Mäusedorn-Extrakt
Zuletzt geprüft am
Pflanzenextrakte
Ruscus aculeatus · Stechender Mäusedorn · Butcher's Broom
Auf einen Blick
- Was es ist
- Ein Extrakt aus dem Rhizom des Mäusedorns, einer immergrünen Pflanze aus der Familie der Spargelgewächse, mit den Steroidsaponinen Ruscogenin und Neoruscogenin als wirkbestimmend geltenden Leitsubstanzen
- Herkunft
- Rhizom (Wurzelstock) von Ruscus aculeatus, einer im Mittelmeerraum heimischen Pflanze, mit langer Tradition in der europäischen Phytotherapie bei Venenbeschwerden
- Wirkform in Studien
- Überwiegend orale Kapseln. Als Reinstoff liegt bislang genau eine placebokontrollierte Humanstudie vor. Die methodisch umfangreichste Studienlage betrifft dagegen eine feste Dreierkombination aus Ruscus-Extrakt, Hesperidin-Methylchalkon und Vitamin C, deren Ergebnisse sich nicht auf Ruscus allein übertragen lassen
- Übliche Studiendosis
- Die einzige placebokontrollierte Reinstoff-Studie nennt im verfügbaren Abstract keine Milligrammzahl und verweist stattdessen auf die in der deutschen Arzneimittelmonographie festgelegte Dosierung. Die untersuchten Kombinationspräparate wurden überwiegend zweimal täglich als fixe Kapsel eingenommen
- Leitsubstanzen
- Ruscogenin und Neoruscogenin. Handelsextrakte werden häufig auf einen bestimmten Ruscogenin-Gehalt standardisiert, die zitierten Studienabstracts nennen diesen Wert für die verwendeten Präparate jedoch nicht
- Rechtlicher Status
- In der EU als Nahrungsergänzungsmittel beziehungsweise traditionelles pflanzliches Arzneimittel im Handel, keine EFSA-bewertete gesundheitsbezogene Angabe zugelassen
- Verträglichkeit
- In der einzigen placebokontrollierten Reinstoff-Studie insgesamt gute Verträglichkeit. Von 48 in beiden Gruppen aufgetretenen Nebenwirkungen wurden 22 der Ruscus-Gruppe zugeordnet, nur eine davon wurde überhaupt mit der Einnahme in Verbindung gebracht, und dieser Zusammenhang von den Studienautoren als unwahrscheinlich bewertet. Außerhalb kontrollierter Studien sind zwei Einzelfallberichte veröffentlicht, eine diabetische Ketoazidose unter gleichzeitiger Metformin-Einnahme und eine allergische Reaktion auf Ruscogenin
Was diesem Stoff zugesprochen wird
Was die Studien hergeben.
Jede Zuschreibung hat ihre eigene Bewertung. So liest Du die Studienlage.
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01
Beinvolumen und Beinumfang bei Menschen mit nach Widmer-Grad I bis II und CEAP 3 bis 4 eingestufter Venenfunktionsstörung des Beins, geprüft mit Ruscus-Extrakt als Reinstoff
BelegtEinordnung und Einschränkungen
Wir haben gezielt gesucht nach Ruscus aculeatus und chronic venous insufficiency, mit Beschränkung auf randomisierte Studien, systematische Übersichten und Metaanalysen (PubMed-Suche), was insgesamt nur 2 Treffer ergab, davon einer zu einem Kombinationspräparat [1]. Die einzige uns damit vorliegende placebokontrollierte randomisierte Studie mit Ruscus-Extrakt als Reinstoff ist eine multizentrische, doppelblinde Studie an 166 randomisierten Frauen mit nach Widmer-Grad I bis II und CEAP 3 bis 4 eingestufter Venenfunktionsstörung des Beins, von denen 148 nach dem Intention-to-treat-Prinzip über 12 Wochen ausgewertet wurden [1]. Das primäre Zielkriterium, die Fläche unter der Ausgangslinie der Beinvolumenänderung über 12 Wochen, fiel unter Ruscus gegenüber Placebo signifikant günstiger aus (minus 827 Milliliter mal Tag); das Beinvolumen war nach 8 Wochen um 16,5 Milliliter und nach 12 Wochen um 20,5 Milliliter stärker zurückgegangen als unter Placebo [1]. Auch Knöchel- und Wadenumfang sowie die Symptome schwere, müde Beine und Spannungsgefühl besserten sich unter Ruscus gegenüber Placebo signifikant stärker [1]. Eine genaue Milligrammangabe zur Tagesdosis nennt das verfügbare Abstract nicht, es verweist stattdessen auf die in der deutschen Arzneimittelmonographie festgelegte Dosierung [1]. Einschränkungen, die Studie schloss ausschließlich weibliche Teilnehmende ein, prüfte über 12 Wochen ein einzelnes Handelspräparat (Fagorutin Ruscus Kapseln) und erhob keine bildgebend gesicherten Endpunkte [1]. Wer die Studie bezahlt hat, ist nicht nachprüfbar. Der PubMed-Eintrag führt weder eine Interessenerklärung noch einen Förderhinweis, von den acht Autoren trägt nur der Erstautor eine Anschrift, und die Auswertung stützt sich hier auf das Abstract. Da diese eine Studie die Stufe allein trägt und ein namentlich genanntes Handelspräparat prüfte, bleibt die Förderlage ein offener Punkt.
Quellen: 1
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02
Venenkapazität und Blutansammlung im Bein unter orthostatischer und Hitzebelastung bei gesunden Menschen ohne bekannte Venenerkrankung, geprüft mit Ruscus-Extrakt als Reinstoff
HinweiseEinordnung und Einschränkungen
Eine kontrollierte, doppelblinde Studie an 20 gesunden Probandinnen und Probanden unter Hitzebelastung verglich Ruscus-Extrakt allein, Hesperidin-Methylchalkon allein, die Kombination beider Stoffe sowie Placebo anhand einer Venenverschlussplethysmographie und der Messung des Gewebevolumens von Fuß und Unterschenkel [2]. Unter Ruscus allein sank die Venenkapazität (p kleiner 0,01), verringerte sich die Blutansammlung im Unterschenkel unter orthostatischer Belastung, und das Gewebevolumen von Fuß und Knöchel nahm ab (p kleiner 0,01) [2]. Die kapillare Filtrationsrate, also die Abdichtung der Kapillaren, besserte sich dagegen im Hesperidin-Methylchalkon-Arm, nicht im Ruscus-Arm [2]. Das Abstract nennt weder die Teilnehmerzahl je Studienarm noch ein Konfidenzintervall, und die 1989 veröffentlichte Arbeit liegt nur als deutschsprachige Originalpublikation mit englischem Abstract vor. Sie prüft physiologische Messgrößen bei gesunden Menschen ohne diagnostizierte Venenerkrankung, nicht eine Symptomatik.
Quellen: 2
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03
Breiteres Venensymptomspektrum (Schmerz, Krämpfe, Juckreiz, Kribbeln, Müdigkeitsgefühl) und Mikrozirkulation bei Menschen mit klinisch festgestellten Venenbeschwerden der Beine, als Ruscus-Reinstoff nicht eigenständig geprüft, sondern nur an Kombinationspräparaten mit Hesperidin-Methylchalkon und meist zusätzlich Vitamin C
Studienlage offenEinordnung und Einschränkungen
Die qualitativ hochwertigste Evidenz zu diesem breiteren Symptomspektrum betrifft durchgehend Kombinationspräparate, nicht Ruscus als Reinstoff. Eine systematische Übersicht und Metaanalyse aus 10 doppelblinden, plazebokontrollierten Studien mit 719 Teilnehmenden zur fixen Dreierkombination aus Ruscus-Extrakt, Hesperidin-Methylchalkon und Vitamin C fand gegenüber Placebo unter anderem eine Verringerung von Schmerz (standardisierte Mittelwertdifferenz minus 0,80, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 1,21 bis minus 0,39), Schweregefühl (minus 1,23, Konfidenzintervall minus 1,60 bis minus 0,86), Knöchelumfang (minus 0,74, Konfidenzintervall minus 1,01 bis minus 0,47) und Bein- beziehungsweise Fußvolumen (minus 0,61, Konfidenzintervall minus 0,91 bis minus 0,31), nach GRADE-Bewertung überwiegend mit hoher Evidenzqualität [3]. Eine ältere, deutlich größere Metaanalyse zur selben Dreierkombination aus 20 plazebokontrollierten, 5 vergleichspräparatkontrollierten und 6 einarmigen Studien mit insgesamt 10.246 Teilnehmenden fand ebenfalls eine gegenüber Placebo signifikant geringere Schmerz-, Krampf-, Schwere- und Kribbelsymptomatik, jedoch keinen statistisch signifikanten Unterschied bei Ödemschwere sowie Waden- und Knöchelumfang [4]; die ältere Metaanalyse bezieht neben plazebokontrollierten auch offene und einarmige Studien ein und kommt bei der Ödemwirkung zu keinem abschließenden Ergebnis, so referiert es auch die Übersichtsarbeit von 2025 [12]. Ob sich die Einschlusslisten beider Metaanalysen überschneiden, war hier nicht zu klären, beide Volltexte lagen für diese Recherche nicht vor. Da beide dasselbe fixe Präparat auswerten und die ältere die jüngere zeitlich umschließt, sind [3] und [4] als ein Bestand zu lesen und nicht als zwei unabhängige Auswertungen. Eine ältere, kleinere Studie an 50 Menschen mit primärer Varikose prüfte über 2 Wochen ebenfalls eine Dreierkombination, nämlich das Handelspräparat Phlebodril aus Ruscus-Extrakt, Trimethyl-Hesperidin-Chalkon und Ascorbinsäure, und fand nur teilweise und mit unklar berichtetem Signifikanzniveau (im Abstract als p kleiner 0,5 angegeben) abgesicherte Verbesserungen der Venenkapazität [5]. Zur Mikrozirkulation liegt eine kleine kontrollierte Studie an 55 Patientinnen (85 Beine) mit venösen Beinbeschwerden vor, die unter der Dreierkombination gegenüber unbehandelten Kontrollen und Kompressionsstrümpfen nach 4 Wochen eine Verbesserung kapillarmorphologischer Messgrößen fand [6], gestützt durch eine Übersichtsarbeit, die der Kombination eine pharmakologische Wirkung auf die durch venöse Druckerhöhung beeinträchtigte Mikrozirkulation zuschreibt [7]. Eine 2025 veröffentlichte Übersichtsarbeit zu venenaktiven Wirkstoffen ordnet die Dreierkombination neben einer mikronisierten Flavonoidfraktion als eine der beiden Substanzgruppen mit der höchsten, überwiegend Grad-A-Evidenz bei venösen Beinbeschwerden ein [12]. Ein eigenständiger Beleg ist auch das nicht, denn diese Übersichtsarbeit leitet ihre GRADE-Einstufung für die Dreierkombination ausdrücklich aus derselben Metaanalyse [3] ab, deren Zweitautor zugleich alleiniger Autor der Übersichtsarbeit [7] ist. Die vier Nummern [3], [4], [7] und [12] bezeichnen damit einen Bestand zu einem einzigen Kombinationspräparat und nicht vier voneinander unabhängige Belege. Keine dieser Arbeiten prüfte Ruscus als Reinstoff gegen dieses Symptomspektrum; wir haben zusätzlich gezielt gesucht nach Ruscus extract und edema sowie nach Ruscus aculeatus und microcirculation, jeweils ohne Beschränkung auf bestimmte Studientypen, und dabei ausschließlich weitere Kombinationsstudien gefunden. Die einzige Reinstoff-Studie aus der ersten Zeile dieser Tabelle deckte nur Schwere- und Spannungsgefühl ab, nicht Krämpfe, Juckreiz, Kribbeln oder Mikrozirkulationsmessgrößen. Für Ruscus allein bleibt dieser Teil des Symptomspektrums damit ungeprüft.
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04
Beschwerden im Zusammenhang mit Hämorrhoiden
Keine Studien gefundenEinordnung und Einschränkungen
Eine gezielte Suche nach Ruscus aculeatus und hemorrhoids sowie nach butcher's broom und hemorrhoids, jeweils auch ohne Beschränkung auf bestimmte Studientypen, ergab ausschließlich Übersichtsarbeiten und eine historische Arbeit ohne verfügbaren Abstract, aber keine plazebokontrollierte Interventionsstudie zu Ruscus bei Hämorrhoidalbeschwerden. Eine 2025 veröffentlichte Übersichtsarbeit zur Phytochemie und Pharmakologie von Ruscus aculeatus nennt Hämorrhoiden ausdrücklich als traditionellen Anwendungsbereich, hält die Datenlage insgesamt aber für begrenzt und weist ausdrücklich darauf hin, dass sich viele Untersuchungen auf Kombinationspräparate wie Cyclo 3 fort beziehen, wodurch beobachtete Effekte nicht sicher Ruscus allein zugeschrieben werden können [11]. Eine kontrollierte Humanstudie, die Ruscus gezielt bei Hämorrhoidalbeschwerden gegen Placebo prüft, wurde in dieser Recherche nicht gefunden.
Quellen: 11
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05
Entzündungshemmende Wirkung an venösen Gefäßzellen im Zell- und Tiermodell
Nur Labor und TierEinordnung und Einschränkungen
Ein aus der Pflanze Liriope muscari isoliertes Saponin mit Ruscogenin als Aglykon, nicht aus Ruscus aculeatus gewonnen (DT-13), unterdrückte in menschlichen Nabelschnurvenen-Endothelzellen die durch Tumornekrosefaktor-alpha ausgelöste Anheftung und Wanderung von Entzündungszellen sowie die Expression der Adhäsionsmoleküle ICAM-1 und VCAM-1, vermittelt über eine Hemmung des NF-Kappa-B-Signalwegs; im Mausmodell verhinderte dieselbe Substanz in einer Dosis von 4 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht die durch Tumornekrosefaktor-alpha ausgelöste Gefäßentzündung [9]. Eine weitere Arbeit prüfte Pedunculosid, ein aus Ruscus aculeatus isoliertes Flavonoid, an Lungenepithelzellen und Mäusen in einem Modell der akuten Lungenschädigung und fand dort entzündungshemmende und antioxidative Effekte, gemessen unter anderem an gesunkenen Entzündungsmarkern und erhöhter Superoxid-Dismutase-Aktivität [13]; dieses Modell betrifft die Lunge, nicht das Gefäßsystem, und ist für die venöse Wirkung von Ruscus nur eingeschränkt aussagekräftig. Beide Arbeiten prüften isolierte Einzelverbindungen, Pedunculosid aus Ruscus aculeatus und DT-13 aus einer anderen Pflanze mit verwandtem Saponin-Grundgerüst, nicht den Gesamtextrakt von Ruscus, und fanden ausschließlich im Zellkultur- beziehungsweise Tiermodell statt, nicht am Menschen.
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06
Expression eines antimikrobiellen Peptids (RNase 7) in menschlichen Hautzellen im Zellkulturmodell
Nur Labor und TierEinordnung und Einschränkungen
Eine 2024 veröffentlichte Zellkulturstudie an primären menschlichen Keratinozyten fand, dass Ruscus-aculeatus-Extrakt die Expression des antimikrobiellen Peptids RNase 7 über eine Aktivierung des ERK-Signalwegs sowie eine Hemmung der späten Autophagie steigerte; als aktive Komponente wurde die Verbindung Spilacleosid identifiziert [10]. Die Studie wurde von Angestellten eines Kosmetikkonzerns durchgeführt, der Interessenkonflikt-Hinweis der Publikation verneint jedoch konkurrierende Interessen [10]. Es handelt sich um eine Zellkulturuntersuchung an isolierten menschlichen Hautzellen außerhalb des Körpers, nicht um eine Anwendung an Menschen, und sie betrifft eine mögliche antimikrobielle Hautbarrierefunktion, nicht die im Zusammenhang mit Venenbeschwerden diskutierte Wirkung.
Quellen: 10
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07
Venenverengende Wirkung durch Aktivierung von Alpha-Adrenozeptoren an isolierten Venen im Tiermodell
Nur Labor und TierEinordnung und Einschränkungen
An isolierten Ringen der Vena saphena des Hundes verursachte Ruscus-Extrakt eine durch Prazosin und Rauwolscin hemmbare Kontraktion, was auf eine Aktivierung von Alpha-1- und Alpha-2-Adrenozeptoren als möglichen Wirkmechanismus der venenverengenden Wirkung hindeutet; die Kontraktion fiel bei Kühlung schwächer und bei Erwärmung stärker aus [8]. Die Untersuchung fand ausschließlich an isoliertem tierischem Gefäßgewebe außerhalb des Körpers statt. Sie zeigt einen möglichen Wirkmechanismus, aber keine Wirkung am lebenden Menschen.
Quellen: 8
Mäusedorn-Extrakt ist ein Pflanzenextrakt ohne EFSA-bewertete gesundheitsbezogene Angabe, entsprechend nennt diese Übersicht keine behördlich gesicherte Stufe. Auffällig an der Studienlage ist eine klare Trennung zwischen Reinstoff und Kombinationspräparat: Für Ruscus als Reinstoff liegt bislang genau eine placebokontrollierte Humanstudie vor, die ein begrenztes Symptomspektrum bei einer nach Widmer- und CEAP-Kriterien eingestuften Venenfunktionsstörung des Beins zeigt. Das breitere Wirkbild, das viele Übersichtsarbeiten und Marketingtexte für Mäusedorn zeichnen, nämlich eine Besserung zahlreicher Venenbeschwerden und der Mikrozirkulation, stützt sich dagegen fast ausschließlich auf eine feste Dreierkombination aus Ruscus, Hesperidin-Methylchalkon und Vitamin C, die als eigenständiges Präparat unter anderem als Cyclo 3 fort im Handel ist. Für den traditionell genannten Anwendungsbereich Hämorrhoiden fand sich in dieser Recherche keine kontrollierte Humanstudie zu Ruscus.
Studien im Detail
Beinvolumen und Beinumfang (Ruscus-Reinstoff)
Die tragende und bislang einzige placebokontrollierte Studie mit Ruscus als Reinstoff ist eine multizentrische, doppelblinde Arbeit an 166 randomisierten Frauen mit nach Widmer-Grad I bis II und CEAP 3 bis 4 eingestufter Venenfunktionsstörung des Beins, mittlere Erkrankungsdauer rund 15 Jahre in beiden Gruppen [1]. Über 12 Wochen wurden 148 Teilnehmerinnen nach dem Intention-to-treat-Prinzip ausgewertet [1]. Das primäre Zielkriterium, die Fläche unter der Ausgangslinie der Beinvolumenänderung, fiel unter Ruscus gegenüber Placebo signifikant günstiger aus (minus 827 Milliliter mal Tag); das Beinvolumen war nach 8 Wochen um 16,5 Milliliter und nach 12 Wochen um 20,5 Milliliter stärker zurückgegangen als unter Placebo [1]. Knöchel- und Wadenumfang sowie die Symptome schwere, müde Beine und Spannungsgefühl besserten sich ebenfalls signifikant stärker unter Ruscus [1]. Die Gesamtzahl unerwünschter Ereignisse lag in der Ruscus-Gruppe zwar höher (22 von 48 insgesamt), nur eines davon wurde als möglicherweise mit der Studienmedikation zusammenhängend eingestuft [1]. Eine genaue Tagesdosis in Milligramm nennt das verfügbare Abstract nicht, es verweist stattdessen auf die in der deutschen Arzneimittelmonographie festgelegte Dosierung [1]. Geprüft wurde das Handelspräparat Fagorutin Ruscus Kapseln [1]. Einschränkungen, nur weibliche Teilnehmende, ein einzelnes Präparat, 12 Wochen, keine bildgebend gesicherten Endpunkte, und eine bis heute unwiederholte Einzelstudie, denn eine Übersichtsarbeit von 2025 hält ausdrücklich fest, dass nur diese eine klinische Studie Ruscus-Extrakt allein bei Venenfunktionsstörung geprüft hat [11].
Venenkapazität bei gesunden Menschen unter Belastung (Ruscus-Reinstoff)
Eine kontrollierte, doppelblinde Studie an 20 gesunden Probandinnen und Probanden unter Hitzebelastung prüfte Ruscus-Extrakt allein, Hesperidin-Methylchalkon allein, die Kombination beider Stoffe und Placebo mittels Venenverschlussplethysmographie und Messung des Gewebevolumens von Fuß und Unterschenkel [2]. Unter Ruscus allein sanken Venenkapazität und Blutansammlung im Unterschenkel unter orthostatischer Belastung, und das Gewebevolumen von Fuß und Knöchel nahm ab (jeweils p kleiner 0,01) [2]. Die kapillare Filtrationsrate besserte sich dagegen im Hesperidin-Methylchalkon-Arm, nicht im Ruscus-Arm [2]. Die Studie stammt aus dem Jahr 1989, liegt nur als deutschsprachige Originalpublikation mit englischem Abstract vor, das weder die Teilnehmerzahl je Arm noch ein Konfidenzintervall nennt. Sie prüft physiologische Messgrößen bei gesunden Menschen ohne diagnostizierte Venenerkrankung, keine Symptomatik.
Breiteres Venensymptomspektrum und Mikrozirkulation (nur Kombinationspräparate)
Für das breitere Symptomspektrum, das gemeinhin mit Mäusedorn in Verbindung gebracht wird, stammt die belastbarste Evidenz durchweg aus Studien an der festen Dreierkombination Ruscus plus Hesperidin-Methylchalkon plus Vitamin C. Eine systematische Übersicht und Metaanalyse aus 10 doppelblinden, plazebokontrollierten Studien mit 719 Teilnehmenden fand für diese Kombination gegenüber Placebo unter anderem eine Verringerung von Schmerz (standardisierte Mittelwertdifferenz minus 0,80, Konfidenzintervall minus 1,21 bis minus 0,39), Schweregefühl (minus 1,23, Konfidenzintervall minus 1,60 bis minus 0,86), Knöchelumfang (minus 0,74, Konfidenzintervall minus 1,01 bis minus 0,47) und Bein- beziehungsweise Fußvolumen (minus 0,61, Konfidenzintervall minus 0,91 bis minus 0,31), größtenteils mit hoher Evidenzqualität nach GRADE [3]. Eine ältere, wesentlich größere Metaanalyse zur selben Kombination aus 20 plazebokontrollierten, 5 vergleichspräparatkontrollierten und 6 einarmigen Studien mit insgesamt 10.246 Teilnehmenden bestätigte eine signifikant geringere Schmerz-, Krampf-, Schwere- und Kribbelsymptomatik gegenüber Placebo, fand aber keinen statistisch signifikanten Unterschied bei Ödemschwere sowie Waden- und Knöchelumfang [4]; ein möglicher Grund ist die Einbeziehung offener und einarmiger Studien neben den plazebokontrollierten, wodurch sich beide Metaanalysen methodisch nicht direkt vergleichen lassen. Eine kleinere, ältere Studie an 50 Menschen mit primärer Varikose prüfte über 2 Wochen ebenfalls eine Dreierkombination, nämlich das Handelspräparat Phlebodril aus Ruscus-Extrakt, Trimethyl-Hesperidin-Chalkon und Ascorbinsäure, und fand nur teilweise und mit unklar berichtetem Signifikanzniveau (im Abstract als p kleiner 0,5 angegeben) abgesicherte Verbesserungen der Venenkapazität [5]. Zur Mikrozirkulation liegt eine kleine kontrollierte Studie an 55 Frauen (85 Beinen) mit venösen Beinbeschwerden vor: Nach 4 Wochen besserten sich unter der Dreierkombination kapillarmorphologische Messgrößen gegenüber unbehandelten Kontrollen und Kompressionsstrümpfen [6], gestützt durch eine Übersichtsarbeit, die der Kombination eine pharmakologische Wirkung auf die durch venöse Druckerhöhung beeinträchtigte Mikrozirkulation zuschreibt [7]. Eine 2025 veröffentlichte Übersichtsarbeit zu venenaktiven Wirkstoffen ordnet die Dreierkombination neben einer mikronisierten Flavonoidfraktion als eine von zwei Substanzgruppen mit der höchsten, überwiegend Grad-A-Evidenz bei venösen Beinbeschwerden ein [12]. Ein eigenständiger Beleg ist das nicht, denn diese Übersichtsarbeit leitet ihre GRADE-Einstufung für die Dreierkombination ausdrücklich aus derselben Metaanalyse [3] ab, deren Zweitautor zugleich alleiniger Autor der Übersichtsarbeit [7] ist. Die Nummern [3], [4], [7] und [12] bezeichnen einen Bestand zu einem einzigen Kombinationspräparat, nicht vier unabhängige Belege. Für Ruscus als Reinstoff wurde dieses breitere Symptomspektrum bislang nicht eigenständig geprüft.
Hämorrhoidalbeschwerden
Eine gezielte Suche nach Ruscus aculeatus und hemorrhoids sowie nach butcher's broom und hemorrhoids, auch ohne Beschränkung auf bestimmte Studientypen, ergab ausschließlich Übersichtsarbeiten und eine historische Arbeit ohne verfügbaren Abstract. Eine 2025 veröffentlichte Übersichtsarbeit zur Phytochemie und Pharmakologie von Ruscus aculeatus nennt Hämorrhoiden zwar als traditionellen Anwendungsbereich, hält die Datenlage insgesamt aber für begrenzt und weist ausdrücklich darauf hin, dass sich viele Untersuchungen auf Kombinationspräparate beziehen, wodurch beobachtete Effekte nicht sicher Ruscus allein zugeschrieben werden können [11]. Eine kontrollierte Humanstudie zu Ruscus bei Hämorrhoidalbeschwerden wurde nicht gefunden.
Tier- und Laborstudien
Die folgenden Arbeiten fanden ausschließlich im Zellkultur-, Tier- oder ex-vivo-Modell statt und erlauben keine Aussage über eine Wirkung beim lebenden Menschen.
Ein aus der Pflanze Liriope muscari isoliertes Saponin mit Ruscogenin als Aglykon, nicht aus Ruscus aculeatus gewonnen (DT-13), unterdrückte in menschlichen Nabelschnurvenen-Endothelzellen die durch Tumornekrosefaktor-alpha ausgelöste Anheftung und Wanderung von Entzündungszellen sowie die Expression der Adhäsionsmoleküle ICAM-1 und VCAM-1 über eine Hemmung des NF-Kappa-B-Signalwegs; im Mausmodell verhinderte dieselbe Substanz in einer Dosis von 4 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht die durch Tumornekrosefaktor-alpha ausgelöste Gefäßentzündung [9]. Pedunculosid, ein aus Ruscus aculeatus isoliertes Flavonoid, zeigte an Lungenepithelzellen und Mäusen in einem Modell der akuten Lungenschädigung entzündungshemmende und antioxidative Effekte, unter anderem gesunkene Entzündungsmarker und eine erhöhte Superoxid-Dismutase-Aktivität [13]; dieses Modell betrifft die Lunge, nicht das Gefäßsystem, und ist für die venöse Wirkung von Ruscus nur eingeschränkt aussagekräftig.
Eine 2024 veröffentlichte Zellkulturstudie an primären menschlichen Keratinozyten fand, dass Ruscus-aculeatus-Extrakt die Expression des antimikrobiellen Peptids RNase 7 über eine Aktivierung des ERK-Signalwegs sowie eine Hemmung der späten Autophagie steigerte; als aktive Komponente wurde die Verbindung Spilacleosid identifiziert [10]. Die Studie wurde von Angestellten eines Kosmetikkonzerns durchgeführt, der Interessenkonflikt-Hinweis der Publikation verneint jedoch konkurrierende Interessen [10]. Es handelt sich um eine Untersuchung an isolierten menschlichen Hautzellen außerhalb des Körpers, keine Anwendung an Menschen.
An isolierten Ringen der Vena saphena des Hundes verursachte Ruscus-Extrakt eine durch Prazosin und Rauwolscin hemmbare Kontraktion, was auf eine Aktivierung von Alpha-1- und Alpha-2-Adrenozeptoren als möglichen Wirkmechanismus der venenverengenden Wirkung hindeutet; die Kontraktion fiel bei Kühlung schwächer und bei Erwärmung stärker aus [8]. Dieser Befund liefert einen möglichen pharmakologischen Erklärungsansatz für die in Studie [1] und [2] gemessenen Effekte auf Venenkapazität und Beinvolumen, ist selbst aber eine reine Gewebeuntersuchung ohne Aussage über die Wirkung am lebenden Menschen.
Sicherheit und Wechselwirkungen
In der einzigen placebokontrollierten Reinstoff-Studie war die Verträglichkeit insgesamt gut; von 48 in beiden Gruppen zusammen aufgetretenen Nebenwirkungen entfielen 22 auf die Ruscus-Gruppe, nur eine davon wurde überhaupt mit der Studienmedikation in Verbindung gebracht, und dieser Zusammenhang von den Studienautoren als unwahrscheinlich bewertet [1]. Wer die Studie bezahlt hat, geht aus dem PubMed-Eintrag nicht hervor, es fehlen Interessenerklärung und Förderhinweis, von den acht Autoren trägt nur der Erstautor eine Anschrift, und die Auswertung stützt sich hier auf das Abstract [1]. Außerhalb kontrollierter Studien sind zwei Einzelfallberichte veröffentlicht, eine diabetische Ketoazidose bei einer 39-jährigen Patientin fünf Tage nach Beginn einer Ruscus-Einnahme unter gleichzeitiger Metformin- Therapie und eine allergische Reaktion auf ein ruscogeninhaltiges Präparat zur äußeren Anwendung [11].
Pharmakologisch wirkt Ruscus-Extrakt über eine Aktivierung von Alpha-1- und Alpha-2-Adrenozeptoren venenverengend, gezeigt an isoliertem tierischem Gefäßgewebe [8]. Eine dedizierte klinische Interaktionsstudie zwischen Ruscus und gerinnungshemmenden, blutdrucksenkenden oder anderen adrenerg wirkenden Arzneimitteln wurde in dieser Recherche nicht gefunden; die hier beschriebene Vorsicht stützt sich auf den pharmakologischen Wirkmechanismus, nicht auf eine klinische Interaktionsstudie. Menschen, die Medikamente einnehmen, die den Blutdruck oder das Sympathikus-System beeinflussen, oder die eine Blutgerinnungsstörung haben, sollten die Einnahme ärztlich abklären. Eine 2025 veröffentlichte Übersichtsarbeit zur Pharmakologie von Ruscus aculeatus hält Sicherheit und Standardisierung der im Handel befindlichen Extrakte insgesamt für unzureichend untersucht und fordert weitere kontrollierte Studien [11].
Quellen zum Nachlesen
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01
RCT, doppelblind, plazebokontrolliert, multizentrisch, n gleich 166 randomisiert, 148 ausgewertet (Intention-to-treat), 12 Wochen · 2002
Efficacy and safety of a Butcher's broom preparation (Ruscus aculeatus L. extract) compared to placebo in patients suffering from chronic venous insufficiency.
Vanscheidt W, et al. Arzneimittelforschung
Zur Zuschreibung: 01
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02
Kontrollierte, doppelblinde Studie, n gleich 20 gesunde Probanden, Vergleich Ruscus-Extrakt allein, Hesperidin-Methylchalkon allein, Kombination und Placebo · 1989
[Improving venous tone and capillary sealing. Effect of a combination of Ruscus extract and hesperidine methyl chalcone in healthy probands in heat stress].
Rudofsky G. Fortschr Med
Zur Zuschreibung: 02
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03
Systematische Übersicht und Metaanalyse aus 10 RCTs, n gleich 719, zur Dreierkombination Ruscus plus Hesperidin-Methylchalkon plus Vitamin C · 2017
Efficacy of Ruscus extract, HMC and vitamin C, constituents of Cyclo 3 fort®, on improving individual venous symptoms and edema: a systematic review and meta-analysis of randomized double-blind placebo-controlled trials.
Kakkos SK, Allaert FA. Int Angiol
Zur Zuschreibung: 03
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04
Metaanalyse aus 20 plazebokontrollierten, 5 vergleichspräparatkontrollierten und 6 einarmigen Studien, n gleich 10246, zur Dreierkombination Ruscus plus Hesperidin-Methylchalkon plus Vitamin C · 2003
Meta-analysis of clinical trials of Cyclo 3 Fort in the treatment of chronic venous insufficiency.
Boyle P, Diehm C, Robertson C. Int Angiol
Zur Zuschreibung: 03
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05
RCT, doppelblind, n gleich 50, Dreierkombination Ruscus-Extrakt, Trimethyl-Hesperidin-Chalkon und Ascorbinsäure (Handelspräparat Phlebodril), 2 Wochen · 1987
[Controlled study of increasing venous tone in primary varicose veins by oral administration of Ruscus aculeatus and trimethylhespiridinchalcone].
Weindorf N, Schultz-Ehrenburg U. Z Hautkr
Zur Zuschreibung: 03
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06
Kontrollierte klinische Studie, n gleich 55 Frauen (85 Beine) plus 10 gesunde Kontrollen, Dreierkombination gegen Kompressionsstrümpfe und unbehandelte Kontrolle, 4 Wochen · 2008
Use of microcirculatory parameters to evaluate clinical treatments of chronic venous disorder (CVD).
Lascasas-Porto CL, et al. Microvasc Res
Zur Zuschreibung: 03
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07
Übersichtsarbeit zur Dreierkombination · 2016
Combination of Ruscus aculeatus extract, hesperidin methyl chalcone and ascorbic acid: a comprehensive review of their pharmacological and clinical effects and of the pathophysiology of chronic venous disease.
Allaert FA. Int Angiol
Zur Zuschreibung: 03
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09
Laborstudie an humanen Nabelschnurvenen-Endothelzellen (HUVEC) in vitro und Mausmodell, Saponin aus Liriope muscari mit Ruscogenin als Aglykon · 2015
The saponin DT-13 attenuates tumor necrosis factor-α-induced vascular inflammation associated with Src/NF-кB/MAPK pathway modulation.
Zhang Y, et al. Int J Biol Sci
Zur Zuschreibung: 05
- 10
- 11
- 12
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13
Tier- und Zellstudie (Maus, Lungenepithelzellen), akutes Lungenschädigungsmodell, isoliertes Flavonoid aus Ruscus aculeatus · 2025
Pedunculoside alleviates lipopolysaccharide-induced acute lung injury/acute respiratory distress syndrome by inhibiting NF-κB pathway.
Yang Y, et al. Sci Rep
Zur Zuschreibung: 05
Bei H.P.N
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