Lungenkraut-Extrakt

Zuletzt geprüft am

Pflanzenextrakte

Pulmonaria officinalis L., Familie Boraginaceae · Echtes Lungenkraut · Geflecktes Lungenkraut · Common Lungwort · Lungwort · Jerusalem Cowslip

H.P.N · Datenstand 2026-09-08 · 11 Zuschreibungen im Überblick

Auf einen Blick

Was es ist
Extrakt aus den oberirdischen Teilen (Blätter, Stängel, teils Blüten) von Pulmonaria officinalis L., einer im Frühjahr blühenden Waldpflanze mit weiß gefleckten Blättern. Phytochemische Arbeiten weisen vor allem phenolische Säuren nach, allen voran Rosmarinsäure-Derivate und die erstmals aus dieser Art beschriebene Yunnaneicsäure B, dazu Phytol und weitere Terpenoide sowie, in einer älteren Arbeit ohne zugängliche Zahlenwerte, Pyrrolizidinalkaloide, siehe Sicherheit. Schleimstoffe als Hauptwirkstoffgruppe finden keine Bestätigung, eine Übersicht zur gesamten Familie der Boraginaceae ordnet Schleimstoffe ausdrücklich Borretsch, Beinwell, Natternkopf und Cordia zu und nennt Pulmonaria dort gerade nicht. Saponine dagegen werden in einer Übersicht zur Gattung selbst als Bestandteil aufgeführt, allerdings ohne Mengenangabe. Für die Gattung belegt sind daneben Gerbstoffe, dazu Kieselsäure sowie, für diese Art, Gamma-Linolensäure
Herkunft
Wildwachsend und als Zierpflanze kultiviert in Laub- und Mischwäldern Mittel- und Osteuropas. Der deutsche wie der englische Name (Lungenkraut, lungwort) gehen auf die weiß gefleckten Blätter zurück, die nach der mittelalterlichen Signaturenlehre an erkranktes Lungengewebe erinnerten, nicht auf einen durch Studien belegten Wirkzusammenhang
Verwechslungsgefahr
Der Name Lungenkraut wird im Deutschen wie im Englischen (lungwort) auch für die Lungenflechte Lobaria pulmonaria verwendet, einen Flechtenorganismus, der mit dieser Pflanze nicht näher verwandt ist. Auch innerhalb der Gattung Pulmonaria selbst werden die eng verwandten Arten Pulmonaria officinalis, Pulmonaria obscura und Pulmonaria mollissima in der Forschung häufig gemeinsam oder wechselseitig untersucht, siehe Abgrenzung unten
Wirkform in Studien
Ausschließlich Extrakte, isolierte Einzelstoffe oder Tee-Aufgüsse aus den oberirdischen Pflanzenteilen in Zellkultur-, Reagenzglas- und wenigen älteren Tierversuchen. Keine gefundene Arbeit prüft eine orale Aufnahme durch einen Menschen, weder als Tee, Kapsel noch Tinktur
Übliche Studiendosis
In den Laborstudien Extraktkonzentrationen von etwa 1 bis 100 Mikrogramm pro Milliliter für antioxidative und enzymhemmende Effekte, 1 bis 2 Milligramm pro Milliliter für die antibakterielle Wirkung und bis 2 Milligramm pro Milliliter in der Zelltoxizitäts- und Erbgutprüfung. Keine dieser Konzentrationen lässt sich in eine Tagesdosis für den Menschen umrechnen, weil keine gefundene Studie eine orale Aufnahme durch einen Menschen geprüft hat
Bekannt geworden durch
Die traditionelle europäische Kräutermedizin, in der Lungenkraut wegen seiner gefleckten Blätter seit dem Mittelalter äußerlich und innerlich bei Atemwegsbeschwerden eingesetzt wurde
Verträglichkeit
In den vorliegenden Zell- und Tierversuchen bei niedrigen geprüften Konzentrationen keine Hinweise auf akute Zellschädigung, bei hohen Konzentrationen dagegen Zelltod und Erbgutschädigung in einer Zelllinie, siehe Sicherheit. Zur Verträglichkeit bei oraler Einnahme durch Menschen liegt keine eigene Studie vor

Was diesem Stoff zugesprochen wird

Was die Studien hergeben.

Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.

  1. 01

    Schutz von menschlichem Blutplasma vor experimentell ausgelöstem oxidativem Stress, im Reagenzglas

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    In zwei Laborstudien milderten Extrakte aus den oberirdischen Pflanzenteilen den durch Peroxynitrit ausgelösten oxidativen Schaden an menschlichem Blutplasma. Geprüft wurde ausschließlich außerhalb des Körpers, keine Einnahme durch einen Menschen oder ein Tier.

    Ausführlicher Nachweis

    Krzyżanowska-Kowalczyk und Kollegen prüften 2021 phenolreiche Fraktionen aus den oberirdischen Teilen von Pulmonaria officinalis und der nah verwandten Art Pulmonaria obscura in Konzentrationen von 1 bis 100 Mikrogramm pro Milliliter an menschlichem Blutplasma, das im Reagenzglas mit Peroxynitrit belastet wurde [1]. Beide Extrakte verringerten die oxidative Schädigung von Plasma-Eiweißen und -Fetten und verbesserten die nicht-enzymatische antioxidative Kapazität des Plasmas, ohne toxische Effekte auf Blutplättchen oder mononukleäre Zellen des peripheren Blutes in dieser Konzentrationsspanne [1]. Phytochemisch bestand die Fraktion zu über 80 Prozent aus Phenolsäuren und ihren Derivaten, allen voran Konjugate der Danshensu- und Kaffeesäure wie Rosmarin-, Lithospermin-, Salvianol-, Monard- und Yunnaneicsäure [1]. Die Arbeit erklärt keinen Interessenkonflikt und nennt keine Förderung durch einen Hersteller [1]. Eine frühere Arbeit derselben Forschungsgruppe isolierte aus Pulmonaria officinalis erstmals Yunnaneicsäure B und bestätigte für die isolierte Reinsubstanz, in Konzentrationen von 1 bis 50 Mikrogramm pro Milliliter, denselben Schutzeffekt auf Blutplasma-Eiweiße und -Fette unter Peroxynitrit-Belastung, bei fehlender Zelltoxizität auf mononukleäre Zellen des peripheren Blutes bis 50 Mikrogramm pro Milliliter [2]. Auch diese Arbeit nennt keinen Interessenkonflikt. Beide Arbeiten prüften ausschließlich Reagenzglas-Systeme mit menschlichem Blutplasma oder isolierten Blutzellen, keine Einnahme durch einen lebenden Organismus.

    Quellen: 1, 2

  2. 02

    Antioxidative Kapazität eines wässrigen Aufgusses im Vergleich zu anderen europäischen Heilpflanzentees, im Reagenzglastest

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    In einem Laborvergleich bulgarischer Heilpflanzentees gehörte ein Lungenkraut-Aufguss zu den Pflanzen mit hohem Polyphenolgehalt und hoher antioxidativer Kapazität, allerdings niedriger als mehrere andere geprüfte Kräuter. Geprüft wurde ein Tee-Aufguss im Reagenzglas, keine Einnahme durch einen Menschen.

    Ausführlicher Nachweis

    Ivanova und Kollegen bereiteten 2005 aus 21 in der bulgarischen Volksheilkunde gegen Atemwegs-, Magen-Darm- und andere Entzündungsbeschwerden genutzten Pflanzen Tee-Aufgüsse nach der jeweils üblichen Zubereitung und maßen deren antioxidative Kapazität mittels Trolox-Äquivalent-Test (TEAC) sowie den Gesamtphenolgehalt nach Folin-Ciocalteu [3]. Der Lungenkraut-Aufguss erreichte einen TEAC-Wert von 2,02 plus/minus 0,14 Millimol und einen Phenolgehalt von 673,39 plus/minus 9,92 Mikromol Quercetin-Äquivalent und gehörte damit zu den sieben von 21 geprüften Pflanzen mit hohem Phenolgehalt und hoher antioxidativer Kapazität, deutlich niedriger allerdings als Oregano (TEAC 5,87) oder Perückenstrauch (TEAC 7,05) in derselben Untersuchung [3]. Eine Interessenerklärung oder Förderangabe nennt die Arbeit nicht. Geprüft wurde ein wässriger Aufguss nach Art der traditionellen Teezubereitung im Reagenzglastest, keine Einnahme durch einen Menschen oder ein Tier.

    Quellen: 3

  3. 03

    Hemmung des Enzyms Cyclooxygenase 2 in einem zellfreien Testsystem

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    Im Enzymtest hemmte ein Extrakt das entzündungsbezogene Enzym Cyclooxygenase 2 stärker als der Extrakt der nah verwandten Art Pulmonaria obscura. Geprüft wurde ein isoliertes Enzym im Reagenzglas, keine Zelle und kein Organismus.

    Ausführlicher Nachweis

    In derselben Arbeit von Krzyżanowska-Kowalczyk und Kollegen aus dem Jahr 2021 hemmte die phenolreiche Fraktion aus Pulmonaria officinalis das isolierte Enzym Cyclooxygenase 2 (COX-2) mit einer mittleren hemmenden Konzentration (IC50) von 13,28 Mikrogramm pro Milliliter gegenüber einem synthetischen Farbsubstrat und von 7,24 Mikrogramm pro Milliliter gegenüber dem physiologischen Substrat Arachidonsäure, in beiden Fällen wirksamer als der Extrakt der Vergleichsart Pulmonaria obscura [1]. Eine ergänzende Computersimulation fand für zehn Inhaltsstoffe des Extrakts, darunter Rosmarinsäure, Menisdaurin, Globoidnan A und Salvianolsäure H, eine mögliche Bindung an das COX-2-Enzym [1]. Geprüft wurde ein isoliertes Enzym in einem zellfreien Testsystem, keine Zelle, kein Tier und kein Mensch.

    Quellen: 1

  4. 04

    Erbgutschützende Wirkung bei niedriger Konzentration und erbgutschädigende Wirkung bei hoher Konzentration, an menschlichen Bindegewebszellen im Reagenzglas

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    An menschlichen fetalen Bindegewebszellen schützte ein Extrakt in sehr niedriger Konzentration das Erbgut vor Wasserstoffperoxid-Schäden, während höhere Konzentrationen selbst das Erbgut schädigten und Zellen abtöteten. Der Effekt kehrt sich mit der Konzentration also um.

    Ausführlicher Nachweis

    Ignjatijević und Kollegen prüften 2025 einen 70-prozentigen ethanolischen Extrakt aus Pulmonaria officinalis an der Zelllinie MRC-5 (menschliche fetale Lungen-Fibroblasten) [4]. Im MTT-Test zur Zelllebensfähigkeit senkte nur die höchste geprüfte Konzentration von 2 Milligramm pro Milliliter die Lebensfähigkeit der Zellen deutlich, auf rund 33,7 Prozent [4]. Im alkalischen Comet-Test zeigten Konzentrationen zwischen 0,03 und 1 Milligramm pro Milliliter eine dosisabhängige Erbgutschädigung bis hin zur vollständigen Zerstörung der Zellkerne bei den höchsten Konzentrationen, während deutlich niedrigere, selbst nicht erbgutschädigende Konzentrationen von 3,9 bis 15,6 Mikrogramm pro Milliliter das Erbgut vor einer nachfolgenden Schädigung durch Wasserstoffperoxid schützten, am stärksten bei der niedrigsten geprüften Konzentration mit einer um 28 Prozent verringerten Erbgutschädigung [4]. Die gaschromatographische Analyse des Extrakts wies Phytol als häufigste Einzelsubstanz nach, daneben Terpenoide, Fettsäuren, Alkohole, Polyketide und Alkaloide, eine nähere Zuordnung der Alkaloide zu den Pyrrolizidinalkaloiden nimmt die Arbeit nicht vor [4]. Gefördert wurde die Studie vom Ministerium für Wissenschaft, technologische Entwicklung und Innovation der Republik Serbien, ein Interessenkonflikt wird nicht erklärt [4]. Geprüft wurde eine einzelne menschliche Zelllinie im Reagenzglas, keine Einnahme durch einen lebenden Organismus, und die schützende wie die schädigende Konzentration liegen um mehr als das Hundertfache auseinander.

    Quellen: 4

  5. 05

    Hemmende Wirkung auf Krankheitsfaktoren von Staphylococcus aureus aus Mukoviszidose-Patienten, in einem Zellkultur-Modell

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    Im Zellkulturmodell verringerte ein Extrakt einzelne Krankheitsfaktoren von Staphylococcus aureus-Stämmen aus Mukoviszidose-Patienten, ohne die Bakterien zuverlässig abzutöten oder die Anheftung an Lungenzellen durchgehend zu verringern. Die Autorinnen und Autoren selbst sehen darin höchstens einen vorbeugenden Nutzen und ausdrücklich keine Grundlage für einen Einsatz zur Behandlung.

    Ausführlicher Nachweis

    Sadowska und Kollegen prüften 2019 eine phenolreiche Fraktion aus Pulmonaria officinalis (POE) an klinischen Staphylococcus-aureus-Isolaten von Mukoviszidose-Patienten [5]. Die minimale Hemmkonzentration (MIC) lag bei 1 bis 2 Milligramm pro Milliliter, von den Autoren selbst als begrenzt wirksam eingestuft [5]. Bei MIC und darunter verringerte POE die Anheftung der Bakterien an unbehandelte Oberflächen um rund 54 Prozent und an Mukoprotein-beschichtete Oberflächen um 20 bis 36 Prozent (p kleiner 0,001 bis 0,01), an Elastin-beschichtete Oberflächen um 14 bis 45 Prozent, während die Anheftung an menschliche Lungenepithelzellen (Zelllinie A549) nicht durchgehend verringert wurde [5]. Die Biofilmbildung sank bei den meisten Stämmen nur geringfügig um rund 20 Prozent, bei einzelnen Isolaten in niedriger Konzentration dagegen verstärkte sie sich um bis zu 40 Prozent [5]. Bei 0,25- und 0,5-facher MIC sank die Freisetzung des Alpha-Toxins um bis zu rund 50 Prozent, die Expression des Staphylokokken-Protein A dagegen nur gering und uneinheitlich um weniger als 17 Prozent [5]. Bei 500 Mikrogramm pro Milliliter hemmte POE das bakterielle Enzym Sortase A um 70,3 Prozent gegenüber der uneingeschränkt aktiven Kontrolle [5]. Bis 4 Milligramm pro Milliliter blieb die Lebensfähigkeit menschlicher Lungenepithelzellen nach 2 und 24 Stunden bei mindestens 95 Prozent [5]. Gefördert wurde die Arbeit vom polnischen National Science Centre und einem Nachwuchswissenschaftler-Programm der Universität Lodz, die Autoren erklären keinen Interessenkonflikt [5]. Die Autoren selbst schließen aus den gemischten Befunden, POE könne allenfalls vorbeugend und nicht als Therapie- oder Unterstützungsmittel bei Mukoviszidose dienen, und fordern ausdrücklich weitere Tierversuche vor einer Anwendungsempfehlung [5]. Geprüft wurde ein Zellkultur- und Bakterienmodell, keine Einnahme durch einen Menschen.

    Quellen: 5

  6. 06

    Blutzuckersenkende Wirkung über eine gesteigerte Zuckeraufnahme in Muskel- und Fettzellen, in einem Zell- und Hühnerei-Testmodell

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    In einem Screening von über 770 Pflanzenextrakten gehörte Lungenkraut zu den wenigen mit einer positiven Wirkung auf die zuckeraufnehmende Zellstruktur GLUT4, und ein Blütenextrakt senkte in einem Hühnerei-Testmodell den Blutzucker. Geprüft wurde ausschließlich in der Zellkultur und im bebrüteten Hühnerei, nicht am Menschen.

    Ausführlicher Nachweis

    Neuhauser und Kollegen screenten 2024 einen offen zugänglichen Bestand von 772 Pflanzenextrakten mittels hochauflösender Fluoreszenzmikroskopie (TIRFM) auf ihre Fähigkeit, die Translokation des Zuckertransporters GLUT4 in Muskel- und Fettzellen zu aktivieren, ein Wirkmechanismus, über den auch Insulin wirkt [6]. Blatt- und Blütenextrakte von Lungenkraut gehörten in Verdünnungen von 1 zu 1000 und 1 zu 10000 zu den Extrakten mit positivem GLUT4-Signal, während ein kombinierter Stängel-Blüten-Extrakt keine Wirkung zeigte [6]. Im nachgeschalteten Hühnerei-Test (Gluc-HET) senkte ein heiß zubereiteter Lungenkraut-Blütenextrakt (Verdünnung 1 zu 16) den Blutzucker nach 60 Minuten deutlich, verlor die Wirkung aber nach 120 Minuten wieder, während ein Blattextrakt nach 120 Minuten eine stärkere Senkung zeigte als nach 60 Minuten [6]. Ein Effektmaß mit Konfidenzintervall nennt die Arbeit für diese Blutzuckerwerte nicht. Gefördert wurde die Arbeit von der Christian Doppler Forschungsgesellschaft, die Autoren erklären keinen Interessenkonflikt [6]. Geprüft wurde ein Zellkultur- und Hühnerei-Screening-Modell, keine Einnahme durch einen Menschen oder ein Säugetier.

    Quellen: 6

  7. 07

    Blutgerinnungshemmende Wirkung eines Extrakts im Tierversuch

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    In zwei älteren sowjetischen Tierversuchen mit Pulmonaria officinalis und der verwandten Art Pulmonaria mollissima verlangsamte ein aus dem Extrakt isoliertes Glykopeptid die Blutgerinnung deutlich und über Stunden, ohne sichtbare Verhaltensänderung der Tiere. Wegen dieser Wirkung ist bei gleichzeitiger Einnahme gerinnungshemmender Mittel Vorsicht angebracht, siehe Sicherheit.

    Ausführlicher Nachweis

    Byshevskii und Kollegen isolierten 1990 aus der nicht-dialysierbaren Fraktion eines Ammoniak-Extrakts von Pulmonaria officinalis ein gerinnungshemmendes Glykopeptid [7]. In Dosen, die die Gesamtgerinnungsaktivität des Blutes um das Vierfache bis Fünffache senkten, veränderte es das Verhalten der Versuchstiere nicht, die Blutgerinnungshemmung blieb bis 6 Stunden nach intravenöser Gabe auf hohem Niveau bestehen und ließ erst nach 24 Stunden nach [7]. Die Substanz senkte die Sterblichkeit der Tiere bei experimentell ausgelöster Thromboplastinämie, indem sie überwiegend die Umwandlung von Fibrinogen hemmte [7]. Tierart und Tierzahl nennt das verfügbare Abstract nicht, eine Interessenerklärung oder Förderangabe liegt uns nicht vor. Eine methodisch sehr ähnliche, teils personenidentische Arbeit derselben Forschungsgruppe fand 1992 denselben Effekt für ein Glykopeptid aus der verwandten, aber eigenständigen Art Pulmonaria mollissima, mit stabiler Blutungsneigung ohne Beeinträchtigung von Blutbild, Blutdruck, Atmung oder Nierenfunktion der Tiere [8]. Beide Arbeiten stammen aus derselben Forschungslinie und sind kein voneinander unabhängiger Studienbestand, und die zweite prüft ausdrücklich eine andere Pflanzenart als die hier behandelte. Geprüft wurde ausschließlich im Tierversuch, keine Studie am Menschen liegt vor.

    Quellen: 7, 8

  8. 08

    Verringerung der Zuckeranlagerung an Kollagen durch ein Mehrpflanzen-Wundverbandmaterial mit Lungenkraut als einer von drei Bestandteilen, im Laborversuch

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    In einem Materialversuch verringerte ein aus drei getrockneten Pflanzen hergestelltes Hydrogel-Verbandmaterial die Zuckeranlagerung an Kollagen. Lungenkraut war nur eine von drei eingesetzten Pflanzen, ein eigener Beitrag lässt sich aus der Arbeit nicht herauslösen.

    Ausführlicher Nachweis

    Pielesz und Paluch entwickelten 2012 quellfähige Hydrogel-Wundverbände aus den getrockneten Pflanzen Ackerschachtelhalm (Equisetum arvense), Lungenkraut (Pulmonaria officinalis) und Gemeiner Quecke (Agropyron repens) zusammen mit Alginsäure [9]. Das Material zeigte kontrollierbare Quell- und Freisetzungseigenschaften für eingelagertes Calciumchlorid und verringerte im Laborversuch die durch Zuckerzugabe ausgelöste Glykierung von Kollagen, einen Prozess, der bei Verbrennungen und in der Wundheilung eine Rolle spielt [9]. Die Arbeit prüfte die drei Pflanzen ausschließlich als gemeinsames Verbandmaterial, nicht einzeln, ein eigener Beitrag von Lungenkraut zum beobachteten Effekt lässt sich aus den berichteten Daten nicht herauslösen. Eine Interessenerklärung oder Förderangabe nennt die polnischsprachige Arbeit mit englischem Abstract nicht. Geprüft wurde ein Materialversuch im Labor, keine Anwendung an einer Wunde bei Mensch oder Tier.

    Quellen: 9

  9. 09

    Schleimlösende und hustenlindernde Wirkung bei Erkältung und Bronchitis beim Menschen

    Keine Studien gefunden
    Einordnung und Einschränkungen

    Wir haben gezielt nach Studien am Menschen sowie im Tier- und Laborversuch zur schleimlösenden und hustenlindernden Wirkung gesucht und keine einzige gefunden.

    Ausführlicher Nachweis

    Eine gezielte PubMed-Suche zu Pulmonaria officinalis in Verbindung mit expectorant, mucolytic, cough, bronchitis und common cold ergab jeweils 0 Treffer, auch unter Einschluss von Tier- und Laborstudien und ohne Beschränkung auf Humanstudien und Publikationstyp. Auch eine Suche nach randomisierten oder klinischen Studien am Menschen (Suchbegriffe "randomized" und "clinical trial") ergab 0 Treffer. Die traditionelle Zuschreibung als Mittel gegen Husten und Erkältung, von der sich auch der Name Lungenkraut ableitet, ist damit weder am Menschen noch im Tier- oder Laborversuch durch eine bei PubMed gelistete Arbeit geprüft. Das ist kein Beleg gegen eine Wirkung, sondern der Befund, dass wir keine Studie dazu gefunden haben.

  10. 10

    Stärkung des Immunsystems und geringere Häufigkeit von Atemwegsinfekten beim Menschen

    Keine Studien gefunden
    Einordnung und Einschränkungen

    Wir haben gezielt nach Studien zu Immunfunktion und Infekthäufigkeit gesucht und weder am Menschen noch im Tier- oder Laborversuch eine gefunden.

    Ausführlicher Nachweis

    Eine gezielte Suche zu Pulmonaria officinalis in Verbindung mit immune, immune system, immunomodulatory, lymphocyte und cytokine ergab bei jedem einzelnen Begriff 0 Treffer, auch unter Einschluss von Tier- und Laborstudien. Weder zur Stärkung der körpereigenen Abwehr noch zu einer geringeren Häufigkeit von Atemwegsinfekten liegt uns damit auch nur eine Zell- oder Tierstudie vor, geschweige denn eine Studie am Menschen.

  11. 11

    Unterstützung der Wundheilung und Hautgesundheit beim Menschen

    Keine Studien gefunden
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine eigenständige Studie zur Wundheilung oder Hautgesundheit beim Menschen haben wir nicht gefunden, nur einen Materialversuch, in dem Lungenkraut einer von drei Bestandteilen eines Verbandmaterials war, siehe die Zeile zur Kollagen-Glykierung oben.

    Ausführlicher Nachweis

    Eine gezielte PubMed-Suche zu Pulmonaria officinalis in Verbindung mit wound healing, auch unter Einschluss von Tier- und Laborstudien (0 Treffer), sowie mit wound und skin ohne Beschränkung auf Humanstudien und über alle Studientypen fand außer dem oben unter Kollagen-Glykierung beschriebenen Mehrpflanzen-Hydrogel keine weitere Arbeit, und keine, die eine Anwendung auf einer Wunde oder an der Haut eines Menschen oder eines Tieres prüft (für skin ebenfalls 0 Treffer). Die traditionelle Zuschreibung zur Haut- und Wundpflege ist damit über den einen, nicht auf Lungenkraut allein zurückführbaren Materialversuch hinaus durch keine gefundene Arbeit gestützt.

Studien im Detail

Pflanzenstoffe

Pulmonaria officinalis gehört zur Familie der Boraginaceae und wird für die hier zusammengefassten Untersuchungen ausschließlich aus den oberirdischen Pflanzenteilen gewonnen. Eine gezielte Untersuchung von Frühjahrs- und Herbstpflanzen mittels Flüssigchromatographie-Massenspektrometrie fand in den oberirdischen Teilen 45 phenolische Einzelverbindungen, davon 36 bereits bekannt und 9 zuvor nicht beschrieben, überwiegend Kaffeesäureester und Konjugate aus Dicaffeoylchinasäure und Rosmarinsäure sowie mehrere Lignane, mit jahreszeitlich schwankender Konzentration [10]. Diese Analyse bestätigt damit vor allem einen hohen Gehalt an Phenolsäuren. Sie ist allerdings eine gezielte Phenol-Analytik und schon von ihrer Methode her nicht geeignet, Schleimstoffe oder Saponine nachzuweisen, ihr Schweigen dazu ist also kein Gegenbeleg. Zwei Übersichtsarbeiten schließen diese Lücke unterschiedlich weit. Eine 2022 veröffentlichte Übersicht zur Gattung Pulmonaria nennt für die Gattung Saponine, Gerbstoffe, Ascorbinsäure, Kieselsäure, Rutin, Carotin, Allantoin, Alkaloide und Fettsäuren als Bestandteile, für die Saponine ohne jede Mengenangabe [17]. Eine 2024 veröffentlichte Übersicht zur gesamten Familie der Boraginaceae ordnet Schleimstoffe ausdrücklich Borretsch, Beinwell, Natternkopf und Cordia zu und führt Pulmonaria dort gerade nicht auf, nennt für die Gattung Pulmonaria dagegen Gerbstoffe, mit 7,1 Milligramm je Gramm Trockenmasse in Pulmonaria mollis, und für Pulmonaria officinalis selbst Gamma-Linolensäure [18]. Für Saponine in Pulmonaria officinalis liegt uns damit eine Nennung, aber keine eigene quantitative Messung vor, für Schleimstoffe als Hauptwirkstoffgruppe nicht einmal eine Nennung.

Antioxidative Wirkung, Enzymhemmung und Erbgutwirkung im Zell- und Reagenzglasversuch

Krzyżanowska-Kowalczyk und Kollegen prüften 2021 phenolreiche Fraktionen aus Pulmonaria officinalis und der nah verwandten Art Pulmonaria obscura an menschlichem Blutplasma, das im Reagenzglas mit Peroxynitrit belastet wurde. Beide Extrakte verringerten die oxidative Schädigung von Plasma-Eiweißen und -Fetten, ohne toxische Effekte auf Blutplättchen oder mononukleäre Blutzellen. Im selben Testsystem hemmte der Extrakt aus Pulmonaria officinalis zusätzlich das Enzym Cyclooxygenase 2 stärker als der Extrakt der Vergleichsart. Eine frühere Arbeit derselben Gruppe hatte aus Pulmonaria officinalis die zuvor nicht beschriebene Yunnaneicsäure B isoliert und für diese Reinsubstanz denselben plasmaschützenden Effekt bestätigt. In einem unabhängigen Laborvergleich bulgarischer Heilpflanzentees gehörte ein wässriger Lungenkraut-Aufguss ebenfalls zu den Pflanzen mit hohem Polyphenolgehalt und hoher antioxidativer Kapazität, wenngleich niedriger als bei mehreren anderen geprüften Kräutern.

Ignjatijević und Kollegen prüften 2025 an einer menschlichen Fibroblasten-Zelllinie (MRC-5), wie sich ein ethanolischer Extrakt auf das Erbgut auswirkt. Bei sehr niedrigen Konzentrationen im Mikrogramm-Bereich schützte der Extrakt das Erbgut vor einer nachfolgenden Schädigung durch Wasserstoffperoxid, bei Konzentrationen im höheren Mikrogramm- und im Milligramm-Bereich schädigte derselbe Extrakt das Erbgut selbst, bis hin zur vollständigen Zerstörung der Zellkerne bei den höchsten geprüften Konzentrationen. Dieser gegenläufige, dosisabhängige Doppelbefund (ein sogenannter hormetischer Effekt) zeigt, dass sich aus einer Laborwirkung bei einer Konzentration keine pauschale Aussage über alle Konzentrationen ableiten lässt.

Einordnung: Alle diese Befunde stammen aus Reagenzglas- und Zellkulturversuchen mit isolierten Extrakten oder Einzelstoffen, keiner prüft eine Einnahme durch einen lebenden Organismus. Zwei der drei antioxidativen Arbeiten stammen aus derselben polnischen Forschungsgruppe und sind kein voneinander vollständig unabhängiger Studienbestand.

Hemmende Wirkung auf Krankheitsfaktoren von Staphylococcus aureus

Sadowska und Kollegen prüften 2019 im Zellkulturmodell, ob ein Lungenkraut-Extrakt die Krankheitsfaktoren von Staphylococcus-aureus-Stämmen verringert, die von Mukoviszidose-Patienten stammten. Der Extrakt wirkte bakteriostatisch nur in vergleichsweise hoher Konzentration, verringerte aber in geringerer Konzentration mehrere Krankheitsfaktoren der Bakterien wie die Freisetzung von Alpha-Toxin und die Aktivität des Enzyms Sortase A, während die Anheftung an menschliche Lungenzellen nicht durchgehend verringert wurde und die Biofilmbildung bei einzelnen Stämmen sogar zunahm. Die Autorinnen und Autoren selbst ziehen aus diesem gemischten Bild den vorsichtigen Schluss, ein solcher Extrakt könne allenfalls vorbeugend eingesetzt werden, nicht als Behandlung, und fordern ausdrücklich weitere Tierversuche, bevor eine Anwendungsempfehlung möglich wäre.

Blutzuckersenkende Wirkung im Zell- und Hühnerei-Modell

In einem breit angelegten Screening von über 770 Pflanzenextrakten auf eine insulinähnliche Wirkung fanden Neuhauser und Kollegen 2024, dass Blatt- und Blütenextrakte von Lungenkraut die Aufnahme von Zucker in Muskel- und Fettzellen über den Transporter GLUT4 aktivierten. In einem nachgeschalteten Test an bebrüteten Hühnereiern senkte ein Blütenextrakt den Blutzucker innerhalb der ersten Stunde, verlor die Wirkung danach aber wieder, während ein Blattextrakt erst nach zwei Stunden die stärkere Wirkung zeigte. Ein Effektmaß mit Konfidenzintervall wird für diese Werte nicht berichtet, und das Testmodell ist ein Screening-Verfahren, kein Stoffwechselmodell eines Säugetiers oder Menschen.

Blutgerinnungshemmung im Tierversuch und ein Wundverbandmaterial im Laborversuch

In zwei älteren sowjetischen Arbeiten aus 1990 und 1992 verlangsamte ein aus der Pflanze isoliertes Glykopeptid im Tierversuch deutlich und über mehrere Stunden die Blutgerinnung, ohne das Verhalten der Tiere sichtbar zu beeinträchtigen. Die erste Arbeit prüfte Pulmonaria officinalis, die zweite die verwandte, aber eigenständige Art Pulmonaria mollissima. Getrennt davon entwickelten Pielesz und Paluch 2012 ein Hydrogel-Wundverbandmaterial aus drei getrockneten Pflanzen gemeinsam, darunter Lungenkraut, das im Laborversuch die Zuckeranlagerung an Kollagen verringerte. Weil alle drei Pflanzen nur gemeinsam geprüft wurden, lässt sich ein eigenständiger Beitrag von Lungenkraut zu diesem Effekt nicht herauslösen.

Abgrenzung, Verwechslungsgefahr mit der Lungenflechte und mit anderen Pulmonaria-Arten

Der Name Lungenkraut ist doppelt vergeben, und das ist für diesen Eintrag wesentlich. Im Deutschen wie im Englischen (lungwort) bezeichnet er sowohl die hier behandelte Blütenpflanze Pulmonaria officinalis als auch die Lungenflechte Lobaria pulmonaria, einen Flechtenorganismus aus einer Symbiose von Pilz und Alge beziehungsweise Cyanobakterium, der mit Pulmonaria officinalis nicht näher verwandt ist. Beide Organismen tragen den Beinamen wegen einer an Lungengewebe erinnernden Musterung ihrer Blätter beziehungsweise ihres Lagers, nach der mittelalterlichen Signaturenlehre. Eine Studie zur Lungenflechte prüfte beispielsweise deren magenschleimhautschützende und antioxidative Wirkung bei Ratten mit durch Indometacin ausgelöstem Magengeschwür und fand mit isolierten Flechtenstoffen wie Rhizonylalkohol eine Verringerung der Magenschleimhautschäden um bis zu 84,6 Prozent [14]. Dieser Befund betrifft eine Flechte und einen anderen Endpunkt, das Magengeschwür, und trägt keine Aussage für die hier behandelte Pflanze oder für deren traditionelle Zuschreibung bei Atemwegsbeschwerden.

Auch innerhalb der Gattung Pulmonaria selbst ist Vorsicht angebracht. Pulmonaria officinalis und die nah verwandte Pulmonaria obscura sind morphologisch einander sehr ähnlich, bilden in freier Wildbahn Mischbestände und Hybriden, und eine aktuelle Genomanalyse bestätigt sowohl die nahe Verwandtschaft als auch eine hybride Herkunft mancher Gartenpflanzen, die morphologisch wie Pulmonaria officinalis aussehen [15]. In der pflanzenchemischen Literatur werden beide Arten deshalb regelmäßig gemeinsam untersucht und berichtet, siehe die Zeilen zu Antioxidation und Cyclooxygenase-2-Hemmung oben [1, 2]. Die einzige uns vorliegende quantitative Studie zu Pyrrolizidinalkaloiden in dieser Pflanzengruppe wurde ausdrücklich an Pulmonaria obscura durchgeführt, nicht an Pulmonaria officinalis selbst, siehe Sicherheit [11]. Ebenso wurde die zweite der beiden Studien zur Blutgerinnungshemmung an der eigenständigen Art Pulmonaria mollissima durchgeführt [8]. Wo eine Zeile dieses Eintrags eine andere Art als Pulmonaria officinalis betrifft, ist das im Zeilennamen oder im Nachweis ausdrücklich benannt. Eine Einschränkung der eigenen Suche gehört ebenfalls hierher. Sämtliche Suchen dieses Eintrags liefen über PubMed. Damit fehlte zunächst eine 2022 veröffentlichte Übersichtsarbeit, die sich ausschließlich der Gattung Pulmonaria mit Schwerpunkt auf Pulmonaria officinalis widmet und in einer nicht bei PubMed gelisteten Zeitschrift erschien [17]. Sie trägt die Kernaussage dieses Eintrags mit, denn sie hält ausdrücklich fest, dass für Lungenkraut Sicherheitsstudien und klinische Prüfungen am Menschen fehlen. Sie nennt aber zwei Tierversuche an anderen Arten der Gattung, die hier bisher fehlten. In einer Vorstudie stellte ein Extrakt aus den Blütentrieben von Pulmonaria mollis bei Ratten mit Eisenmangelanämie den Hämoglobinwert binnen acht bis neun Tagen wieder her, ähnlich schnell wie ein synthetisches Eisenpräparat [17]. Ein wässriger Auszug aus Pulmonaria obscura, 21 Tage lang oral gegeben, veränderte bei Ratten eines genetischen Epilepsie-Modells die im Elektroenzephalogramm gemessene Hirnaktivität [17]. Beide Befunde betreffen andere Arten als Pulmonaria officinalis, beide sind bislang nur über die Übersichtsarbeit und nicht an der Originalarbeit geprüft, und beide sind Tierversuche. Sie stehen deshalb hier und nicht in der Wirkungstabelle.

Sicherheit und Wechselwirkungen

Die Verträglichkeit von Lungenkraut-Extrakt bei oraler Einnahme durch Menschen ist durch keine eigene, bei PubMed gelistete Studie geprüft. Alle folgenden Sicherheitsaspekte stammen aus Zell-, Reagenzglas- und Tierversuchen sowie aus der allgemeinen Risikobewertung einer Stoffklasse.

Pulmonaria officinalis wurde bereits 1984 zusammen mit Borago officinalis auf Pyrrolizidinalkaloide hin untersucht. Der bei PubMed geführte Titel dieser Arbeit bestätigt die Untersuchung beider Arten auf diese Stoffklasse, ein Abstract oder ein frei zugänglicher Volltext liegt uns dazu nicht vor, sodass wir aus dieser Arbeit keine Zahlenwerte referieren können [12]. Quantitative Daten liegen stattdessen für die nah verwandte, aber eigenständige Art Pulmonaria obscura vor. Dort fanden sich in Wurzeln und Rhizomen Pyrrolizidinalkaloide vom bei Boraginaceae typischen Lycopsamin-Typ, unter anderem Intermedin und Lycopsamin, in Konzentrationen von 0,026 bis 0,158 Milligramm pro Gramm Trockengewicht, während Blätter und Blütenstände nur Spuren von unter 0,0004 Milligramm pro Gramm Trockengewicht enthielten [11]. Da der als Lungenkraut-Extrakt gehandelte Rohstoff nach den oben zitierten Phytochemie-Arbeiten aus den oberirdischen Pflanzenteilen gewonnen wird und nicht aus der Wurzel, deutet dieser Befund bei der verwandten Art auf einen im Vergleich zur Wurzel niedrigen Pyrrolizidinalkaloid-Gehalt im tatsächlich verkauften Pflanzenteil hin. Eine eigene quantitative Messung an Pulmonaria officinalis selbst liegt uns über PubMed nicht vor, und eine Übertragung von einer Art auf die andere ersetzt keine eigene Messung.

Pyrrolizidinalkaloide vom 1,2-ungesättigten Typ gelten als Stoffklasse unabhängig von der Pflanzenart als lebertoxisch und, bei wiederholter Aufnahme, als erbgutschädigend und krebserregend. Eine Übersichtsarbeit beschreibt neben akuten Vergiftungsfällen auch den Verdacht auf einen Beitrag zu chronischen Leber- und Gefäßerkrankungen durch eine über lange Zeit niedrig dosierte Aufnahme über verunreinigte Lebensmittel und Kräutertees [13]. Die Europäische Union hat deshalb mit einer Verordnung von 2020 Höchstgehalte für die Summe von Pyrrolizidinalkaloiden und ihren N-Oxiden in bestimmten Lebensmittelgruppen festgelegt, für Nahrungsergänzungsmittel mit pflanzlichen Bestandteilen einen allgemeinen Höchstwert von 400 Mikrogramm pro Kilogramm, anwendbar seit dem 1. Juli 2022 [16]. Dieser Höchstwert gilt allgemein für pflanzliche Nahrungsergänzungsmittel und ist nicht spezifisch für Lungenkraut oder Pulmonaria officinalis festgelegt. Eine eigene, artspezifische behördliche Risikobewertung oder einen artspezifischen Höchstwert für Pulmonaria officinalis haben wir über PubMed nicht gefunden, das bleibt eine offene Frage.

In der oben beschriebenen Konzentrations-Wirkungs-Studie an menschlichen Fibroblasten schädigten höhere Extraktkonzentrationen selbst das Erbgut der Zellen, während niedrige Konzentrationen es schützten [4]. Dieser Befund stammt aus einem Zellkulturversuch mit isolierten Extraktkonzentrationen und lässt sich nicht direkt in eine sichere oder unsichere Menge für eine übliche Anwendung übersetzen, zeigt aber, dass die Wirkung nicht bei jeder Konzentration in dieselbe Richtung geht.

In zwei älteren Tierversuchen bremste ein aus Pulmonaria officinalis beziehungsweise der verwandten Art Pulmonaria mollissima isoliertes Glykopeptid die Blutgerinnung deutlich und über mehrere Stunden [7, 8]. Bei gleichzeitiger Einnahme gerinnungshemmender oder blutverdünnender Medikamente ist wegen dieser Tierbefunde Vorsicht angebracht, ebenso im zeitlichen Umfeld von Operationen. Zu Wechselwirkungen mit Arzneimitteln beim Menschen liegt uns keine eigene Studie vor.

Zu einer Allergie gegen Pulmonaria officinalis oder gegen andere Pflanzen aus der Familie der Boraginaceae, zu einer Anwendung während Schwangerschaft und Stillzeit sowie zu einer Anwendung bei Kindern liegt uns keine eigene, bei PubMed gefundene Studie vor. Angesichts der belegten Pyrrolizidinalkaloide in derselben Pflanzengattung ist in diesen Fällen eine ärztliche Rücksprache vor der Einnahme sinnvoll.

Quellen zum Nachlesen

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    In-vitro- und In-silico-Studie, menschliches Blutplasma und isoliertes COX-2-Enzym · 2021

    Pulmonaria obscura and Pulmonaria officinalis Extracts as Mitigators of Peroxynitrite-Induced Oxidative Stress and Cyclooxygenase-2 Inhibitors-In Vitro and In Silico Studies.

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    Zur Zuschreibung: 01, 03

  2. 02

    In-vitro-Studie, isolierte Reinsubstanz an menschlichem Blutplasma und mononukleären Blutzellen · 2017

    Yunnaneic Acid B, a Component of Pulmonaria officinalis Extract, Prevents Peroxynitrite-Induced Oxidative Stress in Vitro.

    Krzyzanowska-Kowalczyk J, Kolodziejczyk-Czepas J, Kowalczyk M, Pecio Ł, Nowak P, Stochmal A. J Agric Food Chem

    Zur Zuschreibung: 01

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    In-vitro-Vergleichsstudie, 21 Heilpflanzentees · 2005

    Polyphenols and antioxidant capacity of Bulgarian medicinal plants.

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    Zur Zuschreibung: 02

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    In-vitro-Studie, menschliche Fibroblasten-Zelllinie MRC-5, MTT- und Comet-Test · 2025

    Assessment of Antioxidant Activity and Dose-Dependent Effect on Genotoxicity/Antigenotoxicity of Pulmonaria officinalis Ethanolic Extract.

    Ignjatijević A, Anđić T, Lješević M, Nikolić B, Ganić T, Spasović S, Vuletić S. Pharmaceutics

    Zur Zuschreibung: 04

  5. 05

    In-vitro-Studie, klinische Staphylococcus-aureus-Isolate von Mukoviszidose-Patienten und Lungenepithelzellen (A549) · 2019

    The Pros and Cons of Cystic Fibrosis (CF) Patient Use of Herbal Supplements Containing Pulmonaria officinalis L. Extract, the Evidence from an In Vitro Study on Staphylococcus aureus CF Clinical Isolates.

    Sadowska B, Wójcik U, Krzyżanowska-Kowalczyk J, Kowalczyk M, Stochmal A, Rywaniak J, Burzyńska J, Różalska B. Molecules

    Zur Zuschreibung: 05

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    Screening-Studie, 772 Pflanzenextrakte, Zellkultur (TIRFM) und Hühnerei-Testmodell (Gluc-HET) · 2024

    Insulin-Mimetic Activity of Herbal Extracts Identified with Large-Scale Total Internal Reflection Fluorescence Microscopy.

    Neuhauser C, Schwarzinger B, Schwarzinger C, Feichtinger M, Stadlbauer V, Arnaut V, Drotarova I, Blank-Landeshammer B, Weghuber J. Nutrients

    Zur Zuschreibung: 06

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    Tierversuch, isoliertes Glykopeptid aus Pulmonaria officinalis · 1990

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  8. 08

    Tierversuch, isoliertes Glykopeptid aus der verwandten Art Pulmonaria mollissima · 1992

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    Laborversuch, Hydrogel-Wundverbandmaterial aus drei getrockneten Pflanzen · 2012

    [Therapeutically active dressings--biomaterials in a study of collagen glycation].

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    Phytochemische Analyse, LC-MS/MS-Metabolitenprofil der oberirdischen Pflanzenteile · 2018

    Novel Phenolic Constituents of Pulmonaria officinalis L. LC-MS/MS Comparison of Spring and Autumn Metabolite Profiles.

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  11. 11

    Phytochemische Analyse per GC-MS, Wurzeln, Rhizome und oberirdische Teile der verwandten Art Pulmonaria obscura · 2002

    Pyrrolizidine alkaloids in Pulmonaria obscura.

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    Phytochemische Analyse, Pyrrolizidinalkaloide in zwei Boraginaceae-Arten · 1984

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    Übersichtsarbeit zur Stoffklasse der Pyrrolizidinalkaloide in Lebensmitteln, nicht spezifisch zu Pulmonaria · 2011

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    Tierversuch an Ratten, Lungenflechte Lobaria pulmonaria, nicht diese Pflanze · 2015

    Gastroprotective and Antioxidant Effects of Lobaria pulmonaria and Its Metabolite Rhizonyl Alcohol on Indomethacin-Induced Gastric Ulcer.

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  15. 15

    Genom- und Karyotyp-Analyse zur taxonomischen Abgrenzung innerhalb der Pulmonaria-officinalis-Gruppe · 2024

    First insight into the genomes of the Pulmonaria officinalis group (Boraginaceae) provided by repeatome analysis and comparative karyotyping.

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    Rechtsakt, allgemeiner Höchstgehalt für Nahrungsergänzungsmittel mit pflanzlichen Bestandteilen, nicht artspezifisch für Pulmonaria officinalis · 2020

    Durchführungsverordnung (EU) 2020/2040 vom 11. Dezember 2020 zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 1881/2006 hinsichtlich der Höchstgehalte an Pyrrolizidinalkaloiden in bestimmten Lebensmitteln

    Europäische Kommission.

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    Übersichtsarbeit zur Gattung Pulmonaria mit Schwerpunkt auf Pulmonaria officinalis, nicht bei PubMed gelistet · 2022

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    Übersichtsarbeit zur Familie der Boraginaceae, Zuordnung von Stoffgruppen zu einzelnen Gattungen · 2024

    Metabolites Obtained from Boraginaceae Plants as Potential Cosmetic Ingredients-A Review.

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