Maitake-Extrakt

Zuletzt geprüft am

Pilze

Grifola frondosa · Maitake · Tanzender Pilz · Klapperschwamm · Hen of the Woods

H.P.N · Datenstand 2026-08-19 · 8 Zuschreibungen im Überblick

Auf einen Blick

Was es ist
Extrakt aus dem Fruchtkörper des Maitake-Pilzes (Grifola frondosa), reich an Polysacchariden (Beta-1,3/1,6-Glucane). Ein großer Teil der aussagekräftigsten Humanstudien betrifft eine daraus isolierte, gereinigte Fraktion mit eigenem Namen, die D-Fraktion beziehungsweise deren Weiterentwicklung MD-Fraktion, nicht zwingend einen unspezifizierten Fruchtkörperextrakt
Herkunft
Ein in Ostasien und Nordamerika beheimateter, büschelig am Fuß von Laubbäumen wachsender Baumpilz. Traditionell als Speisepilz sowie in der ostasiatischen Medizin verwendet
Wirkform in Studien
Uneinheitlich. Ein Teil der Humanstudien nutzt die isolierte D-Fraktion oder MD-Fraktion (flüssig oder als Kapsel), ein anderer Teil den ganzen, gebackenen oder pulverisierten Fruchtkörper. Beide Zubereitungen sind nicht ohne Weiteres austauschbar
Übliche Studiendosis
Stark unterschiedlich je nach Zubereitung, 0,1 bis 5 mg pro kg Körpergewicht zweimal täglich als Flüssigextrakt (bei 70 kg etwa 14 bis 700 mg pro Tag), 3 mg pro kg Körpergewicht zweimal täglich als Flüssigextrakt (bei 70 kg rund 420 mg pro Tag), oder 50 g ganzer Fruchtkörper täglich in Brot eingebacken
Bekannt geworden durch
Die von einer japanischen Arbeitsgruppe an der Kobe Pharmaceutical University isolierte D-Fraktion beziehungsweise MD-Fraktion, ein gereinigtes Beta-Glucan mit dokumentierter immunmodulierender und tumorhemmender Wirkung in Zellkultur und Tiermodell, seit den 1980er und 1990er Jahren kommerziell vermarktet
Verträglichkeit
In den vorliegenden Humanstudien oral überwiegend gut vertragen, gelegentlich leichte Übelkeit oder Hautreaktionen. Mehrere Tierstudien zeigen einen blutzuckersenkenden Effekt, siehe Sicherheit

Was diesem Stoff zugesprochen wird

Was die Studien hergeben.

Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.

  1. 01

    Immunzell-Marker im Blut bei Menschen unter oraler Einnahme, drei kleine Studien ohne Placebo-Vergleich, jeweils Veränderung gegenüber dem eigenen Ausgangswert

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    In einer Phase-I/II-Dosiseskalationsstudie nahmen 34 postmenopausale Brustkrebspatientinnen ohne Erkrankungsnachweis nach Erstbehandlung über 3 Wochen zweimal täglich einen flüssigen Maitake-Extrakt in einer von fünf Dosisstufen (0,1 bis 5 mg pro kg Körpergewicht) ein [1]. Das Prüfpräparat stammte laut Volltext vom kommerziellen Maitake-Hersteller Yukiguni Maitake Corp. und wurde über die Tradeworks Group bereitgestellt [1]. Es zeigte sich ein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen der Einnahme und mehreren immunologischen Blutwerten (p kleiner 0,0005) [1], wobei steigende Dosen manche Werte erhöhten und andere senkten, mit einem nicht-monotonen, teils gegenläufigen Verlauf zwischen den Dosisstufen [1]. Bei 70 kg Körpergewicht entspräche das etwa 14 bis 700 mg täglich als Flüssigextrakt. In einer einarmigen Phase-II-Studie an 21 eingeschlossenen und 18 ausgewerteten Personen mit einer nach dem International Prognostic Scoring System als niedrig- oder intermediär-1-risikoeingestuften, durch eine gestörte Blutbildung im Knochenmark gekennzeichneten Erkrankung stieg unter einem oralen Maitake-Extrakt (3 mg pro kg Körpergewicht zweimal täglich, rund 420 mg täglich bei 70 kg, über 12 Wochen) die basale Neutrophilen- (p gleich 0,005) und Monozytenfunktion (p gleich 0,021) gegenüber dem eigenen Ausgangswert der Behandelten [2]. Beide Werte sind Vorher-Nachher-Vergleiche innerhalb derselben Gruppe, kein Vergleich gegen eine Kontrollgruppe. Die alterspassenden gesunden Personen dienten allein als Bezugswert, laut Volltext lagen die Basalwerte der Erkrankten nach 12 Wochen auf dem Niveau dieser Gesunden, nicht darüber [2]. Diese Studie wurde laut Danksagung im Volltext von der Yukiguni Maitake Company Ltd gefördert, das PubMed-Feld zum Interessenkonflikt weist dagegen keinen Konflikt aus [2]. In einer unkontrollierten Beobachtung an 10 bereits vorbehandelten Krebspatienten unter oraler D-Fraktion ohne begleitende Chemotherapie stieg die Aktivität natürlicher Killerzellen bei allen untersuchten Personen an [3]. Alle drei Arbeiten sind klein, die Dosiseskalationsstudie [1] und die Beobachtung [3] ohne Placebo-Kontrolle, die dritte [2] mit einem gesunden statt einem placebobehandelten Vergleichskollektiv, und messen ausschließlich Immunzell- und Laborwerte im Blut, keinen klinischen Endpunkt wie eine geringere Infekthäufigkeit. Die drei Studien nutzen zudem unterschiedliche Zubereitungen, Flüssigextrakt in [1] und [2], die isolierte D-Fraktion in [3], die nicht ohne Weiteres austauschbar sind.

    Quellen: 1, 2, 3

  2. 02

    Kognitive Leistungsfähigkeit und NK-Zell-Aktivität bei gesunden älteren Erwachsenen, ganzer Fruchtkörper in Brot, nur eine von zwei Pilzsorten wirksam

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    In einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Studie erhielten 47 gesunde japanische Erwachsene ab 60 Jahren über 18 Wochen täglich Brot mit 50 g eines von zwei Maitake-Pilzstämmen (Y10M oder C5304) oder Brot ohne Maitake [4]. In der Y10M-Gruppe verbesserte sich der kognitive Testwert (japanische Version der Montreal Cognitive Assessment, MoCA-J) gegenüber Placebo signifikant [4], in der C5304-Gruppe zeigte sich kein Unterschied zu Placebo [4]. Zusätzlich stieg in der Y10M-Gruppe die Aktivität natürlicher Killerzellen signifikant an und korrelierte positiv mit dem kognitiven Testwert [4]. Eingesetzt wurde der ganze, in Brot eingebackene Fruchtkörper (50 g täglich), nicht ein Extrakt. An der Studie waren mehrere Mitarbeiter des kommerziellen Maitake-Herstellers Yukiguni Factory Co., Ltd. beteiligt, der die beiden untersuchten Pilzstämme vertreibt, eine von diesem Hersteller unabhängige Bestätigung des Befunds liegt bislang nicht vor.

    Quellen: 4

  3. 03

    Lebensqualität und behandlungsbedingte Nebenwirkungen während einer Radiochemotherapie bei fortgeschrittenem Larynx- oder Pharynxtumor, orale D-Fraktion

    Hinweise
    Einordnung und Einschränkungen

    In einer randomisierten, plazebokontrollierten Studie an 141 Personen mit einem fortgeschrittenen Larynx- oder Pharynxtumor unter gleichzeitiger Radiochemotherapie nahm die Interventionsgruppe während der Behandlung oral Kapseln mit Maitake-D-Fraktion ein (dreimal täglich 4 Kapseln vor den Mahlzeiten, eine Angabe zum Wirkstoffgehalt pro Kapsel nennt das Abstract nicht) [5]. Schwere behandlungsbedingte Nebenwirkungen traten in der Interventionsgruppe seltener auf als unter Placebo [5], der globale Lebensqualitäts-Score (EORTC QLQ-C30) war 5 Wochen nach Behandlungsende in der Interventionsgruppe höher als unter Placebo [5], und der Anteil der Personen, die nach 6 Monaten wieder ihren Ausgangswert der Lebensqualität erreichten, war unter Maitake-D-Fraktion größer als unter Placebo [5]. Konkrete Prozent- oder p-Werte für diese drei Masse nennt das verfügbare Abstract nicht. Die Studie stammt von einer einzelnen chinesischen Klinik, eine unabhängige Wiederholung ist uns nicht bekannt.

    Quellen: 5

  4. 04

    Wachstum von Tumorzellen in Zellkultur- und Tiermodellen, D-Fraktion

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    Eine Meta-Analyse aus 24 eingeschlossenen Tierstudien zu Polysacchariden aus Grifola frondosa fand eine Hemmung des Tumorwachstums (hohe Dosis, mittlere Differenz minus 1,34, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 1,73 bis minus 0,95) und eine erhöhte Tumorremissionsrate (Odds Ratio 25,59, 95-Prozent-Konfidenzintervall 9,08 bis 72,11) gegenüber unbehandelten Tieren, bei insgesamt niedriger methodischer Qualität der eingeschlossenen Arbeiten [6]. Welche Verabreichungsform die eingeschlossenen Tierversuche nutzten, nennt das Abstract der Meta-Analyse nicht. In Zellkultur veränderte die isolierte D-Fraktion in einer Konzentration von 36 bis 367 Mikrogramm pro Milliliter die Expression mehrerer tausend Gene in einer menschlichen Brustkrebs-Zelllinie und löste programmierten Zelltod aus [7]. Eine zweite Arbeit an derselben Zelllinie bei 18 bis 367 Mikrogramm pro Milliliter kommt zum gleichen Ergebnis [8], stammt aber aus derselben Arbeitsgruppe, Alonso und Balogh stehen auf beiden Veröffentlichungen, eine davon unabhängige Bestätigung ist das nicht. In einer dritten Laborarbeit hemmte die D-Fraktion das Wachstum caniner sowie mehrerer menschlicher Krebszelllinien, während andere, verwandte Beta-Glucan-Präparate auf die caninen Zellen keine Wirkung zeigten [9]. Alle vier Arbeiten fanden ausschließlich in Zellkultur beziehungsweise an Tieren statt, keine an Menschen, und betreffen die isolierte D-Fraktion, nicht zwingend einen unspezifizierten Fruchtkörperextrakt.

    Quellen: 6, 7, 8, 9

  5. 05

    Blutzuckerstoffwechsel und Insulinsensitivität im Tiermodell

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    Bei Mäusen mit Alloxan- beziehungsweise Adrenalin-ausgelöster Hyperglykämie senkte ein fermentierter, vanadiumreicher Grifola-frondosa-Extrakt den Blutzucker und den HbA1c-Wert gegenüber unbehandelten Tieren (p kleiner 0,05 beziehungsweise p kleiner 0,01) und dämpfte den durch Adrenalin ausgelösten Blutzuckeranstieg (p kleiner 0,01) [10]. Bei diabetischen Ratten senkten zwei Polysaccharid-Fraktionen (F2 und F3) aus Grifola frondosa den Nüchternblutzucker, den Nüchterninsulinspiegel und den HOMA-IR-Insulinresistenz-Index gegenüber unbehandelten Tieren (p kleiner 0,05) [11]. Bei Ratten mit frühem, diabetisch bedingtem Nierenschaden senkte ein gereinigtes Grifola-frondosa-Polysaccharid den Nüchternblutzucker und verbesserte mehrere Nierenwerte gegenüber unbehandelten Tieren [12]. Bei Ratten mit diät- und Streptozotocin-ausgelöstem Diabetes senkten zwei Polysaccharid-Mischungen (200 mg pro kg Körpergewicht täglich, 4 Wochen) den Blutzucker vergleichbar mit dem Referenzmedikament Metformin (100 mg pro kg Körpergewicht täglich) [13]. Alle vier Arbeiten fanden ausschließlich an Mäusen oder Ratten mit chemisch oder diätisch ausgelöstem Diabetes statt, keine an Menschen. Eine gezielte Suche nach Humanstudien zu Maitake und Blutzucker (Suchbegriff blood glucose, mit und ohne Filter auf Studientypen) ergab lediglich einen 2001 veröffentlichten Fallbericht ohne verfügbares Abstract, keine kontrollierte Interventionsstudie am Menschen.

    Quellen: 10, 11, 12, 13

  6. 06

    Blutdruck und Blutfette (Cholesterin, Triglyceride) im Tiermodell

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    Bei spontan hypertensiven Ratten senkte eine 9-wöchige Fütterung mit 5 Prozent Maitake-Pilzpulver den Blutdruck gegenüber Kontrolltieren, das Gesamtcholesterin im Plasma sank, Triglyceride und Phospholipide veränderten sich nicht, das VLDL-Cholesterin nahm ab, das LDL-Cholesterin blieb unverändert [14]. Ein aus Grifola frondosa isoliertes Hexapeptid (APPLRP) senkte bei spontan hypertensiven Ratten sowohl den systolischen als auch den diastolischen Blutdruck und verbesserte mehrere Gefäßwerte gegenüber unbehandelten Tieren [15]. Bei Ratten unter fettreicher Diät senkte ein 95-prozentiger Ethanolextrakt aus Grifola frondosa Gesamtcholesterin, Triglyceride und LDL-Cholesterin im Blut gegenüber unbehandelten Tieren [16]. Eine zweite Arbeit mit einem gereinigten Polysaccharid (400 mg pro kg Körpergewicht täglich) an ebenfalls fettreich ernährten Ratten kommt zum gleichen Ergebnis [17], stammt aber aus demselben Forschungsverbund in Fuzhou, zwei Autoren stehen auf beiden Veröffentlichungen, und zu dieser zweiten Arbeit erschien 2024 eine Berichtigung (PMID 39319490), deren Umfang uns nicht vorliegt. Alle Arbeiten fanden ausschließlich an Ratten oder mit isolierten Peptiden im Tiermodell statt, keine an Menschen. Eine gezielte Suche nach Humanstudien zu Maitake und Blutdruck oder Cholesterin (Suchbegriffe blood pressure und cholesterol, mit und ohne Filter auf Studientypen) ergab keinen Treffer zu einer kontrollierten Interventionsstudie am Menschen. Eine 1988 veröffentlichte Arbeit derselben Fragestellung wurde geprüft, aber wegen eines bei PubMed nicht verfügbaren Abstracts nicht als Quelle verwendet.

    Quellen: 14, 15, 16, 17

  7. 07

    Gewichtsregulation und Fettstoffwechsel im Tiermodell

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    Bei Ratten unter diät- und Streptozotocin-ausgelöstem Diabetes erhöhte eine 4-wöchige Gabe von Grifola-frondosa-Polysacchariden (200 mg pro kg Körpergewicht täglich) das Körpergewicht gegenüber unbehandelten Tieren, vergleichbar mit dem Referenzmedikament Metformin [13]. Bei Mäusen unter fettreicher Diät kontrollierte ein Grifola-frondosa-Extrakt das Körpergewicht, wirkte einer Insulinresistenz entgegen und verbesserte eine durch die Diät ausgelöste Leberverfettung gegenüber unbehandelten Tieren, vermittelt über eine Regulierung von Ceramid-Stoffwechselwegen [18]. Im Fadenwurm Caenorhabditis elegans reduzierte ein Grifola-frondosa-Extrakt den Fettgehalt und verlängerte die Lebensspanne gegenüber unbehandelten Tieren, vermittelt über den Signalweg daf-2/daf-16 [19]. Bei adipösen Mäusen unter fettreicher Diät senkte ein lipidlöslicher Grifola-frondosa-Extrakt das Gesamtcholesterin im Blut und verbesserte die Glukosetoleranz gegenüber unbehandelten Tieren, unter anderem vermittelt über den Rezeptor PPAR-delta [20]. Alle vier Arbeiten fanden ausschließlich an Ratten, Mäusen oder Fadenwürmern statt, keine an Menschen. Eine gezielte Suche nach Humanstudien zu Maitake und Körpergewicht oder Gewichtsregulation (Suchbegriffe body weight und obesity, mit und ohne Filter auf Studientypen) ergab keinen Treffer zu einer kontrollierten Interventionsstudie am Menschen.

    Quellen: 13, 18, 19, 20

  8. 08

    Antioxidative Wirkung an Zellen und im Tiermodell

    Nur Labor und Tier
    Einordnung und Einschränkungen

    Bei Ratten mit diät- und Streptozotocin-ausgelöstem Diabetes erhöhte eine 4-wöchige Gabe von Grifola-frondosa-Polysacchariden mehrere körpereigene Antioxidans-Enzyme im Blut (Superoxid-Dismutase, Glutathion-Peroxidase, Katalase) und senkte Marker für oxidativen Stress (Malondialdehyd, reaktive Sauerstoffspezies) gegenüber unbehandelten Tieren [13]. Im Fadenwurm Caenorhabditis elegans senkte ein Grifola-frondosa-Extrakt den Gehalt reaktiver Sauerstoffspezies sowie eines Alterungspigments (Lipofuszin) gegenüber unbehandelten Tieren, vermittelt über den Signalweg skn-1/nrf-2 [19]. Bei Mäusen mit alkoholbedingtem Leberschaden erhöhte ein probiotisch fermentiertes Grifola-frondosa-Präparat die Antioxidans-Werte in der Leber und dämpfte die Entzündung in Leber und Darm gegenüber unbehandelten Tieren [21]. Alle drei Arbeiten fanden ausschließlich an Ratten, Mäusen oder Fadenwürmern statt, keine an Menschen. Eine gezielte Suche nach Humanstudien zu Maitake und oxidativem Stress oder Antioxidantien (Suchbegriff antioxidant, mit und ohne Filter auf Studientypen) ergab keinen Treffer zu einer kontrollierten Interventionsstudie am Menschen.

    Quellen: 13, 19, 21

Studien im Detail

Einordnung, welchem Muster Maitake folgt

Bei den fünf zuvor bearbeiteten Vitalpilzen zeigten sich bislang drei Muster: Bei Shiitake und Cordyceps hängt die belastbarste Humanevidenz an isolierten Polysaccharid-Präparaten mit eigenem Markennamen, nicht am oralen Fruchtkörperextrakt. Bei Igel-Stachelbart tragen Humanstudien mit dem ganzen oder wenig fraktionierten Fruchtkörper die Evidenz. Bei Judasohr existiert zu keiner einzigen verbreiteten Zuschreibung überhaupt eine Humanstudie.

Maitake fällt aus dieser Dreiteilung heraus, weil es beide der ersten beiden Muster gleichzeitig zeigt und keinem davon vollständig entspricht. Die ältere und dichtere Evidenzlinie (Deng 2009 [1], Kodama 2003 [3], Hu 2022 [5]) hängt konsequent an der isolierten D-Fraktion, so wie bei Shiitake und Cordyceps. Die jüngste und methodisch stärkste Einzelstudie (Jogi 2026 [4], eine randomisierte, doppelblind plazebokontrollierte Studie) nutzt dagegen ausdrücklich den ganzen, in Brot eingebackenen Fruchtkörper, so wie bei Igel-Stachelbart. Maitake ist damit der erste Pilz in dieser Reihe, bei dem sich die Humanevidenz auf zwei unterschiedliche, jeweils eigene Zubereitungen verteilt, isolierte Fraktion und ganzer Fruchtkörper, ohne dass sich beide Evidenzlinien auf dieselbe Zubereitung zurückführen lassen.

Immunzell-Marker bei Menschen

Drei kleine, methodisch unterschiedliche Studien haben gemessen, wie sich orale Maitake-Präparate auf Immunzellen und Laborwerte im Blut auswirken, alle bei bereits erkrankten oder älteren Personen, keine an gesunden Erwachsenen im mittleren Alter.

Deng und Kollegen ließen 2009 in einer Phase-I/II-Dosiseskalationsstudie 34 postmenopausale Brustkrebspatientinnen ohne Erkrankungsnachweis nach ihrer Erstbehandlung drei Wochen lang zweimal täglich einen flüssigen Maitake-Extrakt in einer von fünf Dosisstufen einnehmen (0,1 bis 5 mg pro kg Körpergewicht). Es gab keine dosislimitierende Toxizität, zwei Personen brachen wegen milder Nebenwirkungen ab. Der Zusammenhang zwischen Einnahme und mehreren Immunwerten war statistisch deutlich, verlief aber nicht-monoton, das heißt mittlere Dosen wirkten teils stärker immunstimulierend oder stärker immunsuppressiv als sowohl niedrige als auch hohe Dosen. Die Autoren selbst betonen, dass botanische Präparate komplexere Effekte zeigen als angenommen und sowohl stärkend als auch dämpfend auf das Immunsystem wirken können.

Wesa und Kollegen zeigten 2015 in einer einarmigen Phase-II-Studie an Personen mit einer nach dem International Prognostic Scoring System als niedrig- oder intermediär-1-risikoeingestuften Störung der Blutbildung im Knochenmark, dass ein oraler Maitake-Extrakt (3 mg pro kg Körpergewicht zweimal täglich, 12 Wochen) die Funktion von Neutrophilen und Monozyten gegenüber dem eigenen Ausgangswert der Behandelten steigerte. Die alterspassenden gesunden Personen waren kein behandeltes Vergleichskollektiv, sondern ein Bezugswert, laut Volltext lagen die Basalwerte der Erkrankten nach 12 Wochen auf deren Niveau, nicht darüber. Von 21 eingeschlossenen Personen absolvierten 18 die Studie, es gab keine Placebo-Gruppe.

Kodama und Kollegen berichteten 2003 in einer unkontrollierten Beobachtung an 10 bereits vorbehandelten Krebspatienten, dass die Aktivität natürlicher Killerzellen unter oraler D-Fraktion bei allen untersuchten Personen anstieg, während CD4- und CD8-Zellzahlen unverändert blieben.

Einschränkung: Keine der drei Studien hat eine Placebo-Gruppe aus vergleichbaren Personen, zwei von ihnen sind zudem an denselben kommerziellen Hersteller gebunden, die Dosiseskalationsstudie über das von Yukiguni Maitake Corp. gestellte Prüfpräparat, die Phase-II-Studie über eine Zuwendung der Yukiguni Maitake Company Ltd, keine misst einen klinischen Endpunkt wie eine geringere Infekthäufigkeit, und die drei Studien nutzen unterschiedliche Zubereitungen (Flüssigextrakt beziehungsweise isolierte D-Fraktion), die nicht ohne Weiteres austauschbar sind.

Kognitive Leistungsfähigkeit und NK-Zell-Aktivität bei gesunden älteren Erwachsenen

Jogi und Kollegen zeigten 2026 in einer randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Studie an 47 gesunden japanischen Erwachsenen ab 60 Jahren, dass 18 Wochen täglicher Verzehr von Brot mit 50 g des Maitake-Stamms Y10M den kognitiven Testwert (MoCA-J) gegenüber Placebo signifikant verbesserte und die Aktivität natürlicher Killerzellen erhöhte, die wiederum mit dem kognitiven Testwert korrelierte. Ein zweiter, ebenfalls getesteter Maitake-Stamm (C5304) zeigte dagegen keinen Unterschied zu Placebo.

Einschränkung: Die Studie ist klein, nutzt den ganzen Fruchtkörper in einer sehr großen Menge (50 g täglich) statt eines Extrakts, und mehrere Autorinnen und Autoren sind beim kommerziellen Maitake-Hersteller Yukiguni Factory Co., Ltd. angestellt, der die untersuchten Pilzstämme vertreibt. Eine unabhängige Bestätigung liegt bislang nicht vor.

Lebensqualität und Nebenwirkungen unter Radiochemotherapie

Hu und Xie zeigten 2022 in einer randomisierten, plazebokontrollierten Studie an 141 Personen mit einem fortgeschrittenen Larynx- oder Pharynxtumor unter gleichzeitiger Radiochemotherapie, dass orale Kapseln mit Maitake-D-Fraktion während der Behandlung mit selteneren schweren Nebenwirkungen, einem höheren Lebensqualitäts-Score 5 Wochen nach Behandlungsende und einer häufigeren Rückkehr zum Ausgangswert der Lebensqualität nach 6 Monaten einhergingen, jeweils im Vergleich zu Placebo.

Einschränkung: Die Studie stammt von einer einzelnen Klinik, das Abstract nennt weder den genauen Wirkstoffgehalt der Kapseln noch Prozent- oder p-Werte für die berichteten Unterschiede, und eine unabhängige Wiederholung ist uns nicht bekannt.

Tier- und Laborstudien

Zur Blutzuckerregulation, zum Blutdruck, zu den Blutfetten, zur Gewichtsregulation und zur antioxidativen Wirkung, allesamt verbreitet mit Maitake in Verbindung gebrachte Zuschreibungen, liegen ausschließlich Zellkultur- und Tierdaten vor, keine kontrollierte Humanstudie. Mehrere Arbeiten an diabetischen oder fettreich ernährten Mäusen und Ratten zeigen Senkungen von Blutzucker, Blutfetten oder Körpergewicht gegenüber unbehandelten Tieren [10, 11, 12, 13, 16, 17, 18]. Ein isoliertes Peptid aus Grifola frondosa senkte in spontan hypertensiven Ratten den Blutdruck [15], ebenso ein Fütterungsversuch mit Pilzpulver [14]. Im Fadenwurm Caenorhabditis elegans reduzierte ein Extrakt Fettgehalt und oxidativen Stress und verlängerte die Lebensspanne [19]. Zur Tumorhemmung liegt neben Zellkulturarbeiten an menschlichen Brustkrebszellen [7, 8] und caninen sowie menschlichen Krebszelllinien [9] eine Meta-Analyse aus 24 Tierstudien vor, die bei insgesamt niedriger methodischer Qualität der eingeschlossenen Arbeiten ein gehemmtes Tumorwachstum und eine erhöhte Remissionsrate beschreibt [6]. Aus keiner dieser Arbeiten folgt eine Aussage darüber, ob und in welchem Ausmaß sich ein vergleichbarer Effekt bei oraler Einnahme eines entsprechenden Extrakts beim Menschen einstellt.

Sicherheit und Wechselwirkungen

In den vorliegenden Humanstudien war die orale Einnahme von Maitake-Präparaten überwiegend gut verträglich, mit gelegentlicher milder Übelkeit, Gelenkschwellung oder Hautausschlag [1] und, in einer Studie, einer häufigeren, aber nicht schwerwiegenden Eosinophilie [2].

Da mehrere Tierstudien einen blutzuckersenkenden Effekt von Maitake-Präparaten zeigen [10, 11, 12, 13], ist bei bestehender Einnahme blutzuckersenkender Medikamente ärztliche Rücksprache sinnvoll.

Wie bei den anderen Vitalpilzen veränderten mehrere der oben beschriebenen Präparate messbar Immunzellwerte. Bei bestehender Einnahme das Immunsystem unterdrückender Medikamente oder bei einer Autoimmunerkrankung ist deshalb ärztliche Rücksprache sinnvoll. Zu Schwangerschaft, Stillzeit und zu Wechselwirkungen mit weiteren Medikamenten liegt uns keine eigene geprüfte Quelle vor.

Quellen zum Nachlesen

  1. 01

    Phase-I/II-Dosiseskalationsstudie, n gleich 34, postmenopausale Brustkrebspatientinnen ohne Erkrankungsnachweis nach Erstbehandlung, 5 Kohorten, 3 Wochen · 2009

    A phase I/II trial of a polysaccharide extract from Grifola frondosa (Maitake mushroom) in breast cancer patients, immunological effects

    Deng G, Lin H, Seidman A, Fornier M, D'Andrea G, Wesa K, Yeung S, Cunningham-Rundles S, Vickers AJ, Cassileth B. J Cancer Res Clin Oncol

    Zur Zuschreibung: 01

  2. 02

    Klinische Studie Phase II, einarmig, n gleich 21 eingeschlossen und 18 ausgewertet, Vergleich mit alterspassenden gesunden Kontrollpersonen, 12 Wochen · 2015

    Maitake mushroom extract in myelodysplastic syndromes (MDS), a phase II study

    Wesa KM, Cunningham-Rundles S, Klimek VM, Vertosick E, Coleton MI, Yeung KS, Lin H, Nimer S, Cassileth BR. Cancer Immunol Immunother

    Zur Zuschreibung: 01

  3. 03

    Unkontrollierte klinische Beobachtung, n gleich 10, bereits vorbehandelte Krebspatienten unter oraler D-Fraktion ohne begleitende Chemotherapie · 2003

    Effect of Maitake (Grifola frondosa) D-Fraction on the activation of NK cells in cancer patients

    Kodama N, Komuta K, Nanba H. J Med Food

    Zur Zuschreibung: 01

  4. 04

    RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, drei Arme (zwei Pilzstämme plus Placebo), n gleich 47, gesunde Erwachsene ab 60 Jahren, 18 Wochen · 2026

    Maitake Mushroom (Grifola frondosa) Enhances Cognitive Function in Healthy Older Japanese, A Randomized, Double-Blind, Placebo-Controlled Trial

    Jogi EM, Kato MC, Masuda Y, Konishi M, Kuwabara N, Sato S, Nakagawa S, Yamasaki K, Aoki R, Ohno M, Ohata S, Kato S, Hashimoto M. J Nutr Sci Vitaminol (Tokyo)

    Zur Zuschreibung: 02

  5. 05

    RCT, plazebokontrolliert, n gleich 141, Personen mit fortgeschrittenem Larynx- oder Pharynxtumor unter Radiochemotherapie · 2022

    Effect of Maitake D-fraction in advanced laryngeal and pharyngeal cancers during concurrent chemoradiotherapy, A randomized clinical trial

    Hu Q, Xie B. Acta Biochim Pol

    Zur Zuschreibung: 03

  6. 06

    Meta-Analyse und systematische Übersicht präklinischer Tierstudien, 24 eingeschlossene Studien · 2021

    Antitumor activities of Grifola frondosa (Maitake) polysaccharide, a meta-analysis based on preclinical evidence and quality assessment

    Zhao F, Guo Z, Ma ZR, Ma LL, Zhao J. J Ethnopharmacol

    Zur Zuschreibung: 04

  7. 07

    Laborstudie, Zellkultur, menschliche Brustkrebs-Zelllinie MCF-7 · 2013

    Genes related to suppression of malignant phenotype induced by Maitake D-Fraction in breast cancer cells

    Alonso EN, Orozco M, Eloy Nieto A, Balogh GA. J Med Food

    Zur Zuschreibung: 04

  8. 08

    Laborstudie, Zellkultur, menschliche Brustkrebs-Zelllinie MCF7 · 2011

    Maitake (D fraction) mushroom extract induces apoptosis in breast cancer cells by BAK-1 gene activation

    Soares R, Meireles M, Rocha A, Pirraco A, Obiol D, Alonso E, Joos G, Balogh G. J Med Food

    Zur Zuschreibung: 04

  9. 09

    Laborstudie, Zellkultur, canine und mehrere menschliche Krebszelllinien · 2004

    Potential growth inhibitory effect of maitake D-fraction on canine cancer cells

    Konno S. Vet Ther

    Zur Zuschreibung: 04

  10. 10

    Tierstudie, Mäuse mit Alloxan- beziehungsweise Adrenalin-induzierter Hyperglykämie · 2009

    Hypoglycemic activity of Grifola frondosa rich in vanadium

    Cui B, Han L, Qu J, Lv Y. Biol Trace Elem Res

    Zur Zuschreibung: 05

  11. 11

    Tierstudie, diabetische Ratten · 2015

    Hypoglycemic effects of Grifola frondosa (Maitake) polysaccharides F2 and F3 through improvement of insulin resistance in diabetic rats

    Xiao C, Wu Q, Xie Y, Zhang J, Tan J. Food Funct

    Zur Zuschreibung: 05

  12. 12

    Tierstudie, Ratten mit frühem diabetisch bedingtem Nierenschaden · 2020

    The hypoglycemic and renal protective effects of Grifola frondosa polysaccharides in early diabetic nephropathy

    Jiang T, Wang L, Ma A, Wu Y, Wu Q, Wu Q, Lu J, Zhong T. J Food Biochem

    Zur Zuschreibung: 05

  13. 13

    Tierstudie, Ratten mit diät- und Streptozotocin-induziertem Diabetes, 4 Wochen · 2019

    Anti-Diabetic and Anti-Nephritic Activities of Grifola frondosa Mycelium Polysaccharides in Diet-Streptozotocin-Induced Diabetic Rats Via Modulation on Oxidative Stress

    Kou L, Du M, Liu P, Zhang B, Zhang Y, Yang P, Shang M, Wang X. Appl Biochem Biotechnol

    Zur Zuschreibung: 05, 07, 08

  14. 14

    Tierstudie, spontan hypertensive Ratten, 9 Wochen · 1987

    Effect of shiitake (Lentinus edodes) and maitake (Grifola frondosa) mushrooms on blood pressure and plasma lipids of spontaneously hypertensive rats

    Kabir Y, Yamaguchi M, Kimura S. J Nutr Sci Vitaminol (Tokyo)

    Zur Zuschreibung: 06

  15. 15

    Tierstudie, spontan hypertensive Ratten, isoliertes Peptid APPLRP · 2025

    Antihypertension and Improvement Effects of Hexapeptide APPLRP on Exosomes-Mediated Vascular Endothelial Inflammation in Spontaneously Hypertensive Rats

    Cai Q, Zhang T, Zhai K, Guo B, Gong Q, Yang Y, Ding YY, Gu Z, Song T. J Agric Food Chem

    Zur Zuschreibung: 06

  16. 16

    Tierstudie, Ratten unter fettreicher Diät · 2018

    Effect of Grifola frondosa 95% ethanol extract on lipid metabolism and gut microbiota composition in high-fat diet-fed rats

    Pan YY, Zeng F, Guo WL, Li TT, Jia RB, Huang ZR, Lv XC, Zhang J, Liu B. Food Funct

    Zur Zuschreibung: 06

  17. 17

    Tierstudie, Ratten unter fettreicher Diät, 400 mg pro kg Körpergewicht täglich · 2019

    Grifola frondosa polysaccharides ameliorate lipid metabolic disorders and gut microbiota dysbiosis in high-fat diet fed rats

    Li L, Guo WL, Zhang W, Xu JX, Qian M, Bai WD, Zhang YY, Rao PF, Ni L, Lv XC. Food Funct

    Zur Zuschreibung: 06

  18. 18

    Tierstudie, Mäuse unter fettreicher Diät · 2021

    Anti-obesity effects of Grifola frondosa through the modulation of lipid metabolism via ceramide in mice fed a high-fat diet

    Jiang X, Hao J, Liu Z, Ma X, Feng Y, Teng L, Li Y, Wang D. Food Funct

    Zur Zuschreibung: 07

  19. 19

    Laborstudie, Caenorhabditis elegans · 2021

    Grifola frondosa (Maitake) Extract Reduces Fat Accumulation and Improves Health Span in C. elegans through the DAF-16/FOXO and SKN-1/NRF2 Signalling Pathways

    Aranaz P, Peña A, Vettorazzi A, Fabra MJ, Martínez-Abad A, López-Rubio A, Pera J, Parladé J, Castellari M, Milagro FI, González-Navarro CJ. Nutrients

    Zur Zuschreibung: 07, 08

  20. 20

    Tierstudie, adipöse Mäuse unter fettreicher Diät, ergänzt durch Zellversuch an C2C12-Myotuben · 2018

    Grifola frondosa (Maitake) extract activates PPARdelta and improves glucose intolerance in high-fat diet-induced obese mice

    Aoki H, Hanayama M, Mori K, Sato R. Biosci Biotechnol Biochem

    Zur Zuschreibung: 07

  21. 21

    Tierstudie, alkoholexponierte Mäuse · 2023

    Probiotics-Fermented Grifola frondosa Total Active Components, Better Antioxidation and Microflora Regulation for Alleviating Alcoholic Liver Damage in Mice

    He XY, Zhu YX, Jiang XQ, Zhu FR, Luo YJ, Qiu YY, Huang ZR, Liu B, Zeng F. Int J Mol Sci

    Zur Zuschreibung: 08

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