Guarana-Extrakt
Zuletzt geprüft am
Pflanzenextrakte
Paullinia cupana · Guaranasamen-Extrakt · Guarana-Pulver
Auf einen Blick
- Was es ist
- Extrakt oder Pulver aus den Samen der amazonischen Kletterpflanze Paullinia cupana (Guarana), dessen untersuchte Wirkung überwiegend auf dem natürlichen Koffeingehalt der Samen beruht
- Herkunft
- Die reifen, koffeinreichen Samen einer im brasilianischen Amazonasgebiet heimischen Kletterpflanze, traditionell zu einer Paste verarbeitet und als anregendes Getränk genutzt
- Wirkform in Studien
- Uneinheitlich in Darreichungsform und, entscheidend, im Koffeingehalt. Kapseln, in Flüssigkeit gelöstes Pulver oder standardisierte Trockenextrakte, mit einem von Studie zu Studie zwischen 4 und 130 mg Koffein je Einzeldosis stark schwankenden und nicht immer angegebenen Koffeingehalt
- Übliche Studiendosis
- 37,5 bis 500 mg Guarana-Extrakt oder -Pulver je Einzeldosis in den Studien zu akuter kognitiver Leistung, mit einem Koffeingehalt von 4,3 bis 130 mg je Dosis, gegenüber 37,5 bis 75 mg zweimal täglich über mehrere Wochen in den Studien zu Erschöpfung bei einer Chemotherapie
- Bekannt geworden durch
- Die traditionelle Verwendung als anregendes Getränk in Brasilien und die Vermarktung als vermeintlich "natürliche", pflanzliche Alternative zu reinem Koffein
- Verträglichkeit
- Verträglichkeit und Nebenwirkungen entsprechen nach dem vorliegenden Kenntnisstand im Wesentlichen denen von Koffein und hängen vom tatsächlichen Koffeingehalt des jeweiligen Produkts ab, siehe Sicherheit
Was diesem Stoff zugesprochen wird
Was die Studien hergeben.
Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.
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01
Reaktionszeit in kognitiven Aufgaben nach akuter Einnahme, kleiner Vorteil gegenüber Placebo in einer Meta-Analyse ohne koffeingleiche Vergleichsgruppe
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Eine Meta-Analyse aus acht kleinen Studien fand einen kleinen, signifikanten Vorteil bei der Reaktionszeit gegenüber Placebo. Keine der acht Studien verglich mit einer Dosis, die den Koffeingehalt des Guarana exakt ausgleicht, der Effekt kann daher am Koffein liegen.
Ausführlicher Nachweis
Eine 2023 veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse wertete acht plazebokontrollierte Studien mit zusammen 328 Teilnehmenden zur akuten Wirkung von Guarana auf kognitive Leistung aus [1]. Die geprüften Guarana-Dosen reichten von 37,5 bis 500 mg mit einem berichteten Koffeingehalt von 4,3 bis 100 mg, sechs der acht Studien waren Cross-over-Designs [1]. Über alle kognitiven Maße gemittelt war der Effekt gegenüber Placebo nicht bedeutsam (Hedges g gleich 0,076, 95-Prozent-Intervall minus 0,025 bis 0,176, p gleich 0,140) [1]. In einer Untergruppenanalyse nach Ergebnistyp zeigte sich für die Reaktionszeit ein kleiner, signifikanter Vorteil zugunsten von Guarana (Hedges g gleich 0,202, 95-Prozent-Intervall 0,062 bis 0,343, p kleiner 0,05, genau p gleich 0,005), während die Genauigkeit keinen Vorteil zeigte, siehe eigene Zeile [1]. Die Übersichtsarbeit hält im Diskussionsteil selbst ausdrücklich fest, dass mehrere der eingeschlossenen Studien zwar einen Koffeinvergleichsarm enthielten, dabei aber nicht klar sei, ob die Koffeindosis dem tatsächlichen Koffeingehalt des jeweils geprüften Guarana entsprach, weshalb ein von Koffein unabhängiger Zusatznutzen von Guarana aus den vorliegenden Arbeiten nicht sicher abzuleiten sei [1]. Die Interessenerklärung nennt keinen Interessenkonflikt und keine Förderung. Ein Dosis-Wirkungs-Zusammenhang mit der Guarana-Menge zeigte sich nicht (R-Quadrat kleiner 0,001) [1].
Quellen: 1
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02
Genauigkeit in kognitiven Aufgaben nach akuter Einnahme, ohne Unterschied zu Placebo
Nicht bestätigtEinordnung und Einschränkungen
In derselben Meta-Analyse aus acht Studien kein Unterschied zu Placebo bei der Genauigkeit, mit Effektmaß und Intervall, das einen bedeutsamen Vorteil ausschließt.
Ausführlicher Nachweis
In derselben Meta-Analyse mit acht plazebokontrollierten Studien und 328 Teilnehmenden zeigte sich für die Genauigkeit in kognitiven Aufgaben kein bedeutsamer Effekt von Guarana gegenüber Placebo (Hedges g gleich minus 0,077, 95-Prozent-Intervall minus 0,258 bis 0,103, p gleich 0,4) [1]. Die Heterogenität zwischen den Studien war mit einem I-Quadrat von 65,4 Prozent moderat, eine Trim-and-Fill-Analyse zur Publikationsverzerrung änderte am nicht bedeutsamen Ergebnis nichts [1]. Das Intervall schließt einen kleinen bis mittleren Effekt (üblicherweise ab einem Hedges g von etwa 0,2 als klein bezeichnet) weitgehend aus, ein Ausbleiben eines relevanten Effekts auf die Genauigkeit ist damit anders als bei der Reaktionszeit (siehe eigene Zeile) durch ein Effektmaß mit Intervall belegt und nicht nur nicht gefunden. Der Volltext hält allerdings in einer Sensitivitätsanalyse fest, dass eine einzelne eingeschlossene Studie zugleich den ungünstigsten Genauigkeitswert und den günstigsten Reaktionszeitwert beisteuerte. Nach deren Ausschluss unterschieden sich Genauigkeit und Reaktionszeit nicht mehr voneinander (Q gleich 1,504, p gleich 0,220), der Genauigkeitseffekt drehte sich leicht zugunsten von Guarana (Hedges g gleich 0,024, p gleich 0,648) und der Reaktionszeiteffekt sank auf ein Hedges g von 0,124 (p gleich 0,041) [1]. Der berichtete Gegensatz zwischen den beiden Maßen hängt damit an einer einzigen Arbeit.
Quellen: 1
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03
Reaktionszeit und subjektive Wachheit rund um eine maximale Ausbelastung, günstiger als Placebo, ohne Unterschied zu einer koffeingleichen Dosis
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In einer kleinen Cross-over-Studie schneller als Placebo bei zwei von mehreren Reaktionszeitmaßen und bei der subjektiven Wachheit, in keinem dieser Maße aber unterschiedlich zu einer parallel geprüften Koffeindosis.
Ausführlicher Nachweis
In einer randomisierten, doppelblinden Cross-over-Studie erhielten 25 Teilnehmende an drei getrennten Tagen entweder 125 mg Guarana-Pulver je kg Körpergewicht, 5 mg Koffein je kg Körpergewicht oder ein Placebo aus Proteinpulver, vor und nach einem maximalen Ausbelastungstest auf dem Fahrradergometer [3]. Die einfache Reaktionszeit war nach der Belastung unter Guarana kürzer als unter Placebo (306 versus 323 Millisekunden, p gleich 0,003), unterschied sich aber nicht von Koffein (315 Millisekunden, p größer 0,05) [3]. Die Wahlreaktionszeit war vor der Belastung unter Guarana kürzer als unter Placebo (407 versus 421 Millisekunden, p gleich 0,030), ebenfalls ohne Unterschied zu Koffein (417 Millisekunden, p größer 0,05), nach der Belastung bestand bei keinem der drei Präparate ein Unterschied [3]. Die subjektiv eingeschätzte Wachheit auf der Bond-Lader-Skala war unter Guarana höher als unter Placebo (63,3 versus 57,4 Punkte, p gleich 0,014), erneut ohne Unterschied zu Koffein (61,2 Punkte, p größer 0,05) [3]. Gedächtnisleistung, maximale Sauerstoffaufnahme und die übrigen Stimmungsskalen zeigten keine Unterschiede zwischen den drei Bedingungen [3]. Die Guarana-Dosis von 125 mg je kg Körpergewicht ist nicht direkt in Milligramm Koffein angegeben, sie wurde von den Autorinnen so gewählt, dass sie rechnerisch der geprüften Koffeindosis von 5 mg je kg Körpergewicht entspricht, eine tatsächliche Koffeinmessung des verwendeten Guarana-Pulvers nennt die Arbeit nicht. Kein erklärter Interessenkonflikt.
Quellen: 3
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04
Kognitive Testleistung und mentale Energie nach akuter Einnahme im direkten Vergleich zu einer koffeingleichen Dosis, ohne Unterschied
Nicht bestätigtEinordnung und Einschränkungen
In einer kleinen Cross-over-Studie mit direktem Koffeinvergleich kein Unterschied zwischen Guarana, einer koffeingleichen Dosis und Placebo bei Reaktionszeit und Genauigkeit.
Ausführlicher Nachweis
In einer randomisierten, doppelblinden Cross-over-Studie nahmen 20 Teilnehmende an drei Tagen entweder 100 mg reines Koffein, 500 mg Guarana mit einem angegebenen Koffeingehalt von 130 mg oder ein Placebo ein, kognitive Tests (Simon-Aufgabe, 2-Back-Aufgabe) erfolgten vor und 60 Minuten nach der Einnahme [4]. Bei der Reaktionszeit im Simon-Test zeigte sich weder ein Behandlungseffekt (p gleich 0,433) noch eine Wechselwirkung zwischen Behandlung und Zeit (p gleich 0,613) [4]. Bei der 2-Back-Aufgabe zeigte sich für die Reaktionszeit kein Behandlungseffekt (p gleich 0,086), für die Genauigkeit zwar eine Wechselwirkung zwischen Behandlung und Zeit (p gleich 0,029), diese ging aber auf eine Verbesserung in der Placebogruppe zurück (90,6 auf 93,4 Prozent, p gleich 0,033), während sich die Änderung der Placebogruppe sogar günstiger darstellte als die der Koffeingruppe (p gleich 0,019) [4]. Für Guarana selbst wird an keiner Stelle ein Vorteil gegenüber Placebo oder gegenüber der koffeingleichen Dosis berichtet [4]. In einer Untergruppe von 11 Teilnehmenden nach vorheriger körperlicher Ausbelastung zeigte sich ebenfalls kein Behandlungsunterschied. Kein erklärter Interessenkonflikt.
Quellen: 4
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05
Kognitive Testleistung bei älteren, gesunden Freiwilligen nach mehrwöchiger Einnahme, ohne Unterschied zu Placebo oder zu Koffein
Nicht bestätigtEinordnung und Einschränkungen
In einer alten Drei-Arm-Studie mit Koffeinvergleich keine auffälligen kognitiven Veränderungen unter Guarana, Placebo oder Koffein. Nur als Abstract verfügbar, keine Zahlenwerte.
Ausführlicher Nachweis
In einer randomisierten, doppelblinden Studie von 1996 wurden 45 ältere, gesunde Freiwillige zu gleichen Teilen auf Placebo, Koffein oder Guarana verteilt (je 15 Personen) und über einen längeren Zeitraum beobachtet [2]. Das verfügbare Abstract berichtet keine auffälligen kognitiven Veränderungen in einer der drei Gruppen, nennt aber weder die verabreichte Milligrammzahl an Guarana oder Koffein noch Zahlenwerte oder ein Effektmaß für die einzelnen kognitiven Tests [2]. Der Volltext dieser älteren brasilianischen Arbeit lag uns nicht vor, die Einordnung stützt sich ausschließlich auf das PubMed-Abstract. Trotz dieser Einschränkung ist die Arbeit eine der wenigen, die Guarana direkt gegen eine Koffein-Vergleichsgruppe und nicht nur gegen Placebo geprüft hat.
Quellen: 2
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06
Psychisches Wohlbefinden, Angstwert und Stimmung bei gesunden Erwachsenen nach fünftägiger Einnahme, ohne Unterschied zu Placebo
Nicht bestätigtEinordnung und Einschränkungen
In einer kleinen Studie über fünf Tage kein Unterschied zu Placebo in sechs Wohlbefindens-Bereichen, im Angstwert und in sechzehn Stimmungsskalen.
Ausführlicher Nachweis
In einer randomisierten, einfachverblindeten, plazebokontrollierten Cross-over-Studie nahmen 27 gesunde Freiwillige fünf Tage lang dreimal täglich 360 mg eines kommerziellen Guarana-Extrakts mit einem Koffeingehalt von 2,5 Prozent (entspricht etwa 27 mg Koffein je Einzeldosis und 81 mg pro Tag) oder Placebo ein, jeweils direkt nach dem Frühstück [5]. Einen Tag nach der letzten Einnahme zeigten sich in keinem der sechs Bereiche der Skala zum psychischen Wohlbefinden, im Angstwert der Selbstbeurteilungsskala und in keiner der sechzehn Stimmungsskalen des Bond-Lader-Fragebogens Unterschiede zwischen Guarana und Placebo [5]. Die Autorinnen und Autoren weisen im Volltext ausdrücklich darauf hin, dass handelsübliche Guarana-Präparate meist auf 20 bis 30 mg Koffein pro Tag standardisiert sind, deutlich unterhalb der in stimulationsorientierten Studien geprüften Dosen [5]. Die Studie ist nur einfach verblindet und vergleicht nicht gegen eine koffeingleiche Vergleichsgruppe. Kein erklärter Interessenkonflikt.
Quellen: 5
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07
Erschöpfungswert auf standardisierten Skalen bei Personen unter einer Chemotherapie, uneinheitlich in zwei Übersichtsarbeiten mit gegensätzlichem Ergebnis
WidersprüchlichEinordnung und Einschränkungen
Eine ältere Übersichtsarbeit fand über drei gepoolte Studien keinen Unterschied zu Placebo, eine neuere über fünf teils andere Studien einen deutlichen Vorteil. Beide nennen Effektmaß und Intervall, die Studiensets überschneiden sich nur teilweise.
Ausführlicher Nachweis
Eine 2021 veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse identifizierte sieben klinische Studien mit zusammen 427 an einer Chemotherapie oder Bestrahlung beteiligten Personen, von denen sich drei Arbeiten zu Brustkrebs-Betroffenen für eine zusammenfassende Auswertung eigneten. Diese drei Studien wurden gemeinsam ausgewertet [6]. Diese gepoolte Auswertung fand keinen Unterschied zwischen Guarana und Placebo beim Erschöpfungswert (mittlere Differenz minus 0,02, 95-Prozent-Intervall minus 1,54 bis 1,50, p gleich 0,98), die Beweisqualität stufte die Arbeit nach dem GRADE-System als sehr niedrig ein [6]. Eine 2024 veröffentlichte, neuere systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse schloss dagegen sieben Studien in die Übersicht und fünf davon (vier volle Veröffentlichungen und ein Kongress-Abstract mit ausreichenden Daten) mit zusammen 269 Behandlungsfällen in eine gepoolte Auswertung ein und fand dort einen signifikanten Vorteil von Guarana (standardisierte mittlere Differenz minus 0,77, 95-Prozent-Intervall minus 1,34 bis minus 0,21, p gleich 0,007), bei allerdings hoher Heterogenität zwischen den Studien (I-Quadrat gleich 78 Prozent) [7]. Die Studiensets lassen sich aus dem Volltext der neueren Arbeit vollständig auflösen. Sie schloss sieben Studien in die Übersicht ein (Costa Miranda 2009, Oliveira Campos 2011, Giglio 2013, Martins 2016, zwei gemeinsam in einer Arbeit veröffentlichte Studien von Sette 2017, Albarnaz 2017 und Inglis 2023) und poolte davon fünf, wobei sie die negativen Arbeiten von Sette und von Martins ausschloss, weil sich aus ihnen nach eigener Angabe keine auswertbaren Streuungsmaße ableiten ließen [7]. Genau diese beiden Sette-Studien bildeten zusammen mit Oliveira Campos 2011 den Dreier-Pool der älteren Arbeit, deren Auswertung dieser Daten die neuere Arbeit ausdrücklich als fehlerhaft bezeichnet [7]. Die gemeinsame Grundlage beider Auswertungen ist damit allein Oliveira Campos 2011, und der Gegensatz der beiden Ergebnisse beruht weniger auf neu hinzugekommenen Daten als auf der Entscheidung, die negativen Studien auszuschließen. Als Beispiel für eine einzelne eingeschlossene Studie prüfte Oliveira Campos und Kollegen 2011 bei Personen mit fortschreitender Erschöpfung nach dem ersten Chemotherapie-Zyklus zweimal täglich 50 mg Guarana-Extrakt über 21 Tage im Cross-over-Design gegen Placebo und fand einen Vorteil auf mehreren Erschöpfungsskalen (p kleiner 0,01), ohne vermehrte Nebenwirkungen, Schlafstörungen oder Stimmungsverschlechterung [8]. Die in beiden Übersichten geprüften Guarana-Dosen (37,5 bis 75 mg zweimal täglich in den meisten Einzelstudien, in einer neueren Arbeit bis 560 mg pro Tag) liegen überwiegend deutlich unter den in der Kognitionsforschung geprüften Mengen, ein genauer Koffeingehalt wird in den beiden Übersichtsarbeiten selbst nicht durchgehend genannt. Beide Übersichtsarbeiten erklären weder einen Interessenkonflikt noch eine Förderung. Bei der neueren Arbeit sind Erstautor und Letztautor jedoch selbst Mitautoren von mindestens vier der sieben eingeschlossenen Einzelstudien, darunter beide Arbeiten, die sie aus der gepoolten Auswertung ausgeschlossen haben [7].
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08
Körpergewicht und Fettstoffwechsel unter reinem Guarana-Extrakt ohne weitere Wirkstoffe
Keine Studien gefundenEinordnung und Einschränkungen
Wir haben gezielt gesucht und nur Studien zu Mehrstoffgemischen mit Guarana gefunden, etwa zusammen mit Ephedra-Alkaloiden oder Zitrus-Polyphenolen, keine einzige zu Guarana allein.
Ausführlicher Nachweis
Eine gezielte Suche zu Guarana und Gewichtsreduktion ergab ausschließlich Studien zu Mehrstoffpräparaten, in denen Guarana neben weiteren Wirkstoffen wie Ephedra-Alkaloiden (Ma-Huang-Guarana-Präparate), Zitrus-Polyphenolen oder weiteren pflanzlichen Extrakten enthalten war. In keiner dieser Arbeiten ließ sich der Beitrag von Guarana von dem der übrigen Bestandteile trennen, eine Aussage zu Guarana als alleinigem Wirkstoff für Körpergewicht oder Fettstoffwechsel ist daraus nicht ableitbar. Die verbreitete Zuschreibung, Guarana wirke sich als alleiniger Stoff auf das Körpergewicht aus, bleibt damit ungeprüft.
Studien im Detail
Kognitive Leistung nach akuter Einnahme
Die bislang einzige systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse zur akuten Wirkung von Guarana auf kognitive Leistung wertete acht plazebokontrollierte Studien mit zusammen 328 Teilnehmenden aus [1]. Über alle kognitiven Maße gemittelt ließ sich kein bedeutsamer Effekt gegenüber Placebo nachweisen. Getrennt nach Ergebnistyp zeigte sich jedoch ein Unterschied: Bei der Reaktionszeit fand sich ein kleiner, signifikanter Vorteil zugunsten von Guarana, bei der Genauigkeit dagegen nicht, mit einem Intervall, das einen bedeutsamen Effekt weitgehend ausschließt. Entscheidend ist die eigene Einschränkung der Autorinnen und Autoren, wonach unklar bleibt, ob dieser Reaktionszeit-Vorteil auf den Koffeingehalt des Guarana zurückgeht oder auf andere Inhaltsstoffe, weil keine der acht Studien eine dem tatsächlichen Koffeingehalt entsprechende Koffein-Vergleichsgruppe verwendete.
Zwei neuere Einzelstudien haben genau diese Lücke zu schließen versucht, indem sie Guarana direkt gegen eine Koffeindosis testeten. In der einen Studie war Guarana bei zwei von mehreren Reaktionszeitmaßen und bei der subjektiven Wachheit schneller beziehungsweise günstiger als Placebo, in keinem dieser Maße aber unterschiedlich zur parallel geprüften Koffeindosis [3]. In der anderen, kleineren Studie mit einem exakt angegebenen Koffeingehalt der Guarana-Kapsel zeigte sich weder für Guarana noch für die reine Koffein-Vergleichsdosis ein Vorteil gegenüber Placebo bei Reaktionszeit oder Genauigkeit [4]. Eine ältere Drei-Arm-Studie an älteren Freiwilligen mit Koffein- und Placebo-Vergleichsgruppe fand ebenfalls keine auffälligen kognitiven Veränderungen unter Guarana [2], allerdings ohne im Abstract verfügbare Zahlenwerte. In der Summe sprechen die Arbeiten mit echtem Koffeinvergleich eher gegen einen von Koffein unabhängigen kognitiven Zusatznutzen von Guarana, als dafür.
Psychisches Wohlbefinden, Angst und Stimmung
Eine fünftägige Einnahme eines auf seinen Koffeingehalt standardisierten Guarana-Extrakts veränderte bei gesunden Erwachsenen weder das psychische Wohlbefinden noch den Angstwert noch eine von sechzehn geprüften Stimmungsskalen gegenüber Placebo [5]. Die verwendete Dosis entsprach etwa 27 mg Koffein je Einzeldosis, eine in handelsüblichen Guarana-Präparaten übliche Menge.
Erschöpfung bei einer Chemotherapie
Zur Erschöpfung bei Personen unter einer Chemotherapie oder Bestrahlung liegen zwei systematische Übersichtsarbeiten mit Meta-Analyse vor, die zu entgegengesetzten Ergebnissen kommen. Die ältere fand über drei gepoolte Studien keinen Unterschied zu Placebo bei sehr niedriger Beweisqualität nach dem GRADE-System, die neuere fand über fünf teils andere, teils überlappende Studien einen deutlichen statistischen Vorteil, bei allerdings hoher Heterogenität zwischen den Studien. Die beiden Übersichten teilen mindestens eine gemeinsame Einzelstudie, schließen aber unterschiedliche Studiensets ein, weshalb hier von einer echten widersprüchlichen Befundlage und nicht von einer blossen Bestätigung derselben Studien ausgegangen wird. Die in dieser Forschungslinie geprüften Guarana-Dosen liegen mit 37,5 bis 75 mg zweimal täglich deutlich unter den in der Kognitionsforschung untersuchten Mengen.
Sicherheit und Wechselwirkungen
Die Wirkung von Guarana wird in der Fachliteratur ganz überwiegend auf seinen Koffeingehalt zurückgeführt, entsprechend gelten für die Verträglichkeit und für mögliche Nebenwirkungen im Kern dieselben Punkte wie für Koffein selbst, siehe den eigenen Kompendium-Eintrag zu wasserfreiem Koffein. Das entscheidende Sicherheitsproblem bei Guarana ist dabei ein anderes als bei reinem Koffein: Der Koffeingehalt von Guarana-Zubereitungen schwankt zwischen den in dieser Wirkungstabelle zitierten Studien um mehr als das Zwanzigfache je Einzeldosis (etwa 4 bis 130 mg), und viele im Handel erhältliche Produkte nennen den tatsächlichen Koffeingehalt ihres Extrakts nicht in Milligramm, sondern nur die Menge an Guarana-Pulver oder -Extrakt. Wer die tägliche Koffeinaufnahme aus allen Quellen begrenzen möchte, etwa in der Schwangerschaft, kann sich bei einem Guarana-Produkt ohne deklarierten Koffeingehalt darauf nicht sicher verlassen.
Bei gesunden Erwachsenen zeigten die hier zitierten Studien mit Guarana als alleinigem Wirkstoff keine schwerwiegenden Nebenwirkungen, auch nicht in einer Studie mit begleitender Chemotherapie [8]. Für die allgemeinen, dosisabhängigen Koffeinwirkungen auf Herzfrequenz, Blutdruck, Schlaflatenz und Nervosität sowie für die behördliche Einordnung von Koffeinmengen gilt das, was im Eintrag zu wasserfreiem Koffein beschrieben ist, bezogen auf den tatsächlichen, im Einzelfall oft nicht deklarierten Koffeingehalt des jeweiligen Guarana-Produkts.
Zu Schwangerschaft und Stillzeit liegt uns keine eigene geprüfte Quelle zu Guarana selbst vor, wegen des unklaren Koffeingehalts vieler Produkte ist hier besondere Zurückhaltung und im Zweifel eine ärztliche Rücksprache sinnvoll.
Quellen zum Nachlesen
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01
Systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse, 8 plazebokontrollierte Studien, n gleich 328, akute Einnahme · 2023
Effect of Guarana (Paullinia cupana) on Cognitive Performance, A Systematic Review and Meta-Analysis
Hack B, Penna EM, Talik T, Chandrashekhar R, Millard-Stafford M. Nutrients
- 02
- 03
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04
RCT, doppelblind, Cross-over, drei Arme (Koffein 100 mg, Guarana 500 mg mit 130 mg Koffein, Placebo), n gleich 20 · 2024
Effects of Acute Guarana (Paullinia cupana) Ingestion on Mental Performance and Vagal Modulation Compared to a Low Dose of Caffeine
Talik TN, Penna EM, Hack BP, Harp A, Millard-Stafford M. Nutrients
Zur Zuschreibung: 04
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05
RCT, einfachverblindet, plazebokontrolliert, Cross-over, n gleich 27, 5 Tage · 2013
Effects of a commercial product containing guaraná on psychological well-being, anxiety and mood, A single-blind, placebo-controlled study in healthy subjects
Silvestrini GI, Marino F, Cosentino M. J Negat Results Biomed
Zur Zuschreibung: 06
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06
Systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse, 7 Studien in der Übersicht, 3 gepoolt, n gleich 427 in der Übersicht · 2021
The use of guarana (Paullinia cupana) as a dietary supplement for fatigue in cancer patients, A systematic review with a meta-analysis
de Araujo DP, Pereira PTVT, Fontes AJC, Marques KDS, de Moraes ÉB, Guerra RNM, Garcia JBS. Support Care Cancer
Zur Zuschreibung: 07
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07
Systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse, 7 Studien in der Übersicht, 5 gepoolt, n gleich 269 in der gepoolten Auswertung · 2024
Natural supplementation to effectively treat cancer-induced fatigue, evidence of a meta-analysis on the use of guaraná
Maselli-Schoueri JH, Aguiar Junior PN, Giglio AD. Rev Assoc Med Bras (1992)
Zur Zuschreibung: 07
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08
RCT, Phase II, Cross-over, n gleich 75 randomisiert (32 vs 43 je erste Phase), 21 Tage je Phase · 2011
Guarana (Paullinia cupana) improves fatigue in breast cancer patients undergoing systemic chemotherapy
de Oliveira Campos MP, Riechelmann R, Martins LC, Hassan BJ, Casa FB, Del Giglio A. J Altern Complement Med
Zur Zuschreibung: 07