Salbei-Extrakt
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Pflanzenextrakte
Salvia officinalis (Echter Salbei, Gartensalbei) · Echter Salbei · Gartensalbei · Salbeiblätter · Sage · Sage leaf · Salviae folium
Auf einen Blick
- Was es ist
- Extrakt aus den Blättern des Echten Salbeis (Salvia officinalis), standardisiert auf Rosmarinsäure
- Herkunft
- Blätter des Echten Salbeis, eines mediterranen Lippenblütlers (Lamiaceae), heute weltweit als Küchen- und Arzneipflanze kultiviert
- Wichtig zur Art
- Der Name Salbei wird für mehrere botanisch unterschiedliche Arten verwendet. Salvia officinalis (Echter Salbei) ist die hier behandelte Art. Salvia lavandulaefolia (Spanischer Salbei) und Salvia miltiorrhiza (Rotwurzel-Salbei, chinesischer Danshen) sind andere Arten mit eigener, hier nicht ausgewerteter Studienlage. Ein Teil der häufig zitierten Literatur zu Salbei und Gedächtnis stammt von Salvia lavandulaefolia, meist als ätherisches Öl, nicht von Salvia officinalis als Extrakt
- Wirkform in Studien
- Sehr uneinheitlich. Die ausgewerteten Humanstudien nutzen thujonfreien Frischblatt-Dickextrakt in Tablettenform, Trockenextrakt-Tabletten ohne genannte Standardisierung, getrocknetes Blattpulver, eine Flüssigextrakt-Zubereitung als Spray zum Gurgeln beziehungsweise Sprühen sowie eine Salbenzubereitung zum Auftragen auf die Haut. Keine der gefundenen Humanstudien standardisiert ihren Extrakt auf einen bestimmten Rosmarinsäure-Gehalt, wie es das Produkt tut (2,5 Prozent). Ein direkter Wirkstoffabgleich ist deshalb nicht möglich
- Übliche Studiendosis
- Oral als Extrakt oder Blattpulver etwa 100 bis 1500 mg pro Tag, in einer Studie 280 mg eines Dickextrakts pro Tag (extraktionstechnisch umgerechnet einer größeren Tinkturmenge entsprechend). Für örtliche Anwendung am Rachen oder auf der Haut gelten eigene, nicht in Milligramm pro Tag vergleichbare Aufwandmengen
- Bekannt geworden durch
- Die traditionelle Verwendung bei Wechseljahresbeschwerden (Hitzewallungen, Schwitzen), als Gedächtnismittel, bei Halsschmerzen zum Gurgeln und äußerlich bei Hautproblemen. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) führt Salbeiblätter-Zubereitungen als traditionelles pflanzliches Arzneimittel (siehe Abschnitt Sicherheit), das ist eine Zulassung auf Basis langjähriger Anwendung, keine Zulassung auf Basis von Wirksamkeitsstudien
- Verträglichkeit
- In den ausgewerteten Studien überwiegend gut vertragen. Die wichtigste Einzelfrage ist der Gehalt an Thujon, siehe Abschnitt Sicherheit
Was diesem Stoff zugesprochen wird
Was die Studien hergeben.
Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.
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01
Häufigkeit und Schwere von Hitzewallungen bei postmenopausalen Frauen, in zwei kleinen Einzelstudien geringer als unter Placebo, in der gepoolten Auswertung kein signifikanter Unterschied zu Placebo
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Von belegt auf hinweise gesenkt. Der Bestand ist klein, uneinheitlich und in seinem stärksten Teil herstellernah. Eine systematische Übersicht mit Meta-Analyse von Moradi und Kollegen (2023) wertete 4 Studien mit 310 postmenopausalen Frauen aus. Laut Volltext beträgt der gepoolte Effekt für die Häufigkeit von Hitzewallungen minus 1,12 (95-Prozent-Konfidenzintervall minus 2,37 bis plus 0,14, I-Quadrat 71 Prozent) und schließt die Null ein, für die Schwere minus 2,05 (95-Prozent-Konfidenzintervall minus 6,53 bis plus 2,43, I-Quadrat 70 Prozent). Beide gepoolten Werte sind damit nicht signifikant, die Übersicht bezeichnet den ersten im Abstract und im Fazit dennoch als signifikant. Die Effektstärken wurden laut Methodenteil aus Veränderungswerten mit einer frei angenommenen Korrelation von 0,5 errechnet, ein Publikationsbias war wegen der geringen Studienzahl nicht prüfbar. Laut Einschlusstabelle des Volltexts ist eine der 4 gepoolten Arbeiten (Masoumi 2019) gar keine plazebokontrollierte Studie, sondern ein Vergleich von Salbei gegen Traubensilberkerze, die gepoolte Aussage gegenüber Placebo trägt also nicht über alle 4 Arbeiten. Zwei der 4 Arbeiten (Sadeghi 2013, Masoumi 2019) sind nur persischsprachig erschienen und über PubMed nicht auffindbar (Suche mit Autorennamen und Titelstichworten, auch ohne Studientyp-Filter, kein Treffer). Wilfried und Kollegen (2021) prüften in Deutschland (NeuroCode, Wetzlar) an 80 randomisierten Frauen zwischen 48 und 65 Jahren eine Tablette täglich mit 280 mg thujonfreiem Dickextrakt aus frisch geerntetem Salbei (einer Tinkturmenge von 3400 mg entsprechend) gegen Placebo über 4 Wochen. Laut Volltext finanzierte die A.Vogel AG die Studie, sie ist Herstellerin der geprüften Zubereitung Menosan, und die Letztautorin S. Bommer ist Angestellte des Unternehmens (nicht der Erstautor, wie es hier zuvor stand). Die vorab festgelegte primäre Auswertung umfasst nur 48 der 80 Frauen, nämlich die bis 56 Jahre (22 Extrakt, 26 Placebo), und die Fallzahl war laut Volltext auf einen EEG-Messwert einseitig auf dem Niveau alpha gleich 0,1 ausgelegt, nicht auf den klinischen Endpunkt. In dieser Teilgruppe sank die Menopause Rating Scale unter Salbei um 37,1 Prozent (95-Prozent-Konfidenzintervall minus 50,4 bis minus 23,9), unter Placebo um 6,3 Prozent (95-Prozent-Konfidenzintervall minus 20,2 bis plus 7,6), der Gruppenunterschied war signifikant (p gleich 0,002), der Hot-Flush-Severity-Score sank gegenüber Placebo ab Woche 3 (p gleich 0,028). Die ergänzende Auswertung aller 78 ausgewerteten Frauen bestätigte die Richtung schwächer. Zeidabadi und Kollegen (2020) prüften an 66 randomisierten, laut Volltext 58 ausgewerteten (31 Extrakt, 27 Placebo) iranischen postmenopausalen Frauen dreimal täglich eine Tablette mit 100 mg Salbei-Extrakt (300 mg pro Tag) gegen Placebo über 3 Monate, ohne Förderung und ohne Interessenkonflikt. Die Teilskala Hitzewallungen und Nachtschweiß der Menopause Rating Scale war am Studienende unter Salbei signifikant niedriger als unter Placebo (p kleiner 0,001) bei fehlendem Unterschied vor Studienbeginn, in der wöchentlich erfassten Häufigkeit und Schwere wurde der Gruppenunterschied laut Volltext aber erst in den Wochen 10 und 12 von 12 signifikant, in den Wochen 2 bis 8 nicht. Hinzu kommt die bei Hitzewallungen bekannt sehr hohe Placeboantwort, in der Studie von Wilfried halbierten 26,9 Prozent der Placebogruppe ihren Hot-Flush-Severity-Score. Keine der beiden Einzelstudien und keine der 4 in der Übersicht gepoolten Arbeiten prüfte einen auf Rosmarinsäure standardisierten Extrakt wie das Produkt
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02
Gedächtnis und Aufmerksamkeit bei gesunden Erwachsenen nach einer einzelnen Dosis
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Zwei placebokontrollierte Cross-over-Studien derselben britischen Arbeitsgruppe (Northumbria University), keine unabhängige Zweitbestätigung. Scholey und Kollegen (2008) prüften an 20 gesunden Erwachsenen über 65 Jahren (Mittel 72,95 Jahre) in einem Fünf-Perioden-Cross-over vier Dosen eines standardisierten Salvia-officinalis-Extrakts (167, 333, 666 und 1332 mg) gegen Placebo, mit siebentägiger Auswaschphase. Gegenüber Placebo verbesserte sich das sekundäre Gedächtnis zu allen Testzeitpunkten signifikant nach der 333-mg-Dosis, in geringerem Ausmaß auch nach den anderen Dosen, dazu eine verbesserte Aufmerksamkeitsgenauigkeit nach der 333-mg-Dosis. Eine begleitende In-vitro-Analyse bestätigte eine cholinesterasehemmende Wirkung des Extrakts. Kennedy und Kollegen (2006) prüften an 30 gesunden jungen Erwachsenen in einem placebokontrollierten Cross-over 300 beziehungsweise 600 mg getrocknetes Salbeiblattpulver (keine Extrakt-Standardisierung genannt). Die höhere Dosis verbesserte die Leistung in einer computergestützten Mehrfachaufgaben-Stressbatterie gegenüber Placebo zu beiden Nachmessungen, die niedrigere Dosis verschlechterte sie zur späteren Messung. Beide Studien prüften nur eine einzelne Einnahme, keine über Tage oder Wochen fortgesetzte Einnahme. Ein erheblicher Teil der weiteren, oft zitierten Literatur zu Salbei und Gedächtnis (etwa Tildesley 2003, 2005 und Kennedy 2011, aus derselben Arbeitsgruppe) prüft Salvia lavandulaefolia als ätherisches Öl in Tropfenform, eine andere Art und eine andere Zubereitung, und ist hier nicht als Beleg für Salvia officinalis herangezogen. Eine systematische Übersicht von Miroddi und Kollegen (2014) beschreibt narrativ, dass beide Salbei-Arten kognitive Leistungen bei gesunden Menschen verbessern können, weist aber ausdrücklich auf die uneinheitlichen Zubereitungen (Extrakte, ätherisches Öl, Rohmaterial) und die dadurch eingeschränkte Vergleichbarkeit hin. Sie ist keine unabhängige zweite Bestätigung, denn laut ihrer Einschlusstabelle gehören genau die beiden hier zitierten Arbeiten (Scholey 2008, Kennedy 2006) zu den von ihr eingeschlossenen Studien, es ist derselbe Bestand. Die Artfrage klärt derselbe Volltext, beide Arbeiten prüften Salvia officinalis, Scholey einen 70-prozentigen ethanolischen Trockenblatt-Extrakt, Kennedy verkapseltes Trockenblattpulver, keine von beiden Salvia lavandulaefolia. Keine der beiden Einzelstudien nennt eine Standardisierung auf Rosmarinsäure
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03
Nüchternblutzucker und Blutfette bei Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes und erhöhten Blutfettwerten
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Eine einzelne randomisierte, placebokontrollierte Studie, keine unabhängige Zweitbestätigung. Kianbakht und Dabaghian (2013) prüften an 80 randomisierten iranischen Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes und gleichzeitig erhöhten Cholesterin- oder Triglyceridwerten (40 Extrakt, 40 Placebo) ein 500-mg-Kapsel-Blattextrakt aus Salvia officinalis dreimal täglich (1500 mg pro Tag) über 3 Monate gegen Placebo. Am Studienende zeigte sich gegenüber der Placebogruppe eine prozentual größere Abnahme von Nüchternblutzucker (32,2 Prozent, 95-Prozent-Konfidenzintervall 26,5 bis 37,9), glykiertem Hämoglobin HbA1c (22,7 Prozent, 16,8 bis 28,6), Gesamtcholesterin (16,9 Prozent, 9,7 bis 24,1), Triglyceriden (56,4 Prozent, 36,1 bis 76,7) und LDL-Cholesterin (35,6 Prozent, 29,9 bis 41,3) sowie eine größere Zunahme von HDL-Cholesterin (27,6 Prozent, 15,8 bis 39,4), alle Werte mit p kleiner oder gleich 0,01. Leberwerte und Kreatinin veränderten sich nicht signifikant. Keine Angabe zu Standardisierung oder Rosmarinsäure-Gehalt des verwendeten Extrakts, die Studie prüfte Salbei als Zusatz bei fortbestehender Betreuung, nicht als Ersatz einer Diabetesbehandlung
Quellen: 7
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04
Blutfette (vor allem Triglyceride) und ein oxidativer Marker bei Frauen mit polyzystischem Ovarialsyndrom
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Eine einzelne randomisierte, placebokontrollierte Studie, keine unabhängige Zweitbestätigung und eine andere Population als die Diabetes-Studie oben. Maleki-Hajiagha und Kollegen (2025) prüften an 70 randomisierten iranischen Frauen mit neu diagnostiziertem polyzystischem Ovarialsyndrom 330 mg Salvia-officinalis-Extrakt pro Tag gegen Placebo über 8 Wochen. Gegenüber Placebo sanken Triglyceride und der oxidative Marker Malondialdehyd signifikant, ebenso stiegen HDL-Cholesterin und die Gesamtantioxidationskapazität in der Veränderung gegenüber dem Ausgangswert signifikant stärker als unter Placebo. Gesamtcholesterin und LDL-Cholesterin veränderten sich laut Abstract nicht signifikant unterschiedlich zwischen den Gruppen. Konkrete Zahlenwerte oder Konfidenzintervalle nennt das Abstract nicht. Keine Angabe zu Standardisierung oder Rosmarinsäure-Gehalt des verwendeten Extrakts
Quellen: 8
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05
Akute Halsschmerzen bei örtlicher Anwendung als Spray oder Gurgellösung, nicht bei geschluckter Kapsel
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Zwei placebokontrollierte beziehungsweise vergleichskontrollierte Studien zu örtlich angewendeten, nicht geschluckten Salbei-Zubereitungen, keine davon mit dem Produkt vergleichbar. Hubbert und Kollegen (2006) prüften an insgesamt 286 randomisierten Erwachsenen mit akuter Rachenentzündung in zwei Studienteilen einen Spray mit 15-prozentigem Salbei-Flüssigextrakt (140 Mikroliter Extrakt pro Sprühstoß) gegen Placebo über 3 Tage und fanden eine gegenüber Placebo signifikant stärkere Abnahme der Halsschmerz-Intensität innerhalb der ersten 2 Stunden nach der ersten Anwendung. Der Erstautor ist bei Sidroga GmbH angestellt, dem Hersteller der geprüften Zubereitung, die Studie ist damit herstellernah. Schapowal und Kollegen (2009) verglichen an 154 randomisierten, 133 ausgewerteten Erwachsenen mit akuten Halsschmerzen einen Spray aus Salbei und Echinacea gegen einen Chlorhexidin-Lidocain-Spray (aktive Vergleichsbehandlung, kein Placebo) und fanden über 3 Tage keinen Unterschied in der Ansprechrate (63,8 Prozent gegenüber 57,8 Prozent). Zwei der Koautorinnen und Koautoren dieser Studie (Klein P, Suter A) sind dieselben, die auch in der oben zitierten, firmenfinanzierten Wechseljahres-Studie für A.Vogel AG stehen, die Unabhängigkeit von der Salbei-Herstellerseite ist damit auch hier eingeschränkt. Beide Studien prüften eine örtliche, auf den Rachen aufgebrachte Zubereitung, keine geschluckte Kapsel, eine Übertragung auf die orale Einnahme des Produkts ist auf dieser Grundlage nicht möglich
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06
Hautrötung nach UV-Bestrahlung bei äußerlicher Anwendung auf der Haut, nicht bei geschluckter Kapsel
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Eine einzelne kleine Studie zu einer äußerlich aufgetragenen Salbenzubereitung, nicht mit dem Produkt vergleichbar. Reuter und Kollegen (2007) bestrahlten bei 40 gesunden Freiwilligen Testareale auf dem Rücken mit dem 1,5-Fachen der minimalen Erythemdosis und trugen anschließend randomisiert und placebokontrolliert eine Salbe mit 2 Prozent eines an phenolischen Diterpenen (Carnosol, Carnosolsäure) reichen Salbei-Extrakts, 1 Prozent Hydrocortison, 0,1 Prozent Betamethason oder die Placebo-Grundlage auf. Gegenüber Placebo verringerte der Salbei-Extrakt die UV-bedingte Hautrötung nach 48 Stunden signifikant, in ähnlichem Ausmaß wie Hydrocortison. Eine örtlich aufgetragene Salbe ist keine Aussage über eine geschluckte Kapsel, keine Angabe zur Rosmarinsäure-Standardisierung
Quellen: 11
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07
Verdauungsbeschwerden (Sodbrennen, Blähungen) bei oraler Einnahme
Keine Studien gefundenEinordnung und Einschränkungen
Gezielt gesucht mit den PubMed-Suchbegriffen "Salvia officinalis" "digestive dyspepsia randomized" (ohne Beschränkung auf Humanstudien) (0 Treffer) und mit den PubMed-Suchbegriffen "sage extract" "irritable bowel OR bloating OR indigestion" (ohne Beschränkung auf Humanstudien, alle Publikationstypen)" (0 Treffer). Keine Humanstudie zu diesem Endpunkt unter oral eingenommenem Salvia-officinalis-Extrakt gefunden. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) führt milde Verdauungsbeschwerden als eine von vier Anwendungen eines traditionellen pflanzlichen Arzneimittels aus Salbeiblättern, ausdrücklich auf Basis langjähriger Anwendung und nicht auf Basis von Wirksamkeitsstudien (siehe Sicherheit). Diese Zeile bleibt deshalb ohne eigene Humanstudien-Grundlage
Quellen: 13
Studien im Detail
Hitzewallungen und Schwitzen in den Wechseljahren
Eine systematische Übersicht mit Meta-Analyse von Moradi und Kollegen (2023) wertete 4 Studien mit 310 postmenopausalen Frauen aus [1]. Für die Häufigkeit von Hitzewallungen berichten die Autorinnen und Autoren im Abstract eine "signifikante" Effektstärke von minus 1,12 verglichen mit Placebo, deren eigenes 95-Prozent-Konfidenzintervall (minus 2,37 bis plus 0,14) die Null einschließt. Dieser Widerspruch innerhalb des Abstracts ließ sich mit den verfügbaren Angaben nicht auflösen. Für die Schwere der Hitzewallungen fand sich kein signifikanter Effekt.
Von den 4 in der Übersicht gepoolten Studien sind 2 einzeln über PubMed nachprüfbar. Wilfried und Kollegen (2021) prüften an 80 randomisierten Schweizer und deutschen Frauen zwischen 48 und 65 Jahren eine Tablette täglich mit 280 mg thujonfreiem Dickextrakt aus frisch geerntetem Salbei gegen Placebo über 4 Wochen [2]. Die Studie ist firmenfinanziert, die Letztautorin S. Bommer ist beim Hersteller (A.Vogel AG) angestellt. In der vorab festgelegten primären Auswertung (Frauen bis 56 Jahre, 22 Extrakt gegenüber 26 Placebo) sank die Menopause Rating Scale unter Salbei gegenüber dem eigenen Ausgangswert um 37,1 Prozent (95-Prozent- Konfidenzintervall minus 50,4 bis minus 23,9 Prozentpunkte), unter Placebo um 6,3 Prozent (minus 20,2 bis plus 7,6), der Gruppenunterschied war signifikant (p gleich 0,002). Der Hot-Flush-Severity-Score sank gegenüber Placebo ab Woche 3 signifikant (p gleich 0,028). Eine ergänzende Auswertung an allen 78 ausgewerteten Frauen bestätigte die Richtung.
Zeidabadi und Kollegen (2020) prüften an 66 randomisierten, 58 ausgewerteten iranischen postmenopausalen Frauen dreimal täglich eine Tablette mit 100 mg Salbei-Extrakt (300 mg pro Tag) gegen Placebo über 3 Monate, ohne angegebenen Interessenkonflikt [3]. Beim Gruppenvergleich nach Studienende war die Hitzewallungs- und Nachtschweiß-Teilskala unter Salbei signifikant niedriger als unter Placebo (p kleiner 0,001). In der separat berichteten, wöchentlich erfassten Auswertung der Hitzewallungen selbst wurde der Gruppenunterschied den Autorinnen und Autoren zufolge aber erst ab Woche 10 von 12 signifikant, in den Wochen 2 bis 8 nicht.
Einschränkung: Zwei der vier in der Übersicht gepoolten Studien sind nur in persischsprachigen Fachzeitschriften erschienen und über PubMed nicht auffindbar. Keine der beiden einzeln geprüften Studien und keine der gepoolten Arbeiten standardisiert ihren Extrakt auf Rosmarinsäure wie das Produkt.
Gedächtnis und Aufmerksamkeit bei gesunden Erwachsenen
Scholey und Kollegen (2008) prüften an 20 gesunden Erwachsenen über 65 Jahren in einem Fünf-Perioden-Cross-over vier Dosen eines standardisierten Salvia-officinalis-Extrakts (167, 333, 666 und 1332 mg) gegen Placebo [4]. Gegenüber Placebo verbesserte sich das sekundäre Gedächtnis zu allen Testzeitpunkten signifikant nach der 333-mg-Dosis, dazu die Aufmerksamkeitsgenauigkeit. Eine begleitende In-vitro-Analyse bestätigte eine cholinesterasehemmende Wirkung des Extrakts.
Kennedy und Kollegen (2006) prüften an 30 gesunden jungen Erwachsenen in einem placebokontrollierten Cross-over 300 beziehungsweise 600 mg getrocknetes Salbeiblattpulver [5]. Die höhere Dosis verbesserte die Leistung in einer computergestützten Stressbatterie gegenüber Placebo, die niedrigere Dosis verschlechterte sie zur späteren Messung.
Beide Studien stammen von derselben britischen Arbeitsgruppe (Northumbria University) und prüften jeweils nur eine einzelne Einnahme, keine unabhängige Zweitbestätigung und keine über Tage oder Wochen fortgesetzte Einnahme. Ein erheblicher Teil der weiteren, oft zitierten Literatur zu Salbei und Gedächtnis (Tildesley 2003, 2005 und Kennedy 2011, aus derselben Arbeitsgruppe) prüft Salvia lavandulaefolia als ätherisches Öl, eine andere Art und eine andere Zubereitung, und ist hier nicht herangezogen. Eine narrative systematische Übersicht von Miroddi und Kollegen (2014) bestätigt kognitive Effekte für beide Salbei-Arten, weist aber ausdrücklich auf die uneinheitlichen Zubereitungen (Extrakte, ätherisches Öl, Rohmaterial) und die dadurch eingeschränkte Vergleichbarkeit der Literatur hin [6].
Einschränkung: Keine der beiden Studien nennt eine Standardisierung auf Rosmarinsäure. Eine ältere, kleine Studie an 42 Menschen mit diagnostizierter Alzheimer-Krankheit mit einer flüssigen Salbei-Tinktur [14] ist wegen der Population und der Zubereitungsform (Tropfen statt Kapsel) nicht als eigene Wirkungszeile aufgenommen.
Blutzucker, Blutfette und oxidativer Stress
Kianbakht und Dabaghian (2013) prüften an 80 randomisierten Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes und erhöhten Blutfettwerten ein 500-mg-Kapsel-Extrakt dreimal täglich (1500 mg pro Tag) gegen Placebo über 3 Monate [7]. Gegenüber Placebo zeigte sich eine deutlich größere Abnahme von Nüchternblutzucker, HbA1c, Gesamtcholesterin, Triglyceriden und LDL-Cholesterin sowie eine größere Zunahme von HDL-Cholesterin, jeweils mit Konfidenzintervall.
Maleki-Hajiagha und Kollegen (2025) prüften an 70 randomisierten Frauen mit neu diagnostiziertem polyzystischem Ovarialsyndrom 330 mg Salvia-officinalis-Extrakt pro Tag gegen Placebo über 8 Wochen [8]. Gegenüber Placebo sanken Triglyceride und der oxidative Marker Malondialdehyd signifikant, Gesamt- und LDL-Cholesterin veränderten sich laut Abstract nicht signifikant unterschiedlich zwischen den Gruppen.
Einschränkung: Beide Studien stammen von unterschiedlichen Arbeitsgruppen an unterschiedlichen Populationen (Typ-2-Diabetes gegenüber polyzystischem Ovarialsyndrom) und lassen sich nicht zu einer gemeinsamen Aussage zusammenfassen. Keine nennt eine Rosmarinsäure-Standardisierung, die Maleki-Hajiagha-Studie nennt im Abstract keine Zahlenwerte oder Konfidenzintervalle.
Örtliche Anwendung: Rachen und Haut
Hubbert und Kollegen (2006) prüften an 286 randomisierten Erwachsenen mit akuter Rachenentzündung einen Spray mit 15-prozentigem Salbei- Flüssigextrakt gegen Placebo über 3 Tage und fanden eine gegenüber Placebo signifikant stärkere Abnahme der Halsschmerz-Intensität innerhalb der ersten 2 Stunden [9]. Der Erstautor ist beim Hersteller der Zubereitung angestellt. Schapowal und Kollegen (2009) verglichen an 154 randomisierten Erwachsenen einen Spray aus Salbei und Echinacea gegen einen Chlorhexidin-Lidocain-Spray (aktive Vergleichsbehandlung, kein Placebo) und fanden keinen Unterschied in der Ansprechrate [10]. Zwei Koautorinnen und Koautoren dieser Studie sind dieselben, die auch in der firmenfinanzierten Wechseljahres-Studie oben für A.Vogel AG stehen.
Reuter und Kollegen (2007) bestrahlten bei 40 gesunden Freiwilligen Testareale mit UV-Licht und trugen anschließend randomisiert und placebokontrolliert eine Salbe mit 2 Prozent eines an phenolischen Diterpenen reichen Salbei-Extrakts auf [11]. Gegenüber Placebo verringerte sich die UV-bedingte Hautrötung signifikant, in ähnlichem Ausmaß wie unter 1 Prozent Hydrocortison.
Einschränkung: Alle drei Studien prüfen eine örtlich auf Rachen oder Haut aufgebrachte Zubereitung, keine geschluckte Kapsel. Eine Übertragung auf die orale Einnahme des Produkts ist auf dieser Grundlage nicht möglich.
Verdauungsbeschwerden
Gezielt gesucht mit den PubMed-Suchbegriffen "Salvia officinalis" "digestive dyspepsia randomized" (ohne Beschränkung auf Humanstudien) (0 Treffer) und mit den PubMed-Suchbegriffen "sage extract" "irritable bowel OR bloating OR indigestion" (ohne Beschränkung auf Humanstudien, alle Publikationstypen) (0 Treffer). Keine Humanstudie zu diesem Endpunkt unter oral eingenommenem Extrakt gefunden. Die EMA führt milde Verdauungsbeschwerden als eine von vier traditionellen Anwendungen, ausdrücklich auf Basis langjähriger Anwendung statt auf Basis von Wirksamkeitsstudien, siehe Sicherheit.
Tier- und Laborstudien
Tober und Schoop (2019) prüften in Rezeptorbindungsversuchen einen hydroalkoholischen, thujonfreien Extrakt aus frisch geerntetem Salvia officinalis [12]. Der Extrakt zeigte eine ausgeprägte Bindungsaffinität an Adrenozeptoren (Alpha-2A), Opioid- (Mu), muskarinischen (M3) und Serotonin-Rezeptoren (5-HT1A), dazu eine Hemmung der Acetylcholinesterase. Die Rezeptorbindung wurde zusätzlich an entnommenem Hypothalamusgewebe von 2 Frauen bestätigt. Diese Angaben stammen ausschließlich aus In-vitro-Versuchen und einer Gewebeprobe von 2 Personen, nicht aus der Einnahme durch Menschen, und tragen deshalb keine eigene Wirkungsaussage für Menschen. Sie liefern einen möglichen Erklärungsansatz für die oben beschriebenen Gedächtnis- und Wechseljahres-Befunde.
Sicherheit und Wechselwirkungen
Echter Salbei enthält Thujon, eine Verbindung, die als neurotoxisch gilt. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat für Zubereitungen aus Salbeiblättern (Salvia officinalis L., folium) eine Monographie als traditionelles pflanzliches Arzneimittel verabschiedet (EMA/HMPC/277152/2015, finale Fassung vom 20. September 2016) [13]. Diese Zulassungsart beruht ausdrücklich auf mindestens 30-jähriger, davon mindestens 15-jähriger Anwendung in der EU, nicht auf Wirksamkeitsstudien. Für die genannten Zubereitungen (unter anderem Trockenextrakt im Verhältnis 4 bis 7 zu 1) gilt: Der Thujon-Gehalt muss für das jeweilige Präparat angegeben werden, die tägliche Aufnahmemenge an Thujon soll unter 6,0 mg bleiben. Die Monographie berichtet zur Überdosierung, dass die Einnahme von Salbeiöl in einer Menge, die mehr als 15 g Salbeiblättern entspricht, mit Hitzegefühl, schnellem Herzschlag, Schwindel und epilepsieartigen Krampfanfällen in Verbindung gebracht wurde. Ein konkreter Thujon-Gehalt des Produkts ist uns nicht bekannt.
Die EMA rät von der Anwendung bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren sowie, mangels ausreichender Daten, während Schwangerschaft und Stillzeit ab. Zur Verträglichkeit in den ausgewerteten Humanstudien: Wilfried und Kollegen [2] berichten insgesamt 3 Nebenwirkungen bei 80 Teilnehmerinnen, keine davon der Behandlung zugeordnet. Kianbakht und Dabaghian [7] berichten keine Nebenwirkungen bei 80 Teilnehmenden über 3 Monate.
Wegen der in Quelle 7 gezeigten blutzuckersenkenden Wirkung ist bei gleichzeitiger Einnahme blutzuckersenkender Medikamente Vorsicht sinnvoll. Zu Wechselwirkungen mit Arzneistoffen führt die EMA-Monographie "keine berichtet", das ist eine Aussage über fehlende gemeldete Fälle, keine Aussage über eine geprüfte Unbedenklichkeit.
Quellen zum Nachlesen
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02
Randomisierte, doppelblinde, plazebokontrollierte Studie, n gleich 80 randomisiert, firmenfinanziert · 2021
Effectiveness of Menosan® Salvia officinalis in the treatment of a wide spectrum of menopausal complaints. A double-blind, randomized, placebo-controlled, clinical trial.
Wilfried D, Nina CDG, Silvia B. Heliyon
Zur Zuschreibung: 01
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03
Randomisierte, doppelblinde, plazebokontrollierte Studie, n gleich 66 randomisiert, 58 ausgewertet · 2020
The effect of Salvia officinalis extract on symptoms of flushing, night sweat, sleep disorders, and score of forgetfulness in postmenopausal women.
Zeidabadi A, et al. J Family Med Prim Care
Zur Zuschreibung: 01
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06
Systematische Übersicht ohne gepoolte Effektschätzung, Salvia officinalis und Salvia lavandulaefolia getrennt betrachtet · 2014
Systematic review of clinical trials assessing pharmacological properties of Salvia species on memory, cognitive impairment and Alzheimer's disease.
Miroddi M, et al. CNS Neurosci Ther
Zur Zuschreibung: 02
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07
Randomisierte, plazebokontrollierte Studie, n gleich 80 · 2013
Improved glycemic control and lipid profile in hyperlipidemic type 2 diabetic patients consuming Salvia officinalis L. leaf extract: a randomized placebo. Controlled clinical trial.
Kianbakht S, Dabaghian FH. Complement Ther Med
Zur Zuschreibung: 03
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08
Randomisierte, plazebokontrollierte Studie, n gleich 70 · 2025
Exploring the therapeutic impact of Salvia officinalis on lipid and oxidative stress markers in patients with polycystic ovary syndrome - a randomized placebo-controlled clinical trial.
Maleki-Hajiagha A, et al. BMC Complement Med Ther
Zur Zuschreibung: 04
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09
Randomisierte, doppelblinde, plazebokontrollierte Studie zu einem topischen Spray, n gleich 286, herstellernah · 2006
Efficacy and tolerability of a spray with Salvia officinalis in the treatment of acute pharyngitis - a randomised, double-blind, placebo-controlled study with adaptive design and interim analysis.
Hubbert M, et al. Eur J Med Res
Zur Zuschreibung: 05
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Randomisierte, doppelblinde, plazebokontrollierte Studie an Menschen mit diagnostizierter Alzheimer-Krankheit, n gleich 42 · 2003
Salvia officinalis extract in the treatment of patients with mild to moderate Alzheimer's disease: a double blind, randomized and placebo-controlled trial.
Akhondzadeh S, et al. J Clin Pharm Ther
Bei H.P.N
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