Algenöl
Zuletzt geprüft am
Fettsäuren
Algal Oil · Mikroalgenöl · Schizochytrium-Öl · DHA-Algenöl · veganes Omega-3
Auf einen Blick
- Was es ist
- Ein aus Mikroalgen gewonnenes Öl, das wie Fischöl die langkettigen Omega-3-Fettsäuren EPA (Eicosapentaensäure) und DHA (Docosahexaensäure) liefert, aber ohne Fisch. Fische stellen EPA und DHA ohnehin nicht selbst her, sondern reichern sie über die marine Nahrungskette aus Mikroalgen an. Algenöl setzt an dieser Quelle direkt an
- Herkunft und Form
- Je nach Algenart liefert das Öl ein anderes EPA-zu-DHA-Verhältnis, von nahezu reinem DHA (Crypthecodinium cohnii, historisch als DHASCO vermarktet) bis zu einer EPA-DHA-Kombination (Schizochytrium sp., teils auch Ulkenia sp.). Schizochytrium-Öle liegen häufig in natürlicher Triglyceridform vor und können je nach Algenstamm einen DHA-Überschuss gegenüber EPA aufweisen
- Im Unterschied zu Fischöl
- Algenöl kann je nach Rohstoff DHA-dominant sein, während Fischöle je nach Ausgangsmaterial und Aufbereitung unterschiedliche EPA-DHA-Verhältnisse liefern. Für die Studienlage zu EPA und DHA aus Fischöl im Einzelnen (Herzfunktion, Blutfette, kardiovaskuläre Ereignisse, Gelenke, Stimmung, Kognition, Augen, Sporterholung) siehe den Eintrag fischoel. Ob sich diese überwiegend an Fischöl gezeigten Wirkungen unverändert auf Algenöl übertragen lassen, ist eine Annahme, keine eigenständig geprüfte Tatsache, siehe die erste Wirkungszeile dieses Eintrags und den Abschnitt Was die Studien im Einzelnen zeigen. Für die Frage, wie viel pflanzliches ALA der Körper selbst zu EPA und DHA umwandelt, und warum das für eine vegane Ernährung ohne direkte DHA-Quelle wie Algenöl relevant ist, siehe den Eintrag omega-3-fettsaeuren
- Übliche Studiendosis
- Die zugelassenen EFSA-Grundfunktionen setzen 250 mg DHA allein oder EPA und DHA kombiniert pro Tag voraus, die Angaben zu Triglyceridspiegel und Blutdruck 2 beziehungsweise 3 g pro Tag. Die zu Algenöl im Einzelnen gefundenen Humanstudien reichen von 200 mg bis knapp über 4 g DHA beziehungsweise EPA plus DHA pro Tag
- Sicherheitshinweis
- Enthält keine Fisch- oder Schalentierbestandteile, relevant für Fisch- und Schalentierallergien sowie für vegane und vegetarische Ernährung. Ob sich die für Fischöl beschriebenen Sicherheitssignale (erhöhte Blutungsneigung, ein Vorhofflimmern-Risikosignal bei hoher Dosis, siehe Eintrag fischoel) unverändert auf Algenöl übertragen, wurde für diesen Eintrag nicht eigenständig recherchiert
- Verträglichkeit
- In den zu Algenöl gefundenen Studien überwiegend gut vertragen, am häufigsten berichtete Nebenwirkungen sind, wie bei Fischöl, gastrointestinaler Art
Was diesem Stoff zugesprochen wird
Was die Studien hergeben.
Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.
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01
Aufnahme von DHA aus Algenöl in Plasma-Phospholipide und Erythrozyten
BelegtEinordnung und Einschränkungen
Zwei getrennte randomisierte Humanstudien zeigen, dass DHA aus Algenöl in Plasma-Phospholipiden und Erythrozyten ansteigt. Eine offene Parallelgruppenstudie mit 32 gesunden Erwachsenen verglich 600 mg DHA pro Tag aus Algenölkapseln über 2 Wochen mit derselben DHA-Menge aus analysiertem, gegartem Lachs. In beiden Gruppen stieg DHA um etwa 80 Prozent in Plasma-Phospholipiden und um etwa 25 Prozent in Erythrozyten, ohne signifikanten Unterschied zwischen den Quellen [4]. Der PubMed-Datensatz nennt als Publikationstyp eine nichtstaatliche Forschungsförderung, aber weder den Geldgeber noch eine Interessenerklärung. Die Erstautoren-Affiliation lautet Alba Therapeutics. Mehrere Autoren überschneiden sich mit einer anderen, bei Martek Biosciences affiliierten Algenölstudie [5]. Aus diesen Angaben lässt sich für die Lachs-Vergleichsstudie keine unabhängige Finanzierung belegen. Eine zweite, placebokontrollierte Parallelgruppenstudie verglich zwei Algenöle und ein mit Algen-DHA angereichertes Lebensmittel bei 200, 600 und 1000 mg DHA pro Tag über 28 Tage. Der Anstieg in Plasma-Phospholipiden verlief dosisabhängig und die Zubereitungen waren auf die DHA-Dosis bezogen bioäquivalent [5]. Die Autoren waren bei Martek Biosciences affiliiert, dem Vorläufer des heutigen dsm-firmenich-Algenölgeschäfts. Eine systematische Übersicht fand in drei Mikroalgenöl-Interventionsstudien signifikante DHA-Anstiege in Plasma und Erythrozyten [6]. Ihr Abstract erlaubt keine sichere Zuordnung, welche Primärstudien enthalten sind, deshalb wird die Übersicht nicht als zusätzlicher unabhängiger Studienbestand gezählt. Zwei getrennte Primärstudien tragen damit die Aufnahmeaussage, bei deutlicher Nähe mindestens einer Studie zur Herstellerlinie. Eine aktuelle PubMed-Suche nach 'algal oil DHA bioavailability systematic review' sowie ohne Beschränkung auf Humanstudien und unter Einbeziehung aller Publikationstypen fand keine seit 2014 erschienene systematische Zusammenfassung kontrollierter Humanstudien zu genau dieser Frage. Die Datenlage wurde nach dieser Recherche seither nicht systematisch neu zusammengefasst
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02
Dosisnormalisierte Aufnahme von DHA und EPA aus einem Schizochytrium-Algenöl gegenüber Fischöl, in einer explorativen Neuauswertung nicht unterlegen
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Die einzige direkte Auswertung von DHA plus EPA aus Algenöl gegen Fischöl ist keine neue Studie, sondern eine 2025 veröffentlichte explorative Neuauswertung der bereits 2014 von Maki und Kollegen publizierten randomisierten Parallelgruppenstudie [3, 9]. Von 93 eingeschlossenen Erwachsenen mit leicht bis moderat erhöhten Nüchtern-Triglyceriden gingen 74 in die Neuauswertung ein. Verglichen wurden über 6 und 14 Wochen 656 mg EPA plus 1772 mg DHA pro Tag aus Schizochytrium-Algenöl mit 1156 mg EPA plus 820 mg DHA pro Tag aus Fischöl. Auf die unterschiedliche eingenommene Dosis normalisiert war die Aufnahme in Plasma-Phospholipiden nicht unterlegen: Das geometrische Mittelverhältnis betrug für DHA plus EPA 111 Prozent mit einem 90-Prozent-Konfidenzintervall von 94 bis 132 Prozent, für DHA 112 Prozent mit 96 bis 130 Prozent und für EPA 113 Prozent mit 90 bis 142 Prozent, Volltext Ergebnisse und Abbildung 2 [3]. Die Arbeit bezeichnet den Vergleich selbst als exploratives Ziel. Der Nichtunterlegenheitsvergleich gehört zur späteren explorativen Auswertung, und die Power wurde nachträglich aus den tatsächlichen Stichproben und Ergebnissen geschätzt. Zudem waren die Gruppen klein und unausgeglichen, besonders der Fischölarm, und die Population bestand überwiegend aus übergewichtigen, mittelalten, nicht-hispanoamerikanisch weißen Erwachsenen mit erhöhten Triglyceriden. Fünf der sechs Autoren der Neuauswertung waren bei dsm-firmenich angestellt, der Statistiker war von dsm-firmenich beauftragt. Die Angabe, die Arbeit habe keine externe Förderung erhalten, bedeutet in diesem Zusammenhang nur, dass kein externer Geldgeber genannt wird, nicht dass die firmenintern erstellte Neuauswertung unabhängig finanziert war. Die Publikationen von 2014 und 2025 werden als ein Studienbestand gezählt. Ohne unabhängige direkte Wiederholung trägt dieser explorative Vergleich nur Hinweise
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03
Normale Herzfunktion (EPA und DHA)
Behördlich gesichertEinordnung und Einschränkungen
Zugelassene EFSA-Angabe für die Nährstoffe EPA und DHA (Verordnung (EU) Nr. 432/2012), Wortlaut "EPA und DHA tragen zu einer normalen Herzfunktion bei". Die Angabe ist an den Nährstoff gebunden, nicht an seine Herkunft, und gilt deshalb unabhängig davon, ob EPA und DHA aus Fischöl oder Mikroalgenöl stammen. Bedingung ist, dass das Lebensmittel die Mindestanforderungen an eine Omega-3-Quelle erfüllt, die positive Wirkung stellt sich laut Zulassungstext bei einer täglichen Aufnahme von 250 mg EPA und DHA ein. Beschreibt die Grundfunktion des Nährstoffs, nicht einen zusätzlichen Nutzen einer Einnahme über den Bedarf hinaus
Quellen: 1
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04
Normale Gehirnfunktion (DHA)
Behördlich gesichertEinordnung und Einschränkungen
Zugelassene EFSA-Angabe ausschließlich für den Nährstoff DHA (Verordnung (EU) Nr. 432/2012), Wortlaut "DHA trägt zur Erhaltung einer normalen Gehirnfunktion bei". Bedingung ist ein Lebensmittel mit mindestens 40 mg DHA je 100 g und je 100 kcal, die positive Wirkung stellt sich laut Zulassungstext bei einer täglichen Aufnahme von 250 mg DHA ein. Gilt für DHA allein, unabhängig von der Herkunft aus Fischöl oder Mikroalgenöl
Quellen: 1
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05
Normale Sehkraft (DHA)
Behördlich gesichertEinordnung und Einschränkungen
Zugelassene EFSA-Angabe ausschließlich für den Nährstoff DHA (Verordnung (EU) Nr. 432/2012), Wortlaut "DHA trägt zur Erhaltung normaler Sehkraft bei". Gleiche Bedingungen wie bei der Gehirnfunktions-Angabe, positive Wirkung bei einer täglichen Aufnahme von 250 mg DHA. Gilt für DHA allein, unabhängig von der Herkunft
Quellen: 1
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06
Normaler Triglyceridspiegel im Blut (EPA und DHA)
Behördlich gesichertEinordnung und Einschränkungen
Zugelassene EFSA-Angabe (Verordnung (EU) Nr. 536/2013 zur Änderung der Verordnung (EU) Nr. 432/2012), Wortlaut "DHA und EPA tragen zur Aufrechterhaltung eines normalen Triglyceridspiegels im Blut bei". Bedingung ist eine tägliche Aufnahme von 2 g EPA und DHA kombiniert, das Achtfache der für die Herzfunktions- und die beiden DHA-Angaben nötigen Menge, unabhängig davon, ob die Fettsäuren aus Fischöl oder Mikroalgenöl stammen. Parallel zugelassen ist eine zweite, eigenständige Angabe für DHA allein mit demselben Wortlaut, deren Bedingung eine tägliche Aufnahme von 2 g DHA allein ist, sofern das Lebensmittel zusätzlich EPA enthält. Beide Angaben dürfen laut Zulassungstext nicht für Kinderlebensmittel verwendet werden und tragen bei Verwendung auf Nahrungsergänzungsmitteln denselben Warnhinweis: eine tägliche Gesamtaufnahme aus diesen Lebensmitteln von 5 g EPA und DHA kombiniert darf nicht überschritten werden. Diese behördliche Bewertung betrifft die Nährstoffe EPA und DHA als solche; für die Studienlage zu Blutfetten unter Algenöl im Einzelnen siehe die eigene Wirkungszeile weiter unten
Quellen: 2
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07
Normaler Blutdruck (EPA und DHA)
Behördlich gesichertEinordnung und Einschränkungen
Zugelassene EFSA-Angabe (Verordnung (EU) Nr. 536/2013), Wortlaut "DHA und EPA tragen zur Aufrechterhaltung eines normalen Blutdrucks bei". Bedingung ist eine tägliche Aufnahme von 3 g EPA und DHA kombiniert, die höchste der hier einschlägigen Mindestmengen, unabhängig von der Herkunft. Die Angabe darf nicht für Kinderlebensmittel verwendet werden und trägt denselben 5-g-Warnhinweis wie die Triglycerid-Angaben. Getrennt von dieser behördlichen Bewertung, als eigenständige Studienevidenz: Eine Dosis-Wirkungs-Meta-Analyse aus 71 randomisierten Studien mit 4973 Teilnehmenden (mittlere kombinierte Dosis 2,8 g pro Tag) findet die stärkste Blutdrucksenkung bereits bei moderaten Dosen zwischen 2 und 3 g EPA und DHA pro Tag (systolisch minus 2,61 mmHg, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 3,57 bis minus 1,65, bei 2 g; minus 2,61 mmHg, minus 3,52 bis minus 1,69, bei 3 g; diastolisch minus 1,64 mmHg, minus 2,29 bis minus 0,99, bei 2 g; minus 1,80 mmHg, minus 2,38 bis minus 1,23, bei 3 g). Laut Volltext wurden die Interventionen in 64 der 71 eingeschlossenen Studien einheitlich als 'Kapsel-Fischöl, Algenöl oder gereinigte Fischöl-Ethylester' beschrieben, ohne getrennte Auswertung nach Quelle, die übrigen 7 Studien nutzten Fischmahlzeiten oder mit Fischöl angereicherte Lebensmittel. Algenöl ist damit Teil der Datenbasis, aber nirgends als eigener Studienarm ausgewiesen; der Dosis-Wirkungs-Befund lässt sich deshalb nicht eigenständig auf Algenöl zurückführen, sondern beruht überwiegend auf der zahlenmäßig größeren fischölbasierten Literatur
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08
Blutfette, Triglyceride, LDL- und HDL-Cholesterin unter DHA-reichem Algenöl
BelegtEinordnung und Einschränkungen
Eine Meta-Analyse aus 11 randomisierten kontrollierten Studien mit 485 gesunden Teilnehmenden ohne koronare Herzkrankheit, veröffentlicht zwischen 1996 und 2011, wertete gezielt Algenöl-DHA-Präparate aus (mediane Dosis 1,68 g DHA pro Tag). Gepoolt sank unter Algenöl-DHA gegenüber Kontrolle das Nüchtern-Triglycerid um 0,20 mmol/l (95-Prozent-Konfidenzintervall minus 0,27 bis minus 0,14), während LDL-Cholesterin um 0,23 mmol/l (0,16 bis 0,30) und HDL-Cholesterin um 0,07 mmol/l (0,05 bis 0,10) anstiegen, beide Anstiege statistisch von null verschieden. Der Abstract nennt weder die verwendeten Algenarten der 11 Einzelstudien noch eine Interessenerklärung; ein frei zugänglicher Volltext war nicht auffindbar, sodass sich nicht prüfen lässt, ob die eingeschlossenen Präparate DHA allein (wie beim historisch verbreiteten Crypthecodinium-cohnii-Öl) oder eine EPA-DHA-Kombination aus Schizochytrium sp. enthielten; der Titel spricht ausdrücklich nur von DHA. Der Suchzeitraum der Übersicht (1996 bis 2011) liegt vor der unten genannten Einzelstudie, eine Überschneidung der eingeschlossenen Studien ist deshalb chronologisch ausgeschlossen. Eine spätere, doppelblinde Parallelgruppenstudie an 93 gesunden Erwachsenen mit leichter bis moderater Hypertriglyceridämie (Triglyceride 150 bis 499 mg/dl) prüfte über 14 Wochen ein Schizochytrium-Algenöl mit 2,4 g DHA plus EPA pro Tag im Verhältnis 2,7 zu 1 gegen ein Fischölpräparat mit 2,0 g DHA plus EPA im Verhältnis 0,7 zu 1 und gegen ein Mais-Soja-Öl-Placebo. Prozentuale Veränderung gegenüber dem Ausgangswert: Triglyceride minus 18,9 Prozent unter Algenöl, minus 22,9 Prozent unter Fischöl, plus 3,5 Prozent unter Placebo (beide Verum-Gruppen p unter 0,001 gegenüber Placebo); LDL-Cholesterin plus 4,6 Prozent unter Algenöl, plus 6,8 Prozent unter Fischöl, minus 0,6 Prozent unter Placebo (beide Verum-Gruppen p unter 0,05 gegenüber Placebo); HDL-Cholesterin plus 4,3 Prozent unter Algenöl, plus 6,9 Prozent unter Fischöl, plus 0,6 Prozent unter Placebo, hier laut Abstract nur der Fischöl-Placebo-Unterschied statistisch gesichert (p unter 0,05), der Algenöl-Effekt auf HDL bleibt damit im Unterschied zu Triglyceriden und LDL ohne ausgewiesene Signifikanz. In den im Volltext berichteten direkten sekundären Vergleichen unterschied sich Algenöl bei keinem Lipidparameter statistisch signifikant von Fischöl. Die Studienpopulation ist dieselbe wie die oben unter Bioverfügbarkeit zitierte Arbeit von Bailey und Kollegen; beide Publikationen werten unterschiedliche Endpunkte derselben 93 beziehungsweise 74 Teilnehmenden aus, keine unabhängige zweite Kohorte. Einer der fünf Autoren war zum Publikationszeitpunkt bei DSM Nutritional Products angestellt, zwei weitere bei der beauftragten Auftragsforschungseinrichtung Biofortis Clinical Research. DSM Nutritional Products Inc. finanzierte die Studie laut Förderhinweis im freien Volltext. In der Gesamtschau zeigen beide Arbeiten, unabhängig von der zeitlichen Überschneidungsfrage, dieselbe Richtung wie die für Fischöl im Eintrag fischoel beschriebene Konstellation: DHA-betontes Algenöl senkt Triglyceride und erhöht gleichzeitig LDL- und HDL-Cholesterin, ein für das Cholesterinprofil nicht eindeutig günstiges Gesamtbild. Eine gezielte Suche nach einer neueren, seit 2014 erschienenen Übersichtsarbeit zu Blutfetten unter Algenöl speziell (Suchbegriffe algal oil, microalgae DHA in Kombination mit lipid profile, cholesterol, triglycerides) ergab keinen Treffer; die jüngste zu diesem engen Thema gefundene Arbeit bleibt damit die zitierte Einzelstudie von 2014, die Datenlage wurde seither nach dieser Recherche nicht neu zusammengefasst
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09
Gelenkbeschwerden bei rheumatoider Arthritis (Algen-DHA als Lebensmittelzusatz, uneinheitlich zwischen den drei erfassten Endpunkten)
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Eine doppelblinde, plazebokontrollierte Cross-over-Pilotstudie an 38 Menschen mit gesicherter rheumatoider Arthritis unter fortgeführter Basistherapie prüfte über jeweils 10 Wochen mit Lebensmitteln angereichertes Mikroalgenöl aus Schizochytrium sp. (2,1 g DHA pro Tag, kein EPA-Anteil angegeben) gegen mit Sonnenblumenöl angereicherte Lebensmittel als Placebo. Unter DHA-Gabe sank die Summe aus druckschmerzhaften und geschwollenen Gelenken (68 beziehungsweise 66 geprüfte Gelenke) signifikant von 13,9 auf 9,9 (Standardabweichungen 7,4 und 7,0; p kleiner 0,05, exakter Wert 0,010). Der zusammengesetzte Krankheitsaktivitätsindex DAS28 sank von 4,3 auf 3,9, verfehlte aber mit p gleich 0,072 die übliche Signifikanzschwelle. Der Ultraschall-Score US-7 sank von 15,1 auf 12,4, ebenfalls ohne statistische Signifikanz (p gleich 0,160). Die Erythrozyten-DHA verdoppelte sich unter der Intervention, die Verhältnisse von Arachidonsäure zu EPA und zu DHA sanken signifikant, das Thromboxan B2 im Plasma und die Kapazität des Blutes, Arachidonsäure zum entzündungsfördernden 5-Hydroxyeicosatetraensäure umzusetzen, nahmen ab, während die als Vorstufen entzündungsauflösender Mediatoren geltenden 14- und 17-Hydroxy-DHA-Werte anstiegen. Die Studie prüfte DHA ohne begleitendes EPA. Der Befund lässt sich deshalb nicht ohne Weiteres auf EPA-DHA-Kombinationen übertragen. Der Abstract weist weder eine Förderquelle noch eine Interessenerklärung aus, ein frei zugänglicher Volltext war nicht auffindbar. Einer der drei erfassten klinischen Endpunkte war signifikant, die Gelenkzahl, während DAS28 und Ultraschall-Score nicht signifikant waren. Das uneinheitliche Bild innerhalb einer einzigen kleinen Studie spricht für die Einstufung als Hinweis statt als belegt
Quellen: 10
Studien im Detail
DHA-Aufnahme aus Algenöl
Dass DHA aus Algenöl in Blutlipide aufgenommen wird, zeigen zwei getrennte randomisierte Studien. Bei 32 gesunden Erwachsenen stieg DHA nach 600 mg pro Tag aus Algenölkapseln über 2 Wochen in Plasma-Phospholipiden und Erythrozyten ähnlich wie nach derselben DHA-Menge aus gegartem Lachs [4]. Eine zweite Studie zeigte bei 200, 600 und 1000 mg DHA pro Tag einen dosisabhängigen Anstieg und vergleichbare Werte für zwei Algenöle sowie ein angereichertes Lebensmittel [5]. Eine systematische Übersicht fand in drei Mikroalgenöl-Interventionsstudien ebenfalls DHA-Anstiege, ihr Abstract erlaubt aber keine sichere Zuordnung der enthaltenen Primärstudien [6]. Deshalb wird sie nicht als zusätzlicher unabhängiger Studienbestand gezählt.
Die Finanzierungsangaben sind nicht durchgehend unabhängig. Bei der Lachs-Vergleichsstudie nennt PubMed eine nichtstaatliche Forschungsförderung, aber weder Geldgeber noch Interessenerklärung. Die Erstautoren-Affiliation lautet Alba Therapeutics. Daraus lässt sich keine unabhängige Finanzierung ableiten. Mehrere Autoren überschneiden sich mit der zweiten Studie, deren Autoren bei Martek Biosciences affiliiert waren, dem Vorläufer des heutigen dsm-firmenich-Algenölgeschäfts. Die Aufnahmeaussage bleibt durch zwei getrennte Primärstudien belegt, aber nicht unabhängig von Herstellerbezug repliziert.
Direkter Vergleich von DHA plus EPA gegen Fischöl
Der direkte Vergleich von DHA und EPA aus Schizochytrium-Algenöl gegen Fischöl beruht nur auf einem Studienbestand. Bailey und Kollegen werteten 2025 die Plasma-Phospholipid-Daten der bereits 2014 von Maki und Kollegen publizierten Studie neu aus [3, 9]. Es handelt sich nicht um eine zweite Kohorte. Die dosisnormalisierten Werte waren für DHA plus EPA, DHA und EPA nicht unterlegen. Der Volltext bezeichnet den Vergleich jedoch als exploratives Ziel, und die Power wurde nachträglich aus den vorhandenen Daten geschätzt. Die Aussage ist zudem auf 74 ausgewertete Erwachsene aus einer kleinen, unausgeglichenen und vorwiegend übergewichtigen Population mit erhöhten Triglyceriden begrenzt.
Fünf der sechs Autoren der Neuauswertung waren bei dsm-firmenich angestellt. Der Statistiker arbeitete als Auftragnehmer des Unternehmens. Die Angabe "keine externe Förderung" bedeutet hier nicht unabhängig finanziert, sondern nur, dass kein externer Geldgeber genannt wird. Ohne eine unabhängige direkte Wiederholung bleibt der DHA-plus-EPA-Vergleich auf der Stufe Hinweise.
Zur Einordnung der Bindungsform: Die in den zitierten Studien geprüften Algenöle liegen als natürliche Triglyceride vor, nicht als Ethylester. Eine ebenfalls vom Rohstoffhersteller finanzierte, aber methodisch unabhängige Studie verglich bei Fischöl (nicht Algenöl) über 4 Wochen die dosisangepasste Bioverfügbarkeit von Ethylester-Fischöl, Triglycerid-Fischöl und Phospholipid-Krillöl und fand keinen signifikanten Unterschied zwischen den drei Formen (Gesamt-EPA plus DHA im Plasma nach 4 Wochen 90,9 versus 108 versus 118,5 µg/ml, p gleich 0,052, Unterschied unter 24 Prozent zwischen den Gruppen) [7]. Das deutet darauf hin, dass die Bindungsform bei ausreichend langer Einnahmedauer ein kleinerer Faktor sein könnte, als frühere, kürzere Vergleichsstudien nahelegten, sagt aber nichts über Algenöl im Speziellen aus, weil die Studie ausschließlich Fisch- und Krillöl prüfte.
Blutfette unter Algenöl
Zwei methodisch unterschiedliche Arbeiten, eine ältere Meta-Analyse aus überwiegend DHA-only-Präparaten und eine neuere Einzelstudie mit einem DHA-dominanten EPA-DHA-Verhältnis, zeigen dieselbe Richtung wie die im Eintrag fischoel für EPA und DHA allgemein beschriebene Konstellation: Algenöl-DHA senkt Triglyceride, erhöht aber gleichzeitig LDL- und HDL-Cholesterin. Die neuere Studie und die oben zur Bioverfügbarkeit zitierte Arbeit von Bailey und Kollegen werten dieselbe Teilnehmendengruppe aus verschiedenen Blickwinkeln aus, sind also keine zwei unabhängigen Bestätigungen derselben Wirkung, siehe die Begründung in der jeweiligen Wirkungszeile.
Was nicht gezeigt ist
Für Themen, die im Eintrag fischoel an EPA und DHA aus Fischöl ausführlich behandelt sind, darunter kognitive Leistungsfähigkeit, Stimmung, trockene Augen, Makuladegeneration und sportliche Erholung, wurde für Algenöl speziell gesucht und nichts Belastbares gefunden. Diese Themen stehen deshalb nicht als eigene Wirkungszeile in diesem Eintrag; die Übertragung der an Fischöl gezeigten Befunde auf Algenöl bleibt eine unbelegte Annahme.
Tier- und Laborstudien
Für diesen Eintrag wurden keine eigenen Tier- oder Laborstudien zu Algenöl recherchiert.
Sicherheit und Wechselwirkungen
Algenöl enthält keine Fisch- oder Schalentierbestandteile und ist damit für Menschen mit Fisch- oder Schalentierallergie sowie für vegane und vegetarische Ernährung relevant, anders als Fischöl. Eine Sicherheitsstudie an 20 Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen von 8 bis 20 Jahren mit Mukoviszidose prüfte über 6 Monate eine sehr hohe Dosis Algenöl-DHA in Triglyceridform (50 mg pro Kilogramm Körpergewicht und Tag, 1 bis 4,2 g DHA pro Tag je nach Körpergewicht) gegen Placebo. Die Einnahme erhöhte Plasma-, Erythrozyten- und rektale DHA-Werte um das Vier- bis Fünffache, wurde gut vertragen und veränderte weder Leberenzyme noch Wachstum oder den Antioxidantienstatus. Die Studie ist an einer besonderen Patientengruppe (Mukoviszidose) durchgeführt und deshalb nicht ohne Weiteres auf gesunde Erwachsene übertragbar, liefert aber innerhalb dieser Grenzen ein günstiges Sicherheitsbild für hochdosiertes Algenöl in Triglyceridform [12]. Für die an Fischöl beschriebenen Sicherheitssignale (Blutungsneigung, ein Vorhofflimmern-Risikosignal bei hoher Dosis) siehe den Eintrag fischoel; ob und wie stark sich diese Signale auf Algenöl übertragen, wurde für diesen Eintrag nicht recherchiert.
Quellen zum Nachlesen
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03
Explorative Neuauswertung der randomisierten Studie von Maki 2014, 74 von 93 Teilnehmenden, kein unabhängiger zweiter Studienbestand · 2025
Comparative Bioavailability of DHA and EPA from Microalgal and Fish Oil in Adults
Bailey E, Wojcik J, Rahn M, Roos F, Spooren A, Koshibu K. Int J Mol Sci
Zur Zuschreibung: 02
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04
Randomisierte, offene Parallelgruppenstudie, n gleich 32, nichtstaatliche Forschungsförderung ohne im PubMed-Datensatz benannten Geldgeber, keine gelieferte Interessenerklärung · 2008
Algal-oil capsules and cooked salmon. Nutritionally equivalent sources of docosahexaenoic acid
Arterburn LM, Oken HA, Bailey Hall E, Hamersley J, Kuratko CN, Hoffman JP. J Am Diet Assoc
Zur Zuschreibung: 01
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05
Randomisierte, plazebokontrollierte Parallelgruppenstudie, Autoren bei Martek Biosciences affiliiert · 2007
Bioequivalence of Docosahexaenoic acid from different algal oils in capsules and in a DHA-fortified food
Arterburn LM, Oken HA, Hoffman JP, Bailey-Hall E, Chung G, Rom D, Hamersley J, McCarthy D. Lipids
Zur Zuschreibung: 01
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07
Randomisierte, doppelblinde Parallelgruppenstudie, n gleich 66 · 2015
Similar eicosapentaenoic acid and docosahexaenoic acid plasma levels achieved with fish oil or krill oil in a randomized double-blind four-week bioavailability study
Yurko-Mauro K, Kralovec J, Bailey-Hall E, Smeberg V, Stark JG, Salem N. Lipids Health Dis
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08
Meta-Analyse aus 11 RCTs, 485 Teilnehmende · 2012
A meta-analysis shows that docosahexaenoic acid from algal oil reduces serum triglycerides and increases HDL-cholesterol and LDL-cholesterol in persons without coronary heart disease
Bernstein AM, Ding EL, Willett WC, Rimm EB. J Nutr
Zur Zuschreibung: 08
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09
Randomisierte, doppelblinde Parallelgruppenstudie, n gleich 93, Originaldatensatz der explorativen Neuauswertung von Bailey 2025, von DSM Nutritional Products Inc. finanziert · 2014
A new, microalgal DHA- and EPA-containing oil lowers triacylglycerols in adults with mild-to-moderate hypertriglyceridemia
Maki KC, Yurko-Mauro K, Dicklin MR, Schild AL, Geohas JG. Prostaglandins Leukot Essent Fatty Acids
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10
Doppelblinde, plazebokontrollierte Cross-over-Pilotstudie, n gleich 38 · 2018
Docosahexaenoic acid in the treatment of rheumatoid arthritis. A double-blind, placebo-controlled, randomized cross-over study with microalgae vs. sunflower oil
Dawczynski C, Dittrich M, Neumann T, Goetze K, Welzel A, Oelzner P, Völker S, Schaible AM, Troisi F, Thomas L, Pace S, Koeberle A, Werz O, Schlattmann P, Lorkowski S, Jahreis G. Clin Nutr
Zur Zuschreibung: 09
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Randomisierte, kontrollierte Studie, n gleich 20 · 2006
Bioavailability and safety of a high dose of docosahexaenoic acid triacylglycerol of algal origin in cystic fibrosis patients. A randomized, controlled study
Lloyd-Still JD, Powers CA, Hoffman DR, Boyd-Trull K, Lester LA, Benisek DC, Arterburn LM. Nutrition
Bei H.P.N
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