Hesperidin

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Pflanzenstoffe

Hesperetin-7-O-rutinosid · Hesperidin 2S · Vitamin P · veraltete Sammelbezeichnung für Citrusflavonoide

H.P.N · Datenstand 2026-09-08 · 8 Zuschreibungen im Überblick

Auf einen Blick

Was es ist
Ein Flavanon-Glykosid aus der Gruppe der Polyphenole, das vor allem in der weißen Innenschale (Albedo) und den Häuten von Zitrusfrüchten wie Orangen und Zitronen vorkommt. In Nahrungsergänzungsmitteln liegt es meist als isoliertes Pulver vor, teils in speziell aufbereiteten, besser löslichen Formen wie dem Markenrohstoff Hesperidin 2S
Herkunft
Wird großtechnisch aus Zitrusschalen und Presspresten der Saftindustrie gewonnen, also aus einem Nebenprodukt der Orangensaftherstellung
Wirkform in Studien
Uneinheitlich. Ein Teil der Studien prüft isoliertes Hesperidin in Kapsel- oder Pulverform, ein anderer Teil flavanonreichen Orangensaft mit mehreren Begleitflavonoiden statt eines Reinstoffs, und die traditionsreiche Literatur zu Venenbeschwerden prüft praktisch ausschließlich eine fixe Kombination aus Diosmin und Hesperidin, nicht Hesperidin allein, siehe Abgrenzung unten
Übliche Studiendosis
250 bis 1000 mg isoliertes Hesperidin täglich über 4 bis 12 Wochen in den kontrollierten Studien zu Blutfetten, Blutdruck und Gefäßwerten, daneben 305 bis 600 mg Hesperidin als Bestandteil von 450 bis 500 ml flavanonreichem Orangensaft täglich in den Studien zu Kognition und Genexpression
Bekannt geworden durch
Die traditionelle Verwendung von Zitrusflavonoiden bei Venenbeschwerden, dort fast immer als feste Kombination mit Diosmin, sowie durch die antioxidative und gefäßschützende Wirkung von Flavonoiden in Zell- und Tierversuchen
Verträglichkeit
In den vorliegenden Studien mit bis zu 1000 mg täglich über 12 Wochen gut vertragen, ernsthafte Nebenwirkungen wurden nicht berichtet

Was diesem Stoff zugesprochen wird

Was die Studien hergeben.

Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.

  1. 01

    LDL-Cholesterin, Gesamtcholesterin und Triglyzeride unter täglicher Einnahme, niedriger erst in der jüngeren Auswertung, die die ältere fortschreibt

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine 2024 erschienene Meta-Analyse fand niedrigere Werte, eine 2019 erschienene keinen Unterschied zu Placebo. Die neuere bezeichnet sich im eigenen Abstract als Aktualisierung der älteren, beide teilen sich also den Studienbestand und sind kein doppelter Beleg.

    Ausführlicher Nachweis

    Eine 2019 veröffentlichte systematische Übersicht und Meta-Analyse wertete 10 randomisierte, plazebokontrollierte Studien mit zusammen 577 Teilnehmenden aus, Suche bis Mai 2018 [2]. Sie fand keinen Unterschied zu Placebo für Gesamtcholesterin (gewichtete mittlere Differenz minus 1,04 mg/dl bei einem 95-Prozent-Intervall von minus 5,65 bis plus 3,57), LDL-Cholesterin (minus 1,96 mg/dl bei minus 7,56 bis plus 3,64), HDL-Cholesterin (plus 0,16 mg/dl bei minus 1,94 bis plus 2,28) und Triglyzeride (plus 0,69 mg/dl bei minus 5,91 bis plus 7,30), bei fehlender Heterogenität zwischen den Studien [2]. Eine 2024 veröffentlichte systematische Übersicht und Meta-Analyse wertete nach eigener Angabe 9 klinische Studien mit zusammen 2414 Teilnehmenden aus, Suche bis April 2023, und nennt ausdrücklich die frühere Übersicht als Anlass für eine Aktualisierung [1]. Sie fand niedrigeres LDL-Cholesterin (Effektmaß minus 0,55 bei einem 95-Prozent-Intervall von minus 0,94 bis minus 0,16, p gleich 0,005, I-Quadrat gleich 70 Prozent), niedrigeres Gesamtcholesterin (minus 0,61 bei minus 0,82 bis minus 0,41, p kleiner 0,00001, I-Quadrat gleich 69 Prozent) und niedrigere Triglyzeride (minus 0,21 bei minus 0,40 bis minus 0,02, p gleich 0,03, I-Quadrat gleich 12 Prozent), bei HDL-Cholesterin dagegen keinen Unterschied (plus 0,04 bei minus 0,25 bis plus 0,34, p gleich 0,78) [1]. Welche Maßeinheit hinter den mit IV bezeichneten Effektmaßen der neueren Arbeit steht, nennt ihr Abstract nicht, und ihr Volltext lag uns ebenso wenig vor wie der der älteren Arbeit, sodass sich die Liste der eingeschlossenen Primärstudien nicht einsehen ließ [1][2]. Dass die beiden Arbeiten denselben Studienbestand auswerten, muss man aber nicht offenlassen. Die neuere nennt die ältere im eigenen Abstract ausdrücklich und begründet sich selbst damit, dass wegen zwischenzeitlich erschienener Studien Anlass für eine Aktualisierung bestehe [1]. Es handelt sich also um eine Auswertung und ihre Fortschreibung, nicht um zwei voneinander unabhängige Bestände, und die abweichenden Ergebnisse sind kein Widerspruch zwischen zwei Beweislinien, sondern eine Verschiebung innerhalb einer einzigen. Auffällig bleibt, dass die neuere Arbeit für neun Studien 2414 Teilnehmende angibt, während die ältere für zehn Studien nur 577 zählt. Ein so großer Zuwachs ist mit reinen Hesperidin-Studien schwer zu erklären und lässt vermuten, dass dort auch Arbeiten zu Zitrusgetränken oder Flavonoidgemischen eingeschlossen wurden, was ohne Volltext nicht zu klären ist. Eine Einzelstudie an 98 Menschen mit mehreren Stoffwechsel-Risikofaktoren, die in den Suchzeitraum der neueren Übersicht fällt, fand in der reinen Hesperidin-Gruppe (1 g täglich über 12 Wochen) gegenüber der unbehandelten Kontrollgruppe niedrigere Triglyzeride (minus 50,06 gegenüber plus 3,87 mg/dl, p gleich 0,033) [3]. Bei PubMed ist für keine der drei Arbeiten ein Interessenkonflikt-Feld hinterlegt. Der Förderhinweis ist dagegen abrufbar, Europe PMC führt ihn als eigenes Feld. Die ältere Übersicht ist vom Forschungszentrum für Ernährung und Lebensmittelsicherheit der Shahid-Sadoughi-Universität in Yazd getragen [2], die Einzelstudie an 98 Personen von der Shahid-Beheshti-Universität in Teheran [3], für die neuere Übersicht ist kein Geldgeber hinterlegt, ihre Autorenanschriften liegen an Hochschulen in Bangalore, Buraidah und Madinah [1]. Eine Bindung an einen Hesperidin-Hersteller ist für keine der drei Arbeiten in diesen Feldern erkennbar.

    Quellen: 1, 2, 3

  2. 02

    HDL-Cholesterin sowie systolischer und diastolischer Blutdruck unter täglicher Einnahme, kein Unterschied zu Placebo in einer Meta-Analyse und in ihrer Aktualisierung

    Nicht bestätigt
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine Meta-Analyse und ihre fünf Jahre später erschienene Aktualisierung fanden übereinstimmend keinen Unterschied zu Placebo. Die Wirkung wurde also gepoolt geprüft und nicht gefunden. Die Intervalle schließen einen sehr kleinen Effekt nicht aus.

    Ausführlicher Nachweis

    Für den Blutdruck fand die Übersicht von 2019 (10 Studien, 577 Teilnehmende) keinen Unterschied zu Placebo, weder systolisch (gewichtete mittlere Differenz minus 0,85 mmHg bei einem 95-Prozent-Intervall von minus 3,07 bis plus 1,36) noch diastolisch (minus 0,48 mmHg bei minus 2,39 bis plus 1,42) [2]. Die Übersicht von 2024 (9 Studien, 2414 Teilnehmende) kam zum selben Ergebnis, systolisch (Effektmaß minus 0,29 bei einem 95-Prozent-Intervall von minus 2,21 bis plus 1,63, p gleich 0,77, I-Quadrat gleich 60 Prozent) wie diastolisch (plus 0,79 bei minus 0,74 bis plus 2,31, p gleich 0,31, I-Quadrat gleich 49 Prozent) [1]. Für HDL-Cholesterin siehe die vorstehende Zeile, auch dort stimmen beide Arbeiten überein. Diesem übereinstimmenden Nullbefund stehen zwei einzelne kontrollierte Studien gegenüber, die beide in den Suchzeitraum der neueren Übersicht fallen und deshalb keine von ihr unabhängige Zusatzevidenz sind. In der oben genannten Studie an 98 Menschen mit mehreren Stoffwechsel-Risikofaktoren war der systolische Blutdruck in der reinen Hesperidin-Gruppe gegenüber der unbehandelten Kontrolle niedriger (minus 5,68 gegenüber minus 2,91 mmHg, p gleich 0,041) [3]. In einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Studie an 64 Menschen mit Typ-2-Diabetes senkte 500 mg Hesperidin täglich über 6 Wochen den systolischen Blutdruck stärker als Placebo (Endwert 119,0 gegenüber 122,7 mmHg in der Verumgruppe, p gleich 0,005 gegenüber dem eigenen Ausgangswert, mit berichtetem signifikantem Unterschied der prozentualen Veränderung zwischen den Gruppen), ohne dass ein Effektmaß mit Intervall für den Gruppenunterschied genannt wird [4]. Beide Einzelstudien betreffen jeweils eine Untergruppe mit Stoffwechselbelastung und keine allgemeine, gesunde Bevölkerung, und beide liegen im Rahmen dessen, was zwei unabhängige gepoolte Auswertungen an übergeordnetem Nullbefund für die Gesamtheit aller Studien finden. Die Intervalle beider Meta-Analysen schließen einen kleinen bis moderaten Effekt nicht sicher aus, insbesondere das der älteren Arbeit für den systolischen Blutdruck reicht bis minus 3,07 mmHg. Beide Einzelbefunde stecken jedoch selbst in dem Bestand, den die neuere Übersicht auswertet, sie sind also kein zusätzlicher Beleg neben dem gepoolten Nullbefund, sondern ein Teil davon. Weil die Wirkung damit in einer gepoolten Auswertung und deren Aktualisierung geprüft und nicht gefunden wurde, steht die Zeile auf nicht bestätigt. Der Restvorbehalt bleibt bestehen, ein sehr kleiner Effekt im Bereich weniger mmHg ist von den Intervallen nicht ausgeschlossen.

    Quellen: 1, 2, 3, 4

  3. 03

    Flussvermittelte Gefäßerweiterung nach sechswöchiger Einnahme von Hesperidin 2S bei übergewichtigen Erwachsenen, ohne Unterschied zu Placebo in der Gesamtgruppe von 68 Personen

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    In der Gesamtgruppe von 68 Personen kein Unterschied zu Placebo. Nur bei einer nachträglich gebildeten Teilgruppe mit bereits gesunder Gefäßfunktion zeigte sich ein Effekt nach einer fettreichen Mahlzeit.

    Ausführlicher Nachweis

    In einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Studie erhielten 68 übergewichtige Erwachsene 6 Wochen lang täglich 450 mg des Markenrohstoffs Hesperidin 2S oder Placebo [5]. Als Hauptzielgröße diente die flussvermittelte Gefäßerweiterung der Oberarmarterie, nüchtern und zwei Stunden nach einer fettreichen Testmahlzeit gemessen. Nach 6 Wochen unterschied sich weder die nüchterne noch die nach der Testmahlzeit gemessene Gefäßerweiterung zwischen Hesperidin und Placebo, kein Effektmaß mit Intervall wird dafür berichtet, im Text nur als nicht signifikant beschrieben [5]. Für die löslichen Adhäsionsmoleküle sVCAM-1, sICAM-1 und sP-Selectin sowie für den systolischen und diastolischen Blutdruck wird lediglich eine Tendenz zur Abnahme genannt, ohne eigenes Effektmaß [5]. In einer nachträglich gebildeten Teilgruppe von Personen mit einer Ausgangs-Gefäßerweiterung von mindestens 3 Prozent zeigte sich nach der fettreichen Mahlzeit ein Schutz vor der sonst auftretenden vorübergehenden Funktionsstörung (p gleich 0,050) und eine stärkere Abnahme von sVCAM-1 und sICAM-1 (je p kleiner oder gleich 0,030) [5]. Die Autoren weisen selbst darauf hin, dass diese Ergebnisse nicht für Mehrfachtestung angepasst wurden [5]. Hesperidin 2S ist eine spezifisch aufbereitete, laut Herstellerangabe besser lösliche Zubereitung und keine gewöhnliche Hesperidin-Rohware, ein Übertrag auf andere Zubereitungen ist damit nicht ohne Weiteres möglich. Das PubMed-Feld zum Interessenkonflikt ist leer, die Herstellerbindung steht aber offen in einem anderen Feld. Zwei der acht Autoren sind laut Anschriftenverzeichnis bei der BioActor BV in Maastricht angestellt, der Firma, die Hesperidin 2S vermarktet [5]. Die Studie zu diesem Markenrohstoff stammt also aus einer Zusammenarbeit mit dem Anbieter, was die im Abstract betonten Tendenzen und die nachträglich gebildete Teilgruppe zusätzlich relativiert.

    Quellen: 5

  4. 04

    Zellvermittelte Immunfunktion bei gesunden, gut ernährten Erwachsenen, ohne Unterschied zu Placebo

    Nicht bestätigt
    Einordnung und Einschränkungen

    Bei 24 gesunden Männern in einer Cross-over-Studie keine Veränderung von Immunzellen, Zytokinen oder der Aktivität natürlicher Killerzellen, weder durch Orangensaft noch durch isoliertes Hesperidin.

    Ausführlicher Nachweis

    In einer randomisierten Cross-over-Studie mit drei jeweils vierwöchigen Behandlungsphasen und dreiwöchigen Auswaschphasen dazwischen (18 Wochen Gesamtdauer) nahmen 24 gesunde Männer täglich entweder 500 ml Orangensaft, ein isokalorisches Kontrollgetränk mit 292 mg isoliertem Hesperidin in Kapselform, oder dasselbe Kontrollgetränk mit Placebo-Kapsel ein [6]. Unabhängig von der Einnahme veränderten sich weder die Verteilung der weißen Blutkörperchen (neutrophile Granulozyten, B- und T-Lymphozyten, natürliche Killerzellen, Monozyten), noch die Bildung reaktiver Sauerstoffspezies durch stimulierte neutrophile Granulozyten, noch die lytische Aktivität natürlicher Killerzellen, noch die Zytokinbildung der weißen Blutkörperchen [6]. Der Abstract nennt für keinen dieser Werte ein Effektmaß mit Konfidenzintervall, sondern beschreibt sie durchgehend als unverändert, geprüft wurden diese Endpunkte in dieser randomisierten Cross-over-Studie aber prospektiv und der erwartete Unterschied zeigte sich nicht, weshalb die Zeile auf nicht bestätigt steht [6]. Die Studie prüft damit sowohl isoliertes Hesperidin als auch die Gesamtmatrix Orangensaft in derselben Arbeit und findet für beide Formen keinen Unterschied zu Placebo bei gesunden, normal ernährten Menschen. Das PubMed-Feld zum Interessenkonflikt ist leer, der Volltext lag uns nicht vor [6].

    Quellen: 6

  5. 05

    Globale kognitive Leistung nach achtwöchiger täglicher Einnahme von flavanonreichem Orangensaft bei gesunden älteren Erwachsenen

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    In einer Cross-over-Studie an 37 älteren Erwachsenen war die Denkleistung nach flavanonreichem Saft insgesamt besser als nach einem flavanonarmen Vergleichsgetränk. Stimmung und Blutdruck veränderten sich nicht.

    Ausführlicher Nachweis

    In einer randomisierten, doppelblinden Cross-over-Studie mit vierwöchiger Auswaschphase tranken 37 gesunde ältere Erwachsene (im Mittel 67 Jahre) über je 8 Wochen täglich 500 ml eines flavanonreichen 100-Prozent-Orangensaftes (305 mg Hesperidin) oder ein kalorisch gleichgestelltes, flavanonarmes Getränk (37 mg Hesperidin) [7]. Die globale kognitive Leistung, gemessen mit standardisierten Testverfahren, war nach dem flavanonreichen Saft signifikant besser als nach dem flavanonarmen Vergleichsgetränk, ein konkretes Effektmaß mit Intervall nennt der Abstract dafür nicht [7]. Stimmung und Blutdruck unterschieden sich zwischen den beiden Bedingungen nicht [7]. Der Vergleich ist ein Unterschied zwischen zwei Getränken mit unterschiedlichem Flavanongehalt und kein Vergleich gegen ein flavanonfreies Placebo, und geprüft wurde die Gesamtmatrix Orangensaft mit ihren weiteren Flavanonen wie Narirutin, nicht isoliertes Hesperidin. Eine einzelne Studie. Eine Interessenerklärung ist bei PubMed nicht hinterlegt, der Förderhinweis dagegen schon. Europe PMC führt vier Fördernummern des britischen Biotechnology and Biological Sciences Research Council, also eine öffentliche Forschungsförderung, eine Bindung an die Zitrus- oder Saftwirtschaft ist in diesem Feld nicht verzeichnet [7]. Wer den Saft geliefert hat, geht aus diesen Feldern nicht hervor.

    Quellen: 7

  6. 06

    Nüchternglukose, Nüchterninsulin und Insulinresistenz (HOMA-IR) bei Erwachsenen mit mehreren Stoffwechsel-Risikofaktoren, ohne berichteten Unterschied zu Placebo in der Hesperidin-Gruppe

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    In derselben Studie zu Blutfetten und Blutdruck werden für Nüchternglukose und Insulinwerte in der reinen Hesperidin-Gruppe keine signifikanten Ergebnisse berichtet, nur für eine Vergleichsgruppe mit Leinsamen.

    Ausführlicher Nachweis

    In der oben beschriebenen 12-wöchigen, offen geführten Studie an 98 Menschen mit mehreren Stoffwechsel-Risikofaktoren wurden vier Gruppen verglichen, Leinsamenpulver allein, Hesperidin allein (1 g täglich), die Kombination aus beiden, und eine unbehandelte Kontrollgruppe, jeweils zusätzlich zu einem Lebensstilprogramm [3]. Der Abstract berichtet eine gegenüber der Kontrollgruppe signifikante Verbesserung von Insulin, der Insulinresistenz (HOMA-IR) und der Insulinsensitivität ausdrücklich nur für die Leinsamen-Gruppe, mit Zahlenwerten und p-Werten [3]. Für die reine Hesperidin-Gruppe werden an anderer Stelle des Abstracts nur die niedrigeren Triglyzeride und der niedrigere systolische Blutdruck als signifikant berichtet, siehe die eigenen Zeilen dazu, Nüchternglukose, Nüchterninsulin und HOMA-IR werden für diese Gruppe im Abstract nicht mit eigenem Zahlenwert genannt [3]. Die Kombinationsgruppe aus Leinsamen und Hesperidin wird als eine von drei verbesserten Komponenten mit einer Wirkung auf die Glukose beschrieben, ohne dass sich daraus ein Beitrag von Hesperidin allein ableiten lässt [3]. Da uns der Volltext nicht vorlag, ließ sich nicht prüfen, ob die Arbeit für die Hesperidin-Gruppe überhaupt einen statistischen Test für Glukose, Insulin und HOMA-IR durchgeführt und im Volltext berichtet hat, oder ob diese Werte schlicht nicht signifikant und deshalb im Abstract nicht genannt wurden. Die Stufe bleibt bei hinweise und wird nicht auf nicht bestätigt angehoben, weil kein Effektmaß mit Intervall für die Hesperidin-Gruppe vorliegt [3].

    Quellen: 3

  7. 07

    Beschwerden, Schweregefühl und sichtbar erweiterte Venen in den Beinen

    Keine Studien gefunden
    Einordnung und Einschränkungen

    Wir haben gesucht und ausschließlich Studien zu einer festen Kombination aus Diosmin und Hesperidin gefunden, keine einzige zu Hesperidin allein.

    Ausführlicher Nachweis

    Eine gezielte Suche mit den PubMed-Suchbegriffen "hesperidin" "venous insufficiency" und mit den Suchbegriffen "hesperidin" "venous" ergab 25 beziehungsweise 31 Treffer über einen Zeitraum von 1979 bis 2026, durchgesehen wurden die Titel und, bei Unklarheit, die Abstracts aller Treffer [8]. Ausnahmslos alle geprüften Arbeiten setzen entweder eine mikronisierte, gereinigte Flavonoid-Fraktion aus Diosmin und Hesperidin (umgangssprachlich MPFF, im Handel unter anderem als Daflon bekannt, üblicherweise im Verhältnis von etwa neun Teilen Diosmin zu einem Teil Hesperidin) oder eine andere Kombination mit weiteren Venenwirkstoffen ein, niemals Hesperidin als alleinigen Wirkstoff. Stellvertretend prüfte eine randomisierte, doppelblinde, plazebokontrollierte Studie an 136 Menschen mit Venenbeschwerden der CEAP-Klassen 2 bis 5 vier Gruppen, mikronisiertes Diosmin plus Hesperidin, Aminaphthon, Cumarin plus Troxerutin, und Placebo, und fand für die Diosmin-plus-Hesperidin-Gruppe häufiger eine Volumenreduktion von mindestens 100 ml als in den anderen Gruppen [8]. Ein Effekt von Hesperidin allein lässt sich aus keiner der geprüften Arbeiten ableiten, weil in keiner von ihnen eine Gruppe mit Hesperidin ohne Diosmin oder einen anderen Wirkstoff geprüft wurde. Die Zeile steht deshalb auf keine Studien gefunden, obwohl zur festen Diosmin-Hesperidin-Kombination sehr viele Studien vorliegen, die diesen Eintrag zu Hesperidin allein nicht betreffen.

    Quellen: 8

  8. 08

    Hautgesundheit und sichtbare Hautalterung

    Keine Studien gefunden
    Einordnung und Einschränkungen

    Wir haben gesucht und keine Studie zu oral eingenommenem, isoliertem Hesperidin und einem kosmetischen Hautendpunkt beim Menschen gefunden.

    Ausführlicher Nachweis

    Eine gezielte Suche mit den PubMed-Suchbegriffen "hesperidin" "skin" ergab 5 Treffer. Alle 5 betreffen entweder Venenbeschwerden und deren Hautfolgen (Beingeschwüre, Mikroangiopathie der Haut) unter derselben Diosmin-Hesperidin-Kombination wie in der vorstehenden Zeile, oder eine akute Studie zur Gefäßerweiterung und Kälteempfindung der Haut nach einer wasserlöslichen Einschlussverbindung aus Hesperetin-7-O-Glucosid, einem anderen Molekül als Hesperidin selbst. Keine der gefundenen Arbeiten prüft einen kosmetischen Hautendpunkt wie Faltentiefe, Hautelastizität oder Feuchtigkeitsgehalt nach oraler Einnahme von isoliertem Hesperidin. Die häufig beworbene hautstraffende und Anti-Aging-Wirkung ist damit für Hesperidin nicht durch eine uns vorliegende Humanstudie gedeckt.

Studien im Detail

Blutfette und Blutdruck

Zwei systematische Übersichten mit Meta-Analyse haben Hesperidin gegen Placebo oder Kontrolle bei Blutfetten und Blutdruck geprüft, mit fünf Jahren Abstand und unterschiedlichem Suchzeitraum. Die ältere Arbeit von 2019 wertete 10 randomisierte Studien mit 577 Teilnehmenden bis Mai 2018 aus und fand für keinen der geprüften Werte, weder Gesamtcholesterin, LDL-Cholesterin, HDL-Cholesterin, Triglyzeride noch systolischen und diastolischen Blutdruck, einen Unterschied zu Placebo. Die jüngere Arbeit von 2024 wertete nach eigener Angabe 9 klinische Studien mit 2414 Teilnehmenden bis April 2023 aus und nennt die ältere Übersicht ausdrücklich als Anlass für eine Aktualisierung. Sie fand niedrigeres LDL-Cholesterin, niedrigeres Gesamtcholesterin und niedrigere Triglyzeride, aber wie die ältere Arbeit keinen Unterschied bei HDL-Cholesterin und beim Blutdruck.

Beim Blutdruck stimmen beide Arbeiten damit überein, kein Unterschied zu Placebo. Bei den Blutfetten widersprechen sie sich, mit Ausnahme von HDL. Da uns keiner der beiden Volltexte vorlag, ließ sich nicht prüfen, welche Studien beide Arbeiten gemeinsam einschließen und wie stark sich ihre Bestände überschneiden. Aus Vorsicht steht die Stufe deshalb bei den Blutfetten auf hinweise und nicht auf widersprüchlich.

Eine einzelne, in den Suchzeitraum der jüngeren Übersicht fallende Studie an 98 Menschen mit mehreren Stoffwechsel-Risikofaktoren (Taillenumfang, Blutdruck, Blutfette, Blutzucker) prüfte unter anderem eine reine Hesperidin-Gruppe mit 1 g täglich über 12 Wochen. Gegenüber einer unbehandelten Kontrollgruppe waren dort Triglyzeride und systolischer Blutdruck niedriger, für Nüchternglukose, Nüchterninsulin und Insulinresistenz wird dagegen kein eigener Zahlenwert für die Hesperidin-Gruppe berichtet, nur für eine Vergleichsgruppe mit Leinsamen. Eine zweite Einzelstudie an 64 Menschen mit Typ-2-Diabetes fand unter 500 mg Hesperidin täglich über 6 Wochen einen niedrigeren systolischen Blutdruck als unter Placebo. Beide Einzelstudien betreffen Untergruppen mit Stoffwechselbelastung, keine allgemeine gesunde Bevölkerung, und ändern am übergeordneten Nullbefund für den Blutdruck aus beiden Meta-Analysen nichts.

Gefäßfunktion

In einer randomisiert-kontrollierten Studie an 68 übergewichtigen Erwachsenen veränderte der Markenrohstoff Hesperidin 2S (450 mg täglich über 6 Wochen) die flussvermittelte Gefäßerweiterung als Hauptzielgröße gegenüber Placebo nicht, weder nüchtern noch nach einer fettreichen Testmahlzeit. Erst in einer nachträglich gebildeten Teilgruppe mit bereits gesunder Ausgangs-Gefäßfunktion zeigte sich ein Schutz vor der sonst nach fettreicher Kost auftretenden vorübergehenden Funktionsstörung, zusammen mit einer stärkeren Abnahme zweier Adhäsionsmoleküle. Die Autoren weisen selbst darauf hin, dass diese Teilauswertung nicht für Mehrfachtestung angepasst wurde. Hesperidin 2S ist eine eigens aufbereitete, laut Hersteller besser lösliche Zubereitung, ein Übertrag auf gewöhnliche Hesperidin-Rohware ist damit nicht ohne Weiteres möglich.

Immunfunktion und kognitive Leistung

Perche und Kollegen zeigten in einer Cross-over-Studie mit 24 gesunden Männern, dass weder 500 ml Orangensaft täglich noch 292 mg isoliertes Hesperidin in Kapselform über je vier Wochen die Verteilung der weißen Blutkörperchen, die Aktivität natürlicher Killerzellen, die Sauerstoffradikalbildung durch neutrophile Granulozyten oder die Zytokinbildung, jeweils im Vergleich zu Placebo. Diese Studie prüfte damit ausdrücklich sowohl die Gesamtmatrix Orangensaft als auch isoliertes Hesperidin und fand für beide Formen keinen Unterschied.

Kean und Kollegen fanden in einer weiteren Cross-over-Studie an 37 gesunden älteren Erwachsenen, dass die globale kognitive Leistung nach acht Wochen täglichem, flavanonreichem Orangensaft (305 mg Hesperidin) besser als nach einem kalorisch gleichgestellten, flavanonarmen Vergleichsgetränk (37 mg Hesperidin), Stimmung und Blutdruck veränderten sich nicht. Verglichen wurden hier zwei Getränke mit unterschiedlichem Flavanongehalt, kein echtes Placebo, und geprüft wurde erneut die Gesamtmatrix Orangensaft mit weiteren Flavanonen, nicht isoliertes Hesperidin.

Abgrenzung, isoliertes Hesperidin gegenüber der Diosmin-Hesperidin-Kombination und gegenüber Orangensaft

Der weitaus größte Teil der verfügbaren klinischen Literatur zu Zitrusflavonoiden und Venenbeschwerden prüft keine Hesperidin-Rohware allein, sondern eine mikronisierte, gereinigte Flavonoid-Fraktion aus Diosmin und Hesperidin, üblicherweise im Verhältnis von etwa neun Teilen Diosmin zu einem Teil Hesperidin und im Handel unter anderem als Daflon bekannt. Eine gezielte Suche zu Hesperidin und Venenbeschwerden ergab ausschließlich solche Kombinationsstudien oder Vergleiche mit anderen Kombinationspräparaten, keine einzige Studie zu Hesperidin ohne Diosmin. Die Wirkung von Hesperidin allein auf Venenbeschwerden ist damit durch keine uns vorliegende Studie geprüft, siehe die eigene Zeile dazu.

Ein zweiter, kleinerer Unterschied betrifft die geprüfte Form innerhalb der Studien zu isoliertem Hesperidin selbst. Ein Teil davon setzt gewöhnliches Hesperidin-Pulver in Kapseln ein, ein anderer Teil den Markenrohstoff Hesperidin 2S, eine eigens aufbereitete, laut Hersteller besser lösliche Zubereitung. Ein dritter Teil der Studien prüft überhaupt kein isoliertes Hesperidin, sondern flavanonreichen Orangensaft als Gesamtmatrix mit weiteren Begleitflavonoiden wie Narirutin. Ergebnisse aus einer dieser drei Formen lassen sich nicht ohne Weiteres auf eine andere übertragen.

Sicherheit und Wechselwirkungen

In den vorliegenden Studien mit bis zu 1000 mg täglich über bis zu 12 Wochen war die orale Einnahme von Hesperidin gut verträglich, ernsthafte Nebenwirkungen wurden in keiner der geprüften Arbeiten berichtet.

Zu einer möglichen Wechselwirkung mit gerinnungshemmenden Arzneimitteln, wie sie in älteren, populären Darstellungen zu Zitrusflavonoiden gelegentlich angesprochen wird, liegt uns keine eigene geprüfte Humanstudie zu Hesperidin allein vor. Bei einer bestehenden Einnahme solcher Arzneimittel ist ärztliche Rücksprache vor der Einnahme sinnvoll.

Zu Schwangerschaft und Stillzeit liegt uns keine eigene geprüfte Quelle vor, eine ärztliche Rücksprache vor der Einnahme ist in diesem Fall grundsätzlich sinnvoll.

Quellen zum Nachlesen

  1. 01

    Systematische Übersicht und Meta-Analyse, 9 Studien, n gleich 2414 · 2024

    Effect of hesperidin on blood pressure and lipid profile, A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials

    Shylaja H, et al. Phytother Res

    Zur Zuschreibung: 01, 02

  2. 02

    Systematische Übersicht und Meta-Analyse, 10 Studien, n gleich 577 · 2019

    Hesperidin, a major flavonoid in orange juice, might not affect lipid profile and blood pressure, A systematic review and meta-analysis of randomized controlled clinical trials

    Mohammadi M, et al. Phytother Res

    Zur Zuschreibung: 01, 02

  3. 03

    Offen geführte RCT, 4 Parallelgruppen, n gleich 98, 12 Wochen · 2021

    Flaxseed and/or hesperidin supplementation in metabolic syndrome, an open-labeled randomized controlled trial

    Yari Z, Cheraghpour M, Hekmatdoost A. Eur J Nutr

    Zur Zuschreibung: 01, 02, 06

  4. 04

    RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, n gleich 64, 6 Wochen, 500 mg täglich · 2018

    Blood pressure lowering and anti-inflammatory effects of hesperidin in type 2 diabetes, a randomized double-blind controlled clinical trial

    Homayouni F, et al. Phytother Res

    Zur Zuschreibung: 02

  5. 05

    RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, n gleich 68, 6 Wochen, 450 mg täglich Markenrohstoff · 2016

    Randomized clinical trial on the efficacy of hesperidin 2S on validated cardiovascular biomarkers in healthy overweight individuals

    Salden BN, et al. Am J Clin Nutr

    Zur Zuschreibung: 03

  6. 06

    Randomisierte Cross-over-Studie, 3 Phasen, n gleich 24, 18 Wochen Gesamtdauer · 2014

    Orange juice and its major polyphenol hesperidin consumption do not induce immunomodulation in healthy well-nourished humans

    Perche O, et al. Clin Nutr

    Zur Zuschreibung: 04

  7. 07

    RCT, doppelblind, Cross-over, n gleich 37, je 8 Wochen · 2015

    Chronic consumption of flavanone-rich orange juice is associated with cognitive benefits, an 8-wk, randomized, double-blind, placebo-controlled trial in healthy older adults

    Kean RJ, et al. Am J Clin Nutr

    Zur Zuschreibung: 05

  8. 08

    RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, 4 Parallelgruppen, n gleich 136, 30 Tage, geprüft wurde eine Diosmin-Hesperidin-Kombination, kein isoliertes Hesperidin · 2014

    Veno-active drugs for chronic venous disease, A randomized, double-blind, placebo-controlled parallel-design trial

    Belczak SQ, et al. Phlebology

    Zur Zuschreibung: 07

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