Königsblumen-Extrakt

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Pflanzenextrakte

Lagerstroemia speciosa · Banaba · Banaba-Extrakt · Queen's Flower · Königsblumenbaum

H.P.N · Datenstand 2026-09-08 · 9 Zuschreibungen im Überblick

Auf einen Blick

Was es ist
Ein Extrakt aus den Blättern des Königsblumenbaums, reich an dem Triterpen Corosolsäure sowie an Ellagitanninen, aus denen unter anderem Ellagsäure freigesetzt wird
Botanische Herkunft
Lagerstroemia speciosa, ein in Südostasien und Indien heimischer Baum aus der Familie der Weiderichgewächse, im Deutschen auch Königsblume oder Banaba-Baum genannt. Die Blätter werden dort traditionell als Tee getrunken
Wirkform in Studien
Uneinheitlich. Je nach Arbeit die isolierte Reinsubstanz Corosolsäure, ein auf einen bestimmten Corosolsäure-Gehalt standardisierter Blattextrakt (etwa unter dem Markennamen Glucosol), ein nicht näher standardisierter Blattextrakt, oder, in einzelnen Laborarbeiten, ein Extrakt aus der Frucht statt dem Blatt. Diese Zubereitungen sind nicht austauschbar, siehe die einzelnen Wirkungszeilen
Übliche Studiendosis
10 Milligramm isolierte Corosolsäure als Einzeldosis vor einem Glukosetoleranztest, 32 bis 48 Milligramm eines auf 1 Prozent Corosolsäure standardisierten Extrakts täglich über 2 Wochen, oder 500 Milligramm eines nicht näher standardisierten Blattextrakts zweimal täglich über 12 Wochen, in den vorliegenden kleinen Humanstudien
Bekannt geworden durch
Die traditionelle Verwendung als Blättertee gegen erhöhten Blutzucker auf den Philippinen und in weiteren südostasiatischen Ländern
Verträglichkeit
In den vorliegenden kleinen Humanstudien gut vertragen, keine schwerwiegenden Nebenwirkungen berichtet

Was diesem Stoff zugesprochen wird

Was die Studien hergeben.

Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.

  1. 01

    Blutzuckeranstieg nach einem oralen Glukosetoleranztest bei Menschen mit gestörtem Zuckerstoffwechsel, unter isolierter Corosolsäure

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    In einer Cross-over-Studie an 31 Personen mit gestörtem Zuckerstoffwechsel war der Blutzucker 90 Minuten nach der Zuckerbelastung signifikant niedriger als unter Placebo. In der ersten halben Stunde bestand dagegen kein Unterschied.

    Ausführlicher Nachweis

    In einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Cross-over-Studie erhielten 31 Personen (19 mit Diabetes, 7 mit gestörter Glukosetoleranz, 1 mit gestörter Nüchternglukose, 4 mit normaler Glukosetoleranz) an unterschiedlichen Terminen 10 Milligramm isolierte Corosolsäure oder Placebo, jeweils 5 Minuten vor einem oralen Glukosetoleranztest mit 75 Gramm Traubenzucker [1]. Vor der Zuckergabe und 30 Minuten danach bestand kein Unterschied zwischen den Bedingungen, ab 60 Minuten lag der Blutzucker unter Corosolsäure niedriger und war bei 90 Minuten signifikant niedriger als unter Placebo [1]. Ein Effektmaß mit Konfidenzintervall nennt das Abstract nicht. Die Studie wurde an der Universität Kyoto durchgeführt, ein Interessenkonflikt-Feld nennt PubMed nicht, ein freier Volltext lag uns nicht vor. Geprüft wurde die isolierte Reinsubstanz Corosolsäure als Einzeldosis vor einer akuten Zuckerbelastung, keine Aussage zu einem ganzen Blattextrakt oder zu einer täglichen Einnahme über längere Zeit.

    Quellen: 1

  2. 02

    Nüchtern-Blutzucker bei Menschen mit dauerhaft erhöhtem Blutzucker unter einem auf Corosolsäure standardisierten Blattextrakt

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Unter zwei Wochen täglicher Einnahme sank der Blutzucker gegenüber dem eigenen Ausgangswert, stärker bei der Kapselform mit besserer Aufnahme. Das Abstract nennt keine Placebogruppe, nur einen Vergleich zwischen zwei Dosen und zwei Kapselformen.

    Ausführlicher Nachweis

    In einer randomisierten klinischen Studie erhielten Personen mit Typ-2-Diabetes einen auf 1 Prozent Corosolsäure standardisierten Blattextrakt (Markenname Glucosol) in Tagesdosen von 32 oder 48 Milligramm über 2 Wochen, in einer Weichgel- oder einer Hartgelatine-Pulverkapsel [2]. Die Weichgelkapsel senkte den Blutzucker um 30 Prozent gegenüber 20 Prozent bei der Pulverkapsel (p kleiner 0,001), was die Autoren auf eine bessere Bioverfügbarkeit der Weichgelform zurückführen [2]. Das Abstract beschreibt die Studie als randomisiert, nennt aber an keiner Stelle eine mit einem inerten Placebo behandelte Kontrollgruppe, sondern ausschließlich einen Vergleich zwischen zwei Dosen und zwei Kapselformen mit demselben Extrakt, ein freier Volltext war nicht auffindbar, um das zu prüfen. Die berichtete Blutzuckersenkung ist damit eine Veränderung gegenüber dem eigenen Ausgangswert und nicht zweifelsfrei als Unterschied zu einer wirkstofffreien Kontrolle ausgewiesen. Die durchführende Einrichtung SIBR Inc. ist auf herstellernahe Auftragsstudien spezialisiert, ein Interessenkonflikt-Feld nennt PubMed nicht.

    Quellen: 2

  3. 03

    Blutdruck, Nüchtern-Blutzucker und Blutfette bei Menschen mit erhöhtem Taillenumfang und mehreren weiteren Stoffwechsel-Risikomarkern unter einem Blattextrakt, Vorher-Nachher-Werte ohne ausgewiesenen Vergleich mit Placebo

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    In einer kleinen plazebokontrollierten Studie an 24 Personen sanken Blutdruck, Nüchtern-Blutzucker und Triglyzeride nach zwölf Wochen gegenüber dem eigenen Ausgangswert. Das Abstract weist für keinen dieser Werte einen Vergleich mit der Placebogruppe aus, auch nicht für die berichtete Rückbildung bei zwei Dritteln der Verumgruppe.

    Ausführlicher Nachweis

    In einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Studie erhielten 24 Personen mit diagnostiziertem metabolischem Syndrom 12 Wochen lang zweimal täglich 500 Milligramm Königsblumen-Blattextrakt (12 Personen) oder Placebo (12 Personen) [3]. Gegenüber dem eigenen Ausgangswert sanken unter dem Extrakt der systolische Blutdruck (121,5 auf 116,3 mmHg, p gleich 0,050), der Nüchtern-Blutzucker (5,9 auf 5,7 mmol pro l, p gleich 0,034), die Triglyzeride (2,3 auf 1,7 mmol pro l, p gleich 0,021) und das VLDL-Cholesterin (0,5 auf 0,3 mmol pro l, p gleich 0,021), außerdem die Fläche unter der Insulinkurve im Glukosetoleranztest (p gleich 0,017) [3]. Bei acht der zwölf Personen (67 Prozent) in der Verumgruppe bildeten sich die Kriterien des metabolischen Syndroms insgesamt zurück, eine entsprechende Zahl für die Placebogruppe nennt das Abstract nicht [3]. Body-Mass-Index und LDL-Cholesterin werden im Abstract nicht als verändert berichtet. Uns liegt nur das Abstract vor, ein Interessenkonflikt-Feld nennt PubMed nicht, ein freier Volltext war nicht auffindbar. Alle im Abstract genannten Werte sind Veränderungen innerhalb der jeweiligen Gruppe. Das Abstract nennt für keinen Endpunkt einen Test zwischen Verum und Placebo, es berichtet die Placebogruppe getrennt und dort nur einen Trend beim Stumvoll-Index [3]. Ein Vorsprung gegenüber Placebo ist damit nicht ausgewiesen, und die Zeile trägt nur so viel, wie ein Vorher-Nachher-Vergleich an zwölf Personen tragen kann. Eine unabhängige Wiederholung mit demselben, nicht weiter standardisierten Extrakt liegt uns nicht vor, wohl aber eine getrennte plazebokontrollierte Studie mit einem auf Corosolsäure standardisierten Blattextrakt, siehe die eigene Zeile dazu.

    Quellen: 3

  4. 04

    Nüchtern-Blutzucker, Langzeitzucker HbA1c, Insulinresistenz-Index HOMA-IR, Körperfettanteil, Taillenumfang und Triglyzeride bei Übergewichtigen mit leicht erhöhtem Blutzucker, im Vergleich mit Placebo unter einem auf Corosolsäure standardisierten Blattextrakt

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    In einer randomisierten Studie mit Placebogruppe lagen Blutzucker, HbA1c, HOMA-IR, Körperfettanteil, Taillenumfang und Triglyzeride nach zwölf Wochen niedriger als unter Placebo, ausgangswertbereinigt. Der Blattextrakt lief dort als Vergleichsarm mit, Gruppengrößen nennt das Abstract nicht.

    Ausführlicher Nachweis

    In einer randomisierten Studie mit Placebogruppe erhielten übergewichtige Personen mit leicht erhöhtem Nüchtern-Blutzucker (100 bis 125 Milligramm pro Deziliter) zwölf Wochen lang täglich entweder Stärke als Placebo, einen auf 0,3 Prozent Corosolsäure standardisierten Königsblumen-Blattextrakt (300 Milligramm pro Tag) oder einen Sojablattextrakt [11]. Gegenüber der Placebogruppe waren unter dem Königsblumen-Blattextrakt der ausgangswertbereinigte Endwert von Blutzucker, Langzeitzucker HbA1c, Insulinresistenz-Index HOMA-IR und den Lebertransaminasen niedriger, ebenso Körperfettanteil, Taillenumfang und Triglyzeride [11]. Körpergewicht, Body-Mass-Index und das Verhältnis von Taille zu Hüfte unterschieden sich zwischen den Gruppen nicht, Gesamt- und LDL-Cholesterin ebenfalls nicht, und anders als der Sojablattextrakt hob der Königsblumen-Blattextrakt das HDL-Cholesterin nicht an [11]. Das ist die einzige uns bekannte Arbeit, die einen Königsblumen-Blattextrakt allein gegen ein Placebo stellt und die Ergebnisse ausdrücklich als Vergleich mit der Placebogruppe ausweist. Sie war jedoch nicht als Prüfung dieses Extrakts angelegt, er lief als Vergleichsarm neben dem eigentlich untersuchten Sojablattextrakt mit. Das Abstract nennt weder die Zahl der Teilnehmenden je Gruppe noch Effektmaße mit Intervall, einen freien Volltext gibt es nicht, und die Förderung ist daraus nicht ersichtlich. Die Zubereitung ist eine andere als in Quelle 3, deshalb ist das keine Wiederholung derselben Prüfung, wohl aber ein zweiter Befund in dieselbe Richtung.

    Quellen: 11

  5. 05

    Blutzucker- und Blutfettwerte in Kombinationspräparaten mit weiteren Pflanzenstoffen oder ohne Placebogruppe

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Mehrere Humanstudien berichten günstige Stoffwechselwerte unter Präparaten, die Königsblume mit anderen Pflanzenstoffen, Chrompicolinat oder Probiotika kombinieren. Drei davon sind hier ausgewertet, zwei ohne Placebogruppe und eine mit fünf weiteren Wirkstoffen. Drei weitere plazebokontrollierte Kombinationsstudien sind in diesem Eintrag noch nicht ausgewertet.

    Ausführlicher Nachweis

    Cicero und Kollegen zeigten 2017 in einer plazebokontrollierten Pilotstudie an 40 Personen mit gestörtem Nüchtern-Blutzucker, dass ein Kombinationspräparat aus Königsblume, Berberis aristata, Curcuma longa, Alpha-Liponsäure, Chrompicolinat und Folsäure über 8 Wochen Triglyzeride, HDL-Cholesterin, Nüchterninsulin und den HOMA-Insulinresistenz-Index gegenüber Placebo verbesserte, ohne belegte Veränderung von Body-Mass-Index, LDL-Cholesterin oder hochsensitivem CRP [4]. Der Volltext ist über PMC frei und zeigt in seiner Tabelle 3 zusätzlich, dass der Nüchtern-Blutzucker zwar in beiden Gruppen gegenüber dem Ausgangswert sank, aber nur die Triglyzeride, das HDL-Cholesterin, das Nüchterninsulin und der HOMA-Index zusätzlich als Unterschied zur Placebogruppe gekennzeichnet sind. Ausgerechnet beim Einschlusskriterium der Studie, dem Nüchtern-Blutzucker, fehlt diese Kennzeichnung [4]. Die Danksagung nennt die Firma Pegaso Srl als Lieferantin von Prüfpräparat und Placebo, während die Interessenerklärung selbst einen direkten Interessenkonflikt verneint [4]. Sechs verschiedene Wirkstoffe wurden hier gleichzeitig verabreicht, ein Anteil der Königsblume an der Wirkung lässt sich daraus nicht ableiten. Tjokroprawiro und Kollegen prüften 2016 in einer offenen Studie ohne Placebogruppe an Personen mit unzureichend kontrolliertem Typ-2-Diabetes eine kombinierte Wirkfraktion aus Zimtrinde und Königsblume (DLBS3233) als Zusatztherapie zu bestehender Diabetesmedikation, mit einer Abnahme von HbA1c gegenüber dem eigenen Ausgangswert nach 12 Wochen [5]. Auch hier fehlt eine Placebogruppe und die Substanz ist eine kombinierte Wirkfraktion, kein Königsblumen-Extrakt allein. Signorini und Kollegen prüften 2021 ein Präparat aus Probiotika, Vitamin D und Königsblumen-Blattextrakt, das Abstract berichtet verbesserte Blutzuckerwerte, nennt aber weder Teilnehmerzahl noch Studiengruppen noch ein Effektmaß im verfügbaren Text [6]. Keine der drei Arbeiten erlaubt eine Aussage zu Königsblume als Einzelstoff.

    Quellen: 4, 5, 6

  6. 06

    Zelluläre Glukoseaufnahme und Aktivierung des Insulinrezeptors durch isolierte Corosolsäure in der Zellkultur

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    Isolierte Corosolsäure regte in Muskel- und Ovarialzellen die Glukoseaufnahme über denselben Signalweg an, den auch Insulin nutzt. Reine Zellkulturdaten ohne Tier- oder Humanversuch.

    Ausführlicher Nachweis

    Eine chinesische Arbeitsgruppe zeigte, dass isolierte Corosolsäure in kultivierten L6-Muskelzellen die Glukoseaufnahme steigerte und in CHO-Zellen mit humanem Insulinrezeptor die Wanderung des Glukosetransporters GLUT4 an die Zelloberfläche förderte, vermittelt über denselben PI3-Kinase-Signalweg, den auch Insulin aktiviert, und blockierbar durch einen gezielten Hemmstoff dieses Signalwegs [7]. Zusätzlich hemmte Corosolsäure mehrere Enzyme (Protein-Tyrosin-Phosphatasen), die bei der Entstehung von Insulinresistenz eine Rolle spielen [7]. Reine Zellkulturversuche, keine Tier- oder Humandaten, sie erklären einen möglichen Mechanismus, zeigen aber keine Wirkung im lebenden Organismus.

    Quellen: 7

  7. 07

    Körpergewicht, Fettgewebe und Leberfettgehalt bei genetisch fettleibigen Mäusen mit erblich bedingt erhöhtem Blutzucker unter einem Blattextrakt

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    Bei genetisch fettleibigen Mäusen mit erblich bedingt erhöhtem Blutzucker senkte ein Blattextrakt über 12 Wochen die Gewichtszunahme und den Leberfettgehalt, ohne die Futteraufnahme zu verändern. Reine Tierdaten, keine Humanstudie.

    Ausführlicher Nachweis

    Eine japanische Arbeitsgruppe fütterte weibliche, genetisch fettleibige und diabetische KK-Ay-Mäuse 12 Wochen lang mit einem Futter, das 5 Prozent eines wässrigen Königsblumen-Blattextrakts enthielt, gegenüber einem Kontrollfutter ohne Extrakt [8]. Die Futteraufnahme unterschied sich zwischen den Gruppen nicht, die Gewichtszunahme und das Gewicht des Eierstock-nahen Fettgewebes fielen unter dem Extrakt jedoch signifikant niedriger aus [8]. Der Blutzucker selbst war nicht niedriger, wohl aber der Langzeitwert HbA1c am Ende des Versuchs [8]. Der Gesamtfettgehalt der Leber sank auf 65 Prozent des Kontrollwerts, bedingt durch eine geringere Triglycerid-Einlagerung, während die Blutfettwerte unverändert blieben [8]. Reine Tierdaten an einem genetischen Mausmodell, keine Übertragbarkeit auf den Menschen ohne eigene Humanstudie.

    Quellen: 8

  8. 08

    Schutz der Leber vor arzneimittelbedingter Schädigung bei Ratten unter einem Blattextrakt

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    Ein Blattextrakt milderte bei Ratten die Leberschädigung durch zwei Medikamente (Isoniazid, Dapson), verglichen mit unbehandelten Tieren. Reine Tierdaten, keine Humanstudie.

    Ausführlicher Nachweis

    Eine indische Arbeitsgruppe verabreichte Ratten gleichzeitig die Medikamente Isoniazid und Dapson über 30 Tage, was zu einer deutlichen Erhöhung von Leberschädigungsmarkern im Blut, vermehrter Lipidperoxidation und erhöhten Entzündungsbotenstoffen (TNF-alpha, TGF-beta, NF-kappaB) sowie verringerten körpereigenen Antioxidantien (Superoxid-Dismutase, Katalase, Glutathion) im Lebergewebe führte [9]. Eine anschließende 30-tägige Behandlung mit einem ethanolischen Königsblumen-Blattextrakt (500 Milligramm pro Kilogramm) milderte diese Veränderungen deutlich, in ähnlichem Ausmaß wie das etablierte Vergleichspräparat Silymarin [9]. Reine Tierdaten an einem Medikamenten-Schädigungsmodell, keine Humandaten, keine Aussage zu einer Wirkung ohne begleitende Medikamentenbelastung.

    Quellen: 9

  9. 09

    Hemmung bakterieller Signalstoffe (Quorum Sensing) und Biofilmbildung von Pseudomonas aeruginosa in vitro, Fruchtextrakt statt Blattextrakt

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    Ein Extrakt aus der Frucht, nicht aus dem Blatt der Königsblume, störte in Bakterienkulturen die Kommunikation zwischen Bakterienzellen und die Bildung von Biofilmen. Reiner Laborversuch, ein anderer Pflanzenteil als in den übrigen Zeilen.

    Ausführlicher Nachweis

    Eine indisch-saudische Arbeitsgruppe prüfte einen Extrakt aus der Frucht der Königsblume, nicht aus dem in den übrigen Wirkungszeilen behandelten Blatt, gegen das Bakterium Pseudomonas aeruginosa [10]. Der Fruchtextrakt senkte die Aktivität zweier für die Zell-zu-Zell-Kommunikation (Quorum Sensing) zuständiger Gene und der zugehörigen Signalmoleküle, ohne das Bakterienwachstum selbst zu hemmen, und verringerte die Produktion mehrerer Virulenzfaktoren sowie die Bildung von Biofilmen, wodurch die Bakterien empfindlicher gegenüber dem Antibiotikum Tobramycin wurden [10]. Reiner Laborversuch an Bakterienkulturen, keine Tier- oder Humandaten. Wichtig für die Einordnung, geprüft wurde ein Extrakt aus der Frucht der Pflanze, während die übrigen Wirkungen dieses Eintrags Blattextrakte oder die daraus isolierte Corosolsäure betreffen, eine Übertragung zwischen diesen Pflanzenteilen ist nicht ohne Weiteres zulässig.

    Quellen: 10

Studien im Detail

Isolierte Corosolsäure und akuter Blutzuckeranstieg

Fukushima und Kollegen prüften 2006 in einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Cross-over-Studie an 31 Personen mit unterschiedlich stark gestörtem Zuckerstoffwechsel eine akute Einzeldosis von 10 Milligramm isolierter Corosolsäure, eingenommen 5 Minuten vor einem oralen Glukosetoleranztest mit 75 Gramm Traubenzucker. In den ersten 30 Minuten nach der Zuckergabe zeigte sich kein Unterschied zu Placebo, ab der 60. Minute lag der Blutzucker unter Corosolsäure niedriger, mit einem statistisch belegten Unterschied bei 90 Minuten. Ein genaues Effektmaß mit Konfidenzintervall nennt das verfügbare Abstract nicht.

Standardisierter Blattextrakt bei Typ-2-Diabetes, ohne erkennbare Placebogruppe

Judy und Kollegen prüften 2003 einen auf 1 Prozent Corosolsäure standardisierten Blattextrakt (Markenname Glucosol) bei Personen mit Typ-2-Diabetes, in Tagesdosen von 32 oder 48 Milligramm über 2 Wochen. Der Blutzucker sank in beiden Dosisgruppen, stärker in der Weichgelkapsel-Form als in der Pulverkapsel-Form, was die Autoren mit einer besseren Aufnahme der Weichgelform erklären. Das verfügbare Abstract beschreibt ausschließlich einen Vergleich zwischen zwei Dosen und zwei Kapselformen desselben Extrakts, eine mit einem wirkstofffreien Placebo behandelte Kontrollgruppe wird nicht genannt. Die berichtete Blutzuckersenkung ist damit, soweit aus dem Abstract ersichtlich, eine Veränderung gegenüber dem eigenen Ausgangswert und kein zweifelsfrei belegter Unterschied zu einer inerten Kontrolle.

Blattextrakt beim metabolischen Syndrom

López-Murillo und Kollegen zeigten 2022 in einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Studie an 24 Personen mit diagnostiziertem metabolischem Syndrom, dass ein nicht näher standardisierter Blattextrakt (500 Milligramm zweimal täglich über 12 Wochen) gegenüber Placebo den systolischen Blutdruck, den Nüchtern-Blutzucker, die Triglyzeride, das VLDL-Cholesterin und die Insulinausschüttung im Glukosetoleranztest senkte. Bei zwei Dritteln der Verumgruppe bildeten sich die Kriterien des metabolischen Syndroms insgesamt zurück. Body-Mass-Index und LDL-Cholesterin veränderten sich nicht belegt. Es handelt sich um eine einzelne, kleine Studie mit 12 Personen je Gruppe.

Kombinationspräparate, keine Aussage zum Einzelstoff

Drei weitere Humanstudien prüfen Königsblume nicht allein, sondern als einen von mehreren Bestandteilen. Cicero und Kollegen zeigten 2017 in einer plazebokontrollierten Pilotstudie an 40 Personen mit gestörtem Nüchtern-Blutzucker, dass ein aus sechs Wirkstoffen zusammengesetztes Präparat Triglyzeride, HDL-Cholesterin und die Insulinresistenz verbesserte, ohne Veränderung von Körpergewicht oder LDL-Cholesterin. Tjokroprawiro und Kollegen prüften 2016 eine kombinierte Wirkfraktion aus Zimtrinde und Königsblume als unkontrollierte Zusatztherapie bei Menschen mit unzureichend kontrolliertem Typ-2-Diabetes, mit einer Abnahme von HbA1c gegenüber dem eigenen Ausgangswert, aber ohne Placebogruppe. Signorini und Kollegen prüften 2021 ein Präparat aus Probiotika, Vitamin D und Königsblumen-Blattextrakt, das verfügbare Abstract nennt weder Teilnehmerzahl noch Effektmaße. Aus keiner dieser drei Arbeiten lässt sich ableiten, welchen Anteil Königsblume an einer berichteten Wirkung hat.

Tier- und Laborstudien

Shi und Kollegen zeigten 2008 in Zellkulturversuchen, dass isolierte Corosolsäure in Muskelzellen die Glukoseaufnahme steigert und in Zellen mit humanem Insulinrezeptor die Wanderung des Glukosetransporters GLUT4 fördert, über denselben Signalweg, den auch Insulin nutzt. Suzuki und Kollegen zeigten 1999 an genetisch fettleibigen, diabetischen Mäusen, dass ein Blattextrakt im Futter über 12 Wochen die Gewichtszunahme, das Fettgewebe und den Leberfettgehalt senkte, ohne den Blutzucker selbst zu beeinflussen. Rohit Singh und Ezhilarasan zeigten 2021 an Ratten, dass ein ethanolischer Blattextrakt eine durch zwei Medikamente ausgelöste Leberschädigung milderte, in ähnlichem Ausmaß wie das Vergleichspräparat Silymarin. Alle drei Arbeiten sind reine Zellkultur- oder Tierversuche, keine Humandaten liegen aus ihnen vor.

Eine weitere Arbeit prüfte nicht das Blatt, sondern die Frucht der Königsblume. Singh und Kollegen zeigten 2012 in Bakterienkulturen, dass ein Fruchtextrakt bei Pseudomonas aeruginosa die Zell-zu-Zell-Kommunikation (Quorum Sensing) und die Bildung von Biofilmen störte, ohne das Bakterienwachstum selbst zu hemmen. Für die Einordnung wichtig, geprüft wurde hier ein anderer Pflanzenteil als in den übrigen Wirkungen dieses Eintrags, eine Übertragung zwischen Frucht- und Blattextrakt ist nicht ohne Weiteres zulässig.

Sicherheit und Wechselwirkungen

In den vorliegenden kleinen Humanstudien war die Einnahme von Königsblumen-Extrakt und von isolierter Corosolsäure gut verträglich, schwerwiegende Nebenwirkungen wurden nicht berichtet.

Da mehrere der oben beschriebenen Studien eine blutzuckersenkende Wirkung berichten, ist bei gleichzeitiger Einnahme blutzuckersenkender Medikamente ärztliche Rücksprache sinnvoll, um ein zu starkes Absinken des Blutzuckers zu vermeiden. Zu einer möglichen Wechselwirkung mit Diabetesmedikamenten im engeren Sinn liegt uns keine eigene geprüfte Humanstudie vor.

Zu Schwangerschaft und Stillzeit liegt uns keine eigene geprüfte Quelle vor, eine ärztliche Rücksprache vor der Einnahme ist in diesem Fall grundsätzlich sinnvoll.

Quellen zum Nachlesen

  1. 01

    Kontrollierte klinische Studie, doppelblind, plazebokontrolliert, Cross-over, isolierte Corosolsäure, akute Einzeldosis, n gleich 31 · 2006

    Effect of corosolic acid on postchallenge plasma glucose levels.

    Fukushima M, et al. Diabetes Res Clin Pract

    Zur Zuschreibung: 01

  2. 02

    Randomisierte klinische Studie, Dosis- und Formulierungsvergleich ohne erkennbare Placebogruppe, standardisierter Extrakt, 2 Wochen · 2003

    Antidiabetic activity of a standardized extract (Glucosol) from Lagerstroemia speciosa leaves in Type II diabetics, A dose-dependence study.

    Judy WV, et al. J Ethnopharmacol

    Zur Zuschreibung: 02

  3. 03

    RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, Blattextrakt, n gleich 24 (12 vs 12), 12 Wochen · 2022

    Effect of Banaba (Lagerstroemia speciosa) on Metabolic Syndrome, Insulin Sensitivity, and Insulin Secretion.

    López-Murillo LD, et al. J Med Food

    Zur Zuschreibung: 03

  4. 04

    RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, Sechsfach-Kombinationspräparat, n gleich 40, 8 Wochen · 2017

    Nutraceutical Effects on Glucose and Lipid Metabolism in Patients with Impaired Fasting Glucose, A Pilot, Double-Blind, Placebo-Controlled, Randomized Clinical Trial on a Combined Product.

    Cicero AFG, et al. High Blood Press Cardiovasc Prev

    Zur Zuschreibung: 05

  5. 05

    Offene, unkontrollierte Zusatztherapie-Studie ohne Placebogruppe, kombinierte Wirkfraktion, 12 Wochen · 2016

    DLBS3233, a combined bioactive fraction of Cinnamomum burmanii and Lagerstroemia speciosa, in type-2 diabetes mellitus patients inadequately controlled by metformin and other oral antidiabetic agents.

    Tjokroprawiro A, Murtiwi S, Tjandrawinata RR. J Complement Integr Med

    Zur Zuschreibung: 05

  6. 06

    RCT, Multicenter, Kombinationspräparat mit Probiotika und Vitamin D · 2021

    Evaluation of a Nutraceutical Product with Probiotics, Vitamin D, Plus Banaba Leaf Extracts (Lagerstroemia speciosa) in Glycemic Control.

    Signorini L, et al. Endocr Metab Immune Disord Drug Targets

    Zur Zuschreibung: 05

  7. 07

    In-vitro-Zellkulturstudie, L6-Muskelzellen und CHO-Zellen mit humanem Insulinrezeptor, isolierte Corosolsäure · 2008

    Corosolic acid stimulates glucose uptake via enhancing insulin receptor phosphorylation.

    Shi L, et al. Eur J Pharmacol

    Zur Zuschreibung: 06

  8. 08

    Tierstudie, genetisch fettleibige und diabetische Mäuse, Blattextrakt im Futter, 12 Wochen · 1999

    Antiobesity activity of extracts from Lagerstroemia speciosa L. leaves on female KK-Ay mice.

    Suzuki Y, et al. J Nutr Sci Vitaminol (Tokyo)

    Zur Zuschreibung: 07

  9. 09

    Tierstudie, Ratten, medikamenteninduzierte Lebertoxizität, ethanolischer Blattextrakt · 2021

    Lagerstroemia speciosa (L.) Pers., ethanolic extract attenuates simultaneously administered isoniazid- and dapsone-induced hepatotoxicity in rats.

    Rohit Singh T, Ezhilarasan D. J Food Biochem

    Zur Zuschreibung: 08

  10. 10

    In-vitro-Laborversuch, Bakterienkultur, Fruchtextrakt statt Blattextrakt · 2012

    Lagerstroemia speciosa fruit extract modulates quorum sensing-controlled virulence factor production and biofilm formation in Pseudomonas aeruginosa.

    Singh BN, et al. Microbiology (Reading)

    Zur Zuschreibung: 09

  11. 11

    RCT, plazebokontrolliert, drei Arme, Königsblumen-Blattextrakt als Vergleichsarm, 12 Wochen · 2014

    The beneficial effect of soybean (Glycine max (L.) Merr.) leaf extracts in adults with prediabetes, a randomized placebo controlled trial.

    Choi MS, Ryu R, Seo YR, Jeong TS, Shin DH, Park YB, Kim SR, Jung UJ. Food Funct

    Zur Zuschreibung: 04

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