Frauenmantel-Extrakt
Zuletzt geprüft am
Pflanzenextrakte
Alchemilla vulgaris · Lady's Mantle · Alchemilla · Sinau · Marienmantel
Auf einen Blick
- Was es ist
- Ein Extrakt aus dem Kraut (den oberirdischen Pflanzenteilen) des Frauenmantels, reich an Gerbstoffen (Tanninen) und Flavonoiden
- Herkunft
- Eine krautige Pflanze aus der Familie der Rosengewächse, heimisch in Europa und Teilen Asiens. Der Name Alchemilla vulgaris steht als Sammelname für eine Gruppe sehr ähnlicher, sich ungeschlechtlich vermehrender Kleinarten, die in der Fachliteratur teils auch als Alchemilla xanthochlora oder als Artengruppe geführt werden, ein einzelnes Produkt nennt die genaue Kleinart meist nicht
- Wirkform in Studien
- Uneinheitlich. Meist ethanolische oder wässrige Extrakte aus dem Kraut oder der Wurzel, überwiegend in Zell- und Tierversuchen geprüft. Zwei kleine Anwendungen am Menschen liegen vor, ein Gel bei Mundschleimhaut-Läsionen und eine Tabletten-Kombination bei Körpergewicht, beide offen, ohne Verblindung und ohne randomisierte Vergleichsgruppe, beide vom jeweiligen Hersteller durchgeführt. Für die traditionell wichtigsten Anwendungsgebiete, Zyklus- und Wechseljahresbeschwerden, benennt eine 2024 veröffentlichte Übersichtsarbeit ausdrücklich das Fehlen klinischer Studien
- Übliche Studiendosis
- Keine einheitliche Dosis für den reinen Krautextrakt in Humanstudien belegt. In den vorliegenden Arbeiten wurde ein 3-prozentiger Gel-Extrakt äußerlich angewendet, in der Gewichtsstudie enthielt jede Tablette 60 mg Frauenmantel-Extrakt neben drei weiteren Pflanzen, dreimal täglich vor den Mahlzeiten eingenommen, also 180 mg am Tag, in Laborversuchen wurden Extraktkonzentrationen von 0,1 bis 3 Prozent geprüft
- Bekannt geworden durch
- Die traditionelle europäische Kräuterheilkunde, in der Frauenmantel seit Jahrhunderten bei Zyklus- und Wechseljahresbeschwerden sowie als Wund- und Adstringens-Mittel eingesetzt wird
- Verträglichkeit
- Zu einer standardisierten oralen Einnahme des reinen Krautextrakts liegt uns keine eigene Verträglichkeitsstudie vor. Die unten beschriebenen Kombinationspräparate wurden in ihren jeweiligen kleinen Studien gut vertragen, ohne berichtete Nebenwirkungen
Was diesem Stoff zugesprochen wird
Was die Studien hergeben.
Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.
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01
Abheilung kleiner, wiederkehrender Mundschleimhaut-Läsionen unter dreimal täglicher äußerlicher Anwendung eines Gels aus Frauenmantel-Extrakt und Glyzerin, in einer unverblindeten Studie ohne randomisierte Vergleichsgruppe
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In einer offenen Studie ohne Randomisierung heilten kleine Mundschleimhaut-Läsionen unter dem Gel häufiger und schneller ab als in zum Vergleich herangezogenen, nicht gleichzeitig randomisierten Vergleichsgruppen.
Ausführlicher Nachweis
In einer offenen (unverblindeten) Studie ohne Randomisierung erhielten 48 ansonsten gesunde Personen im Alter von 4 bis 44 Jahren mit kleinen, wiederkehrenden Mundschleimhaut-Läsionen dreimal täglich ein Gel mit einem standardisierten 3-prozentigen Frauenmantel-Extrakt in Glyzerin auf die Läsion aufgetragen [1]. Unter dem Gel heilten 60,4 Prozent der Läsionen innerhalb von 2 Tagen vollständig ab und 75 Prozent innerhalb von 3 Tagen, gegenüber 10,4 und 33,3 Prozent bei einer unbehandelten Vergleichsgruppe sowie 15 und 40 Prozent bei einer mit anderen, gängigen Mitteln behandelten Vergleichsgruppe [1]. Diese Vergleichsgruppen wurden nicht zeitgleich randomisiert derselben Studie zugeteilt, die Angabe im Abstract lässt offen, ob es sich um separat erhobene Gruppen oder um Literaturvergleichswerte handelt, ein Verblindungs- oder Randomisierungsverfahren wird nicht beschrieben [1]. Das untersuchte Präparat trägt einen Handelsnamen, und die durchführende Einrichtung ist ein privates, auf dieses Präparat spezialisiertes Forschungsinstitut, Angaben zu Förderung oder Interessenkonflikt fehlen im frei zugänglichen Abstract vollständig, ein Volltext liegt uns nicht vor [1]. Geprüft wurde eine äußerliche Gel-Anwendung auf der Mundschleimhaut, keine orale Einnahme des Extrakts.
Quellen: 1
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02
Körpergewicht bei Menschen mit erhöhtem Body-Mass-Index unter einer Vierpflanzen-Kombinationstablette vor den Mahlzeiten, in einer offenen, nicht randomisierten Studie mit einer nur diätetisch angeleiteten Vergleichsgruppe
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In einer offenen, nicht randomisierten Studie des Herstellers nahm das Körpergewicht unter einer Tablette aus vier Pflanzen, eine davon Frauenmantel, über drei Monate ab, in einer nur diätetisch angeleiteten Vergleichsgruppe blieb es unverändert. Ein eigener Beitrag von Frauenmantel lässt sich daraus nicht ableiten.
Ausführlicher Nachweis
In einer offenen, nicht randomisierten klinischen Studie nahmen 80 erwachsene Personen mit einem mittleren Body-Mass-Index von 30,67 kg pro Quadratmeter jeweils 30 Minuten vor den drei Hauptmahlzeiten eine Tablette eines Extrakts aus vier Pflanzen ein, Frauenmantel, Olivenblatt, Langblättrige Minze und Kreuzkümmelsamen, bei fortgesetzter gewohnter Ernährung mit nur drei Hauptmahlzeiten täglich [2]. Jede Tablette enthielt 60 mg Frauenmantel-Extrakt, 50 mg Olivenblatt, 20 mg Minze, 25 mg Kreuzkümmel und 7 mg Vitamin C, die Tagesmenge Frauenmantel betrug damit 180 mg [2]. 66 der 80 Personen wurden nach drei Monaten ausgewertet, 14 schieden wegen Nichteinhaltung des Protokolls aus [2]. Das mittlere Körpergewicht sank von 90,5 auf 78,5 kg, der Body-Mass-Index von 28,5 auf 24,5 kg pro Quadratmeter bei Personen mit Übergewicht und von 32,1 auf 27,5 kg pro Quadratmeter bei Personen mit stärkerem Übergewicht [2]. Anders als der frei zugängliche Abstract erkennen lässt, führte die Studie eine Vergleichsgruppe mit, die allein zu drei Hauptmahlzeiten angeleitet wurde und in der sich nach dem Volltext kein bedeutsamer Effekt zeigte [2]. Diese Vergleichsgruppe ist im Volltext weder in ihrer Größe noch in ihrer Zuteilung beschrieben, verblindet war nichts, und alle fünf Autoren sind am Antaki Center for Herbal Medicine Ltd beschäftigt, dessen Labor die Extrakte herstellte [2]. Berichtete Nebenwirkungen gab es keine [2]. Die Studie prüft ein Kombinationspräparat aus vier Pflanzen und keine Frauenmantel-Einzelsubstanz, ein eigenständiger Beitrag von Frauenmantel ist aus diesen Daten nicht ablesbar.
Quellen: 2
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03
Hautelastizität und sichtbare Fältchen nach äußerlicher Anwendung einer Fünf-Pflanzen-Kombination, Anwendungsdauer nicht berichtet, in einer Untersuchung ohne Vergleichsgruppe
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Nach äußerlicher Anwendung einer Fünf-Pflanzen-Kombination auf der Haut nahmen gemessene Fältchen ab, ohne unbehandelte Vergleichsgruppe in derselben Untersuchung.
Ausführlicher Nachweis
In einer Laboruntersuchung hemmte ein Pflanzenkomplex aus Mariendistel, Frauenmantel, Ackerschachtelhalm sowie gekeimten Samen mehrerer Nutzpflanzen im Reagenzglas zwei hautabbauende Enzyme (Elastasen) um 41,0 beziehungsweise 50,0 Prozent [3]. In einer begleitenden, an menschlicher Haut durchgeführten Anwendung einer kosmetischen Zubereitung mit 5 Prozent dieses Pflanzenkomplexes zeigte eine bildanalytische Auswertung vor und nach Beginn der Anwendung eine Abnahme sichtbarer Fältchen um 36,7 Prozent [3]. Angaben zu Teilnehmerzahl, Anwendungsdauer, Randomisierung, Verblindung oder einer unbehandelten Vergleichsgruppe fehlen im frei zugänglichen Abstract vollständig, die Untersuchung wurde von einem Kosmetikrohstoff-Unternehmen durchgeführt [3]. Geprüft wurde eine äußerliche Anwendung einer Fünf-Pflanzen-Kombination auf der Haut, kein Frauenmantel-Extrakt allein und keine orale Einnahme.
Quellen: 3
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04
Wundheilung der Haut in Zell- und Tierversuchen sowie einer begleitenden, nicht näher beschriebenen Messung an menschlicher Haut
Nur Labor und TierEinordnung und Einschränkungen
In Zellkulturen und an Ratten beschleunigte Frauenmantel-Extrakt die Wundheilung der Haut. Eine begleitende Messung an menschlicher Haut ist in der Studie nicht als kontrollierte Untersuchung beschrieben.
Ausführlicher Nachweis
In Zellkulturversuchen erhöhte Frauenmantel-Extrakt in Konzentrationen von 0,1 bis 1 Prozent die Zellzahl in zwei Epithelzelllinien sowie in Myofibroblasten-Kulturen aus der Rattenaorta um 10,6 bis 21,3 Prozent gegenüber unbehandelten Kulturen [4]. An männlichen Ratten mit einer runden, 8 mm durchmessenden Hautwunde verkleinerte sich der Wunddurchmesser unter 3-prozentigem Frauenmantel-Extrakt nach 2 Tagen um 10,0 Prozent, dieser Wert ist eine Veränderung gegenüber dem Ausgangsdurchmesser und kein Vergleich mit der Glyzerin-Trägersubstanz [4]. Ein Gruppenvergleich wird erst für Tag 3 berichtet, dort verringerte sich der Durchmesser unter Glyzerin allein um 15,9 Prozent gegenüber destilliertem Wasser, unter Frauenmantel in Glyzerin um weitere 23,2 Prozent, und die vollständige Abheilung trat einen Tag früher ein als unter Glyzerin allein [4]. Diese Arbeit stammt von denselben Autoren und derselben privaten Forschungseinrichtung wie die oben genannte Anwendung am Menschen und prüft dieselbe Extrakt-Glyzerin-Zubereitung, die Quellen [1] und [4] sind damit kein voneinander unabhängiger Bestand [4]. In einer weiteren Untersuchung an Mäusen beschleunigte eine Salbe aus Frauenmantel und Mimosentinde die Wundheilung der Rückenhaut gegenüber einem Vergleichspräparat mit dem Antibiotikum Fusidinsäure, mit vermehrter Neubildung von Blutgefäßen, Bindegewebe und Hautanhangsgebilden in der histologischen Auswertung [5]. Ein Mitautor dieser Arbeit ist nach der Anschriftenangabe bei Meditra Co., GenBody Inc. tätig, also in einem Unternehmen und nicht an der beteiligten Hochschule [5]. Eine dritte Arbeit prüfte verschiedene Frauenmantel-Extrakte und daraus hergestellte Hydrogele zunächst im Zellkultur-Kratztest an Fibroblasten und ergänzend in einer an menschlicher Haut durchgeführten biophysikalischen Messung der Hautbarriere-Regeneration, ohne im frei zugänglichen Abstract Angaben zu Teilnehmerzahl, Randomisierung oder einer Vergleichsgruppe für diesen humanen Teil zu nennen [6]. Europe PMC führt für diese Arbeit zwei Förderungen des serbischen Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und technologische Entwicklung, Vorhaben III 41017 und III 45017, eine Firmenbindung ist nicht erkennbar [6]. Alle drei Arbeiten prüften eine äußerliche Anwendung auf verletzter oder gesunder Haut, keine orale Einnahme, und keine der Arbeiten fand an einer erkennbar kontrollierten Gruppe von Menschen statt.
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05
Wachstumshemmende Wirkung auf Zelllinien aus Prostata-, Brust- und Dickdarmgewebe sowie auf Bakterien und Pilze in Zellkultur- und Reagenzglasversuchen
Nur Labor und TierEinordnung und Einschränkungen
Ein Wurzelextrakt hemmte in Zellkulturversuchen das Wachstum mehrerer menschlicher Zelllinien sowie einzelner Bakterien- und Pilzarten. Nur im Labor untersucht.
Ausführlicher Nachweis
Ein methanolischer Wurzelextrakt von Frauenmantel hemmte in vitro dosisabhängig das Wachstum von Zelllinien aus Prostata-, Brust- und Dickdarmgewebe sowie, in geringerem Ausmaß, einer normalen Kontrollzelllinie, mit einem Anstieg programmierten Zelltods und einer veränderten Expression Zelltod-regulierender Gene in der am stärksten betroffenen Zelllinie [7]. Derselbe Extrakt hemmte außerdem in Reagenzglasversuchen das Wachstum dreier Bakterienarten und dreier Pilzarten [7]. Ein ethanolischer Extrakt aus dem Kraut zeigte in einer weiteren Zellkulturuntersuchung antioxidative, erbgutschützende und wachstumshemmende Eigenschaften gegenüber Tumorzelllinien, mit 45 in der Analyse identifizierten Pflanzenstoffen [8]. Beide Untersuchungen fanden ausschließlich in der Zellkultur beziehungsweise im Reagenzglas statt, keine an Tieren oder Menschen, eine Übertragbarkeit auf eine orale Einnahme ist damit nicht gezeigt.
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06
Antioxidative Wirkung und Hemmung körpereigener Enzyme in Laborversuchen
Nur Labor und TierEinordnung und Einschränkungen
Frauenmantel-Extrakte zeigten in Laborversuchen eine antioxidative Wirkung und hemmten mehrere körpereigene Enzyme. Nur im Labor untersucht, nicht am Tier oder Menschen.
Ausführlicher Nachweis
Eine Übersichtsarbeit zur phenolischen Zusammensetzung mehrerer Frauenmantel-Arten fasst deren im Reagenzglas gemessene antioxidative, entzündungshemmende und antimikrobielle Aktivität zusammen, ohne eigene neue Messwerte zu berichten [9]. In einer eigenen Laboruntersuchung zeigte ein wässriger Aufguss aus Frauenmantel-Kraut neben drei weiteren Pflanzen einen messbaren Gehalt an Flavonoiden sowie eine antioxidative und wachstumshemmende Wirkung auf Zellkulturen [10]. Beide Arbeiten beruhen ausschließlich auf Zellkultur- und Reagenzglasversuchen, keine an Tieren oder Menschen.
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07
Bindung an einen Hormonrezeptor und Hemmung mehrerer Enzyme in Laborversuchen mit einer verwandten, aber anderen Frauenmantel-Art
Nur Labor und TierEinordnung und Einschränkungen
Ein Extrakt der verwandten, aber eigenständigen Art Alchemilla alpina zeigte in Laborversuchen eine Bindung an einen Hormonrezeptor und hemmte mehrere Enzyme. Eine andere Art als der hier behandelte Frauenmantel, nicht auf den Menschen übertragen.
Ausführlicher Nachweis
Ein methanolischer Extrakt von Alchemilla alpina, einer mit Alchemilla vulgaris verwandten, aber eigenständigen Frauenmantel-Art, zeigte in einem hefebasierten Testsystem eine ausgeprägte und selektive Bindung an den Östrogenrezeptor alpha sowie eine selektive Hemmung des Enzyms AKR1C3 um 59,5 Prozent, ohne das verwandte Enzym AKR1C4 zu beeinflussen [11]. Der Extrakt hemmte außerdem die Enzyme Alpha-Glukosidase, Acetylcholinesterase sowie die Enzyme COX-1 und COX-2 um mehr als 70 Prozent, und verringerte in menschlichen Bindegewebszellen (MRC-5) die durch eine chemisch ausgelöste Belastung erhöhte Menge reaktiver Sauerstoffverbindungen [11]. Gegenüber zwei Krebszelllinien (Gebärmutterhals- und Eierstockzellen) zeigte der Extrakt eine konzentrationsabhängige, mäßige Zellschädigung [11]. Untersucht wurde ausschließlich Alchemilla alpina und ausschließlich in Zellkultur- und Enzymversuchen, keine Untersuchung an Alchemilla vulgaris, dem in diesem Eintrag behandelten und kommerziell verbreiteten Frauenmantel, und keine Untersuchung an Tieren oder Menschen. Eine Übertragung dieser Befunde auf Alchemilla vulgaris ist botanisch nicht begründet und wird hier ausdrücklich nicht vorgenommen.
Quellen: 11
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08
Zyklusbeschwerden und Wechseljahresbeschwerden als eigenständiger, am Menschen geprüfter Endpunkt für Frauenmantel
Keine Studien gefundenEinordnung und Einschränkungen
Frauenmantel wird traditionell bei Zyklus- und Wechseljahresbeschwerden eingesetzt. Eine 2024 veröffentlichte Übersichtsarbeit nennt für beide Anwendungsgebiete ausdrücklich das Fehlen klinischer Studien, und unsere eigene Suche fand keine.
Ausführlicher Nachweis
Eine 2024 im Fachjournal Journal of Ethnopharmacology veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit zur gesamten Gattung Alchemilla fasst zusammen, dass die Pflanzen traditionell bei Zyklusbeschwerden, Scheidenjucken und Wechseljahresbeschwerden eingesetzt werden, stellt aber ausdrücklich fest, dass klinische Studien trotz des bemerkenswerten medizinischen Potenzials begrenzt sind und noch durchgeführt werden müssen [12]. Wir haben eigenständig mit den Suchbegriffen Frauenmantel und Alchemilla, jeweils zusammen mit Zyklusbeschwerden, Blutungsstärke und Wechseljahresbeschwerden, mit und ohne Beschränkung auf Humanstudien gesucht nach placebokontrollierten oder auch nur unkontrollierten Interventionsstudien am Menschen und dabei keinen einzigen Treffer erhalten. Die beiden oben beschriebenen Humananwendungen betrafen Mundschleimhaut-Läsionen und Körpergewicht, keine der traditionell wichtigsten Anwendungen.
Quellen: 12
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09
Akute Durchfallbeschwerden als eigenständiger, am Menschen geprüfter Endpunkt für Frauenmantel
Keine Studien gefundenEinordnung und Einschränkungen
Frauenmantel wird wegen seines Gerbstoffgehalts traditionell bei Durchfallbeschwerden eingesetzt. Wir haben gezielt gesucht und keine Interventionsstudie am Menschen gefunden.
Ausführlicher Nachweis
Frauenmantel gilt in der traditionellen Kräuterheilkunde wegen seines Gehalts an Gerbstoffen als adstringierend und wird unter anderem bei Durchfallbeschwerden eingesetzt, wie auch die in der vorangehenden Zeile ausgewertete Übersichtsarbeit zur Gattung Alchemilla als traditionelle Anwendung nennt. Eine gezielte Suche nach einer placebokontrollierten oder unkontrollierten Interventionsstudie zu Frauenmantel und Durchfallbeschwerden am Menschen ergab keinen Treffer. Ein einzelner Treffer zu Alchemilla vulgaris und Durchfall betraf eine ethnoveterinärmedizinische Befragung zur Anwendung bei Wiederkäuern in der Tierhaltung und keine Studie am Menschen.
Studien im Detail
Mundschleimhaut-Läsionen unter äußerlicher Gel-Anwendung
Shrivastava und John prüften 2006 in einer offenen Studie ohne Randomisierung an 48 Personen im Alter von 4 bis 44 Jahren die äußerliche Anwendung eines Gels mit einem standardisierten 3-prozentigen Frauenmantel-Extrakt in Glyzerin auf kleine, wiederkehrende Mundschleimhaut-Läsionen, dreimal täglich aufgetragen. Unter dem Gel heilte ein größerer Anteil der Läsionen innerhalb von 2 und 3 Tagen vollständig ab als in Vergleichsgruppen, die entweder unbehandelt blieben oder andere, gängige Mittel erhielten. Diese Vergleichsgruppen wurden dem Abstract zufolge nicht erkennbar zeitgleich und randomisiert derselben Studie zugeteilt, ein Verblindungsverfahren fehlt vollständig, und das geprüfte Präparat trägt einen Handelsnamen der durchführenden, auf dieses Präparat spezialisierten privaten Forschungseinrichtung. Angaben zu Förderung oder Interessenkonflikt fehlen im frei zugänglichen Abstract, ein Volltext liegt uns nicht vor.
Körpergewicht und Hautelastizität unter Kombinationspräparaten
Said und Kollegen prüften 2011 an 80 Menschen mit erhöhtem Körpergewicht eine Tabletten-Kombination aus vier Pflanzen, eine davon Frauenmantel mit 60 mg je Tablette, jeweils vor den Hauptmahlzeiten eingenommen. Über drei Monate nahm der Body-Mass-Index in dieser Gruppe deutlich ab, während er in einer nur diätetisch angeleiteten Vergleichsgruppe unverändert blieb. Diese Vergleichsgruppe ist im Volltext weder in ihrer Größe noch in ihrer Zuteilung beschrieben, verblindet war nichts, und alle fünf Autoren arbeiten beim Hersteller des Präparats. Ein eigener Beitrag von Frauenmantel neben den drei anderen Pflanzen ist aus diesen Daten nicht ablesbar.
Benaiges und Kollegen zeigten 1998 in einer kosmetischen Laboruntersuchung, dass ein Pflanzenkomplex aus fünf Bestandteilen, einer davon Frauenmantel, im Reagenzglas zwei hautabbauende Enzyme hemmte und in einer begleitenden Anwendung auf menschlicher Haut mit sichtbar weniger Fältchen einherging. Auch hier fehlt eine unbehandelte Vergleichsgruppe, und geprüft wurde ausschließlich die Fünfpflanzen-Kombination, kein Frauenmantel-Extrakt allein.
Wundheilung in Zell- und Tierversuchen
Drei Arbeiten prüften die traditionell zugeschriebene wundheilungsfördernde Wirkung von Frauenmantel in Zellkulturen, an Ratten und Mäusen sowie in einer begleitenden, nicht näher als kontrolliert beschriebenen Messung an menschlicher Haut. In allen drei Arbeiten beschleunigte Frauenmantel-Extrakt, allein oder in Kombination mit weiteren pflanzlichen Bestandteilen, verschiedene Kennzeichen der Wundheilung gegenüber unbehandelten oder anders behandelten Kontrollen. Keine der Arbeiten weist eine randomisierte, kontrollierte Untersuchung an einer definierten Gruppe von Menschen aus, und alle prüften eine äußerliche Anwendung auf der Haut, keine orale Einnahme.
Tier- und Laborstudien
Mehrere reine Zellkultur- und Reagenzglasversuche untersuchten Frauenmantel-Extrakte auf wachstumshemmende Eigenschaften gegenüber menschlichen Zelllinien aus Prostata-, Brust- und Dickdarmgewebe sowie auf antimikrobielle, antioxidative und Enzym-hemmende Eigenschaften. Eine gesonderte Laborarbeit prüfte statt Alchemilla vulgaris die verwandte, aber eigenständige Art Alchemilla alpina auf ihre Bindung an einen Hormonrezeptor und auf mehrere Enzymhemmungen, dieser Befund wird wegen der abweichenden Pflanzenart nicht auf den in diesem Eintrag behandelten Frauenmantel übertragen. Sämtliche hier genannten Befunde stammen aus der Zellkultur oder dem Reagenzglas, keiner an einem lebenden Tier oder Menschen, eine Wirkungsaussage für Menschen folgt daraus nicht.
Sicherheit und Wechselwirkungen
Zu einer standardisierten oralen Einnahme des reinen Frauenmantel-Krautextrakts liegt uns keine eigene Verträglichkeitsstudie vor. In den oben beschriebenen kleinen Anwendungen an Menschen, einer äußerlichen Gel-Anwendung und einer oral eingenommenen Kombinationstablette, wurden keine Nebenwirkungen berichtet.
Frauenmantel enthält einen nennenswerten Anteil an Gerbstoffen (Tanninen), wie sie auch in anderen gerbstoffreichen Pflanzen vorkommen. Zu einer möglichen Wechselwirkung mit gleichzeitig eingenommenen Eisenpräparaten oder anderen Arzneimitteln liegt uns keine eigene geprüfte Humanstudie vor, ebenso wenig zu Schwangerschaft und Stillzeit. Wegen der traditionellen Verwendung bei Zyklusbeschwerden ist bei bestehender Schwangerschaft oder Stillzeit sowie bei gleichzeitiger Einnahme von Arzneimitteln ärztliche Rücksprache sinnvoll.
Quellen zum Nachlesen
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Offene, nicht randomisierte klinische Studie mit einer nur diätetisch angeleiteten Vergleichsgruppe, n gleich 66 ausgewertet von 80, 3 Monate, Vierpflanzen-Kombination · 2011
Weight loss in animals and humans treated with weighlevel, a combination of four medicinal plants used in traditional arabic and islamic medicine
Said O, Saad B, Fulder S, Khalil K, Kassis E. Evid Based Complement Alternat Med
Zur Zuschreibung: 02
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06
Zellkulturversuch plus begleitende Messung an menschlicher Haut, Teilnehmerzahl nicht im Abstract genannt · 2019
Towards a modern approach to traditional use, in vitro and in vivo evaluation of Alchemilla vulgaris L. gel wound healing potential
Tasić-Kostov M, Arsić I, Pavlović D, Stojanović S, Najman S, Naumović S, Tadić V. J Ethnopharmacol
Zur Zuschreibung: 04
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07
Laborstudie, Zellkultur und Reagenzglasversuche, Wurzelextrakt · 2022
Phytochemical Characterization, Antimicrobial Activity and In Vitro Antiproliferative Potential of Alchemilla vulgaris Auct Root Extract against Prostate (PC-3), Breast (MCF-7) and Colorectal Adenocarcinoma (Caco-2) Cancer Cell Lines
Ibrahim OHM, Abo-Elyousr KAM, Asiry KA, Alhakamy NA, Mousa MAA. Plants (Basel)
Zur Zuschreibung: 05
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Laborstudie, wässrige Aufgüsse mehrerer Pflanzen, Zellkultur · 2024
Identification of Flavonoids, Antioxidant and Antiproliferative Activity of Aqueous Infusions of Calendula officinalis L., Chelidonium majus L., Teucrium chamaedrys L. and Alchemilla vulgaris L.
Bilušić T, Šola I, Čikeš Čulić V. Food Technol Biotechnol
Zur Zuschreibung: 06
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Laborstudie, andere Frauenmantel-Art (Alchemilla alpina), Zellkultur und Enzymversuche · 2026
Bioactivities of Alchemilla alpina L. Extract on Women's Reproductive and Metabolic Health, Antioxidant, Enzyme Inhibitory, Receptor Modulatory Properties and Potential Cytotoxic Effects
Krstić S, Bekić S, Živanović N, Pirković A, Vuković J, Bauer R, Rašeta M. Int J Mol Sci
Zur Zuschreibung: 07
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Bei H.P.N
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