Amentoflavone
Zuletzt geprüft am
Pflanzenstoffe
Amentoflavone
Auf einen Blick
- Was es ist
- Ein Biflavonoid aus zwei verknüpften Apigenin-Einheiten. Es kommt in mehreren, botanisch nicht nah verwandten Pflanzen vor, unter anderem in Ginkgo biloba, im Johanniskraut (Hypericum perforatum) und im Moosfarn Selaginella tamariscina, siehe Abgrenzung unten
- Herkunft
- Wird aus den Blättern oder Früchten mehrerer Pflanzenarten isoliert oder halbsynthetisch aus anderen Biflavonoiden hergestellt. Nahrungsergänzungsmittel führen es in aller Regel als isoliertes Molekül und nicht als benannten Pflanzenextrakt
- Wirkform in Studien
- Fast durchgehend als isoliertes, gereinigtes oder halbsynthetisch hergestelltes Molekül in Zellkultur- und Tierversuchen. Ein Teil der älteren Arbeiten prüft dagegen einen Ganzextrakt aus Ginkgo biloba oder Johanniskraut, in dem Amentoflavon nur einer von vielen Inhaltsstoffen ist, ohne eigene Dosisangabe für Amentoflavon. Solche Arbeiten sind hier ausdrücklich als Ganzextrakt gekennzeichnet und tragen keine Aussage zum Reinstoff
- Übliche Studiendosis
- In Tierstudien meist 20 bis 100 mg pro kg Körpergewicht oral oder als Injektion, über einzelne Gaben bis zu 8 Wochen täglich. In Zellversuchen meist 1 bis 100 Mikromol pro Liter. Handelsübliche Nahrungsergänzungsmittel nennen nach Herstellerangaben Tagesmengen von 10 bis 50 mg, dafür liegt uns weder eine Tier- noch eine Humanstudie vor
- Bekannt geworden durch
- Seine Rolle als ein Wirkstoff unter mehreren in traditionell genutzten Pflanzen wie Ginkgo biloba und Johanniskraut, und in der Fachliteratur vor allem als häufig untersuchtes Modellmolekül der Wirkmechanismus-Forschung an Zellen und Tieren
- Verträglichkeit
- Zur Verträglichkeit bei Menschen liegt uns keine eigene Studie zum Reinstoff vor. In einem Zellkulturtest lag die zytotoxische Konzentration von Amentoflavon deutlich über den in Wirkstudien eingesetzten Konzentrationen, siehe Sicherheit
Was diesem Stoff zugesprochen wird
Was die Studien hergeben.
Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.
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01
Gedächtnis und neuronale Schutzwirkung im Amyloid-beta-Tiermodell für Alzheimer, an Maus und Ratte
Nur Labor und TierEinordnung und Einschränkungen
In zwei Tierstudien mit oral verabreichtem, isoliertem Amentoflavon besserte sich das Gedächtnis von Mäusen und Ratten nach einer Amyloid-beta-Schädigung. Keine Humanstudie vorhanden.
Ausführlicher Nachweis
In einer Studie an männlichen Mäusen erhielt ein Teil der Tiere eine intracerebroventrikuläre Injektion von Amyloid-beta 25-35, um ein Alzheimer-Modell zu erzeugen, danach 4 Wochen lang täglich orales Amentoflavon [1]. Gegenüber den unbehandelten Amyloid-beta-Tieren besserten sich Gedächtnisleistung und angstähnliches Verhalten, die Atrophie der Neuronen im Hippocampus verringerte sich, und oxidativer Stress sowie Entzündungswerte im Gehirn sanken [1]. Als Wirkmechanismus beschreibt die Arbeit eine gesteigerte Autophagie über eine Bindung an die ATP-Bindestelle der Kinase mTOR, gestützt durch ergänzende Versuche an zwei Zelllinien (PC-12, APPswe-N2a) [1]. Exakte Dosis und Tierzahl je Gruppe nennt das Abstract nicht, nur Volltext wurde nicht gelesen. In einer zweiten Studie erhielten Ratten eine intrakranielle Amyloid-beta-1-42-Injektion, das Gedächtnis wurde im Morris-Water-Maze-Test geprüft [2]. Amentoflavon verringerte die durch Amyloid-beta ausgelöste kognitive Beeinträchtigung sowie den Zelltod im Hippocampus, begleitet von einer höheren Expression des antioxidativen Transkriptionsfaktors Nrf2 nach Aktivierung von AMPK, ebenfalls gestützt durch einen Zellversuch an PC-12-Zellen [2]. Auch hier fehlen im Abstract Dosis und Gruppengröße. Eine dritte, reine Zellstudie an Maus-Neuronen (N2a) zeigt zusätzlich, dass Amentoflavon die Aufnahme und den lysosomalen Abbau von Amyloid-beta in der Zelle steigert, über Scavenger-Rezeptoren vermittelt [3]. Alle drei Arbeiten prüfen das isolierte Molekül, keine einen Ganzextrakt. Keine der drei Arbeiten ist an Menschen durchgeführt, und keine prüft eine Gedächtnisleistung bei gesunden oder altersbedingt beeinträchtigten Menschen. Eine gezielte Suche nach Humanstudien zu Amentoflavon und Gedächtnis, Kognition oder Alzheimer (auch ohne Beschränkung auf Humanstudien) ergab keinen Treffer zu einer Interventionsstudie am Menschen, nur Übersichtsartikel und eine rein computergestützte Docking-Studie ohne Zell- oder Tierversuch.
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02
Angstähnliches Verhalten im Mäuse-Modell nach isoliertem Amentoflavon, bei widersprüchlicher Richtung an GABA-A-Rezeptoren in Rezeptormodellen
Nur Labor und TierEinordnung und Einschränkungen
In einer Mäusestudie wirkte aus einer Pflanze isoliertes Amentoflavon angstlösend und wurde durch einen GABA-Rezeptor-Blocker aufgehoben. In Rezeptor-Modellen wird Amentoflavon dagegen als Gegenspieler und nicht als Verstärker der GABA-Wirkung beschrieben.
Ausführlicher Nachweis
In einer Studie an Mäusen wurde Amentoflavon aus der Wurzel von Cnestis ferruginea isoliert, einer in der westafrikanischen Traditionsmedizin genutzten Pflanze, und nicht aus Ginkgo biloba oder Johanniskraut [4]. Akute orale Gabe von 25 bis 100 mg/kg erhöhte im Hole-Board-Test die Zahl der Kopf-Einsenkungen, im Elevated-Plus-Maze die auf den offenen Armen verbrachte Zeit und im Hell-Dunkel-Test die Aufenthaltsdauer im hellen Bereich, jeweils gegenüber unbehandelten Kontrolltieren (p kleiner 0,05) [4]. Die Vorbehandlung mit dem GABA-Rezeptor-Blocker Flumazenil (3 mg/kg i.p.) 15 Minuten vor oraler Gabe von Amentoflavon (25 mg/kg) hob die Verlängerung der Zeit auf den offenen Armen im Elevated-Plus-Maze auf [4]. Dieselbe Arbeit zeigt für den antidepressiv wirkenden Endpunkt (Tail-Suspension-Test, Forced-Swim-Test) eine Abhängigkeit von Serotonin- und Adrenozeptoren statt von GABA-Rezeptoren, beide Effekte sind also getrennt zu betrachten [4]. In einer zweiten Studie an männlichen Mäusen senkte eine niedrige Dosis von 0,1 mg/kg oral isoliertes Amentoflavon aus dem Kontext einer Johanniskraut-Untersuchung die stressbedingte Körpertemperaturerhöhung nach Exposition in einem offenen Feld, ein anerkanntes Tiermodell für Angstlösung [5]. Beide Arbeiten prüfen das isolierte Molekül in einer bestimmten Dosis, keinen Ganzextrakt. Dem gegenüber steht die Rezeptorpharmakologie, in elektrophysiologischen Versuchen an in Xenopus-Oozyten exprimierten GABA-A-Rezeptoren (Untereinheiten alpha1, beta2, gamma2L) wirkte halbsynthetisch aus Ginkgo-biloba-Biflavonen hergestelltes Amentoflavon als negativer, von der Benzodiazepin-Bindestelle unabhängiger Modulator der GABA-induzierten Ströme [6]. Eine Folgearbeit an mutierten Ratten-Rezeptoren bestätigte diese negative Modulation und zeigte, dass sie unabhängig von der Gamma-Untereinheit und damit vermutlich nicht über die klassische Benzodiazepin-Bindestelle vermittelt wird [7]. Eine dritte, ältere Arbeit berichtet eine Verdrängung von radioaktiv markiertem Flumazenil von der Benzodiazepin-Bindestelle des GABA-A-Rezeptors mit einer mittleren Hemmkonzentration von 14,9 Nanomol pro Liter, referenziert innerhalb einer Arbeit zur Blut-Hirn-Schranke [8]. Die Verhaltensbefunde (angstlösend, durch Flumazenil aufhebbar) und die Rezeptorbefunde (negativer statt positiver Modulator) sind unterschiedliche Endpuntke, gemessen an unterschiedlichen Präparationen und Spezies (Ganztier-Verhalten gegenüber isolierten, teils artfremden Rezeptor-Untereinheiten in einem Expressionssystem), und deshalb nicht direkt gegeneinander aufrechenbar. Die Richtung passt aber nicht zwanglos zusammen und ist ein offener Punkt, siehe unten. Keine der genannten Arbeiten wurde an Menschen durchgeführt, eine gezielte Suche nach Humanstudien zu Amentoflavon und Angst ergab ausserhalb der Übersichtsliteratur keinen Treffer.
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03
Aufnahme ins Gehirn und orale Bioverfügbarkeit bei Maus und Ratte
Nur Labor und TierEinordnung und Einschränkungen
Amentoflavon überwindet im Zellmodell die Blut-Hirn-Schranke, erreicht nach oraler Gabe bei Ratte und Maus aber nur sehr geringe Konzentrationen im Körper und im Gehirn.
Ausführlicher Nachweis
In einem Zellmodell aus primären Endothelzellen von Schweine-Hirnkapillaren passierte radioaktiv markiertes Amentoflavon die Zellschicht per passiver Diffusion, ohne Anzeichen eines sättigbaren oder temperaturabhängigen Transportmechanismus [8]. Die gleichzeitige Gabe von Johanniskraut-Extrakt erhöhte die gemessene Durchlässigkeit zusätzlich, möglicherweise über eine veränderte Durchlässigkeit zwischen den Zellen [8]. Trotz dieser gezeigten Durchlässigkeit im Zellmodell blieb in einer Studie an männlichen Mäusen die Gehirnkonzentration nach oraler Gabe von Johanniskraut- oder Ginkgo-biloba-Extrakt unterhalb der Nachweisgrenze [9]. Erst nach intraperitonealer Injektion von reinem Amentoflavon (10 mg/kg) waren im Gehirn Konzentrationen nachweisbar, mit einem mittleren Verhältnis von Gehirn- zu Plasmakonzentration von etwa 0,02 [9]. Die Autoren schreiben wörtlich, diese Konzentrationen seien, selbst nach direkter Injektion, zu niedrig, um mit den bisher getesteten zentralen Wirkmechanismen zu interagieren [9]. In einer Studie an Ratten lag nach oraler Gabe von 300 mg/kg die orale Bioverfügbarkeit von freiem Amentoflavon bei nur 0,04 Prozent und die der konjugierten Metabolite bei 0,16 Prozent, verglichen mit intravenöser Gabe [10]. Nach intravenöser oder intraperitonealer Gabe lagen 70 bis 73 Prozent des gemessenen Amentoflavons als konjugierte Metabolite und nicht als Muttersubstanz vor [10]. Diese drei Arbeiten zusammen relativieren die in anderen Zeilen berichteten Verhaltens- und Zellbefunde, ein Teil davon nutzt hohe lokale Konzentrationen in der Zellkultur oder direkte Injektionen, die mit den nach oraler Einnahme erreichbaren Konzentrationen bei Tier oder Mensch nicht ohne Weiteres vergleichbar sind. Keine der drei Arbeiten wurde an Menschen durchgeführt.
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04
Entzündungshemmende und antioxidative Wirkung in Nerven- und Immunzellmodellen
Nur Labor und TierEinordnung und Einschränkungen
In zwei Zellkulturmodellen (Mikroglia, Nervenzellen) verringerte isoliertes Amentoflavon Entzündungs- und Oxidationsmarker. Keine Tier- oder Humanstudie zu einem klinischen Endpunkt.
Ausführlicher Nachweis
In Maus-Mikrogliazellen (BV-2), die durch Lipopolysaccharid zu einer Entzündungsreaktion angeregt wurden, senkte eine Vorbehandlung mit Amentoflavon die Genexpression von Interleukin-1beta, Tumornekrosefaktor-alpha, Cyclooxygenase-2 und induzierbarer NO-Synthase sowie die Proteinmenge der beiden letztgenannten Enzyme, bei unveränderter Zellviabilität in der eingesetzten Konzentration [11]. Es handelt sich um eine chinesischsprachige Arbeit, hier nur nach dem englischen Abstract ausgewertet. In einer zweiten Zellstudie an Maus-Nervenzellen (HT22), die durch Homocystein geschädigt wurden, verringerte Amentoflavon reaktive Sauerstoffspezies, Lipidperoxidation und den Eisengehalt der Zellen und erhöhte den Gehalt an Glutathion, begleitet von einer höheren Aktivität der SLC7A11/GPX4-Achse, einem Regulator des sogenannten Ferroptose-Zelltods [12]. Der protektive Effekt wurde durch einen Ferroptose-Auslöser (Erastin) aufgehoben, was für eine Vermittlung über genau diesen Signalweg spricht [12]. Kein Interessenkonflikt angegeben in beiden Arbeiten, keine Angabe zu kommerzieller Förderung. Beide Arbeiten prüfen isoliertes Amentoflavon in Zellkultur, keinen Ganzextrakt, und keine hat ein Tiermodell oder einen Menschen eingeschlossen. Eine gezielte Suche nach Humanstudien zu Amentoflavon und Entzündungsmarkern oder oxidativem Stress im Blut ergab keinen Treffer zu einer Interventionsstudie am Menschen, nur Übersichtsarbeiten, die Amentoflavon als eine von vielen antioxidativ wirkenden Pflanzenstoffen nennen.
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05
Blutzucker- und Blutfettwerte bei diabetischen Mäusen
Nur Labor und TierEinordnung und Einschränkungen
In durch fettreiche Ernährung und Streptozotocin diabetisch gemachten Mäusen senkte orales Amentoflavon Blutzucker und ungünstige Blutfettwerte gegenüber unbehandelten diabetischen Tieren.
Ausführlicher Nachweis
In einer Studie an männlichen Mäusen, die durch eine Kombination aus fettreicher Ernährung und Streptozotocin diabetisch gemacht wurden, erhielten jeweils 10 Tiere pro Gruppe 8 Wochen lang täglich 20 oder 40 mg/kg Amentoflavon per Schlundsonde, verglichen mit unbehandelten diabetischen Tieren, gesunden Kontrolltieren und einer mit 4 mg/kg Rosiglitazon behandelten Vergleichsgruppe [13]. Gegenüber den unbehandelten diabetischen Tieren senkte Amentoflavon Blutzucker, Gesamtcholesterin, Triglyzeride und LDL-Cholesterin und erhöhte HDL-Cholesterin sowie Insulin, in einer der beiden Dosen jeweils statistisch auffällig (Volltext gelesen, PMC6600559) [13]. Als Wirkmechanismus zeigt die Arbeit eine höhere Aktivität mehrerer Enzyme des Glukosestoffwechsels und eine vermehrte Translokation des Glukosetransporters GLUT4 im Skelettmuskel [13]. Die Studie wurde aus einem staatlichen chinesischen Forschungsfonds finanziert (NSFC), kein Interessenkonflikt angegeben [13]. In einer zweiten Studie an insulinresistenten KKAy-Mäusen verbesserte ein spezielles Mizellen-Trägersystem die orale Bioverfügbarkeit von Amentoflavon um das etwa 3,2-fache gegenüber einer einfachen Amentoflavon-Lösung und zeigte im Tiermodell günstige Effekte auf Blutfette und Entzündungswerte, worin die Autoren die verbesserte Bioverfügbarkeit als Ursache der stärkeren Wirkung gegenüber der einfachen Lösung nennen [14]. Beide Arbeiten prüfen ausschließlich diabetische Mäuse, keine gesunden Tiere und keine Menschen. Eine gezielte Suche nach Humanstudien zu Amentoflavon und Blutzucker oder Diabetes ergab keinen Treffer zu einer Interventionsstudie am Menschen.
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06
Tumorwachstum und Metastasierung in Krebszelllinien und Mausmodellen
Nur Labor und TierEinordnung und Einschränkungen
In zwei Mausmodellen verringerte Amentoflavon Tumorwachstum beziehungsweise die Zahl der Lungenmetastasen. Das Gliom-Modell umfasste nur je zwei Tiere pro Gruppe.
Ausführlicher Nachweis
In einer Studie an weiblichen BALB/c-nu-Nacktmäusen mit einem menschlichen Gliom-Xenotransplantat (Zelllinie U87) senkte eine 8-tägige tägliche orale Gabe von 25 mg/kg Amentoflavon das Tumorvolumen um 68 Prozent gegenüber unbehandelten Tieren (p kleiner 0,001), zusammen mit einer Umkehr der GABA-vermittelten T-Zell-Hemmung im Tumor (Volltext gelesen, PMC12131280) [15]. Der Volltext zeigt allerdings, dass die Kontroll- und die Behandlungsgruppe aus je nur zwei Mäusen bestanden, insgesamt vier Tiere im gesamten Xenotransplantat-Versuch [15]. Bei dieser Gruppengröße ist der berichtete p-Wert nicht so zu verstehen, dass ein zufälliger Unterschied ausgeschlossen wäre, und das Ergebnis bedarf der Bestätigung in einer größer angelegten Studie. Keine Angabe zu einem Interessenkonflikt, Förderung durch mehrere chinesische Hochschul- und Provinzfonds [15]. In einer zweiten, älteren Studie an männlichen C57BL/6-Mäusen, denen Melanomzellen (B16F-10) in die Schwanzvene injiziert wurden, senkte eine 10-tägige tägliche Gabe von 50 mg/kg Amentoflavon die Zahl der Lungenmetastasen gegenüber unbehandelten Tieren (p kleiner 0,001), begleitet von einer geringeren Expression mehrerer an Invasion und Gefäßneubildung beteiligter Gene (MMP-2, MMP-9, VEGF) [16]. Tierzahl je Gruppe und Interessenkonflikt nennt das Abstract dieser Arbeit nicht, ein freier Volltext liegt uns nicht vor. Beide Arbeiten prüfen isoliertes Amentoflavon an Mäusen mit implantierten Tumoren, keine an Menschen, und keine an einem Ganzextrakt. Eine gezielte Suche nach Humanstudien zu Amentoflavon und Krebs ergab keinen Treffer zu einer Interventionsstudie am Menschen, nur zahlreiche Übersichtsarbeiten zu zellulären Wirkmechanismen.
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07
Wirkung auf das Herz in Tier- und Organmodellen, schützend bei arzneimittel- und durchblutungsbedingter Schädigung und frequenzsteigernd am gesunden isolierten Vorhof
Nur Labor und TierEinordnung und Einschränkungen
In zwei Tiermodellen schützte Amentoflavon das Herz vor einer Chemotherapie- oder Durchblutungsstörung. An gesunden, aus der Ratte entnommenen Vorhöfen steigerte es dagegen die Schlagfrequenz, ein möglicher Sicherheitshinweis.
Ausführlicher Nachweis
In einer Studie an Mäusen, denen das herzschädigende Chemotherapeutikum Doxorubicin verabreicht wurde, schützte eine tägliche intraperitoneale Gabe von 80 mg/kg Amentoflavon an vier Tagen vor und an drei weiteren Tagen nach der Doxorubicin-Gabe die Herzfunktion in der Echokardiographie und senkte die Marker für Herzmuskelschäden Creatinkinase-MB und Aspartat-Aminotransferase gegenüber unbehandelten, mit Doxorubicin geschädigten Tieren, eine niedrigere Dosis von 40 mg/kg zeigte diesen Schutz nicht in gleichem Ausmaß [17]. Kein Interessenkonflikt angegeben. In einer zweiten Studie an Ratten mit einer durch vorübergehenden Gefäßverschluss ausgelösten Durchblutungsstörung des Herzens (Ischämie-Reperfusion) verringerte eine 7-tägige orale Vorbehandlung mit Amentoflavon (25, 50 oder 100 mg/kg) dosisabhängig die Infarktgröße sowie die entzündungs- und schadensbezogenen Blutwerte Interleukin-6, Interleukin-1beta, Tumornekrosefaktor-alpha, Laktatdehydrogenase und Creatinkinase-MB gegenüber unbehandelten Tieren, in einem Ausmaß vergleichbar mit dem Vergleichsmedikament Diltiazem (16 mg/kg) [18]. Ergänzende Zellversuche an Herzmuskelzellen (H9c2) unter Sauerstoffmangel und Wiederbelüftung zeigten denselben schützenden Effekt [18]. Beide Studien sind an Tiermodellen für eine akute Herzschädigung durchgeführt, keine an gesunden Tieren unter Alltagsbedingungen und keine am Menschen, ein Interessenkonflikt ist in der zweiten Arbeit nicht angegeben. Diesen beiden Schutzbefunden steht eine deutlich ältere Untersuchung an isolierten, aus Wistar-Ratten entnommenen Herzvorhöfen gegenüber, dort steigerte Amentoflavon, anders als das ebenfalls getestete Ginkgolid B, die Schlagfrequenz des isolierten Gewebes signifikant, in einem Konzentrationsbereich, wie er auch für den geprüften Ginkgo-biloba-Extrakt insgesamt verwendet wurde [19]. Eine genau Konzentrationsangabe für Amentoflavon allein nennt das Abstract nicht. Eine Steigerung der Herzfrequenz an gesundem Gewebe ist kein Nutzenbefund, sondern ein möglicher Risikohinweis, besonders bei Personen mit Herzrhythmusstörungen oder unter herzwirksamen Medikamenten, siehe Sicherheit. Keine der drei Arbeiten wurde an Menschen durchgeführt. Eine gezielte Suche nach Humanstudien zu Amentoflavon und Herz-Kreislauf-Endpunkten ergab keinen Treffer zu einer Interventionsstudie am Menschen.
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08
Hemmung eines hautbezogenen Entzündungsenzyms im zellfreien Enzymtest aus Meerschweinchen-Haut
Nur Labor und TierEinordnung und Einschränkungen
In einem zellfreien Enzymtest aus Meerschweinchen-Hautgewebe hemmte Amentoflavon das Entzündungsenzym Cyclooxygenase. Kein Nachweis einer Schutzwirkung an lebender Haut.
Ausführlicher Nachweis
In einem zellfreien Enzymtest aus mikrosomalen und zytosolischen Fraktionen von Meerschweinchen-Hautgewebe hemmte isoliertes Amentoflavon die Cyclooxygenase mit einer mittleren Hemmkonzentration von 3 Mikromol pro Liter, vergleichbar mit dem Referenzwirkstoff Indomethacin (IC50 1 Mikromol pro Liter), während das strukturell ähnliche Biflavon Ginkgetin nur schwach wirkte [20]. Auf die Lipoxygenase hatte Amentoflavon in derselben Arbeit keine nennenswerte Wirkung [20]. Eine zweite Arbeit derselben Arbeitsgruppe zeigt in einem ähnlichen zellfreien System aus Meerschweinchen-Epidermis eine deutliche Hemmung der zytosolischen Phospholipase A2 durch Amentoflavon und Ginkgetin, während Quercetin nur schwach wirkte [21]. Beide Arbeiten sind reine Enzymtests an gereinigten oder homogenisierten Zellfraktionen, kein Versuch an lebender Haut, keine Anwendung an einem ganzen Tier und keine an Menschen. Die Autoren der ersten Arbeit schreiben selbst, dass die Wirkung an gesunder oder erkrankter Haut noch zu untersuchen sei [20]. Eine gezielte Suche nach Amentoflavon in Kombination mit UVB, Photoalterung oder Keratinozyten (auch im Labor- und Tier-Modus) ergab keinen einzigen Treffer, siehe eigene Zeile zur UV-bedingten Hautalterung.
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09
Schutz vor UV-bedingter Hautalterung
Keine Studien gefundenEinordnung und Einschränkungen
Wir haben gezielt gesucht und keine Zell-, Tier- oder Humanstudie zu Amentoflavon und UV-Schutz oder Hautalterung gefunden.
Ausführlicher Nachweis
Gesucht mit den PubMed-Suchbegriffen "amentoflavone" "UVB", beschränkt auf Labor- und Tierstudien (0 Treffer), mit den Suchbegriffen "amentoflavone" "photoaging", ebenfalls beschränkt auf Labor- und Tierstudien (0 Treffer), und mit den Suchbegriffen "amentoflavone" "keratinocyte", ebenfalls beschränkt auf Labor- und Tierstudien (0 Treffer). Auch die Suche zu Amentoflavon und Haut allgemein (siehe die Zeile zur Cyclooxygenase-Hemmung) ergab neben den beiden zellfreien Enzymtests nur Arbeiten zu einem Ganzextrakt aus anderen Pflanzen, in denen Amentoflavon einer von mehreren nachgewiesenen Inhaltsstoffen ist, keine davon ist zurechenbar auf eine UV-Schutz- oder Hautalterungswirkung von Amentoflavon selbst.
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10
Wechselwirkung mit über Cytochrom-P450-2C9 verstoffwechselten Arzneimitteln (Warfarin-Typ) bei gesunden Erwachsenen
Keine Studien gefundenEinordnung und Einschränkungen
Die einzige gefundene randomisierte Humanstudie prüft ein Ginkgo-biloba-Präparat mit einer winzigen Amentoflavon-Menge, keine auf Amentoflavon selbst ausgerichtete Studie.
Ausführlicher Nachweis
Eine gezielte Suche nach randomisierten Humanstudien zu Amentoflavon ergab genau eine randomisierte kontrollierte Studie [22]. Sie prüft an 11 gesunden Erwachsenen in einem randomisierten, doppelblinden Cross-over-Design, ob ein Ginkgo-biloba-Präparat (Ginkgold, dreimal 120 mg) gegenüber Placebo die Verstoffwechslung von Flurbiprofen verändert, einem Testsubstrat für das Arzneimittel-abbauende Enzym Cytochrom P450 2C9, das auch Warfarin verstoffwechselt [22]. Es zeigte sich kein auffälliger Unterschied zwischen Ginkgo und Placebo bei Halbwertszeit (3,9 gegenüber 3,5 Stunden), Fläche unter der Konzentrations-Zeit-Kurve (57 gegenüber 55 Mikrogramm mal Stunde pro Milliliter) und oraler Clearance (32,9 gegenüber 31,6 Milliliter pro Minute), ein Konfidenzintervall für diesen Unterschied nennt das Abstract nicht [22]. Entscheidend für diesen Eintrag, die Autoren bestimmten den Amentoflavon-Gehalt der eingesetzten Ginkgo-Tabletten mit 6,6 Mikrogramm je 60-mg-Tablette und schreiben selbst, diese Menge sei zu gering gewesen, um Cytochrom P450 2C9 im Körper zu hemmen [22]. Aus der geprüften Tagesmenge von dreimal 120 mg des Ginkgo-Präparats ergeben sich rund 40 Mikrogramm Amentoflavon am Tag. Das liegt etwa 250-fach bis 1300-fach unter den 10 bis 50 mg, die handelsübliche, auf Amentoflavon standardisierte Nahrungsergänzungsmittel nach Herstellerangabe enthalten, siehe Steckbrief. Die Studie beantwortet damit eine Frage zu einem bestimmten Ginkgo-Präparat mit sehr geringem Amentoflavon-Gehalt, keine Frage zu Amentoflavon in den Mengen, die als isoliertes Nahrungsergänzungsmittel verkauft werden. Eine eigene, auf Amentoflavon ausgerichtete Interventionsstudie zu Arzneimittelwechselwirkungen bei Menschen liegt uns nicht vor, ebenso wenig eine Tierstudie zu diesem Endpunkt.
Quellen: 22
Studien im Detail
Gehirn und Verhalten in Tiermodellen
Zwei Arbeiten prüfen isoliertes, oral verabreichtes Amentoflavon in Amyloid-beta-Modellen für Alzheimer. Cao und Kollegen lösten bei Mäusen über eine Injektion von Amyloid-beta 25-35 in die Hirnkammern ein Modell für Gedächtnisverlust aus und behandelten die Tiere danach vier Wochen lang täglich oral mit Amentoflavon. Gegenüber unbehandelten Amyloid-beta-Tieren besserten sich Gedächtnisleistung und angstähnliches Verhalten, die Nervenzell-Atrophie im Hippocampus ging zurück, und oxidativer Stress sowie Entzündungswerte im Gehirn sanken. Chen und Kollegen zeigten in einem ähnlichen Modell an Ratten mit intrakranieller Amyloid-beta-1-42-Injektion eine vergleichbare Besserung im Morris-Water-Maze-Gedächtnistest, begleitet von weniger Zelltod im Hippocampus. Eine dritte, reine Zellstudie an Maus-Neuronen zeigt einen möglichen Mechanismus: Amentoflavon förderte dort die Aufnahme und den Abbau von Amyloid-beta in der Zelle. Keine der drei Arbeiten wurde an Menschen durchgeführt, und keine prüft eine tatsächliche Gedächtnisleistung bei Menschen mit oder ohne beginnende kognitive Einschränkung.
Zum angstlösenden Wirkprofil liegt eine Verhaltensstudie an Mäusen vor, in der Amentoflavon ausdrücklich aus einer anderen Pflanze als Ginkgo biloba oder Johanniskraut isoliert wurde, aus der Wurzel von Cnestis ferruginea. In drei anerkannten Angst-Testverfahren (Hole-Board, Elevated-Plus-Maze, Hell-Dunkel-Test) zeigte akut oral verabreichtes Amentoflavon ein angstlösendes Verhaltensmuster, das durch den GABA-Rezeptor-Blocker Flumazenil aufgehoben werden konnte. Eine zweite, ältere Arbeit fand bei einer sehr niedrigen Dosis von 0,1 mg/kg eine Verringerung der stressbedingten Körpertemperaturerhöhung im offenen Feld, einem weiteren anerkannten Angst-Modell.
Dem gegenüber stehen mehrere Arbeiten zur Rezeptorpharmakologie, die alle zu demselben Schluss kommen: An isolierten GABA-A-Rezeptoren, exprimiert in Froscheizellen (Xenopus-Oozyten), wirkt Amentoflavon als negativer und nicht als positiver Modulator der GABA-Wirkung, unabhängig von der klassischen Benzodiazepin-Bindestelle. Eine ältere Arbeit berichtet zusätzlich eine Verdrängung von radioaktivem Flumazenil von dieser Bindestelle mit einer mittleren Hemmkonzentration im niedrigen nanomolaren Bereich. Verhaltens- und Rezeptorbefund lassen sich wegen unterschiedlicher Präparationen (Ganztier gegenüber isoliertem Rezeptor) und teils unterschiedlicher Spezies nicht direkt gegeneinander prüfen, die Richtung der Wirkung bleibt aber ein offener Punkt.
Aufnahme ins Gehirn und Bioverfügbarkeit
Eine wiederkehrende Einschränkung betrifft die Menge, die nach oraler Einnahme überhaupt im Körper und im Gehirn ankommt. In einem Zellmodell aus Hirnkapillar-Endothelzellen überwindet Amentoflavon die Blut-Hirn-Schranke passiv, ohne Hinweis auf einen aktiven Transportmechanismus. In einer Studie an Mäusen blieb die Gehirnkonzentration nach oraler Extraktgabe dagegen unterhalb der Nachweisgrenze, messbare Werte zeigten sich erst nach direkter Injektion des reinen Stoffs, und selbst dann schrieben die Autoren, die erreichte Konzentration sei zu niedrig für eine Wechselwirkung mit den bisher getesteten zentralen Zielstrukturen. Eine Studie an Ratten bezifferte die orale Bioverfügbarkeit von freiem Amentoflavon nach oraler Gabe auf nur 0,04 Prozent gegenüber intravenöser Gabe, der weit überwiegende Teil des im Blut nachweisbaren Amentoflavons lag als körpereigen konjugiertes Stoffwechselprodukt vor, nicht als Muttersubstanz. Diese drei Arbeiten relativieren die in Zellkultur oder nach direkter Injektion beobachteten Effekte: Sie belegen ein biologisches Wirkpotenzial des Moleküls, sagen aber wenig darüber, wie viel davon nach einer üblichen oralen Einnahme tatsächlich am Zielort ankommt.
Entzündung, Zucker- und Fettstoffwechsel in Zell- und Tiermodellen
In zwei Zellmodellen, geschädigten Mikroglia- und Nervenzellen der Maus, verringerte Amentoflavon Entzündungs- und Oxidationsmarker und wirkte in einer Arbeit über eine Hemmung des sogenannten Ferroptose-Zelltods. In zwei Studien an diabetischen Mäusen senkte oral verabreichtes Amentoflavon Blutzucker sowie ungünstige Blutfettwerte und erhöhte das günstige HDL-Cholesterin gegenüber unbehandelten diabetischen Tieren, eine der beiden Arbeiten zeigte zusätzlich, dass ein verbessertes Trägersystem die orale Bioverfügbarkeit und damit die Wirkung steigern kann. Keine der vier Arbeiten wurde an Menschen durchgeführt oder prüfte einen klinischen Endpunkt wie eine Blutzuckererkrankung oder eine Infektanfälligkeit.
Krebszellen und Tumormodelle
In zwei Mausmodellen mit implantierten Tumoren verringerte Amentoflavon das Tumorwachstum beziehungsweise die Metastasenbildung. In einem Gliom-Modell an Nacktmäusen reduzierte eine achttägige orale Gabe das Tumorvolumen um 68 Prozent, allerdings bestand die gesamte Versuchsanordnung aus nur vier Tieren, je zwei pro Gruppe, was die Aussagekraft des Ergebnisses deutlich einschränkt. In einem älteren Melanom-Metastasierungsmodell an Mäusen senkte eine zehntägige Gabe die Zahl der Lungenmetastasen, begleitet von einer geringeren Expression mehrerer an Invasion und Gefäßneubildung beteiligter Gene. Beide Arbeiten sind reine Tiermodelle mit implantierten oder injizierten Krebszellen, keine an Menschen und ohne einen Bezug zu einer tatsächlichen Krebserkrankung beim Menschen.
Herz in Tier- und Organmodellen
Zwei Studien an Mäusen und Ratten zeigen eine schützende Wirkung von Amentoflavon bei akuter Herzschädigung, einmal durch das Chemotherapeutikum Doxorubicin ausgelöst, einmal durch eine vorübergehende Durchblutungsstörung. In beiden Modellen sanken Marker für Herzmuskelschäden und Entzündung gegenüber unbehandelten Tieren. Eine deutlich ältere, methodisch andersartige Untersuchung an isolierten Herzvorhöfen gesunder Ratten fand dagegen eine Steigerung der Schlagfrequenz durch Amentoflavon, ein Befund, der eher als Sicherheitshinweis denn als Nutzenbefund zu lesen ist, siehe Sicherheit.
Haut im Enzymtest
Zwei ältere Arbeiten derselben Arbeitsgruppe zeigen in zellfreien Enzymtests aus Meerschweinchen-Hautgewebe eine Hemmung der Cyclooxygenase und der zytosolischen Phospholipase A2 durch Amentoflavon, zwei Enzyme, die an der Bildung entzündungsfördernder Botenstoffe der Haut beteiligt sind. Beide Arbeiten prüfen gereinigte Enzympräparationen und keine lebende Haut, kein Tiermodell und keinen Menschen. Zu einer tatsächlichen Schutzwirkung vor UV-Strahlung oder sichtbarer Hautalterung fand die Recherche keine einzige Studie, siehe die eigene Zeile dazu.
Abgrenzung, dieselbe Substanz aus mehreren Pflanzen und in Ganzextrakten
Amentoflavon ist kein Extrakt einer einzelnen Pflanze, sondern ein einzelnes Molekül, das in mehreren, botanisch nicht nah verwandten Arten vorkommt, darunter Ginkgo biloba, Johanniskraut (Hypericum perforatum), mehrere Selaginella-Arten und weitere. Ein Teil der älteren pflanzenchemischen Literatur weist Amentoflavon lediglich als einen von mehreren Inhaltsstoffen in einem untersuchten Ganzextrakt nach, etwa in Untersuchungen zu Cupressus sempervirens, Byrsonima intermedia oder Alchornea glandulosa. Diese Arbeiten prüfen die Wirkung des Gesamtextrakts, nicht die von Amentoflavon allein, und tragen deshalb für diesen Eintrag keine Aussage. Sie wurden bei der Recherche gesichtet und bewusst nicht als Beleg für eine Wirkung von Amentoflavon herangezogen.
Wo in diesem Eintrag Studien zu einem Ginkgo-biloba- oder Johanniskraut-Ganzextrakt genannt werden, etwa zur Blut-Hirn-Schranke oder zur Herzfrequenz, ist das ausdrücklich vermerkt, und die Aussage bezieht sich in diesen Fällen auf das isoliert getestete Amentoflavon innerhalb der jeweiligen Arbeit, nicht auf den Extrakt insgesamt. Die einzige gefundene randomisierte Humanstudie (Quelle 22) prüft dagegen tatsächlich nur den Ganzextrakt, mit einem so geringen Amentoflavon-Gehalt, dass die Autoren selbst eine relevante Wirkung von Amentoflavon ausschließen. Sie beantwortet damit keine Frage zu Amentoflavon in den Mengen, in denen es als eigenständiges Nahrungsergänzungsmittel angeboten wird.
Sicherheit und Wechselwirkungen
Zur Verträglichkeit von Amentoflavon bei Menschen, in welcher Dosis auch immer, liegt uns keine eigene Studie vor. Die vorliegenden Zell- und Tierdaten erlauben einige vorsichtige Hinweise, mehr nicht.
Der verbreitete Zellkulturwert, wonach in einer Affennieren-Zelllinie erst bei 386 Mikrogramm pro Milliliter die Hälfte der Zellen abstirbt, stammt aus keiner der hier geführten Quellen und trägt deshalb in diesem Eintrag keine Aussage zur Sicherheit. Eine dedizierte Ganztier-Toxikologiestudie mit reinem Amentoflavon, etwa zu akuter oder wiederholter oraler Gabe über mehrere Wochen, haben wir trotz gezielter Suche nicht gefunden.
Amentoflavon greift in mehreren Laborarbeiten in die GABA-A-Rezeptor-Signalübertragung ein, allerdings mit einer nicht eindeutig geklärten Wirkrichtung, siehe oben. Bei gleichzeitiger Einnahme von Benzodiazepinen oder anderen an diesem Rezeptor wirksamen Arzneimitteln ist deshalb Vorsicht angebracht, auch wenn die nach oraler Einnahme im Gehirn erreichbare Menge nach den vorliegenden Tierdaten voraussichtlich gering ist.
An isolierten Herzvorhöfen gesunder Ratten steigerte Amentoflavon die Schlagfrequenz. Dieser Befund stammt aus einem Organbad-Versuch, nicht aus einem lebenden Tier oder einem Menschen, ist aber ein Grund zur Vorsicht bei bestehenden Herzrhythmusstörungen oder bei gleichzeitiger Einnahme herzwirksamer Medikamente.
Die einzige vorliegende Humanstudie zu einem amentoflavonhaltigen Präparat fand bei einer sehr geringen Amentoflavon-Menge keine Beeinflussung des Arzneimittel-abbauenden Enzyms Cytochrom P450 2C9. Ob deutlich höhere, für ein auf Amentoflavon standardisiertes Nahrungsergänzungsmittel typische Mengen dieses oder andere Cytochrom-P450-Enzyme beeinflussen, ist dadurch nicht beantwortet, und einzelne der oben genannten Laborarbeiten weisen auf eine mögliche Beteiligung des Transportproteins P-Glykoprotein hin. Bei gleichzeitiger Einnahme von Arzneimitteln mit geringem Sicherheitsabstand zwischen wirksamer und schädlicher Menge, etwa Blutverdünnern vom Warfarin-Typ, ist deshalb Zurückhaltung sinnvoll.
Zu Schwangerschaft und Stillzeit liegt uns keine eigene geprüfte Quelle vor, eine ärztliche Rücksprache vor der Einnahme ist in diesem Fall grundsätzlich sinnvoll.
Quellen zum Nachlesen
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Tierstudie, männliche Mäuse mit intracerebroventrikulärer Amyloid-beta-25-35-Injektion, dazu Zellversuche an PC-12- und APPswe-N2a-Zellen · 2021
Amentoflavone Ameliorates Memory Deficits and Abnormal Autophagy in Aβ25-35-Induced Mice by mTOR Signaling.
Cao B, Zeng M, Zhang Q, Zhang B, Cao Y, Wu Y, Feng W, Zheng X. Neurochem Res
Zur Zuschreibung: 01
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Tierstudie, Ratten mit intrakranieller Amyloid-beta-1-42-Injektion, dazu Zellversuch an PC-12-Zellen · 2018
Amentoflavone Ameliorates Aβ1-42-Induced Memory Deficits and Oxidative Stress in Cellular and Rat Model.
Chen C, Li B, Cheng G, Yang X, Zhao N, Shi R. Neurochem Res
Zur Zuschreibung: 01
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Tierstudie, männliche Mäuse, Amentoflavon isoliert aus Cnestis ferruginea · 2012
Antidepressant and anxiolytic effects of amentoflavone isolated from Cnestis ferruginea in mice.
Ishola IO, Chatterjee M, Tota S, Tadigopulla N, Adeyemi OO, Palit G, Shukla R. Pharmacol Biochem Behav
Zur Zuschreibung: 02
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Laborstudie, elektrophysiologische Messung an in Xenopus-Oozyten exprimierten GABA-A-Rezeptoren · 2003
Semisynthetic preparation of amentoflavone, A negative modulator at GABA(A) receptors.
Hanrahan JR, Chebib M, Davucheron NL, Hall BJ, Johnston GA. Bioorg Med Chem Lett
Zur Zuschreibung: 02
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Laborstudie, primäre Endothelzellen aus Schweine-Hirnkapillaren und P-Glykoprotein-überexprimierende Zelllinie · 2002
Transport of amentoflavone across the blood-brain barrier in vitro.
Gutmann H, Bruggisser R, Schaffner W, Bogman K, Botomino A, Drewe J. Planta Med
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Tierstudie, Ratten, orale, intravenöse und intraperitoneale Gabe von reinem Amentoflavon · 2015
Liquid chromatography-tandem mass spectrometry determination and pharmacokinetic analysis of amentoflavone and its conjugated metabolites in rats.
Liao S, Ren Q, Yang C, Zhang T, Li J, Wang X, Qu X, Zhang X, Zhou Z, Zhang Z, Wang S. J Agric Food Chem
Zur Zuschreibung: 03
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Zellstudie, Maus-Mikroglia-Zelllinie BV-2, chinesischsprachige Arbeit, nur englisches Abstract ausgewertet · 2020
Amentoflavone inhibits inflammation of mouse BV-2 microglia cells induced by lipopolysaccharide.
Ren X, Zhang Q, Rong S, Zuo D, Wang F, Liu K. Xi Bao Yu Fen Zi Mian Yi Xue Za Zhi
Zur Zuschreibung: 04
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Tierstudie, männliche Mäuse, diabetisch durch fettreiche Ernährung und Streptozotocin, n gleich 10 je Gruppe, 8 Wochen · 2019
Antidiabetic Activity and Potential Mechanism of Amentoflavone in Diabetic Mice.
Su C, Yang C, Gong M, Ke Y, Yuan P, Wang X, Li M, Zheng X, Feng W. Molecules
Zur Zuschreibung: 05
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Tierstudie, KKAy-Mäuse (insulinresistentes Diabetesmodell), Mizellen-Trägersystem gegenüber Amentoflavon-Lösung · 2019
Facile Fabrication of an Amentoflavone-Loaded Micelle System for Oral Delivery To Improve Bioavailability and Hypoglycemic Effects in KKAy Mice.
Zhang J, Zhou J, Zhang T, Niu Z, Wang J, Guo J, Li Z, Zhang Z. ACS Appl Mater Interfaces
Zur Zuschreibung: 05
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Tierstudie, weibliche BALB/c-nu-Nacktmäuse mit humanem Gliom-Xenotransplantat (U87), n gleich 2 je Gruppe, dazu Zellversuche an Gliomzelllinien · 2025
GABRP Mediates GABA-A Receptor to Shape Tumor Immunosuppressive Microenvironment and Promote Tumor Immune Escape and Corresponding Targeted Therapy.
Cen W, Fu G, Wang X, Wei R, Zhou X, Teng W, Ling Y, Tang J, Wang Z, Chu L. Cancer Med
Zur Zuschreibung: 06
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Tierstudie, männliche C57BL/6-Mäuse mit intravenöser Melanom-Zellinjektion (B16F-10), dazu ein Zellversuch zu Invasion und Migration · 2008
Amentoflavone inhibits experimental tumor metastasis through a regulatory mechanism involving MMP-2, MMP-9, prolyl hydroxylase, lysyl oxidase, VEGF, ERK-1, ERK-2, STAT-1, NM23 and cytokines in lung tissues of C57BL/6 mice.
Guruvayoorappan C, Kuttan G. Immunopharmacol Immunotoxicol
Zur Zuschreibung: 06
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Tierstudie, Ratten mit Myokard-Ischämie-Reperfusionsschäden, orale Gabe in drei Dosen, dazu Zellversuch an H9c2-Kardiomyozyten · 2021
Cardioprotective effects of Amentoflavone by suppression of apoptosis and inflammation on an in vitro and vivo model of myocardial ischemia-reperfusion injury.
Li WW, Li D, Qin Y, Sun CX, Wang YL, Gao L, Ling-Hu L, Zhang F, Cai W, Zhu L, Wang G. Int Immunopharmacol
Zur Zuschreibung: 07
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Laborstudie, zellfreier Enzymtest aus Meerschweinchen-Epidermis · 1998
Effects of naturally-occurring flavonoids and biflavonoids on epidermal cyclooxygenase and lipoxygenase from guinea-pigs.
Kim HP, Mani I, Iversen L, Ziboh VA. Prostaglandins Leukot Essent Fatty Acids
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RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, Cross-over, n gleich 11 gesunde Erwachsene, Ginkgo-biloba-Präparat mit geringem Amentoflavon-Gehalt · 2006
Ginkgo biloba does not alter clearance of flurbiprofen, a cytochrome P450-2C9 substrate.
Greenblatt DJ, von Moltke LL, Luo Y, Perloff ES, Horan KA, Bruce A, Reynolds RC, Harmatz JS, Avula B, Khan IA, Goldman P. J Clin Pharmacol
Zur Zuschreibung: 10