Bockshornklee-Extrakt

Zuletzt geprüft am

Pflanzenextrakte

Trigonella foenum-graecum · Fenugreek · Griechisch Heu · Trigonella

H.P.N · Datenstand 2026-08-20 · 12 Zuschreibungen im Überblick

Auf einen Blick

Was es ist
Extrakt aus den Samen von Trigonella foenum-graecum, dem Bockshornklee. Leitsubstanzen sind Steroidsaponine vom Furostanol-Typ, daneben enthält der Samen den Ballaststoff Galactomannan und das Alkaloid Trigonellin
Herkunft
Östlicher Mittelmeerraum und Westasien, seit Jahrtausenden als Gewürz und in der traditionellen indischen und nahöstlichen Anwendung gebräuchlich
Wirkform in Studien
Sehr uneinheitlich. Ein Teil der älteren Humanstudien, vor allem zu Blutzucker, prüft das ganze, unstandardisierte Samenpulver in Mengen von 5 bis 50 Gramm pro Tag. Ein anderer, vor allem neuerer Teil prüft markenrechtlich geschützte Extrakte wie Testofen, Furosap, Fenfuro, IND9, Grecunin, Libifem oder TrigozimR, die jeweils nach einer anderen Kenngröße standardisiert sind, etwa nach Protodioscin oder nach Saponingehalt, und die sich untereinander nicht gleichsetzen lassen. Für die meisten der hier ausgewerteten Studien nennt das Abstract die genaue Saponin- oder Protodioscin-Konzentration des geprüften Extrakts nicht, ein Vergleich der Standardisierungen ist deshalb für die meisten Studien nicht möglich, während die Tagesmenge des Extrakts in Milligramm bei mehreren Studien im selben, üblichen Portionsbereich liegt. Wo eine Studie eine bestimmte Marke oder eine bezifferte Standardisierung verwendet, steht das in der Begründung der jeweiligen Zeile
Übliche Studiendosis
Rohes Samenpulver 5 bis 50 Gramm pro Tag, standardisierte Extrakte üblicherweise 250 bis 1200 Milligramm pro Tag je nach Marke und Saponin- oder Protodioscin-Gehalt
Verträglichkeit
In Studien meist gut verträglich, am häufigsten milde Magen-Darm-Beschwerden wie Blähungen, Völlegefühl oder Durchfall. Ein bei einer Kombination aus Bockshornklee, Ingwer und Kurkuma beschriebener, an Ahornsirup erinnernder Uringeruch ist bekannt. Bockshornklee gehört zur Familie der Hülsenfrüchtler, IgE-vermittelte allergische Reaktionen bis zur Anaphylaxie sind in Einzelfällen dokumentiert, mit belegter Kreuzreaktivität zu Erdnuss. Für Warfarin ist eine mögliche Wechselwirkung beschrieben, ebenso ein zusätzlicher Effekt auf den Blutzucker bei gleichzeitiger Einnahme blutzuckersenkender Medikamente. In der Schwangerschaft wird von der Einnahme abgeraten

Was diesem Stoff zugesprochen wird

Was die Studien hergeben.

Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.

  1. 01

    Nüchtern- und postprandialer Blutzucker bei Menschen mit Typ 2 Diabetes oder Prädiabetes, meist als Zusatz zur bestehenden Medikation, in mehreren Übersichtsarbeiten mit überlappendem Studienbestand übereinstimmend in Richtung einer Senkung

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine Meta-Analyse aus 10 randomisierten Studien mit 706 Teilnehmenden, laut Volltext eng eingegrenzt auf Menschen mit Nüchternblutzucker ab 100 mg pro dl oder HbA1c ab 5,7 Prozent, fand eine signifikante Senkung des Nüchternblutzuckers verglichen mit der Kontrollgruppe, Mitteldifferenz minus 26,66 mg pro dl, 95 Prozent Konfidenzintervall minus 29,80 bis minus 23,52, sowohl bei standardisierten Extrakten als auch bei rohem Samenpulver. Eine ältere Meta-Analyse aus 12 Studien fand ebenfalls eine signifikante Senkung, Mitteldifferenz minus 0,84 mmol pro Liter verglichen mit Kontrolle, 95 Prozent Konfidenzintervall minus 1,38 bis minus 0,31. Eine dritte, breiter angelegte Meta-Analyse mit 894 Teilnehmenden schreibt in der eigenen Methodik, ausschließlich randomisierte Studien einzuschließen, führt in ihrer eigenen Subgruppenanalyse aber 4 der 14 eingeschlossenen Arbeiten als nicht randomisiert, ein Widerspruch innerhalb der Originalarbeit selbst, den wir hier stehen lassen, statt ihn stillschweigend auf 14 oder auf 10 randomisierte Studien zu vereinheitlichen. Laut Volltext waren zudem nur 4 der 14 Studien als qualitativ hochwertig eingestuft, 7 liefen ganz ohne Placebokontrolle. Im Gesamtergebnis über alle 14 Studien fand sich eine Senkung des Nüchternblutzuckers, Mitteldifferenz minus 3,70 mg pro dl verglichen mit Kontrolle, 95 Prozent Konfidenzintervall minus 27,02 bis 19,62, die die Signifikanz verfehlte, p gleich 0,76, bei nach eigenen Angaben der Autoren sehr hoher Heterogenität, I-Quadrat 99,37 Prozent, und einer im Funnel-Plot sichtbaren Asymmetrie, die die Autoren als möglichen Hinweis auf Publikationsbias werten, während der begleitende Egger-Test selbst keinen kleinen Studieneffekt fand, p gleich 0,237. Laut Volltext derselben Arbeit fällt dieses Gesamtergebnis auseinander, wenn nach Studiendesign getrennt wird. In der Untergruppe der 9 randomisierten Studien betrug die gepoolte Senkung minus 17,61 mg pro dl, 95 Prozent Konfidenzintervall minus 35,32 bis 0,10, in der Untergruppe der 4 nicht randomisierten Studien wird im Original ein Anstieg von plus 28,88 mg pro dl angegeben, 95 Prozent Konfidenzintervall 26,52 bis 84,27. Dieses Intervall liegt rechnerisch auffällig asymmetrisch um den eigenen Punktschätzer, ein rechnerisch symmetrisches Intervall ergäbe sich, wenn die untere Grenze minus 26,52 statt 26,52 lautete, was auf ein fehlendes Vorzeichen im Original hindeutet und, wäre es so, ein nicht signifikantes statt ein eindeutig signifikantes Ergebnis für diese Untergruppe bedeuten würde. Wir übernehmen den gedruckten Wert, weisen aber auf diese Unstimmigkeit hin, statt aus ihr einen schärferen Gegensatz zwischen randomisierten und nicht randomisierten Studien abzuleiten, als die Datenlage sicher hergibt. Kim und die 14-Studien-Arbeit legen beide einen eigenen, frei zugänglichen Volltext vor, in dem dieselben Primärstudien namentlich als eingeschlossen geführt werden, darunter mindestens die Arbeiten von Lu, Rafraf, Hadi, Hassani, Gupta und Verma, die Überschneidung zwischen diesen beiden Arbeiten ist damit direkt geprüft. Die ältere, hier als zweite genannte Meta-Analyse hat keinen frei zugänglichen Volltext, dieselbe Einschränkung gilt für sie wie in der Blutfette-Zeile zu diesem Endpunkt beschrieben, ob sich ihre Studien mit den beiden anderen Arbeiten überschneiden, ist deshalb nicht abschließend geprüft, wegen der Einführung der neueren Arbeit, die sich ausdrücklich als Aktualisierung dieser älteren Arbeit versteht, aber plausibel. Die drei Ergebnisse sind deshalb keine drei unabhängigen Bestätigungen, sondern zu einem erheblichen, im Detail nur teilweise geprüften Teil dieselben Primärdaten mit unterschiedlicher Gewichtung und unterschiedlichem Einschluss nicht randomisierter Arbeiten. Eine Netzwerk-Meta-Analyse aus 44 randomisierten Studien zu sechs pflanzlichen Mitteln fand für Bockshornklee gegenüber Placebo eine signifikante Senkung des Nüchternblutzuckers, standardisierte Mitteldifferenz minus 19,64, neben Apfelessig, Zimt und Curcumin ebenfalls wirksam. Diese Arbeit hat keinen frei zugänglichen Volltext, ob sich ihre Studien mit den drei vorgenannten Arbeiten überschneiden, ist deshalb ausdrücklich offen und nicht geprüft. Eine einzelne Studie mit einem auf Gesamtsaponine standardisierten Extrakt, TFGs, Saponingehalt im Abstract nicht beziffert, als Zusatz zu Sulfonylharnstoffen bei 69 Menschen mit unzureichend eingestelltem Typ 2 Diabetes fand ebenfalls signifikante Senkungen von Nüchtern- und postprandialem Blutzucker verglichen mit der Kontrollgruppe, ist zugleich aber Teil der beiden erstgenannten Meta-Analysen und damit kein zusätzlicher, unabhängiger Beleg. Die meisten Studien liefen an Menschen mit diagnostiziertem Diabetes unter fortlaufender Medikation, nicht an gesunden Personen, die einen Extrakt als Nahrungsergänzung einnehmen

    Quellen: 1, 2, 3, 4, 5

  2. 02

    Langzeitblutzucker HbA1c bei denselben Populationen, in der Untergruppe ohne Begleitmedikation ohne statistisch signifikanten Effekt

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Dieselbe Meta-Analyse aus 10 Studien fand über alle eingeschlossenen Arbeiten eine signifikante Senkung des HbA1c verglichen mit Kontrolle, Mitteldifferenz minus 0,54 Prozentpunkte, 95 Prozent Konfidenzintervall minus 0,80 bis minus 0,29. Laut Volltext derselben Arbeit trägt dieses Gesamtergebnis eine deutliche Untergruppenteilung. Bei Zusatztherapie zu einer bestehenden Diabetesmedikation betrug die Senkung minus 0,97 Prozentpunkte, 95 Prozent Konfidenzintervall minus 1,36 bis minus 0,58, p kleiner 0,00001, bei alleiniger Einnahme ohne Begleitmedikation dagegen nur minus 0,23 Prozentpunkte, ein Ergebnis, das die Signifikanz verfehlte, 95 Prozent Konfidenzintervall minus 0,57 bis minus 0,11, p gleich 0,18. Das Konfidenzintervall schließt die Null hier rechnerisch aus, während der berichtete p-Wert keine Signifikanz anzeigt, dieselbe innere Unstimmigkeit, wegen der eine andere Übersichtsarbeit zu diesem Eintrag nicht als Quelle geführt wird, siehe die offenen Punkte. Der Hinweis der Autoren auf identische Untergruppen nach Behandlungsart und Zubereitung betrifft die Blutfett-Auswertung. Für HbA1c werden dagegen unterschiedliche Ergebnisse berichtet: Die Extrakt-Untergruppe zeigte eine signifikante Senkung um 0,34 Prozentpunkte, die Monotherapie-Untergruppe keine signifikante Senkung. Für Menschen ohne begleitende Diabetesmedikation ist der Monotherapie-Befund die maßgebliche Zahl, und der zeigt keinen belastbaren Effekt. Die ältere Meta-Analyse aus 12 Studien fand eine signifikante Senkung, Mitteldifferenz minus 1,16 Prozentpunkte verglichen mit Kontrolle, 95 Prozent Konfidenzintervall minus 1,23 bis minus 1,09, ohne eine vergleichbare Untergruppenauswertung nach Begleitmedikation, ihr Volltext lag für diese Recherche nicht vor, eine Prüfung der Überschneidung mit den beiden anderen Arbeiten ist deshalb nicht möglich. Auch die breiter angelegte, beim Nüchternblutzucker im Gesamtergebnis negative Übersicht aus 14 Studien fand für HbA1c eine signifikante Senkung, Mitteldifferenz minus 0,88 Prozentpunkte verglichen mit Kontrolle, 95 Prozent Konfidenzintervall minus 1,49 bis minus 0,27, bei einer laut eigenem Volltext deutlich geringeren Heterogenität als beim Nüchternblutzucker, I-Quadrat 74,79 Prozent. Wie bei der Blutzucker-Zeile beschrieben, tragen mehrere Primärstudien zu Kim und zur 14-Studien-Arbeit gleichzeitig bei, direkt anhand der jeweils frei zugänglichen Volltexte geprüft, für die ältere Arbeit ist das mangels Volltext nur plausibel, nicht geprüft, die drei Ergebnisse sind deshalb keine drei unabhängigen Bestätigungen. Dieselbe Netzwerk-Meta-Analyse aus 44 Studien, die beim Nüchternblutzucker zitiert wird, findet im Abstract auch für HbA1c einen als signifikant bezeichneten Effekt von Bockshornklee, mit einer standardisierten Mitteldifferenz von plus 0,84, ein positives Vorzeichen für einen als Senkung beschriebenen Effekt, das wir als mutmaßliche Unstimmigkeit im Abstract kennzeichnen, statt es stillschweigend umzudrehen. Auch für diesen Wert ist mangels freiem Volltext keine Prüfung der Studienüberschneidung mit den anderen drei Arbeiten möglich

    Quellen: 1, 2, 3, 5

  3. 03

    Blutfette bei Menschen mit Typ 2 Diabetes oder Prädiabetes, Triglyceride bei Kim signifikant gesenkt, bei Gong nur nicht signifikanter Trend, Gesamtcholesterin und HDL nur in der Untergruppe mit rohem Samenpulver, LDL nicht signifikant verändert

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Die Meta-Analyse aus 10 Studien fand über 5 Studien mit auswertbaren Lipiddaten signifikante Verbesserungen verglichen mit Kontrolle, Gesamtcholesterin Mitteldifferenz minus 18,36 mg pro dl, 95 Prozent Konfidenzintervall minus 23,55 bis minus 13,18, Triglyceride minus 38,41 mg pro dl, 95 Prozent Konfidenzintervall minus 66,20 bis minus 10,63, und HDL-Cholesterin plus 2,27 mg pro dl, 95 Prozent Konfidenzintervall 0,21 bis 4,33, während LDL-Cholesterin sich nicht signifikant veränderte, Mitteldifferenz minus 9,87 mg pro dl, 95 Prozent Konfidenzintervall minus 25,03 bis 5,29, p gleich 0,20. Laut Volltext derselben Arbeit fällt das Gesamtergebnis für Gesamtcholesterin und HDL in eine Untergruppenteilung nach Zubereitung auseinander. In der Untergruppe der Studien mit einem Extrakt waren weder Gesamtcholesterin, Mitteldifferenz minus 9,04 mg pro dl, 95 Prozent Konfidenzintervall minus 35,74 bis 17,66, p gleich 0,51, noch HDL-Cholesterin, Mitteldifferenz 0,78 mg pro dl, 95 Prozent Konfidenzintervall minus 1,89 bis 3,44, p gleich 0,57, signifikant verändert, nur Triglyceride waren es, Mitteldifferenz minus 52,45 mg pro dl, 95 Prozent Konfidenzintervall minus 70,10 bis minus 34,80, p kleiner 0,00001. In der Untergruppe der Studien mit rohem Samenpulver waren dagegen Gesamtcholesterin, Mitteldifferenz minus 15,38 mg pro dl, 95 Prozent Konfidenzintervall minus 25,65 bis minus 5,11, p gleich 0,003, und HDL-Cholesterin, Mitteldifferenz 4,51 mg pro dl, 95 Prozent Konfidenzintervall 1,25 bis 7,76, p gleich 0,007, signifikant, Triglyceride dagegen nicht. Die Autoren merken selbst an, dass diese Zubereitungs-Untergruppen mit den Untergruppen nach Behandlungsart nahezu identisch besetzt sind, sodass sich beide Einflüsse in diesem Datensatz nicht trennen lassen. Für einen Extrakt sind die belastbaren Befunde damit auf Triglyceride begrenzt, während Gesamtcholesterin und HDL in dieser Aufschlüsselung von den Studien mit rohem Samenpulver getragen werden. Die ältere Meta-Analyse aus 12 Studien fand eine signifikante Senkung des Gesamtcholesterins, Mitteldifferenz minus 0,30 mmol pro Liter verglichen mit Kontrolle, 95 Prozent Konfidenzintervall minus 0,56 bis minus 0,03, während Triglyceride und LDL-Cholesterin dort nur einen nicht signifikanten Trend zeigten, ohne eine vergleichbare Aufschlüsselung nach Zubereitung. Für Kim ist die Einschlusstabelle über den freien Volltext einsehbar, für Gong nicht, ob sich die zugrunde liegenden Primärstudien beider Arbeiten für den Blutfette-Endpunkt überschneiden, lässt sich deshalb nicht abschließend prüfen. Beide Übersichtsarbeiten werten Menschen mit Typ 2 Diabetes oder Prädiabetes aus, mit denselben Einschränkungen zu Zubereitung und Population wie bei den Blutzucker-Zeilen

    Quellen: 1, 2

  4. 04

    Testosteronspiegel im Blut bei Männern, uneinheitlich zwischen Studien und Meta-Analysen, Laborwert

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine Meta-Analyse aus 4 klinischen Studien fand laut Abstract einen signifikanten Effekt auf das Gesamttestosteron, ohne im Abstract Dosen oder Zubereitungen der eingeschlossenen Studien zu benennen, und ohne dass der Volltext für diese Recherche vorlag. Die unten zitierte systematische Übersicht zu Bockshornklee-Samenextrakten erwähnt diese Meta-Analyse jedoch im eigenen, freien Volltext ausdrücklich und benennt ihre 4 eingeschlossenen Studien einzeln, sie entsprechen namentlich 4 der 6 weiter unten aufgeführten Arbeiten, darunter Guo 2018, Rao 2016, Wankhede 2016 und Wilborn 2010. Die 4-Studien-Meta-Analyse ist damit keine unabhängige zusätzliche Bestätigung, sondern eine Teilmenge derselben 6 Studien. Eine spätere Meta-Analyse aus 7 Studien mit 449 Teilnehmenden, 378 Männer und 71 Frauen, Ergebnis nur für die männlichen Athleten berichtet, fand für Gesamttestosteron einen kleinen, signifikanten Effekt verglichen mit Kontrolle, standardisierte Mitteldifferenz 0,32, 95 Prozent Konfidenzintervall 0,09 bis 0,55, für freies Testosteron dagegen keinen signifikanten Effekt, standardisierte Mitteldifferenz 0,24, 95 Prozent Konfidenzintervall minus 0,04 bis 0,52. Eine systematische Übersicht identifizierte 6 randomisierte, placebokontrollierte Studien zu Bockshornklee-Samenextrakten und Testosteron bei insgesamt, laut Volltext, 366 Männern, mit Dosen und Dauer im Einzelnen. Rao 2016, Testofen, 600 mg pro Tag, 12 Wochen, 120 übergewichtige oder adipöse Männer, Gesamt- und freies Testosteron signifikant erhöht. Mokashi 2014, IND9, 600 mg als Einzeldosis, akute Zehn-Stunden-Crossover-Studie an 16 Männern ohne bekannte Vorerkrankung, Gesamttestosteron sowie berechnetes und bioverfügbares freies Testosteron signifikant erhöht, gemessenes freies Testosteron nicht. Wankhede 2016, Fenu-FG, Wirkkomponente von Testofen, 600 mg pro Tag, 8 Wochen, 60 Männer, Gesamttestosteron nicht signifikant verändert, freies Testosteron signifikant erhöht. Rao und Grant 2020, Testofen, 600 mg pro Tag, 12 Wochen, 100 Männer mit gutartiger Prostatavergrößerung, weder Gesamt- noch freies Testosteron signifikant verändert. Guo 2018, Furosap, 250 mg pro Tag, 12 Wochen, 40 Männer, Gesamttestosteron signifikant erhöht. Wilborn 2010, auf Grecunin standardisierter Extrakt, 500 mg pro Tag, 8 Wochen, 30 Männer, Gesamt- und bioverfügbares Testosteron signifikant erhöht. 4 der 6 Studien fanden damit einen signifikanten Anstieg des Gesamttestosterons gegenüber Placebo, 2 fanden keinen Unterschied, eine der 4 positiven Arbeiten ist die akute Zehn-Stunden-Einzeldosis-Studie ohne Aussage zur Wirkung bei fortlaufender Einnahme. Alle 6 Studien prüften markenrechtlich geschützte, unterschiedlich standardisierte Extrakte ohne im Abstract bezifferten Saponin- oder Protodioscin-Gehalt. Eine 2024 veröffentlichte randomisierte, placebokontrollierte Studie mit 95 Männern zwischen 40 und 80 Jahren über 12 Wochen, prüfte einen markenrechtlich geschützten Extrakt, TrigozimR, in drei Dosen zu 600, 1200 und 1800 mg pro Tag. Jede Dosisstufe enthielt zusätzlich Magnesium, Zink, Vitamin D3 und acht B-Vitamine, und die Placebogruppe erhielt dieselben Mikronährstoffe ohne den Extrakt, sodass ein gefundener Unterschied dem Extrakt zuzuschreiben ist. Für das Plasma-Gesamttestosteron fand die Studie über alle drei Dosen zusammengenommen keinen signifikanten Unterschied gegenüber Placebo, plus 9,0 Prozent, p gleich 0,122. Für Speicheltestosteron dagegen fand sich über alle drei Dosen zusammengenommen ein signifikanter Unterschied gegenüber Placebo, plus 37,2 Prozent, p gleich 0,042. Der signifikante Speicheltestosteron-Befund gilt damit bereits für alle drei geprüften Dosen gemeinsam gegenüber Placebo, nicht erst für die höchste Dosis. Separat davon berichtet die Studie für die 1800-mg-Dosisgruppe allein einen Anstieg des Speicheltestosterons um 19,6 Prozent, p gleich 0,006, das ist laut Volltext ein Vorher-Nachher-Vergleich dieser Dosisgruppe gegen ihren eigenen Ausgangswert, keine gegen Placebo dosisgetrennte Auswertung, und mit 19,6 Prozent kleiner als der kombinierte Placebo-Vergleich über alle drei Dosen. Eine gegen Placebo dosisgetrennte Auswertung des Speicheltestosterons für die einzelnen Dosisstufen nennt der Volltext nicht. Finanziert wurde die Studie laut Volltext von zwei Seiten. Der eigene Förderhinweis nennt PurOmega Ltd als Geldgeber der TrigozimR-Interventionsstudie, mit dem Zusatz, PurOmega habe an Design, Auswertung und Interpretation keinen Anteil gehabt, die davon getrennte Interessenerklärung nennt zusätzlich das Auftragslabor Vitas Ltd als kommerzielle Förderquelle, in dem die Intervention und ein Großteil der Laboranalysen stattfanden. Ein Autor ist Geschäftsführer und Anteilseigner von Vitas Ltd, ein weiterer Autor ist Anteilseigner, Berater und Vorstandsmitglied desselben Auftragslabors sowie Geschäftsführer und Anteilseigner der für Studiendesign und Durchführung verantwortlichen Beratungsfirma DBG Ltd, und trotz dieser finanziellen Nähe zum Auftragslabor verfehlte der primäre Vergleich des Plasma-Gesamttestosterons gegen Placebo die Signifikanz

    Quellen: 6, 7, 8, 9

  5. 05

    Subjektiv wahrgenommene Libido und sexuelle Funktion bei Männern, für den einzigen in beiden placebokontrollierten Studien gemeinsam erhobenen Endpunkt sexuelles Verlangen kein Unterschied zu Placebo, positive Teilbefunde nur in einer herstellernahen Kombinationsstudie

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine randomisierte, placebokontrollierte Studie mit 60 gesunden Männern zwischen 25 und 52 Jahren ohne erektile Dysfunktion prüfte über 6 Wochen einen auf Testofen standardisierten Extrakt zusammen mit einer bereits im Titel der Arbeit genannten Mineralstoff-Formulierung, 600 mg pro Tag, mit dem Fragebogen DISF-SR als primärem Endpunkt, Gesamtscore und vier Unterdomänen, das Ergebnis betrifft damit die Kombination aus Extrakt und Mineralstoffen, nicht den Extrakt allein. Die einzige im Datensatz genannte institutionelle Zugehörigkeit der Erstautorin ist ein kommerzielles Auftragsforschungsunternehmen für klinische Studien. Laut Abstract zeigte sich ein signifikanter Anstieg in den Unterdomänen sexuelle Erregung und Orgasmus, das Abstract sagt jedoch nicht, ob dieser Anstieg ein Vergleich gegenüber Placebo oder eine Veränderung innerhalb der Verumgruppe gegen deren eigenen Ausgangswert ist, für die Unterdomäne sexuelles Verlangen und für den DISF-SR-Gesamtscore nennt das Abstract gar keine Signifikanz. Ein freier Volltext war weder über PubMed Central noch über Europe PMC auffindbar, Europe PMC weist die Arbeit als Subscription required aus, ein Gruppenvergleich gegen Placebo ist für diese beiden Unterdomänen deshalb nicht belegt, belegt ist nur die Veränderung als solche. Serumprolaktin und Serumtestosteron blieben im Normbereich, der subjektive Effekt trat also ohne messbare Hormonveränderung auf. Dieselbe 2024 veröffentlichte randomisierte, placebokontrollierte Arbeit mit 95 Männern über 12 Wochen und drei Dosen eines mit Mikronährstoffen kombinierten Extrakts, TrigozimR, die auch in der Testosteron-Zeile beschrieben ist, erhob zusätzlich einen eigenen, nicht validierten Fragebogen zu Lebensstil und Libido mit den fünf Einzelitems Erektion, Fitness, Vitalität, sexuelles Verlangen und Freude am Sex, je auf einer Skala von 0 bis 7, und fand laut Volltext für keines dieser fünf Items einen signifikanten Unterschied zu Placebo, auch nicht für das Item sexuelles Verlangen, p gleich 0,64 in der Gesamtgruppe nach der Intervention. Diese Studie misst damit weder sexuelle Erregung noch Orgasmus, die beiden Domänen, in denen die Testofen-Studie signifikant wurde, ihr einziges konzeptionell vergleichbares Item ist das sexuelle Verlangen, und dafür berichtet auch die Testofen-Studie selbst laut Abstract keine Signifikanz. Beide Arbeiten stellen für den jeweils gemeinsamen Endpunkt sexuelles Verlangen damit dieselbe Richtung fest, keinen belastbaren Effekt, und unterscheiden sich nur in den Endpunkten, die die jeweils andere Studie gar nicht erhoben hat, das ist kein Widerspruch im Sinne von Regel 17, sondern zwei Studien mit unterschiedlichem Instrument und unterschiedlichem Itemzuschnitt. Die positive Evidenz zu sexueller Erregung und Orgasmus ruht damit auf einer einzelnen, kommerziell finanzierten Arbeitsgruppe, dieselbe Erstautorin trägt mit einer weiteren, ebenfalls kommerziell affiliierten Studie auch die Wechseljahresbeschwerden-Zeile, während die deutlich größere Gegenprobe mit 95 Männern diese beiden Domänen gar nicht misst und laut eigenem Förderhinweis von PurOmega Ltd finanziert wurde, dem Geldgeber der TrigozimR-Interventionsstudie, also ebenfalls keine herstellerferne Arbeit ist. Zwei einarmige, offene Studien ohne Kontrollgruppe, 500 mg pro Tag über 12 Wochen, beide vom selben Hersteller des Extrakts Furosap finanziert und durchgeführt, berichten zusätzlich verbesserte Werte bei Stimmung, mentaler Wachheit und Libido nach 12 Wochen, lassen sich aber mangels Kontrollgruppe nicht von einem Placebo- oder Erwartungseffekt unterscheiden und tragen deshalb keine eigenständige Evidenz

    Quellen: 9, 10, 11, 12

  6. 06

    Sexuelles Verlangen und Erregung bei Frauen

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine randomisierte, placebokontrollierte Studie mit 80 gesunden menstruierenden Frauen zwischen 20 und 49 Jahren mit berichtetem niedrigem sexuellem Verlangen prüfte über 2 Menstruationszyklen einen auf Libifem standardisierten Extrakt, 600 mg pro Tag. Zwei Autorenaffiliationen dieser Studie gehören zu kommerziellen Unternehmen, Integrated Health Group Pty Ltd und Medlab Pty Ltd. Verglichen mit Placebo stiegen freies Testosteron und Estradiol im Blut signifikant, ebenso die mit standardisierten Fragebögen erfassten Werte für sexuelles Verlangen und Erregung. Eine Suche ohne Humanfilter, PubMed-Suche nach fenugreek menopause (ohne Beschränkung auf Humanstudien, alle Publikationstypen), sowie PubMed-Suche nach fenugreek vasomotor symptoms (ohne Beschränkung auf Humanstudien, alle Publikationstypen), fand zwei weitere placebokontrollierte Studien mit Sexualitätsbezug, die über den Humanfilter der Standardsuche nicht auffindbar waren. Die erste prüfte an 115 Frauen zwischen 40 und 65 Jahren über 12 Wochen einen anderen, mit 600 mg pro Tag dosierten proprietären Extrakt gegen Wechseljahresbeschwerden und fand als eine von vier Unterdomänen des eingesetzten Fragebogens auch die Domäne sexuelle Symptome signifikant gebessert gegenüber Placebo, p kleiner 0,001, ohne dass sexuelles Verlangen dort als eigenes Instrument separat erfasst wurde. Diese Studie teilt mit der oben zitierten Libifem-Studie eine Autorin und ist damit keine unabhängige Arbeitsgruppe, eine weitere Autorenaffiliation gehört zu einem kommerziellen Forschungszentrum, The BRIDI Centre Pty Ltd. Die zweite prüfte an 48 perimenopausalen Frauen über 42 Tage einen weiteren proprietären Extrakt, 2 mal 250 mg pro Tag, gegen Wechseljahresbeschwerden und berichtet unter anderem einen Anstieg des freien Testosterons um 38,2 Prozent, den das Abstract ausdrücklich nur innerhalb der Extraktgruppe ausweist und nicht als Unterschied gegenüber Placebo, maß aber kein eigenes Instrument für sexuelles Verlangen, vier Autorenaffiliationen gehören zum Hersteller des geprüften Extrakts, Akay Natural Ingredients Pvt Ltd. Beide Arbeiten stützen die Richtung des Hormonbefunds, sind aber kein unabhängiger Beleg für den hier benannten engeren Endpunkt sexuelles Verlangen und Erregung. Für diesen engeren Endpunkt selbst ergab die Suche keine weitere placebokontrollierte Studie mit einer anderen, unabhängigen Standardisierung

    Quellen: 13, 27, 28

  7. 07

    Wechseljahresbeschwerden bei Frauen, drei einzelne Studien mit unterschiedlichen proprietären Extrakten positiv, eine narrative Übersicht insgesamt zurückhaltender

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine randomisierte, placebokontrollierte Studie mit 115 Frauen zwischen 40 und 65 Jahren prüfte über 12 Wochen einen proprietären, entschälten Bockshornklee-Samenextrakt, 600 mg pro Tag, mit dem Fragebogen MENQOL als primärem Endpunkt, das Abstract nennt für diesen Extrakt keine bezifferte Standardisierung, eine Autorenaffiliation gehört zu einem kommerziellen Forschungszentrum, The BRIDI Centre Pty Ltd. Der Gesamtscore sowie alle vier Unterdomänen, vasomotorisch, psychosozial, körperlich und sexuell, besserten sich signifikant gegenüber Placebo, jeweils p kleiner 0,001, ebenso die Häufigkeit von Hitzewallungen und Nachtschweiß am Tag, der Serumöstradiolspiegel unterschied sich nach der Behandlung nicht zwischen den Gruppen. Eine zweite randomisierte, placebokontrollierte Studie mit 48 perimenopausalen Frauen prüfte über 42 Tage einen anderen proprietären Extrakt, standardisiert auf ein im Abstract genanntes 3-zu-1-Verhältnis von Protodioscin zu Trigonellin, 2 mal 250 mg pro Tag, mit dem Fragebogen MRS, und fand signifikante Verbesserungen in den somatischen, psychologischen und urogenitalen Unterscores, unter anderem bei Hitzewallungen, Nachtschweiß, depressiver Verstimmung und Schlaflosigkeit, zusammen mit einem Anstieg von Östradiol, freiem Testosteron und Progesteron sowie einem Rückgang von FSH und SHBG, wobei das Abstract die Fragebogenscores ausdrücklich als Vergleich zwischen und innerhalb der Gruppen führt, diese Hormonwerte dagegen nur innerhalb der Extraktgruppe ausweist und für sie keinen Vergleich gegenüber Placebo nennt, vier Autorenaffiliationen dieser Studie gehören zum Hersteller des geprüften Extrakts, Akay Natural Ingredients Pvt Ltd. Eine dritte randomisierte, placebokontrollierte Studie mit 88 postmenopausalen Frauen prüfte über 90 Tage einen dritten proprietären Extrakt, FenuSMART, 1000 mg pro Tag, mit dem Greene Climacteric Scale und dem SF-36-Fragebogen zur Lebensqualität, und fand gegenüber Placebo und Ausgangswert signifikante Verbesserungen der postmenopausalen Beschwerden und der Lebensqualität sowie einen Anstieg des Plasmaöstradiols um 120 Prozent, vier Autorenaffiliationen gehören zum Hersteller des geprüften Extrakts, Akay Flavours and Aromatics Ltd, demselben Unternehmen wie bei der zweiten hier genannten Studie. Alle drei Studien prüften unterschiedliche, markenrechtlich geschützte Zubereitungen, keine davon ist eine unabhängige Bestätigung der jeweils anderen. Eine 2021 veröffentlichte narrative Übersichtsarbeit zu pflanzlichen Mitteln bei Wechseljahresbeschwerden kommt für Bockshornklee zu einer vorsichtigeren Einschätzung und schreibt laut Volltext wörtlich, die Datenlage zur Verwendung von Bockshornklee bei Wechseljahresbeschwerden und Dysmenorrhoe sei zu spärlich, um diese Verwendung zu stützen, sie liefert dafür aber keine eigene quantitative Auswertung, sondern eine zusammenfassende Einschätzung der Autoren. Im selben Kapitel referiert dieselbe Übersichtsarbeit vor dieser Einschätzung die zweite der hier genannten Studien im eigenen Fließtext zustimmend, sie ist für diese eine Studie deshalb keine unabhängige Gegenstimme, sondern eine nachgeschaltete, vorsichtigere Gesamteinschätzung, die auch auf denselben Daten beruht. Die erste und die dritte hier genannte Studie werden in dieser Übersichtsarbeit nicht erwähnt

    Quellen: 27, 28, 29, 30

  8. 08

    Muskelkraft und Körperzusammensetzung bei männlichen Sportlern, in der vorliegenden Meta-Analyse ohne statistisch signifikanten Effekt trotz positiver Gesamteinschätzung der Autoren

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Dieselbe Meta-Analyse aus 7 Studien mit 449 Teilnehmenden, die für Gesamttestosteron einen kleinen signifikanten Effekt fand, wertete für männliche Athleten auch Muskelkraft und Körperzusammensetzung aus, fettfreie Körpermasse, standardisierte Mitteldifferenz 0,19, 95 Prozent Konfidenzintervall minus 0,10 bis 0,49, Fettmasse minus 0,19, 95 Prozent Konfidenzintervall minus 0,44 bis 0,05, und Beinpresse-Leistung 0,22, 95 Prozent Konfidenzintervall minus 0,02 bis 0,47. Keiner dieser drei Werte ist statistisch signifikant, die Konfidenzintervalle schließen jeweils die Null ein, reichen aber bis zu einem Effekt, der spürbar wäre, das ist ein Ausbleiben in einer noch zu kleinen und heterogenen Datenlage, keine gezeigte Wirkungslosigkeit. Im selben Abschnitt schreiben die Autoren dennoch, die chronische Einnahme von Bockshornklee habe leistungssteigernde und anabole Effekte bei männlichen Athleten, eine Formulierung, die über die eigenen, nicht signifikanten Zahlen hinausgeht. Eine spätere systematische Übersicht ohne eigene Meta-Analyse identifizierte 6 randomisierte, kontrollierte Studien zur Muskelleistung und beschreibt 4 davon laut eigenem Volltext als Studien mit positivem Effekt, im Einzelnen jedoch mit unterschiedlicher Aussagekraft für einen Extrakt allein. Eine dieser 4 Studien, 47 Männer über 8 Wochen, prüfte Kreatin plus 900 mg Bockshornklee-Extrakt pro Tag gegen Kreatin plus 70 g Dextrose pro Tag, ohne Placebogruppe, und fand für beide Kombinationen eine vergleichbare, signifikante Verbesserung von Bankdrücken und Beinpresse im 1-Wiederholungsmaximum sowie der fettfreien Masse, mit einem im Volltext beschriebenen leichten Vorteil der Bockshornklee-Kombination bei Bankdrücken und fettfreier Masse nach 4 von 8 Wochen. Ohne Placebogruppe und mit Kreatin als gemeinsamer Grundlage beider Arme lässt sich aus dieser Studie kein eigenständiger Effekt von Bockshornklee ableiten, sie ist zudem ein Kombinationspräparat. Eine zweite dieser 4 Studien, 45 Männer und Frauen über 28 Tage, prüfte eine lösliche Bockshornklee-Ballaststofffraktion sowie eine Kombination aus Curcumin und derselben Ballaststofffraktion (CurQfen) jeweils gegen Placebo und fand eine verbesserte submaximale Ermüdungsschwelle in beiden aktiven Gruppen, nicht aber eine veränderte maximale Ausdauerleistung, das ist ein Ausdauer- und kein Kraftendpunkt, und auch diese Studie ist teils ein Kombinationspräparat mit Curcumin. Eine dritte dieser 4 Studien, 60 Männer über 8 Wochen, prüfte eine auf Glykoside standardisierte Bockshornklee-Fraktion, Fenu-FG, 300 mg pro Tag, gegen Placebo und fand laut Volltext ausdrücklich keine signifikante Verbesserung der Muskelkraft gegenüber Placebo, wohl aber eine signifikant höhere Wiederholungszahl bis zur muskulären Erschöpfung, ein Ausdauer-, kein Kraftbefund. Die vierte dieser 4 Studien, 49 Männer über 8 Wochen, prüfte ein kommerzielles botanisches Präparat auf Bockshornklee-Samenpulverbasis, 500 mg pro Tag, gegen Placebo und fand hier tatsächlich eine signifikante Verbesserung von Bankdrücken und Beinpresse im 1-Wiederholungsmaximum sowie der Körperzusammensetzung, mit Samenpulver statt eines Extrakts als geprüfter Zubereitung. Von den 4 als positiv beschriebenen Studien ist damit nur eine einzige eine saubere, placebokontrollierte Studie mit einem eindeutigen Kraftbefund, und diese prüfte Pulver statt Extrakt, 2 der 4 sind Kombinationspräparate im Sinne der oben beschriebenen Regel, und eine weitere fand für Kraft ausdrücklich keinen Effekt und stützt sich nur auf einen Ausdauerbefund. Dazu kommen 2 weitere kleine Studien mit unter 10 Teilnehmenden zur Muskelglykogen-Resynthese nach dem Training, von denen nur eine einen signifikanten Effekt fand. Diese Übersicht hat einen frei zugänglichen Volltext, die Meta-Analyse aus 7 Studien mit 449 Teilnehmenden dagegen nicht, die genaue Überschneidung der in beiden Übersichten eingeschlossenen Primärstudien lässt sich deshalb nicht bestimmen und ist ausdrücklich offen, nicht geprüft

    Quellen: 7, 26

  9. 09

    Milchbildung bei stillenden Frauen, geringe Evidenz für einen Effekt gegenüber Placebo bei sehr niedriger Ergebnissicherheit, im Vergleich zu anderen Galactagoga uneinheitlich oder unterlegen

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Ein Cochrane-Review aus 41 randomisierten Studien mit 3005 Müttern zu oralen Galactagoga insgesamt, darunter mehrere Studien zu Bockshornklee neben Fenchel, Ingwer, Moringa und weiteren Mitteln, stuft die Gesamtevidenz durchgehend als niedrig bis sehr niedrig sicher ein, wegen hohem Verzerrungsrisiko, vor allem fehlender Verblindung, sowie großer klinischer und statistischer Heterogenität. Für die Milchvolumen-Ergebnisse insgesamt schreiben die Autoren ausdrücklich, wegen hoher Heterogenität zwischen den verschiedenen Galactagoga-Typen, I-Quadrat 98,9 Prozent, keine übergreifende Meta-Analyse gerechnet, sondern nur getrennte Werte je Mittel berichtet zu haben, der hier zitierte Bockshornklee-Wert ist deshalb eine Einzelstudie, keine gepoolte Zahl. Für den direkten Vergleich von Bockshornklee gegen Placebo beziehungsweise gegen keine Behandlung enthält der Review laut Volltext eine einzelne auswertbare Studie mit 37 ausgewerteten Teilnehmerinnen, Mitteldifferenz beim Milchvolumen plus 15,30 Milliliter, 95 Prozent Konfidenzintervall 6,93 bis 23,67, von den Autoren als sehr niedrig sicher eingestuft. Dieselbe dreiarmige Studie mit insgesamt 75 randomisierten Müttern, laut Volltext als Vergleich von Bockshornklee-Tee gegen Dattelpalme gegen keine Behandlung angelegt, liefert auch den unten genannten Vergleich gegen Dattelpalme, der günstige und der ungünstige Befund stammen also aus derselben Studie und derselben Zubereitung, einem Tee mit rund 2 Gramm Bockshornklee pro Tasse, 3 Tassen täglich, keiner der übrigen in diesem Eintrag zitierten Extraktformen. Der Cochrane-Review selbst stuft diese Studie wegen fehlender Verblindung der die Milchmenge abpumpenden Mütter als hohes Verzerrungsrisiko für diesen Endpunkt ein und schreibt allgemein zu ähnlich angelegten Studien, das Wissen um die Intervention könne den Einsatz beeinflusst haben, den die Mütter beim Abpumpen der Milch investierten. Eine separate Netzwerk-Meta-Analyse mit insgesamt 5 kleinen Studien und 122 mit Bockshornklee behandelten Teilnehmerinnen wertet laut eigenem Abstract für den direkten Vergleich gegen Placebo nur 4 dieser 5 Studien aus und fand darin eine ähnlich große, ebenfalls signifikante Mehrmenge, gewichtete Mitteldifferenz 11,11 Milliliter, 95 Prozent Konfidenzintervall 6,77 bis 15,46. Beide Arbeiten weisen für Bockshornklee gegen Placebo damit in dieselbe Richtung und eine ähnliche Größenordnung, bei sehr niedriger Ergebnissicherheit, und da beide Arbeiten auch für den Vergleich gegen Dattelpalme dieselbe dreiarmige Studie auswerten, ist mindestens eine Primärstudie in beiden Arbeiten identisch, eine vollständig unabhängige Bestätigung ist das also nicht, auch wenn sich die übrigen Studien beider Arbeiten nicht abschließend abgleichen lassen. Im Vergleich mit anderen Galactagoga statt mit Placebo fällt der Befund weniger günstig aus. Die Netzwerk-Meta-Analyse schreibt im eigenen Abstract, die Wirkung von Bockshornklee sei den Mitteln Coleus amboinicus Lour und Dattelpalme deutlich unterlegen gewesen. Der Cochrane-Review findet für denselben direkten Vergleich von Bockshornklee-Tee gegen Dattelpalme in derselben Studie mit 50 ausgewerteten Teilnehmerinnen ein signifikant geringeres Milchvolumen unter Bockshornklee, Mitteldifferenz minus 16,80 Milliliter, 95 Prozent Konfidenzintervall minus 27,22 bis minus 6,38, ebenfalls sehr niedrige Ergebnissicherheit. Für das Säuglingsgewicht als abweichenden Endpunkt schreiben die Cochrane-Autoren wörtlich, sie seien sich sehr unsicher, ob Bockshornklee das Gewicht der Säuglinge verbessere, das ist eine andere Messgröße als das hier berichtete Milchvolumen und kein Gegenbefund zu den Milchvolumen-Zahlen. Eine gezielte Suche mit den Begriffen fenugreek und lactation meta-analysis sowie fenugreek und breast milk production lactation ergab keine neuere, unabhängige Meta-Analyse, die dieses Ergebnis bestätigt oder widerlegt. Alle zugrundeliegenden Studien betreffen stillende Frauen nach der Geburt, eine andere Zielgruppe als bei den übrigen Wirkungen dieses Eintrags

    Quellen: 14, 15

  10. 10

    Appetit und Sättigungsgefühl bei Einnahme eines Extrakts, subjektiv über Skalen erfasst, ohne belastbaren Effekt in den beiden vorliegenden Studien

    Nicht bestätigt
    Einordnung und Einschränkungen

    Zwei randomisierte, placebokontrollierte Studien derselben Arbeitsgruppe prüften gezielt einen hydroalkoholischen Bockshornklee-Samenextrakt, in Zubereitung und Dosisbereich näher an einem Extrakt als die übrigen Wirkungen dieses Eintrags. Eine Cross-over-Studie mit 12 gesunden Männern und 588 beziehungsweise 1176 mg Extrakt pro Tag über je 14 Tage berichtet laut Abstract keinen signifikanten Effekt auf die mit visuellen Analogskalen erfassten Werte für Appetit und Sättigung, ohne dass das Abstract dafür ein Effektmaß oder Konfidenzintervall nennt. Eine Parallelgruppenstudie mit 39 übergewichtigen Männern über 6 Wochen berichtet ebenso ohne Effektmaß keinen signifikanten Effekt auf Appetit- oder Sättigungsscores und auch nicht auf das Körpergewicht. Beide Arbeiten sind damit als Ausbleiben eines Effekts in kleinen Studien zu lesen, nicht als abschließend widerlegt. Andere Zubereitungen zeigen davon abweichende Befunde. Eine kleine Cross-over-Studie mit isolierter Bockshornklee-Ballaststofffraktion, 8 g in einer einzelnen Testmahlzeit, fand bei 18 adipösen Personen eine signifikant erhöhte subjektive Sättigung und reduzierten Hunger, ohne dass sich dieser subjektive Effekt in einer geringeren tatsächlich verzehrten Energiemenge am anschließenden Büfett niederschlug, dort zeigte sich gegenüber der Kontrolle nur ein statistisch nicht signifikanter Trend, p gleich 0,11. Eine sehr kleine Cross-over-Studie mit Bockshornklee-Tee, die im Abstract eingesetzte Teemenge pro Tasse oder Tag ist nicht beziffert, fand bei 9 übergewichtigen Frauen ebenfalls eine subjektive Appetitminderung gegenüber Placebo-Tee, während sich die tatsächlich verzehrte Menge am anschließenden Mittagsbüfett zwischen den Gruppen nicht signifikant unterschied. Ballaststofffraktion und Tee sind andere Zubereitungen als ein saponinstandardisierter Extrakt, die Übertragbarkeit dieser positiven Befunde auf einen Extrakt ist damit nicht gegeben, dieselbe Zubereitungsgrenze gilt in diesem Eintrag auch für die Tee-Zubereitung in der Milchbildungs-Zeile, dort unabhängig davon, ob das Ergebnis günstig oder ungünstig ausfiel

    Quellen: 16, 17, 18, 19

  11. 11

    Reduzierte spontane Fettaufnahme bei der Nahrungswahl

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Dieselben beiden Studien, die keinen belastbaren Effekt auf Appetit und Sättigung zeigten, fanden für einen enger gefassten Endpunkt einen Effekt. Die Cross-over-Studie mit 12 gesunden Männern fand unter der höheren Dosis, 1176 mg pro Tag, eine signifikant reduzierte Fettaufnahme verglichen mit Placebo, minus 17,3 Prozent, 95 Prozent Konfidenzintervall minus 1,51 bis minus 0,05 Megajoule pro Tag, bei einem Trend zu geringerer Gesamtenergieaufnahme, der die Signifikanz verfehlte. Die Parallelgruppenstudie mit 39 übergewichtigen Männern fand ebenfalls eine signifikant reduzierte Fettaufnahme im Verhältnis zum Gesamtenergieumsatz verglichen mit Placebo. Beide Studien stammen von derselben französischen Arbeitsgruppe, eine unabhängige Bestätigung liegt nicht vor, und die genaue Saponin-Standardisierung des geprüften Extrakts ist in beiden Abstracts nicht beziffert

    Quellen: 16, 17

  12. 12

    Schmerzintensität bei primärer Dysmenorrhoe, rohes Samenpulver, nicht Extrakt, bei sehr niedriger Ergebnissicherheit

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine 2024 veröffentlichte Meta-Analyse aus 4 Studien fand für die Schmerzstärke bei primärer Dysmenorrhoe gegenüber Placebo eine signifikante Verbesserung unter Bockshornklee, standardisierte Mitteldifferenz minus 2,21, 95 Prozent Konfidenzintervall minus 3,26 bis minus 1,17, während sich im Vergleich gegen das Schmerzmittel Mefenaminsäure kein Unterschied zeigte, standardisierte Mitteldifferenz 0,05, 95 Prozent Konfidenzintervall minus 0,57 bis 0,67, ebenso wenig gegen die ayurvedische Zubereitung Chandrasura churna. Die Autoren stufen die Ergebnissicherheit nach dem GRADE-Ansatz als niedrig ein und schreiben wörtlich, der Effekt von Bockshornklee auf die Schmerzintensität bei Dysmenorrhoe sei in hohem Maß unsicher, der wahre Effekt könne erheblich von der Schätzung abweichen. Ein separater Cochrane-Review zu Nahrungsergänzungsmitteln bei Dysmenorrhoe aus 27 randomisierten Studien mit 3101 Frauen führt für Bockshornklee gegen Placebo eine einzelne auswertbare Studie mit 101 Frauen, Mitteldifferenz auf einer Schmerzskala von 0 bis 10 minus 1,71 Punkte, 95 Prozent Konfidenzintervall minus 2,35 bis minus 1,07, und stuft die Gesamtevidenz zu allen geprüften Mitteln dieses Reviews durchgehend als niedrig bis sehr niedrig sicher ein, vor allem wegen kleiner Stichproben und lückenhafter Methodenberichte. Diese einzelne Studie ist im Volltext auch einzeln nachvollziehbar, 101 unverheiratete Studentinnen erhielten an den ersten 3 Tagen der Menstruation über 2 aufeinanderfolgende Zyklen 2 bis 3 Kapseln Bockshornklee-Samenpulver zu je 900 mg dreimal täglich, das ist rohes Samenpulver in einer Tagesmenge von bis zu gut 8 Gramm, keine der in diesem Eintrag sonst zitierten Extraktformen, und sie dürfte eine der 4 in die Meta-Analyse eingegangenen Arbeiten sein, eine vollständig unabhängige zweite Bestätigung sind die beiden Übersichtsarbeiten deshalb nicht. Für Menschen mit primärer Dysmenorrhoe ist die verabreichte Form damit ausdrücklich rohes Samenpulver in einer deutlich höheren Tagesmenge als bei den übrigen, extraktbasierten Wirkungen dieses Eintrags

    Quellen: 33, 34, 35

Bockshornklee wird ein breites Bündel an Wirkungen zugeschrieben, von Blutzucker über Testosteron, sexuelle Funktion und Wechseljahresbeschwerden bis zu Milchbildung, Muskelleistung, Appetit und Regelschmerzen. Die Studienlage ist bei jeder dieser Zuschreibungen unterschiedlich belegt. Die meisten Human-Arbeiten prüfen entweder das ganze, unstandardisierte Samenpulver oder eine von mehreren markenrechtlich geschützten Extrakten mit jeweils eigener, in den Abstracts meist nicht bezifferter Standardisierung, ein Vergleich der Extrakte untereinander auf dieser Ebene ist deshalb in der Regel nicht möglich.

Studien im Detail

Blutzucker und Blutfette

Die Datenlage zu Blutzucker ist die umfangreichste zu diesem Stoff, betrifft aber fast ausschließlich Menschen mit diagnostiziertem Typ 2 Diabetes oder Prädiabetes, meist unter fortlaufender Medikation mit Metformin oder Sulfonylharnstoffen. Kim und Kollegen [1] werteten 2023 zehn randomisierte Studien mit 706 Teilnehmenden nach engen Einschlusskriterien aus und fanden signifikante Senkungen von Nüchternblutzucker und HbA1c verglichen mit Kontrolle, in beiden Fällen sowohl für standardisierte Extrakte als auch für rohes Samenpulver. Gong und Kollegen [2] kamen 2016 in einer älteren Meta-Analyse aus 12 Studien zu einem ähnlichen Ergebnis für Nüchternblutzucker, HbA1c und Gesamtcholesterin. Shabil und Kollegen [3] werteten 2023 eine breitere, methodisch schwächere Gruppe von 14 Studien aus, von denen laut Volltext nur 4 als qualitativ hochwertig eingestuft wurden und 7 ganz ohne Placebokontrolle liefen: Im Gesamtergebnis über alle 14 Studien verfehlte der Nüchternblutzucker knapp die Signifikanz, Mitteldifferenz minus 3,70 mg pro dl, p gleich 0,76, während HbA1c auch in dieser Arbeit signifikant sank. Getrennt nach Studiendesign zeigte sich beim Nüchternblutzucker in derselben Arbeit ein deutlich anderes Bild: Die 9 randomisierten Studien allein kamen auf eine Senkung von minus 17,61 mg pro dl, während die 4 als nicht randomisiert bezeichneten Studien im Original einen Anstieg von plus 28,88 mg pro dl zeigen, mit einem auffällig asymmetrischen Konfidenzintervall, das auf ein fehlendes Vorzeichen im Original hindeuten könnte, wir übernehmen den gedruckten Wert mit diesem Vorbehalt. Die Arbeit schreibt in der eigenen Methodik, ausschließlich randomisierte Studien einzuschließen, führt in der eigenen Auswertung aber 4 nicht randomisierte Studien, ein Widerspruch der Originalarbeit selbst. Für den Nüchternblutzucker berichtet dieselbe Arbeit zudem eine sehr hohe Heterogenität, I-Quadrat 99,37 Prozent, bei einer im Funnel-Plot sichtbaren Asymmetrie, die die Autoren als möglichen Hinweis auf Publikationsbias werten. Das widersprüchlich wirkende Gesamtergebnis dieser Arbeit entsteht also durch die als nicht randomisiert bezeichneten Studien, während die randomisierte Teilmenge in dieselbe Richtung weist wie Kim und Gong. Kim und Shabil teilen sich außerdem, direkt anhand ihrer je frei zugänglichen Volltexte geprüft, mehrere Primärstudien, darunter mindestens die Arbeiten von Lu, Rafraf, Hadi, Hassani, Gupta und Verma, für Gong ist mangels freiem Volltext keine entsprechende Prüfung möglich, plausibel ist eine Überschneidung trotzdem, weil Kim sich selbst als Aktualisierung von Gongs Arbeit versteht. Die drei Ergebnisse sind deshalb keine drei unabhängigen Bestätigungen, sondern überwiegend dieselben Daten mit unterschiedlicher Gewichtung und unterschiedlichem Einschluss nicht randomisierter Arbeiten. Für HbA1c fanden Kim und Kollegen zusätzlich eine deutliche Untergruppenteilung: Bei Zusatztherapie zu einer bestehenden Diabetesmedikation betrug die Senkung minus 0,97 Prozentpunkte, bei alleiniger Einnahme ohne Begleitmedikation nur minus 0,23 Prozentpunkte ohne statistische Signifikanz. Die Autoren beziehen ihren Hinweis auf identische Untergruppen nach Behandlungsart und Zubereitung auf die Blutfett-Auswertung. Bei HbA1c unterscheiden sich die Ergebnisse: Die Extrakt-Untergruppe zeigte eine signifikante Senkung um 0,34 Prozentpunkte, die Monotherapie-Untergruppe nicht. Eine Netzwerk-Meta-Analyse zu sechs pflanzlichen Mitteln [5], ohne vorliegenden Volltext und deshalb ohne prüfbare Überschneidung zu den drei anderen Arbeiten, fand für Bockshornklee gegenüber Placebo eine signifikante Senkung sowohl des Nüchternblutzuckers, standardisierte Mitteldifferenz minus 19,64, als auch, mit einem im Abstract positiv statt negativ notierten Wert, den wir als mutmaßliche Unstimmigkeit werten, des HbA1c, standardisierte Mitteldifferenz 0,84. Eine Einzelstudie mit einem gesamtsaponin-standardisierten Extrakt als Zusatz zu Sulfonylharnstoffen [4], die zugleich Teil der Meta-Analysen von Kim und Gong ist, stützt zusätzlich die positive Richtung beim Nüchternblutzucker. Für die Blutfette fanden sowohl Kim [1] als auch Gong [2] im Gesamtergebnis eine signifikante Senkung des Gesamtcholesterins. Triglyceride waren bei Kim signifikant gesenkt, bei Gong zeigte sich nur ein nicht signifikanter Trend; LDL-Cholesterin war nicht durchgehend signifikant verändert. Nach Zubereitung getrennt trugen bei Kim allerdings nur die Studien mit rohem Samenpulver den Effekt bei Gesamtcholesterin und HDL, während bei den Extrakt-Studien nur Triglyceride signifikant waren.

Testosteron und sexuelle Funktion

Hier zeigt sich das deutlichste Beispiel für Markenvielfalt in diesem Eintrag. Sechs randomisierte, placebokontrollierte Humanstudien zu Bockshornklee-Samenextrakten und Testosteron bei Männern sind bekannt [8], mit Tagesdosen zwischen 250 und 600 mg über 8 bis 12 Wochen sowie einer akuten Zehn-Stunden-Einzeldosis-Studie, und alle sechs prüfen unterschiedliche, markenrechtlich geschützte Extrakte. Vier davon fanden einen signifikanten Anstieg des Gesamttestosterons gegenüber Placebo, darunter die Zehn-Stunden-Akutstudie, zwei fanden keinen Unterschied. Zwei Meta-Analysen [6, 7] fassen einen Teil dieser Arbeiten zusammen: Mansoori und Kollegen [6] fanden 2020 in nur vier eingeschlossenen Studien einen signifikanten Effekt, ohne im Abstract Details zu Dosis oder Zubereitung zu nennen und ohne vorliegenden Volltext. Die oben genannte Übersicht [8] nennt diese vier Studien laut eigenem Volltext einzeln, es sind vier der sechs hier aufgeführten Arbeiten, Mansoori ist damit keine unabhängige Bestätigung, sondern eine Teilmenge derselben sechs Studien. Isenmann und Kollegen [7] fanden 2023 in sieben Studien mit überwiegend männlichen Kraftsportlern einen kleinen, aber signifikanten Effekt auf das Gesamttestosteron, jedoch keinen signifikanten Effekt auf das freie Testosteron, die fettfreie Körpermasse, die Fettmasse oder die Beinpresse-Leistung, obwohl die Autoren im selben Abschnitt von leistungssteigernden und anabolen Effekten schreiben. Die 2024 veröffentlichte Einzelstudie [9], eine randomisierte, placebokontrollierte Arbeit mit 95 Männern über 12 Wochen und drei Dosisstufen, 600, 1200 und 1800 mg pro Tag, eines mit Magnesium, Zink, Vitamin D3 und acht B-Vitaminen kombinierten Extrakts, fand für das Plasma-Gesamttestosteron über alle Dosen keinen signifikanten Unterschied gegenüber Placebo, obwohl die Studie vom Auftragslabor finanziert wurde, in dem die Intervention stattfand, und zwei Autoren an diesem Labor beteiligt sind; die Placebogruppe erhielt dieselben Mikronährstoffe ohne den Extrakt. Für das Speicheltestosteron zeigte sich dagegen bereits über alle drei Dosen gemeinsam ein signifikanter Unterschied gegenüber Placebo, plus 37,2 Prozent. Für die höchste Dosis allein berichtet die Studie zusätzlich einen Anstieg des Speicheltestosterons um 19,6 Prozent gegenüber dem eigenen Ausgangswert vor der Intervention, keine gegen Placebo dosisgetrennte Zahl und kleiner als der kombinierte Placebo-Vergleich.

Für die subjektiv wahrgenommene sexuelle Funktion liegt bei Männern eine einzelne, methodisch saubere placebokontrollierte Studie vor [10], deren Titel bereits nennt, dass der geprüfte Testofen-Extrakt mit einer Mineralstoff-Formulierung kombiniert war; sie fand laut Abstract signifikante Verbesserungen in den Unterdomänen sexuelle Erregung und Orgasmus des DISF-SR-Fragebogens, bei unverändertem Testosteron im Normbereich, für die Unterdomäne sexuelles Verlangen und den Gesamtscore nennt das Abstract keine Signifikanz. Die einzige im Datensatz genannte institutionelle Zugehörigkeit der Erstautorin ist ein kommerzielles Auftragsforschungsunternehmen für klinische Studien. Die Studie mit 95 Männern [9] erhob mit einem eigenen, nicht validierten Fragebogen fünf Einzelitems, Erektion, Fitness, Vitalität, sexuelles Verlangen und Freude am Sex, und fand laut Volltext für keines davon einen signifikanten Unterschied zu Placebo. Diese Studie misst weder sexuelle Erregung noch Orgasmus, die beiden Domänen der Testofen-Studie; ihr einziges konzeptionell vergleichbares Item ist das sexuelle Verlangen, und dort stimmen beide Arbeiten überein, kein belastbarer Effekt. Das ist deshalb kein Widerspruch, sondern zwei Studien mit unterschiedlichem Instrument, deren einziger gemeinsamer Endpunkt in dieselbe, negative Richtung weist; die positive Evidenz zu Erregung und Orgasmus ruht dabei auf einer einzelnen, kommerziell finanzierten Arbeitsgruppe, deren Erstautorin auch die Wechseljahresbeschwerden-Zeile mit einer weiteren, kommerziell affiliierten Studie mitträgt. Zwei weitere, häufig zitierte Arbeiten zu Libido und sexueller Gesundheit [11, 12] sind einarmige, offene Studien ohne jede Kontrollgruppe, je 500 mg pro Tag über 12 Wochen, beide vom selben Hersteller des geprüften Extrakts Furosap finanziert und durchgeführt. Ohne Kontrollgruppe lässt sich ein berichteter Anstieg nicht von einem Placebo- oder Erwartungseffekt unterscheiden, weshalb diese beiden Arbeiten hier keine eigenständige Evidenz tragen.

Bei Frauen liegt zu sexuellem Verlangen und Erregung eine placebokontrollierte Studie vor [13], die unter einem auf Libifem standardisierten Extrakt signifikante Verbesserungen von freiem Testosteron, Estradiol sowie fragebogenbasiertem sexuellem Verlangen und Erregung fand, zwei Autorenaffiliationen dieser Studie gehören zu kommerziellen Unternehmen. Eine Suche ohne Humanfilter fand zwei weitere placebokontrollierte Studien mit Sexualitätsbezug, die primär zu Wechseljahresbeschwerden liefen [27, 28]: eine mit einer signifikant gebesserten Unterdomäne sexuelle Symptome eines Menopause-Fragebogens, mit einer Autorin, die auch an der Libifem-Studie beteiligt war, die zweite mit einem Anstieg des freien Testosterons ohne eigenes Instrument für sexuelles Verlangen. Beide sind ein Hinweis in dieselbe Richtung, aber keine unabhängige Bestätigung des engeren Endpunkts.

Wechseljahresbeschwerden

Eine placebokontrollierte Studie mit 115 Frauen zwischen 40 und 65 Jahren [27] fand unter einem proprietären, entschälten Bockshornklee-Samenextrakt, 600 mg pro Tag über 12 Wochen, signifikante Verbesserungen des Gesamtscores und aller vier Unterdomänen eines Menopause-Fragebogens gegenüber Placebo, bei nach der Behandlung unverändertem Serumöstradiol zwischen den Gruppen; eine Autorenaffiliation gehört zu einem kommerziellen Forschungszentrum. Eine zweite placebokontrollierte Studie mit 48 perimenopausalen Frauen [28] fand unter einem anderen proprietären Extrakt, standardisiert auf ein 3-zu-1-Verhältnis von Protodioscin zu Trigonellin, 2 mal 250 mg pro Tag über 42 Tage, signifikante Verbesserungen somatischer, psychologischer und urogenitaler Beschwerden zusammen mit einer Verschiebung mehrerer Sexualhormone; eine Autorenaffiliation dieser Studie gehört zum Hersteller des Extrakts. Eine dritte placebokontrollierte Studie mit 88 postmenopausalen Frauen [30] fand unter einem dritten proprietären Extrakt, FenuSMART, 1000 mg pro Tag über 90 Tage, signifikante Verbesserungen der postmenopausalen Beschwerden und der Lebensqualität sowie einen Anstieg des Plasmaöstradiols um 120 Prozent; eine Autorenaffiliation gehört zum selben Hersteller wie bei der zweiten Studie. Eine narrative Übersichtsarbeit von 2021 [29] kommt für Bockshornklee bei Wechseljahresbeschwerden und Dysmenorrhoe zu einer vorsichtigeren Einschätzung und schreibt laut Volltext wörtlich, die Datenlage sei zu spärlich, um diese Verwendung zu stützen; im selben Kapitel referiert sie davor die zweite der drei Studien zustimmend und ist für diese eine Studie deshalb keine unabhängige Gegenstimme, die erste und dritte Studie kommen darin nicht vor, und die Übersicht liefert selbst keine eigene quantitative Auswertung.

Muskelkraft und Körperzusammensetzung

Dieselbe Meta-Analyse, die den kleinen Effekt auf das Gesamttestosteron fand [7], wertete für männliche Athleten auch Muskelkraft und Körperzusammensetzung aus. Fettfreie Körpermasse, Fettmasse und Beinpresse-Leistung veränderten sich jeweils in die günstige Richtung, keiner der drei Werte erreichte statistische Signifikanz, mit Konfidenzintervallen, die bis zu einem spürbaren Effekt reichen. Trotzdem schreiben die Autoren im selben Abschnitt von leistungssteigernden und anabolen Effekten bei männlichen Athleten. Eine spätere systematische Übersicht ohne eigene Meta-Analyse [26] identifizierte sechs randomisierte, kontrollierte Studien zur Muskelleistung und beschreibt vier davon als Studien mit positivem Effekt, bei genauerem Blick in den Volltext mit unterschiedlicher Tragfähigkeit: Eine prüfte Kreatin plus Bockshornklee-Extrakt gegen Kreatin plus Dextrose ohne Placebogruppe, eine zweite eine Kombination aus Curcumin und Bockshornklee-Ballaststofffraktion mit einem verbesserten Ausdauer-, keinem Kraftendpunkt in beiden aktiven Armen, eine dritte fand für die Muskelkraft selbst ausdrücklich keinen signifikanten Unterschied zu Placebo und stützt sich nur auf einen Ausdauerbefund, und nur die vierte ist eine saubere, placebokontrollierte Studie mit einem eindeutigen Kraftbefund, allerdings mit Bockshornklee- Samenpulver statt eines Extrakts. Zwei der vier sind damit Kombinationspräparate. Dazu kommen zwei kleine Studien zur Muskelglykogen-Resynthese, von denen nur eine einen signifikanten Effekt fand.

Milchbildung

Der Cochrane-Review von Foong und Kollegen [14] wertet 41 randomisierte Studien zu oralen Galactagoga insgesamt aus, darunter mehrere zu Bockshornklee, und stuft die Gesamtevidenz durchgehend als niedrig bis sehr niedrig sicher ein; für das Milchvolumen wurde wegen sehr hoher Heterogenität zwischen den verschiedenen Mitteln, I-Quadrat 98,9 Prozent, bewusst nicht über alle Galactagoga hinweg gepoolt, sondern nur je Mittel ausgewertet. Für den direkten Vergleich von Bockshornklee gegen Placebo beziehungsweise gegen keine Behandlung enthält der Review eine einzelne auswertbare Studie mit 37 ausgewerteten Teilnehmerinnen und findet dort ein signifikant größeres Milchvolumen, Mitteldifferenz plus 15,30 Milliliter. Dieselbe dreiarmige Studie, angelegt als Vergleich von Bockshornklee-Tee gegen Dattelpalme gegen keine Behandlung, liefert auch den unten genannten, ungünstigen Vergleich gegen Dattelpalme, günstiger und ungünstiger Befund stammen also aus derselben Studie mit derselben Zubereitung, einem Tee, keinem Extrakt, und der Cochrane-Review selbst stuft sie wegen der fehlenden Verblindung der abpumpenden Mütter als hohes Verzerrungsrisiko für diesen Endpunkt ein. Die separate Netzwerk-Meta-Analyse von Khan und Kollegen [15] wertet für den direkten Vergleich gegen Placebo 4 von insgesamt 5 kleinen Studien mit 122 Teilnehmerinnen aus und findet ein ähnlich großes Ergebnis, plus 11,11 Milliliter; beide Werte weisen in dieselbe Richtung und liegen in ähnlicher Größenordnung, bei durchgehend sehr niedriger Ergebnissicherheit, und da beide Arbeiten auch für den Vergleich gegen Dattelpalme dieselbe Studie auswerten, ist mindestens eine Primärstudie in beiden Arbeiten identisch. Im Vergleich mit anderen Galactagoga statt mit Placebo fällt der Befund weniger günstig aus: Khan und Kollegen schreiben im eigenen Abstract, die Wirkung von Bockshornklee sei den Mitteln Coleus amboinicus Lour und Dattelpalme deutlich unterlegen gewesen, und der Cochrane-Review findet für Bockshornklee-Tee gegen Dattelpalme in derselben Studie mit 50 ausgewerteten Teilnehmerinnen ein signifikant geringeres Milchvolumen unter Bockshornklee. Für das Säuglingsgewicht, einen anderen Endpunkt als das Milchvolumen, schreiben die Cochrane-Autoren wörtlich, sie seien sich sehr unsicher, ob Bockshornklee es verbessere. Alle zugrunde liegenden Studien betreffen stillende Frauen nach der Geburt, eine andere Zielgruppe als bei den übrigen Wirkungen dieses Eintrags.

Appetit, Sättigung und Fettaufnahme

Zwei placebokontrollierte Studien derselben französischen Arbeitsgruppe [16, 17] prüften gezielt einen hydroalkoholischen Bockshornklee-Extrakt bei gesunden beziehungsweise übergewichtigen Männern. Beide Abstracts berichten übereinstimmend keinen signifikanten Effekt auf subjektiv über Skalen erfasste Werte für Appetit und Sättigung, ebenso wenig auf das Körpergewicht, ohne dafür ein Effektmaß oder Konfidenzintervall zu nennen. Für einen enger gefassten Endpunkt, die spontane Fettaufnahme bei der Nahrungswahl, fanden beide Studien dagegen eine signifikante Reduktion gegenüber Placebo, mit Effektmaß und Konfidenzintervall im Abstract. Andere Zubereitungen zeigen ein abweichendes Bild: Eine isolierte Ballaststofffraktion aus Bockshornklee, 8 g in einer einzelnen Testmahlzeit, erhöhte in einer kleinen Cross-over-Studie mit 18 adipösen Personen [18] die subjektive Sättigung signifikant, ohne dass sich das in einer geringeren tatsächlich verzehrten Energiemenge am anschließenden Büfett niederschlug, dort zeigte sich nur ein statistisch nicht signifikanter Trend. Ein Bockshornklee-Tee führte in einer sehr kleinen Cross-over-Studie mit 9 übergewichtigen Frauen [19] ebenfalls zu einer subjektiven Appetitminderung gegenüber Placebo-Tee, während sich die tatsächlich verzehrte Menge am anschließenden Mittagsbüfett zwischen den Gruppen nicht signifikant unterschied.

Dysmenorrhoe

Eine 2024 veröffentlichte Meta-Analyse aus 4 Studien [33] fand für die Schmerzstärke bei primärer Dysmenorrhoe eine signifikante Verbesserung gegenüber Placebo, standardisierte Mitteldifferenz minus 2,21, jedoch keinen Unterschied gegenüber dem Schmerzmittel Mefenaminsäure oder gegenüber der ayurvedischen Zubereitung Chandrasura churna, bei nach GRADE niedriger Ergebnissicherheit und einem von den Autoren selbst als in hohem Maß unsicher bezeichneten Effekt. Ein Cochrane-Review zu Nahrungsergänzungsmitteln bei Dysmenorrhoe [34] führt für Bockshornklee gegen Placebo eine einzelne Studie mit 101 Frauen, Mitteldifferenz minus 1,71 Punkte auf einer Schmerzskala von 0 bis 10. Diese Studie [35] ist im Volltext einzeln nachvollziehbar: 101 unverheiratete Studentinnen erhielten an den ersten 3 Tagen der Menstruation über 2 Zyklen bis zu 8100 mg rohes Bockshornklee-Samenpulver pro Tag, verteilt auf drei Einnahmen, keine der übrigen in diesem Eintrag zitierten Extraktformen, und ist mutmaßlich eine der 4 in die Meta-Analyse eingegangenen Arbeiten, eine unabhängige zweite Bestätigung ist der Cochrane-Befund deshalb nicht.

Tier- und Laborstudien

Swaroop und Kollegen [24] prüften den auf über 60 Prozent furostanolische Saponine standardisierten, patentierten Extrakt Fenfuro an Ratten mit Streptozotocin-induziertem Typ 2 Diabetes und in Zellassays zur Toxikologie. Der Extrakt senkte in diesem Tiermodell Nüchternblutzucker und Triglyceride und zeigte in akuter und subchronischer Toxizitätsprüfung sowie im bakteriellen Rückmutationstest keine Hinweise auf Toxizität. Das ist ein Tiermodell mit einer anderen, deutlich höher konzentrierten Saponin-Standardisierung als die in den Humanstudien dieses Eintrags geprüften Extrakte und trägt keine Wirkungsaussage für Menschen.

Sicherheit und Wechselwirkungen

Blutzucker und Medikamente. Da mehrere der oben zitierten Studien Bockshornklee als Zusatz zu Metformin oder Sulfonylharnstoffen prüften und dabei zusätzliche Senkungen von Nüchternblutzucker, postprandialem Blutzucker und HbA1c gegenüber der Kontrollgruppe fanden, ist bei gleichzeitiger Einnahme blutzuckersenkender Medikamente ein additiver Effekt auf den Blutzucker plausibel und sollte mitgedacht werden.

Warfarin. Ein Fallbericht [20] beschreibt einen Anstieg der International Normalized Ratio (INR) bei einer Patientin unter Warfarin, die gleichzeitig Boldo und Bockshornklee einnahm; nach Absetzen normalisierte sich der Wert, nach erneuter Einnahme trat der Effekt erneut auf. Die Zuordnung zu Bockshornklee allein ist wegen der gleichzeitigen Einnahme von Boldo nicht eindeutig. Eine Übersichtsarbeit zu Warfarin-Wechselwirkungen [21] führt Bockshornklee unter den Kräutern, die das Blutungsrisiko möglicherweise erhöhen können, ordnet es aber nicht der engeren Gruppe von Mitteln mit dokumentierten Fallberichten zu.

Allergie. Bockshornklee gehört zur Familie der Hülsenfrüchtler, wie die Erdnuss. Eine Laboruntersuchung [31] an Serum von 29 Menschen mit bekannter IgE-Reaktion gegen Erdnuss und andere Hülsenfrüchtler fand bei den meisten dieser Seren auch hohe spezifische IgE-Werte gegen Bockshornklee-Proteine und wertet die Bockshornklee-Sensibilisierung als Folge einer Kreuzreaktivität bei bestehender Erdnussallergie, eine eigenständige Bockshornklee-Allergie wurde in dieser Untersuchung nur bei einer einzigen Person vermutet. Ein offener Provokationstest mit nativem Bockshornklee-Pulver löste dort bereits bei einer Menge von etwa 2 Milligramm objektive Symptome aus. Eine spätere proteomische Untersuchung [32] fand für zwei Bockshornklee-Speicherproteine, 7S-Vicilin und 11S-Legumin, deutliche strukturelle Homologien zu den bekannten Erdnussallergenen Ara h 1 und Ara h 3 und liefert damit eine molekulare Erklärung für diese klinische Kreuzreaktivität. Ein Fallbericht [22] beschreibt eine IgE-vermittelte Anaphylaxie bei einem Kind nach Verzehr, ohne Angabe zu einer Erdnussallergie. Ein weiterer Fallbericht [23] beschreibt einen Gewürzmüller mit beruflich erworbener Sensibilisierung gegen sowohl Koriander als auch Bockshornklee, mit Anaphylaxie nach Verzehr von Koriander in einer Mahlzeit sowie Nesselsucht, Angioödem, Rhinokonjunktivitis und Bronchospasmus beim Umgang mit beiden Gewürzen am Arbeitsplatz. Laboruntersuchungen dieser Studie, Hemmversuche im Immuno-CAP-Verfahren, fanden dabei ausdrücklich keine Kreuzreaktivität zwischen Koriander und Bockshornklee; es handelt sich also um eine doppelte, unabhängige berufliche Sensibilisierung gegen zwei botanisch nicht verwandte Gewürze, nicht um eine Kreuzallergie. Für Menschen mit bekannter Erdnussallergie ist dagegen die belegte Kreuzreaktivität zu Bockshornklee die maßgebliche Sicherheitsinformation dieses Abschnitts.

Schwangerschaft. Die im Abschnitt Wechseljahresbeschwerden zitierte narrative Übersichtsarbeit [29] schreibt laut Volltext unter Berufung auf einen Bewertungsbericht der Europäischen Arzneimittel-Agentur, Bockshornklee solle wegen gebärmutterstimulierender und abtreibungsfördernder Wirkungen nicht in der Schwangerschaft eingenommen werden, dazu nennt sie nichtklinische Hinweise auf embryoletale Effekte, Hodentoxizität und eine Verringerung der Schilddrüsenhormonwerte. Der eigene Bewertungsbericht der Europäischen Arzneimittel-Agentur wurde bei dieser Recherche nicht selbst eingesehen, diese Angabe stammt aus der zitierenden Übersichtsarbeit.

Geruch. Ein im Cochrane-Review [14] berichteter, an Ahornsirup erinnernder Uringeruch bei Müttern, die eine Mischung aus Bockshornklee, Ingwer und Kurkuma einnahmen, ist ein bekanntes, harmloses Merkmal der Einnahme, siehe dazu auch den offenen Punkt zu einer weiter verbreiteten, hier nicht belegbaren Zuschreibung.

Zugelassene gesundheitsbezogene Angabe. Für Trigonella foenum-graecum oder Bockshornklee ist nach der EU-Verordnung 432/2012, die alle nach Artikel 13 Absatz 3 der Verordnung (EG) 1924/2006 zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben auflistet, keine Angabe zugelassen; weder der Stoff noch die Pflanze kommen im Anhang der Verordnung vor [25]. Pflanzenbezogene Angaben ("Botanicals") stehen laut Erwägungsgrund 10 der Verordnung insgesamt noch nicht abschließend bewertet auf einer gesonderten, offenen Liste.

Bekannter behördlicher Grenzwert. Bei dieser Recherche wurde kein quantifizierter behördlicher Grenzwert, etwa eine Tolerable Upper Intake Level, für Bockshornklee-Extrakt oder für Saponine gefunden. Das schließt nicht aus, dass ein solcher existiert, wir haben ausschließlich mit dem PubMed-Zugriff dieses Kompendiums recherchiert und keine Berichte von EFSA, BfR oder vergleichbaren Behörden geprüft.

Quellen zum Nachlesen

  1. 01

    Meta-Analyse aus 10 RCTs, n gleich 706 · 2023

    The Effect of Fenugreek in Type 2 Diabetes and Prediabetes, A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials

    Kim J, et al. Int J Mol Sci

    Zur Zuschreibung: 01, 02, 03

  2. 02

    Meta-Analyse aus 10 Artikeln, 12 Studien · 2016

    Effect of fenugreek on hyperglycaemia and hyperlipidemia in diabetes and prediabetes, A meta-analysis

    Gong J, et al. J Ethnopharmacol

    Zur Zuschreibung: 01, 02, 03

  3. 03

    Meta-Analyse aus 14 RCTs, n gleich 894 · 2023

    Effect of Fenugreek on Hyperglycemia, A Systematic Review and Meta-Analysis

    Shabil M, et al. Medicina (Kaunas)

    Zur Zuschreibung: 01, 02

  4. 04

    RCT, n gleich 69 · 2008

    Clinical observation on trigonella foenum-graecum L. total saponins in combination with sulfonylureas in the treatment of type 2 diabetes mellitus

    Lu FR, et al. Chin J Integr Med

    Zur Zuschreibung: 01

  5. 05

    Netzwerk-Meta-Analyse aus 44 RCTs zu 6 Kräutern · 2023

    Comparative effectiveness of six herbs in the management of glycemic status of type 2 diabetes mellitus patients, A systematic review and network meta-analysis of randomized controlled trials

    Kumar S, et al. Diabetes Metab Syndr

    Zur Zuschreibung: 01, 02

  6. 06

    Meta-Analyse aus 4 klinischen Studien · 2020

    Effect of fenugreek extract supplement on testosterone levels in male, A meta-analysis of clinical trials

    Mansoori A, et al. Phytother Res

    Zur Zuschreibung: 04

  7. 07

    Meta-Analyse aus 7 Studien, n gleich 449 · 2023

    The Anabolic Effect of Fenugreek, A Systematic Review with Meta-analysis

    Isenmann E, et al. Int J Sports Med

    Zur Zuschreibung: 04, 08

  8. 08

    Systematische Übersicht aus 32 RCTs zu 13 Kräutern, 6 davon zu Bockshornklee · 2021

    Examining the Effects of Herbs on Testosterone Concentrations in Men, A Systematic Review

    Smith SJ, et al. Adv Nutr

    Zur Zuschreibung: 04

  9. 09

    RCT, n gleich 95 · 2024

    Effect of a plant extract of fenugreek (Trigonella foenum-graecum) on testosterone in blood plasma and saliva in a double blind randomized controlled intervention study

    Lee-Ødegård S, Gundersen TE, Drevon CA. PLoS One

    Zur Zuschreibung: 04, 05

  10. 10

    RCT, n gleich 60 · 2011

    Physiological aspects of male libido enhanced by standardized Trigonella foenum-graecum extract and mineral formulation

    Steels E, Rao A, Vitetta L. Phytother Res

    Zur Zuschreibung: 05

  11. 11

    Einarmige, offene Studie ohne Kontrollgruppe, n gleich 50 · 2017

    Efficacy of Furosap, a novel Trigonella foenum-graecum seed extract, in Enhancing Testosterone Level and Improving Sperm Profile in Male Volunteers

    Maheshwari A, et al. Int J Med Sci

    Zur Zuschreibung: 05

  12. 12

    Einarmige, offene Studie ohne Kontrollgruppe, n gleich 100 · 2023

    Safety and Efficacy of Furosap, a Patented Trigonella foenum-graecum Seed Extract, in Boosting Testosterone Level, Reproductive Health and Mood Alleviation in Male Volunteers

    Sankhwar SN, et al. J Am Nutr Assoc

    Zur Zuschreibung: 05

  13. 13

    RCT, n gleich 80 · 2015

    Influence of a Specialized Trigonella foenum-graecum Seed Extract (Libifem), on Testosterone, Estradiol and Sexual Function in Healthy Menstruating Women, a Randomised Placebo Controlled Study

    Rao A, et al. Phytother Res

    Zur Zuschreibung: 06

  14. 14

    Cochrane-Review aus 41 RCTs, n gleich 3005 · 2020

    Oral galactagogues (natural therapies or drugs) for increasing breast milk production in mothers of non-hospitalised term infants

    Foong SC, et al. Cochrane Database Syst Rev

    Zur Zuschreibung: 09

  15. 15

    Netzwerk-Meta-Analyse aus 5 Studien, n gleich 122 · 2018

    Effectiveness of fenugreek as a galactagogue, A network meta-analysis

    Khan TM, Wu DB, Dolzhenko AV. Phytother Res

    Zur Zuschreibung: 09

  16. 16

    RCT, Cross-over, n gleich 12 · 2009

    A fenugreek seed extract selectively reduces spontaneous fat consumption in healthy volunteers

    Chevassus H, et al. Eur J Clin Pharmacol

    Zur Zuschreibung: 10, 11

  17. 17

    RCT, n gleich 39 · 2010

    A fenugreek seed extract selectively reduces spontaneous fat intake in overweight subjects

    Chevassus H, et al. Eur J Clin Pharmacol

    Zur Zuschreibung: 10, 11

  18. 18

    RCT, Cross-over, n gleich 18 · 2009

    Effect of fenugreek fiber on satiety, blood glucose and insulin response and energy intake in obese subjects

    Mathern JR, et al. Phytother Res

    Zur Zuschreibung: 10

  19. 19

    RCT, Cross-over, n gleich 9 · 2015

    Fennel (Foeniculum vulgare) and Fenugreek (Trigonella foenum-graecum) Tea Drinking Suppresses Subjective Short-term Appetite in Overweight Women

    Bae J, et al. Clin Nutr Res

    Zur Zuschreibung: 10

  20. 20

    Fallbericht · 2001

    Potential interaction between warfarin and boldo-fenugreek

    Lambert JP, Cormier J. Pharmacotherapy

  21. 21

    Übersichtsarbeit zu Wechselwirkungen · 2000

    Potential interactions between alternative therapies and warfarin

    Heck AM, DeWitt BA, Lukes AL. Am J Health Syst Pharm

  22. 22

    Fallbericht · 2018

    Fenugreek Anaphylaxis in a Pediatric Patient

    Joseph NI, et al. Allergy Rhinol (Providence)

  23. 23

    Fallbericht, berufliche Doppelsensibilisierung gegen Koriander und Bockshornklee ohne nachweisbare Kreuzreaktivität · 2006

    Coriander anaphylaxis in a spice grinder with undetected occupational allergy

    Ebo DG, et al. Acta Clin Belg

  24. 24

    Tierstudie (Ratte) und In-vitro-Toxikologie · 2014

    Safety, efficacy and toxicological evaluation of a novel, patented anti-diabetic extract of Trigonella Foenum-Graecum seed extract (Fenfuro)

    Swaroop A, et al. Toxicol Mech Methods

  25. 25

    Rechtsakt (Liste zulässiger gesundheitsbezogener Angaben nach Artikel 13 Absatz 3 der Verordnung (EG) Nr. 1924/2006), weder Trigonella foenum-graecum noch Bockshornklee in der Liste enthalten · 2012

    Verordnung (EU) Nr. 432/2012 zur Festlegung einer Liste zulässiger anderer gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel als Angaben über die Reduzierung eines Krankheitsrisikos sowie die Entwicklung und die Gesundheit von Kindern.

    Europäische Kommission. Amtsblatt der Europäischen Union L 136/1

  26. 26

    Systematische Übersicht aus 6 RCTs, keine eigene Meta-Analyse · 2023

    Fenugreek and Its Effects on Muscle Performance, A Systematic Review

    Albaker WI. J Pers Med

    Zur Zuschreibung: 08

  27. 27

    RCT, n gleich 115 · 2017

    Efficacy of a Proprietary Trigonella foenum-graecum L. De-Husked Seed Extract in Reducing Menopausal Symptoms in Otherwise Healthy Women, A Double-Blind, Randomized, Placebo-Controlled Study

    Steels E, et al. Phytother Res

    Zur Zuschreibung: 06, 07

  28. 28

    RCT, n gleich 48 · 2020

    Efficacy of a novel extract of fenugreek seeds in alleviating vasomotor symptoms and depression in perimenopausal women, A randomized, double-blinded, placebo-controlled study

    Khanna A, et al. J Food Biochem

    Zur Zuschreibung: 06, 07

  29. 29

    Narrative Übersichtsarbeit · 2021

    Herbal Products Used in Menopause and for Gynecological Disorders

    Kenda M, et al. Molecules

    Zur Zuschreibung: 07

  30. 30

    RCT, n gleich 88 · 2016

    A Novel Extract of Fenugreek Husk (FenuSMART), Alleviates Postmenopausal Symptoms and Helps to Establish the Hormonal Balance, A Randomized, Double-Blind, Placebo-Controlled Study

    Shamshad Begum S, et al. Phytother Res

    Zur Zuschreibung: 07

  31. 31

    Laboruntersuchung an Patientenseren, n gleich 29 · 2009

    Allergenicity and antigenicity of fenugreek (Trigonella foenum-graecum) proteins in foods

    Faeste CK, Namork E, Lindvik H. J Allergy Clin Immunol

  32. 32

    Proteomische Laboruntersuchung an Patientenseren, n gleich 13 · 2010

    Characterization of potential allergens in fenugreek (Trigonella foenum-graecum) using patient sera and MS-based proteomic analysis

    Faeste CK, Christians U, Egaas E, Jonscher KR. J Proteomics

  33. 33

    Meta-Analyse aus 4 Studien · 2024

    The Effect of Fenugreek on the Severity of Dysmenorrhea, A Systematic Review and Meta-analysis

    Hassanzadeh R, Shabani F, Montazeri M, Mirghafourvand M. Curr Drug Res Rev

    Zur Zuschreibung: 12

  34. 34

    Cochrane-Review aus 27 RCTs, n gleich 3101 · 2016

    Dietary supplements for dysmenorrhoea

    Pattanittum P, et al. Cochrane Database Syst Rev

    Zur Zuschreibung: 12

  35. 35

    RCT, n gleich 101 · 2014

    Effects of fenugreek seed on the severity and systemic symptoms of dysmenorrhea

    Younesy S, Amiraliakbari S, Esmaeili S, Alavimajd H, Nouraei S. J Reprod Infertil

    Zur Zuschreibung: 12

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