Chlorid
Zuletzt geprüft am
Mineralstoffe
Chloridion · Cl
Auf einen Blick
- Was es ist
- Ein Mengenelement, das mengenmäßig wichtigste Anion des Körpers, vor allem in der extrazellulären Flüssigkeit. Wird über die Nahrung ganz überwiegend als Natriumchlorid (Kochsalz) aufgenommen, in kleinerem Umfang auch über andere Chloridsalze wie Kaliumchlorid
- Vorkommen
- Speisesalz und stark verarbeitete Lebensmittel sind die Hauptquelle, daneben natürlich in vielen tierischen und pflanzlichen Lebensmitteln enthalten
- Rechtlicher Rahmen der Angabe
- Genau eine zugelassene Angabe nach Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 in Verbindung mit Verordnung (EU) Nr. 432/2012, mit einer ausdrücklichen Ausnahme im selben Wortlaut, siehe die Wirkungszeile zur Verdauung. Referenzmenge (NRV) nach Anhang XIII der Verordnung (EU) Nr. 1169/2011, 800 mg pro Tag. "Quelle von Chlorid" ab 15 Prozent des NRV pro empfohlener Tagesdosis (Richtlinie 2002/46/EG, Artikel 8), das sind 120 mg. "Hoher Gehalt" ab dem Doppelten, 240 mg
- Aktuellere wissenschaftliche Referenzmenge
- Die EFSA hat 2019 in einer eigenen Nährstoffbewertung für Chlorid eine als sicher und angemessen eingestufte Zufuhr von 3,1 g pro Tag für Erwachsene abgeleitet, deutlich höher als der ältere NRV-Kennzeichnungswert von 800 mg. Die Behörde leitet diesen Wert ausdrücklich äquimolar von Natrium ab, weil eigenständige Bilanzstudien oder Biomarker für Chlorid fehlen
- Verwendete Formen
- Chlorid wird in Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln als Bestandteil verschiedener Salze zugeführt, etwa als Natriumchlorid, Kaliumchlorid, Calciumchlorid oder Magnesiumchlorid. Die konkrete Salzform ist für die zugelassene Verdauungsangabe entscheidend, weil Chlorid aus Natriumchlorid ausdrücklich ausgenommen ist
- Sicherheit
- EFSA hat 2005 in einer eigenen Bewertung mangels ausreichender Daten ausdrücklich keine Tolerable Upper Intake Level (UL) für Chlorid festgelegt. Die Nährstoffbewertung von 2019 hält fest, dass wegen unzureichender Daten keine Obergrenze festgelegt werden konnte. Die fehlenden Biomarker und Bilanzstudien nennt sie dagegen im Zusammenhang mit der Ableitung von Referenzwerten für eine angemessene Zufuhr. Das ist keine Aussage, dass hohe Zufuhrmengen unbedenklich sind, sondern dass keine Datenbasis für eine Obergrenze vorliegt
Was diesem Stoff zugesprochen wird
Was die Studien hergeben.
Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.
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01
Bildung von Magensäure und Beitrag zu einer normalen Verdauung
Behördlich gesichertEinordnung und Einschränkungen
Zugelassene Angabe nach abgeschlossener EFSA-Bewertung, Wortlaut "Chlorid trägt durch die Bildung von Magensäure zu einer normalen Verdauung bei". Bedingung im selben Wortlaut, die Angabe darf nur für Lebensmittel verwendet werden, die die Mindestanforderungen an eine Chloridquelle erfüllen, das sind 15 Prozent des NRV von 800 mg pro empfohlener Tagesdosis, also 120 mg. Ausdrückliche Ausnahme im selben Wortlaut, die Angabe darf nicht für Chlorid verwendet werden, das aus Natriumchlorid gewonnen wird. Ob die Angabe auf ein konkretes Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel anwendbar ist, hängt deshalb neben der Menge auch von der verwendeten Salzform ab
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02
Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt, unabhängig von Natrium betrachtet
Keine Studien gefundenEinordnung und Einschränkungen
Über die Nahrung wird Chlorid meist zusammen mit Natrium und auch mit anderen Kationen aufgenommen. Im Blut liegt es als frei gelöstes Ion vor, nicht fest an ein einzelnes Natriumion gebunden. Unsere Suchen zu Chlorid und Flüssigkeitshaushalt, unter anderem chloride AND fluid balance und chloride intake AND blood pressure, fanden ausschließlich Arbeiten zu Kochsalz, also Natriumchlorid, oder zu Kaliumchlorid, keine davon prüft einen von Natrium unabhängigen Chlorid-Effekt bei gesunden Erwachsenen ohne begleitende Kochsalz- oder Kaliumchlorid-Gabe. Auch die zuständige Behörde hält in ihrer Nährstoffbewertung zu Chlorid fest, dass keine geeigneten Biomarker, keine Bilanzstudien und keine ausreichende Evidenz zum Zusammenhang zwischen Chloridzufuhr und gesundheitsbezogenen Endpunkten vorliegen, weshalb sie ihre Referenzwerte für Chlorid äquimolar von denen für Natrium ableitet, statt sie eigenständig zu bestimmen. Wir werten das als eigenständig noch nicht geprüft, nicht als geprüft und ohne Effekt
Quellen: 5
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03
Nerven- und Muskelfunktion im Rahmen des Elektrolythaushalts
Keine Studien gefundenEinordnung und Einschränkungen
Für Kalium führt Verordnung (EU) Nr. 432/2012 eigene zugelassene Angaben zu einer normalen Funktion des Nervensystems und zu einer normalen Muskelfunktion, eine entsprechende Angabe für Chlorid steht nicht in dieser Liste. Wir haben dazu gezielt gesucht mit den Suchbegriffen chloride AND muscle cramp und chloride AND nerve conduction, jeweils ohne Human- und Studientypfilter. Die Treffer waren Grundlagenarbeiten zu Chlorid-Ionenkanälen in Zellen und Tiermodellen sowie einzelne klinische Arbeiten zu Elektrolytstörungen, keine placebokontrollierte Humanstudie zu einer zusätzlichen Chlorid-Einnahme bei gesunden Erwachsenen war darunter. Eine eigenständige, von anderen Elektrolyten getrennte Prüfung dieser Zuschreibung steht aus
Quellen: 1
Studien im Detail
Zur einzigen behördlich gesicherten Angabe liegt keine einzelne Humanstudie zugrunde, sondern eine abgeschlossene EFSA-Bewertung, die in die Verordnung (EU) Nr. 432/2012 eingegangen ist. Der genaue Wortlaut der Angabe und ihrer Bedingungen steht in der Wirkungstabelle oben.
Zur Nährstoffbewertung von 2019 (EFSA NDA Panel, PMID 32626426): Die Behörde leitet für Chlorid keine eigenständigen Referenzwerte aus Bilanzstudien oder Biomarkern ab, weil es dafür keine geeignete Datenbasis gibt. Stattdessen leitet sie eine als sicher und angemessen eingestufte Zufuhr äquimolar von Natrium ab, für Erwachsene 3,1 g Chlorid pro Tag. Das ist ein anderer, neuerer und höherer Wert als der Kennzeichnungs-NRV von 800 mg, der auf einer älteren Referenz beruht und weiterhin für die Berechnung von "Quelle von"-Angaben auf dem Etikett gilt. Beide Werte stehen nebeneinander, weil sie unterschiedlichen Zwecken dienen, Etikettierung auf der einen, aktuelle Ernährungsbewertung auf der anderen Seite.
Tier- und Laborstudien
Keine für diesen Eintrag herangezogen. Die im Rahmen der Recherche gefundenen Arbeiten zu Chlorid-Ionenkanälen in Zellen und Tiermodellen betreffen Grundlagenphysiologie, keine Zusatzgabe von Chlorid, und wurden deshalb nicht aufgenommen.
Sicherheit und Wechselwirkungen
EFSA hat 2005 in einer eigenen, damals noch getrennt von Natrium erstellten Bewertung mangels ausreichender Daten ausdrücklich keine Tolerable Upper Intake Level (UL) für Chlorid festgelegt. Die Nährstoffbewertung von 2019 (PMID 32626426) hält fest, dass wegen unzureichender Daten keine Obergrenze festgelegt werden konnte. Fehlende Biomarker und Bilanzstudien werden dort dagegen als Grenze der Ableitung von Referenzwerten für eine angemessene Zufuhr genannt. Das ist ausdrücklich keine Aussage, dass hohe Zufuhrmengen unbedenklich sind, sondern dass die Datenbasis für eine zahlenmäßige Obergrenze fehlt. Diese Angabe ist an keiner Stelle im Volltext von PMID 32626426 (PMC7009052) durch eine spätere Neubewertung revidiert.
Zu Wechselwirkungen mit Medikamenten oder anderen Nahrungsergänzungen liegt uns keine eigene geprüfte Quelle vor.
Quellen zum Nachlesen
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02
Rechtsakt · 2006
Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben über Lebensmittel, Anhang (Bedingungen für "Quelle von"- und "hoher Gehalt an"-Angaben zu Vitaminen und Mineralstoffen)
Europäisches Parlament und Rat Amtsblatt der Europäischen Union, konsolidierte Fassung
Zur Zuschreibung: 01
- 03
- 04
- 05
Bei H.P.N
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