra-Klinik in Saveh trugen erstgebärende Frauen nach einem Dammschnitt zweimal täglich für 10 Tage 2 cm einer Creme mit 7,5 Prozent ethanolischem Verbascum-thapsus-Blütenextrakt oder eine wirkstofffreie Trägercreme (Eucerin-Basis) auf die Wunde auf [1]. Von 100 eingeschlossenen Frauen wurden 93 ausgewertet, 46 in der Verbascum-Gruppe und 47 in der Placebogruppe, die Gruppen unterschieden sich vor der Behandlung weder in demografischen Merkmalen noch im REEDA-Ausgangswert [1]. Die Wundheilung wurde mit dem REEDA-Score erfasst, ein Punktwert von 0 (beste Ausprägung) bis 15 (schlechteste Ausprägung) aus den fünf Merkmalen Rötung, Ödem, Ecchymose (Bluterguss), Ausfluss und Wundrandannäherung [1]. An den Tagen 1 und 3 war der mittlere REEDA-Score in der Verbascum-Gruppe zwar niedriger als in der Placebogruppe, der Unterschied war im Mann-Whitney-Test aber nicht statistisch bedeutsam (Tag 1, 4,70 gegenüber 4,94 Punkten, p gleich 0,68, Tag 3, 3,26 gegenüber 3,87 Punkten, p gleich 0,23) [1]. Am zehnten Tag lag der mittlere REEDA-Score in der Verbascum-Gruppe bei 0,67 Punkten gegenüber 2,26 Punkten in der Placebogruppe, ein nach dem Mann-Whitney-Test hoch signifikanter Unterschied, den die Ergebnistabelle mit p gleich 0,000 ausweist [1]. Nach dem Chi-Quadrat-Test unterschied sich am zehnten Tag auch der Anteil der Frauen mit sichtbarer Verbesserung deutlich, 69,56 Prozent in der Verbascum-Gruppe gegenüber 14,89 Prozent in der Placebogruppe [1]. Das Abstract derselben Arbeit nennt für den Tag-10-Unterschied abweichend p gleich 0,01, während die Ergebnistabellen im Volltext p gleich 0,000 ausweisen, diese Abweichung zwischen Abstract und Volltext lässt sich aus der Arbeit selbst nicht auflösen. Die Studie war öffentlich gefördert (Shahid Beheshti University of Medical Sciences), die Autorinnen erklären, es bestehe kein Interessenkonflikt [1]. Die Anwendung erfolgte topisch auf eine frische OP-Wunde bei Wöchnerinnen, keine Aussage zu einer oralen Einnahme oder zu anderen Hautwunden. Es handelt sich um die einzige uns bekannte randomisierte Humanstudie zu Verbascum thapsus an intakter Haut nach einem operativen Eingriff, eine unabhängige Bestätigung liegt nicht vor.

    Quellen: 1

  3. 03

    Ohrenschmerzen bei Kindern mit auffälligem Trommelfellbefund, unter einem Mehrkräuter-Ohrentropfen mit Königskerze, ohne Placebogruppe

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Zwei Studien derselben Arbeitsgruppe prüften Ohrentropfen mit vier bis sechs Kräutern, darunter Königskerze, gegen betäubende Ohrentropfen. Die Königskerze wurde nie allein geprüft, es gab keine Placebogruppe, und die Autoren selbst schreiben, der Großteil der Schmerzbesserung sei durch den natürlichen Verlauf erklärbar. Beide Arbeiten bekamen das Prüfpräparat vom Hersteller geliefert, die ältere nennt ihn zusätzlich als Unterstützer der Arbeit.

    Ausführlicher Nachweis

    In einer randomisierten Studie erhielten 103 Kinder im Alter von 6 bis 18 Jahren mit Ohrenschmerzen und auffälligem Trommelfellbefund entweder ein Naturheilmittel namens Otikon (Allium sativum, Verbascum thapsus, Calendula flores und Hypericum perforatum in Olivenöl) oder betäubende Ohrentropfen (Amethocain und Phenazon in Glycerin), jeweils in den äußeren Gehörgang geträufelt und über 3 Tage anhand von zwei visuellen Schmerzskalen ausgewertet [2]. Beide Gruppen zeigten über den Studienzeitraum eine statistisch bedeutsame Besserung des Schmerzscores (p gleich 0,007), zwischen den beiden Wirkstoffgruppen selbst wird in der Zusammenfassung kein separater Gruppenvergleichswert genannt, die Autoren ziehen den Schluss, Otikon sei einem betäubenden Ohrentropfen ebenbürtig, keine Placebogruppe war vorgesehen [2]. In einer zweiten, größeren Studie derselben Arbeitsgruppe wurden 180 Kinder im Alter von 5 bis 18 Jahren mit Ohrenschmerzen und Trommelfellbefund auf vier Gruppen verteilt, von denen 171 ausgewertet wurden. Die vier Gruppen waren ein Sechs-Kräuter-Ohrentropfen NHED (Allium sativum, Verbascum thapsus, Calendula flores, Hypericum perfoliatum, Lavendel und Vitamin E in Olivenöl) allein, NHED zusammen mit oralem Antibiotikum, ein betäubender Ohrentropfen allein, und ein betäubender Ohrentropfen zusammen mit oralem Antibiotikum, wieder ohne Placebogruppe [3]. Eine Gruppe mit NHED zusammen mit einem betäubenden Ohrentropfen gab es nicht. Jede der vier Gruppen zeigte über 3 Tage eine Schmerzbesserung, am stärksten die Gruppe mit NHED allein (95,9 Prozent Schmerzminderung gegenüber 90,9 Prozent unter NHED mit Antibiotikum, 84,7 Prozent unter betäubenden Tropfen allein und 77,8 Prozent unter betäubenden Tropfen mit Antibiotikum) [3]. Der Vergleich zwischen den Wirkstoffgruppen fiel an den Tagen 2 und 3 zugunsten von NHED aus [3]. Entscheidend ist jedoch die eigene Regressionsrechnung der Autoren. Das gesamte Modell erklärte nur 22 Prozent der Schmerzminderung, und die Variable Tropfen, also NHED gegenüber betäubenden Tropfen, erklärte davon nur 7,3 Prozent, während die Autoren den Rest ausdrücklich dem bloßen Zeitverlauf zuschreiben [3]. Die Autoren schreiben selbst, der Ohrenschmerz sei bei akuten Mittelohrbeschwerden zu 80 Prozent selbstlimitierend und allein durch den Zeitverlauf erklärbar, ein systemischer Nutzen der zusätzlichen Antibiotikagabe habe sich nicht gezeigt [3]. In beiden Studien ist Königskerze eine von vier beziehungsweise sechs Zutaten eines Kombinationspräparats, ein eigenständiger Beitrag der Königskerze zum Ergebnis lässt sich aus dem Studiendesign nicht herauslösen. Beide Arbeiten lagen uns im Volltext vor und wurden gelesen. Beide nennen dieselbe Herstellerbindung. Die ältere Arbeit schreibt im Anhang, sie sei von David Naker, Pharmazeut bei Healthy-On, unterstützt worden, der das geprüfte Naturheilmittel Otikon entwickelt und geliefert habe [2]. Die neuere Arbeit dankt demselben David Nakar von der Nakar Co in Petah Tiqva dafür, dass er NHED und alle in der Studie verwendeten Medikamente geliefert habe [3]. In beiden Fällen stammt das Prüfpräparat also vom Hersteller, der die Studie mitgetragen hat, eine eigene Interessenerklärung enthält keine der beiden Arbeiten.

    Quellen: 2, 3

  4. 04

    Entzündungshemmende Wirkung in Zellkultur- und Tiermodellen, ohne bestätigten Effekt im Ödemtest an der Ratte

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    In menschlichen Immunzellen und Knorpelzellen im Reagenzglas senkte Königskerze mehrere Entzündungsmarker, im Rattenmodell für ein akutes Ödem zeigte ein Blütenextrakt dagegen keinen Effekt. Keine Humanstudie.

    Ausführlicher Nachweis

    An kultivierten menschlichen THP-1-Zellen (eine Monozyten-Zelllinie) senkte das aus Königskerze isolierte Phenylethanoid Verbascosid in einer Konzentration von 100 Mikromol nach Reizung mit Lipopolysaccharid und Interferon-gamma die Expression und Aktivität der induzierbaren Stickstoffmonoxid-Synthase sowie die Bildung von Superoxidradikalen, ein reiner Zellkulturversuch ohne Tier- oder Humandaten [4]. An murinen RAW-264.7-Makrophagen und an menschlichen Knorpelzellen senkte ein wässriger Blattextrakt von Verbascum thapsus mehrere Entzündungsmarker und knorpelabbauende Enzyme stärker als eine Vergleichssubstanz aus Teufelskralle, ebenfalls ein reiner Zellkulturversuch [5]. In einer rumänischen Arbeit an einem polyphenolreichen Blütenextrakt von Verbascum phlomoides, einer von der ersten abweichenden Königskerzen-Art, senkte der Extrakt in mit TNF-alpha gereizten menschlichen Nabelschnurvenen-Endothelzellen die ICAM-1-Expression um 55 bis 58,8 Prozent bei 100 und 200 Mikrogramm pro Milliliter, im anschließenden In-vivo-Test am Rattenpfoten-Ödem-Modell mit Eiweiß-Reizung zeigte derselbe Extrakt jedoch keine Verringerung der Schwellung [6]. Die entzündungshemmende Wirkung ist damit im Zellversuch, auch an menschlichen Zelllinien, wiederholt gezeigt, im einzigen geprüften Tiermodell für ein akutes Ödem aber nicht bestätigt. Keine der drei Arbeiten wurde an Menschen durchgeführt.

    Quellen: 4, 5, 6

  5. 05

    Antioxidative Wirkung in zellfreien Laborassays, schwächer als Standard-Antioxidantien

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    In zwei Laborarbeiten zu unterschiedlichen Königskerzen-Arten zeigte der Extrakt radikalfangende Wirkung im Reagenzglas, jeweils schwächer als eine Vergleichssubstanz. Keine Zell- oder Humandaten zur antioxidativen Wirkung selbst.

    Ausführlicher Nachweis

    Ein methanolischer Extrakt aus oberirdischen Teilen von Verbascum thapsus zeigte im DPPH- und im ABTS-Radikalfangtest bei einer Konzentration von 30 Milligramm pro Milliliter eine geringere radikalfangende Wirkung als Standard-Antioxidantien im selben Test [7]. Ein polyphenolreicher wässriger Blütenextrakt von Verbascum phlomoides erreichte im DPPH-Test einen EC50-Wert von 7,09 Milligramm pro Milliliter, die Autoren führen die antioxidative Wirkung vor allem auf einen Gehalt von 4,18 Prozent Gesamtpolyphenolen zurück, mit Rosmarinsäure, Kaffeesäure, Ferulasäure und Quercetin als Hauptbestandteilen [6]. Beide Messungen fanden außerhalb von Zellen oder Tieren statt, an gelösten Extrakten in einem chemischen Testsystem, keine Übertragung auf Zellschutz oder eine Wirkung am Menschen ist daraus ableitbar.

    Quellen: 7, 6

  6. 06

    Antivirale Wirkung im Zellkultur-Modell gegen tierische Herpesviren

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    In drei älteren Laborarbeiten hemmte ein Verbascum-thapsus-Extrakt in Zellkultur die Vermehrung von Herpesviren bei Tieren. Keine Humanstudie und kein für den Menschen relevantes Virus geprüft.

    Ausführlicher Nachweis

    Ein methanolischer Extrakt aus Verbascum thapsus hemmte in Vero-Zellen (eine Affennieren-Zelllinie) die Vermehrung des Pseudorabies-Virus (Suid-Herpesvirus, ein Schweinevirus) mit einer mittleren wirksamen Konzentration von 35 Mikrogramm pro Milliliter bei einem Selektivitätsindex von 31,4 beziehungsweise 40,7, je nach Zytotoxizitätsmaß [8]. Eine argentinische Arbeitsgruppe bestätigte an demselben Vero-Zell-Pseudorabies-System, dass ein alkoholischer Verbascum-thapsus-Extrakt die Virusinfektiosität um mindestens 2 Zehnerpotenzen senkte, eine von acht in dieser Untersuchung wirksamen Pflanzenarten [10]. In einem älteren kanadischen Screening von 100 methanolischen Pflanzenextrakten gegen sieben verschiedene Viren gehörte ein Verbascum-thapsus-Extrakt zu den zwölf Extrakten mit Aktivität, konkret gegen das Herpes-simplex-Virus Typ 1 [9]. Alle drei Arbeiten sind reine Zellkulturversuche an tierischen oder für den Menschen wenig relevanten Modellviren, keine an Menschen und keine an einem für die Atemwege typischen Erkältungsvirus.

    Quellen: 8, 10, 9

  7. 07

    Antimikrobielle Wirkung und Wundheilung in Tier- und Laborversuchen mit verschiedenen Darreichungsformen

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    Ein Extrakt in einer Nanofaser-Wundauflage hemmte im Zellversuch zwei Bakterienarten und beschleunigte den Wundschluss bei Tieren, ein zweiter Extrakt in einem Wundauflagen-Material zeigte gerinnungsfördernde Eigenschaften im Bluttest. Beides sind Tier- und Laborversuche, keine Humandaten.

    Ausführlicher Nachweis

    Eine iranische Arbeitsgruppe reicherte eine elektrogesponnene Polyvinylalkohol-Nanofasermembran mit einer antibakteriell wirksamen Fraktion aus Verbascum thapsus an (5 Prozent butanolischer Extrakt) und prüfte sie gegen Escherichia coli und Staphylococcus aureus sowie in einem Wundheilungsversuch [11]. Die angereicherte Membran zeigte eine konzentrationsabhängige Hemmung beider Bakterienarten, war in MTT- und Hämolysetests biokompatibel und beschleunigte in einem Wundheilungsversuch, der sowohl im Zellversuch als auch am Tier durchgeführt wurde, den Wundschluss gegenüber der unbeladenen Membran [11]. Eine türkische Arbeitsgruppe stellte aus Chitosan und Gelatine ein Kryogel mit Verbascum-thapsus-Blattextrakt her, gedacht als blutstillende Wundauflage für nicht komprimierbare Blutungen, und prüfte es an Kaninchen- beziehungsweise Zitratblut sowie im Zellversuch [12]. Mit 5 Prozent Extraktanteil sank der Blutgerinnungsindex in Vollblut von 11,9 auf 6,5 und die Gerinnungszeit auf etwa 6 Minuten, die antibakterielle Hemmung erreichte 89 Prozent, die Zellverträglichkeit blieb über 80 Prozent, ohne dass ein lebendes Tiermodell für eine Blutung selbst geprüft wurde [12]. Beide Arbeiten sind Material- und Laborentwicklungen für Wundauflagen, keine der beiden wurde an einer Wunde am Menschen geprüft.

    Quellen: 11, 12

  8. 08

    Beeinflussung der angeborenen Immunantwort in einer Mehrstoff-Kombination mit Königskerze, Zellkultur- und Genexpressionsdaten

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    In einer Kombination aus Propolis, Königskerze und Thymian veränderten sich Immunmarker im Zellversuch und die Vermehrung mehrerer Viren und Keime wurde gehemmt. Keine Humandaten und kein eigenständiger Beitrag der Königskerze bestimmbar.

    Ausführlicher Nachweis

    Eine italienische Arbeitsgruppe prüfte eine polyphenolreiche Mehrstoff-Formel aus Propolis, Verbascum thapsus und Thymus vulgaris zusammen mit anorganischen Polyphosphaten gegen SARS-CoV-2, Influenza-A-Viren und das respiratorische Synzytial-Virus sowie gegen mehrere Bakterien- und Pilzarten [13]. In Zellkultur hemmte die Formel die Vermehrung aller drei geprüften Virusarten und zeigte minimale Hemmkonzentrationen gegen die geprüften Bakterien und gegen Candida albicans, per Genexpressionsanalyse und ELISA stiegen mehrere an der angeborenen Immunantwort beteiligte Botenstoffe (darunter Interferon-gamma, Tumornekrosefaktor-alpha, Interleukin-10 und antimikrobielle Peptide) [13]. Die Formel enthält neben Königskerze zwei weitere Wirkstoffquellen, ein eigenständiger Beitrag von Verbascum thapsus zum gemessenen Effekt lässt sich aus dieser Arbeit nicht herauslösen, und alle Messungen fanden in Zellkultur statt, keine an lebenden Tieren oder Menschen.

    Quellen: 13

  9. 09

    Linderung von Hautproblemen wie Ekzemen oder unreiner Haut bei äußerlicher Anwendung

    Keine Studien gefunden
    Einordnung und Einschränkungen

    Wir haben zu Königskerze und Hautproblemen wie Ekzemen oder Akne gesucht und keine Studie am Menschen oder im Labor gefunden, die eine solche Wirkung prüft. Bekannt sind stattdessen einzelne Berichte über eine allergische Hautreaktion, siehe Sicherheit.

    Ausführlicher Nachweis

    Gesucht wurde in PubMed mit den Suchbegriffen "Verbascum thapsus" "skin", ohne Beschränkung auf Humanstudien und Publikationstyp, sowie mit den Suchbegriffen eczema und acne, für alle drei Arten Verbascum thapsus, Verbascum densiflorum und Verbascum phlomoides. Es fand sich keine einzige Arbeit, die eine lindernde Wirkung auf Ekzeme, Akne oder eine andere Hautunreinheit an Menschen, Tieren oder in Zellkultur prüft. Die einzigen auffindbaren Arbeiten zur Haut betreffen die Wundheilung nach einem Dammschnitt und in Tiermodellen, siehe eigene Zeilen oben, sowie zwei Fallberichte einer allergischen Kontaktdermatitis nach Hautkontakt mit der frischen Pflanze, siehe Sicherheit. Zur oft beworbenen hautberuhigenden Wirkung bei Ekzemen oder unreiner Haut liegt uns damit keine einzige zurechenbare Studie vor.

Studien im Detail

Wundheilung nach einem Dammschnitt

Taleb und Saeedi prüften 2021 an der Fatemeh-Zahra-Klinik in Saveh in einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Studie eine Creme mit 7,5 Prozent ethanolischem Verbascum-thapsus-Blütenextrakt gegen eine wirkstofffreie Trägercreme. Erstgebärende Frauen trugen die Creme nach einem Dammschnitt zweimal täglich für 10 Tage auf, ausgewertet wurden 93 von ursprünglich 100 eingeschlossenen Frauen. Der REEDA-Score, ein aus fünf Merkmalen der Wundheilung zusammengesetzter Punktwert, unterschied sich an den Tagen 1 und 3 zwischen den Gruppen nicht bedeutsam, am zehnten Tag lag er in der Verbascum-Gruppe deutlich niedriger als unter Placebo. Die Studie ist öffentlich finanziert, ohne erklärten Interessenkonflikt, und die einzige uns bekannte randomisierte Humanstudie zu dieser Anwendung. Eine Abweichung zwischen dem im Abstract genannten p-Wert und den Ergebnistabellen im Volltext bleibt ungeklärt, siehe Quellenbeleg.

Ohrenschmerzen bei Kindern

Zwei Studien derselben israelischen Arbeitsgruppe um Sarrell prüften Ohrentropfen, die Königskerze neben drei bis fünf weiteren pflanzlichen Zutaten enthalten, gegen betäubende Ohrentropfen bei Kindern mit Ohrenschmerzen und auffälligem Trommelfellbefund. In beiden Studien gab es keine Placebogruppe, alle geprüften Gruppen zeigten über den Beobachtungszeitraum eine Schmerzbesserung. In der größeren Studie von 2003 erklärte das nach eigener Auswertung wirksamste Behandlungsschema nur einen kleinen Teil der gesamten Schmerzreduktion, die Autoren selbst führen den Großteil der Besserung auf den natürlichen, meist selbstlimitierenden Verlauf zurück. Ein eigenständiger Beitrag der Königskerze innerhalb der Kombination lässt sich aus beiden Arbeiten nicht bestimmen.

Entzündungshemmende und antioxidative Wirkung im Labor

In mehreren Zellkulturarbeiten senkte Königskerze in menschlichen Immun- und Knorpelzellen Entzündungsmarker. Im einzigen geprüften Tiermodell für ein akutes Ödem, einem Rattenpfoten-Test mit einem Extrakt aus Verbascum phlomoides, zeigte sich dagegen keine Verringerung der Schwellung, obwohl derselbe Extrakt im Zellversuch entzündungshemmend wirkte. Die antioxidative Wirkung ist in zellfreien Labortests für Extrakte aus Verbascum thapsus und aus Verbascum phlomoides jeweils schwächer als bei Standard-Antioxidantien belegt.

Antivirale und antimikrobielle Wirkung im Labor

Drei überwiegend ältere Arbeiten zeigen eine Hemmung von Herpesviren bei Tieren durch Verbascum-thapsus-Extrakte in Zellkultur, geprüft wurde kein für den Menschen relevantes Erkältungsvirus. Neuere Arbeiten zu Wundauflagen-Materialien zeigen eine antibakterielle und teils gerinnungsfördernde Wirkung im Labor- und Tierversuch, ebenfalls ohne Humandaten. Eine Mehrstoff-Kombination mit Königskerze, Propolis und Thymian veränderte in Zellkultur mehrere Immunmarker, ein eigenständiger Beitrag der Königskerze lässt sich darin nicht bestimmen.

Abgrenzung, drei Königskerzen-Arten als eine Droge

Verbascum thapsus (Kleinblütige Königskerze), Verbascum densiflorum (Großblütige Königskerze, auch als Verbascum thapsiforme geführt) und Verbascum phlomoides (Windblumen-Königskerze) sind drei eigenständige Arten, die in Handel, Ethnobotanik und auch in der Arzneimittelzulassung regelmäßig als eine gemeinsame Droge behandelt werden. Die Unions-Monographie der Europäischen Arzneimittelagentur führt alle drei Arten gemeinsam unter der Bezeichnung Verbasci flos und erkennt sie pharmakopöisch als gleichwertig an, ohne dass diese Gleichsetzung auf einem Wirkungsvergleich zwischen den drei Arten beruht.

Die pharmakologischen Laborarbeiten, die diesem Eintrag zugrunde liegen, betreffen fast ausschließlich Verbascum thapsus. Zu Verbascum phlomoides liegt uns eine einzelne Arbeit zur entzündungshemmenden und antioxidativen Wirkung vor, zu Verbascum densiflorum ausschließlich ein Fallbericht zu einer allergischen Hautreaktion. Wirkungsaussagen zu einer Art lassen sich nicht ohne Weiteres auf eine andere übertragen, auch wenn beide Pflanzen umgangssprachlich als Königskerze bezeichnet werden.

Sicherheit und Wechselwirkungen

In den wenigen vorliegenden Humandaten war die Anwendung von Verbascum thapsus, sowohl als Creme auf der Haut als auch als Bestandteil eines Ohrentropfens, gut verträglich, ernsthafte Nebenwirkungen wurden nicht berichtet.

Bei Hautkontakt mit der frischen Pflanze sind einzelne Fallberichte einer allergischen Kontaktdermatitis bekannt, einer mit einer gleichzeitigen Reaktion auf Korbblütler und Verbascum thapsus [14], ein zweiter mit einer luftübertragenen Kontaktdermatitis am Arbeitsplatz durch Verbascum densiflorum [15]. Beide Berichte betreffen Einzelfälle mit direktem Kontakt zur frischen Pflanze oder ihrem Staub, keine Reaktion auf einen fertigen Extrakt in einem Nahrungsergänzungsmittel.

Zu Wechselwirkungen mit Medikamenten liegt uns keine eigene geprüfte Humanstudie vor. Ein in einem Laborversuch geprüftes Wundauflagen-Material mit Königskerzen-Blattextrakt zeigte gerinnungsfördernde Eigenschaften im Bluttest, eine Übertragung auf eine orale Einnahme ist daraus nicht ableitbar, siehe Wirkungstabelle.

Zu Schwangerschaft und Stillzeit liegt uns keine eigene geprüfte Quelle vor, eine ärztliche Rücksprache vor der Einnahme ist in diesem Fall grundsätzlich sinnvoll. Die Unions-Monographie empfiehlt die traditionelle Teezubereitung ausdrücklich nicht für Kinder unter 12 Jahren.

Quellen zum Nachlesen

  1. 01

    RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, topische Creme, n gleich 93 (46 vs 47) · 2021

    The effect of the Verbascum Thapsus on episiotomy wound healing in nulliparous women, a randomized controlled trial.

    Taleb S, Saeedi M. BMC Complement Med Ther

    Zur Zuschreibung: 02

  2. 02

    RCT, aktive Vergleichsgruppe ohne Placebo, Kombinationspräparat, n gleich 103 · 2001

    Efficacy of naturopathic extracts in the management of ear pain associated with acute otitis media.

    Sarrell EM, Mandelberg A, Cohen HA. Arch Pediatr Adolesc Med

    Zur Zuschreibung: 03

  3. 03

    RCT, vier Gruppen ohne Placebo, Kombinationspräparat, n gleich 171 · 2003

    Naturopathic treatment for ear pain in children.

    Sarrell EM, Cohen HA, Kahan E. Pediatrics

    Zur Zuschreibung: 03

  4. 04

    Zellkulturversuch, menschliche THP-1-Zellen · 2010

    Antiinflammatory effects in THP-1 cells treated with verbascoside.

    Speranza L, et al. Phytother Res

    Zur Zuschreibung: 04

  5. 05

    Zellkulturversuch, murine Makrophagen und menschliche Knorpelzellen · 2021

    Phytochemical Analysis and Anti-Inflammatory and Anti-Osteoarthritic Bioactive Potential of Verbascum thapsus L. (Scrophulariaceae) Leaf Extract Evaluated in Two In Vitro Models of Inflammation and Osteoarthritis.

    Calabrese G, et al. Molecules

    Zur Zuschreibung: 04

  6. 06

    Zellkultur- und Tierversuch, Verbascum phlomoides, humane Endothelzellen und Ratten-Pfotenödem · 2013

    Correlation between polyphenol content and anti-inflammatory activity of Verbascum phlomoides (mullein).

    Grigore A, et al. Pharm Biol

    Zur Zuschreibung: 04, 05

  7. 07

    Laborassay, zellfrei und Zelllinien · 2023

    Antioxidant, AChE inhibitory, and anticancer effects of Verbascum thapsus extract.

    Zhang N, et al. Cell Mol Biol (Noisy-le-grand)

    Zur Zuschreibung: 05

  8. 08

    Zellkulturversuch, Vero-Zellen, tierisches Herpesvirus · 2012

    Antiviral effect and mode of action of methanolic extract of Verbascum thapsus L. on pseudorabies virus (strain RC/79).

    Escobar FM, et al. Nat Prod Res

    Zur Zuschreibung: 06

  9. 09

    Zellkultur-Screening, mehrere Viren, darunter Herpes simplex Typ 1 · 1995

    Antiviral screening of British Columbian medicinal plants.

    McCutcheon AR, et al. J Ethnopharmacol

    Zur Zuschreibung: 06

  10. 10

    Zellkulturversuch, Vero-Zellen, tierisches Herpesvirus · 1999

    Search for antiviral activity of certain medicinal plants from Cordoba, Argentina.

    Zanon SM, et al. Rev Latinoam Microbiol

    Zur Zuschreibung: 06

  11. 11

    Labor- und Tierversuch, Nanofaser-Wundauflage · 2024

    Bioassay-guided fractionation of Verbascum thapsus extract and its combination with polyvinyl alcohol in the form electrospun nanofibrous membrane for efficient wound dressing application.

    Razani S, et al. Heliyon

    Zur Zuschreibung: 07

  12. 12

    Laborversuch, Blut- und Zelltests · 2025

    A potential hemostatic chitosan/gelatin cryogel impregnated with Verbascum thapsus leaf extract for noncompressible hemorrhage management.

    Uzuner H, Yürük A, İşoğlu İA. Biomed Mater

    Zur Zuschreibung: 07

  13. 13

    Zellkulturversuch, Mehrstoff-Kombination mit Königskerze · 2024

    Modulation of innate immunity related genes resulting in prophylactic antimicrobial and antiviral properties.

    Ferrucci V, et al. J Transl Med

    Zur Zuschreibung: 08

  14. 14

    Fallbericht, allergische Kontaktdermatitis · 2017

    Simultaneous contact dermatitis caused by Asteraceae and Verbascum thapsus.

    Flores Echaiz C, et al. Contact Dermatitis

  15. 15

    Fallbericht, Verbascum densiflorum, allergische Kontaktdermatitis · 2006

    Occupational airborne dermatitis from gordolobo (Verbascum densiflorum).

    Castro AI, et al. Contact Dermatitis

  16. 16

    Regulatorisches Dokument, traditionelle Verwendung, keine Studie · 2018

    European Union herbal monograph on Verbascum thapsus L., V. densiflorum Bertol. (V. thapsiforme Schrad) and V. phlomoides L., flos.

    Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC), European Medicines Agency EMA/HMPC/611537/2016

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