Cranberry-Extrakt
Zuletzt geprüft am
Pflanzenextrakte
Vaccinium macrocarpon · Großfrüchtige Moosbeere · Kranbeere · American cranberry
Auf einen Blick
- Was es ist
- Extrakt aus den Früchten der Großfrüchtigen Moosbeere (Vaccinium macrocarpon). Kennzeichnender Inhaltsstoff sind Proanthocyanidine vom A-Typ, kurz PAC, die in dieser Bindungsform in kaum einer anderen Frucht vorkommen
- Herkunft
- Nordamerikanischer Zwergstrauch, angebaut vor allem in den USA und Kanada. Die verwandten Arten Vaccinium oxycoccus (Moosbeere) und Vaccinium vitis-idaea (Preiselbeere) haben ein anderes PAC-Muster, Ergebnisse lassen sich zwischen den Arten nicht übertragen
- Wirkform in Studien
- Sehr uneinheitlich. Saft, Saftkonzentrat, gefriergetrocknetes Fruchtpulver, Tablette und Kapselextrakt stehen nebeneinander. Von 30 Studien mit Tablette, Kapsel oder Pulver in der Cochrane-Übersicht nannten nur 18 überhaupt eine PAC-Menge, und diese reichte von 1,4 bis 120 mg pro Tag
- Übliche Studiendosis
- Bei Saft 240 bis 500 ml täglich, bei Kapseln und Tabletten je nach Arbeit 1,4 bis 120 mg PAC täglich. Die Cochrane-Übersicht schließt Studien mit einer Dauer unter vier Wochen aus. Als wirksame Schwelle für die Anhaftungshemmung im Urin gelten 36 mg PAC täglich, gemessen mit der DMAC-Methode
- Standardisierung
- Eine Angabe in Milligramm Extrakt sagt nichts über die PAC-Menge. Der Gehalt hängt von Zubereitung, Verarbeitung und Messmethode ab, und derselbe Rohstoff liefert je nach Labor um bis zu ein Drittel abweichende Werte
- Bekannt geworden durch
- Die Beobachtung, dass A-Typ-PAC die Anhaftung von Escherichia coli an die Zellen der Harnwege behindern. Daraus stammt die gesamte Studienlage zu den Harnwegen
- Verträglichkeit
- In der Cochrane-Übersicht traten Magen-Darm-Beschwerden nicht belegt häufiger auf als unter Placebo, das Intervall reicht aber bis zu einer deutlichen Zunahme. Häufigste Meldung sind Bauchbeschwerden
Was diesem Stoff zugesprochen wird
Was die Studien hergeben.
Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.
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01
Neue Ereignisse aus Beschwerden und kulturell bestätigtem Bakteriennachweis im Urin, bei Frauen mit wiederholten solchen Ereignissen in der Vorgeschichte
BelegtEinordnung und Einschränkungen
In der Cochrane-Übersicht aus 8 Studien mit 1555 Frauen rund ein Viertel weniger Ereignisse als unter Placebo. Der Rand des Intervalls berührt fast den Gleichstand, und die Einzelstudien fallen unterschiedlich aus.
Ausführlicher Nachweis
Die fünfte Aktualisierung der Cochrane-Übersicht von 2023 wertet 50 randomisierte Studien mit 8857 zugeteilten Teilnehmenden aus, 26 davon konnten für den Endpunkt Beschwerden zusammen mit kulturell bestätigtem Bakteriennachweis zusammengefasst werden [1]. Für Frauen mit wiederholten solchen Ereignissen ergibt die Untergruppe aus 8 Studien mit 1555 Teilnehmenden ein Risikoverhältnis von 0,74 bei einem 95-Prozent-Intervall von 0,55 bis 0,99 und einer Heterogenität von I hoch zwei gleich 54 Prozent [1]. Der Endpunkt ist objektiv festgelegt, 34 der 50 Studien berichteten Beschwerden zusammen mit einem positiven Urinbefund, 25 davon nannten die verwendete Schwelle, und 16 setzten sie bei mindestens 10 hoch 8 koloniebildenden Einheiten je Liter [1]. Die Einschlussgröße der Einzelstudien ist die Zahl vorausgegangener Ereignisse, in Babar 2021 etwa mindestens zwei in sechs oder mindestens drei in zwölf Monaten [2]. Die Übersicht stuft die Sicherheit dieser Aussage nach GRADE als moderat ein und formuliert sie selbst als wahrscheinlich, nicht als gesichert, weshalb hier belegt und nicht gut belegt steht [1]. Eine eigene Auswertung nach Geldgeber zeigt keine Verzerrung in eine Richtung, 13 Studien mit kommerzieller Beteiligung ergaben ein Risikoverhältnis von 0,86 bei einem 95-Prozent-Intervall von 0,76 bis 0,99, die 12 Studien ohne kommerzielle Beteiligung eines von 0,61 bei einem 95-Prozent-Intervall von 0,43 bis 0,87 [1]. Die Übersicht und die in ihr enthaltenen Einzelstudien sind ein Studienbestand und keine voneinander unabhängigen Belege, Babar 2021 [2] ist eine ihrer 50 eingeschlossenen Arbeiten und wird hier nur für die Einschlussdefinition und die Dosisfrage getrennt geführt. Die eingeschlossenen Zubereitungen reichen von Saft über Pulver bis zur Kapsel [1]. Ein Kapselextrakt von 100 mg ohne ausgewiesene PAC-Menge lässt sich keiner dieser Studien zuordnen, weil offenbleibt, wie viel PAC darin steckt, dazu die eigene Zeile zur Proanthocyanidin-Menge.
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02
Neue Ereignisse aus Beschwerden und kulturell bestätigtem Bakteriennachweis im Urin, bei Kindern mit einem solchen Ereignis in der Vorgeschichte
BelegtEinordnung und Einschränkungen
In der Cochrane-Übersicht aus 5 Studien mit 504 Kindern etwa halb so viele Ereignisse wie unter Placebo, bei einheitlichem Bild der Einzelstudien.
Ausführlicher Nachweis
Für Kinder ergibt die Untergruppe der Cochrane-Übersicht aus 5 Studien mit 504 Teilnehmenden ein Risikoverhältnis von 0,46 bei einem 95-Prozent-Intervall von 0,32 bis 0,68 und einer geringen Heterogenität von I hoch zwei gleich 21 Prozent [1]. Das ist der deutlichste und einheitlichste Untergruppenbefund der ganzen Übersicht [1]. Auch hier stuft Cochrane die Sicherheit nach GRADE als moderat ein und schreibt wahrscheinlich, weshalb die Stufe belegt und nicht gut belegt lautet [1]. Die Zahl der Teilnehmenden ist mit 504 die zweitkleinste der sechs Untergruppen, und die eingeschlossenen Arbeiten prüften überwiegend Saft [1]. Eine der wenigen Arbeiten mit angegebener PAC-Menge in dieser Gruppe dosierte 18 mg je Kilogramm Körpergewicht und Tag [1], das liegt für ein Schulkind weit über allem, was ein Kapselextrakt von 100 mg ohne ausgewiesene PAC-Menge liefern kann. Eine Übertragung dieses Befunds auf Erwachsene ist aus der Übersicht nicht abzuleiten, die Untergruppen sind getrennt ausgewertet und fallen unterschiedlich aus [1].
Quellen: 1
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03
Neue Ereignisse aus Beschwerden und kulturell bestätigtem Bakteriennachweis im Urin, bei Menschen nach einem Eingriff an Blase oder Harnwegen
BelegtEinordnung und Einschränkungen
In der Cochrane-Übersicht aus 6 Studien mit 1434 Teilnehmenden etwa halb so viele Ereignisse wie unter Placebo, ohne Streuung zwischen den Studien.
Ausführlicher Nachweis
Für Menschen, deren Anfälligkeit auf einem Eingriff beruht, etwa einem Blasenkatheter oder einer Bestrahlung der Blase, ergibt die Untergruppe aus 6 Studien mit 1434 Teilnehmenden ein Risikoverhältnis von 0,47 bei einem 95-Prozent-Intervall von 0,37 bis 0,61 ohne messbare Heterogenität, I hoch zwei gleich 0 Prozent [1]. Die Einschlussgröße ist hier objektiv und ohne Diagnose fassbar, es ist der Eingriff selbst [1]. Die Sicherheit ist nach GRADE moderat, die Übersicht schreibt wahrscheinlich, daher belegt und nicht gut belegt [1]. Der Befund bleibt in beiden Finanzierungslagen bestehen, 2 Studien mit kommerzieller Beteiligung und 370 Teilnehmenden ergeben ein Risikoverhältnis von 0,57 bei einem 95-Prozent-Intervall von 0,35 bis 0,92, 3 Studien ohne kommerzielle Beteiligung und 1009 Teilnehmenden eines von 0,61 bei einem 95-Prozent-Intervall von 0,43 bis 0,87 [1]. Die Aussage gilt für eine zeitlich begrenzte Lage rund um einen Eingriff und nicht für eine dauerhafte Einnahme durch gesunde Menschen, dazu enthält die Übersicht keine eigene Untergruppe [1].
Quellen: 1
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04
Neue Ereignisse aus Beschwerden und kulturell bestätigtem Bakteriennachweis im Urin, bei Bewohnerinnen und Bewohnern von Pflegeeinrichtungen, ohne Unterschied zu Placebo
Nicht bestätigtEinordnung und Einschränkungen
In 3 Studien mit 1489 Teilnehmenden kein Unterschied zu Placebo, bei moderater Sicherheit der Aussage.
Ausführlicher Nachweis
Für ältere Menschen in Pflegeeinrichtungen ergibt die Untergruppe der Cochrane-Übersicht aus 3 Studien mit 1489 Teilnehmenden ein Risikoverhältnis von 0,93 bei einem 95-Prozent-Intervall von 0,67 bis 1,30 und einer Heterogenität von I hoch zwei gleich 9 Prozent [1]. Die Übersicht bewertet die Sicherheit dieser Aussage nach GRADE ausdrücklich als moderat und schreibt selbst, es gebe möglicherweise wenig oder keinen Nutzen, im Fazit heißt es, die vorliegende Evidenz stütze die Anwendung bei älteren Menschen nicht [1]. Damit fällen die Autoren ein eigenes Urteil, und es liegt ein Effektmaß mit Intervall vor. Beides zusammen trägt hier die Stufe nicht bestätigt. Wo Cochrane für denselben Endpunkt nur niedrige Sicherheit vergibt, bleibt es in diesem Eintrag bei hinweise, siehe die Zeile zur unvollständigen Blasenentleerung. Diese Untergruppe ist mit 1489 Teilnehmenden die zweitgrößte der sechs Untergruppen, ein bedeutsamer Nutzen wäre bei dieser Zahl aufgefallen [1]. Vorbehalt zur Zubereitung. Die eingeschlossenen Arbeiten prüften Saft und Kapseln nebeneinander, eine gemeinsame PAC-Menge ist nicht ausgewiesen [1].
Quellen: 1
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05
Neue Ereignisse aus Beschwerden und kulturell bestätigtem Bakteriennachweis im Urin, in der Schwangerschaft, ohne Unterschied zu Placebo
Nicht bestätigtEinordnung und Einschränkungen
In 3 Studien mit 765 Schwangeren kein Unterschied zu Placebo, bei moderater Sicherheit der Aussage.
Ausführlicher Nachweis
Für Schwangere ergibt die Untergruppe der Cochrane-Übersicht aus 3 Studien mit 765 Teilnehmenden ein Risikoverhältnis von 1,06 bei einem 95-Prozent-Intervall von 0,75 bis 1,50 und einer Heterogenität von I hoch zwei gleich 3 Prozent [1]. Der Punktschätzer liegt auf der anderen Seite des Gleichstands als in den drei Untergruppen mit Befund. Die Sicherheit ist nach GRADE moderat, und das Fazit der Übersicht nennt Schwangere ausdrücklich als Gruppe, für die die vorliegende Evidenz die Anwendung nicht stützt [1]. Effektmaß mit Intervall und eigenes Urteil der Autoren tragen hier dieselbe Stufe wie bei den Pflegeeinrichtungen, dasselbe Argument in dieselbe Richtung. Eine der eingeschlossenen Arbeiten dosierte 80 bis 240 mg PAC täglich, eine weitere 112 mg täglich [1], das ist der obere Rand aller in der Übersicht genannten Mengen, das Ausbleiben lässt sich also nicht mit einer zu kleinen Menge erklären. Unabhängig davon gilt für Schwangerschaft und Stillzeit die Empfehlung ärztlicher Rücksprache, siehe Sicherheit.
Quellen: 1
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06
Neue Ereignisse aus Beschwerden und kulturell bestätigtem Bakteriennachweis im Urin, bei Erwachsenen mit unvollständiger Blasenentleerung infolge einer Nerven- oder Muskelstörung, ohne Unterschied zu Placebo
Nicht bestätigtEinordnung und Einschränkungen
In 3 Studien mit 464 Teilnehmenden kein Unterschied zu Placebo. Cochrane gibt dieser Aussage nur niedrige Sicherheit, sie wiegt damit weniger schwer als die beiden anderen Nullbefunde.
Ausführlicher Nachweis
Für Erwachsene, deren Blase sich wegen einer Nerven- oder Muskelstörung nicht vollständig entleert, ergibt die Untergruppe der Cochrane-Übersicht aus 3 Studien mit 464 Teilnehmenden ein Risikoverhältnis von 0,97 bei einem 95-Prozent-Intervall von 0,78 bis 1,19 ohne messbare Heterogenität, I hoch zwei gleich 0 Prozent [1]. Die Einschlussgröße ist die gemessene Restharnmenge nach dem Wasserlassen zusammen mit der zugrunde liegenden Nerven- oder Muskelstörung und damit enger als eine bloß unvollständige Entleerung. Anders als bei den Untergruppen der Pflegeeinrichtungen und der Schwangeren vergibt die Übersicht hier nach GRADE nur niedrige Sicherheit [1]. Geprüft wurde die Wirkung damit auch hier, und sie zeigte sich nicht, weshalb die Zeile wie die beiden anderen Nullbefunde auf nicht bestätigt steht. Die niedrige Sicherheit ist der Grund, warum dieser Nullbefund weniger schwer wiegt als jene. Mit 464 Teilnehmenden ist dies die kleinste der sechs Untergruppen [1]. Das Intervall reicht bis 0,78 und schließt damit einen Nutzen in der Größenordnung der Untergruppe der Frauen nicht sicher aus [1].
Quellen: 1
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07
Höhere gegenüber niedrigerer Proanthocyanidin-Tagesmenge, ohne Unterschied bei den Ereignissen im Urin
Nicht bestätigtEinordnung und Einschränkungen
Zweimal 18,5 mg Proanthocyanidine täglich brachten bei 145 Frauen über 24 Wochen keinen belegten Vorteil gegenüber zweimal 1 mg. Die Studie war zu klein, um einen Vorteil auszuschließen.
Ausführlicher Nachweis
In einer doppelblinden randomisierten Studie erhielten 145 Frauen mit mindestens zwei Ereignissen in sechs oder mindestens drei in zwölf Monaten über 24 Wochen entweder zweimal täglich 18,5 mg PAC (n gleich 72) oder zweimal täglich 1 mg PAC (n gleich 73), ausgewertet wurden alle 145 nach dem Behandlungsvorsatz [2]. Die Zahl neuer Ereignisse mit Beschwerden unterschied sich nicht belegt, Inzidenzratenverhältnis 0,76 bei einem 95-Prozent-Intervall von 0,51 bis 1,11 [2]. Das Intervall reicht bis 0,51 und schließt damit fast eine Halbierung nicht aus, der Nullbefund der Einzelstudie ist damit unscharf, und getragen wird die Stufe von der Dosisauswertung der Cochrane-Übersicht. Der Vergleichsarm war keine Scheinbehandlung, sondern eine niedrigere PAC-Menge, wie sie laut der Arbeit den meisten in Kanada zugelassenen Cranberry-Erzeugnissen entspricht [2]. Nur in einer nachträglich gebildeten Untergruppe von 97 Frauen mit weniger als fünf Ereignissen im Vorjahr lag die höhere Menge vorn, altersbereinigtes Inzidenzratenverhältnis 0,57 bei einem 95-Prozent-Intervall von 0,33 bis 0,99, ein nachträglicher Befund, den die Autoren selbst als prüfbedürftig bezeichnen [2]. Geprüft wurde ein Ganzfruchtextrakt von 120 mg je Kapsel mit mindestens 15 Prozent PAC, gemessen mit der BL-DMAC-Methode [2]. Finanziert wurde die Arbeit vom Landwirtschaftsministerium Québecs und von Nutra Canada, heute Teil von Diana Food Canada, das die Kapseln herstellte und spendete, zwei Koautoren waren bei Diana Food beziehungsweise Diana Nova angestellt, und Diana-Food-Wissenschaftler waren an der Freigabe des Manuskripts beteiligt [2]. Die Cochrane-Übersicht führt Babar 2021 als eine ihrer 50 eingeschlossenen Studien und kommt für die Dosisfrage über 13 auswertbare Studien zum selben Ergebnis, ein Unterschied zwischen niedriger, mittlerer und hoher PAC-Menge ließ sich nicht zeigen, bei sehr niedriger Sicherheit der Aussage [1]. Für die Einordnung eines Kapselextrakts von 100 mg ohne ausgewiesene PAC-Menge ist das die entscheidende Zeile, denn eine Mengenangabe in Milligramm Extrakt lässt keinen Rückschluss auf die PAC-Menge zu, und in einer Untersuchung von 53 Cranberry-Erzeugnissen erreichten nur 3 die als wirksam geltenden 36 mg löslicher PAC je Tag [5].
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08
Anhaftungshemmung von Escherichia coli an Zellen der Harnwege, gemessen im Urin nach der Einnahme, abhängig von der Proanthocyanidin-Menge
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In einer Studie an 32 Freiwilligen hemmte der Urin nach 36 und 72 mg Proanthocyanidinen die Anhaftung stärker als nach Placebo. Gemessen wurde ein Laborwert im Urin, kein Ereignis am Menschen.
Ausführlicher Nachweis
In einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Studie an 32 Freiwilligen aus Japan, Ungarn, Spanien und Frankreich nahm jede Person nacheinander in zufälliger Reihenfolge drei Zubereitungen ein, je nach Land 0, 18, 36 oder 72 mg PAC-Äquivalente täglich, gemessen mit der DMAC-Methode [3]. Der Urin der Teilnehmenden hemmte die Anhaftung von Escherichia coli in zwei Testverfahren stärker als nach Placebo (p kleiner 0,001), und die Hemmung nahm mit der PAC-Menge zu [3]. Nach 6 Stunden bestand ein Unterschied zwischen 18 mg und den beiden höheren Mengen (p gleich 0,002), zwischen 36 und 72 mg dagegen nicht, nach 24 Stunden hielt allein die Wirkung nach 72 mg an [3]. Daraus stammt die vielzitierte Schwelle von 36 mg PAC täglich, die auch die Cochrane-Übersicht als Dosisempfehlung wiedergibt, dort mit dem Zusatz, aus den 13 auswertbaren Studien lasse sich keine Aussage über die relative Wirksamkeit verschiedener PAC-Mengen ableiten [1]. Der Endpunkt ist ein Laborverhalten von Bakterien in menschlichem Urin und kein Ereignis an einem Menschen, deshalb trägt diese Zeile keine höhere Stufe. Die Kapseln stammten von Pharmatoka, zwei Koautoren hatten an Studien dieses Herstellers mitgewirkt, die Firma erklärt, keinen Einfluss auf Auswertung und Veröffentlichung genommen zu haben [3]. Die Schwelle ist an eine Messmethode gebunden und nicht an eine Extraktmenge. Die Mehrlabor-Prüfung der verbesserten DMAC-Methode fand zwischen fünf Laboren eine Streuung von im Mittel 16,9 Prozent, im Einzelfall bis 32 Prozent, und die Autoren halten das Verfahren ausdrücklich nur innerhalb einer Lebensmittelart für vergleichbar [4]. Eine Untersuchung von 53 Cranberry-Erzeugnissen durch vier unabhängige Labore fand, dass Erzeugnisse mit einer PAC-Angabe auf der Packung deutlich weniger enthielten als angegeben, und dass 13 von 16 extraktbasierten Erzeugnissen weit unter 36 mg je Tag lagen [5]. Hinzu kommt der Artenvorbehalt, Vaccinium macrocarpon, Vaccinium oxycoccus und Vaccinium vitis-idaea haben unterschiedliche A-Typ-PAC-Muster, und photometrische Verfahren überschätzen den Gehalt eher, während umkehrphasige Chromatographie ihn eher unterschätzt [6]. Die beiden hier zitierten Übersichtsarbeiten überschneiden sich nicht im Studienbestand, die Cochrane-Übersicht [1] fasst randomisierte Studien zum Endpunkt im Urin zusammen, die zweite [6] behandelt Artenunterschiede und Messverfahren und wertet keine Wirksamkeitsstudien zusammen aus. Auch die hier zitierte Anhaftungsstudie [3] ist keine Doppelzählung, die Cochrane-Übersicht führt sie ausdrücklich unter ihren 21 ausgeschlossenen Arbeiten, wegen einer Dauer unter vier Wochen und weil ihr Endpunkt kein klinisch bedeutsamer ist [1]. Ein Kapselextrakt von 100 mg ohne ausgewiesene PAC-Menge lässt sich zu dieser Schwelle deshalb nicht ins Verhältnis setzen.
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09
Flussvermittelte Gefäßerweiterung (FMD) bei gesunden Männern
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In einer Studie an 45 gesunden Männern lag die Gefäßerweiterung nach 2 Stunden und nach einem Monat um gut einen Prozentpunkt höher als unter Placebo. Eine einzelne Studie mit einer Menge, die 100 g frischen Früchten entspricht.
Ausführlicher Nachweis
In einer doppelblinden randomisierten Parallelgruppenstudie nahmen 45 gesunde Männer einen Monat lang täglich entweder 9 g gefriergetrocknetes Ganzfruchtpulver in Wasser, entsprechend 100 g frischen Cranberries mit 525 mg Gesamtpolyphenolen, oder 9 g polyphenolfreies Kontrollpulver ein [7]. Der vorab festgelegte Hauptendpunkt, die flussvermittelte Gefäßerweiterung, stieg um 1,1 Prozentpunkte gegenüber der Kontrolle, bei einem 95-Prozent-Intervall von 1,1 bis 1,8 Prozentpunkten (p für die Behandlung kleiner oder gleich 0,001), ohne Unterschied zwischen der Messung nach 2 Stunden und der nach einem Monat (p gleich 0,606) [7]. Pulswellengeschwindigkeit, Augmentationsindex, Blutdruck, Herzfrequenz, Blutfette und Blutzucker veränderten sich dagegen nicht [7], siehe die eigene Zeile dazu. Es handelt sich um eine einzelne Studie an ausschließlich männlichen, gesunden Teilnehmenden, ohne einen Endpunkt, den eine Person spüren würde. Geprüft wurde Ganzfruchtpulver und kein Extrakt, eine PAC-Menge nennt die Arbeit nicht, angegeben sind nur 525 mg Gesamtpolyphenole [7]. Ein Kapselextrakt von 100 mg lässt sich damit nicht vergleichen, weder in der Menge noch in der Zubereitung. Punktschätzer und untere Intervallgrenze tragen in der Arbeit denselben Wert von 1,1 Prozentpunkten, die Angabe ist damit in sich unstimmig gedruckt und der wahre Punktschätzer aus dem für uns lesbaren Text nicht zu bestimmen [7]. Gefördert wurde die Arbeit laut Förderdatensatz vom Cranberry Institute, einer Branchenvertretung der Cranberry-Erzeuger, das PubMed-Feld zum Interessenkonflikt ist leer und ein freier Volltext liegt nicht vor [7].
Quellen: 7
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10
Blutdruck, Blutfette und Nüchtern-Blutzucker bei Erwachsenen, in den vorliegenden Auswertungen ohne Unterschied zu Placebo
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Eine Zusammenfassung von 17 Studien fand beim Blutdruck keinen Unterschied, zwei Einzelstudien fanden bei Blutfetten und Nüchtern-Blutzucker ebenfalls keinen. Der Blutdruck wurde dabei gemeinsam mit Heidelbeere ausgewertet.
Ausführlicher Nachweis
Eine systematische Übersicht mit Zusammenfassung von 17 randomisierten Studien an Erwachsenen mit erhöhten Ausgangswerten für Blutdruck, Blutzucker oder Blutfetten fand für die Einnahme von Heidelbeere und Cranberry einen Unterschied von minus 0,81 mmHg beim oberen Blutdruckwert bei einem 95-Prozent-Intervall von minus 2,26 bis plus 0,63 und von minus 0,15 mmHg beim unteren Wert bei einem 95-Prozent-Intervall von minus 1,36 bis plus 1,05, jeweils ohne belegten Unterschied und unabhängig von Dauer und Alter [8]. Nur 2 der 17 Arbeiten hatten überhaupt einen Einzelbefund berichtet [8]. Diese Zusammenfassung wirft Heidelbeere und Cranberry in denselben Topf, sie ist damit kein sauberer Beleg für Cranberry allein, was einer Anhebung auf nicht bestätigt entgegensteht. Getrennt geprüft. In der Studie an 45 gesunden Männern mit 9 g Ganzfruchtpulver täglich blieben Blutdruck, Herzfrequenz, Blutfette und Blutzucker über einen Monat unverändert [7]. In einer plazebokontrollierten Cross-over-Studie an 40 Erwachsenen mittleren Alters mit einem mittleren Körpermasseindex von 28,7 und einem Ausgangsblutdruck von 124 zu 81 mmHg veränderte täglich 500 ml Cranberrysaft über 8 Wochen den vorab festgelegten Hauptendpunkt, den zentralen oberen Blutdruck, nicht [9]. Belegt waren dort nur nachrangige Größen, ein um etwa 2 mmHg niedrigerer unterer 24-Stunden-Blutdruck während des Tages (p gleich 0,05) sowie eine veränderte Zusammensetzung der Lipoproteine bei unverändertem LDL-Cholesterin, etwa mehr große LDL-Teilchen (plus 29,5 gegenüber minus 6,7 nmol je Liter, p gleich 0,02) [9]. Ein Effektmaß mit Intervall für Cranberry allein liegt für keinen dieser Endpunkte vor, deshalb bleibt die Stufe bei hinweise. Die Saftstudie wurde laut ihrem Förderabschnitt von Ocean Spray mitfinanziert, dem Hersteller des geprüften Safts, während ihre Interessenerklärung im selben Volltext einen Interessenkonflikt ausdrücklich verneint [9]. Alle drei Arbeiten prüften Saft oder Ganzfruchtpulver in Mengen, die einem Kapselextrakt von 100 mg nicht entsprechen [7][9].
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11
Blutzuckeranstieg nach einer fettreichen Mahlzeit
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In einer Cross-over-Studie an 25 Erwachsenen fiel der Blutzuckeranstieg nach einem fettreichen Frühstück mit 40 g getrockneten Cranberries nach 2 und 4 Stunden geringer aus als ohne.
Ausführlicher Nachweis
In einer randomisierten Cross-over-Studie nahmen 25 Erwachsene mit einem mittleren Körpermasseindex von 39,5 und dauerhaft erhöhten Blutzuckerwerten, Durchschnittsalter 56 Jahre, ein fettreiches Frühstück mit 70 g Fett und 974 Kilokalorien einmal mit und einmal ohne 40 g getrocknete Cranberries ein [10]. Der Blutzuckeranstieg fiel mit Cranberries nach 2 und nach 4 Stunden geringer aus (jeweils p kleiner 0,05), während Insulin, ein Rechenmaß für die Insulinempfindlichkeit, Blutfette und Blutdruck sich nicht unterschieden [10]. Von den Entzündungs- und Oxidationswerten waren Interleukin-18 und Malondialdehyd nach 4 Stunden niedriger und Gesamtnitrit nach 2 Stunden höher, C-reaktives Protein und Interleukin-6 blieben unverändert [10]. Ein Effektmaß mit Konfidenzintervall wird für keinen dieser Werte berichtet, angegeben sind nur p-Werte, weshalb die Stufe hinweise lautet. Der Befund gilt für eine einzelne Mahlzeit und sagt nichts über eine dauerhafte Einnahme. Geprüft wurde die getrocknete Frucht mit ihrem Zuckergehalt und kein Extrakt, eine PAC-Menge nennt die Arbeit nicht [10]. Bei 40 g Trockenfrucht und einem Kapselextrakt von 100 mg liegen zwei Größenordnungen Unterschied. Getragen wurde die Arbeit laut ihrem Danksagungsabschnitt zum Teil vom Cranberry Institute und vom Wisconsin Cranberry Board, zwei Branchenvertretungen, verwendet wurde eine Handelsware von Ocean Spray [10].
Quellen: 10
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12
Vermehrungsfähigkeit von Gamma-Delta-T-Zellen in der Zellkultur, nur als Veränderung gegenüber dem Ausgangswert ausgewiesen, dazu selbstberichtete Erkältungssymptome bei unveränderter Zahl der Erkrankungen
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In einer Studie an 45 Erwachsenen vermehrten sich bestimmte Abwehrzellen im Reagenzglas nach 10 Wochen fast fünfmal so stark wie zu Beginn, einen Vergleich zur Placebogruppe weist die Arbeit für diesen Hauptendpunkt nicht aus. Gemeldet wurden weniger Einzelsymptome, die Zahl der Erkrankungen selbst unterschied sich nicht.
Ausführlicher Nachweis
In einer doppelblinden, plazebokontrollierten Parallelgruppenstudie tranken 22 Erwachsene 10 Wochen lang täglich 450 ml eines kalorienarmen Cranberry-Getränks aus einem Saftpulver, 23 ein farb- und süßstoffgleiches Placebo [11]. Der vorab festgelegte Hauptendpunkt war die Vermehrung von Gamma-Delta-T-Zellen in der Zellkultur, sie lag nach 10 Wochen fast fünfmal höher als zu Beginn (p kleiner 0,001) [11]. Die Erkältungs- und Grippesymptome waren ausdrücklich nachrangige Endpunkte, und die Arbeit war nach eigener Angabe nicht darauf ausgelegt [11]. Die Zahl der Erkrankungen unterschied sich nicht, 31 gegenüber 21 Ereignissen (p gleich 0,282), ebenso wenig die Zahl der Personen mit Beschwerden, 20 gegenüber 15 (p gleich 0,624) [11]. Belegt war allein die Gesamtzahl gemeldeter Einzelsymptome, 354 gegenüber 297 (p gleich 0,031), sowie Magen-Darm-Beschwerden als Einzelsymptom, die in der Placebogruppe häufiger auftraten (p gleich 0,021) [11]. Ein Effektmaß mit Intervall wird nicht berichtet, gezählt wurden Symptommeldungen je Gruppe und nicht je Person. Die Verblindung war einseitig aufgelöst, alle 23 Personen der Placebogruppe hielten sich für die Placebogruppe, in der Cranberry-Gruppe rieten nur 5 von 22 richtig (p kleiner 0,001) [11]. Bemerkenswert für die verbreitete Zuschreibung, Cranberry-Extrakt wirke über seinen Vitamin-C-Gehalt. Die Analyse des geprüften Getränks weist Vitamin C ausdrücklich als nicht nachweisbar aus [11]. Die Studie wurde von Ocean Spray Cranberries, Inc. finanziert, eine Koautorin ist dort angestellt und war für Zubereitung, Analyse und Zuteilung der Getränke zuständig [11]. Geprüft wurde ein Saftpulver-Getränk und kein Kapselextrakt, eine PAC-Menge in Milligramm nennt die Arbeit nicht, nur einen Anteil von 65 bis 77 Prozent PAC in der Trockenmasse des eingesetzten Pulvers [11].
Quellen: 11
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13
Zusammensetzung der Darmflora und kurzkettige Fettsäuren unter fleischbetonter Kost, ohne Unterschied bei Entzündungswerten
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In einer Studie an 11 Erwachsenen milderte Cranberry-Pulver die Veränderungen, die eine fleischbetonte Kost an der Darmflora auslöste. Elf Personen über fünf Tage sind kein tragfähiger Beleg.
Ausführlicher Nachweis
In einer doppelblinden randomisierten Cross-over-Studie mit vollständig gestellter Kost aßen 11 gesunde Erwachsene je 5 Tage lang eine fleisch-, milch- und zuckerbetonte Kost, einmal mit täglich 30 g gefriergetrocknetem Ganzfrucht-Cranberrypulver und einmal mit 30 g Placebopulver [12]. Die Kontrollkost allein veränderte 46 taxonomische Gruppen, erhöhte die Desoxycholsäure im Stuhl und senkte Acetat und Butyrat [12]. Gegenüber dem Ende der Kontrollphase veränderte die Cranberry-Phase 9 taxonomische Gruppen, milderte den Anstieg der sekundären Gallensäuren und den Abfall der kurzkettigen Fettsäuren und erhöhte die Ausscheidung von Anthocyanen und bakteriell gebildeten Phenolsäuren im Urin [12]. Trimethylamin im Stuhl und die Zytokine im Blut veränderten sich nicht [12]. Effektmaße mit Intervall werden für die Gruppenunterschiede nicht berichtet. Elf Teilnehmende und 5 Tage je Phase sind eine Fütterungsstudie zum Mechanismus und kein Beleg für einen Nutzen im Alltag. Geprüft wurde erneut Ganzfruchtpulver in einer Menge von 30 g täglich und kein Kapselextrakt von 100 mg, eine PAC-Menge nennt die Arbeit nicht [12].
Quellen: 12
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14
Antioxidative Kapazität im Blutplasma nach einer einzelnen Portion Saft
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Nach einer einzelnen Portion Cranberrysaft stieg die antioxidative Kapazität im Blut von 10 Personen über sieben Stunden an, während sie unter dem Vergleichsgetränk abfiel. Über Zellalterung sagt dieser Blutwert nichts.
Ausführlicher Nachweis
In einem Versuch an 10 nüchternen Erwachsenen wurde nach einer einzelnen Portion von 240 ml die antioxidative Kapazität im Blutplasma sechsmal über 7 Stunden gemessen [13]. Unter dem Kontrollgetränk aus Maissirup mit Ascorbat sank sie zu allen Zeitpunkten leicht ab, unter Cranberrysaft stieg sie an und lag zu allen Zeitpunkten höher als unter Kontrolle [13]. Ein Effektmaß mit Intervall wird nicht berichtet, ebenso wenig eine Randomisierung oder eine Verblindung, weshalb die Stufe hinweise lautet. Zehn Personen, eine einzelne Portion, ein Vergleichsgetränk mit eigenem Oxidationseffekt durch seinen Fruchtzuckeranteil, den die Arbeit selbst als Hauptursache des Abfalls benennt [13]. Die antioxidative Kapazität im Blutplasma ist ein Laborwert und kein Endpunkt, sie belegt weder einen Schutz von Zellen noch eine verlangsamte Zellalterung, dazu liegt uns keine Humanstudie vor. Geprüft wurde Saft und kein Kapselextrakt [13].
Quellen: 13
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15
Oxalatausscheidung im 24-Stunden-Urin, uneinheitlich je nach Zubereitung
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Unter verdünntem Saft sank die Oxalatausscheidung, unter Tabletten stieg sie an. Die beiden Arbeiten prüften verschiedene Zubereitungen und hatten verschiedene Vergleichsgruppen.
Ausführlicher Nachweis
In einer Cross-over-Studie tranken 20 junge Männer ohne Steinvorgeschichte 2 Wochen lang täglich 500 ml Cranberrysaft in 1500 ml Leitungswasser oder 2000 ml Leitungswasser allein, mit zweiwöchiger Auswaschphase und 24-Stunden-Urinsammlung [14]. Unter Saft sank die Ausscheidung von Oxalat und Phosphat, die Citratausscheidung stieg, und die relative Übersättigung für Calciumoxalat lag niedriger als unter Wasser allein [14]. In einer zweiten Arbeit nahmen 15 Teilnehmende mit einem mittleren Alter von 27 Jahren 14 Tage lang Cranberrytabletten in der vom Hersteller empfohlenen Menge ein, die eine Hälfte ohne, die andere mit Vitamin C [15]. Die Oxalatausscheidung im 24-Stunden-Urin stieg im Median um 0,10 mmol je Tag unter den reinen Tabletten und um 1,15 mmol je Tag unter den Tabletten mit Vitamin C, das Urinvolumen blieb gleich (1,7 gegenüber 2,0 Liter, p gleich 0,07) [15]. Diese zweite Arbeit hat keine Vergleichsgruppe ohne Cranberry, sie vergleicht die Werte der Teilnehmenden mit ihrem eigenen Ausgangswert, und der stärkere Anstieg entfällt auf den Arm mit Vitamin C, das die Oxalatausscheidung eigenständig erhöht [15]. Die Stufe widersprüchlich ist deshalb gesperrt, die Arbeiten prüfen weder dieselbe Zubereitung noch denselben Vergleich. Sie zeigen aber, dass Saft und Tablette in dieser Frage nicht dasselbe sind, und sie sind der Grund für den Hinweis unter Sicherheit.
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16
Gerinnungswerte bei Erwachsenen unter stabiler Warfarin-Einnahme, ohne Unterschied zu Placebo
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In einer Studie an 30 Personen unter Warfarin veränderte Cranberrysaft die Warfarin-Spiegel im Blut nicht. Für eine allgemeine Entwarnung ist die Studie zu klein.
Ausführlicher Nachweis
In einer randomisierten, doppelblinden Studie tranken 30 Personen unter stabiler Warfarin-Einnahme mit einem INR-Wert zwischen 1,7 und 3,3 zwei Wochen lang täglich 240 ml Cranberrysaft (n gleich 14) oder ein in Farbe und Geschmack angeglichenes Placebogetränk (n gleich 16), gefolgt von einer Woche Nachbeobachtung [16]. Die mittleren Plasmaspiegel von R- und S-Warfarin unterschieden sich nicht, eine pharmakokinetische Wechselwirkung ist damit ausgeschlossen [16]. Der INR-Wert unterschied sich allein an Behandlungstag 12 (p kleiner 0,02), an allen anderen Messzeitpunkten nicht, und je 4 Personen in beiden Gruppen zeigten leicht erhöhte Werte zwischen 3,38 und 4,52 [16]. Die Autoren halten den einzelnen Unterschied für klinisch unbedeutend und möglicherweise zufällig [16]. Ein Effektmaß mit Intervall wird nicht berichtet, und 30 Personen über 2 Wochen mit 240 ml Saft täglich lassen keine allgemeine Entwarnung zu, deshalb hinweise und nicht nicht bestätigt. Geprüft wurde Saft, nicht ein konzentrierter Kapselextrakt, siehe Sicherheit.
Quellen: 16
Studien im Detail
Die Harnwege, sechs Gruppen und drei verschiedene Antworten
Die belastbare Studienlage zu Cranberry und den Harnwegen ruht praktisch vollständig auf einer Arbeit, der fünften Aktualisierung der Cochrane-Übersicht von 2023. Sie wertet 50 randomisierte Studien mit 8857 zugeteilten Teilnehmenden aus, 26 davon ließen sich für den Endpunkt zusammenfassen, der hier zählt, Beschwerden zusammen mit einem kulturell bestätigten Bakteriennachweis im Urin. Über alle Gruppen hinweg liegt das Risikoverhältnis bei 0,70 mit einem 95-Prozent-Intervall von 0,58 bis 0,84.
Diese eine Zahl ist die meistzitierte und zugleich die unbrauchbarste des ganzen Feldes, denn die Übersicht zerlegt sie selbst in sechs Gruppen, und sie fallen verschieden aus. Bei Frauen mit wiederholten Ereignissen, bei Kindern und bei Menschen nach einem Eingriff an Blase oder Harnwegen zeigt sich weniger, bei Bewohnerinnen und Bewohnern von Pflegeeinrichtungen, bei Schwangeren und bei Erwachsenen mit unvollständiger Blasenentleerung nichts. Die Übersicht schreibt in ihrem eigenen Fazit, die vorliegende Evidenz stütze die Anwendung in den drei letztgenannten Gruppen nicht.
Zwei dieser drei Nullbefunde tragen in diesem Eintrag die Stufe nicht bestätigt, der dritte nur die Stufe hinweise. Der Unterschied liegt nicht am Ergebnis, sondern an der Sicherheit, die Cochrane der jeweiligen Aussage selbst gibt, bei Pflegeeinrichtungen und Schwangeren moderat, bei der unvollständigen Blasenentleerung niedrig. Dieselbe Regel gilt in beide Richtungen, auch die drei zustimmenden Untergruppen haben nur moderate Sicherheit und stehen deshalb auf belegt und nicht auf gut belegt.
Die Menge, die niemand kennt
Der Wirkstoff, um den es geht, sind Proanthocyanidine vom A-Typ. Für sie gibt es eine viel genannte Schwelle von 36 mg täglich, sie stammt aus einer Untersuchung an 32 Freiwilligen, in der die Hemmung der Bakterienanhaftung im Urin mit der aufgenommenen Menge zunahm.
Nur lässt sich diese Schwelle auf ein Handelserzeugnis kaum anwenden. Von 30 Studien der Cochrane-Übersicht mit Tablette, Kapsel oder Pulver nannten nur 18 überhaupt eine Menge, und diese reichte von 1,4 bis 120 mg täglich, also über fast zwei Größenordnungen. Nur 7 von 24 Arbeiten begründeten ihre Menge überhaupt. Die Übersicht selbst hält in ihrer Zusammenfassung für Laien fest, es gebe kein festgelegtes Mengenschema und keine behördliche Regelung für Cranberry-Erzeugnisse, und die Menge stehe oft nicht einmal auf der Packung.
Dazu kommt die Messung. Die verbreitete DMAC-Methode streute in einer Prüfung über fünf Labore um im Mittel 16,9 Prozent und im Einzelfall um 32 Prozent, und ihre Grundannahme, dass alle Proanthocyanidin-Bausteine gleich stark anfärben, hält einer genaueren Prüfung nicht stand. Photometrische Verfahren überschätzen den Gehalt eher, chromatographische unterschätzen ihn eher. Eine Untersuchung von 53 Handelserzeugnissen durch vier unabhängige Labore fand schließlich, dass nur 3 davon die 36 mg täglich erreichten und dass Erzeugnisse mit einer Mengenangabe auf der Packung deutlich weniger enthielten als angegeben.
Deshalb steht in diesem Eintrag bei jeder Zeile, welche Zubereitung geprüft wurde. Eine Angabe in Milligramm Extrakt ohne ausgewiesenen Proanthocyanidin-Gehalt und ohne genanntes Messverfahren lässt sich keiner Studie zuordnen.
Alles außerhalb der Harnwege
Für die übrigen Zuschreibungen gilt ein einfacher Befund: Sie stammen fast alle aus jeweils einer einzigen kleinen Studie, und keine einzige davon hat einen Kapselextrakt geprüft. Geprüft wurden 9 g Ganzfruchtpulver bei der Gefäßfunktion, 30 g Ganzfruchtpulver bei der Darmflora, 40 g Trockenfrucht beim Blutzucker nach der Mahlzeit, 450 ml Getränk bei den Abwehrzellen und 240 bis 500 ml Saft bei Blutdruck und antioxidativer Kapazität.
Beim Blutdruck sind die Daten am dichtesten und zeigen nichts. Eine Zusammenfassung von 17 randomisierten Studien fand weder für den oberen noch für den unteren Wert einen Unterschied, allerdings mit Heidelbeere und Cranberry in einem Topf. Zwei Einzelstudien mit Cranberry allein bestätigen das Bild für Blutfette und Nüchtern-Blutzucker.
Abgrenzung, Art und Zubereitung
Alle in diesem Eintrag zitierten Humanstudien prüften Vaccinium macrocarpon, die Großfrüchtige Moosbeere. Nur die Übersichtsarbeit zu Artenunterschieden und Messverfahren behandelt daneben die verwandten Arten. Die europäische Moosbeere (Vaccinium oxycoccus) und die Preiselbeere (Vaccinium vitis-idaea) haben ein anderes Muster an A-Typ-Proanthocyanidinen, Ergebnisse der einen Art gelten nicht für die andere.
Innerhalb derselben Art unterscheiden sich die Zubereitungen erheblich. Saft und Saftkonzentrat tragen Wasser, Säure und Zucker mit, Trockenfrucht bringt Zucker mit, Ganzfruchtpulver enthält auch die Faserstoffe der Frucht, und ein Kapselextrakt konzentriert eine Auswahl der Inhaltsstoffe. Die Verarbeitung zu Tablette oder Kapsel kann den Proanthocyanidin-Gehalt senken, sodass manche Erzeugnisse davon fast nichts enthalten. Die Oxalatzeile dieses Eintrags zeigt, dass daraus auch gegenläufige Befunde entstehen können.
Sicherheit und Wechselwirkungen
In der Cochrane-Übersicht unterschied sich die Zahl der Teilnehmenden mit Magen-Darm-Beschwerden nicht belegt zwischen Cranberry und Placebo, 10 Studien mit 2166 Teilnehmenden, Risikoverhältnis 1,33 bei einem 95-Prozent-Intervall von 1,00 bis 1,77, bei moderater Sicherheit der Aussage. Das Intervall berührt den Gleichstand genau an seiner unteren Grenze, eine Zunahme um bis zu drei Viertel ist also nicht ausgeschlossen. Häufigste Meldung sind Bauchbeschwerden.
Zur Oxalatausscheidung im Urin liegen zwei kleine Arbeiten mit gegenläufigem Ergebnis vor, unter verdünntem Saft sank sie, unter Tabletten stieg sie. Keine der beiden hat Steinereignisse gezählt. Wer eine Steinvorgeschichte hat oder dazu neigt, sollte die Einnahme deshalb ärztlich abklären, insbesondere bei Zubereitungen, die zusätzlich Vitamin C enthalten, denn Vitamin C erhöht die Oxalatausscheidung eigenständig.
Zu Warfarin ist eine pharmakokinetische Wechselwirkung in der Studie von Ansell und Kollegen an 30 Personen unter stabiler Einnahme ausgeschlossen worden, die Warfarin-Spiegel im Blut veränderten sich nicht. Die Studie prüfte 240 ml Saft täglich über zwei Wochen an 30 Personen und trägt damit keine allgemeine Entwarnung für konzentrierte Zubereitungen. Bei gleichzeitiger Einnahme gerinnungshemmender Medikamente bleibt ärztliche Rücksprache sinnvoll.
Zu Schwangerschaft und Stillzeit liegen uns über die drei Studien der entsprechenden Cochrane-Untergruppe hinaus keine eigenen geprüften Sicherheitsquellen vor, eine ärztliche Rücksprache vor der Einnahme ist in diesem Fall grundsätzlich sinnvoll.
Quellen zum Nachlesen
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01
Cochrane-Übersicht mit Meta-Analyse, 50 randomisierte Studien, 8857 zugeteilte Teilnehmende, fünfte Aktualisierung · 2023
Cranberries for preventing urinary tract infections
Williams G, Stothart CI, Hahn D, Stephens JH, Craig JC, Hodson EM. Cochrane Database Syst Rev
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02
RCT, doppelblind, Vergleich zweier PAC-Mengen, n gleich 145 (72 vs 73), 24 Wochen, kommerziell mitfinanziert · 2021
High dose versus low dose standardized cranberry proanthocyanidin extract for the prevention of recurrent urinary tract infection in healthy women, a double-blind randomized controlled trial
Babar A, Moore L, Leblanc V, Dudonné S, Desjardins Y, Lemieux S, Bochard V, Guyonnet D, Dodin S. BMC Urol
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03
RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, mehrere Zentren, n gleich 32, Dosisstufen 0, 18, 36 und 72 mg PAC · 2010
Dosage effect on uropathogenic Escherichia coli anti-adhesion activity in urine following consumption of cranberry powder standardized for proanthocyanidin content, a multicentric randomized double blind study
Howell AB, Botto H, Combescure C, Blanc-Potard AB, Gausa L, Matsumoto T, Tenke P, Sotto A, Lavigne JP. BMC Infect Dis
Zur Zuschreibung: 08
- 04
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05
Analytische Mehrlabor-Untersuchung von 53 Handelserzeugnissen durch 4 unabhängige Labore · 2026
Analytical Determination of Proanthocyanidin Content and its Association with Label-Declared Proanthocyanidin Amounts and Cranberry Material in Dietary Supplements, A Multilaboratory Study Using the 4-Dimethylamino-Cinnamaldehyde Method
Pandey D, Vavilala S, Gusev P, Andrews K, Oh L, Ekong J, Chung M, Wu X, Dwyer J, Pehrsson P. J Nutr
- 06
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07
RCT, doppelblind, Parallelgruppen, n gleich 45 gesunde Männer, 9 g Ganzfruchtpulver täglich, 1 Monat · 2022
Daily consumption of cranberry improves endothelial function in healthy adults, a double blind randomized controlled trial
Heiss C, Istas G, Feliciano RP, Weber T, Wang B, Favari C, Mena P, Del Rio D, Rodriguez-Mateos A. Food Funct
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08
Systematische Übersicht mit Meta-Analyse, 17 randomisierte Studien, Heidelbeere und Cranberry gemeinsam ausgewertet · 2024
The effects of blueberry and cranberry supplementation on blood pressure in patients with cardiovascular diseases, A systematic review and meta-analysis of randomized clinical trials
Delpino FM, Dos Santos FS, Flores TR, Cerqueira HS, Santos HO. Phytother Res
Zur Zuschreibung: 10
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RCT, plazebokontrolliert, Cross-over, n gleich 40, 500 ml Saft täglich, je 8 Wochen · 2021
Effects of Cranberry Juice Supplementation on Cardiovascular Disease Risk Factors in Adults with Elevated Blood Pressure, A Randomized Controlled Trial
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Zur Zuschreibung: 10
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11
RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, Parallelgruppen, n gleich 45 (22 vs 23), 10 Wochen, kommerziell finanziert · 2013
Consumption of cranberry polyphenols enhances human γδ-T cell proliferation and reduces the number of symptoms associated with colds and influenza, a randomized, placebo-controlled intervention study
Nantz MP, Rowe CA, Muller C, Creasy R, Colee J, Khoo C, Percival SS. Nutr J
Zur Zuschreibung: 12
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12
Randomisierte Cross-over-Fütterungsstudie, doppelblind, n gleich 11, je 5 Tage, 30 g Ganzfruchtpulver täglich · 2018
Cranberries attenuate animal-based diet-induced changes in microbiota composition and functionality, a randomized crossover controlled feeding trial
Rodríguez-Morató J, Matthan NR, Liu J, de la Torre R, Chen CO. J Nutr Biochem
Zur Zuschreibung: 13
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13
Analytische Arbeit mit Humanversuch, n gleich 10, einzelne Portion von 240 ml, 7 Stunden Beobachtung · 2008
Cranberries and cranberry products, powerful in vitro, ex vivo, and in vivo sources of antioxidants
Vinson JA, Bose P, Proch J, Al Kharrat H, Samman N. J Agric Food Chem
Zur Zuschreibung: 14
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Randomisierte Zuteilung auf zwei Tablettenarten ohne cranberryfreie Vergleichsgruppe, n gleich 15, 14 Tage · 2019
The influence of dietary supplementation with cranberry tablets on the urinary risk factors for nephrolithiasis
Redmond EJ, Murphy CF, Leonard J, Faulds K, Abdelfadil S, Crowley VE, Lynch TH, Manecksha RP. World J Urol
Zur Zuschreibung: 15
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