L-Norvalin
Zuletzt geprüft am
Aminosäuren
Norvalin · 2-Aminopentansäure
Auf einen Blick
- Was es ist
- Eine nicht proteinogene Aminosäure, strukturell verwandt mit Valin und Leucin. Kein Baustein körpereigener Proteine
- Herkunft
- Kommt in der Natur nur in Spuren vor, für Nahrungsergänzung wird sie chemisch hergestellt
- Wirkform in Studien
- Freies L-Norvalin. In Zell- und Tierstudien meist injiziert oder direkt ins Nährmedium gegeben, keine Studie mit oraler Einnahme am Menschen
- Übliche Studiendosis
- Für den Menschen nicht etabliert. Tierstudien arbeiteten mit Dosierungen um 20 bis 30 mg pro Kilogramm Körpergewicht, verabreicht per Injektion. Das lässt sich nicht auf eine orale Dosierung beim Menschen übertragen
- Verträglichkeit
- Humandaten zur Verträglichkeit liegen uns nicht vor. Eine Zellstudie an menschlichen Nervenzellen zeigt eine toxische Wirkung ab vergleichsweise niedrigen Konzentrationen, ein späterer Fachkommentar zieht die Einordnung teilweise in Zweifel, siehe Sicherheit
Was diesem Stoff zugesprochen wird
Was die Studien hergeben.
Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.
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01
Hemmung des Enzyms Arginase in menschlichen Gefäßzellen (Zellkultur)
Nur Labor und TierEinordnung und Einschränkungen
Zellstudie an menschlichen Nabelvenen-Endothelzellen (HUVEC). L-Norvalin hemmte die zelleigene Arginase und damit die Polyaminsynthese aus Arginin, mit Auswirkung auf die Zellteilung. Keine Untersuchung am lebenden Menschen
Quellen: 1
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02
Gefäßerweiterung und Durchblutung
Nur Labor und TierEinordnung und Einschränkungen
Zwei Arbeiten an isolierten Gefäßen. An Aortenringen von apoE-defizienten Mäusen (n gleich 5) kehrte L-Norvalin eine arginininduzierte Gefäßverengung in eine stärkere Gefäßerweiterung um. An Aortenringen fettleibiger Mäuse stellte L-Norvalin die durch die Ernährung gestörte Gefäßerweiterung teilweise wieder her. Beides ex vivo, kein Beleg am lebenden Menschen
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03
Blutdruck
Nur Labor und TierEinordnung und Einschränkungen
Ratten mit erblich bedingtem, stressinduziertem Bluthochdruck erhielten 7 Tage lang 30 mg pro Kilogramm Körpergewicht L-Norvalin per Injektion in die Bauchhöhle. Der Blutdruck sank, die Ausscheidungsmenge stieg. Bei normotensiven Kontrolltieren zeigte sich kein Effekt auf den Blutdruck. Keine Humanstudie
Quellen: 4
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04
Muskelpump und Blutfluss in die Muskulatur während des Trainings
Keine Studien gefundenEinordnung und Einschränkungen
Wird als Hauptversprechen beworben. Gesucht wurde am Menschen und im Tier- und Labormodell nach L-Norvalin in Verbindung mit Blutfluss, Durchblutung oder Pump im Training, zusätzlich noch einmal gesucht mit den Begriffen exercise, training, performance, blood flow und pump. Kein Treffer prüft L-Norvalin als Prüfsubstanz an diesem Endpunkt, die wenigen Funde nennen Norvalin nur als Stoffwechsel-Nebenbefund in Metabolomik-Studien an Ratten oder Menschen
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05
Sportliche Leistungsfähigkeit und Ausdauer
Keine Studien gefundenEinordnung und Einschränkungen
Gesucht wurde am Menschen und im Tier- und Labormodell nach L-Norvalin zusammen mit Trainingsleistung, Ausdauer oder körperlicher Leistungsfähigkeit. Kein Treffer, weder am Menschen noch im Tiermodell
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06
Muskelregeneration und Muskelaufbau nach dem Training
Keine Studien gefundenEinordnung und Einschränkungen
Gesucht wurde am Menschen und im Tier- und Labormodell nach L-Norvalin zusammen mit Muskelregeneration, Muskelwachstum oder Erholung nach Belastung. Kein Treffer, der L-Norvalin als Prüfsubstanz zu diesem Endpunkt untersucht
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07
Entzündungsmarker an menschlichen Gefäßzellen (Zellkultur)
Nur Labor und TierEinordnung und Einschränkungen
Zellstudie an menschlichen Nabelvenen-Endothelzellen. L-Norvalin senkte konzentrationsabhängig die durch TNF-alpha ausgelöste Bildung der Adhäsionsmoleküle VCAM-1, ICAM-1 und E-Selektin. Ein anderer Arginasehemmer zeigte diesen Effekt nicht. Die Wirkung von L-Norvalin war unabhängig von der Arginasehemmung und ließ sich teilweise auf die Hemmung von S6K1 zurückführen. Zellkultur, kein Humanbeleg
Quellen: 5
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08
Oxidativer Stressmarker bei Tieren
Nur Labor und TierEinordnung und Einschränkungen
Ratten mit diätetisch und durch Streptozotocin ausgelöster Blutzuckererhöhung erhielten L-Norvalin. Der oxidative Stressmarker Malondialdehyd sowie Gesamtcholesterin und LDL sanken gegenüber unbehandelten Tieren. Tierstudie, keine Übertragung auf den Menschen möglich
Quellen: 6
Der zentrale Punkt vorweg: L-Norvalin wird beworben, weil es das Enzym Arginase hemmen und dadurch mehr Arginin für die Bildung von Stickstoffmonoxid übrig lassen soll, mit der Folge einer besseren Durchblutung und eines stärkeren Trainingspumps. Dieser Wirkweg ist bislang ausschließlich an isolierten Zellen und im Tiermodell gezeigt. Eine Humanstudie mit L-Norvalin als Reinstoff haben wir zu keinem der hier genannten Endpunkte gefunden, auch nicht zu Durchblutung, Muskelpump oder sportlicher Leistung, obwohl das die Kernversprechen des Stoffs sind.
Studien im Detail
Zu keiner der oben genannten Wirkungen liegt eine Humanstudie vor. Die folgenden Angaben stammen ausnahmslos aus Zell- und Tierarbeiten und stehen deshalb im eigenen Block.
Tier- und Laborstudien
Diese Daten stammen aus Zellkulturen und Tiermodellen. Sie tragen keine Wirkungsaussage für den Menschen, zeigen aber, worauf sich die Bewerbung von L-Norvalin stützt.
An menschlichen Nabelvenen-Endothelzellen (HUVEC) hemmt L-Norvalin die zelleigene Arginase und senkt konzentrationsabhängig die durch TNF-alpha ausgelöste Bildung von Adhäsionsmolekülen (Bachetti et al. 2004, Ming et al. 2009). An isolierten Gefäßringen von Mäusen kehrt L-Norvalin eine arginininduzierte Gefäßverengung in eine Gefäßerweiterung um und stellt eine ernährungsbedingt gestörte Gefäßfunktion teilweise wieder her (Ming et al. 2004, Ketonen et al. 2010). Bei Ratten mit erblich bedingtem Bluthochdruck senkte eine 7-tägige Injektionsbehandlung mit 30 mg pro Kilogramm Körpergewicht den Blutdruck und steigerte die Ausscheidung, bei normotensiven Kontrolltieren blieb der Blutdruck unverändert (Gilinsky et al. 2020). Bei Ratten mit diätetisch und durch Streptozotocin ausgelöster Blutzuckererhöhung sanken unter L-Norvalin der oxidative Stressmarker Malondialdehyd sowie Cholesterin- und LDL-Werte (Javrushyan et al. 2022).
Keine dieser Arbeiten hat Durchblutung während des Trainings, Muskelpump, sportliche Leistungsfähigkeit, Ausdauer oder Muskelregeneration als Endpunkt untersucht. Der in der Werbung gezogene Schluss von der Arginasehemmung auf diese Trainingseffekte ist eine Extrapolation, keine geprüfte Wirkung.
Sicherheit und Wechselwirkungen
Humandaten zur Sicherheit von L-Norvalin liegen uns nicht vor.
Eine Zellstudie an menschlichen Nervenzellen, der Neuroblastom-Zelllinie SH- SY5Y, fand, dass L-Norvalin ab Konzentrationen von 125 Mikromol pro Liter die Zellviabilität senkte, nekrotischen Zelltod auslöste und die Mitochondrienstruktur und -funktion beeinträchtigte (Samardzic und Rodgers 2019) [7]. Die Autoren führen das auf eine strukturelle Ähnlichkeit von L-Norvalin mit proteinogenen Aminosäuren zurück, wodurch der Stoff deren Stoffwechselwege stört. Die Toxizität ließ sich in derselben Arbeit durch Zugabe strukturähnlicher Aminosäuren abschwächen. Weil die verwendete Zelllinie aus dem Nervensystem stammt, ist dies der einzige uns vorliegende Hinweis auf eine mögliche Neurotoxizität von L-Norvalin, selbst wieder ausschließlich aus einer Zellkulturarbeit und ohne jede Untersuchung am Menschen. Ein später veröffentlichter Fachkommentar stellt die Einordnung als toxisch teilweise infrage, Polis und Kollegen 2019 argumentieren, die deutlichsten Effekte hätten sich nur bei sehr hohen Konzentrationen und teils nur in Kombination mit einem weiteren Hemmstoff gezeigt, das verwendete Zellmodell habe ohne begleitende Astrozyten gearbeitet, und dieselbe Autorengruppe habe in einer eigenen früheren Arbeit an einem Alzheimer- Mausmodell eine neuroprotektive statt schädigende Wirkung von L-Norvalin berichtet (Polis et al. 2019) [8]. Ein Autor dieses Kommentars ist zugleich Mitautor der oben zitierten Ratten-Studie zum Blutdruck, seine Unabhängigkeit von einem günstigen Bild des Stoffs ist dadurch eingeschränkt. Auch dieser Gegeneinwand stammt ausschließlich aus Zell- und Tierarbeiten, keine der beiden Seiten dieser Auseinandersetzung stützt sich auf eine Untersuchung am Menschen. Es handelt sich insgesamt um reine Zellkultur- und Tierarbeiten, ob und ab welcher oralen Dosis beim Menschen ein vergleichbarer schädigender oder schützender Effekt auftreten könnte, ist unbekannt und wurde nicht untersucht.
Zu Wechselwirkungen mit Medikamenten oder anderen Nahrungsergänzungen liegt uns keine Untersuchung vor.
Quellen zum Nachlesen
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Bei H.P.N
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