Lipase

Zuletzt geprüft am

Enzyme

Triacylglycerin-Lipase · Fettspaltendes Verdauungsenzym

H.P.N · Datenstand 2026-09-08 · 9 Zuschreibungen im Überblick

Auf einen Blick

Was es ist
Ein fettspaltendes Verdauungsenzym, Triacylglycerin-Lipase. Als Nahrungsergänzung wird meist eine mikrobielle Lipase aus Schimmelpilzen wie Aspergillus oder Rhizomucor eingesetzt, in Kapselform und häufig magensäureresistent ummantelt
Abgrenzung
Dieser Eintrag behandelt die frei verkäufliche mikrobielle Lipase als Nahrungsergänzung bei Menschen mit unauffälliger Verdauung. Das verschreibungspflichtige Pankreasenzym-Präparat aus Schweine-Bauchspeicheldrüse mit den Wirkstoffnamen Pankreatin oder Pancrelipase, dosiert in Lipase-Einheiten und ärztlich verordnet bei nachgewiesenem Enzymmangel, ist eine andere Zubereitung für eine andere Bevölkerungsgruppe, mit einer eigenen, umfangreichen und hier nicht herangezogenen Arzneimittelstudienlage
Herkunft
Menschliche Lipase wird von der Bauchspeicheldrüse, vom Magen und in geringerem Umfang von der Leber gebildet. Die als Nahrungsergänzung angebotene Zusatzlipase stammt dagegen aus mikrobieller Fermentation, kein körpereigenes und kein aus Tieren gewonnenes Präparat
Wirkform in Studien
Sehr uneinheitlich zwischen den beiden Präparate-Welten, siehe Abgrenzung. Die einzige gefundene Studie zur frei verkäuflichen Zubereitung prüft eine magensäureresistente Kapsel als Einzeldosis unmittelbar vor einer einzelnen Testmahlzeit
Übliche Studiendosis
280 mg einer magensäureresistenten mikrobiellen Lipase als Einzeldosis unmittelbar vor einer fettreichen Mahlzeit, in der einzigen gefundenen Studie zur frei verkäuflichen Zubereitung. Zu einer wiederholten, mehrwöchigen Einnahme liegt uns keine Studie vor
Bekannt geworden durch
Die Rolle der körpereigenen Lipase als eines der drei großen Verdauungsenzyme neben Amylase und Protease, und die Vermarktung isolierter oder gemischter Verdauungsenzym-Präparate für die Fettverdauung
Verträglichkeit
In der einzigen gefundenen Studie zur frei verkäuflichen Zubereitung wird gar keine Verträglichkeit berichtet, weder ein unerwünschtes Ereignis noch dessen Ausbleiben, und der Beobachtungszeitraum umfasste ohnehin nur eine Stunde nach einer Einzeldosis. Beim berufsbedingten Umgang mit Lipase-haltigem Enzymstaub ist eine Sensibilisierung der Atemwege beschrieben, siehe Sicherheit

Was diesem Stoff zugesprochen wird

Was die Studien hergeben.

Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.

  1. 01

    Empfundene Magenfülle nach einer einzelnen fettreichen Testmahlzeit bei Menschen mit unauffälliger Verdauung, niedriger unter einer magensäureresistenten Lipase-Einzeldosis als unter Placebo

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    In der einzigen gefundenen Studie war das Völlegefühl nach einer fettreichen Testmahlzeit bei 16 gesunden Testpersonen unter Lipase schwächer als unter Placebo, mit einem F-Wert statt einer Effektgröße mit Vertrauensintervall.

    Ausführlicher Nachweis

    In einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Cross-over-Studie wurden 28 Freiwillige rekrutiert, deren Vorgeschichte, körperliche Untersuchung und Magen-Wasserbelastungstest mit Elektrogastrogramm vorab unauffällig sein mussten. Zwölf schieden wegen eines auffälligen Elektrogastrogramms aus, ausgewertet wurden die verbleibenden 16 Personen, 12 Männer und 4 Frauen im Alter von 23 bis 61 Jahren [1]. Unmittelbar vor einer standardisierten fettreichen Flüssigmahlzeit (237 Milliliter, 355 Kilokalorien, 55 Prozent Fett) nahmen sie einmalig eine Kapsel mit 280 mg einer magensäureresistenten Lipase des Herstellers Amano Enzyme oder eine Placebokapsel ein, mit mindestens einer Woche Abstand zwischen den beiden Terminen [1]. Die Arbeit selbst bezeichnet das Präparat ausschließlich als magensäureresistente Lipase dieses Herstellers und nennt weder den Ursprungsorganismus noch eine Enzymaktivität in Einheiten [1]. Der mikrobielle Ursprung folgt aus dem Herstellerprogramm und nicht aus der Arbeit. Ein Hinweis auf ein zweites Enzym in derselben Kapsel, etwa Protease oder Amylase, findet sich in der Arbeit nicht, geprüft wurde also Lipase als Einzelenzym und kein Vielenzym-Gemisch [1]. Über den gesamten Beobachtungszeitraum von 60 Minuten fiel die auf einer visuellen Analogskala von 0 bis 100 erhobene Magenfülle unter Lipase niedriger aus als unter Placebo, Haupteffekt der Bedingung F(1,15) gleich 4,35, p kleiner 0,05 [1]. Der Unterschied erreichte statistische Bedeutung 20 und 30 Minuten nach der Mahlzeit, mit Werten von 14,0 gegenüber 20,4 nach 20 Minuten und 10,9 gegenüber 19,1 nach 30 Minuten, jeweils Mittelwert plus minus Standardfehler, Lipase gegenüber Placebo [1]. Ein Effektmaß mit Konfidenzintervall für diesen Gruppenunterschied nennt die Arbeit nicht, nur den F-Wert und den Schwellenwert p kleiner 0,05. Geprüft wurde eine einmalige Einnahme unmittelbar vor einer einzelnen Mahlzeit, keine Aussage zu einer wiederholten oder länger andauernden Einnahme. Die drei Autorinnen und Autoren sind laut Affiliation an einem College und einer Universitätsklinik angestellt, keiner ist dem Hersteller zugeordnet, und die Interessenerklärung der Arbeit nennt ausdrücklich keinen Interessenkonflikt. Im Förderhinweis am Textende steht dagegen, die Studie sei zum Teil von Amano Enzyme USA finanziell unterstützt worden, dem Hersteller der geprüften Lipase [1]. Affiliation, Interessenerklärung und Förderhinweis fallen hier auseinander, nur der gesonderte Förderhinweis nennt die Herstellerbindung. Geprüft wurde die frei verkäufliche mikrobielle Lipase als Einzelenzym bei gesunden Testpersonen, nicht das verschreibungspflichtige, aus Schweine-Bauchspeicheldrüse gewonnene Pankreasenzym-Präparat, zu dem eine umfangreiche, hier nicht herangezogene Arzneimittelstudienlage bei Menschen mit nachgewiesenem Enzymmangel besteht, siehe Abgrenzung.

    Quellen: 1

  2. 02

    Blähungsgefühl nach einer einzelnen fettreichen Testmahlzeit bei Menschen mit unauffälliger Verdauung, ohne Unterschied zu Placebo

    Nicht bestätigt
    Einordnung und Einschränkungen

    In derselben Studie an 16 gesunden Testpersonen veränderte die Lipase-Einzeldosis das Blähungsgefühl gegenüber Placebo nicht, ohne eigene Effektgröße für diesen Vergleich.

    Ausführlicher Nachweis

    In derselben Cross-over-Studie stieg das auf einer visuellen Analogskala erhobene Blähungsgefühl durch die fettreiche Testmahlzeit selbst signifikant an, Haupteffekt der Zeit F(6,90) gleich 3,10, p kleiner 0,05 [1]. Für den Vergleich zwischen Lipase und Placebo berichtet die Arbeit ausdrücklich, das Blähungsgefühl sei durch die Lipase-Gabe nicht beeinflusst worden, ohne einen eigenen F-Wert oder p-Wert für diesen Bedingungsvergleich zu nennen [1]. Ein Effektmaß mit Konfidenzintervall liegt für diesen Nullbefund nicht vor, das Blähungsgefühl war in dieser randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Studie aber eine vorab erhobene Zielgröße und der erwartete Unterschied zeigte sich nicht, deshalb steht die Zeile auf nicht bestätigt. Sie gilt für eine einmalige Gabe vor einer einzelnen Mahlzeit bei sechzehn Personen. Dieselbe einmalige Kapsel mit 280 mg magensäureresistenter mikrobieller Lipase, dieselben 16 Personen und dieselbe im Förderhinweis dokumentierte Herstellerbindung wie in der Zeile zur Magenfülle gelten unverändert [1].

    Quellen: 1

  3. 03

    Übelkeit nach einer einzelnen fettreichen Testmahlzeit bei Menschen mit unauffälliger Verdauung, ohne Unterschied zu Placebo

    Nicht bestätigt
    Einordnung und Einschränkungen

    In derselben Studie an 16 gesunden Testpersonen veränderte die Lipase-Einzeldosis die Übelkeit gegenüber Placebo nicht, ohne eigene Effektgröße für diesen Vergleich.

    Ausführlicher Nachweis

    In derselben Cross-over-Studie stieg die auf einer visuellen Analogskala erhobene Übelkeit durch die fettreiche Testmahlzeit selbst signifikant an, Haupteffekt der Zeit F(6,90) gleich 7,30, p kleiner 0,001 [1]. Für den Vergleich zwischen Lipase und Placebo berichtet die Arbeit, die Übelkeit sei durch die Lipase-Gabe nicht beeinflusst worden, auch hier ohne eigenen F-Wert oder p-Wert für den Bedingungsvergleich [1]. Ein Effektmaß mit Konfidenzintervall fehlt, die Übelkeit war aber eine vorab erhobene Zielgröße derselben randomisierten, doppelblinden Studie und der erwartete Unterschied zeigte sich nicht, deshalb steht die Zeile auf nicht bestätigt. Sie gilt für eine einmalige Gabe vor einer einzelnen Mahlzeit. Dieselbe einmalige Kapsel, dieselben 16 Personen und dieselbe Herstellerbindung wie in der Zeile zur Magenfülle gelten unverändert [1].

    Quellen: 1

  4. 04

    Magenmyoelektrische Aktivität, Anteil normaler und tachygastrischer Frequenzen, nach einer einzelnen fettreichen Testmahlzeit bei Menschen mit unauffälliger Verdauung, ohne Unterschied zu Placebo

    Nicht bestätigt
    Einordnung und Einschränkungen

    In derselben Studie veränderte die Lipase-Einzeldosis die per Elektrogastrogramm gemessene Magenaktivität zu keinem Zeitpunkt gegenüber Placebo, ohne eigene Effektgröße für diesen Vergleich.

    Ausführlicher Nachweis

    In derselben Cross-over-Studie sank der Anteil normaler, mit 2,5 bis 3,75 Zyklen pro Minute schlagender Magenaktivität durch die fettreiche Testmahlzeit selbst signifikant, Haupteffekt der Zeit F(5,75) gleich 2,76, p gleich 0,02, während der Anteil tachygastrischer Aktivität im selben Zeitraum signifikant anstieg, F(5,75) gleich 2,79, p gleich 0,02 [1]. Die Lipase-Gabe veränderte diese Werte zu keinem der erhobenen Zeitpunkte gegenüber Placebo, ein eigener F-Wert oder p-Wert für diesen Vergleich wird nicht berichtet [1]. Ein Effektmaß mit Konfidenzintervall fehlt, die Magenaktivität wurde in dieser randomisierten, doppelblinden Studie aber über den gesamten Zeitraum per Elektrogastrogramm gemessen und der erwartete Unterschied zeigte sich zu keinem Zeitpunkt, deshalb steht die Zeile auf nicht bestätigt. Die Autorinnen und Autoren werten den ausbleibenden Effekt auf die Magenmyoelektrik selbst als Hinweis, dass sich die oben beschriebene Abnahme der Magenfülle nicht über eine veränderte Magenmotilität erklären lässt, sondern eher über eine schnellere Fettspaltung im Magen selbst [1].

    Quellen: 1

  5. 05

    Fettausscheidung im Stuhl und Koeffizient der Fettabsorption bei Menschen mit unauffälliger Verdauung

    Keine Studien gefunden
    Einordnung und Einschränkungen

    Wir haben gezielt gesucht und keine Studie zur frei verkäuflichen mikrobiellen Lipase und zur Fettausscheidung oder zum Koeffizienten der Fettabsorption bei Menschen mit unauffälliger Verdauung gefunden.

    Ausführlicher Nachweis

    Gesucht mit den PubMed-Suchbegriffen "lipase supplement" "fecal fat", ohne Beschränkung auf Humanstudien und Publikationstyp, 12 Treffer, und mit den Suchbegriffen "microbial lipase" "coefficient of fat absorption", ebenfalls ohne Beschränkung, 2 Treffer, keiner davon zurechenbar. Die Treffer betreffen entweder das verschreibungspflichtige, aus Schweine-Bauchspeicheldrüse gewonnene Pankreasenzym-Präparat bei Menschen mit nachgewiesenem Enzymmangel, etwa nach einer Bauchspeicheldrüsen-Operation, oder ein neu entwickeltes mikrobielles Lipase-Molekül, das als künftiges Arzneimittel für denselben Mangel in Zell- und Tiermodellen sowie einer frühen klinischen Prüfung an Menschen mit demselben Mangel getestet wird. Kein Treffer prüft eine frei verkäufliche Lipase-Zubereitung bei Menschen mit unauffälliger Verdauung auf diesen Endpunkt. Die umfangreiche Literatur zur Fettausscheidung unter Pankreasenzym-Ersatz ist eine Arzneimittelstudienlage zu einer anderen Bevölkerungsgruppe und einer anderen Zubereitung und trägt für diesen Eintrag keine Aussage, siehe Abgrenzung.

  6. 06

    Gesamtcholesterin und Blutfettwerte bei Menschen mit unauffälliger Verdauung, bei täglicher Einnahme

    Keine Studien gefunden
    Einordnung und Einschränkungen

    Wir haben gezielt gesucht und keine Humanstudie zur frei verkäuflichen mikrobiellen Lipase und zu Cholesterin oder Blutfettwerten gefunden.

    Ausführlicher Nachweis

    Gesucht mit den PubMed-Suchbegriffen "oral lipase supplementation" "cholesterol", ohne Beschränkung auf Humanstudien und Publikationstyp, 0 Treffer, und mit den Suchbegriffen "digestive enzyme supplement" "cholesterol", ebenfalls ohne Beschränkung, 1 Treffer, nicht zurechenbar. Der eine Treffer prüft im Tiermodell an Mäusen ein völlig anderes Präparat, ein proprietäres Gemisch aus neun Probiotika-Stämmen und zehn Verdauungsenzymen eines Herstellers, dem ein Mitautor angehört, nicht Lipase als Einzelstoff und nicht am Menschen. Er wird deshalb hier nicht als Beleg geführt.

  7. 07

    Körpergewicht bei Menschen mit unauffälliger Verdauung, bei täglicher Einnahme über mehrere Wochen

    Keine Studien gefunden
    Einordnung und Einschränkungen

    Wir haben gezielt gesucht und keine Humanstudie zur frei verkäuflichen mikrobiellen Lipase und zu Körpergewicht oder Gewichtsveränderung gefunden.

    Ausführlicher Nachweis

    Gesucht mit den PubMed-Suchbegriffen "oral lipase supplementation" "body weight", ohne Beschränkung auf Humanstudien und Publikationstyp, 0 Treffer, und mit den Suchbegriffen "digestive lipase" "weight loss", ebenfalls ohne Beschränkung, 0 Treffer, keiner zurechenbar. Umgekehrt liegt eine umfangreiche Literatur zu Lipase-Hemmstoffen wie Orlistat vor, die die Fettaufnahme absichtlich verringern. Das ist der entgegengesetzte Wirkmechanismus zu einer zugeführten, die Fettverdauung unterstützenden Lipase und trägt für diesen Eintrag keine Aussage.

  8. 08

    Aufnahme der fettlöslichen Vitamine A, D, E und K bei Menschen mit unauffälliger Verdauung

    Keine Studien gefunden
    Einordnung und Einschränkungen

    Wir haben gezielt gesucht und keine Humanstudie zur frei verkäuflichen mikrobiellen Lipase und zur Aufnahme fettlöslicher Vitamine bei Menschen mit unauffälliger Verdauung gefunden.

    Ausführlicher Nachweis

    Gesucht mit den PubMed-Suchbegriffen "lipase supplement" "vitamin absorption", ohne Beschränkung auf Humanstudien und Publikationstyp, 0 Treffer, und mit den Suchbegriffen "microbial lipase" "vitamin A", ebenfalls ohne Beschränkung, 0 Treffer, keiner zurechenbar. Die einzige auffindbare Untersuchung zur Aufnahme fettlöslicher Vitamine unter zugeführter Lipase prüft ein an eine Ernährungssonde angeschlossenes Lipase-Kartuschen-Medizinprodukt in einem Schweine-Modell einer seltenen Darmerkrankung, nicht die hier behandelte oral eingenommene Nahrungsergänzung bei Menschen mit unauffälliger Verdauung.

  9. 09

    Entzündungsmarker und oxidativer Stress bei Menschen mit unauffälliger Verdauung

    Keine Studien gefunden
    Einordnung und Einschränkungen

    Wir haben gezielt gesucht und keine Humanstudie zur frei verkäuflichen mikrobiellen Lipase und zu Entzündungsmarkern oder oxidativem Stress gefunden.

    Ausführlicher Nachweis

    Gesucht mit den PubMed-Suchbegriffen "oral lipase supplementation" "inflammation", ohne Beschränkung auf Humanstudien und Publikationstyp, 0 Treffer, mit den Suchbegriffen "digestive enzyme supplement" "inflammation", ebenfalls ohne Beschränkung, 0 Treffer, sowie mit den Suchbegriffen "oral lipase supplementation" "oxidative stress", ebenfalls ohne Beschränkung, 0 Treffer, keiner zurechenbar. Die einzige gefundene Humanstudie zur frei verkäuflichen Lipase, die in den oberen Zeilen zur einzelnen fettreichen Testmahlzeit ausgewertete Cross-over-Studie, erhebt weder Entzündungsmarker noch Marker für oxidativen Stress, sie misst ausschließlich Symptom-Skalen und die Magenmyoelektrik nach einer einzelnen Testmahlzeit.

Studien im Detail

Magenfülle, Blähung, Übelkeit und Magenmyoelektrik nach einer fettreichen Testmahlzeit

Levine und Kollegen prüften 2015 in einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Cross-over-Studie, ob eine magensäureresistente mikrobielle Lipase die Beschwerden nach einer fettreichen Mahlzeit bei gesunden Menschen verändert. Von 28 rekrutierten Freiwilligen erfüllten 16 die Einschlusskriterien, ein unauffälliger Magen-Wasserbelastungstest mit Elektrogastrogramm, eine unauffällige Vorgeschichte und eine unauffällige körperliche Untersuchung. Sie nahmen unmittelbar vor einer standardisierten fettreichen Flüssigmahlzeit einmalig eine Kapsel mit 280 mg Lipase oder Placebo ein, mit mindestens einer Woche Abstand zwischen den beiden Terminen.

Die fettreiche Mahlzeit selbst löste bei allen Teilnehmenden einen deutlichen Anstieg von Magenfülle, Blähungsgefühl und Übelkeit aus, begleitet von einer Verschiebung der Magenmyoelektrik hin zu mehr tachygastrischer und weniger normaler Aktivität. Gegenüber Placebo war unter Lipase allein die Magenfülle niedriger, mit einem Unterschied 20 und 30 Minuten nach der Mahlzeit. Blähungsgefühl, Übelkeit und Magenmyoelektrik veränderten sich durch die Lipase-Gabe zu keinem Zeitpunkt gegenüber Placebo. Die Autorinnen und Autoren vermuten als Erklärung eine schnellere Aufspaltung der Nahrungsfette bereits im Magen, ohne dass sich dies in den gemessenen Magenmyoelektrik-Werten niederschlägt, eine Erklärung, die die Arbeit selbst als Vermutung kennzeichnet.

Einordnung, diese Studie prüft eine einzelne Dosis vor einer einzelnen Mahlzeit bei einer kleinen Zahl vorab auf unauffällige Magenreaktion gescreenter Personen. Zu einer wiederholten, mehrwöchigen Einnahme liegt keine Studie vor, und für den einzigen positiven Befund nennt die Arbeit kein Effektmaß mit Konfidenzintervall, nur einen F-Wert und den Schwellenwert p kleiner 0,05. Die Studie wurde teilweise vom Hersteller der geprüften Lipase finanziell unterstützt, ein Umstand, der im gesonderten Förderhinweis steht und nicht in der Interessenerklärung, die keinen Interessenkonflikt nennt.

Abgrenzung, mikrobielle Nahrungsergänzungs-Lipase gegenüber verschreibungspflichtigen Pankreasenzym-Präparaten

Die weitaus umfangreichste Studienlage zu zugeführter Lipase betrifft nicht die in diesem Eintrag behandelte frei verkäufliche Nahrungsergänzung, sondern verschreibungspflichtige Pankreasenzym-Präparate aus Schweine-Bauchspeicheldrüse, mit den Wirkstoffnamen Pankreatin oder Pancrelipase, dosiert in Lipase-Einheiten. Diese Arzneimittel sind für Menschen mit ärztlich nachgewiesenem Mangel an körpereigenen Verdauungsenzymen zugelassen und werden unter fachlicher Begleitung individuell dosiert. Eine Recherche zu dieser Wirkstoffgruppe und zur Fettausscheidung im Stuhl liefert allein über die hier verwendeten Suchbegriffe mehrere Dutzend Arbeiten, weit überwiegend an Menschen mit einem solchen nachgewiesenen Mangel. Eine Ausnahme gibt es, und sie gehört genannt, weil sie die Grenze dieses Eintrags schärft. Eine 1999 veröffentlichte doppelblinde Cross-over-Studie gab 18 gesunden Freiwilligen zu einer sehr fettreichen Mahlzeit aus Keksen drei Kapseln eines mikroverkapselten Pankreasenzym-Präparats oder Placebo und fand über den gesamten Aufzeichnungszeitraum weniger Blähungsgefühl (p gleich 0,049), zwischen Abendessen und Zubettgehen zusätzlich weniger Blähung, weniger Gas und weniger Völlegefühl [3]. Diese Arbeit prüft also durchaus Menschen mit unauffälliger Verdauung, aber ein aus Schweine-Bauchspeicheldrüse gewonnenes Vielenzym- Präparat und nicht die hier behandelte einzelne Lipase.

Für diesen Eintrag tragen diese Arbeiten keine Aussage, aus drei Gründen zugleich. Erstens ist die geprüfte Zubereitung eine andere, ein aus tierischem Gewebe gewonnenes, hoch dosiertes Arzneimittel gegenüber einer aus mikrobieller Fermentation gewonnenen, niedriger dosierten Nahrungsergänzung. Zweitens ist die untersuchte Bevölkerungsgruppe in aller Regel eine andere, Menschen mit einem nachgewiesenen Mangel gegenüber Menschen mit unauffälliger Verdauung, für die dieser Eintrag geschrieben ist. Die oben genannte Arbeit von 1999 zeigt allerdings, dass diese zweite Begründung nicht immer greift, tragend ist dann allein die Zubereitung. Drittens ist damit auch die Übertragbarkeit der Ergebnisse nicht gegeben, eine Wirkung, die einen bestehenden Mangel ausgleicht, sagt nichts darüber aus, ob dieselbe Zufuhr bei einer bereits ausreichenden körpereigenen Enzymmenge einen zusätzlichen Effekt hat.

Selbst dort, wo Arbeiten ausdrücklich eine mikrobielle statt einer aus Tieren gewonnenen Lipase prüfen, etwa ein neu entwickeltes mikrobielles Lipase-Molekül für die Wirkstoffentwicklung, geschieht dies als Arzneimittelkandidat für dieselbe Bevölkerungsgruppe mit nachgewiesenem Mangel, in Zell-, Tier- und frühen klinischen Modellen, nicht als Nahrungsergänzung für Menschen mit unauffälliger Verdauung. Der Ursprung des Enzyms, mikrobiell oder tierisch, entscheidet damit nicht darüber, ob eine Studie für diesen Eintrag zählt, entscheidend ist allein, ob sie die hier behandelte Zubereitung bei der hier behandelten Bevölkerungsgruppe prüft. Jede einzelne Quelle in diesem Eintrag ist mit dieser Unterscheidung geprüft worden, siehe die jeweiligen Wirkungszeilen.

Sicherheit und Wechselwirkungen

Zur oralen Einnahme der frei verkäuflichen Lipase bei Menschen mit unauffälliger Verdauung liegt uns nur die eine, oben beschriebene kleine Studie über einen einstündigen Beobachtungszeitraum nach einer Einzeldosis vor, ohne gesonderte Verträglichkeitsauswertung und ohne berichtete auffällige Ereignisse. Eine Aussage zur Verträglichkeit bei täglicher, länger andauernder Einnahme lässt sich daraus nicht ableiten.

Unabhängig von der oralen Einnahme ist beim beruflichen Umgang mit Lipase in Pulverform eine Sensibilisierung der Atemwege beschrieben. Eine Fallserie bei drei Beschäftigten der Waschmittelherstellung dokumentiert Berufsasthma nach eingeatmetem Enzymstaub, bestätigt über Hauttests, spezifisches IgE im Blut und eine bronchiale Provokationstestung, die bei allen dreien eine reproduzierbare doppelgipflige asthmatische Reaktion auslöste [2]. Provoziert wurde dabei nur bei zwei der drei mit Lipase, beim dritten mit Cellulase [2]. Diese Befunde betreffen die wiederholte Einatmung von Enzymstaub am Arbeitsplatz und nicht die orale Einnahme einer verschluckten Kapsel, sie begründen aber Vorsicht beim Öffnen von Kapseln oder beim Umgang mit offenem Enzympulver, besonders bei bekannter Neigung zu Atemwegsallergien.

Zu Wechselwirkungen mit Medikamenten liegt uns keine eigene geprüfte Humanstudie vor. Zu Schwangerschaft und Stillzeit liegt uns ebenfalls keine eigene geprüfte Quelle vor, eine ärztliche Rücksprache vor der Einnahme ist in diesem Fall grundsätzlich sinnvoll. Menschen mit einem ärztlich nachgewiesenen Mangel an Bauchspeicheldrüsenenzymen gehören in ärztliche Behandlung mit einem dafür zugelassenen Präparat und nicht in die Selbstversorgung mit einer frei verkäuflichen Nahrungsergänzung, siehe Abgrenzung.

Quellen zum Nachlesen

  1. 01

    RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, Cross-over, 16 ausgewertete von 28 rekrutierten Personen, Einzeldosis 280 mg vor einer Testmahlzeit · 2015

    Lipase Supplementation before a High-Fat Meal Reduces Perceptions of Fullness in Healthy Subjects

    Levine ME, Koch SY, Koch KL. Gut Liver

    Zur Zuschreibung: 01, 02, 03, 04

  2. 02

    Fallserie, 3 Arbeitnehmer, Haut- und Bronchialtestung nach beruflicher Lipase- und Cellulase-Exposition, keine Humanstudie zur oralen Einnahme · 2004

    Occupational asthma caused by cellulase and lipase in the detergent industry

    Brant A, Hole A, Cannon J, Helm J, Swales C, Welch J, Taylor AN, Cullinan P. Occup Environ Med

  3. 03

    RCT, doppelblind, Cross-over, 18 gesunde Freiwillige, mikroverkapseltes Pankreasenzym-Präparat aus Schweine-Bauchspeicheldrüse, keine Studie zur hier behandelten Zubereitung · 1999

    Pancreatic supplements reduce symptomatic response of healthy subjects to a high fat meal

    Suarez F, Levitt MD, Adshead J, Barkin JS. Dig Dis Sci

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