Kleinblütiges Weidenröschen Extrakt

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Pflanzenextrakte

Epilobium parviflorum · Epilobium parviflorum Schreb. · Willowherb · Small-flowered Willowherb

H.P.N · Datenstand 2026-09-08 · 9 Zuschreibungen im Überblick

Auf einen Blick

Was es ist
Ein Extrakt aus dem Kraut, also den oberirdischen Pflanzenteilen, des Kleinblütigen Weidenröschens, reich an dem Gerbstoff Oenothein B sowie an Flavonoiden wie Quercetin-3-O-Glucuronid und Myricetin-3-O-Rhamnosid
Botanische Herkunft
Epilobium parviflorum, ein in Europa heimischer Vertreter der Nachtkerzengewächse (Onagraceae) an feuchten Standorten, traditionell in Mitteleuropa bei Beschwerden der Prostata und der ableitenden Harnwege getrunken. Nah verwandt mit dem in Nordamerika verbreiteten Schmalblättrigen Weidenröschen (Epilobium angustifolium), aber eine eigene Art mit eigener, deutlich kleinerer Studienlage, siehe Abgrenzung unten
Wirkform in Studien
Uneinheitlich. Je nach Arbeit wässriger, wässrig-acetonischer, ethanolischer oder Glycerin-Extrakt aus dem getrockneten Kraut, fast nie mit Angabe eines standardisierten Oenothein-B-Gehalts. Nahezu alle Wirkdaten stammen aus Zellkultur- und Enzymversuchen, nicht aus Studien am Menschen
Übliche Studiendosis
Für den Einzelstoff liegt uns keine plazebokontrollierte Humanstudie vor, aus der sich eine Studiendosis ableiten ließe. Die einzige gefundene plazebokontrollierte Humanstudie prüfte eine Tageskapsel eines Fünffach-Kombinationspräparats über drei Monate, die enthaltene Menge an Kleinblütigem Weidenröschen wird darin nicht gesondert angegeben
Bekannt geworden durch
Die traditionelle mitteleuropäische Volksheilkunde, in der das Kraut bei Beschwerden der Prostata und der ableitenden Harnwege verwendet wurde
Verträglichkeit
Für den Einzelstoff liegt uns keine eigene Humanstudie zur Verträglichkeit vor. In der einzigen gefundenen Studie zu einem Kombinationspräparat mit Kleinblütigem Weidenröschen als einem von fünf Bestandteilen wurde die dreimonatige Einnahme als gut verträglich beschrieben, ohne dass sich eine Nebenwirkung dem Weidenröschen allein zuordnen ließe

Was diesem Stoff zugesprochen wird

Was die Studien hergeben.

Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.

  1. 01

    Miktionsbeschwerden nach dem Internationalen Prostata-Symptom-Score und Miktionsfrequenz bei Männern, in einer plazebokontrollierten Studie zu einem Fünffach-Kombinationspräparat

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    In einer randomisierten Studie zu einem Präparat aus fünf Pflanzenstoffen plus Lycopin sank der Symptom-Score und die Miktionsfrequenz stärker als unter Placebo. Kleinblütiges Weidenröschen war nur eine von fünf Zutaten, ein Beleg für den Einzelstoff ist das nicht.

    Ausführlicher Nachweis

    In einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Phase-II-Studie nahmen 57 Männer zwischen 40 und 80 Jahren mit ärztlich diagnostizierten Harnwegsbeschwerden drei Monate lang täglich eine Kapsel eines aus Cucurbita pepo, Kleinblütigem Weidenröschen, Lycopin, Pygeum africanum und Sägepalme (Serenoa repens) zusammengesetzten Präparats (ProstateEZE Max, n gleich 32) oder ein Placebo (n gleich 25) ein [1]. Primärer Endpunkt war der Internationale Prostata-Symptom-Score (IPSS), der in der Verumgruppe um 36 Prozent sank gegenüber 8 Prozent unter Placebo (p kleiner 0,05) [1]. Die Tagesfrequenz des Wasserlassens sank von 7,0 auf 5,9 Mal täglich (minus 15,6 Prozent) ohne Veränderung unter Placebo (6,2 auf 6,3 Mal, p kleiner 0,03), die Nachtfrequenz von 2,9 auf 1,8 Mal (minus 39,3 Prozent) gegenüber 2,8 auf 2,6 Mal unter Placebo (minus 7 Prozent, p kleiner 0,004) [1]. Das Abstract stellt diese beiden p-Werte jeweils hinter die Aussage, die Veränderung sei in der Verumgruppe signifikant gewesen und in der Placebogruppe nicht. Ob dahinter ein Test zwischen den beiden Gruppen steht oder zwei getrennte Tests innerhalb der Gruppen, geht daraus nicht hervor, und ohne freien Volltext war das nicht zu klären [1]. Uns liegt zu dieser Studie ausschließlich das Abstract vor, ein freier Volltext war nicht auffindbar, das PubMed-Feld zur Interessenerklärung ist leer, eine Prüfung von Förderhinweis oder Danksagung war deshalb nicht möglich, bei einem als Markenprodukt (ProstateEZE Max) geprüften Präparat ein offener Punkt [1]. Wichtiger noch, geprüft wurde ein Fünffach-Kombinationspräparat, Kleinblütiges Weidenröschen war darin nur einer von fünf Pflanzenbestandteilen neben Lycopin. Keine der berichteten Veränderungen lässt sich auf das Weidenröschen allein zurückführen, und uns liegt keine einzige plazebokontrollierte Humanstudie vor, die Kleinblütiges Weidenröschen als alleinigen Wirkstoff prüft.

    Quellen: 1

  2. 02

    Wachstum einer hormonabhängigen Zelllinie aus Prostatagewebe (LNCaP) und PSA-Sekretion in der Zellkultur

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    Kraut-Extrakte hemmten in Zellkulturversuchen das Wachstum einer aus Prostatagewebe stammenden Zelllinie und senkten deren PSA-Ausschüttung, reine Zellkulturdaten ohne Aussage zum Menschen.

    Ausführlicher Nachweis

    Eine polnische Arbeitsgruppe prüfte hydroalkoholische Extrakte aus dem Kraut von Epilobium angustifolium, Epilobium parviflorum und Epilobium hirsutum an der hormonabhängigen Prostatakrebs-Zelllinie LNCaP [2]. Alle drei Extrakte hemmten die Zellvermehrung mit einer mittleren wirksamen Konzentration (IC50) um rund 35 Mikrogramm pro Milliliter und senkten die Ausschüttung des prostataspezifischen Antigens (PSA) von 325,6 plus minus 25,3 auf etwa 90 Nanogramm pro Milliliter sowie die Arginase-Aktivität [2]. Das isolierte Oenothein B war unter den geprüften Einzelverbindungen der wirksamste Hemmstoff für alle drei genannten Endpunkte [2]. Uns liegt nur das Abstract vor, eine artspezifische Aufschlüsselung der drei genannten Zahlen auf Epilobium parviflorum allein gegenüber den beiden anderen geprüften Arten ist daraus nicht ersichtlich, ein freier Volltext war nicht auffindbar [2]. Reine Zellkulturdaten an einer Krebszelllinie, keine Tier- oder Humandaten, keine Übertragbarkeit auf eine Wirkung im menschlichen Körper.

    Quellen: 2

  3. 03

    Hemmung des Enzyms 5-alpha-Reduktase im zellfreien Enzym-Assay

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    Der wässrige Kraut-Extrakt hemmte in einem Laborversuch mit isoliertem Enzym die 5-alpha-Reduktase, als wirksames Molekül wurde Oenothein B identifiziert. Reiner Enzymversuch ohne Zell-, Tier- oder Humandaten.

    Ausführlicher Nachweis

    Eine französische Arbeitsgruppe prüfte Extrakte aus dem Kraut von Kleinblütigem Weidenröschen in einem biochemischen Assay mit isoliertem Enzym auf ihre Fähigkeit, die 5-alpha-Reduktase zu hemmen, ein Enzym, das Testosteron in das stärker wirksame Dihydrotestosteron umwandelt [3]. Der wässrige Extrakt zeigte die stärkste Hemmung, die dafür verantwortliche Verbindung wurde durch Aufreinigung als das makrozyklische Tannin Oenothein B identifiziert [3]. Der Versuch fand ausschließlich am isolierten Enzym statt, ohne Zellen, Tiere oder Menschen, eine Übertragung der Hemmwirkung auf den lebenden Organismus ist daraus nicht abzuleiten. Uns liegt nur das Abstract vor, einen quantitativen Hemmwert wie eine IC50 nennt es nicht.

    Quellen: 3

  4. 04

    Antioxidative Kapazität und Hemmung der Lipidperoxidation in zellfreien und zellbasierten Laborversuchen

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    In mehreren Laborarbeiten radikalfangende und vor oxidativem Stress schützende Wirkung des Kraut-Extrakts, jeweils in Zellkultur oder im Reagenzglas, keine Humandaten.

    Ausführlicher Nachweis

    Eine ungarische Arbeitsgruppe zeigte, dass ein wässrig-acetonischer Extrakt aus dem Kraut von Kleinblütigem Weidenröschen im DPPH-Radikalfängertest eine stärkere Wirkung zeigte als bekannte Referenz-Antioxidantien und die Lipidperoxidation im TBA-Test hemmte (IC50 gleich 2,37 plus minus 0,12 Milligramm pro Milliliter) [4]. In Konzentrationen von 0,2 bis 15,0 Mikrogramm pro Milliliter schützte der Extrakt kultivierte Fibroblasten vor oxidativer Schädigung, vergleichbar mit dem Enzym Katalase bei 250 internationalen Einheiten pro Milliliter [4]. Eine dritte, unabhängige Arbeit prüfte einen 40-prozentigen Ethanolextrakt aus dem Kraut im DPPH-Test und erreichte eine Hemmung von 92 plus minus 6 Prozent bei 10 Mikrogramm pro Mikroliter und noch 81 plus minus 6 Prozent bei 0,1 Mikrogramm pro Mikroliter, mit einer mittleren wirksamen Konzentration (IC50) von 0,014 Mikrogramm pro Mikroliter, dem stärksten Wert unter drei parallel geprüften Pflanzenextrakten aus verschiedenen Gattungen [6]. Alle Messungen sind reine Zellkultur- oder zellfreie Laborversuche ohne Tier- oder Humandaten.

    Quellen: 4, 6

  5. 05

    Hemmung der Prostaglandin-Synthese (COX-1 und COX-2) und der Stickoxid-Freisetzung in Zellversuchen

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    In Enzym- und Zellversuchen hemmte der Kraut-Extrakt beide Cyclooxygenase-Formen sowie die Stickoxid-Ausschüttung aktivierter Fresszellen, reine Labordaten.

    Ausführlicher Nachweis

    In derselben ungarischen Arbeit hemmte der Kraut-Extrakt die durch das Enzym Cyclooxygenase katalysierte Freisetzung von Prostaglandin E2 mit einer mittleren wirksamen Konzentration (IC50) von 1,4 plus minus 0,1 Mikrogramm pro Milliliter [4]. Eine südafrikanische Arbeitsgruppe bestätigte an einem ethanolischen Extrakt eine Hemmung sowohl der COX-1- als auch der COX-2-katalysierten Prostaglandin-Bildung sowie eine radikalfangende Wirkung zwischen 32 und 93 Prozent je nach Testansatz [7]. In LPS-stimulierten Maus-Makrophagen und Maus-Mikroglia-Zellen hemmte ein Glycerin- beziehungsweise Ethanolextrakt aus dem Kraut bei 1 Mikrogramm pro Mikroliter die Bildung reaktiver Sauerstoffspezies und die Stickoxid-Freisetzung deutlich, ohne die Lebensfähigkeit der Zellen zu beeinträchtigen, und band an A2A-Adenosinrezeptoren [6]. Alle drei Arbeiten sind Zellkultur- oder Enzymversuche, keine Tier- oder Humandaten, eine entzündungshemmende Wirkung im lebenden Organismus ist damit nicht gezeigt.

    Quellen: 4, 7, 6

  6. 06

    Bindung an Steroidhormon-Rezeptoren und Hemmung des Enzyms Aromatase in In-vitro-Versuchen

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine ungarische Arbeitsgruppe berichtet Rezeptorbindung und Aromatase-Hemmung in Laborversuchen, das englische Abstract nennt dazu keine Zahlenwerte.

    Ausführlicher Nachweis

    Dieselbe ungarische Arbeitsgruppe berichtet in einer zweiten, ungarischsprachigen Veröffentlichung mit englischem Abstract neben der antioxidativen und COX-hemmenden Wirkung auch eine agonistische beziehungsweise antagonistische Bindung des Kraut-Extrakts an Steroidhormonrezeptoren sowie eine Hemmung des Enzyms Aromatase, das Testosteron in Östrogen umwandelt [5]. Das englische Abstract selbst nennt weder Zahlenwerte noch Vergleichsdaten zu diesen beiden Befunden, ein Volltext lag uns nicht vor [5]. Reiner In-vitro-Befund ohne Tier- oder Humandaten, aus dem vorliegenden Abstract nicht im Einzelnen nachvollziehbar.

    Quellen: 5

  7. 07

    Wachstumshemmung von Escherichia coli und weiteren grampositiven und gramnegativen Bakterienstämmen der ableitenden Harnwege in vitro

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    Kraut-Extrakte hemmten in Reagenzglasversuchen das Wachstum mehrerer Bakterienarten der ableitenden Harnwege, reine Labordaten ohne Tier- oder Humanversuch.

    Ausführlicher Nachweis

    Eine südafrikanische Arbeitsgruppe zeigte, dass sowohl der wässrige als auch der ethanolische Extrakt aus dem Kraut von Kleinblütigem Weidenröschen das Wachstum von Escherichia coli hemmte, im Vergleich zu vier weiteren traditionell bei Harnwegsbeschwerden verwendeten Pflanzenextrakten [7]. Eine italienische Arbeitsgruppe prüfte 2025 aufgereinigte und rohe Extrakte aus dem Kraut von Kleinblütigem Weidenröschen sowie von Schmalblättrigem Weidenröschen (Epilobium angustifolium) und die darin als Hauptverbindung identifizierte Substanz Oenothein B (bis zu 327,57 Milligramm je Gramm Trockenextrakt) gegen ein Spektrum grampositiver und gramnegativer Bakterien, die als Erreger von Prostataentzündungen gelten, darunter Escherichia coli, Enterococcus faecalis, Staphylococcus aureus, Klebsiella pneumoniae und Pseudomonas aeruginosa [8]. Die minimalen Hemmkonzentrationen lagen für die aufgereinigten Extrakte und für Oenothein B zwischen 4 und 16 Mikrogramm pro Milliliter bei grampositiven und zwischen 8 und 1024 Mikrogramm pro Milliliter bei gramnegativen Bakterienstämmen, eine getrennte Aufschlüsselung nach der einzelnen Weidenröschen-Art nennt das Abstract nicht, ein freier Volltext war nicht auffindbar [8]. Drei der Autorinnen und Autoren sind laut Interessenerklärung bei der Extrakthersteller-Firma Indena S.p.A. angestellt, die das botanische Rohmaterial für die Untersuchung geliefert hat [8]. Beide Arbeiten sind reine Reagenzglasversuche, keine Tier- oder Humandaten, eine Wirkung gegen tatsächliche Infektionen im Körper ist damit nicht gezeigt.

    Quellen: 7, 8

  8. 08

    Prostatavolumen und Testosteronspiegel im Blut bei zwei Hunden mit gutartig vergrößerter Vorsteherdrüse, zwei Einzelfallberichte ohne Kontrollgruppe

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    Zwei veterinärmedizinische Einzelfallberichte an Hunden, in denen unter zweimonatiger Gabe Prostatavolumen und Testosteronspiegel sanken. Zwei Tiere, keine Kontrollgruppe, keine Aussage zum Menschen.

    Ausführlicher Nachweis

    In einer veterinärmedizinischen Arbeit erhielten zwei Hunde mit gutartig vergrößerter Vorsteherdrüse zwei Monate lang oral einen Extrakt aus Epilobium parviflorum, mit Ultraschallkontrolle an den Tagen 7, 15, 30 und 60 [11]. Das Prostatavolumen sank in beiden Fällen um 40 Prozent (Fall 1 von 81 auf 50 Kubikzentimeter, Fall 2 von 79 auf 44 Kubikzentimeter), der Testosteronspiegel im Blut um 30 Prozent im ersten Fall (749 auf 512 Nanogramm je Deziliter) und um 20 Prozent im zweiten Fall (220 auf 188 Nanogramm je Deziliter) [11]. Nebenwirkungen berichten die Autoren über die 60 Tage keine, einen Interessenkonflikt verneinen sie [11]. Es sind zwei Einzelfallberichte an Tieren, ohne Kontrollgruppe, ohne Verblindung und ohne Placebo, ein Rückgang lässt sich daraus nicht vom natürlichen Verlauf trennen, und die Tierart ist nicht der Mensch. Der Befund ist trotzdem bemerkenswert, weil er die im Labor gezeigte Wirkung auf den Hormonstoffwechsel erstmals in einem lebenden Organismus wiederfindet und damit den Vorbehalt im Sicherheitsabschnitt stützt.

    Quellen: 11

  9. 09

    Blutgefäßerweiternde und blutdrucksenkende Wirkung

    Keine Studien gefunden
    Einordnung und Einschränkungen

    Wir haben gezielt gesucht und keine eigene Studie zu Kleinblütigem Weidenröschen selbst gefunden, nur eine Übersichtsarbeit, die auf Versuche mit einer anderen ellagitanninhaltigen Pflanze verweist.

    Ausführlicher Nachweis

    Eine 2025 veröffentlichte narrative Übersichtsarbeit zur Gefäßgesundheit von Epilobium parviflorum beschreibt, der im Kraut enthaltene Gerbstoff Oenothein B könne über eine vermehrte Freisetzung von Stickstoffmonoxid gefäßerweiternd und blutdrucksenkend wirken [9]. Eine gezielte Suche nach einer Studie, die diese Wirkung tatsächlich an Epilobium parviflorum selbst geprüft hat, etwa an isolierten Aortenringen oder im Tiermodell, ergab keinen Treffer. Die einzige gefundene Arbeit zu einer gefäßerweiternden Wirkung von Oenothein B an isolierten Rattenaortenringen prüfte den Stoff nicht aus Epilobium parviflorum, sondern aus der brasilianischen Pflanze Cuphea carthagenensis, einer anderen Gattung, und fand einen blutdrucksenkenden Effekt an lebenden Ratten nur für den wässrigen Gesamtextrakt dieser anderen Pflanze, nicht gesondert für Oenothein B [10]. Zu Kleinblütigem Weidenröschen selbst liegt uns damit weder eine Tier- noch eine Zellstudie zu einer gefäßerweiternden oder blutdrucksenkenden Wirkung vor, nur eine Übersichtsarbeit, die den Wirkmechanismus des enthaltenen Gerbstoffs anhand von Studien an einer anderen Pflanzenart erklärt.

    Quellen: 9, 10

Studien im Detail

Die einzige placebokontrollierte Humanstudie prüft ein Kombinationspräparat

Coulson und Kollegen prüften 2013 in einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Phase-II-Studie ein Kapselpräparat namens ProstateEZE Max an 57 Männern zwischen 40 und 80 Jahren mit ärztlich diagnostizierten Harnwegsbeschwerden. Das Präparat enthielt neben Kleinblütigem Weidenröschen vier weitere Wirkstoffe, Kürbiskern (Cucurbita pepo), Lycopin, afrikanische Pflaume (Pygeum africanum) und Sägepalme (Serenoa repens). Nach drei Monaten war der Internationale Prostata-Symptom-Score (IPSS) in der Verumgruppe stärker gesunken als unter Placebo, ebenso die Tag- und Nachtfrequenz des Wasserlassens. Das Präparat wurde gut vertragen.

Für die Bewertung von Kleinblütigem Weidenröschen als Einzelstoff ist diese Studie nur begrenzt aussagekräftig. Fünf Wirkstoffe wurden gleichzeitig verabreicht, welcher Anteil der Wirkung auf das Weidenröschen entfällt, lässt sich aus dem Studiendesign nicht ableiten. Uns liegt zudem nur das Abstract vor, ein freier Volltext war nicht auffindbar, und das PubMed-Feld zur Interessenerklärung ist leer, sodass eine Prüfung auf eine Herstellerbindung bei einem als Markenprodukt geprüften Präparat nicht möglich war.

Zwei weitere in der Literatur kursierende Humanuntersuchungen zu Kombinationspräparaten mit Weidenröschen wurden bewusst nicht als Beleg für diesen Eintrag herangezogen. Eine Anwendungsbeobachtung zu einem Präparat namens Fluxonorm sowie eine präklinische Arbeit zu einem Präparat namens PhytoBPH-Mix verwenden beide ausdrücklich das Schmalblättrige Weidenröschen (Epilobium angustifolium) und nicht die hier behandelte Art. Eine dritte Untersuchung zu rektalen Zäpfchen mit Palmitoylethanolamid, Epilobium und Ringelblume nennt im Abstract nur die Gattung Epilobium ohne Artangabe und ist außerdem eine unkontrollierte Beobachtungsstudie ohne Placebogruppe. Für den vorliegenden Eintrag zählen solche Arbeiten weder als Beleg noch als Gegenbeleg, sie zeigen aber, wie oft unter dem Namen Weidenröschen tatsächlich eine andere Art oder ein nicht kontrolliertes Studiendesign steckt.

Zellkultur- und Enzymversuche zur Prostata

Mehrere Arbeitsgruppen haben untersucht, warum Kleinblütiges Weidenröschen traditionell bei Prostatabeschwerden verwendet wird, ausschließlich in Zellkultur und am isolierten Enzym. Lesuisse und Kollegen identifizierten 1996 das im Kraut enthaltene Tannin Oenothein B als die Verbindung, die in einem Enzym-Assay die 5-alpha-Reduktase hemmt, jenes Enzym, das Testosteron in das stärker wirksame Dihydrotestosteron umwandelt. Stolarczyk und Kollegen zeigten 2013, dass Kraut-Extrakte aus drei verschiedenen Weidenröschen-Arten, darunter Epilobium parviflorum, das Wachstum der hormonabhängigen Prostatakrebs-Zelllinie LNCaP hemmten und deren Ausschüttung des prostataspezifischen Antigens (PSA) senkten, mit Oenothein B erneut als der wirksamsten Einzelverbindung.

Diese Befunde erklären mögliche Wirkmechanismen, sie zeigen aber keine Wirkung im lebenden Organismus. Beide Arbeiten sind reine Labor- beziehungsweise Zellkulturversuche, keine Tier- oder Humandaten liegen aus ihnen vor.

Antioxidative, entzündungshemmende und antibakterielle Wirkung in vitro

Mehrere unabhängige Arbeitsgruppen aus Ungarn, Südafrika und Italien fanden in Zell- und Reagenzglasversuchen eine antioxidative, entzündungshemmende und antibakterielle Wirkung von Kraut-Extrakten aus Kleinblütigem Weidenröschen. Hevesi und Kollegen zeigten 2009 eine radikalfangende Wirkung, einen Schutz kultivierter Fibroblasten vor oxidativem Stress und eine Hemmung der Prostaglandin-Synthese über die Enzyme COX-1 und COX-2. Steenkamp und Kollegen bestätigten 2006 die COX-Hemmung und zeigten zusätzlich eine wachstumshemmende Wirkung des Extrakts gegen das Bakterium Escherichia coli. Merighi und Kollegen zeigten 2021 an LPS-stimulierten Maus-Makrophagen und Maus-Mikroglia-Zellen eine Hemmung der Bildung reaktiver Sauerstoffspezies und der Stickoxid-Freisetzung, bei gleichzeitig unbeeinträchtigter Zelllebensfähigkeit, und identifizierten eine Bindung an A2A-Adenosinrezeptoren als möglichen Mechanismus.

Barbarossa und Kollegen prüften 2025 aufgereinigte Extrakte aus zwei Weidenröschen-Arten sowie das isolierte Oenothein B gegen ein breites Spektrum an Bakterien, die als Erreger von Harnwegsinfekten und Prostataentzündungen gelten, mit deutlicher Hemmwirkung bei den meisten geprüften Stämmen. Drei der beteiligten Autorinnen und Autoren sind bei der Rohstofffirma Indena S.p.A. angestellt, die das pflanzliche Ausgangsmaterial für die Untersuchung lieferte, was die Interessenerklärung der Arbeit offen benennt.

Einordnung: Alle genannten Arbeiten sind reine Zellkultur-, Enzym- oder Reagenzglasversuche. Eine Übertragung dieser Befunde auf eine Wirkung am Menschen, etwa gegen eine tatsächliche Infektion oder eine Entzündung im Körper, ist aus ihnen nicht ableitbar.

Gefäßweite und Blutdruck, eine offene Frage

Eine 2025 veröffentlichte narrative Übersichtsarbeit zur Gefäßgesundheit von Epilobium parviflorum beschreibt einen möglichen Mechanismus, über den das im Kraut enthaltene Oenothein B durch eine vermehrte Freisetzung von Stickstoffmonoxid gefäßerweiternd und blutdrucksenkend wirken könnte. Eine gezielte Suche nach einer Studie, die diesen Mechanismus tatsächlich an Epilobium parviflorum selbst geprüft hat, blieb ohne Treffer. Die einzige gefundene Arbeit zu einer gefäßerweiternden Wirkung von Oenothein B untersuchte den Stoff aus einer ganz anderen Pflanze, der brasilianischen Cuphea carthagenensis, und fand einen blutdrucksenkenden Effekt an lebenden Tieren nur für den Gesamtextrakt dieser anderen Pflanze, nicht gesondert für Oenothein B. Diese Frage bleibt für Kleinblütiges Weidenröschen deshalb offen.

Abgrenzung, Kleinblütiges Weidenröschen gegenüber verwandten Weidenröschen-Arten

Die Gattung Epilobium (Weidenröschen) umfasst mehrere Arten, denen in der Literatur teils ähnliche, teils unterschiedliche Wirkungen zugeschrieben werden. Dieser Eintrag behandelt ausschließlich Epilobium parviflorum, das Kleinblütige Weidenröschen. Das in Nordamerika heimische und dort verbreitet als Nahrungsergänzung vermarktete Schmalblättrige Weidenröschen (Epilobium angustifolium) sowie das Große Weidenröschen (Epilobium hirsutum) sind eigene Arten mit eigener, hier nicht ausgewerteter Studienlage. Mehrere der in der Werbung häufig gemeinsam genannten Kombinationspräparate, etwa Fluxonorm und PhytoBPH-Mix, enthalten tatsächlich Epilobium angustifolium und nicht die hier behandelte Art, siehe die einzelnen Wirkungszeilen und das Kapitel zur einzigen Humanstudie oben.

Sicherheit und Wechselwirkungen

Für Kleinblütiges Weidenröschen als Einzelstoff liegt uns keine eigene Humanstudie zur Sicherheit oder zu Wechselwirkungen mit Medikamenten vor. In der einzigen gefundenen placebokontrollierten Humanstudie, die den Stoff als einen von fünf Bestandteilen eines Kombinationspräparats prüfte, wurde die dreimonatige Einnahme als gut verträglich beschrieben, ohne dass sich eine einzelne Nebenwirkung dem Weidenröschen zuordnen ließe.

Da in Laborversuchen sowohl eine Hemmung der 5-alpha-Reduktase als auch eine Bindung an Steroidhormonrezeptoren und eine Hemmung der Aromatase gezeigt wurden, ist bei einer bestehenden Hormontherapie, etwa im Rahmen einer Behandlung der Prostata oder einer Hormonersatztherapie, ärztliche Rücksprache vor der Einnahme sinnvoll. Diese Befunde stammen ausschließlich aus dem Labor und wurden am Menschen nicht geprüft.

Zu Schwangerschaft und Stillzeit liegt uns keine eigene geprüfte Quelle vor, eine ärztliche Rücksprache vor der Einnahme ist in diesem Fall grundsätzlich sinnvoll.

Quellen zum Nachlesen

  1. 01

    RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, Fünffach-Kombinationspräparat, n gleich 57 (32 vs 25), 3 Monate · 2013

    A phase II randomised double-blind placebo-controlled clinical trial investigating the efficacy and safety of ProstateEZE Max, a herbal medicine preparation for the management of symptoms of benign prostatic hypertrophy.

    Coulson S, et al. Complement Ther Med

    Zur Zuschreibung: 01

  2. 02

    In-vitro-Zellkulturstudie, LNCaP-Prostatakrebszellen, drei Epilobium-Arten parallel geprüft · 2013

    Extracts from Epilobium sp. herbs, their components and gut microbiota metabolites of Epilobium ellagitannins, urolithins, inhibit hormone-dependent prostate cancer cells-(LNCaP) proliferation and PSA secretion.

    Stolarczyk M, et al. Phytother Res

    Zur Zuschreibung: 02

  3. 03

    Biochemischer Enzym-Assay, isolierte 5-alpha-Reduktase · 1996

    Determination of oenothein B as the active 5-alpha-reductase-inhibiting principle of the folk medicine Epilobium parviflorum.

    Lesuisse D, et al. J Nat Prod

    Zur Zuschreibung: 03

  4. 04

    Zellfreie und zellbasierte Laborversuche (DPPH, TBA, Fibroblasten, COX-Hemmung) · 2009

    Antioxidant and antiinflammatory effect of Epilobium parviflorum Schreb.

    Hevesi BT, et al. Phytother Res

    Zur Zuschreibung: 04, 05

  5. 05

    In-vitro-Laborversuche (Antioxidation, COX-Hemmung, Rezeptorbindung, Aromatase-Hemmung), ungarischsprachig mit englischem Abstract · 2009

    Epilobium parviflorum, in vitro study of biological action.

    Hevesi Tóth B, Kéry A. Acta Pharm Hung

    Zur Zuschreibung: 06

  6. 06

    In-vitro-Zellkulturstudie, LPS-stimulierte Maus-Makrophagen (RAW264.7) und Maus-Mikroglia (N9), drei Pflanzenextrakte getrennt geprüft · 2021

    Antioxidant and Antiinflammatory Effects of Epilobium parviflorum, Melilotus officinalis and Cardiospermum halicacabum Plant Extracts in Macrophage and Microglial Cells.

    Merighi S, et al. Cells

    Zur Zuschreibung: 04, 05

  7. 07

    In-vitro-Laborversuche (Antibakteriell gegen E. coli, COX-1/2-Hemmung, Radikalfang), fünf Kräuter parallel geprüft · 2006

    Studies on antibacterial, anti-inflammatory and antioxidant activity of herbal remedies used in the treatment of benign prostatic hyperplasia and prostatitis.

    Steenkamp V, et al. J Ethnopharmacol

    Zur Zuschreibung: 05, 07

  8. 08

    In-vitro-Antimikrobiologie, zwei Epilobium-Arten und isoliertes Oenothein B gegen ein Erregerpanel · 2025

    Efficacy of Willow Herb (Epilobium angustifolium L. and E. parviflorum Schreb.) Crude and Purified Extracts and Oenothein B Against Prostatic Pathogens.

    Barbarossa A, et al. Antibiotics (Basel)

    Zur Zuschreibung: 07

  9. 09

    Narrative Übersichtsarbeit · 2025

    The Involvement of Epilobium parviflorum in Different Human Diseases, with Particular Attention to Its Antioxidant and Anti-Inflammatory Properties and Benefits to Vascular Health.

    Lewandowska K, Majewski MS. Nutrients

    Zur Zuschreibung: 09

  10. 10

    Tierstudie und In-vitro-Gefäßringversuch, andere Pflanzenart (Cuphea carthagenensis), nicht Epilobium · 2024

    Vasorelaxant effects of ellagitannins isolated from Cuphea carthagenensis.

    Isla KKY, et al. Planta Med

    Zur Zuschreibung: 09

  11. 11

    Veterinärmedizinische Einzelfallberichte, zwei Hunde, zwei Monate, ohne Kontrollgruppe · 2025

    Use of Epilobium parviflorum in the Treatment of Benign Prostatic Hyperplasia in Canines.

    Cazzuli G, Damián JP, Minini L, Ferreira F, Suárez G, Pessina P. Vet Med Sci

    Zur Zuschreibung: 08

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