Bitterorangen-Extrakt
Zuletzt geprüft am
Pflanzenextrakte
Citrus aurantium · Pomeranze · Sevilla-Orange · p-Synephrin-Extrakt
Auf einen Blick
- Was es ist
- Ein Extrakt aus der unreifen Frucht oder der Fruchtschale der Bitterorange (Citrus aurantium, auch Pomeranze oder Sevilla-Orange genannt), standardisiert auf den Leitstoff p-Synephrin, ein Protoalkaloid, das dem Stimulans Ephedrin strukturell verwandt, aber schwächer wirksam ist
- Herkunft
- Mittelmeerraum und Ostasien. Botanisch eine eigene Zitrusart, verschieden von der Süßorange (Citrus sinensis) und der Grapefruit (Citrus paradisi), mit denen sie teils verwechselt oder gleichgesetzt wird
- Wirkform in Studien
- Uneinheitlich. Ein Teil der Humanstudien prüfte isoliertes p-Synephrin, nach Körpergewicht dosiert (1 bis 3 mg pro Kilogramm), ein anderer Teil prüfte unterschiedlich standardisierte Bitterorangen-Extrakte (6 bis 30 Prozent Synephrin je nach Präparat), häufig zusätzlich in Kombination mit Koffein oder in Mehrfachpräparaten mit weiteren Stimulanzien. Laut Volltext einer Meta-Analyse prüfen von 18 eingeschlossenen Studien nur 6 isoliertes p-Synephrin, die übrigen standardisierte Extrakte oder Mischpräparate, teils mit einer zweiten Isoform (m-Synephrin) oder mit Methyl-Synephrin-Hydrochlorid statt p-Synephrin
- Übliche Studiendosis
- Synephrin 6 bis 214 mg pro Tag beziehungsweise 1 bis 3 mg pro Kilogramm Körpergewicht als Akutdosis, häufig zusammen mit Koffein
- Verträglichkeit
- Siehe Abschnitt Sicherheit und Wechselwirkungen. Einzeldosen im Bereich von 27 bis 54 mg Synephrin zeigten in kontrollierten Studien uneinheitliche, meist kleine Effekte auf Blutdruck und Herzfrequenz, eine Meta-Analyse fand für längere Einnahme über mehrere Wochen einen statistisch gesicherten Anstieg von systolischem und diastolischem Blutdruck. Für Citrus aurantium und Synephrin liegt keine nach EU-Verordnung 432/2012 zugelassene gesundheitsbezogene Angabe vor
Was diesem Stoff zugesprochen wird
Was die Studien hergeben.
Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.
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01
Körpergewicht und Fettmasse (Gewichtsabnahme), die verbreitetste Zuschreibung, in den drei vorliegenden kontrollierten Studien ohne gesicherten Vorteil gegenüber Placebo
Nicht bestätigtEinordnung und Einschränkungen
Eine frühe systematische Übersicht fand 2004 nur eine einzige plazebokontrollierte randomisierte Humanstudie zu Citrus aurantium bei Gewichtsabnahme (n gleich 20, 6 Wochen) und darin keinen statistisch gesicherten Nutzen gegenüber Placebo [1]. Diese eine Studie stimmt in Umfang und Dauer mit der Arbeit von Colker aus dem Jahr 1999 überein, die laut Volltext auch in der neueren Meta-Analyse zu deren 3 Gewichtsstudien zählt. Die beiden Übersichten sind damit kein doppelter Beleg, sondern eine kleinere und eine größere Auswertung über weitgehend denselben Bestand [1, 2]. Die Meta-Analyse wertete 18 plazebokontrollierte Humanstudien zu p-Synephrin mit zusammen 341 Teilnehmenden aus. Laut Volltext (Abschnitt Ergebnisse, das Abstract nennt nur den nicht signifikanten Gesamtbefund ohne Zahlenwerte) betrafen davon nur 3 Studien mit zusammen 94 Teilnehmenden die Gewichtsabnahme selbst, bei täglichen Dosen von 10 bis 54 mg Synephrin über 42 bis 56 Tage. Gegenüber Placebo bestand kein statistisch gesicherter Unterschied im Körpergewicht (mittlere Differenz 0,60 kg, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 5,62 bis 6,83, p gleich 0,85) und kein statistisch gesicherter Unterschied beim Körperfettanteil (minus 1,87 Prozentpunkte, 95-Prozent-KI minus 3,92 bis 0,18, p gleich 0,07), bei Fettmasse und fettfreier Masse ebenfalls kein Effekt [2]. Das Intervall für das Körpergewicht ist mit minus 5,62 bis 6,83 kg zu weit, um einen kleinen Effekt in die eine oder andere Richtung zu zeigen oder zu widerlegen. Alle 3 dieser Studien enthielten laut Volltext zusätzlich ein Trainingsprogramm, 2 davon auch eine Ernährungsumstellung, und mindestens 2 der 3 prüften ein Mehrfachpräparat mit Koffein statt des Extrakts allein [2]. Von den 18 eingeschlossenen Studien insgesamt prüften laut Volltext nur 6 isoliertes p-Synephrin, die übrigen setzten unterschiedlich standardisierte Extrakte oder Mischpräparate mit anderen Wirkstoffen ein [2]. Zur Gewichtsabnahme tragen in dieser Meta-Analyse nur die genannten drei Studien bei. Die übrigen Studien untersuchten andere Endpunkte und verstärken den Gewichtsbeleg deshalb nicht. Eine kleine randomisierte Pilotstudie prüfte ein Citrus-aurantium-Präparat über 8 Wochen gegen Placebo und fand keine Abnahme, sondern eine Zunahme des Körpergewichts in der Verumgruppe (plus 1,13 plus/minus 0,27 kg gegenüber plus 0,09 plus/minus 0,28 kg unter Placebo, p kleiner 0,04, n gleich 8), bei unverändertem Ergebnis für Körperzusammensetzung und Taillenumfang [25]. Eine randomisierte Studie an übergewichtigen Erwachsenen unter Diät und Trainingsprogramm verglich zusätzlich ein Mehrfachpräparat aus Himbeerketon, Capsaicin, Koffein, Knoblauch und Citrus aurantium gegen Placebo. Körpergewicht, Fettmasse und Körperfettanteil sanken laut Abstract in beiden Gruppen (Placebo plus Diät/Training gegenüber Verum plus Diät/Training) statistisch gesichert von Woche 4 zu Woche 8, ein Unterschied zwischen den beiden Gruppen wird für diese drei Größen im Abstract nicht berichtet; unterschiedlich zwischen den Gruppen zeigten sich nur die fettfreie Masse bei Männern, der Hüftumfang bei Frauen sowie Leptin und Adiponectin, jeweils zugunsten der Verum-Gruppe. Da Citrus aurantium hier nur einer von fünf Wirkstoffen war, lässt sich auch dieser Unterschied nicht dem Bitterorangen-Extrakt allein zurechnen [27]. Keine der drei Studien, die zur Gewichtsabnahme beitragen, gibt für ihren Nullbefund ein Konfidenzintervall an. Wie groß ein übersehener Effekt noch sein könnte, lässt sich daraus nicht beziffern. Der geprüfte Nullbefund selbst bleibt davon unberührt.
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02
Energieverbrauch in Ruhe und während körperlicher Belastung, in den vorliegenden kontrollierten Studien kein Unterschied zu Placebo
Nicht bestätigtEinordnung und Einschränkungen
Mehrere kleine, überwiegend von derselben spanischen Arbeitsgruppe durchgeführte randomisierte Cross-over-Studien prüften isoliertes p-Synephrin (1 bis 3 mg pro Kilogramm Körpergewicht) gegen Placebo per indirekter Kalorimetrie und fanden durchgehend keinen statistisch gesicherten Unterschied im Energieverbrauch: weder in Ruhe (1,6 plus/minus 0,3 gegenüber 1,6 plus/minus 0,3 kcal pro Minute, p gleich 0,69, n gleich 18) [16], noch bei keiner von drei geprüften Dosen während eines Stufentests (n gleich 17) [17], noch bei 1 Stunde Radfahren an der Intensität mit maximaler Fettverbrennung (698 plus/minus 129 gegenüber 686 plus/minus 123 kcal, p gleich 0,08, n gleich 14) [18], noch bei Profi-Radfahrern während eines Stufentests (p gleich 0,40, n gleich 15) [19], noch in einer eigens an Frauen wiederholten Version desselben Stufentests (p gleich 0,833, n gleich 18) [20], noch in Kombination mit Koffein (weder Koffein noch p-Synephrin noch die Kombination veränderten den Gesamtenergieverbrauch, n gleich 13) [21]. Eine unabhängige britische Studie an übergewichtigen Männern mit einem Kombinationspräparat aus Bitterorange (6 mg Synephrin), Grüntee (150 mg Catechine) und Guarana (150 mg Koffein) fand ebenfalls keinen Effekt auf die gesamte ATP-Produktion, weder in 7 Stunden Ruhe noch bei 60 Minuten Gehen auf dem Laufband, bei einer Verschiebung von Fett- zu Kohlenhydratverbrennung (n gleich 10 pro Teilstudie) [24]. Eine ältere US-amerikanische Pilotstudie mit einem im Abstract als 'citrus aurantium (herbal phenylephrine)' bezeichneten Präparat fand dagegen in einer ersten Teilstudie (n gleich 8) einen größeren Anstieg des Ruheenergieumsatzes gegenüber Placebo, der jedoch bei erneuter Messung nach 8 Wochen nicht mehr bestand, und in einer zweiten Teilstudie mit dem isolierten Alkaloid Phenylephrin (n gleich 20) einen über 8 Wochen anhaltend größeren Anstieg des Ruheenergieumsatzes; die Abgrenzung des dort verwendeten Wirkstoffs zu p-Synephrin bleibt im Abstract unklar [25]. Keine dieser Arbeiten gibt für den Nullbefund ein Konfidenzintervall an, der Restvorbehalt bleibt deshalb benannt. Fast alle Studien mit Nullbefund stammen aus derselben spanischen Arbeitsgruppe mit ähnlichem Studiendesign.
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03
Fettoxidationsrate während Ausdauerbelastung (Laborwert der Substratverwertung, kein gemessener Gewichts- oder Fettverlust)
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Dieselbe spanische Arbeitsgruppe fand in mehreren Studien mit isoliertem p-Synephrin (1 bis 3 mg pro Kilogramm) eine gegenüber Placebo erhöhte maximale Fettoxidationsrate während submaximaler Ausdauerbelastung, von 0,29 auf 0,40 g pro Minute (p gleich 0,01, n gleich 18) [16], dosisabhängig stärker bei 2 und 3 mg pro Kilogramm als bei 1 mg pro Kilogramm (n gleich 17) [17], von 33,6 auf 37,3 g über 1 Stunde Radfahren (p kleiner 0,01, n gleich 14) [18], sowie als nach oben verschobene Fettoxidations-Belastungs-Kurve bei Profi-Radfahrern (p gleich 0,04, n gleich 15) [19]. In Kombination mit Koffein war der Effekt auf die maximale Fettoxidationsrate nicht größer als unter Koffein oder p-Synephrin allein (n gleich 13) [21]. Eine zweite, US-amerikanische Arbeitsgruppe fand mit 100 mg isoliertem p-Synephrin ebenfalls eine gegenüber Placebo erhöhte Fettoxidation in der Erholungsphase nach dem Krafttraining; eine erhöhte Herzfrequenz während der Belastung trat dabei nur auf, wenn zusätzlich 100 mg Koffein gegeben wurden, nicht unter p-Synephrin allein (n gleich 12). Als unabhängig kann diese Arbeit nicht gelten, denn zu ihren Mitautoren zählt Sidney J. Stohs, dessen Rolle als Fürsprecher der Sicherheit von Synephrin in der Wirkungszeile zu Blutdruck und Herzfrequenz belegt ist [23]. Eine eigens an Frauen durchgeführte Wiederholung derselben spanischen Studienreihe fand dagegen keinen statistisch gesicherten Unterschied in der Fettoxidationsrate während der Belastung (0,26 plus/minus 0,10 gegenüber 0,28 plus/minus 0,08 g pro Minute, p gleich 0,449, n gleich 18) [20]. Keine der Arbeiten misst Körpergewicht oder Körperfett, sondern ausschließlich die Substratverwertung während eines einzelnen Belastungstests. Damit stammt jeder positive Befund entweder aus der spanischen Arbeitsgruppe selbst oder aus einer Arbeit mit einem Mitautor, der die Sicherheit des Stoffs öffentlich vertritt, und die einzige Wiederholung an Frauen fällt negativ aus [20].
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04
Sportliche Leistungsfähigkeit (Sprint, Maximalkraft, anaerobe Kapazität), in den vorliegenden Studien kein Zusatznutzen
Nicht bestätigtEinordnung und Einschränkungen
Eine randomisierte Akutstudie an 25 gesunden, freizeitsportlich aktiven Erwachsenen verglich ein koffeinhaltiges Pre-Workout-Präparat (284 mg Koffein plus weitere Wirkstoffe) mit und ohne Zusatz von 20 mg Synephrin aus einem auf 30 Prozent Synephrin standardisierten Bitterorangen-Extrakt: Bankdruck- und Beinpress-Trainingsvolumen sowie die anaerobe Wingate-Sprintleistung unterschieden sich zwischen den Präparate-Varianten nicht statistisch gesichert, die Werte mit Synephrin-Zusatz lagen an keinem Messzeitpunkt über denen ohne [14]. Dieselbe Arbeitsgruppe wiederholte den Vergleich über 8 Wochen Krafttraining an 80 trainierten Männern mit demselben, auf 30 Prozent standardisierten Extrakt und derselben Dosis von 20 mg Synephrin: Körperzusammensetzung, Ruheherzfrequenz und Ruheblutdruck, Maximalkraft (Bankdruck, Beinpresse) und anaerobe Sprintkapazität unterschieden sich am Ende zwischen den Gruppen mit und ohne Synephrin nicht mehr statistisch gesichert; die Autoren schreiben ausdrücklich, der Zusatz von Synephrin habe keinen zusätzlichen Trainingsnutzen gebracht [15]. Eine unabhängige spanische Studie an 13 erfahrenen Sprintern fand nach akuter Einnahme von 3 mg pro Kilogramm isoliertem p-Synephrin keine Veränderung bei Sprunghöhe (Squat Jump, Countermovement Jump), Sprungserien oder der Maximalgeschwindigkeit über 60 und 100 Meter gegenüber Placebo; auch die Häufigkeit von Kopfschmerz, Magen-Darm-Beschwerden, Muskelschmerz oder Schlaflosigkeit unterschied sich nicht [22]. Alle drei Studien geben im Abstract keine Konfidenzintervalle für die Nullbefunde an, der Restvorbehalt bleibt deshalb benannt.
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05
Appetitzügelung, in einer kleinen Pilotstudie kein Unterschied bei Nahrungsaufnahme oder Hungergefühl
Nicht bestätigtEinordnung und Einschränkungen
Eine kleine US-amerikanische Pilotstudie (Teilstudie 1, n gleich 8, randomisiert gegen Placebo) an gesunden Erwachsenen mit einem Body-Mass-Index zwischen 25 und 40 verglich ein im Abstract als 'citrus aurantium (herbal phenylephrine)' bezeichnetes Präparat gegen Placebo und maß nach 2 Wochen zusätzlich Nahrungsaufnahme und Hungerempfinden; das Abstract berichtet dafür keinen Unterschied zwischen den Gruppen, ohne Zahlenwerte oder Konfidenzintervall zu nennen. Der eingesetzte Wirkstoff wird im Abstract als Phenylephrin bezeichnet, die Abgrenzung zu p-Synephrin bleibt unklar [25]. Wegen der geringen Teilnehmerzahl und der fehlenden quantitativen Angaben ist dieser Nullbefund nur schwach abgesichert.
Quellen: 25
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06
Blutdruck und Herzfrequenz steigen an, ein unerwünschter Stimulanzeffekt und kein Nutzen für den Kreislauf
BelegtEinordnung und Einschränkungen
Die größte vorliegende Meta-Analyse wertete 18 plazebokontrollierte Humanstudien mit isoliertem p-Synephrin oder standardisierten Bitterorangen-Extrakten aus (341 Teilnehmende insgesamt, Dosen von 6 bis 214 mg Synephrin pro Tag laut Volltext). Bei mehrwöchiger Einnahme (56 bis 60 Tage, 10 bis 49 mg Synephrin pro Tag laut Volltext) stiegen sowohl der systolische Blutdruck (6,37 mmHg, 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,02 bis 11,72, p gleich 0,02) als auch der diastolische Blutdruck (4,33 mmHg, 95-Prozent-KI 0,48 bis 8,18, p gleich 0,03) gegenüber Placebo statistisch gesichert an. Dieser Anstieg ist der einzige statistisch gesicherte Gruppenunterschied der ganzen Meta-Analyse und stammt laut Volltext aus nur 2 der 18 Studien mit zusammen 75 Teilnehmenden. In der einen dieser 2 Studien wurde das Synephrin zusätzlich zu 284 mg Koffein und weiteren Wirkstoffen gegen ein reines Placebo geprüft, sie ist im Eintrag als [15] gesondert zitiert und berichtet für sich genommen keinen Unterschied bei Ruhepuls und Ruheblutdruck; die andere ist eine 60-Tage-Sicherheitsstudie mit 49 mg p-Synephrin täglich, die für sich genommen ebenfalls keine Veränderung von systolischem oder diastolischem Blutdruck fand. Die Meta-Analyse vergleicht dabei Endwerte mit Endwerten, nicht Veränderungen mit Veränderungen. An allen fünf akut gemessenen Zeitpunkten blieb der systolische Blutdruck ohne statistisch gesicherten Unterschied zu Placebo, ebenso die Herzfrequenz an allen sechs Zeitpunkten; am größten war der Unterschied bei der Herzfrequenz 3 Stunden nach akuter Einnahme von 60 bis 180 mg Synephrin mit 3,48 Schlägen pro Minute (95-Prozent-KI minus 0,33 bis 7,29, p gleich 0,07, 4 Studien, 43 Teilnehmende) [2]. Die Stufe trägt deshalb nicht die Meta-Analyse, sondern der direkte Einzelnachweis an koffeinfreien Zubereitungen. Eine Einzeldosis eines auf 6 Prozent Synephrin standardisierten Extrakts ohne Koffein (900 mg, also 54 mg Synephrin) erhöhte systolischen Blutdruck (Spitzenunterschied 7,3 plus/minus 4,6 mmHg), diastolischen Blutdruck (2,6 plus/minus 3,8 mmHg) und Herzfrequenz (4,2 plus/minus 4,5 Schläge pro Minute) gegenüber Placebo über 5 Stunden statistisch gesichert (n gleich 15) [4]. Ein isolierter Bitterorangen-Extrakt mit 46,9 mg Synephrin ohne Koffein (Präparat Advantra Z) veränderte den Blutdruck gegenüber Placebo nicht, erhöhte aber die Herzfrequenz um 11,4 Schläge pro Minute (p gleich 0,031); ein Mehrfachpräparat mit nur 5,5 mg Synephrin, aber zusätzlichem Koffein, erhöhte sowohl Blutdruck (9,6 beziehungsweise 9,1 mmHg) als auch Herzfrequenz (16,7 Schläge pro Minute) deutlich stärker (n gleich 10); die Autoren führen den Blutdruckanstieg deshalb ausdrücklich auf das Koffein und die übrigen Stimulanzien des Mehrfachpräparats zurück und nicht auf Citrus aurantium allein [3]. Zwei weitere Akutstudien fanden keine Veränderung. Eine Einzeldosis Bitterorangen-Extrakt mit 49 mg p-Synephrin zeigte über 8 Stunden keine statistisch gesicherte Veränderung von Herzfrequenz, systolischem Blutdruck, Blutbild oder Blutchemie, nur eine kleine (4,5 mmHg) Abnahme des diastolischen Blutdrucks nach 60 Minuten (n gleich 18); einer der drei Autoren, Sidney J. Stohs, vertritt laut einer späteren Übersicht der Fallberichte in mehreren weiteren Arbeiten aktiv die Sicherheit von Synephrin [5, 8]. Eine Einzeldosis von 450 mg Extrakt (27 mg Synephrin) veränderte weder das QTc-Intervall noch den Blutdruck gegenüber Placebo (n gleich 18) [6]. Diese Akutstudien [4], [5] und [6] sind zugleich Teil der Meta-Analyse [2] und kein von ihr unabhängiger Bestand. Zwei länger laufende Studien, die den Extrakt ausdrücklich in Kombination mit Koffein prüfen, fanden keinen zusätzlichen kardiovaskulären Effekt der Synephrin-Zugabe. Weder akut (25 Teilnehmende) noch nach 8 Wochen (80 Teilnehmende) unterschieden sich Herzfrequenz, Blutdruck oder EKG zwischen einem koffeinhaltigen Pre-Workout-Präparat mit und ohne zusätzliche 20 mg Synephrin aus einem auf 30 Prozent standardisierten Extrakt statistisch gesichert. Auch diese beiden Studien sind in der Meta-Analyse enthalten und keine unabhängige Gegenprobe zu ihr, und beide wurden laut Volltext vom Hersteller des geprüften Pre-Workout-Präparats (Nutrabolt) finanziert, dessen Leiter der klinischen Forschung an Planung, Auswertung und Deutung beteiligt war und als Mitautor zeichnet; der Bitterorangen-Extrakt stammte von Nutratech [14, 15]. Eine weitere Studie mit 100 mg isoliertem p-Synephrin fand einen Anstieg der Herzfrequenz während Krafttraining nur, wenn gleichzeitig 100 mg Koffein gegeben wurden, nicht unter p-Synephrin allein (n gleich 12) [23]. Die beschriebenen Anstiege sind ein Schadenssignal und kein Nutzen für den Kreislauf. Die Befunde verlaufen jedoch nicht ausschließlich nach oben: Die Studie mit 49 mg p-Synephrin berichtete nach 60 Minuten einen kleinen Rückgang des diastolischen Blutdrucks.
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07
Entzündungshemmung und antioxidative Wirkung (zugeschrieben den Flavonoiden Hesperidin und Naringin)
Nur Labor und TierEinordnung und Einschränkungen
Dem Bitterorangen-Extrakt werden verbreitet entzündungshemmende und antioxidative Eigenschaften über die Flavonoide Hesperidin und Naringin zugeschrieben. Eine Zellkulturstudie mit aus koreanischem Citrus aurantium isolierten Flavonoiden fand in mit Lipopolysaccharid gereizten Skelettmuskelzellen (L6-Zelllinie, Ratte) eine verminderte Produktion mehrerer Entzündungsmarker (induzierbare NO-Synthase, Cyclooxygenase-2, Interleukin-6, Tumornekrosefaktor Alpha) über eine Hemmung der NF-kB- und MAPK-Signalwege [28]. Diese und weitere bei der Recherche gefundene Arbeiten zu Citrus-aurantium-Flavonoiden sind ausschließlich Zellkultur- oder Tiermodelle zu isolierten Flavonoiden oder zum ätherischen Oel, keine davon prüft den auf Synephrin standardisierten Extrakt, wie er in Nahrungsergänzungsmitteln verwendet wird; der Flavonoidgehalt eines auf Synephrin standardisierten Extrakts ist nicht zwangsläufig derselbe wie der eines eigens auf Flavonoide standardisierten Präparats. Eine Humanstudie zu dieser Wirkung wurde bei der Recherche nicht gefunden.
Quellen: 28
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08
Verdauung und Magen-Darm-Funktion (traditioneller Gebrauch)
Nur Labor und TierEinordnung und Einschränkungen
Traditionell wird Bitterorange zur Unterstützung der Verdauung genutzt, meist als Tee, Bitterstoff-Zubereitung oder Fruchtschale, nicht als der hier besprochene, auf Synephrin standardisierte Extrakt. Eine chinesische Laborarbeit untersuchte Pektin aus der Bitterorangen-Unterart Changshanhuyou in einem simulierten Darmfermentationsmodell (In-vitro-Fermentation menschlicher Stuhlproben) und fand eine Zunahme kurzkettiger Fettsäuren sowie eine Verschiebung der Bakterienzusammensetzung zugunsten von Bifidobacterium, Lactobacillus und weiteren als günstig geltenden Gattungen [29]. Diese Arbeit betrifft Pektin, einen Ballaststoff aus der Fruchtschale, nicht den synephrinhaltigen Extrakt, ist ein reines In-vitro-Modell ohne lebende Tiere oder Menschen, und stammt von einer anderen Unterart der Bitterorange. Für den tatsächlich in Nahrungsergänzungsmitteln verwendeten, auf Synephrin standardisierten Extrakt wurde weder eine Human- noch eine Tierstudie zur Verdauung gefunden.
Quellen: 29
Studien im Detail
Gewichtsabnahme und Körperzusammensetzung
Die Studienlage zur namensgebenden Zuschreibung ist dünn und alt. Die einzige von einer frühen systematischen Übersicht (2004) gefundene plazebokontrollierte Studie hatte nur 20 Teilnehmende und 6 Wochen Dauer, ohne gesicherten Effekt [1]. Die aktuellere, deutlich größere Meta-Analyse aus 2022 fasst zwar 18 Studien mit 341 Teilnehmenden zusammen, doch nur 3 dieser Studien (94 Teilnehmende) massen tatsächlich Körpergewicht, bei Dosen von 10 bis 54 mg Synephrin pro Tag über 42 bis 56 Tage. Weder Körpergewicht noch Körperfettanteil, Fettmasse oder fettfreie Masse unterschieden sich am Ende statistisch gesichert von Placebo [2]. Eine Studie an einem Mehrfachpräparat mit Citrus aurantium als einem von fünf Wirkstoffen zeigte zwar Verbesserungen bei Adipokinen und teils bei Körperzusammensetzung, aber im direkten Vergleich zur Placebo-plus-Diät-Gruppe keinen klar berichteten Zusatznutzen bei Gewicht oder Fettmasse selbst, und ist wegen der Vielzahl an Wirkstoffen ohnehin nicht dem Bitterorangen-Extrakt zuzuschreiben [27].
Energieverbrauch und Fettoxidation
Hier zeigt sich ein wichtiger Unterschied zwischen zwei Messgrößen, die im Marketing oft vermischt werden. Der Gesamt-Energieverbrauch (wie viele Kalorien insgesamt verbrannt werden) ändert sich in praktisch allen kontrollierten Studien nicht, weder in Ruhe noch während Belastung [16, 17, 18, 19, 20, 21, 24]. Die Fettoxidationsrate (welcher Anteil der verbrannten Energie aus Fett statt Kohlenhydraten stammt) steigt dagegen in mehreren, überwiegend von derselben spanischen Arbeitsgruppe durchgeführten Studien bei isoliertem p-Synephrin während submaximaler Ausdauerbelastung leicht an [16, 17, 18, 19]. Das ist ein Verschiebungseffekt innerhalb eines unveränderten Gesamtverbrauchs, kein zusätzlich verbrannter Kalorienwert, und es wurde in keiner der Arbeiten mit einer tatsächlichen Aenderung von Körpergewicht oder Körperfett in Verbindung gebracht. Eine eigens an Frauen wiederholte Studie derselben Gruppe fand diesen Effekt nicht [20], eine andere Arbeitsgruppe fand ihn in der Erholungsphase nach dem Training sowohl unter p-Synephrin allein als auch zusammen mit Koffein. Die Herzfrequenz während des Trainings stieg dagegen nur mit zusätzlichem Koffein [23].
Sportliche Leistungsfähigkeit
Zwei randomisierte Studien derselben texanischen Arbeitsgruppe, akut an 25 und über 8 Wochen an 80 Teilnehmenden, prüften gezielt, ob 20 mg Synephrin aus einem auf 30 Prozent standardisierten Extrakt einem koffeinhaltigen Pre-Workout-Präparat einen Zusatznutzen bei Kraft- und Sprintleistung verschafft. In beiden Studien: nein [14, 15]. Eine unabhängige spanische Studie an Sprintern fand auch bei höherer Dosis (3 mg pro Kilogramm) keine Verbesserung von Sprung- oder Sprintleistung [22].
Blutdruck und Herzfrequenz
Dies ist die am besten untersuchte und zugleich am meisten diskutierte Wirkung des Stoffs, siehe dazu ausführlich die Wirkungszeile und den Abschnitt Sicherheit und Wechselwirkungen. Kurz zusammengefasst. Einzeldosen zeigen ein uneinheitliches Bild je nach Präparat und Studiendesign, ein koffeinfreier Extrakt erhöhte Blutdruck und Herzfrequenz über 5 Stunden gegenüber Placebo [4]. Für die längere Einnahme nennt die größte verfügbare Meta-Analyse einen moderaten Anstieg von systolischem und diastolischem Blutdruck, der aber nur aus 2 ihrer 18 Studien mit zusammen 75 Teilnehmenden stammt [2]. Die Studie mit 49 mg p-Synephrin berichtete allerdings nach 60 Minuten einen kleinen Rückgang des diastolischen Blutdrucks; die Richtung ist somit nicht in allen Studien einheitlich.
Tier- und Laborstudien
Getrennter Block, aus dem keine Aussage für Menschen folgt.
Die deutsche Risikobewertung von 2017 fasst zusammen, dass oral gegebenes Synephrin in Tierstudien adrenerge Effekte auf das Herz-Kreislauf-System auslöst, darunter Blutdruckanstieg und ventrikuläre Herzrhythmusstörungen, und dass diese Effekte durch gleichzeitige Koffeingabe und körperliche Belastung verstärkt wurden [7]. Eine Zellkulturstudie mit aus Citrus aurantium isolierten Flavonoiden fand in gereizten Skelettmuskelzellen der Ratte eine verminderte Produktion mehrerer Entzündungsmarker [28]. Eine Laborarbeit zu Pektin aus einer Bitterorangen-Unterart fand in einem simulierten Darmfermentationsmodell mit menschlichen Stuhlproben eine Verschiebung der Bakterienzusammensetzung zugunsten von Gattungen, die als günstig gelten [29]. Keine dieser drei Arbeiten prüft den auf Synephrin standardisierten Extrakt, wie er in Nahrungsergänzungsmitteln verwendet wird, und keine erlaubt eine Aussage darüber, was beim Menschen nach oraler Einnahme des Extrakts geschieht.
Sicherheit und Wechselwirkungen
Kontrollierte Humanstudien. Der belastbarste Einzelbefund ist eine Akutstudie an einem koffeinfreien Extrakt. Eine Einzeldosis eines auf 6 Prozent standardisierten Extrakts (54 mg Synephrin) erhöhte systolischen und diastolischen Blutdruck sowie die Herzfrequenz über 5 Stunden gegenüber Placebo statistisch gesichert (n gleich 15) [4]. Die Meta-Analyse von 18 plazebokontrollierten Studien nennt für mehrwöchige Einnahme ebenfalls einen statistisch gesicherten Anstieg von systolischem und diastolischem Blutdruck. Dieser Teilbefund stützt sich jedoch nur auf 2 der 18 Studien mit zusammen 75 Teilnehmenden, die beide für sich genommen keinen Blutdruckunterschied berichten, und an allen akut gemessenen Zeitpunkten blieb der Unterschied zu Placebo bei Blutdruck wie Herzfrequenz ohne statistische Sicherung [2]. Einzelne Akutstudien zu isoliertem p-Synephrin oder unterschiedlich standardisierten Extrakten kommen für sich genommen zu unterschiedlichen Ergebnissen, von keiner messbaren Veränderung [5, 6] bis zu einem deutlichen Anstieg von Blutdruck und Herzfrequenz [3, 4]. Zwei Studien, die den Extrakt ausdrücklich in Kombination mit einer hohen Koffeindosis (284 mg) prüften, fanden dabei keinen zusätzlichen kardiovaskulären Effekt der Synephrin-Zugabe gegenüber dem koffeinhaltigen Präparat allein [14, 15]; eine dritte Studie mit niedriger dosiertem Koffein (100 mg) fand dagegen einen Anstieg der Herzfrequenz nur in der Kombination, nicht unter Synephrin allein [23]. Diese uneinheitlichen Befunde zur Akutwirkung stehen nicht im Widerspruch zur oben genannten Meta-Analyse, sie sind Teil der Studien, aus denen sich deren Gesamtergebnis zusammensetzt [2]. Ausführliche Zahlen und Quellen zu allen genannten Studien stehen in der Wirkungszeile Blutdruck und Herzfrequenz oben.
Behördliche Bewertung. Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) veröffentlichte 2017 eine Risikobewertung zu Synephrin in Nahrungsergänzungsmitteln. Ihr zufolge ist der Verzehr hoher Synephrin-Mengen, besonders in Kombination mit Koffein und körperlicher Belastung, mit einem erhöhten Risiko unerwünschter Herz-Kreislauf-Wirkungen verbunden; die tägliche Zufuhr über Nahrungsergänzungsmittel solle die mittlere Zufuhr aus herkömmlichen Lebensmitteln nicht übersteigen [7]. Einen konkreten Milligramm-Grenzwert nennt das verfügbare Abstract nicht, die Auswertung stützt sich hier auf das Abstract. Die Arbeit ist von 2017 und damit knapp neun Jahre alt; bei der Recherche fand sich keine neuere behördliche Neubewertung, die diese Einschätzung revidiert oder aktualisiert.
Fallberichte. Eine Übersicht von 2023 sammelte 30 veröffentlichte Fallberichte zu 35 Patientinnen und Patienten mit unerwünschten Ereignissen nach Einnahme synephrinhaltiger Präparate, meist mit Brustschmerz, Herzklopfen, Ohnmacht oder Schwindel, häufigste Diagnosen waren ischämische Herzerkrankungen, Herzrhythmusstörungen und Schlaganfall-nahe Ereignisse; 5 der 35 blieben nach im Mittel rund 23 Wochen Nachbeobachtung dauerhaft beeinträchtigt oder auf Medikamente angewiesen. Laut Volltext enthielt keiner der Fälle Synephrin als einzigen Wirkstoff, und bei den 20 Personen mit einer Herz-Kreislauf-Diagnose hatten 16 (80 Prozent) zusätzlich Koffein eingenommen; die Autoren betonen selbst, der Anteil von Synephrin am beobachteten Risiko lasse sich wegen dieser Vermischung mit Koffein und weiteren Substanzen nicht sauber isolieren [8]. Zwei einzelne Fallberichte beschreiben je eine Person mit Herzinfarkt nach Einnahme eines synephrinhaltigen Mehrfachpräparats: einmal ein 22-jähriger Mann, der zusätzlich eine 1,3-Dimethylamylamin-haltige Substanz einnahm [9], einmal eine 55-jährige Frau mit zuvor unentdeckter Koronarerkrankung, deren Autoren die Verbindung selbst nur als "möglich" nach der Naranjo-Skala einstufen [10]. Fallberichte zeigen, dass ein zeitlicher Zusammenhang zwischen Einnahme und Ereignis existiert, sie beweisen wegen fehlender Kontrollgruppe und selektiver Veröffentlichung schwerwiegender Fälle keine Ursache und tragen deshalb keine eigene Wirkungszeile. Eine multizentrische Auswertung europäischer Giftinformationszentren führte Citrus aurantium unter den 10 am häufigsten gemeldeten Pflanzen bei insgesamt 75 erfassten Fällen zu allen untersuchten Pflanzen zusammen, ohne im Abstract eine auf Citrus aurantium beschränkte Fallzahl zu nennen [13].
Kombination mit Koffein. Die Datenlage dazu ist selbst nicht einheitlich: Die kontrollierten Studien mit klar dosiertem Koffein (100 bis 284 mg) und Synephrin (20 bis 100 mg) fanden überwiegend keinen zusätzlichen kardiovaskulären Effekt der Synephrin-Zugabe [14, 15, 23], während die behördliche Risikobewertung [7] und die Fallberichte [8], in denen die tatsächlich eingenommenen Dosen meist nicht bekannt sind, die Kombination als zusätzlichen Risikofaktor benennen. Ein möglicher Grund für den Unterschied: Kontrollierte Studien testen definierte, meist moderate Dosen unter Aufsicht, während Fallberichte unkontrollierten Konsum mit unbekannter, teils wiederholt gesteigerter Dosis und unbekannten Vorerkrankungen abbilden [8]. Eine ältere US-amerikanische Studie zu einem im Handel befindlichen Mehrfachpräparat mit Synephrin, Yohimbin, Koffein, Phenylethylamin und weiteren stimulierenden Stoffen (Handelsname Meltdown) fand nach einer Einzeldosis einen statistisch gesicherten Anstieg von systolischem und diastolischem Blutdruck (1 bis 16 mmHg) und Herzfrequenz (1 bis 9 Schlägen pro Minute) gegenüber Placebo (n gleich 20). Weil das Präparat mehrere Wirkstoffe gleichzeitig enthielt, lässt sich dieser Anstieg nicht dem Synephrin allein zuordnen, er zeigt aber, wie deutlich sich die Werte in einem realitätsnahen Mehrfachpräparat verändern können [26].
Wechselwirkungen. Zu Sevilla-Orangensaft, der reich an Synephrin und Octopamin ist, empfiehlt eine Studie aus dem Jahr 2001, ihn bei schwerer Hypertonie, tachykarden Herzrhythmusstörungen, Engwinkelglaukom, der Einnahme von MAO-Hemmern sowie abschwellenden Erkältungsmitteln zu meiden [12]. Zur Wechselwirkung über das Enzym CYP3A4, wie sie von Grapefruit bekannt ist, fand eine kleine Studie an 12 gesunden Erwachsenen nach 28 Tagen Einnahme eines Citrus-aurantium-Präparats keinen statistisch gesicherten Einfluss auf CYP1A2, CYP2D6, CYP2E1 oder CYP3A4, und das geprüfte Präparat enthielt laut Abstract nicht den bei Grapefruit für die CYP3A4-Hemmung verantwortlichen Stoff 6',7'-Dihydroxybergamottin [11]. Die Datenlage zu dieser Wechselwirkung ist damit deutlich schmaler als bei Grapefruit und beruht auf einer einzelnen kleinen Studie.
Zugelassene gesundheitsbezogene Angabe. Für Citrus aurantium oder Synephrin ist nach der EU-Verordnung 432/2012, die alle nach Artikel 13 Absatz 3 der Verordnung (EG) 1924/2006 zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben auflistet, keine Angabe zugelassen; weder der Stoff noch die Pflanze kommen im Anhang der Verordnung vor [30]. Pflanzenbezogene Angaben ("Botanicals") wie die zu Citrus aurantium sind laut Erwägungsgrund 10 der Verordnung insgesamt noch nicht abschließend von der EFSA bewertet und stehen seit 2010 auf einer gesonderten, noch offenen Liste, weder zugelassen noch abgelehnt [30]. Der direkte Abruf der EU-Rechtsdatenbank in HTML-Form lieferte keinen Inhalt, die hier zitierte Fassung stammt aus dem PDF-Format derselben Rechtsquelle.
Quellen zum Nachlesen
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Meta-Analyse, 18 plazebokontrollierte RCTs, n gleich 341 insgesamt, Gewichtsabnahme und kardiovaskuläre Parameter · 2022
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Fallbericht, 1 Patient, Kombinationspräparat mit 1,3-Dimethylamylamin und Citrus aurantium · 2014
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Multizentrische Giftinformationszentren-Registerstudie, 75 Fälle zu mehreren Pflanzen, davon Citrus aurantium unter den 10 häufigsten · 2016
Adverse Effects of Plant Food Supplements and Plants Consumed as Food: Results from the Poisons Centres-Based PlantLIBRA Study.
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Effects of ingesting a pre-workout dietary supplement with and without synephrine for 8 weeks on training adaptations in resistance-trained males.
Jung YP, Earnest CP, Koozehchian M, Cho M, Barringer N, Walker D, Rasmussen C, Greenwood M, Murano PS, Kreider RB. J Int Soc Sports Nutr
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Gutiérrez-Hellín J, Aguilar-Navarro M, Ruiz-Moreno C, Muñoz A, Amaro-Gahete FJ, Posada-Ayala M, López-Samanes Á, Del Coso J, Varillas-Delgado D. Nutrients
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The Effects of Supplementation with p-Synephrine Alone and in Combination with Caffeine on Metabolic, Lipolytic, and Cardiovascular Responses during Resistance Exercise.
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Metabolic and physiological effects of ingesting extracts of bitter orange, green tea and guarana at rest and during treadmill walking in overweight males.
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Zur Zuschreibung: 02
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RCT, doppelblind, Crossover, n gleich 20, Mehrfachpräparat mit Synephrin, Yohimbin, Koffein und weiteren Stimulanzien · 2009
Effect of the dietary supplement Meltdown on catecholamine secretion, markers of lipolysis, and metabolic rate in men and women: a randomized, placebo controlled, cross-over study.
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RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, n gleich 36, Mehrfachpräparat (Himbeerketon, Capsaicin, Koffein, Knoblauch, Citrus aurantium) plus Diät und Training · 2018
The Combined Effects of Exercise, Diet, and a Multi-Ingredient Dietary Supplement on Body Composition and Adipokine Changes in Overweight Adults.
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In-vitro-Studie, L6-Skelettmuskelzellen (Ratte) · 2012
Suppressive effect of flavonoids from Korean Citrus aurantium L. on the expression of inflammatory mediators in L6 skeletal muscle cells.
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Zur Zuschreibung: 07
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In-vitro-Studie, simulierte Darmfermentation menschlicher Stuhlproben, Pektin aus einer Bitterorangen-Unterart · 2025
Preparation, physicochemical properties of pectins from Citrus aurantium 'Changshanhuyou' and their modulation on human gut microbiota in vitro.
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Zur Zuschreibung: 08
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Rechtsakt (Liste zulässiger gesundheitsbezogener Angaben nach Artikel 13 Absatz 3 der Verordnung (EG) Nr. 1924/2006), weder Citrus aurantium noch Synephrin in der Liste enthalten · 2012
Verordnung (EU) Nr. 432/2012 zur Festlegung einer Liste zulässiger anderer gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel als Angaben über die Reduzierung eines Krankheitsrisikos sowie die Entwicklung und die Gesundheit von Kindern.
Europäische Kommission. Amtsblatt der Europäischen Union L 136/1
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