Blaubeer-Extrakt
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Pflanzenextrakte
Vaccinium myrtillus / Vaccinium corymbosum / Vaccinium angustifolium · Heidelbeer-Extrakt · Vaccinium myrtillus · Vaccinium corymbosum · Vaccinium angustifolium · bilberry · wild blueberry · highbush blueberry
Auf einen Blick
- Was es ist
- Zubereitung aus der Frucht der Blaubeere. Der deutsche wie der englische Name wird in Handel und Studien uneinheitlich für mehrere verschiedene Vaccinium-Arten mit stark unterschiedlichem Anthocyan-Gehalt verwendet
- Um welche Art es geht
- Unter dem Sammelnamen Blaubeere beziehungsweise Blueberry tauchen in Studien mindestens drei verschiedene Arten auf. Die europäische Heidelbeere (Vaccinium myrtillus), eine kleine Waldbeere mit durchgehend dunkel gefärbtem, anthocyanreichem Fruchtfleisch, in standardisierten Extrakten meist auf 25 Prozent Anthocyanidine eingestellt. Die nordamerikanische Wildheidelbeere (im Handel Wild Blueberry, botanisch meist Vaccinium angustifolium), als Pulver aus der ganzen, kleinen Wildfrucht. Und die großfrüchtige Kulturheidelbeere (Vaccinium corymbosum), die im Supermarkt verkaufte Blaubeere mit hellem Fruchtfleisch und deutlich geringerem, stärker schwankendem Anthocyan-Gehalt. Ein erheblicher Teil der zitierten Arbeiten benennt die geprüfte Art nicht mit ihrem lateinischen Namen, in diesem Eintrag steht bei jeder Quelle, was sich ermitteln ließ
- Herkunft
- Sträucher aus der Gattung Vaccinium. Die europäische Heidelbeere heimisch in Wäldern und Mooren Europas und Nordasiens, die beiden nordamerikanischen Arten heimisch in Nordamerika, wild wachsend oder in Plantagen kultiviert
- Wirkform in Studien
- Sehr uneinheitlich. Standardisierter Trockenextrakt mit definiertem Anthocyanidin-Gehalt bei der europäischen Heidelbeere, ein fermentierter Extrakt in einer Einzelstudie, gefriergetrocknetes Pulver aus der ganzen Frucht oder ein daraus hergestelltes Getränk bei der nordamerikanischen Wildheidelbeere. Mehrere der zitierten Studien wurden vom nordamerikanischen Herstellerverband der Wildheidelbeere (Wild Blueberry Association of North America) finanziert und mit dessen Produkt durchgeführt
- Übliche Studiendosis
- Europäische Heidelbeere 480 Milligramm Trockenextrakt (25 Prozent Anthocyanoside) täglich über 3 Wochen beziehungsweise 400 Milligramm eines fermentierten Extrakts täglich über 1 Monat. Wildheidelbeere 26 Gramm gefriergetrocknetes Pulver (302 Milligramm Anthocyane) täglich über 12 Wochen oder eine Einzeldosis als Getränk, entsprechend etwa einer Tasse frischer Beeren
- Bekannt geworden durch
- Die Legende, britische Kampfpiloten des Zweiten Weltkriegs hätten durch Heidelbeer-Marmelade ihre Nachtsicht verbessert. Neuere, methodisch strenge Studien stützen diese Zuschreibung nicht, siehe unten
- Arzneiliche Einordnung
- Für die frische wie für die getrocknete Frucht der europäischen Heidelbeere (Vaccinium myrtillus) bestehen seit 2015 zwei EU-Kräutermonographien des HMPC, die jeweils ausschließlich ein traditionelles Anwendungsgebiet festlegen, Beschwerden durch leichte Venenzirkulationsstörungen der Beine sowie Kapillarfragilität der Haut, in beiden Fällen höchstens 4 Wochen am Stück. Für die nordamerikanischen Arten (Vaccinium corymbosum, Vaccinium angustifolium) besteht keine eigene Monographie. Eine traditionelle Anwendung beruht ausdrücklich auf langjährigem Gebrauch und nicht auf Studien und ist deshalb keine behördlich gesicherte Wirkung. Die Wirkungen in diesem Eintrag sind unabhängig davon nach der Studienlage eingestuft. Im Register der Europäischen Kommission ist zu Vaccinium myrtillus und Sehvermögen ein Antrag nach Artikel 13 Absatz 1 verzeichnet (Eintrag 1295), der wie alle botanischen Angaben ausgesetzt ist und bislang nicht wissenschaftlich bewertet wurde
- Verträglichkeit
- In den vorliegenden Studien gut vertragen, keine schwerwiegenden Nebenwirkungen berichtet
Was diesem Stoff zugesprochen wird
Was die Studien hergeben.
Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.
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01
Fluss-vermittelte Gefäßerweiterung (FMD) nach Einnahme von Blaubeer-Zubereitungen bei gesunden Erwachsenen, mehrere Studien einer einzigen Forschungsrichtung
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Mehrere kleine Studien einer einzigen Forschungsrichtung zeigen einen Anstieg der Gefäßerweiterungsfähigkeit nach akutem oder mehrwöchigem Verzehr von Blaubeer-Zubereitungen gegenüber einer Kontrolle. Keine der Arbeiten benennt die geprüfte Art mit ihrem lateinischen Namen, eine Studie war vom Herstellerverband finanziert.
Ausführlicher Nachweis
Rodriguez-Mateos und Kollegen zeigten 2013 in zwei randomisierten, kontrollierten, doppelblinden Cross-over-Studien an 21 gesunden Männern, dass die Fluss-vermittelte Gefäßerweiterung (FMD) nach dem Verzehr von Blaubeer-Getränken mit 766 bis 1791 Milligramm Gesamt-Polyphenolen gegenüber einer nährstoffangeglichenen Kontrolle in einem zweiphasigen Muster anstieg, mit einem Anstieg nach 1 bis 2 Stunden und einem zweiten nach 6 Stunden [1]. Zwischen 766 und 1791 Milligramm bestand keine weitere Dosisabhängigkeit, bis 766 Milligramm stieg die FMD nach 1 Stunde dosisabhängig an [1]. Die Autoren führen den Anstieg auf zirkulierende Polyphenol-Stoffwechselprodukte und eine geringere Aktivität der neutrophilen NADPH-Oxidase zurück [1]. Dieselbe Arbeitsgruppe zeigte 2014 an 10 gesunden Freiwilligen in einer weiteren Cross-over-Studie, dass auch verarbeitete, gebackene Produkte mit Blaubeer-Pulver die FMD in ähnlichem Ausmaß steigerten wie ein unverarbeitetes Blaubeer-Getränk, obwohl die Verarbeitung den Anthocyan-Gehalt um 42 Prozent senkte [2]. Wood und Kollegen zeigten 2023 in einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Parallelgruppenstudie an 61 gesunden Menschen zwischen 65 und 80 Jahren, dass 26 Gramm gefriergetrocknetes Wildheidelbeer-Pulver (302 Milligramm Anthocyane) täglich über 12 Wochen die FMD gegenüber einem anthocyanfreien Placebo um 0,86 Prozentpunkte steigerte (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,56 bis 1,17, p kleiner 0,001) [3]. Randomisiert wurden 61 Menschen, in die Auswertung nach 12 Wochen gingen nach Ausschlüssen jedoch nur 27 je Gruppe ein, und die Autoren halten die Studie im Volltext selbst für möglicherweise leicht unterpowert [3]. Keine der drei Arbeiten nennt die geprüfte Vaccinium-Art mit ihrem lateinischen Namen, Wildheidelbeere bezeichnet im Handel meist die nordamerikanische Vaccinium angustifolium, ohne dass die Arbeiten selbst diese Artzuordnung bestätigen. Alle drei Arbeiten stammen aus derselben, sich über die Jahre personell überschneidenden Forschungsrichtung um Rodriguez-Mateos, Williams und Spencer und sind deshalb kein voneinander unabhängiger Beleg, sondern eine fortlaufende Studienreihe eines Labors. Für die Arbeiten von 2013 und 2014 war kein freier Volltext auffindbar, eine Förderangabe lässt sich darüber nicht prüfen. Die Studie von 2023 wurde nach Angabe im freien Volltext durch eine nicht zweckgebundene Zuwendung des nordamerikanischen Wildheidelbeere-Herstellerverbands (Wild Blueberry Association of North America) finanziert, der auch das Prüfpräparat als Sachspende stellte [3].
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02
Ambulanter 24-Stunden-Blutdruck bei älteren gesunden Menschen nach 12 Wochen Wildheidelbeer-Pulver, im Widerspruch zur früheren Einschätzung derselben Forschungsrichtung
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In der einzigen Studie mit dieser Messung sank der ambulante systolische Blutdruck gegenüber Placebo. Dieselbe Forschungsrichtung hatte die Blutdruckwirkung von Blaubeeren 2019 selbst noch als uneinheitlich beschrieben.
Ausführlicher Nachweis
In derselben Studie von Wood und Kollegen 2023 sank der über 24 Stunden gemessene ambulante systolische Blutdruck nach 12 Wochen Wildheidelbeer-Pulver gegenüber Placebo um 3,59 mmHg (95-Prozent-Konfidenzintervall minus 6,95 bis minus 0,23, p gleich 0,037) [3]. Dieselbe Forschungsrichtung hatte 2019 in einer eigenen Übersichtsarbeit zur Herz-Kreislauf-Wirkung von Blaubeeren geschrieben, die Wirkung auf Blutdruck, Gefäßsteifigkeit und Blutfette sei, anders als die Wirkung auf die Fluss-vermittelte Gefäßerweiterung, uneinheitlich, wahrscheinlich wegen unterschiedlicher Studiendauer und Studienpopulationen [4]. Die Studie von 2023 erschien nach dieser Einschätzung und widerspricht ihr für diesen einen Befund, eine neuere Gesamteinschätzung derselben Forschungsrichtung seither war nicht auffindbar. Wie bei der Fluss-vermittelten Gefäßerweiterung ist die geprüfte Vaccinium-Art nicht mit einem lateinischen Namen benannt, und die Studie wurde vom Wildheidelbeere-Herstellerverband finanziert und mit dessen Produkt durchgeführt [3].
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03
Episodisches Gedächtnis, uneinheitlich zwischen unmittelbarem und verzögertem Erinnern, und Aufgabenwechsel-Genauigkeit bei gesunden Erwachsenen mittleren und höheren Alters, Wildheidelbeer-Zubereitungen gegenüber Placebo
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In der wichtigsten Studie besserte sich nur das unmittelbare Erinnern gegenüber Placebo, das verzögerte Erinnern war dagegen unter Placebo besser, was bereits im Ergebnisteil der Erstveröffentlichung stand und nur im Abstract fehlte. Eine Korrektur von 2025 schwächte den dritten Effekt zusätzlich von deutlich auf knapp signifikant ab.
Ausführlicher Nachweis
Wood und Kollegen berichteten 2023 nach 12 Wochen Wildheidelbeer-Pulver gegenüber Placebo eine Besserung des unmittelbaren Erinnerns in einem Hörgedächtnis-Test sowie der Genauigkeit bei einer Aufgabe mit wechselnden Regeln (Task-Switch-Aufgabe), beides mit p kleiner 0,05, ohne dass das Abstract ein Effektmaß mit Konfidenzintervall nennt [3]. Eine 2025 veröffentlichte Korrektur derselben Arbeit, angestoßen von einer externen Arbeitsgruppe für Forschungsintegrität an der Indiana University, benennt die tatsächlichen Werte, unmittelbares Erinnern (R1) p gleich 0,043 zugunsten von Wildheidelbeere, verzögertes Erinnern (R8) p gleich 0,029 zugunsten von Placebo, und Task-Switch-Genauigkeit p gleich 0,049 zugunsten von Wildheidelbeere [11]. Der letzte Wert war schon in der Erstveröffentlichung signifikant, dort allerdings in sich widersprüchlich angegeben mit p gleich 0,029 im Ergebnistext und p gleich 0,026 in der Abbildungsunterschrift [3]. Das Entfernen des übersehenen Ausreißers hat ihn also nicht erst signifikant gemacht, sondern von deutlich auf knapp abgeschwächt [11]. Das schlechtere Abschneiden beim verzögerten Erinnern unter Wildheidelbeere fehlte zwar im ursprünglichen Abstract, stand aber bereits im Ergebnisteil und in der Abbildungsunterschrift der Erstveröffentlichung, dort mit 9,43 gegenüber 7,48 erinnerten Wörtern zugunsten von Placebo [3]. Die Korrektur bestätigt diesen Wert, sie deckt ihn nicht erst auf [11]. Auffällig ist etwas anderes, nämlich dass der Diskussionsteil derselben Arbeit den Befund als fehlenden Unterschied zwischen Wildheidelbeere und Placebo beschreibt und damit dem eigenen Ergebnisteil widerspricht [3]. Die Korrektur ändert außerdem mehrere Tabellenwerte zu den Ausgangsmerkmalen der beiden Gruppen, die Kernbefunde zur Fluss-vermittelten Gefäßerweiterung und zum Blutdruck bestätigt sie dagegen unverändert [11]. Whyte und Kollegen zeigten 2021 in einer randomisierten, doppelblinden Cross-over-Studie an 35 gesunden Erwachsenen zwischen 40 und 65 Jahren, dass nach einer einzelnen Portion eines Wildheidelbeer-Getränks (entsprechend etwa einer Tasse Beeren) im Vergleich zu Placebo die Worterkennungsleistung in einem Hörgedächtnis-Test über den Testtag hinweg stabil blieb, während sie nach Placebo abnahm, und dass bei einer Aufmerksamkeitsaufgabe (Go/No-Go) weniger Fehler bei den anspruchsvollsten Durchgängen auftraten [5]. Nach Einbeziehung von Alter, Body-Mass-Index sowie Blutzucker- und Insulinwerten als Kontrollgrößen schwächte sich der Effekt bei der Worterkennung ab [5]. Beide Studien wurden vom Wildheidelbeere-Herstellerverband (Wild Blueberry Association of North America) finanziert, der auch das Prüfprodukt stellte, bei Whyte 2021 steht das nur im freien Volltext, während das PubMed-Interessenkonflikt-Feld wörtlich keinen Interessenkonflikt der Autoren angibt [5]. Eine Übersichtsarbeit derselben Forschungsrichtung von 2021 (Bell und Williams) beschreibt die kognitive Wirkung von Blaubeeren selbst als klein, aber feststellbar, und benennt weiteren Forschungsbedarf zu den betroffenen kognitiven Bereichen und zur Übertragbarkeit auf den Alltag [6]. Kleine Stichproben, überlappende Autorenschaft, durchgängige Herstellerförderung und eine erst nachträglich vollständig sichtbare, uneinheitliche Befundlage schränken die Aussagekraft ein.
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04
Postprandialer Blutzucker und Insulin nach akuter Einnahme eines Wildheidelbeer-Getränks bei gesunden Erwachsenen mittleren Alters
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In der einzigen gefundenen Studie waren Blutzucker und Insulin in den ersten zwei Stunden nach dem Essen niedriger als nach Placebo. Die Autoren betonen selbst, dass dies den beobachteten kognitiven Effekt nicht erklärte.
Ausführlicher Nachweis
In derselben Studie von Whyte und Kollegen 2021 waren Blutzucker- und Insulinwerte in den ersten 2 Stunden nach dem gemeinsamen Verzehr von Frühstück und Wildheidelbeer-Getränk niedriger als nach Frühstück mit Placebo-Getränk, ein Unterschied bei den Triglyzeriden bestand nicht [5]. Ein Effektmaß mit Konfidenzintervall für diesen Unterschied steht nicht im frei zugänglichen Abstract. Die Autoren betonen selbst, dass die verbesserten Stoffwechselwerte den beobachteten kognitiven Effekt statistisch nicht erklären konnten [5]. Einzelne kleine Studie mit akuter Einmalgabe, herstellerfinanziert, keine Aussage zu einer Wirkung bei wiederholter, alltäglicher Einnahme.
Quellen: 5
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05
Nachtsicht und Dunkeladaptation, Vaccinium-myrtillus-Extrakt, in den methodisch strengsten Studien ohne Unterschied zu Placebo
Nicht bestätigtEinordnung und Einschränkungen
Die vier methodisch strengsten, neueren randomisierten Studien fanden keinen Unterschied zu Placebo bei der Nachtsicht, ältere und methodisch schwächere Studien hatten positive Ergebnisse gezeigt. Eine eigene, sorgfältig kontrollierte Studie bestätigte den fehlenden Unterschied.
Ausführlicher Nachweis
Canter und Ernst werteten 2004 in einer systematischen Übersichtsarbeit 30 Studien zur Wirkung von Vaccinium-myrtillus-Anthocyanosiden auf die Nachtsicht aus, davon 12 plazebokontrolliert [7]. Die vier methodisch strengsten, jüngsten unter ihnen waren allesamt randomisierte, kontrollierte Studien und zeigten keinen Effekt, während eine fünfte randomisierte und sieben nicht randomisierte, kontrollierte Studien positive Ergebnisse berichteten [7]. Der negative Ausgang war nach Einschätzung der Übersichtsarbeit mit strengerer Methodik verbunden, aber auch mit niedrigerer Dosis und geografisch verschiedenen Extraktquellen, die sich in ihrer Anthocyanosid-Zusammensetzung unterscheiden können [7]. Die Übersichtsarbeit selbst zieht den Schluss, die Annahme, Vaccinium-myrtillus-Anthocyanoside verbesserten die normale Nachtsicht, werde durch die methodisch strengen Studien nicht gestützt, wobei praktisch alle Studien an Menschen mit normalem oder überdurchschnittlichem Sehvermögen und nicht an Menschen mit beeinträchtigter Nachtsicht durchgeführt wurden [7]. Muth und Kollegen zeigten 2000 in einer eigenen randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Cross-over-Studie an 15 jungen Männern mit gutem Sehvermögen, dass 160 Milligramm eines auf 25 Prozent Anthocyanoside standardisierten Vaccinium-myrtillus-Extrakts dreimal täglich über 21 Tage weder die nächtliche Sehschärfe noch das nächtliche Kontrastsehen gegenüber Placebo veränderten [8]. Weder die Übersichtsarbeit noch die Einzelstudie nennen ein Effektmaß mit Konfidenzintervall für den fehlenden Unterschied, ein Ausbleiben ist damit nicht bewiesen. Geprüft wurde die Nachtsicht in den vier methodisch strengsten Studien und in einer eigenen kontrollierten Studie trotzdem, und ein Unterschied zu Placebo zeigte sich in keiner davon, deshalb steht die Stufe auf nicht bestätigt.
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06
Nahkontrastsehen und Akkommodation bei Kurzsichtigkeit, fermentierter Vaccinium-myrtillus-Extrakt, ohne ausgewiesenen Gruppenvergleich
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In einer kleinen Studie an kurzsichtigen Erwachsenen besserten sich Akkommodationsbreite und ein Kontrastsehen-Messwert gegenüber dem eigenen Ausgangswert, während sich die Kontrollgruppe nicht veränderte. Ein direkter Gruppenvergleich mit Effektmaß fehlt im Abstract.
Ausführlicher Nachweis
Kamiya und Kollegen prüften 2013 in einer randomisierten, plazebokontrollierten Cross-over-Studie an 30 kurzsichtigen Erwachsenen (Durchschnittsalter 39,5 Jahre) einen fermentierten Vaccinium-myrtillus-Extrakt, 400 Milligramm täglich über 1 Monat [9]. In der Verumgruppe stieg die Akkommodationsbreite gegenüber dem eigenen Ausgangswert von 4,62 auf 5,33 Dioptrien (p gleich 0,002), und ein aus dem Kontrastsehen bei Dämmerlicht berechneter Messwert (Fläche unter der Kontrastempfindlichkeitsfunktion) stieg von 1,04 auf 1,13 (p gleich 0,009) [9]. In der Kontrollgruppe traten keine solchen Veränderungen auf (jeweils p größer 0,05) [9]. Ein direkter statistischer Vergleich zwischen den beiden Gruppen mit einem eigenen Effektmaß und Konfidenzintervall steht im frei zugänglichen Abstract nicht, belegt sind damit die Veränderung innerhalb der Verumgruppe und das Ausbleiben einer Veränderung innerhalb der Kontrollgruppe, kein ausgewiesener Gruppenunterschied. Kleine Studie mit nur 30 untersuchten Augen, keine unabhängige Zweitstudie mit derselben Zubereitung.
Quellen: 9
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07
Darmmikrobiom-Zusammensetzung bei gesunden älteren Menschen, ohne Unterschied zu Placebo nach 12 Wochen Wildheidelbeer-Pulver
Nicht bestätigtEinordnung und Einschränkungen
Das Darmmikrobiom veränderte sich in der einzigen Studie mit dieser Messung nicht, obwohl sich in derselben Studie Gefäßfunktion und einzelne Gedächtniswerte besserten.
Ausführlicher Nachweis
In derselben Studie von Wood und Kollegen 2023 veränderte sich die Zusammensetzung des Darmmikrobioms nach 12 Wochen Wildheidelbeer-Pulver gegenüber Placebo nicht, ebenso wenig die zerebrale Durchblutung, obwohl sich in derselben Studie die Fluss-vermittelte Gefäßerweiterung, der ambulante Blutdruck und einzelne Gedächtniswerte besserten [3]. Die Autoren hatten die Untersuchung des Mikrobioms als möglichen Erklärungsweg für die kognitive Wirkung angelegt, ein solcher Zusammenhang zeigte sich nicht [3]. Ein Effektmaß mit Konfidenzintervall für den Diversitäts- oder Zusammensetzungsvergleich steht im frei zugänglichen Abstract nicht, ein Ausbleiben ist damit nicht bewiesen. Gemessen wurde das Mikrobiom über zwölf Wochen gegen Placebo trotzdem, und zwar als vorab angelegter Erklärungsweg, und es veränderte sich nicht, deshalb steht die Stufe auf nicht bestätigt.
Quellen: 3
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08
Muskelschädigungs- und Entzündungsmarker sowie sportliche Leistungsfähigkeit bei gesunden Sporttreibenden, in einer Übersichtsarbeit zu drei Vaccinium-Arten ohne Unterschied zur Kontrollgruppe
Nicht bestätigtEinordnung und Einschränkungen
Eine Übersichtsarbeit zu 13 Studien mit Blaubeeren, Preiselbeeren und Heidelbeeren fand keinen Unterschied zur Kontrollgruppe bei der sportlichen Leistungsfähigkeit und nur bei einer von 13 Studien einen Vorteil für einen Erholungsmarker.
Ausführlicher Nachweis
Prieto Martínez und Kollegen werteten 2024 in einer systematischen Übersichtsarbeit 13 kontrollierte Studien an gesunden Menschen zu Vaccinium-Beeren (Blaubeeren, Preiselbeeren und Heidelbeeren) und deren Wirkung auf sportliche Leistungsfähigkeit, Erholung sowie belastungsbedingte Entzündungs- und Oxidationsmarker aus [10]. Bei der sportlichen Leistungsfähigkeit fand sich in keiner der eingeschlossenen Studien ein Unterschied zur Kontrollgruppe, bei Erholungsmarkern berichtete nur eine der 13 Studien einen Vorteil, und Interleukine sowie das C-reaktive Protein als häufigste erfasste Entzündungsmarker zeigten nur begrenzte Hinweise auf eine Wirkung [10]. Die Übersichtsarbeit selbst zieht den Schluss, eine Supplementierung mit Vaccinium-Beeren sei bei gesunden Menschen nicht wirksam, um Entzündungs- und Oxidationsmarker nach Belastung zu verändern, weitere Studien zu Leistungsfähigkeit und Erholung seien aber nötig [10]. Die meisten eingeschlossenen Studien stuften die Autoren selbst als von hoher Qualität und mit niedrigem Verzerrungsrisiko ein [10]. Blaubeeren, Preiselbeeren (eine andere Art, Vaccinium macrocarpon, mit eigenem Kompendium-Eintrag) und Heidelbeeren werden in der Übersichtsarbeit gemeinsam ausgewertet und im frei zugänglichen Abstract nicht getrennt aufgeschlüsselt, ein artspezifisches Ergebnis für Blaubeere oder Heidelbeere allein lässt sich daraus nicht herauslesen. Ein Effektmaß mit Konfidenzintervall für den fehlenden Unterschied steht im Abstract nicht, ein Ausbleiben ist damit nicht bewiesen. Geprüft wurde die Frage in 13 kontrollierten Studien, die die Übersichtsarbeit überwiegend als hochwertig und wenig verzerrungsanfällig einstuft, und bei der Leistungsfähigkeit fand sich in keiner davon ein Unterschied, deshalb steht die Stufe auf nicht bestätigt.
Quellen: 10
Studien im Detail
Gefäßfunktion, Blutdruck, Gedächtnis und Darmmikrobiom, eine Studienreihe
Ein großer Teil der modernen Blaubeer-Forschung zu Gefäßfunktion, Blutdruck, Gedächtnis und Darmmikrobiom stammt aus einer einzigen, über zehn Jahre gewachsenen Forschungsrichtung an der University of Reading und später am King's College London, mit Ana Rodriguez-Mateos, Claire Williams und Jeremy Spencer als wiederkehrenden Namen. Rodriguez-Mateos und Kollegen zeigten 2013 und 2014 in kleinen Cross-over-Studien an gesunden Erwachsenen, dass Blaubeer-Getränke und sogar verarbeitete, gebackene Produkte mit Blaubeer-Pulver die Fluss-vermittelte Gefäßerweiterung (FMD), ein Maß für die Funktion der Gefäßinnenwand, akut steigern.
Wood und Kollegen erweiterten diese Linie 2023 um eine größere, randomisierte, placebokontrollierte Studie an 61 gesunden Menschen zwischen 65 und 80 Jahren. 26 Gramm gefriergetrocknetes Wildheidelbeer-Pulver täglich über 12 Wochen steigerten gegenüber einem anthocyanfreien Placebo sowohl die FMD als auch, in derselben Studie, senkten den über 24 Stunden gemessenen ambulanten systolischen Blutdruck, und besserten einzelne Gedächtnis- und Aufmerksamkeitswerte. Dieselbe Studie fand dagegen keine Veränderung der zerebralen Durchblutung und keine Veränderung des Darmmikrobioms, obwohl beides als möglicher Erklärungsweg für die kognitive Wirkung mitgeprüft wurde.
Bemerkenswert ist, dass dieselbe Forschungsrichtung 2019 in einer eigenen Übersichtsarbeit noch geschrieben hatte, die Wirkung von Blaubeeren auf Blutdruck, Gefäßsteifigkeit und Blutfette sei, anders als die auf die FMD, uneinheitlich. Die 2023 veröffentlichte Studie mit ihrem positiven Blutdruckbefund erschien danach und wurde vom nordamerikanischen Herstellerverband der Wildheidelbeere (Wild Blueberry Association of North America) finanziert, der auch das Prüfpräparat stellte. Eine akute Einzeldosis-Studie von Whyte und Kollegen 2021, ebenfalls vom selben Verband finanziert, fand an Erwachsenen mittleren Alters eine stabilere Gedächtnisleistung sowie niedrigere Blutzucker- und Insulinwerte nach dem Essen unter Wildheidelbeere im Vergleich zu Placebo, wobei die Autoren selbst betonen, dass die Stoffwechselwerte den kognitiven Effekt statistisch nicht erklärten.
Einordnung: Keine dieser Arbeiten benennt die geprüfte Vaccinium-Art mit ihrem lateinischen Namen. Da alle aus derselben Forschungsrichtung stammen und ein erheblicher Teil vom selben Herstellerverband finanziert wurde, handelt es sich um einen zusammenhängenden Studienbestand und nicht um mehrere voneinander unabhängige Bestätigungen.
Nachtsicht, ein historisch überschätztes Versprechen
Die Zuschreibung, Heidelbeeren würden die Nachtsicht verbessern, geht auf die europäische Heidelbeere (Vaccinium myrtillus) zurück und wird oft mit der Legende britischer Kampfpiloten des Zweiten Weltkriegs verbunden. Canter und Ernst werteten 2004 in einer systematischen Übersichtsarbeit 30 Studien dazu aus. Die vier methodisch strengsten, jüngsten Studien darunter waren randomisierte, kontrollierte Arbeiten und fanden allesamt keinen Effekt auf die Nachtsicht, während ältere und methodisch schwächere Studien positive Ergebnisse gezeigt hatten. Die Übersichtsarbeit selbst zieht den Schluss, die Wirkung auf die normale Nachtsicht gesunder Menschen sei durch die methodisch strengen Studien nicht gestützt.
Muth und Kollegen bestätigten das 2000 in einer eigenen, sorgfältig kontrollierten Cross-over-Studie an 15 jungen Männern mit gutem Sehvermögen. Ein auf 25 Prozent Anthocyanoside standardisierter Vaccinium-myrtillus-Extrakt, dreimal täglich 160 Milligramm über 3 Wochen, veränderte weder die nächtliche Sehschärfe noch das nächtliche Kontrastsehen gegenüber Placebo.
Kamiya und Kollegen fanden 2013 an kurzsichtigen Erwachsenen mit einem fermentierten Vaccinium-myrtillus-Extrakt eine Besserung von Akkommodationsbreite und einem Kontrastsehen-Messwert gegenüber dem eigenen Ausgangswert, während sich die Kontrollgruppe nicht veränderte. Ein direkter statistischer Vergleich zwischen den Gruppen mit einem eigenen Effektmaß fehlt im frei zugänglichen Abstract, sodass offen bleibt, wie groß der tatsächliche Gruppenunterschied war.
Einordnung: Die historisch verbreitete Erwartung, Heidelbeer-Extrakt verbessere die Nachtsicht gesunder Menschen, wird von den methodisch stärksten verfügbaren Studien nicht gestützt. Für Menschen mit beeinträchtigter statt normaler Nachtsicht sowie für ein enger gefasstes Nahkontrastsehen bei Kurzsichtigkeit ist die Studienlage dünn und uneinheitlich berichtet.
Sportliche Erholung, drei Arten in einer Übersichtsarbeit
Prieto Martínez und Kollegen werteten 2024 in einer systematischen Übersichtsarbeit 13 kontrollierte Studien zu Vaccinium-Beeren, Blaubeeren, Preiselbeeren und Heidelbeeren gemeinsam, und deren Wirkung auf sportliche Leistungsfähigkeit sowie belastungsbedingte Entzündungs- und Muskelschädigungsmarker aus. Bei der Leistungsfähigkeit fand sich in keiner Studie ein Unterschied zur Kontrollgruppe, bei Erholungsmarkern zeigte nur eine der 13 Studien einen Vorteil. Die Übersichtsarbeit selbst schließt, eine Supplementierung mit Vaccinium-Beeren sei bei gesunden Menschen nicht wirksam, um diese Marker nach Belastung zu verändern. Da die drei Arten gemeinsam ausgewertet werden, lässt sich kein artspezifisches Ergebnis für Blaubeere oder Heidelbeere allein herauslesen.
Sicherheit und Wechselwirkungen
In den vorliegenden Studien waren sowohl standardisierte Vaccinium-myrtillus-Extrakte als auch Wildheidelbeer-Pulver und Getränke gut verträglich, schwerwiegende Nebenwirkungen wurden nicht berichtet.
Da mehrere Studien Blutzucker und Blutdruck senkende Effekte zeigten, ist bei gleichzeitiger Einnahme blutzucker- oder blutdrucksenkender Medikamente auf Anzeichen einer verstärkten Wirkung zu achten.
Zu Schwangerschaft und Stillzeit liegt uns keine eigene geprüfte Quelle vor, eine ärztliche Rücksprache vor der Einnahme ist in diesem Fall grundsätzlich sinnvoll.
Quellen zum Nachlesen
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01
2 RCTs, kontrolliert, doppelblind, Cross-over, n gleich 21 gesunde Männer · 2013
Intake and time dependence of blueberry flavonoid-induced improvements in vascular function, a randomized, controlled, double-blind, crossover intervention study with mechanistic insights into biological activity.
Rodriguez-Mateos A, et al. Am J Clin Nutr
Zur Zuschreibung: 01
- 02
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03
RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, Parallelgruppen, n gleich 61, 12 Wochen, herstellerfinanziert · 2023
Wild blueberry (poly)phenols can improve vascular function and cognitive performance in healthy older individuals, a double-blind randomized controlled trial.
Wood E, et al. Am J Clin Nutr
- 04
- 05
- 06
- 07
- 08
- 09
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10
Systematische Übersichtsarbeit, 13 kontrollierte Studien, 3 Vaccinium-Arten gemeinsam ausgewertet · 2024
Effects of Vaccinium berries (blueberries, cranberries and bilberries) on oxidative stress, inflammation, exercise performance, and recovery, a systematic review.
Prieto Martínez A, et al. Food Funct
Zur Zuschreibung: 08
-
11
Korrektur (Corrigendum) zu Quelle 3, angestoßen von einer externen Arbeitsgruppe für Forschungsintegrität · 2025
Corrigendum to "Wild blueberry (poly)phenols can improve vascular function and cognitive performance in healthy older individuals, a double-blind randomized controlled trial" [Am J Clin Nutr, 106 (2023), 1482 bis 1489].
Wood E, et al. (Korrektur ohne eigene Autorenliste im PubMed-Datensatz) Am J Clin Nutr
Zur Zuschreibung: 03