Resveratrol

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Pflanzenstoffe

Polygonum cuspidatum (Staudenknöterich), auch Weintraube · trans-Resveratrol · Stilbenoid

H.P.N · Datenstand 2026-08-19 · 12 Zuschreibungen im Überblick

Auf einen Blick

Was es ist
Ein Polyphenol aus der Gruppe der Stilbenoide
Herkunft
Vor allem Staudenknöterich, in kleineren Mengen in Weintrauben und Rotwein
Wirkform in Studien
trans-Resveratrol, oral eingenommen
Übliche Studiendosis
100 bis 1000 mg pro Tag, in einzelnen Studien darüber
Bekannt geworden durch
Die Annahme, Resveratrol aktiviere das Enzym Sirtuin-1 und wirke darüber lebensverlängernd
Verträglichkeit
In Studien meist gut verträglich. In einer Studie mit stufenweiser Dosissteigerung bis 2000 mg pro Tag waren Übelkeit, Durchfall und Gewichtsverlust die häufigsten Nebenwirkungen. Ein Studienarm mit 700 mg pro Tag wurde wegen eines deutlichen Anstiegs des LDL-Cholesterins abgebrochen, eine andere Arbeit fand bei über 1000 mg pro Tag einen Anstieg der alkalischen Phosphatase

Was diesem Stoff zugesprochen wird

Was die Studien hergeben.

Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.

  1. 01

    Funktion der Gefäßinnenwand (Endothel)

    Belegt
    Einordnung und Einschränkungen

    Quelle 1 umfasst insgesamt 17 Studien mit 21 Behandlungsarmen zu mehreren Endothelmarkern. Die flussvermittelte Dilatation beruht laut freiem Volltext von Quelle 7 aber nur auf 8 Studien mit 603 Personen und verbesserte sich gegenüber Placebo um 1,43 Prozentpunkte, CI 0,98 bis 1,88. Quelle 7 bewertet denselben Effekt mit moderater GRADE-Sicherheit. Sie führt dafür Quelle 1, PMID 35833325, als zugrunde liegende Meta-Analyse und ist keine unabhängige Bestätigung. Der ICAM-1-Wert sank in Quelle 1 um 7,09 Nanogramm pro Milliliter, CI minus 7,45 bis minus 6,73, gegenüber der Kontrollgruppe. VCAM-1, Fibrinogen und PAI-1 veränderten sich nicht

    Quellen: 1, 7

  2. 02

    Blutdruck bei Typ-2-Diabetes

    Gut belegt
    Einordnung und Einschränkungen

    Laut einer Übersichtsarbeit über 45 systematische Übersichten mit AMSTAR- und GRADE-Bewertung ruht dieser Befund auf einer zugrunde liegenden Meta-Analyse aus 9 Studien mit 435 Teilnehmenden, verglichen mit Placebo oder üblicher Behandlung. Der diastolische Blutdruck sank um 3,55 mmHg (CI -5,18 bis -1,93), der systolische um 7,97 mmHg (CI -10,63 bis -5,31), beides mit hoher GRADE-Sicherheit. Der Effekt war bei kürzerer Einnahmedauer (unter 12 Wochen) stärker ausgeprägt, bei längerer Einnahmedauer blieb er aus. In einer separaten, nicht auf Typ-2-Diabetes beschränkten Auswertung veränderten sich mittlerer arterieller Druck und Pulsdruck trotz hoher GRADE-Sicherheit nicht

    Quellen: 7

  3. 03

    Gesamtcholesterin bei Übergewicht

    Gut belegt
    Einordnung und Einschränkungen

    Laut derselben Übersichtsarbeit sank das Gesamtcholesterin bei Übergewichtigen um 0,19 mmol/l (CI -0,32 bis -0,06), mit hoher GRADE-Sicherheit. Zugrunde liegt eine Meta-Analyse aus 12 Studien mit 524 Teilnehmenden, verglichen mit Placebo. HDL- und Triglyceridwerte veränderten sich bei Übergewichtigen trotz hoher GRADE-Sicherheit nicht, ebenso wenig HDL bei Menschen mit Typ-2-Diabetes

    Quellen: 7

  4. 04

    Nüchternglukose und Insulin

    Belegt
    Einordnung und Einschränkungen

    In der Gesamtanalyse ohne Einschränkung nach Gesundheitsstatus sank die Nüchternglukose gegenüber Placebo um MD minus 5,24 mg/dl, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 8,58 bis minus 1,91, 30 RCTs mit 1651 Teilnehmenden. Der Insulinspiegel sank um MD minus 1,23 mIU/l, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 1,90 bis minus 0,57, 24 RCTs mit 1293 Teilnehmenden. Quelle 7 bewertet beide Gesamteffekte mit moderater GRADE-Sicherheit. Die populationsspezifischen Auswertungen sind uneinheitlich. Quelle 7 zeigt in Abbildung 4 bei NAFLD eine Senkung der Nüchternglukose, SMD minus 0,29, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 0,52 bis minus 0,06, 5 RCTs mit 296 Teilnehmenden. Die von García-Martínez und Kollegen ausgewerteten Studien zu Typ-2-Diabetes ergaben ebenfalls Senkungen der Nüchternglukose um MD minus 13,36 mg/dl, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 21,09 bis minus 5,63, und des Insulinspiegels um MD minus 0,94 mIU/l, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 1,62 bis minus 0,25 [10]. Andere von Quelle 7 ausgewählte Meta-Analysen zu Typ-2-Diabetes fanden dagegen keinen signifikanten Effekt auf Glukose oder Insulin. Quelle 10 gehört zu den von Quelle 7 bewerteten Arbeiten und ist kein zusätzlicher unabhängiger Studienbestand

    Quellen: 7, 10

  5. 05

    Körpergewicht und Bauchumfang bei Typ-2-Diabetes

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Quelle 3 ist eine Meta-Analyse aus 11 Studien mit 614 Teilnehmenden. Das Körpergewicht sank im Mittel um 0,44 Kilogramm, CI minus 0,88 bis minus 0,00, p gleich 0,048, der Bauchumfang um 0,80 Zentimeter, CI minus 1,35 bis minus 0,24, p gleich 0,005, und der BMI um 0,19 Kilogramm pro Quadratmeter, CI minus 0,37 bis minus 0,01, p gleich 0,03. Hüftumfang und Taille-Hüfte-Verhältnis veränderten sich nicht. Der freie Volltext von Quelle 7 wurde gelesen. Er führt für Bauchumfang bei Typ-2-Diabetes eine ältere Meta-Analyse von Gu 2022 mit 5 Studien und 459 Teilnehmenden, die keinen signifikanten Effekt fand. Der Volltext von Quelle 3 lag für diese Recherche nicht vor. Deshalb bleibt offen, welche Primärstudien sich überschneiden und ob die neuere Auswertung den älteren Studienkörper vollständig enthält

    Quellen: 3, 7

  6. 06

    Leberwerte

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Meta-Analyse aus 37 Studien, in der Gesamtauswertung kein signifikanter Effekt. In der Untergruppenanalyse verbesserten sich ALT (minus 7,79 U/l) und Gamma-GT (minus 6,0 U/l) bei Menschen mit einer bestehenden Lebererkrankung, außerdem ALT bei jüngeren Erwachsenen (minus 2,22 U/l), zwei getrennte Untergruppen mit Verbesserung. Bei einer Tagesdosis über 1000 mg stieg die alkalische Phosphatase um 5,07 U/l, unabhängig vom Alter. Bei älteren Erwachsenen stieg zusätzlich, unabhängig von der Dosis, der ALT-Wert um 2,33 U/l

    Quellen: 4

  7. 07

    Arbeitsgedächtnis

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Laut der Übersichtsarbeit über 45 systematische Übersichten verbesserte sich das Arbeitsgedächtnis mit moderater GRADE-Sicherheit und geringer Heterogenität (SMD 0,20, CI 0,03 bis 0,36). Zugrunde liegen nur 4 Studien mit 424 Teilnehmenden, ein Teil davon prüfte Resveratrol nicht allein, sondern in Kombination mit Quercetin. Die schmale Datenbasis und die teilweise Kombinationsgabe schränken die Aussage ein

    Quellen: 7

  8. 08

    Sirtuin-1-Genexpression

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Quelle 2 fand über 4 Studien keinen statistisch signifikanten Gesamteffekt, SMD 0,05, CI minus 0,24 bis 0,344. Der freie Volltext von Quelle 7 nennt dafür 344 Teilnehmende und führt Quelle 2 als zugrunde liegende Meta-Analyse, ist also keine unabhängige Bestätigung. Das Intervall lässt Effekte in beide Richtungen offen. Eine Dosis-Wirkungs-Auswertung in Quelle 2 deutet zudem auf einen stärkeren Effekt bei weniger als 12 Wochen Einnahmedauer. Die genaue GRADE-Einstufung von Quelle 2 lag in der vorliegenden Recherche nicht vor. Der Befund bleibt deshalb unbestimmt

    Quellen: 2, 7

  9. 09

    Sirtuin-1-Proteinexpression

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Quelle 2 fand über 5 Studien keinen statistisch signifikanten Gesamteffekt, SMD 0,30, CI minus 0,15 bis 0,77. Der freie Volltext von Quelle 7 nennt dafür 351 Teilnehmende und führt Quelle 2 als zugrunde liegende Meta-Analyse. Die obere Intervallgrenze lässt einen bedeutsamen Anstieg offen. Die genaue GRADE-Einstufung von Quelle 2 lag in der vorliegenden Recherche nicht vor. Die verfügbaren Angaben reichen deshalb nicht für die Einstufung „Nicht bestätigt“

    Quellen: 2, 7

  10. 10

    Sirtuin-1-Serumspiegel

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Quelle 2 fand über 3 Studien keinen statistisch signifikanten Gesamteffekt, MD minus 0,04, CI minus 0,235 bis 0,16. Der freie Volltext von Quelle 7 nennt dafür 293 Teilnehmende und führt Quelle 2 als zugrunde liegende Meta-Analyse. Das Intervall und der kleine Studienkörper lassen Effekte offen, die genaue GRADE-Einstufung von Quelle 2 lag in der vorliegenden Recherche nicht vor. Der Befund bleibt deshalb unbestimmt

    Quellen: 2, 7

  11. 11

    Knochendichte

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Meta-Analyse aus 10 Studien mit insgesamt 698 Teilnehmenden, Knochendichte und Blutmarker zusammengenommen (diese Aufteilung und die folgenden Detailzahlen stehen im Volltext, nicht im Abstract). Die Knochendichte selbst maßen nur 3 dieser 10 Studien mit 370 bis 373 Teilnehmenden. Kein Effekt auf die areale Knochendichte an Lendenwirbelsäule (MD -0,02, CI -0,05 bis 0,01, I-Quadrat 6 Prozent), Hüfte (MD -0,01, CI -0,04 bis 0,02) und Ganzkörper (MD 0,00, CI -0,02 bis 0,02), ebenso kein Effekt auf sechs untersuchte Knochen-Blutmarker. Die Dosen der eingeschlossenen Arbeiten reichten von 8 bis 1500 mg täglich, die Studiendauer von 4 Wochen bis 12 Monaten. Die Autoren stufen die Sicherheit dieses Befunds selbst als sehr niedrig ein (im Original very low), unter anderem wegen der geringen Studienzahl und der großen Bandbreite an Dosen und Laufzeiten. Unter den drei Studien zur Knochendichte steckt eine mit 24 Monaten Laufzeit [6], die als einzige länger als ein Jahr lief und dabei eine Zunahme der Knochendichte an Lendenwirbelsäule und Oberschenkelhals fand. Evolva SA finanzierte diese positive Einzelstudie ergänzend und lieferte das verwendete Veri-te-Resveratrol sowie die Placebokapseln. Laut Volltext hatte das Unternehmen keine Rolle bei Studiendesign, Datenerhebung, Analyse, Interpretation oder Manuskript. Die Übersichtsarbeit selbst diskutiert die lange Laufzeit als möglichen Hinweis darauf, dass die übrigen, kürzeren Studien eine Wirkung schlicht nicht erfassen konnten. Quelle 7 führt für alle fünf Knochengesundheits-Assoziationen Quelle 5 als zugrunde liegende Meta-Analyse und ist keine unabhängige Bestätigung

    Quellen: 5, 6, 7

  12. 12

    Lebensverlängerung beim Menschen, als Endpunkt nie erhoben

    Studienlage offen
    Einordnung und Einschränkungen

    Keine Interventionsstudie hat Lebensspanne oder einen validierten Alterungsmarker unter reinem Resveratrol am Menschen gemessen. Bekannt ist mehreres. Erstens liefert die Meta-Analyse zum angenommenen Wirkweg über Sirtuin-1 keine statistisch signifikanten Gesamteffekte, lässt in ihren Intervallen aber Wirkungen offen [2]. Zweitens hat eine randomisierte Pilotstudie 2026 versucht, einen Biomarker für biologisches Alter unter Resveratrol zu prüfen, gab den Stoff dabei aber nur kombiniert mit einem Astragalus-Extrakt und brach den Studienarm nach 5 von 24 Monaten wegen eines LDL-Anstiegs ab, ohne ein Ergebnis für den Marker zu liefern [9]. Drittens führt auch die bisher breiteste gefundene Übersichtsarbeit zu Resveratrol, mit 68 ausgewerteten Endpunkten aus 45 systematischen Übersichten, weder Lebensspanne noch Sterblichkeit noch einen Alterungsmarker unter ihren Endpunkten

Der bekannteste Grund, aus dem Resveratrol eingenommen wird, ist damit der, zu dem am Menschen am wenigsten direkt geforscht wurde. Es gibt keine Studie, die Lebensspanne oder einen Alterungsmarker unter Resveratrol gemessen und dabei kein Ergebnis gefunden hätte, es gibt schlicht keine abgeschlossene Studie dazu. Am besten belegt sind stattdessen Gefäße, Blutdruck bei Typ-2-Diabetes und Cholesterin bei Übergewicht.

Studien im Detail

Gefäßfunktion

Mohammadipoor und Kollegen werteten 2022 insgesamt 17 Studien mit 21 Behandlungsarmen zu mehreren Endothelmarkern aus [1]. Die flussvermittelte Dilatation, ein Maß dafür wie gut sich ein Gefäß weitet, wurde aber nur in 8 Studien mit 603 Personen ausgewertet [7]. Gegenüber Placebo verbesserte sie sich um 1,43 Prozentpunkte, CI 0,98 bis 1,88 [1]. Der Adhäsionsmarker ICAM-1 sank um 7,09 Nanogramm pro Milliliter, CI minus 7,45 bis minus 6,73 [1].

Einschränkung: Beide Werte sind Surrogatmarker. Sie messen einen Zwischenschritt, nicht ein Ereignis im Leben des Teilnehmers. Welche Vergleichsbedingung und welche Dosen die eingeschlossenen Studien einsetzten, nennt das Abstract von Quelle 1 nicht vollständig. Drei weitere Marker, VCAM-1, Fibrinogen und PAI-1, blieben unverändert. Der freie Volltext der 2026 veröffentlichten Übersichtsarbeit [7] nennt für die flussvermittelte Dilatation 8 Studien mit 603 Personen, Dosen von 30 bis 500 Milligramm und Laufzeiten von 1 bis 24 Wochen. Er führt dafür ausdrücklich Mohammadipoor 2022 [1], PMID 35833325, als zugrunde liegende Meta-Analyse. Die auf 1,4 Prozentpunkte gerundete Schätzung mit moderater GRADE-Sicherheit ist deshalb keine unabhängige Bestätigung.

Blutdruck bei Typ-2-Diabetes

Die 2026 veröffentlichte Übersichtsarbeit über 45 systematische Übersichten bewertet den Effekt von Resveratrol bei Menschen mit Typ-2-Diabetes anhand einer zugrunde liegenden Meta-Analyse aus 9 Studien mit 435 Teilnehmenden als mit hoher GRADE-Sicherheit belegt [7]. Der diastolische Blutdruck sank um 3,55 mmHg, der systolische um 7,97 mmHg [7], jeweils verglichen mit Placebo oder üblicher Behandlung.

Einschränkung: Eine kürzere Einnahmedauer (unter 12 Wochen) zeigte einen stärkeren Effekt, eine längere keinen [7]. Der mittlere arterielle Druck und der Pulsdruck veränderten sich in einer separaten, nicht auf Typ-2-Diabetes beschränkten Auswertung trotz ebenfalls hoher GRADE-Sicherheit nicht [7].

Gesamtcholesterin bei Übergewicht

Dieselbe Übersichtsarbeit stuft eine Senkung des Gesamtcholesterins bei Übergewichtigen um 0,19 mmol/l als mit hoher GRADE-Sicherheit belegt ein, zugrunde liegt eine Meta-Analyse aus 12 Studien mit 524 Teilnehmenden, verglichen mit Placebo [7].

Einschränkung: HDL- und Triglyceridwerte veränderten sich bei Übergewichtigen trotz hoher GRADE-Sicherheit nicht, ebenso wenig HDL bei Menschen mit Typ-2-Diabetes [7]. Das ist eine gezielte Senkung eines einzelnen Blutfetts, kein umfassender Effekt auf das gesamte Lipidprofil.

Blutzucker

In der Gesamtanalyse ohne Einschränkung nach Gesundheitsstatus sank die Nüchternglukose gegenüber Placebo um MD minus 5,24 mg/dl, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 8,58 bis minus 1,91, in 30 RCTs mit 1651 Teilnehmenden. Der Insulinspiegel sank um MD minus 1,23 mIU/l, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 1,90 bis minus 0,57, in 24 RCTs mit 1293 Teilnehmenden. Quelle 7 bewertet beide Gesamteffekte mit moderater GRADE-Sicherheit.

Die populationsspezifischen Resultate sind uneinheitlich. Quelle 7 zeigt in Abbildung 4 bei NAFLD eine Senkung der Nüchternglukose, SMD minus 0,29, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 0,52 bis minus 0,06, in 5 RCTs mit 296 Teilnehmenden. García-Martínez und Kollegen fanden bei Typ-2-Diabetes eine Senkung der Nüchternglukose um MD minus 13,36 mg/dl, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 21,09 bis minus 5,63, und des Insulinspiegels um MD minus 0,94 mIU/l, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 1,62 bis minus 0,25 [10]. Andere von Quelle 7 ausgewählte Meta-Analysen zu Typ-2-Diabetes fanden dagegen keinen signifikanten Effekt auf Glukose oder Insulin. Quelle 10 gehört zu den von Quelle 7 bewerteten Arbeiten und ist kein zusätzlicher unabhängiger Studienbestand.

Körpergewicht und Bauchumfang bei Typ-2-Diabetes

Lahouti und Kollegen werteten 2025 insgesamt 11 Studien mit 614 Teilnehmenden aus [3]. Das Körpergewicht sank im Mittel um 0,44 kg, der Bauchumfang um 0,80 cm, der BMI um 0,19 kg/m2 [3]. Hüftumfang und Taille-Hüfte-Verhältnis veränderten sich nicht [3].

Einschränkung: Das Intervall beim Körpergewicht, minus 0,88 bis minus 0,00 Kilogramm, p gleich 0,048, berührt fast die Null [3]. Der gelesene freie Volltext von Quelle 7 führt für den Bauchumfang bei Typ-2-Diabetes eine ältere Meta-Analyse von Gu 2022 mit 5 Studien und 459 Teilnehmenden. Sie fand keinen signifikanten Effekt [7]. Quelle 3 wertet 11 Studien mit 614 Teilnehmenden aus, ihr Volltext lag für diese Recherche nicht vor. Deshalb lässt sich nicht feststellen, welche Primärstudien sich überschneiden und ob die neuere Auswertung den älteren Studienkörper vollständig enthält. Die beiden Quellen sind kein sicher unabhängiger Widerspruch.

Leberwerte

Soltani und Kollegen werteten 2023 insgesamt 37 Studien aus [4]. In der Gesamtauswertung zeigte sich kein signifikanter Effekt. In der Untergruppenanalyse verbesserten sich ALT (minus 7,79 U/l) und Gamma-GT (minus 6,0 U/l) bei Menschen mit einer bestehenden Lebererkrankung sowie ALT (minus 2,22 U/l) bei jüngeren Erwachsenen [4], zwei getrennte Untergruppen mit Verbesserung.

Einschränkung: Bei einer Tagesdosis über 1000 mg stieg die alkalische Phosphatase um 5,07 U/l, unabhängig vom Alter der Teilnehmenden [4]. Bei älteren Erwachsenen stieg zusätzlich, unabhängig von der Dosis, der ALT-Wert um 2,33 U/l [4]. Das sind zwei verschiedene Untergruppen derselben Übersichtsarbeit, keine gemeinsame Hochdosis-und-Alter-Gruppe.

Arbeitsgedächtnis

Die Übersichtsarbeit über 45 systematische Übersichten stuft eine Verbesserung des Arbeitsgedächtnisses mit moderater GRADE-Sicherheit und geringer Heterogenität ein (SMD 0,20, CI 0,03 bis 0,36) [7].

Einschränkung: Zugrunde liegen nur 4 Studien mit 424 Teilnehmenden [7], ein Teil davon prüfte Resveratrol nicht allein, sondern in Kombination mit Quercetin. Die schmale Datenbasis und die teilweise Kombinationsgabe schränken die Aussage ein.

Sirtuin-1

Mansouri und Kollegen legten 2025 eine nach eigenem Titel GRADE-bewertete Dosis-Wirkungs-Meta-Analyse aus 11 randomisierten Studien vor [2]. Geprüft wurden drei getrennte Ebenen. Der freie Volltext von Quelle 7 führt Quelle 2 als zugrunde liegende Meta-Analyse. Er liefert deshalb keinen zweiten, unabhängigen Studienkörper.

Genexpression

Die Genexpression wurde in 4 Studien mit 344 Teilnehmenden untersucht [7]. Der Gesamteffekt war nicht statistisch signifikant, SMD 0,05, CI minus 0,24 bis 0,344 [2]. Das Intervall lässt Wirkungen in beide Richtungen offen. Die Dosis-Wirkungs-Auswertung deutet außerdem auf einen stärkeren Effekt bei einer Einnahmedauer unter 12 Wochen [2].

Proteinexpression

Die Proteinexpression wurde in 5 Studien mit 351 Teilnehmenden untersucht [7]. Der Gesamteffekt war nicht statistisch signifikant, SMD 0,30, CI minus 0,15 bis 0,77 [2]. Die obere Intervallgrenze lässt einen bedeutsamen Anstieg offen. Dieser Befund kann eine Wirkung deshalb nicht belastbar ausschließen.

Serumspiegel

Der Serumspiegel wurde in 3 Studien mit 293 Teilnehmenden untersucht [7]. Der Gesamteffekt war nicht statistisch signifikant, MD minus 0,04, CI minus 0,235 bis 0,16 [2]. Der kleine Studienkörper und das Intervall lassen Wirkungen offen.

Das ist der Befund, der die verbreitete Begründung für Resveratrol betrifft. Er widerlegt nicht die Gefäßwirkung, aber er trägt die Anti-Aging-Erzählung nicht.

Einschränkung: Die Studie ist laut eigenem Titel GRADE-bewertet, die genaue Einstufung nennt das Abstract aber nicht. Für diese Einordnung wurde die Studienzusammenfassung (Abstract) ausgewertet. Quelle 7 erfasst dieselben drei Assoziationen und führt erneut Quelle 2 als Grundlage. Aus drei unpräzisen Nullbefunden entsteht deshalb kein hartes Nicht bestätigt.

Knochendichte

Li und Kollegen werteten 2021 insgesamt 10 Studien mit 698 Teilnehmenden aus, Knochendichte und Blutmarker zusammengenommen [5]. Diese Aufteilung und die folgenden Detailzahlen stehen im Volltext von [5], nicht im Abstract. Die Knochendichte selbst maßen nur 3 dieser 10 Studien mit 370 bis 373 Teilnehmenden [5]. Kein Effekt auf die areale Knochendichte an Lendenwirbelsäule (MD -0,02, CI -0,05 bis 0,01, I-Quadrat 6 Prozent), Hüfte (MD -0,01, CI -0,04 bis 0,02) und Ganzkörper (MD 0,00, CI -0,02 bis 0,02) [5], ebenso kein Effekt auf sechs untersuchte Knochen-Blutmarker (ALP, BAP, Osteocalcin, PINP, CTX, PTH) [5]. Die Dosen der eingeschlossenen Arbeiten reichten von 8 bis 1500 mg täglich, die Studiendauer von 4 Wochen bis 12 Monaten [5].

Die Autoren stufen die Sicherheit dieses Befunds selbst als sehr niedrig ein (im Original very low) [5], unter anderem wegen der geringen Studienzahl, der teils hohen Verzerrungsgefahr einzelner Studien und der großen Bandbreite an Dosen und Laufzeiten. Wenn die Autoren einer Arbeit ihre eigene Evidenz so niedrig einstufen, ist ein reiner Nullbefund die falsche Lesart, die Zeile steht deshalb auf Hinweise statt auf Nicht bestätigt.

Unter den drei Studien zur Knochendichte steckt eine mit 24 Monaten Laufzeit [6], die als einzige länger als ein Jahr lief. Sie fand eine Zunahme der Knochendichte an Lendenwirbelsäule (plus 0,016 g/cm2) und Oberschenkelhals (plus 0,005 g/cm2) unter 150 mg Resveratrol täglich [6]. Evolva SA finanzierte diese positive Einzelstudie ergänzend und lieferte das verwendete Veri-te-Resveratrol sowie die Placebokapseln. Laut Volltext hatte das Unternehmen keine Rolle bei Studiendesign, Datenerhebung, Analyse, Interpretation oder Manuskript [6]. Die Übersichtsarbeit [5] schließt diese Studie in ihre gepoolte Auswertung ein und diskutiert sie im Text ausdrücklich als möglichen Hinweis darauf, dass die übrigen, kürzeren Studien eine Wirkung auf die Knochendichte schlicht nicht erfassen konnten, weil sich Knochendichte nur langsam verändert. Weil diese Studie Teil der gepoolten Auswertung [5] ist, steht sie hier als Einordnung und nicht als gegenläufiger, unabhängiger Befund.

In der neueren Übersichtsarbeit über 45 systematische Übersichten gehört keine der fünf Knochengesundheits-Assoziationen zu den 35 statistisch signifikanten Befunden [7]. Der freie Volltext führt für alle fünf Assoziationen erneut Li 2021 [5] als zugrunde liegende Meta-Analyse. Das ist kein unabhängiger Studienkörper.

Lebensspanne und Alterungsmarker

Keine der gefundenen Arbeiten hat Lebensspanne oder einen validierten Alterungsmarker unter reinem Resveratrol am Menschen gemessen. Gesucht wurde unter anderem mit den PubMed-Suchbegriffen "resveratrol" "lifespan longevity human", "aging biomarkers human mortality", "healthspan clinical trial", "epigenetic clock biological age" und "telomere length human", jeweils mit (ohne Beschränkung auf Humanstudien), sowie zusätzlich mit "mortality".

Eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Pilotstudie hat 2026 versucht, einen aus NT-proBNP abgeleiteten Biomarker für biologisches Alter (proBNPage) unter vier vermuteten Anti-Aging-Präparaten an 120 Personen mit einem Durchschnittsalter von 71,7 Jahren (Streuung 4,6 Jahre) zu prüfen [9]. Die betroffene Gruppe erhielt Resveratrol (350 mg zweimal täglich) jedoch nicht allein, sondern kombiniert mit einem Astragalus-membranaceus-Extrakt (TA-65, 100 U) [9]. Dieser Studienarm wurde nach 5 von 24 geplanten Monaten abgebrochen, weil das LDL-Cholesterin deutlich anstieg, laut den Autoren wahrscheinlich durch die hohe Resveratrol-Dosis [9]. Ein Ergebnis für den Alterungsmarker liegt für diese Gruppe deshalb nicht vor. Die Studie prüfte damit weder Resveratrol allein, noch erreichte sie ihren eigenen Endpunkt. Die eingesetzten Präparate wurden von deren Herstellern gestellt, eine finanzielle Unterstützung durch dieselben Firmen nennt die Studie nicht.

Auch die bisher breiteste gefundene Übersichtsarbeit zu Resveratrol, mit 68 ausgewerteten Endpunkten aus 45 systematischen Übersichten und einer Suche bis zum 30.04.2025, führt weder Lebensspanne noch Sterblichkeit noch einen Alterungsmarker unter ihren Endpunkten [7]. Auch die aktuellste, umfassendste verfügbare Auswertung hat diesen Endpunkt also nicht geprüft.

Damit bleibt für die Lebensverlängerung offen, was am Menschen bisher schlicht nicht erhoben wurde, nicht was geprüft und widerlegt wurde.

Tier- und Laborstudien

Die Sirtuin-Hypothese stammt aus Zell- und Tiermodellen, unter anderem aus Arbeiten an Hefe und Mäusen. Diese Daten sind hier nicht aufgeführt und wurden nicht geprüft.

Der Fall zeigt beispielhaft, warum Tier- und Zelldaten in diesem Kompendium getrennt stehen: Der Mechanismus war im Modell überzeugend. Beim Menschen blieben die drei gemessenen Sirtuin-1-Ebenen unbestimmt.

Sicherheit und Wechselwirkungen

In Studien meist gut verträglich, auch bei hohen Dosen. In einer 52-wöchigen, placebokontrollierten Studie mit 119 Teilnehmenden und einer stufenweisen Dosissteigerung bis 1000 mg zweimal täglich (insgesamt 2000 mg pro Tag) waren Übelkeit, Durchfall und Gewichtsverlust die häufigsten Nebenwirkungen [8]; die Studie selbst bewertet Resveratrol in dieser Dosierung insgesamt als sicher und gut verträglich [8].

In der bereits genannten Meta-Analyse aus 37 Studien stieg bei einer Tagesdosis über 1000 mg die alkalische Phosphatase um 5,07 U/l an, unabhängig vom Alter der Teilnehmenden [4]. Getrennt davon stieg bei älteren Erwachsenen der ALT-Wert um 2,33 U/l, unabhängig von der Dosis [4]. Das sind zwei verschiedene Untergruppen derselben Arbeit, keine gemeinsame Hochdosis-und-Alter-Gruppe.

In der bereits genannten Pilotstudie zu einem Kombinationspräparat aus Resveratrol (350 mg zweimal täglich, insgesamt 700 mg pro Tag) und einem Astragalus-Extrakt musste der Resveratrol-Studienarm nach 5 von 24 geplanten Monaten wegen eines deutlichen Anstiegs des LDL-Cholesterins abgebrochen werden [9]. Die Studie rät ausdrücklich von einer so hohen Dosierung ab [9].

Diskutiert werden in der Fachliteratur außerdem eine Hemmung von CYP-Enzymen, über die viele Medikamente abgebaut werden, sowie eine milde Wirkung auf die Blutgerinnung. Für keinen der beiden Punkte haben wir bei der Suche nach randomisierten Studien oder systematischen Übersichten eine belastbare Quelle gefunden. Wer gerinnungshemmende Medikamente nimmt oder Medikamente, bei denen schon kleine Dosisabweichungen wirksam werden, sollte das dennoch im Blick behalten, bis eine solche Quelle vorliegt.

Quellen zum Nachlesen

  1. 01

    Meta-Analyse aus 17 Studien · 2022

    Resveratrol supplementation efficiently improves endothelial health

    Mohammadipoor N, et al. Phytother Res

    Zur Zuschreibung: 01

  2. 02

    GRADE-bewertete Dosis-Wirkungs-Meta-Analyse aus 11 RCTs · 2025

    Impact of Resveratrol Supplementation on Human Sirtuin 1

    Mansouri F, et al. J Acad Nutr Diet

    Zur Zuschreibung: 08, 09, 10, 12

  3. 03

    Meta-Analyse aus 11 RCTs, n gleich 614 · 2025

    Impact of Resveratrol Supplementation on Anthropometric Indices in Patients With Type 2 Diabetes

    Lahouti M, et al. Phytother Res

    Zur Zuschreibung: 05

  4. 04

    Meta-Analyse aus 37 RCTs · 2023

    The effect of resveratrol supplementation on biomarkers of liver health

    Soltani S, et al. Phytother Res

    Zur Zuschreibung: 06

  5. 05

    Meta-Analyse aus 10 Studien, n gleich 698, von den Autoren als sehr niedrige Sicherheit (GRADE) eingestuft · 2021

    Effects of resveratrol supplementation on bone quality

    Li Q, et al. BMC Complement Med Ther

    Zur Zuschreibung: 11

  6. 06

    Randomisierte, placebokontrollierte Cross-over-Studie über 24 Monate, eine der drei in [5] zur Knochendichte eingeschlossenen Studien, ergänzend von Evolva SA finanziert, Prüfstoff und Placebo von Evolva SA geliefert · 2020

    Regular Supplementation With Resveratrol Improves Bone Mineral Density in Postmenopausal Women

    Wong RH, et al. J Bone Miner Res

    Zur Zuschreibung: 11

  7. 07

    Umbrella-Review aus 45 systematischen Übersichten mit 129 Assoziationen und 68 Endpunkten, AMSTAR- und GRADE-bewertet, PROSPERO-registriert · 2026

    Effects of resveratrol supplementation on multiple health outcomes, an umbrella review of systematic reviews and meta-analyses of randomized controlled trials

    Sun JN, et al. Nutr J

    Zur Zuschreibung: 01, 02, 03, 04, 05, 07, 08, 09, 10, 11

  8. 08

    Randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Phase-2-Studie, n gleich 119, NIH-finanziert, mit umfangreichen industriellen Offenlegungen einzelner Autoren, Prüfstoff und Placebo von Aptuit Laurus synthetisiert und verkapselt · 2015

    A randomized, double-blind, placebo-controlled trial of resveratrol for Alzheimer disease

    Turner RS, et al. Neurology

  9. 09

    Randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Pilotstudie, n gleich 120, Kombinationspräparat aus Resveratrol und Astragalus-Extrakt · 2026

    The proBNPage reduction (PBAR) trial, results of a randomized, double blind, placebo-controlled, pilot study to fine tune an NT-proBNP-based method to assess the effect of anti-aging treatments

    Muscari A, et al. Geroscience

    Zur Zuschreibung: 12

  10. 10

    Systematische Übersichtsarbeit aus 32 Studien mit Meta-Analyse aus 30 Studien, eine der von Quelle 7 bewerteten Arbeiten · 2021

    Hypoglycemic Effect of Resveratrol: A Systematic Review and Meta-Analysis

    García-Martínez BI, et al. Antioxidants (Basel)

    Zur Zuschreibung: 04

Alle Stoffe von A bis Z