Ulmen-Extrakt

Zuletzt geprüft am

Pflanzenextrakte

Ulmus rubra · Rotulme · Rote Ulme · Ulmenrinde · Slippery Elm · Ulmus fulva

H.P.N · Datenstand 2026-09-08 · 9 Zuschreibungen im Überblick

Auf einen Blick

Was es ist
Pulver oder Extrakt aus der getrockneten inneren Rinde der Rotulme (Ulmus rubra, "Slippery Elm"), reich an Schleimstoffen, die in Wasser stark aufquellen. Nicht zu verwechseln mit anderen Ulmenarten wie der Feldulme (Ulmus minor) oder der Bergulme (Ulmus glabra), zu denen uns keine eigene Studienlage vorliegt
Herkunft
Laubbaum aus dem östlichen Nordamerika, die innere Rinde wird traditionell von indigenen Völkern Nordamerikas genutzt. Für den Handel wird die getrocknete, gemahlene innere Rinde (Ulmi rubrae cortex) meist als Pulver, Kapsel oder Tee angeboten
Wirkform in Studien
Fast ausschließlich als eine von vier bis sieben Zutaten in mehrteiligen pflanzlichen Kombinationsformeln geprüft. Zwei Laborarbeiten haben Ulmenrinde allein untersucht, eine an mit menschlichem Stuhl beimpften Kulturen außerhalb des Körpers, eine als Bakterienkultur-Versuch. Keine Humanstudie prüft Ulmenrinde als alleinigen Wirkstoff bei oraler Einnahme
Übliche Studiendosis
Keine einheitliche Studiendosis für Ulmenrinde allein bekannt. In den ausgewerteten Kombinationsformeln 5 bis 10 g der Gesamtformel pro Tag beziehungsweise ein Anteil einer Vierfach-Mischung, im Laborversuch zur Darmflora 2-prozentiges Rindenpulver in einer Nährlösung
Bekannt geworden durch
Die traditionelle Verwendung als "Slippery Elm" in der nordamerikanischen Volksmedizin bei Reizungen von Magen, Darm und Rachen, wegen der schleimbildenden (demulzierenden) Eigenschaft der inneren Rinde
Verträglichkeit
In den wenigen vorliegenden, überwiegend an Kombinationspräparaten erhobenen Daten gut vertragen, keine schwerwiegenden Nebenwirkungen berichtet. Wegen der schleimbildenden Eigenschaft möglicher Einfluss auf die Aufnahme gleichzeitig eingenommener Arzneimittel, siehe Sicherheit

Was diesem Stoff zugesprochen wird

Was die Studien hergeben.

Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.

  1. 01

    Häufigkeit und Schwere von Verdauungsbeschwerden wie Sodbrennen, Übelkeit, Verstopfung oder Durchfall und Blähungen unter einer siebenteiligen pflanzlichen Formel, in einer Studie ohne Placebogruppe

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    In einer Studie ohne Placebogruppe sanken Häufigkeit und Schwere mehrerer Verdauungsbeschwerden unter einer Formel mit Ulmenrinde als einer von sieben Zutaten deutlich gegenüber dem eigenen Ausgangswert. Ohne Vergleichsgruppe lässt sich weder ein Placeboeffekt ausschließen noch der eigene Beitrag der Ulmenrinde bestimmen.

    Ausführlicher Nachweis

    In einer 16-wöchigen Studie ohne Placebo- oder Vergleichsgruppe nahmen 43 auswertbare erwachsene Australierinnen und Australier mit Verdauungsbeschwerden nach einer Kontrollphase 5 g pro Tag und danach 10 g pro Tag einer Formel aus Curcumin, Aloe vera, Ulmenrinde, Guarkernmehl, Pektin, Pfefferminzöl und Glutamin über je 4 Wochen ein [1]. Ulmenrinde ist damit eine von sieben Zutaten. Gegenüber dem eigenen Ausgangswert sanken Häufigkeit und Schwere oberer und unterer Verdauungsbeschwerden, darunter Verdauungsstörung, Sodbrennen, Übelkeit, Verstopfung oder Durchfall, Bauchschmerzen und störende Blähungen, laut Abstract um 60 bis 80 Prozent, ein genauer statistischer Kennwert für den einzelnen Endpunkt wird im Abstract nicht genannt [1]. Fast die Hälfte der Teilnehmenden mit oberen Verdauungsbeschwerden, die zuvor Protonenpumpenhemmer gegen Sodbrennen einnahmen, benötigte am Studienende diese Medikamente laut Abstract nicht mehr, ebenfalls ohne Vergleichsgruppe erhoben [1]. Das Studiendesign ist ein reiner Vorher-Nachher-Vergleich ohne Placebo, sodass ein spontaner Verlauf, ein Placeboeffekt oder begleitende Ernährungsumstellungen im Studienprotokoll als Erklärung nicht ausgeschlossen werden können. Weil Ulmenrinde nur eine von sieben Zutaten ist, lässt sich ihr eigener Beitrag zum Ergebnis aus dieser Studie nicht bestimmen. Geprüft wurde ein namentlich genanntes Handelsprodukt, die NC Gut Relief Formula des australischen Herstellers Nutrition Care, und der Fördereintrag zu dieser Arbeit weist die Nutrition Care Pharmaceuticals Pty Ltd als einzigen Geldgeber aus [1]. Damit stammt die Studie vom Hersteller des geprüften Produkts, sie hat keine Kontrollgruppe, und eine Interessenerklärung ist bei PubMed nicht hinterlegt. Ein freier Volltext liegt nicht vor, ausgewertet wurde der Abstract.

    Quellen: 1

  2. 02

    Körperliche Funktionsfähigkeit, Energielevel, Stimmung und Schlaf unter derselben siebenteiligen Formel, ohne Placebogruppe

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    In derselben unkontrollierten Studie besserten sich laut Abstract auch körperliche Funktionsfähigkeit, Energielevel, Stimmung und Schlaf um 60 bis 80 Prozent. Dieselben Einschränkungen wie bei den Verdauungsbeschwerden gelten hier ebenso.

    Ausführlicher Nachweis

    In derselben 16-wöchigen Studie ohne Placebo- oder Vergleichsgruppe an 43 auswertbaren Erwachsenen besserten sich unter der siebenteiligen Formel mit Ulmenrinde neben den Verdauungsbeschwerden auch die körperliche Funktionsfähigkeit, das Energielevel, die Stimmung und der Schlaf, laut Abstract ebenfalls um 60 bis 80 Prozent [1]. Ein genauer statistischer Kennwert für diese vier Endpunkte einzeln wird im Abstract nicht genannt, PubMed listet keinen freien Volltext. Auch hier ist Ulmenrinde nur eine von sieben Zutaten, und ohne Vergleichsgruppe lässt sich ein spontaner Verlauf oder ein Placeboeffekt nicht ausschließen. Diese vier Endpunkte sind allgemeine Wohlbefindensmaße und keine spezifisch auf die Verdauung bezogenen Endpunkte, ein Zusammenhang mit der schleimbildenden Eigenschaft der Ulmenrinde ist aus der Studie nicht ableitbar.

    Quellen: 1

  3. 03

    Darmdurchlässigkeit (Laktulose-Mannitol-Quotient) und Zusammensetzung der Darmbakterien unter derselben Formel, ohne Placebogruppe

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    In derselben Studie normalisierte sich der Laktulose-Mannitol-Quotient bei allen Teilnehmenden mit zuvor normalem und bei einem Großteil mit hartem oder weichem Stuhlgang, das Bakterienprofil besserte sich laut Abstract allgemein. Auch dies ohne Vergleichsgruppe und ohne eigenen Beitrag der Ulmenrinde bestimmbar.

    Ausführlicher Nachweis

    In derselben Studie zur siebenteiligen Formel wurde die Darmdurchlässigkeit über den Laktulose-Mannitol-Quotienten erfasst. Laut Abstract normalisierte sich dieser Quotient am Studienende bei allen Teilnehmenden mit zuvor normalem Stuhlgang, bei 90 Prozent der Teilnehmenden mit hartem Stuhlgang und bei 66 Prozent der Teilnehmenden mit weichem Stuhlgang [1]. Zusätzlich besserte sich laut Abstract das mikrobielle Profil allgemein, mit einer deutlichen Zunahme von Lactobacillus, Clostridium und Faecalibacterium prausnitzii, ohne dass einzelne Kennwerte im Abstract genannt werden [1]. Auch dieser Befund stammt aus der unkontrollierten Vorher-Nachher-Studie zur siebenteiligen Formel, in der Ulmenrinde eine von sieben Zutaten ist, ohne Placebogruppe und ohne dass sich der Beitrag der Ulmenrinde von dem der übrigen sechs Zutaten trennen lässt.

    Quellen: 1

  4. 04

    Stuhlgangshäufigkeit und Bauchsymptome bei nach Rom-II-Kriterien eingeschlossenen Personen mit unregelmäßigem Stuhlgang, unter zwei offenen Vierfach-Formeln mit Ulmenrinde, ohne Placebogruppe

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    In einer unkontrollierten Pilotstudie besserten sich Stuhlgang und Bauchsymptome unter zwei Vierfach-Formeln mit Ulmenrinde. Ohne Placebogruppe, und die Formel für Durchfall-betonte Beschwerden besserte den Stuhlgang selbst laut den Autoren nicht wirksam.

    Ausführlicher Nachweis

    In einer offenen, unkontrollierten Pilotstudie ohne Placebo erhielten 31 Personen mit Reizdarmbeschwerden nach den Rom-II-Kriterien eine von zwei pflanzlichen Formeln, je nach Beschwerdebild [2]. 21 Personen mit Durchfall-betonten oder wechselnden Beschwerden erhielten die DA-IBS-Formel aus Heidelbeerfrucht, Ulmenrinde, Odermennig-Kraut und Zimtrinde, 10 Personen mit Verstopfungs-betonten Beschwerden die C-IBS-Formel aus Ulmenrinde, Lactulose, Haferkleie und Süßholzwurzel [2]. Unter der DA-IBS-Formel stieg die Stuhlgangshäufigkeit leicht, aber statistisch bedeutsam (p gleich 0,027), zusammen mit einer Abnahme von Pressen (p gleich 0,004), Bauchschmerzen (p gleich 0,006), Blähbauch (p kleiner 0,0001), Blähungen (p gleich 0,0001) und der globalen Reizdarm-Symptomatik (p gleich 0,002) [2]. Die Autoren selbst ziehen daraus ausdrücklich den Schluss, die DA-IBS-Formel habe den Stuhlgang bei Durchfall-betonten oder wechselnden Beschwerden nicht wirksam normalisiert, obwohl sich mehrere Einzelsymptome besserten [2]. Unter der C-IBS-Formel stieg die Stuhlgangshäufigkeit um 20 Prozent (p gleich 0,016), zusammen mit einer Abnahme von Pressen (p kleiner 0,0001), Bauchschmerzen (p gleich 0,032), Blähbauch (p gleich 0,034) und der globalen Symptomschwere (p gleich 0,0005) sowie einer Besserung der Stuhlkonsistenz (p kleiner 0,0001) [2]. Beide Formeln enthalten Ulmenrinde als eine von vier Zutaten, das Design war offen und unkontrolliert ohne Placebogruppe, ein eigener Beitrag der Ulmenrinde lässt sich nicht bestimmen. Ein freier Volltext liegt nicht vor, ausgewertet wurde der Abstract. Weder bei PubMed noch im Fördereintrag steht eine Angabe zu Geldgebern oder zur Interessenlage, ein leeres Feld ist aber keine Erklärung ohne Interessenkonflikt. Als Anschrift des Erstautors nennt PubMed eine naturheilkundliche Praxis, Goulds Naturopathica in Hobart, und die beiden geprüften Mischungen sind eigene Formeln der Autorenschaft [2].

    Quellen: 2

  5. 05

    Speiseröhrenbeschwerden wie Sodbrennen, in einer Übersichtsarbeit ohne eigene Studie zu Ulmenrinde allein

    Keine Studien gefunden
    Einordnung und Einschränkungen

    Wir haben gezielt nach Studien zu Ulmenrinde und Sodbrennen, Reflux oder Ösophagitis gesucht und keine gefunden, die die Frage beantwortet. Gefunden haben wir nur eine Übersichtsarbeit zu pflanzlichen Hausmitteln, die Ulmenrinde als eine von mehreren Optionen nennt, ohne selbst eine Studie dazu zu zitieren oder ein Urteil zu fällen.

    Ausführlicher Nachweis

    Eine 2019 veröffentlichte kritische Übersichtsarbeit zu volkstümlichen Hausmitteln bei Speiseröhren-Symptomen wie Reflux und nicht-kardialem Brustschmerz nennt Ulmenrinde neben Rikkunshito, STW 5, Süßholz und Pfefferminzöl als eine von mehreren komplementärmedizinischen Optionen [3]. Die Arbeit selbst zitiert für Ulmenrinde keine eigene klinische Studie und schließt allgemein, zwischen der anekdotischen und der wissenschaftlich geprüften Datenlage der meisten dieser nicht-medikamentösen Hausmittel bestehe eine erhebliche Lücke [3]. Eine gezielte eigene Suche zu Ulmenrinde und Sodbrennen, Reflux oder Ösophagitis (auch ohne Beschränkung auf Humanstudien, um Labor- oder Tierdaten zu erfassen) ergab neben dieser Übersichtsarbeit selbst keinen weiteren Treffer. Zur traditionell verbreiteten Zuschreibung, Ulmenrinde wirke bei Sodbrennen und Reflux, liegt uns damit keine einzige zurechenbare Studie vor, nur die Nennung in einer Übersichtsarbeit ohne eigene Daten.

    Quellen: 3

  6. 06

    Zusammensetzung der Darmbakterien in mit menschlichem Stuhl beimpften Kulturen außerhalb des Körpers, unter reinem Ulmenrinden-Pulver

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    In gepoolten Stuhlproben von 12 Personen, außerhalb des Körpers anaerob kultiviert, veränderte reines Ulmenrinden-Pulver die Zusammensetzung der Bakterien deutlich, mit einer Zunahme buttersäurebildender Arten. Kein Mensch hat den Stoff eingenommen.

    Ausführlicher Nachweis

    In einer Laborarbeit stellten die Autoren aus gepoolten Morgenstuhlproben von 12 gesunden, vegetarisch lebenden Spenderinnen und Spendern ein Nährmedium her und beimpften es unter anaeroben Bedingungen mit 2-prozentigem Ulmenrinden-Pulver (Ulmus rubra, Handelsprodukt), daneben getrennt mit Süßholzwurzel und mit einer Ayurveda-Kräutermischung namens Triphala, jeweils gegen eine unbehandelte Kontrollkultur [4]. Nach 16S-rDNA-Sequenzierung der Kulturen wurden insgesamt 299 Arten aus 131 Gattungen erfasst, von denen die drei geprüften Pflanzen zusammen 99 Gattungen signifikant veränderten, mit Zunahmen von 3,4-fach bis über 2000-fach [4]. Auf Ulmenrinde allein entfallen davon 56 Gattungen mit erhöhter relativer Häufigkeit, die Zahl 56 bezeichnet also Zunahmen unter Ulmenrinde und nicht alle Veränderungen, und die Spanne von 3,4-fach bis über 2000-fach gilt für alle drei Pflanzen zusammen [4]. Unter Ulmenrinde und unter Triphala stieg dabei die relative Häufigkeit buttersäurebildender Bakterienarten deutlich an, unter Süßholzwurzel dagegen vor allem propionsäurebildender Arten [4]. Bei den einzeln ausgewiesenen Gattungen stiegen unter Ulmenrinde am stärksten Dorea, Sutterella und Phascolarctobacterium (169- bis 298-fach), in kleinerem Umfang zehn weitere Gattungen, darunter Lactobacillus, Bifidobacterium, Eubacterium und Bacteroides (11- bis 92-fach, mit Endanteilen von 0,2 bis 24 Prozent) [4]. Die im Text der Arbeit ausdrücklich hervorgehobene Zunahme von Bacteroides um das 12-fache auf 24,5 Prozent steht dort bei der Triphala-Kultur und nicht bei der Ulmenrinde, für Ulmenrinde ergibt sich ein ähnlicher Wert erst aus Tabelle 1 [4]. Die Autoren formulieren ihre eigene Schlussfolgerung vorsichtig, sie vermuten einen Beitrag zur Darmgesundheit über eine bessere Funktion der Darmschleimhaut und eine geringere Entzündung, fordern aber ausdrücklich klinische Studien am Menschen, um diese im Labor erhobene Vorhersage zu prüfen [4]. Die Arbeit wurde durch die Samuel Lawrence Foundation und ein Stipendium der Chopra Foundation finanziert, ein Koautor ist Gründer der Chopra Foundation und Mitinhaber des Chopra Center, ein weiterer Koautor Forschungsdirektor der Chopra Foundation [4]. Es handelt sich um einen reinen Laborversuch mit menschlichem Spendermaterial außerhalb des Körpers, kein Mensch und kein Tier hat Ulmenrinde eingenommen, eine Übertragung auf die Einnahme beim Menschen ist aus dieser Arbeit nicht ableitbar.

    Quellen: 4

  7. 07

    Wachstumshemmung und Biofilmbildung des Bakteriums Streptococcus pyogenes in Zellkultur, ähnlich wirksam wie vier weitere geprüfte Pflanzenextrakte

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    Ein Ethanolextrakt aus der inneren Rinde hemmte im Bakterienkulturversuch Wachstum und Biofilmbildung von Streptococcus pyogenes, ähnlich stark wie vier weitere geprüfte Pflanzenextrakte und um Größenordnungen schwächer als Penicillin. Reiner Laborversuch, keine Zell-, Tier- oder Humandaten.

    Ausführlicher Nachweis

    In einer kanadischen Laborarbeit prüften die Autoren Ethanolextrakte aus 14 traditionell genutzten Heilpflanzen, darunter ein Extrakt aus der inneren Rinde von Ulmus rubra, im Mikro-Bouillon-Verdünnungstest gegen drei Stämme von Streptococcus pyogenes, zwei Referenzstämme und einen klinischen Isolat-Stamm [5]. Der Ulmenrinden-Extrakt gehörte neben Süßholzwurzel, Purpur-Sonnenhut-Blüte, Purpur-Sonnenhut-Stängel und Salbeiblatt zu den fünf wirksamsten der 14 geprüften Extrakte, mit einer minimalen Hemmkonzentration von 62,5 Mikrogramm pro Milliliter und einer minimalen bakteriziden Konzentration von 125 Mikrogramm pro Milliliter gegen alle drei Stämme [5]. Zum Vergleich lag die minimale Hemmkonzentration von Penicillin G bei 0,008 Mikrogramm pro Milliliter, rund 7800-fach niedriger als beim Ulmenrinden-Extrakt [5]. In einem anschließenden Biofilmversuch hemmte der Extrakt außerdem die Biofilmbildung derselben Bakterienstämme, mit einer minimalen Hemmkonzentration von 62,5 bis 125 Mikrogramm pro Milliliter je nach Stamm, und veränderte in der elektronenmikroskopischen Aufnahme Zellwand und Zellmembran der Bakterien [5]. In der eigenen Schlussfolgerung der Arbeit werden ausdrücklich Salbeiblatt und Purpur-Sonnenhut-Blüte als vielversprechendste Kandidaten für eine Weiterentwicklung genannt, Ulmenrinde wird dort nicht gesondert hervorgehoben, obwohl ihre Kennwerte im Test ähnlich ausfielen [5]. Die Arbeit wurde durch ein Verbundforschungsprogramm des kanadischen Natural Sciences and Engineering Research Council sowie durch das Unternehmen Island Abbey Foods finanziell unterstützt, einen Hersteller honigbasierter Gesundheitsprodukte, die Autoren erklären, es bestehe kein Interessenkonflikt [5]. Es handelt sich um einen reinen Reagenzglasversuch an isolierten Bakterienkulturen, keine Zelllinie, kein Tier und kein Mensch wurde geprüft, eine Übertragung auf eine Wirkung im Rachenraum eines Menschen ist aus dieser Arbeit nicht ableitbar.

    Quellen: 5

  8. 08

    Reizungen der Mund- und Rachenschleimhaut sowie Husten, die traditionelle Kernanwendung der Ulmenrinde als schleimbildendes Mittel

    Keine Studien gefunden
    Einordnung und Einschränkungen

    Wir haben gezielt nach Human- und Laborstudien zu Ulmenrinde und Husten, Rachenreizung oder einer schleimbildenden Schutzwirkung im Mund- und Rachenraum gesucht und keine zurechenbare Studie gefunden.

    Ausführlicher Nachweis

    Gesucht wurde in PubMed mit den Suchbegriffen "slippery elm" "cough", ohne Beschränkung auf Humanstudien und Publikationstyp, sowie mit denselben Suchbegriffen throat, sore throat und pharyngitis, jeweils zusätzlich unter dem botanischen Namen Ulmus rubra und der älteren Bezeichnung Ulmus fulva. Die Suchen zu throat, sore throat und pharyngitis lieferten insgesamt zwei Treffer, von denen einer bei PubMed nicht auflösbar war (PMID 38289993) und der zweite die oben unter Streptococcus pyogenes ausgewertete Laborarbeit zu Ulmenrinde als Bakterien-Wachstumshemmer ist, siehe eigene Zeile. Eine zusätzliche Suche zum Begriff mucilage brachte drei Treffer, alle drei sind chemische Strukturarbeiten zum Aufbau des Schleimstoffs aus den Jahren 1946, 1950 und 1971, keine davon prüft eine Schutzwirkung. Zur traditionell am häufigsten genannten Anwendung von Ulmenrinde, als schleimbildendes Mittel, das eine schützende Schicht auf gereizten Schleimhäuten bildet und Husten sowie Rachenreizung dadurch abschwächen soll, ist damit trotz gezielter Suche keine einzige Studie auffindbar, die diesen mechanischen Schutzeffekt selbst am Menschen, im Tier oder im Labor prüft.

  9. 09

    Hautreizungen und Wundheilung bei äußerlicher Anwendung

    Keine Studien gefunden
    Einordnung und Einschränkungen

    Wir haben gezielt nach Human- und Laborstudien zu Ulmenrinde und Wundheilung oder Hautreizungen gesucht und keine zurechenbare Studie gefunden.

    Ausführlicher Nachweis

    Gesucht wurde in PubMed mit den Suchbegriffen "slippery elm" "wound", ohne Beschränkung auf Humanstudien und Publikationstyp, und mit demselben Suchbegriff skin, jeweils zusätzlich unter dem botanischen Namen Ulmus rubra und der älteren Bezeichnung Ulmus fulva. Keine dieser Suchen ergab einen zurechenbaren Treffer, ein einzelner Treffer zum Suchbegriff throat und skin unter Ulmus rubra war derselbe bei PubMed nicht auflösbare Datensatz wie oben (PMID 38289993). Zur traditionellen äußerlichen Anwendung bei Wunden, Hautreizungen oder Verbrennungen liegt uns damit keine einzige zurechenbare Studie vor, weder am Menschen noch im Labor oder Tierversuch.

Studien im Detail

Verdauungsbeschwerden und allgemeines Wohlbefinden unter einer Kombinationsformel

Ried und Kollegen prüften 2020 in einer 16-wöchigen Studie ohne Placebo- oder Vergleichsgruppe an 43 auswertbaren erwachsenen Australierinnen und Australiern mit Verdauungsbeschwerden eine Formel aus Curcumin, Aloe vera, Ulmenrinde, Guarkernmehl, Pektin, Pfefferminzöl und Glutamin. Nach einer Kontrollphase nahmen die Teilnehmenden 5 g pro Tag und danach 10 g pro Tag über je 4 Wochen ein. Gegenüber dem eigenen Ausgangswert besserten sich sowohl Verdauungsbeschwerden wie Sodbrennen, Übelkeit, Verstopfung, Durchfall und Blähungen als auch allgemeine Wohlbefindensmaße wie körperliche Funktionsfähigkeit, Energielevel, Stimmung und Schlaf, laut Abstract jeweils um 60 bis 80 Prozent. Auch die Darmdurchlässigkeit, gemessen am Laktulose-Mannitol-Quotienten, normalisierte sich bei einem Großteil der Teilnehmenden, und das mikrobielle Profil verschob sich allgemein in eine als günstig beschriebene Richtung.

Weil das Studiendesign ein reiner Vorher-Nachher-Vergleich ohne Placebogruppe ist, lässt sich aus dieser Arbeit nicht ableiten, wie viel der Besserung auf die Formel selbst, auf einen spontanen Verlauf, auf einen Placeboeffekt oder auf begleitende Ernährungsumstellungen im Studienprotokoll zurückgeht. Und weil Ulmenrinde nur eine von sieben Zutaten ist, lässt sich ihr eigener Beitrag zu keinem der gemessenen Endpunkte bestimmen. PubMed listet für diese Arbeit keinen freien Volltext, ausgewertet wurde nur der Abstract.

Reizdarmbeschwerden unter zwei Vierfach-Formeln

Hawrelak und Myers prüften 2010 in einer offenen, unkontrollierten Pilotstudie ohne Placebogruppe 31 Personen mit Reizdarmbeschwerden nach den Rom-II-Kriterien. Je nach Beschwerdebild erhielten 21 Personen mit Durchfall-betonten oder wechselnden Beschwerden eine Formel aus Heidelbeerfrucht, Ulmenrinde, Odermennig-Kraut und Zimtrinde, 10 Personen mit Verstopfungs-betonten Beschwerden eine Formel aus Ulmenrinde, Lactulose, Haferkleie und Süßholzwurzel. Unter der Verstopfungs-Formel besserten sich Stuhlgangshäufigkeit, Stuhlkonsistenz und mehrere Bauchsymptome deutlich. Unter der Durchfall-Formel besserten sich einzelne Symptome wie Bauchschmerzen und Blähungen, die Autoren selbst schreiben aber ausdrücklich, der Stuhlgang selbst sei dadurch nicht wirksam normalisiert worden.

Beide Formeln enthalten Ulmenrinde als eine von vier Zutaten, ohne Placebogruppe und ohne dass sich ihr eigener Beitrag von dem der übrigen drei Zutaten trennen lässt.

Ulmenrinde allein im Labor, Darmbakterien und ein Bakterium der Rachenschleimhaut

Zwei Laborarbeiten haben Ulmenrinde, anders als die Humanstudien, als alleinige Zutat geprüft, beide außerhalb eines lebenden Organismus. Peterson und Kollegen zeigten 2018, dass reines Ulmenrinden-Pulver in mit gepooltem menschlichem Stuhl beimpften anaeroben Kulturen die Zusammensetzung der Bakterien deutlich veränderte, mit einer Zunahme buttersäurebildender Arten. Die Autoren selbst fordern ausdrücklich klinische Studien am Menschen, um diese im Labor erhobene Vorhersage zu prüfen.

Wijesundara und Rupasinghe zeigten 2019 in einem Bakterienkulturversuch, dass ein Ethanolextrakt aus Ulmenrinde das Wachstum und die Biofilmbildung von Streptococcus pyogenes hemmte, in einer Größenordnung ähnlich wie vier weitere geprüfte Pflanzenextrakte und um mehrere Zehnerpotenzen schwächer als das Antibiotikum Penicillin G. Diese Arbeit prüft einen möglichen Wirkmechanismus im Reagenzglas, keine Wirkung an einem lebenden Organismus, und ist keine Bestätigung der traditionell zugeschriebenen schleimbildenden Schutzwirkung auf die Rachenschleimhaut, die einen anderen, rein physikalischen Mechanismus beschreibt und für die keine eigene Studie auffindbar war.

Abgrenzung, Ulmus rubra gegenüber anderen Ulmenarten

Die in diesem Eintrag ausgewertete Studienlage betrifft ausschließlich Ulmus rubra (Rotulme, Slippery Elm). Andere Ulmenarten wie die in Europa heimische Feldulme (Ulmus minor) oder die Bergulme (Ulmus glabra) sind botanisch eigenständige Arten, zu denen uns keine eigene Studienlage vorliegt. Handelsprodukte, die allgemein als "Ulmenrinde" oder "Elm Bark" ohne Artangabe verkauft werden, lassen sich ohne diese Angabe nicht sicher Ulmus rubra zuordnen.

Sicherheit und Wechselwirkungen

In den wenigen vorliegenden Humandaten, überwiegend an Kombinationsformeln mit Ulmenrinde als einer von mehreren Zutaten erhoben, wurde die Einnahme gut vertragen, ernsthafte Nebenwirkungen wurden nicht berichtet. Eine eigene, auf Ulmenrinde allein bezogene Verträglichkeitsstudie am Menschen liegt uns nicht vor.

Wegen der stark schleimbildenden (mucilaginösen) Eigenschaft der inneren Rinde, die in den Steckbrief-Angaben beschrieben ist, ist ein zeitlicher Abstand zur Einnahme anderer oraler Arzneimittel sinnvoll, da eine Beeinträchtigung von deren Aufnahme im Verdauungstrakt mechanisch plausibel ist. Eine Studie, die eine solche Wechselwirkung am Menschen tatsächlich geprüft hat, liegt uns nicht vor.

Zu Schwangerschaft und Stillzeit liegt uns keine eigene geprüfte Quelle vor, eine ärztliche Rücksprache vor der Einnahme ist in diesem Fall grundsätzlich sinnvoll.

Quellen zum Nachlesen

  1. 01

    Unkontrollierte Vorher-Nachher-Studie, siebenteilige Kombinationsformel, n gleich 43, 16 Wochen · 2020

    Herbal formula improves upper and lower gastrointestinal symptoms and gut health in Australian adults with digestive disorders.

    Ried K, Travica N, Dorairaj R, Sali A. Nutr Res

    Zur Zuschreibung: 01, 02, 03

  2. 02

    Offene, unkontrollierte Pilotstudie, zwei Vierfach-Formeln, n gleich 31 (21 vs 10) · 2010

    Effects of two natural medicine formulations on irritable bowel syndrome symptoms, a pilot study.

    Hawrelak JA, Myers SP. J Altern Complement Med

    Zur Zuschreibung: 04

  3. 03

    Narrative Übersichtsarbeit, mehrere Hausmittel, keine eigene Studie zu Ulmenrinde · 2019

    Popular Remedies for Esophageal Symptoms, a Critical Appraisal.

    Ahuja A, Ahuja NK. Curr Gastroenterol Rep

    Zur Zuschreibung: 05

  4. 04

    Laborversuch, anaerobe Kultur mit gepooltem menschlichem Stuhl, reines Ulmenrinden-Pulver · 2018

    Prebiotic Potential of Herbal Medicines Used in Digestive Health and Disease.

    Peterson CT, Sharma V, Uchitel S, Denniston K, Chopra D, Mills PJ, Peterson SN. J Altern Complement Med

    Zur Zuschreibung: 06

  5. 05

    Laborversuch, Bakterienkultur, 14 geprüft Pflanzenextrakte, davon Ulmenrinde einer · 2019

    Bactericidal and Anti-Biofilm Activity of Ethanol Extracts Derived from Selected Medicinal Plants against Streptococcus pyogenes.

    Wijesundara NM, Rupasinghe HPV. Molecules

    Zur Zuschreibung: 07

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