Schisandra-Extrakt

Zuletzt geprüft am

Pflanzenextrakte

Schisandra chinensis (Turcz.) Baill. · Wu Wei Zi · Beere der fünf Geschmäcker · Omija · Chinesischer Limonenbaum · Schisandrin

H.P.N · Datenstand 2026-08-19 · 9 Zuschreibungen im Überblick

Auf einen Blick

Was es ist
Extrakt aus den getrockneten Beeren der Kletterpflanze Schisandra chinensis, in der traditionellen ostasiatischen Anwendung Wu Wei Zi genannt. Markerstoffe sind Lignane, vor allem Schisandrin, Schisandrol A und B, Deoxyschisandrin und verschiedene Gomisine
Artenabgrenzung
Schisandra chinensis ist botanisch verschieden von Schisandra sphenanthera, einer zweiten, vor allem in der chinesischen Arzneimittelzulassung genutzten Art mit einem anderen Lignan-Muster. Die meisten Humanstudien zu Wirkungen wie Wechseljahresbeschwerden, Muskelkraft, Leberwerten und Blutzucker verwenden chinensis-Extrakte, während die einzige gefundene Humanstudie zur Hemmung arzneimittelabbauender Enzyme mit sphenanthera-Extrakt arbeitet. In welcher Studie welche Art geprüft wurde, steht in der Begründung der jeweiligen Zeile
Wirkform in Studien
Wässrige oder ethanolische Extrakte aus der ganzen Beere, in der Regel ohne einheitliche Standardisierung auf einen bestimmten Lignan-Gehalt. Nur eine der hier ausgewerteten Humanstudien weist den Schisandrin-Gehalt des verwendeten Extrakts aus, mit 4,9 Milligramm Schisandrin pro Gramm Extrakt (0,49 Prozent). Ob die übrigen Studien vergleichbar standardisiertes Material verwendeten, lässt sich aus den Abstracts nicht feststellen
Übliche Studiendosis
100 mg bis 1,5 g Extrakt pro Tag in Human-Einzelstudien, am häufigsten 1 Gramm pro Tag. In Kombinationspräparaten mit Rhodiola, Eleutherococcus, Soja oder Sesamin liegt der Schisandra-Anteil am Gesamtpräparat oft nicht offen
Verträglichkeit und Wechselwirkungen
In den ausgewerteten Studien überwiegend gut vertragen, keine schweren unerwünschten Ereignisse berichtet. Schisandra-sphenanthera-Extrakt hemmt in einer Humanstudie das arzneimittelabbauende Enzym CYP3A4 deutlich, Laborversuche an menschlichen Leberzellen zeigen für beide Arten daneben eine gesteigerte Bildung dieses Enzyms, siehe Abschnitt Sicherheit

Was diesem Stoff zugesprochen wird

Was die Studien hergeben.

Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.

  1. 01

    Wechseljahresbeschwerden, Kupperman-Index

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Randomisierte, placebokontrollierte Studie mit 41 eingeschlossenen und 36 auswertenden Frauen zwischen 40 und 70 Jahren, Schisandra-chinensis-Extrakt BMO-30, Dosis im Abstract nicht beziffert, 6 Wochen Einnahme und 12 Wochen Nachbeobachtung. Der Kupperman-Index-Gesamtscore war gegenüber Placebo signifikant niedriger, Gruppe-mal-Zeit-Effekt p gleich 0,042, mit Verbesserungen bei Hitzewallungen, Schwitzen und Herzrasen, andere Einzelsymptome nicht signifikant. Einzige gefundene Studie zu diesem Endpunkt, keine unabhängige Bestätigung, Auswertung anhand des Abstracts

    Quellen: 1

  2. 02

    Skelettmuskelkraft bei postmenopausalen Frauen und bei Erwachsenen über 50 Jahre

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Zwei unabhängige randomisierte, placebokontrollierte Studien aus Südkorea, die eine an postmenopausalen Frauen, die andere an Erwachsenen über 50 Jahre, deren Geschlechterverhältnis der Abstract nicht nennt. Park und Kollegen prüften an 45 gesunden postmenopausalen Frauen 1 g Schisandra-chinensis-Extrakt pro Tag über 12 Wochen, mit laut Volltext nur 4,92 mg Schisandrin pro Gramm Extrakt. Signifikante Gruppe-mal-Zeit-Interaktion für Quadrizepskraft (p gleich 0,001) und Ruhelaktat (p gleich 0,038), die Kraft stieg gegenüber dem Ausgangswert in der Verumgruppe signifikant (p kleiner 0,001) und blieb in der Placebogruppe unverändert, ein direkter Gruppenvergleich zum Studienende wird im Volltext nicht berichtet. Kein Effekt auf Muskelmasse, Greifkraft, Gehgeschwindigkeit oder Aufstehtest. Das Prüfmaterial stellte die Herstellerfirma Bioport Korea, die Interessenerklärung nennt keinen Konflikt, gefördert hat die Dong-A-Universität. Cho und Kollegen prüften an 54 randomisierten Erwachsenen über 50 Jahre mit begleitendem Bewegungsprogramm 1 g Schisandra-chinensis-Baillon-Extrakt pro Tag über 12 Wochen, Schisandrin-Gehalt nicht angegeben, Auswertung anhand des Abstracts. Kniestreckerkraft stieg gegenüber Placebo rechts um 10,2 Nm (95 Prozent Konfidenzintervall 3,7 bis 16,8; p gleich 0,003) und links um 6,7 Nm (95 Prozent Konfidenzintervall 0,3 bis 13,1; p gleich 0,041), kein Effekt auf Muskelmasse, Entzündungs- oder Antioxidansmarker oder Lebensqualität. Beide Studien liefen in Südkorea an Menschen ab etwa 50 Jahren, kein Transfer auf jüngere Bevölkerungsgruppen belegt

    Quellen: 2, 3

  3. 03

    Aufmerksamkeit und Stressresistenz, für Schisandra allein nicht geprüft, nur in Mehrstoffkombinationen

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Für Schisandra als Einzelstoff wurde keine placebokontrollierte Humanstudie zu Stress, Kortisol, Erschöpfung oder Kognition gefunden, weder mit noch ohne Humanfilter (PubMed-Suche nach "schisandra chinensis" "cortisol" (ohne Beschränkung auf Humanstudien), 0 Treffer; PubMed-Suche nach "schisandra chinensis" "cognition" (alle Publikationstypen), 7 Treffer, ausschließlich Tier- und Zellstudien sowie Übersichtsarbeiten ohne Humandaten). Alle gefundenen positiven Humanbefunde stammen aus Mehrstoffkombinationen. Eine randomisierte Einzeldosis-Studie mit der Dreifachkombination ADAPT-232 aus Rhodiola rosea, Schisandra chinensis und Eleutherococcus senticosus, 270-mg-Tablette, deren Aufschlüsselung nach Einzelextrakten die Veröffentlichung nicht angibt, fand 2 Stunden nach Einnahme eine signifikant bessere Aufmerksamkeit im d2-Test gegenüber Placebo (p kleiner 0,05) bei 40 gestressten Frauen. Eine andere placebokontrollierte Studie mit derselben ADAPT-232-Kombination fand dagegen nach einer Woche Einnahme keinen Unterschied zu Placebo bei Erschöpfung und Photonenemission, nur die Rhodiola-Monogruppe unterschied sich von Placebo. Eine 2026 veröffentlichte, von Gaia Herbs mitfinanzierte und mit Unternehmensmitarbeitenden als Autoren besetzte Studie prüfte eine Fünffachkombination aus Rhodiola, Holy Basil, Hafer, Schisandra chinensis und Ashwagandha, zwei 260-mg-Kapseln Kräuterblend morgens, also 520 mg pro Tag, und fand im Gruppenvergleich gegen Placebo eine signifikante Senkung der wahrgenommenen Stressskala (p kleiner 0,0001), ein Schisandra-Einzeleffekt ist aus dem Fünfstoffgemisch nicht bestimmbar

    Quellen: 4, 5, 6

  4. 04

    Leberenzyme ALT und AST bei grenzwertig erhöhten Werten, nur als Mischung mit Sesamin geprüft

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Randomisierte, placebokontrollierte Studie mit 40 Teilnehmenden (20 je Gruppe) mit grenzwertig erhöhten ALT- oder AST-Werten, 4 Tabletten pro Tag einer Mischung aus Schisandra-Fruchtextrakt und Sesamin, 5 Monate. ALT und AST sanken in der Verumgruppe, Gesamt- und direktes Bilirubin blieben unverändert, antioxidative Kapazität stieg, die LDL-Oxidationslag-Zeit verlängerte sich. Ob der Unterschied zu Placebo am Studienende statistisch geprüft und signifikant war, geht aus dem Abstract nicht hervor, Auswertung anhand des Abstracts. Kombinationspräparat mit Sesamin, ein Schisandra-Einzeleffekt ist daraus nicht isolierbar. Einzige gefundene placebokontrollierte Humanstudie zu diesem Endpunkt, neuere Suchen zu Schisandra und Leberfunktion beim Menschen (PubMed-Suche nach "schisandra chinensis" "liver function humans" (alle Publikationstypen), 54 Treffer; PubMed-Suche nach "schisandra" "ALT AST clinical trial" (alle Publikationstypen), 2 Treffer) fanden keine weitere placebokontrollierte Humanstudie, nur eine 2025 veröffentlichte Meta-Analyse ausschließlich aus Tiermodellen ohne Humandaten

    Quellen: 7, 8

  5. 05

    Blutzuckerkontrolle bei erhöhtem Nüchternblutzucker, Kombinationspräparat mit Soja

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie mit 80 randomisierten und 63 ausgewerteten Erwachsenen mit Nüchternblutzucker zwischen 100 und 140 mg pro dl, 500 mg pro Tag einer Omija-Soja-Mischung (Omija ist die koreanische Bezeichnung für Schisandra chinensis), 12 Wochen. Nüchtern- und postprandialer Blutzucker, Insulin-AUC, Fructosamin und LDL-Cholesterin sanken gegenüber Placebo signifikant, HbA1c veränderte sich nicht signifikant. Nüchternblutzucker und HbA1c unterschieden sich schon zu Studienbeginn signifikant zwischen den Gruppen, die Auswertung ist darauf rechnerisch angepasst. Der freie Volltext beziffert die Mischung mit 5 Teilen Omija-Extrakt auf 1 Teil Sojabohne, das sind rund 417 mg Omija-Extrakt und 83 mg Sojabohne pro Tag, welchen Anteil am Effekt jeder Bestandteil trägt, ist damit weiterhin nicht getrennt geprüft. Prüfpräparat und Mitförderung kamen vom MunGyeong Agricultural Technology Service Center, die Interessenerklärung nennt keinen Konflikt

    Quellen: 9

  6. 06

    Immunmarker unter hochintensivem Training, Kombinationspräparat

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Randomisierte, placebokontrollierte Studie mit 17 männlichen College-Tennisspielern, Saengmaeksan (Kombination aus Liriope platyphylla, Panax ginseng und Schisandra chinensis, 110 ml je Portion), begleitend zu 4 Wochen hochintensivem Training. Eine signifikante Gruppe-mal-Zeit-Interaktion fand sich für Ammoniak, ALT und Immunglobulin A. AST sank nur innerhalb der Verumgruppe, die Interaktion war nicht signifikant, ein Vorteil gegenüber der Kontrollgruppe ist für AST also nicht belegt. Immunglobulin M sank in beiden Gruppen, Immunglobulin G blieb unverändert. Sehr kleine Stichprobe, die Fallzahlplanung rechnete mit einer Teststärke von nur 0,5, Dreifachkombination, ein Schisandra-Einzeleffekt ist nicht isolierbar, keine unabhängige Bestätigung

    Quellen: 10

  7. 07

    Herz-Kreislauf-Funktion und Blutdruck, nur isolierte Einzellignane im Tierversuch

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    Zwei Tierstudien an Angiotensin-II-induziert hypertensiven Mäusen fanden für die isolierten Schisandra-Lignane Gomisin A und Gomisin J eine Senkung des Blutdrucks über eine verbesserte Verfügbarkeit von Stickstoffmonoxid in der Gefäßwand. Keine Humanstudie zu Schisandra-Extrakt und Blutdruck oder Herz-Kreislauf-Funktion gefunden (PubMed-Suche nach "schisandra chinensis" "blood pressure" (ohne Beschränkung auf Humanstudien, alle Publikationstypen), 2 Treffer, beide reine Tierstudien zu isolierten Einzellignanen, keine zum Extrakt selbst)

    Quellen: 11, 12

  8. 08

    Hautalterung und Hautschutz

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    Zell- und Laborstudie an Hautzellkulturen fand, dass Schisandra-chinensis-Fruchtextrakt das Wachstum von Propionibacterium acnes hemmte und in UVB-bestrahlten Hautfibroblasten entzündungs- und alterungsbezogene Marker wie Kollagenabbau und oxidativen Stress reduzierte. Reine Zellkulturdaten zu einem äußerlich getesteten Extrakt, keine Humanstudie zu oraler Einnahme und Hautalterung gefunden (PubMed-Suche nach "schisandra chinensis" "skin aging" (ohne Beschränkung auf Humanstudien, alle Publikationstypen), 6 Treffer, ausschließlich Zellkultur-, Tier- und Rezepturstudien)

    Quellen: 13

  9. 09

    Sexuelle Gesundheit und Libido, nur Rinderspermien im Reagenzglas geprüft

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine In-vitro-Studie an Rinderspermien fand für Omija-Extrakt (Schisandra chinensis) in einem Konzentrationsbereich von 5 bis 50 Mikrogramm pro ml eine dosisabhängige Steigerung von Beweglichkeit und Stoffwechselaktivität sowie eine antioxidative Schutzwirkung während der Lagerung außerhalb des Körpers. Reine Zellversuchsdaten an tierischem Material, keine Aussage zur menschlichen Fruchtbarkeit oder Libido. Keine placebokontrollierte Humanstudie zu Schisandra und sexueller Funktion oder Libido gefunden, auch nicht ohne Humanfilter (PubMed-Suche nach "schisandra chinensis" "libido" (ohne Beschränkung auf Humanstudien, alle Publikationstypen), 0 Treffer; PubMed-Suche nach "schisandra chinensis" "erectile" (ohne Beschränkung auf Humanstudien, alle Publikationstypen), 2 Treffer, keiner davon eine Humanstudie zu Schisandra)

    Quellen: 19

Schisandra wird in der Werbesprache meist als Adaptogen für Stressresistenz, Erschöpfung und geistige Leistungsfähigkeit beschrieben. Sieht man sich an, was dazu am Menschen tatsächlich gemessen wurde, bleibt davon wenig übrig: Für Schisandra allein liegt zu Stress, Kortisol, Erschöpfung oder Kognition keine placebokontrollierte Humanstudie vor, alle positiven Befunde stammen aus Kombinationspräparaten mit zwei bis vier weiteren Kräutern. Am besten belegt, wenn auch nur mit Hinweisen, sind zwei enger gefasste Endpunkte, Skelettmuskelkraft bei postmenopausalen Frauen und bei Erwachsenen über 50 Jahre sowie Wechseljahresbeschwerden. Fast alle hier ausgewerteten Humanstudien zu Schisandra chinensis stammen aus Südkorea, die Kombinationsstudien zu ADAPT-232 aus Armenien. Eine unabhängige Bestätigung in anderen Bevölkerungsgruppen oder Regionen fehlt bislang durchgehend.

Studien im Detail

Wechseljahresbeschwerden

Park und Kim [1] prüften 2016 an 41 eingeschlossenen, 36 auswertenden Frauen zwischen 40 und 70 Jahren mit Wechseljahresbeschwerden einen Schisandra-chinensis-Extrakt namens BMO-30 über 6 Wochen, mit 12 Wochen Nachbeobachtung. Die im Abstract verwendete mg-Dosis ist nicht angegeben, die Auswertung stützt sich hier auf das Abstract. Der Kupperman-Index-Gesamtscore fiel gegenüber Placebo signifikant stärker, mit Verbesserungen speziell bei Hitzewallungen, Schwitzen und Herzrasen. Es handelt sich um die einzige gefundene Studie zu diesem Endpunkt, mit kleiner Stichprobe und ohne unabhängige Bestätigung.

Skelettmuskelkraft

Park und Kollegen [2] fanden 2020 in einer Studie an 45 postmenopausalen Frauen mit 1 g Schisandra-chinensis-Extrakt pro Tag über 12 Wochen eine signifikante Gruppe-mal-Zeit-Interaktion für Quadrizepskraft und Ruhelaktat. Wichtig für die Einordnung: Der Volltext weist den Schisandrin-Gehalt des verwendeten Extrakts mit 4,9 mg pro Gramm aus, also 0,49 Prozent. Zudem berichtet der Volltext keinen direkten statistischen Vergleich zwischen den Gruppen zum Studienende, sondern eine Interaktion über die Zeit plus einen Innerhalb-Gruppen-Test.

Cho und Kollegen [3] fanden 2021 in einer zweiten, unabhängigen Studie an 54 Erwachsenen über 50 Jahren mit begleitendem Bewegungsprogramm unter 1 g Schisandra-chinensis-Baillon-Extrakt pro Tag über 12 Wochen einen klaren, direkt gegen Placebo getesteten Anstieg der Kniestreckerkraft, ohne Effekt auf Muskelmasse. Der Schisandrin-Gehalt des Extrakts ist im Abstract nicht angegeben. Park und Kollegen prüften postmenopausale Frauen, Cho und Kollegen Erwachsene über 50 Jahre, deren Geschlechterverhältnis der Abstract nicht nennt. Beide Studien liefen in Südkorea an Menschen ab etwa 50 Jahren, ein Transfer auf jüngere Bevölkerungsgruppen ist damit nicht belegt.

Aufmerksamkeit, Stimmung und Stressresistenz

Die verbreitete Einordnung von Schisandra als Adaptogen fasst mehrere unterschiedlich gemessene Größen unter einem Begriff zusammen. Für Schisandra als Einzelstoff findet sich dazu keine placebokontrollierte Humanstudie. Aslanyan und Kollegen [4] prüften 2010 die Dreifachkombination ADAPT-232 aus Rhodiola rosea, Schisandra chinensis und Eleutherococcus senticosus als Einzeldosis, 270-mg-Tablette, an 40 gestressten Frauen und fanden im d2-Aufmerksamkeitstest 2 Stunden nach Einnahme eine signifikant bessere Leistung gegenüber Placebo. Schutgens und Kollegen [5] prüften 2009 dieselbe ADAPT-232-Kombination über eine Woche und fanden dabei keinen Unterschied zu Placebo bei Erschöpfung und ultraschwacher Photonenemission, nur die separat geprüfte Rhodiola-Monogruppe unterschied sich signifikant von Placebo. McKinney und Kollegen [6] prüften 2026 eine Fünffachkombination aus Rhodiola, Holy Basil, Hafer, Schisandra chinensis und Ashwagandha, zwei 260-mg-Kapseln Kräuterblend morgens, über 60 Tage an 186 gestressten Erwachsenen und fanden eine signifikante Senkung der wahrgenommenen Stressskala gegenüber Placebo. Diese Studie wurde von Gaia Herbs mitfinanziert, zwei Autoren waren zum Studienzeitpunkt bei Gaia Herbs angestellt. In keiner der drei Studien lässt sich ein Schisandra-Einzeleffekt aus der Kombination herausrechnen.

Leberenzyme

Chiu und Kollegen [7] prüften 2013 an 40 Teilnehmenden mit grenzwertig erhöhten ALT- oder AST-Werten eine Mischung aus Schisandra-Fruchtextrakt und Sesamin, 4 Tabletten pro Tag über 5 Monate, randomisiert und placebokontrolliert. ALT und AST sanken in der Verumgruppe, die antioxidative Kapazität stieg. Die Auswertung stützt sich hier auf die Studienzusammenfassung (Abstract), weshalb sich aus dem Abstract nicht klären lässt, ob der Unterschied zu Placebo am Studienende direkt geprüft und signifikant war. Da es sich um ein Kombinationspräparat mit Sesamin handelt, ist ein Schisandra-Einzeleffekt ohnehin nicht bestimmbar. Eine 2025 veröffentlichte systematische Übersicht mit Meta-Analyse [8] fasst ausschließlich Tiermodelle zusammen, siehe Tier- und Laborstudien.

Blutzuckerkontrolle

Kim und Kollegen [9] prüften 2022 an 80 Erwachsenen mit erhöhtem Nüchternblutzucker eine Kombination aus Omija-Extrakt (Schisandra chinensis) und Soja, 500 mg pro Tag über 12 Wochen. Mehrere Glukose- und Insulinwerte sowie LDL-Cholesterin sanken gegenüber Placebo signifikant, HbA1c nicht. Ausgewertet wurden 63 der 80 randomisierten Teilnehmenden, und Nüchternblutzucker und HbA1c unterschieden sich schon zu Studienbeginn signifikant zwischen den Gruppen, worauf die Auswertung rechnerisch angepasst ist. Der freie Volltext beziffert die Mischung mit 5 Teilen Omija-Extrakt auf 1 Teil Sojabohne, also rund 417 mg Omija-Extrakt und 83 mg Sojabohne pro Tag. Welchen Anteil am Effekt der Extrakt trägt und welchen die Sojabohne, ist damit weiterhin nicht getrennt geprüft.

Immunmarker

Juan und Kollegen [10] prüften 2023 an 17 Leistungssportlern unter hochintensivem Training die Dreifachkombination Saengmaeksan aus Liriope platyphylla, Panax ginseng und Schisandra chinensis. Für Ammoniak, ALT und Immunglobulin A war die Gruppe-mal-Zeit-Interaktion signifikant. AST sank nur innerhalb der Verumgruppe, ohne signifikante Interaktion, ein Vorteil gegenüber der Kontrollgruppe ist dafür nicht belegt. Sehr kleine Stichprobe, Kombinationspräparat, keine unabhängige Bestätigung.

Tier- und Laborstudien

Die isolierten Schisandra-Lignane Gomisin A und Gomisin J senkten in zwei Studien an Angiotensin-II-induziert hypertensiven Mäusen [11, 12] den Blutdruck über eine verbesserte Verfügbarkeit von Stickstoffmonoxid in der Gefäßwand. Eine Zellkulturstudie [13] fand entzündungs- und alterungshemmende Effekte eines äußerlich angewendeten Schisandra-Extrakts an Hautzellen. Die 2025 veröffentlichte Meta-Analyse von Huang und Kollegen [8] wertete 54 Tierstudien zu Schisandra chinensis und Leberschäden aus und fand deutliche Senkungen von ALT und AST in Tiermodellen für Leberschädigung. Diese Daten stammen ausnahmslos aus Zellkultur- oder Tiermodellen und erlauben keine Aussage über eine Wirkung beim Menschen.

Sicherheit und Wechselwirkungen

In den ausgewerteten randomisierten Studien wurde Schisandra überwiegend gut vertragen, ohne schwere unerwünschte Ereignisse.

Wichtiger ist ein pharmakokinetischer Befund: Xin und Kollegen [14] prüften 2009 an 12 gesunden männlichen Probanden, wie sich 7 Tage Einnahme eines Schisandra-sphenanthera-Extrakts auf den Abbau von Midazolam auswirkt, einem Testsubstrat für das Enzym CYP3A. Die Fläche unter der Plasmakonzentrationskurve von Midazolam stieg im Mittel um 119 Prozent (95 Prozent Konfidenzintervall 84 bis 155), die Clearance sank um 52 Prozent (95 Prozent Konfidenzintervall 45 bis 59) gegenüber der Einnahme ohne Schisandra. Schisandra-sphenanthera-Extrakt hemmt damit deutlich das Enzym CYP3A, das am Abbau vieler Arzneimittel beteiligt ist. Diese Studie prüfte Schisandra sphenanthera, nicht die in den Wirkungszeilen dieses Eintrags überwiegend geprüfte Art Schisandra chinensis. Eine Modellierungsstudie [16] und eine In-vitro-Studie an menschlichen Leberzellen [15] fanden für beide Arten, sphenanthera und chinensis, eine vergleichbare CYP3A4-hemmende und CYP3A4-induzierende Wirkung, mit Vorhersagen, die zu den klinischen Befunden bei sphenanthera passten. Für Schisandra chinensis selbst liegt aber keine eigene Humanstudie zu diesem Endpunkt vor. In-vitro- und Tierstudien [17], [18] zeigen für einzelne Schisandra-chinensis-Lignane wie Gomisin A und Schisandrol B ebenfalls eine CYP3A-hemmende Wirkung.

Beide Wirkrichtungen sind belegt und wirken gegeneinander. Die Hemmung bremst den Abbau, der Wirkstoffspiegel im Blut steigt, in der Midazolam-Studie um 119 Prozent. Zugleich steigert Schisandra in menschlichen Leberzellen die Bildung von CYP3A4, und eine solche Enzyminduktion drückt den Spiegel eines betroffenen Arzneimittels nach unten. In dem Versuch mit wiederholter Gabe an menschlichen Leberzellen [15] blieb unter dem Strich die Hemmung die stärkere der beiden Kräfte. Wer Arzneimittel einnimmt, die über CYP3A abgebaut werden, etwa bestimmte Immunsuppressiva, Blutgerinnungshemmer oder Statine, muss deshalb mit einem verschobenen Wirkstoffspiegel rechnen und das vor der Einnahme ärztlich klären lassen, unabhängig davon, welche der beiden Schisandra-Arten im jeweiligen Präparat steckt.

Quellen zum Nachlesen

  1. 01

    RCT, n gleich 36 auswertend · 2016

    A randomized, double-blind, placebo-controlled trial of Schisandra chinensis for menopausal symptoms

    Park JY, Kim KH. Climacteric

    Zur Zuschreibung: 01

  2. 02

    RCT, n gleich 45 · 2020

    Effect of Schisandra Chinensis Extract Supplementation on Quadriceps Muscle Strength and Fatigue in Adult Women, A Randomized, Double-Blind, Placebo-Controlled Trial

    Park J, Han S, Park H. Int J Environ Res Public Health

    Zur Zuschreibung: 02

  3. 03

    RCT, n gleich 54 · 2021

    Effect of Schisandra chinensis Baillon extracts and regular low-intensity exercise on muscle strength and mass in older adults, a randomized, double-blind, placebo-controlled trial

    Cho YH, Lee SY, Lee CH, Park JH, So YS. Am J Clin Nutr

    Zur Zuschreibung: 02

  4. 04

    RCT, n gleich 40, Einzeldosis · 2010

    Double-blind, placebo-controlled, randomised study of single dose effects of ADAPT-232 on cognitive functions

    Aslanyan G, Amroyan E, Gabrielyan E, Nylander M, Wikman G, Panossian A. Phytomedicine

    Zur Zuschreibung: 03

  5. 05

    RCT, n gleich 30 · 2009

    The influence of adaptogens on ultraweak biophoton emission, a pilot-experiment

    Schutgens FW, Neogi P, van Wijk EP, van Wijk R, Wikman G, Wiegant FA. Phytother Res

    Zur Zuschreibung: 03

  6. 06

    RCT, n gleich 186 · 2026

    Effects of multi-herb and ashwagandha root formulas on stress modulation, a randomized, double-blind, placebo-controlled clinical study

    McKinney E, Stewart J, Kewalramani R, Singh S. Trials

    Zur Zuschreibung: 03

  7. 07

    RCT, n gleich 40 · 2013

    Improvement of liver function in humans using a mixture of schisandra fruit extract and sesamin

    Chiu HF, Chen TY, Tzeng YT, Wang CK. Phytother Res

    Zur Zuschreibung: 04

  8. 08

    Systematische Übersicht und Meta-Analyse ausschließlich Tiermodelle, 54 Studien · 2025

    Efficacy of Schisandra chinensis in liver injury, a systematic review and preclinical meta-analysis

    Huang BH, Lv BH, Wu DJ, Xiong FY, Li YB, Lu YP, Lv WL. Front Pharmacol

    Zur Zuschreibung: 04

  9. 09

    RCT, n gleich 80 · 2022

    Efficacy and Safety of Omija (Schisandra chinensis) Extract Mixture on the Improvement of Hyperglycemia, A Randomized, Double-Blind, and Placebo-Controlled Clinical Trial

    Kim DS, Baek HI, Ha KC, Cha YS, Park SJ. Nutrients

    Zur Zuschreibung: 05

  10. 10

    RCT, n gleich 17 · 2023

    Effect of Saengmaeksan on Fatigue, Liver Function, and Immunity Combined with High-Intensity Training

    Juan S, Lee JH, Won SJ, Oh S, Ha MS. J Immunol Res

    Zur Zuschreibung: 06

  11. 11

    Tierstudie, Mäuse · 2015

    Preventive effect of gomisin J from Schisandra chinensis on angiotensin II-induced hypertension via an increased nitric oxide bioavailability

    Ye BH, Lee SJ, Choi YW, Park SY, Kim CD. Hypertens Res

    Zur Zuschreibung: 07

  12. 12

    Tierstudie, Mäuse · 2012

    Antihypertensive effect of gomisin A from Schisandra chinensis on angiotensin II-induced hypertension via preservation of nitric oxide bioavailability

    Young Park J, Wook Yun J, Whan Choi Y, Ung Bae J, Won Seo K, Jin Lee S, Youn Park S, Whan Hong K, Kim CD. Hypertens Res

    Zur Zuschreibung: 07

  13. 13

    Zellkulturstudie · 2016

    Inhibitory effects of Schisandra chinensis extract on acne-related inflammation and UVB-induced photoageing

    Guo M, Lu Y, Yang J, Zhao X, Lu Y. Pharm Biol

    Zur Zuschreibung: 08

  14. 14

    Pharmakokinetik-Studie, n gleich 12 · 2009

    Effects of Schisandra sphenanthera extract on the pharmacokinetics of midazolam in healthy volunteers

    Xin HW, Wu XC, Li Q, Yu AR, Xiong L. Br J Clin Pharmacol

  15. 15

    In-vitro-Studie an humanen Hepatozyten · 2017

    Prediction of Clinically Relevant Herb-Drug Clearance Interactions Using Sandwich-Cultured Human Hepatocytes, Schisandra spp. Case Study

    Jackson JP, Freeman KM, Friley WW, Herman AG, Black CB, Brouwer KR, Roe AL. Drug Metab Dispos

  16. 16

    In-vitro- und Modellierungsstudie · 2020

    Potential for pharmacokinetic interactions between Schisandra sphenanthera and bosutinib, but not imatinib, in vitro metabolism study combined with a physiologically based pharmacokinetic modelling approach

    Adiwidjaja J, Boddy AV, McLachlan AJ. Br J Clin Pharmacol

  17. 17

    In-vitro- und Tierstudie · 2017

    Time- and NADPH-Dependent Inhibition on CYP3A by Gomisin A and the Pharmacokinetic Interactions between Gomisin A and Cyclophosphamide in Rats

    Zhai J, Zhang F, Gao S, Chen L, Feng G, Yin J, Chen W. Molecules

  18. 18

    In-vitro- und Tierstudie, Mäuse · 2024

    Ameliorative effect of Schisandrol B against Diosbulbin B-induced hepatotoxicity via inhibiting CYP3A4-mediated bioactivation

    Lin D, Wang S, Yang B, Li G. Toxicol Appl Pharmacol

  19. 19

    In-vitro-Studie an Rinderspermien · 2020

    Characterization of the Omija (Schisandra chinensis) Extract and Its Effects on the Bovine Sperm Vitality and Oxidative Profile during In Vitro Storage

    Tvrdá E, Michalko J, Árvay J, Vukovic NL, Ivanišová E, Ďuračka M, Matušíková I, Kačániová M. Evid Based Complement Alternat Med

    Zur Zuschreibung: 09

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