Hopfen-Extrakt

Zuletzt geprüft am

Pflanzenextrakte

Humulus lupulus · Hopfenblütenextrakt · Hopfenzapfenextrakt

H.P.N · Datenstand 2026-09-08 · 8 Zuschreibungen im Überblick

Auf einen Blick

Was es ist
Extrakt aus den weiblichen Blütenzapfen der Hopfenpflanze Humulus lupulus, mit mehreren chemisch sehr unterschiedlichen Wirkstoffgruppen. Bitterstoffe (Alpha- und Beta-Säuren wie Humulon und Lupulon sowie deren isomerisierte Formen, etwa Isohumulon), das prenylierte Chalkon Xanthohumol und daraus abgeleitete Prenylflavonoide, allen voran das stark östrogenwirksame 8-Prenylnaringenin
Herkunft
Die getrockneten oder extrahierten weiblichen Blütenzapfen der Kletterpflanze Humulus lupulus, traditionell und weiterhin überwiegend beim Bierbrauen eingesetzt
Wirkform in Studien
Sehr uneinheitlich, weil drei chemisch verschiedene Wirkstoffgruppen unter demselben Pflanzennamen geprüft werden. Ein Teil der Humanstudien prüft auf 8-Prenylnaringenin standardisierte Extrakte, ein anderer isomerisierte Bitterstoffe (Isohumulone) und ein dritter isoliertes oder xanthohumolreiches Extrakt. Der weitaus größte Teil der Schlafliteratur zu Hopfen prüft zudem eine feste Kombination mit Baldrian und nicht Hopfen allein
Übliche Studiendosis
100 bis 250 Mikrogramm 8-Prenylnaringenin täglich in den Studien zu Wechseljahresbeschwerden und Knochendichte, 16 bis 48 mg Isohumulone täglich in der Studie zu Blutzucker, während das Abstract der Studie zur Gefäßfunktion gar keine Menge nennt, 0,125 bis 24 mg Xanthohumol täglich in den Studien zu Entzündungswerten und Darmflora
Bekannt geworden durch
Die jahrhundertelange Verwendung beim Bierbrauen sowie, in jüngerer Zeit, die Entdeckung, dass 8-Prenylnaringenin einer der stärksten bekannten pflanzlichen Stoffe mit Bindung an menschliche Östrogenrezeptoren ist
Verträglichkeit
In den vorliegenden kleinen Studien überwiegend gut vertragen. Wegen der ausgeprägten hormonellen Aktivität von 8-Prenylnaringenin siehe Sicherheit

Was diesem Stoff zugesprochen wird

Was die Studien hergeben.

Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.

  1. 01

    Vasomotorische Beschwerden und Gesamtbeschwerdewert bei postmenopausalen Frauen unter einem auf 8-Prenylnaringenin standardisierten Hopfenextrakt, uneinheitlich zwischen mehreren kleinen Studien

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    In zwei kleinen Studien besserten sich Hitzewallungen und ein Gesamtbeschwerdewert unter Verum stärker als unter Placebo zu einzelnen Zeitpunkten, beim Gesamtvergleich über die volle Studiendauer aber nicht durchgehend. Eine höhere Dosis war nicht wirksamer als eine niedrigere.

    Ausführlicher Nachweis

    In einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Studie an 67 Frauen in den Wechseljahren senkte ein auf 8-Prenylnaringenin standardisierter Hopfenextrakt (100 oder 250 Mikrogramm täglich) über 12 Wochen den modifizierten Kupperman-Index gegenüber Placebo nach 6 Wochen signifikant stärker in der 100-Mikrogramm-Gruppe (p gleich 0,023), nach 12 Wochen war der Unterschied nicht mehr signifikant (p gleich 0,086) [1]. Ein Dosis-Wirkungs-Zusammenhang zeigte sich nicht, die höhere 250-Mikrogramm-Dosis war zu beiden Zeitpunkten schwächer wirksam als die niedrigere [1]. Der isoliert betrachtete Hitzewallungs-Teilwert sank nach 6 Wochen in beiden Verum-Gruppen signifikant stärker als unter Placebo (p kleiner 0,01) [1]. In einer zweiten, randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Cross-over-Pilotstudie an 36 Frauen in den Wechseljahren (16 Wochen, 8 plus 8 Wochen mit Cross-over) zeigte die über die gesamte Studie gemittelte Schätzung der Behandlungswirkung keinen signifikanten Unterschied zwischen Hopfenextrakt und Placebo [2]. Zeitpunktspezifische Analysen der zweiten Studienhälfte zeigten dagegen signifikante Verbesserungen für den Kupperman-Index (p gleich 0,02) und eine visuelle Analogskala (p gleich 0,03) zugunsten des Hopfenextrakts, während die erste Studienhälfte in beiden Reihenfolgen ähnliche Verbesserungen zeigte [2]. Beide Studien prüften damit denselben Wirkstoff in ähnlicher Dosierung mit im Kern demselben Befund, einem in Teilanalysen sichtbaren, im Gesamtvergleich aber nicht durchgehend gesicherten Vorteil gegenüber Placebo, bei kleinen Stichproben von 36 beziehungsweise 67 Personen.

    Quellen: 1, 2

  2. 02

    Gesamtkörper-Knochendichte bei postmenopausalen Frauen mit Knochendichte unterhalb des altersüblichen Normbereichs, nach einem Jahr Hopfenextrakt zusätzlich zu Calcium und Vitamin D, ohne Unterschied zu Placebo beim Hauptmaß

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Über ein Jahr stieg die Gesamtkörper-Knochendichte in der Verumgruppe um 1,8 Prozent, der Unterschied zu Placebo von 1,0 Prozentpunkten verfehlte knapp die übliche Signifikanzschwelle. Ein zweitrangiges, dichotomisiertes Maß war dagegen signifikant.

    Ausführlicher Nachweis

    In einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Studie erhielten 100 postmenopausale Frauen mit einer Knochendichte unterhalb des altersüblichen Normbereichs zusätzlich zu Calcium- und Vitamin-D3-Tabletten über 48 Wochen entweder einen auf 8-Prenylnaringenin standardisierten Hopfenextrakt (n gleich 50) oder Placebo (n gleich 50) [3]. Die Gesamtkörper-Knochendichte stieg in der Hopfenextrakt-Gruppe gegenüber dem eigenen Ausgangswert um 1,8 plus minus 0,4 Prozent (p kleiner 0,0001), der Unterschied zur Placebogruppe betrug 1,0 plus minus 0,6 Prozentpunkte und verfehlte mit p gleich 0,08 knapp die übliche Signifikanzschwelle [3]. Ein zweitrangiges, dichotomisiertes Maß, der Anteil der Frauen mit einem Anstieg von mindestens 1 Prozent, war unter Hopfenextrakt gegenüber Placebo signifikant höher (Odds Ratio 2,41 plus minus 1,07, p kleiner 0,05) [3]. Ein Teilwert der Lebensqualität (körperliche Funktionsfähigkeit der SF-36-Skala) verbesserte sich unter Hopfenextrakt gegenüber Placebo nur grenzwertig (p gleich 0,05) [3]. Die Diversität und die Kurzkettenfettsäuren des Darmmikrobioms unterschieden sich nicht zwischen den Gruppen, einzelne Bakteriengattungen waren in der Hopfenextrakt-Gruppe häufiger vertreten [3]. Vier der sieben Autorinnen und Autoren sind Angestellte des Herstellers des geprüften Extrakts, eine weitere Person war über eine Dienstleistungsvereinbarung mit demselben Unternehmen an der Studie beteiligt. Das Unternehmen ist Givaudan France Naturals, und eine sechste Person weist in derselben Interessenerklärung Honorare für Vorträge oder wissenschaftliche Beiräte unter anderem von Givaudan aus, sodass sechs der sieben Autorinnen und Autoren eine Bindung an den Hersteller angeben. Nach eigener Angabe hatten die Geldgeber keinen Einfluss auf Durchführung und Auswertung [3].

    Quellen: 3

  3. 03

    Nüchternblutzucker, Langzeitzucker und Körperfettanteil bei Personen mit erhöhtem Nüchternblutzucker unterhalb der Diagnoseschwelle, unter einem isohumulonhaltigen Hopfenextrakt

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    In einer Dosisfindungsstudie über zwölf Wochen sanken Nüchternblutzucker und Langzeitzucker unter den höheren Dosen nur gegenüber dem eigenen Ausgangswert, ein Vergleich zu Placebo ist dafür nicht ausgewiesen. Ausdrücklich stärker als unter Placebo sanken allein Body-Mass-Index und Gesamtfettfläche in der höchsten Dosisgruppe. Nur eine Studie, japanische Stichprobe, Erstautorenschaft im Forschungslabor einer Getränkegesellschaft.

    Ausführlicher Nachweis

    In einer randomisierten, doppelblinden Dosisfindungsstudie erhielten 94 japanische Personen mit einem Nüchternblutzucker unterhalb der Diagnoseschwelle für einen dauerhaft erhöhten Blutzucker über 12 Wochen täglich Placebo oder 16, 32 oder 48 mg Isohumulone aus einem Hopfenextrakt [5]. Der Nüchternblutzucker sank in der 32-mg- und der 48-mg-Gruppe nach 4 Wochen gegenüber dem eigenen Ausgangswert, blieb in der Placebogruppe unverändert, ein direkter statistischer Vergleich zwischen den Gruppen wird im Abstract nicht mit eigenem Zahlenwert berichtet [5]. Der Langzeitblutzuckerwert HbA1c sank in der 16-mg-Gruppe nach 4 Wochen und in der 32-mg- sowie der 48-mg-Gruppe nach 8 Wochen signifikant, ebenfalls ohne im Abstract genannten direkten Gruppenvergleich [5]. Der Body-Mass-Index sank in der 48-mg-Gruppe nach 12 Wochen signifikant stärker als unter Placebo, ebenso die Gesamtfettfläche [5]. Diese beiden letzten Maße sind damit die einzigen mit einem im Abstract ausdrücklich benannten Gruppenvergleich. Die Isohumulon-Zusammensetzung des verwendeten Extrakts (Anteile von Isohumulon, Isocohumulon und Isoadhumulon) wird im Abstract nicht vollständig angegeben. Es handelt sich um eine einzelne Studie an einer japanischen Stichprobe, eine unabhängige Bestätigung liegt uns nicht vor. Die Erstautorenschaft ist im Affiliationsfeld bei PubMed dem Forschungs- und Entwicklungslabor der Kirin Beverage Company Ltd zugeordnet, einer Getränkegesellschaft, während das PubMed-Feld zum Interessenkonflikt leer bleibt und kein freier Volltext vorliegt [5].

    Quellen: 5

  4. 04

    Endothelfunktion (Gefäßweitung) nach akuter Einnahme eines isohumulonhaltigen Hopfenextrakts bei Rauchern und Nichtrauchern

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    In einer kleinen Cross-over-Studie an 23 Personen war die Gefäßerweiterung nach 30 und 120 Minuten größer als zu Studienbeginn, sowohl bei Rauchern als auch bei Nichtrauchern. Das Abstract nennt keinen eigenen Zahlenwert für den direkten Placebo-Vergleich.

    Ausführlicher Nachweis

    In einer randomisierten Cross-over-Studie nahmen 12 Raucherinnen und Raucher sowie 11 Nichtraucherinnen und Nichtraucher einen isohumulonhaltigen, isomerisierten Hopfenextrakt und, an einem anderen Tag, Placebo ein, gemessen wurde die Fluss-vermittelte Gefäßerweiterung (FMD) per Ultraschall [6]. Zu Studienbeginn war die FMD bei den Rauchenden signifikant niedriger als bei den Nichtrauchenden [6]. Nach 30 und nach 120 Minuten stieg die FMD unter dem Hopfenextrakt in beiden Gruppen signifikant an, das Abstract nennt diesen Anstieg ausdrücklich nach der Einnahme des Extrakts, ohne einen eigenen Zahlenwert für den direkten statistischen Vergleich zur Placebo-Bedingung anzugeben [6]. Ergänzende Zellversuche an menschlichen Aorten-Endothelzellen zeigten, dass derselbe Extrakt unter Sauerstoffmangel das Überleben der Zellen verbesserte und die durch Angiotensin II ausgelöste Bildung reaktiver Sauerstoffspezies verringerte, was die Autorinnen und Autoren als möglichen Mechanismus über eine Verringerung von oxidativem Stress deuten [6]. Kleine Stichprobe, akute Einzeleinnahme, keine Aussage zu einer Wirkung bei täglicher Einnahme über längere Zeit.

    Quellen: 6

  5. 05

    Entzündungsmarker in Immunzellen nach akuter, niedrig dosierter Einnahme eines xanthohumolreichen Hopfenextrakts bei gesunden Frauen, in einer sehr kleinen Studie

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    In einer Studie mit nur neun gesunden Frauen setzten aus dem Blut entnommene Immunzellen nach der Einnahme weniger Entzündungsbotenstoffe frei als nach Placebo. Gemessen wurde ausserhalb des Körpers im Labor, nicht im Blut der Teilnehmerinnen selbst.

    Ausführlicher Nachweis

    In einer einfachverblindeten, plazebokontrollierten Cross-over-Studie nahmen 9 normalgewichtige, gesunde Frauen einmalig eine niedrige Dosis von 0,125 mg Xanthohumol aus einem xanthohumolreichen Hopfenextrakt (75 Prozent Xanthohumol-Anteil) oder Placebo ein [7]. Aus dem Blut der Teilnehmerinnen gewonnene mononukleäre Zellen wurden anschließend außerhalb des Körpers mit einem bakteriellen Zellwandbestandteil (Lipopolysaccharid) stimuliert. Nach Einnahme des Xanthohumol-Extrakts war die Freisetzung entzündungsfördernder Botenstoffe aus diesen Zellen 1 Stunde nach der Einnahme und 2 Stunden nach der Stimulation signifikant geringer als nach Placebo, nach 6 Stunden war dieser Unterschied schwächer ausgeprägt, dafür war zu diesem Zeitpunkt die Freisetzung des löslichen Rezeptors sCD14 signifikant vermindert [7]. In einer ergänzenden Zellkultur unterdrückte derselbe Extrakt die Aktivierung des Rezeptors hTLR4 dosisabhängig. Die Interessenerklärung dieser Arbeit verneint zwar jeden Interessenkonflikt, der Förderabschnitt im selben Volltext nennt als Geldgeber jedoch die Europäische Stiftung für Alkoholforschung gemeinsam mit der Europäischen Brauereikonvention sowie die Wissenschaftsförderung der Deutschen Brauwirtschaft, und das geprüfte Präparat XanthoFlav war nach Angabe im Methodenteil eine Sachspende der Hopsteiner GmbH, eines Hopfenherstellers [7]. Neun Teilnehmerinnen, eine Einzeldosis, ein Messwert außerhalb des Körpers und keine im Blut der Teilnehmerinnen selbst gemessene Entzündungsreaktion.

    Quellen: 7

  6. 06

    Darmmikrobiom-Zusammensetzung bei gesunden Erwachsenen unter achtwöchiger Xanthohumol-Einnahme, ohne einheitlichen Effekt zwischen den Personen

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Über acht Wochen veränderte sich die Zusammensetzung der Darmbakterien insgesamt nicht gegenüber Placebo, nur bei einem Teil der Personen mit einem bestimmten Ausgangs-Bakterienmuster zeigten sich einzelne Verschiebungen.

    Ausführlicher Nachweis

    In einer randomisierten, dreifach verblindeten, plazebokontrollierten Studie erhielten 30 gesunde Erwachsene über 8 Wochen täglich 24 mg gereinigtes Xanthohumol (99,8 Prozent Reinheit) oder Placebo [8, 9]. Eine erste Veröffentlichung derselben Studie (ClinicalTrials.gov NCT03735420) berichtete deren Sicherheits- und Verträglichkeitsdaten, siehe Sicherheit [9]. Eine zweite Veröffentlichung an denselben Teilnehmenden wertete die Darmmikrobiom-Zusammensetzung aus und fand keine signifikante Veränderung der Gesamtzusammensetzung durch Xanthohumol, jedoch eine von der individuellen Ausgangsbesiedlung (Enterotyp) abhängige Verschiebung einzelner Bakteriengattungen sowie eine auf bestimmte Enterotypen beschränkte Verringerung des mikrobiell gebildeten Gallensäure-Stoffwechsels [8]. Die Bioverfügbarkeit der Xanthohumol-Stoffwechselprodukte unterschied sich stark zwischen den Teilnehmenden [8]. Beide Veröffentlichungen beruhen auf derselben Stichprobe von 30 Personen und sind kein voneinander unabhängiger Beleg.

    Quellen: 8, 9

  7. 07

    Schlafinduzierende Wirkung von Xanthohumol und Humulon über den GABA-A-Rezeptor

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    Nur ein Tiermodell mit koffeinausgelöster Schlaflosigkeit bei Mäusen. Am Menschen nicht untersucht.

    Ausführlicher Nachweis

    In einem Mäusemodell mit koffeininduzierter Schlaflosigkeit verlängerte die Gabe einer Mischung zweier Hopfensorten (Saaz und Saphir) die Schlafdauer stärker als jede der beiden Sorten allein, mit einem Anstieg des Tiefschlafanteils [10]. Eine dreiwöchige orale Gabe derselben Mischung erhöhte den Gamma-Amino-Buttersäure-Gehalt (GABA) im Gehirn der Tiere und die Ausprägung des GABA-A-Rezeptors, GABA-Rezeptor-Blocker hoben die schlaffördernde Wirkung der Mischung sowie die der isoliert verabreichten Einzelstoffe Xanthohumol und Humulon auf, was auf eine Beteiligung des GABA-A-Rezeptors hindeutet [10]. Die gesamte Untersuchung fand ausschließlich an Mäusen statt, keine Humandaten liegen zu dieser Kombination oder den isolierten Einzelstoffen für den Schlaf vor.

    Quellen: 10

  8. 08

    Schlafqualität und Einschlafzeit bei Erwachsenen unter reinem Hopfenextrakt ohne weitere Wirkstoffe

    Keine Studien gefunden
    Einordnung und Einschränkungen

    Wir haben gezielt gesucht und ausschließlich Studien zu einer festen Kombination aus Hopfen und Baldrian gefunden, keine einzige zu Hopfen allein am Menschen.

    Ausführlicher Nachweis

    Eine gezielte Suche zu Hopfen und Schlaf ergab bei Erwachsenen praktisch ausschließlich randomisierte Studien und Übersichtsarbeiten zu einer festen Kombination aus Baldrian und Hopfen (unter anderem das Präparat Ze91019) sowie zu weiteren Mehrstoffgemischen. In keiner dieser Arbeiten wurde eine Hopfen-Studiengruppe ohne Baldrian gegen Placebo geprüft, weshalb sich aus dieser Literatur keine Aussage zur schlafbezogenen Wirkung von Hopfen allein ableiten lässt. Die verbreitete Zuschreibung, Hopfenextrakt verbessere für sich genommen den Schlaf, bleibt beim Menschen ungeprüft, während für die Kombination mit Baldrian eine eigene, umfangreichere Studienlage besteht, die hier nicht ausgewertet wird, weil sie keine Aussage über Hopfen allein trägt.

Studien im Detail

Wechseljahresbeschwerden und Knochendichte unter 8-Prenylnaringenin-standardisiertem Extrakt

Drei der hier ausgewerteten Humanstudien prüfen einen auf den Phytoöstrogen-Gehalt 8-Prenylnaringenin standardisierten Hopfenextrakt bei Frauen nach den Wechseljahren [1][2][3]. Zwei kleine Studien derselben Arbeitsgruppe zu Hitzewallungen und einem zusammengesetzten Beschwerdewert zeigen ein wiederkehrendes Muster: In Teilanalysen einzelner Zeitpunkte oder einzelner Symptome findet sich wiederholt ein Vorteil gegenüber Placebo, der Gesamtvergleich über die volle Studiendauer erreicht die übliche Signifikanzschwelle dagegen nicht durchgehend, und eine höhere Dosis war nicht wirksamer als eine niedrigere. Eine neuere, größere Studie zur Knochendichte fand für das vorab festgelegte Hauptmaß, die Gesamtkörper-Knochendichte, ebenfalls keinen statistisch gesicherten Unterschied zu Placebo, während ein zweitrangiges, dichotomisiertes Maß (der Anteil der Frauen mit einem Anstieg von mindestens 1 Prozent) signifikant war. Diese Studie wurde teilweise vom Hersteller des geprüften Extrakts mitgetragen.

Eine vierte Studie prüfte ein Kombinationspräparat aus Soja- und Hopfenextrakt und fand dort einen deutlicheren Vorteil gegenüber Placebo beim Beschwerdewert [4]. Da hier zwei Wirkstoffe gemeinsam verabreicht wurden, lässt sich daraus kein eigenständiger Beleg für Hopfenextrakt allein ableiten.

Blutzucker, Körperfett und Gefäßfunktion unter isohumulonhaltigem Extrakt

Eine japanische Dosisfindungsstudie an Personen mit einem Nüchternblutzucker unterhalb der Diagnoseschwelle für einen dauerhaft erhöhten Blutzucker fand unter den beiden höheren geprüften Dosen eine Verbesserung von Blutzucker- und Langzeitzuckerwerten gegenüber dem eigenen Ausgangswert, für Body-Mass-Index und Körperfettfläche wird zusätzlich ein ausdrücklicher Vorteil gegenüber Placebo berichtet. Eine kleine Cross-over-Studie an Rauchenden und Nichtrauchenden fand nach einer einzelnen Einnahme desselben Wirkstoffgemischs eine verbesserte Gefäßerweiterung. Beide Arbeiten liegen uns nur als Abstract vor, und für mehrere der berichteten Verbesserungen fehlt ein im Abstract genannter eigener Zahlenwert für den direkten Vergleich zur Placebogruppe.

Xanthohumol, Entzündungswerte und Darmflora

Eine sehr kleine Studie mit neun gesunden Frauen fand nach einer einzelnen, niedrig dosierten Xanthohumol-Gabe eine geringere Freisetzung von Entzündungsbotenstoffen aus außerhalb des Körpers stimulierten Immunzellen [7]. Eine größere, über acht Wochen laufende Studie zu einer täglichen Xanthohumol-Einnahme fand dagegen keine einheitliche Veränderung der Darmbakterien-Zusammensetzung, nur bei einem Teil der Personen mit einem bestimmten Ausgangsmuster zeigten sich einzelne Verschiebungen [8]. Beide zur Sicherheit und zur Darmflora veröffentlichten Arbeiten dieser zweiten Studie beruhen auf derselben Stichprobe von 30 gesunden Erwachsenen [8][9].

Abgrenzung, Bitterstoffe, Xanthohumol und Prenylflavonoide

Der Name Hopfenextrakt verdeckt, dass mindestens drei chemisch unterschiedliche Wirkstoffgruppen unter ihm geprüft werden, mit jeweils eigener, nicht austauschbarer Studienlage. Die Bitterstoffe (Alpha-Säuren wie Humulon, Beta-Säuren wie Lupulon und ihre beim Bierbrauen entstehenden isomerisierten Formen, die Isohumulone) stehen hinter den Befunden zu Blutzucker, Körperfett und Gefäßfunktion. Xanthohumol, ein prenyliertes Chalkon, steht hinter den Befunden zu Entzündungswerten und Darmflora. Aus Xanthohumol im Körper und beim Bierbrauen teilweise umgewandelte Prenylflavonoide, allen voran 8-Prenylnaringenin, stehen hinter den Befunden zu Wechseljahresbeschwerden und Knochendichte, siehe auch Sicherheit. Eine in einer Studie berichtete Wirkung eines Extrakts auf eine dieser drei Wirkstoffgruppen lässt sich nicht auf ein Präparat übertragen, das auf eine andere Wirkstoffgruppe standardisiert ist.

Zusätzlich prüft der weitaus größte Teil der Humanforschung zu Hopfen und Schlaf eine feste Kombination mit Baldrian, nicht Hopfen allein. Diese Kombinationsforschung wird in diesem Eintrag nicht ausgewertet, weil sie keine Aussage über eine eigenständige Wirkung von Hopfenextrakt trägt, siehe die eigene Zeile zu Schlaf.

Sicherheit und Wechselwirkungen

Die wichtigste sicherheitsrelevante Eigenschaft von Hopfenextrakt betrifft nicht die Bitterstoffe, sondern das Prenylflavonoid 8-Prenylnaringenin. Eine grundlegende Laborarbeit zeigte, dass 8-Prenylnaringenin stark mit dem körpereigenen Hormon 17-beta-Estradiol um die Bindung an beide bekannten menschlichen Östrogenrezeptoren konkurriert, mit einer geschätzten Wirkstärke, die verwandte Hopfen-Flavonoide um mehr als das Hundertfache übertrifft [11]. Die Autorinnen und Autoren dieser Arbeit äußerten bereits im Jahr 2000 ausdrücklich Bedenken gegenüber einer unbeschränkten Verwendung von Hopfen in pflanzlichen Zubereitungen für Frauen [11]. In den hier ausgewerteten Humanstudien mit standardisierter 8-Prenylnaringenin-Dosis über bis zu einem Jahr wurden keine schwerwiegenden hormonellen Nebenwirkungen berichtet, eine der Studien maß dabei allerdings weder die Gebärmutterschleimhaut-Dicke noch weitere hormonelle Sicherheitsparameter [3]. Wegen der belegten Rezeptorbindung ist bei hormonabhängigen Erkrankungen, bei der Einnahme hormoneller Verhütungsmittel oder einer Hormonersatztherapie sowie in Schwangerschaft und Stillzeit vor der Einnahme eines auf 8-Prenylnaringenin standardisierten Hopfenextrakts ärztliche Rücksprache sinnvoll. Für Hopfenextrakte, die überwiegend Bitterstoffe oder Xanthohumol und nicht 8-Prenylnaringenin enthalten, ist diese hormonelle Aktivität nach dem vorliegenden Kenntnisstand deutlich geringer ausgeprägt, eine vollständige eigene Sicherheitsbewertung für diese Zubereitungsformen liegt uns aber nicht vor.

Bei täglicher Xanthohumol-Einnahme von 24 mg über 8 Wochen wurden in einer kleinen, plazebokontrollierten Studie keine schweren oder als schwerwiegend eingestuften Nebenwirkungen berichtet, ebenso keine bedeutsamen Gruppenunterschiede bei Laborwerten, Körpergewicht oder Vitalwerten [9]. Zu den Bitterstoffen (Isohumulone) liegen aus den hier ausgewerteten Studien keine eigenen, gesonderten Sicherheitsdaten vor, in den zitierten Studien wurden aber keine schwerwiegenden Nebenwirkungen berichtet [5, 6].

Quellen zum Nachlesen

  1. 01

    RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, Parallelgruppen, n gleich 67, 8-Prenylnaringenin 100 oder 250 Mikrogramm täglich, 12 Wochen · 2006

    A first prospective, randomized, double-blind, placebo-controlled study on the use of a standardized hop extract to alleviate menopausal discomforts

    Heyerick A, Vervarcke S, Depypere H, Bracke M, De Keukeleire D. Maturitas

    Zur Zuschreibung: 01

  2. 02

    RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, Cross-over, n gleich 36, 8-Prenylnaringenin 100 Mikrogramm täglich, 16 Wochen (8 plus 8) · 2010

    A randomized, double-blind, placebo-controlled, cross-over pilot study on the use of a standardized hop extract to alleviate menopausal discomforts

    Erkkola R, Vervarcke S, Vansteelandt S, Rompotti P, De Keukeleire D, Heyerick A. Phytomedicine

    Zur Zuschreibung: 01

  3. 03

    RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, n gleich 100 (50 vs 50), 8-Prenylnaringenin-standardisierter Extrakt zusätzlich zu Calcium und Vitamin D3, 48 Wochen · 2023

    Effect of a Hop Extract Standardized in 8-Prenylnaringenin on Bone Health and Gut Microbiome in Postmenopausal Women with Osteopenia, A One-Year Randomized, Double-Blind, Placebo-Controlled Trial

    Lecomte M, Tomassi D, Rizzoli R, Tenon M, Berton T, Harney S, Fança-Berthon P. Nutrients

    Zur Zuschreibung: 02

  4. 04

    RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, Kombinationspräparat aus Soja- und Hopfenextrakt (190 mg), n gleich 78 (38 vs 40), 12 Wochen · 2021

    Efficacy and Safety of a Standardized Soy and Hop Extract on Menopausal Symptoms, A 12-Week, Multicenter, Randomized, Double-Blind, Placebo-Controlled Clinical Trial

    Kim HI, Kim MK, Lee I, Yun J, Kim EH, Seo SK. J Altern Complement Med

  5. 05

    RCT, doppelblind, Dosisfindung, vier Gruppen (Placebo, 16, 32, 48 mg Isohumulone), n gleich 94, 12 Wochen · 2009

    Isohumulones, the bitter component of beer, improve hyperglycemia and decrease body fat in Japanese subjects with prediabetes

    Obara K, Mizutani M, Hitomi Y, Yajima H, Kondo K. Clin Nutr

    Zur Zuschreibung: 03

  6. 06

    RCT, Cross-over, n gleich 23 (12 Raucher, 11 Nichtraucher), akute Einzeldosis isomerisierter Hopfenextrakt · 2017

    Acute improvement of endothelial functions after oral ingestion of isohumulones, bitter components of beer

    Tomita J, Mochizuki S, Fujimoto S, Kashihara N, Akasaka T, Tanimoto M, Yoshida K. Biochem Biophys Res Commun

    Zur Zuschreibung: 04

  7. 07

    RCT, einfachverblindet, plazebokontrolliert, Cross-over, n gleich 9, akute Einzeldosis 0,125 mg Xanthohumol · 2022

    A Xanthohumol-Rich Hop Extract Diminishes Endotoxin-Induced Activation of TLR4 Signaling in Human Peripheral Blood Mononuclear Cells, A Study in Healthy Women

    Jung F, Staltner R, Baumann A, Burger K, Halilbasic E, Hellerbrand C, Bergheim I. Int J Mol Sci

    Zur Zuschreibung: 05

  8. 08

    RCT, dreifach verblindet, plazebokontrolliert, n gleich 30, Xanthohumol 24 mg täglich, 8 Wochen, dieselbe Stichprobe wie Quelle 9 (NCT03735420) · 2024

    Gut enterotype-dependent modulation of gut microbiota and their metabolism in response to xanthohumol supplementation in healthy adults

    Jamieson PE, Smart EB, Bouranis JA, Choi J, Danczak RE, Wong CP, Paraiso IL, Maier CS, Ho E, Sharpton TJ, Metz TO, Bradley R, Stevens JF. Gut Microbes

    Zur Zuschreibung: 06

  9. 09

    RCT, dreifach verblindet, plazebokontrolliert, n gleich 30, Xanthohumol 24 mg täglich, 8 Wochen, Sicherheits- und Verträglichkeitsdaten derselben Studie wie Quelle 8 · 2021

    Xanthohumol Microbiome and Signature in Healthy Adults (the XMaS Trial), Safety and Tolerability Results of a Phase I Triple-Masked, Placebo-Controlled Clinical Trial

    Langley BO, Ryan JJ, Hanes D, Phipps J, Stack E, Metz TO, Stevens JF, Bradley R. Mol Nutr Food Res

    Zur Zuschreibung: 06

  10. 10

    Tierstudie, Mäuse-Modell mit koffeininduzierter Schlaflosigkeit, Rezeptor-Blocker-Experimente · 2021

    GABAA Receptor-Mediated Sleep-Promoting Effect of Saaz-Saphir Hops Mixture Containing Xanthohumol and Humulone

    Min B, Ahn Y, Cho HJ, Kwak WK, Suh HJ, Jo K. Molecules

    Zur Zuschreibung: 07

  11. 11

    Laborstudie zur Rezeptorbindung, humane Zellmodelle, kein Humanversuch mit Einnahme · 2000

    The endocrine activities of 8-prenylnaringenin and related hop (Humulus lupulus L.) flavonoids

    Milligan SR, Kalita JC, Pocock V, Van De Kauter V, Stevens JF, Deinzer ML, Rong H, De Keukeleire D. J Clin Endocrinol Metab

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