L-Theanin
Zuletzt geprüft am
Aminosäuren
Camellia sinensis · Theanin · Gamma-Glutamylethylamid
Auf einen Blick
- Was es ist
- Eine nicht-proteinogene Aminosäure aus der Teepflanze, chemisch Gamma-Glutamylethylamid
- Herkunft
- Blätter von Camellia sinensis (Grüntee). In Nahrungsergänzungsmitteln meist fermentativ oder synthetisch hergestellt
- Wirkform in Studien
- Isoliertes L-Theanin, oral, als Einzeldosis 200 mg oder rund 3 mg je Kilogramm Körpergewicht, über mehrere Wochen 200 mg pro Tag. Eine Zusatzgabe-Studie bei Angststörung nutzte 450 bis 900 mg pro Tag
- Übliche Studiendosis
- 200 mg pro Tag in den meisten Stress- und Schlafstudien, einzelne Studien zwischen 50 und 900 mg
- Zeit bis zur Wirkung
- Veränderungen der Hirnaktivität wurden innerhalb weniger Stunden nach Einnahme berichtet, allerdings nur für ein Mehrstoff-Getränk und nur in einer Untergruppe. Die geprüften Effekte auf Schlaf-Teilwerte beruhen auf mindestens vierwöchiger durchgehender Einnahme
- Verträglichkeit
- In den ausgewerteten Studien gut verträglich, keine schwerwiegenden Nebenwirkungen berichtet. Gilt in den USA als GRAS (generally recognized as safe)
Was diesem Stoff zugesprochen wird
Was die Studien hergeben.
Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.
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01
Depressions- und Angstwerte bei vierwöchiger durchgehender Einnahme, ohne Vorteil gegenüber Placebo
Nicht bestätigtEinordnung und Einschränkungen
In der einzigen Studie dazu, einer Crossover-Studie über vier Wochen mit 200 mg pro Tag und 30 Teilnehmenden, sanken die Werte für depressive Symptome, Angst und Schlafqualität nur innerhalb der L-Theanin-Phase. Im maßgeblichen Vergleich der Veränderungen zwischen L-Theanin und Placebo blieb keiner der drei Werte signifikant, Selbstauskunft-Depressionsskala p gleich 0,084, STAI-Trait p gleich 0,13, PSQI-Gesamtwert p gleich 0,073. Die Studie wurde laut Volltext von einem Hersteller von L-Theanin finanziert, der auch den Prüfstoff lieferte, zwei Co-Autoren sind dort angestellt. Der Volltext (PMC6836118, Tabelle 2) rechnet den Gruppenvergleich als Mann-Whitney-U-Test und gibt dazu nur Rangeffektstärken ohne Konfidenzintervall an, r gleich minus 0,22 für die Depressionsskala, minus 0,20 für STAI-Trait und minus 0,23 für den PSQI-Gesamtwert. Eine Mittelwertdifferenz mit Intervall nennt die Arbeit nicht, der Nullbefund ist über den Gruppenvergleich mit p-Werten trotzdem geprüft und berichtet
Quellen: 1
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02
Subjektive Anspannung unter akuter Laborbelastung, für isoliertes L-Theanin ohne Vorteil gegenüber Placebo
Nicht bestätigtEinordnung und Einschränkungen
Zwei Studien haben den Zustandsangst-Wert unter akuter Belastung geprüft, beide ohne Unterschied zu Placebo. In der Studie mit isoliertem L-Theanin (200 mg, 25 Personen im Verum-Arm, realitätsnahe Stresssimulation) blieb der Wert unverändert. Die zweite Studie fand zwar eine geringere Stressreaktion, aber auf einer anderen Skala, mit einem Mehrstoff-Getränk statt Reinstoff und nur eine Stunde nach Einnahme; ihr eigener Zustandsangst-Wert zeigte ebenfalls keinen Unterschied zu Placebo (p gleich 0,201). Auf demselben Messwert stimmen beide Studien also überein. Ein Effektmaß mit Konfidenzintervall liegt für keine der beiden Arbeiten vor, der freie Volltext von White (PMC4728665) nennt zum Zustandsangst-Wert weder Konfidenzintervall noch Effektstärke, und von McAllister ist über PubMed nur das Abstract frei. Beide Studien haben den Wert damit geprüft und ohne Unterschied zu Placebo gefunden
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03
Selbst berichtete Stressreaktion auf eine kognitive Mehrfachaufgabe, nur als Mehrstoff-Getränk geprüft
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Ein Getränk mit 200 mg L-Theanin plus geringen Mengen Phosphatidylserin, Alpha-GPC und Kamille senkte den primären Endpunkt, die selbst berichtete Stressreaktion auf eine 20-minütige Mehrfachaufgabe, eine Stunde nach Einnahme gegenüber Placebo (p gleich 0,003), nach drei Stunden nicht mehr. Ausgewertet wurde ein nachträglich gebildetes Teilkollektiv von 26 der 34 Teilnehmenden. Die Studie wurde laut Volltext vom Hersteller des Getränks finanziert, der Effekt ist deshalb nicht L-Theanin allein zuzurechnen
Quellen: 2
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04
Alpha-Aktivität im Ruhe-Magnetenzephalogramm, nur als Mehrstoff-Getränk und nur in einer Untergruppe
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In derselben Getränke-Studie war die Alpha-Aktivität über alle Teilnehmenden hinweg nicht signifikant erhöht, nach Korrektur für multiples Testen blieb kein einziger Messort übrig. Signifikant war der Anstieg nur in einer nachträglich gebildeten Untergruppe mit höherer Trait-Angst, neun Personen, einseitig geprüft. Gemessen wurde bei 17 der 34 Teilnehmenden mit Magnetenzephalographie und nicht mit EEG, das Getränk enthält mehrere Wirkstoffe, und der Anstieg hing weder mit der Cortisol- noch mit der Stressveränderung zusammen
Quellen: 2
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05
Schlafqualität, subjektiv erfasst
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Ein narrativer systematischer Review aus 13 Studien mit 550 Teilnehmenden (davon 11 RCTs, 2 einarmige unverblindete Studien), ausschließlich mit L-Theanin als alleiniger Intervention, berichtet überwiegend positive Effekte auf Einschlaflatenz, Schlafeffizienz und subjektives Erholungsgefühl, ohne gepooltes Effektmaß. Alle vier Autorinnen und Autoren sind bei British American Tobacco Investments oder einer mit dem Unternehmen verbundenen Agentur angestellt. Die Vier-Wochen-Studie (Quelle 1) fand bessere PSQI-Teilwerte bei Einschlaflatenz, Schlafstörung und Gebrauch von Schlafmitteln im Vergleich zur Placebo-Phase, der PSQI-Gesamtwert unterschied sich dagegen nicht signifikant (p gleich 0,073). Ob diese Studie unter den 13 Studien des Reviews bereits enthalten ist, lässt sich nicht prüfen, weil dessen Volltext für diese Recherche nicht vorlag. Beide Angaben sind deshalb als ein Bestand zu lesen und nicht als zwei
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06
Verbale Flüssigkeit und Exekutivfunktion, ohne Vorteil gegenüber Placebo
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In der Vier-Wochen-Studie stiegen beide Werte innerhalb der L-Theanin-Phase, im maßgeblichen Vergleich zwischen L-Theanin und Placebo blieb jedoch kein einziger kognitiver Wert signifikant, Verbalflüssigkeit p gleich 0,22, Exekutivfunktion p gleich 0,43. Nur in einer nachträglich per Median gebildeten Untergruppe der 15 Teilnehmenden mit den schwächsten Ausgangswerten war die Verbalflüssigkeit besser als unter Placebo (p gleich 0,002), die Exekutivfunktion auch dort nicht (p gleich 0,062). Im Trail-Making-Test verbesserte sich die Placebo-Phase signifikant, was auf Übungseffekte hinweist. Zwei weitere Studien dieses Eintrags prüften Kognition unter L-Theanin ohne Koffein und fanden ebenfalls keinen Vorteil. Auch hier gibt der Volltext (PMC6836118, Tabelle 3) für den Gruppenvergleich nur Mann-Whitney-U-Werte, p-Werte und Rangeffektstärken ohne Konfidenzintervall an, eine Mittelwertdifferenz mit Intervall fehlt
Quellen: 1
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07
Generalisierte Angststörung, Zusatzgabe zu laufender Antidepressiva-Therapie, ohne Vorteil gegenüber Placebo
Nicht bestätigtEinordnung und Einschränkungen
Die Primärstudie (46 Personen, 450 bis 900 mg pro Tag über acht Wochen als Zusatzgabe und nicht als Monotherapie, deutlich mehr als die 200 mg der übrigen Studien) verfehlte ihren Hauptendpunkt, auf der Hamilton-Angst-Skala kein Unterschied zu Placebo (p gleich 0,73), auf dem Insomnia Severity Index ebenfalls nicht (p gleich 0,35). Dieselbe Studie ist die einzige L-Theanin-Studie in einer Netzwerk-Meta-Analyse zu 12 Heilpflanzen, deren Literatursuche von 1987 bis Dezember 2021 reichte, dort mittlere Differenz minus 0,49 bei einem 95-Prozent-Kredibilitätsintervall von minus 6,54 bis 5,57. Die beiden Quellen sind damit ein Bestand und nicht zwei. Das Intervall ist breit, ein bedeutsamer Effekt in beide Richtungen bleibt möglich
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08
Körperliche Stressmarker unter akuter Belastung, kein Unterschied zu Placebo (Herzfrequenz, Speichel-Alpha-Amylase, Speichel-Immunglobulin A)
Nicht bestätigtEinordnung und Einschränkungen
Eine randomisierte Studie mit Parallelgruppen und einer realitätsnahen Stresssimulation (virtuelle Einsatzübung) prüfte gezielt Herzfrequenz sowie die Speichelmarker Alpha-Amylase und Immunglobulin A, 25 Personen erhielten 200 mg L-Theanin. Alle drei Werte stiegen durch die Simulation deutlich an, unterschieden sich unter L-Theanin aber nicht von Placebo, Effektmaße nennt die Arbeit dafür nicht. In dieselbe Richtung zeigt die Vier-Wochen-Studie, in der L-Theanin weder Cortisol noch Immunglobulin A in Speichel oder Serum veränderte
Quellen: 5
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09
Aufmerksamkeit und Reaktionszeit in Kombination mit Koffein
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Eine unabhängig finanzierte Crossover-Studie mit 37 über Nacht schlafentzogenen Erwachsenen (200 mg L-Theanin plus 160 mg Koffein) verbesserte gegenüber Placebo die Trefferquote (p gleich 0,02) und die Reaktionszeit um 38,1 Millisekunden, 95-Prozent-Intervall 13,5 bis 62,7, p gleich 0,003. Sie hatte keinen Studienarm mit L-Theanin allein. Eine zweite Studie mit zwölf Ringern hatte einen solchen Arm (3 mg je Kilogramm), dort war die Reaktionszeit im Stroop-Test nach Belastung nicht besser als unter Placebo (p gleich 1,000) und langsamer als in der Kombination (p gleich 0,001 laut Ergebnistabelle, das Abstract derselben Arbeit nennt dafür 0,036). Der Vorteil ist damit der Kombination zuzurechnen und nicht L-Theanin als Einzelstoff
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10
Milderung koffeinbedingter Nervosität in Kombination
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
In derselben Studie mit zwölf Ringern erhöhte Koffein allein die Zustandsangst gegenüber Placebo (p gleich 0,001). Die Kombination aus Koffein und L-Theanin unterschied sich bei diesem Wert nicht signifikant von Placebo (p gleich 1,000) und nicht darunter, beim Trait-Wert sogar darüber (p gleich 0,039). Eine Herzfrequenz wurde nicht gemessen, die Arbeit nennt nur eine selbst berichtete Häufigkeit von Herzrasen, 92 Prozent unter Koffein allein gegenüber 17 Prozent unter der Kombination. Der Befund betrifft ausschließlich die Kombination und nicht L-Theanin als Einzelstoff
Quellen: 7
Studien im Detail
Stress und Angst bei vierwöchiger Einnahme
Hidese und Kollegen (2019) prüften 200 mg L-Theanin pro Tag über vier Wochen im Crossover gegen Placebo bei 30 gesunden Erwachsenen. Nach der L-Theanin-Phase waren die Werte auf der Selbstauskunft-Depressionsskala, der STAI-Trait-Angstskala und beim PSQI-Gesamtwert niedriger. Für diese drei Werte nennt das Abstract keinen ausdrücklichen Vergleich zur Placebo-Phase, anders als bei den PSQI-Teilwerten Einschlaflatenz, Schlafstörung und Schlafmittelgebrauch, die das Abstract ausdrücklich als besser gegenüber der Placebo-Phase ausweist. Die Studie ist klein und zwei Co-Autoren sind bei einem Hersteller von L-Theanin beschäftigt.
Subjektive Anspannung unter akuter Laborbelastung
Zwei Studien prüften subjektive Stress- und Angstreaktionen unter akuter Belastung, mit unterschiedlichen Präparaten, Aufgaben und Messskalen.
White und Kollegen (2016) gaben eine Einzeldosis eines Getränks mit 200 mg L-Theanin, dazu geringe Mengen Phosphatidylserin (1 mg), Alpha-GPC (25 mg) und Kamillenextrakt (10 mg). Die selbst berichtete Stressreaktion auf eine 20-minütige kognitive Mehrfachaufgabe war gegenüber Placebo geringer, der Cortisol-Anstieg im Speichel fiel drei Stunden nach Einnahme niedriger aus. Da das Getränk mehrere Wirkstoffe enthält, auch wenn L-Theanin darin die mengenmäßig dominante Zutat ist, lässt sich der Effekt nicht sauber allein L-Theanin zuschreiben.
McAllister und Kollegen (2024) prüften 200 mg isoliertes L-Theanin vor einer deutlich intensiveren Stresssimulation, einer Trainingsübung mit virtueller Bedrohungslage. Der selbst berichtete Zustandsangst-Wert stieg durch die Übung in allen Gruppen an, unterschied sich unter L-Theanin aber nicht von Placebo.
Die Befunde sind nur eingeschränkt vergleichbar. White fand einen Vorteil auf der Stressskala, aber keinen signifikanten Unterschied bei der Zustandsangst. Auch McAllister fand bei der Zustandsangst keinen signifikanten Unterschied zu Placebo. Ein direkter Widerspruch ist damit nicht belegt; zudem unterscheiden sich Präparate und Belastungssituationen.
Ruhe-MEG und Alpha-Wellen-Aktivität
In der Getränke-Studie von White und Kollegen (2016) war die mit MEG gemessene Ruhe-Alpha-Aktivität zwei Stunden nach Einnahme höher als unter Placebo, aber nur bei Teilnehmenden mit höherer Trait-Angst, und ohne Zusammenhang zur gemessenen Cortisol- oder Stressveränderung. Auch dieser Befund stammt aus dem Mehrstoff-Getränk, nicht aus isoliertem L-Theanin.
Schlafqualität
Cotter und Kollegen (2026) legten einen narrativen systematischen Review aus 13 Studien mit 550 Teilnehmenden vor, ausschließlich mit L-Theanin als alleiniger Intervention (50 bis 900 mg pro Tag), davon elf randomisierte kontrollierte Studien und zwei einarmige, unverblindete Studien. Berichtet werden Verbesserungen bei Einschlaflatenz, Schlafeffizienz und subjektivem Erholungsgefühl, vor allem im Dosisbereich 200 bis 450 mg pro Tag, ohne gepooltes Effektmaß.
Alle vier Autorinnen und Autoren sind laut Affiliationsangabe bei British American Tobacco Investments oder bei The Water Street Collective angestellt, einer mit dem Unternehmen verbundenen Agentur mit Sitz am selben Ort. Das ist ein Interessenkonflikt, den der Review nicht ausräumt.
Ergänzend fand die Vier-Wochen-Studie von Hidese und Kollegen (2019) einen niedrigeren PSQI-Gesamtwert sowie, dort ausdrücklich auch gegenüber der Placebo-Phase, bessere Teilwerte bei Einschlaflatenz, Schlafstörung und Schlafmittelgebrauch.
Generalisierte Angststörung, Zusatzgabe
Sarris und Kollegen (2019) prüften bei 46 Personen mit diagnostizierter generalisierter Angststörung 450 bis 900 mg L-Theanin pro Tag über acht Wochen, als Zusatzgabe zu einer laufenden, stabilen Antidepressiva-Behandlung, nicht als Monotherapie. Auf der Hamilton-Angst-Skala zeigte sich kein Unterschied zu Placebo (p gleich 0,73), auch nicht beim Insomnia Severity Index (p gleich 0,35). Bei einem einzelnen ISI-Item zur Schlafzufriedenheit sowie in einer Untergruppe ohne klinisch relevante Schlafprobleme fiel das Ergebnis zugunsten von L-Theanin aus.
Diese Studie ist zugleich die einzige direkte L-Theanin-Studie, die in die Netzwerk-Meta-Analyse von Zhang und Kollegen (2022) eingeht, eine Analyse aus 29 Studien zu insgesamt 12 Heilpflanzen. Dort liegt die mittlere Differenz für L-Theanin bei minus 0,49 auf der Hamilton-Angst-Skala, bei einem 95-Prozent-Kredibilitätsintervall von minus 6,54 bis 5,57. Das Intervall ist breit und schließt sowohl einen bedeutsamen Nutzen als auch eine bedeutsame Unwirksamkeit nicht aus, die Studie war für eine sichere Aussage zu klein. Zhang und Kollegen formulieren bei einer anderen Pflanze in der Analyse, Kamille, den vergleichbaren Fall ausdrücklich als unzureichende Evidenz für Wirksamkeit oder Unwirksamkeit, dieselbe Einschränkung gilt hier für L-Theanin.
Körperliche Stressmarker unter akuter Belastung
In derselben Studie von McAllister und Kollegen (2024) wurden zusätzlich zum subjektiven Zustandsangst-Wert auch Herzfrequenz sowie die Speichelmarker Alpha-Amylase und Immunglobulin A gemessen. Alle drei Werte stiegen durch die Stresssimulation deutlich an, unter 200 mg L-Theanin unterschieden sie sich aber nicht von Placebo. Das Abstract gibt für diesen Nullbefund keine Effektmaße an, nur die fehlende statistische Signifikanz.
Aufmerksamkeit und Koffein-Kombination
Die am häufigsten genannte Wirkung von L-Theanin, ein wacher, aber ruhiger Aufmerksamkeitszustand, stammt in den vorliegenden Studien aus Kombinationen mit Koffein. Nawarathna und Kollegen (2025) fanden bei schlafdefizitären Erwachsenen unter 200 mg L-Theanin plus 160 mg Koffein eine bessere Trefferquote und eine um rund 38 Millisekunden schnellere Reaktionszeit gegenüber Placebo, gemessen auch im EEG als größere und schnellere P3b-Komponente. Diese Studie hatte keinen Studienarm mit L-Theanin allein.
Razazan und Kollegen (2025) prüften bei zwölf Elite-Ringern vier Bedingungen: Placebo, Koffein allein, L-Theanin allein und die Kombination, je 3 mg/kg. Im Stroop-Test nach der Wettkampfsimulation war die Reaktionszeit unter der Kombination schneller als unter Placebo (p gleich 0,004) und als unter L-Theanin allein (p gleich 0,001 laut Ergebnistabelle; das Abstract nennt abweichend 0,036). Der Studienarm mit L-Theanin allein unterschied sich in der paarweisen Auswertung bei Reaktionszeit, Wandsitz, Medizinballwurf, Sprunghöhe und Griffkraft nicht signifikant von Placebo. Der Solo-Arm existiert in dieser Studie also, er zeigte nur keinen Vorteil.
Koffein allein erhöhte außerdem die Zustandsangst gegenüber Placebo. Unter der Kombination aus Koffein und L-Theanin unterschied sich dieser Wert nicht signifikant von Placebo. Herzrasen wurde unter der Kombination seltener berichtet als unter Koffein allein (17 gegenüber 92 Prozent); eine Senkung einer gemessenen Herzfrequenz ist damit nicht belegt. Auch dieser Befund betrifft ausschließlich die Kombination.
Tier- und Laborstudien
Zum angenommenen Wirkmechanismus, einer Beteiligung an Glutamat- und GABA-Signalwegen sowie an neuroprotektiven Vorgängen im Gehirn, liegen Zell- und Tierdaten vor. Sie wurden für diesen Eintrag nicht eigens recherchiert. Unabhängig davon gilt: Aus Zell- und Tierdaten folgt keine Aussage über die Wirkung beim Menschen.
Sicherheit und Wechselwirkungen
In allen hier ausgewerteten Studien war L-Theanin gut verträglich, es wurden keine schwerwiegenden Nebenwirkungen berichtet. Der Stoff gilt in den USA als GRAS.
Eine belastbare Aussage zu Wechselwirkungen mit Medikamenten, etwa mit Blutdruckmedikation oder Stimulanzien, liegt uns nicht vor. Dafür ist eine eigene Recherche nötig. Die Studie zur Zusatzgabe bei Angststörung lief unter laufender, stabiler Antidepressiva-Behandlung, ohne dass dabei Verträglichkeitsprobleme berichtet wurden.
Quellen zum Nachlesen
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01
RCT, doppelblind, placebokontrolliert, Crossover, n gleich 30, 200 mg pro Tag über 4 Wochen · 2019
Effects of L-Theanine Administration on Stress-Related Symptoms and Cognitive Functions in Healthy Adults, A Randomized Controlled Trial
Hidese S, et al. Nutrients
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02
RCT, doppelblind, placebokontrolliert, Crossover, n gleich 34, akute Einzeldosis eines Mehrstoff-Getraenks · 2016
Anti-Stress, Behavioural and Magnetoencephalography Effects of an L-Theanine-Based Nutrient Drink, A Randomised, Double-Blind, Placebo-Controlled, Crossover Trial
White DJ, et al. Nutrients
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03
Narrativer systematischer Review aus 13 Studien, n gleich 550, ausschließlich L-Theanin als Einzelintervention, 50 bis 900 mg pro Tag, ohne Meta-Analyse · 2026
Examining the effect of L-theanine on sleep, a systematic review of dietary supplementation trials
Cotter J, et al. Nutr Neurosci
Zur Zuschreibung: 05
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04
Bayessche Netzwerk-Meta-Analyse aus 29 RCTs zu 12 Heilpflanzen bei diagnostizierter Angststörung, für L-Theanin genau 1 eingespeiste Primaerstudie · 2022
Medicinal herbs for the treatment of anxiety, A systematic review and network meta-analysis
Zhang W, et al. Pharmacol Res
Zur Zuschreibung: 07
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05
RCT, randomisiert, n gleich 80 (davon 25 unter L-Theanin, 200 mg akut), Vergleich gegen Placebo und L-Tyrosin · 2024
Impact of L-theanine and L-tyrosine on markers of stress and cognitive performance in response to a virtual reality based active shooter training drill
McAllister MJ, et al. Stress
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06
RCT, doppelblind, placebokontrolliert, Crossover, n gleich 37, 200 mg L-Theanin plus 160 mg Koffein, akut · 2025
High-dose L-theanine-caffeine combination improves neurobehavioural and neurophysiological measures of selective attention in acutely sleep-deprived young adults
Nawarathna GS, et al. Br J Nutr
Zur Zuschreibung: 09
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07
RCT, doppelblind, placebokontrolliert, Crossover, n gleich 12 (Elite-Ringer), 4 Arme (Placebo, Koffein, L-Theanin, Koffein plus L-Theanin), je 3 mg/kg, akut · 2025
Performance-enhancing effects of caffeine and L-Theanine among Iranian elite wrestlers, a focus on cognitive and specific physical performance
Razazan R, et al. J Int Soc Sports Nutr
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08
RCT, doppelblind, placebokontrolliert, n gleich 46, Zusatzgabe zu laufender Antidepressiva-Therapie bei generalisierter Angststörung, 450 bis 900 mg pro Tag über 8 Wochen · 2019
L-theanine in the adjunctive treatment of generalized anxiety disorder, A double-blind, randomised, placebo-controlled trial
Sarris J, et al. J Psychiatr Res
Zur Zuschreibung: 07
Bei H.P.N
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