Eisen
Zuletzt geprüft am
Spurenelemente
Iron · Fe · Eisenbisglycinat
Auf einen Blick
- Was es ist
- Ein essenzielles Spurenelement, Bestandteil von Hämoglobin, Myoglobin und zahlreichen Enzymen. Eisen wird über die Nahrung als Häm-Eisen (tierische Quellen) oder Nicht-Häm-Eisen (pflanzliche Quellen, Nahrungsergänzung) aufgenommen, die Aufnahmerate im Darm passt sich dem Eisenstatus des Körpers an und steigt bei Eisenmangel deutlich
- Wirkform in Studien
- In den zitierten Humanstudien überwiegend als Eisensulfat, daneben Eisenfumarat und Eisenascorbat. Eisenbisglycinat ist Gegenstand einer eigenen Meta-Analyse aus 17 randomisierten Studien im Vergleich zu anderen Eisenverbindungen, siehe die eigenen Wirkungszeilen dazu
- Übliche Studiendosis
- 16 bis 200 mg elementares Eisen pro Tag in den zitierten placebokontrollierten Humanstudien, im größten Cochrane-Review im Mittel 86,9 mg oral pro Tag. Bei Ausdauersportlerinnen wurden meist rund 100 mg elementares Eisen pro Tag über mehrere Wochen eingesetzt. Referenzmenge (NRV) 14 mg pro Tag
- Rechtlicher Rahmen der Angaben
- Sieben zugelassene Angaben zu Eisen gelten nur für Lebensmittel, die die Bedingung "Eisenquelle" erfüllen. Der Nährstoffbezugswert (NRV) für Eisen liegt bei 14 mg pro Tag. Als "Quelle von" gilt ein Nahrungsergänzungsmittel, wenn seine empfohlene Tagesportion mindestens 15 Prozent des NRV liefert, das sind 2,1 mg Eisen. Ein "hoher Gehalt" verlangt laut Anhang der Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 mindestens das Doppelte, also 30 Prozent des NRV beziehungsweise 4,2 mg
- Zusammenspiel
- Vitamin C verbessert die Aufnahme von Nicht-Häm-Eisen, ein Zusammenhang, der auch für Kombinationspräparate aus beiden Stoffen relevant ist. Calcium hemmt die Eisenaufnahme akut, bei mehrwöchiger gleichzeitiger Einnahme zeigte sich in einer kontrollierten Studie kein Effekt mehr. Zink hemmt die Eisenaufnahme akut bei gemeinsamer Einnahme nüchtern in Lösung, in Mahlzeiten zeigte sich das nicht durchgehend. Siehe die einzelnen Wirkungszeilen und Sicherheit
- Sicherheitshinweis
- Das BfR empfiehlt eine Höchstmenge von 6 mg Eisen pro Tagesportion eines Nahrungsergänzungsmittels (2021) und einen Warnhinweis, dass gesunde Männer, postmenopausale Frauen und Schwangere Eisen nur nach ärztlicher Rücksprache einnehmen sollten. Menschen mit hereditärer oder sekundärer Hämochromatose sollen ohne diagnostizierten Mangel kein Eisen supplementieren. Eisen kann die Aufnahme von Schilddrüsenhormon-Präparaten mindern, siehe Sicherheit
Was diesem Stoff zugesprochen wird
Was die Studien hergeben.
Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.
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01
Normale Bildung von roten Blutkörperchen und Hämoglobin
Behördlich gesichertEinordnung und Einschränkungen
Zugelassene Angabe nach abgeschlossener EFSA-Bewertung (Wortlaut: 'Eisen trägt zur normalen Bildung von roten Blutkörperchen und Hämoglobin bei'), zulässig nur für Lebensmittel, die die Bedingung 'Eisenquelle' erfüllen, siehe Steckbrief
Quellen: 1
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02
Normaler Sauerstofftransport im Körper
Behördlich gesichertEinordnung und Einschränkungen
Zugelassene Angabe nach abgeschlossener EFSA-Bewertung (Wortlaut: 'Eisen trägt zu einem normalen Sauerstofftransport im Körper bei'), zulässig nur für Lebensmittel, die die Bedingung 'Eisenquelle' erfüllen
Quellen: 1
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03
Normaler Energiestoffwechsel
Behördlich gesichertEinordnung und Einschränkungen
Zugelassene Angabe nach abgeschlossener EFSA-Bewertung (Wortlaut: 'Eisen trägt zu einem normalen Energiestoffwechsel bei'), zulässig nur für Lebensmittel, die die Bedingung 'Eisenquelle' erfüllen
Quellen: 1
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04
Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung (behördliche Grundfunktion)
Behördlich gesichertEinordnung und Einschränkungen
Zugelassene Angabe nach abgeschlossener EFSA-Bewertung (Wortlaut: 'Eisen trägt zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung bei'), zulässig nur für Lebensmittel, die die Bedingung 'Eisenquelle' erfüllen. Die Angabe beschreibt die normale physiologische Funktion, nicht eine zusätzliche Steigerung über den Normalwert hinaus bei bereits ausreichender Versorgung, dazu die eigene Wirkungszeile weiter unten
Quellen: 1
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05
Normale kognitive Funktion (behördliche Grundfunktion)
Behördlich gesichertEinordnung und Einschränkungen
Zugelassene Angabe nach abgeschlossener EFSA-Bewertung (Wortlaut: 'Eisen trägt zu einer normalen kognitiven Funktion bei'), zulässig nur für Lebensmittel, die die Bedingung 'Eisenquelle' erfüllen. Auch hier gilt: die Angabe beschreibt die Grundfunktion, nicht eine Leistungssteigerung durch Zusatzgabe, dazu die eigene Wirkungszeile weiter unten
Quellen: 1
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06
Normale Funktion des Immunsystems
Behördlich gesichertEinordnung und Einschränkungen
Zugelassene Angabe nach abgeschlossener EFSA-Bewertung (Wortlaut: 'Eisen trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei'), zulässig nur für Lebensmittel, die die Bedingung 'Eisenquelle' erfüllen
Quellen: 1
-
07
Funktion bei der Zellteilung
Behördlich gesichertEinordnung und Einschränkungen
Zugelassene Angabe nach abgeschlossener EFSA-Bewertung (Wortlaut: 'Eisen hat eine Funktion bei der Zellteilung'), zulässig nur für Lebensmittel, die die Bedingung 'Eisenquelle' erfüllen
Quellen: 1
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08
Hämoglobinkonzentration bei menstruierenden Frauen, unabhängig vom Eisen-Ausgangsstatus geprüft
Gut belegtEinordnung und Einschränkungen
Cochrane-Übersicht aus 67 randomisierten Studien mit 8506 menstruierenden Frauen (12 bis 50 Jahre), eingeschlossen unabhängig vom Eisen- oder Anämie-Ausgangsstatus, weil die meisten Studien diesen nicht einheitlich berichteten; eine Untergruppenanalyse nach Ausgangs-Eisenstatus war laut Volltext geplant, aber nicht aussagekräftig, weil die meisten Studien in die Kategorie 'nicht klassifiziert' fielen. Verglichen mit Kontrolle ohne Eisen stieg die Hämoglobinkonzentration am Ende der Einnahme um 5,30 g/l (95-Prozent-Konfidenzintervall 4,14 bis 6,45; 51 Studien, 6861 Frauen), von den Autoren selbst als hohe Evidenzqualität nach GRADE eingestuft. Die am häufigsten verwendete Eisenform war laut Übersicht Eisensulfat, nicht Bisglycinat. Der Effekt war laut Volltext nicht klar dosisabhängig, während Ferritin-Anstiege bei höheren Dosen ausgeprägter waren. Gezielt nach einer neueren Übersicht zu diesem Feld gesucht (PubMed-Suche nach "iron supplementation" "non-pregnant women anemia meta-analysis" und "daily iron supplementation" "menstruating women" (alle Publikationstypen)), keine neuere, umfassendere Übersicht zu Eisen bei menstruierenden Frauen gefunden, diese Übersicht aus dem Jahr 2016 ist nach jetzigem Kenntnisstand weiterhin die aktuellste
Quellen: 6
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09
Anämie-Häufigkeit und Eisenmangel (Ferritin) am Ende der Einnahme bei menstruierenden Frauen
BelegtEinordnung und Einschränkungen
Dieselbe Cochrane-Übersicht: Frauen unter Eisengabe hatten am Ende der Einnahme seltener eine Anämie als Frauen ohne Eisen (Risikoverhältnis 0,39; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,25 bis 0,60; 10 Studien, 3273 Frauen, moderate Evidenzqualität nach GRADE, abgewertet wegen Verzerrungsrisiko und Inkonsistenz) und seltener einen laborchemisch definierten Eisenmangel (Risikoverhältnis 0,62; 0,50 bis 0,76; 7 Studien, 1088 Frauen, ebenfalls moderate Qualität). Nebenbefund laut Volltext: In einer Untergruppenanalyse nach verwendeter Eisenverbindung war Eisensulfat wirksamer gegen Anämie als andere Formen zusammengenommen (Risikoverhältnis 0,20 gegenüber 0,66), diese Untergruppe schloss aber kein Bisglycinat-Präparat namentlich auf
Quellen: 6
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10
Subjektive Müdigkeit bei nachgewiesenem Eisenmangel ohne Anämie, uneinheitlich zwischen Studien
WidersprüchlichEinordnung und Einschränkungen
Eine systematische Übersicht speziell zu eisenmangelbedingter, nicht-anämischer Müdigkeit (18 randomisierte Studien, 1170 Erwachsene, orale, intramuskuläre und intravenöse Eisengabe gemischt) fand insgesamt eine Verringerung der selbstberichteten Müdigkeit gegenüber Kontrolle (standardisierte Mittelwertdifferenz minus 0,38; 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 0,52 bis minus 0,23; 4 Studien, 714 Teilnehmende), aber keinen Unterschied bei objektiv gemessener körperlicher Leistungsfähigkeit. Von den 4 in diese Teilanalyse eingeschlossenen Studien nutzten laut Volltext mindestens 2 intravenöses statt oralen Eisens, und der Studienpool der gesamten Übersicht überschneidet sich laut Literaturverzeichnis nachweislich mit dem der folgenden Cochrane-Übersicht (mindestens die Arbeiten von Verdon et al. 2003 und Vaucher/Waldvogel et al. 2012 sind in beiden Übersichten enthalten), es handelt sich also nicht um zwei vollständig unabhängige Bestätigungen. Innerhalb der Cochrane-Übersicht zu menstruierenden Frauen wird dieselbe Uneinheitlichkeit sichtbar: Eine placebokontrollierte Studie an Frauen mit ungeklärter Müdigkeit fand eine deutlich stärkere Besserung unter oralem Eisen als unter Placebo, mit einem Nutzen ausschließlich bei einem Ausgangs-Ferritin unter 50 µg/l (Verdon et al. 2003, zitiert nach [6]). Zwei placebokontrollierte Studien an speziell nicht-anämischen, eisenmangeligen Personen fanden dagegen keinen Unterschied: eine intravenöse Studie an 393 nicht-anämischen Blutspenderinnen und -spendern mit Ferritin unter 50 µg/l (mittlere Müdigkeit 3,9 unter Eisen gegenüber 4,0 unter Placebo auf einer Skala, p=0,819) und eine bei Soldatinnen zu Beginn eines Grundausbildungslagers. Eine weitere systematische Übersicht zu nicht-anämischem Eisenmangel fand für Eisengabe eine statistisch signifikante Besserung sowohl bei objektiver als auch subjektiver Müdigkeitsbewertung (p=0,005 beziehungsweise p=0,03), ohne im Abstract ein Effektmass mit Konfidenzintervall zu nennen. Ein Cochrane-Review zu intravenösem Eisen bei nicht-anämischem Eisenmangel stuft die Evidenz zu Lebensqualität und Müdigkeit selbst als sehr niedrige Qualität ein und sieht die Datenlage insgesamt als nicht ausreichend an. Die Befunde widersprechen sich also auch INNERHALB der Gruppe mit nachgewiesenem Mangel, am ehesten scheint ein Nutzen bei bereits spürbarer Müdigkeit und niedrigem Ferritin (unter 50 µg/l) wahrscheinlicher als bei symptomlosem, milderem Mangel
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11
Objektive körperliche Ausdauerleistung (VO2max) bei menstruierenden Frauen, getragen allein von der Cochrane-Übersicht
BelegtEinordnung und Einschränkungen
Cochrane-Übersicht zu menstruierenden Frauen: Verglichen mit Kontrolle stieg unter Eisengabe laut Volltext die relative maximale Sauerstoffaufnahme (VO2max) um 2,36 ml/kg/min (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,55 bis 4,17; 15 Studien, 407 Frauen) und die absolute VO2max um 0,11 l/min (0,02 bis 0,20; 8 Studien, 276 Frauen), im Abstract selbst nicht aufgeschlüsselt [6]. Eine systematische Übersicht speziell zu Eisenmangel bei leistungsorientierten Athletinnen (23 Studien, 669 Athletinnen aus 16 Sportarten, Ferritin unter 40 µg/l) fand eine um 3 bis 4 Prozent verringerte Ausdauerleistung bei eisenmangeligen gegenüber eisenausreichenden Athletinnen. Die im Abstract genannte Verbesserung um 2 bis 20 Prozent nach Eisengabe von rund 100 mg elementarem Eisen pro Tag ist nach dem Volltext ein Vorher-Nachher-Wert und kein Placebo-Vergleich. Im Ergebnisteil steht ausdrücklich, dass die maximale Sauerstoffaufnahme unter Eisengabe zwischen minus 3 und plus 15 Prozent schwankte und sich zwischen Eisen- und Placebogruppe kein signifikanter Unterschied zeigte, ebenso wenig bei Herzfrequenz, Laktatschwelle oder maximalem Laktat. Diese Übersicht zeigt für VO2max keinen signifikanten Vorteil gegenüber Placebo. Für andere Ausdauermaße berichtet sie dagegen Verbesserungen, deren Aussagekraft je nach Studie und Vergleich unterschiedlich ist. Die Gruppengrößen waren bei 18 von 23 Studien 20 Athletinnen oder kleiner [11]. Eine randomisierte, placebokontrollierte Studie an eisenarmen, nicht-anämischen Ruderinnen (100 mg Eisensulfat pro Tag über 6 Wochen, n=31 ausgewertet) fand gegenüber Placebo eine verbesserte energetische Effizienz (p=0,03 für die Zeit-mal-Gruppe-Interaktion) und einen Trend zu höherem Ferritin (p=0,07), aber keine gesicherte Veränderung der Milchsäurewerte über den gesamten Test hinweg [12], sie fand einen Vorteil bei der energetischen Effizienz und maß auch die maximale Sauerstoffaufnahme. Die Zeile wird damit allein von der Cochrane-Auswertung [6] getragen. Deren Teilnehmerinnen waren menstruierende Frauen unabhängig vom Eisen-Ausgangsstatus, nicht ausschließlich Frauen mit nachgewiesenem Mangel, und die VO2max-Auswertung ist dort ein Nebenergebnis ohne eigene GRADE-Einstufung. Die Studien von [11] und [12] betreffen Menschen mit nachgewiesenem Eisenmangel oder Eisendepletion, nicht bereits ausreichend versorgte Personen, und die Eisendosen variierten; die Ruderinnenstudie verwendete 100 mg Eisensulfat pro Tag, nicht 100 mg elementares Eisen, siehe Steckbrief zur Studiendosis und die folgende Zeile
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12
Körperliche Leistungsfähigkeit bei bereits ausreichender Eisenversorgung
Studienlage offenEinordnung und Einschränkungen
Gezielt nach einer randomisierten Humanstudie gesucht, die eine zusätzliche Eisengabe bei nachweislich bereits ausreichend versorgten (nicht depletierten, nicht eisenmangeligen) Sportlerinnen oder Erwachsenen gegen ein Leistungsmass prüft (Suchbegriffe unter anderem 'iron supplementation' plus 'iron replete athletes performance', ohne Humanfilter und ohne Typfilter). Gefundene Arbeiten betrafen entweder Menschen mit nachgewiesenem Eisenmangel oder Eisendepletion (siehe vorherige Zeile) oder Personen, die im Studienverlauf erst künstlich depletiert wurden, etwa durch wiederholte Blutspende. Für einen zusätzlichen Leistungseffekt bei durchgehend ausreichender Versorgung liegt kein zurechenbarer Beleg vor
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13
Kognitive Leistungsfähigkeit (Gedächtnis, Aufmerksamkeit) bei zusätzlicher Eisengabe, uneinheitlich zwischen Studien
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Eine systematische Übersicht zu Eisen- und Zinkgabe bei prämenopausalen Frauen (10 randomisierte und 1 nicht randomisierte kontrollierte Studie, Suchstand 2014) berichtet, dass 7 der eingeschlossenen Studien eine Besserung von Gedächtnis oder intellektueller Leistungsfähigkeit nach Eisengabe fanden, bei Teilnehmerinnen zwischen 12 und 55 Jahren, unabhängig davon, ob zu Beginn ein Eisenmangel mit oder ohne Anämie vorlag; ein gepooltes Effektmass mit Konfidenzintervall nennt das Abstract nicht [15]. Die neuere Cochrane-Übersicht zu menstruierenden Frauen (Suchstand November 2015) beschreibt für dasselbe Feld ein uneinheitlicheres Bild: Die dort eingeschlossenen Studien zur kognitiven Funktion ließen sich wegen unterschiedlicher Testverfahren nicht gemeinsam auswerten, und schon die dort einzeln beschriebenen Studienergebnisse widersprechen sich laut Volltext untereinander. Bei bereits eisenausreichenden, nicht eisenmangeligen jungen Frauen (18 bis 35 Jahre) senkte Eisengabe (60 oder 80 mg Eisensulfat pro Tag) laut Volltext von [6] in einer der dort beschriebenen randomisierten Studien zwar die Impulsivität (p=0,047), veränderte aber Gedächtnis, Reaktionsgeschwindigkeit, Aufmerksamkeit oder Exekutivfunktion nicht. In einer anderen, ebenfalls dort beschriebenen randomisierten Studie an Jugendlichen zeigte sich laut Volltext von [6] in keinem von fünf kognitiven Tests ein Unterschied durch Eisengabe. Ein Abgleich der beiden frei zugänglichen Volltexte zeigt, dass sich die Studienbestände tatsächlich überschneiden: Sowohl die randomisierte Studie an weiblichen Soldatinnen (McClung et al., rund 219 Teilnehmerinnen) als auch die randomisierte Studie an französischen Frauen mit Eisenmangel (Verdon et al. 2003, 144 Teilnehmerinnen) sind in [15] als Einzelstudien tabelliert und werden auch in [6] beschrieben. Beide Übersichten ziehen aus einem teils überlappenden, kleinen Studienbestand unterschiedliche Gesamtschlüsse, das ist also keine zweite, unabhängige Bestätigung. Insgesamt uneinheitlich sowohl bei nachgewiesenem Mangel als auch bei bereits ausreichender Versorgung, eine gepoolte Aussage lässt sich aus den vorliegenden Quellen nicht ableiten
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14
Hämoglobinanstieg unter Eisenbisglycinat im Vergleich zu anderen Eisenverbindungen, nur bei Schwangeren und von den Autoren selbst als sehr niedrige Evidenzqualität eingestuft
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Meta-Analyse aus 17 randomisierten Studien, die Eisenbisglycinat gegen andere Eisenpräparate bei mindestens 4 Wochen Einnahme vergleichen. In der auswertbaren Gruppe schwangerer Frauen (9 Studien) führte Eisenbisglycinat gegenüber anderen Eisenverbindungen zu einer höheren Hämoglobinkonzentration (standardisierte Mittelwertdifferenz 0,54; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,15 bis 0,94) und zu einem statistisch nicht signifikanten Trend zu höherem Ferritin. Bei Kindern (4 Studien) zeigte sich kein signifikanter Unterschied bei Hämoglobin oder Ferritin. Für Männer und nicht schwangere Frauen lagen nur 4 Studien vor, zu wenige für eine gepoolte Auswertung, sie wurden nur beschreibend ausgewertet [13]. Die Literatursuche dieser Meta-Analyse endete im Juli 2020, die folgende Einzelstudie erschien erst 2022 und kann darin nicht enthalten sein, es handelt sich also um eine unabhängige zusätzliche Quelle, nicht um eine Doppelzählung. Diese einzelne randomisierte Studie an 120 schwangeren Frauen mit Eisenmangel bestätigt die Richtung bei niedrigerer Dosis: 24 mg elementares Eisen als Bisglycinat plus Folinsäure erhöhte den Serum-Eisenspiegel nach der Einnahme staerker als 66 mg elementares Eisen als Fumarat (p<0,001 zu allen Messzeitpunkten, im Abstract kein Konfidenzintervall genannt), und beide Gruppen zeigten nach 3 und 6 Monaten signifikante Anstiege bei Hämoglobin, Erythrozyten, Retikulozyten und Ferritin gegenüber dem jeweiligen Ausgangswert, wobei die Bisglycinat-Werte an jedem Zeitpunkt zahlenmäßig höher lagen als die Fumarat-Werte [14]. Beide tragenden Studien betreffen ausschließlich Schwangere, eine Gruppe mit erhöhtem Eisenbedarf, nicht die allgemeine erwachsene Bevölkerung. Der Volltext von [13] schwächt den Befund erheblich ab, was das Abstract nicht erkennen lässt. Die Autoren stufen die Hämoglobin-Aussage nach GRADE selbst als sehr niedrige Evidenzqualität ein, abgewertet wegen Verzerrungsrisiko, Ungenauigkeit und Publikationsbias. Die Heterogenität liegt bei I-Quadrat gleich 90 Prozent, die Trichtergrafik zeigt eine deutliche Asymmetrie, und eine Tabellenfußnote hält fest, dass 10 der eingeschlossenen Studien zwischen den Eisengruppen gar keinen Unterschied beim Hämoglobin fanden. In der Empfindlichkeitsanalyse, die Studien mit hohem oder unklarem Verzerrungsrisiko ausschließt, verschwindet der Unterschied, es bleiben 4 Studien mit einer standardisierten Mittelwertdifferenz von 0,53 und einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von minus 0,04 bis 1,11. Bei [14] kommt eine Firmenbindung hinzu, die weder im Abstract noch im PubMed-Feld zum Interessenkonflikt steht. Der Förderhinweis im Volltext nennt Max Biocare Pty Ltd, also den Hersteller des geprüften Kombinationspräparats, während dieselbe Arbeit in der Interessenerklärung keinen Konflikt angibt. Der Volltext nennt außerdem als Grenze, dass in dieser Studie gar nicht verblindet wurde, und die Prüfgruppe erhielt neben Bisglycinat auch Folinsäure, Ascorbinsäure und weitere Vitamine, die Kontrollgruppe nur Fumarat, sodass Salzform, Dosis und Begleitstoffe nicht getrennt werden können. Die Meta-Analyse [13] selbst ist universitär gefördert und erklärt keinen Interessenkonflikt
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15
Magen-Darm-Verträglichkeit von Eisenbisglycinat im Vergleich zu anderen Eisensalzen, von den Autoren selbst als sehr niedrige Evidenzqualität eingestuft
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Dieselbe Meta-Analyse aus 17 randomisierten Studien: Unter Eisenbisglycinat traten gegenüber anderen Eisenverbindungen weniger gastrointestinale Nebenwirkungen auf (Inzidenzratenverhältnis 0,36; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,17 bis 0,76), berechnet aus sieben Studien an 1243 schwangeren Frauen [13]. Die randomisierte Studie an schwangeren Frauen mit Eisenmangel bestätigt dies direkt im Vergleich: unter Bisglycinat (24 mg elementares Eisen) traten signifikant seltener Übelkeit, Bauchschmerzen, Blähungen, Verstopfung oder metallischer Geschmack auf als unter Fumarat (66 mg elementares Eisen, p<0,001), allerdings bei gleichzeitig niedrigerer Eisendosis in der Bisglycinat-Gruppe, sodass sich Form-Effekt und Dosis-Effekt in dieser Einzelstudie nicht sauber trennen lassen [14]. Zu bedenken: In der weit größeren Cochrane-Übersicht zu überwiegend Eisensulfat traten gastrointestinale Nebenwirkungen vor allem bei Tagesdosen über 30 mg elementarem Eisen gehäuft auf, ein relevanter Schwellenwert für die Einordnung niedriger dosierter Präparate [6]. Diese Übersicht [6] prüft im Kern eine andere Studienbasis als die Bisglycinat-Meta-Analyse [13], die eine spezifische Salzform gegen andere vergleicht, nicht dieselben Primärstudien, eine Doppelzählung ist hier deshalb nicht zu erwarten. Der Volltext von [13] schränkt den Nebenwirkungsbefund allerdings selbst stark ein. Er beruht auf 7 Studien mit 1243 schwangeren Frauen, die Heterogenität liegt bei I-Quadrat gleich 90 Prozent, die Qualität ist nach GRADE als sehr niedrig eingestuft, und die Autoren schreiben ausdrücklich, dass wegen der Asymmetrie der Trichtergrafik und der Heterogenität wenig Vertrauen in den gepoolten Schätzer besteht. Für [14] gilt zusätzlich der nur im Volltext genannte Förderhinweis auf den Hersteller Max Biocare Pty Ltd und die fehlende Verblindung, was bei selbstberichteten Beschwerden wie Übelkeit oder metallischem Geschmack besonders schwer wiegt
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16
Verbesserte Aufnahme von Nicht-Häm-Eisen bei gleichzeitiger Vitamin-C-Gabe
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Eine Radioisotop-Aufnahmestudie an 14 Frauen (Eisen als Eisensulfat, Testlösung mit 0,5 mg Eisen) fand eine höhere Eisenaufnahme, wenn zusätzlich Kupfer und Ascorbinsäure im Verhältnis 2 zu 1 (Ascorbinsäure zu Kupfer) gegeben wurden: 57,4 Prozent bei einem Kupfer-Eisen-Molverhältnis von 4 zu 1 und 64,2 Prozent bei 6 zu 1, verglichen mit 38,8 Prozent bei Eisen allein (p<0,001 in der Varianzanalyse); bei einem noch höheren Kupferverhältnis von 8 zu 1 verschwand der Vorteil wieder (47,3 Prozent, nicht signifikant gegenüber Eisen allein). Die Autoren führen die Verbesserung auf die Ascorbinsäure zurück, die Studie prüft aber die Kombination aus Ascorbinsäure UND Kupfer, nicht Ascorbinsäure allein, und Eisen nur als Sulfat in wässriger Testlösung, nicht als Bisglycinat und nicht als Kapsel [18]. Für ein Kombinationspräparat mit Vitamin C und Eisenbisglycinat im selben Kapselformat liegt kein direkter Beleg vor, das in der Literatur als ausreichend beschriebene Verhältnis liegt bei 2 zu 1 Ascorbinsäure zu Eisen
Quellen: 18
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17
Haarwuchs bei Frauen unter Eisengabe, getragen von einer einzigen unkontrollierten Studie mit selbstberichtetem Ergebnis
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Eine systematische Übersicht zu Ernährung und Haargesundheit (17 Studien, 61332 Teilnehmende, 97 Prozent Frauen) nennt im Abstract einen umgekehrten Zusammenhang zwischen Eisenspiegel und Alopezie. Der Volltext zeigt jedoch, dass Eisen nicht der am zweithäufigsten untersuchte Nährstoff ist. Vitamin D wurde in 5 Studien untersucht, Retinol, Eisen und Eiweiß dagegen in jeweils genau einer Studie. Die einzige Eisen-Studie (Lin und Kollegen 2023) gab 100 mg Eisen je Tablette an Frauen mit Alopezie und Ferritin unter 60 ng/ml und berichtet eine von den Teilnehmerinnen selbst wahrgenommene Besserung des Haarwuchses sowie einen Ferritin-Anstieg, ohne Kontrollgruppe und ohne objektives Haarmass. Die Übersicht zitiert außerdem zustimmend eine ältere Auswertung, wonach die Datenlage nicht ausreicht, um eine Eisengabe bei Alopezie zu empfehlen, und fordert weitere Forschung [17]. Gezielt nach einer randomisierten, placebokontrollierten Studie gesucht, die eine Eisen-Nahrungsergänzung gegen ein Haarwachstums- oder Haarausfall-Mass bei Frauen ohne diagnostizierte Grunderkrankung prüft, ohne Treffer. Die Zuschreibung stützt sich damit auf eine einzige unkontrollierte Studie mit selbstberichtetem Ergebnis, nicht auf einen gegen Placebo gezeigten Effekt
Quellen: 17
Wichtig zur Einordnung: Die sieben behördlich gesicherten Funktionen beschreiben, wozu der Körper Eisen braucht. Sie sagen nicht, dass eine zusätzliche Einnahme über den Bedarf hinaus einen weiteren Nutzen bringt, und sie sagen erst recht nicht, dass eine Ergänzung ohne nachgewiesenen Mangel unbedenklich ist. Das ist der Kern dieses Eintrags: Eisen ist der Nährstoff, bei dem eine Ergänzung ohne Mangel am ehesten schadet statt nützt, siehe Sicherheit. Die sieben Angaben sind zudem an die Bedingung "Eisenquelle" geknüpft, die im Anhang der Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 [3] festgelegt ist. Die dort verlangte Mindestmenge von 15 Prozent des Nährstoffbezugswerts, der wiederum in Verordnung (EU) Nr. 1169/2011, Anhang XIII, mit 14 mg festgelegt ist [2], ergibt die im Steckbrief genannten 2,1 mg. Dass bei Nahrungsergänzungsmitteln die empfohlene Tagesportion und nicht 100 g als Bezugsgröße gilt, folgt aus Artikel 8 Absatz 2 der Richtlinie 2002/46/EG über Nahrungsergänzungsmittel [4].
Studien im Detail
Menstruierende Frauen: Hämoglobin, Anämie, Eisenmangel
Die mit Abstand umfangreichste Datenbasis zu Eisen bei Erwachsenen betrifft menstruierende Frauen. Die Cochrane- Übersicht von Low und Kollegen [6] fasst 67 randomisierte Studien mit 8506 Frauen zusammen, mit hoher Evidenzqualität für den Hämoglobin-Anstieg (plus 5,30 g/l gegenüber Kontrolle) und moderater Qualität für die Verringerung von Anämie (Risikoverhältnis 0,39) und Eisenmangel (Risikoverhältnis 0,62). Wichtig: Die Übersicht schließt Frauen unabhängig von ihrem Eisen- Ausgangsstatus ein, weil die meisten Einzelstudien diesen nicht sauber berichteten. Eine geplante Untergruppenanalyse nach Ausgangsstatus war laut Studienautoren "nicht konstruktiv", weil zu viele Studien unklassifiziert blieben. Der Effekt ist also für die Gruppe insgesamt gut belegt, nicht sauber danach aufgeteilt, wie stark er bei bereits ausreichend versorgten Frauen im Vergleich zu tatsächlich mangelversorgten Frauen ausfällt.
Müdigkeit: uneinheitlich, auch innerhalb der Gruppe mit Mangel
Die immer wieder als Kernversprechen genannte "Müdigkeit" zerfällt bei genauem Hinsehen in gegensätzliche Einzelbefunde. Eine gepoolte Analyse über vier Studien mit 714 Teilnehmenden fand eine Verringerung der subjektiven Müdigkeit [7], mindestens zwei dieser vier Studien nutzten aber intravenöses statt orales Eisen. Eine placebokontrollierte Studie an Frauen mit ungeklärter Müdigkeit fand einen Nutzen ausschließlich bei einem Ausgangs- Ferritin unter 50 µg/l [6]. Zwei placebokontrollierte Studien speziell an nicht-anämischen, eisenmangeligen Menschen (Blutspenderinnen mit Ferritin unter 50 µg/l, [9]; Soldatinnen zu Trainingsbeginn) fanden dagegen keinen Unterschied zu Placebo. Ein Cochrane-Review zu intravenösem Eisen bei nicht-anämischem Mangel [8] stuft die Evidenz zu Müdigkeit selbst als sehr niedrige Qualität ein. Die ehrliche Zusammenfassung: Ein Nutzen scheint am ehesten bei bereits spürbarer, unerklärter Müdigkeit und niedrigem Ferritin wahrscheinlich, nicht bei jedem laborchemisch definierten, aber symptomlosen Mangel.
Körperliche Leistungsfähigkeit: bei Mangel belegt, bei ausreichender Versorgung nicht geprüft
Die Cochrane-Übersicht [6] berichtet einen Vorteil bei der maximalen Sauerstoffaufnahme und schließt menstruierende Frauen unabhängig vom Eisen-Ausgangsstatus ein. Die Athletinnen-Übersicht [11] und die Ruderinnenstudie [12] betreffen Eisenmangel beziehungsweise Eisendepletion und zeigen je nach Endpunkt unterschiedliche Ergebnisse. Dosen und Darreichungsformen variieren; 100 mg Eisensulfat sind nicht 100 mg elementares Eisen. Eine gezielte Suche nach einer Studie zu bereits ausreichend versorgten Menschen blieb ohne Treffer, siehe die eigene Wirkungszeile mit der Stufe "Studienlage offen".
Kognitive Leistungsfähigkeit: uneinheitlich in beide Richtungen
Eine ältere Übersicht [15] berichtet überwiegend positive Einzelbefunde zu Gedächtnis und intellektueller Leistungsfähigkeit, unabhängig vom Ausgangsstatus. Die neuere, methodisch strengere Cochrane-Übersicht [6] konnte die eingeschlossenen Studien zur kognitiven Funktion wegen unterschiedlicher Testverfahren nicht poolen und beschreibt die Einzelbefunde als widersprüchlich, auch bei bereits ausreichend versorgten jungen Frauen. Aus den vorliegenden Quellen lässt sich keine gepoolte Aussage ableiten.
Die Form: Eisenbisglycinat im Vergleich
Die einzige Meta-Analyse, die Eisenbisglycinat direkt gegen andere Eisenverbindungen prüft [13], findet einen Vorteil bei Hämoglobin und gastrointestinaler Verträglichkeit vor allem bei Schwangeren, nicht bei Kindern, und für Männer und nicht schwangere Frauen lagen zu wenige Studien für eine gepoolte Auswertung vor. Eine einzelne randomisierte Studie an Schwangeren mit Eisenmangel [14] bestätigt die Richtung bei niedrigerer Bisglycinat-Dosis (24 mg) gegenüber Fumarat (66 mg). Beide tragenden Studien betreffen Schwangere, eine Gruppe mit deutlich erhöhtem Eisenbedarf, nicht die allgemeine erwachsene Bevölkerung.
Tier- und Laborstudien
Keine eigene Recherche zu Tier- oder Zellmodellen für diesen Eintrag durchgeführt. Alle zitierten Quellen sind Humanstudien, Übersichtsarbeiten über Humanstudien oder behördliche Bewertungen auf Basis von Humandaten.
Sicherheit und Wechselwirkungen
Eisen ist der Nährstoff in diesem Kompendium, bei dem eine Ergänzung ohne nachgewiesenen Mangel am ehesten schadet. Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat 2004 zunächst empfohlen, Eisen Nahrungsergänzungs- mitteln gar nicht erst zuzusetzen. In der Aktualisierung von 2021 [5] empfiehlt es stattdessen eine Höchstmenge von 6 mg Eisen pro Tagesportion eines Nahrungsergänzungsmittels, zusammen mit einem Warnhinweis: Gesunde erwachsene Männer, postmenopausale Frauen und Menschen mit hereditärer oder sekundärer Hämochromatose (in Deutschland 0,2 bis 0,6 Prozent homozygote, 8 bis 12 Prozent heterozygote Träger:innen laut BfR) sollen Eisen nur nach diagnostiziertem Mangel und unter ärztlicher Kontrolle einnehmen, dasselbe gilt für Schwangere mit Blick auf eine ärztliche Kontrolle des Eisenstatus.
Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) konnte 2004 mangels ausreichender Dosis-Wirkungs-Daten zu chronischen Erkrankungsrisiken keinen eigenen Tolerable Upper Intake Level (UL) für Eisen ableiten [5]. Das BfR verwendet deshalb behelfsweise den vom früheren US-amerikanischen Institute of Medicine abgeleiteten UL von 45 mg pro Tag ab 14 Jahren, basierend auf einem LOAEL (niedrigste Dosis mit beobachteter Nebenwirkung) von 60 mg pro Tag für gastrointestinale Beschwerden [5]. Zusätzlich relevant ist eine in der Cochrane-Übersicht [6] beobachtete Schwelle von 30 mg elementarem Eisen pro Tag, ab der gastrointestinale Nebenwirkungen in randomisierten Studien gehäuft auftraten, das liegt deutlich unter dem UL und dem LOAEL. Die BfR-Höchstmenge von 6 mg pro Tagesportion ist bewusst vorsichtiger kalkuliert als der UL, weil sie anders als dieser bereits die übliche Eisenzufuhr aus der Nahrung und die Möglichkeit einer Mehrfacheinnahme mehrerer eisenhaltiger Präparate einkalkuliert, siehe Steckbrief zur Studiendosis und Referenzmenge.
Zur Einordnung der D-A-CH-Zufuhrempfehlungen (Gesamtzufuhr aus Nahrung und Ergänzung): Männer über 18 Jahre und Frauen über 50 Jahre sollen rund 10 mg Eisen pro Tag aufnehmen, menstruierende Frauen zwischen 18 und 50 Jahren 15 mg, Schwangere 30 mg, Stillende 20 mg [5]. Die mittlere Eisenzufuhr aus der üblichen Ernährung liegt laut Nationaler Verzehrsstudie II bei erwachsenen Männern bereits bei 13 bis 15 mg pro Tag, bei Frauen bei 11 bis 12 mg pro Tag [5]. Bei einem gesunden Mann kann eine zusätzliche Eisen-Nahrungsergänzung deshalb schnell zu einer Gesamtzufuhr führen, die deutlich über dem eigenen Bedarf und über der BfR-Höchstmenge liegt, auch wenn sie weiterhin unter dem IoM-UL von 45 mg bleibt. Genau für diesen Fall, bei ungeprüfter Zielgruppen-Eingrenzung eines Präparats, spricht das BfR seine Warnung aus.
Hereditäre Hämochromatose ist eine erbliche Stoffwechselstörung mit gesteigerter Eisenaufnahme aus dem Darm, die unerkannt zu einer Eisenüberladung von Organen führen kann. Menschen mit dieser Veranlagung sollen laut BfR kein Eisen ohne diagnostizierten Mangel und ärztliche Kontrolle einnehmen [5]; die Häufigkeit heterozygoter, meist symptomloser Träger:innen liegt in Deutschland bei geschätzt 8 bis 12 Prozent der Bevölkerung, homozygote Träger:innen mit höherem Erkrankungsrisiko bei 0,2 bis 0,6 Prozent [5].
Wechselwirkungen: Eine kontrollierte klinische Studie an 14 Personen mit primärer Hypothyreose zeigte, dass die gleichzeitige Einnahme von Eisensulfat und Schilddrüsenhormon (Levothyroxin) über 12 Wochen den TSH-Wert signifikant ansteigen ließ (von 1,6 auf 5,4 mU/l, p<0,01) und bei 9 von 14 Personen die Symptome einer Unterfunktion zunahmen, vermutlich durch Bindung von Eisen an Thyroxin [16]. Die Studie prüfte Eisensulfat, in zeitgleicher Einnahme, nicht Bisglycinat und nicht mit zeitlichem Abstand; ein Abstand von mehreren Stunden zwischen Eisen- und Levothyroxin-Einnahme gilt als allgemeine Vorsichtsmaßnahme, ist für Bisglycinat aber nicht eigens in einer Humanstudie belegt.
Antibiotika aus der Gruppe der Chinolone (etwa Ciprofloxacin) und Tetrazykline bilden mit mehrwertigen Kationen wie Eisen schwerlösliche Komplexe im Darm, wodurch sowohl die Aufnahme des Antibiotikums als auch die des Eisens sinken kann; ältere Übersichtsarbeiten empfehlen deshalb einen zeitlichen Abstand zwischen der Einnahme.
Calcium hemmt die Eisenaufnahme akut aus einer einzelnen Mahlzeit, bei 34 Tagen gleichzeitiger Calcium-Supplementierung (600 mg elementares Calcium pro Tag) zeigte eine randomisierte, placebokontrollierte Doppelblindstudie mit Radioisotopen an 26 Frauen jedoch keinen Unterschied in der Häm- oder Nicht-Häm-Eisen-Bioverfügbarkeit gegenüber Placebo [19]. Die pauschale Empfehlung, Eisen und Calcium nie gemeinsam einzunehmen, ist nach dieser Studie für die mittelfristige Versorgung nicht gestützt.
Zink hemmt die Eisenaufnahme akut bei gemeinsamer Einnahme nüchtern in wässriger Lösung, abhängig vom Zink-Eisen-Verhältnis; in fester Nahrung (etwa einer Mahlzeit mit Fleisch, Milch oder Fertignahrung) zeigte sich diese Hemmung in den meisten untersuchten Fällen nicht [20].
Bei sehr hoher akuter Einzeleinnahme kann Eisen im Kindesalter zu einer potenziell lebensbedrohlichen Vergiftung führen; Eisenpräparate gehören deshalb grundsätzlich außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahrt.
Quellen zum Nachlesen
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Rechtsakt · 2011
Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 betreffend die Information der Verbraucher über Lebensmittel, Anhang XIII (Nährstoffbezugswerte und Definition der signifikanten Menge)
Europäisches Parlament und Rat Amtsblatt der Europäischen Union, konsolidierte Fassung vom 01.04.2025
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Rechtsakt · 2006
Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben über Lebensmittel, Anhang (Bedingungen für "Quelle von"- und "hoher Gehalt an"-Angaben zu Vitaminen und Mineralstoffen)
Europäisches Parlament und Rat Amtsblatt der Europäischen Union, konsolidierte Fassung
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Rechtsakt · 2002
Richtlinie 2002/46/EG über Nahrungsergänzungsmittel, Artikel 8 (Kennzeichnung der Nährstoffmenge pro empfohlener Tagesdosis)
Europäisches Parlament und Rat Amtsblatt der Europäischen Union, konsolidierte Fassung
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Behördliche Stellungnahme · 2021
Aktualisierte Höchstmengenvorschläge für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln und angereicherten Lebensmitteln, mit begleitendem Einzeldokument zu Eisen (Höchstmengenvorschläge für Eisen in Lebensmitteln inklusive Nahrungsergänzungsmitteln)
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) Stellungnahme Nr. 009/2021 des BfR vom 15.03.2021, Detailwerte und Herleitung zu Eisen im begleitenden Einzeldokument
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Randomisierte, placebokontrollierte Studie, n=393, intravenöses Eisen · 2020
The effects of intravenous iron supplementation on fatigue and general health in non-anemic blood donors with iron deficiency: a randomized placebo-controlled superiority trial.
Keller P, et al. Sci Rep
Zur Zuschreibung: 10
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Systematische Übersicht und Meta-Analyse aus 17 RCTs · 2023
The effects of oral ferrous bisglycinate supplementation on hemoglobin and ferritin concentrations in adults and children: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials.
Fischer JAJ, et al. Nutr Rev
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