L-Carnitin

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Carnitin · Acetyl-L-Carnitin · ALCAR · L-Carnitin-L-Tartrat · LCLT · Propionyl-L-Carnitin · PLC · Glycin-Propionyl-L-Carnitin · GPL-C

H.P.N · Datenstand 2026-08-19 · 14 Zuschreibungen im Überblick

Auf einen Blick

Was es ist
Eine körpereigene, stickstoffhaltige Verbindung, die aus den Aminosäuren Lysin und Methionin gebildet wird. Kein Vitamin und keine Aminosäure im engeren Sinn, deshalb oft als vitaminähnlich bezeichnet
Herkunft
Wird in Leber und Nieren selbst hergestellt, zusätzlich über Fleisch, Fisch und Milchprodukte aufgenommen. Pflanzliche Lebensmittel enthalten kaum Carnitin
Wirkform in Studien
L-Carnitin, Acetyl-L-Carnitin (ALCAR), L-Carnitin-L-Tartrat (LCLT) und Propionyl-L-Carnitin (PLC), in Sportstudien vereinzelt auch in Kombination mit Glycin-Propionyl-L-Carnitin (GPL-C). Die Formen wurden in unterschiedlichen Studien mit unterschiedlichen Zielgrößen geprüft und sind hier getrennt ausgewiesen
Übliche Studiendosis
1 bis 4 g pro Tag, je nach Form und Zielgröße. Für Körpergewicht liegt die stärkste Wirkung bei etwa 2 g pro Tag, für akute Effekte auf die Belastungsleistung bei 3 bis 4 g etwa 60 bis 90 Minuten vor der Belastung
Bekannt geworden durch
Die Vermarktung als Fettverbrenner in der Sporternährung. Der zugrunde liegende Mechanismus, der Transport von Fettsäuren in die Mitochondrien, ist real, trägt die vermarktete Wirkung beim gesunden Erwachsenen aber nur in kleinem Umfang und vor allem bei bereits bestehendem Übergewicht
Verträglichkeit
In den Studien überwiegend gut verträglich. Am häufigsten berichtet wurden Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit und Durchfall, vor allem bei Dosen über 3 g pro Tag. Ein bekannter Nebenbefund ist ein fischartiger Körpergeruch durch den Metaboliten Trimethylamin. Zum Stoffwechselprodukt TMAO gibt es eine eigene, ausführlichere Sicherheitsdiskussion, siehe unten

Was diesem Stoff zugesprochen wird

Was die Studien hergeben.

Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.

  1. 01

    Körpergewicht bei Übergewicht und Adipositas (L-Carnitin)

    Gut belegt
    Einordnung und Einschränkungen

    Zwei Dosis-Wirkungs-Meta-Analysen desselben Feldes (43 RCTs beziehungsweise 37 RCTs), die weitgehend denselben Studienbestand auswerten und deshalb ein Beleg sind und nicht zwei, zeigen übereinstimmend eine Abnahme des Körpergewichts um rund 1,1 bis 1,2 kg (WMD minus 1,13 kg, 95 Prozent KI minus 1,59 bis minus 0,67, beziehungsweise minus 1,21 kg, 95 Prozent KI minus 1,73 bis minus 0,68). Dieser Effekt bestätigte sich in der Sensitivitätsanalyse der kleineren Auswertung, die nur qualitativ hochwertige RCTs einschloss. Die größere Auswertung berichtet ihn ausdrücklich nur bei Teilnehmenden, die bereits übergewichtig oder adipös waren, und nur wenn die Einnahme mit einer weiteren Lebensstiländerung kombiniert wurde, nicht als alleiniger Supplement-Effekt

    Quellen: 1, 2

  2. 02

    BMI und Fettmasse bei Übergewicht und Adipositas, in der Auswertung nur hochwertiger Studien kein Unterschied zu Placebo (L-Carnitin)

    Nicht bestätigt
    Einordnung und Einschränkungen

    Dieselben zwei Meta-Analysen, also derselbe Studienbestand, finden zusätzlich eine Abnahme von BMI (minus 0,24 bis minus 0,36 kg pro Quadratmeter) und Fettmasse (minus 1,16 bis minus 2,08 kg), bei hoher statistischer Heterogenität (I-Quadrat 85,2 Prozent für BMI in der größeren Auswertung). Anders als beim Körpergewicht hielten diese beiden Effekte der Sensitivitätsanalyse nur mit hochwertigen RCTs nicht stand, dort blieb allein der Gewichtseffekt bestehen. Ein Befund, der die Beschränkung auf gute Studien nicht übersteht, trägt keine zustimmende Stufe. Kein Effekt auf Taillenumfang und Körperfettanteil in Prozent (I-Quadrat 98,2 Prozent beim Körperfettanteil)

    Quellen: 1, 2

  3. 03

    Sportliche Leistungsfähigkeit bei hoher Belastungsintensität (L-Carnitin, L-Carnitin-L-Tartrat)

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Systematische Übersicht aus 11 Studien, keine gepoolte Effektgröße. Sechs Studien prüften L-Carnitin, drei L-Carnitin-L-Tartrat, zwei eine Kombination aus Propionyl-L-Carnitin und Glycin-Propionyl-L-Carnitin, diese beiden zählen hier nicht mit, weil es Mischformen sind. Bei hochintensiver Belastung (ab 80 Prozent VO2max) zeigten mehrere Einzelstudien niedrigere subjektive Anstrengung, höhere Wattleistung im Wingate-Test oder mehr Arbeitsvolumen, bei akuter Gabe von 3 bis 4 g vor der Belastung oder chronischer Gabe von 2 bis 2,7 g pro Tag über 9 bis 24 Wochen. Bei moderater Belastungsintensität fand sich in denselben Studien keine Verbesserung

    Quellen: 3

  4. 04

    Muskelkater und Muskelschädigungsmarker nach Belastung (L-Carnitin)

    Belegt
    Einordnung und Einschränkungen

    Meta-Analyse aus 7 RCTs zeigt eine Verringerung des Muskelkaters über alle Messzeitpunkte (0 bis 96 Stunden) sowie niedrigere Werte für Kreatinkinase, Myoglobin und LDH nach 24 Stunden, darüber hinaus kein Effekt mehr. Die zweite Quelle ist eine Sammelauswertung von 53 Meta-Analysen, die genau diese eine Arbeit einschließt und ihr für Kreatinkinase und Muskelkater eine mittlere Evidenzsicherheit zuweist (GRADE moderate). Beide Quellen sind ein Bestand und kein doppelter Beleg, zu L-Carnitin und belastungsbedingtem Muskelschaden führt PubMed nur diese eine Meta-Analyse. Die Stufe ruht damit auf 7 RCTs mit GRADE moderate

    Quellen: 4, 5

  5. 05

    Blutzuckerwerte (HbA1c, Nüchternglukose) bei Typ-2-Diabetes (L-Carnitin)

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Dosis-Wirkungs-Meta-Analyse aus 21 RCTs mit 2041 Teilnehmenden, GRADE moderate für HbA1c. Je 1 g tägliche Zusatzdosis sank HbA1c im Mittel um 0,16 Prozentpunkte (95 Prozent KI minus 0,32 bis minus 0,01), Nüchternglukose um 0,17 mmol pro Liter. Die Autoren betonen die hohe statistische Heterogenität und raten zu vorsichtiger Interpretation

    Quellen: 6

  6. 06

    LDL-Cholesterin bei Typ-2-Diabetes (L-Carnitin)

    Belegt
    Einordnung und Einschränkungen

    Dieselbe Dosis-Wirkungs-Meta-Analyse aus 21 RCTs berichtet für LDL-Cholesterin die höchste Evidenzsicherheit im gesamten Datensatz dieser Arbeit (GRADE high). Je 1 g tägliche Zusatzdosis sank LDL-Cholesterin im Mittel um 0,11 mmol pro Liter (95 Prozent KI minus 0,16 bis minus 0,05)

    Quellen: 6

  7. 07

    Herzfunktion bei Herzinsuffizienz (L-Carnitin)

    Studienlage offen
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine systematische Übersicht zu Nahrungsergänzungen bei Herzinsuffizienz stuft die vorliegenden L-Carnitin-Studien selbst als zu klein und zu wenig aussagekräftig ein, um daraus eine Schlussfolgerung zur Wirksamkeit zu ziehen, und berichtet dafür kein Effektmaß. Eine eigene Bewertung ist auf dieser Grundlage nicht möglich, die Zeile bleibt offen

    Quellen: 7

  8. 08

    Gehstrecke bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit mit Belastungsschmerz (Propionyl-L-Carnitin)

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Cochrane-Meta-Analyse aus 12 RCTs mit 1423 Teilnehmenden zu Propionyl-L-Carnitin (PLC) gegenüber Placebo. Die Gesamtevidenz zur schmerzfreien und maximalen Gehstrecke wird als möglicherweise vorteilhaft, aber von moderater Sicherheit eingestuft, bei hoher klinischer und statistischer Heterogenität und einem hohen Anteil industriefinanzierter Studien

    Quellen: 8

  9. 09

    Spermienmotilität und -morphologie bei idiopathischer männlicher Unfruchtbarkeit, zur Spermienkonzentration unterscheiden sich die Signifikanzergebnisse der beiden Auswertungen (L-Carnitin)

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Netzwerk-Meta-Analyse aus 23 RCTs zu verschiedenen Antioxidantien. L-Carnitin allein liegt gegenüber Placebo bei der Spermienmotilität um 6,52 Prozentpunkte höher (95 Prozent KI 2,55 bis 10,05) und bei der Spermienmorphologie um 3,86 Prozentpunkte (95 Prozent KI 0,91 bis 7,53). Der bisher hier geführte Morphologiewert von plus 4,96 Prozentpunkten steht so im Abstract, ist im Volltext aber der Vergleich gegen Folsäure und nicht gegen Placebo. Die zweite Meta-Analyse aus 8 RCTs zu L-Carnitin und Acetyl-L-Carnitin gemeinsam ist kein unabhängiger zweiter Bestand, fünf ihrer acht Studien werden auch im Carnitin-Arm der Netzwerkarbeit ausgewertet. Sie stuft ihre Evidenzsicherheit für Motilität und Morphologie nach GRADE selbst als niedrig ein und findet keinen Effekt auf die Spermienkonzentration, während die Netzwerkarbeit dort einen knapp signifikanten Anstieg berichtet

    Quellen: 9, 10

  10. 10

    Schwangerschaftsrate bei männlicher Unfruchtbarkeit, in fünf von acht Studien ohne Unterschied (L-Carnitin, Acetyl-L-Carnitin)

    Nicht bestätigt
    Einordnung und Einschränkungen

    Von den 8 RCTs der Meta-Analyse zu Carnitin bei männlicher Unfruchtbarkeit erfassten nur 5 diesen Endpunkt, mit begrenzter Teilnehmerzahl und ohne erkennbaren Unterschied zu Placebo. Die Teilnehmerzahl in diesen fünf Studien ist begrenzt, ein Unterschied zur Placebogruppe zeigte sich dabei nicht

    Quellen: 10

  11. 11

    Kognitive Leistung bei gesunden Erwachsenen, kein Effekt in zwei kleinen Studien (L-Carnitin)

    Nicht bestätigt
    Einordnung und Einschränkungen

    Cochrane-Übersicht, deren Suchbegriffe auch Acetyl- und Propionyl-L-Carnitin einschlossen, findet nur zwei geeignete RCTs mit insgesamt rund 200 auswertbaren Teilnehmenden, Behandlungsdauer lediglich drei Tage. Kein Hinweis auf einen Effekt bei Reaktionszeit, Daueraufmerksamkeit, unmittelbarem oder verzögertem Erinnern, die Evidenzqualität wird von den Autoren selbst als sehr niedrig eingestuft. Die Evidenzqualität ist nach Einschätzung der Autoren sehr niedrig, aus zwei kleinen Studien mit nur drei Tagen Behandlungsdauer zeigt sich aber kein Effekt

    Quellen: 11

  12. 12

    Schmerzempfinden bei diabetischer Nervenschädigung (Acetyl-L-Carnitin)

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Cochrane-Meta-Analyse aus 4 RCTs mit 907 Teilnehmenden. Auf einer 100-Punkte-Schmerzskala lag Acetyl-L-Carnitin 9,16 Punkte unter Placebo (95 Prozent KI minus 16,76 bis minus 1,57), die Evidenzsicherheit wird von den Autoren als sehr niedrig eingestuft

    Quellen: 12

  13. 13

    Symptomwerte bei diagnostizierter Depression (Acetyl-L-Carnitin)

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    Meta-Analyse aus 12 RCTs mit 791 Teilnehmenden bei Menschen mit diagnostizierter Depression, überwiegend ältere Erwachsene. Die gepoolte Auswertung von neun Studien mit Placebo oder keiner Intervention als Vergleich ergab einen deutlichen Rückgang des Symptomwerts (SMD minus 1,10, 95 Prozent KI minus 1,65 bis minus 0,56). Die Heterogenität zwischen den Studien ist mit einem I-Quadrat von 86 Prozent hoch, und die Autoren fordern selbst größere, methodisch strengere Studien, bevor sich das Ergebnis als gesichert bezeichnen ließe

    Quellen: 13

  14. 14

    Erschöpfung und subjektives Energieniveau bei gesunden Erwachsenen (L-Carnitin)

    Keine Studien gefunden
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine Suche findet zu diesem Stoff vor allem Studien zu Erschöpfung im Rahmen einer Krebstherapie, eines chronischen Erschöpfungssyndroms oder einer Dialysebehandlung. Zu allgemeinem Energieniveau oder Erschöpfung bei gesunden Erwachsenen ohne eine solche Diagnose haben wir keine passende Studie geprüft

Studien im Detail

Körpergewicht, BMI und Fettmasse

Askarpour und Kollegen werteten 2020 insgesamt 43 randomisierte Studien aus, Talenezhad und Kollegen im selben Jahr 37 Studien mit teils überlappender, teils eigener Studienauswahl. Beide kommen zu einem ähnlichen Bild: Körpergewicht sinkt im Mittel um etwas mehr als einen Kilogramm, BMI um rund 0,3 Punkte, Fettmasse um ein bis zwei Kilogramm. Taillenumfang und Körperfettanteil in Prozent ändern sich in beiden Auswertungen nicht signifikant.

Wichtig ist die Sensitivitätsanalyse von Talenezhad und Kollegen, die nur die methodisch hochwertigsten Studien einschließt: Dort bestätigte sich ausschließlich der Effekt auf das Körpergewicht, nicht auf BMI oder Fettmasse. Askarpour und Kollegen berichten den Effekt ausdrücklich nur bei Teilnehmenden mit Übergewicht oder Adipositas und halten fest, dass Gewicht und BMI nur sanken, wenn L-Carnitin zusätzlich zu einer anderen Lebensstiländerung eingenommen wurde, nicht als reiner Alleineffekt. Talenezhad und Kollegen formulieren schwächer und sprechen von einem Effekt vor allem bei Erwachsenen mit Übergewicht oder Adipositas, ohne Normalgewichtige ausdrücklich auszunehmen. Beide Arbeiten werten weitgehend denselben Studienbestand aus, sie sind ein Beleg und nicht zwei.

Einschränkung: Ein Kilogramm Körpergewicht über Wochen bis Monate ist ein kleiner Effekt. Beide Meta-Analysen berichten hohe statistische Heterogenität, bei BMI und Körperfettanteil besonders ausgeprägt.

Muskelkater und Muskelschädigungsmarker

Yarizadh und Kollegen werteten 2020 sieben randomisierte Studien aus. L-Carnitin verringerte den empfundenen Muskelkater zu allen fünf Nachbeobachtungszeitpunkten (0 bis 96 Stunden) gegenüber Placebo und senkte nach 24 Stunden die Blutwerte von Kreatinkinase, Myoglobin und Laktatdehydrogenase. Über 24 Stunden hinaus ließ sich kein Effekt mehr zeigen. Die Wirkung zeigte sich vor allem nach Krafttraining und bei untrainierten Personen.

Eine Sammelauswertung von 53 Meta-Analysen zu Nährstoffen und belastungsbedingtem Muskelschaden bewertete 2024 den Befund für Kreatinkinase und Muskelkater mit mittlerer Evidenzsicherheit nach GRADE. Das ist keine zweite Studienlage, sondern eine Note für dieselbe Arbeit. Zu L-Carnitin und belastungsbedingtem Muskelschaden führt PubMed nur diese eine Meta-Analyse, die Sammelauswertung kann also nur sie eingeschlossen haben.

Spermienmotilität und -morphologie

Li und Kollegen werteten 2022 eine Netzwerk-Meta-Analyse aus 23 randomisierten Studien zu verschiedenen Antioxidantien bei Männern mit ungeklärter Unfruchtbarkeit aus. L-Carnitin allein lag bei Spermienmotilität und Spermienmorphologie jeweils auf dem ersten Rang, gegenüber Placebo um 6,52 beziehungsweise 3,86 Prozentpunkte. Der oft zitierte Morphologiewert von 4,96 Prozentpunkten steht zwar im Abstract, ist im Volltext aber der Vergleich von L-Carnitin gegen Folsäure und nicht gegen Placebo. Eine ältere Meta-Analyse von Khaw und Kollegen aus 2020, die 8 RCTs zu L-Carnitin und Acetyl-L-Carnitin gemeinsam auswertete, findet dieselbe Richtung für Motilität und Morphologie, ohne Effekt auf die Spermienkonzentration. Sie ist kein unabhängiger zweiter Bestand, fünf ihrer acht Studien (Lenzi 2004, Balercia 2005, Sigman 2006, Dimitriadis 2010, Haje und Naoom 2015) stecken auch im Carnitin-Arm der Netzwerkarbeit. Khaw und Kollegen stufen ihre Evidenzsicherheit für Motilität wie Morphologie nach GRADE selbst als niedrig ein und nennen die eingeschlossene Evidenz von geringer Qualität. Bei der Spermienkonzentration liegt der Schätzer bei Khaw und Kollegen bei plus 2,70 Millionen pro Milliliter (95-Prozent-KI minus 2,04 bis plus 7,44), in der Netzwerkarbeit bei plus 2,75 Millionen pro Milliliter (95-Prozent-KI plus 0,05 bis plus 5,44). Die Richtung ist gleich, nur die Netzwerkauswertung erreicht die Signifikanzschwelle. Daraus folgt kein belegter Widerspruch zwischen den Arbeiten. Weil diese Arbeit beide Formen zusammen auswertet, lässt sich aus ihr kein eigener Zahlenwert für Acetyl-L-Carnitin ableiten.

Für die Schwangerschaftsrate reicht die Datenlage nicht: Nur fünf der acht Studien bei Khaw und Kollegen erfassten diesen Endpunkt, mit begrenzter Teilnehmerzahl und ohne erkennbaren Unterschied zu Placebo.

Symptomwerte bei diagnostizierter Depression

Veronese und Kollegen werteten 2018 zwölf randomisierte Studien mit 791 Teilnehmenden aus, die Acetyl-L-Carnitin bei Menschen mit diagnostizierter Depression prüften, überwiegend ältere Erwachsene. Die gepoolte Auswertung von neun Studien mit Placebo oder keiner Intervention als Vergleich ergab einen deutlichen Rückgang des Symptomwerts (SMD minus 1,10, 95 Prozent KI minus 1,65 bis minus 0,56). Die Heterogenität zwischen den Studien ist mit einem I-Quadrat von 86 Prozent hoch, und die Autoren fordern selbst größere, methodisch strengere Studien, bevor sich das Ergebnis als gesichert bezeichnen ließe.

In einer kleineren Teilmenge von drei der zwölf Studien (162 Teilnehmende je Studienarm) diente ein Antidepressivum statt Placebo als Vergleichsarm. Dort unterschied sich der Rückgang der Symptomwerte zwischen den Gruppen nicht statistisch (SMD 0,06, 95 Prozent KI minus 0,22 bis 0,34). Diese Studien verglichen die Wirksamkeit von Acetyl-L-Carnitin mit Antidepressiva. Der nicht signifikante Unterschied allein belegt jedoch keine Gleichwertigkeit.

Tier- und Laborstudien

Zu L-Carnitin liegen umfangreiche Tier- und Zelldaten vor, unter anderem zu antioxidativen Vorgängen und zum Schutz von Nervenzellen. Diese Daten wurden für diesen Eintrag nicht ausgewertet. Aus ihnen folgt keine Aussage über die Wirkung beim Menschen.

Sicherheit und Wechselwirkungen

In den ausgewerteten Studien war L-Carnitin in allen Formen überwiegend gut verträglich. Am häufigsten berichtet wurden leichte Magen-Darm-Beschwerden, vor allem bei Dosen ab 3 g pro Tag.

Der bekannteste Sicherheitspunkt zu L-Carnitin betrifft seinen Abbau durch Darmbakterien zu Trimethylamin und weiter zu Trimethylamin-N-oxid (TMAO). Zwei große Meta-Analysen prospektiver Kohortenstudien finden eine statistische Assoziation zwischen erhöhten TMAO-Blutspiegeln und einem höheren Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse sowie Gesamtmortalität: Heianza und Kollegen werteten 2017 19 Kohortenstudien mit 19256 Teilnehmenden aus (relatives Risiko 1,62, 95 Prozent KI 1,45 bis 1,80, für Ereignisse, 1,63 für Gesamtmortalität) [14], Khan und Kollegen bestätigten dies 2024 mit 30 Kohortenstudien und 48968 Teilnehmenden (Hazard Ratio 1,41, 95 Prozent KI 1,20 bis 1,54, für Ereignisse, 1,55 für Gesamtmortalität) [15]. Beide Arbeiten finden zudem ein erhöhtes Risiko bei hohen Carnitin- und Cholin-Blutspiegeln selbst.

Einschränkung, die für die Einordnung entscheidend ist: Es handelt sich um reine Beobachtungsstudien zu gemessenen Blutspiegeln, nicht um Interventionsstudien mit supplementiertem L-Carnitin. Ein ursächlicher Zusammenhang zwischen einer L-Carnitin-Einnahme und diesen Risiken ist damit nicht gezeigt, ein fischartiger Körpergeruch ist als alleiniges Warnzeichen ebenfalls nicht belegt. Der Zusammenhang wird in der Fachliteratur weiterhin diskutiert.

Zu Wechselwirkungen, etwa mit Schilddrüsenmedikation, liegt uns keine belastbare eigene Quelle vor. Das steht offen.

Quellen zum Nachlesen

  1. 01

    Dosis-Wirkungs-Meta-Analyse aus 43 RCTs · 2020

    Beneficial effects of l-carnitine supplementation for weight management in overweight and obese adults, An updated systematic review and dose-response meta-analysis of randomized controlled trials

    Askarpour M, et al. Pharmacol Res

    Zur Zuschreibung: 01, 02

  2. 02

    Dosis-Wirkungs-Meta-Analyse aus 37 RCTs · 2020

    Effects of l-carnitine supplementation on weight loss and body composition, A systematic review and meta-analysis of 37 randomized controlled clinical trials with dose-response analysis

    Talenezhad N, et al. Clin Nutr ESPEN

    Zur Zuschreibung: 01, 02

  3. 03

    Systematische Übersicht aus 11 Studien, keine gepoolte Effektgröße · 2021

    Effect of Acute and Chronic Oral l-Carnitine Supplementation on Exercise Performance Based on the Exercise Intensity, A Systematic Review

    Mielgo-Ayuso J, et al. Nutrients

    Zur Zuschreibung: 03

  4. 04

    Meta-Analyse aus 7 RCTs · 2020

    The Effect of L-Carnitine Supplementation on Exercise-Induced Muscle Damage, A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Clinical Trials

    Yarizadh H, et al. J Am Coll Nutr

    Zur Zuschreibung: 04

  5. 05

    Umbrella-Review aus 53 Meta-Analysen zu 24 Nährstoffen, GRADE-bewertet · 2024

    Nutritional interventions for exercise-induced muscle damage, an umbrella review of systematic reviews and meta-analyses of randomized trials

    Talebi S, et al. Nutr Rev

    Zur Zuschreibung: 04

  6. 06

    Dosis-Wirkungs-Meta-Analyse aus 21 RCTs, n gleich 2041 · 2024

    The Effects of L-Carnitine Supplementation on Weight Loss, Glycemic Control, and Cardiovascular Risk Factors in Patients With Type 2 Diabetes, A Systematic Review and Dose-response Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials

    Mirrafiei A, Jayedi A, Shab-Bidar S. Clin Ther

    Zur Zuschreibung: 05, 06

  7. 07

    Systematische Übersicht aus 40 Studien zu mehreren Nutraceuticals · 2020

    Nutraceuticals in Patients With Heart Failure, A Systematic Review

    Hopper I, et al. J Card Fail

    Zur Zuschreibung: 07

  8. 08

    Cochrane-Meta-Analyse aus 12 RCTs, n gleich 1423 · 2021

    Propionyl-L-carnitine for intermittent claudication

    Kamoen V, et al. Cochrane Database Syst Rev

    Zur Zuschreibung: 08

  9. 09

    Netzwerk-Meta-Analyse aus 23 RCTs zu verschiedenen Antioxidantien · 2022

    The Effect of Antioxidants on Sperm Quality Parameters and Pregnancy Rates for Idiopathic Male Infertility, A Network Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials

    Li KP, Yang XS, Wu T. Front Endocrinol (Lausanne)

    Zur Zuschreibung: 09

  10. 10

    Meta-Analyse aus 8 RCTs · 2020

    l-carnitine and l-acetylcarnitine supplementation for idiopathic male infertility

    Khaw SC, et al. Reprod Fertil

    Zur Zuschreibung: 09, 10

  11. 11

    Cochrane-Übersicht aus 2 RCTs · 2017

    L-carnitine for cognitive enhancement in people without cognitive impairment

    Chen N, et al. Cochrane Database Syst Rev

    Zur Zuschreibung: 11

  12. 12

    Cochrane-Meta-Analyse aus 4 RCTs, n gleich 907 · 2019

    Acetyl-L-carnitine for the treatment of diabetic peripheral neuropathy

    Rolim LC, et al. Cochrane Database Syst Rev

    Zur Zuschreibung: 12

  13. 13

    Meta-Analyse aus 12 RCTs, n gleich 791 · 2018

    Acetyl-L-Carnitine Supplementation and the Treatment of Depressive Symptoms, A Systematic Review and Meta-Analysis

    Veronese N, et al. Psychosom Med

    Zur Zuschreibung: 13

  14. 14

    Meta-Analyse aus 19 prospektiven Kohortenstudien, n gleich 19256 · 2017

    Gut Microbiota Metabolites and Risk of Major Adverse Cardiovascular Disease Events and Death, A Systematic Review and Meta-Analysis of Prospective Studies

    Heianza Y, et al. J Am Heart Assoc

  15. 15

    Meta-Analyse aus 30 prospektiven Kohortenstudien, n gleich 48968 · 2024

    Gut microbiota metabolites and risk of major adverse cardiovascular events and death, A systematic review and meta-analysis

    Khan QA, et al. Medicine (Baltimore)

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