Irischer Seemoos Extrakt
Zuletzt geprüft am
Pflanzenextrakte
Chondrus crispus · Irish Moss · Carrageen Moos · Karrageenmoos
Auf einen Blick
- Was es ist
- Getrocknete, extrahierte Rotalge, deren Zellwand reich an sulfatierten Polysacchariden ist, den Carrageenen. Diese bilden auch die Gel- und Verdickungseigenschaft, für die Chondrus crispus als Rohstoff genutzt wird
- Herkunft
- Atlantikküsten Nordeuropas, darunter Irland, sowie Nordamerikas, eine Rotalge, die im Gezeitenbereich auf Felsen wächst und traditionell getrocknet wird
- Wirkform in Studien
- Fast die gesamte verfügbare Forschung betrifft die rohe, getrocknete Alge, isolierte Carrageen-Fraktionen (vor allem Iota- und Kappa-Carrageen) oder Zell- und Tiermodelle. Für einen standardisierten, oral eingenommenen Trockenextrakt liegt keine eigene Studie vor. Eine gezielte Suche nach Chondrus-crispus-Extrakt in Kombination mit "human" ergab sieben Treffer, keiner davon zur oralen Einnahme (Zell-, Wurm- und Fischmodelle sowie eine vaginal angewendete Zubereitung), weitere Suchen nach oralem Extrakt, Supplement oder klinischer Studie in Kombination mit Chondrus crispus ergaben keinen zusätzlichen Treffer
- Übliche Studiendosis
- Keine etablierte Studiendosis für einen oralen Extrakt. Die einzige uns bekannte Humanstudie mit direktem Verzehr prüfte eine Einzelportion von 45 Gramm roher, getrockneter Rotalge, nicht den Extrakt
- Rechtlicher Status
- In der EU als Lebensmittel verkehrsfähig. Das aus Chondrus crispus gewonnene Carrageen ist als Lebensmittelzusatzstoff E 407 zugelassen. Für den Seemoos-Extrakt selbst liegt keine abgeschlossene EFSA-Bewertung einer Gesundheitsangabe vor
- Verträglichkeit und Sicherheit
- Carrageen gilt als Lebensmittelzusatzstoff als breit verzehrt und generell als sicher eingestuft, der Jodgehalt von Chondrus crispus ist jedoch stark schwankend und ein eigener Sicherheitspunkt, siehe eigener Abschnitt weiter unten
Was diesem Stoff zugesprochen wird
Was die Studien hergeben.
Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.
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01
Husten und Schleimlösung bei akuten Atemwegsinfekten, oraler Verzehr von Chondrus crispus
Keine Studien gefundenEinordnung und Einschränkungen
Wir haben gezielt nach Humanstudien und nach Labor- oder Tierdaten zum oralen Verzehr von Chondrus crispus beziehungsweise einem Extrakt daraus bei Husten, Schleimlösung, Bronchitis oder Atemwegsinfekten gesucht, unter anderem mit den Suchbegriffen cough, expectorant, mucolytic und airway, jeweils mit und ohne Humanfilter. Keine dieser Suchen ergab einen zurechenbaren Treffer, weder am Menschen noch im Tier- oder Zellmodell. Die traditionelle Verwendung von Seemoos bei Husten stützt sich, soweit recherchierbar, auf keine indexierte Studie zum oralen Extrakt oder zur ganzen Alge
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02
Gemischte Befunde zu Erkältungssymptomen und Virusmenge unter lokal angewendetem Iota-Carrageen-Nasenspray, nicht auf orale Einnahme übertragbar
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Drei plazebokontrollierte randomisierte Studien prüften ein Iota-Carrageen-Nasenspray, keine davon einen oral eingenommenen Chondrus-crispus-Extrakt. Im freien Volltext von Ludwig und Kollegen wurden 211 Erwachsene randomisiert. Die ursprünglich festgelegte Definition der Krankheitsdauer war in keiner analysierten Population signifikant. Eine vor der Entblindung geänderte Definition war nur in der viruspositiven, protokolltreuen Population signifikant, 11,6 statt 13,7 Tage, p gleich 0,037. Das relative Risiko betrug 1,24 mit 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,88 bis 1,73. Die Virusmenge sank stärker, p gleich 0,024 [1]. Drei Autoren waren bei Marinomed beschäftigt. Fazekas und Kollegen fanden bei 153 Kindern beim primären mittleren Symptomscore keinen Unterschied, 3,8 gegenüber 4,0. Sekundär verkürzte sich die Zeit bis zur Symptomfreiheit von 9,4 auf 7,6 Tage und die Virusmenge sank stärker [2]. Halley und Kollegen prüften an 102 Erwachsenen eine achtwöchige vorbeugende Anwendung und fanden nur nicht signifikante Symptomunterschiede [3]. Therapie und Vorbeugung, Kinder und Erwachsene sowie Krankheitsdauer, Symptomscore und Virusmenge beantworten unterschiedliche Fragen und bilden keinen direkten Widerspruchssatz. Alle Studien prüften lokal angewendetes Carrageen, nicht den geschluckten Gesamtextrakt
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03
Jodaufnahme aus dem Verzehr roher Rotalgen, darunter Chondrus crispus, gemessen an der Harn-Jodausscheidung
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Andersen und Kollegen ließen 2019 acht erwachsene Personen in Ostgrönland jeweils 45 Gramm einer Haushaltsprobe der rohen Algenarten Chondrus crispus oder Ascophyllum nodosum verzehren und maßen die Jodausscheidung im Urin über zwei Tage. Die Quelle berichtet die Arten getrennt. Von 2,1 beziehungsweise 4,6 Milligramm aufgenommenem Jod wurden 1,1 beziehungsweise 1,9 Milligramm innerhalb von zwei Tagen im Urin wiedergefunden. Die Studie hat keine Kontrollgruppe, der nur als Abstract verfügbare Datensatz weist die Zuordnung der acht Personen zu den beiden Algenarten nicht aus, misst keine Schilddrüsenhormone und keinen Trockenextrakt. Der Befund zeigt eine erhebliche Jodaufnahme aus den rohen Algenproben, nicht die Wirkung eines Chondrus-crispus-Extrakts auf die Schilddrüsenfunktion
Quellen: 4
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04
Darmflora und kurzkettige Fettsäuren nach oralem Verzehr, Ratten-, Hühner- und In-vitro-Modell mit menschlichem Stuhlmaterial
Nur Labor und TierEinordnung und Einschränkungen
Im freien Volltext zeigten Liu und Kollegen 2015 bei entwöhnten Ratten, dass ein mit 2,5 Prozent Chondrus crispus angereichertes Futter gegenüber einem Kontrollfutter die Menge des Bakteriums Bifidobacterium breve im Dickdarm erhöhte (4,9-fach, p gleich 0,001), die Konzentration kurzkettiger Fettsäuren im Stuhl steigerte und die Schleimhautstruktur des proximalen Dickdarms verbesserte. Die proprietäre Algenlinie kam von Acadian Seaplants, das Unternehmen war an der Finanzierung beteiligt und mehrere Autoren waren dort beschäftigt [5]. Kulshreshtha und Kollegen fanden 2014 bei Legehennen unter 0,5 bis 2 Prozent Chondrus-crispus-Futterzusatz eine Zunahme mehrerer Bakteriengruppen und höhere Konzentrationen kurzkettiger Fettsäuren im Blinddarminhalt [6]. López-Santamarina und Kollegen zeigten 2025 in einem In-vitro-Fermentationsmodell mit menschlichem Stuhlmaterial Verschiebungen mehrerer Bakteriengruppen, darunter Akkermansia muciniphila [7]. Alle drei Untersuchungen fanden an Tieren beziehungsweise in einem Labormodell statt, keine an lebenden Menschen. Zur traditionell zugeschriebenen reizlindernden Wirkung auf die Magen-Darm-Schleimhaut ergaben getrennte Suchen keinen zurechenbaren Treffer
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05
Immunreaktion im Fadenwurm- und Zellmodell
Nur Labor und TierEinordnung und Einschränkungen
Der freie Volltext von Liu und Kollegen zeigte 2013 im Fadenwurm Caenorhabditis elegans, dass ein Wasserextrakt aus einer proprietären, von Acadian Seaplants kultivierten Chondrus-crispus-Linie mehrere angeborene Immungene um mehr als das Zweifache hochregulierte und die durch Pseudomonas aeruginosa verursachte Sterblichkeit der Würmer um 28 Prozent senkte. Kappa-Carrageen trug wesentlich zu diesem Effekt bei. Zwei Autoren waren bei Acadian Seaplants beschäftigt [8]. Der freie Volltext einer Übersichtsarbeit fasste 2024 weitere Zell- und Tierbefunde zusammen und fordert vor klinischen Studien zunächst zusätzliche Zell- und Tierstudien [9]. Keiner der zugrunde liegenden Befunde stammt aus einer Einnahmestudie an lebenden Menschen
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06
Akute Entzündungsreaktion durch Carrageen im Tiermodell und gemischte Entzündungsmarker unter Chondrus-crispus-Lipidextrakt im Zellmodell
Nur Labor und TierEinordnung und Einschränkungen
Carrageen dient in der Grundlagenforschung als Reiz, um Entzündung auszulösen. Barth und Kollegen zeigten 2016 nach einer Carrageen-Injektion bei Mäusen im Bauchfell Neutrophilen-Fallen und reaktive Sauerstoffspezies [11]. Im freien Volltext zeigten Charlie-Silva und Kollegen 2022 nach Lambda-Carrageen-Injektion bei Zebrafischen eine akute systemische Entzündungsreaktion mit zahlreichen veränderten Plasmaproteinen [10]. Das ist kein oraler Chondrus-crispus-Extrakt. Im freien Volltext prüften Robertson und Kollegen 2015 Lipidextrakte mehrerer Algen an stimulierten menschlichen THP-1-Fresszellen. Für Chondrus crispus waren IL-6 und IL-8 nicht signifikant gesenkt, TNF-alpha stieg signifikant. Zugleich waren mehrere entzündungsbezogene Gene herunterreguliert, allerdings schwach und mit hoher Streuung. Die Autoren ordneten Chondrus crispus als den Extrakt mit dem geringsten entzündungshemmenden Potenzial ein [12]. Alle Befunde stammen aus Tier- oder Zellmodellen, keiner aus Studien an lebenden Menschen
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07
Zellschutz vor Reaktionsprodukten des Zuckerstoffwechsels (Methylglyoxal) durch isolierte Einzelstoffe aus Chondrus crispus, Zellmodell
Nur Labor und TierEinordnung und Einschränkungen
Im freien Volltext zeigten Hanna und Kollegen 2026 an einer menschlichen Leberzelllinie (HepG2), dass die aus Chondrus crispus isolierten Guanylurea-Verbindungen Gongrine und Gigartinine Methylglyoxal abfingen. Nach gemeinsamer Inkubation blieben 35,9 beziehungsweise 40,5 Prozent Methylglyoxal übrig, gegenüber 42,2 Prozent unter Metformin. Die Zellviabilität lag nach Methylglyoxal allein bei 21,3 Prozent, zusammen mit Gongrine bei 64,7 Prozent und mit Gigartinine bei 67,3 Prozent. Geprüft wurden isolierte Einzelstoffe in vier Zellkulturreplikaten, nicht der Gesamtextrakt und nicht lebende Menschen oder Tiere. Die Arbeit wurde öffentlich finanziert, Interessenkonflikte wurden verneint [13]
Quellen: 13
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08
Hautgesundheit und Kollagenbildung
Keine Studien gefundenEinordnung und Einschränkungen
Wir haben gezielt nach Human-, Tier- und Zellstudien zu Chondrus crispus und Hautgesundheit beziehungsweise Kollagenbildung gesucht, mit den Suchbegriffen skin und collagen, jeweils mit und ohne Humanfilter. Außer einer Studie zur lokalen Entzündungsreaktion nach Carrageen-Injektion in Fischhaut, die keine Aussage zu Hautgesundheit oder Kollagenbildung erlaubt, ergab sich kein Treffer
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09
Körpergewicht, Stoffwechsel und Sättigung
Keine Studien gefundenEinordnung und Einschränkungen
Wir haben nach Human-, Tier- und Zellstudien zu Chondrus crispus und Körpergewicht, Stoffwechsel, Übergewicht oder Sättigung gesucht, mit den Suchbegriffen obesity, weight loss und satiety, jeweils mit und ohne Humanfilter, und dabei keinen einzigen Treffer erhalten. Eine registrierte Humanstudie zu Sensorik und Sättigung nach einer Mahlzeit mit Chondrus crispus läuft nach unserem Kenntnisstand (ClinicalTrials NCT07127393), Ergebnisse liegen noch nicht vor
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10
Vitalität, Libido und Testosteronspiegel
Keine Studien gefundenEinordnung und Einschränkungen
Wir haben nach Human-, Tier- und Zellstudien zu Chondrus crispus und Energie beziehungsweise Vitalität, Libido oder Testosteron gesucht, mit den Suchbegriffen energy, libido und testosterone, jeweils mit und ohne Humanfilter. Zur Libido und zum Testosteron ergab sich kein einziger Treffer, zur Energie fanden sich zwei Arbeiten, die aber ausschließlich den Elementgehalt beziehungsweise die Zusammensetzung der Alge analysierten und keinen Bezug zu Vitalität oder Energielevel bei Menschen oder Tieren herstellten
Irischer Seemoos (Chondrus crispus) ist ein Stoff mit einer sehr dünnen Humandatenlage für die orale Einnahme. Praktisch die gesamte verfügbare Forschung betrifft entweder die rohe, getrocknete Alge, isolierte Carrageen-Fraktionen in einer ganz anderen Darreichungsform (Nasenspray statt zum Schlucken) oder Zell- und Tiermodelle. Für einen oral eingenommenen Trockenextrakt selbst liegt keine einzige eigene Studie vor, weder zu Atemwegen noch zu einer der anderen breit beworbenen Wirkungen von Seemoos. Eine gezielte Suche nach Chondrus-crispus-Extrakt in Kombination mit oraler Einnahme, Supplement oder klinischer Studie bestätigt dieses Bild. Der wichtigste Punkt dieses Eintrags ist deshalb nicht eine Wirkung, sondern zum einen diese fehlende Übertragbarkeit von der nasalen auf die orale Anwendung und zum anderen der Sicherheitsabschnitt zum stark schwankenden Jodgehalt weiter unten.
Studien im Detail
Carrageen-Nasenspray gegen Erkältungssymptome, nicht auf orale Einnahme übertragbar
Drei plazebokontrollierte, randomisierte Studien prüften ein aufgereinigtes Iota-Carrageen als Nasenspray gegen Erkältungssymptome. Wichtig vorweg, keine dieser Studien prüft einen oral eingenommenen Chondrus-crispus-Extrakt, sondern ein aus der Algengruppe gewonnenes, aufgereinigtes Einzelmolekül, das lokal auf die Nasenschleimhaut aufgetragen wird, nicht geschluckt.
Ludwig und Kollegen behandelten 2013 211 erwachsene Personen mit beginnenden Erkältungssymptomen 7 Tage lang dreimal täglich mit dem Nasenspray oder einer Kochsalzlösung als Placebo [1]. Der vorab festgelegte primäre Endpunkt, die Krankheitsdauer, wurde nach der im Studienverlauf noch vor der Entblindung geänderten Definition verfehlt. In der Untergruppe mit laborbestätigter Virusinfektion und Protokolltreue linderten sich die Symptome 2,1 Tage schneller als unter Placebo (p gleich 0,037). Die Virusmenge im Nasensekret sank zwischen Tag 1 und 3 beziehungsweise 4 in der Intention-to-treat-Population signifikant stärker (p gleich 0,024) und ebenso in der Protokoll-treuen Population (p gleich 0,018).
Fazekas und Kollegen prüften 2012 an 153 Kindern zwischen 1 und 18 Jahren denselben Wirkstofftyp gegen Kochsalzlösung über 7 Tage [2]. Der primäre Endpunkt, der mittlere Symptomscore zwischen Tag 2 und 7, zeigte keinen Unterschied zwischen den Gruppen. Sekundäre Endpunkte fielen zugunsten von Carrageen aus, die Zeit bis zur Symptomfreiheit verkürzte sich (7,6 gegenüber 9,4 Tage, p gleich 0,038), die Virusmenge sank stärker (p gleich 0,026) und Folgeinfektionen mit weiteren Atemwegsviren traten seltener auf (p gleich 0,046).
Halley und Kollegen prüften 2023 an 102 Erwachsenen die vorbeugende, tägliche Anwendung über 8 Wochen [3]. Es zeigte sich eine durchgängige, aber statistisch nicht signifikante Reduktion der Erkältungssymptome gegenüber Placebo, bei niedriger Einnahmetreue.
Einordnung, in zwei von drei Studien wurde der primäre, auf Symptome bezogene Endpunkt verfehlt, während die Virusmenge im Nasensekret in den beiden Studien, die sie maßen, wiederholt zugunsten von Carrageen ausfiel. Für einen oral eingenommenen Seemoos-Extrakt lässt sich aus diesen Studien nichts ableiten, weder zum Wirkstoff (aufgereinigtes Iota-Carrageen statt Gesamtextrakt) noch zur Darreichungsform (lokal in der Nase statt geschluckt) noch zur Dosis. Eine Wirkung, die lokal auf der Nasenschleimhaut auftritt, sagt nichts darüber aus, ob und wie ein geschluckter, systemisch verstoffwechselter Extrakt wirkt.
Jodaufnahme aus dem Verzehr roher Rotalge
Andersen und Kollegen ließen 2019 acht erwachsene Personen in Ostgrönland jeweils 45 Gramm einer Haushaltsprobe der Algenarten Chondrus crispus oder Ascophyllum nodosum verzehren und maßen die Jodausscheidung im Urin über die folgenden zwei Tage [4]. Von den mit der Algenportion aufgenommenen 2,1 beziehungsweise 4,6 Milligramm Jod wurden 1,1 beziehungsweise 1,9 Milligramm innerhalb von zwei Tagen im Urin wiedergefunden. Das in der rohen Alge enthaltene Jod wird demnach zu einem erheblichen Teil vom Körper aufgenommen.
Einschränkung, die Studie hat keine Kontrollgruppe. Das Abstract berichtet die Jodwerte für die beiden Algenarten getrennt, weist die Zuordnung der acht Personen zu den Arten aber nicht aus. Die Studie misst keine Schilddrüsenhormone und prüft eine rohe Algenportion, keinen Trockenextrakt. Der Befund ist vor allem für den folgenden Sicherheitsabschnitt von Bedeutung, nicht als Beleg für eine Wirkung auf die Schilddrüsenfunktion.
Tier- und Laborstudien
Zur Darmflora liegen drei Untersuchungen vor, keine an lebenden Menschen. Liu und Kollegen zeigten 2015 bei entwöhnten Ratten, dass ein mit 2,5 Prozent Chondrus crispus angereichertes Futter gegenüber einem Kontrollfutter die Menge des Bakteriums Bifidobacterium breve im Dickdarm erhöhte (4,9-fach, p gleich 0,001), die Konzentration kurzkettiger Fettsäuren im Stuhl steigerte und die Schleimhautstruktur des proximalen Dickdarms verbesserte [5]. Kulshreshtha und Kollegen fanden 2014 bei Legehennen unter 0,5 bis 2 Prozent Chondrus-crispus-Futterzusatz eine Zunahme mehrerer als günstig geltender Bakteriengruppen und höhere Konzentrationen kurzkettiger Fettsäuren im Blinddarminhalt [6]. López-Santamarina und Kollegen zeigten 2025 in einem In-vitro-Fermentationsmodell mit menschlichem Stuhlmaterial, dass die Verdauung von Chondrus crispus die Häufigkeit mehrerer als günstig geltender Bakteriengruppen erhöhte, darunter Akkermansia muciniphila [7].
Zur Immunreaktion zeigten Liu und Kollegen 2013 im Fadenwurm Caenorhabditis elegans, dass ein Wasserextrakt aus Chondrus crispus mehrere angeborene Immungene um mehr als das Zweifache hochregulierte und die durch das Bakterium Pseudomonas aeruginosa verursachte Sterblichkeit der Würmer um 28 Prozent senkte, ein darin enthaltenes Kappa-Carrageen trug wesentlich zu diesem Effekt bei [8]. Eine Übersichtsarbeit zu den chemischen Bestandteilen und biologischen Eigenschaften der Gattung Chondrus fasst 2024 zusätzlich Zell- und Tierbefunde zu Immunmodulation, Entzündung und weiteren Bereichen zusammen, stellt aber ausdrücklich fest, dass die Datenlage zu klinischen Studien begrenzt sei [9].
Zur Entzündungsreaktion ist die Befundlage gegenläufig zu dem, was der Name Carrageen in der Nahrungsergänzung nahelegt. Carrageen aus Chondrus crispus dient in der Grundlagenforschung seit Jahrzehnten als Standardreiz, um in Tiermodellen gezielt eine Entzündung auszulösen, nicht um sie zu behandeln. Barth und Kollegen zeigten 2016, dass eine Carrageen-Injektion bei Mäusen im Bauchfell die Bildung von Neutrophilen-Fallen (NETs) sowie reaktive Sauerstoffspezies auslöste [11]. Charlie-Silva und Kollegen zeigten 2022 bei Zebrafischen nach Carrageen-Injektion eine systemische Entzündungsreaktion mit Überexpression zahlreicher Plasmaproteine [10]. In die andere Richtung prüfte eine Zellstudie von Robertson und Kollegen aus 2015 Lipidextrakte dreier Rotalgen, darunter Chondrus crispus, an mit einem bakteriellen Reiz stimulierten menschlichen Fresszellen (THP-1) [12]. Eine signifikante Senkung der entzündungsfördernden Botenstoffe Interleukin-6 und Interleukin-8 berichten die Autoren dabei ausdrücklich nur für die Lipidextrakte der beiden anderen getesteten Rotalgen, nicht für Chondrus crispus.
Zum Zuckerstoffwechsel zeigten Hanna und Kollegen 2026 an einer menschlichen Leberzelllinie (HepG2), dass die aus Chondrus crispus isolierten Einzelstoffe Gongrin und Gigartinin, chemisch verwandt mit dem Wirkstoff Metformin, das reaktive Stoffwechselprodukt Methylglyoxal abfingen und die dadurch verursachte Verringerung der Zellviabilität abschwächten [13]. Geprüft wurden isolierte Einzelstoffe, nicht der Gesamtextrakt, ausschließlich an einer Zelllinie.
Alle in diesem Abschnitt beschriebenen Untersuchungen fanden an Zellkulturen oder lebenden Tieren statt, nicht an Menschen. Daraus folgt keine Aussage darüber, ob und in welchem Ausmaß sich ein vergleichbarer Effekt bei oraler Einnahme des Extrakts beim Menschen einstellt.
Sicherheit und Wechselwirkungen
Jodgehalt, der zentrale Sicherheitspunkt
Rotalgen wie Chondrus crispus können erhebliche und, je nach Herkunft, Erntezeitpunkt und Verarbeitung, stark schwankende Jodmengen enthalten. Für Chondrus crispus selbst liegen zwei sehr unterschiedliche publizierte Werte vor. Eine Risikoabschätzung an 30 Proben ermittelte per Redoxtitration einen Mittelwert von 3,86 plus minus 1,49 Milligramm Jod pro Kilogramm Trockengewicht [15]. Die aktuelle Stellungnahme des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) vom August 2026 nennt für dieselbe Art, gestützt auf mehrere wissenschaftliche Publikationen, eine deutlich weitere Spanne von 50 bis 500 Milligramm Jod pro Kilogramm Trockengewicht [14]. Eine unabhängige Elementanalyse mehrerer Speisealgen bestätigt, dass sich der Jodgehalt zwischen und innerhalb von Algenarten um mehrere Größenordnungen unterscheiden kann [16], und eine Fütterungsstudie an Milchkühen zeigt, dass die Jodaufnahme, die Jodausscheidung über Kot und Urin sowie der Jodgehalt der Milch linear mit der verfütterten Chondrus-crispus-Menge zunahmen [17], ein weiterer Beleg dafür, dass der Jodgehalt der Alge sich unmittelbar in der aufgenommenen Jodmenge niederschlägt.
Für einen oral eingenommenen Trockenextrakt lässt sich die tatsächlich aufgenommene Jodmenge ohne Angabe des Jodgehalts und des Drogen-Extrakt-Verhältnisses des jeweiligen Rohstoffs nicht verlässlich abschätzen. Ein konzentrierender Extraktionsprozess könnte den Wert gegenüber der Rohalge deutlich erhöhen, und die oben beschriebene Spanne von mehr als dem Hundertfachen zwischen zwei publizierten Werten zeigt, wie unsicher jede Einzelabschätzung ohne eigene Analyse des verwendeten Rohstoffs bleibt.
Das BfR empfiehlt aus Vorsorgegründen eine Kennzeichnung des Jodgehalts auf verzehrfertigen Algenprodukten zusammen mit Verzehrempfehlungen und ergänzenden Warnhinweisen, insbesondere zum Schutz von Schwangeren, Stillenden sowie Personen mit Schilddrüsenerkrankungen oder eingeschränkter Nierenfunktion, da bereits einzelne sehr hohe Jodaufnahmen bei diesen Gruppen die Schilddrüsenfunktion beeinträchtigen können [14]. Der von der EFSA abgeleitete tolerierbare obere Aufnahmewert für Jod bei Erwachsenen liegt bei 600 Mikrogramm pro Tag, den das BfR seiner Bewertung zugrunde legt [14].
Verträglichkeit allgemein
Carrageen aus Chondrus crispus wird seit langem breit als Lebensmittel und Lebensmittelzusatzstoff (E 407) verzehrt. Eine Übersichtsarbeit zu food-grade Carrageenanen beschreibt den Stoff zwar als allgemein als sicher eingestuft (GRAS), hält die Diskussion um mögliche entzündungsfördernde Effekte im Magen-Darm-Trakt bei hoher, chronischer Zufuhr, vor allem aus verarbeiteten Lebensmitteln, aber ausdrücklich für nicht abschließend geklärt und strukturabhängig [18]. Diese Übersichtsarbeit betrifft Carrageenane als Lebensmittelzusatzstoff allgemein, nicht spezifisch einen oral eingenommenen Chondrus-crispus-Extrakt in einer für Nahrungsergänzung üblichen Dosis. Wir haben dazu keine eigene vertiefte Recherche durchgeführt.
Zu Wechselwirkungen mit Medikamenten, insbesondere mit Schilddrüsenmedikamenten, liegt uns keine eigene geprüfte Quelle vor.
Quellen zum Nachlesen
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01
RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, n gleich 211, Nasenspray nicht oral · 2013
Efficacy of a carrageenan nasal spray in patients with common cold, a randomized controlled trial
Ludwig M, Enzenhofer E, Schneider S, Rauch M, Bodenteich A, Neumann K, Prieschl-Grassauer E, Grassauer A, Lion T, Mueller CA. Respir Res
Zur Zuschreibung: 02
-
02
RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, Kinder, n gleich 153, Nasenspray nicht oral · 2012
Lessons learned from a double-blind randomised placebo-controlled study with a iota-carrageenan nasal spray as medical device in children with acute symptoms of common cold
Fazekas T, Eickhoff P, Pruckner N, Vollnhofer G, Fischmeister G, Diakos C, Rauch M, Verdianz M, Zoubek A, Gadner H, Lion T. BMC Complement Altern Med
Zur Zuschreibung: 02
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03
RCT, plazebokontrolliert, vorbeugende Anwendung, n gleich 102, Nasenspray nicht oral · 2023
Preventing upper respiratory tract infections with prophylactic nasal carrageenan, a feasibility study
Halley C, Honeywill C, Kang J, Pierse N, Robertson O, Rawlinson W, Stelzer-Braid S, Willink R, Crane J. Future Microbiol
Zur Zuschreibung: 02
- 04
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05
Tierstudie, Ratten · 2015
Prebiotic effects of diet supplemented with the cultivated red seaweed Chondrus crispus or with fructo-oligo-saccharide on host immunity, colonic microbiota and gut microbial metabolites
Liu J, Kandasamy S, Zhang J, Kirby CW, Karakach T, Hafting J, Critchley AT, Evans F, Prithiviraj B. BMC Complement Altern Med
Zur Zuschreibung: 04
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06
Tierstudie, veterinärmedizinisches RCT, Legehennen · 2014
Feed supplementation with red seaweeds, Chondrus crispus and Sarcodiotheca gaudichaudii, affects performance, egg quality, and gut microbiota of layer hens
Kulshreshtha G, Rathgeber B, Stratton G, Thomas N, Evans F, Critchley A, Hafting J, Prithiviraj B. Poult Sci
Zur Zuschreibung: 04
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07
Laborstudie, In-vitro-Fermentationsmodell mit menschlichem Stuhlmaterial · 2025
Modulatory effects of red seaweeds (Palmaria palmata, Porphyra umbilicalis and Chondrus crispus) on the human gut microbiota via an in vitro model
López-Santamarina A, Cardelle-Cobas A, Mondragón Portocarrero ADC, Cepeda Sáez A, Miranda JM. Food Chem
Zur Zuschreibung: 04
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08
Laborstudie, Fadenwurm Caenorhabditis elegans · 2013
Components of the cultivated red seaweed Chondrus crispus enhance the immune response of Caenorhabditis elegans to Pseudomonas aeruginosa through the pmk-1, daf-2/daf-16, and skn-1 pathways
Liu J, Hafting J, Critchley AT, Banskota AH, Prithiviraj B. Appl Environ Microbiol
Zur Zuschreibung: 05
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09
Übersichtsarbeit zu chemischen Bestandteilen und biologischen Eigenschaften der Gattung Chondrus · 2024
An Update on the Chemical Constituents and Biological Properties of Selected Species of an Underpinned Genus of Red Algae, Chondrus
Park SJ, Sharma A, Lee HJ. Mar Drugs
Zur Zuschreibung: 05
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10
Tierstudie, Zebrafisch · 2022
Plasma proteome responses in zebrafish following λ-carrageenan-Induced inflammation are mediated by PMN leukocytes and correlate highly with their human counterparts
Charlie-Silva I, Feitosa NM, Pontes LG, Fernandes BH, Nóbrega RH, Gomes JMM, Prata MNL, Ferraris FK, Melo DC, Conde G, Rodrigues LF, Aracati MF, Corrêa-Junior JD, Manrique WG, Superio J, Garcez AS, Conceição K, Yoshimura TM, Núñez SC, Eto SF, Fernandes DC, Freitas AZ, Ribeiro MS, Nedoluzhko A, Lopes-Ferreira M, Borra RC, Barcellos LJG, Perez AC, Malafaia G, Cunha TM, Belo MAA, Galindo-Villegas J. Front Immunol
Zur Zuschreibung: 06
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12
Laborstudie, Zellkultur (menschliche THP-1-Fresszellen) · 2015
The Anti-Inflammatory Effect of Algae-Derived Lipid Extracts on Lipopolysaccharide (LPS)-Stimulated Human THP-1 Macrophages
Robertson RC, Guihéneuf F, Bahar B, Schmid M, Stengel DB, Fitzgerald GF, Ross RP, Stanton C. Mar Drugs
Zur Zuschreibung: 06
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13
Laborstudie, Zellkultur (menschliche Leberzelllinie HepG2) · 2026
Metformin-like Methylglyoxal Scavengers from Macroalgae Chondrus crispus and Gracilaria vermiculophyla Preserve Cell Viability
Hanna GS, Benjamin MM, Porcher L, Vijayraghavan S, Saini N, Hamann MT. Mar Drugs
Zur Zuschreibung: 07
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14
Behördliche Stellungnahme · 2026
Verbindliche Jod-Höchstgehalte in Algen können helfen, gesundheitlich bedenkliche Aufnahmemengen zu verringern
Bundesinstitut für Risikobewertung. BfR-Stellungnahme Nr. 044/2026
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17
Tierstudie, Milchkühe · 2025
Feeding incremental amounts of the red seaweed Chondrus crispus, Effects on production performance, methane emissions, nutrient utilization, and ruminal and iodine metabolism in dairy cows
Reyes DC, Sacramento JP, Quigley CTC, Twining BS, Michaud AB, Emerson D, Honisch B, Keleher O, Rahman MA, Price NN, Brito AF. J Dairy Sci
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Bei H.P.N
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